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MALEACHI 3.16

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C.A.C.  - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

 

Kapitel 6

 

Es liegt tiefer Segen in dem Bestreben, die Gedanken des Herrn, als Er durch die Saaten ging, zu erforschen. Jede Kornähre auf diesen Feldern war dem Tode entsprungen, um zu Gottes reichlicher Versorgung für die Menschen zu werden, und gerade der im ersten Verse unser

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NT Auslegungen

Römer Kp 2

Ein Überblick über den Brief an die Römer

(Charles Andrew Coates)

Abschrift  Nicole F.

 

 

Kapitel 2

 

Dieses Kapitel ist für das Evangelium sehr wichtig. Ihm liegt die Notwendigkeit der Buße zugrunde. Das ist ganz wesentlich für einen jeden, weil bei Gott kein Ansehen der Person ist (V. 11). Für Gott kommt nur der sittliche Zustand in Betracht. Es wäre unpassend für Ihn, Sein Urteil auf etwas anderes zu gründen. Und dieser lässt sich in den Worten Glauben und Buße zusammenfassen.

Das erste Kapitel stellt uns die Unerlässlichkeit des Glaubens vor, der das sittliche Band mit dem in Gnade geoffenbarten Gott ist und zugleich der Grundsatz, auf dem Gottes Gerechtigkeit und Rettung den Menschen zuteil werden können.

Doch ein anderer Grundsatz ist ebenso wichtig, und das ist die unbedingte Notwendigkeit der Buße. Bei einem Evangelium, das dies außer Acht lässt, bleibt die Seele in ihren Beziehungen zu Gott schwach und unbefestigt, und sie hat keinen Halt der Macht des Feindes gegenüber.

Wer gesündigt hat, ist verantwortlich, Buße zu tun, und so wird hier zunächst die Tatsache festgestellt, dass ein solcher nicht zu entschuldigen ist (V. 1). Nach Kapitel 1 ist das gefallene Geschöpf angesichts des Zeugnisses der Schöpfung unentschuldbar (V. 20). Hier jedoch, weil der Mensch sehr wohl weiß, andere zu beurteilen, wenn sie Unrecht tun. Und das beweist, dass er die Erkenntnis des Guten und Bösen besitzt.

Kein Kennzeichen des Menschen ist so weit verbreitet wie die Fähigkeit, andere Unrecht Begehende zu beurteilen, und das macht ihn unentschuldbar. Ein Sünder kann das Böse in einem anderen beurteilen, doch der Geist Gottes sagt jedem, der das tut: Du bist gerade so schlecht, du tust dasselbe! Das lenkt das Auge des Gewissens auf sich selbst.

Die Seele muss dahin kommen, sich selbst zu richten. Paulus sagt gleichsam: Ihr könnt so etwas beurteilen, tut es aber selbst. Ihr tut gerade das, was ihr an anderen richtet. Wenn du beurteilen kannst, dass es böse ist, so kannst du dich darauf verlassen, dass Gottes Urteil nicht weniger gut ist als das deine, und wie wirst du selbst dann dem Gericht Gottes entrinnen?

Dieser Grundsatz hat allgemeine Anwendung. Es heißt: „o Mensch, jeder, der da richtet“. Er gilt von jedem, der die Fähigkeit hat, das Böse zu beurteilen, das ein anderer tut.

Dieses Kapitel setzt Licht über Gottes Gütigkeit, Geduld und Langmut voraus (V. 4), und Vers 7 das Licht des Christentums. Wir können alles Licht, das wir von Gott haben, dazu benutzen, um andere zu richten, und das geschieht im Allgemeinen, um sich damit zu entschuldigen. Doch das verurteilt uns vielmehr. Es ist uns notwendig, den Boden der Buße zu betreten, weil wir dieselbe Natur haben wie der, den wir beurteilen. Paulus steht nicht an, zu sagen: „du, der du richtest, tust dasselbe“.

Das Evangelium begreift ein gut Teil von dem in sich, was wir vielleicht nicht geneigt sind, damit zu verbinden. So gehört z. B. dazu, dass „Gott das Verborgene der Menschen richten wird ... durch Jesum Christum“ (V. 16). Welch eine frohe Botschaft kann denn darin liegen?

Das legt dem Menschen die unbedingte Notwendigkeit der Buße nahe, und auf diese Weise kann der Mensch in sittlicher Hinsicht mit Gott in Ordnung kommen, und das ist das Gesegnetste für den Menschen. Deshalb bildet die Tatsache, dass das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus gerichtet wird, einen Teil des Evangeliums des Paulus.

