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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

Jakobusbrief mit Synopsis von J.N. Darby,   Sprecher:  Martin W.

 

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Ein Überblick über den Brief an die Römer

 

(Charles Andrew Coates)  Abschrift:  Nicole F.

 

 

Kapitel 1

 

Dieser Brief stellt uns die frohe Botschaft Gottes dar, und zwar - strenggenommen - nicht, wie sie Ungöttlichen gepredigt, sondern so, wie sie Heiligen entfaltet wird.

Er beginnt mit dem Gedanken der göttlichen Berufung. Paulus war ein berufener Apostel, und er schreibt den Geliebten Gottes in Rom, die Berufene Jesu Christi und Heilige aufgrund göttlicher Berufung waren. Das gibt Gott Seinen Platz, der Ihm als dem Ersten, der beim Werke der Gnade tätig ist, zukommt. Gott hat gewisse Personen berufen, und die Folge davon ist, dass sie Jesus Christus schätzen.

Gott möchte nun, dass alle diese großen Grundsätze Seiner Wirksamkeit in Gnade durch den Herrn Jesus Christus verstehen und auch in ihnen befestigt werden. Deshalb haben wir diesen wunderbaren Brief. Er soll uns in der zu uns gekommenen Gnade befestigen.

Die Berufung gehört ganz und gar der göttlichen Seite an. „Die er ... im Voraus bestimmt hat, diese hat er auch berufen“ (Röm. 8, 30). Dem jüngsten Gläubigen, der Christum schätzt, ist es gut zu wissen, dass dies die Berufung Gottes zuwege gebracht hat. Die Erkenntnis der Berufung Gottes verleiht der Seele Festigkeit. Sogar, als sich der Apostel zu Ungeistlichen wie den Korinthern wandte, betonte er die Berufung. Sie, wie auch die zu Rom, werden „berufene Heilige“ genannt.

Den „Berufenen“ wird Christus „Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1. Kor. 1, 24). Paulus rät den Heiligen daselbst, ihre Berufung zu betrachten und zu erkennen, „dass es nicht viele Weise nach dem Fleische, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle“ waren (1. Kor. 1, 26). Die göttliche Berufung ist es, die den Heiligen Würde verleiht.

Gott beruft die Menschen durch das Evangelium. Paulus schrieb den Thessalonichern: „der euch berufen hat durch unser Evangelium zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesu Christi“ (2. Thess. 2, 14). Welches Werkzeug Gott auch gebrauchen mag, Gott ist der Berufende. Also nicht der Prediger, sondern Gott.

Gott nennt hier in Vers 6 die Heiligen „Berufene Jesu Christi“. Wenn ich Jesus Christus in meinem Herzen schätze, so kommt dies daher, dass ich einer von Seinen Berufenen bin. Welch ein erquickender Gedanke! Seinerseits hat meinethalben eine persönliche Tätigkeit stattgefunden, die mich aus den Menschen aussonderte, damit ich für Ihn und für Gott sei. Nicht der Prediger - nicht der mit mir über meine Seele sprach -, sondern Jesus Christus Selbst tat das. Er hat unmittelbar und persönlich zu mir geredet, und das Bewusstsein hiervon bewegt mein Innerstes.

Die Folge Seiner Berufung ist, dass einem Jesus Christus zu einer persönlichen Wirklichkeit wird. Die wunderbarste Predigt in der Welt könnte das an sich nicht zustande bringen. Ich sage damit nicht, dass der Herr Sich ihrer nicht bedienen könnte, doch es ist Seine eigene persönliche und mächtige Stimme, die Ihn der Seele zur Wirklichkeit werden lässt.

Ein Berufener kommt nicht immer in einem Augenblick zum Lichte, doch er hat ein Geheimnis in seinem Herzen, das mächtig genug ist, schließlich jedes Hindernis zu durchbrechen. Man weiß, dass ein in einen Felsenriss gefallener Same solche Kraft besitzt, dass er sogar einen großen Felsblock beim Wachsen zersprengt.

Die Berufung Christi bringt etwas in der Seele zuwege, das sich auswirken muss. Beispiele davon sind Nikodemus und Joseph von Arimathia. Sie waren Berufene Jesu Christi, und die Folge davon war, dass sie schließlich hervortraten, denn sie schätzten Ihn trotz aller natürlichen Hindernisse.

Es liegt etwas Unmittelbares und Persönliches darin, von Jesus Christus berufen zu sein. Es ist leicht zu sehen, dass ein „berufener Apostel“ einer war, den der Herr persönlich heraus nahm und ihm Gnade und Apostelamt verlieh. Doch Er hat auch jeden Heiligen berufen.

Die Berufung ist eine göttliche, und all die Übungen und Erfahrungen der Seele stehen damit in Verbindung. Die Folge der Berufung ist, dass die Seele Jesus Christus als Gottes Rettung kennenlernt.

Das größte Gute brachte Gott den Menschen durch den „einen Menschen, Jesus Christus“ (Röm. 5, 15). Dieser Mensch, „von Gott ... erwiesen durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn ... tat“, ist jetzt zum Herrn und Christus im Himmel gemacht (Apg. 2, 22 u. 36). Und die frohe Botschaft am Tage der Pfingsten lautete: „Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft in dem Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“ (Apg. 2, 38).

Wie gesegnet, daran zu denken, dass die Heiligen „Berufene Jesu Christi“ sind! Solchen ist Er eine große und kostbare Wirklichkeit geworden. Er ist einer, mit dem keiner in Wettbewerb treten könnte, denn kein anderer konnte gegen die Sünde und den Tod vorgehen, um Gottes Rettung zu sein bis an die Enden der Erde (Jes. 49, 6). Er ist Der, in dem Gott der ganzen durch die Sünde und Satans Macht geschaffenen Lage eine Wendung gab, und auch Der, durch den der Segen Gottes zu den Menschen gekommen ist. Jeder, der Ihn so kennt und an Ihn glaubt, ist durch Jesus Christus berufen.

Diese Berufung trennt einen von all den Plänen, Kunstgriffen und Verfahren, die die Menschen anwenden, um etwas in Ordnung zu bringen. Jeder mit gesunden Anschauungen wird zugeben, dass wir in einer Welt sind, wo nichts recht steht, und die meisten würden auch anerkennen, dass es mit ihnen selbst nicht recht steht. Dabei aber ist die Welt voller Pläne, alles in Ordnung zu bringen.

Als Paulus diesen Brief schrieb, gab es, wie auch heute, allerhand in der Welt, dem man einigen Wert beimaß. Es gab Tugendlehrer und Philosophen, und eine alte Religion, die ursprünglich von Gott war. Doch Paulus stand getrennt von dem allen, und zwar getrennt für Gottes frohe Botschaft. Er hatte den Menschen etwas zu sagen, doch sein Vortragsstoff vertrug keine Beimischung: Gottes frohe Botschaft besitzt eigene Stehkraft und lässt sich nicht mit irgend etwas verbinden, von dem man glaubt, es sei gut für den Menschen.

Paulus hat nicht die Freiheit, sich seinen eigenen Pfad zu wählen. Er ist ein „Sklave“, über den Jesus Christus völlig zu verfügen hat. Für Paulus gab es nur einen Menschen - den Sohn Gottes, Jesus Christus. Er, den Gott gab, allein war der Lage gewachsen.

Als Gegenstände der göttlichen Berufung erfassen wir, dass dieser eine Mensch der Mittelpunkt von allem ist. Der von Jesus Christus Berufene mag tausenderlei zu lernen haben, doch er hat die Gewissheit, dass alles von Christo abhängt. Die Apostel hatten dieses Bewusstsein, trotz vieler Schwäche und Unwissenheit. Sie sprachen: „zu wem sollen wir gehen?“ (Joh. 6, 68) Die Heiligen, die als solche von Gott berufen sind, haben die Überzeugung in ihren Seelen, dass Sein Sohn, Jesus Christus, der eine Mensch ist, der von Gott aus den Menschen alles bringen kann. Er kann gegen alles das vorgehen, worunter die Menschen infolge der Sünde sind. Worin sich die Menschen auch befinden mögen, Er kann sie daraus auf heiligem Wege befreien. Das ist dadurch erwiesen, dass Er aus den Toten aufzuerwecken vermochte, und wenn Er das tun kann, so kann Er alles tun.

Unseren Seelen tut vor Gott ein Bewusstsein der Wirklichkeit Jesu Christi not. Das ist der Ausgangspunkt von allem, und nichts kann in der Seele aufgebaut werden, außer auf dieser Grundlage. Paulus sagt den Korinthern, dass Jesus Christus in ihnen sei, denn in 2. Kor. 13, 5 heißt es: „untersuchet euch selbst, oder erkennet ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?“ Das konnten sie nicht leugnen.

