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Lied der Lieder Komplett


Kapitel 1

Dieses Buch bringt nicht die ersten Stufen des Werkes Gottes in der Seele vor uns. Ein Geschöpf, das wider Gott gesündigt hat, muß zuerst durch Gewissensnot gehen. Die Überführung von der Sünde und Buße müssen ihren Platz ha

...

Ein Überblick über das 1. Buch Mose

 

Hauptgedanken aus Wortbetrachtungen mit Charles Andrew Coates

 

Inhalt

Vorbemerkung. 2

Kapitel 1. 2

Kapitel 2. 11

Kapitel 3. 17

Kapitel 4. 23

Kapitel 5. 27

Kapitel 6. 30

Kapitel 7 und 8. 35

Kapitel 9. 40

Kapitel 10 und 11. 44

Kapitel 12. 50

Kapitel 13. 56

Kapitel 14. 59

Kapitel 15. 63

Kapitel 16. 67

Kapitel 17. 71

Kapitel 18 und 19. 75

Kapitel 20 und 21. 79

Kapitel 22. 84

Kapitel 24. 88

Kapitel 25. 93

Kapitel 26. 98

Kapitel 27 und 28. 102

Kapitel 29 - 35. 107

Kapitel 37 - 39. 111

Kapitel 40 - 45. 116

Kapitel 48. 120

Kapitel 49 und 50. 123

 

 


Vorbemerkung

 

Die weitverbreitete Beachtung, deren sich die heiligen Schriften des Alten Testamentes unter den Kindern Gottes erfreuen, ist ein Zug der gegenwärtigen Zeit, den man mit Dankbarkeit wahrnimmt. Er kann als Gottes Antwort auf die heute so landläufige Untreue in der religiösen Welt betrachtet werden.

Dieser „Überblick“ ist im Allgemeinen das Wesentliche aus Wortbetrachtungen über das erste Buch Mose in den Jahren 1919 und 1920; er wird in dieser Form mit dem Wunsche und dem ernsten Gebet veröffentlicht, dass er vielen, die zum Haushalte des Glaubens gehören, durch Gottes Segen in geistlicher Hinsicht eine Hilfe sein möge.

Die Schriftstellen sind meist nach der sogenannten Elberfelder Bibelübersetzung angeführt. Wo davon abgewichen ist, lässt die Ursprache entweder eine andere Lesart zu, oder genannte Übersetzung ist durch eine bessere ersetzt, die mehr der englischen Bibelübersetzung von J.N.D. entspricht.

 

C.A.C.

 

Kapitel 1

 

Im ersten Buch Mose haben wir den Anfang dessen, was seinen Abschluss im Buche der Offenbarung findet. Es ist ein sehr wichtiges Buch, da es die Grundlage der ganzen Heiligen Schrift bildet und im Wesentlichen die meisten ihrer Hauptgrundgedanken darstellt.

Die Schöpfung, die Sünde, das Gericht, die Verheißung, das Opfer, die Auferstehung, Gottes Auswahl der Gnade und Sein Bund, die Aussonderung Seines Volkes aus der Welt, die Pilgerschaft des Glaubens, die Entrückung, die schließliche Segnung Israels und der Nationen unter Christo, wie wir sie in Joseph sehen - alles hat hier seinen Platz.

Und außerdem haben wir noch viele kostbare Bilder von Christo und der Kirche.

Es ist besonders wichtig, dass wir in einem Zeitalter des Unglaubens, wie das gegenwärtige, wo sich allerhand Lehren über den Ursprung der Welt vorfinden, in der Wahrheit dieses ersten Kapitels befestigt sind. Wir sollten im Glauben an die Schöpferweisheit und Schöpfermacht Gottes stehen; denn „durch Glauben verstehen wir, dass die Welten durch Gottes Wort bereitet worden sind, so dass das, was man sieht, nicht aus Erscheinendem geworden ist“ (Heb. 11, 3).

Ich bezweifle, dass es in der Macht des menschlichen Geistes steht, die Schöpfung zu begreifen. Das ist etwas, was wir nur durch Glauben verstehen können.

„Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.“ (V.1)

Der Verstand des Menschen lässt Gott aus und erschöpft sich in endlosen Theorien; der Glaube sieht Ihn, und alles ist einfach.

Man braucht nicht bange zu sein, dass die Entdeckungen der Geologie [Lehre vom Erdkörper und seiner Entwicklung] oder irgendeiner anderen Wissenschaft, je die Wahrheit dieses Kapitels erschüttern werden. Es ist Gottes Bericht, und alle wahre Wissenschaft wird im Einklange damit bleiben. Jede Lehre, die dem hier gegebenen Bericht widerstreitet, ist sicherlich falsch.

„Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde“; das ist alles, was wir über die ursprüngliche Schöpfung erfahren.

Im zweiten Verse sehen wir dann, dass sich die Erde in einem Zustande des Verfalls befindet: „Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe.“

So war sie jedenfalls nicht erschaffen, denn in Jesaja 45, 18 wird uns ausdrücklich gesagt: „nicht als eine Öde [im Hebräischen dasselbe Wort wie in 1. Mose 1,2] hat er sie geschaffen“.  Dieselben Worte wie „wüst“ und „leer“ werden auch in Jesaja 34, 11 von Edom gebraucht und in Jeremia 4, 23 von Israel, als beide Nationen der Rache und der Glut des Zornes Jehovas anheimfielen.

Es hat also zwischen dem ersten und dem zweiten Verse von 1. Mose 1 eine gewichtige Veränderung stattgefunden. Wir wissen nicht, welche Spanne zwischen den beiden Versen verstrichen ist. Vielleicht sind hier die langen Zeiträume, von denen die Geologen reden, einzuschalten.

In Vers 2 finden wir, dass die Erde ein Schauplatz der Unordnung und Finsternis ist, und gerade an einem solchen Schauplatze griff Gott ein und entfaltete Seine Tätigkeit. Eine Tätigkeit, die in sechs Tagen zum Abschluss kam, so dass Gott am siebenten Tage ruhte.

Das zeigt uns von Anbeginn, was der Gegenstand der Heiligen Schrift ist: die Entfaltung dessen, wie Gott gewirkt hat und auch wirken wird, um auf einem Schauplatze sittlicher Unordnung einen Zustand herbeizuführen, worin Er ruhen kann, nämlich in einem Schauplatze der Ordnung, des Lebens und der Fruchtbarkeit, wo alles unter der Herrschaft des Menschen steht, der in Seinem Bilde und nach Seinem Gleichnis gemacht ist.

Dieses gesegnete Ziel wird in der zukünftigen Welt erreicht werden, wenn Gott in dem Christus „alles unter ein Haupt“ zusammenbringen wird, „das was in den Himmeln und das was auf der Erde ist“; das ist das „Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst für die Verwaltung der Fülle der Zeiten“ (Eph. 1, 10 u. 9).

Somit hat 1. Mose 1 die Gestaltung der zukünftigen Welt vor sich und die verschiedenen Bestandteile, die sie kennzeichnen. Gott hat von Anfang an das Ende vor Sich (Jes. 46, 10).

Wir haben also hier nicht nur einen göttlichen Bericht über die Zubereitung der Erde zu einer Wohnstätte des Menschen, sondern auch vieles von geistlicher Bedeutung, was dem allen zugrunde liegt. Ich denke, wir sollten auch erwarten, dass eine gewisse Beziehung oder Ähnlichkeit zwischen Gottes stofflichen Werken und Seinem Walten auf dem Schauplatze des Geistes besteht.

Dieses Kapitel macht uns auf eine vollkommene und göttliche Weise mit der Ordnung der gegenwärtigen stofflichen Schöpfung bekannt; aber es deutet zugleich im Vorbilde große Grundsätze an, die von tiefster Bedeutung und Wichtigkeit sind.

In den Worten „die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe“, tritt uns ein Schauplatz entgegen, an dem Gott kein Wohlgefallen hat, und in dem Er keine Ruhe finden konnte - das ist ein treffendes Bild des Zustandes des Menschen, der unter die Macht der Sünde, Satans und des Todes fiel und ohne Erkenntnis Gottes ist.

Aber es ist gesegnet zu sehen, dass Gott, der in solchen Umständen nicht ruhen konnte, doch daselbst war und wirkte: „der Geist Gottes schwebte über den Wassern“.

Das Wort „schwebte“ deutete auf liebevolle Anteilnahme hin, denn es ist im Hebräischen dasselbe Wort wie in 5. Mose 32, 11: „Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt“. Es redet zu uns von der Besorgtheit göttlicher Liebe, die da, wo alles dem Verderben anheimgefallen war, ihre Tätigkeit entfalten wollte, um einen Zustand herbeizuführen, der als „sehr gut“ bezeichnet werden konnte, und worin Gott ruhen konnte.

Ehe das Werk der sechs Tage begann, haben wir diese erste Bewegung des Geistes Gottes.

In einer gefallenen und verderbten Welt, wo alle unter die Sünde und den Tod gekommen sind, muss als Ausgangspunkt irgendwelcher Ergebnisse für Gott zuerst eine Bewegung des Geistes Gottes in den Seelen der Menschen stattfinden. Die neue Geburt muss zustande gebracht werden, sonst scheint das Licht Gottes vergeblich. In allen Zeitaltern und Haushaltungen war das unbedingt notwendig, und wird es auch immer sein.

In Johannes 2, 24 und 25 heißt es: „Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht bedurfte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.“

Es gibt nichts im Menschen, dem Gott vertrauen kann, bis er von neuem geboren ist. Vom natürlichen Menschen lesen wir in Römer 3, 10 - 18: „da ist kein Gerechter, auch nicht einer; da ist keiner, der Gott suche ... Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.“ Deshalb muss Gott erst dem göttlichen Lichte auf eine geheimnisvolle Weise Bahn machen, die wir nicht erklären können. „Ihr müsset von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; also ist jeder, der aus dem Geiste geboren ist“ (Joh. 3, 7 und 8).

Die Predigt des Evangeliums würde keinen Erfolg haben, wenn Gott nicht unumschränkt durch Seinen Geist gegenwärtig wäre und in den Seelen der Menschen die neue Geburt hervorbrächte. Der Mensch, der gefallene Sünder, ist als solcher hoffnungslos verloren, denn er hat kein Verlangen nach Gott. Und wenn ihm das Licht Gottes in Christo gebracht wird, hasst und verwirft er es.

Die photographische Platte muss erst in eine Lösung gebracht werden, um sie lichtempfindlich zu machen. Eben durch diese neue Geburt wird nun der Mensch gegen das göttliche Licht empfindlich, und wenn es dann auf ihn fällt, stört es sein Gewissen auf und bringt sein Herz wirklich Gott näher. Aber getrennt von der neuen Geburt würde sogar das Scheinen göttlichen Lichts nichts hervorrufen, denn dann gäbe es nichts im Menschen, was es schätzte oder was ihm entspräche. Die neue Geburt ist also die unbedingt erforderliche Grundlage.

 

Am ersten Tage sprach dann Gott: „Es werde Licht!“, und es ward Licht.

Dass Gott dem Licht gebot, deutet sehr klar auf das Kommen Christi. Denn alles wahre Licht, was dem Menschen geschienen hat, ist Licht über Christum gewesen. Er schien in der Verheißung viertausend Jahre, ehe Er persönlich erschien. Das ganze Alte Testament hindurch schien das Licht in der Verheißung immer deutlicher. Aber nun, da Christus gekommen, gestorben und auferstanden ist und Sich verherrlicht zur Rechten Gottes befindet, haben wir den völligen Tag. „Der Gott, der aus der Finsternis Licht leuchten ließ, ist es, der in unsere Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis Gottes im Angesicht Christi“ (2. Kor. 4, 6).

Da haben wir die volle Herrlichkeit des Lichts. Aber das Licht war von allem Anfang an „gut“: wie gut war zum Beispiel das Licht von 1. Mose 3, 15 und 22, 18 !

Als das Licht kam, schied Gott „das Licht von der Finsternis“. Das ist ein Hauptgrundgesetz, Licht und Finsternis sind unvereinbar miteinander. Satan sucht immer beide zu vermengen; aber Paulus sagt: „Seid nicht in einem ungleichen Joche mit Ungläubigen. Denn welche Genossenschaft hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht und Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?“ (2. Kor. 6, 14 und 15)

In Jesaja 5, 20 lesen wir: „Wehe denen, die das Böse gut heißen und das Gute böse; welche Finsternis zu Licht machen, und Licht zu Finsternis“.

Es ist wichtig, alles beim rechten Namen zu nennen: „Gott nannte das Licht Tag, und die Finsternis nannte er Nacht.“

Wenn Christus unseren Herzen das Licht wird, erkennen wir, dass alles was nicht Christo gemäß ist, Finsternis ist, und dass wir daher keine Gemeinschaft damit haben können. Die Verwerfung Christi hat die Welt in Finsternis zurückgelassen, aber Christus wird wiederkommen und den Tag bringen.

In der Zwischenzeit sind die Gläubigen vom Tage, sie sind Söhne des Lichts (1. Thess. 5, 8 u. 5) und sollten deshalb keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis haben, sondern sie vielmehr strafen (Eph. 5, 11). In der Welt mag man von Fortschritt und vermehrtem Licht reden, die Söhne des Lichts aber betrachten es als Finsternis, weil Christus nicht darin ist. Sie bekennen Christum und halten sich von der sittlichen Finsternis um sie her abgesondert.

Die Worte „und es ward Abend, und es ward Morgen“, werden sechsmal in diesem Kapitel wiederholt. Aber in Verbindung mit dem siebenten Tage wird kein Abend erwähnt. Das ist in Übereinstimmung mit der Tatsache, dass es im Tausendjährigen Reiche kein Abendlamm gibt (siehe Hes. 46, 13 - 15), an einen Abend wird nicht mehr gedacht.

Andererseits finden wir in Daniel 8, 14 den bemerkenswerten Ausdruck „Abendmorgen“ in Verbindung mit der Zeit des Abfalls. Auf all diesen Morgen lagert gleichsam der Schatten des Abends, denn sie bringen kein göttliches Licht.

In Wahrheit sind alle menschlichen Morgen wirklich Abende. Immer wieder denken die Menschen dann und wann einen neuen Tag zu haben, infolge einer neuartigen Verfassung, Gesetzgebung, Erziehungsweise, eines Zusammenschlusses von Völkern und dergleichen. Aber diese neuen Tage des Menschen sind alle Abendmorgen, es sind Morgen, auf die der Schatten des Abends schon von ihrer Dämmerung an fällt. Das wahre Licht ist ihnen fern.

Doch ein Tag kommt, dessen Morgen ohne Wolken ist (2. Samuel 23, 4), der von der Sonne der Gerechtigkeit eingeweiht wird; und dieser Tag hat keinen Abend, er geht, was die Heiligen anlangt, in den endlosen Tag der Ewigkeit über.

 

Am zweiten Tage ruft Gott die Ausdehnung ins Dasein, und sie wird eine Scheidung zwischen dem, was unter und über ihr ist - Gott nennt sie die Himmel.

Es ist, wie ich glaube, der Luftkreis der Erde, der sich deutlich von den Wassern, die er voneinander trennt, unterscheidet.

In sittlicher Hinsicht deutet er auf die Einführung himmlischer Wesensart hin, die dem Glauben zur Heimatluft wird, in der er frei atmen kann. Es wurde schon darauf hingewiesen, dass Gott das Licht über Christum in kostbaren Verheißungen gab; aber Er gab Seinen Heiligen auch schon sehr früh einen Begriff vom Himmlischen, und das wurde, wie wir aus Hebräer 11, 8 - 16 sehen, ein sehr scharfer Scheidegrundsatz.

Abraham wartete auf die Stadt, welche Grundlagen hat, und diese Stadt ist eine himmlische. Isaak und Jakob waren mit Abraham Erben der Verheißung und suchten ein himmlisches Land. Sie atmeten gleichsam die Luft himmlischer Hoffnungen, und deren absondernde Kraft machte, dass sie als „Fremdlinge und ohne Bürgerschaft auf der Erde“ waren. Dieser Scheidegrundsatz nach dem, was „unten“ und „oben“ ist (Joh. 8, 23), hat seine Kraft bis auf diesen Tag geltend gemacht und die Heiligen als himmlisch nach Hoffnung und Wesensart gekennzeichnet.

Wenn wir wirklich das Licht der Erkenntnis Gottes in Christo haben, brauchen wir einen neuen Lebenskreis. In der Welt gibt es niemand, der an unseren Freuden und Übungen teilnehmen, oder sie mitfühlen könnte. Wir können einen für uns geeigneten Lebenskreis nur im Kreise der Brüder finden.

Wie könnte ein wahrhaft zu Gott Bekehrter eine Luft des Götzendienstes, des Hasses und der Gesetzlosigkeit atmen? Er verlangt, unter seinesgleichen zu sein. Er liebt die Brüder und hat darin die Gewissheit, dass er aus dem Tode in das Leben hinübergegangen ist (1. Joh. 3, 14).

 

Am dritten Tage erscheint dann das trockene Land. Im trockenen Lande haben wir ein Bild von dem, was fest ist und Bestand hat und Frucht für Gott hervorbringt. Es kann weiter als ein Sinnbild der Sonderstellung aufgefasst werden, die Israel, als von Gott berufen und in göttlicher Ordnung dastehend, abgesondert von den Nationen ringsumher hatte.

Beim Lesen der Heiligen Schrift kann es uns nicht entgehen, welch einen abgesonderten Platz Israel besaß, und dass es Gottes Gedanke war, dass sie ein von Gott geleitetes und fruchtbares Volk sein sollten, um seinen Ruhm vor den Nationen kundzutun. Als der Hüter und Beschützer Seiner Verheißungen, der in sittlicher Hinsicht teil an deren Festigkeit hatte, und der durch das Gesetz und Zeugnis Gottes beherrscht wurde, entsprach Israel dem trockenen Lande. In Wirklichkeit bewahrheitete sich das jedoch nur von einem kleinen Überrest.

Israel nach dem Fleische entsprach nicht den Gedanken Gottes. Sie waren ebenso unter der Sünde und dem Tode wie die anderen Menschen, und dazu noch solche, die Gottes Gesetz gebrochen hatten.

Alles das lässt uns die Tatsache schätzen, dass der dritte Tag in der Heiligen Schrift oft in Verbindung mit der Auferstehung gebracht wird.

Die dem Abraham gegebenen Verheißungen brachten Licht über eine Ordnung, die in der zukünftigen Welt aufgerichtet werden wird, und die um deswillen, was der Mensch ist, von dem Kommen Christi und Seinem Tode und Seiner Auferstehung abhängt.

Abraham hatte zu lernen, dass der Gott, dem er glaubte, einer war, der die Toten lebendig macht. Die Verheißung war einem gegeben, dessen eigener Leib schon erstorben war, damit er von allem Anfang an das Wesen der Kraft kennenlernte, die die Verheißung zustande bringt.

Dass er dies gelernt hatte, tritt uns klar in der Aufopferung Isaaks entgegen. Im Glauben an die Auferstehungsmacht Gottes hielt er an den ihm gegebenen Verheißungen fest, so dass er den Isaak opfern konnte. Und er empfing ihn im Bilde, als aus den Toten auferstanden, wieder.

So wurde der Glaube gelehrt, die Aufrichtung alles dessen, was in Gottes Gedanken und Verheißungen war, von einer Kraft zu erwarten, die da wirken konnte, wo auf Seiten des Menschen nur der Tod war. Es handelte sich bei ihm nicht nur um die Aussonderung eines Mannes und seines Samens aus der Verwirrung und dem Götzendienst einer Babelwelt, sondern ihm wurde zugleich etwas von der Tatsache gelehrt, dass der Tod auf dem Menschen war, und dass daher jede göttliche Verheißung, aller Segen in der Kraft der Auferstehung bestehen sollte.

Später, bei einem neuen Ausgangspunkte der Geschichte Israels, gab ihnen Gott das Passah, das im Bilde eine deutliche Unterweisung über ihren Zustand unter Tod und Gericht enthielt, und auch davon, dass Jehovas Verheißungen und Bund ihnen gegenüber nur auf Grund des Todes Christi aufgerichtet werden konnten.

Und gerade so, wie sich alles, was sie in der Vergangenheit waren, im Bilde hierauf gründete, wird es auch am Tage der Zukunft sein, wo sie dies zunächst in seiner sittlichen Wirklichkeit verstehen lernen müssen, und dann erst werden sie in göttlicher Ordnung als ein fruchtbares Volk gesehen.

Christus ist in göttlicher Gnade in den Tod gegangen, der auf dem Menschen lastete. Aber Er ist wieder aus dem Tode hervorgegangen, um die feste und unerschütterliche Grundlage einer Ordnung zu werden, die durch Fruchtbarkeit und Leben gekennzeichnet ist.

Wir sind jetzt zu den „gewissen Gnaden“ gekommen (Jes. 55,3; Apg. 13, 34), zu Dingen, die durchaus geordnet sind und Bestand haben. Wir sind eines Anderen geworden, „des aus den Toten Auferweckten, auf dass wir Gott Frucht brächten“ (Röm. 7, 4).

Nach dem Erscheinen des „Trockenen“ finden wir „Kraut, das Samen hervorbringt nach seiner Art, und Bäume, die Frucht tragen, in welcher ihr Same ist nach ihrer Art“ (V.12).

Nur was in Beziehung zu Christo steht, ist wirklich von Bestand und fruchtbar für Gott. Die Versammlung steht jetzt in Beziehung zu Ihm, Israel am Tage der Zukunft; dann, wenn sie die „gewissen Gnaden Davids“ erlangen, werden sie Bestand haben und zu Gottes Wohlgefallen fruchtbar sein. Inzwischen haben die Heiligen der Kirche jenen Platz inne.

 

Am vierten Tage wurden Lichter an der Ausdehnung des Himmels, „um auf die Erde zu leuchten! ... das große Licht zur Beherrschung des Tages und das kleine Licht zur Beherrschung der Nacht, und die Sterne“ (V. 15 und 16).

Das weist klar auf den Gedanken Gottes, das die Erde im Lichte dessen stehen sollte, was in den Himmeln aufgerichtet ist, also unter himmlischer Herrschaft oder himmlischem Einfluss.

Der verherrlichte Jesus ist „das große Licht“ in den Himmeln. Als Er hienieden war und „der Aufgang aus der Höhe“ die Menschen besuchte (Luk. 1, 78), war Er „das Licht der Welt“ (Joh. 8,12; 9,5); aber die sittliche Finsternis, in die Er kam, war so dicht, dass sie das Licht nicht erfasste (Joh. 1, 5).

Er ist jetzt als ein auferstandener und verherrlichter Mensch im Himmel, und in der zukünftigen Welt (Hebr. 2, 5) wird Er der Welt als „die Sonne der Gerechtigkeit“ strahlen (Mal. 4, 2). Doch in der Zwischenzeit sind die an Ihn glauben in Seinem Lichte: „die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber sehet mich“ (Joh. 14, 19); „wir sehen aber Jesum ... mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ (Heb. 2, 9). Das, was sich nachmals von Jerusalem bewahrheiten wird: „Stehe auf, leuchte! denn dein Licht ist gekommen“, ist geistlich von Seinen Heiligen jetzt wahr; es heißt: „Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, und der Christus wird dir leuchten!“ (Eph. 5, 14)

Weil die Kirche im Lichte Christi ist, entspricht sie dem Monde, dem untergeordneten Lichte; Israel wird am Tage der Zukunft den Platz des kleinen Lichtes haben, wenn es als der „Neumond“ (Ps. 81, 3) aufs Neue unter das Licht Christi kommen wird.

Der Mond scheint nur, soweit er im Lichte der Sonne ist; und so wird auch die im Lichte Christi bleibende Kirche zur Leuchte während der Nacht Seiner Verwerfung.

Die Heiligen sind im Lichte des Tages. Infolgedessen sollte ihr Wandel die Züge des Tages offenbaren, sie sollten als Himmelslichter in der Welt scheinen (Phil. 2, 15).

Christus ist die Sonne des geistlichen Weltalls, und alles andere Licht ist nur Sein Licht, das entweder von der Versammlung, Israel oder einzelnen Heiligen widergestrahlt wird. Der Mond scheint nur in Abwesenheit der Sonne. So scheint auch das himmlische Licht jetzt durch die Heiligen der Versammlung; und bald, wenn der Mond untergegangen, werden die Sterne leuchten.

In Daniel 12, 3 heißt es: „Und die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste, und die, welche die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne, immer und ewiglich.“

Das bezieht sich auf den Überrest der Verständigen am Tage der Zukunft. Christus ist hinweggegangen; und bald wird auch die Kirche von hinnen gehen, und dann werden andere Heilige die Gefäße des göttlichen Lichtes sein, wie wir aus Offenbarung 7 und dem, was folgt, sehen.

Die Lichter sind zum Herrschen gemacht und bestimmt. So wird es auch in der zukünftigen Welt sein: die Nationen werden durch das Licht der himmlischen Stadt wandeln. Es wird keine Unbotmäßigkeit oder Gesetzlosigkeit geben, sie werden durch das Licht Gottes, das ihnen in der Stadt scheint, wandeln.

Gegenwärtig herrscht die Kirche, insofern sie heilige und göttliche Einflüsse unter den Menschen verbreitet. Von denen, die in Gerechtigkeit, Heiligkeit und Liebe wandeln, geht göttliches Licht aus.

Man hat schon oft beobachtet, dass Menschen, die gewohnt sind, eine niedrige Sprache zu führen, in der Gegenwart eines Christen davon Abstand nehmen. Es ist also ein Einfluss vorhanden. Im Lichte Christi ist der Heilige mit einer strahlenden Rüstung angetan; er trägt die Waffen des Lichts, und das macht sich geltend.

Wie oft sind solche, die in Schwierigkeiten oder Gefahr sind, froh, einen Christen in ihrer Nähe zu haben! Sie erkennen das Licht an und empfinden etwas Wohltuendes darin.

Dann finden wir, dass die Lichter „zu Zeichen und zur Bestimmung von Zeiten“ sein sollten, und um „das Licht von der Finsternis zu scheiden“ (V. 14 u. 18). Das ist in sittlicher Hinsicht wichtig: der Christ sollte Einsicht in die Zeiten haben (1. Chron. 12,32; Mat. 16,3; Luk. 12,56; Röm. 13,11).

Der Welt ist die Sonne durch ihre Verwerfung Christi untergegangen. Die Kirche ist nun als das Gefäß des Heiligen Geistes ein Himmelslicht; es wohnt eine göttliche Person in den Heiligen hienieden, und so scheint den Menschen göttliches Licht durch ein Gefäß, das im Gegenbilde dem Mond entspricht. Bald wird das Licht durch andere Heilige scheinen.

Vor dem Weltkriege wurde ein Buch geschrieben, um zu beweisen, dass das Tausendjährige Reich gekommen sei. Solche Leute können kaum etwas „von Zeiten“ verstanden haben, und von dem Unterschied zwischen Tag und Nacht (V. 14). Was dann in der Welt eintrat, hätte solche Theorien über den Haufen werfen müssen.

 

Die Vorgänge an den ersten vier Tage können dahin aufgefasst werden, dass an ihnen die Lebensbedingungen geschaffen wurden. Am fünften und sechsten Tage kommen wir dann zum Leben selbst. Die Lebensbedingungen sind Licht, Luft, Speise und Herrschaft.

Das Licht, in dem geistliches Leben möglich ist, ist die Offenbarung Gottes.

Die Lebensluft, die denen angemessen ist, die Gott kennen, atmen wir, wie schon bemerkt, im Kreise der Brüder, wo geistliche Zuneigungen wirksam sind.

Sodann muss das Leben durch Speise aufrechterhalten werden, das ist sehr wesentlich. Johannes 6 redet von der Speise, dem Brote des Lebens.

Und schließlich haben wir himmlische Herrschaft, d.h. es gibt in dem Kreise des Lebens keine Gesetzlosigkeit. Finsternis, Unkenntnis Gottes, Götzendienst, Hass und Gesetzlosigkeit, das alles ist der Tod.  Doch wenn das Licht Gottes kommt, tritt Liebe und Gehorsam in einem angemessenen Lebenskreise in Tätigkeit, und durch geeignete Nahrung aufrechterhalten und unter himmlischer Herrschaft, haben wir dann das Leben.

 

Am fünften und sechsten Tage erblicken wir einen Schauplatz, der vom Leben wimmelt. Gott ist der lebendige Gott, und Er hat Freude am Leben. Das tritt einem geradezu auffällig in der Natur entgegen.

Nachdem Gott die Lebensbedingungen geschaffen hatte, hat Er Wohlgefallen an Leben im Überfluss, und an Wachstum und Vermehrung. „Lebendige Seelen“ sind solche, die die Lebensbedingungen genießen können. Gottes Gedanke war sogar hinsichtlich der unvernünftigen Geschöpfe, dass sie die Umstände, in die Er sie versetzt hatte, genießen sollten.

Sobald lebendige Seelen geschaffen wurden, segnete Er sie. Das war Seine erste sittliche Tat. Und das Zeichen Seiner Segnung war Fruchtbarkeit und Vermehrung. Das ist die unfehlbare Begleiterscheinung der Lebenskraft.

In geistlicher Hinsicht sind die Lebensbedingungen gegenwärtig geschaffen, und unsere Übung sollte dahin gehen, sie uns zunutze zu machen; und wenn wir das tun, genießen wir den Segen Gottes.

Am fünften Tage wimmeln die Wasser von lebendigen Seelen, und am sechsten Tage bringt die Erde solche hervor. Sowohl die Fische des Meeres als auch die lebendigen Wesen der Erde sind von der Weisheit Gottes als Bilder des gegenwärtigen Wirkens Seiner Gnade gebraucht worden.

Die Fische des Meeres stellen die Menschen in ihrem natürlichen Zustande und Lebenskreise dar, aus dem sie herausgenommen werden müssen, um in die Segnung des Reiches Gottes einzugehen. Der Her macht Seine Nachfolger zu „Menschenfischern“, und das ins Meer geworfene Schleppnetz ist eines der Gleichnisse vom Reiche der Himmel (Mat. 4,19; 13, 47-50). In Verbindung hiermit haben wir gute und wertlose Fische. Die guten stellen die dar, in denen ein göttliches Werk ist. Sie können in Gefäße gesammelt werden.

Das „Netz voll großer Fische“, das in Johannes 21,11 ans Land gezogen wurde, ist zweifellos ein Bild der großen Sammlung zu tausendjähriger Segnung am Tage der Zukunft. Dieses Netz wird nicht reißen, und bei ihm finden wir auch keinen Hinweis auf wertlose Fische.

Da wir gerade vom Meere reden, mag die auffällige Tatsache erwähnt werden, dass auf der neuen Erde das Meer nicht mehr ist (Offb. 21,1). Das Meer und das mit ihm in Verbindung stehende Leben besteht nur für diese Zeit. Aber die Erde besteht im ewigen Zustande weiter, sie redet von dem, was beständig und bleibend ist, was wirklich einer geistlichen Ordnung angehört. Das Geistliche allein ist ewig.

In Apostelgeschichte 10 sah Petrus die lebendigen Wesen der Erde in einem Gefäße, „gleich einem großen leinenen Tuche, herabkommen an vier Zipfeln auf die Erde herniedergelassen“ (V.11). Er hatte zu lernen, niemand als gemein oder unrein anzusehen. Er musste seinen Standpunkt, den er als Jude einnahm, aufgeben, demzufolge er die Heiden als unrein betrachtete, und zu einer geistlichen Auffassung durchdringen, die der Unumschränktheit göttlicher und himmlischer Gnade entsprach. Er hatte den großen Umfang der Gnade, ihr allumfassendes Wesen zu lernen und zu sehen, dass Gott durch den Tod Christi eine Reinigung für die Menschen geschaffen hatte, derart, dass sogar Heiden durch den Glauben an den auferstandenen Christus die Vergebung der Sünden haben und den Geist empfangen konnten.

 

Das ganze Sechstagewerk bis zur Erschaffung des Menschen sollte einen Kreis schaffen, den zu beherrschen der Mensch nach den Gedanken Gottes bestimmt war. Die Erschaffung des Menschen war eine sehr feierliche und wohlerwogene Tat. Gott ging dabei gleichsam mit Sich Selbst zu Rate und sprach: „Lasset uns Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis; und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über das Gevögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das sich auf der Erde regt!“ (V. 26)

Adam war das „Vorbild des Zukünftigen“ (Röm. 5, 14). Alles soll unter die Herrschaft Christi kommen. In Psalm 8 heißt es von Vers 6 an vom Sohne des Menschen: „Du hast ihn zum Herrscher gemacht über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füße gestellt: Schafe und Rinder allesamt und auch die Tiere des Feldes, das Gevögel des Himmels und die Fische des Meeres, was die Pfade der Meere durchwandert.“ Jedes erschaffene Wesen wird Christo unterworfen sein; und in Adam sehen wir im Bilde die Art des Einflusses, den Christus ausüben wird.

Der erste über den Menschen geoffenbarte Gedanke war, dass er das Bild, d.h. die sichtbare Darstellung Gottes im Weltall sein sollte. Diese besondere Würde und Größe hatte Gott dem Geschöpf Seines Wohlgefallens zugedacht.

Doch bei dieser Enthüllung der göttlichen Gedanken müssen wir über Adam hinausschauen hin zu Dem, dessen Bild er war. Gottes Gedanke war, ein herrliches Haupt der ganzen Welt des Lebens zu haben, das imstande war, alles zu beherrschen und zu Seinem Wohlgefallen aufrechtzuerhalten. Christus ist „das Bild des unsichtbaren Gottes ..., der Erstgeborene aller Schöpfung“ (Kol. 1, 15). Wenn Er also kommt, wird Er den ersten Platz haben, den Adam im Vorbilde hatte. Alles sollte unter ein Haupt zusammengebracht werden; sei es das im Himmel oder das auf der Erde, alles sollte in Christo seinen Mittelpunkt haben. Nichts steht in der Tat recht im Weltall, das nicht in Christo seinen Mittelpunkt hat.

„Niemand hat Gott jemals gesehen“ - so wurde es notwendig, dass Einer kam, der das Bild des unsichtbaren Gottes ist - der „eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht“ (Joh. 1, 18). Der Gott, den niemand gesehen hatte, ist nun vollkommen in einem Menschen gesehen worden, in Einem, in dem alles, was Gott ist, völlig zum Ausdruck kam.

Wenn wir vom „Gleichnis“ in Bezug auf Christum reden, sollten wir sehr auf der Hut sein, denn wir müssen immer bedenken, dass Christus Gott ist.

Zweifellos können wir die Weisheit des Geistes in der Tatsache erkennen, dass Er im Neuen Testament nie das „Gleichnis“ Gottes genannt wird, trotzdem Er in verschiedenen Stellen ausdrücklich als das „Bild“ Gottes bezeichnet wird (2. Kor. 4,4; Kol. 1,15).

Doch wir können Ihn auch als den gesegneten Gesalbten betrachten, der vor Gott in Liebe wandelte: Christus hat „uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben ... als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch“ (Eph. 5, 2). Und Er vermag allem, was unter Seinen Einfluss kommt, die Kraft zu verleihen, dass es in sittlicher Übereinstimmung mit Gott sei.

Als das „Bild Gottes“ wird Er nicht nur das ganze Weltall mit dem Lichte Gottes erfüllen, sondern Er wird ihm Gott gegenüber eine derartige Anregung sein, dass auch das „Gleichnis“ die vollkommene sittliche Übereinstimmung mit Gott in der ungeheuren Welt, deren herrliches Haupt Er sein wird, vorhanden ist. Dieses Gleichnis wird Ihm allein sein Dasein verdanken. Gott steht im Begriff, alles unter die Herrschaft jenes Gesegneten zu bringen.

Und Er herrscht durch Liebe, denn Er ist das Bild Gottes, Er ist notwendig der Ausdruck der Liebe Gottes, „denn Gott ist Liebe“ (1. Joh. 4, 8). Das Bild hat es mit dem Offenbarwerden zu tun; das Gleichnis ist mehr das, was in sittlicher Hinsicht mit diesem Offenbarwerden in einem Menschen in vollkommenem Einklange steht.

Alles wird unter den Einfluss und die Herrschaft jenes Menschen kommen, und unter Ihm als Herrn und Haupt wird alles zum Wohlgefallen Gottes aufrechterhalten. Wenn wir unter Seiner Herrschaft und Leitung stehen, kommt alles in Ordnung. Wer unter der Herrschaft Christi steht, wird ein guter Vater, eine gute Mutter, ein gutes Kind oder ein guter Knecht sein. Jede natürliche Beziehung, in der er steht, wird er zum Wohlgefallen Gottes ausfüllen; und auch in den geistlichen Dingen wird es recht mit ihm stehen.

„Füllet die Erde und machet sie euch untertan“ (V. 28) zeigt, dass Christus vermag, Sich alles Widerstrebende untertan zu machen. Und dann wird Er alles in Übereinstimmung mit Sich Selbst als Haupt bringen. Er wird „unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten ... zur Gleichförmigkeit mit seinem Leibe der Herrlichkeit, nach der wirksamen Kraft, in der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen“ (Phil. 3, 21).

Inzwischen schreitet das Untertanmachen und Umgestaltetwerden infolge der Wirksamkeit der Macht Dessen, der das Bild Gottes und nach Seinem Gleichnis ist, in geistlicher Hinsicht fort. Dadurch, dass sich der Segenseinfluss Gottes geltend macht, wird alles untertan.

Es ist beachtenswert, dass hier das Weib gleichsam im Manne inbegriffen ist. „Lasset uns Menschen machen in unserem Bilde ...; und sie sollen herrschen ... Und Gott schuf den Menschen ...; Mann und Weib schuf er sie.“ (V. 26 und 27).

Die Kirche ist in Christo inbegriffen. Vor Grundlegung der Welt hatte Gott die Heiligen in Christo auserwählt (Eph. 1, 4). „Indem er uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens nach seinem Wohlgefallen, dass er sich vorgesetzt hat in sich selbst für die Verwaltung der Fülle der Zeiten: alles unter einem Haupt zusammenzubringen in dem Christus ..., in ihm, in welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir zuvorbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rate seines Willens“ (Eph. 1, 9 - 11). Das entspricht dem, was wir in unserem Kapitel lesen. Am Ende von Epheser 1 sehen wir Christum als Haupt der Welt, und die Kirche mit Ihm vereinigt. Sie ist Seine Fülle.

Dann heißt es: „Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan“ (V. 28).

Die Segnung besteht in Fruchtbarkeit und Vermehrung, denn Gott ist der lebendige Gott, und Er hat an Lebendigem und Sich Vermehrendem Freude; bei Ihm gibt es keinen Stillstand.

Die Herrlichkeit des Sohnes des Menschen besteht darin, dass Er eine Welt mit Frucht für Gott füllen kann. Hierzu ist Er in den Tod gegangen. Gott hat große Freude an Vermehrung. Das Christentum begann mit zwölf Männern, und die Vermehrung ist fortgeschritten, so dass wir im gegenwärtigen Augenblick trotz allem, was man über den Mangel an Bekehrungen redet, heilige Myriaden Heiliger auf Erden haben!

Gott hat eine wunderbare Grundlage der Fruchtbarkeit und Vermehrung in Christus geschaffen, und jede bekehrte Seele ist ein Beweis davon. Es ist wunderbar, dass es durch Gottes Segen so viele Herzen gibt, die fähig sind, zu erfassen, was Gott ist, und es zu genießen und Ihm Lob zu bringen. Das ist die Frucht, die Gott sucht.

Gott schätzt das menschliche Herz - das Herz eines Geschöpfes, das so gebildet ist, dass es Ihn zu erkennen vermag - das Herz eines Geschöpfes, das in die tiefsten Tiefen gesunken, aber nun durch die Erlösung zu Gott gebracht ist. Gott sucht solche Herzen, damit sie Ihn preisen.

In Adam und Eva war eine natürliche Lebenskraft, die die Erde gefüllt hat. Alle die Millionen auf Erden sind Frucht jenes Paares. Das deutet auf die Christo innewohnende Lebenskraft hin, auf das Weizenkorn, das in die Erde fiel, starb und viel Frucht brachte. Durch den Tod ist Er imstande, das Weltall mit Frucht für Gott zu füllen.

Wenn diese Lebenskraft in uns wirken soll, müssen wir lebendige Speise haben; deshalb wird am Ende des Kapitels die Nahrung erwähnt: „Siehe, ich habe euch gegeben alles samenbringende Kraut, ... und jeden Baum, an welchem samenbringende Baumfrucht ist: es soll euch zur Speise sein“ (V. 29). Das samenbringende Kraut und die samenbringende Baumfrucht werden dem Menschen zur Speise gegeben. Beim Samen handelt es sich um etwas Lebendiges, er ist eine Speise, die innewohnende Lebenskraft besitzt.

In der Natur gibt es nichts Wunderbareres als den Samen; er hat oft eine winzige Größe, doch wer kann seine Ausbreitungsfähigkeit ermessen! In ihm ist eine Kraft, einen Wald zu erzeugen, der die ganze Erde bedeckt.

Es ist sehr wichtig zu sehen, dass der Mensch Speise mit innewohnender Lebenskraft bedarf. Samen und samenbringende Frucht enthalten Lebensbestandteile; Fortpflanzungskraft kennzeichnet sie.

Viele geistliche Schwachheit ist auf die Speise zurückzuführen, von der die Gläubigen leben. Wir brauchen das, was das Leben unterhält. Der Herr konnte sagen: „nicht vom Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Worte Gottes“, und „ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennet“; und wiederum: „Gleichwie der lebendige Vater mit gesandt hat und ich lebe des Vaters wegen, so auch, wer mich isst, der wird auch leben meinetwegen.“ (Joh. 6, 57).

Auch in der Auferstehung haben wir Speise, denn der Herr nahm als Auferstandener Speise zu Sich; und sogar in der himmlischen Stadt dient der Baum des Lebens zur Speise. Alles das zeigt, wie weit der Speise zugrunde liegende Aufrechterhaltungsgrundsatz geht.

Es ist wichtig, lebendige Nahrung zu bekommen. Wir sollten uns fragen: Liegt dem, wovon ich mich nähre, der Grundsatz des Lebens zugrunde? Wenn nicht, so ist es nicht gut. Wir sollten immer den Grundsatz beachten, der dem Samen zugrunde liegt. Sogar den Tieren ward „alles grüne Kraut“ zur Speise gegeben, d.h. sie sollten sich nur von dem nähren, was frisch und saftig war.

Wenn wir in geistlicher Frische und Kraft dastehen wollen, müssen wir frische und lebendige Speise haben.

 

Kapitel 2

 

In den einleitenden Versen des zweiten Kapitels kommen wir zum siebenten Tage, dem Tage, an dem Gott ruhte „von all seinem Werk, das er gemacht hatte“.

Es ist gesegnet, daran zu denken, dass ein Tag kommt, an dem Gott in einer Welt ruht, die die Frucht Seines eigenen Werkes ist - in einer Welt, die unter den Einfluss Christi gebracht ist, und wo alles durch lebendige Speise in der Kraft des Lebens aufrechterhalten und durch Fruchtbarkeit und Vermehrung gekennzeichnet wird: dann wird Gott Wohlgefallen finden an dem Ergebnis Seines eigenen Werkes.

Der Sabbat war nachmals eine sehr wichtige Anordnung, ein besonderes Band zwischen Gott und Seinem Volke. Gott stellte Seinem Volke Israel immer Seine Ruhe vor Augen, sowie auch die Zustände, in denen allein Er Ruhe finden konnte, und dazu Seinen Herzenswunsch, dass Menschen an jener Ruhe teilhaben sollten. Der Sabbat wurde ein ewiger Bund zwischen Gott und Seinem Volke.

Gott wies Mose an, auf das erste Blatt der Heiligen Schrift einen inhaltreichen Abriss der Zustände zu schreiben, die zu Seiner Ruhe führen sollten. Doch es erfordert die ganze Heilige Schrift, um das mannigfaltige göttliche Werk zu entfalten, das in der Ruhe Gottes enden wird.

Wenn ich von der Ruhe Gottes rede, so habe ich nicht den Ewigen Zustand, sondern die Verwaltung der Fülle der Zeiten vor mir, in der alles unter ein Haupt zusammengebracht ist in dem Christus (Eph. 1, 10). Alle Bedingungen des Lebens werden dann geschaffen sein und genossen werden, so dass Gottes Gedanken über den Menschen auf Erden zustande kommen. Christus und die Kirche werden dann den Platz der Oberhoheit haben: Gott wird ruhen, und Seine Heiligen werden Seine Ruhe teilen - welch eine Segnung!

Als der Herr hienieden war, war Er auch „Herr des Sabbats“, und bei der Ausübung der Rechte, die dieser Titel in sich begriff, wollte Er den Menschen heilen und befreien. Wie hätte es für die Menschen einen wahren Sabbat geben können, solange sie, vom Teufel geknechtet, unter tausenderlei Übeln und Schwachheiten litten? Und wie konnte es für Gott einen wahren Sabbat geben, wenn sich Sein Geschöpf in einem derartigen Zustande befand?

Es ist ein schreckliches Zeugnis vom Zustande des Menschen, dass der Herr niemals in Verbindung mit dem Sabbat erwähnt wird, ausgenommen da, wo Er ihn nach der Meinung der Juden brach. Der Mensch war einer so schrecklichen Knechtschaft anheimgefallen, dass für ihn keine Ruhe möglich war, bis ihm Gott eine Befreiung erwirkt hatte, und so machte die Gnade den Herrn des Sabbats zu einem Arbeiter an jenem heiligen Tage.

5. Mose 5, 15 ist sehr lehrreich, insofern es zeigt, dass sich das Gebot, den Sabbat zu beobachten, an ein Volk wandte, das von Jehova, Seinem Gott, aus der Knechtschaft befreit worden war. In einer Welt der Sünde und der Knechtschaft konnte es keine Ruhe für Gott geben; deshalb musste der Herr sagen: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke.“ (Joh. 5, 17)

Doch der siebente Tag ist ein Bild von der Zeit, wo alles dem Wohlgefallen Gottes gemäß sein wird. Er redet von der tausendjährigen Ruhe der ganzen Schöpfung. Indem wir uns im Geiste an jenen Tag versetzen, singen wir zuweilen:

„Freudevoll ruht nun die Schöpfung

Aus im ungestörten Glück“ - ,

doch in Wirklichkeit sind wir noch nicht dahin gekommen.

Der erste Tag der Woche ist der das Christentum kennzeichnende Tag. Er ist der Anfang eines neuen Zeitabschnitts und steht in Wahrheit in Beziehung zu dem, was ewig ist.

Doch der siebente Tag steht in Beziehung zu den ihm vorausgehenden sechs Tagen, an denen Gott an einem Schauplatz gewirkt hatte, wo Unordnung und Finsternis gewesen waren, den Er aber schließlich Seinem Wohlgefallen gemäß umgestaltet hatte. Dies geschah im Blick auf das Tausendjährige Reich, wo alles, der göttlichen Wirksamkeit zufolge, so geordnet sein wird, dass auf ebendem Schauplatze, wo all die Unordnung und Finsternis gewesen war, Ruhe zustande kommt. Das wird der Triumph Gottes über all die Zustände sein, die infolge der Sünde und der Macht Satans hienieden eingetreten sind.

Von Vers 4 an wird das, was mit der Schöpfung des Menschen und seinen sittlichen Beziehungen zu Gott in Verbindung steht, ausführlicher behandelt. Deshalb wird auch der Name Jehova erwähnt, d.h. der Name, der auf Beziehungen hindeutet.

Die Schöpfung des Menschen ist von höchster Bedeutung. „Und Jehova Gott bildete den Menschen, Staub von dem Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der Mensch wurde eine lebendige Seele.“ (V. 7)

Das war ganz und gar verschieden von der Schöpfung der Tiere. Der Mensch ist nicht nur eine lebendige Seele, sondern er hat einen ihm unmittelbar von Gott eingehauchten Geist. Dadurch, dass er einen Geist hatte, wurde er eine lebendige Seele. Als Geschöpf wurde er gebildet, um in unmittelbarer sittlicher Beziehung zu Gott zu stehen; und es ist wichtig zu erkennen, dass jedes menschliche Wesen seinen Geist unmittelbar von Gott empfängt. (Sach. 12, 1)

Es lässt sich nichts Unmittelbares und Innigeres denken, als dass Gott in des Menschen Nase hauchte. Der Mensch ist ein Geschöpf, er ist weder Gott, noch ein Teil Gottes, wie es die Torheit des Pantheismus behauptet, aber sein Geist lebt kraft der Einhauchung Gottes. Der Mensch ist Sein Geschlecht: „Denn in ihm leben und weben und sind wir“ (Apg. 17, 28).

Wir können das gar nicht genug betonen. Diese Beziehung zu Gott ist es, die den Menschen verantwortlich macht; und nichts wird die Menschen zurechtbringen und glücklich machen, als dies, dass ihre Beziehung zu Gott Ihm gemäß in Ordnung gebracht wird.