Ohne Glauben gibt es keine wahre Buße. Jede Veränderung im Wandel oder Betragen eines Menschen wäre ohne Glauben eine bloße Besserung oder das Anwenden eines neuen Blattes und könnte nur dahin führen, dass der Betreffende damit seine eigene Gerechtigkeit aufrichtet. Das hätte überhaupt nichts mit Gott zu tun.

Um Buße hervorzubringen, muss etwas Licht von Gott in der Seele sein. Buße ist eine durch die Erkenntnis Gottes in Gnade erzeugte Sinnesänderung, so dass der Mensch seinen sündigen Wandel und all das verübte Böse erkennt und demgegenüber eine neue Stellung einnimmt. Anstatt alles das zu rechtfertigen und weiter zu tun, verurteilt er es und trennt sich in sittlicher Hinsicht davon. Er verurteilt es angesichts der göttlichen Gütigkeit und der in dem Evangelium geoffenbarten Gnade.

Wir haben gesehen, wie Gott in Gerechtigkeit Menschen, die gesündigt haben, rechtfertigen kann, doch das erfordert Buße. Gott würde nicht gerecht handeln, wenn er einen unbußfertigen Sünder rechtfertigte. Echte Buße ist Gott gegenüber (Apg. 20, 21). Die Seele beginnt, ihren Zustand und Wandel vor Gott zu betrachten.

Es handelt sich nicht mehr bloß darum, wie unser Verhalten vor den Menschen war, sondern wie in Ps. 51, 4 kommen wir dahin, zu sagen: „Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt, und ich habe getan, was böse ist in deinen Augen“.

Doch aufgrund des Todes Christi ist es bei Gott gerecht, Gütigkeit, Geduld und Langmut zu üben, und Er wartet in Seiner Güte, dass die Menschen den Boden der Buße betreten. Wenn sie jedoch nicht wollen und hartnäckig und unbußfertig sind, so gehen sie unvermeidlich dem Tage des Zornes entgegen.

Gottes Gütigkeit leitet zur Buße. Er ist so gut, dass, obgleich mein Wandel und meine Taten Sein Gericht verdienen, Er anstatt mich zu richten, Reichtümer an Gütigkeit, Geduld und Langmut auf mich verwandt hat. Verachte ich sie etwa? Es heißt: „Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut, nicht wissend, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?“

Der Grundsatz wird hier aufgestellt, dass Gott das Böse, wo immer Er es findet, richten muss. Wenn jemand darin verharrt, sich mit dem Bösen einszumachen, so muss er unter das Gericht Gottes kommen. Das Einzige, was einen Menschen in sittlicher Beziehung vom Bösen trennt, ist Buße. Die Rechtfertigung spricht ihn richterlich frei, doch die Buße in sittlicher Hinsicht.

Es ist sehr schön, an die Reichtümer der Gütigkeit Gottes, an Seine Geduld und Langmut zu denken. Gott sagt gleichsam: Ich warte geduldig, dass du von allem denken lernst, wie ich davon denke.

Und dann hat Er uns dadurch, dass Er Christus sandte, wunderbar geholfen, uns selbst zu richten. Das ist die denkbar größte Hilfe zur Buße. Gott hat es ermöglicht, nach „Herrlichkeit und Ehre und Unverweslichkeit“ zu streben, da sie in Christus Gestalt gewonnen haben. Alles dies ist in den Gesichtskreis der Menschen getreten, und bevor wir nicht unter dessen Einfluss kommen, haben wir nicht begonnen, dem Guten nachzustreben.

Paulus redet hier von solchen, „die mit Ausharren in gutem Werke Herrlichkeit und Ehre und Unverweslichkeit suchen“ (V. 7). Gott hat uns den vollkommenen Gegensatz zu all der Schande, Unehre und Verweslichkeit des ersten und gefallenen Menschen erschlossen. Herrlichkeit, Ehre und Unverweslichkeit sind in Christus. Gott stellt uns all dieses Wunderbare als ein anziehendes Ziel vor Augen, und wir sollen dem zustreben.

Im Lichte Christi kommt ein wahrhaft tiefes Selbstgericht zustande, denn darin finde ich, dass jeder Beweggrund meines Herzens, jeder Zug meines innersten Wesens in vollkommenem Gegensatz zu der Herrlichkeit und Ehre stehen, die in Ihm erschien. In mir ist überhaupt nichts, was Gott auszeichnen könnte. Dagegen findet sich in Christus alles, dem Er Herrlichkeit und Ehre zu verleihen vermag.