Ein Berufener Jesu Christi kann nicht leugnen, dass Jesus Christus in ihm ist. Das ist nichts, was durch einen Windstoß hinweggeblasen werden kann. Die Berufung Gottes ist eine wesenhafte göttliche Wirklichkeit, die die ganze Macht Satans nicht zunichte machen kann. Die Berufung Jesu Christi ist eine Berufung vom Himmel. Nichts könnte wirkungsvoller sein als das.

Ich wünschte, dass jeder junge Gläubige ein Bewusstsein von ihrer Wirklichkeit empfinge. Wenn wir Jesus Christus schätzen, so ist das die Folge Seiner Berufung, die ein persönliches Band mit Ihm schafft. Den Anfang vom Standpunkt des Römerbriefs aus bildet die göttliche Berufung.

Die herrliche Person, deren Sklave Paulus war, kam aufgrund all der alten Verheißungen, aufgrund der Treue Gottes. Die heiligen Schriften enthielten lange Jahrhunderte hindurch Verheißungen, und das Kommen des Sohnes Gottes als Mensch entsprach allem, was von Gott zuvor verkündigt worden war. Er kam, dem Fleische nach, aus dem Samen Davids.

Mir fiel die Tatsache auf, dass Gott mit Bezug auf die Beständigkeit des Samens Davids das Bild von Sonne und Mond gebraucht. In Psalm 89, 29 heißt es: „Und ich will seinen Samen einsetzen für immer und seinen Thron wie die Tage der Himmel“, und in V. 35 - 37: „Einmal habe ich geschworen bei meiner Heiligkeit, wenn ich dem David lüge! Sein Same wird ewig sein, und sein Thron wie die Sonne vor mir; Ewiglich wird er feststehen wie der Mond; Und der Zeuge in den Wolken ist treu“.

Gott gebraucht himmlische Bilder, um uns die dem Samen Davids eigene Beständigkeit vorzustellen. Wenn alles auf Erden in Trümmer ginge, so berührt das die Beständigkeit der Sonne und des Mondes in den Himmeln durchaus nicht. Die uns jetzt zuteil gewordenen Segnungen werden „die zuverlässigen Gnaden Davids“ genannt (Jes. 55, 3; Apg. 13, 34). Die Berufung verbindet einen mit der Beständigkeit von alledem. Was von Gott aus durch Jesus Christus gekommen ist, wird durch die Beständigkeit der Auferstehung gekennzeichnet.

Der Gegenstand dieses Briefes ist, uns in der Glückseligkeit dessen zu befestigen und zu gründen, was Gott in Seiner Treue gegen die Verheißungen und in Seiner Gnade als ein Retter-Gott den Menschen gebracht hat.

Unsererseits ist, wie wir in Vers 5 finden, Glaube nötig. Die Berufung gehört der göttlichen Seite an, doch Hand in Hand damit geht auf unserer Seite der Glaubensgehorsam. Diese wunderbare Person, dieser eine Mensch, Gottes Sohn Jesus Christus, unser Herr, wird der Gegenstand des Glaubens. Auf diese Weise werden die Menschen Gott gehorsam.

Gott hat den Gehorsam dadurch sehr anziehend gemacht, dass Er uns zeigte, dass er der Weg unendlicher und ewiger Segnung ist. Wenn wir die Glückseligkeit dessen sehen, was Gott in dem Evangelium vorhat, so führt uns das dahin, unser eigensinniges Misstrauen gegen Ihn zu verurteilen und durch Buße und Glauben gehorsam zu werden.

Der Zweck dieses Briefes ist, uns in der Erkenntnis Gottes aufzuerbauen und Jesus Christus in Seiner Beziehung zu Gott zu sehen. Gott hat durch den einen Menschen, Seinen eigenen Sohn, eingegriffen. Er hat einen Menschen gesandt, der vermochte, in göttlicher Heiligkeit und Kraft gegen alles das vorzugehen, was die Frucht der Sünde war.

Jesus Christus kam, alles das zustande zu bringen, was zum Wohlgefallen Gottes ist, und zwar auf eine heilige Weise. Er ward „als Sohn Gottes in Kraft erwiesen dem Geiste der Heiligkeit nach durch Toten-Auferstehung“. Die frohe Botschaft kommt in all dem Werte der Person des Sohnes Gottes zu uns und in all dem Werte der Heiligkeit, die Ihm innewohnt. Heiligkeit und Kraft wurden zusammen in Ihm gefunden.

Es ist zu beachten, dass die Auferstehungskraft im Sohne Gottes „dem Geiste der Heiligkeit“ entspricht. Die Jünger hatten ein tiefes Bewusstsein davon, dass Er „der Heilige Gottes“ war (Joh. 6, 69). Er kam, um mit allem, was auf den Menschen lastete, in Berührung zu kommen, und zwar in Heiligkeit, damit die Menschen frei von der Gewalt alles dessen würden, dem sie durch die Sünde unterworfen waren. Sei es, dass unser Zustand einer der Lust, der Gesetzlosigkeit oder Schwachheit ist, Er kann uns herausnehmen.

Im Lichte davon können wir verstehen, dass der Apostel „abgesondert“ war „zum Evangelium Gottes“. Es stand getrennt von allem anderen und hatte keinen Wettbewerber. Wenn der Sohn Gottes jemand dem Tode entreißen kann, so vermag Er alles. Paulus redet hier nicht von der Auferstehung Christi, sondern von der Toter. Das Wort steht in der Mehrzahl.

Ich mag unter einer schrecklichen Macht der Sünde stehen, doch wenn der Sohn Gottes Menschen aus den Toten zu erwecken vermag, so kann Er mich aus allem herausreißen, was eine Offenbarung der Macht des Bösen ist, und Er kann das auf eine heilige Weise tun.

Der Dienst des Evangeliums geht von Christus aus. Als Er hienieden war, war Er der gesegnete Diener. Im Evangelium des Markus sehen wir die Vollkommenheit Seines persönlichen Dienstes den Menschen gegenüber, doch nun setzt der Apostel dieselbe Art Dienst fort. Es heißt: „durch den wir Gnade und Apostelschaft empfangen haben für seinen Namen“.

Der gesegnete Dienst Christi wird fortgesetzt, obwohl Christus nicht mehr persönlich hienieden ist. Dessen Gnade wie auch der göttliche Auftrag waren vorhanden. Paulus hatte einen solchen und konnte als Gesandter für Christus in die Welt gehen. Doch auch die Gnade dieses Dienstes war zugegen. Er war bereit, zu arbeiten, zu leiden, durch jede Art Schwierigkeiten, Kummer und Trübsal zu gehen, um den Dienst des Evangeliums fortzusetzen, damit die Menschen Gott erkennen lernten. „Für seinen Namen“ deutet an, dass Christus persönlich abwesend ist, der Dienst aber Seinethalben fortgesetzt wird.

Als Christus hienieden war, war Er nicht nur bereit zu dienen, sondern auch zu leiden, und Paulus hatte sowohl Gnade als auch Apostelschaft empfangen, denselben Dienst fortzusetzen. Die Apostelschaft besaß er von Amts wegen. Wenn aber das Gefäß der Gabe im Einklang mit der Gabe stehen sollte, so musste auch Gnade vorhanden sein. Paulus empfing beides, die Gnade und die Apostelschaft unmittelbar von Christus, und seine Tätigkeit stellte die Jesu Christi dar.

Er konnte den Korinthern sagen: „Weil ihr einen Beweis suchet, dass Christus in mir redet“ usw. (2. Kor. 13, 3). Wenn Jesus Christus in ihnen war, so war das ein Beweis, dass Christus in Paulus geredet hatte. Auf diese Weise kommt das Zeugnis Gottes zu den Menschen. Es bildet in Wirklichkeit eine Fortsetzung des Evangeliums Markus‘. Und so befreit Gott die Menschen von Gesetzlosigkeit und bringt sie zum Gehorsam.

Die mit Paulus in Berührung kamen, sahen einen Menschen, der von göttlichem Mitgefühl durchdrungen war - einen Menschen, der bereit war, um ihretwillen zu leiden, damit sie gesegnet würden. Er war bereit, jede Beschimpfung zu ertragen, ins Gefängnis geworfen, gesteinigt und mit Ruten geschlagen zu werden. Er war bereit, sich allerlei Gefahren auszusetzen, damit die Menschen Gott erkennen möchten. So stellte er das Evangelium lebendig dar.

