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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

Link: http://www.bibelkommentare.de/mags.php?splitfile=BdH_1930.pdf&pfrom=268&pto=276

 

Selbstgericht    Abschrift Anita L.

 

Unter den geistlichen Übungen, die für den Christen wichtig und heilsam sind, nimmt das Selbstgericht wohl einen der ersten Plätze ein. Ich meine damit nicht jene unglückliche Gewohnheit, sich beständig mit sich selbst zu beschäftigen und in sich nach Beweisen des Lebens oder des Geborgenseins in Christo zu suchen.

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Ein Überblick über das 1. Buch Mose

 

Hauptgedanken aus Wortbetrachtungen mit Charles Andrew Coates

 

 

Kapitel 48

 

Es ist kostbar, einen Heiligen den Lauf gut beenden zu sehen, und was unser Augenmerk bei Jakob hauptsächlich fesselt, ist, dass er gut endete. In Kapitel 47 - 49 sehen wir ihn geistlicher als je zuvor.

Wir sollten Fortschritt und Reife bei den Heiligen erwarten. Bei Jakob sehen wir die friedsame Frucht der Gerechtigkeit infolge der Zucht Gottes und Seiner Wege mit ihm.

Jakobs Geschichte war in vieler Hinsicht verkehrter und trauriger Art, doch er wurde immer gezüchtigt. Sein Pläne machen und seine Betrügereien fielen auf ihn zurück und wurden ihm zur Zucht.

Und so ergeht es einem jeden von uns. Was uns zu Fall bringt, wird uns unvermeidlich zur Geißel. Ich glaube, es gibt kaum einen Heiligen, der das nicht bis zu einem gewissen Grade erfahren hat. Jedes Abweichen, jedes Vergehen wird eine Quelle schmerzlicher Zucht.

Wenn wir uns unter die Zucht Gottes beugen, so wendet Gott sie zu unserem Segen. Das ist sehr ermutigend. Wir sehen bei Jakob, dass er sich wirklich beugte, und das sehen wir auch bei David. Er beugte sich unter die Zucht, die sein eigenes Verhalten über ihn gebracht hatte, und auch er endete gut. Sein Lauf endete damit, dass er sich selbst für das Haus Gottes aufopferte und sich selbst und den zu diesem Zwecke aufgehäuften Schatz dafür hingab.

Wir müssen das, was uns zum Fallstrick geworden ist, fahren lassen. Das Ziel des Vaters bei der Zucht ist, dass wir Seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Darauf läuft alles hinaus. Es ist wunderbar, daran zu denken, dass wir dann von dem, was uns hinderte, genau so getrennt sind, wie Gott es ist.

Es ist schön, zu sehen, dass Jakob und David am Ende besser als je zuvor zum Vorschein kommen. Gott erwartet das. Wir sollten darüber geübt sein, am Ende als ein geistliches Volk zum Vorschein zu kommen. Wir sehen Jakob hier in der Stellung der Würde und wahrer Größe vor den Menschen als einen Anbeter vor Gott und in der Einsicht in Gottes Gedanken über alles. Er kann alles sagen, was Gottes Volke bis zum Ende hin widerfahren wird.

Als Isaak den Jakob segnete, wusste er nicht, was er tat. Jakob jedoch besaß Einsicht und wusste das. Er hatte volle Einsicht in Gottes Gedanken über Ephraim und Manasse. Es ist gut, zu sehen, dass dies eine Folge des Werkes und der Zucht Gottes ist.

Im Neuen Testament ist es ein besonderer Gegenstand des Herrn gewesen, uns zu zeigen, wie Seine Hauptdiener endeten. Er erlaubte Petrus, Paulus und Johannes, nahe am Ende ihrer Laufbahn Briefe zu schreiben. Petrus sagt: „ich weiß, dass das Ablegen meiner Hütte bald geschieht“ (2. Petr. 1, 14), doch er steht in voller Kraft. Er hat das Kommen unseres Herrn Jesu Christi vor sich. Das Gesicht auf dem heiligen Berge stand seiner Seele ebenso klar und deutlich vor Augen, als da es stattfand. Paulus sagt, dass er schon als Trankopfer gesprengt werde und die Zeit seines Abscheidens vorhanden sei (2. Tim. 4, 6). Der zweite Timotheusbrief gleicht seinem letzten Willen oder Testament, doch er steht in voller Kraft, in vollem Lebensmute da. Johannes bleibt, bis er nahezu hundert Jahre alt ist, und dann schreibt er sein Evangelium, voll von Dem, „der von Anfang ist“ (1. Joh. 2, 13 u. 14).