Der Mensch ist Gottes Bild und Herrlichkeit, doch dies in einem sittlichen Sinne zu sein, erlangt er nur dadurch, dass Christus sein Haupt wird. Buße ist von höchster Wichtigkeit, und man sollte sie nicht als etwas auffassen, was man ein für allemal getan hat, sondern als etwas beständig Geübtes, damit wir uns selbst richten und im Guten verharren.

Wir wiederholen nochmals, dass für Gott nur der sittliche Zustand des Menschen in Betracht kommt. Bei Ihm ist kein Ansehen der Person (V. 11).  J.N. Darby sagte, dass die Buße sich das ganze Leben eines Heiligen hindurch immer mehr vertieft. Je älter ein Heiliger wird, desto demütiger und bußfertiger sollte er, was sich selbst als Menschen im Fleisch anlangt, sein. Doch er sollte dabei sicherlich den Menschen immer mehr schätzen, den Gott angetan hat mit Herrlichkeit und Ehre. Gott wirkt dahin, Sein Geschöpf vom Pfad des Bösen auf den Pfad des Guten zu bringen. Dies ist das Ziel des Evangeliums.

Am Ende dieses Kapitels redet Paulus besonders zu Juden und zeigt, wie man sich Gottes und der Wahrheit und all des Lichtes und der Erkenntnis, die man erlangt hat, rühmen kann, und dabei doch auf einem bösen Pfade und in einem Gott missfallenden Zustand verharrt. Dem Grundsatz nach gilt das auch von dem Christen, denn er kann ebenso handeln.

Dieses Kapitel bringt uns auf unmissverständliche Weise zu sittlichen Wirklichkeiten. Gott kann nichts anderes gefallen, als dass Sein Geschöpf im Guten verharrt. Er lässt das Evangelium verkündigen, damit wir durch Seine Rettung vom Bösen befreit und auf den Pfad des Guten gebracht würden.

Der einzige für Gott in Betracht kommende Zustand ist, dass Glaube vorhanden, der Gott bei uns Seinen Platz gibt, und dass wir uns im Licht dessen, dass Gott bei uns Seinen Platz hat, richten. Wir tun im Lichte der Gütigkeit Gottes und der sittlichen Vollkommenheit, die uns in Christus enthüllt worden ist, Buße.

ER ist der Mensch des Wohlgefallens Gottes - der Mensch der Herrlichkeit, Ehre und Unverweslichkeit. Ich dagegen bin der Mensch der Schande, Unehre und Verweslichkeit, und deshalb richte ich mich. Christus ist der Mensch für Gott, und nun ist Er durch Gnade der Mensch für mich. Das ist sehr einfach, doch es ist von hoher Bedeutung. Es ist etwas Großes, in seiner Seele dahin gekommen zu sein. Dann bekennt man sich nicht mehr zu allerlei und geht doch dabei innerlich mit Bösem voran. Am Ende des Kapitels heißt es: „der ist ein Jude, der es innerlich ist“ - Was wir innerlich sind, ist das, worauf es ankommt (V. 29).

Es gibt solche, die streitsüchtig und der Wahrheit ungehorsam sind, die aber der Ungerechtigkeit gehorchen (V. 8). Das setzt das Licht des Evangeliums als gekommen voraus, doch anstatt, dass sich der Mensch ihm unterwirft, ist er streitsüchtig. Er ist der Wahrheit ungehorsam, gehorcht aber der Ungerechtigkeit. Für diesen Zustand gibt es keine Segnung, und auch nicht für einen Menschen mit einem störrigen, unbußfertigen Herzen (V. 5). Ein solcher geht unvermeidlich dem Tag des Zornes entgegen und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes. Das ist sehr ernst, und da gibt es kein Entrinnen.

Wenn Christus in den Gesichtskreis unserer Seelen tritt, bekommt das, was durch Herrlichkeit, Ehre und Unverweslichkeit gekennzeichnet ist, wirklich einen Platz bei uns, uns wir suchen es. In Psalm 8 finden wir, dass Gott des gefallenen Menschen gedenkt. Dort heißt es in Vers 4: „Was ist der Mensch, dass du sein gedenkest...?“ Das ist der sterbliche Mensch. Doch Gott nimmt Sich des Sohnes des Menschen an und krönt Ihn mit Herrlichkeit und Ehre.

Das ist nicht der unter dem Tode stehende Mensch, sondern der Mensch, den Gott in jeder Hinsicht auszeichnen kann, nämlich Christus. Welchen Menschen haben wir vor uns? Den Menschen der Schande, Unehre und Verweslichkeit, oder den Menschen der Herrlichkeit, Ehre und Unverweslichkeit?