Bedenken wir, was es für Gott war, diesen Weg zu beschreiten, um die Menschen zum Gehorsam zu bringen! Dass Gott es unternommen hat, Seine Rechte auf diese Weise zu behaupten, sowie auch das, was Ihm zukam, ist höchst wunderbar! Er ist dem Menschen in einer Weise nahe gekommen, die da, wo Glauben vorhanden ist, all die Gesetzlosigkeit des Menschen und sein eigensinniges Misstrauen gegen Gott ernstlich zurechtweist und ihn zum Gehorsam bringt.

Das ist der Zweck des Evangeliums. Mittels des Glaubens kommt der Mensch in die rechten Beziehungen zu Gott, denn Gott kann nie aufhören, Gott zu sein. Nun Er ein Retter-Gott und Rechtfertiger geworden, ist Er immer noch Gott und ist berechtigt zu gebieten, und am Geschöpf ist es, zu gehorchen.

Die Predigt von Jesus Christus ist nach Befehl des ewigen Gottes, und zwar zum Glaubensgehorsam (Röm. 16, 25 u. 26). Gott wollte Sein gesetzloses und aufrührerisches Geschöpf dadurch in rechte Beziehungen zu Sich Selbst bringen, dass Er ihm Seine Oberhoheit im Wege der Gnade und Segnung durch unseren Herrn Jesus Christus darstellte.

Der Glaube ist ein sittliches Band zwischen dem Geschöpf und Gott. Ursprünglich hatte das Band der Schöpfung bestanden, doch dieses ist durch den Fall in sittlicher Hinsicht zerrissen worden, obschon der Mensch nicht aufgehört hat, verantwortlich zu sein. Gott beabsichtigt nun, das Band wiederanzuknüpfen, und diesmal durch Seine eigene wunderbare Dazwischenkunft durch Jesus Christus.

Gott griff durch Jesus Christus ein, als alles durch die Sünde und den Tod zusammengebrochen war. Er führte einen Gegenstand des Glaubens ein - Einen, in dem Seine Gnade und Rettung den Menschen nahegebracht worden sind, und der Glaube an diese gesegnete Person schafft auf Seiten des Menschen ein neues Band mit Gott.

Die Berufung Gottes und Jesu Christi setzt den Glauben in Tätigkeit. Gott hat das Evangelium über Jesus Christus, Seinen Sohn, kundgemacht, und nun geht es aus unter alle Nationen. Es beschränkt sich nicht auf den Juden. Und wo immer Buße und Glaube hervorgebracht werden, so ist das ein Beweis der göttlichen Berufung. Wo immer ein Werk Gottes im Menschen ist, äußert es sich durch Buße und Glauben.

Im Alten Testament gab es das Zeugnis des Evangeliums nicht. Da gab Gott viele Verheißungen, doch jetzt haben wir das Evangelium. Den Galatern sagt Paulus: „Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der offenbart werden sollte. ... Da aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter einem Zuchtmeister“ (Gal. 3, 23 u. 25).

Von Mose an war die öffentliche Zeitverwaltung eine des Gesetzes, obwohl es auch Verheißungen von Seiten Gottes gab, an die sich das Volk Gottes halten konnte. Doch da Gott nun in gerechter Gnade hervorgetreten ist, stehen wir endgültig in der Zeit des Glaubens, und das Evangelium wird zum Glaubensgehorsam unter allen Nationen gepredigt. Die Gerechtigkeit Gottes ist „auf dem Grundsatz des Glaubens zu Glauben“ (V. 17).

Gott hat einen neuen Grundsatz eingeführt, demzufolge Er gekannt sein und der Mensch vor Ihm gerecht werden kann. Es ist dies ein Grundsatz, auf den der Mensch nie gekommen wäre, denn er hätte nie gedacht, vor Gott anders als aufgrund seiner eigenen Werke gerecht sein zu können. Doch in dem Evangelium hat Gott vor, den Menschen ohne jedwedes eigene Tun zu rechtfertigen.

Wenn dieses Licht eines Menschen Seele erreicht und er Gott auf diese Weise kennenlernt, so erscheint es ihm das denkbar Gesegnetste, gehorsam zu sein. Das sichert ihm jede Segnung - Gerechtigkeit, Errettung und die Erkenntnis Gottes, so dass er Ihn anbeten kann. Und alles das wird ihm in reiner und vollkommener Gnade nahegebracht, die allen Menschen zugänglich ist, und dies, weil Gott zu groß ist, um nur auf die Juden beschränkt zu sein.

Wenn das nun gefallene und schuldige Geschöpf vor Gott in Gerechtigkeit dastehen soll, so muss dies durchaus das Werk Gottes sein, und wie Er das zustande bringt, wird im Evangelium kundgetan.

Gott schenkt den Menschen Buße: Er gewährt ihnen die große Gunst, anerkennen zu können, dass sie ganz im Irrtum waren. Sie haben ihren eigenen Willen getan, sind ihrem eigenen Vergnügen nachgegangen und haben ihren Schöpfer nicht verherrlicht. Sie gehören einem gefallenen Geschlecht an.

Doch Gott hat durch Seinen Sohn eingegriffen, den „einen Menschen, Jesum Christum“ (Kap. 5, 15), um Seine Gnade und Rettung kundzutun. Gottes Oberhoheit hat diese wunderbare Gestalt angenommen. Es handelt sich um kein Gesetz, das fordert, noch ein gerechtes Gericht, das die Übeltäter trifft, sondern um die Errettung Gottes durch Seinen Sohn Jesus Christus.

Die Frage ist nun: Will der Mensch einem Retter-Gott gehorchen? Das beschränkt sich nicht auf den Juden. Das Zeugnis wird „unter allen Nationen“ verkündigt (V. 5). Die Berufenen erlangen, dem Wohlgefallen Gottes gemäß, den Segen hiervon.

Die Glauben an den Herrn Jesus Christus haben, fangen an, Ihn zu schätzen, und werden „Geliebte Gottes“ (V. 7). Es ist höchst gesegnet, das Bewusstsein zu haben, von Gott geliebt zu werden. „Geliebte Gottes“ steht meines Erachtens in Verbindung mit dem, was in ihren Seelen vorgegangen war.

Das steht im großen Gegensatz zu dem, was in Vers 30 in diesem Kapitel von gewissen Personen gesagt wird, die „Gottverhasste“ genannt werden. Wenn ich Christus in meinem Herzen schätze, so macht mich das zu einem Gegenstand der Zuneigung Gottes.

Es gibt eine allgemeine, die ganze Welt umfassende Liebe Gottes, derzufolge es in Titus 3, 4 heißt: „Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Retter-Gottes erschien“. Das ist Gottes Wohlwollen. Er ist wahrhaftig der größte Menschenfreund. Er liebt den Menschen, und der Beweis Seiner Liebe ist, dass Er dem Menschen eine Rettung durch Jesus Christus ausersehen hat. Sein Erbarmen greift ein, den Menschen zu retten. Wenn nun jemand Buße tut, so ist etwas vorhanden, woran Gott Wohlgefallen haben kann. Es ist Freude im Himmel und vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut (Luk. 15, 7 u. 10).

Wenn der Bußfertige dahin kommt, an Jesus Christus zu glauben und Ihn zu schätzen, so ergießen sich die Zuneigungen Gottes über ihn, er wird ein „Geliebter Gottes“.

Es bereitet mir oft eine große Freude, das Bewusstsein zu haben, dass Christus mir kostbar ist, und daran zu denken, was das für Gott bedeutet. Er kann dann herniederschauen und sehen, wie einer, der ein armer, elender Sünder war, der nichts als den Tod und das Gericht verdiente, dahin gebracht worden, Seine durch Jesus Christus ausströmende Gnade, ja Jesus Christus selbst, zu schätzen. Ein solcher ist ein Gegenstand des Wohlgefallens Gottes, und göttliche Zuneigungen ergießen sich über ihn. Judas redet die Heiligen als in Gott, dem Vater, und in Jesus Christus bewahrte Berufene an.

Gottes Sohn, Jesus Christus, unser Herr, wird als Gottes große Dazwischenkunft in Gnade, als Gottes Rettung, gepredigt, und wenn der Glaube an Ihn bei uns seinen Platz hat, so ist das vorhanden, was die Zuneigungen Gottes auf uns lenkt. Alles ist die Folge der göttlichen Berufung. Keiner kommt zum Glauben an Jesus Christus, außer durch die göttliche Berufung. Das ist das Werk Gottes.