Es ist schön, zu sehen, dass sie nicht vom Wege abkamen. Bei den drei Aposteln finden wir keine Trübung geistlicher Sehkraft und keine Schwächung geistlicher Kraft.

Ich bin darüber geübt, weil ich auf Seiten der Natur die Neigung zum Abweichen sehe. Doch wir sollten alle darüber geübt sein, unseren Lauf gut zu beenden. In Lukas 12 lesen wir von Knechten, die wachend erfunden wurden (V. 37 und 43). Wie wird der Herr mich finden? Ich mag früher einmal gut gelaufen sein, aber wie wird der Herr mich finden?

In gewissem Sinne ist die Gefahr größer, je weiter wir fortschreiten. Wenn wir nicht in der Kraft des Geistes vorangehen, so wird mehr und mehr das Fleisch in uns zum Ausdruck kommen und das, was wir von Natur sind. Wenn wir aber im Geiste wandeln, werden wir geistlicher werden.

Jakob endete als ein geistlicher Mann, und ich möchte das auch. Jonathan begann schön, er zog seine Kleider aus und gab sie David (1. Sam. 18, 4). Doch wo endete er? Gemeinsam mit Saul, nicht bei David, und er fiel auf dem Gebirge Gilboa.

Es handelt sich nicht darauf, nach außen hin etwas Großes zu sein, sondern innerlich mit dem Geiste Gottes voranzugehen und die Unterweisung der Zucht Gottes anzunehmen. Jakob hatte vieles zu lernen, und wir gleichen ihm alle in vieler Hinsicht. Doch er nahm die Unterweisung an und endete als ein geistlicher Mann.

In Kapitel 47, 7 brachte Joseph seinen Vater Jakob vor den Pharao, und Jakob segnete den Pharao. Und in Vers 10 segnete er ihn wieder und ging von dem Pharao hinaus.

Bedenken wir, welche Würde darin lag! Hier war der mächtigste Alleinherrscher der Erde, und Jakob segnet ihn trotz all seiner Vergangenheit, „ohne allen Widerspruch aber wird das Geringere von dem Besseren gesegnet“ (Heb. 7, 7). Jakob stand, seiner Erhabenheit bewusst, diesem großen Alleinherrscher gegenüber da.

Das ist die Stellung eines jeden Heiligen, in dem der Heilige Geist wohnt, und der der Gegenstand der Zucht Gottes ist. Ein solcher darf sich dessen wohl bewusst sein, dass er größer und besser als die höchste Person dieser Welt ist.

Das erinnert an einen Paulus vor Agrippa: Er stand vor dem König in all seinem Pomp und all der Pracht des Hofes und sagte: „Ich wollte zu Gott, dass über kurz oder lang, nicht allein du, sondern auch alle, die mich heute hören, solche würden, wie auch ich bin, ausgenommen diese Bande“ (Apg. 26, 29).

Er war sich in seiner Seele eines göttlichen Reichtums und derartiger Glückseligkeit bewusst, dass er nicht anders konnte, als die Stellung göttlicher Überlegenheit einzunehmen.

Dass Jakob den Pharao segnet, ist um so bemerkenswerter, als er zu der Zeit von Ägypten der Speise halber abhängig war. Äußerlich genommen war er ein armer alter Mann, und was seine eigene Geschichte anlangt, so hatte er zu sagen: „wenig und böse waren die Tage meiner Lebensjahre“ (V. 9). Und doch segnete er den Pharao!

Ich weiß nicht, ob man sagen darf, dass sich Jakob am Ende höher als Abraham und Isaak erhob, doch ich denke, soweit uns berichtet wird, trat er am Ende in einem klareren und bestimmteren Zeugnis hervor. Am Ende von Kapitel 47 betete Israel an, und zwar wie Heb. 11, 21 sagt, „über der Spitze seines Stabes“. Sein ganzes Herz war in Kanaan, er wollte kein Begräbnis und Gedächtnis in Ägypten. Sein Glaube beanspruchte sozusagen das verheißene Erbe, und er wollte im Begräbnis seiner Väter begraben sein. Und im Bewusstsein dessen, dass Gott Seinem Vorsatz treu war, betete er an. Er ergriff so im Glauben all die Verheißungen und das Erbe, so dass ihm nichts übrig blieb, als anzubeten. Darin können wir den Triumph Gottes sehen. Sein Ziel war schließlich erreicht.