Ich hoffe, wir haben alle einsehen gelernt, dass wir nicht mit beiden wandeln können. Gott möchte, dass wir entschieden und beharrlich dem Guten nachgehen und uns entschieden vom Bösen absondern, damit wir beständig in gutem Werke (nicht Werken) verharren. Das will sagen, der Christ, der Gott und Christus vor sich hat, wandelt den Pfad des Guten. Das gute Werk steht im Gegensatz zu all dem Bösen, das den gefallenen Menschen kennzeichnet.

Der Christ wandelt einen ganz neuen Pfad, den Gott ehren kann. Es heißt: „Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt“ (V. 10).

Der Gegenstand des Evangeliums ist nicht bloß, die Menschen vom zukünftigen Gericht zu erretten, sondern den Gläubigen auf einen Pfad zu bringen, auf dem Gott ihn anerkennen und auszeichnen kann, und zwar mit „Herrlichkeit ... und Ehre und Frieden“. Das möchte Gott bei einem jeden von uns tun. Wie gesegnet, imstande zu sein, alles das, was wir dem Fleische nach waren, im Lichte Gottes und Christi zu richten und uns sittlich getrennt davon zu halten, um allem Guten nachzugehen, so dass unser ganzes Leben ein geduldiges Verharren in gutem Werke wird.

Der Gedanke in diesem Kapitel ist, wenn wir im Bösen verharren, so verharren wir in dem, was Gott richten muss, denn Er kann Böses nicht dulden. Doch Gott ist in Seiner Gnade wirksam, uns auf einen ganz anderen Pfad zu bringen, und Er tut das durch das Evangelium.

Wenn wir uns selbst richten, so werden wir nicht gerichtet. Das ist ein wichtiger Grundsatz (1. Kor. 11, 31). Die Rechtfertigung spricht den gottlosen Sünder, der da glaubt, von allem, was ihm in Gottes Augen zur Last gelegt werden könnte, frei. Doch außerdem gibt es noch eine Buße, wodurch der, der geglaubt hat, sittlich gereinigt wird, weil er selbst alles das verurteilt, was Gott verurteilt. Dann stimmen die Gedanken und Neigungen des Gläubigen mit dem überein, was Gott gutheißt. Er sucht Herrlichkeit, Ehre und Unverweslichkeit, wie wir sie in Christus sehen. Er hat, wie ein anderer sagte, seinen Menschen gewechselt, ist also von Adam zu Christus übergegangen.

Wenn wir diesen Pfad verfolgen, so sind Herrlichkeit, Ehre und Frieden unser Teil, doch wenn wir im Bösen verharren, so kommen Zorn und Grimm, Drangsal und Angst über uns (V. 8 u. 9).

Durch Buße kommen schon eine gewisse Ruhe und das Bewusstsein der Unbescholtenheit vor Gott zustande, wenn auch die Seele noch keinen völligen Frieden haben mag. Wer sich selbst richtet, hat das innere Bewusstsein, dass er mit Gott und auf dem Pfade der Gerechtigkeit ist. Und das bringt der Seele Erleichterung. Man hat das Bewusstsein der Aufrichtigkeit vor Gott. Wenn ich in etwas Bösem verharre, so kann ich nicht so zu Gott stehen. Wenn ich jedoch mein Übeltun richte und mich von ihm trenne, so habe ich das Bewusstsein, dass ich soweit in Übereinstimmung mit Gott bin.

Der Mensch verherrlicht sich in seiner Schande, doch nur den Wesenszügen Christi wohnt wahre Herrlichkeit inne. Petrus vergaß nie, was er auf dem Berge gesehen hatte. Er sagt: „er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit“ (2. Pet. 1, 17). Es gab einen Menschen, der von Gott ausgezeichnet werden konnte, denn jeder Seiner Wesenszüge bereitete Gott Wonne. Er konnte als der geliebte Sohn Gottes begrüßt werden, an dem der Vater Sein Wohlgefallen gefunden hatte. Er ist nun in der Auferstehung zu Gott gegangen, um ewiglich jenseits des Todes bei Gott zu sein. Die Herrlichkeit und Ehre Christi sehen wir in Ps. 8, 5 (vergl. Heb. 2, 7) und Seine Unverweslichkeit in Ps. 16, 10.

Der Mensch der Schande und Unehre vergeht und sinkt in den Staub des Todes. Doch der Mensch, den Herrlichkeit und Ehre kennzeichnen, wird in Unsterblichkeit gekleidet. Der auferstandene Christus lebt Gott in einem ewigen und nie verfallenden Zustand. Sein Platz ist auf immerdar vor dem Angesicht Gottes (Ps. 41, 12).