Wer an Jesus Christus glaubt, kommt sofort in ausgesprochener und persönlicher Weise unter die Zuneigungen Gottes. Das ist nichts Allgemeines, sondern etwas Persönliches und Besonderes. Jeder Heilige sollte imstande sein zu sagen, Gott liebt mich, und dies, weil er sich dessen bewusst ist. Er liebt mich aufgrund der Wertschätzung Christi, die Er in meinem Herzen zuwege gebracht hat.

Wir können uns nicht denken, dass Gesetzlosigkeit in jemandem bleibt, der zum Glauben an das Evangelium kam, weil dieses im Glaubensgehorsam besteht (V. 5). Er ist aus der Gesetzlosigkeit von Gott wiedererlangt worden, um Ihm gehorsam zu sein.

Wenn wir dabei jedoch den Wandel ins Auge fassen, so mag in einem Gläubigen ein gut Teil Gesetzlosigkeit vorhanden sein, d. h. von dem, worin er seinen eigenen Willen tut. Doch das dem zugrunde liegende Geheimnis ist, dass viele die Kraft des Evangeliums nicht wirklich kennen. Sie haben vom Evangelium soviel angenommen, als es dem Bewusstsein ihrer Not entsprach. Sie haben nicht gesehen, dass es zu ihnen gekommen ist, damit Gott Seinen Platz bei ihnen erhalte und sie dem in Gnade geoffenbarten Gott gehorsam würden.

Wer in Gesetzlosigkeit verharrt, ist sicherlich nicht im Evangelium befestigt, weil dieses alledem Vorhaltungen macht und Einhalt tut, und zwar nicht nur dem, was offenbar wird, sondern dem, was es seiner Wurzel nach ist. Das Evangelium bringt den Zuneigungen des Menschen den in Gnade geoffenbarten Gott. Wie könnte mein Herz Gott kennen und ich dabei ein Gesetzloser bleiben?

Die herablassende Gütigkeit Gottes ist wunderbar. Er beseitigt die Gesetzlosigkeit nicht dadurch, dass Er sie durch den Donner Seiner Macht zermalmt, sondern dadurch, dass Er Sich in Gnade und Rettung kundtut. Führt uns das nicht dahin, gut von Gott zu denken? Was kann jemand von sich halten, wenn er sich im Lichte von Römer 3 gesehen hat? Von Gott aber, der Sich ihm in Gnade und Gerechtigkeit kundgetan hat, wird er sicherlich Gutes denken.

Sodann strömen Gnade und Friede allezeit von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus aus (V. 7). Was wir brauchen, ist ein Seelenzustand, der sich die uns zur Verfügung stehende Unterstützung zu eigen machen kann.

Wenn dieses alles gekannt wird, so ist die Folge davon, dass die Heiligen einer auf einem Berge gebauten Stadt gleichen - die ganze Welt redet von ihnen. Paulus sagt: „Aufs erste danke ich meinem Gott..., dass euer Glaube verkündigt wird in der ganzen Welt“ (V. 8). Im Mittelpunkt der heidnischen Welt gab es eine Schar, die im Lichte des Retter-Gottes stand, und Paulus nahm innigen Anteil an ihnen. Er hatte sie alle nicht gesehen, diente ihnen aber auf priesterliche Weise. Er gedachte ihrer unablässig in seinen Gebeten.

Gott in seinem Geiste und dem Evangelium Seines Sohnes zu dienen, wäre ein priesterlicher Dienst und würde mit viel Gebet in Verbindung stehen (V. 9), „im Geiste dienen“ findet einen Ausfluss im Gebet.

Die Gefahr bei uns ist, dass es mehr Levitendienst als Priesterdienst gibt. Das heißt, es gibt mehr Dienst den Menschen als Gott gegenüber. Die Güte des Levitendienstes hängt sehr vom Priesterlichen ab. Paulus übte seinen ganzen Dienst auf eine priesterliche Weise aus. Er redet in Kap. 15, 16 von seinem priesterlichen Dienen „an dem Evangelium Gottes, auf dass das Opfer (Aufopfern) der Nationen angenehm werde, geheiligt durch den Heiligen Geist“.

Bedenken wir, was es besagt, dass jemand, der dies allezeit vor sich hat, ausgeht, zu predigen. Also jemand, der das Empfinden hat, ich stehe im Begriff, sie (die Nationen) Gott als ein heiliges Opfer darzubringen.

Paulus nahm innigsten Anteil an diesen Heiligen, obwohl Gott ihn nicht als Werkzeug zu ihrer Segnung gebraucht hatte. Er verlangte danach, sie zu sehen, um so eine Gelegenheit zu bekommen, ihnen persönlich zu dienen. Er war sich der ihm anvertrauten geistlichen Gabe vollkommen bewusst, und er war darüber geübt, dass auch sie Gewinn von dem haben sollten, was er geistlich besaß.

Welcherlei geistliche Gaben auch jemand von uns haben mag, sie verpflichten uns, das, was wir durch Gottes Gnade besitzen, anderen mitzuteilen. Paulus besaß durch besondere Gnade die Fülle des Segens Christi. Er sagt: „Ich weiß aber, dass, wenn ich zu euch komme, ich in der Fülle des Segens Christi kommen werde“ (Kap. 15, 29). Er wusste, dass sie, wie wir alle, befestigt werden mussten, und er verlangte sehr danach, ihnen etwas geistliche Gnadengabe mitzuteilen.

Das ist der Geist allen wahren Dienstes. Wo würden wir, was die kostbaren Dinge Gottes anlangt, sein, wenn uns nicht viele Diener Christi ihre geistlichen Gaben mitgeteilt hätten? Geistliche Gaben werden gegeben, damit sie mitgeteilt werden. Und je mehr geistliche Gaben einander übermittelt werden, desto mehr ist zur gegenseitigen Auferbauung vorhanden.

Der Dienst ist strenggenommen nichts Gegenseitiges, führt aber dazu. Der gemeinsame Genuss des gegenseitigen Trostes des Glaubens ist sehr köstlich. Paulus erwartete durch den Glauben unter ihnen, mit ihnen getröstet zu werden (V. 12). Wie gesegnet, wenn die Heiligen durch den Dienst und die Mitteilung geistlicher Gaben in einen solchen Zustand kommen, dass sie einander gegenseitig ein Trost werden.

Der große Diener selbst, der sich auf seine Würde als „Apostel der Nationen“ berufen konnte (Kap. 11, 13), konnte sagen, dass er erwartete, durch den Glauben, der in den Heiligen zu Rom war, getröstet zu werden. Ihr Glaube war zu seinem Troste ebenso erforderlich wie seine Gaben zu ihrer Auferbauung. Nicht das, was wir über die Schrift kennen, macht den einen dem anderen zum Troste, sondern das Licht Gottes in unseren Seelen. Es heißt: „ein jeder durch den Glauben, der in dem anderen ist“.

Paulus hielt sich, was das Evangelium anlangt, allen Menschen für verpflichtet. Die Natur dieser Verpflichtung ergab sich aus der Erkenntnis Gottes in Gnade. Ich bezweifle, ob wir die zu Recht bestehende mit dem Evangelium verbundene Verpflichtung so, wie wir es sollen, anerkennen. Paulus sagt: „Sowohl Griechen als Barbaren, sowohl Weisen als Unverständigen bin ich ein Schuldner“ (V. 14).

Wenn dies auch in besonderer Weise von Paulus galt, da er der Diener des Evangeliums und Apostel der Nationen geworden war, so hat es doch, dem Grundsatz nach, Anwendung auf uns alle. Unserem Maße entsprechend sind wir verpflichtet, den Menschen das kundzutun, was wir von Gott kennen. Die dem Paulus zuteil gewordene Gnade machte ihn bereit, dieser Verpflichtung nachzukommen. Er sagt: „ich bin ein Schuldner. Was mich anlangt, so bin ich bereitwillig, auch euch, die ihr in Rom seid, das Evangelium zu verkünden“ (V. 15).

Es ist etwas Großes, bereit zu sein, seine Schulden zu bezahlen. In 1. Kor. 9, 16 und 17 sagt er: „Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so habe ich keinen Ruhm, denn eine Notwendigkeit liegt mir ob; denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte! Denn wenn ich dies freiwillig tue, so habe ich Lohn, wenn aber unfreiwillig, so bin ich mit einer Verantwortung betraut“. Das fasst die göttliche Seite ins Auge. Hier jedoch ist er den Menschen ein Schuldner, und er erkennt dies allen Arten von Menschen gegenüber freimütig an und ist bereit, um dieser Verpflichtung nachzukommen, nach  Rom zu gehen und dort das Evangelium zu predigen.