Nachdem der Fall gekommen, ist der Mensch von Gott abgeirrt, und nichts wird ihn zurechtbringen, als dass er zu Gott zurückgebracht wird.

Dass der Sohn Gottes in die Welt kam, die Erlösung vollbracht und der Heilige Geist gegeben wurde, das alles geschah im Blick auf die Wiedererlangung des Menschen; er sollte zum Wohlgefallen Gottes sein.

Wenn Gott den Menschen durch die Erlösung wiedererlangt, gibt Er ihm Seinen eigenen Geist; das ist mehr als Adam in Unschuld je besaß. Es ist Gottes Art, wenn etwas versagt, was Er aufgerichtet hat, es durch etwas Besseres zu ersetzen.

Seiner Weisheit gefiel es, eine Ordnung zu schaffen, in der ein Fehlen eintreten konnte, und dadurch, dass dieses geschah, sicherte Er sich Selbst eine größere Herrlichkeit und Seinen Geschöpfen größere Glückseligkeit, indem Er etwas Besseres zustande brachte. Vergebung, Rechtfertigung und die Gabe des Geistes gibt einem eine höhere und bessere Stellung, in viel größerer Nähe zu Gott, als sie Adam im Zustande der Unschuld kannte.

Der Christ hat durch die Erlösung den Geist Gottes, und das ist mehr, als durch die Einhauchung Gottes zu leben. Der Gläubige hat seinen eigenen Geist, aber er hat auch den Geist Gottes, der seinem Geiste Zeugnis gibt (Röm. 8, 16).

 

„Und Jehova Gott pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten, und er setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte“ (Vers 8). Eden heißt Wonne, Lieblichkeit; es bedeutet einen Schauplatz des Wohlgefallens, wo alles zu finden war, was zur natürlichen Glückseligkeit eines ungefallenen Menschen dienen konnte.

Jeder Baum, der lieblich anzusehen und gut zur Speise war, war da. Und der Mensch wurde in diesen Garten gesetzt, „ihn zu bebauen und zu bewahren“ (V. 15). An alles war gedacht worden, aber der Mensch hatte den Garten zu bebauen.

Dieser ursprünglichen Anordnung scheint ein Gedanke zugrunde zu liegen, der unsere Aufmerksamkeit verdient. Weitere Grundgedanken haben wir im Baume des Lebens und dem Fluss, die im Bilde klar von Christo und dem Geiste reden. So gab Gott von Anbeginn einen Hinweis darauf, dass Er in Seinen Gedanken weit mehr Gutes für den Menschen hatte, als es im Kreise der Natur zu finden war.

Der Baum des Lebens in der Mitte des Gartens war eine Andeutung und Verheißung von Besserem und Größerem, als es in all dem Guten, womit Er Adam umgeben hatte, zum Ausdruck kam. Er war die Verheißung des Lebens, noch ehe die Sünde kam, noch ehe die Zeitalter der Zeit ihren Lauf genommen hatten (Tit. 1, 2), zu einer Zeit, da der Tod nur als die schreckliche Strafe gekannt wurde, die nach dem Worte Jehovas der Ungehorsam zur Folge hatte.

Der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen war auch da. Doch er enthielt eine Frage, der Gott allein gewachsen war. Der Mensch war nicht zuständig, ihre Lösung in Angriff zu nehmen. Der bloße Versuch, dies zu tun, bedeutete seinen Zusammenbruch. Gott suchte deshalb den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen durch das strengstmögliche Verbot zu schützen, unter Androhung der ernstesten Strafe im Falle des Ungehorsams.

Dem Baume des Lebens und dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen liegen so große und wichtige Wahrheiten zugrunde, dass wir sie eingehend erwägen sollten.

Es scheint, dass Gott in ihnen klar die beiden großen Fragen kundtat, deren Lösung Er in Verbindung mit den Menschen ihrem Ziele zuzuführen beabsichtigte. Dass die beiden Bäume beieinander standen, scheint anzudeuten, dass die Frage des Lebens für den Menschen mit der Lösung der Frage des Guten und Bösen eng verbunden war.

Da diese Frage in das Weltall gekommen, musste sie zu Gottes Herrlichkeit erledigt werden, derart, dass Leben, Seinen Gedanken gemäß, das Teil Seiner Geschöpfe werde. Der Mensch wurde in diese Frage durch seinen Ungehorsam und Fall verstrickt. Gott kennt Gutes und Böses und weiß beides vollkommen zu beurteilen. Der Mensch aber konnte diese Erkenntnis nur dadurch erlangen, dass er selbst böse wurde. Doch Gottes Vorsatz war, der Mensch sollte wie Er selbst sein und Gutes und Böses in einer heiligen Natur kennen, und dies brachte Er durch Christum und das Kreuz zustande.

Die Frage des Guten und Bösen war zu groß für das Geschöpf. Gott allein konnte sie lösen. Und als der Mensch, das Geschöpf Seines Wohlgefallens, in sie verstrickt wurde, ließ Gott es zu, dass die ganze Frage in Verbindung mit ihm ihrem Ziele zugeführt wurde. Gottes Absicht war, dass es also sein sollte. Er hat es jetzt ermöglicht, dass Gutes und Böses zu unserem lauteren Segen erkannt werden können, und nicht bloß mit einem schuldigen Gewissen.

Welch eine Schaustellung des Guten und Bösen haben wir auf dem Kreuze! Das Gute in Gott kam durch das Böse im Menschen in einer Weise ans Licht, wie es in einer Welt der Unschuld nie gekannt worden wäre.

Daselbst sehen wir auch, wie das Böse gerichtet wurde, und wie die Strafe des Todes, die mit diesem Holze oder Baume in Verbindung war, über Einen kam, der sie zu Gottes Herrlichkeit in Liebe trug, so dass sich nun Ströme des Lebens und der Segnung von ebendieser Stätte aus ergießen können.

Das Böse ist der Untergrund geworden, den Glanz und die Herrlichkeit des Guten in dem glückseligen Gott hervortreten zu lassen. Die Offenbarung Gottes in Christo ist in Wahrheit der Baum des Lebens, und wenn das Geschöpf dahin kommt, Gott zu kennen und von dem zu leben, was Gott Seiner Offenbarung nach ist, so kommen wir zu einer Kraft des Lebens, die kein Böses anzutasten vermag.

Im Kreuze sehen wir die beiden Bäume zusammengebracht. Gutes und Böses sind dort ans Licht gebracht und voneinander entwirrt und geschieden worden. Dort sehen wir einerseits die unendliche Güte Gottes, und andererseits wie das Böse im Menschen und Satan völlig zur Schau gestellt ist; aber das Gute in Gott hat über das Böse im Menschen triumphiert.

Die ganze Frage ist jetzt gelöst, und der sie gelöst hat, ist zum Baume des Lebens geworden. Doch da wir durch den Fall in diese Frage verstrickt worden sind, so haben wir ihre Eigenart und Lösung durch Herzensübungen zu lernen; wir machen in ihnen die Entdeckung, was wir sind, und durch Gnade auch die, was Gott ist. Das geschieht aber nicht bei den ersten Seelenübungen, die uns für die Aufnahme des Evangeliums zubereiten, sondern besonders durch die Übungen, durch die Gottes Volk geübte Sinne „zur Unterscheidung des Guten sowohl als auch des Bösen“ erlangt (Heb. 5, 14).

Es gibt nichts Wunderbareres als die einleitenden Kapitel des ersten Buches Mose. Dort haben wir den Baum und den Fluss, und am Ende der Offenbarung haben wir sie wieder. Womit Gott beginnt, damit endet Er auch. Er begann im Bilde mit Christo, und wird auch mit Christo enden. Er stellt uns alles vor, was Christus ist, und gerade der Fall des Menschen brachte diesem, nachdem er von Neuem geboren war und den Geist empfangen hatte, die Gelegenheit, alles, was der in Christo offenbarte Gott ist, auf eine sehr tiefe und gesegnete Weise schätzen zu lernen. Es ist wunderbar, dass wir schon vor dem Fall im Bilde eine solche Darstellung der Gnade und des Ausfließens des Herzens Gottes haben.

Gott hat eingegriffen und die Frage des Guten und Bösen im Kreuze und Tode Christi gelöst. Er hatte Selbst alles ans helle Licht gebracht, und dies zu Gunsten des Menschen, so dass sich von jener Stätte aus der Segen ergießt.

Die vier Flüsse deuten darauf hin, und deren Anzahl lässt uns schließen, dass sich der Segen von der himmlischen Stadt und von dem Heiligtum auf Erden ergießt, wie es am Tage der Zukunft geschehen wird (siehe Offb. 22, 1; Hes. 47). In der gegenwärtigen Zeit jedoch entspricht diesen Flüssen das Ausgehen des Evangeliums in der Kraft des Geistes.

Der Name des ersten Flussarmes Pison bedeutet „freifließend“, und es war Gold in dem Lande, wo er floss - welch ein Hinweis ist das auf das Evangelium! Es redet von der in göttlicher Gerechtigkeit freifließenden Gnade. Anstatt, dass Gott Gerechtigkeit von den Menschen forderte, schenkt Er ihnen Seine eigene Gerechtigkeit. Das Evangelium fordert keine Gerechtigkeit, sondern gibt sie.

Die drei Dinge, die mit dem Pison in Verbindung stehen - das Gold, das Bdellion und der Onyxstein -, scheinen auf drei verschiedenen Züge der göttlichen Gnade hinzuweisen. Die einzige andere Stelle, wo das Bdellion erwähnt wird, ist 4. Mose 11, 7, und zwar in Verbindung mit dem Manna. Und Onyxsteine, in denen die Namen der zwölf Stämme Israels eingegraben waren, trug der Hohepriester auf seinen Schultern.

Gnade, die in göttlicher Gerechtigkeit ausströmt, von der das Gold zu uns redet, verleiht dem Menschen alles, was er bedarf. Sie gibt ihm Gerechtigkeit und Speise, ihn auf dem Wüstenpfade aufrechtzuerhalten, und sichert ihm die Unterstützung Christi als Priester. Gott schmückt in der Tat die Menschen mit alledem, was Christus ist.

Der zweite Flussarm Gihon umfloss das finstere Land, das ganze Land Kusch oder Äthiopien, das „schwarz“ bedeutet. Wir können darin einen Hinweis darauf sehen, dass wir von der Macht der Finsternis freigemacht werden.

Die Erkenntnis Gottes und die Macht Seines Geistes verschafft uns Befreiung von der ganzen Macht der Finsternis. Als die Wahrsager zu Ephesus zur Erkenntnis Gottes kamen, brachten sie ihre Bücher und verbrannten sie, und der Geist Gottes sagt uns, was diese Bücher wert waren (Apg. 19, 19). Diese Männer hatten im „schwarzen“ Lande gelebt, aber sie wurden frei von der Macht der Finsternis.

Hiddekel bedeutet „reißend“, und er fließt vor Assyrien. Assyrien redet von dem Menschen in seinem ungestümen Widerstand gegen Gott und Sein Volk. Dieser Flussarm jedoch scheint auf eine Macht der göttlichen Gnade hinzudeuten, die alles überwinden und sich untertan machen kann. Assyrien als Sinnbild von sittlichen Dingen stellt etwas ganz anderes dar als Babylon. Babylon ist der verderbliche Einfluss der Herrlichkeit des Menschen, Assyrien der Mensch, den Gewalttat kennzeichnet.

Einer wie Saulus von Tarsus konnte durch die Gnade Gottes in einem verherrlichten Heiland in einem Augenblick erreicht und unterworfen werden. Diese Gnade gleicht einem Strom, der imstande ist, jedes Hindernis in seinem Lauf hinwegzufegen und sich den stolzesten Willen untertan zu machen.

Der Name Phrath bedeutet dann „Süßwasser“. Wie süß ist die Offenbarung Gottes in Liebe und das Ausgießen dieser Liebe ins Herz durch den Heiligen Geist!

Der Heilige, der im Segen des Evangeliums steht, wird eine Quelle der Segnung und Erfrischung aller um ihn her. Aus seinem Leibe fließen Ströme des lebendigen Wassers. Wenn da kein Ausfließen stattfindet, so ist das ein Zeichen, dass nicht viel hineingeströmt ist. Da ist man nicht zu Christo gekommen und hat nicht im Überfluss getrunken (Hohelied 5,1 - daselbst heißt es genauer: „trinket, ja trinket im Überfluss“).

Wenn ich durch irgendeine Macht der Finsternis oder des Menschen gefesselt werde, kann ich dem, was von Gott ist, keinen Ausdruck verleihen. Unsere Übung besteht also in Wahrheit darin, die Befreiung und den Segen, den uns die Gnade Gottes zugänglich gemacht hat, zu genießen. Dann können wir auch ihre Darsteller sein.

Wenn wir in dem Flusse einerseits ein Bild von dem sehen, was für den Menschen ist, so können wir am Ende des Kapitels ein wunderbares Bild von dem sehen, was für Christum ist. Der Dienst des Evangeliums verleiht den Ausdruck, was für den Menschen ist, aber der Dienst der Versammlung bringt das zum Ausdruck, was für Christum ist. Beides sehen wir hier im Bilde.

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, seinesgleichen“ (V. 18). Hier haben wir ein Bild von der Kirche, noch ehe die Sünde kam. Die Kirche ist auf den ewigen Ratschluss Gottes zurückzuführen und erstreckt sich in die vor uns liegende Ewigkeit hinein.

Wie wunderbar, dass Christus eine Ergänzung, eine Gefährtin haben sollte, die Ihm in Seinem sittlichen Zustande, Seinem Geiste, Seinem Gemüt und Empfinden vollkommen entspricht!

Alle Tiere kamen an Adam vorüber, aber keines entsprach ihm, war ihm ebenbürtig. Um ihm ein Wesen zu sichern, das ihm entsprach, musste etwas aus ihm genommen werden: Eva musste aus dem Manne gebildet werden.

Nichts könnte passend sein, mit Christo vereinigt zu werden, als das, was aus Ihm kam. Denken wir an jenen erhabenen Menschen im Himmel - wie hätte irgend etwas anderes geeignet sein können, mit Ihm vereinigt zu werden, als das, was aus IHM kam?

Die Kirche ist ein wunderbares Gebilde! Sie ist ein von Gott gestaltetes, Christo entsprechendes Ebenbild, damit sie zur Befriedigung Seines Herzens sei. Er kann erkennen, dass sie aus Ihm ist.

Man möchte da fragen: Wieviel ist in mir, das Christus, als aus Ihm Selbst stammend, anerkennen könnte? Insoweit hat dann auch die Braut in mir Gestalt gewonnen.

Natürlich ist die Gestaltung der Braut eine Wahrheit, die sich auf die Gesamtheit aller zur Kirche gehörigen Heiligen erstreckt. Aber das muss in jedem Einzelnen von ihnen gewirkt werden. Die Kirche als Braut ist ein Gebilde aus Gottes Hand, das aus Christo genommen wurde.

Der „tiefe Schlaf“ stellt das Geheimnis dieser Gestaltung dar. Es hätte keine Gestaltung statthaben können, wenn nicht das, was gestaltet werden sollte, in den Tod gebracht worden wäre.

Christus ging in den Tod, und alles das, was der Mensch dem Fleische nach ist, wurde da zur Schau gestellt und gerichtet. Aber alles das, was vortrefflich und holdselig war, wurde dort enthüllt, um ein gestaltender Bestandteil zu werden.

Die Kirche leitet ihr geistliches Dasein von dem her, was im Tode Christi enthüllt wurde. In Eva sehen wir dies alles im Bilde, als von Gottes Seite, kraft Seiner Unumschränktheit zustande gebracht.

Denken wir an die mannigfaltigen Züge göttlicher Wesensart, die in ihrer Fülle und Vollendung in jenem kostbaren Tode enthüllt wurden! Die Liebe Gottes in all ihrer Tiefe und in ihrem vollen Umfange wurde dort kundgemacht. Göttliche Heiligkeit in all ihrer Reinheit war da. Die vollkommene Liebe zur Gerechtigkeit wurde da in  Einem gesehen, der, um sie für immer aufzurichten, sterben wollte; und ein solcher Hass wider die Gesetzlosigkeit, dass Er sterben wollte, um sie hinwegzutun.

Dort sehen wir auch die Vollkommenheit des Gehorsams und der Ergebenheit in einem holdseligen Menschen, der, um Gott zu verherrlichen, bis zur tiefsten Stufe der Erniedrigung hinabstieg. Weiter sehen wir dort die Liebe Christi zur Versammlung darin zum Ausdruck gebracht, dass Er Sich Selbst für sie gab. Dies sind mächtige Einflüsse im Weltall, und sie sind im Tode Christi enthüllt worden, damit sie gestaltend auf Seine Braut wirken möchten.

Wenn wir unter den Einfluss Christi kommen, werden wir dadurch gebildet, dass wir Seine Liebe schätzen. Er starb nicht nur, den Seinen Gutes zu sichern, sondern um sie für Sein eigenes Herz zu besitzen. Wir werden dann auch darin gebildet, dass wir den Willen Gottes und die Liebe Gottes schätzen, und auf diese Weise kommt eine sittliche Übereinstimmung zwischen Christo und der Braut zustande. Sie entspricht Ihm in Geist, Gemüt und sittlichem Empfinden.

Es mag gut sein, uns öfter zu fragen: Was in meinem sittlichen Sein kam aus Christo und hätte von keinem anderen kommen können? Das allein gibt einen Maßstab dafür, wie weit die Braut in mir gestaltet worden ist.

Es ist etwas Wunderbares für Christum, in Seinen Heiligen das erkennen zu können, was aus Ihm ist - in ihnen solche Wesenszüge wahrzunehmen wie Abhängigkeit, Sanftmut, Niedriggesinntheit, Gehorsam, Heiligkeit; das sind sittliche Grundlagen.

Dann aber sieht Er weiter eine Antwort auf Seine Zuneigungen und eine Wertschätzung der Liebe Gottes, und dass das Herz der Braut auf Seine Angelegenheiten gerichtet ist. Die Gestaltung der Braut schreitet fort, ihre Glieder werden „während vieler Tage“ gebildet (Ps. 139, 16), und dies geschieht in dem Maße, wie wir unter den Einfluss der Liebe Christi kommen.

 

Kapitel 3

 

Ich denke, allen Gläubigen leuchtet ein, dass dieses eines der wichtigsten Kapitel der Schrift ist. Wir sehen darin, wie das Böse in diese Welt kam, sodann die Quelle, von der es kam, seine Wirkung und seine Folgen.

Obendrein ist es ein gesegnetes Kapitel, da es zeigt, wie Gott in Erbarmen und Gnade handelt, und dass schließlich alle Pläne der Schlange zunichte gemacht werden - ihr Kopf wird zermalmt.

In gewissem Sinne ist Satans Kopf schon zermalmt worden, nämlich am Kreuze. Doch Römer 16, 20 sagt uns: „Der Gott des Friedens wird in kurzem den Satan unter eure Füße zertreten.“ Den Heiligen wird es gegeben, an dem Triumphe Christi teilzuhaben, und alles, was durch Satan gekommen, wird hinweggetan werden.

Wir können dieses Kapitel nicht genug erwägen. Es zeigt uns, worin das Gift der Schlange wirklich besteht, und das hilft uns, dieses Gift in uns selbst zu richten. Das Gift ist, Gott zu misstrauen. das liegt jeder Lust und jedem Ungehorsam zugrunde. Die erste Saat, die in Herz des Menschen gesät werden musste, war Misstrauen gegen Gott. Wenn das Eingang fand, so war alles verloren.

Dass Gott das Vertrauen Seines so hochbegünstigten Geschöpfes verlor, war das Schrecklichste, was eintreten konnte. Der Einflüsterung Raum zu geben, dass Gott etwas Gutes vorenthielt, bedeutete, schon gefallen zu sein.

Dieses selbe Misstrauen finden wir in uns selbst, und wir haben es zu richten. Wir können das im Lichte der Tatsache tun, dass Gott hervorgetreten ist und Seine Liebe geoffenbart hat, so dass wir rückhaltloses Vertrauen in rückhaltlose Liebe haben können. In Gottes Liebe gibt es keinen Vorbehalt: Er hat das Beste im Himmel für das Schlechteste auf Erden gegeben, und hat so das Misstrauen zurechtgewiesen und das Vertrauen gestärkt, damit „die Werke des Teufels“ in unseren Herzen zunichte gemacht werden (1. Joh. 3, 8).

Wenn wir nur das wünschen, was Gott uns gibt, werden wir vollkommen glücklich sein. Nichts hat wirklichen Wert für uns, das wir nicht aus der Hand Gottes nehmen und Ihm dafür danken können.

 

Der erste Zweifel, den die Schlange den Menschen brachte, war der an der Güte Gottes. Und dann sagte sie gleichsam zu Eva: Gott sucht euch einzuschüchtern. Was Er sagt, wird gar nicht eintreten. Ihr werdet gewiss nicht sterben, „sondern Gott weiß, dass, welches Tages ihr davon esset, eure Augen aufgetan werden, und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses“ (V. 5).

Vor dem Falle wusste der Mensch, dass es recht war, Gott zu gehorchen, und unrecht, Ihm nicht zu gehorchen. Aber er kannte Gutes und Böses nicht. Die Erkenntnis des Bösen schrieb die Schlange Gott mit Recht zu. Gott kennt Gutes und Böses in einer heiligen Natur. Der Mensch konnte zu dieser Erkenntnis nur durch Ungehorsam, und damit in einer sündigen Natur gelangen, er konnte Gutes und Böses nur dadurch kennen, dass er selbst böse wurde.

Es handelt sich um eine reine Frage des Gehorsams gegen Gott, d.h. um Seine Oberhoheit. Von dem Baume zu essen, wäre nicht böse gewesen, wenn es nicht verboten gewesen wäre.

Gott nicht zu gehorchen, war böse, und in dem Augenblicke, wo die ersten Menschen dies getan, kannten sie Gutes und Böses ihrem eigenen Bewusstseinszustande nach. Ihre Augen waren in der Tat geöffnet, aber geöffnet über ihren eigenen erbärmlichen Zustand, da sie böse geworden waren.

Wenn wir einer Einflüsterung des Feindes Raum geben und anfangen, darüber Vernunftschlüsse anzustellen, ist schon alles verloren. In Eva sehen wir, wie sich der Ungehorsam darstellt, und wir können sagen, sich ihren Augen rechtfertigte: sie beurteilte den Baum. Sie sah, dass er gut zur Speise, eine Lust für die Augen und begehrenswert wäre, Einsicht zu geben.

Sie beurteilte ihn also gänzlich im Lichte dessen, was die Schlange gesagt hatte, und ganz und gar nicht im Lichte dessen, was Gott gesagt hatte. Wie ernst ist dieses!

Wie oft machen wir ähnliche Schlüsse, um uns glauben zu machen, dass unrecht recht ist! Wird Gott und Seine Güte ausgelassen, dann trügt uns sicherlich das Anschauen unserer Augen und das Urteilen unseres Verstandes. Nichts ist mir gut, das ich nicht als Gottes Gabe empfangen und Ihm dann dafür danken kann.

Hier haben wir die drei Arten der Lust. Die Lust des Fleisches, die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens sind hier alle im Keime enthalten. Gott wird dabei vom Vertrauen Seines Geschöpfes ausgeschlossen, Seine feierliche Warnung nicht beachtet, und die Lust und der Wille des Geschöpfes zum entscheidenden Umstande gemacht - darin besteht der Fall.

Es war die äußerste Schande, die unter diesen Umständen der Güte, Lauterkeit und Oberhoheit Gottes angetan werden konnte.

Bei Adam war es nicht die unmittelbare Versuchung durch die Schlange, sondern die Verführung von Seiten des Weibes. „Adam wurde nicht betrogen, das Weib aber wurde betrogen und fiel in Übertretung“ (1. Tim. 2, 14). Man kann sagen, Adam sündigte, wissend, was er tat; er ließ sich von seinen Zuneigungen beherrschen. Dadurch wurde die ganze Art der gegenseitigen Beziehungen zwischen Mann und Weib umgekehrt. Eva hätte sich durch ihre Zuneigungen bestimmen lassen sollen, und wenn das der Fall gewesen, würde sie, sowie die Schlange zu ihr redete, Adam gerufen haben; statt dessen ließ sie sich mit der Schlange ein, und eignete sich deren Urteil an. Adam hätte sich durch sein in der Furcht Gottes ausgeübtes Urteil leiten lassen sollen. Statt dessen ließ er sich durch seine Zuneigungen leiten, ohne Gott überhaupt einen Platz zu geben.

Satans Ziel ist immer, Gottes Ordnung umzukehren. Adam war das verantwortliche Haupt, und wenn diese Dinge formgerecht behandelt werden, wie in Römer 5, so wird die Sünde, als durch ihn gekommen, betrachtet: die volle Verantwortlichkeit ruhte auf ihm.

„Da wurden ihrer beiden Augen aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren“ (V. 7). Eva hatte zweifellos gedacht: Wir werden wunderbare Dinge kennenlernen, von denen wir jetzt noch nichts wissen; doch alles, was sie erlangten, war das Bewusstsein, dass sie nackt waren! Das Gewissen sagt uns, dass uns die Erkenntnis des Guten und Bösen verantwortlich macht. Satan hatte es als einen großen Preis hingestellt, dass sie in der Erkenntnis des Guten und Bösen Göttern gleich sein sollten. Aber sie erlangten diese Erkenntnis nur dadurch, dass sie durch den Ungehorsam selbst böse wurden.

Infolgedessen erkannten sie von dem Augenblicke an, wo sie von der Frucht aßen, dass sie nackt waren; sie erkannten den erbärmlichen Zustand, in dem sie sich befanden, und schämten sich seiner, ehe Gott ihnen auch nur ein Wort sagte oder ihnen nahte.

Der Mensch wurde damit gleichsam zum Richter seines eigenen Zustandes - eine sehr ernste Sache. Ehe Gott zu ihnen kam, verurteilten sie sich selbst; sie wussten, dass sie nackt waren. Welch eine schreckliche Entdeckung, die sie da machten! In diesen Zustand ist der Mensch geraten - das ist es, was die Erkenntnis des Guten und des Bösen dem Menschen brachte: er war nun in einem Zustande, dessen er sich schämen musste. „Ich fürchtete mich, denn ich bin nackt, und ich versteckte mich“ (V. 10).

Die Gegenwart Gottes versetzte sie in Aufregung, und die Feigenblätter erwiesen sich als seine Bekleidung, sowie Gott nahte. Der Mensch hatte das Bewusstsein, dass er in einem Zustande war, der ganz und gar unpassend für Gott war - das Bewusstsein, dass er unbekleidet, nackt vor Gott war!

Am Ende des Kapitels nimmt Sich Gott dieses schrecklichen Zustandes dadurch an, dass Er ihnen Röcke von Fellen machte. Das geschah, nachdem der Glaube kam. Adams Vermächtnis an uns ist das eine Wort „Leben“; wir würden das Gegenteil erwartet haben. Eva bedeutet Leben - sie war die Mutter aller Lebendigen, und es ist schon oft darauf hingewiesen worden, dass ihr Name zeigt, dass Adam Glauben hatte.

Gott sagte zur Schlange: „Weil du dieses getan hast“ usw. (V. 14). Es handelte sich in Wahrheit um eine Rechtssache, die zwischen Gott und Satan auszutragen war. Die Menschheit war gleichsam der Kampfplan, wo der Streit ausgefochten wurde. Aber der Kampf selbst war in Wirklichkeit zwischen Gott und der Schlange, und deshalb traf diese sofort der Fluch Gottes. Kein Fluch traf den Menschen oder sein Weib; das Unheil wird bis zu seinem Ursprung verfolgt und kommt unter das ausdrückliche Gericht Gottes.

Es ist gesegnet, Gottes Absicht zu sehen, einen Samen solcher Wesensart auf Erden zu haben, dass er von der Schlange und ihrem Samen gehasst würde. Das erste Wort der Gnade lautet: „ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen“ (V. 15).

Das lässt mich darauf schließen, dass das Weib die Menschheit als Gegenstand des göttlichen Erbarmens und der Gnade darstellt. Es gibt solche, die der Same der Schlange sind, und zwischen ihnen und dem Samen des Weibes besteht Feindschaft. Der Same des Weibes birgt den Gedanken eines göttlichen Samens in sich.

In erster Linie ist natürlich Christus der Same des Weibes, aber in einem untergeordneten Sinne sind es alle Auserwählten Gottes. Das ist der erste Hinweis in der Schrift auf zweierlei Samen - zwei Geschlechter; und wir haben sie den ganzen Lauf der Zeit hindurch bis auf den heutigen Tag.

Es gibt solche in der Welt, die der Same der Schlange sind, obschon wir sie nicht im einzelnen als solche bezeichnen könnten. Das Neue Testament nennt sie Kinder des Teufels; aber es gibt auch Kinder Gottes, was Gerechtigkeit und Liebe anlangt, und zwischen diesen beiden Samen besteht eine Feindschaft, die jedoch von Seiten der Schlange und ihrem Samen ausgeht.

Kain war der erste des Samens der Schlange, der erste jenes Geschlechts - und Abel der erste vom Samen des Weibes. Abel war nicht nur ein Bild von Christo, sondern auch ein Gefäß des Geistes Christi. Christus hatte in sittlicher Hinsicht in Abel eine Gestalt gewonnen; und Er ist in allen Heiligen. Wir können sie daher als den Samen des Weibes betrachten.

Eva gab Kain einen falschen Namen - sie glaubte, Kain wäre Christus. Kain bedeutet „Erwerbung“, sie sprach: „Ich habe einen Mann erworben mit Jehova“ (Kap. 4, 1). Doch es dauerte nicht lange, und sie erkannte, dass er nicht Christus war, und so nannte sie Abel bei seiner Geburt „Hauch, Nichtigkeit“. Sie hatte also schon gelernt, wie nichtig es war, zu erwarten, dass der verheißene Same auf natürlichem Wege kommen konnte.

Welche eine lange Reihe leidender Zeugen sind es gewesen, deren Fersen Satan zermalmt hat! Abel war der erste, und dann kommen die Blutzeugen aller Zeitalter; sie alle aber sind nur bis zu einem gewissen Grade Überwinder gewesen; Christus dagegen in ganz hervorragender und herrlicher Weise. Sie wurden verfolgt und zu Tode gemartert, aber der Geist Christi war in ihnen, und so überwanden sie. Dem Augenschein nach überwand Kain den Abel, doch Abel war der Überwinder, und von allen Menschen hat er den längsten Dienst als Prediger ausgeübt - „obgleich er gestorben ist, redet er noch“ (Heb. 11, 4).

Ich denke, das Zermalmen der Ferse deutet auf die Leiden der Heiligen um des Zeugnisses willen hin, und zwar in ganz besonderer Weise auf die Leiden Christi; alles, was die Macht des Bösen tun konnte, richtete sich wider Ihn.

Die Art, in der Gott Sich an Eva wendet, ist sehr lehrreich, denn sie lässt den Weg erkennen, auf dem jede göttliche Segnung zu den Menschen kommen sollte. Was ihr gesagt wurde, scheint auf die persönlichen Übungen hinzuweisen, die die Menschheit als Gegenstand des Erbarmens kennzeichnen sollten. Segnung kommt durch tiefe Herzensübung. Hier werden drei große Grundgedanken erwähnt, die Segnung zur Folge haben.

Der erste ist Mühsal der Seele. An einem Schauplatze, wo die Sünde ist, kann nichts für Gott hervorgebracht werden, außer durch Leiden und Mühsal, d.h. durch tiefe Seelenübung. Gottes Volk ist immer ein leidendes und geprüftes Volk gewesen, und auch nicht das Geringste von Christo ist getrennt von Mühsal der Seele hervorgebracht worden.

Dann heißt es: „nach deinem Manne wird dein Verlangen sein“ (V. 16). Dies ist ein weiterer, großer Grundgedanke der Segnung: Gott wendet das Verlangen jeder geübten Seele Christo zu. Gerade in diesem Kapitel sehen wir, wie Gott beginnt, das Verlangen auf Christum zu richten - Er ist Gottes Antwort auf jede Übung.

Das ganze Werk Gottes im Menschen soll dazu dienen, sein Verlangen auf Christum zu richten. Wir sehen das in der ganzen Heiligen Schrift, und jeder einzelne von uns hat es erfahren, dass Gott Verlangen nach Christo weckte, und dass jede Segnung auf diesem Wege kam. Wir mussten unseren inneren Zustand fühlen und die Enttäuschung und den Zusammenbruch von allem hienieden kennenlernen; aber es diente unter der guten Hand Gottes dazu, Verlangen nach Christo zu wecken.

Nichts könnte anziehender sein, als zu sehen, wie Gott wirkt, dass Christus der Gegenstand des Verlangens wird. Trotz allem wird Er „das Ersehnte aller Nationen“ sein (Hag. 2, 7). Ehe Er kommt, wird Gott dergestalt wirken, dass die Nationen Ihn herbeisehnen, und dann wird die tausendjährige Segnung kommen.

Inzwischen macht Gott Ihn, in der Erwartung des Augenblicks, wo der Geist und die Braut „Komm!“ sagen, zum Ersehnten unserer Herzen. Wir machen uns oft so sehr selbst zum Mittelpunkt, sogar was unsere geistliche Segnung anbelangt, und deshalb machen wir vielleicht so langsame Fortschritte. Es ist etwas Ungeheures, wenn das Verlangen unserer Herzen nach Christo geht. Wenn das der Fall ist, sind wir, was das Werk Gottes in unserer Seele anlangt, auf die rechte Bahn gekommen.

Es ist sehr lehrreich, in den Evangelien zu sehen, wie Christus der Gegenstand des Verlangens wird. Denken wir an Zacharias, Elisabeth, Maria, die Hirten, die Weisen aus dem Morgenlande - das waren alles solche, die gleich am Anfang erwähnt werden: Er wurde der Gegenstand des Verlangens von ihnen allen und von vielen anderen nach ihnen.

Wie völlig werden doch in den Evangelien die drei erwähnten Grundgedanken, nämlich Mühsal der Seele, Verlangen nach Christo und Seine Herrschaft, erläutert. Jeder, der zu Jesu kam, könnte da seine eigene Geschichte der Gnade erzählen. Jeder ist durch Mühsal der Seele gegangen, und sein Verlangen wandte sich Christo zu, und er kam unter Seine Herrschaft. Gott gebrauchte das Leid der Menschen, sie dahin zu üben, dass Christus der Gegenstand ihres Verlangens wurde. Und wenn das der Fall war, so waren sie Ihm willkommen. Und so ist es auch bei uns: keiner von uns kommt, was das Werk in seiner Seele anlangt, in die eigentliche Bahn des Werkes Gottes, bis sein Verlangen auf Christum gerichtet ist. Dann ist wirklich Gewinn vorhanden und auch Fortschritt, und die Folge ist, unsere Zuneigungen werden von Ihm beherrscht. Denn es handelt sich um die Herrschaft Dessen, der der Gegenstand unseres Verlangens ist. Dadurch, dass wir unter Seine Herrschaft kommen, entfliehen wir der Gesetzlosigkeit und kommen in den Kreis des Segenswillens Gottes. Und wenn unsere Zuneigungen von Ihm beherrscht werden, wenn der Gegenstand des Verlangens herrscht, dann kommen wir zu der Wahrheit, dass Er das Haupt ist.

Bloße Verstandestätigkeit und Studium sind fruchtlos. Wenn etwas für Gott hervorgebracht werden soll, so muss das durch Herzensübung geschehen. Jede Faser wahrer Übung wendet dann das Verlangen des Herzens Christo zu, und die Folge ist, dass Er unser Herr und unser Haupt wird - das ist der Lauf des Werkes in der Seele des Einzelnen.

Die Jünger gingen durch die schwerste Mühsal ihrer Seelen, als sie ihren Messias verloren, Joh. 16, 20 redet davon; doch der Herr sagt: „ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen“ (V. 22). Am Auferstehungstage lenkte Er dann aller Verlangen auf Sich Selbst, das der Maria, des Petrus, der zwei, die nach Emmaus gingen, und anderer. Als das geschehen war, war es sehr leicht, ihnen durch Maria die Botschaft zu senden: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eure Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott.“ (Joh. 20, 17)

Das brachte sie zusammen; und als sie versammelt waren, kam Er in ihre Mitte und nahm Seinen Platz als Haupt ein. Dem Grundsatze nach haben wir das alles hier.

Das Weib stellt im Bilde die Seite des Innerlichen, d.h. das Werk Gottes in der Seele dar; der Mann mehr die Seite der Verantwortlichkeit. Was Gott Eva sagte, zeigt uns in geistlicher Hinsicht den Weg, auf dem Er bei den Gegenständen Seines Erbarmens wirken wollte. Das gibt uns die Art Seines inwendigen Werkes im Geiste Seiner Auserwählten. In dem aber, was Er zu Adam sagt, sehen wir den äußeren Lauf Seines Waltens und Seiner Erziehung in dieser Welt.

Zu Adam redet Gott von Fluch und Tod - alles Folgen Seines heiligen und gerechten Waltens. Diese Folgen sind nie hinweggetan worden, obwohl die Verhältnisse in den Tagen Noahs etwas erleichtert wurden. Im Allgemeinen haben wir das, was wir hier finden, noch heute. Der Erdboden bringt Dornen und Disteln hervor, und der Mensch kehrt nach einem Leben der Mühsal zum Staube zurück. Das sind, dem Walten Gottes zufolge, die äußeren Früchte dessen, dass die Sünde kam, und wir alle haben dieser Züchtigung ins Auge zu schauen.

Beide Seiten gehen Hand in Hand; die inneren geistlichen Übungen in Gottes Auserwählten, und das äußere Walten, worunter wir alle kommen.

Satan sucht dem Menschen einzureden, dass er sich in einer glücklichen Welt befindet. Doch all die Vergnügungen dieser Welt - Theater, Konzerte, Bälle usw. - sind nur der Schaum des Kelches der Enttäuschung. Besuche irgendwelche Vergnügungsstätte, und du wirst dort nicht ein einziges wirklich glückliches Herz finden: allenthalben sind die Dornen und Disteln, und jeder kehrt zum Staube zurück.

Der Mensch brachte das Kennzeichen der Verfluchung der Erde, nämlich die Dornen, auf Christum. Es war ein treffendes Bild davon, dass der Herr zum Fluche gemacht wurde. Der Fluch kam auf Ihn, und dadurch, dass Er den Fluch getragen, wird schließlich jede Spur des Fluches hinweggetan werden.

In der Zwischenzeit lässt Gott die Folgen Seiner Zucht, die er der Sünde wegen übt, dem Menschen zum Segen ausschlagen. Unter Gottes Walten dienen die äußeren Umstände hienieden dem Menschen zum Guten: welch ein Segen ist es zum Beispiel, dass die Menschen zu arbeiten haben; das ist ein heilsamer Hemmschuh gegen die Gesetzlosigkeit des Menschen.

Weiter lässt Gott Seinen Heiligen alles das zum Segen dienen, was ihrem Geiste zu schaffen macht, also alles das, was den Dornen und Disteln entspricht.

Die inneren Übungen werden nach meinem Dafürhalten im Bilde in dem dargestellt, was Gott der Eva sagte. Sein äußeres Walten und Seine Zucht in dem, was Er Adam sagte. Wir alle haben die Folgen davon, dass die Sünde gekommen ist, zu tragen. Wir alle haben uns der Zucht der Regierungswege Gottes zu beugen. Die Zucht geht mit dem Werke Gottes Hand in Hand, und so hilft eines dem anderen.

Es ist schön, zu sehen, wie Adam sich über alles das erhob, was ihm gesagt wurde. Er erhob sich in den Bereich dessen, was Gott der Schlange und dem Weibe gesagt hatte, und nennt alsbald sein Weib Eva, d.h. „Leben“, weil sie die Mutter aller Lebendigen war.

Mir scheint, Adams Glaube sah, dass ein Lebensgeschlecht aus Eva hervorkommen sollte - ein Geschlecht für Gott. Ich glaube nicht, dass Adam sie bloß Eva nannte, weil sie die Mutter so vieler menschlicher Wesen sein sollte: sie sollte Mutter aller Lebendigen sein.

Jeder von uns, der vor Gott lebt, kann sagen, dass Eva seine Mutter ist, d.h. wir sind aus unumschränkter Gnade geboren. Ich denke, Eva stellt die Menschheit als Gegenstand der göttlichen Gnade dar. In Kapitel 4 haben wir die Nachkommen Seths; Gott sichert Sich ein Geschlecht, ein Geschlecht, das den Namen des Herrn anruft (Kap. 4, 26) - sie sind die Lebendigen.

Adam wird in Hebräer 11 nicht erwähnt, und wir würden von seinem Glauben nichts gewusst haben, wenn er sein Weib nicht Eva genannt hätte. Dieser Umstand wird uns als ein Zeugnis von seinem Glauben mitgeteilt. Er erkannte Eva dem Platze gemäß an, den sie als Gegenstand des Erbarmens hatte. In seinen Augen war sie die Mutter aller Lebendigen. Er vermochte sich über das Urteil, das ihn getroffen hatte, zu erheben - obwohl er sich zweifellos darunter beugte -, und erfasste den göttlichen Gedanken, dass Leben kommen sollte. Es kam auf dem Grunde dessen, was Gott zum Weibe und zur Schlange sagte, und Adam erfasste das.

Nachdem Glaube vorhanden war, kleidete Gott sie. Er nahm Sich ihres Zustandes der Nacktheit an, und zwar durch den Tod:  Er kleidete sie mit Röcken von Fellen. Wir sehen darin ein Bild der göttlichen Gerechtigkeit, die sich auf die Erlösung gründet. Also gekleidet, konnten sie freimütig ihr Haupt erheben.

Das geht nicht so weit wie die Versöhnung: die Versöhnung ist zum Wohlgefallen Gottes, aber die Röcke von Fellen sollten ihnen das Bewusstsein ihrer Nacktheit nehmen; Gott nahm es ihnen dadurch, dass Er sie mit dem kleidete, was das Bild einer von Ihm ausersehenen Gerechtigkeit war. Sie konnten nun vor Ihm in dem Bewusstsein stehen, eine Gerechtigkeit zu besitzen, die vor Ihm bestehen konnte, weil Er sie Selbst ausersehen hatte.

Zur Schlange wurde gesagt: „Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen“ (V. 14). Darin kommt die Erniedrigung zum Ausdruck, die der Schlange zu Recht gebührte. das steht im schlagenden Gegensatz zu der samenbringenden Baumfrucht, die der übrigen Schöpfung zur Speise gegeben war. Gott drückte damit der Schlange ein besonderes Merkmal der Erniedrigung auf, und so wird Satan der Elendste aller Geschöpfe sein. Das deutet auf die Tiefe seines Falles hin. Er war der Schönste aller Geschöpfe Gottes, „voll von Weisheit und vollkommen an Schönheit“ (Hes. 28, 12); es war nichts Unrechtes an ihm, bis sein Herz sich voll Stolz ob seiner Schönheit erhob, und er fiel. Gott hat die Erniedrigung eines solchen Geschöpfes offensichtlich gekennzeichnet; von höchsten Platze ist er auf den tiefsten herabgesunken.

In 2. Kor. 11 werden wir gewarnt, dass unser Sinn nicht „verderbt und abgewandt werde von der Einfalt gegenüber Christus“ (V. 3), und dass Satan „die Gestalt eines Engels des Lichts“ annehmen kann (V. 14). Wenn wir bewahrt sein wollen, müssen wir gegen seinen verführerischen Einfluss auf der Hut sein; in unseren Augen sollte er kein Engel des Lichts sein.

Es ist auffallend, dass es nur zwei Formen des Götzendienstes in der Welt gibt, nämlich Sonnenanbetung und Schlangenanbetung. Schlangenanbetung gibt es unter allen Völkern des Heidentums; Satan hat sich unter der Gestalt einer Schlange dem Menschen zum Gegenstand der Verehrung gemacht.

Es ist ein Trost, zu sehen, dass sein Haupt zermalmt werden wird; all seine Pläne werden zuschanden werden.

 


Kapitel 4

 

Was den Lauf der Natur anlangt, müssen wir lernen, dass alles Nichtigkeit ist. Eva hatte ihren Erstgeborenen Kain, d.h. „Erwerbung“ genannt und gesagt: „Ich habe einen Mann erworben mit Jehova“ (V. 1). Zweifellos dachte sie, dass Kain der verheißene Same war, der der Schlange den Kopf zermalmen sollte, aber sie hatte zu lernen, dass dem Laufe der Natur nach alles verdorben war.

Wir alle haben dasselbe zu lernen: „Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch“ (Joh. 3, 6). Wenn unter den Kindern der Menschen ein „Mann mit Jehova“ sein sollte, so musste er die Frucht des göttlichen Geschlechts sein, die der geistlichen Geburt, die eine geistliche Übung zur Folge hat. Die Notwendigkeit der neuen Geburt war in 1. Mose 4 ebenso groß wie in Johannes 3, obschon die nackte Wahrheit hierüber erst nach viertausend Jahren kundgetan wurde.

Wenn wir dem natürlichen Menschen irgendwelche Bedeutung beimessen, sei es in uns oder in anderen, so werden wir bitter enttäuscht werden. Gott bläst dann immer darein.

Ich denke, wir können daraus, dass Eva ihren zweiten Sohn Abel, d.h. „Nichtigkeit“ nannte, schließen, dass sie diese Wahrheit gelernt hatte - sie hatte die Eitelkeit aller ihrer Hoffnungen, die sie auf Kain setzte, erkannt. Es dauerte nicht lange, sie zu überzeugen, dass er nicht der Christus war; er war nichts als ein unartiger kleiner Junge - nichts von Gott war in ihm!

In Abel sehen wir einen, der göttlich geübt war; Kain war das nicht, in ihm war keine Gerechtigkeit, keine Anerkennung seines eigenen Zustandes oder dessen, was Gott gebührte. Er brachte ein Opfer von der Frucht des Erdbodens, der Erdboden war verflucht - das an sich war eine ernste Sache -, aber das kam ihm nicht in den Sinn. Er war mit sich selbst und seinen eigenen Werken zufrieden und dachte, Gott müsste das auch sein! Er sündigte zuerst gegen Gott in der Weise, wie er sich Ihm nahte, und in seinem Zorn darüber, dass Gott sein Opfer nicht annahm, sündigte er dann auch noch gegen den Menschen, indem er seinen Bruder tötete, dessen Opfer Gott angenommen hatte.

Abel andererseits hatte durch tiefe Herzensübungen die Wahrheit über seine Stellung und seinen Zustand gelernt. Er sah, dass er sich außerhalb des Paradieses befand und ein verlorenen Sünder war, der unter dem Urteil des Todes stand. Doch er brachte von den Erstlingen der Herde und ihrem Fett - er hielt die Gerechtigkeit aufrecht, das, was Gott gebührte. Er erkannte, dass der Tod auf ihm war und nahm seinen Platz vor Jehova ein auf dem Boden des Todes eines Solchen, der nicht gesündigt hatte. Aber er brachte auch das Fett. Sein Glaube erfasste eine persönliche Vortrefflichkeit außerhalb seiner selbst, auf Grund deren er vor Gott sein konnte.

Wie kostbar war Gott dieses erste lichte Unterscheiden und Tun des Glaubens! Es zog die Aufmerksamkeit Gottes auf sich, denn es heißt: „Und Jehova blickte auf Abel und auf seine Opfergabe.“

Gott gibt dem Glauben immer Licht zu handeln. Er nahm Sich der tiefen Übung an, die der Fall den Menschen brachte. Er nahm ihnen das schreckliche Bewusstsein der Nacktheit dadurch, dass Er ihnen Röcke von Fellen machte. Der Tod war gekommen, Tiere mussten getötet werden, und so lehrte Gott Adam und Eva, dass sie durch den Tod eines Anderen gekleidet sein mussten.

Abel nun sagte gleichsam: Wenn das der Weg ist, auf dem Gott Sich uns in Gnade genaht hat, so müssen wir Ihm ebenso nahen.

In den Röcken von Fell sehen wir, wie Gott dem Menschen nahte; doch in Abel sehen wir das Umgekehrte, nämlich dass der Mensch Gott naht.

Der Herr nannte ihn den gerechten Abel (Mat. 23, 35) und sagte, dass „er Zeugnis erlangte, dass er gerecht war, indem Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben“. Es war etwas sehr Vortreffliches in seinem Opfer und in dem Glauben, der es darbrachte. Zweifellos ging er, um dahin zu gelangen, durch viel Mühsal der Seele, doch sein Glaube sah auf Christum, und er nahte Gott in der Vortrefflichkeit Christi.

Obgleich allem Anschein nach sein Zeugnis bald abgebrochen wurde, so war das doch nicht der Fall, denn er hat nun nahezu sechstausend Jahre geredet! Seine Stimme ist in all den folgenden Zeitaltern vernommen worden: „obgleich er gestorben ist, redet er noch“ (Heb. 11, 4).