Wenn das Evangelium seine Kraft in unseren Seelen entfaltete, so würde es uns sittlich vollständig von dem gefallenen und verderbten Menschen trennen und uns auf den Pfad versetzen, wo wir alledem nachgehen, was dem Menschen der Herrlichkeit, Ehre und Unverweslichkeit eigen ist. Und auf diesem Pfad haben wir das Bewusstsein, dass wir von Gott anerkannt sind.

Der Jude war infolge des größeren Lichtes, das er empfangen hatte, besonders verdammungswürdig, und das ist sehr ernst, weil das dem Grundsatz nach von jedem gilt, der besonderes Licht besitzt. Wenn wir die Aussprüche Gottes haben, so ist es um so schlimmer für uns, wenn keine entsprechenden sittlichen Zustände vorhanden sind.

Das Verborgene der Menschen wird alles gerichtet werden. Es gibt mancherlei, was der Mensch von Natur zu verbergen liebt, z. B. das, was unser Verhalten bestimmt oder ihm im Innersten zugrunde liegt! Es gibt eine ganze Welt von Sachen, die man zu verbergen liebt, und gerade das wird Gott richten.

Es ist für uns als Heilige höchst wichtig, ein verborgenes Leben zu führen, das Gott anerkennen kann, dass also keine geheimen Taten oder Beweggründe vorhanden sind, die das Licht nicht vertragen. Uns wird nichts an dem Bewusstsein liegen, einem Beweggrund, der das Licht der Gegenwart Gottes nicht aushält, Raum gegeben zu haben oder darein gewilligt zu haben, ihn aufkommen zu lassen.

Es handelt sich nicht darum, dass bei jemand zahlloses Böses nicht im Fleische vorhanden ist, sondern dass dessen wahres Wesen aufgedeckt und im Verborgenen gerichtet wird, so dass das Verborgene des Herzens des Gläubigen darin besteht, dass er über das, was vom Fleische ist, trauert und es richtet, und er seine Wonne an dem hat, was von Christus ist. Dadurch wahrt er innere Reinheit und Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Eine Seele, die die Erkenntnis Gottes im Lichte des Evangeliums besitzt, freut sich, alles untersucht zu haben. Sie wünscht, wie der Mann in Psalm 139, erforscht zu werden (V. 23 u. 24). Wie viele könnten sagen, sie seien mehr über das, was sie im Verborgenen ihres Inneren fanden, betrübt gewesen, als über das, was sie je getan hatten? Wie gesegnet, dass wir darüber mit Gott verkehren können und, indem wir es richten, sittlich davon getrennt stehen und frei sind, den Pfad des Guten zu verfolgen! Die Gnade berechtigt uns dazu.

„Die Betrübnis Gott gemäß bewirkt eine nie zu bereuende Buße zur Errettung“ (2. Kor. 7, 10). In der Buße nehmen wir eine entschiedene Stellung demgegenüber ein, worin wir zuvor wandelten, so dass wir sittlich getrennt davon stehen. Das schlägt uns zur Errettung aus, und das bereuen wir nie.

Der Jude besaß das Licht, was es Gott gefiel, in alttestamentlichen Zeiten zu geben. Er stützte sich auf das Gesetz und rühmte sich Gottes. Er kannte Gottes Willen und war wohl imstande, andere zu lehren, was recht war. Doch er lehrte sich selbst nicht (V. 21) und war kein Vorbild von dem, was er lehrte, sondern schadete ihm durch seinen Wandel.

Jakobus warnt uns, nicht viele Lehrer zu sein, weil wir dann ein schwereres Urteil empfangen werden (Jak. 3, 1). Es ist etwas sehr Ernstes, den Platz einzunehmen, Licht von Gott zu haben, und es anderen vorzustellen. Man fühlt mehr und mehr, dass wir kein Recht haben, anderen die Wahrheit zu bringen, wenn sie nicht einigermaßen in unseren Seelen Gestalt gewonnen hat.

Die Übung, die dieses Kapitel vorstellt, wendet sich an unser aller Herzen. Wir sprachen von der Bereitwilligkeit, Böses an anderen zu richten, ohne dass wir selbst besser sind. Ich denke, wir haben uns alle darin kennengelernt, als das Auge unseres Gewissens auf unser eigenes Innere gelenkt wurde und uns dies dahin führt, dort zu beginnen und uns selbst in wahrer Buße zu richten.