Die Verpflichtung ergab sich aus der Haltung, die Gott den Menschen gegenüber eingenommen hatte, und die Menschen haben Anspruch darauf, mit Ihm durch die bekanntgemacht zu werden, die Ihn kennen.

Wir haben hier drei schöne Aussprüche: „ich bin ein Schuldner“, „ich bin bereitwillig“ und „ich schäme mich ... nicht“ (V. 14, 15 u. 16). Sie zeigen die Gesinnung des Geistes Pauli dem Evangelium gegenüber. Eine bessere Erkenntnis Gottes, wie sie uns das Evangelium bringt, würde nicht nur unser Mitgefühl und Erbarmen mehren, sondern auch das Bewusstsein unserer Verpflichtung den Menschen gegenüber.

Das Evangelium ist Gottes Kraft, die Menschen von der ganzen Macht des Bösen hienieden freizumachen. Es gibt eine Kraft, die dem Menschen zu seiner vollständigen Befreiung zur Verfügung steht. Was die heidnische Welt anlangt, so war alles in Götzendienst und schändliche Lüste versunken. Tugendlehrer und Philosophen konnten den Menschen sagen, was recht war, ohne selbst besser zu sein. Und der Jude rühmte sich Gottes und des Lichtes, das er von Ihm hatte, doch sein Wandel verunehrte Gott, so dass die außerhalb Israels Stehenden Gott lästerten, denn die Menschen stellen immer Gott (und Seine Sache) ob der Sünden derer, die Ihn zu kennen bekannten, als verächtlich hin.

Diese Zustände machten die Rettung Gottes notwendig. Gott griff durch das Evangelium ein, die Menschen von jeder Art der Macht des Bösen freizumachen.

„Dem Juden zuerst“. Die Juden waren, wie Petrus sagte, „die Söhne der Propheten und des Bundes“ - eine schöne Bezeichnung -, und dann fährt er fort: „Euch zuerst hat Gott, als er seinen Knecht erweckte, ihn gesandt, euch zu segnen, indem er einen jeden von euren Bosheiten abwendet“ (Apg. 3, 25 u. 26). Die Treue Gottes gab den Juden der Verheißungen halber den ersten Platz. In der Tat wird die Errettung im Alten Testament nahezu allenthalben dem Volke Gottes angekündigt. Doch sie sollte sich auch, den Weissagungen zufolge, bis zu den Enden der Erde hin erstrecken (Jes. 49, 6).

Wenn der Geist Gottes im Neuen Testament ein Wort gebraucht, so ist es nützlich zu sehen, wie Er es im Alten Testament gebraucht hat. „Rettung“ ist ein häufig im Alten Testament vorkommendes Wort. Sehr oft bezeichnet es die Befreiung aus der Gewalt eines Feindes. Es redet von der Hilflosigkeit und Ungesundheit des Menschen an sich, sowie von einem Schmücken mit sittlicher Schönheit.

Am Roten Meer sehen wir die ganze Macht des Feindes, die äußere Schwachheit der Kinder Israel, und vor ihnen die unüberschreitbaren Wasser. Doch Mose sprach: „Fürchtet euch nicht! Stehet und sehet die Rettung Jehovas, die er euch schaffen wird. Denn die Ägypter, die ihr heute sehet, die werdet ihr hinfort nicht mehr sehen ewiglich. Jehova wird für euch streiten, und ihr, ihr werdet stille sein“ (2. Mose 14, 13 u. 14). Und dann sangen sie: „Meine Stärke und mein Gesang ist Jah, denn er ist mir zur Rettung geworden“ (2. Mose 15, 2).

Es ist beachtenswert, wie oft von Rettung in Verbindung mit der Macht des Feindes die Rede ist. Deshalb werden häufig dem Heereswesen entnommene Bilder gebraucht, wie in Ps. 18, 2 u. 3: „Jehova ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter; mein Gott, mein Fels, auf ihn werde ich trauen, mein Schild und das Horn meiner Rettung, mein hoher Turm. Ich werde Jehova anrufen, der zu loben ist: so werde ich gerettet werden von meinen Feinden“.

Die Rettung wird als ein Schild und Helm sowie als Mauer und Bollwerk dargestellt. Alles das soll uns zeigen, dass es eine furchtbare, dem Menschen feindliche Macht gibt, von der er befreit werden muss, da er sich selbst nicht von ihr befreien kann. Der Psalmist sagt: „Menschenrettung ist ja eitel“ (Ps. 60, 11; 108, 12) und „Vertrauet nicht auf Fürsten, auf einen Menschensohn (Adamssohn), bei welchem keine Rettung ist!“ (Ps. 146, 3)

Damit wird das Vorhandensein der großen Macht des Bösen in dieser Welt nicht geleugnet, also der Macht, die Gott und dem Menschen als dem Geschöpf Gottes entgegen ist. Doch in welcher Gestalt diese Macht auch wirksam sein mag, das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung für die Menschen.

Weiter wohnt dem Menschen Ungesundheit inne. Sein Angesicht offenbart keine Gesundheit (Rettung), bis Gott seine Rettung wird. Das Wort „Heil“ oder „Gesundheit“ in Psalm 42, 11 und 43, 5 ist in Wirklichkeit „Rettung“. In Röm. 3, 9 - 10 können wir sehen, wie ungesund der Mensch ist, doch die Macht Gottes greift ein, um ihm ganz neue Wesenszüge zu verleihen, ihm das Licht der Errettung schon gleichsam auf sein Angesicht zu drücken und ihm da Gesundheit zu verleihen, wo jedes sittliche Gebrechen offenbar ward.

Welch ein Gegensatz besteht zwischen dem, was wir in Römer 3 lesen und dem, was Paulus in Kapitel 15, 14 von den Heiligen zu Rom sagen konnte! Dort heißt es: „Ich bin aber überzeugt, dass auch ihr selbst voll Gütigkeit seid!“ Das Evangelium hatte sich ihnen als Gottes Kraft zur Errettung erwiesen, und das bewirkte den Unterschied.

Im Alten Testament finden wir auch den Gedanken, mit „Rettung“ und mit „Kleidern der Rettung“ bekleidet zu sein (Ps. 132, 16; Jes. 61, 10), und wir lesen davon, dass die Sanftmütigen mit Rettung geschmückt werden (Ps. 149, 4). Das redet von Schmuck.

Die Rettung begreift in sich, dass wir durch die Unterstützung des Geistes Jesu Christi in sittliche Schönheit gekleidet werden, damit wir

„Dir gleich an Glauben, Sanftmut Liebe,

In jeder schönen Gnade“

erscheinen. Man kann verstehen, dass sich Paulus eines Evangeliums nicht schämte, das Gottes Kraft war, alles das für solche, die sündige Menschen waren, zustande zu bringen.

Aus dem Alten Testament erhellt, dass Gottes Rettung in Israel am Tage der Zukunft genossen und öffentlich gekannt werden wird, wenn nach Römer 11, 26 „ganz Israel errettet werden“ wird, „wie geschrieben steht: ‚Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden‘“. Gottes Weg wird dann auf der Erde erkannt werden, und unter allen Nationen Seine Rettung (Ps. 67, 1 u. 2). „Alle Enden der Erde“ werden dann im Hause Israel die Rettung Gottes sehen (Ps. 98, 1 - 3; Jes. 52, 7 - 10).

Die prophetischen Schriften bezeugen in Fülle, wie vollständig Gott Israel von allen seinen Feinden und all seiner Ungesundheit befreien und in welch eine sittliche Schönheit Er sie kleiden wird.

Doch zu alledem bringt uns das Evangelium, was heute gepredigt wird, denn es ist Gottes Kraft zur Rettung jedes Glaubenden. Paulus sprach zu den Juden in Rom: „So sei euch nun kund, dass diese Rettung Gottes den Nationen gesandt ist; sie werden auch hören“ (Apg. 28, 28).

Der Glaube an das Evangelium ist des Menschen Band mit der Kraft Gottes zur Errettung. Wer nicht vom Bösen errettet ist, vernachlässigt die große Errettung. Beim Lesen dieses Briefes wünscht man, dass wir das Evangelium glauben möchten, damit es uns Gottes Kraft sei. Was wir glauben, davon können wir auch reden. Paulus glaubte, darum redete er. Er schämte sich des Evangeliums nicht.