Das ist Gottes Antwort an den Feind. Satan hatte gesagt, ich will diese Stimme zum Schweigen bringen, aber er wurde zuschanden. Gott hatte Abels Stimme alle Zeitalter hindurch reden lassen, und er redet noch immer so klar und deutlich zu uns, wie je zuvor. Und Gott wird schließlich alle Anschläge Satans zunichte machen. Wie groß auch der Triumph des Bösen nach außen hin scheinen mag, Satans Anschläge werden alle zuschanden werden.

Es ist gesegnet, in so früher Zeit einen Gerechten zu sehen. Abel ist ein sehr beachtenswerter Mann, denn er ist der erste in der Linie der Zeugen, die in der Ehrenliste von Hebräer 11 erwähnt wird. Er war nicht nur ein sehr kostbares Bild von Christo, sondern er war auch ein gerechter Mann, da er den Geist Christi hatte.

Das Licht, die Sonne, der Baum des Lebens, Adam, die zur Anfertigung der Röcke aus Fellen getöteten Tiere - waren alle Bilder auf Christum; aber in Abel haben wir noch mehr: er war ein Mann, in dem der Geist des Gerechten war. Er war auch ein Hirte. Er widmete sich der Sorge für die Schafe wie Moses und David, und das war ein schöner Wesenszug Christi. Jehova Selbst ist der Hirte Israels (1. Mose 49, 24; Ps. 80, 1).

Wie lieblich, daran zu denken, dass er das Fett darbrachte!  Das Fett war es, was Gott nachmals ganz für Sich beanspruchte (3. Mose 3, 16). Es ist zu beachten, dass nichts über das Blut gesagt wird, nur das Fett wird erwähnt.

In Verbindung mit den Opfern wird in 1. Mose das Blut nicht erwähnt, wenn auch das Verbot, es zu essen in 1. Mose 9, 4 es gleichsam Gott im Blick auf die Sühnung vorbehält. Die Opfer, die Gott in 1. Mose tatsächlich dargebracht werden, sind alle Brandopfer. Ebenso auch im Buche Hiob, dessen Geschichte in die Zeit des ersten Buches Mose fällt.

Gott schien bei dem Glauben zuerst die inhaltsreichen Gedanken zu geben, nämlich den an die persönliche Vortrefflichkeit und Wohlannehmlichkeit Christi. Das Blut ist nötig, die Sünde zuzudecken (Ps. 32, 1), aber Gott in der Vortrefflichkeit Christi wohlannehmlich zu sein, geht weit darüber hinaus. Im Fett haben wir das, was vortrefflich ist.

Welch eine Freude muss es für Gott gewesen sein, dass sich Abels Antlitz mit Vertrauen zu Ihm erhob, weil er ein Bewusstsein der persönlichen Vortrefflichkeit und Holdseligkeit Christi hatte und davon, dass er aus diesem Grunde vor Gott sein konnte.

Kain war sehr zornig. Er ist ein treffliches Bild des Juden, des religiösen Menschen nach dem Fleische. Dass Gott jenen holdseligen Menschen vom Himmel als Seinen geliebten Sohn begrüßte und durch Tausende von Wundern bezeugte, wer Er war, und den Glauben des gottseligen Überrestes auf Ihn lenkte - das alles war Galle und Wermut für die Priester, Schriftgelehrten und Pharisäer.

Das Erstgeburtsrecht gehörte ihnen, was auch der Schlusssatz von 1. Mose 4, 7 besagt; Kain hätte den Vorrang gehabt, wenn er wohl getan hätte, aber wie Esau verlor er sein Erstgeburtsrecht. Das ganze Erbe der Verheißungen war für die Juden in Christo da; aber sie verloren ihre Erstgeburt um eines Linsengerichtes willen. Sie zogen ihre eigene Gerechtigkeit, ihre eigene Frömmigkeit, Stellung und Ansehen Christo vor. Und jedes Mal, wenn Er ihren Gewissen nahebrachte, dass Er Gottes Gesalbter und Der war, den Er erwählt hatte, vertiefte sich ihr Hass, bis er in der finsteren Tat auf Golgatha seinen Höhepunkt erreichte.

Kain war mit seinen eigenen Werken zufrieden. Es gibt heute noch Myriaden dieses Geschlechts in der Welt. Er brachte sein Bestes, aber nicht das, was Gott annehmen konnte.

Es ist rührend zu sehen, wie Gott mit Kain rechtet. Das erinnert an die Art, wie Er mit den Juden rechtete. Er sagte ihnen gleichsam: Ihr wollt nicht, dass ich so gut sei wie ihr; wenn euer Ochse oder Esel am Sabbattage in die Grube fällt, zieht ihr ihn alsbald heraus. Und ihr wollt nicht, dass ich einige meiner elenden Geschöpfe am Sabbattage heile! Er sagt zu Kain: Warum bist du zornig? Wenn es recht mit dir stände, könntest du dein Antlitz mit Vertrauen erheben wie Abel. Wenn du wohl tust, würdest du da nicht angenehm sein? Und wenn du nicht wohl tust, gibt es ein Heilmitteln, ein Sündopfer lagert vor der Tür (ist zur Hand).

Gott sagt gleichsam zu Kain: Du hättest die Führerschaft haben sollen, der sein sollen, der Abel erleuchtete, du hättest so im Lichte des Verheißenen stehen sollen, dass Abels Verlangen nach dir gewesen wäre, Hilfe über Christum zu bekommen, und du würdest dadurch über ihn geherrscht haben, dass du ihn zur Segnung geleitet hättest.

Kain hatte das Erstgeburtsrecht, d.h. das erste Anrecht auf den Segen, der in Kapitel 3 verheißen war. Auf dem Grunde des Erbarmens hätte er daran teilhaben können, aber er verachtete das. Und so ist es bei dem Juden; er hatte das Erstgeburtsrecht, d.h. den ersten Anspruch auf Christum. Er hätte der sein sollen, der Christum annahm und Ihn dann anderen kundtat.

Gott hatte durch die Propheten gesegnete Verheißungen gegeben, und dann wurde ihnen das alles persönlich in Christo angeboten. Er war die Bestätigung und Erfüllung all dieser Verheißungen, und nach dem Erstgeburtsrecht hätten die Juden Ihn zuerst aufnehmen sollen. Aber sie verkauften dieses Vorrecht um eines Linsengerichts willen.

Es ist erstaulich, welch erbitterte Feindschaft in dem religiösen Menschen ist - die des gottlosen Weltmenschen geht nicht so weit. An religiöses Ansehen klammert sich der Mensch weit mehr als an alles andere. Und der religiöse Mensch würde weit eher Christum töten, als sein Ansehen fahren zu lassen, und auf dem Grunde des Erbarmens die Segnung Gottes zu empfangen.

In der Heiligen Schrift sehen wir, wie der Erstgeborene fortwährend sein Erstgeburtsrecht verlor; Esau, Ruben und Manasse, sie alle verloren es. Der Jude hatte es, verlor es aber. Er hat Den umgebracht, in dem alle Verheißungen ihren Mittelpunkt hatten. So könnte Gott den Juden ganz gut fragen: Wo ist Christus? Was habt ihr mit Ihm getan?

Infolgedessen, was sie Ihm angetan, sind sie ausgetrieben, Flüchtlinge und Unstete auf Erden bis zum heutigen Tage. „Der Zorn ist völlig über sie gekommen“ (1. Thess. 2, 16). Aber Gott will sie nicht umbringen. Der Jude wird der Vorsehung Gottes gemäß bewahrt, und an dem, der ihn tötet, wird er gerächt. An denen, die die Juden übel behandeln, wird immer siebenfältige Rache genommen.

Welch ein Gemälde entrollt sich uns da von alledem, was sich lange Jahrhunderte hindurch zugetragen hat! Russland zahlt heute vielleicht die Strafe für seien Grausamkeit gegen die Juden.

Einstmals forderte ein Herrscher in nur zwei Worten den Beweis für die Wahrheit der Heiligen Schrift, und die Antwort lautete: „Die Juden.“ Nachdem die Juden den Gerechten getötet hatten, wurden sie ausgetrieben, aber dennoch der Vorsehung Gottes gemäß bewahrt. Sie leben noch, Geschlecht auf Geschlecht, aber als Heimatlose. Sie haben kein Land, keinen eigentlichen Wohnsitz   [Anm.: der Text ist aus den Jahren 1919/1920];   sie sind immer verfolgt worden, und doch bewahrt sie Gott und nimmt Rache an ihren Feinden. Sie stehen unter Gottes Fluch. Das ist eine ernste Sache, „der Zorn ist völlig über sie gekommen“ (1. Thess. 2, 16), und sie haben den Kelch ihrer Bosheit dadurch bis zum Rande voll gemacht, dass sie nicht nur die Segnung selbst von sich wiesen, sondern auch nicht zulassen wollten, dass sie den Nationen zuteil wurde.

Es ist etwas Wunderbares, wenn ein Jude bekehrt wird. Es ist ein wunderbares Zeugnis von der Unumschränktheit des Erbarmens Gottes.

Am Ende des Kapitels zeigt Gott, wie Er das Geschlecht der Juden dahin bringt, ihre Bosheit, Christum erschlagen zu haben, anzuerkennen. In Lamech sehen wir ein Bild von dem, wohin Er die Juden in den Letzten Tagen bringen wird. Lamech sagt: „Einen Mann habe ich erschlagen zu meiner Verwundung“ [ebenfalls mögliche Lesart]. Sie werden ihre Schuld an der Tötung Christi anerkennen und zugeben, dass es zu ihrem eigenen Schaden und Verderben gewesen ist.

In den Letzten Tagen, zur Zeit der großen Drangsal, werden die Juden durch Leiden zu gehen haben, wie nie zuvor. Gott wird ihnen das Doppelte für all ihre Sünden geben (Jer. 16, 18; 17, 18). Er wird jede Rechtsfrage mit ihnen erledigen: die Rechtssache ihres Bruches des Gesetzes, ihres Götzendienstes, ihrer Verfolgung der Propheten und vor allem ihrer Verwerfung und Ermordung Christi.

Und dennoch werden die, die sie dann verfolgen, siebenundsiebzigfältige Rache erleiden. Am Ende werden sie einander bekennen, dass sie Christum getötet haben, und dass alle ihre Leiden und ihr Elend auf diese Ursache zurückzuführen sind. Ihre Sünden werden ihnen vor Augen stehen, und wie Josephs Brüder werden sie sie bekennen und darüber trauern. Wenn sie anerkennen, dass sie Christum getötet haben, und zwar zu ihrem eigenen Schaden, werden sie gesegnet werden. Gott wird in ihnen wirken, dieses zustande zu bringen, und der ältere Bruder wird so nach diesem allen hereinkommen! Der Vater wird herauskommen und ihn einladen, hereinzukommen!

Was wir hier haben, ist ein Schimmer prophetischen Lichtes über das, was in den Letzten Tagen geschehen wird.

In Kains Familie finden wir alle die Grundbestandteile der Welt. Er baut eine Stadt, die Menschen nehmen an Reichtum zu, erfinden Werkzeuge der Tonkunst und andere Werkzeuge, und wurden Künstler in Erz und Eisen. Künste, Wissenschaften und Fabrikation schreiten immer weiter fort, aber ohne Gott.

In Seth kehren wir zur Linie des göttlichen Samens zurück. Eva scheint den Glauben besessen zu haben, dass in einem anderen die Linie des Glaubens fortgeführt werden musste, der ein Nachfolger Abels war. Sie muss darüber Herzensübungen gehabt haben, dass es so sein musste.

Wenn ein Geschlecht der Heiligen diesen Schauplatz verlässt, so wird es eine Übung, dass die Linie des Glaubens fortgesetzt werde; und das bleibt bis zu einem gewissen Grade wahr, wann immer ein Heiliger vom Platze des Zeugnisses hinweggenommen wird.

Es würde eine ernste Sache sein, wenn der Glaube von der Erde verschwände, und so sah es aus, als Abel abgeschnitten wurde. Aber dann sehen wir Seth als „gesetzt“, die Linie des Glaubens fortzusetzen. Er gehört dem Geschlecht des Samens des Weibes an, und so ist es immer in den Wegen Gottes: Gott hat Acht darauf, dass der Glaube erhalten wird.

„Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?“ (Luk. 18, 8). Natürlich wird Er das, aber nur durch die Treue Gottes. Alles, was gut ist, haben wir in dieser Linie.

Was Seths Glauben kennzeichnete, war, dass er den wahren Zustand der Welt anerkannte. Den Gegensatz zwischen Seth und Kain zu sehen, ist sehr lehrreich.

Kain gab seinem Sohne einen ganz guten Namen, Hanoch bedeutet „Unterweisung“. Es ist ein schöner Name, aber all seine Unterweisung erfolgte in den Dingen der Welt, und nicht in der Schule Gottes.

Seth hingegen nennt seinen Sohn „Enos“, was „schwacher, sterblicher Mensch“ bedeutet, d.h. er erkannte die Wahrheit seiner Stellung an. „Damals fing man an, den Namen Jehovas anzurufen“ (V. 26).

Wenn die Menschen anerkennen, dass sie schwach und sterblich sind, müssen sie sich zu einem Mächtigen wenden. Die Errettung ist mit dem Anrufen des Namens Jehovas verbunden (Joel 2, 32; Röm. 10, 13). Das bedeutet, dass man kein Vertrauen zu sich selbst hat. Man erkennt an, dass man schwach und sterblich ist, und wendet sich zu Gott. In 2. Tim. 2, 22 werden wir ermahnt, nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen zu streben, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen.

Der Name des Herrn stellt alles dar, was Er ist, und der Glaube hat ein Recht, sich das alles, weil wir schwache, sterbliche Menschen sind, zu eigen zu machen.

„Woher wird meine Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt von Jehova“ (Ps. 121, 1 u. 2). Sie kommt nicht von innen heraus oder von dem, was um mich her ist.

In Römer 7 lernt ein Mensch seine erbärmliche Schwachheit kennen und sagt: „ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt“ (V. 18). Er hat ganz und gar keine Kraft, und das bringt ihn dahin, auszurufen: „Ich elender Mensch! Wer wird mit erretten von diesem Leibe des Todes?“ (V. 24).

Er schaut nach Hilfe von außen her aus, ruft dem Grundsatze nach den Namen des Herrn an, und die Befreiung kommt, so dass er sagen kann: „Ich danke Gott durch Jesum Christum, unsern Herrn!“ 

 

Kapitel 5

 

In diesem Kapitel haben wir die Linie, in der das göttliche Licht und Zeugnis zu finden sind; Kains Nachkommen werden hier überhaupt nicht beachtet.

Keiner der hier genannten Männer starb, bevor er nicht seinen Teil in der Linie des göttlichen Zeugnisses ausgefüllt hatte. Im vorhergehenden Kapitel sehen wir Abel als ein Vorbild von Christo und als ein Gefäß des Geistes Christi, ein Bild von Christo, dem Gerechten, der das, was Gott gebührte, aufrechthielt, dadurch aber die Feindschaft des Menschen auf Sich zog, die sogar Seinen Tod herbeiführte.

Von Anbeginn war das Streben des Feindes darauf gerichtet, die göttliche Linie abzuschneiden, doch am Ende von Kapitel 4 sehen wir, wie diese Linie fortgesetzt wurde. Gott wollte sie nicht abgeschnitten haben, es kam ein Same statt Abels, den Kain erschlug. „Seth“ bedeutet „gesetzt“ [an Abels Stelle] oder „Ersatz“.

Als Christus erschlagen war, mochte es scheinen, als ob jede Hoffnung abgeschnitten wäre. Doch Gott setzte Ihn in der Auferstehung zum Herrn und Christus.

Man könnte gleichsam sagen, dass Abels Tage in Seth verlängert wurden, und so hat auch Christus Seine Tage in der Auferstehung verlängert, und Er hat auch obendrein einen Samen empfangen, der in sittlicher Hinsicht auf Erden eine Fortsetzung von Ihm ist. In Jes. 53, 8-10 lesen wir: „wer wird sein Geschlecht aussprechen? denn er wurde abgeschnitten aus dem Lande der Lebendigen ... er wird seine Tage verlängern“.

Gott wollte darauf achten, dass Der, der abgeschnitten ward, einen Samen habe, der Sein Zeugnis hienieden fortsetze. Christus hat Seine Tage nicht nur als Auferstandener vor Gott verlängert, sondern Er hat sie in einem Samen auf Erden verlängert: „Ein Same wird ihm dienen; er wird dem Herrn als Geschlecht zugerechnet werden“ (Ps. 22, 30). Jehova gab Ihm einen Samen, und alle Heiligen sind ein Teil dieses „gesetzten“ Samens. Das Geschlecht, das Gott Christo als Samen gegeben hat, sollte Seinen Namen im Zeugnis an dem Platze fortsetzen, wo Er erschlagen wurde.

Die Tatsache, die in Vers 3 erwähnt wird, dass Seth im Bilde Adams war, deutet darauf hin, dass was von Seiten der Natur kam, der Linie des gefallen Menschen angehörte. Und das zeigt, dass es nur aufgrund der Wirksamkeit der Auswahl des Erbarmens und der Liebe Gottes geschah, dass überhaupt ein Same da war, in dem Sein Zeugnis fortgesetzt werden konnte. Die Tatsache anzuführen, dass Adam nur einen Sohn in seinem Gleichnis und nach seinem Bilde zeugen konnte, hieß, alles auf Gott werfen.

Hätte Gott nicht in Seiner Unumschränktheit gehandelt, so hätte kein Same für Ihn da sein können. Es wird hier also die Tatsache betont, dass Gott Seiner Liebe und Seinem gefassten Vorsatze gemäß handelt. Dies anzuerkennen ist ein Kennzeichen der Auserwählten Gottes.

Seth nennt seinen Sohn „Enos“, was „sterblich, dem Tode unterworfen“ bedeutet. Er erkannte an, dass dem Fleische nach alle unter den Tod gekommen waren. Damals fing man an, den Namen Jehovas anzurufen. Man erkannte demnach den vollständigen Zusammenbruch des Menschen auf Seiten der Natur an, aber indem man den Namen Gottes anrief, erwartete man, dass alles Gute von Gott kommen musste.

Das Fesselnde an diesen Männern und nahezu alles, was wir von ihren Übungen wissen, liegt in den Namen, die sie ihren Söhnen gaben. Ich weiß nicht, ob wir sie alle ergründen können, aber die Tatsache, dass dieses Kapitel die Linie des Zeugnisses in mehr als fünfzehnhundert Jahren gibt, verleiht ihm eine nicht zu übersehende Bedeutung.

Ich denke, wir können darin im Bilde einen Abriss des Zeugnisses Gottes von der Auferstehung Christi bis hin zur Einführung der Ruhe Gottes sehen. Der Geist, der diese Männer leitete, ihren Söhnen Namen zu geben, und der Moses erleuchtete, sie niederzuschreiben, konnte den vollen Umfang alles dessen überschauen, was sich dann zutragen würde, nachdem Christus erschlagen worden war, wie es uns im Tode Abels entgegentritt.

Das Kapitel endet mit einem Hinweis auf die Beseitigung des Fluches und die Einführung der Ruhe auf der ganzen Schöpfung in Verbindung mit Noah. Worauf dies im Bilde hindeutet, ist klar.

In Enos haben wir die Anerkennung dessen, dass der Mensch im Fleische unter dem Tode ist. Es kann, noch könnte daher ganz und gar keine Segnung von diesem Menschen abhängig gemacht werden. Das Kreuz setzt ihn für immer beiseite - was von Gott und zur Segnung des Menschen ist, kommt durch einen anderen Menschen, nämlich Christum.

Wenn wir dies klar sehen, sind wir für Kenan bereit, dessen Name dasselbe besagt wie Kain, also „Erwerbung“ bedeutet. Eva machte bei der Namengebung Kains einen Fehler. Sie verband den Gedanken der Erwerbung mit einem verkehrten Menschen, genau so, wie es heute noch in der ganzen Welt geschieht. Das, was mit dem Menschen im Fleische verbunden werden kann - Geld, Vergnügen, Ruhm, wohltätige und religiöse gute Werke -, alles, was erworben oder dem Menschen als solchem zugeschrieben werden kann, ihm einen Platz oder Ansehen zu verleihen, oder was seinen Lüsten oder seinem Stolze dient, ist eine Erwerbung oder Errungenschaft verkehrter Art.

Wenn wir aber sehen, dass der Tod auf den Menschen nach dem Fleische ist, und dass alles wahrhaft Gute von Gott durch Christum und in Christo kommen muss, so gelangen wir zur Linie der göttlichen Errungenschaft. Die Seele wendet sich dann im Selbstgericht zu dem glückseligen Gott, und sie beginnt wahre Reichtümer zu erwerben.

Paulus arbeitete in Korinth, damit sie die Bedeutung des Kreuzes verstehen sollten, und damit Selbstgericht für den den Geist Gottes Raum mache, um in den Seelen der Heiligen alles das aufzubauen, was von Gott in Christo war. Dann haben wir eine göttliche Erwerbung, das Auferbauen in der Erkenntnis Gottes, so dass Er der Ruhm und die Herrlichkeit der Seele wird, „auf dass, wie geschrieben steht ‚Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn‘“ (1. Kor. 1, 31).

Das tritt uns in dem nächsten Namen Mahalalel entgegen, der bedeutet „Gott ist Pracht“. Bedenken wir, welch einen Glauben ein Mann gehabt haben muss, der seinem Sohne einen solchen Namen angesichts der Welt Kains gab! Gott war in seinen Augen herrlicher als all das Anziehende von Kains Welt.

Jeder wahre Erwerb erfolgt in dieser Richtung. Durch die Erkenntnis Gottes werden die Heiligen auferbaut und wachsen (Kol. 1, 10), und in der Erkenntnis Gottes ist uns alles in Betreff des Lebens und der Gottseligkeit geschenkt (2. Pet. 1, 3). Das Bewusstsein davon, dass Gott Pracht ist, bringt Anbetung hervor. Die Seele rühmt sich in Gott. Gott ist dann vor uns, nicht der Mensch. Wenn Gott mir zur Pracht geworden ist, werde ich ganz gewiss preisen. Der Psalmist redet von „dem Gott, der meine Jubelfreude ist“ (Ps. 43, 4).

Die geistliche Förderung und Würde, die mit dieser Segenserkenntnis Gottes verbunden ist, bereitet uns für den nächsten Schritt vor, der uns in dem Namen Jered entgegentritt, dieser bedeutet „Herniedersteigen“.

Ich erblicke darin die Niedrigkeit des Pfades des Gehorsams hienieden, von dem wir das Vorbild und Muster im Pfade des Herrn Jesu sehen. Philipper 2 bringt das in sehr gesegneter Weise vor uns, und ich denke, auf eine Weise, die nie verfehlen wird, unsere Herzen zu rühren. Das „Leben Jesu“ (2. Kor. 4, 10) ist das Leben sanftmütigen und demütigen Gehorsams, das Er hienieden führte. Er war willig, im Gehorsam zum tiefsten Punkte hinabzusteigen, damit Gott gekannt werde.

Er kam hernieder in all der Holdseligkeit Gottes, um dieser Welt die Erkenntnis Gottes zu bringen. Die Kirche wird am Tage der Zukunft in der Herrlichkeit Gottes herniederkommen, um sie hienieden völlig zu entfalten. Die himmlische Stadt wird mit der heiligen Pracht Gottes erfüllt sein und zu deren Entfaltung herniederkommen.  Die große Förderung und Würde, die die Erkenntnis Gottes mit sich bringt, bereitet uns in Wahrheit zu, zum gesegneten Zeugnis der Gnade an diese Welt herniederzusteigen. Der Geist und das Streben dieser Welt ist darauf gerichtet, viel aus sich selbst zu machen, so hoch als möglich emporzusteigen. Aber Gottes Gedanke und die Richtung, die der Geist Christi verfolgt, ist hinabzusteigen, um viel aus Gott zu machen.

Diesen Namen liegt eine sittliche Ordnung zugrunde, nach der wir den Pfad zu gehen haben, der in den Namen Seth, Enos, Kenan, Mahalalel, Jered angedeutet ist. Wenn wir den vollständigen Zusammenbruch des Menschen im Fleische erfahren haben, der unter dem Tode ist, machen wir eine geistliche Erwerbung darin, dass wir alles Segensreiche und Herrliche in dem Hervorstrahlen Gottes in Gnade und Liebe sehen, und darin, dass Er die Durchführung aller Seiner Gedanken des Segens in Christo beschlossen hat, und wenn wir durch den Geist dahin kommen, freuen wir uns in Gott. Das gibt uns den Geist, der hinabsteigt.

Wer wirklich in der sittlichen Würde, die die Erkenntnis Gottes mit sich bringt, steht, kann bis zu irgendwelcher Tiefe hinabsteigen, um Gott kundzumachen. Das ist der Geist eines wahren Evangelisten. Paulus sagte: „Ich bin allen alles geworden, auf dass ich auf alle Weise etliche errette“ (1. Kor. 9, 22). Bedenken wir, dass ein so stolzer Mann wie Saulus von Tarsus allen alles wurde! Er lernte hinabsteigen, um den Menschen die Erkenntnis Gottes zu bringen.

In Henoch, dessen Name „Unterweisung“ bedeutet, sehen wir dann einen, der unter der Erziehung Gottes unterwiesen ist, mit Ihm zu wandeln und Seiner Seligkeit teilhaftig zu werden. Er stellt also gleichsam die Krone und den Gipfelpunkt der Linie des himmlischen Zeugnisses dar. Wir sehen in ihm das Leben eines himmlischen Menschen, einen, der vollständig außerhalb des Laufes dieser Welt steht - einen, der im Umgang mit Gott Sein Vertrauter wurde und wunderbare Mitteilungen göttlicher Geheimnisse empfing.

Was für Wunderbares lernte er doch! Er sah das wahre Wesen dieser Welt, die unter dem Gericht stand, und wusste, dass der Herr kommen würde, Gericht auszuüben. Doch welch ein Trost, welche Freude muss es seinem Herzen gewesen sein, zu wissen, dass dann heilige Myriaden mit dem Herrn sein werden - Zehntausende Seiner Heiligen! Welch ein gesegnetes Bewusstsein muss er davon gehabt haben, wieviel Gott haben würde!

Dann wurde er gelehrt, wie vollständig Gott den Sieg über den Tod davontragen und den Tod beiseitesetzen würde. nicht aus diesem Kapitel, sondern aus Hebräer 11 wissen wir, dass er den Glauben hatte, dass Gott ihn entrücken würde! Gott gefiel es, in dieser wunderbaren Weise zu handeln. Noch ehe zwei Menschen gestorben waren, gab Er einem Menschen den Glauben, dass Er den Tod beiseitesetzen konnte.

Abel war getötet worden, doch soweit die Schrift uns berichtet, war nur Adam gestorben, als Henoch entrückt wurde. Er hatte den Glauben, entrückt zu werden, und so war er eines Tages nicht mehr (V. 24). Durch seinen Wandel mit Gott hatte er die Erkenntnis des gesegneten Geheimnisses gewonnen, dass Gott imstande war, den Tod völlig beiseitezusetzen, so dass er aus dieser Welt gehen konnte, ohne dass ihn der Tod antastete.

Der Lauf des himmlischen Menschen und der Kirche im eigentlichen Sinne endet nicht im Tode. Wenn der Herr verzieht, mögen Heilige von diesem Schauplatz gehen, indem sie abscheiden und bei Christo sind, aber das eigentliche Abscheiden der himmlischen Schar ist die Entrückung. Sie ist ein Hinweggehen vom Schauplatze des Todes, ohne dass sie auch nur eine Spur seiner Macht berührt, ebenso wie die drei Söhne der Hebräer aus dem Feuerofen Nebukadnezars kamen, ohne dass man einen Brandgeruch an ihnen wahrnehmen konnte.

Bedenken wir, dass Henoch Umgang mit Gott pflegte! Wie oft pflegen wir wohl Umgang mit Gott? Er hat Freude an uns und schätzt es, uns bei Sich zu haben. Von vielen unter uns kann wohl nur gesagt werden, dass sie „lebten“ [wie wir es so oft in unserem Kapitel lesen]. Henoch „lebte“ 65 Jahre, und dann wandelte er 300 Jahre mit Gott, und im Neuen Testament wird dies dahin ausgelegt, dass er Gott wohlgefiel.

Ich denke, wir haben den Vers 6 in Hebräer 11 in besonderer Weise mit Henoch zu verbinden: „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen. Denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist, und denen, die ihn suchen, ein Belohner ist.“

Der Platz der Kirche, als von Gott belehrt und dem Geiste nach in einem himmlischen Leben außerhalb der Macht des Todes, wird treffend in Henoch dargestellt, denn er war ein himmlisch gesinnter Mensch und völlig zum Wohlgefallen Gottes, so dass Gott ihn entrückte.

In Methusalah [Dieser Name besagt: „Er stirbt und es wird gesandt“ oder „Bei seinem Tode wird es gesandt, oder bricht es herein“, nämlich das Gericht Gottes in der Flut.] kommt Gottes Langmut gegen die Welt zum Ausdruck; sein (langes) Leben bildete deren Maßstab, denn in dem Jahre, wo die Flut kam, sollte er sterben; das verleiht demnach der Tatsache besondere Bedeutung, dass er länger als irgendein anderer lebte.

Lamech bedeutet dann „Umstürzler“, „Wilder“, und ich denke, er redet von den tiefen Herzensübungen und dem Kummer des Überrestes, der unter dem zu leiden haben wird, der alles umzustürzen sucht, was von Gott ist (Dan. 7, 25), und alle göttlichen Bande zerreißen will (Ps. 2, 3), nämlich unter dem Menschen der Sünde, dem Gesetzlosen (2. Thess. 2, 3.4 und 8).

Die prophetische Geschichte dieser Tage haben wir im Buche der Offenbarung, und wir können verstehen, wie die Art jener Tage der Drangsal die Herzen des Überrestes Christo, dem wahren Noah, zuwendet, dem, der Ruhe bringt und die Folgen des Fluches hinwegtut.

Noah, der eine Arche zur Rettung seines Hauses bereitete, ist ein Bild von Christo, der am Tage der Zukunft Sein Volk durch die Drangsalszeit führt, der dann alle Folgen des Fluches hinwegtut und der ganzen Schöpfung Ruhe bringt.

Der Geist war von Anbeginn mit alledem vertraut, und Er hat uns in einem der ersten Kapitel des 1. Buches Mose einen inhaltsreichen Abriss von dem gegeben, was sich nach dem Tode Christi bis zu Seiner Wiederkunft zuträgt, wo die ganze Schöpfung auf den Boden des Brandopfers gestellt werden wird.

Wir haben eine ähnliche Vorschattung zukünftiger Dinge im ersten Kapitel gesehen, das mit dem Sabbat endete, mit der Ruhe, die für Gott kam. Dieses Kapitel nun führt alles der Ruhe zu, die der Mensch nach alle seiner Mühe (V. 29) am Schauplatze des Fluches haben wird. Der wahre Noah wird sie herbeiführen.

 

Kapitel 6

 

Kapitel 6 soll uns zeigen, dass, bevor die Ruhe eingeführt werden kann, all das Böse, das im Herzen des Menschen und in der Welt des Menschen ist, unter Gericht kommen muss. Der ganze Schauplatz muss von jeder Gesetzlosigkeit, sei es Gewalttat oder Verderbtheit, gereinigt werden.

Kapitel 6 redet davon, dass ein Zustand eintrat, der das Gericht notwendig machte, ein Zustand, den der Abfall hervorbrachte.

Gegenwärtig haben wir einen etwas ähnlichen Zustand, aber seiner vollen Höhe nach wird er erst am Tage der Zukunft zur Entfaltung kommen.

In diesem Kapitel finden wir einen Zustand des Bösen, der die Frucht des Abfalls ist. Die Söhne Gottes verließen ihren ersten Zustand, und die Folge ihres unheiligen Verkehrs mit den Töchtern der Menschen war, dass Menschen mit außerordentlichen Fähigkeiten ins Dasein kamen. Die Menschen verbanden sich mit geistlichen Mächten, die größer als sie selbst waren, mit Mächten, die, wie uns der Judasbrief sagt, ihren ersten Zustand nicht bewahrt hatten (Jud. 6). Die Folge waren schreckliche Verhältnisse.

Alles das ist sehr ernst, und es ist wichtig, die Bedeutung von alledem zu erkennen. Was sich vor der Flut zutrug, war ein Vorschatten des Ausbruchs der geistlichen Bosheit, die den Abfall der letzten Tage kennzeichnen wird.

Die Menschen werden in den Tagen des Abfalls eine unnatürliche Größe haben. Das Tier und der Antichrist werden in der Tat Männer von Ruhm und Helden in den Augen der Menschen sein. Doch ich glaube, der Ursprung ihres sittlichen Seins wird außerhalb des Menschen liegen. Böse Geister, die in den himmlischen Örtern gewesen sind - gefallene Engel -, werden ihnen erstaunliche Kräfte verleihen.

Es ist schrecklich, an eine solche Verbindung zweier verschiedener Ordnungen gefallener Wesen zu denken, daran zu denken, dass eine dem Menschen überlegene Ordnung sich im Abfall mit dem Menschen vereinigt und diesem Kräfte verleiht, die er von Natur nie haben würde.

Wir wissen, dass sogar jetzt eine geistliche Macht der Bosheit in den himmlischen Örtern ist, böse Geister, wirkliche Wesen, die die Urheber der wider Gott und Christum gerichteten Einflüsse sind, und wider die die Heiligen berufen sind, einen heiligen Kampf zu führen (Eph. 6, 12).

Doch am Tage der Zukunft werden sich die Menschen unter übernatürlichen Einflüssen in einer Weise wider Gott erheben, dass der bloße Gedanke daran geeignet ist, uns mit Schrecken zu erfüllen. Und ich denke, dass wir die Anfänge davon schon jetzt wahrnehmen können. Die Menschen reden schon vom Übermenschen, und sie kommen mehr und mehr unter die Gewalt übernatürlicher Wesen.

Heutzutage besteht ein ausgedehnter Verkehrt mit der unsichtbaren Welt. Abergläubische Religionen kommen vom Osten, wie Theosophie, Spiritismus usw., und die Folge wird sein, dass auf Erden Menschen aufstehen, die „Männer von Ruhm“ sind, von Satan angetrieben. Sie werden in den Augen der Menschen Helden sein, und die große Masse wird sich der Heldenverehrung hingeben. Es wird ein Zustand herrschen, der Gottes Eingreifen im Gericht notwendig macht. Gott kann nicht zugeben, dass er länger währt, ebensowenig wie Er dulden konnte, dass dieser Zustand vor der Flut andauerte.

Der Gegensatz, den die Worte, „mein Geist soll nicht ewiglich mit dem Menschen rechten“ andeuten, ist sehr auffallend (V. 3). Wenn gefallene Geisteswesen den Menschen verderbten, so rechtete Gottes guter Geist mit dem Menschen. In sittlicher Hinsicht haben wir heute dasselbe: Da der Mensch verderbt ist, rechtet der Geist Gottes mit ihm, und dem Menschen wird eine Frist gesetzt. Die Frage ist: Welchem Einfluss erlauben wir, auf uns zu wirken?

In sittlicher Hinsicht wird in jener dunklen zukünftigen Nacht des Abfalls und Wehs dieselbe Art Einflüsse auf die Menschen wirken, wie sie jetzt wirksam ist. Jetzt aber, Gott sei Dank, noch nicht in demselben Umfange, und außerdem rechtet heute noch der Geist.

Es wird uns gesagt, die Geister zu prüfen (1. Joh. 4, 1). Jeder Geist, der etwas aus dem Menschen im Fleische macht, ist ein böser Geist. In der Welt sind die Geister willkommen, die die Erhöhung und Verbesserung des Menschen im Fleische anstreben. Solche Geister finden bei den Menschen Anklang. Wenn du sagst, dass der Mensch im Fleische äußerst verderbt ist und nicht verbessert werden kann, und dass er dem Gericht verfallen ist, so werden dir die Leute sagen, dass sie so etwas noch nie gehört hätten. Aber gerade das macht einen Teil des Rechtens des Geistes aus, davon zeugt der Heilige Geist.

Bis zu diesem Kapitel war die Bosheit des Menschen noch nicht völlig zutage getreten. In den vorhergehenden Kapiteln haben wir des Menschen Sünde gegen Gott und seine Sünde gegen seinen Nächsten gesehen. Doch hier finden wir, dass „alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag“ (V. 5) sind. Nie kommt ein rechter Gedanke in seinem Innern auf, es ist nichts Gutes in ihm. Der Mensch ist Gott den ganzen Tag ein Kummer; „es reute Jehova, dass er den Menschen gemacht hatte auf der Erde, und es schmerzte ihn in sein Herz hinein“ (V. 6).

Der Mensch, der nie einen rechten Gedanken hatte, muss hinweg. Das war eine sittliche Notwendigkeit, denn er bereitete Gott nur Kummer. Wie könnte ein Mensch, der Gott ein beständiges Herzeleid ist, Bestand haben? Er muss hinweg.

Aber beinahe in demselben Atemzuge, wo Gott sagte: „Ich will den Menschen ... vertilgen“ (V. 7), heißt es: „Noah aber fand Gnade in den Augen Jehovas“ (V. 8). Da sehen wir einen anderen Menschen, nämlich Christum. Derselbe Abschnitt, der von Gottes Kummer über den Menschen redet, bezeugt uns auch die Gunst, die auf ihm ruht. Doch darin haben wir in Wahrheit einen Ausblick auf Den, von dem es in Luk. 2, 40 heißt: „Gottes Gnade war auf ihm“.

Vers 7 ist außerordentlich schmerzlich. Zuvor hatte Gott herniedergeschaut und gesehen, dass Seine Werke sehr gut waren. Aber nun musste Er herniederschauen, und es reute Ihn, dass Er sie gemacht hatte.

Das ist es, was Christum notwendig machte: Er musste kommen. Wenn der Mensch ein solches hoffnungsloses Wrack ist, dass er nie einen rechten Gedanken hat und Gott nur ein Kummer ist, so muss ein anderer Mensch kommen. Noah ist der Mensch, der Gunst findet - ein Bild von Christo.

Es ist gesegnet zu sehen, dass Gott das einführt, woran Er Wohlgefallen finden kann, so dass wir nun nicht mehr uneingeschränkt sagen können, dass der Mensch ein Fehlschlag ist. Der Mensch im Fleische ist ein Fehlschlag; doch es ist ein Mensch nach einer anderen Ordnung gekommen, und bei Seinem Kommen in die Welt sagten die Engel: „Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen“ (Luk. 2, 14).

Noah war ein gerechter, vollkommener Mann unter seinen Zeitgenossen. Er wandelte mit Gott (V. 9). Und wir finden, dass er der Anfang eines neuen Geschlechts war: Er hatte ein Haus und zeugte Söhne. Christus ist das Haupt eines neuen Geschlechts nach Seiner eigenen Ordnung, und Er wird auch ein Geschlecht haben, nachdem die Kirche hinweggenommen ist.

Der einzige Weg, dem Gericht zu entrinnen, ist, mit Ihm verwandt zu sein. Es gibt keinen anderen Weg. Das sollten wir uns sehr zu Herzen nehmen.

Die Arche wurde nur für Noahs Haus bereitet. Es heißt: „Durch Glauben bereitete Noah ... eine Arche zur Rettung seines Hauses“ (Heb. 11, 7). Der Gerechte war ein Prediger der Gerechtigkeit, aber niemand hörte ihn, nur sein eigenes Haus.

Die auf Christum hören, werden Seine Söhne, wenn man dieses Vorbild so anwenden will, d.h. sie sind in sittlicher Hinsicht mit Ihm verwandt. Es ist etwas Ungeheures, mit Christo verwandt zu sein.

Noah war ein Prediger der Gerechtigkeit, doch in 1. Petr. 3, 20 - einer Schriftstelle, die vielen rätselhaft ist - wird uns gesagt, dass Christus es war, der [in ihm] predigte. Der Geist Christi predigte durch Noah, „den Geistern, die im Gefängnis sind, welche einst ungehorsam waren, als die Langmut Gottes harrte in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde“. Damals also geschah das Predigen. Sie wurden dem Menschen im Fleische nach gerichtet, weil sie das Zeugnis der Gerechtigkeit verwarfen.

Die Menschen nehmen entweder Gottes Zeugnis an und schätzen Christum, oder sie verwerfen es. Jeder, der Christum schätzt und seine Freude an Ihm findet, ist mit Ihm verwandt, und solche sind es, die in die Arche gehen. Sie bilden in Wahrheit Sein Haus.

 Wenn du siehst und glaubst, dass das Gericht Gottes auf jedem Menschen nach dem Fleische ruht, dass aber Seine Gunst auf Christum ruht, und du glaubst an Ihn, das von Gott ausersehene Haupt, das durch Seinen eigenen Tod den Menschen Gerechtigkeit und Errettung gebracht hat, so bist du mit Ihm verwandt.

In diesem Vorbilde kommen wir nun zur Wahrheit der Errettung. Darin, dass Gott Adam und Eva mit Fellen kleidete, sahen wir im Bilde die Rechtfertigung. Die Annahme lernten wir kennen, als Abel die Erstlinge der Herde und von ihrem Fett darbrachte. Bei Henoch sehen wir einen Vorschatten vom Ewigen Leben, und nun in Verbindung mit Noah die Wahrheit der Errettung. Er bereitete eine Arche zur Rettung seines Hauses.

Die Errettung begreift völlige Befreiung und Bewahrung von allem Bösen dieser Welt in sich. Wenn wir lediglich daran denken, in den Himmel zu gehen, so brauchen wir dort keine Errettung, und einer, der gerechtfertigt und angenommen ist, kann geradewegs in den Himmel gehen. Aber um hienieden zu sein, wo so viel Böses ist, haben wir die Errettung sehr nötig.

Noah wollte sein Haus für eine andere Welt haben, und nicht für die Welt, wie sie damals war. Gerade das ist es, wozu Christus Sein Haus haben will.

Die Errettung, die völlige Befreiung von dieser Welt, geschieht also, damit wir in Herz und Sinn, Wandel und Wegen völlig von der Welt der Gesetzlosigkeit getrennt stehen und Gott leben. Wir müssen sehen, dass die Welt unter Gericht ist. Wir sehen dies wie Noah, noch ehe das Gericht tatsächlich kam. Christus, der wahre Noah, hat gesagt: „Jetzt ist das Gericht dieser Welt“ (Joh. 12, 31), und der Geist ist gekommen, die Welt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht zu überführen (Joh. 16, 8).

Christus hat die Welt verurteilt (Heb. 11, 7). Habe ich das auch getan? Wenn ich dem folge und das tue, was von der Welt ist, billige ich sie und verurteile sie nicht. Wenn ich sie liebe, verurteile ich sie nicht und befinde mich meinem Wandel nach nicht in der Arche.

Wenn wir den Pfad Christi und des Geistes gehen, lernen wir die Errettung in unserem Wandel kennen. Sind wir endgültig aus der Welt hinausgegangen? Das ist es, was die Taufe bedeutet.

Viele denken, dass die Errettung sie aufgrund des Werkes des Heilandes für den Himmel passend macht. Aber das gibt uns nicht den rechten Begriff von der Errettung. Errettung ist, „dass wir, gerettet aus der Hand unserer Feinde, ohne Furcht ihm [Gott] dienen sollen in Frömmigkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage“ (Luk. 1, 74 u. 75).

Wir sind von unseren Feinden errettet, auf dass wir Gott an dem nämlichen Platze dienen, wo wir Sklaven der Sünde und Satans waren. Er hat uns errettet „durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes“ (Tit. 3, 5).

Gott sprach zu Noah: „Das Ende alles Fleisches ist vor mich gekommen“ (V. 13). Wenn wir das sehen, wünschen wir aus dieser Welt hinauszugehen, und das ist die Bedeutung der Taufe.

 Petrus sagt: „welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe, (nicht ein Ablegen der Unreinigkeit des Fleisches, sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott)“ (1. Pet. 3, 21).

Wer erkennt, dass die Welt unter Gericht ist, sucht ihr sobald als möglich zu entfliehen. Sein Gewissen verlangt nach einem Wege aus ihr hinaus. Sonach ist es klar, dass die Heilige Schrift die Wahrheit der Taufe mit der Arche verbindet.

Die Taufe bedeutet, dass ich aus der Welt, die unter Gericht steht, hinauszugehen und nie zu ihr zurückzukehren habe. Ich bin mit Christo begraben, indem ich auf Seinen Tod getauft bin (Röm. 6, 4). Wer seiner Taufe treu ist, ist in der Arche und verurteilt die Welt. Jeder Getaufte hat gleichsam die gänzliche Verurteilung der Welt und des Menschen im Fleische unterschrieben oder befindet sich seiner Stellung nach auf diesem Boden.

Wenn ich meiner Taufe nicht treu bin, gerate ich unter die Macht irgendeines Einflusses, der nicht von Gott ist. Und wenn ich unter der Macht der Sünde oder irgendeines bösen Einflusses stehe, wie kann ich dann davon reden, errettet zu sein?

Man hat oft gesagt, dass viele für den Himmel passend wären, die es nicht für diese Erde sind. Ein gerechtfertigter Mensch hat Gerechtigkeit. Doch damit er dem Willen Gottes gemäß auf Erden sei, bedarf er der Errettung - er muss in die Arche kommen.

Die Arche musste innen und außen verpicht sein. Das Wort „verpichen“ ist im Hebräischen dasselbe Wort wie das für „Sühnung“. Es bedeutet, dass die in der Arche im Bilde unter die Deckung des Todes Christi kamen. Dahin bringt uns die Taufe, und zwar nicht für den Himmel, sondern für die Erde. Wir kommen unter die Deckung des Todes Christi und wandeln hier in Neuheit des Lebens (Röm. 6, 3 u. 4).

Es handelt sich dabei darum, mit Christo und dem Geiste in Übereinstimmung zu sein. Der Geist macht den Seelen der Heiligen den wahren Zustand dieser Welt klar. Sie ist unter Gericht. Dies erkennend, sollten wir mit dem Heiligen Geiste gleichsam in der Zeugenbank stehen und von dem wahren Zustande der Welt Zeugnis ablegen. Jeder in der Arche ist davon überzeugt, dass die Welt unter Gericht ist, und dass er allein unter der Deckung des Todes Christi bewahrt werden kann. Als die Juden fragten: „Was sollen wir tun, Brüder?“, sagte Petrus: „Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft“ (Apg. 2, 37 u. 38). Damit öffnete er sozusagen die Tür der Arche.

Wenn wir in die Arche kommen, bekommen wir göttliches Licht. Es ist eine Lichtöffnung darin. Es fiel mir auf, dass das Wort, das mit „Lichtöffnung“ übersetzt ist, vierundzwanzigmal im Alten Testament vorkommt, und in all den übrigen Fällen wird es mit „Mittag“ wiedergegeben, so dass es augenscheinlich das volle Licht des Tages bedeutet.

Ein solcher Ausdruck zeigt, dass die Sprache, deren sich der Heilige Geist bedient, besonders im Blick auf das, was uns im Bilde dadurch gesagt werden soll, gewählt ist. Wir lernen daraus, dass wir in der Arche an eine Stätte kommen, wo göttliches Licht zu finden ist. Wenn wir dadurch, dass wir die Taufe ihrer geistlichen Bedeutung nach anerkennen und ihr treu sind, in den Segen der Errettung kommen, so kommen wir also dadurch auch in das Licht Gottes, in das Licht des Bundes, denn es heißt in Vers 18: „mit dir will ich meinen Bund errichten“.

Das ist das Licht des hellen Mittags, das Licht dessen, was Gott ist, wonach Er Sich dem Menschen gegenüber in Gnade und Liebe verpflichtet hat.

Christus ist uns der Bund. Die ganze Liebe Gottes und Seine Gedanken der Segnung für den Menschen sind uns in Ihm gesichert und bestätigt worden. Und indem wir mit Ihm in der Arche sind - in der Absonderung Seines Todes von dem gegenwärtigen bösen Zeitlauf -, so genießen wir und leben wir in diesem Lichte.

Die Arche stellt die Stätte dar, die Christus zur Rettung Seines Hauses bereitet hat. Obschon, wie zuvor bemerkt, die Arche ein Bild davon ist, wie Christus den Überrest durch die Tage der Drangsal führen wird, worauf wir, so Gott will, noch zurückkommen werden, so hat sie doch auch eine Anwendung auf die gegenwärtige Zeit.

Sie stellt den Platz dar, wo die Heiligen und ihre Häuser die Herrschaft Christi anerkennen und unter der Deckung Seines Todes sind. Sie ist die Stätte, wo die Welt als verdammt gesehen und das Ende alles Fleisches gekannt wird. Christus dagegen, als der wahre Noah, wird geehrt, der Bund gekannt und genossen, d.h. die Liebe Gottes, die in Christo kund wurde, der der Bund ist.