Mein Eindruck ist, dass Gottes Zucht erst am Ende bei einem jeden von uns die volle Reife zeitigt. Wir bedürfen ihrer bis zum Ende. Bis dahin muss immer noch etwas abgelegt, etwas erworben und gelernt werden.

Es ist sehr gesegnet, einen Heiligen am Ende seiner Laufbahn gereift, als die Frucht des Werkes und der Zucht Gottes, sehen zu können. Jakob betete an im Lichte des Erbes. Alles, außer Jehova, das Erbe und der Weg, auf dem die Erben dafür bewahrt und erzogen werden würden, hatte seinen Wert für ihn verloren. Wenn alles andere in unseren Herzen und Gedanken seinen Platz verloren hat und uns nur das vor Augen steht, was Gott uns gegeben hat, so würden wir Anbeter sein.

Gottes Zucht hat es bei einem jeden von uns mit unserer tatsächlichen Schwachheit und den Ursachen unserer Verfehlungen zu tun. Jeder von uns kommt unter die Zucht, die am wirksamsten zum Ziele führt.

Nun kommen wir zu Kapitel 48. In Verbindung mit Jakob tritt uns da die Unumschränktheit Gottes in ganz hervorragender Weise entgegen. Sie macht einen besonderen Zug der Geschichte aus. Joseph erhält der Unumschränktheit gemäß das Erstgeburtsrecht. Er hatte zwei Söhne, Ephraim und Manasse, und in ihnen empfing er ein doppeltes Teil. Alles geschah in Unumschränktheit. Gott verfügte über alles Seinem eigenen Willen gemäß. Ruben hatte das Erstgeburtsrecht verscherzt, und Joseph bekam es. Das wird uns in 1. Chron. 5, 1 klar und deutlich gesagt.

Ich denke, der Tod Rahels wird hier erwähnt, um zu zeigen, dass Jakob sich von dem zu trennen hatte, was ihn von Natur fesselte. Rahel war die, auf die er sein Herz gerichtet hatte. Sie zu verlieren, war wahrscheinlich seine schwerste Zucht. Was immer uns von Natur fesselt, muss hinweggetan werden.

Zweifellos ist Rahel ein Bild von Israel, und alle Hoffnungen und Erwartungen in Verbindung mit Israel nach dem Fleische müssen in den Tod, auf dass zu Bethlehem alle Segnung in Verbindung mit Christo komme. Rahel starb zu Bethlehem. Sie musste gehen, und Christus kam.

Alle Hoffnungen und Erwartungen müssen in Christo ihren Mittelpunkt haben. Hierüber werden wir dadurch belehrt, dass der König Saul zuerst nach Rahels Grabe gesandt wurde (1. Sam. 10, 2). Der erste Punkt seiner Erziehung im Blick auf das Reich war, dorthin zu gehen. Er sollte das Ende von allem, was in Verbindung mit der Natur steht, sehen. Seine große Ahne war dort begraben. Er musste zum Grabe alles dessen gehen, was von Natur anziehend war, und was unsere Hoffnungen dem Fleische nach so leicht zu ihrem Mittelpunkt machen.

Wenn er die sittliche Bedeutung davon verstanden hätte, so wäre er ein anderer Mann geworden, und die Worte hätten sich erfüllt: „du... wirst in einen anderen Mann verwandelt werden“ (1. Sam. 10, 6).

Wir alle haben zu lernen, dass das, was von Gott und von wahrem Werte ist, mit Christo in Verbindung steht. Christus ward aus Israel geboren, doch die Segnung ist im Samen Israels und nicht in Israel selbst. Rahel brachte einen wunderbaren Samen hervor, sie war die Mutter Josephs und Benjamins. Die Mutter selbst starb, doch jede wahre Hoffnung und Segnung kam in dem Samen, d.h. in Christo, zu neuem Leben und dauerte in Ihm fort.

Ich denke, in Joseph und dessen Kindern empfing Jakob eine Entschädigung für den Verlust Rahels. Er erhielt im Bilde einen Begriff von Christo in ihm.

Die Erwähnung Bethlehems stellt hier einen schönen Zug der Hand des Geistes dar. Gerade dort, wo uns jeder natürliche Gegenstand der Zuneigung im Stiche lässt, führt Gott das ein, was unsere Herzen für immer befriedigen wird. Bethlehem ist „das Brothaus“.

Jeder natürliche Gegenstand der Zuneigung versagt, doch am nämlichen Orte, wo Rahel starb, wird Christus geboren - welch ein Brothaus ist doch Bethlehem! Wenn wir Christum vor uns haben und uns von Ihm nähren, so haben wir das, was sättigt und bleibt. Er verdrängt alles.