Der erste Abschnitt dieses Kapitels betont die Notwendigkeit der Buße. Das zu beachten ist höchst wichtig für jeden von uns. Es erzeugt einen gezüchtigten und unterwürfigen Geist. Wer ein zerbrochenes und geschlagenes Herz hat, wird geistlich vorwärtskommen (Ps. 51, 17). Er wird seinen Brüdern nie zu schaffen machen.

Der Jude konnte das Rechte lehren, er war der Lehre nach gesund. Doch er war kein Vorbild dessen, was er lehrte. Das lenkt unser Augenmerk auf den Gegensatz dazu, nämlich Christus. Gott hat einen Lehrer gesandt, der alles war, was Er lehrte. In Christus haben wir einen Menschen der Vortrefflichkeit, für den wir Gott von Herzen danken können. Als die Juden zu Ihm sprachen: „Wer bist du?“, antwortete Er: „Durchaus das, was ich auch zu euch rede.“ (Joh. 8, 25).

Dieses Kapitel erwähnt verschiedene Fehler, in die die Menschen fallen, und es gibt keinen größeren Fehler, als zu denken, dass es mit uns recht steht, weil wir dem Wortlaut nach die Wahrheit kennen. Jemand kann sich ein gut Teil solcher Erkenntnis aneignen, ohne ihr im Geringsten zu entsprechen. Der Herr sprach: „Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf Moses‘ Stuhl gesetzt. Alles nun, was irgend sie euch sagen, tut und haltet; aber tut nicht nach ihren Werken“ (Mat. 23, 2 und 3). Im Gegensatz hierzu konnte Paulus sagen: „Du aber hast genau erkannt meine Lehre, mein Betragen“ (2. Tim. 3, 10). Er entsprach dem Vorbilde des Maßstabes der Vortrefflichkeit.

Gott möchte, dass wir das Böse in uns aufgrund der Vortrefflichkeit Christi richten lernen. Der Herr entsprach dem, was Er lehrte, vollkommen. Bei uns ist das oft nicht der Fall. Dieses Bewusstsein würde jemand, der lehrt, in einem sehr gezüchtigten Geiste erhalten. Lehre, die von einem sich selbst richtenden Gefäß kommt, ruft Unterwürfigkeit hervor.

Gott hat es mit sittlich Wahrem zu tun. Ihm liegt weit mehr an dem, was wir sind, als an dem, was wir sagen. Auch beim Gebet sollten wir bedenken, dass Gott es mit sittlich Wahrem zu tun hat. Es heißt: „Sei nicht vorschnell mit deinem Munde, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen“ usw. (Pred. 5, 1-3).

Ein Geheimnis unserer Schwäche im Gebet ist, dass unsere Ausdrücke oft über das wahre Verlangen unserer Herzen hinausgehen. Wenn wir die Kraft des Evangeliums in unseren Seelen erfahren hätten, so würde uns das von allem Unwahren befreien, und wir würden in Wahrhaftigkeit Gott gegenüber sein. Dann käme jeder Wunsch, der im Gebet seinen Ausdruck findet, durchaus aufrichtig aus einem reinen Herzen. Und jedes beim Lehren zueinander gesprochene Wort wäre wahrhaftig und echt, ganz der Vortrefflichkeit des Vorbildes entsprechend, das wir in solcher Vollkommenheit in Christus sehen.

Gott wird das Verborgene der Menschen richten, und wir haben dem entgegenzusehen. Das macht einen Teil des Evangeliums aus. Wenn sich das Evangelium in Kraft in unseren Seelen wirksam erweist, so wird das Verborgene in Ordnung kommen. Dann werden wir nicht nur das Rechte tun und reden, sondern auch recht denken und fühlen, und alle unsere Beweggründe bis zu den Wurzen unseres sittlichen Seins werden solche sein, die das Licht Gottes vertragen.

Wenn wir noch nicht dahin gekommen sind, so haben wir die Kraft des Evangeliums noch mehr kennenzulernen. Durch die Erneuerung des Heiligen Geistes hat der Gläubige einen erneuten Sinn, eine neue Denkweise über alles. Meine Gedanken sind meine Geheimnisse. Welcher natürliche Mensch würde lieben, seine Gedanken zu offenbaren? Das würde er nicht einmal seinem nächsten Freund gegenüber tun. Doch wer durch die Erneuerung des Heiligen Geistes einen erneuerten Sinn empfängt, wird dem Willen Gottes gemäß umgestaltet. Er wird dem Maßstab der Vortrefflichkeit, den wir in Jesu sehen, entsprechend gestaltet.