Das Volk Gottes, das zum Bewusstsein seiner Verwandtschaft mit Christo gebracht ist und Gott kennt, findet in dieser Welt seinen Platz unter der Deckung des Todes Christi; solche haben sie durch die Taufe gleichsam öffentlich verlassen, und wenn sie in ihren Wegen und ihrem Geiste im Einklang mit der Wahrheit der Taufe bleiben, wissen sie, was die Arche ist, und sind des Segens der Errettung teilhaftig. Unter dem Volke Gottes finden sie dann in Absonderung von der Welt göttliches Licht und Sicherheit.

 

 


Kapitel 7 und 8

 

Wir haben klar gesehen, wie alles Fleisch unter Gottes Gericht kam, das nicht nur angekündigt, sondern auch tatsächlich vollzogen wurde, so dass die damalige Welt unterging (2. Petr. 3, 6). Doch ein Mensch fand Gnade vor Gott. Es gab einen Gerechten, mit dem Gott einen Bund gemacht hatte, und die mit ihm verwandt waren, wurden bewahrt.

Solche, die in der gegenwärtigen Zeit wirklich in der Arche sind, sind mit Christo durch die Gnade Gottes verwandt. Sie schätzen Ihn und sind in Gemeinschaft mit Ihm und dem Geiste, indem sie die Welt verurteilen, und in der Kraft der Errettung Gottes werden sie hindurchgeführt.

Sodann ist, wie schon bemerkt, Noah und seine errettete Familie in der Arche ein Bild von Christo in Verbindung mit dem Überrest am Ende der Tage. Dieser wird erkennen, dass das Ende alles Fleisches vor Gott gekommen ist, um sich dieserhalb von allen Gedanken der Menschen abzuwenden und das Malzeichen des Tieres nicht anzunehmen sowie keinen Bund mit dem Antichristen einzugehen (Offb. 13).

Im Namen des Herrn getauft, werden sie keinen anderen Namen anerkennen, und sie werden Ihn zu ihrem Heiligtum machen (Jes. 8, 14; Hes. 11, 16) und in völliger Absonderung von der Welt der Gottlosen stehen. Alles ringsumher wird Gericht sein, aber es wird, um in der Sprache des Vorbildes zu reden, eine Arche da sein, wo alles Göttliche bewahrt werden wird.

Damit will ich nicht sagen, dass die Heiligen den Leiden oder gar dem Tode entrinnen werden, aber alle Wesenszüge des Glaubens und Zeugnisses werden in die neue Welt hinübergeführt werden.

Dem Grundsatz nach ist das auch heute der Fall: Alle Hoffnungen und Verheißungen Israels werden in dem Glauben, der in der Versammlung ist, bewahrt, ja sogar die Segnung aller Familien der Erde (Apg. 3, 25; Eph. 3, 15).

Jeder göttliche Bestandteil der zukünftigen Welt wird gegenwärtig bewahrt und in dem Glauben und den Zuneigungen und dem Zeugnis der Versammlung hindurchgeführt. Diese Seite der biblischen Bedeutung der Arche geht viel weiter, als das, was uns in der Errettung des Einzelnen entgegentritt.

Alles, was von Gott und zum Wohlgefallen Gottes ist, muss bewahrt und hindurchgeführt werden, um seinen Platz in der zukünftigen Welt einzunehmen. Geradeso wie alles, worin natürliches Leben zu finden war, in der Arche bewahrt wurde, so wird auch alles, worin Frömmigkeit, Glaube und ein göttliches Zeugnis vorhanden ist, bewahrt und hindurchgeführt werden.

Da haben wir etwas mehr als unsere persönliche Befreiung, nämlich dass alles, was Gott schätzt, am Leben erhalten und hindurchgeführt wird. Wir müssen die Tatsache beachten, dass Gott uns nicht einfach unserer persönlichen Segnung halber zu Christo gezogen hat und uns Christum schätzen lehrte - eine Segnung, die vollkommen gesichert ist -, sondern Gott hat uns mit Christo verbunden, damit wir mit Ihm in Seinem Zeugnis einsgemacht würden.

Was mir vor Augen steht, ist, dass „alles Lebendige“, was Gott schätzt, in der Arche bewahrt wird. In Hebräer 11 haben wir eine wunderbare Zusammenstellung von Lebendigem. Mein Eindruck ist, dass jeder Zug der Frömmigkeit, des Glaubens und des göttlichen Zeugnisses, der in diesem Kapitel gesehen wird, und später im Überrest am Ende der Tage - alles das wird hindurchgeführt werden in die Ruhe und Segnung der zukünftigen Welt.

Jeder lebendige Bestandteil des göttlichen Zeugnisses, das Gott in diese Welt in Verbindung mit dem Glauben Abels, Henochs, Noahs, Abrahams und all der übrigen brachte, wird nie verloren gehen. Es ist bewahrt und wird bewahrt und hindurchgeführt werden in die zukünftige Welt. Was dem Glauben Abels kostbar war, befindet sich heute noch in der Welt, in den Herzen und dem Zeugnis Tausender von Heiligen. Denken wir weiter an Henoch, der Gottes völligen Sieg über den Tod erfasste. Denken wir, dass diese Wahrheit durch einen Schauplatz des Todes in lebendigem Zeugnis hindurchgeführt wird!

Alles, was von Gott in der Welt war, befindet sich unter der Deckung der Arche, und so wird auch heute alles Lebendige in der Arche für Gott bewahrt. Wir denken so oft, dass die Arche ein Mittel der Errettung für uns ist, aber in Wirklichkeit ist sie die Stätte, wo alles für Gott und eine andere Welt bewahrt wird.

Die damalige Welt war unter Gericht, und Gott hatte eine andere Welt vor Sich. Alle Bestandteile, die jene Welt füllen werden, sind jetzt in der Versammlung vorhanden, und wenn die Versammlung nicht mehr hier ist, werden sie in dem Überrest am Ende der Tage bewahrt werden.

Es ist eine Übung für uns, dass die verschiedenen Eigenschaften des Glaubens und alles, was Frömmigkeit und das göttliche Licht kennzeichnet und so zum Zeugnis Gottes gehört, am Leben erhalten werden. Es gibt solche in dieser Welt, von denen Christus etwas sehr Wunderbares sagen kann: „Sie sind nicht von der Welt, gleichwie ich nicht von der Welt bin“ (Joh. 17, 16 u. 14). Sie sind Seine Familie, sie werden nicht nur vor der unter dem Gericht stehenden Welt bewahrt, sondern auch vor allem, was sie ausmacht und ihr eigen ist, und das bedeutet Errettung, was unseren Pfad anbelangt. 

Es sollte für einen jeden von uns eine wirkliche Übung sein, ob wir unserem Wandel nach in der Arche sind, und ob diese Eigenschaften des Glaubens, die Gott als Sein Zeugnis liebt und bewahrt, in unseren Seelen lebendig sind. In Offenbarung 6 lesen wir von solchen, die „um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen“ geschlachtet worden waren (V. 9). Weshalb werden sie geschlachtet werden? Weil sie das, was von Gott ist, bewahren oder festhalten wollen.

Die Heiligen werden dem Leiden nicht entgehen, aber das Zeugnis wird hindurchgeführt werden. In der Offenbarung gibt es verschiedene Scharen Heiliger, die das lieben, was von Gott ist: Eine versiegelte Schar Knechte Gottes sehen wir in Kapitel 7. Und eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, die gelernt hatte, Gott und dem Lamme die Errettung zuzuschreiben. Alsdann finden wir Anbeter und Zeugen in Kapitel 11. Weiter in Kapitel 12 den Überrest des Samens des Weibes, der die Gebote Gottes hält und das Zeugnis Jesu hat. In Kapitel 14 sehen wir dann 144.000, die den Namen des Lammes und Seines Vaters an ihren Stirnen haben. Und in Kapitel 15 haben wir die, die den Sieg über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens errungen haben.

Alles das gibt uns einen Begriff davon, wie alles hindurchgeführt wird. Auch in den Psalmen können wir lesen und sehen, wie die kostbaren Eigenschaften des Glaubens und des Zeugnisses in dem Überrest zum Vorschein kommen. Gegenwärtig wird alles in dem Glauben und Zeugnis der Heiligen der Versammlung behauptet und hindurchgeführt. Was zu allen Zeiten die kennzeichnet, die sich in göttlicher Sicherheit und im Zeugnis befinden, ist Gehorsam (siehe 1. Mose 6, 22).

 

Wenn Gott es in die Hand nimmt, gegen das Böse vorzugehen, tut Er es erfolgreich. Nichts wird da entrinnen. Am Ende von Kapitel 7 blieb Noah allein übrig und was mit ihm in der Arche war. Alles andere war im Gericht hinweggerafft worden. Wir sollten es als ein großes Vorrecht ansehen, gegenwärtig von der Welt, die unter Gericht steht, befreit zu sein. Wir sollten nicht wie Lot aus Sodom aus ihr herausgerissen werden.

 

Wenn wir zu Kapitel 8 kommen, sehen wir, was Gott vor Sich hatte. Die Welt der Lust und Gesetzlosigkeit war ganz und gar umgekommen, sie war im Gericht hinweggetan worden, und nun bietet sich unseren Blicken die neue Welt dar, die Welt, die mit dem gefüllt werden sollte, was Gott in der Arche bewahrt hatte.

Die ersten Worte des Kapitels sind sehr rührend: „Und Gott gedachte des Noah.“ Sein Bund war mit ihm. Wie hätte auch Gott Christum vergessen können? Er war der Mann des Wohlgefallens Gottes, der Gnade bei Ihm gefunden hatte, Der, mit dem Sein Bund ist.

Die Welt hat Christum vergessen, sie hat keinen Begriff davon, dass Christus und Seine Familie kommen und die Erde füllen werden. Doch Gott gedenkt an Christum, und Er wird die Erde mit Christo und Dessen Familie füllen.

Die Welt wünscht nicht, dass Christus kommt, sie begehrt hienieden alles in einem Zustande zu genießen, der unter dem Gericht ist.

Es ist sehr lehrreich, dass die Arche lange Zeit ruhte, ehe die Wasser verschwanden. Darin sehen wir, dass die errettete Familie lange Zeit, bevor die Wasser des Gerichts verschwunden sind, auf heiligem Grunde ruhen wird. Ararat bedeutet „Heiliger Boden“.

Darin sehe ich einen Hinweis auf den neuen und heiligen Boden, mit dem wir in der Auferstehung Christi in Berührung kommen. Die errettete Familie - gegenwärtig die Kirche, in der Zukunft der Überrest - ist dahin gekommen, auf heiligem Boden zu ruhen, lange bevor die Unordnung und das Gericht dieser Welt vorüber ist. Sie gelangen auf eine geistliche Weise in ihren Seelen dahin.

Die Heiligen der Versammlung sind auf einem heiligen Boden zur Ruhe gekommen, der sich ihnen durch die Auferstehung Christi erschlossen hat. Und ich denke auch, dass der Überrest den Glauben an einen auferstandenen Christus haben wird. Das wird ihr Ruheort sein, es wird heiliger Boden für sie sein inmitten der Drangsal und des Schauplatzes des Gerichts.

Das nächste ist, dass die Spitzen der Berge gesehen werden. Daraus erkennen wir, dass bevor der Zustand des Segens im Reiche gesichert wird, noch ehe der Schauplatz frei für das Reich ist, der Glaube in Christo den Mittelpunkt jeder Größe, Erhabenheit und Oberhoheit sieht.

In Offenbarung 14 sehen wir die 144.000 mit dem Lamme auf dem Berge Zion stehen. Sie erfassen Ihn in Seiner königlichen Herrlichkeit und stehen dort mit Ihm, ehe das Reich aufgerichtet ist. Sie stehen dort bei Ihm im Glauben an Seine Herrlichkeit, Größe und Macht.

Wir dagegen sehen Christum jetzt in Seiner Größe und Herrlichkeit als das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt (Kol. 2, 10).

In der Schrift sind die Berge Sinnbilder großer Mächte. Wir sehen schon jetzt die Gipfel der Berge, die herrliche Erhabenheit Christi, lange bevor die Wasser sinken. Jeder wird das schließlich sehen, aber die errettete Familie kann das jetzt schon sehen.

In 1. Petrus 3, 22 heißt es: „welcher, in den Himmel gegangen, zur Rechten Gottes ist, indem Engel und Gewalten und Mächte ihm unterworfen sind“. Die ganze erhabene Größe Christi tritt uns da entgegen. Gegenwärtig sehen wir Ihm noch nicht alles unterworfen - die Wasser sind noch auf der Erde. Doch diese wunderbaren Bergspitzen sind erschienen. Wir sehen die Herrlichkeit und Größe Christi, wir sehen Ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt (Hebr. 2, 9) und wissen, dass Ihm alles unterworfen sein wird. Das ist für den Glauben schon jetzt eine Tatsache.

Viele Psalmen sehen das Reich als eine vollendete Tatsache an, noch ehe alles dafür bereit ist. Das gleicht dem, dass die Spitzen der Berge schon vorher sichtbar waren (V. 5).

Dann, nach 40 Tagen, öffnete Noah das Fenster (V. 6). Er beginnt die Zeichen der Zeit zu beobachten. Das ist es, was der Überrest tun wird, und es ist richtig für ihn, also zu tun.

Unser Zeichen ist der Morgenstern (Offb. 22, 16) in unserem Herzen. Wir wissen, was sich zutragen wird, weil der „Morgenstern“ in unserem Herzen aufgegangen ist (2. Pet. 1, 19). Er wird uns bald aus dieser Welt zu Sich Selbst rufen.

Für den Überrest aber werden Zeichen der Zeit sein, und Noah beobachtet diese Zeichen. Er sendet zuerst einen unreinen Vogel aus. 3. Mose 11 sagt uns, dass jeder Rabe unrein ist. Er trägt ein schwarzes Zeichen, das wider ihn spricht, da er seinen ruhelosen Lauf, trotzdem sich die Wasser noch nicht verlaufen hatten, verfolgen kann. Er gleicht dem unbekehrten Menschen, der sich in Umständen, die noch nicht gottgemäß geordnet sind, ganz heimisch fühlen kann. So wird auch der Überrest durch den Raben lernen, dass die Welt immer noch eine Stätte ist, womit sich der Unreine abfinden kann.

Noah sandte außerdem eine Taube aus. Wir können alle sehen, dass die Taube ein passendes Bild derer ist, die den Heiligen Geist empfangen haben, also der Göttlichen. Noah sagte damit gleichsam: Ich will doch sehen, ob es schon etwas in der Welt gibt, wo die, die den Geist Christi haben, ruhen können.

Die Taube aber fand keinen Ruheort für ihre Füße und musste zu ihrem eigenen Kreise zurückkehren. Dann wartet Noah sieben andere Tage und sandte sie aus, und sie kehrte mit einem Olivenblatt in ihrem Schnabel zurück. Welch ein wunderbares Zeichen der Zeit war das! Man kann sich vorstellen, wie eifrig die Heiligen am Tage der Zukunft die Zeichen ihrer nahen Erlösung beobachten werden.

Ich denke, das lässt uns nicht in Ungewissheit darüber, dass Israel noch einmal in seinen eigenen Ölbaum eingepfropft wird. Römer 11 lehrt uns, dass Israel ausgebrochen und die Nationen eingepfropft worden sind, aber am Ende wird Israel wieder eingepfropft werden, und „es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden“ (V. 26). Israel wird noch einmal ein offenbarer Gegenstand des Erbarmens werden.

Das wird das große Zeichen der Zeit sein, das gesegnete Zeugnis davon, dass die Erde wieder aus den schrecklichen Wassern des Gerichts erstehen wird! Bald danach werden Zustände vorhanden sein, die im Einklange damit stehen, denn nach sieben anderen Tagen findet die Taube solche, in denen sie ruhen kann und der Arche nicht mehr bedarf.

Der Erretter aus Zion ist dann gekommen und hat die Gottlosigkeit von Jakob abgewendet, Israel ist eingepfropft und Gottes neuer Bund errichtet. Dann werden Zustände vorhanden sein, in denen Gläubige, die den Geist Christi haben, ruhen können. Jehova wird Israel sammeln und ihnen die Herzen der Nationen zuwenden, und damit sind wir gleichsam zum Rande oder Saum tausendjähriger Segnung gekommen: Die Decke kann von der Arche genommen werden, und die errettete Familie herauskommen.

Welch eine Wandlung wird das für diese arme Welt bedeuten! Dann wird sehr bald die letzte Spur von Unordnung und Gericht verschwinden und - die Erde ist trocken (V. 14).

Dann, nachdem sie herausgekommen sind, redet Gott zu allen Lebendigen, die in der Arche gewesen waren und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar und mehret euch, und füllet die Erde“ (Kap. 9, 1). Die neue Erde sollte also mit dem gefüllt werden, was aus der Arche kam.

Diese Welt wird eine wunderbare Welt sein, wenn sie mit dem gefüllt wird, was in einem geistlichen Sinne aus der Arche kommt. „Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geiste“ (Röm. 14, 17), alle diese Wesenszüge werden in der erretteten Familie gefunden, und werden dann die Erde füllen. Alles das wird ein Zeugnis der Größe der Errettung Gottes werden.

Nun wird von dem Altar geredet, und zwar wird er hier zum ersten Male im Laufe der Geschichte dieser Welt in der Heiligen Schrift erwähnt. Wie hätte auch ein Altar auf verfluchtem Boden errichtet werden können?

Der Altar erforderte einen reinen Ort. Nun die Welt im Gericht hinweggetan war, war ein solcher vorhanden. Dadurch, dass Noah einen Altar baute, beanspruchte er die Erde für Gott und stellte sie gleichsam auf den Boden des Brandopfers.

Genau das wird Christus am Tage der Zukunft tun. Er wird die Erde für Gott beanspruchen. Der Fluch ist gänzlich hinweggenommen, denn der Mensch, der Gott ein Herzeleid war, ist im Gericht beseitigt, und „Jehova roch den Geruch (oder Duft) der Ruhe“.

Da haben wir den lieblichen Geruch eines anderen Menschen, eines Menschen, der Gott verherrlicht hat, und der Mensch ist nun zum Wohlgefallen Gottes.

Das ist nicht etwa der Mensch im Fleische, der verbessert worden ist, denn von diesem sagt Gott hier: „das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“ (V. 21). Es wird also im Tausendjährigen Reiche nicht verbessert werden. Manche trachten danach, das Tausendjährige Reich dadurch herbeizuführen, dass sie den Menschen zu bessern suchen. Aber dadurch wird es nicht zustande kommen, sondern durch einen ganz und gar anderen Menschen, und Dessen lieblicher Geruch oder Duft wird das Herz Gottes mit Ruhe erfüllen und jedes menschliche Herz mit Seiner Holdseligkeit beschäftigen.

Dann wird der Fluch hinweggetan sein, und all seine Folgen sind beseitigt. Die ganze Erde wird unter den Wohlgeruch des Opfers Christi kommen.

Es ist wunderbar, ein derartiges Bild zu sehen. Es gibt nichts Wunderbareres als diese Bilder in den ersten Kapiteln des ersten Buches Mose. Was Gott vor Sich hatte, wird immer und immer wieder wiederholt. Kapitel 1 zeigt, wie Gott den Sabbat der Ruhe für Sich Selbst herbeiführt, Kapitel 8, wie Er einen lieblichen Geruch der Ruhe dort haben wird, wo der Fluch gewesen ist. Wo Kummer, Unehre und Schande gewesen sind, da wird Er die Erde mit dem Wohlgeruch Christi erfüllen.

Es ist ein großes Vorrecht der Heiligen der gegenwärtigen Zeit, den Duft des Brandopfers die ganze Nacht hindurch bis an den Morgen aufsteigen zu lassen, wo es auf der Erde allen offenbar sein wird. Das Brandopfer sollte die ganze Nacht brennen. Das Amt des Priesters war es, darauf zu sehen, dass dies geschah (3. Mose 6, 2).

In diesem Kapitel haben wir im Bilde den Morgen, aber inzwischen steigt der Wohlgeruch Christi in den Herzen der Heiligen die ganze Nacht hindurch zu Gott auf und erfüllt Sein Herz mit einem Geruch der Ruhe.

Wir finden in Epheser 5, dass das Brandopfer in den Heiligen fortgesetzt werden soll, denn dort heißt es in Vers 2: „wandelt in der Liebe, gleichwie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat, als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch“. Jeder Schritt, den ein Heiliger in Liebe tut, ist eine Fortsetzung des Brandopfers. Was wird es erst sein, wenn der Wohlgeruch des Brandopfers die Welt erfüllt, und die Liebe Christi die Triebfeder von allem ist!

Wir können verstehen, wie der liebliche Geruch Christi im Lobe der Heiligen vor Gott gebracht werden kann. Aber er sollte Ihm auch in ihrem Wandel dargebracht werden. Wir können zusammenkommen und Gott preisen, und Ihm so den Wohlgeruch Christi darbringen; doch unser Lob und unser Wandel sollten übereinstimmen.

Wenn das Lob eines Menschen voll des Wohlgeruchs Christi ist, sollte es sein Wandel auch sein. Dieserhalb bekommt der Priester, der das Brandopfer darbringt, auch die Haut des Farren. Wenn ich in meinem Lobe Gott wirklich Christum darbringe, so ist dies das Brandopfer. Und der Mann, der das Brandopfer darbringt, bekommt einen Rock zu tragen, der die Schönheit Christi zeigt, der Wandel eines solchen offenbart die sittliche Schönheit Christi.

Welch eine wunderbare Zeit wird es sein, wenn die Schönheit Christi auf allem sein wird! Psalm 90, 17 redet davon, daselbst heißt es: „und die Schönheit Jehovas, unseres Gottes, sei über uns“. Ferner in Jeremia 23, 6: „Dies wird sein Name sein, mit dem man Ihn nennen wird: Jehova, unsere Gerechtigkeit“. Und in Jeremia 33, 16: „Und dies wird der Name sein, mit dem man es benennen wird: Jehova, unsere Gerechtigkeit“.

Die Heiligen werden also sittlich das sein, was Er ist, und so wird die Schönheit Christi auf allem sein, sogar auf den Schellen der Rosse (Sach. 14, 20).

Im Tausendjährigen Reiche wird jeder irgendeine Spur der Schönheit Christi tragen, auf der das Auge Gottes ruhen kann. Der Wohlgeruch des Brandopfers wird über alles ausgebreitet sein. Man wird Gott nicht nur in der ganzen Welt für Christum preisen (Ps. 72, 17), sondern Seine Schönheit wird auf allen gesehen werden und Seine Herrlichkeit wird die Erde füllen.

Das ist die zukünftige Welt, ein Schauplatz, wo alles auf den Tod Christi gegründet, und alles vom Wohlgeruch Seines Opfers durchdrungen ist. Dann wird kein Fluch mehr sein, sondern Gottes Wohlgefallen wird auf ihr ruhen können; der Bund wird bestehen und eine bleibende Ordnung. Es soll forthin nicht aufhören: „Saat und Ernte, und Frost und Hitze, und Sommer und Winter, und Tag und Nacht“ (V. 22).

Dies ist ein Bild davon, wie, nachdem das Gericht vorüber, die Verhältnisse der zukünftigen Welt herbeigeführt werden. Wenn all das Ungemach vorbei, wird die Herrlichkeit und Holdseligkeit Christi kommen und die Erde füllen.

 

Kapitel 9

 

In diesem Kapitel sehen wir den Anfang eines neuen Zeitabschnittes, einer neuen Haushaltung. Die damalige Welt war unter der Flut verschwunden, und nun haben wir einen neuen Anfang. Vor der Flut scheint Gott nach keinen besonderen Richtlinien mit den Menschen verfahren zu sein. Es war ein Zeugnis vorhanden - Henoch war ein Prophet, und Noah ein Prediger -, aber durch Herrschaft waren dem Menschen keinerlei Schranken gesetzt. Er konnte ziemlich unbehindert seinen Pfad gehen. es war eine Zeit des ungezügelten Eigenwillens.

Es ist sehr gesegnet, die göttliche Eigenart dieses Neuaufbaues zu sehen. Er begann mit dem Wohlgeruch des Brandopfers. Die Belehrung, die uns in diesem Kapitel entgegentritt, gründet sich darauf, und das wird die zukünftige Welt kennzeichnen. Am Ende des Kapitels kehren wir zu geschichtlichen Begebenheiten zurück, aber hier sehen wir die Grundlagen, auf denen Gottes Welt besteht, nämlich - dass der Mensch aufgrund des Todes leben soll, dass er in der Würde dessen, dass er das Bild Gottes ist, bewahrt werden soll; und den Bund und das Zeichen des Bundes. Alles werden wir in der zukünftigen Welt wiederfinden, und es ergibt sich aus dem, was wir in dem letzten Kapitel sahen.

Dann haben wir die Einsetzung von Herrschaft. Sie wird dem Menschen anvertraut, und das wird in der zukünftigen Welt völlig durchgeführt werden. Der Mensch wird den ihm gebührenden Platz in der Ausübung der Herrschaft haben, und alles wird diesen seinen Platz anerkennen.

Ich denke nicht, dass „die Furcht und der Schrecken vor euch“ notwendig Leiden in sich begreift. Wir sehen darin vielmehr, welchen Platz der Mensch hat. Es wird der Tatsache gedacht, dass der Mensch im Bilde Gottes gemacht wurde, und das setzt seine Stellung gegenüber der Tierwelt fest und bildet auch den Grund, auf dem sich die Herrschaft aufbaut.

Hier wird die Tierwelt den Menschen anstatt der gründen Kräuter zur Speise gegeben. Das zeigt einen völlig neuen Ausgangspunkt. Wir bemerkten in Kapitel 1, dass der Grundsatz des Lebens - der Samengrundsatz - des Menschen Speise kennzeichnen sollte. Nun haben wir eine gänzliche Veränderung: Der Mensch hat das Vorrecht, sich von dem zu nähren, was das Ergebnis des Todes ist.

Es ist wunderbar, wie der Tod uns in den ersten Kapiteln dieses Buches dargestellt wird. Zuerst sehen wir ihn als das Gericht Gottes: „welches Tages du davon issest, wirst du gewisslich sterben“ (Kap. 2, 17). Dann tritt er uns als die Macht Satans in den Worten entgegen: „du wirst ihm die Ferse zermalmen“ (Kap. 3, 15). Drittens ist er das Zeugnis des Zustandes und der Schwachheit des sündigen Menschen: „Staub bist du, und zum Staube wirst du zurückkehren!“ (Kap. 3, 19).

Was dann die Gnade anlangt, so haben wir den Tod als die Quelle der Kleidung, also der Gerechtigkeit für den Menschen (Kap. 3, 21). Zweitens naht dann Abel Gott aufgrund der Annahme Dessen, dessen Vortrefflichkeit durch den Tod offenbar wurde. Drittens trennt der Tod im Bilde die errettete Familie von der Welt unter Gericht, d.h. er ist die Trennung von der Welt. Viertens ward er in Noahs Brandopfer die Grundlage aller Beziehungen Gottes zum Menschen und der Erde. Das wird, wie wir gesehen haben, öffentlich in der zukünftigen Welt zum Ausdruck kommen. Gegenwärtig ist es in geistlicher Hinsicht wahr.

Und nun kommen wir noch zu einem weiteren Gedanken, nämlich dass fünftens der Tod Speise für den Menschen sein soll. Der Mensch baut sich aus dem auf, wovon er sich nährt. Und Gottes Gedanke ist, eine Welt zu haben, worin jeder dadurch gebildet und auferbaut wird, dass er sich von dem nährt, was das Ergebnis des Todes ist.

Das wird uns in Johannes 6 völlig entfaltet: jeder sollte sich vom Tode nähren. Am Anfang war noch keine Sünde da, aber nachdem sie gekommen war, konnte niemand gottgemäß auferbaut werden, es sei denn, er nähre sich von dem, was der Tod hervorbringt.

Wenn eine Welt auf dem Grunde des Brandopfers errichtet werden soll, so müssen die, die diese Welt füllen, dadurch ernährt und gestaltet werden, dass sie sich von Christo als einem Gestorbenen nähren. Er hat im Tode den Willen Gottes und die Liebe Gottes zum Ausdruck gebracht - das war der einzige Platz, wo sie Speise für uns werden konnte. Das Licht hierüber würde das Volk Gottes davor bewahren, es als Grundsatz hinzustellen, dass man nur von Pflanzenkost leben dürfe.

Dann sollten wir beachten, dass im Menschen das Bild Gottes bewahrt und geehrt werden soll. Es ist dies die Stellung und Würde des Menschen, die ihm zukommt. Die Herrschaft wahrt die Rechte Gottes und die Würde des Menschen, Seines Geschöpfes. Wir sollten dessen eingedenk sein. Es würde uns helfen, wenn wir ein tieferes Bewusstsein davon hätten.

In der zukünftigen Welt wird nichts gestattet werden, was nicht damit im Einklange steht. Der Grund, weshalb eine Herrschaft eingesetzt wird und weshalb gesagt wird „Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden“ ist der, dass der Mensch im Bilde Gottes gemacht ist: „denn im Bilde Gottes hat er den Menschen gemacht“ (V. 6).

Diese Grundsätze werden in der zukünftigen Welt durchgeführt werden. Dann wird sich jeder davon genährt haben, dass Christus im Tode war, und das Bild Gottes wird im Menschen bewahrt werden. Kein tödlicher Einfluss des Bösen wird zugelassen werden, den Menschen zu töten, der im Bilde Gottes ist.

Wir verlieren sehr viel, wenn wir nicht sehen, dass dies im Blick auf die zukünftige Welt gesagt ist, im Blick auf die Ordnung, die kommt, nachdem die Gerichte vorüber sind. Wir haben Noah als Bild von Christo gesehen, der seine Familie durch die Zeit der Drangsal hindurch in die zukünftige Welt brachte. Und dieses Kapitel gibt uns ein Bild von den Verhältnissen, die in der zukünftigen Welt herrschen. Natürlich hat das alles eine geistliche Anwendung auf die Gegenwart, denn das Christentum lässt uns den Segenszustand der zukünftigen Welt im Geiste schon im Voraus genießen; wenn wir das nicht sehen, verstehen wir das Christentum nicht.

Es ist auffallend, dass hier das Anrecht auf das Blut vorbehalten wird. In 1. Mose wird das Blut noch nicht in Verbindung mit den Opfern erwähnt, doch dadurch, dass es dem Menschen vorenthalten wird, wird für alle die kostbaren Belehrungen des 2. und 3. Buches Mose Raum geschafft. Dort redet Gott sehr viel von der Wirksamkeit des Blutes. Hier ist nur eine Andeutung gegeben. Gott sagt gleichsam: Es ist für mich.

Alle in 1. Mose dargebrachten Opfer sind Brandopfer. Gott gibt dem Kain wohl einen Fingerzeig über das Sündopfer, aber es wird uns in 1. Mose nie berichtet, dass ein Sündopfer dargebracht worden wäre. Alle Opfer sind daselbst immer Brandopfer gewesen.

Dann kommen wir zu etwas sehr Gesegnetem - dem Bund. Diesen haben wir zuerst in Verbindung mit Noah in Kapitel 6, wo Gott zu ihm sagt: „mit dir will ich meinen Bund errichten“ (V. 18). Christus Selbst ist der Bund, wie wir klar aus Jesaja 42, 6 und 49, 8 sehen.

Das Brandopfer ist der Grund, auf dem Gott Seine Vorsätze der Liebe ausführen und einen Bund errichten kann. Wie wunderbar ist der Gedanke, dass Gott einen Bund eingeht! Der Bund redet von bestimmten und dauerhaften Beziehungen zwischen Gott und dem Menschen. Gott setzt dessen Bestimmungen und Forderungen fest und führt sie durch, und der Mensch kann in deren Segen eingehen.

Den Begriff des Bundes finden wir die ganze Heilige Schrift hindurch. Was die tatsächlichen Vorkehrungen dieses besonderen Bundes anlangt, so gehen sie im Einzelnen nicht sehr weit: Sie besagen nur, dass die Welt nicht wieder durch eine Flut zerstört werden soll. Ein Bund ist etwas Festes, er kann nicht abgeändert werden - besonders, wenn Gott ihn macht: „selbst eines Menschen Bund, der bestätigt ist, hebt niemand auf oder verordnet etwas hinzu“ (Gal. 3, 15). Wenn du einen Bund machst, so hast du ihn auch zu halten, selbst wenn es sehr töricht war, ihn einzugehen. Und wir können sicher sein, dass, wenn Gott einen Bund macht, er etwas Sicheres und Dauerndes ist.

Der Bund steht in vollkommenem Gegensatz zum Fluch. Gott verwirft, was Er verflucht. Wenn Er jedoch einen Bund eingeht, bindet Er Sich den Personen oder Dingen gegenüber, zu deren Gunsten Er ihn gemacht hat.

In diesem Bunde band Er Sich der ganzen Schöpfung gegenüber. Und es ist lehrreich, Seine Beständigkeit zu sehen, von der die Worte „auf ewige Geschlechter“ und „des ewigen Bundes“ zeugen (V. 12 u. 16).

In diesem Bunde stellt Gott keine Forderungen. Später, als das Gesetz der Bund war, haben wir solche, weil das ein Bund war, der zwischen zwei Parteien bestehen sollte, die nicht miteinander im Einklang standen. Das Gesetz „wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt“ und „durch Engel in der Hand eines Mittlers“ angeordnet (Gal. 3, 19). Die Segnung dieses Bundes hing von der Erfüllung des Gesetzes durch den Menschen ab. Da aber der Mensch ein Übertreter war, so konnte darin ein Übereinkommen nicht erzielt werden.

Der neue Bund ist den Händen eines Mittlers übergeben, der nicht nur die Forderungen stellte, sondern auch den Menschen mit ihnen in Einklang zu bringen vermag, so dass beide Parteien einstimmig sind. Der Grundgedanke des neuen Bundes steht somit im Gegensatz zum Gesetz.

Der Bogen in der Wolke war das Zeichen des Bundes Gottes. Die Wolken bedeuteten zur Zeit der Flut das Gericht, aber nun hat sich das Wesen der Wolke geändert. Wenn Gott eine Wolke über die Erde führt, so geschieht es, Segen über sie zu ergießen. Und dieser Gedanke wird mit dem Begriff des Bundes verbunden. Wenn Gott also einen Bund eingeht, so sichert Er uns Ergüsse des Segens.

Woher würden wir Früh- und Spätregen bekommen, wenn es keine Wolken gäbe? Pfingsten war der Frühregen, und am Tage der Zukunft wird der Spätregen kommen, und Joel 2, 28 wird erfüllt werden. Der Prophet Joel redet vom Früh- und Spätregen in Kap. 2, 23. Der Spätregen kommt dann, wenn der Geist ausgegossen wird auf alles Fleisch, und Christus ist das Zeichen der Bundessegnung Gottes in Verbindung mit alledem - Er ist das gesegnete Zeichen der Treue Gottes.

Der Regenbogen ist das in seine Bestandteile gebrochene weiße Licht. Er scheint alle die Einzelheiten der Vollkommenheit der Treue Gottes darzutun. In der zukünftigen Welt wird ein vollkommenes Zeugnis von der Güte und Treue Gottes in allen Seinen Wegen vorhanden sein; doch der Glaube wird seine Augen über das alles auf Christum richten, und in Ihm das wahre Zeichen des Bundes sehen. Jede Segnung wird das Herz dahin leiten, Seine Schönheit und Herrlichkeit mehr zu erkennen. Die Menschen werden sich in Ihm segnen (Ps. 72, 17). In Vers 14 wird der Bogen von den Menschen, und in Vers 16 von Gott gesehen.

Gott hat immer Christum vor Sich. Mir scheint, dass in Apostelgeschichte 2 Petrus die Volksmenge auf den Bogen in den Wolken hinweist. Nie zuvor hatte ein solcher Erguss des Segens in dieser Welt stattgefunden. Petrus sagt gleichsam: Schaut auf Christum im Himmel, Gott hat Ihn sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht - Er ist im Himmel als das Zeichen und Unterpfand der ganzen Segnung und Treue Gottes. Psalm 110 zeigt uns auch den Bogen in der Wolke, Den, den Gott zu Seiner Rechten gesetzt hat, bis Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße gemacht werden. Jede Bundesverheißung wird in königlicher Macht und priesterlicher Gnade zustande gebracht werden.

Christus zur rechten Hand Gottes ist das Unterpfand der Treue Gottes, die jede Verheißung erfüllen wird. Christus ist der Bogen in der Wolke, und Gott hat Ihn immer vor Augen. Dort ist Er als ein Zeichen und Unterpfand des Bundes Gottes!

Nachdem Petrus gesagt hatte, dass sie ihren Messias gekreuzigt, und sich damit von jeder, auch der geringsten Segnung abgeschnitten hatten, antworteten sie: „Was sollen wir tun, Brüder?“, und er konnte sie dann auf den Bogen in den Wolken hinweisen.

Gottes Treue war nicht zusammengebrochen, und Christus, auferweckt im Himmel, war Gottes Zeichen, dass auf Seiner Seite gar nichts versagt hatte. Ihrerseits hatten sie alles verwirkt, und so sagt Petrus ihnen: „Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft ... und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“ (Apg. 2, 38). Das war in der Tat ein Segenserguss. Sie sollten Joels Frühregen haben, noch ehe die übrigen des Volkes am Ende der Tage den Spätregen empfingen.

Am Tage der Zukunft wird alle die Güte der Fürsorge Gottes in Verbindung mit Christo gesehen werden. Dann wird es keine Krankheit, keine Missernten geben, und alles wird im Überfluss vorhanden sein. Die Menschen werden infolge der fürsorgenden Güte Gottes im Überfluss leben und in alledem die Herrlichkeit Christi sehen. Jede Segnung wird ihnen Christum vor Augen stellen.

Heute haben wir nicht dieselben äußeren Zeichen der Fürsorge Gottes, im Gegenteil. Unseren Bogen in den Wolken sehen wir in Römer 5 und 8. Wenn alles um uns her verkehrt ist, sehen wir den Bogen in den Wolken: Wir sehen die Liebe Gottes in Christo, und die Liebe Gottes ist in unser Herz ausgegossen. Das sehen wir in Trübsal und inmitten von Schwachheit und Sorge - in alledem können wir den Bogen in den Wolken vernehmen.

Gott ist treu, und so blickt der Christ in Trauer und Trübsal nach oben und sieht das sichere Unterpfand der Treue Gottes in Christo. Ein Christ mag Sorgen und alles wider sich haben - sein Weib mag krank, seine Kinder mögen schwächlich sein, und sein Geschäft mag nicht gehen - und doch ist er im Bewusstsein der Liebe und Treue Gottes in Christo glücklich. Das ist die eigentliche, den gewöhnlichen Umständen entsprechende Segnung des Christen.

Es gibt Wolken der Sorge, der Enttäuschung, schmerzlicher Verluste und der Prüfung. Doch wo die Wolke ist, ist auch der Bogen darin. das gesegnete Zeugnis der Treue Gottes ist in jeder Wolke. Das Sprichwort sagt: Jede Wolke hat ihren Silberrand; doch Bruder Stoney sagte oft: „Es gibt keinen Silberrand ohne eine Wolke“.

Du könntest nie den Bogen ohne die Wolke haben. Gott bringt die Wolke: du magst Trübsal durchzumachen haben - und das sind die ordnungsgemäßen Umstände des Gläubigen - , doch wenn Gott eine Wolke bringt, eine Übung, eine Schwierigkeit, so halte Ausschau nach dem Bogen. Es gibt keine Sorge, Übung oder Schwierigkeit, durch die dir Gott nicht das Licht der Schönheit und Holdseligkeit Christi in einer Weise geben will, wie du es nie zuvor hattest. So kommst du zu einem besonderen Bewusstsein der Treue Gottes und dessen, dass dich nichts von der Liebe Christi, noch von der Liebe Gottes scheiden kann. Das ist der Bogen.

Wir lernen nicht dadurch, wie gut Gott ist, dass wir auf Seine Fürsorge schauen, sondern dadurch, dass wir auf Christum schauen und Ihn als das Zeichen göttlicher Treue erkennen und die holdselige Liebe erfassen, die im Tode Christi geoffenbart wurde.

Im Tausendjährigen Reiche wird alles, auch äußerlich, ein Zeugnis der Treue Gottes sein, die alle Segnung durch Christum und in Christo gebracht hat. Doch nun, da wir in den Bund gekommen sind, haben wir das sichere Zeichen jener Treue in Einem, in dem jede Verheißung Ja und Amen ist, noch ehe sich nach außen hin irgend etwas geändert hat.

Gott hat Freude daran, an den Bund zu denken, und so der Mensch auch Freude daran findet, besteht eine glückselige Übereinstimmung zwischen ihm und Gott! Gott sagt gleichsam: Ich werde in euren Herzen wirken, dass ihr euch nicht mehr von mir zurückzieht, und ich werde mich nicht von euch zurückziehen (Jer. 32, 40).

Bis zum 17. Verse wird ein Bild von der neuen Haushaltung entworfen. Danach kommt eine kleine Begebenheit, die eine der beachtenswertesten Verheißungen über die Geschichte der Welt enthält. Die ganze Geschichte des Menschen und der Wege Gottes in Gnade werden hier in wenigen Versen zusammengefasst.

Es ist schon oft darauf hingewiesen worden, dass Noah, als ihm die Herrschaft anvertraut worden war, sich selbst nicht beherrschte. Er pflanzte einen Weinberg und ward trunken und entehrte sich selbst. Dann entehrt ihn sein Sohn, und das zieht den Fluch nach sich.

Wir finden dann eine Familie unter Fluch und eine andere unter Segnung. Dies wird uns erzählt, um die Herkunft des bösen Volkes zu zeigen, das Hunderte von Jahren danach durch Jona ausgerottet werden sollte. Das Buch der Offenbarung verfolgt alles bis zu seinem sittlichen Abschlusse. 1. Mose aber bis zu seinem sittlichen Ursprung. Deshalb ist es gut, beide Bücher zusammen zu lesen.

Hier sehen wir, wie Ham seinen Vater entehrt und in seinen Nachkommen verflucht wird. Die Kinder Hams können nie das sein, was andere Völker dieser Welt sind: „ein Knecht der Knechte sei er“ (V. 25).

Wenn wir die Geschichte der Völker bis zu ihren Anfängen zurückverfolgen und uns deren Vorfahren ansehen, so können wir aus ihrem Ursprung auf ihre Wesensart schließen. Ham bedeutet „schwarz“ und Sem „Ruf, Ruhm, Ansehen“.

Gott verband Ansehen mit Sem. Japhet schaut jetzt auf Sem herab, aber das ist ein großer Fehler, denn Gott verbindet Ansehen mit Sem. Sein Vorsatz war, Christum in die Familie des Sem zu bringen. Japhet bedeutet „Ausbreitung“. Die Gnade Gottes hat sich ausgedehnt, insbesondere ist all die Fülle Seiner Gedanken in Verbindung mit den Nationen ans Licht gekommen. Dem Abraham wurde gesagt: „in deinem Namen werden gesegnet werden alle Nationen der Erde“ (1. Mose 22, 18), und Gott ist bemüht, Japhet zu überzeugen und zu überreden, ihn in die Zelte Sems zu bringen. Anderswo gibt es keine Segnung.

Viele von uns sind überredet worden, in die Zelte Sems zu kommen. Alle Segnung ist mit Christo verbunden. Sem ist die angesehene Familie, in die Gott Christum gebracht hat. Er kam in die Zelte Sems, und auch du musst dorthin gehen, um gesegnet zu werden.

Wie schön ist es, zu sehen, dass Gott, als das Evangelium zuerst verkündigt wurde, Seinen Wesenszug der Gnade dadurch bezeugte, dass Er einen aus jeder dieser drei Familien bekehrte - die äthiopischen Eunuchen aus Ham, Saulus von Tarsus aus Sem, den Hauptmann Kornelius aus Japhet. Gott brachte aus jeder Familie einen herein, um die Vollkommenheit und Unumschränktheit Seiner Gnade zu zeigen.

 

Kapitel 10 und 11

 

Es ist klar, dass der Zeit nach Kapitel 11 vor Kapitel 10 kommt. Kapitel 10 gibt einige allgemeine Tatsachen in Verbindung mit den verschiedenen Familien, die von den Söhnen Noahs stammten. Aber die daselbst berichteten Tatsachen fanden nach der in Kapitel 11 beschriebenen Zerstreuung der Nationen statt. Die Verteilung auf die Inseln der Nationen geschah „nach ihrer Sprache“ (Kap. 10, 5). Das zeigt, dass die Zerstreuung und Verwirrung der Sprache geschah.

Die sittliche Lehre, die dem Kapitel 10 zugrunde liegt, ist sehr wichtig. Sie lautet, wir sollten alles bis auf seinen Ursprung zurückverfolgen. Gott dachte hierbei an Israel. Es war wichtig, dass Israel verstehen sollte, woher die Nationen kamen, mit denen es zu tun hatte.

Die Quelle von Dingen zu kennen, gibt uns Einsicht in ihre Wesensart. Viele sagen zuweilen: Weshalb sollen wir so viele Jahre zurückgehen? Warum sollen wir die Dinge nicht nehmen, wie sie jetzt sind? - Doch es ist ein göttlicher Grundsatz: Wir sollen den Ursprung von Dingen kennen! Ein Fluss wird sich nie über die Höhe seiner Quelle erheben. Wenn etwas von Anfang an schlecht ist, kann es im Laufe der Zeit nie gutgeheißen werden.

Wenn wir daher unseren Weg klar sehen wollen, müssen wir den Ursprung der Bewegungen kennen, die auf das Volk Gottes und das Zeugnis Gottes einwirken. Gott stellt deshalb Seinem Volke den sittlichen Ursprung von alledem bloß. Viele der Nationen, die nachmals große Gegner Israels waren, stammten von Ham, der unter dem Fluche war. Wir finden Babylon, Ninive, Ägypten, die Kanaaniter und Philister in Kapitel 10: alle diese Nationen waren Gegner Israels, und die Kanaaniter sollten vor Israel ausgerottet werden. Ihr Ursprung wird hier bloßgestellt. Sie alle gehören der Familie an, die unter dem Fluche steht.

Es ist ein Grundsatz in göttlichen Dingen, dass man nie die sittliche Wesensart einer Sache versteht, wenn man ihren Ursprung nicht kennt. Gott will, dass wir den Ursprung der Dinge erforschen. Er zeigt in Kapitel 10 den Ursprung all der verschiedenen Nationen, die in Berührung mit Seinem Volke kamen.

Irdische Macht finden wir zuerst bei der Familie, die unter dem Fluche steht. Sie begann mit Nimrod. Auf der Seite des Bösen entfaltet sich immer alles schneller als auf der des Guten.

Nimrod war ein mächtiger Aufrührer oder Empörer. Sein Name bedeutet „Empörer“, und seine Wesensart vor Gott war die eines Jägers. Jehova nahm von seiner Wesensart Kenntnis. Er war gerade das Gegenteil von einem Hirten. Ein Jäger tut sich selbst etwas zugute auf Kosten seiner Beute; doch ein Hirte verwendet sich zum Besten der Gegenstände seiner Fürsorge.

Was Gott als höchster Gedanke mit Bezug auf einen König vor Augen steht, ist, dass er ein Hirte ist. David wurde von den Hürden der Schafe genommen (Ps. 78, 70). Das war die Stätte, wo er lernte, ein König zu sein. Auch Moses war ein Hirte, und er wurde König in Jeschurun (5. Mose 33, 5). Der Herr liebt einen Hirten. Ein Hirte sammelt, schützt und nährt die Herde, er ist also das Gegenteil von einem Jäger.

Nimrod war ein Empörer wider Gott und ein Jäger den Menschen gegenüber. Alles das wird in der letzten großen heidnischen Macht seinen Gipfel erreichen. Hier sehen wir den Anfang davon. Das sind die Züge, in denen die irdische, kaiserliche Macht der Heiligen Schrift nach den Schauplatz betritt. Verderbtheit und Gewalttat sind die zwei Grundsätze in Babylon bzw. Ninive. Babylon wird durch Verderbtheit und Ninive durch Gewalttat gekennzeichnet.

In Babylon haben wir Scheinherrlichkeit, die Verderben anrichtet. Es war der Schauplatz der Herrlichkeit des Menschen, und dieser übt den verderblichsten Einfluss aus, den man sich denken kann. Und Assyrien war der gewalttätige, ungestüme Feind des Volkes Gottes.

Alles dies ist sehr lehrreich und wichtig. In wenigen schlichten Worten werden uns große Grundwahrheiten vorgestellt. Die Heilige Schrift kann mit ein paar Worten viel sagen, und diese Worte bergen die ganze sittliche Geschichte der Welt und des Tuns des Menschen in sich.