Ich denke, wir entdecken oft, nachdem wir viele Jahre bekannt haben, Gläubige zu sein, wie wenig wir das Evangelium geglaubt haben, und zweifellos bildet dies das Geheimnis, weshalb so viele nicht in der Kraft und Schönheit der Rettung Gottes wandeln.

Das Evangelium umfasst eine sehr umfangreiche Segnung und das Band mit ihr bildet unsererseits der Glaube. Der Heilige Geist wird den Glaubenden gegeben, doch die Kraft des Geistes können wir uns nicht über das Maß unseres Glaubens hinaus zunutze machen.

Paulus selbst war ein Beweis der Kraft der Rettung Gottes. Er sagt von sich, dass er „zuvor ein Lästerer und Verfolger und Rohling war“ (1. Tim. 1, 13), und: „Denn einst waren auch wir unverständig, ungehorsam, irregehend, dienten mancherlei Lüsten und Vergnügungen, führten unser Leben in Bosheit und Neid, verhasst und einander hassend. Als aber die Güte und Menschenliebe unseres Retter-Gottes erschien, errettete er uns nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, den er reichlich über uns ausgegossen hat durch Jesum Christum, unseren Retter“ (Tit. 3, 3 - 6). Als errettet wandelte er in Gerechtigkeit, Heiligkeit und Liebe. „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe das ganze Gesetz“ (Röm. 13, 10).

Rettung und Gerechtigkeit werden im Alten Testament oft miteinander verbunden, und auch im Evangelium gehören sie zusammen. Das Evangelium kommt, um den Menschen der Macht des Bösen zu entreißen und ihn, anstatt seiner natürlichen Unanmutigkeit, in sittliche Schönheit zu kleiden. Es offenbart aber auch die Gerechtigkeit Gottes.

Wenn der Jude an seine Vergangenheit denkt, so kann er nur äußerste Scham darüber empfinden und sagen: „Was sollen wir tun, Brüder?“ (Apg. 2, 37) Und wenn der Heide an seine Vergangenheit denkt, so kann er sich nur fürchten wie Felix oder niederfallen wie der Kerkermeister (Apg. 24, 25; 16, 29).

Keiner von uns besitzt irgendwelche eigene Gerechtigkeit, sondern die in dem Evangelium offenbarte Gerechtigkeit Gottes (V. 17). Es ist uns gut, völlig zu verstehen, was das besagt.

Gott ist gerecht in allen Seinen Wegen. Er ist darin gerecht, dass Er die Gottlosen bestraft, und auch darin, dass Er den Menschen bestimmt, das zu ernten, was sie säen. Er ist gerecht, das anzuerkennen, was Ihm an den Seinen gefällt, und ihnen das zu lohnen, was sie von den Gottlosen leiden. Und die Gerechtigkeit Gottes, von der das Alte Testament redet, ist im Allgemeinen dieser Art.

Doch es gibt im Alten Testament auch Schriftstellen, die es mit Gottes Gerechtigkeit in einem anderen Zusammenhang zu tun haben, z. B. der letzte Vers von Psalm 22, wo es heißt: „Sie werden kommen und verkünden seine Gerechtigkeit einem Volke, das geboren wird, dass er es getan hat.“ Von welch wunderbarer Art ist die Gerechtigkeit Gottes in diesem Psalm!

Er gibt uns, was Christus als der von Gott Verlassene äußerte, als Er durch den unergründlichen Kummer der Sühnung und jener finsteren Stunde ging, wo diese vollbracht wurde. Dadurch, dass Er die Sünden und das der Sünde gebührende Gericht trug, hat Er Gott so verherrlicht, dass die, die Gott fürchten (V. 25) und Ihn suchen (V. 26) imstande sind, Ihn zu preisen und zu verherrlichen, und die Folge ist: „Es werden eingedenk werden und zu Jehova umkehren alle Enden der Erde; und vor dir werden anbetend niederfallen alle Geschlechter der Nationen“ (V. 27).

Der „Same“ und das „Geschlecht“, das „Volk, das geboren wird“ in Vers 30 und 31, entsprechen da den „Berufenen“ von Römer 1, die Glauben haben und denen die Gerechtigkeit Gottes auf diese wunderbare Weise geoffenbart worden ist. Er hat Einen ausersehen, der das der Sünde und den Sündern gebührende Gericht tragen konnte, auf dass Er das Lob aller derer werde, die Ihn suchen.

Der Psalm redet nicht mit vielen Worten von ihrer Rechtfertigung, doch die Tatsache ihres Lobes und ihrer Befriedigung und Anbetung begreift diese in sich. Doch wir sehen hier klar, dass Christi Sühnungsleiden den Grund der Segnung der Enden der Erde bilden, und dass dies prophetisch für die Gerechtigkeit Gottes erklärt wird (V. 31).

Eine andere alttestamentliche Schriftstelle wird uns helfen zu sehen, wie die Gerechtigkeit Gottes mit Gnade zusammenhängt. Sie lautet: „Mein Volk, gedenke doch, was Balak, der König von Moab, beratschlagt, und was Bileam, der Sohn Beors, ihm geantwortet hat..., auf dass du die Gerechtigkeiten Jehovas erkennest“ (Micha 6, 5). Balak wollte, dass Gottes Volk verflucht würde, doch er bekam zur Antwort: „Siehe, zu segnen habe ich empfangen; und er segnet, und ich kann es nicht wenden. Er erblickt keine Ungerechtigkeit in Jakob und sieht kein Unrecht in Israel“ (4. Mose 23, 20 u. 21). Und das nennt Micha „die Gerechtigkeiten Jehovas“.

Nur aufgrund des Todes Christi - dessen Tod aber damals noch zukünftig war - konnte Gott in Gerechtigkeit Sein Volk also betrachten. Das wunderbare Werk Christi auf dem Kreuz hat Gott so verherrlicht, so gerechtfertigt, dass Er jeden, der dem Evangelium glaubt, rechtfertigen oder für gerecht erklären kann. Und in diesem Seinem Tun ist Seine Gerechtigkeit geoffenbart. Dies wurde „bezeugt durch das Gesetz und die Propheten“ (Röm. 3, 21), wie uns die angeführten Schriftstellen zeigen. Nun aber ist es „geoffenbart“ und „kundgetan“ worden.

Ist es nicht ein wunderbares „Evangelium“, demzufolge wir Gottes Gerechtigkeit in Erbarmen und Gnade in dem Erlass jeder Schuld kennenlernen sollten? So dass Sünder und Gottlose von allem, was wider sie zeugt, gerechtfertigt werden können, ohne jedwedes eigene Tun. Dass es so sein sollte, ist gänzlich von Gott. Seine Gerechtigkeit ist darin geoffenbart.

Die Juden erkannten „Gottes Gerechtigkeit“ nicht (Röm. 10, 3). Das besagt nicht, dass sie nicht wussten, dass Gott gerecht war. Sie waren aber in Unkenntnis über das im Evangelium Geoffenbarte, nämlich dass Gott in unendlicher Gnade der Rechtfertiger eines jeden ist, der da glaubt. Infolgedessen suchten sie - wie auch so viele heute -, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und unterwarfen sich der Gerechtigkeit Gottes nicht.

Gott hat Seine Gerechtigkeit in vollkommener Gnade geoffenbart. Am Menschen, dem schuldigen Geschöpf, ist es, sich ihr zu unterwerfen und so zur Erkenntnis Gottes zu gelangen. Ohne dies kann nichts auf eine göttliche Weise in der Seele aufgebaut werden.

Es handelt sich hier um das Licht Gottes, in das wir durch Glauben kommen. Keiner unserer Vernunftschlüsse hätte uns je die Erkenntnis verschaffen können, wie Gottes Gerechtigkeit den Gottlosen rechtfertigt. Sie kommt „auf dem Grundsatz des Glaubens“ (V. 17), und Gott hatte ein Recht, Seine Gerechtigkeit auf diese Weise zu offenbaren. Auf keine andere Weise hätte sie einem gefallenen und schuldigen Geschöpf zum Segen geoffenbart werden können.

Die Sünde des Menschen hat Gott nicht des Rechtes beraubt, Seinen Weg zu verfolgen, und Seine sündigen Geschöpfe können sich dessen freuen. Das ist ihre einzige Hoffnung - ihre einzige Öffnung, durch die sie dem Verderben und der Verdammnis entrinnen können.

Wahrlich, wir können uns der also geoffenbarten Gerechtigkeit Gottes rühmen, und auch des glückseligen Gottes, der uns auf diese Weise kundgemacht ist! Gleich dem Überführten und Bußfertigen in Psalm 51, der von Blutschuld errettet wurde, können wir laut Seine Gerechtigkeit besingen.