Es ist nichts lehrreicher im Evangelium des Johannes, als zu sehen, wie Er alles andere verdrängt. In Johannes 6 kommen wir zum lebendigen Brot, d.h. zum wahren Bethlehem, zum wahren Brothause.

Jakob verstand die Unumschränktheit Gottes im Segnen. Joseph nicht, er stellte seine Söhne in der rechten natürlichen Ordnung vor ihn hin, nämlich Manasse so, dass Jakobs rechte Hand auf seinem Haupte gewesen wäre - das wäre wohl die rechte natürliche Ordnung gewesen, aber nicht die geistliche.

Nach Gottes Unumschränktheit sollte Ephraim die Führerschaft haben. Die große Lehre der Geschichte Jakobs ist: „Also liegt es nun nicht an dem Wollenden, noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott“ (Röm. 9, 16).

Gott ist in keiner Weise gebunden. Er kann wie in 5. Mose 33 Simeon ausschließen und Ephraim und Manasse an dessen Stelle setzen, und wird, wenn es Ihm gefällt, Ephraim, dem Jüngeren, den höchsten Segen geben. Er geht darin den Weg der Unumschränktheit.

Wenn die Juden das gelernt hätten, so würden sie Gottes Recht, die Nationen zu segnen, nicht bestritten haben. Gerade der Umstand, dass einige von uns sich durch diese Dinge angezogen fühlen, ist die Frucht der Unumschränktheit Gottes. Keiner wird seinen rechten Platz einnehmen, bis er sich der Unumschränktheit Gottes unterwirft.

Der Unumschränktheit Gottes gemäß war das Erstgeburtsrecht mit Joseph und das Königtum mit Juda verbunden. Beide reden von Christo. Er ist sowohl Joseph als auch Juda. Ihm gehört die Erstgeburt und Er ist der König.

1. Chron. 5, 1 - 2 ist eine wichtige Schriftstelle. Sie zeigt, wie es Gott gefallen hat, das Erstgeburtsrecht in Israel dem Joseph zu geben und das Königtum dem Juda. Juda ist der königliche Stamm. Das sehen wir aus 1. Mose 49, 10.

Naturgemäß würde Joseph nur einen Stamm umfasst haben, aber der Auswahl Gottes zufolge empfing er das doppelte Teil, und so wird er durch zwei Stämme vertreten, und das auch in der zukünftigen Welt (Hes. 48, 4 u. 5). Ihm gehört die Würde der Erstgeburt. Er hat den hervorragendsten Platz unter den Stämmen. Er hat doppelten Anteil am Erbe (5. Mose 21, 14), obschon er nicht das Königtum hat.

Der Besitz des Erbes ist eine Sache, aber das Königtum eine andere. Das sind zwei verschiedene Gedanken. Das Geschlechtsverzeichnis richtet sich nicht nach der Erstgeburt; es hat das Königtum vor sich. Von Juda heißt es: „der Fürst kommt aus ihm“ (1. Chron. 5, 2), und „nicht weichen wird das Zepter von Juda“ (1. Mose 49, 10). Im Tausendjährigen Reiche wird ein Fürst aus dem Hause Juda auf dem Throne sein.

Was Gott bestimmt, führt Er aus. Alles geschieht aufgrund Seiner Unumschränktheit. Wenn Er bestimmt, dass Juda das Königtum haben soll, so wird er es haben, und so kommt Christus nicht nur als Schilo, der Fürst des Friedens, sondern auch als der Löwe aus dem Stamme Juda (Offb. 5, 5).

Der Hauptgedanke ist hier die Unumschränktheit Gottes. Er verfügt über alles, sei es über das Erbe, indem Er Joseph das doppelte Teil gibt, oder über das Königtum, das Er dem Juda gibt. Nichts wird je daran etwas ändern.

Jakob stand als ein geistlicher Mann, der vor Gott war, im Lichte alles dessen. Im nächsten Kapitel überschaut er die ganze Geschichte seiner Söhne und sagt ihnen, was ihnen am Ende der Tage begegnen wird (V. 1).

Dieses Kapitel ist in der Tat die Geschichte des Menschen und der Gnade Gottes gegen den Menschen, und zeigt uns, wie sich der Mensch ihr gegenüber verhält.

Schließlich sehen wir dann, wie die ganze Segnung durch die Rettung Jehovas in Christo kommt, und außerdem durch Männer, die durch den Geist in deren Genuss stehen.