Assyrien arbeitete dem Volke Gottes immer entgegen und wird es immer tun, bis Gott sagt: „Gesegnet sei mein Volk in Ägypten, und Assyrien, meiner Hände Werk“ (Jes. 19, 25). Gott wird sich Assyriens annehmen und es zu einem Gefäße der Segnung machen. Beide, Ägypten und Assyrien, stammten von Ham. Doch sogar die verfluchte Familie kommt durch Christum zur Segnung. Das ist ein großer Triumph der Gnade. Wenn Assyrien und Ägypten gesegnet werden, geschieht es in Verbindung damit, dass Gott sein Erbteil in Israel antritt (siehe die nämliche Schriftstelle).

In Vers 21 kommen wir zum Gegensatz hiervon in Sem: „Und dem Sem, dem Vater aller Söhne Hebers ..., auch ihm wurden Söhne geboren“. Es ist auffallend, dass Heber so hervorgehoben wird. Heber bedeutet „Durchzug, Durchreise“, er weist auf das Pilgergeschlecht hin, das hienieden nur durchzieht.

In Hams Geschlecht sehen wir ein Volk, das Städte baute und Königreiche gründete, wir sehen Empörung wider Gott und Gewalttat gegen den Menschen. Aber das Pilgergeschlecht baut keine Städte, es zieht hindurch. Alle Heiligen sind berufen, „Söhne Hebers“ zu sein. Manche lesen vielleicht Kapitel 10 und denken: Welch eine trockene Liste von Namen! Doch dort haben wir die ganze Geschichte der Welt: in Nimrod die Wesensart und die Herrlichkeit der Welt des Menschen, und in den Söhnen Hebers die Frucht der göttlichen Gnade in einem Pilgergeschlecht, das nur hindurchzieht.

Es ist etwas sehr Gutes, ein Sohn Hebers zu sein! Viel besser, als ein Sohn Nimrods zu sein, eines Menschen, der die ganze Herrlichkeit der Welt zu seinen Füßen sehen möchte, und die Gewalttat eines Jägers ausübt, sie zu erlangen. Alles das wird seinen Höhepunkt in dem großen Nimrod der letzten Tage erreichen, in dem großen, empörerischen Haupte der kaiserlichen heidnischen Macht, die durch Empörung wider Gott und Gewalttat gegen die Menschen gekennzeichnet wird.

Doch auch die „Söhne Hebers“ finden wir bis zum Ende hin in dem Buche der Offenbarung, ein hindurchziehendes Volk, das nicht zu denen zu rechnen ist, die auf der Erde wohnen. (Siehe Offb. 3, 10; 6, 10; 8, 13; 11, 10; 13, 8.14; 17, 2.8)

In 1. Mose 11 finden wir die Erdbewohner, die eine Ebene finden und sich daselbst niederlassen. Die Söhne Hebers aber wünschen kein Babel zu bauen. Es sollte eine ernste Frage für einen jeden von uns sein, ob unser Herz mit der Babelwelt in Verbindung steht oder mit einem Zelt und einem Altar. Das Volk Gottes war immer ein Pilgervolk und wird es immer sein. Von den Tagen Abrahams an bis jetzt lassen sie sich nie in dieser Welt nieder.

Den Hirtenkönig haben wir in Micha 5, und es ist gut, diese Stelle etwas zu betrachten. Zu Anfang finden wir den Hirtenkönig, und dann das Schicksal Nimrods. Zunächst ist von der Ankunft des mächtigen Hirten die Rede: „aus dir wird mir hervorkommen, der Herrscher über Israel sein soll“ (V. 1). Dann heißt es in Vers 3: „er wird dastehen und seine Herde weiden in der Kraft Jehovas, in der Hoheit des Namens Jehovas, seines Gottes“.

Die Wesensart des Hirten und die Hoheit des Namens Jehovas, seines Gottes, gehören zusammen - wie wunderbar! Dann heißt es in Vers 4: „Und dieser wird Friede sein“; darauf wird uns etwas über den Assyrer gesagt, und Vers 5 lautet dann: „sie werden das Land Assyrien mit dem Schwerte weiden, und das Land Nimrods in seinen Toren; und er wird uns von Assyrien erretten“. Das redet von der vollständigen Überwältigung Nimrods, von dem Ausschluss des Jägerkönigs. Er muss fort, und der Mann nach der Wesensart Davids - Christus - muss an dessen Stelle treten.

Kapitel 11 gibt uns die traurige Geschichte der Erbauung von Babel. Ich denke, in ihm haben wir einen Höhepunkt des Bösen. Und diese ganze Geschichte zeigt uns, in welcher Weise Verfehlungen wirken, und bis zu welchem Grade sie fortschreiten. Die Geschichte der Verfehlungen ist zu allen Zeiten dieselbe. Sie vollzieht sich immer nach den gleichen Grundsätzen.

Noah begann gut, er beanspruchte die Erde für Gott und stellte sie auf den Boden des Brandopfers. Aber anstatt die Erde für Gott zu halten, hielt er sie gar bald dazu, sich selbst zu befriedigen, und infolgedessen setzte er sich der Schande aus.

Genau so war es bei der Verfehlung der Kirche. Anstatt ihre Pilgerstellung festzuhalten und für Gott dazustehen, begann sie damit, sich selbst zu befriedigen. Der Geist des Nasirs (4. Mose 6) ging der Kirche verloren, und das setzte das Zeugnis der Unehre und Schmach aus. Die Gesinnung des Nasirs aufgeben, heißt jeder Art von Verfehlungen das Tor öffnen.

Ham stellte solche dar, die sich da befinden, wo das göttliche Licht ist, ohne jedoch dadurch im Innersten berührt zu werden. Seine Haut war durch die Sonne dunkel geworden. Wenn das Licht Gottes nicht umgestaltend wirkt, so wird man dadurch verfinstert. „Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis!“ (Mat. 6, 23; Luk. 11, 35).

Wenn jemand göttliches Licht hat, und dadurch nicht umgestaltet wird, kann er sogar Freude daran finden, Fehler bei den Kindern Gottes zu sehen: das war Hams Zustand. Hüten wir uns vor dem Geiste Hams! Er rührt daher, dass wir den Geist des Nasirs aufgegeben haben, wie es in den Worten zum Ausdruck kommt: „alle suchen das Ihrige, nicht das, was Jesu Christi ist“ (Phil. 2, 21). Wenn wir die Dinge hienieden dazu gebrauchen, uns selbst zu befriedigen, so ist der nächste Schritt abwärts, Freude an den Fehlern der Kinder Gottes zu empfinden.

Sodann ist Ham der Vater Kanaans. Kanaan bedeutet „Krämer“. Durch das Licht Verfinsterte gebrauchen das Christentum ihren eigenen Plänen und Neigungen entsprechend, und zu ihrem Vorteil. Sie machen gleichsam Geschäft damit. Die Christenheit ist voller Söhne Hams und Kanaans, voll solcher, die über die Fehler der Kinder Gottes reden und aus dem Christentum ein Geschäft machen.

Wenn wir dahin kommen, einen Weinberg zu pflanzen (d.h. etwas tun, was uns Freude bereitet - der Wein ist ein Sinnbild der Freude), so wissen wir nicht, wo das enden kann. Wie leicht wird das nur eine Gelegenheit, uns selbst zu befriedigen! Wenn dann ein Christ einen Fehltritt tut, so stecken die Weltleute ihre Köpfe zusammen und finden Gefallen daran, das zu sehen. Das ist die Gesinnung des Fleisches. Sie kommt unter den Fluch, und das Ende ist, solche Leute gebrauchen das Christentum nur zu ihrem eigenen Vorteil.

Es ist befleckend, mit Bösem beschäftigt zu sein. Wenn wir das dennoch tun müssen, weil es notwendig ist, es zu richten, so haben wir unser Fleisch mit Wasser zu waschen und sind bis zum Abend unrein (3. Mose 11; 17, 15; 22, 6). Wenn ein Bruder sündigt, und ich habe mich damit zu beschäftigen, so habe ich mein Fleisch mit Wasser zu waschen. Das Fleisch empfindet eine gewisse Befriedigung daran, bei Bösem zu verweilen. Das ist die Gesinnung Hams.

Wir sollten aus diesem eine Lehre für unser Betragen ziehen. Es ist sehr ernst. Wenn wir diese Dinge in Verbindung mit Kapitel 11 betrachten, so erkennen wir, dass sie schließlich dahin führen, allem, was von Gott ist, den Rücken zuzukehren.

Am Anfang von Kapitel 11 lesen wir: „Und die ganze Erde hatte eine Sprache ... Und es geschah, als sie von Osten zogen“. Im Osten geht die Sonne auf. Der Osten stellt das vor, was Gott beim Anbruch des Tages, wenn die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht, aufrichten wird. Diese Leute kehrten dem den Rücken zu - das ist ein Bild von dem, was sich in der Christenheit zugetragen hat, und seine Folge ist der Bau Babels.

Es ist eine auffällige Tatsache in der Geschichte der Welt, dass der Strom menschlichen Fortschritts und der Bildung von Osten nach Westen geht. Jedes der vier großen Weltreiche lag etwas weiter nach Westen zu. Und jetzt gehen die Leute nach Amerika, und wenn sie dort sind, nach dem westlichen Staaten Amerikas. Die Strömung des menschlichen Lebens nimmt jenen Lauf, und es zeigt uns, dass der Mensch immer die niederwärts gehende Bahn verfolgt.

Gottes Volk jedoch wendet sich dem Osten zu, dem was aufwärts geht. Israel lagerte sich nach der Aufrichtung der ehernen Schlange „gegen Sonnenaufgang“ (4. Mose 21, 11). Die Sonne der Gerechtigkeit steht im Begriff aufzugehen „mit Heilung in ihren Flügeln“ (Mal. 4, 2), und die Söhne Hebers, das Pilgergeschlecht, schauen nach Osten - sie lieben Sein Erscheinen.

Alles, was von Gott ist, ist jetzt unterhalb des Gesichtskreises, aber es wird emporkommen, wenn die Sonne aufgeht. Wer nach Westen geht, wird nur den Sonnenuntergang sehen. Solche folgen dem Lichte dieser Welt, und das wird ihren Blicken für immer entschwinden. Der Christ jedoch hat sein Auge auf den Sonnenaufgang gerichtet, auf alles das, was im Glanze der Herrlichkeit und göttlicher Schönheit hervorkommen wird.

In Vers 2 lesen wir: „da fanden sie eine Ebene im Lande Sinear und wohnten daselbst“. Ich denke, zu Pfingsten sehen wir die Kirche auf heiligem Boden, aber da war sie noch gleichsam auf dem Berge. Es ist gesegnet, Heilige auf heiligem Boden zu sehen. Aber traurig, wenn manche dem Sonnenaufgang den Rücken zukehren und hinabsteigen, um Erdbewohner zu werden. Wenn sie dorthin kommen, sprechen sie: „lasst uns Ziegel streichen ..., bauen wir uns eine Stadt und einen Turm ..., und machen wir uns einen Namen“ (V. 3 u. 4).

Auf diese Weise wurde Babylon in der Christenheit gebaut. Der Sonnenaufgang war hinter dem Rücken der Leute, d.h. die Wiederkunft Christi war vergessen, und die Bekenner des Christentums wurden Erdbewohner.

Babylon ist nicht aus Steinen oder Felsen gebaut - nicht das Geringste von Christo ist darin. Es besteht aus Ziegeln, einem Machwerk des Menschen. Die Erbauer desselben haben den Stein, Christum, verworfen und lassen die „lebendigen Steine“ außer Acht; sie sind aber sehr geschäftig, Ziegel zu machen. Ziegel sind eine Nachahmung von Steinen, die aus erdigem Stoff hergestellt sind, ein Bild vom natürlichen Menschen, der einem Gestaltungsverfahren unterworfen wird, damit er Teil des großen Baues werden kann, der dem Menschen einen Namen sichert und ihm Ruhm verschafft.

Gott sei Dank, Gottes Bau macht auch Fortschritte. Doch wir sind von Babylon umgeben, einem Bau, der dem Ziegelmachen des Menschen sein Dasein verdankt. Es besteht aus einem erdigen Baustoff, geformt und hartgebrannt, um als Stein zu dienen. Aber keine noch so verfeinerte Ausbildung wird den natürlichen Menschen je für Gottes Bau geeignet machen. Der natürliche Mensch kann wohl so ausgebildet werden, dass er für Babel passend wird, aber dort ist nichts für Gott vorhanden. In Babel ist kein göttlicher Baustoff.

Ich hoffe, wir können sehen, wie nötig es ist, uns frei von Babel zu halten. Gottes Bau setzt sich aus lebendigen Steinen zusammen, die Christo in sittlicher Hinsicht verwandt sind, d.h. verwandt mit Dem, der der Felsen ist. Babel jedoch ist ein großer religiöser Bau, ohne das Geringste von Christo darin. Wir sollten seinen Ursprung und alle seine Merkmale beachten, und sie im einzelnen erwägen. Gott hat darauf herniedergeschaut und es dem Gericht bestimmt: Er hat Verwirrung darauf geschrieben.

Als Israel fehlte und Gott die Herrschaft den Nationen gab, stellte Er Babel noch einmal auf die Probe, indem Er Nebukadnezar unumschränkte Herrschergewalt verlieh. Aber das Ende davon war, dass Nebukadnezar all den Ruhm und die Herrlichkeit für sich selbst in Anspruch nahm und sprach: „Ist das nicht das große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit?“ (Dan 4, 30) Die Folge davon, dass Gott dem Nebukadnezar das Reich gegeben, war, dass er all dessen Herrlichkeit für sich in Anspruch nahm - und das ist der Mensch in seinem besten Zustande, das Haupt von Gold (Dan. 2, 38).

In der Offenbarung sehen wir Babylon in seiner schlimmsten und verderbtesten Gestalt, geschmückt durch das Licht des Christentums, und es heißt: „Wieviel sie sich verherrlicht“ (Kap. 18, 7). Sie hatte das Licht des Christentums zu ihrer Selbstverherrlichung benutzt, ebenso wie auch Belsazar die goldenen und silbernen Gefäße des Heiligtums Gottes auf seinem Götzenfeste gebrauchte.

Der Mensch nimmt die höchsten und heiligsten Dinge und gebraucht sie zu seiner Selbstverherrlichung. - Wie einfältig müssen die Ungläubigen sein, wenn sie davon reden, dass die Heilige Schrift nicht von Gott eingegeben ist! Die Geschichte Babels allein, wie sie in der Schrift dargestellt wird, ist hinreichend, deren göttliche Eingebung zu beweisen. Wer anders als Gott hätte uns eine solche Geschichte der Welt der Herrlichkeit des Menschen von ihrem Ursprung in 1. Mose 11 an durch vier Jahrtausende hindurch bis zu ihrer schließlichen und endgültigen Niederwerfung in Offenbarung 18 geben können? Gottes Gedanke ist, dass die Welt für jeden der Seinigen ein zusammengebrochener Bau sei.

Die göttliche Eingebung des ersten Buches Mose ist viel angezweifelt worden, und doch enthält kein Buch größere Beweise seines göttlichen Ursprunges. Das, was man nur für Einzelheiten hält, ist voller sittlicher Belehrungen. Zweifel und Schwierigkeiten werden in die Herzen der Kinder in der Schule gesät. Aber vieles, was die Ungläubigen sagen, ist einfach Unwissenheit. In der Tat herrscht nirgendwo anders so große Unwissenheit, wie auf Seiten der modernen, gebildeten Welt, wenn sie sich anmaßt, die Heilige Schrift zu beurteilen, weil sie Gott auslässt und vollständig blind gegen alles ist, was eine sittliche Belehrung hat. In der Schrift ist kein Platz für das, was nicht unserer sittlichen Belehrung dient.

„Dass wir nicht zerstreut werden“ (V. 4). Hier wird uns zum ersten Male der Grundsatz der Vereinigung gebracht. Der Mensch empfindet seine Schwäche als etwas Einigendes, und anstatt zu Gott aufzublicken, erwartet er Stärke durch Vereinigung mit seinen Mitmenschen. Das wird alles seinen Höhepunkt in dem großen Staatenbund der letzten Tage erreichen.

Babel wäre ein wunderbarer Ort geworden, wenn Gott gestattet hätte, dass sich ihr Plan verwirklichte. Eine Stadt und ein Name war etwas Hohes in ihren Augen. Sie gedachten sich dadurch einen Mittelpunkt zu sichern, der zu ihrer Herrlichkeit und zu ihrem Ansehen beigetragen hätte.

Dieses hohe Ziel wird am Tage der Zukunft nahezu erreicht werden, aber es wird nie geduldet werden, dass es das wird, was der Mensch begehrt. Gott wird den Stolz aller menschlichen Herrlichkeit verächtlich machen (Jes. 23, 9).

Wenn alle Menschen eines Sinnes zusammengehalten hätten, mit einem Ziel vor ihren Augen, und Gott keine Mittel gebraucht hätte, den Menschen zu schwächen, so wäre gar nicht auszusagen, was er erreicht hätte. Gott sprach: „nun wird ihnen nichts verwehrt werden, was sie zu tun ersinnen“, und deshalb schwächte Er sie, indem Er ihre Sprache verwirrte.

Das hat Gott seitdem die ganze Geschichte der Welt hindurch getan: Die großen Vereinigungen der Menschen sind immer dadurch geschwächt worden, dass in sittlicher Hinsicht ihre Sprache verwirrt wurde und sie einander nicht verstehen konnten. So hat der Mensch nie die ersehnten Ziele seines Ehrgeizes erreichen können. Alle großen Vereinigungen von Babel bis heute, sind früher oder später daran zugrunde gegangen, dass solche da waren, die in sittlicher Hinsicht eine andere Sprache redeten.

Das Babel der letzten Tage ist der Verderber des Christentums. Welch eine schreckliche Nacht würde Babylon in unseren Tagen sein, wenn Gott nicht erlaubt hätte, dass es durch Uneinigkeit und das Aufkommen von Sekten geschwächt worden wäre. Doch Gott ließ die Abspaltung der griechischen Kirche und nochmals die der zahllosen Sekten des Protestantismus zu, um alles zu schwächen. Gegenwärtig sehen wir, dass trotz des Völkerbundes kaum zwei Nationen über irgend etwas übereinstimmen.

Das ist der Weg, auf dem Gott Seiner Vorsehung nach die großen Vereinigungen, ja Staatenbunde der Menschen schwächt. Sie würden alles überwältigen, wenn Er sie nicht dadurch schwächte, dass Er ihre Sprache verwirrte, dass sie also nicht mehr miteinander übereinstimmten, so dass die Einheit wieder zusammenbricht.

Gott wirkt in Seiner Vorsehung immer dahin, den Menschen zu hindern, die Herrlichkeit zu erringen, auf die sein Herz und Sinn gerichtet ist, und das bringt Er im Allgemeinen durch inneren Streit und Zwietracht zustande. Alles in der Welt des Menschen wird gerade auf das Gegenteil hinauslaufen, wozu es dienen soll. Ich meine das mit Bezug auf seine letzten Folgen. So wurde das, was ein Meisterstück der Ausgestaltung und Verwaltung sein sollte, einfach ein Babel - Verwirrung.

Es mag scheinen, dass der Wille und die Macht eines Nimrod so etwas wie Ordnung daselbst zustande brachte. Dennoch bleibt es Babel und wird das sein bis zum Ende.

Ich denke, das, was dem Menschen in Babel vorschwebte, wird am Tage der Zukunft seinem Ziele sehr nahe kommen, aber es wird infolge des Widerstreits der Grundsätze nicht in Erscheinung treten. In Offenbarung 17, 6 lesen wir, dass die zehn Könige die Hure hassen und ihr Fleisch fressen werden und sie mit Feuer verbrennen.

Gott lässt diese Streitigkeiten aufkommen, um die Macht des Menschen zu schwächen. Wir brauchen uns deshalb über die großen Zusammenschlüsse der Menschen nicht sehr zu beunruhigen. Ich glaube, dass Gott sie, besonders solange die Kirche hienieden ist, im Zaume halten wird. Es mag Verfolgungen geben, ja wird sie geben; aber Gott wird die Zusammenschlüsse der Menschen durch inneren Zwist schwächen, und das wird zum Vorteil und Schutz der wahren „Söhne Hebers“ ausschlagen.

 

Gott aber zerbricht nicht nur die Einheit der Menschen, sondern Er hat Selbst eine wunderbare Einheit in dieser Welt geschaffen. Es ist schon oft darauf hingewiesen worden, wie am Tage der Pfingsten Babel rückgängig gemacht wurde. Da redete Gott in Gnade zu jedem Menschen in seiner eigenen Sprache, damit alle zur göttlichen Einheit, zur Einheit im Geiste gelangen möchten.

Welch einen Gegensatz zu Babel haben wir zu Anfang der Apostelgeschichte, nämlich solche, die einander vollkommen verstehen konnten! „Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen wäre, sondern es war ihnen alles gemein“ (Apg. 4, 32).

Das war Gottes Antwort auf Babel. Es war etwas so Wunderbares, dass keiner wagte, sich ihnen anzuschließen (Apg. 5, 13). Es war gleichsam eine Einheit mit einer feurigen Mauer ringsum sie her (Sach. 2, 5).

Aus Jos. 24, 2 sehen wir, dass zur Zeit Babels noch etwas bis dahin Unbekanntes aufkam, nämlich der Götzendienst. Ich denke, Götzendienst ist ein wesentlicher Zug Babels. Wenn der Mensch seine eigene Herrlichkeit sucht, so öffnet er damit Satan die Tür, sich an Gottes Stelle zu setzen. Wie schrecklich, dass der Mensch dem Ehre erweist und zu dem aufblickt, was in Wahrheit satanisch ist.

Das Wesen dieser Welt besteht einerseits darin, dass sich der Mensch kaiserliche Macht anmaßt und damit die Rechte Christi vergewaltigt, und andererseits ergibt er sich dem Götzendienst.

Unter solchen Umständen sind die Segnungen und das Zeugnis Gottes in Verbindung mit einem herausgerufenen Volke; die Versammlung oder Kirche ist eine herausgerufene Schar.

Im nächsten Kapitel kommen wir daher zu Abram, zu einem, der von Jehova herausgerufen wurde.

 

Kapitel 12

 

Abram ist ein vorbildlicher Sohn Hebers. Die Berufung Gottes machte ihn zu einem Fremdling und Pilger auf Erden. Er maßte sich nicht an, eine Stadt zu bauen, sondern wartete auf eine solche. „Er erwartete die Stadt, welche Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist“ (Heb. 11, 10). Er hatte eine Stadt vor sich, die, im vollkommenen Gegensatz zu Babel, mit Herrlichkeit Gottes erfüllt werden sollte.

Es ist sehr gesegnet, die Eigenart zu sehen, in der Gott ihm erscheint; Stephanus sagt uns als „Gott der Herrlichkeit“ (Apg. 7,2). Diese Herrlichkeit war es, die die Babelwelt in den Schatten stellte und die Ketten des Götzendienstes für ihn zerriss. Kein anderer Mensch verdient unsere Beachtung mehr als Abram, weil er unser Vater ist, der „Vater aller..., die ... glauben“ (Röm. 4, 11).

Der Gott der Herrlichkeit erschien ihm, als er in Mesopotamien war, und sprach: „Gehe aus deinem Lande und aus deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause, in das Land, das ich dir zeigen werde“ (V. 1).

Die Berufung Gottes ist etwas Wunderbares. Eine mächtige, kraftvolle Stimme aus der unsichtbaren Welt erreicht das Herz, und es kommt uns zum Bewusstsein, dass wir es mit Gott zu tun haben. Er fesselt unsere Aufmerksamkeit, lenkt sie von der Erde hinweg und bringt uns in Berührung mit einer Welt, wo göttliche Herrlichkeit wohnt.

Es ist klar, dass ein solcher Ruf Bewegung hervorbringt. So manche Seele empfängt die Vergebung der Sünden und geht nicht weiter als nach Mesopotamien; sie folgt der göttlichen Berufung nicht. Sogar Abram entsprach seiner Berufung nicht sofort. Augenscheinlich tat sein Vater den ersten Schritt und nicht Abram, obwohl der Gott der Herrlichkeit diesem erschienen war und zu ihm geredet hatte; Tarah tat den Schritt und nahm Abram mit sich.

Gott gebraucht manchmal die Umstände der Vorsehung, um uns in der rechten Richtung zu leiten, aber sehr oft werden sie uns dann ein Hindernis. Die Umstände der Vorsehung und natürliche Verwandtschaftsbeziehungen führen uns nie zu dem, was himmlisch ist. Tarah ging nicht über Haran hinaus, und Abram wurde dort aufgehalten bis zum Tode seines Vaters. Er verließ wohl sein Land und seine Verwandtschaft, aber er verließ seines Vaters Haus nicht eher, als bis Gott diesen im Tode hinwegnahm. Wie oft muss Gott in Zucht den Tod auf das bringen, was uns zurückhält, und uns so freimachen, Seiner Berufung zu entsprechen!

Es sei darauf hingewiesen, dass Abram nichts Schlechtes verlassen sollte. Die Welt war in der Tat eine schlechte Welt, sie wurde durch Weltherrschaftsgelüste (in Nimrod) gekennzeichnet, d.h. durch die Anmaßung dessen, was Christo gebührt, und durch Götzendienst und die menschliche Herrlichkeit Babels. Doch Jehova erwähnt nichts davon. Er berief Abram, aus seinem Lande, seiner Freundschaft und seines Vaters Hause zu gehen - d.h. aus dem, worin uns diese Erde in ihrer besten Gestalt entgegentritt - „in das Land, das ich dir zeigen werde“.

Die Berufung Gottes soll uns dazu führen, das eigentliche Teil des Glaubens gänzlich außerhalb der sichtbaren und natürlichen Dinge zu genießen. Sind wir bereit, im Geiste den Schauplatz des Sichtbaren zu verlassen, um ein Teil außerhalb der ganzen Welt des Sichtbaren und Betastbaren zu ererben, das von Natur den Menschen anzieht und fesselt?

Gott ruft Seine Heiligen vom Sichtbaren des Stofflichen hinweg, auf dass Seine Herrlichkeit und Sein Land und Seine Stadt vor ihnen sind. Dr. Hawker (Plymouth) wurde gefragt, ob er sich die Weltausstellung ansehen würde, und er antwortete: Ich habe den König in Seiner Schönheit gesehen und ein weithin offenes Land (Jes. 33, 17). - Das Beste, was die Welt hervorzubringen vermochte, war dort. Doch wer etwas unendlich Herrlicheres gesehen hatte, konnte dadurch nicht angezogen werden.

„Der Gott der Herrlichkeit“ war dem Abram erschienen. Im Neuen Testament wird Er der „Vater der Herrlichkeit“ genannt (Eph. 1, 17). Das besagt, dass Er eine ganze Welt der Herrlichkeit ins Dasein gerufen hat, und durch Gnade beruft Er nun den Menschen, sie zu sehen und darin zu leben, obschon sie noch unsichtbar ist.

Stephanus begann seine Ansprache in Apostelgeschichte 7 damit, dass er von dem Gott der Herrlichkeit redete, und am Ende sah er einen Menschen in der Herrlichkeit. Er wurde zu Tode gesteinigt, aber Saulus setzte sein Zeugnis fort und begann mit dem Lichte der Herrlichkeit und einem Menschen in der Herrlichkeit.

Es war ein Licht, das das prächtigste Licht der Natur in den Schatten stellte, „ein Licht, das den Glanz der Sonne übertraf“ (Apg. 26, 13). Der Prediger Salomo stellt alle die Eitelkeit dessen, was „unter der Sonne“ ist, bloß. Im Hohenlied jedoch kommen wir in Berührung mit dem, was geistlich über der Sonne steht, und zwar in einer Person, die „der Hervorragendste [wörtlich: wie ein erhobenes Banner] unter Zehntausenden“ und „ganz und gar lieblich“ ist (Kap. 5, 10 u. 16).

Das Land, das Jehova vorhatte, Abram zu zeigen, war ein Bild von einem himmlischen Erbe. Und jetzt bietet sich das Himmlische unseren Blicken völlig dar, denn Jesus ist verherrlicht in dem Himmel. Stephanus sah das, was man „die neue Hauptstadt“ genannt hat, etwas weit Größeres als Jerusalem. Und Paulus sah das himmlische Licht und hörte die himmlische Stimme, damit der Sohn Gottes in ihm geoffenbart werde, und er Ihn - den auferstandenen, aufgefahrenen Menschen - als eine frohe Botschaft den Nationen verkündige.

Die Annahme, die Stellung und Verwandtschaft des im Himmel verherrlichten Sohnes Gottes wird jetzt als eine frohe Botschaft der ganzen Welt verkündigt. Gott gedenkt den Menschen nichts Geringeres zu geben, als eine himmlische Segnung in Seinem Sohne und die Sohnschaft einer himmlischen Ordnung gemäß - das ist das Land, das Er uns zeigen möchte, das umfasst die volle Höhe des Evangeliums. Der Sohn Gottes im Himmel wird den Menschen als eine frohe Botschaft verkündigt. Durch die Gnade eines Heiland-Gottes soll ihnen nicht nur Vergebung und Rechtfertigung zuteil werden, Er möchte sie in die Stellung und Verwandtschaft bringen, die in Seinem Sohne, als dem verherrlichten Menschen im Himmel, ihren Ausdruck findet, und den Geist Seines Sohnes in ihre Herzen senden, auf dass darin der Ruf „Abba, Vater!“ als eine freie, glückselige Antwort auf eine solche erstaunliche Liebe hervorgebracht werde.

Das Teil des Glaubens ist in jenem „Land“, und wenn wir in der Glückseligkeit dessen leben, sind wir in Wahrheit „groß“. Die Erbauer von Babel sagten: „machen wir uns einen Namen“, doch Jehova sagte zu dem herausgerufenen Manne: „ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen; und du sollst ein Segen sein!“ (V. 2)

Gott will uns dadurch groß machen, dass Er uns die Größe und Kostbarkeit Christi kennenlernen lässt. Wie könnte es etwas Größeres geben, als die Erkenntnis und den Besitz des Sohnes Gottes im Himmel zu haben, und zu wissen, dass Seine Stellung und Verwandtschaft durch die unendliche Gnade und Liebe des glückseligen Gottes ewig unser Teil ist?

Maria war sich der ihr verliehenen göttlichen Größe bewusst, als sie sagte: „von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter“ (Luk. 1, 48). Ihre Größe beruhte auf der Tatsache, dass Gott sie zu dem begnadigten Gefäße gemacht hatte, Christum zur Welt zu bringen.

Gott macht uns dadurch groß, dass Er Christum brachte und Ihm einen Platz in unseren Herzen gibt und uns erkennen lässt, wie gesegnet wir in Ihm sind. Jeder vom geistlichen Samen Abrahams kann in Wahrheit sagen: „deine Herablassung machte mich groß“ (Ps. 18, 35).

Bei Abram lernen wir einen Grundsatz kennen, nach dem alle Nationen gesegnet werden können. „Die Schrift aber, voraussehend, dass Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen würde, verkündigte dem Abram die gute Botschaft zuvor: ‚in dir werden gesegnet werden alle Nationen‘“ (Gal. 3,8).

In Abram sehen wir den Glauben als ausgesprochenen Grundsatz der Segnung eingeführt, und er ist ein Grundsatz, der für einen jeden, ja für alle Nationen gilt. Glaube ist das Licht Gottes, das Licht von unsichtbaren Dingen, die durch göttliche Gnade in die Seele des Menschen gebracht werden. In Kap. 22, 18 ist die Segnung im Samen Abrams, d.h. in Christo; in Kap. 12, 2 u. 3 aber in Abram, d.h. sie wird, als auf dem Grundsatz des Glaubens gekommen, betrachtet.

Zu Babel wurden die Nationen im Gericht zerstreut, aber der Glaube ist ein Grundsatz, nach dem alle Nationen zur Segnung gebracht werden können. „Also werden die, welche aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet“ (Gal. 3, 9).

Dann ist der Anfang von Vers 3 wichtig: „ich will segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen“. Die Menschen werden durch ihr Verhalten gegen das, was von Gott ist, geprüft. Das können wir in vollkommener Weise in Verbindung mit dem Herrn Selbst sehen. Er war die große Probe, und die Ihn segneten, waren gesegnet.

Dem Grundsatze nach hat das auch seine Anwendung auf die Heiligen, denn wenn sie von Gott gesegnet sind, indem sie Glauben haben, werden sie anderen eine Probe. Das sehen wir in Mat. 25, 40: „insofern ihr es einem der Geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan“. Die Gerechten hatten Seine Brüder gesegnet, und deshalb wurden sie gesegnet.

Tatsächlich wird alles, was von Gott ist, denen eine Probe, die damit in Berührung kommen. Es ist wichtig, dies zu beachten. Wenn Gott das, was aus Ihm ist, den Menschen nahebringt, so segnen oder verfluchen sie es in ihrem Herzen. Wenn Gott Licht über die Wahrheit bringt, so stellt uns das gleicherweise auf die Probe; es wird ein Prüfstein des Zustandes der Seele. Wenn Gott einen Dienst gibt, der von Ihm ist, so werden die, die Gutes davon reden - ihn also segnen - den Segen davon bekommen. Aber die, die übel reden, offenbaren dadurch ihren eigenen Zustand, und dem heiligen Walten Gottes gemäß können sie sogar das verlieren, was sie zuvor hatten. Wir können dies klar bei denen sehen, die das Licht, das in den letzten Tagen der Kirche gegeben worden ist, von sich wiesen und übel davon redeten.

Derselbe Grundsatz findet Anwendung auf das Evangelium: eine wunderbare Botschaft kommt, und die Leute segnen oder verfluchen sie. Jemand sagt: „Das ist es gerade, was meine arme Seele bedarf“, und ein anderer weist es von sich und verachtet es.

Als Abram in das Land kam bis nach Sichem, erschien ihm Jehova. Er empfing nach der Sprache des Neuen Testamentes eine Offenbarung. Der Herr sagt: „Wer meine Gebot hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbar machen“ (Joh. 14, 21).

Die Heiligen sollten über Offenbarungen mehr geübt sein und mehr Verlangen nach ihnen haben; man empfindet es sehr, dass sie nicht genossen, ja von vielen überhaupt nicht erwartet werden. Ich denke, dass jede Offenbarung der Seele ein Verständnis über den Herrn gibt, das sie vorher nicht gehabt hatte; ich glaube nicht, dass irgend etwas anderes uns dieselbe Art persönlicher Erkenntnis Christi geben könnte, wie eine Offenbarung von Ihm. Wahrscheinlich ist es eine der größten Ursachen geistlicher Schwachheit der gegenwärtigen Tage, dass so wenig persönliche Erkenntnis Christi unter denen, die an Ihn geglaubt haben, vorhanden ist.

Es ist eine große Ermutigung zu sehen, dass die Wirkung der ersten Erscheinung bei Abram war, dass er, obwohl er sich eine Zeit lang durch natürliche Einflüsse zurückhalten ließ, der göttlichen Berufung entsprach und wirklich sein Land, seine Verwandtschaft und seines Vaters Haus verließ und in das Land Kanaan ging, d.h. er machte sich die Art der Segnung zu Eigen, die Gott vorhatte, ihm zu geben. Die erste Erscheinung hinterließ bei ihm einen solchen Eindruck, dass sie schließlich alle Einflüsse Mesopotamiens überwand.

Als er dann das Land Kanaan betrat und es durchzog, fand er, „die Kanaaniter waren damals im Lande“ (V. 6). Ein feindliches Volk hatte also das Gebiet der Verheißung inne, was ein Bild der Einflüsse des Bösen ist, die in Wahrheit auf geistliche Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern zurückzuführen sind (Eph. 6, 12), und durch die Satan die Berufenen Gottes zu hindern sucht, in den geistlichen Besitz dessen zu gelangen, was, Gottes Vorsatz der Liebe gemäß, ihr Teil ist.

Angesichts dieser neuen Schwierigkeiten empfängt er eine andere Offenbarung: „Und Jehova erschien dem Abram und sprach: Deinem Samen will ich dieses Land geben“ (V. 7). Auf die erste Offenbarung hin war er ausgezogen, und angesichts einer anderen Form der Macht des Feindes gibt Gott ihm eine andere, um ihn zu ermutigen.

In diesem Zusammenhang dürfte es sehr lehrreich sein, die sieben Begebenheiten zu betrachten, bei denen Paulus Offenbarungen besonderer und segensreicher Art empfing. Wir finden sie in Apg. 9, 3; 18, 9; 22, 18; 23, 11; 1. Kor. 11, 23; 2. Kor. 12, 9 und 2. Tim. 4, 17. Jede dieser Offenbarungen hatte ihre besondere Eigenart und hinterließ einen ganz besonderen Eindruck bei diesem geliebten und geehrten Diener. Eine jede, mit Ausnahme der von 1. Kor. 11, 23, stand in besonderem Zusammenhange mit den Umständen und Übungen, die der Apostel zur Zeit hatte. Bei ihm standen die Erscheinungen und Mitteilungen in Beziehung zu seinem apostolischen Dienste; doch der Herr sagt einem jeden von uns: Du wirst dadurch als einer, der mich liebt, erkannt werden, dass du meine Gebote hast und sie hältst; und wenn du mich liebst, wirst du nach mir verlangen, und wenn du nach mir verlangst, werde ich mich dir offenbar machen. - Der Herr verbirgt Sich nicht vor dem Herzen, das Ihn liebt; das würde Ihm nicht ähnlich sein.

Abram „baute daselbst Jehova, der ihm erschienen war, einen Altar“ (V. 7). Sein Nahen zu Gott und seine Gemeinschaft floss aus der göttlichen Gunst, die er erfahren hatte. Unser Altar muss dem Maße unserer Erkenntnis Gottes entsprechen.

Die Offenbarung Gottes in Seinem Sohne ist jetzt völlig zum Abschluss gekommen und ohne Schranken, aber wir haben das Maß unserer Fähigkeit, sie zu schätzen, wohl zu beachten. Niemand kann über sein Maß hinaus Gott nahen, aber wir sollten sogar, wenn wir an unsere Segnung denken, nach dem Maße der göttlichen Gnade denken lernen, und diese besteht darin, dass wir den Geist, das Priestertum und die Sohnschaft empfangen haben, so dass unser Altar in Wahrheit sehr groß ist und eine erhabene und heilige Natur besitzt. Es ist sehr gesegnet, einen Altar zu bauen. Das deutet darauf hin, dass wir eine Stellung als Priester vor Gott einnehmen und Ihm Seinem Wohlgefallen gemäß dienen.

Es wurde schon oft darauf hingewiesen, dass alle Opfer in 1. Mose Brandopfer sind. Unter den Gläubigen hat man im Allgemeinen mehr vom Leviten als vom Priester gehalten, d.h. man hält im Allgemeinen, den Menschen zu dienen, für größer, als Gott priesterlich zu dienen. Von Aaron heißt es: „um mir den Priesterdienst auszuüben“ (2. Mose 28, 1 u. 4). Sowie wir daran denken, vor Gott einen Platz als Priester einzunehmen, entsteht die Frage, was sich vor Ihm ziemt. Wir sehen sie in der Kleidung des Priesters zum Ausdruck gebracht. Der Priesterdienst kann nicht ohne einen entsprechenden priesterlichen Seelenzustand ausgeübt werden.

Bei Abram gehörten das Zelt und der Altar zusammen. Wenn ich außerhalb kein Pilger bin, so kann ich innerhalb kein Priester sein. Jeder Gläubige hat das Recht, ein Priester zu sein, da er mit Christo verwandt ist. Alle Söhne Aarons hatten ein Anrecht auf das Priestertum, aber sie mussten mit priesterlichen Kleidern angetan und geweiht sein, ehe sie das Priestertum ausüben konnten. 1. Petrus 1 und 2 zeigen uns die geistlichen Eigenschaften, die zu einem heiligen Priestertum erforderlich sind.

Es ist lehrreich zu sehen, dass es in Israel ein Priestertum gab, noch ehe das amtliche Priestertum eingesetzt war. In 2. Mose 19, 22 ist von Priestern die Rede, die solche in sittlicher Hinsicht waren. Aaron war damals noch nicht berufen worden, es war noch kein Wort über die Priesterweihe gesprochen worden, und doch heißt es: „Und auch die Priester, die zu Jehova nahen, sollen sich heiligen“. Da haben wir den dem Priestertum zugrunde liegenden Gedanken. Seine Tätigkeit ist, Gott zu nahen. Nach 1. Pet. 3, 18 hat Christus für Sünden gelitten, „auf dass er uns zu Gott führe“, d.h. um uns eine Stellung als Priester zu geben. Durch die Erbauung des Altars nahm Abram eine priesterliche Stellung vor Gott ein.

Dann heißt es, Abram „rief den Namen Jehovas an“ (V. 8). Das weist auf den Geist der Abhängigkeit hin, in dem man in allem auf Gott geworfen ist, und dies besonders in Seinem Dienste und Zeugnis. Psalm 99, 6 sagt: „Mose und Aaron unter seinen Priestern, und Samuel unter denen, die seinen Namen anrufen, riefen zu Jehova, und er antwortete ihnen“.

Gebet ist der Ausdruck der Schwachheit und Abhängigkeit auf Seiten des Menschen, aber auch des Vertrauens auf Gott. Somit finden wir hier dreierlei, das die kennzeichnet, die im Zeugnis Gottes stehen, und es sollte für uns eine Übung sein, diese Wesenszüge, nämlich des Pilgers, des Priesters und des Gebets, zu wahren.

Es ist auffallend, dass, sowie Abram die Stellung eines Priesters vor Gott einnimmt, Bethel zum ersten Male erwähnt wird, dass da also das Haus Gottes angeführt wird. Die Zeit war noch nicht gekommen, Einzelheiten darüber, was Bethel bedeutete, zu bringen - das haben wir mehr in Jakobs Geschichte -, aber schon damals war es der Ort, wo der Glaube wohnte und anbetete.

Wir sollten mehr daran denken, Gott auf priesterliche Art zu dienen. Wie oft kommen wir zusammen und denken an kaum etwas anderes, als getröstet, erbaut und erfrischt zu werden. Die Hauptsache dagegen ist der Dienst Gottes. Dieserhalb ist es wichtig, nach außen hin die Züge eines Pilgers zu tragen. Wenn wir als Einzelne, nicht als Pilger wandeln, so wird, wenn wir zusammenkommen, nicht viel vom Priestertum zu sehen sein.

Das „Zelt“ erinnert uns auch an einen Haushalt. Wenn junge Gläubige heiraten, kommt mir oft der Gedanke, dass ein weiteres Zelt aufgerichtet wird, und die Übung ist, dass es ein „schönes“ Zelt sei. „Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel!“ (4. Mose 24, 5). Gott verbindet Sein Zeugnis vielfach mit einem Haushalt. Und es ist ein armseliger Haushalt, wo kein Morgen- und Abendopfer ist. Hiob nahm die Stellung eines Priesters vor seinem Hause ein und stellte alles auf den Boden des Brandopfers.

Es ist etwas Großes, die Umgegend Bethels nicht zu verlassen. Abrams Geschichte warnt uns vor dieser Gefahr. Es heißt: „Und Abram zog fort, immer weiter ziehend, nach dem Süden“ (V. 9). Zuerst sucht Satan überhaupt jede Bewegung unsererseits, solange er kann, zu verhindern. Wenn ihm das aber nicht mehr gelingt, so sucht er den Heiligen zu verlocken, zu weit zu gehen. Die Seelen beginnen manchmal mit dem ernsten Verlangen nach geistlichen Gütern, aber weil sie sich selbst nicht richten lernen, so gehen sie über das, was geistlich ist, hinaus und beschäftigen sich mit sich selbst und nicht mit Christo. So kommt dann eine Hungersnot über uns, die uns schließlich nach Ägypten bringt.

Zuerst suchte Satan Abram davon abzuhalten, in das Land einzugehen, und als er dann dort war, bewog er ihn, weiter zu gehen, nach dem Süden, und dann nach Ägypten. Doch das Verlassen Bethels schied Abram von der Stätte der Segnung, und bei dieser Gelegenheit wird die Hungersnot erwähnt.

Im Hause Gottes konnte keine Hungersnot sein, dort ist immer Brot. Der verlorene Sohn wusste, dass sogar die Tagelöhner in jenem Hause „Überfluss an Brot“ hatten (Luk. 15, 17). In späteren Tagen sagte Gott, dass wenn Sein Volk auf Ihn gehört und in Seinen Wegen gewandelt hätte, so würde Er sie „mit dem Fett des Weizens ... gespeist, und mit Honig aus dem Felsen ... gesättigt haben“ (Ps. 81, 16).

Wenn Mangel geistiger Nahrung eintritt, so kannst du sicher sein, dass du dich in falscher Richtung bewegt hast. Es gibt kaum eine bessere Probe dafür, wo du dich aufhältst, als die Nahrungsprobe.

Der Mangel an Speise war eine sehr ernste Sache, weil er die Seelen dahin führt, nach Ägypten hinabzuziehen. Dort gehen die Hungrigen hin. Wenn du dich von geistlicher Speise nährst, brauchst du die Speise der Welt nicht. Aber wenn du jene nicht bekommst, wirst du bald nach dieser verlangen. Wenn du den Mangel empfindest, o so wache auf, damit du siehst, wohin du gehst, und wende dich in die Nähe Bethels zurück. Jeder Schritt in falscher Richtung ist nicht nur verlorene Zeit, sondern bringt dich dahin, das wahre Zeugnis aufzugeben.

In denke, der Herr hat die Umstände und Schwierigkeiten der letzten Jahre dazu benutzt, in Seinen Heiligen mehr einen Pilger- und Priestergeist hervorzubringen. Vielen schweren Prüfungen musste ins Angesicht geschaut, sie mussten hingenommen werden, und Gottes Absicht war dabei, die dreifache Schnur, von der wir gesprochen haben, zu bilden und zu stärken, nämlich den Pilger-, Priester- und Gebetsgeist (Pred. 4, 12). Wahrscheinlich wird es nicht besser, sondern schlimmer werden, und der Herr wird fortfahren, in dieser Weise zu uns zu reden. Wenn dabei dieser Geist nicht zur Reife kommt, so werden wir nach Ägypten zurückkehren.

Die Folge davon, dass wir in jener Richtung gehen, ist, dass wir uns fürchten, unseren wahren geistlichen Beziehungen treu zu sein. Sobald Abram nach Ägypten ging, fürchtete er sich. Schon der Schatten Ägyptens (Jes. 30, 2.3) machte ihm, noch ehe er dahin kam, bange, die Beziehung, in der er zu Sarai stand, zu bekennen. Er dachte nur an sich selbst. Wie sehr ähnelt das dem: „alle suchen das ihrige!“ (Phi. 2, 21) Sein eigentlicher Platz war, Sarai zu beschützen, aber nun war er gesonnen, Sarai preiszugeben, um sich selbst zu schützen!

Abram stellt die Seite der Verantwortlichkeit dar, und in Sarai sehen wir ein Bild der Beziehung der Kirche zu Christo. Abram hätte sehr eifrig darum besorgt sein sollen, dass sie ihrer Beziehung zu ihm treu blieb und sie offen bekannte. Stattdessen war er voll von sich selbst und sagte: „sie werden mich erschlagen und dich leben lassen. Sage doch, du seiest meine Schwester, auf dass es mir wohlgehe um deinetwillen, und meine Seele am Leben bleibe deinethalben“ (V. 12 u. 13). So handelt einer, der das Seinige sucht, und das ist die Wirkung des Schattens Ägyptens.

Du wirst finden, dass wenn du dich auf den Boden der Welt hinabbegibst, wenn du dich mit den Menschen der Welt einsmachst, so wirst du dich sehr scheuen, deine wahre Beziehung zu Christo zu bekennen.

Und die Folge von Verleugnung dieser Beziehung war, dass Sarai in das Haus Pharaos kam. Welch ein Gegensatz zum Hause Gottes! „Und die Fürsten des Pharao sahen sie und priesen sie dem Pharao; und das Weib wurde in das Haus des Pharao geholt“ (V. 15).

Der Weg, von der Welt bewundert zu werden, besteht darin, deine Beziehung zu Christo zu verleugnen. Wenn du Christo untreu bist, wird man dich rühmen. Paulus eiferte um die Korinther mit Gottes Eifer und sagte: „ich habe euch einem Manne verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau dem Christus darzustellen“ (2. Kor. 11, 2).

So hätte es um den Geist Abrams bestellt sein sollen, er sollte danach verlangt haben, dass Sarai nirgendwie ihre wahren Beziehungen verleugne. „Und er tat Abram Gutes um ihretwillen“ (V. 16).

Geradeso erging es der Kirche im Laufe ihrer Geschichte auf Erden, als sie Christo untreu war. Viele sagen: Ihr müsst unter die Welt gehen, und ihr werdet ihr dadurch eine Wohltat erweisen. - Keinesfalls; dann erweisen wir ihr nichts Gutes, sondern bringen nur Plagen über sie! „Und Jehova schlug den Pharao und sein Haus mit großen Plagen“ (V. 17).