Man fürchtet zuweilen, wir beschäftigen uns mit höheren Wahrheiten und vernachlässigen die sittlichen Wirklichkeiten, die das Evangelium zustande bringen möchte. Man kann bei der Annahme der Wahrheit Empfindungen geistiger Freude haben, und doch kann das Gewissen unberührt sein. Nichts ist wichtiger, als ein geübtes Gewissen zu bekommen und ein gutes Gewissen zu bewahren.

Nur eine Menschenart entspricht den Gedanken Gottes. Wenn wir in diesen Kapiteln und in unseren eigenen Übungen das Wesen des anderen Menschen kennenlernen, so soll uns das nur zu dem Menschen nach dem Herzen Gottes führen, zu Dem, der alles, was Er lehrte, war.

Es ist ein Trost zu wissen, dass wir in dem, was der Herr Jesus sagte, sehen können, was Er war. Er stellte es völlig dar, Er war, was Er sagte. Paulus entsprach, dem ihm verliehenen Maße gemäß, diesem Vorbild, und auch Timotheus. Paulus sagte: „Timotheus... wird euch erinnern an meine Wege, die in Christo sind, gleichwie ich überall in jeder Versammlung lehre“ (1. Kor. 4, 17). Er wollte damit sagen, dass sie dies auch in ihm sehen würden, wenn er kommt. Er würde sie darin an ihn erinnern! Die Wege des Timotheus waren ebenso in Christo wie die des Paulus. Er glich dem Paulus.

Das wahrhaftigste und echteste Selbstgericht kommt nicht dadurch zustande, dass man alles das sieht, was man je Unrechtes getan hat, noch auch dadurch, dass man das im Lichte des Gesetzes sieht, sondern dadurch, dass die Seele in die Gegenwart der Vollkommenheiten Jesu kommt.

Am Ende des Kapitels verweilt Paulus viel bei dem, was innerlich oder im Verborgenen ist. Er sagt: „nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist“ (V. 28). Wir sollten danach trachten, innerlich und geistlich gute Juden zu sein, d. h. Personen, die wahrhaft beschnitten sind, nicht im Fleische, sondern im Herzen und Geiste, so dass innerlich oder im Verborgenen alles recht steht.

Man denkt gerne daran, wie vollkommen alles im inneren Leben Jesu war. Das gerade ist „das verborgene Manna“ (Offb. 2, 17). Es war das in Jesu, das jedem Auge, außer dem Auge Gottes, verborgen war. Das Manna stellt das dar, was Gott in den Wüstenzuständen und

-verhältnissen entspricht, also eine Vollkommenheit, die aus dem Himmel kommt und sich in Beziehung zu jeder Einzelheit des Wüstenlebens offenbaren kann, so dass auf jedem Sandkorn in der Wüste sein Korn Manna ist.

Das verborgenen Manna redet von Christo, aber nicht in Seinem öffentlichen Leben, sondern von dem Verborgenen, was nur das Auge Gottes sah. Es heißt hier: „dessen Lob nicht von Menschen, sondern von Gott ist“ (V. 29). Welch eine Vollkommenheit wohnte den verborgenen Herzensübungen Jesu inne!

Dem prophetischen Worte, besonders einigen Psalmen, können wir Andeutungen darüber entnehmen, was das Auge Gottes an inneren Herzensübungen des Herrn Jesus auf Seinem Pfade in dieser Welt sah. Ich habe gehört, dass jeder Tonne des sichtbaren Eisbergs acht Tonnen unter Wasser entsprechen. Welch einer toten Last würden wir bedürfen, das Gleichgewicht unserer Seelen zu wahren, wenn unsere verborgenen Übungen mit Gott alles das überstiegen, was von außen her wahrzunehmen ist! Ähnlich verhielt es sich im Leben Jesu. Wie viel gab es da, was des Menschen Auge niemals sah! Gott ließ Ihn vertrauen an Seiner Mutter Brüsten (Ps. 22, 9). Wer anders als Sein Auge sah das Vertrauen des Kindleins Jesu? Und das war nur die früheste Offenbarung Seiner inneren Vollkommenheit.

Der Überwinder in Pergamus hat das verborgene Manna. Als die Kirche begann, etwas aus sich in der Welt zu machen, lenkte der Herr das Augenmerk des Überwinders auf das Verborgene, auf das „verborgene Manna“ und den „weißen Stein“ samt dem auf ihm geschriebenen „neuen Namen..., den niemand kennt, als wer ihn empfängt“. Das Manna hat es mit dem verantwortlichen Pfad zu tun. Es hörte bald nach dem Überschreiten des Jordans auf und stand mit der Wüste in Verbindung.