„Wie könnte ein Mensch gerecht sein vor Gott...?“ wird im Buch Hiob etwa zweitausend Jahre vor Christus gesagt (Hiob 25, 4). Diese Frage ist jetzt beantwortet. Ihr ganzes Geheimnis und wie es geschehen, ist offenbar. Gott hat es auf die Ihm eigene gesegnete Weise zustande gebracht. Seine Gerechtigkeit ist „durch Glauben an Jesum Christum gegen alle“ (Röm. 3, 22). Sie ist unser Teil „auf dem Grundsatz des Glaubens“, im Gegensatz zu irgendwelchen Werken oder Verdiensten auf Seiten des Menschen, und nichts dem Folgendes an Werken oder Dienst machen Gott auch nur eine Spur gerechter, ihn zu rechtfertigen. Der Grund davon wurde im Tode Christi gelegt, und dem kann der Mensch nichts hinzufügen. Es ist „die Gerechtigkeit Gottes“.

Am Tag der Zukunft wird die Gerechtigkeit Gottes öffentlich gekannt werden, denn Er wird dann alles Böse gerichtet und alle Seine Segensverheißungen erfüllt haben, wie es Ps. 98, 2 u. 3 mit den Worten sagt: „Jehova hat kundgetan seine Rettung, vor den Augen der Nationen geoffenbart seine Gerechtigkeit. Er hat seiner Güte und seiner Treue gedacht dem Hause Israel; alle Enden der Erde haben die Rettung unseres Gottes gesehen“.

Gegenwärtig jedoch kommt Gottes Gerechtigkeit nicht öffentlich zur Entfaltung. Sie ist „auf dem Grundsatze des Glaubens“ geoffenbart, und zwar „aus Glauben zu Glauben“. Aufgrund des Todes Christi kann Gott das Geschöpf, das gesündigt hat und Seiner Herrlichkeit nicht entspricht, von allem, was ihm zur Last gelegt werden könnte, freisprechen und darin sogar Seine Gerechtigkeit offenbaren. Dabei ist keine Forderung Seines Thrones auch nur um eines Haares Breite preisgegeben. Seiner Herrlichkeit ist vollkommen Genugtuung widerfahren. Und nun ist Seine Gerechtigkeit zu Gunsten sündiger Menschen.

Doch keine Vernunftschlüsse des Menschen, kein Einfluss natürlicher Religion, keine Übungen des Gewissens an sich hätten zu dieser Erkenntnis führen können. Von Seiten des sündigen Geschöpfes wäre es eine dreiste und lästerliche Anmaßung, eine solche Tat der Gnade von Seiten des Schöpfers, gegen Den es gesündigt hat, zu erwarten, wenn das nicht von Gottes Seite aus geoffenbart worden wäre.

Aber nun ist es geoffenbart, ist es dem Glauben, ja dem Glauben allein bekannt. Unsere Werke oder unser Betragen haben nichts damit zu tun. Es handelt sich lediglich und völlig darum, wie Gott Sich geoffenbart hat, und um die Wesensart, in der der Glaube Ihn kennt. Deshalb steht geschrieben: „Der Gerechte aber wird aus Glauben leben“ (V. 14, Hab. 2, 4).

Es ist recht auffallend, dass Paulus diese Schriftstelle hier anführt. Es geschieht, weil darin der Grundsatz des Glaubens als etwas hingestellt wird, wodurch man lebt. Es handelt sich hier nicht einfach darum, dass jemand in dem besonderen Augenblick, wo er dem Evangelium glaubt, gerechtfertigt wird, sondern darum, dass einer, der vor Gott ein Gerechter ist, diesem Grundsatz gemäß lebt. Er hat beständig die Gerechtigkeit Gottes vor sich, und den Weg, wie Gott im Tode Christi gegen die Sünde vorgegangen ist. Das erhält ihn im Selbstgericht und gibt ihm ein andauerndes Bewusstsein davon, auf welchem Boden er vor Gott steht. Das bildet die Grundlage und das Geheimnis wahrer Frömmigkeit und eines heiligen, glückseligen Lebens. Wenn wir die Gerechtigkeit Gottes nicht in dieser Weise kennen, kann es keinen dauernden Frieden und keinen wahren Genuss der Liebe Gottes geben.

Gott duldet nicht die geringste Ungerechtigkeit, im Gegenteil: „es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen [festhalten, bekennen](V. 18). Dieser Zorn wurde auf Golgatha geoffenbart, als der heilige Sündenträger von Gott verlassen wurde. Dort kam die Ungerechtigkeit der Menschen gleichsam in ihrer ganzen Schwere vor Gott, als sie Der in Gnade auf Sich nahm, der persönlich der Gerechte war, und der Zorn Gottes ergoss sich über sie.

Was die Menschen verdienten, ist über Einen gekommen, der es, von Gott hierzu gesandt, auf Sich nahm. Und darin, dass Er es trug, ist geoffenbart worden, dass Ungerechtigkeit unter den Zorn Gottes kommen muss. Ein Prediger des Evangeliums gab eine Zeit lang die Schriftwahrheit von der ewigen Strafe auf, doch er kehrte wieder zu ihr zurück, weil er fand, dass er dann nicht länger mehr die Sühnung predigen konnte.

Der Zorn Gottes, der sich in Christi stellvertretendem Tragen des Gerichts am Kreuze über alle Ungerechtigkeit ergoss, ist die Grundlage, auf der Gottes Gerechtigkeit in Gnade kennengelernt werden kann. Doch welch ein ernstes Zeugnis ist er von dem, was über die Menschen kommen wird, wenn sie in Ungerechtigkeit verharren und dem Evangelium nicht gehorchen! Diese Wahrheit sollte heutzutage, wo man so unklare und menschliche Vorstellungen von Erbarmen, Gnade und Liebe hat, tief in unseren Seelen verankert sein.

Der Begriff von Erbarmen und Gnade ist der Schrift zu entnehmen, doch in den Gedanken der Menschen trennt man beide von dem, was sich auf Golgatha zutrug, und hält so die Wahrheit tatsächlich in Ungerechtigkeit fest. Der Heide, Tugendlehrer, Jude, Christ - sie alle haben ein gewisses Maß Wahrheit. Dabei hat der Christ, weil im Besitz der heiligen Schriften, die ganze Wahrheit. Doch alle halten sie, getrennt von der göttlichen Berufung, in Ungerechtigkeit fest. Wer von der Liebe Gottes solcherart redet oder denkt, dass er die Wirklichkeit Seines Zorns außer Acht lässt, hält die Wahrheit in Ungerechtigkeit fest.

Tatsache ist, Seine Liebe wird darin erkannt, dass Sein geliebter Sohn als Mensch kam, um den Kelch unaussprechlicher sühnender Leiden zu trinken und den der Ungerechtigkeit gebührenden Zorn zu tragen. Also auf diesem Boden greift die Gerechtigkeit für den schuldigen Menschen ein. „Denen aber, die streitsüchtig und der Wahrheit ungehorsam sind, der Ungerechtigkeit aber gehorsam, Zorn und Grimm. Drangsal und Angst über jede Seele eines Menschen, der das Böse vollbringt, sowohl des Juden zuerst, als auch des Griechen“ (Röm. 2, 8 u. 9).

Am Kreuz sehen wir das Urteil des Himmels über Ungerechtigkeit. Es wird hier jeder Offenbarung des Gerichtes Gottes in den Wegen Seiner Regierung mit den Menschen auf Erden gegenübergestellt. Und wenn die Menschen aufgrund des Gerichttragens Christi keinen Gebrauch von der Gerechtigkeit Gottes zu ihrer Segnung machen wollen, so werden sie sich ganz gewiss dem Zorne „am Tage des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes“ unterziehen müssen, „der einem jeden vergelten wird nach seinen Werken“ (Röm. 2, 5 u. 6).

Alle Menschen haben etwas Wahrheit - sogar die der größten Finsternis anheimgefallenen Heiden. „Weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen geoffenbart - denn das Unsichtbare von ihm, sowohl Seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten wahrgenommen, wird geschaut -, damit sie ohne Entschuldigung seien“ (V. 20).

Das umfangsreichste Zeugnis Gottes liegt in der Schöpfung. „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes... Keine Rede und keine Worte, doch gehört wird ihre Stimme. Ihre Messchnur geht aus über die ganze Erde, und bis an das Ende des Erdkreises ihre Sprache“ (Ps. 19, 1 - 4).