Ich glaube, dass über die Welt viele Plagen um der Untreue des Volkes Gottes willen kommen. Wenn die Christen untreu sind, so hat Gott die Welt zu plagen, um Sein Volk aus ihr herauszubringen und sie von ihren Verbindungen mit ihr zu befreien. Untreue kann niemals irgend jemand zum Segen sein, und die Welt lernt uns durchaus nicht dadurch schätzen, dass wir zu ihr hinabgehen.

Das Ganze endete damit, dass Abram und Sarai gleichsam aus Ägypten ausgestoßen wurden. Gar oft geschieht es, dass sich dann, wenn sich Kinder Gottes in die Welt begeben, etwas ereignet, was sie hinaustreibt.

 

Kapitel 13

 

Am Anfang dieses Kapitels sehen wir Abram völlig wiederhergestellt. Er kehrte zum Punkte des Abweichens zurück, „zu dem Orte, wo im Anfang sein Zelt gewesen war“, und „zu der Stätte des Altars, den er zuvor daselbst gemacht hatte“, und „Abram rief daselbst den Namen Jehovas an“ (V. 3 u. 4).

Er kehrte im Bilde zu seinem vollen Vorrechte und seiner Segnung zurück. Gott ist der Gott der Wiederherstellung; Er gibt Seine Gedanken in Bezug auf uns nie auf, und wir bedürfen in der Gnade befestigte Herzen. Wenn Gläubige von dem Pfade und der Freude des Glaubens abkommen, werden sie oft versucht, alles als hoffnungslos aufzugeben, aber durch die unendliche und ganz und gar unverdiente Gunst Gottes steht uns durch Selbstgericht ein Weg zu alledem offen, dessen wir uns vordem erfreuten. Selbst dann, wenn kein äußerliches Abweichen stattgefunden, kommt das Herz oft vom wahren Genuss geistlicher Segnungen ab; aber das braucht nicht anzudauern.

Der Herr sagte zu Petrus: „Ich aber habe für dich gebetet“ (Luk. 22, 32). Wenn es noch recht um uns steht, verwendet Er Sich für uns, damit wir jede erforderliche Gnade und Unterstützung auf dem Pfade des Willens Gottes haben. Wenn wir jedoch in eine verkehrte Stellung oder einen schlechten Zustand kommen, findet Sein priesterliches Eintreten für uns vielleicht eine Antwort in Gottes Züchtigung. Dann können wir in demütigende Verhältnisse kommen, die vielleicht Leiden für andere mit sich bringen, wie es in den Wegen Jehovas mit dem Pharao und dessen Hause geschah. Gott sagt damit gleichsam: Ich muss dich zu deinem Zelt und Altar zurückbringen, und zu dem Geiste der Abhängigkeit.

Gott denkt immer an eine volle Wiederherstellung. Wie weit auch ein Heiliger abgeirrt sein mag, Gott geht nie von Seinen Gedanken hinweg, und Er ist immer wirksam, ihn dahin zurückzubringen. Manchmal haben wir ein Aufleben ohne Wiederherstellung zum Punkte des Abweichens; doch unsere Übung sollte dahin gehen, zur vollen Höhe unserer Berufung und des Vorrechtes zurückzugelangen.

Lot war der Begleiter des Mannes des Glaubens, doch er scheint überhaupt keine Tatkraft des Glaubens für seinen Pfad besessen zu haben. Er ging mit Abram von Mesopotamien nach Kanaan, und von Kanaan nach Ägypten, und dann wieder zurück nach Kanaan. Es gibt viele Lots, die sich an andere halten. Doch das genügt nicht, denn eines Tages wird die Probe kommen.

Als Lot geprüft wurde, erwies er sich als ein Mann, der nach dem äußeren Schein ging. Er war bekehrt, aber er war kein Mann des Glaubens, und sein Aufenthalt in Ägypten hatte eine bedenkliche Wirkung auf ihn ausgeübt, denn als er die Ebene des Jordans sah, wo Sodom lag, war sie in seinen Augen „wie das Land Ägypten“! (V. 10)

Es ist viel leichter, jemand nach Ägypten hinabzuführen, als die Liebe zu dessen Verhältnissen aus dem Herzen zu reißen, wenn sie dort einmal aufgekommen ist. Das war etwas sehr Ernstes im Leben Abrams. Gar mancher Gläubige, der nach Ägypten hinabgezogen ist und nochmals wiederhergestellt wurde, hatte auch andere mit sich genommen, die nie wiederhergestellt wurden. Lot erlebte nie eine wahre geistliche Wiederherstellung. Er hatte nie den Pilgergeist oder die Wesensart eines Priesters, obwohl Gottes Erbarmen sich seiner annahm. Wenn es nicht im Neuen Testament stände, würden wir nie gewusst haben, dass er ein bekehrter Mann war.

Es ist traurig, wenn der Einfluss Ägyptens im Herzen Platz greift. Die Kinder der Heiligen, die in der Zucht und Ermahnung des Herrn auferzogen werden, haben das große Vorrecht, dass der Geschmack für die Dinge Ägyptens nie bei ihnen entwickelt wurde. Infolgedessen haben sie nie von den Erinnerungen an Ägypten zu leiden.

Die Israeliten, die in Ägypten gewesen waren, konnten an das denken, was sie dort gehabt hatten. Sie sprachen: „Wir gedenken der Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, der Gurken und der Melonen und des Lauchs und der Zwiebeln und des Knoblauchs“ (4. Mose 11, 5).

Wenn du einmal die Dinge Ägyptens geschmeckt hast, vergisst du das nie. Und wenn deine Seele in geistlicher Hinsicht zurückgeht, so ist immer die Neigung vorhanden, dich ihnen wieder zuzuwenden.

Ein anderer Umstand bei der Verfehlung Abrams war, dass er Hagar aus Ägypten mitbrachte und sie die Veranlassung zu späteren Schwierigkeiten wurde. Man weiß nie, welche Folgen irgendein Schritt in abschüssiger Richtung haben kann. Wir können daran unser ganzes Leben zu leiden haben, und was noch trauriger ist, andere haben die Folgen mitzutragen.

Dann finden wir die Schwierigkeit des Kleinviehs und der Rinder wegen, und den Streit zwischen den Hirten. Der Reichtum ihres Besitzes wurde nun eine Quelle des Verdrusses, und es gab Streitigkeiten. Es wird dabei erwähnt, „die Kanaaniter und die Perisiter wohnten damals im Lande“ (V.7), um darzutun, wie gefährlich ein Streit in Gegenwart solcher Zuschauer war.

Es gibt Feinde, die zusehen und bereit sind, auf das zu achten, was sich unter dem Volke Gottes zuträgt. Es ist ein schlechtes Zeugnis, wenn unter Knechten Streitigkeiten wahrgenommen werden können. „Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein, lehrfähig, duldsam, der in Sanftmut die Widersacher zurechtweist“ (2. Tim. 2, 24 u. 25).

Streit ist meist mit dem verbunden, was uns gehört, oder von dem wir denken, dass es uns in dieser Welt gehört. Wenn ich einen Platz für mich beanspruche, so führt das höchstwahrscheinlich zu Streit.

Doch Abram hatte ganz und gar keine streitsüchtige Gesinnung. Er sagte: „Lass doch kein Gezänk sein zwischen mir und dir ...; denn wir sind Brüder!“ (V. 8). Er trat dem Streitgeist im Geiste der Selbstverleugnung entgegen. Er bestand auf keinem seiner Rechte. Wenn Lot zur Linken wollte, so wollte er zur Rechten gehen, und wenn Lot das Land zur Rechten vorzog, so wollte er sich nach links wenden. Er klammerte sich an nichts hienieden und überließ alles Gott - welch ein schönes Vorbild!

Sogar von Christo wurde gesagt: „Er wird nicht streiten, noch schreien, noch wird jemand seine Stimme auf den Straßen hören“ (Mat. 12, 19). Er war der erwählte Knecht, der Geliebte, an dem Seine Seele Wohlgefallen gefunden hatte. Er wollte alles den Händen Gottes überlassen und nicht um irgendeinen Platz kämpfen, sondern mit Seinem Dienste fortfahren. Ich denke, in Abram sehen wir etwas vom Geiste Christi.

Alles das wurde eine Prüfung für Lot; und er „hob seine Augen auf und sah die ganze Ebene des Jordan, dass sie ganz bewässert war ..., gleich dem Garten Jehovas, wie das Land Ägypten“ (V. 10). Alles das war seiner Natur nach schön und sehr anziehend. Der „Garten Jehovas“ sagt mir, dass dort alles zu finden war, was in irdischer Hinsicht begehrenswert war. Er konnte sich keinen besseren Platz wünschen.

Zuzeiten stellt uns Satan etwas ihm Ähnliches vor Augen, um uns vom Pfade des Glaubens abzubringen, und viele denken, dass Gott das so gefügt habe, dass es eine wunderbare Anordnung Seiner Vorsehung ist! Sie sagen dann: Ich war darüber geübt, und dann tat sich mir diese Tür auf, und das ist gerade das, was ich brauche!

Die Frage ist: Sehen wir es mit den Augen Lots oder mit denen Abrams an? - In der Ebene des Jordan war alles zu finden, was einen Herdenbesitzer anziehen konnte. Wir können durch Verhältnisse geprüft werden, die sich wie eine vollkommene Fügung Gottes ausnehmen, und doch handelt es sich nur um unsere eigene Wahl. Es gibt nichts Tödlicheres als die Wahl des Geschöpfes. Lot wählte für sich selbst, im Gegensatz zu dem, was der Psalmist sagt: „Er erwählte für uns unser Erbteil“ (Ps. 47, 4).

Lasst Gott die Wahl treffen! Hierzu aber bedürfen wir Glauben. Wenn wir nach dem Anschauen der Augen urteilen, so betrachten wir die Verhältnisse so, wie sie uns erscheinen. Der Glaube aber betrachtet sie, wie Gott sie sieht. Wenn etwas wie von der Vorsehung gefügt erscheint, seien wir vorsichtig!

Es gab nie ein scheinbar größeres Zeichen der Fügung göttlicher Vorsehung, als dass Moses in den Palast Pharaos kam. Und doch wandte er der göttlichen Vorsehung, die ihn dorthin gestellt hatte, den Rücken zu, als sein Glaube zur Reife kam, und er erwählte das Los des Volkes Gottes (Heb. 11, 25 usw.).

Lot hatte ein unklares Urteil, dass er das Land gleich dem Garten Jehovas und zugleich wie das Land Ägypten ansehen konnte. Er schien beide auf dieselbe Stufe zu stellen und ließ sittliche Verhältnisse gänzlich außer Acht. Deshalb fügt der Geist Gottes hinzu: „Und die Leute von Sodom waren böse, und große Sünder vor Jehova“ (V. 13). So sah der Landstrich in Gottes Augen aus. Dem Anschein nach konnte es für Lot und sein Vieh nichts Besseres geben, aber die sittlichen Zustände daselbst waren in Gottes Augen sehr ernst. Wenn Lot darauf geachtet hätte, so würde er einen solchen Ort nicht erwählt haben. Dort wurde der Name Jehovas nicht angerufen. Der sittliche Zustand des Landes hätte Lot eine hinreichende Warnung von Gott sein sollen, sich nicht in dieser Richtung zu bewegen.

Ich denke nicht, dass der Herr Sein Volk ungewarnt lässt, wenn es sich auf einen Pfad des Unheils begibt. Er gibt dann immer ein Warnungszeichen, aber wenn wir es unbeachtet lassen, hat es verderbliche Folgen.

Lot hatte keine Brüder in Sodom. Das war ein anfänglicher Gegensatz zu Abram, der in Hebron wohnte. Hebron bedeutet „Genossenschaft, Gemeinschaft“. Das ist ein schöner Ort. In Sodom können wir keine Gemeinschaft der Heiligen haben.

Suchst du Gemeinschaft? Ein geachteter Diener des Herrn pflegte zu sagen, dass Gemeinschaft besser wie Eigentum sei. Lot dachte an sein Eigentum, aber es ist besser, in Hebron zu wohnen und Gemeinschaft zu haben. Es gibt keine Gemeinschaft wie die der Heiligen. Lot war unglücklich und quälte seine gerechte Seele Tag für Tag (2. Pet. 2, 8). Oh, wie viele von den Kinder Gottes sind in Umständen, wo ihre Seelen Tag für Tag gequält werden!

Dann heißt es: „Und Jehova sprach zu Abram ...: Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Orte, wo du bist, gen Norden und gen Süden und gen Osten und gen Westen! Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deinem Samen auf ewig“ (V. 14 u. 15).

Abram hatte ebenso wie Lot auf etwas zu sehen, aber da handelte es sich um eine ganz andere Art zu sehen! Wie wunderbar durfte sich sein Gesichtskreis erweitern, als Gott ihm sagte: „schaue... gen Norden und gen Süden und gen Osten und gen Westen“! Das gleicht dem, wovon wir in Eph. 3, 18 lesen. Derjenige, der hienieden alles aufgab, empfing hier im Bilde ein himmlisches Teil.

Ich zweifle nicht, dass wir ein klareres Bild des himmlischen Erbes haben würden, wenn uns hienieden mehr ein Geist des Aufgebens kennzeichnete. Im letzten Jahrhundert waren die, die für den Herrn hervortraten, Männer, die Verzicht geleistet hatten. Es waren Männer von Rang und Fähigkeiten, die es in der Welt hätten zu etwas bringen können. Aber in dem Maße, wie sie aufgaben, erweiterte sich ihr geistlicher Besitz außerordentlich.

Es ist etwas Großes, zu verzichten. Du könntest vielleicht etwas in dieser Welt haben, und du gibst es auf, weil das nicht auf Bahnen liegt, die der Geist verfolgt. Aber dann siehst du den ganzen Vorsatz Gottes in Christo. Welch eine Gebietserweiterung ist es, dessen „Breite und Länge und Tiefe und Höhe“ zu erfassen!

Die Namen der Orte am Ende des Kapitels sind voller Bedeutung. Mamre heißt „Lebenskraft, Stärke“, und Hebron „Gemeinschaft“. Sie reden von geistlicher Kraft und einem Kreise, wo Gemeinschaft genossen werden kann. Wir sollten darauf achten, dass wir geistlich in dem erfunden werden, was diesen Namen entspricht.

 

Kapitel 14

 

Dieses Kapitel stellt uns den Mann des Glaubens als den dar, der die Welt überwinden kann. Das ist ein Wesenszug, der Abram im auffälligen Gegensatze zu Lot eigen war.

Ich wüsste nicht, dass wir in der Geschichte Lots auch nur ein einziges Mal sehen, dass er ein Überwinder ist. Er war wirklich ein Heiliger, und der Geist Gottes hat im Neuen Testament von ihm als dem gerechten Lot geredet (2. Pet. 2, 7). Aber er überwand nie, er wurde von einem Einfluss nach dem anderen überwunden. Ägypten hatte einen Platz in seinem Herzen, ferner die „wohlbewässerte Ebene“, weil sie wie Ägypten war, alsdann Sodom und schließlich Zoar. In seinem Herzen machte sich immer ein Einfluss geltend, der nicht von Gott war. Er zeigte nie seine wahren Farben als Heiliger. Sein Name bedeutet „verborgen, geheim, versteckt“ oder „dunkelfarbig“.

Wenn du deine Farben nicht zeigst, wirst du sicherlich einer Verunreinigung mit der Welt zutreiben. Und wenn du das tust, so verlierst du deine Glückseligkeit und alle Kraft, ein Überwinder zu sein.

Es ist sehr ernst, ein Lot zu sein. Es gibt viele verborgene Heilige, die nicht in ihren wahren Farben zum Vorschein kommen. Ein Mann wie Lot wird eine Quelle der Schwachheit und Mühsal. Moab und Ammon waren die Kinder Lots. Er wurde unbewusst der Vater zweier Nationen, die dem Volke Gottes, obwohl mit ihm verwandt, immer feindlich waren. Das ist die Art Frucht, die ein Mann wie Lot hervorbringt.

Im Blick auf das Überwinden kommt es viel darauf an, wo wir leben. Wir haben schon gesehen, wo Abram wohnte. Hier sagt uns der Geist, wo Lot wohnt. Er fügt dem treffenden Bericht über die ganze Sachlage in Vers 12 hinzu: „denn er wohnte in Sodom“. Und im nächsten Verse, gleichsam um den Gegensatz hervorzuheben, sagt Er uns noch einmal, wo Abram wohnte.

Wer in Sodom wohnt, wird in die Trübsale Sodoms hineingezogen. Sodom war ein Ort der Gesetzlosigkeit. Es heißt in Vers 4, sie „empörten ... sich“. In der Welt ist immer Gesetzlosigkeit vorhanden, und das führt in der Regierung Gottes immer zu Trübsal. Lot war kraftlos und fiel in völlige Gefangenschaft. Er hatte persönlich keine Kraft und auch keine Bundesgenossen oder Verbündete. Er wurde einfach hinweggeführt.

Die Wesenszüge, die Abram kennzeichneten, befähigen einen Heiligen, zu überwinden. Aber wenn wir sie nicht gewohnheitsmäßig pflegen, so sind wir, wenn eine Entscheidung herannaht, den Verhältnissen nicht gewachsen. Wir mögen zuzeiten wünschen, Stellung zu nehmen, aber wenn wir den göttlichen Pfad nicht gehen, so haben wir keine göttliche Kraft.

Abram war ein Überwinder. Er überwand die Welt in ihrer feindlichen und auch in ihrer Gunst erweisenden Form. Aber hier sehen wir einen Bruder, der aufgrund seiner Verbindungen angesichts der Macht der Welt hilflos war und nicht standhalten konnte.

Wenn wir nicht als Pilger und Priester unseren Pfad gehen, sind wir in der Stunde der Gefahr hilflos. Zweifellos hätte Lot gern, als die Gefahr nahte, eine andere Stellung eingenommen, doch es war zu spät: er hatte nicht auf dem Pfad eines Pilgers oder Priesters gewandelt, und so war er für einen Pfad des Kampfes unfähig. Wenn du kein Pilger oder Priester bist, kannst du auch kein Soldat sein.

In seinem Hause war nichts, was geeignet war, der schwierigen Lage abzuhelfen. Doch Abram hatte ein gutes Heer, das auch geübt war - alle darin waren für den Kampf tüchtige Männer.

Es ist sehr lehrreich, die Folgen davon zu sehen, dass man am rechten Orte wohnt. Hebron heißt „Genossenschaft“ und deutet auf „Gemeinschaft“ hin; Mamre „Festigkeit“ oder „Kraft, Stärke“; Eskol „Traube (Wein)“ und Aner „Wasserfall“. Diese Namen scheinen von geistlicher Kraft und der Freude und Frische zu reden, die die Folge davon ist, dass man den Segen der Gegenwart des Geistes und der Gemeinschaft genießt. Daraus folgt Kraft für den Kampf, denn der Heilige sollte beides, ein Sohn des Friedens und ein Kriegsmann sein. Alles dies wird zu mächtigen „Bundesgenossen“ - Lot in Sodom hatte keine -, doch mit solchen Verbündeten fehlt es nicht an Kraft zum Überwinden.

Abram empfand keine Zuneigung zum König von Sodom. Es handelte sich für ihn nicht darum, für jemand Partei zu nehmen, sondern einen Bruder zu befreien, der unter die Macht der Welt geraten war, und es ist etwas Großes, imstande zu sein, das zu tun.

Es gibt wirklich so etwas, seinen Bruder zu befreien: Abram kämpfte nicht für seine eigene Freiheit, sondern um Lot zu befreien. Es ist gut, so viel Kraft zu besitzen, einen Bruder zu befreien, der in die Gefangenschaft der Welt geraten ist. Diese Kraft wird nur bei denen gefunden werden, die den Pfad Abrams wandeln, und nicht bei solchen, die in Sodom wohnen.

Der Abram des Neuen Testamentes ist der Apostel Paulus. Er redet zu den Kolossern von dem großen Kampf, den er um sie hatte (Kol. 2, 1). Er sah sie in Gefahr, unter die Macht der Elemente der Welt zu geraten, und er tut alles, was in seiner Macht steht,  sie zu befreien. Das tat er in Kolossä und Galatien. Er hatte einen großen Kampf, die Heiligen von der Welt zu befreien, denn er sah, wie sie in Knechtschaft gerieten, und deshalb griff er zu ihrer Befreiung ein.

Gar mancher Gläubige ist durch die geistliche Kraft eines anderen von den Elementen der Welt befreit worden, als sie ihn überwunden hatte. Wir sollten danach trachten, solche Befreier unserer Brüder zu werden.

Nach dem Siege wurde Abram durch die Welt auf eine andere Weise versucht. Zuerst errang er den Sieg über ihre Feindschaft, und danach, als sie ihn mit ihren Ehren und Gaben versuchte.

Das Anerbieten des Königs von Sodom ist oft tödlicher als offene Feindschaft. Wir alle haben die verführerischen Absichten der Welt zu fürchten, und der Augenblick des Sieges ist da von besonderer Gefahr. Wenn ein geistlicher Sieg errungen wurde, so kommt der Feind oft mit etwas Verlockendem, einer Ehrung oder einer Gabe. Dann haben wir nötig, im Tale Schawe, das ist im Königstale, zu stehen (V. 17). Daselbst begegnen wir immer zuerst dem König von Salem, ehe der König von Sodom an uns herantritt, und was wir von ihm empfangen, stärkt uns, dem König von Sodom gegenüberzutreten.

Das Königstal ist der Platz der Niedrigkeit. Der König von Sodom kommt aber, um etwas aus uns zu machen und uns Gunstbezeigungen zu erweisen. Und dann ist es gut, wenn er uns in diesem Tale findet, denn dort empfangen wir die Unterstützung des Priesters.

Im Königstale ist Einer, der uns zu Sich Selbst ruft und spricht: „ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mat. 11, 29). Am Ende von Matthäus 11 haben wir das Königstal, und die dort sind, sind vor dem König von Sodom sicher. Psalm 131, 1: „Jehova! Nicht hoch ist mein Herz, noch tragen sich hoch meine Augen“, ist das Königstal, der Geist der Niedriggesinntheit und das Bewusstsein davon, dass alles infolge göttlichen Beistandes vollbracht wurde. „Nicht uns, Jehova, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre“ (Ps. 115, 1).

Das ist der Geist des Königtals. Und dort begegnet uns der König von Salem immer vor dem König von Sodom, und Seine Erfrischung und Segnung machen uns alledem überlegen, was der König von Sodom uns anbieten kann.

Es ist voll tiefer Bedeutung, dass Melchisedek Brot und Wein herausbringt. Das ist eine sehr bemerkenswerte Schriftstelle, denn hier wird uns zum ersten Male das Königtum und das Priestertum Christi vorgestellt. Sie ist daher von höchster Wichtigkeit.

Melchisedek ist eine der bedeutendsten Personen im Alten Testament. In ihm sehen wir eine neue Eigenart des Königtums. Wir haben bis jetzt in Nimrod den Empörer-König gehabt, und in diesem Kapitel lesen wir von neun Königen. Aber keiner von ihnen war ein König der Gerechtigkeit oder König des Friedens. Dies leitet eine neue Eigenart des Königtums ein, die die Welt nie zuvor gesehen hatte, und die schließlich in der Welt Oberhand haben wird. Gott will die Welt durch einen derartigen König beherrscht sehen.

Das Brot und der Wein erinnert mich daran, dass wir zuweilen singen:

„Du lässt uns den Segen schmecken

Der Dein Segensweltall füllt.“

Die göttliche Erfrischung der Segnung ist es, die das Weltall füllen wird. Der Segen, der das Segensweltall füllen wird, besteht darin, dass der Wille Gottes völlig von Dem durchgeführt wird, der gesagt hat: „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun“ (Heb. 10, 9.7; Ps. 40, 7 u. 8), so dass nun die Liebe Gottes dargetan und genossen werden kann.

Der Leib in des Herrn Abendmahl redet davon, dass der Wille Gottes durchgeführt ist, und der Kelch davon, dass die Liebe Gottes kundgemacht und genossen wird. Das haben wir hier im Tale des Königs.

In Christo kommen wir zum Willen und zur Liebe Gottes. Er wird beide vor aller Öffentlichkeit kundtun. Die Heiligen aber haben das Erfrischende von beidem insgeheim im Tale des Königs. Das ist ein niedriger Platz in dieser Welt, wo aber Melchisedek gekannt und die Segnung, die das Segensweltall füllen wird, geschmeckt wird. Wenn wir dieses schmecken, kann uns der König von Sodom nicht viel Anziehendes bieten. Dann wollen wir nicht einmal einen Schuhriemen von ihm.

Es gibt nichts Wunderbareres als des Herrn Abendmahl, und gegen nichts hat der Teufel eine tödlichere Feindschaft. Er hat es vielen zu einem Sakrament gemacht, nur zu einem Gedächtnis dessen, was Christus anderen gegenüber getan hat. Er hat die Tiefen all seiner Lieblichkeit und Schönheit zu umwölken gesucht, wonach der Herr darin die Seinigen um Sich schart, und ihnen so Sich Selbst und Seine Liebe und die Liebe Gottes lebendig vor ihre Herzen stellt. Wenn unsere Augen geöffnet wären, zu sehen, was das Abendmahl in den Gedanken des Herrn ist, so würde es uns alle zusammenbringen.

Abram wurde nicht nur gesegnet, sondern Segnung stieg auch zu Gott auf. Sie kam von Gott hernieder und erhob sich wieder zu ihrer Quelle. Der König der Gerechtigkeit brachte Brot und Wein heraus. Doch er war auch ein Priester, und als solcher segnete er Abram und pries Gott, den Höchsten.

Gott, der Höchste, ist ein Titel, der dem Tausendjährigen Reiche angehört. Alles, was mit ihm in Verbindung steht, wird öffentlich unter den Verhältnissen des neuen Bundes der zukünftigen Welt gekannt werden.

Wenn wir die Segnung des Höchsten, der Himmel und Erde besitzt, erlangen, so sind wir unabhängig vom König von Sodom. Und dann wird Gott gepriesen als Der, der den Sieg gegeben. Der Segen kommt zum Menschen hernieder und steigt wieder (im Preise) zu Gott auf.

Das Königstal wird nur zweimal in der Heiligen Schrift erwähnt: hier und in Verbindung mit Absalom. Absalom errichtete dort eine Denksäule. Das ist sehr auffallend (2. Sam. 18, 18). Absalom war ein Empörer und errichtete sich gerade an dieser Stätte ein Denkmal.

Das zeigt, wie der Teufel bemüht ist, alles, was dem Königstale eigen ist, beiseitezusetzen, wie er alle die sittliche Schönheit und Vollkommenheit Christi durch des Menschen Schönheit zu ersetzen sucht. Absalom war ein schöner Mann, doch seine Schönheit diente dazu, die Herzen dem wahren König zu stehlen.

Die Heilige Schrift lässt uns empfinden, dass wir es darin mit Gott zu tun haben, denn alles dies hätte nicht zusammengestellt werden können, außer durch den Geist Gottes. Die Bedeutung jeden Namens ist von göttlicher Belehrung, und der Geist Gottes zieht Seine Schlüsse daraus und sagt uns, dass Melchisedek „König der Gerechtigkeit“ bedeutet, König von Salem aber „König des Friedens“ (Heb. 7, 2).

In Melchisedek tritt uns die besondere und einzigartige Größe Christi entgegen. Christus ist Priester, weil Er der Sohn Gottes ist. Im Priestertum nach der Ordnung Aarons hing jedes Glied der Kette von seinem Vorgänger ab. Hier jedoch war einer, der in seiner persönlichen Würde allein dastand, kraft dessen, was er war. Das Priestertum Aarons wurde lange danach eingesetzt, doch in Verbindung mit ihm haben wir einen Gedanken, der in Verbindung mit Melchisedek nicht zu sehen ist. Aaron hatte Söhne, Melchisedek stand allein da - er war ein Bild der einzigartigen Herrlichkeit des Priestertums, das Christo allein zukommt. Doch bei Aaron tritt uns ein sehr kostbarer Gedanke entgegen: er hat Brüder, „sowohl der, welcher heiligt, als auch die, welche geheiligt werden, sind alle von einem (Heb. 2, 11).

Es ist etwas Gesegnetes, ein wahres Bewusstsein der Größe des Sohnes Gottes zu haben. Wir überwinden die Welt, weil wir von ihr unabhängig gemacht sind. In Johannes 2 greift der Herr ein, als alles versagte, und verwandelte das Wasser in Wein. Sein Dienst verschafft den Menschen göttliche Freude. Er vermag das Beste, was die Natur bietet, durch das, was Er gibt, in den Schatten zu stellen. Melchisedeks Brot und Wein waren weit besser, als irgend etwas, was Sodom bieten konnte.

Und am Ende von Johannes 2 sehen wir Ihn als Priester Gott dienen, indem Er für die Heiligkeit Seines Hauses eintritt: „Der Eifer um dein Haus verzehrt mich“ (Joh. 2, 17). Er reinigt den Tempel und hält alles der Heiligkeit Gottes gemäß aufrecht. Er dient den Menschen und Gott. Diese Person liebt gegenwärtig einen jeden von uns mit einer persönlichen Liebe, und wir sind mit Ihr durch ewige Bande verbunden. Er ist Der, der uns mehr fesselt als irgendein anderer. Er ist uns nahe, und wenn wir nur im Königstale bleiben, so wird Er uns da begegnen und uns göttliche Erfrischung zuteil werden lassen.

Nach dem Evangelium des Lukas wurde Er als ein Priester, der Sein Volk segnete, in den Himmel hinaufgetragen. Alles ist in Ihm für den Menschen und für Gott gesichert. Lukas ist das priesterliche Evangelium. Der Schlüssel seiner Eigenart hängt, wie gewöhnlich bei den Büchern der Bibel, gleichsam an seiner Tür. Seine ersten Worte sind: „es war ... ein gewisser Priester“ (Luk. 1, 5).

In Lukas kommt die Segnung in priesterlicher Gnade zu den Menschen, und auf diese Weise wird alles für Gott gesichert. Lukas beginnt mit einem leeren Tempel und einem stummen Priester - einem Menschen, der Gott gegenüber schweigen musste und nicht imstande war, Sein Lob auszusprechen. Aber sein Evangelium endet mit einer Schar, die so voll Lobes ist, dass die Höfe des Tempels davon widerhallen.

„Und Abram gab ihm den Zehnten von allem“ (V. 20). Damit erkannte er an, was Gott in Verbindung mit dem gebührte, was Seiner Vorsehung nach hienieden in unsere Hand kommt, und wir sehen ferner, dass die Siege des Glaubens dem Priesterlichen dienen.

Wenn wir den Segen dessen genössen, was uns in diesen Versen vorgestellt wird, so würden die Dinge Sodoms keinen Reiz für uns haben. Abram wies sie alle von sich, „vom Faden bis zum Schuhriemen“. Da sehen wir einen Überwinder der Welt. Er sagt gleichsam: Du kannst nicht im Geringsten zu meinem Reichtum oder meiner Glückseligkeit beitragen.

Er tat ein feierliches Gelübde, nichts von der Welt zu nehmen, und Gott war erfreut, zu ihm kommen und sagen zu können: „Fürchte dich nicht, Abram; ich bin dir ein Schild, dein sehr großer Lohn“ (Kap. 15, 1). Das heißt: Ich will dein Lohn sein; du hast die Welt von dir gewiesen, und nun sollst du mich haben.

Dieses Kapitel ist höchst lehrreich und sollte uns zur Übung gereichen, insofern es uns zeigt, was uns befähigt, die Welt zu überwinden.

 

Kapitel 15

 

Wir haben gesehen, wie der Mann des Glaubens, dessen Stärke im Gebet liegt, seine Eigenart als Pilger und Priester in Absonderung von der Welt wahrt, zu Hebron wohnt - d.h. ihm wird die Unterstützung der Gemeinschaft zuteil - und den Sieg über die Welt erringt, während Lot unter ihre Macht gerät. Er, der Überwinder, empfängt dann den Segen des Priesters; er begegnet Melchisedek, einem wunderbaren Bilde des Königtums und Priestertums Christi, und im Genuss der Segnung, die bald Gottes Segensweltall füllt, weigert er sich, irgend etwas, „vom Faden bis zum Schuhriemen“, von dem König von Sodom zu nehmen.

Darin zeigt sich die glückliche Überlegenheit des Glaubens. Und als Abram nichts von der Welt annehmen wollte, wurde er reich entschädigt, denn Jehova wurde sein Schild und sein sehr großer Lohn.

Es handelte sich nicht darum, was Gott ihm geben wollte, sondern was Gott Selbst ihm sein wollte. Das erinnert mich an Johannes 4, wo Gott selbst das Teil des Glaubens ist. Dort stellt der Herr vor, dass der gebende Gott gekannt werden sollte. Und wenn wir über die Art Seines Gebens nachdenken, so erkennen wir, dass Er in der Gabe Seines Sohnes und Seines Geistes in Wahrheit Sich Selbst gab.

Seine Gaben sind nicht solche, die in Entfernung vom Geber genossen werden können, denn Er Selbst, als im Sohne durch den Geist gekannt, ist es, der das Teil und die Freude des Gläubigen wird. Er gibt nicht einfach etwas von Sich weg, und deshalb ist die Erkenntnis Gottes der kostbarste und segensreichste Gewinn. Petrus sagt uns, dass uns durch die Erkenntnis Gottes alles geschenkt ist. Er ist die große Verheißung von allem (2. Pet. 1, 3).

Ein Schild ist ein Schutz gegen feindliche Mächte, aber der Lohn ist für den, der Gott kennt, das, was Gott Selbst ist. Wir brauchen den Schild, wir können ohne ihn den Lohn angesichts der Macht des Bösen nicht genießen. Doch hinter dem Schild genießen wir Gott Selbst.

Um Ihn zu kennen, müssen wir Seine Natur kennen, und diese ist Liebe. Seine Eigenschaften sind der Schutz Seiner Natur, aber Seine Natur ist Er Selbst. Wenn Gottes allmächtige Liebe nahe ist, wie kann dann Seinem Volke etwas mangeln, was ihnen gut ist?

Ich denke, das Bewusstsein dessen, wie Gott Sich Abram gegenüber verhielt, ermutigte diesen, das zu sagen, was, des wahren Samens halber, und damit das Erbe nicht auf Fremde überging, auf seinem Herzen war. „Ich gehe ... kinderlos dahin“, soll in Wirklichkeit heißen, „ich scheide kinderlos ab“ (V. 2).

Um die Verheißungen zu ererben, muss ein wahrer Samen des Glaubens vorhanden sein. Hier ist der Same nicht Christus persönlich, wie in Kap. 22, 17 u. 18, sondern ein unzählbarer Same wie die Sterne des Himmels, also ein himmlischer Same des Glaubens. Wir sehen daher Abram hier in seiner Eigenschaft als „großer Vater“, als Haupt der Familie des Glaubens. Galater 3, 7 sagt uns: „die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Söhne“. Hier sehen wir die Herzensübungen, die er als der „große Vater“ hatte.

Das ist sehr wichtig, weil die Verheißungen, was den Genuss in Kraft und Glückseligkeit anlangt,  nicht zustande kommen könnten, wenn kein Same da wäre, sie zu ererben. Was auch die Verheißungen sein mochten, ihre Kraft und Segnung würde hinfällig, wenn kein rechter Same, sie zu ererben, da wäre.

Das verleiht den Übungen Abrams und den Begebenheiten und Unterweisungen dieses Kapitels eine besondere Eigenart. Späterhin wird er Abraham, d.h. „Vater einer Menge“ (Kap. 17, 5), was auf den großen Umfang des Segens, der durch den Glauben kommt, hinweist. Doch hier handelt es sich um einen wahren Samen, der ihn beerben konnte.

Ich denke, wir können sagen, dass Paulus in Timotheus einen wahren Samen hinterließ, ein wahres Kind im Glauben, so dass das Geschlecht erhalten blieb.

Hier ist von Sternen die Rede (V. 5), in Kap. 13, 16 dagegen vom Staube der Erde. In Kapitel 13 ist, soviel ich sehe, von dem Samen die Rede, der in der zukünftigen Welt die Erde ererben wird. Die Sterne dagegen sind ein Bild vom himmlischen Samen. Es wird nicht nur einen Samen wir der Staub der Erde geben, sondern einen himmlischen Samen, der wie die Sterne unzählbar ist. Es wird ein wahrer Same da sein, die Verheißungen zu ererben. Jehova gelobt, dass ein Same für das Erbe bewahrt werden soll.

Wenn Gott das nicht getan, so bestände keine Gewissheit darüber, dass die Linie des Glaubens erhalten werden würde. Petrus wendet sich an die, die mit den Aposteln einen gleich kostbaren Glauben empfangen hatten, und sagt, dass dies „durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und Heilandes Jesu Christi“ geschehen sei (2. Pet. 1, 1).

Es ist für Gott eine Angelegenheit der Gerechtigkeit, jenen heiligen Samen zu bewahren, wo das Erbe angetreten wird. Gegenwärtig geschieht dies im himmlischen Samen, doch derselbe Grundsatz des Glaubens, der jetzt Heilige zur himmlischen Segnung bringt, wird sie an einem anderen Tage zur irdischen Segnung führen.

Abram ist der „große Vater“ des irdischen Samens, der die irdische Segnung empfängt, und auch des himmlischen Samens für die himmlische Segnung.

Dann ist sehr wichtig zu sehen, dass sowie der Same des Glaubens vor unser Auge tritt, uns auch der Grundsatz klar vorgestellt wird, auf dem er Gerechtigkeit erlangt. Solche hätten keinen Anteil am göttlichen Erbe haben können, wenn sie keine Gerechtigkeit gehabt hätten. Und hier sehen wir den großen Grundsatz, auf dem sie ihnen zugerechnet wird. „Und er glaubte Jehova; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit“ (V. 6). Es gibt keinen wichtigeren Grundsatz als diesen.

Den Menschen mag das ein törichter Grundsatz scheinen, doch es ist Gottes Grundsatz. Die Menschen spotten darüber, auf eine solche Weise Gerechtigkeit zu erlangen, aber trotz alledem ist es der Weg, auf dem der ganze Same Gerechtigkeit erlangt. Ein Mensch glaubt Gott, und Gott rechnet es ihm zur Gerechtigkeit. Ein solcher hat seinen rechten Platz vor Gott als ein schuldiger Sünder eingenommen und hat Gott Seinen wahren Platz als Rechtfertiger gegeben. Er steht nun wirklich in rechten Beziehungen zu Gott, aber nicht durch irgendwelche eigenen Werke, sondern durch Glauben.

Seine Seele ist, ihren wahren Zustand und ihre Not erkennend, in Berührung mit dem gekommen, was Gott in der Glückseligkeit vollkommener Gnade ist, die den Gottlosen aufgrund der Erlösung rechtfertigt. Er hat es mit Gott zu tun, er glaubt Gott, der Jesum unserer Übertretungen wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt hat (Röm. 4, 25). Sein Glaube wird ihm als Gerechtigkeit zugerechnet.

Die Schwierigkeit bei vielen ist, dass sie nie ihre Ungerechtigkeit in der Gegenwart Gottes gelernt haben und sich bemühen, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten. Was wir hier finden, ist jedoch, wie Gott dem Menschen Gerechtigkeit bringt.

Abram hatte nur das schlichte Wort Gottes, nur die fünf Worte: „Also wird dein Same sein!“ (V. 5) Wir dagegen haben weit mehr: Gott redet zu uns von dem wunderbaren Werke am Kreuze und von der wunderbaren Person Dessen, der dieses Werk vollbrachte, und davon, dass Er Ihn aus den Toten auferweckte. Wir haben allen Grund, Gott zu glauben!

Das Evangelium gelangt zu jeder Seele, die es als ein Wort unmittelbar von Gott vernimmt. Auf diesem Grundsatze wird der ganze Same des Glaubens gerechtfertigt und hat Gerechtigkeit, und dies nicht aus Werken, sondern aus Glauben.

Das Erste, was Gott Adam und Eva als gefallenen Sündern gab, war, ihnen dem Bilde nach Gerechtigkeit zu geben: Er kleidete sie mit Fellen.

Allein ein Volk, das die Gerechtigkeit des Glaubens besaß, konnte erben. Wir haben Gerechtigkeit im Blick darauf, dass wir den Geist haben. Es ist sehr lehrreich zu sehen, dass sobald vom Samen des Glaubens die Rede ist, auch der Grundsatz klar ausgesprochen wird, nach welchem ihm Gerechtigkeit zugerechnet wird.

Dann erhebt Abram eine andere Frage: „woran soll ich erkennen...?“ Es wird eine Übung, wie Gott das alles zustande bringt. Und Gott erschließt einen Weg, auf dem das Erbe kommen wird und besessen werden wird. Beides kommt aufgrund des Todes Christi zustande, und damit die Erben sich im Einklange mit jenem Tode befinden, haben sie notwendig, durch Zucht zu gehen.

Vers 12 zeigt die tiefe Übung, die auf Seiten des Menschen erforderlich ist: Wenn der Tod Christi nicht wäre, würde ich von jeder Segnung ausgeschlossen sein und unter dem Zorne Gottes stehen. Jede Seele, die das erfasst, muss darüber sehr geübt werden.

Es gibt keinen Heiligen, der nicht durch etwas Übung gegangen ist, und das Ziel ist dabei, uns in Einklang mit dem Tode Christi zu bringen, damit wir in sittlicher Hinsicht für das Erbe passend werden. Gott will uns in unserer Gesinnung in Übereinstimmung mit dem Tode Christi bringen, und wenn Er dieses noch nicht bei uns erreicht hat, ist Er auch noch nicht mit uns fertig. Manche kommen erst auf dem Sterbebette dahin.

Gott als ein rauchender Ofen und eine Feuerflamme - der den Bund schließende Gott - schreitet durch die geteilte Opferstücke, als ob Er damit sagen wollte: Das ist mein Weg.

Abram hatte gefragt: „woran soll ich erkennen...?“ Gott antwortet gleichsam: An diesem Wege, am Tode Christi; und der ganze Same muss in Übereinstimmung mit meinem Wege gebracht werden.

Vers 9 und 10 enthält offenbar eine Darstellung des Todes Christi. Alles sollte aufgrund dieses Todes zustande kommen. Gott wird alle Seine Verheißungen erfüllen und das Erbteil des Glaubens aufgrund dieses kostbaren Todes herbeiführen.

Das geschah nicht durch irgend etwas Gutes oder irgendwelche Werke auf Seiten Abrams oder des Samens, aber ohne tiefe Übungen auf ihrer Seite wird es nicht zustande kommen. Denn es ist nötig, dass Gott Sein Volk züchtigt und sie durch den Feuerofen führt, damit sie in Übereinstimmung mit dem gebracht werden, was die Grundlage ihrer Segnung ist, nämlich der Tod Christi.

Hebräer 12 steht im Einklang mit diesem Kapitel. Der letzte Vers davon mag eine Anspielung auf das sein, was wir hier haben. Daselbst heißt es, dass unser Gott ein verzehrendes Feuer ist.

Der Tod Christi wird im Bilde als der Weg betrachtet, auf dem Gott Seinen Bund durchführt, Seine Verheißungen erfüllt und die Erben in das Erbteil einführt.

Wenn Gott das aber nur durch den Tod tun kann, so hat der Glaube durch tiefe Übungen zu gehen, um die Notwendigkeit dessen in sich aufzunehmen. Deshalb fiel ein Schrecken und eine große Finsternis auf Abram, und er lernte darin die tiefe Übung kennen, durch die allein das Erbe besessen werden konnte.

Die sich herabstürzenden Raubvögel zeigen das Bemühen des Teufels, der Bedeutung des Todes Christi Abbruch zu tun. Er sucht uns ihn immer auf die eine oder andere Weise zu rauben. Der Glaube treibt ihn fort. Du darfst nicht zugeben, dass deiner Seele die Bedeutung des Todes Christ geraubt werde.

In diesen Tagen - es sind schreckliche Tage - finden wir Leute auf sogenannten christlichen Kanzeln, die anstatt über all ihren Stolz Verachtung auszuschütten, wie ein altes Lied sagt, Verachtung über den Tod Christi dadurch ausgießen, dass sie dessen wahre Bedeutung und seinen Wert gänzlich wegnehmen. Diese sind Raubvögel, und der Mann des Glaubens muss deshalb allezeit wachen und sie hinwegscheuchen.

Gott sagt dem Abram alles, wohindurch der Same zu gehen hat. Sie sollten 400 Jahre Knechtschaft erleben. Keiner von uns würde wissen, was Freiheit ist, wenn er keine Knechtschaft kennengelernt hätte.

In den Übungen des Volkes Gottes in Ägypten wird uns die Knechtschaft der Sünde, der Welt und Satans dargestellt, und was das bedeutet, hat der ganze Same irgendwie zu lernen, damit er Gottes Errettung und Befreiung schätzen lernt. Er muss auch lernen, wie die Welt und das Fleisch allem, was von Gott ist, entgegen ist, und welchen Schwierigkeiten wir in dieser Hinsicht ins Auge zu schauen haben. Und außerdem haben wir noch die Trübsale und den Kummer, die einer seufzenden Schöpfung angehören.

Doch Gott dient das alles zur Läuterung des Samens des Glaubens. Die Schrift enthält viele Hinweise auf die Läuterungsverfahren, denen Gott Sein Volk aussetzt. Er sagt in Jes. 48, 10; „ich habe dich auserwählt im Schmelzofen des Elends“ (andere Lesart). Gott wird hier als ein rauchender Ofen, als ein Läuterer Seines Volkes gesehen, und Er läutert der Heiligkeit gemäß, die im Tode Christi offenbar wurde.

Was Er am Kreuze richtete, davon muss Er Sein Volk im Schmelztiegel läutern, damit nichts bleibt, was unpassend für das Erbe ist. Hebräer 12 zeigt die Notwendigkeit der Zucht, damit die Söhne der Heiligkeit Gottes teilhaftig werden. Wenn Gott die Erben nur durch den Tod Christi in den Besitz des Erbes bringen konnte, so musste der Same jenem Tod entsprechend gestaltet werden. Und das ist das Geheimnis der Übungen, durch die Gott Sein Volk führt.

Die Feuerflamme redet dann davon, dass Gott Sein Volk leitet, obschon Er es prüft; Er lässt Sein Volk, was Seine Leitung und ihren Pfad anlangt, nie im Stiche. „Den Aufrichtigen geht Licht auf in der Finsternis“ (Ps. 112, 4). Gott handelt mit uns nur als mit Söhnen (Hebr. 12, 7) und lässt uns wissen, was Sein Ziel auf Seinen Wegen mit uns ist. Wir gehen durch sie im Lichte Seiner erkannten Liebe und des Vorsatzes Seiner Liebe.

Ein Mensch nimmt es bei seinem Sohne ernst, weil er ihn für das Erbe passend sehen möchte, das er einmal anzutreten hat. Seine ganze Erziehung geschieht im Blick darauf. Und so verfährt auch Gott bei Seinem Volke, im Blick auf das Erbe.

Mal. 3, 3 und 4 ist sehr schön, dort heißt es: „Und er wird sitzen und das Silber schmelzen und reinigen; und er wird die Kinder Levi reinigen und sie läutern, wie das Gold und wie das Silber, so dass sie Opfergaben dem Jehova darbringen werden in Gerechtigkeit. Dann wird die Opfergabe Judas und Jerusalems Jehova angenehm sein, wie in den Tagen vor alters und wie in den Jahren der Vorzeit“. Da sehen wir den eigentlichen Samen.

In Sach. 13, 9 sagt Gott: „Und ich werde den dritten Teil in das Feuer bringen, und ich werde sie läutern, wie man das Silber läutert, und sie prüfen, wie man das Gold prüft. Es wird meinen Namen anrufen, und ich werde ihm antworten; ich werde sagen: Es ist mein Volk; und es wird sagen: Jehova ist mein Gott“. Dann ist der Same in sittlicher Hinsicht für das Erbe passend, und das ist die Folge seiner Läuterung im Schmelzofen.

Am Ende des Kapitels wird Abram im Blick auf das Erbe eine große Gebietserweiterung zuteil. Gott hatte ihm zuvor gesagt: „das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deinem Samen auf ewig“ (Kap. 13, 15). Abram hatte jedoch dessen Größe nicht gesehen. Hier in Vers 18 ist es das Land, „vom Strome Ägyptens bis an den großen Strom, den Strom Phrath“.

Die Zucht, die für das Erbe passend macht, sichert uns eine große Gebietserweiterung desselben. Ich darf wohl annehmen, dass du Leute kennengelernt hast, die im Schmelzofen waren und dessen Hitze fühlten, die aber danach sagen konnten: Ich möchte um keinen Preis ohne diese Erfahrungen sein. Sie haben dadurch etwas erlangt, was dem Ende unseres Kapitels entspricht, einen weit größeren Überblick über das Erbe.