Wir sollten alle mehr über das Verborgene als über das öffentlich Wahrnehmbare geübt sein. Wenn Gott das Verborgene der Menschen richten wird, so muss ich damit beginnen. Darüber gerade sollten wir geübt sein. um das Äußere wird es recht stehen, wenn innerlich alles recht steht.

Wenn ich den Maßstab der Vortrefflichkeit sehen möchte, so muss ich Jesus betrachten. Da sehe ich ein Leben, worin jeder verborgene Einfluss und Beweggrund, das Mitgefühl, Fühlen und Denken in vollkommenem Einklang mit Gott stand. Was Gott schätzt, ist das Innere eines Menschen. Seine vornehmste Aufmerksamkeit gilt nicht dem Äußeren. Es heißt: „Siehe, du hast Lust an der Wahrheit im Innern; und im Verborgenen wirst du mich Weisheit kennen lehren“ (Ps. 51, 6). Gott ist wirksam, die Wesenszüge Christi im verborgenen Menschen des Herzens hervorzubringen (1. Pet. 3, 4). Uns sollte daran gelegen sein, dass vor den Augen Gottes alles echt ist.

In diesem Brief kommen wir bis auf den Grund von allem, also dahin, wie die Sache wirklich ist. Wir können nämlich auch ein bloßes äußerliches christliches Leben führen und an allem in Ausdrücken und Redewendungen festhalten.

Ein Jude könnte uns sagen, was die Schrift über gewisse Dinge sagt, und er rühmte sich der Beschneidung, die ihm tatsächlich nach außen hin einen bevorzugten Platz gab. In ähnlicher Weise rühmen sich manche ihrer Taufe und sogar ihrer Teilnahme am Brotbrechen. Doch wenn sie nicht sittlich damit im Einklang stehen, so hat das in den Augen Gottes keinen Wert. Dabei ist das Äußere nicht etwa unwichtig, doch wenn es in den Augen Gottes Wert haben soll, so muss es dem Inneren entspringen.

Bei dem Herrn Jesus entsprang alles dem, was innerlich vorhanden war. Welch eine innere Vollkommenheit war in Ihm! Und sogar das Äußere blieb etwa dreißig Jahre lang in verhältnismäßiger Verborgenheit. Soweit es die Öffentlichkeit betraf, war es der Welt gänzlich verborgen. Doch wie köstlich war sein Wert in den Augen Gottes!

Über den Anspielungen auf Christus ruht in diesem Kapitel gleichsam ein Schleier, doch diese geheimen Anspielungen in der Schrift auf Ihn sind ein kostbares Erbteil des Glaubens.

Wir bringen es fertig, sittliche Wirklichkeiten außer Acht zu lassen. Sie im Auge zu behalten, ist eine beständige Übung. Das Gericht des Verborgenen der Menschen ist nicht umsonst ein Teil des Evangeliums. Es soll dazu dienen, dass wir an alles vor Gott herantreten, der alles kennt. Das würde in jeder aufrichtigen Seele tiefe Übungen hervorrufen und einen dahin führen, zu sagen: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken!“ (Ps. 139, 23) Habe ich irgendeinen anderen Gegenstand als Christus?

Das menschliche Herz stützt sich immer gern auf Satzungen. Der Jude stützte sich auf die Tatsache der Beschneidung, und dass er zum Volke Gottes gerechnet wurde. Äußerlich unter dem Volke Gottes zu sein, ist wirklich ein Vorrecht. Doch ohne Gehorsam hat es keinen geistlichen Wert. Gott hatte durch den Propheten Jeremia gesagt: „das ganze Haus Israel ist unbeschnittenen Herzens“ (Jer. 9, 26).

Gott erwartet Unterwürfigkeit Ihm gegenüber, sowie dass der Wille des Fleisches durch Gehorsam auf unserem Pfade beiseitegesetzt wird. Darin besteht die wahre Beschneidung, und wer sie besitzt, wird als beschnitten erachtet. Der unbeschnittene Heide, der das tut, was Gott wohlgefällt, verurteilt also damit den das Gesetz übertretenden Juden.

Satzungen und äußere Vorrechte können nie den Mangel an Unterwürfigkeit und Gehorsam ersetzen. Alles wird auf die Probe gestellt, und zwar nicht durch das, was man bekennt oder lehrt, oder durch äußere Vorrechte, die man besitzen mag, sondern durch den einen Maßstab des Gehorsams.

Die Kraft des Christentums erfährt man im Verborgenen. Der Platz, den Gott im Herzen hat, ist die geheime Quelle von allem. Der Gehorsam stellt alles auf die Probe. Der Herr besteht in Johannes 14 darauf, dass er die Probe der Liebe ist.