Doch ach! Welche Wahrheit die Menschen auch haben mögen - sei sie ihnen aus der Schöpfung, durch das Gewissen, das die Erkenntnis des Guten und Bösen anwendet, durch das Gesetz oder das Evangelium bekannt -, sie bekennen sie in Ungerechtigkeit. Das offenbart den gefallenen, von Gott abgewichenen Zustand des Menschen.

Die gegenwärtige Welt begann mit der Erkenntnis Gottes, denn die ganze Bevölkerung der Welt stand um Noahs Altar. Doch Gott kennend, verherrlichten sie Ihn weder als Gott, noch brachten sie Ihm Dank dar (V. 21). Das ist das Geheimnis und die Wurzel von allem Bösen in der heidnischen Welt. Die Menschen verherrlichten Gott nicht, und sie waren nicht dankbar. Infolgedessen verfielen sie in Torheit, und ihre Herzen wurden verfinstert, so dass sie Gott entehrten und „die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes“ verwandelten „in die Gleichheit eines Bildes von einem verweslichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren“ (V. 23). Gottes Gericht war daher, sie dahinzugeben, sich durch schändliche Lüste zu entehren.

Also nicht ihr schändliches Verhalten führte sie dahin, Gott aufzugeben, sondern ihre Verunehrung Gottes führte zu ihrem schändlichen Verhalten. Sie verwandelten die Wahrheit Gottes in die Lüge und ehrten und dienten dem Geschöpf mehr „als dem Erschaffenden, der gepriesen ist in Ewigkeit. Amen.“ Hierdurch ist all die Verderbnis der heidnischen Welt gekommen.

Das ist in seiner Anwendung auf uns höchst wichtig. Je mehr Licht wir über Gott haben, desto nötiger ist es, Ihn zu verherrlichen und dankbar zu sein.

Wir haben das Licht aller Zeugnisse Gottes, sei es in der Schöpfung oder in der Erkenntnis des Guten und Bösen, oder im Gesetz, oder im Evangelium, ja wir können sagen, wir haben all das Licht, das Gott über Sich geben kann. Wenn wir Ihn nun nicht als Gott verherrlichen, so werden wir sicherlich irgendeiner Form des Götzendienstes anheimfallen. Unsere Sicherheit und Glückseligkeit hängen nun davon ab, dass wir in unserer Erkenntnis Gott in dem Lichte festhalten, worin Er Sich uns kundgemacht hat. Wenn wir das aufgeben, können wir bis zu jeder Tiefe der Verderbnis hinabsinken.

Es ist sehr ernst zu sehen, dass Paulus den sittlichen Zustand in den letzten Tagen des christlichen Bekenntnisses mit nahezu denselben Worten beschreibt, wie sie hier über die heidnische Welt vor der Einführung des Christentums gebraucht werden (vergl. 2. Tim. 3, 1 - 5). Wenn die Menschen der Wahrheit nicht glauben, aber Wohlgefallen an der Ungerechtigkeit finden, so kommen sie sicherlich unter ein ernstes Gericht Gottes. „Deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrtums, dass sie der Lüge glauben, auf dass alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt ... haben“ (2. Thess. 2, 11 u. 12). Im Blick auf die mancherlei falschen Lehren, die gegenwärtig verbreitet werden, ist das außerordentlich ernst.

Doch, Gott sei Dank, noch währt der Tag der Rettung. Gott verkündet Seine Gerechtigkeit in Gnade, und der Glaube zieht Gewinn daraus. Äußerlich genommen gibt es viel Licht, doch alles ist von dem Platz abhängig, den Gott im Glauben unserer Seelen hat. In welche Tiefen der Schlechtigkeit die Menschen auch versunken sein mögen, die Gerechtigkeit und Rettung Gottes sind da, wo Glauben ist, zugänglich.

Paulus trug das Evangelium in die Welt der Heiden, als sie noch in all ihrer sittlichen Verderbtheit war, und es erwies sich als Gottes Kraft zur Rettung. Sieh dir einmal die zehn Aussätzigen von 1. Kor. 6, 9 u. 10 an! Und dann sagt Paulus von den Korinthern mit Bezug auf sie: „solches sind euer etliche gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesu und durch den Geist unseres Gottes“ (V. 11). Das wurde von Leuten gesagt, die ebenso schlecht gewesen waren wie die in Römer 1, 26 - 32 Beschriebenen.

Alle Menschen sind Gott Rechenschaft schuldig und sind ohne Entschuldigung, doch Gott offenbart gegenwärtig Seine Gerechtigkeit nicht darin, dass Er ihnen ihre Schuld zurechnet, sondern darin, dass Er sie von allem, was ihnen zur Last gelegt werden könnte, reinigt. Seine Macht ist für uns, um uns von der ganzen Macht des Feindes, der wir anheimgefallen sind, zu erretten.

Was den Wirkungskreis des Evangeliums anlangt, so ist es aller Schöpfung unter dem Himmel zu predigen. Die tatsächlich Erreichten und Gesegneten sind solche, die Gott in Seiner Unumschränktheit beruft.

Alles, was der in Gnade geoffenbarte Gott ist, ist uns auf dem Grundsatz des Glaubens zugänglich. Gott führte bei Abraham einen Grundsatz des Segens ein, der allen Nationen zugänglich wird - es ist der Grundsatz des Glaubens. In Gal. 3, 7 - 9 heißt es: „Erkennet denn, dass die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Söhne. Die Schrift aber, voraussehend dass Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen würde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft zuvor: ‚In dir werden gesegnet werden alle Nationen.‘ Also werden die, welche aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet“

Segnung in Abraham ist Segnung auf dem Grundsatz des Glaubens. Segnung im Samen Abrahams ist Segnung in Christo. Es heißt: „in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde“ (1. Mose 22, 18). Die Menschen müssen in Abraham gesegnet werden, damit sie sich im wahren Isaak segnen können. Während alle Segnung in Christo, dem Samen, ist, so erlangt und besitzt sie allein der Glaube.

Im letzten Teil dieses Kapitels sehen wir, dass alle Verderbtheit, in die der Mensch fiel, auf die schreckliche Tatsache zurückzuführen ist, dass er Gott aufgegeben hat: Er fand es nicht für gut, „Gott in Erkenntnis zu haben“ (V. 28). Das ist die Wurzel alles Übeltuns des Menschen, und er kann nur zurecht kommen, wenn er zur Erkenntnis Gottes zurückkehrt, und um dies zuwege zu bringen, ist das Evangelium gekommen.

Buße ist der Beweis, dass Gott Seinen Platz, zum Mindesten bis zu einem gewissen Grade, in der Seele Seines sündigen Geschöpfes bekommen hat. Der reuige Sünder erkennt, dass er Gott fern ist und sein Zustand und seine Wege Gott missfallen haben. Doch diese Überzeugung ist immer von einem Bewusstsein der Güte und des Erbarmens Gottes begleitet, was die Seele veranlasst, sich zu Gott zu wenden.

Buße ist „zu Gott“ (Apg. 20, 21), und es ist Freude im Himmel und vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut (Luk. 15, 7 u. 10), weil das ein Beweis seiner Wiederherstellung für Gott ist.

„Und gleichwie sie es nicht für gut fanden, Gott in Erkenntnis zu haben, hat Gott sie einem verworfenen Sinne hingegeben, zu tun, was sich nicht geziemt“. Ein „sittlichen Unterscheidungsvermögens barer Sinn“ (so könnte man auch das Wort „verworfen“ wiedergeben) ist das Gericht solcher, die es nicht für gut fanden, Gott in Erkenntnis zu haben. Dann wird allerlei Ungeziemendes getan.

Doch beginnt Gott im Menschen zu wirken, so erzeugt Er einen geübten Sinn, wie wir in Röm. 7, 23 sehen, wo das Gesetz des Sinnes von der Furcht Gottes beherrscht wird und das Verlangen dahin geht, zu tun, was recht ist in Seinen Augen. Und dann, im Besitze des Geistes des Lebens in Christo Jesu und in Freiheit gesetzt, wird der Gläubige durch die Erneuerung seines Sinnes verwandelt. Dann nimmt er mit Wohlgefallen von dem guten und wohlgefälligen und vollkommenen Willen Gottes Kenntnis und lernt ihn als solchen dadurch kennen, dass er ihn ausführt. Gott hat dann Seinen Platz in der Erkenntnis derer, die die Gegenstände Seines Mitgefühls und Seiner Gnade sind, und infolgedessen tun sie das, was sich geziemt und uns in Römer 12 - 15 dargestellt wird.