Außerdem gibt die Züchtigung noch „die friedsame Frucht der Gerechtigkeit“ (Heb. 12, 11). Die Folge ist ein Volk, das in Gerechtigkeit wandelt, so dass es sittlich für das Erbe passend ist. Es ist dadurch der Heiligkeit Gottes teilhaftig geworden (Heb. 12, 10).

Philipper 3 zeigt uns einen Mann, der im Schmelzofen gewesen und geläutert worden ist. Seine Freude ist in Christo Jesu (V. 3). Vor ihm steht der „Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christo Jesu“ (V. 14). Da sehen wir, wie weithin sich das Erbe erstreckt.

 

 

Kapitel 16

 

Wenn Abram die Unterweisung des Kapitels 15 wirklich in sich aufgenommen hätte, so wäre er vor dem Wege bewahrt worden, den er in diesem Kapitel einschlug. In Kapitel 15 war ihm gelehrt worden, dass Gott die Quelle von allem war, Er hatte gesagt: „ich bin dir ein Schild, dein sehr großer Lohn“ (V. 1).

Gott hatte ihm im Bilde gezeigt, dass der wahre Same ein himmlischer sein würde, indem er seinen Blick gen Himmel richtete, hatte Er gesagt: „Also wird dein Same sein!“ (V. 5). Das hätte Abram jeden Gedanken nehmen sollen, dass ein Same nach dem Fleische die Verheißungen ererben könnte. Gott hatte ihm auch im Bilde gezeigt, dass Er das Erbe sichern, und dass es der Same aufgrund des Todes Christi besitzen werde. Auch das setzt den Menschen beiseite. Nun kam die Probe, inwieweit das Licht in seiner Seele gewirkt hatte.

In diesem Kapitel wird betont, wie wichtig es ist, die rechte Art Mutter zu haben. Das vorhergehende Kapitel zeigt die Übung des „großen Vaters“ des wahren Samens halber. Doch in diesem Kapitel kommen wir zu den Übungen über die rechtartige Mutter.

Der Apostel wendet uns gegenüber diesen Gedanken im Briefe an die Galater an. Er zeigt, dass Hagar im Bilde das Gesetz darstellt, sie ist eine Magd. Die Erben - der wahre Same - müssen freigeboren sein. Hagar bedeutet „Flucht“. Sie stellt eine Ordnung dar, die verschwinden muss, die nicht zu dem führt, was zum Wohlgefallen Gottes ist. „Stoße hinaus die Magd“ (Gal. 4, 30); „er nimmt das Erste weg, auf dass er das Zweite aufrichte“ (Heb. 10, 9). Christus hat die ganze Ordnung, von der Hagar ein Bild ist, abgeschafft.

In diesem Kapitel werden deutliche Schritte unternommen, den Samen auf einem falschen Wege zu erlangen, nicht von der rechtartigen Mutter. Zugleich können wir auch sehen, dass dies eine Frucht der Verfehlung Abrams in Kapitel 12 war: er hatte eine ägyptische Magd in seinem Haushalt.

Wenn einmal etwas von der Welt Eingang bei uns gefunden, so ist es nicht leicht, davon frei zu werden, und wir laufen immer Gefahr, angesichts von Schwierigkeiten darauf zurückzukommen, um das, wonach wir verlangen, zustande zu bringen.

Nach Gottes Gedanken sollte der Same freigeboren sein. Ihm Angehörende konnten nicht Kinder einer Magd sein, sie mussten von einer geeigneten Mutter empfangen, geboren und unter deren Einfluss, d.h. unter himmlischer Gnade, auferzogen sein. Der wahre Same musste in der vollkommenen Freiheit der Gnade stehen. Keine Ägypterin, keine Magd, konnte Söhne in der Freiheit himmlischer Gnade auferziehen.

„Hagar ist der Berg Sinai in Arabien, entspricht aber dem jetzigen Jerusalem, denn sie ist mit ihren Kinder in Knechtschaft“ (Gal. 4, 25). Was von der Welt, was gesetzlich ist, und was zur Knechtschaft gebiert, gehört alles zusammen.

Die Welt im Galaterbrief ist die Welt in religiöser Hinsicht, und nicht in ihrer unheiligen und gottlosen Gestalt, sondern eine Welt, die Religiosität und Gesetzlichkeit kennzeichnen. Alles das aber läuft auf Knechtschaft hinaus. Die Abkehr der Galater ist genau das, was Gott uns im Bilde in 1. Mose 16 sehen lässt. Es ist der Versuch, auf weltlichem und gesetzlichem Wege Erben der Gunst und Segnung Gottes zu erlangen. Es ist der Versuch, so etwas dem Fleische nach zustande zu bringen. Es ist die Linie Hagars, nicht die der Gnade oder des Glaubens.

Der Wille Gottes ist, einen Samen in der Freiheit himmlischer Gnade, d.h. wahre Kinder des Jerusalems droben zu haben. Wir sollten alle über die Notwendigkeit einer guten Mutter geübt sein. Eine Magd kann nie einen freien Sohn haben. Das jetzige Jerusalem ist mit ihren Kinder in Knechtschaft.

Der Grundsatz, den Hagar darstellt, ist, dass etwas in Verbindung mit dem Menschen nach dem Fleische zustande gebracht werden kann, was nach dem Wohlgefallen Gottes ist. Darin haben wir den Gedanken, dass das Fleisch wohlerzogen und geschult, schließlich die Verheißungen ererben kann.

Es ist auffallend, dass Abram auf einen solchen Pfad geraten konnte. Das lehrt uns, wozu ein wahrer Gläubiger alles fähig ist. Es zeigt, wie bald der Gedanken Wurzel fasst, etwas mittels des Fleisches zu erreichen.

Die Galater waren wahre Gläubige, sie hatten den Geist. Und doch stellten sie sich unter das Gesetz und ließen sich beschneiden, um des Ansehens im Fleische Willen. Denken wir an die Kinder Israel! Alle ihre Übungen in Ägypten und während der ersten Tage der Wüstenreise sollten ihnen lehren, dass Gnade die einzige Quelle der Segnung war. Am Roten Meere und in den ersten Wüstentagen danach handelte Gott auf allen Seinen Wegen mit ihnen in Gnade. Er zeigte ihnen deutlich, dass sie auf dem Wege der Gnade zur Segnung gelangen sollten; und doch, wie bereit waren sie, sich von diesem Wege abzuwenden und Verantwortlichkeit im Fleische auf sich zu nehmen.

Der Stolz des Menschen achtet die Gnade gering. Das Wesen des Gesetzes gibt jenem Stolze Raum, und das tritt uns in Hagar entgegen. Die Mutter stellt eine Ordnung dar, unter der man auferzogen wird. Wahre Gläubige können sehr leicht unter den Einfluss einer unrechten Mutter kommen. Etwas vom Fleische zu benutzen, macht etwas aus mir. Aber das alles führt am Ende zur Knechtschaft. Irgendetwas, was ich mit mir selbst verbinden und dessen ich mich dem Fleische nach rühmen kann, ist ein bisschen Ismael.

Sarai war ein freigeborenes Weib, und alles, was der Verheißung nach ist,  muss freigeboren sein. Der Same muss in der Freiheit himmlischer Gnade stehen. Die gesetzliche Ordnung hat nie einen Samen empfangen oder gebären oder auferziehen können, der die Verheißungen ererben konnte.

Es gibt uns also dieses Kapitel ein Bild vom Kommen des Gesetzes und davon, dass alles auf den Boden dessen gestellt wird, was der Mensch im Fleische vor Gott sein konnte. Es zeigt uns die Unmöglichkeit, dass der Same dem Fleische nach kommen konnte.

Kapitel 15 hätte Abram lehren sollen, dass alles von Gottes Seite kommen, und dass Gerechtigkeit auf dem Grundsatz des Todes bestehen musste, denn der Tod setzt in Wahrheit alles beiseite, was der Mensch im Fleische ist. Aber das zu lernen, ist eine schwere Aufgabe für den Menschen.

Wenn wir unter den Einfluss des Jerusalems droben kommen, so machen wir viel aus Gott. Wir verherrlichen Seine Gnade und denken nicht an uns selbst, außer als Gegenstände der Gnade. Könntest du den Herrn Jesum Christum, den verherrlichten Menschen im Himmel, verbessern? Könntest du Ihm etwas hinzufügen? Gott wünscht, dass du dich in dem Bewusstsein dessen nährst, dass dir alles, was uns in dem verherrlichten Menschen im Himmel erstrahlt, die Gnade kundtut, die für dich da ist. Er ist der Maßstab der wahren Gnade Gottes, und in dem Maße, wie du dies erfasst, bist du in Freiheit und wirst von der Knechtschaft frei. Die ganze Ordnung himmlischer Gnade erfüllt Christus, der Sohn Gottes.

Hagar entspricht dem Jerusalem unten, es ist mit seinen Kindern in Knechtschaft. Man kann sich nicht unter den Kindern Gottes bewegen, ohne zu finden, dass bei vielen ein gut Teil Knechtschaft ist. Sie sind nicht frei, stehen nicht im Geiste der Sohnschaft.

Man sagt, dass alle bedeutenden Männer hervorragende Mütter gehabt haben, und dass sie ihre Größe der Wesensart ihrer Mutter verdanken. Das ist auch in göttlicher Hinsicht wahr.

Wenn ich unter gesetzlichem Einfluss stehe, werde ich gesetzlich und gerate unter Knechtschaft, und führe auch andere zur Knechtschaft. Eine gesetzliche Person möchte alle anderen gesetzlich machen. Zweifellos hielten sich die Galater für wunderbare Leute, aber man sah nichts davon. Die Richtung, in der sie sich bewegten, führte dahin, einander zu beißen und zu fressen (Gal. 5, 15). Hagar kann nur, wie der Engel sagt, einen „Wildeselmenschen“ hervorbringen (V. 12).

Die Einflüsse des himmlischen Jerusalems machen sich jetzt in unseren Seelen geltend, wenn wir unter die Macht und Unterweisung der Gnade kommen. Alles, was gestaltend wirkt, kommt durch das Evangelium zu uns, aber wir müssen unsere Herzen durch den Geist seinem Einflusse hingeben. Die Einflüsse der Gnade wirken durch den Dienst des neuen Bundes auf uns, durch den Dienst alles dessen, was der Ausfluss der Liebe Gottes ist.

Die Entfaltung dessen, was Gott für uns ist, Seine unvergleichliche Liebe auf Golgatha, die nun in Millionen Herzen durch den Geist ausgegossen ist, damit Er eine Antwort in unseren Herzen in freien Zuneigungen und im Geiste der Sohnschaft finde - alles das ist der Einfluss des Jerusalems droben. Dann können wir einander durch Liebe dienen (Gal. 5, 13). Wie schön ist das! Den Heiligen wird gedient, weil eine kraftvolle Quelle der Liebe vorhanden ist, die im Dienste ihren Ausdruck finden muss.

Paulus sagte zu den Galatern: „Meine Kindlein, um die ich abermals Geburtswehen habe, bis Christus in euch gestaltet worden ist“ (Gal. 4, 19). Er hatte solche bei ihrer Bekehrung, und nun wiederum, damit Christus in ihnen gestaltet werde. Das ist der wahre Geist einer Mutter.

Dieses Kapitel hat es damit zu tun, wie wichtig eine rechtartige Mutter ist. In dem Maße, wie Christus uns im Dienste gebracht wird, kommen wir in den Segen davon.

Der 12. Vers unseres Kapitels zeigt den Geist des einander Beißens und Fressens. Das Fleisch ist ein „Wildeselmensch“, es ist nicht unterwürfig. Ismael und alle seine Nachkommen stellen den Samen nach dem Fleische dar. Mit dem Fleische ist Stolz und Gesetzlichkeit in Verbindung, Hagar verachtete Sarai (V. 4). Der Stolz des Fleisches verachtet alle Einflüsse der Gnade.

Mit Hagar persönlich wird in göttlicher Güte und Gnade gehandelt. Wer in Verbindung mit dem kommt, was von Gott ist, kommt mit der Güte Gottes in Berührung, sogar wenn er noch unbekehrt ist. Hagar wurde später ausgetrieben (Kap. 21, 10), Sarah wollte sie nicht haben. Paulus tat das den Galatern gegenüber, er wollte Hagar nicht dulden. Der Geist der Gnade kann Gesetzliches und das, was dem Menschen im Fleische einen Platz gibt, nicht dulden.

Aber auch als Ausgetriebene wird sie der Gegenstand göttlicher Fürsorge. Sogar für sie gibt es eine Quelle in der Wüste (Kap. 21, 10).

Die Art, wie für Ismael und Hagar gesorgt wird, stellt uns die Gnade wunderbar vor Augen. Das erinnert an den älteren Bruder im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Er hatte denselben stolzen Geist wie Ismael. Doch der Vater ging hinaus und drang in ihn, hereinzukommen. Ein alter Bruder pflegte zu sagen, dass dem älteren Bruder im Gleichnis mehr Gnade erwiesen wurde als dem verlorenen Sohn!

Wir sehen hier, wie Hagar und Ismael eine wunderbare Gnade entgegengebracht wurde, obschon ganz deutlich auf die wahre Wesensart des Samens nach dem Fleische hingewiesen wird. Ismael bedeutet „Gott hört“. Damit wird der Schlüssel zur Segnung Hagars Händen übergeben.

Berührt es unser Herz nicht, dass der Engel sagt: „Kehre zu deiner Herrin zurück und demütige dich unter ihre Hände“? (V. 9) Sie hatte Gelegenheit, sich zu unterwerfen. Die große Schwierigkeit bei dem Juden war, dass er sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterwerfen wollte. Ismaels Name war „Gott hört“. Gott wollte auf den Schrei der Not und Bedrängnis jedes Menschen hören. Auf diese Weise kam das Evangelium der Hagar nahe, und so konnte auch Israel nach dem Fleische auf allen seinen Wegen wissen, dass Gott auf ihren Notschrei hörte. Ihre Wesensart kommt hier ans Licht, sie waren Wildeselmenschen, d.h. ununterjochbar. Israel zeigte nie einen gebrochenen Geist. Es war ungebrochenes Fleisch, das seine Hand gegen alle erhob, und wider das sich die Hand aller erhob. Paulus sagte, dass sie „Gott nicht gefallen und allen Menschen entgegen sind“ (1. Thess. 2, 15). Und so ist auch die Hand aller gegen die Juden - religiöser Stolz ruft immer die Feindschaft anderer hervor. Doch sogar der Same nach dem Fleische ist bei all seinem Stolze immer noch ein Gegenstand der Gnade. Da sie in Verbindung mit Abram, dem Inhaber der Verheißung stehen, nimmt Gott Anteil an ihnen.

In Römer 11, 28 lesen wir, dass sie um der Väter willen Geliebte sind. Gott erwies Hagar Gutes, ihrer Verbindung mit Abram wegen. Und so erweist Gott auch heute noch dem Juden Teilnahme, trotz seiner Feindschaft gegen das Evangelium; er wird um der Väter willen geliebt.

Ich denke, wir sehen in diesem Teile des Kapitels ein Bild davon, wie der Same nach dem Fleische in seiner Ungebrochenheit und seinem Übermut gegen alle - „allen Menschen entgegen“ - von Gott bewahrt wird, und die Folge wird sein, dass er alle gegen sich haben wird. Und dennoch gehört ihm die ganze Zeit hindurch gleichsam der Schlüssel der Segnung, wenn er irgendwie ein Bedürfnis nach ihr hat. „Gott hört“ - welch ein wunderbarer Schlüssel der Segnung! Gott tut sich Hagar in Gnade kund, und sie nannte den Namen Jehovas: „Du bist der Gott, der sich offenbart!“ (V. 13).

Das läuft darauf hinaus, dass Gott immer, trotz allem, was der Mensch sein mag, das ist und das gewesen ist, was Er ist. Wie ununterjochbar und halsstarrig auch der Mensch sei, Gott ist die Quelle der Segnung. Er kann nur sein, was Er ist.

In der Nähe dieses Brunnens hielt sich der Same nach dem Fleische in all seinen Irrwegen auf; jeder Strahl Lichts, den Gott über Sich Selbst im Alten Testament gab, war eben ein Schimmer von Gnade.

In unserer Schriftstelle haben wir eine schöne Kundgebung der Gnade. Gott tut Sich im Alten Testament kund. Er war allezeit der Gott, Dessen großer Gegenstand es war, Sich zu offenbaren. Beer-Lachai-Roi ist der „Brunnen des Lebendigen, der sich schauen lässt“ (d.i. die Bedeutung des Namens). In diesem Namen liegt viel mehr als in der Lesart: „Du bist der Gott, der mich sieht!“ (V. 13). Es handelt sich hier nicht darum, dass Gott mich sieht, obschon dieses Schriftwort die Gewissen vieler erreicht hat. Es sollte vielmehr heißen: „Du bist der Gott, der sich offenbart!“ Der Gegenstand ist nicht, dass Gott mich sieht, obwohl das natürlich wahr ist, sondern dass ich Ihn sehe.

Wenn Gott Sich offenbart, muss es in Gnade sein. Er ist der Gott aller Gnade und war es allezeit. Und was Gott ist, kennzeichnet immer den Weg, auf dem Er den Menschen segnet. Wie voll ist sogar das Gesetz von Christo! Welche zahllosen Strahlen Lichts über Gott und Christum enthält es. Sogar der Bund, der vom Sinai kam, enthält viele kostbare Andeutungen der Gnade, und vieles, was der Glaube als ein Zeichen der Segensnatur Gottes ergreifen konnte.

All diese Fingerzeige im Alten Testament waren eine Quelle des Segens für den widerspenstigen und ununterwürfigen Menschen. Wenn es heißt: „du sollst Jehova, deinen Gott, lieben“ (5. Mose 6, 5; 11, 1), so zeigt das Sein Wesen, das, woran Er Wohlgefallen hat.

Welch eine Offenbarung dessen, was Gott ist, ist das meinem Herzen! Gott ist Liebe, Er wünscht, dass ich Ihn liebe. Er würde Seine Geschöpfe nicht auffordern, Ihn zu lieben, wenn Er Selbst nicht Liebe wäre; und so enthält das Gesetz das Evangelium.

„Habe ich nicht auch hier geschaut“ (V. 13), geht prophetisch auf die Zeit, wo ganz Israel errettet werden wird und unter die lebendigmachende Kraft Gottes kommt. Die verdorrten Gebeine sollen leben (Hes. 37). Sie werden Gott in all Seiner Liebe sehen. Das ununterwürfiges Herz von Stein, das sie Ismael, dem Wildeselmenschen, gleichmachte, wird ein fleischernes Herz werden; sie werden unter eine neue Mutter kommen.

Israel wird schließlich unter den Einfluss der Gnade kommen. Der ältere Bruder wird hereinkommen - der Vater wird hinausgehen und in ihn dringen. Dem verlorenen Sohne hat er das himmlische Teil gegeben, aber das irdische Teil ist noch übrig, und das wird dem älteren Bruder gegeben werden.

Gott sorgt immer dafür, dass ein Brunnen da ist. Es hat in der Verwaltung oder Haushaltung Gottes immer genug gegeben, Gott kundzutun. Im Gesetz, das der Mensch dazu benutzt, Gott auszuschließen und seine eigene Gerechtigkeit aufzurichten, gibt es genug, ihn zu erretten.

Jeden Sonntag hören wir in der Christenheit Worte, die den Menschen zum Leben und zur Segnung sein können; der Brunnen ist ihnen nahe. Solche, die zur Kirche oder Kapelle gehen, sagen fortwährend Worte, die den Menschen zum Segen sein können. Der Schlüssel ist in ihren Händen, wenn sie ihn nur gebrauchen wollen. Das zeigt die wunderbare Wesensart Gottes in Seiner Gnade.

Abram war in diesem Kapitel vom Wege abgekommen. Er war von dem Wege abgekommen, auf dem Gott den Samen bringen wollte. Gott wollte ihn von Seiner Seite aus und auf Seine eigene Weise aufgrund der Verheißung geben. Abram hatte zu lernen, dass das, was vom Fleische war, untauglich ist, und dass alles in Verbindung mit dem Fleische beiseitegesetzt werden musste.

Und dann erfüllte Gott alle Seine Verheißungen in Christo - Isaak kam.

 

 

Kapitel 17

 

Wenn ein Same des Glaubens die Verheißungen ererben soll, so muss er durch Gottes Macht kommen. Das Gesetz und das Fleisch nützen nichts.

Dieses Kapitel beginnt: „Ich bin Gott, der Allmächtige“ - Er kann alles tun, und muss es auch tun. Keine Schritte, keine Tätigkeit der Natur können da etwas erreichen. Alles, was für Gott ist, muss durch Seine allmächtige Kraft bewirkt werden.

Wenn wir in diesem Bewusstsein vor Ihm wandeln, werden wir vollkommen sein. Wir werden unter den Segen Seines Bundes kommen und geistlich gefördert werden, und sind bereit, die Beschneidung anzunehmen, d.h. wir haben kein Vertrauen auf das Fleisch.

Die religiöse Welt ist voller Hagar- und Ismael-Grundsätze. Man glaubt, dass uns das Fleisch und das Gesetz Segnungen zu sichern vermögen. Doch alles das muss beiseitegesetzt werden. Gott kann und muss es alles tun, wenn ein wahrer Same da sein soll, der Seine Verheißungen ererbt.

In einem alten Liede heißt es: „Ganz Dein muss auch das Werk der Gnade bleiben, begonnen, durchgeführt durch Deine Macht“. Das ist die Lehre dieses Kapitels. Das ganze Werk der göttlichen Gnade muss von Gott aus geschehen.

Wenn wir im Bewusstsein dessen vor Gott wandeln, so sind wir vollkommen. Dann denken wir nicht daran, etwas von der Natur, dem Fleische oder Gesetz zu erwarten. Dann muss alles von Gott kommen.

In Kapitel 24 sagt Abraham: „Jehova, vor dessen Angesicht ich gewandelt habe“ (V. 40). Jakob aber musste sagen: „Der Gott, vor dessen Angesicht meine Väter ... gewandelt haben“ und „der Gott, der mich geweidet hat“! (Kap. 48, 15) Abraham und Isaak wandelten vor Gott, aber Jakob konnte nur sagen, dass Er ihn geweidet und für ihn gesorgt habe. Jakob war unvollkommen, weil er immer am Plänemachen und dabei war, sie auszuführen, um Gottes Ziel zu erreichen. Zuletzt aber lernte er, dass das ganze Werk Gottes sein musste.

Gott möchte unser aller Seelen zur Vollkommenheit führen. Gott muss beginnen und vollenden. Wenn wir lernen, dass Gott der allmächtige Gott ist, dass Er alles tun kann und auch tun muss, vom ersten bis zum letzten, dann willigen wir ein, dass das Fleisch mit all seinen darauf gesetzten Hoffnungen abgeschnitten wird.

Wenn wir vor Gott wandeln, sind alle Bedingungen zur Vollkommenheit gegeben. Gott sagt gleichsam: Wandle vor mir, in dem Bewusstsein dessen, was meine Macht tun kann und auch tun wird, und alles wird recht stehen.

In diesem Kapitel finden wir zum mindesten zehn „Ich will“, die den zehn „Du sollst“ des Gesetzes gegenüberstehen. Es ist sehr schön, zu sehen, wie Gott um dem bemüht ist, der Ihm glaubte. Er sagt: „ich will meinen Bund setzen zwischen mir und dir“ (V. 2), und richtete so ein bestimmtes Band zwischen Sich und Abram auf, im Blick auf das große Ziel, das er zustande bringen wollte.

Und in Verbindung damit gab Gott ihm einen neuen Namen. Das ist eine göttliche Ehrung. Es bedeutet eine geistliche Würde, wenn Gott einen neuen Namen gibt. Es gleicht dem, wenn ein König jemand in den Adels- oder Grafenstand erhebt. Gott hat ein Recht, jemand zu adeln; und so wendet Er Sich Abram zu und lässt ihm eine größere Ehre widerfahren.

Abram heißt „großer“ oder „hoher Vater“, und das stellt das dar, was er persönlich als Haupt der Familie des Glaubens war. Doch im Namen Abraham tritt uns die Größe der Familie entgegen, das bedeutet „Vater einer Menge“, und er sollte nicht nur Vater einer Menge Einzelner, sondern auch einer Menge Nationen werden.

Gott wollte den Samen des Glaubens mehren. Er tut hier die ausgedehnten und gewaltigen Folgen des Grundsatzes des Glaubens und der Verheißung kund. Die Wirkung auf Abraham war, dass er auf sein Angesicht fiel. Diese Haltung kennzeichnet dieses Kapitel; er fiel zweimal auf sein Angesicht, in Vers 3 und dann in Vers 17 in Verbindung mit dem, was Gott über Sara sagte.

Welch eine Freude muss es für Abraham gewesen sein, einen so großen Erfolg Gottes betrachten zu dürfen! Eine Menge Nationen und Könige sollten alle auf dem Grundsatz des Glaubens erstehen und so passend sein, die Verheißungen Gottes zu ererben! Nichts ist so fruchtbar wie der Grundsatz des Glaubens, er ist „außerordentlich fruchtbar“ (V. 6). Das ist der einzige Grundsatz, der etwas für Gott hervorbringt, weil er nur auf Dessen Macht rechnet.

Wir denken manchmal, dass die Erfolge Gottes beschränkter Art sind. Wir werden so leicht verengt in unserem Herzen. Aber dieses Kapitel ist geeignet, sie weit zu machen (2. Kor. 6, 11 u. 12).

Abraham sollte der Vater einer Menge von Nationen werden, Nationen und Könige sollten aus ihm hervorkommen. Das geht auf die Zeit, wo Nationen und Könige durch Glauben gekennzeichnet werden und imstande sind, die Verheißungen in Besitz zu nehmen und sie zur Herrlichkeit Gottes zu ererben.

In der Zwischenzeit befinden wir uns unter dem Samen Abrahams. Alle Heiligen während der Zeit, dass die Kirche hienieden ist, sind Kinder Abrahams. Das alles kommt durch Gottes allmächtige Kraft zustande.

Gott verpflichtete Sich nicht nur, den Samen hervorzubringen, sondern auch, ihn nie im Stiche zu lassen. „Und ich werde meinen Bund errichten zwischen mir und dir und deinem Samen nach dir, nach ihren Geschlechtern, zu einem ewigen Bunde, um dir zum Gott zu sein und deinem Samen nach dir“ (V. 7). Das heißt, Gott sagte gleichsam: Ich werde den Samen des Glaubens nie verlassen, ich will ihnen immer ein Gott sein.

Gott hat Sich Selbst verpflichtet, Er ist einen Bund eingegangen. Ein Bund setzt zwei Parteien voraus. Gottes Seite davon war: Er verpflichtet Sich dem Menschen gegenüber und sagt, „ich will“. Er setzt sozusagen Seinen Namen darunter, so dass wir mit heiliger Ehrfurcht sagen können, Gott kann Sich nicht von dem zurückziehen, wozu Er Sich verpflichtet hat.

Dann tritt hier ans Licht, dass Abraham und sein Same nach ihm Gottes Bund durch die Beschneidung alles Männlichen zu halten hatten. Ihre Seite davon war: sie hatten den Bund zu halten, sonst würde dessen Segnung, was sie betrifft, unwirksam gemacht werden: „der unbeschnittene Männliche..., selbige Seele soll ausgerottet werden aus ihrem Volke; meinen Bund hat er gebrochen!“ (V. 14)

Wenn Gott Sich uns in Gnade und Macht verpflichtet hat, dann muss unsererseits der Bund der Beschneidung gehalten werden. Das ist ein Bild von der Beiseitesetzung des Fleisches, und diese ist unerlässlich. Wenn Gott es unternimmt, Sein Volk zu segnen und ihnen alles zu sein, im Blick darauf, dass Er alle Seine Gedanken zur Ausführung bringen will, so kann Er ihrerseits kein Vertrauen auf das Fleisch dulden, noch irgendwelche Zulassung der Tätigkeit des Fleisches. Sein Volk muss Seinen Bund halten und Sich Ihm durch Beschneidung zur Verfügung stellen. Das ist in geistlicher Hinsicht ebenso wahr für uns wie für Abraham.

Um die geistliche Bedeutung der Beschneidung zu sehen, ist es nötig, verschiedene Schriftstellen zu betrachten. Zuerst Römer 2, 28 u. 29: „nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, noch die äußerliche Beschneidung im Fleische ist Beschneidung: sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und Beschneidung ist die des Herzens, im Geiste, nicht im Buchstaben; dessen Lob nicht von Menschen, sondern von Gott ist“. Das zeigt, dass eine wahre Beschneidung eine innere Sache ist. Sie ist etwas, was im Herzen und Geiste Platz greift. In Römer 4, 11 sehen wir dann einen weiteren Schritt: „Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er in der Vorhaut hatte“. Hier wird die Beschneidung als ein Siegel betrachtet. Abraham empfing die Gerechtigkeit aus Glauben in Kapitel 15, und deren Siegel in Kapitel 17.

Ich denke, das weist auf die Gabe des Geistes hin, durch den das Fleisch beiseitegesetzt werden kann. Der Geist ist das Siegel der Gerechtigkeit aus Glauben, und ich denke, dass die Beschneidung andeutet, dass zur Beiseitesetzung des Fleisches in unserem Wandel der Geist in göttlicher Kraft kommt. Durch den Geist kommen wir zur Kraft Gottes, zur Kraft Dessen, der zu Abraham sagte: „Ich bin Gott, der Allmächtige“.

Wie wunderbar, dass uns der Geist als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens gegeben wird, damit wir Kraft hätten, das Fleisch beiseitezusetzen. Solange das Fleisch nicht beiseitegesetzt ist, haben wir kein Zeugnis davon, dass Gott hienieden ein Volk hat, und deshalb ist die Beschneidung unerlässlich. Die Seele, die sie von sich weist, wird ausgerottet, sie hat den Bund gebrochen. Gott geht nicht mit dem Fleische voran, und Er will auch nicht, dass Sein Volk das tut. Der Geist ist uns gegeben, damit wir nicht im Fleische wandeln, sondern auf unserem Pfade frei davon sind.

1. Mose 16 gleicht Römer 7, insofern auch dort das Bestreben vorhanden ist, einen göttlichen Samen mittels des Gesetzes und des Fleisches zu erlangen; doch dieser Same kommt durch Glauben und Auferstehungskraft. Der Geist wird uns als ein Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens gegeben, Er entspricht also der Beschneidung. Wir empfangen Ihn, um in unseren Wandel vom Fleische befreit zu sein. Und wenn es nicht beiseitegesetzt ist, so ist kein wahres Zeugnis davon vorhanden, dass wir in Bundesbeziehung zu Gott stehen. Was wir hier sehen, ist sozusagen unsere Seite des Bundes.

„Und Gott sprach zu Abraham: Und du, du sollst meinen Bund halten, du und dein Same nach dir, nach ihren Geschlechtern. Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt...: alles Männliche werde bei euch beschnitten“ (V. 9 u. 10), und „der unbeschnittene Männliche, der am Fleische seiner Vorhaut nicht beschnitten wird, selbige Seele soll ausgerottet werden aus ihrem Volke; meinen Bund hat er gebrochen!“ (V. 14)

Das zeigt uns, wie wichtig unsere Seite ist; Gott wird den Bund nicht brechen, aber wir haben darauf zu achten, dass wir den Bund durch die Anerkennung der Gegenwart des Geistes halten, und durch den Geist in unserem Wandel das Fleisch von uns weisen. Der Geist ist als Kraft gekommen: wie wichtig ist es, im Bewusstsein dessen zu wandeln! Dieserhalb sagt Gott: „wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen“. Gott will, dass in uns die Kraft einen Ausdruck finde, die im Geiste gekommen ist, und dass wir so das Fleisch in all seiner Wirksamkeit von uns weisen und dadurch als Sein Volk hienieden offenbar werden. Da wir den Geist haben, entspricht unsere Fähigkeit auch unserer Verantwortlichkeit.

Wenden wir uns nun zu Kolosser 2, 9 - 11: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid vollendet in ihm, der das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist; in welchem ihr auch beschnitten worden seid, mit einer nicht mit Händen geschehenen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes des Fleisches, in der Beschneidung des Christus“. Im Römerbriefe wird auf die Beschneidung in Beziehung zum Geiste angespielt; im Kolosserbrief in Beziehung zu Christo. Wenn ich sehe, dass die Fülle der Gottheit in Christo ist, und dass ich in Christo zur Fülle gebracht bin, so brauche ich nicht das Geringste, was das Fleisch dem hinzufügen könnte, und ich kann es fahren lassen.

Ich bezweifle, dass einer von uns die Beschneidung wirklich annimmt, bis er sieht, welch ein großes Vorrecht sie ist, und welch einen Gewinn sie mit sich bringt. Wir sind in Christo zur Fülle gebracht, und die ganze Fülle der Gottheit ist in jenem gesegneten, auferstandenen und verherrlichten Menschen; wir brauchen nicht das Geringste außer Ihm. Wenn wir das sehen, so sind wir bereit, das anzunehmen, was geschah, als Christus starb, d.h. als Er abgeschnitten wurde; darin sehen wir die Beschneidung - das vollständige Hinwegtun des Fleisches im Tode Christi. Das betraf den Leib des Fleisches seinem vollen Umfange nach, und nicht unsere Sünden (V. 11). Ich nehme an, dass wir alle wissen, dass es hier nicht heißen sollte: „Leibes des Fleisches der Sünde“. Die Worte „der Sünde“ sind eine Hinzufügung, die unzulässig ist. Wir sind also bereit, das Fleisch fahren zu lassen, weil wir in Christo zur Fülle gebracht sind.

Philipper 3 fasst endlich die Beziehung der Beschneidung in den Worten zusammen: „wir sind die Beschneidung, die wir durch den Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen“ (V. 3). Wenn jemand hätte auf Fleisch vertrauen können, so war das Paulus, doch er sagte in Wirklichkeit: Ich habe das alles abgeschnitten, ich brauche kein bisschen davon.

Es ist nützlich, 1. Mose 17 mit Philipper 3 zu vergleichen und zu sehen, wie die Beschneidung im Blick auf das Erbe erwähnt wird. Da haben wir einen Mann, dessen Auge auf das Erbe gerichtet ist. Er hat als Preis die Berufung Gottes in der Höhe vor sich, und im Blick darauf nimmt er das Abschneiden jeder Hoffnung und jeden Ruhms in Verbindung mit dem Fleische an, um in den Besitz des Erbes in einem auferstandenen und verherrlichten Christus zu gelangen. Dann zeigt der ernste Abschluss des Kapitels, wie der Unbeschnittene vom Volke Gottes abgeschnitten wird: „viele wandeln, von denen ich euch oft gesagt habe, nun aber auch mit Weinen sage, dass sie Feinde des Kreuzes Christi sind: deren Ende Verderben, deren Gott der Bauch und deren Ehre in ihrer Schande ist, die auf das Irdische sinnen“ (Phil. 3, 18 u. 19). Sie sind die Unbeschnittenen, von denen Gott gesagt hatte, dass sie aus Seinem Volke ausgerottet werden sollten, da sie Seinen Bund gebrochen hatten.

Dann wird Sarai, d.h. „Jah ist Fürst“, zu einer Sara, einer „Fürstin“; auch sie wird geadelt. Sie ist ein Bild Israels, des Gefäßes der Verheißung, das aber dem Fleische nach als erstorben betrachtet wird. Israel ist ein unfruchtbares Weib, das von Natur nichts für Gott hervorbringen kann, aber wenn es lernt, dass Gott eine fürstliche Kraft innewohnt, die trotz seines Zustandes unumschränkt wirken kann, dann wird es eine „Fürstin“, die den Samen der Verheißung ins Dasein bringen kann.

Das ist eine Unterweisung, die wir dem Grundsatz nach zu lernen haben. Wenn wir lernen, dass das Fleisch und die Natur kraftlos und tot sind, dass aber bei Gott eine fürstliche Kraft ist, so kann Gott uns ehren und Christum in sittlicher Hinsicht und im Zeugnis hienieden in uns hervorbringen.

Abraham verwendet sich für Ismael, doch Gott verweilt bei Isaak - „Lachen“. Der Glaube kann lachen, wenn Gott gänzlich von Sich aus und in Seiner eigenen Kraft handelt. Abraham konnte nicht über Ismael lachen, weil er dort das, was vom Fleische stammt, fand. Aber der, der über Isaak lachen konnte, konnte im Bewusstsein der Gnade für Ismael beten.

Ismael stellt Israel nach dem Fleische dar. Gott wollte Ismael segnen und sein Gebet erhören (Kap. 16, 11) - das ist ein Fingerzeig für Israel, den sie hätten beachten sollen-; doch Isaak war der, mit dem Sein Bund errichtet werden sollte. Er war der, der nach Römer 4 in Auferstehungskraft ins Dasein kam.

Gottes Güte war für Ismael da, Er hat immer für das halsstarrige und widerspenstige Israel gesorgt, für eine Nation, die die Wesensart Ismaels, des „Wildeselmenschen“, offenbarte. Doch wenn immer ein Notschrei zu Ihm drang, sogar von dem verkehrten, widerspenstigen Israel, so erhörte Gott ihn.

Ismaels Geschichte wäre Israel sehr lehrreich gewesen, wenn sie sie beachtet hätten; Gott sagte ihnen damit: Wenn ihr nur zu mir schreit, werdet ihr Segen empfangen. Doch sie waren zu stolz, die Stellung der Bedürftigkeit einzunehmen, und so gingen sie der Segnung verlustig. Sie erhoben Anspruch auf die Vorrechte des Bundes, ohne nach dem zu handeln, was das Zeichen des Bundes in sich begriff. Sie hielten daher den Bund nicht.

Sie hatten immer Vertrauen auf das Fleisch und waren nie in Wahrheit beschnitten. Gott musste ihnen sagen, dass sie unbeschnitten an Herz und Ohren waren (Apg. 7, 51). Und deshalb sind sie nun gefallen und abgeschnitten; ihre Geschichte ist eine feierliche Warnung für alle die, die göttliche Dinge in fleischlicher Weise aufnehmen.

 

Kapitel 18 und 19

 

Die wichtige Belehrung des Kapitel 17 bereitet auf das vor, was wir hier haben, nämlich das Vorrecht höchster Art. Wenn Gott als Der erkannt wird, der alles wirkt zu Seinem eigenen Wohlgefallen, und der Glaube lachen gelernt hat, indem er den wahren Isaak als den Samen der Verheißung sieht, dann kann die Beschneidung in unserem Wandel angenommen und gekannt werden, und dann sind wir in einem Zustande, göttliche Besuche empfangen zu können.

Wir wissen nicht, ob Abraham irgendeinen Grund hatte, einen göttlichen Besuch zu erwarten, aber er war bereit, als er kam. Joh. 14, 18 bereitet uns darauf vor, solche Besuche zu erwarten. Wie eifrig würden wir dann besorgt sein, uns in einem passenden Zustande zu befinden! Man könnte sich kein höheres Vorrecht denken als einen Besuch göttlicher Personen.

In Kapitel 17 lernte Abraham, dass Gott von Sich aus alles durch die Ihm eigene Kraft tun konnte, und dass Er in keiner Weise vom Fleische abhängig war, und der Mann des Glaubens lachte. Diese Art Lachen haben wir nötig, um ein solches Vorrecht, wie es dieses Kapitel vorstellt, zu genießen.

Es ist ein heiliges Lachen (Isaak bedeutet „Lachen“). Wir sehen dabei, dass Gott es unternahm, all Sein Wohlgefallen in der Kraft der Auferstehung durchzuführen. Das schließt den Menschen und all sein Vermögen vollständig aus, und der Mann des Glaubens lacht. Es ist gesegnet, vor Gott auf sein Angesicht zu fallen, weil wir sehen, dass Christus in der Kraft der Auferstehung ins Mittel getreten ist, und dass jeder Gedanke und jede Verheißung Gottes in Ihm zustande kommt. Isaak kam gänzlich getrennt von der Natur und dem Fleische. Was Abraham und Sara anlangte, so waren beide erstorben.

Ich denke, wir können in Kapitel 18 manches sehen, was auf Vorrechte hindeutet, die jetzt die Versammlung hat. Wir haben da einen göttlichen Besuch und dann den Dienst des Herrn. Weiter wurde der Glaube sehr gestärkt, wie Vers 10 und 14 zeigen. Dann haben wir vertrauliche Mitteilungen und schließlich Fürbitte.

Das ist eine wunderbare Reihe von Vorrechten, die jetzt in der Versammlung genossen werden. Es ist gesegnet, in einem Zustande zu sein, göttliche Besuche zu empfangen. Und solche Besuche sind das Vorrecht der Versammlung, wie sehr klar aus Johannes 14 hervorgeht. „Ich werde euch nicht als Waisen lassen, ich kommt zu euch“ (V. 18). „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbar machen“ (V. 21). „Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen“ (V. 23).

Diese Verse reden deutlich von einem göttlichen Besuch und einer göttlichen Offenbarung, und dann sogar von noch etwas Größerem, nämlich einem dauernden Wohnen göttlicher Personen bei dem, der treu ist in der Liebe; diese drei Dinge sind ganz klar voneinander zu unterscheiden.

Das letzte finden wir in 1. Mose 18 nicht; wir könnten es dort auch unmöglich haben. Es ist in gewissem Sinne das größte Vorrecht von allen. Joh. 14, 18 ist das Vorrecht der Versammlung: der Herr kommt zu denen, die Ihn vermissen, und dieserhalb bereitet das Abendmahl den Weg für einen Besuch des Herrn, denn wenn wir es recht verstehen, zeigt es, dass wir Ihn vermissen. Wenn wir zusammenkämen, das Abendmahl seinem wahren Wesen nach zu essen, so würde der Herr sagen können: Dort sind Herzen, die mich vermissen, und diese Tatsache würde Ihn zu ihnen hinziehen.

Die Offenbarung in Joh. 14, 21 sodann ist persönlich, wie die an Maria in Joh. 20, 16; es heißt: Wer meine Gebote hat“. Der Einzelne, der Ihn liebt, hat Seine Gebote und hält sie; und ihm gibt der Herr ein neues Verständnis über Sich Selbst. Ich verstehe unter einer Offenbarung ein Verständnis über Christum, wie es die Seele zuvor noch nicht gehabt hatte.

Dann endlich wird uns Joh. 14, 23 gewährt, wenn wir Sein Wort halten. Das bedeutet nicht nur, dass wir Seine Gebote haben und sie halten (wie in V. 21), sondern dass wir das halten, worin Er Selbst zum Ausdruck gelangt.

Das ist die innigste Übung infolge der Wirksamkeit unserer Zuneigungen gegen den Herrn persönlich. Darin handelt es sich um bräutliche Liebe, die wir mit Phil. 3, 8 auf eine Stufe stellen können. Sie sichert uns daher eine ganz besondere und einzigartige göttliche Gemeinschaft, das, was über einen Besuch hinausgeht; es ist ein Wohnen des Vaters und des Sohnes bei dem, dessen Herz auf Christum Selbst gerichtet ist. Ein Herz, das Ihm in Liebe huldigt, wird dem Vater und dem Sohne ungemein anziehend.

Auf diese Weise wird im Neuen Testament von göttlichen Besuchen geredet. Bei Abraham sehen wir, dass ein passendes Verhalten seinerseits da war; Abraham diente dem Herrn. Das ist ähnlich wie in Apg. 13,2, wo es heißt: „Während sie aber dem Herrn dienten“, und in Joh. 12, 2: „Sie machten ihm nun daselbst ein Abendessen“.

Es ist auffallend, dass unser Kapitel die erste Schriftstelle enthält, wo die Fußwaschung erwähnt wird. Es ist schon oft darauf hingewiesen worden, dass wir da, wo eine Sache das erste Mal in der Heiligen Schrift erwähnt wird, auch den Schlüssel zu ihrer Bedeutung bekommen. Hier bedeutet es ganz offenbar eine Erfrischung. Es heißt: „Es werde doch ein wenig Wasser geholt, und waschet eure Füße; und lagert euch“ (V. 4).

Fußwaschung hat es mit Erfrischung zu tun. Verlieren wir das aus dem Auge, so verderben wir Johannes 13. Wenn wir zu viel aus dem Beseitigen der Verschmutzung machen, so verdirbt das den dortigen Gegenstand des Herrn. Verfolgen wir die Fußwaschung die ganze Schrift hindurch, so hat sie immer mit Erfrischung und dem Dienste der Liebe zu tun. Abigail sagte: „Siehe, deine Magd als Dienerin, um die Füße der Knechte meines Herrn zu waschen“ (1. Sam. 25, 41). Sie stellte sich David für den Dienst seiner Knechte zur Verfügung. Ein Weib wusch die Füße des Herrn; und wer kann daran zweifeln, dass sie dem Herzen des Heiligen Erfrischung erwies? Es ist wunderbar, dass wir zur Erfrischung göttlicher Personen beitragen können.

Zwischen der Waschung der Füße des Herrn und der Salbung des Herrn besteht in der geistlichen Bedeutung ein Unterschied. Ihm die Füße zu waschen besagt, dass Er mir so kostbar ist, dass ich mich freue, Ihm zu dienen. Aber die Salbung bedeutet, dass Er Gott kostbar ist, und dass Gottes Gesalbter auch mein Gesalbter geworden. Dann sind wir dahin gekommen, Gemeinschaft mit Gottes Gedanken über jenen Gesegneten zu haben. Die Salbung geht weiter als die Fußwaschung, das Haus wird dabei von dem Wohlgeruch erfüllt.

Wir sollten das wunderbare Vorrecht, wozu wir berufen sind, erwägen. Das Abendmahl wendet sich an unsere Herzen: der Herr scharte nicht nur die um sich, die Er liebte, sondern die Ihn liebten. Er verlieh ihnen darin die Stellung eines Familienkreises, in dem der Vater fehlte. Aus Jer. 16,7 sehen wir, dass es bei den Juden eine Gewohnheit war, zum Gedächtnis verstorbener Eltern das Brot zu brechen, und der Herr bediente Sich dieser alten Sitte, als Er das Abendmahl einsetzte.

Vermissen wir Ihn? Wünschen wir, Ihn wissen zu lassen, dass wir Ihn vermissen? - Das Abendmahl sollte allen ein Zeugnis sein, dass wir Ihn vermissen. Und wenn wir es mit den rechten Zuneigungen essen, würden wir Seine Gegenwart haben, dann will Er zu uns kommen.

In dieser Welt sind wir Waisen, weil wir Ihn verloren haben. Wenn das wahr ist und wir es fühlen, so sagt Er: „Ich werde euch nicht als Waisen lassen, ich komme zu euch“ (Joh. 14, 18). Wie würde es die Herzen einer in inniger Liebe miteinander verbundenen Familie berühren, wenn einer der geliebten, heimgegangenen Eltern zurückkommen könnte! Der Herr nun sagt: Wenn Ihr mich vermisst, will ich euch nicht als Waisen lassen, ich werde zu euch kommen. - Für einen Besuch bedürfen wir das Bewusstsein, dass wir verwaist sind, und das stellt das Brotbrechen dar; denn es bedeutet, dass Der, den wir lieben, gestorben ist. Er ist nicht hier.

Alsdann finden wir in unserem Kapitel, wie Abrahams Glaube befestigt wird (V. 10 u. 14). Gott sagt: „Ist für Jehova eine Sache zu wunderbar?“ Allem Anschein nach redet das von einer gesegneten Glaubensstärkung.

In der Versammlung wird Liebe gehegt und gepflegt, aber auch der Glaube gestärkt. Alles, was der Glaube erlangt hat, wird uns da fortwährend gestärkt. In gewissem Sinne wird uns das alles zu einer lebendigen Wirklichkeit. Petrus redet davon, dass uns das prophetische Wort „mehr befestigt“ wird (2. Pet. 1, 19). Sicherlich wird es das nicht in sich selbst, sondern im Herzen der Gläubigen.

In dem Abschnitt von Vers 9 - 15 wird die Verheißung wiederholt und gleichsam bestätigt, und da sehen wir den Unglauben der Sara. In unserem Wandel offenbaren wir sehr oft ein gut Teil Unglauben. Doch Gott möchte alles, was in Verbindung mit dem Samen steht - sei es Christus persönlich, oder der himmlische oder irdische Same -, in unseren Seelen stärken und befestigen.

Von Vers 17 an haben wir dann vertrauliche Mitteilungen. Wie wunderbar ist es, dass Gott mi dem Menschen auf vertrautem Fuße steht! In Jes. 41, 8 redet Er von Abraham, Seinem Freunde; Gott wollte Abraham nicht verbergen, was Er tun wollte. Über Sodom sollte das Gericht kommen, doch ehe es kam, machte Gott Abraham im Vertrauen eine Mitteilung darüber.

Das ist ein weiteres Vorrecht der Versammlung. Wir wissen, was geschehen wird, wir wissen, dass Christus der Erbe der Welt ist und alle Dinge ererben wird, und dass Er, bevor dieses geschieht, das Gericht über die Welt der Gottlosen bringt (2. Pet. 2, 5). Denn wir sind in das Geheimnis von alledem eingeweiht.

Die Wirkung dieser Mitteilungen auf Abraham war, dass er Fürbitte tat. Und das ist ein weiteres Vorrecht der Versammlung. Die Versammlung ist hienieden, fürbittend für eine unter Gericht befindliche Welt einzutreten.

Abraham verwendete sich für sie aufgrund dessen, dass vielleicht fünfzig Gerechte unter ihnen seien, und dann ging er bis auf zehn herab. Wir gehen noch weiter herunter, nämlich bis auf Einen; Abraham ging nicht weit genug! Wir kennen einen Gerechten, um deswillen die Stadt geschont werden kann! Wir können fürbittend eintreten in der vollen Erkenntnis der gesegneten Tatsache, dass ein Gerechter Gott über die ganze Frage der Sünde dadurch völlig befriedigt hat, dass Er das Gericht der Sünde trug, so dass Gottes Haltung gegen alle Menschen nun vollkommene Gnade sein kann. Später redete Gott in Jer. 5,1 von Jerusalem: „suchet ..., ob ihr jemanden findet, ob einer da ist, der Recht übt, der Treue sucht: so will ich ihr vergeben“.

Doch ein gerechter Mann war in Jerusalem und in dieser Welt, und Er hat Gott so verherrlicht, dass Gottes Haltung gegen die Welt jetzt vollkommene Gnade ist, und in der Erkenntnis bitten wir für alle Menschen. Abraham tat das aufs Geratewohl.

Wie kostbar auch die Belehrungen des Alten Testamentes in den Vorbildern sein mögen, wir sollten immer daran denken, dass uns etwas Besseres vorbehalten ist (Heb. 11, 40).

Während einerseits Gebet und Fürbitte für alle Menschen geschehen sollte, so auch andererseits Danksagung. Wir können nicht an die Gnade Gottes gegen die Menschen denken ohne Danksagung: Wir danken, ob der Haltung Gottes gegen sie, wir danken ihrethalben, wenn sie selbst auch nicht danken.

Gott ist ein Heiland-Gott für jeden Menschen, und dafür sollte ich jeden Tag danken, denn das stellt mir das Ungeheuere Seiner Gnade vor die Seele. Die Glückseligkeit des wahren Gebetes liegt darin, dass du nie aufhören kannst ohne dankzusagen: das ist ein großer Beweis, dass du wirklich gebetet hast. Ein geliebter Diener des Herrn pflegte zu sagen, das Kundwerdenlassen deiner Anliegen setzt voraus, dass du ein Bewusstsein davon besitzt, dass du Zutritt zu Gott hast. Eine Audienz bei einem der Großen der Erde ist ein schwaches Abbild davon; wenn du sie erlangt hast, kannst du hinweggehen und sagen, er hat mich angehört und weiß alles darüber. - Ich habe dann nicht nur gebetet, sondern Gott hat es gehört; und so danksage ich.

Es heißt in Phil. 4, 7 nicht, dass wir unsere Bitten bekommen, sondern dass der Friede Gottes von unserem Herzen Besitz ergreift, und das ist oft besser und größer, als das zu bekommen, worum wir bitten. So kann es geschehen, dass du um etwas bittest, was du meinst, sehr nötig zu brauchen, und nachdem du gebetet hast, hast du das Empfinden, es macht nichts, ob ich es habe oder nicht; wenn ich es nicht bekomme, nun so ist es, weil Gott mich liebt und etwas Besseres für mich hat! Ein Christ, der im Bewusstsein der Gnade steht, weiß, dass wenn er etwas nicht bekommt, worum er gebeten hat, es ihm nicht gut ist.

Lasst uns nun kurz den Gegensatz im nächsten Kapitel betrachten. Lot sitzt im Tore Sodoms (Kap. 19, 1) im Gegensatz zum Eingange des Zeltes (Kap. 18, 1). Er bekommt einen Ehrenplatz in der Welt, aber keinen göttlichen Besuch.

Zwei Engel kommen zu ihm, was von der Fürsorge Gottes redet. Wohl wird ihm die Fürsorge der göttlichen Vorsehung zuteil, aber kein Besuch. Es ist zu beachten, dass er ungesäuertes Brot hatte, was darauf hinweist, dass er persönlich getrennt von der Verderbnis um ihn her stand; er hatte eine gerechte Seele.

Er tat sein Bestes, die göttliche Vorsehung zu ehren, die sich uns in den Engeln darstellt, und das tat er, als die Männer von Sodom sie entehren wollten. Aber er hatte keine Kraft, das, was göttlich war, aufrechtzuerhalten. Die Vorsehung schützte und befreite ihn, aber sein Zeugnis war erfolglos, es war ihnen das eines Scherztreibenden, eines Spaßmachers. Wie viele weltliche Gläubige gleichen ihm heutzutage darin!

Sie hatten ihn zum Richter gemacht - das ist die Bedeutung davon, dass er im Tore saß; er genoss in der Welt eine Scheinehre, aber keine wirkliche Ehre, und er hatte keine Kraft zum Zeugnis.

Was weiter sehr traurig war, ist, dass er den Platz der Sicherheit des Glaubens fürchtete. Die Engel hießen ihn, ins Gebirge zu fliehen, aber er konnte nicht ohne eine Stadt leben, er sprach: „diese Stadt ist nahe, um dahin zu fliehen, und sie ist klein; ich bitte dich, lass mich doch dahin entrinnen, (ist sie nicht klein?)“ (V. 20).

Sein Geschmack war verdorben, er musste etwas von der Welt haben. Er bat, in einer Stadt, wenn auch nur in einer kleinen Stadt, bleiben zu dürfen! Wie ernst ist es für einen Gläubigen, in einen solchen Zustand zu geraten! Dieser Tiefstand ist schrecklich und steht im auffälligen Gegensatze zu Kapitel 18.

Dann wurde Lots Weib zu einer Salzsäule (V. 26). Ihr Herz war in Sodom, und so teilte sie dessen Gericht. Bis auf diesen Tag finden wir sie in der Heiligen Schrift als ein Warnungszeichen - sie ist eine Warnung für bloße Bekenner, die nie die absondernde Kraft der Berufung Gottes gekannt haben.

Schließlich ging Lot doch noch ins Gebirge, aber aus Furcht und nicht aus Glauben. Und anstatt wie Abraham der Vater einer Menge des Samens des Glaubens zu sein, wurde er der Vater Moabs und Ammons, die allezeit der Familie des Glaubens zum Fallstrick und zur Züchtigung waren.

In Kapitel 18 haben wir die Vorrechte des Glaubens gesehen: den göttlichen Besuch, den Dienst des Herrn, die Befestigung des Glaubens, und wie der Mann des Glaubens in Gottes Vertrauen gezogen wurde und für die Welt bittet.

Wir sehen da auch die sittliche Wesensart Abrahams. Er war auf einem Pfade, wo Gott ihn segnen konnte, und vermochte so, seinen Kindern den gleichen Pfad zu befehlen. Jehova sprach: „ich kenne ihn, dass er seinen Kindern und seinem Hause nach ihm befehlen wird“ (Kap. 18, 19). Abraham hatte nicht nur Glauben, sondern war auch in sittlicher Hinsicht fähig, die Verheißungen zu ererben. Es heißt, dass er darauf achten würde, dass seine Kinder denselben Weg gingen.

Gott sagt uns also gleichsam: Alles das habe ich euch gezeigt, nun seht euch einmal Lot an! Und da haben wir in allem einen beschämenden Gegensatz, der voll göttlicher Belehrung für uns ist.

Lots Weib bleibt eine ernste Warnung. Der Herr selbst ruft uns zu: „Gedenket an Lots Weib!“ (Luk. 17, 32). Sie starb nicht, um begraben und vergessen zu werden. Sie war ein Weib, das dem Volke Gottes nahestand und äußerlich teil mit ihm hatte; und dennoch besaß sie keine innerliche Verbindung mit ihm, ihr Herz gehörte der Welt an.

In der Schrift wird ihrer als einer Salzsäule gedacht, eine Warnung für jeden, sich vor dem Zurückblicken zu hüten. Als der Herr in Lukas 17 vom Kommen des Gerichts über die Welt redet, sagt Er: „Gedenket an Lots Weib!“ 

Wir sollten bedenken, dass diese Welt unter Gericht ist, und sollten auf den zukünftigen Schauplatz der Herrlichkeit hinschauen. Gott verhüte, dass wir auf die Welt oder irgend etwas, das ihr angehört, zurückschauen!

 

Kapitel 20 und 21

 

Wir sahen in Kapitel 18 und 19 den Gegensatz zwischen den Vorrechten des Glaubens, die der wahrhaft Beschnittene genießt, und dem Verlust derselben (infolge des Unglaubens), den sogar ein Gerechter erleidet, bei dem die Beschneidung keinen Platz hat, der also nach dem Fleische wandelt. Gott sorgte zwar für Lot in Seiner Vorsehung, aber er genoss seine Vorrechte nicht.

In Kapitel 20 und 21 haben wir einen anderen Gegensatz. Da sehen wir einen Gläubigen so wandeln, dass er sogar den Tadel der Welt über sich ergehen lassen muss (Kap. 20); danach aber wandelt er so, dass sogar die Welt anerkennen muss, dass Gott in allem, was er tut, mit ihm ist (Kap. 21, 22).

In Kapitel 20 sehen wir wieder dieselbe Schwachheit und Verfehlung, die bei Abram in Kapitel 12 zum Vorschein kam, d.h. er verleugnet seine wahre Beziehung zu Sara; dieses Mal jedoch tritt uns dieser Fehltritt in verschlimmerter Form entgegen, wie das gewöhnlich der Fall ist, wenn irgendwelche Wirksamkeit des Unglaubens nicht wirklich gerichtet wird. Sie wiederholt sich dann wieder, und jedes Mal schlimmer als zuvor.

In Kapitel 12 geschah es in Verbindung mit dem Aufgeben der himmlischen Stellung, d.h. bei dem Verlassen Bethels und dem Hinabziehen nach Ägypten; aber in Kapitel 20 nach der Verheißung der Kapitel 17 und 18, wonach Sara die Mutter eines Sohnes werden sollte, mit dem der Bund Gottes sein würde, und der die Verheißungen ererben sollte.

Die besondere Verheißung in Kapitel 12 war das Erbe, in Kapitel 20 aber der Erbe; und in jedem Falle war die Bemühung des Feindes gegen das jeweilige besondere Zeugnis gerichtet. Wenn Abraham im Glauben an die Verheißung gewandelt hätte, so würde er verstanden haben, dass die Aufrechterhaltung seiner wahren Beziehung zu Sara von der höchsten Wichtigkeit war. Das war das Wesentliche in Gottes Zeugnis im damaligen Augenblick. Unglaube, Schwachheit oder Furcht bestimmen uns immer, das jeweilig Beste aufzugeben: der Leittrieb geht immer zuerst verloren.

Es ist eine ernste Warnung, dass ein so Bevorrechtigter, einer, der solche Nähe Gott gegenüber genossen hatte, in seinem öffentlichen Zeugnis so vom Glauben abweichen konnte. Mancher von uns kann das vielleicht verstehen, wenn er auf seine eigene Geschichte zurückblickt! Haben nicht auch wir erfahren, was es heißt, die Sprache des Glaubens zu gebrauchen und dabei Wege zu wandeln, die nicht die des Glaubens waren, und dies sogar, kurz nachdem wir die Freude geistlicher Dinge geschmeckt hatten? Aus unserem Wandel und Benehmen würden die Leute oft nicht auf die Würde und Glückseligkeit unserer Berufung und Vorrechte schließen können. Es ist traurig, wie schnell natürliche Gedanken bei uns die Oberhand erlangen können und die Gedanken des Glaubens tatsächlich beiseite setzen.

Wir sehen hier Abraham lediglich auf dem Boden der Natur. Er dachte an sich: „sie werden mich töten“ (V. 11). Doch die Wurzel von allem tritt uns in Vers 13 entgegen: „als Gott mich wandern ließ aus meines Vaters Hause“. Von welch einem niedrigen Standpunkte aus betrachtete er da die Berufung des Gottes der Herrlichkeit!

Die Berufung, das Erbe, das Vorrecht eines himmlischen Menschen, alles hatte er da aus den Augen verloren. Also Gott hatte ihn veranlasst, seines Vater Haus zu verlassen! War das ein Gedanke des Glaubens?

Wie oft finden wir auf den Lippen wahrer Gläubigen eine Sprache, die sich nicht über die des natürlichen Menschen erhebt! In dem Sturm waren die Jünger schnell bereit zu sagen: „wir kommen um!“ (Mat. 8, 25; Luk. 8, 24; Mark. 4, 38). In der Wüste sagten sie: „Woher nehmen wir in der Einöde so viele Brote, um eine so große Volksmenge zu sättigen?“ (Mat. 15, 33; Mark. 8, 5). Als der Herr sie vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer warnte, sagten sie: „Weil wir keine Brote mitgenommen haben“ (Mat. 16, 7). Als Er zu ihnen sagte, dass er eine Speise zu essen habe, die sie nicht kennten, sprachen sie: „Hat ihm etwa jemand zu essen gebracht?“ (Joh. 4, 33). Petrus schien sich zu den Gedanken des Glaubens zu erheben, als er sagte: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mat. 16, 16), was ihm Fleisch und Blut nicht geoffenbart hatten; und doch sprach er unmittelbar darauf, als der Herr von Seinem Tode redete: „dies wird dir nicht widerfahren“ (Mat. 16, 22).

Alles das zeigt uns, wie schnell wir von der Gesinnung des Glaubens abkommen können, und wenn es geschieht, so verleugnen wir sicherlich die geistlichen Beziehungen, in denen wir stehen.

Gott hielt Abimelech vom Sündigen zurück und bewahrte Abraham und Sara, ja Er ehrte Abraham sogar. Gott liebt es immer, Sein Volk zu ehren. Doch der Mann des Glaubens musste eine Zurechtweisung von der Welt hinnehmen.

Es ist gut, daran zu denken, dass die Welt sehr oft weiß, wie sich die Heiligen betragen sollten. Wir mögen wie Abraham denken, dass die Leute Gott nicht fürchten, aber sie haben oft sehr richtige Gedanken über das, was den Heiligen geziemt.

Sara war das Gefäß der Verheißung, das Isaak, im Bilde also Christum, zur Welt bringen sollte, und der Feind steckte hinter all der Schwachheit und Furcht Abrahams und dem Tun Abimelechs, das zu vereiteln. Wenn die Heiligen vor der Welt bloßgestellt sind und ihre wahre Beziehung zu Christo verleugnen, so können sie Ihn nicht im Zeugnis bringen.

Die Galater stellten sich auf einen Boden, der eine Verleugnung ihrer göttlichen Verwandtschaftsbeziehungen war. Ihr Platz, den sie vor Gott in Gnade hatten, und ihre wahre Beziehung zu Christo wurde durch die Einführung des Gesetzes, die Beschneidung usw. beiseite gesetzt, und die Folge war, sie brachten Christum nicht, sondern alles lief auf eine Veredelung und Verherrlichung des Fleisches hinaus. Das aber ist eine Verleugnung alles dessen, wofür Gott wirksam ist, und macht es zunichte.

Welch ein Tadel lässt Abimelech der Sara zuteil werden! Er gibt das Geld, ihr einen Schleier zu kaufen! (V. 16) Sara hätte als Abrahams Weib verhüllt gehen sollen. Wenn das der Fall gewesen wäre, so würde Abimelech nie nach ihr gesehen haben.

Die Kirche hätte immer verschleiert gehen und sich so ausschließlich für Christum bereit halten sollen. Dem Schleier liegt, wenn er geistlich verstanden wird, ein rechter Gedanke zugrunde. Vieles, was wir in der Christenheit finden, ist eine stoffliche und fleischliche Nachahmung von etwas Geistlichem und Göttlichem. Die Kirche sollte verschleiert sein. Als Rebekka den Isaak sah, verhüllte sie sich. Sie sagte im Bilde damit, dass sie nun ausschließlich für Christum und für keinen anderen da sein wollte.

Abimelech sprach: „ich habe deinem Bruder tausend Silbersekel gegeben; siehe, das sei dir eine Augendecke“ (Kap. 20, 16). Das war eine sehr ernste Zurechtweisung.

Du kannst dich darauf verlassen, dass die Welt weiß, dass die Heiligen Christo treu und gänzlich für Ihn sein sollten. Wenn wir auf die Standhöhe der Welt heruntergehen, so verlieren wir ihre Achtung. Heutzutage hat die Kirche durch ihre Untreue gegen Christum nahezu alle Achtung der Welt verloren. Sie hat ihre wahre Beziehung verleugnet, und anstatt als ein bedecktes Weib erfunden zu werden, macht sie in der Welt von sich reden.

In Kapitel 21 wird Isaak geboren, und die Folge davon, dass ihm der rechte Platz gegeben und Ismael ausgetrieben wird, ist, dass Abraham der Welt als einer erscheint, mit dem Gott ist. Das große Mahl oder Fest, das Abraham machte (V. 8) deutet auf jenen gesegneten Tag in der Geschichte der Seele hin, wo Christus als der Einzige anerkannt wird, der in ihr einen Platz haben sollte; man hat ihn den Krönungstag genannt, und er stellt im Bilde den Tag Christi dar, den Tag, wo er der Erhabene ist, Der, dem keiner gleichkommt, und an Dessen Stelle kein anderer treten wird. - Was hält der Mensch nach dem Fleische davon? - Er spottet darüber.

Du erfährst nie, was das Fleisch in dir selbst ist, bis du dir vornimmst, Christo allein Raum und Ehre zu geben. Dann erst lernst du kennen, wie sich das Fleisch dagegen auflehnt, beiseite gesetzt zu werden.

Isaak den ihm gebührenden Platz zu geben, brachte die Wesensart Ismaels ans Licht. Wir lesen nicht, dass sein wahres Wesen vorher zum Vorschein gekommen wäre. Die Einführung Christi stellt alles das bloß, was der Mensch nach dem Fleische ist. Es erweckt seine Feindschaft.

Gottes Gedanke ist, Christum einzuführen. Sara kann insofern als ein Bild der Kirche aufgefasst werden, als sie das Gefäß des Geistes zur Hervorbringung Christi ist. Gottes Gedanke ist es, aus Christo alles zu machen, und nicht den Menschen nach dem Fleische zu veredeln oder etwas aus ihm zu machen. Nein, Er will einen anderen Menschen einführen, und das Fleisch lehnt sich dagegen auf.

Die religiöse Welt ist geschäftig, Ismael zu veredeln, und sie spottet bei dem Gedanken an einen ganz und gar anderen Menschen; doch das Wort sagt: „Treibe diese Magd und ihren Sohn hinaus; denn der Sohn dieser Magd soll nicht erben mit meinem Sohne, mit Isaak!“ (V. 10).

Wenn ein Mensch erkennt, dass er ein schuldiger, verlorener Sünder ist, so wird er seine Not empfinden und zu Gott schreien, und dann wird er Segnung von einem Heiland-Gott erlangen.

Wenn wir uns unserer entsetzlichen Not und unserer Abhängigkeit bewusst werden, gibt es Gnade für uns; aber wenn wir diesen Pfad gehen, trennen wir uns von alledem, was wir dem Fleische nach sind.

Es entsteht nun die Frage: Welcher Mensch soll den Platz haben? Darum handelte es sich bei den Galatern. Der Galaterbrief baut sich zum großen Teile aus diesem Kapitel auf. In Galatien hatte man sich abgewandt, um den verkehrten Menschen, nämlich Ismael, zu veredeln. Deshalb sagte Paulus: „Meine Kindlein, um die ich abermals Geburtswehen habe, bis Christus in euch gestaltet worden ist“ (Gal. 4, 19).

Gottes Vorsatz war, in den Heiligen Christum zu gestalten; dies ist es, wozu Gott heute wirksam ist. Kein anderer Mensch soll irgendwelchen Platz haben - im Blick hierauf ist die Kirche das Gefäß des Geistes. Wenn Christus keinen Platz in meinem Herzen und Leben erhält, so bin ich von Gottes Standpunkt aus als etwas ganz Verfehltes anzusehen, obschon manche mich für einen netten Christen halten mögen.

„Abraham machte ein großes Mahl an dem Tage, da Isaak entwöhnt wurde“ (V. 8). Ich glaube, das ist der Tag, auf den der Herr hinwies, als Er sagte: „Abraham ... sah ihn (den Tag Christi) und freute sich“ (Joh. 8, 56).

Christi Tag steht im Gegensatz zum Tage des Menschen. Es ist der Tag, wo Er erhaben und ohnegleichen ist, wo kein anderer Mensch einen Platz hat. Abraham sah in Isaak den, der der Erbe der Verheißungen war, den, dem der Bund und das Erbe zugesagt waren. Und Abrahams Glaube gab ihm den gebührenden Platz und machte ihm ein großes Fest.

Wir denken alle mit Freuden daran, dass Christi Tag bald anbrechen wird, und der Tag wird kommen, wo Er die unumstrittene Oberherrschaft haben wird. Was die Zukunft anlangt, so sagen wir wohl alle gern unser Amen dazu, doch wie steht es mit der Gegenwart? Inwieweit ist Er bei mir der allein Geehrte, Der, der in mir ganz zum Ausdruck kommt? Nichts anderes als Christus allein sollte bei uns einen Platz haben, oder auch nur zu haben scheinen; Er sollte in den Heiligen verherrlicht und hoch erhoben werden, so dass Sein Tag schon bei ihnen im Voraus angebrochen ist.

Das große Fest bedeutet einen solchen Fortschritt in geistlicher Hinsicht, der es nicht bloß mit unserer sündigen Vergangenheit zu tun hat. Wir kommen da zu Isaak, und er bekommt den ihm zukommenden Platz der Ehre, und wenn er seinen rechten Platz bekommt, so muss Ismael ausgetrieben werden.

Viele Gläubige haben dieses „große Fest“ nie erlebt. Sie haben nie wirklich gesehen, dass alle Gedanken Gottes in Christo Gestalt gewonnen haben, und dass kein anderer Mensch berechtigt ist, irgendwelchen Platz zu haben. Der Geist ist immer bemüht, diese Richtung einzuhalten.

Der Mensch nach dem Fleische muss ausgetrieben werden, und dann haben wir darauf zu achten, dass er sich nicht auf irgendeine unmerkliche Weise wieder einschleicht. Jemand hat sehr richtig bemerkt: Wenn du ihn zur Vordertür hinauswirfst, kommt er zur Hintertür wieder herein. - Es ist also eine beständige Übung, ihn draußen zu halten.

Wir sollten uns das immer gegenwärtig halten, denn das ist eine Wahrheit, von der die Menschen nichts wissen wollen. Wenn du von der Verbesserung des Menschen redest, oder davon, ihn aus seinem Zustande der Erniedrigung zu erheben, ihn zu erziehen, ihn gesittet und religiös machen zu wollen, so wirst du Zuhörer finden. Aber wenn du darauf bestehst, dass der Mensch nach dem Fleische fort muss, und dass Christus allein den Platz haben soll - d.h. ein anderer Mensch, ein Mensch nach einer ganz neuen Ordnung, der zum Wohlgefallen Gottes ist -, dann wirst du finden, dass Ismael immer noch ein Spötter ist. Und was dir noch viel mehr zu schaffen macht, ist, das Fleisch in dir liebt das auch nicht.

Der Gegenstand vieler ist, einen guten und religiösen Menschen aus Ismael zu machen. Wie viele sind bereit, zuzugeben, dass ein guter Kern im Menschen nach dem Fleische ist, den man nur entsprechend zu pflegen oder zur Entwicklung zu bringen habe. Doch das ist alles eine Schulung Ismaels und für Gott ganz und gar untauglich - die Magd und ihr Sohn müssen ausgetrieben werden.

Ismael mag gesegnet werden, wie wir es in Vers 17 - 20 sehen, doch es geschieht dadurch, dass er durch tiefe Not und an den Rand des Todes gebracht wird. Wenn der Mensch in sittlicher Hinsicht dahin kommt, so ist Hoffnung für ihn. Doch das ist in Wahrheit sein Ende.

Ismael kann in seiner Verzweiflung gesegnet werden, wenn er hinab, zu den Pforten des Todes, gebracht worden ist, aber nicht aufgrund seiner ihn für Gott tauglich machenden Eigenschaften. Es ist reine Gnade.

Das Tor der Segnung steht in der Tat allen offen, aber der Mensch erreicht es nur durch den Notschrei seiner Verzweiflung. Das ist ein Bild der Wege Gottes mit Israel: Er lässt sie so lange in der Wüste umherirren, bis sie diese schwere Aufgabe gelernt haben, und dann werden sie aufgrund Seiner unumschränkten Gnade, ebenso wie die Nationen heute, gesegnet.

„Und die Sache war sehr übel in den Augen Abrahams, um seines Sohnes willen“ (V. 11). Ich denke, wir sehen das Urteil des Geistes in Sara. Sie war im Bilde das Gefäß des Geistes, Christum hervorzubringen. In Abraham jedoch sehen wir die Übungen, durch die der Glaube zu gehen hat, wenn er diese große und heilsame Unterweisung annehmen lernt.

Diese Übung sehen wir in Römer 9, 1 - 9. In wie schmerzlicher Sehnsucht musste da Paulus an seine Verwandten nach dem Fleische denken! Beide Übungen gehen nebeneinander her: Einerseits haben wir das Urteil des Geistes hinsichtlich der vollständigen Verwerfung des Menschen nach dem Fleische, der nicht der Gegenstand der Verheißung oder des Vorsatzes Gottes ist und somit als solcher gar nichts ererben kann; und andererseits haben wir das sehnliche Verlangen der Gnade denen gegenüber, die dem Fleische nach eine Beziehung zur Wurzel der Verheißung gehabt haben (siehe Römer 10, 1 - 4).

Doch wir müssen es hinnehmen, dass nur die Kinder der Verheißung als Same anerkannt werden. Der Mensch im Fleische muss bis zum Rande des Todes hinab gebracht werden, ehe die Segnung kommen kann, und das ist in sittlicher Hinsicht das Ende jenes Menschen. Dann erst gibt es einen Wasserbrunnen für ihn (V. 19). Das ist im Bilde der Geist eines anderen Menschen. Das geht auf die Zeit, wo das steinerne Herz von Israel genommen und ihnen ein fleischernes Herz gegeben wird (Hes. 11, 19; 36, 26), wo sie sagen lernen: „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Ps. 118, 26; Mat. 23, 39; Mark. 11, 9; Luk. 13, 35).

Der Fehltritt Abrahams und Saras, der uns in Kapitel 20 berichtet wird, rührte von selbstsüchtiger Furcht her, der sie einen größeren Raum in ihren Herzen gaben als der Verheißung Gottes. Wenn ihnen die Verheißung Isaaks in ihrer wahren Kraft vor Augen gestanden hätte, so hätten sie ihre Beziehung zueinander nicht verleugnen können. Christum aus den Augen verlieren ist die Wurzel jeden Fehltritts.

Dass sie ihre gegenseitigen Beziehungen verleugneten, brachte ihnen beiden den Tadel Abimelechs ein. Doch in Kapitel 21 sehen wir den Grundsatz und die Kraft der Wiederherstellung. Der Sohn der Verheißung kommt und ergreift von Abraham und Sara Besitz.

Der Tag kommt, wo Isaak seinen Platz erhält und die unumschränkte Herrschaft hat; dann ist kein Platz mehr für einen anderen. Ismael muss fort, und die Folge ist, dass Abraham an dem nämlichen Platze in sittlicher Überlegenheit gesehen wird, wo seine Schwäche offenbar geworden war. Sogar Abimelech musste anerkennen, dass Gott mit ihm war (V. 22), und das ist die Folge davon, dass Christus den Ihm gebührenden Platz bekommt.

Dann sehen wir, dass Abimelechs Knechte einen Brunnen, den Abraham gegraben hatte, mit Gewalt wegnahmen. Sollten wir darin nicht einen inneren Zusammenhang zu dem im vorigen Kapitel berichteten Fehltritts Abrahams erkennen?

Wenn die Kirche ihre wahre Beziehung zu Christo verleugnet und sich gleichsam im Hause des Königs befindet, also in der Welt erhöht ist, so nehmen ihr die von der Macht der Welt Angestellten ihre geistlichen Erfrischungen: Das der Form nach Richtige und das Amt treten dann an die Stelle der freien Tätigkeit des Geistes unter den Heiligen.

Als Christus als der herrliche Mensch im Himmel, als das lebendige Haupt, aus den Augen verloren wurde, verlor auch der Geist Seinen Platz; eine religiöse Ordnung kam auf, die Ihn beiseite setzte. Die Christenheit hat Christo nicht Seinen Platz gegeben und den Geist beiseite gesetzt, und so ist vieles, was durch die geistliche Arbeit der Apostel und die Übungen der Heiligen erlangt worden war, wieder fortgenommen worden. Und ich denke, es kann kein Zweifel darüber herrschen, dass das die Folge des Waltens Gottes war, weil die Kirche ihrer wahren Beziehung untreu wurde.

Es ist beachtenswert, dass die Feindschaft der Philister, sowohl in den Tagen Abrahams als auch in denen Isaaks, mit Brunnen zusammenhing. Die Philister stellen die dar, die dem Bekenntnis nach auf göttlichem Boden stehen, doch ohne Glauben; und ihr Bemühen geht immer dahin, die Heiligen der geistlichen Erfrischungen zu berauben.

Die Einführung grundsätzlicher Priesterherrschaft bedeutet die Wegnahme eines Brunnens, weil dadurch den Heiligen das Vorrecht genommen wurde, zusammenzukommen und dadurch Nutzen aus den mannigfachen Gaben zu ziehen, die ein und derselbe Geist wirkt, „einem jeden insbesondere austeilend, wie er will“ (1. Kor. 12, 11).

Die Schwäche der Reformationen lag darin, dass man in keiner der sogenannten evangelischen Kirchen dem Geiste wirklich einen Platz gab.

Wenn wir uns des ungehinderten Genusses des Brunnens erfreuen wollen, so müssen wir darauf achten, Christum allein zu ehren und Ismael keinen Platz zu geben. Dann kann Gott für uns wirken und uns geistliche Erfrischungen erhalten. In dem Maße, wie Christus in diesen letzten Tagen als Herr und Haupt anerkannt wurde, ist auch die Freiheit wiederhergestellt worden, dass die Heiligen als solche zusammenkommen und einander erbauen können.

Wo dann eine gewisse Wiederherstellung stattgefunden hat, sucht der Feind oft die rechte lehre und die richtigen Ausdrücke an die Stelle der Tätigkeit des Geistes zu stellen. Das Mag bis zu einem gewissen Grade schätzenswert sein. Wenn aber die Dinge nicht durch den Geist in lebendiger Frische in unseren Seelen sind, so nützen sie uns nicht viel.

Die sieben Schaflämmer scheinen auf den Geist der Gnade gegen solche, die feindlich gewesen waren, hinzudeuten. Dass Gott mit Abraham war, und die von Abraham an den Tag gelegte Gnade haben zur Folge, dass Abrahams Recht auf den Brunnen bestätigt wird. Wahrscheinlich geht das, was wir in Beerseba sehen, auf die Zeit, wo von allen anerkannt werden wird, dass Gott mit Seinem Volke ist, und dann wird es sich in Frieden des Genusses des „Eidesbrunnens“ erfreuen.

Doch inzwischen haben wir dadurch unser Anrecht auf das, was vom Geiste ist, zu erhärten, dass wir in sittlicher Übereinstimmung damit sind.

Der König und sein Heeroberster stellen solche dar, die ein amtliches Recht haben, doch der Mann des Glaubens tut ein sittliches Recht, auf das, was er genießt, dar. In dem Maße, wie wir Christum erhöhen und imstande sind, dem Fleische irgendwelchen Platz zu versagen, beweisen wir, dass Gott mit uns ist. Und der Geist der Gnade gegen die, die nicht freundlich gegen uns waren, ist ein mächtiger Beweis dafür, dass wir ein sittliches Anrecht darauf haben, jede Erfrischung des Geistes in Frieden zu genießen, die wir durch des Herrn Gnade und durch die Übung und den Fleiß des Glaubens erlangt haben.

Der Herr redet zu Philadelphia von einer geöffneten Tür, „die niemand zu schließen vermag“ (Offb. 3, 8). Er verpflichtet Sich damit, denen, die Sein Wort halten und Seinen Namen nicht verleugnen, die Freiheit zu sichern, geistliche Vorrechte zu genießen. Solche haben dadurch ihr Anrecht auf den Brunnen erwiesen, wenn wir das Bild so nehmen wollen, und der Herr wird darauf achten, dass sie nicht am Genusse desselben durch die Philister gehindert werden.

Gar bald werden dann sogar die Widersacher anerkennen müssen, dass solchen der Platz der Ehre zukommt. Sie werden wissen, dass sie von Christo geliebt sind.

 

 

Kapitel 22

 

In Kapitel 22 sehen wir, wie Abraham berufen wird, seinen Sohn Isaak als Brandopfer zu opfern. Der Erbe konnte weder das Erbe antreten, noch die Braut besitzen, es sei denn, dass er gestorben und auferstanden war. Und hier sehen wir in Abraham einen derartigen Glauben, der bereit war, sogar den Isaak im Blick darauf aufzugeben, dass er ihn in der Auferstehung wiedererlangte (Heb. 11, 17 - 19).

Alle Verheißungen gipfelten in Dem, von dem Isaak ein Vorbild war, und mit dem Gottes Bund bestand. Die Erkenntnis all des Holdseligen in Ihm, dem Sohne der Verheißung, machte den Glauben in der Tat lachen; und Sein Kommen erforderte, dass der Mensch nach dem Fleische ausgestoßen werden musste. Die Verheißungen und Segnung Gottes schlossen die vollständige Beiseitesetzung jenes Menschen in sich.

Isaak musste beschnitten werden, was ich als ein Bild von der Abschneidung des Fleisches im Tode Christi auffasse. Der Brief an die Kolosser nennt das „die Beschneidung des Christus“ (Kap. 2, 11).

Aber im Tode Christi war viel mehr als das enthalten: Christus war ein „Brandopfer“ (V. 2), worin der liebliche Wohlgeruch vollkommener Zuneigungen, die Er Gott in Seinem Tode bewies, zum Ausdruck kam.

In diesem Kapitel erweitert sich unser Gesichtskreis hinsichtlich des Brandopfers ungemein. In Abels Opfer fanden wir im Bilde Vortrefflichkeit, in Noahs Opfer sahen wir im Bilde sittliche Reinheit, aber hier kommen wir zu einem überaus ergreifenden Bilde von den Zuneigungen, die das Opfer in sich begriff. Es handelt sich nun um einen Vater und einen Sohn, darum, dass der geliebte Gegenstand des Vaterherzens geopfert werden muss.

Bedenken wir, was Isaak dem Abraham war - sein Sohn, sein Einziger, sein Geliebter! Das geht über ein bloßes Vorbild hinaus, denn Abraham war berufen, in mitfühlender Liebe in das einzugehen, was das Herz des glückseligen Gottes zu tun vorhatte. Es ist der herzergreifendste Vorgang, den man sich denken kann. Wer vermöchte zu sagen, was es für Gott war, Seinen geliebten Sohn dem Tode auszuliefern?

Dieser Tod war in der Tat die volle Offenbarung der Liebe Gottes. Und andererseits konnte in ihm allein das volle Maß des Gehorsams und der Ergebenheit des Sohnes zum Ausdruck gelangen.

Bedenken wir, was Er für den Vater war, Er, der im Blick auf Seinen Tod sagen konnte: „auf dass die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe und also tue, wie er mir geboten hat“! (Joh. 14, 31) Bedenken wir, was Ihm und dem Vater die Heiligen sein mussten, für die Er Sich also geopfert hat! Er liebte sie in Seinem Herzen all den Gedanken gemäß, die der Vater über sie hatte, und dazu Seiner eigenen Liebe gemäß, und Er gab Sich Selbst für sie, damit all diese kostbaren Gedanken zustande kommen konnten. Und der Vater schätzte diese Seine Liebe, die Ihm so vollkommen entsprach, sie stieg als ein überaus duftender Wohlgeruch in dem Opfer Seiner Selbst auf, das eine göttliche und heilige Grundlage dafür bildete, dass all die Vorsätze ewiger Liebe durchgeführt werden konnten.

Die Heiligen verweilen oft bei dem, was Er hinweg tat, aber was Er dadurch brachte, ist unendlich größer: Er hat den Willen Gottes, Sein Wohlgefallen, in all seinem Umfange, zustande gebracht, und Er brachte die Liebe Gottes ans Licht. Ferner hat Er in dem Opfer Seiner Selbst im Menschen die der Sohnschaft eigene Liebe völlig enthüllt; und die Frucht wird sein, dass „viele Söhne“ Gott in alle Ewigkeit in der der Sohnschaft eigenen Liebe entsprechen werden. Gerade diese Seite sehen wir in so lieblicher Weise im Abendmahl des Herrn.

Dass der geliebte Sohn gegeben wurde, um Gott an der Stätte des Todes ein duftender Wohlgeruch zu sein, brachte alles das ans Licht und zur Durchführung, was im Herzen Gottes ist. Gott tat hochbegünstigten Männern kund, was Ihm jener Gesegnete war. Sie haben Seine Herrlichkeit als die eines Eingeborenen bei einem Vater. So wurde Er den Menschen vor Augen gestellt, damit sie einigermaßen verständen, was es für Gott war, Ihn dem Tode preiszugeben.

Weiter unterwarf Sich der Sohn dem Tode in all dem Wohlgeruch der Zuneigungen und des Gehorsams des Sohnes, um so eine Grundlage zur Erfüllung all der Vorsätze der göttlichen Liebe zu schaffen. Dieserhalb endet das Kapitel mit der Einführung Rebekkas. Und wenn Rebekka den Schauplatz betritt, so verschwindet Sara. Sara stellt Israel dar, insofern Christus nach der Verheißung aus ihm geboren wurde; doch in Rebekka haben wir ein Bild der Kirche, die zu dem verherrlichten und auferstandenen Christus im Himmel gebracht wurde. Ein auferstandener und himmlischer Christus ist es, der die Braut bekommt.

„Das Holz zum Brandopfer“ (V. 6), das auf Isaak gelegt wurde, redet sicherlich von dem für jenen Holdseligen bereiteten Leib; damit Er geopfert werden konnte, musste Er „im Fleische“ kommen (1. Joh. 4, 2 u. 3; 2. Joh. 7). Durch den Menschen waren die Sünde und der Tod in die Welt gekommen, es war der Mensch, der ungehorsam gewesen war und Gott verunehrt und Ihm ein Herzeleid verursachte hatte; und so musste es auch ein Mensch sein, der in dem Gehorsam und der Hingebung einer Liebe, die bis in den Tod gehen konnte, Gott auf das vollkommenste verherrlichte, und so ein vollkommenes Wohlgefallen, einen lieblichen Wohlgeruch für Gott herbeiführte, der ewigen Bestand haben wird.

Als im Fleische gekommen, konnte Er durch das heilige Feuer geprüft und zur Herrlichkeit Gottes in jeder Hinsicht als vollkommen erfunden werden. In jenem heiligen Menschen war keine Sünde; Er war „das Heilige“, das in der Jungfrau Maria durch den über sie kommenden Heiligen Geist und die sie überschattende Kraft des Höchsten gezeugt wurde (Luk. 1, 35).

Wir sehen daher im Sohne Gottes einen in sittlicher Hinsicht von jedem anderen ganz und gar verschiedenen Menschen, nämlich den Heiligen Gottes, den Gerechten, Einen, der durch alles, was Gott ist, auf die Probe gestellt werden konnte, und das sogar, da Er als Opfer den Platz der Sünde und des Todes einnahm. Er konnte aus allem durchaus vollkommen hervorgehen.

Wie sehr freut sich der Glaube, diese einzig dastehende und unbefleckbare Wesensart jenes Menschen und jenes heiligen Fleisches anzuerkennen, in dem Er kam, um zur Verherrlichung Gottes geopfert zu werden! Und wenn wir das anerkennen, so füllt es das Herz des Gläubigen mit Anbetung.

Doch wenn wir uns so Ihm und dem Vater, der Ihn sandte, in anbetender Bewunderung zuwenden, mit welch heiligem Abscheu wendet sich unser Herz da von den unreinen und lästerlichen Gedanken derer ab, die sich unter Beibehaltung des christlichen Bekenntnisses erdreisten, Seine Geburt durch eine Jungfrau, und damit auch Seine Gottheit und Seine sündlose menschliche Wesensart, anzuzweifeln. Die Menschwerdung - das Kommen des Sohnes Gottes im Fleische - ist die Grundlage und Grundfeste von allem im ganzen sittlichen Weltall.

Dann heißt es: „und in seine Hand nahm er das Feuer“ (V. 6). Feuer redet von dem, was Gott ist - „unser Gott ist ein verzehrendes Feuer“ (Heb. 12, 29; 5. Mose 4, 24) - , und zwar in der eingehendsten und schärfsten Weise auf das, was Ihm zur Prüfung vorliegt, zur Anwendung gebracht. Einen Hinweis darauf sehen wir in der „Flamme des kreisenden Schwertes“, die nach dem Fall den Weg zum Baume des Lebens bewahrte (Kap. 3, 24), doch die erste unmittelbare Anspielung auf Feuer ist in der Tatsache enthalten, dass Noah Brandopfer auf dem Altar opferte (Kap. 8, 20).

Es ist sehr gesegnet, das Feuer zuerst in einer solchen Verbindung erwähnt zu sehen, denn es deutet hier darauf hin, dass Einer gefunden werden würde, auf den die eingehendste göttliche Prüfung angewandt werden konnte, ohne dass etwas anderes als Vollkommenheit entdeckt wurde, und etwas anderes als ein „lieblicher Wohlgeruch“ zu Gott emporstieg. In diesem Zusammenhange finden wir auch das Feuer in unserem Kapitel erwähnt.

Wenn Sünde vor Gott kommt, und Er mit ihr der Heiligkeit Seiner Natur gemäß verfahren muss, so nimmt das Feuer notwendig das Gepräge des Zornes an, und in dieser Weise sehen wir es, als Gott in Kap. 19, 24 zur Zerstörung der schuldigen Städte in der Ebene Feuer aus dem Himmel regnen ließ.

In dieser Eigenart sehen wir das Feuer auch bei den Opfern, die in Gerechtigkeit Segnung für den Menschen als schuldigen Sünder sichern sollten. Da wurden die Leiber der Tiere, deren Blut für die Sünde in das Heiligtum gebracht wurde, außerhalb des Lagers verbrannt: Christus, der Heilige Gottes, der keine Sünde kannte, wurde für uns zur Sünde gemacht. Er wurde als Opfer zu dem gemacht, was wir tatsächlich persönlich waren; und als Er so den Platz der Sünde einnahm, wurde Er von Gott verlassen und hatte den Kelch des Zornes Gottes zu trinken. Seine Gnade brachte Ihn dahin, und das Feuer - alles, was Gott in Seiner Heiligkeit gegen die Sünde ist - verzehrte in einer Weise seine Kraft an Ihm, wie wir es nie völlig erkennen werden.

Wenn wir das betrachten, so können wir nur anbeten. Er trug den Zorn und hatte ihn für alle, die an Seinen Namen glauben, völlig erschöpft.

Was wir nun im Vorbilde in Verbindung mit dem Brandopfer sehen, ist, dass das Feuer die ganze Vollkommenheit des Opfers in einem annehmlichen Wohlgeruch zum Vorschein bringt. Als Er der schärfsten und eingehendsten Prüfung unterzogen wurde, da, als Er sogar den Platz der Sünde und des Todes einnahm und, von Gott verlassen, den Kelch trank und alles das erduldete, was die Sünde, dem gerechten Gericht und der Heiligkeit Gottes gemäß, verdiente - da ward nichts als Vollkommenheit in höchster Vollendung in Ihm gefunden.

An der Vollkommenheit, die unter der Wirkung des Feuers in einem lieblichen Wohlgeruch zum Vorschein kam, hatte Gott Wohlgefallen.

Im Hebräischen werden für das Verbrennen des Sündopfers außerhalb des Lagers und das Verbrennen des Brandopfers verschiedene Worte gebraucht; im letzten Falle hat das Wort die Bedeutung „Rauchwerk verbrennen“. Das, was Gott ein Abscheu war, wurde, wenn es in dem Sündopfer vor Ihn gebracht wurde, gänzlich verzehrt. Zu gleicher Zeit kamen aber im Brandopfer unter der Prüfung des heiligen Feuers die unendlichen Vollkommenheiten Dessen zum Vorschein, der Sich Selbst Gott opferte.

Der Herr wusste, was der Kelch, den Ihm Sein Vater gab, in sich begriff. Er konnte daher nur vor ihm zurückschrecken, und so kam es, dass Er, als Er an ihn dachte, sprach: „nicht mein Wille, sondern der deine geschehe!“ (Luk. 22, 42); und „den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?“ (Joh. 18, 11).

Als der Verlassene rechtfertigte Er Gott darin, dass Er Ihn verließ, wie es in Ps. 22, 3 in den Worten zum Ausdruck kommt: „Doch du bist heilig, der du wohnest unter den Lobgesängen Israels“. Gott fand einen Menschen, der zu Seiner Herrlichkeit Ihm vollkommen gehorsam und ergeben war, und dies sogar da, als Er den Platz der Sünde und des Todes einnahm und das volle Gericht der Sünde trug. Er wurde durch das Feuer alles dessen, was Gott in Seiner Heiligkeit gegen die Sünde war, geprüft, aber nichts als Vollkommenheit wurde in Ihm gefunden. Gott wurde in diesem holdseligen Menschen, Seinem geliebten Sohne, verherrlicht.

Diese kostbare Seite der Leiden und des Todes Christi tritt uns im Brandopfer entgegen. Die scharfe und eingehende Prüfung des Feuers, auf Christum, den geliebten Sohn angewandt, konnte nur all Dessen innere Vollkommenheiten und Seine Hingebung enthüllen. Es rief den Duft des lieblichen Wohlgeruchs und all Seiner Holdseligkeit hervor.

Er kam vom Himmel hernieder, um den Willen Gottes zu tun und alle die „Schatten“ der „Schlachtopfer und Speisopfer und Opfer für die Sünde..., die nach dem Gesetz dargebracht werden“, an denen Gott kein Wohlgefallen fand, durch das Schlachtopfer Seiner Selbst zu ersetzen (Heb. 10, 1 u. 8; 9, 26).

Wie gut können wir nun die in unserem Kapitel zweimal erwähnten ergreifenden Worte verstehen: „sie gingen beide miteinander“ (V. 6 u. 9). Der Vater hatte den Sohn gesandt, Seinen Willen zu vollbringen, und der Sohn war gekommen, ihn zu tun, und sie gingen beide auf jenem gesegneten Pfade miteinander, der uns so klar und völlig im Evangelium des Johannes dargestellt wird. Der Sohn sprach: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe“; und „mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke“ (Joh. 4, 34; 5, 17). „Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was irgend er tut, das tut auch der Sohn gleicherweise. Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut“ (Joh. 5, 19 u. 20). Ich bin „nicht allein..., sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat“; und „der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das ihm Wohlgefällige tue“ (Joh. 8, 16 u. 29). „Ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir“ (Joh. 16, 32).

Ja, man kann in der Tat das ganze Evangelium im Lichte der Worte lesen: „sie gingen beide miteinander“.

„Ich aber und der Knabe wollen bis dorthin gehen und anbeten, und zu euch zurückkehren“ (V. 5). Bei keinem des bisher Geopferten haben wir eine Andeutung, dass es der Gegenstand der Wirksamkeit der Auferstehungsmacht sein werde; diesen neuen Zug sehen wir in diesem Vorbilde. Isaak würde „zurückkehren“!

Für den Glauben Abrahams konnte es nicht anders sein, wenn er daran dachte, wer Isaak war, und dazu an alle die Verheißungen, die Gott in Verbindung mit ihm gegeben hatte. Und wie gewiss war es für den wahren Isaak, dass die „Wehen des Todes“ aufgelöst werden mussten, „wie es denn nicht möglich war, dass er von demselben behalten würde“ (Apg. 2, 24). Die Kraft der Auferstehung wohnte Ihm inne, Er war „die Auferstehung und das Leben“ (Joh. 11, 25).

Der Widder war „im Dickicht festgehalten durch seine Hörner“ (V. 13). Als das Lamm kennzeichnete den Sohn Gottes makel- und fleckenlose Vollkommenheit und Sanftmut im Leiden; doch der Widder redet von Reife und Tatkraft, und seine Hörner sind das Sinnbild der Stärke.

Man hat sehr recht bemerkt, dass Christus durch die Stärke Seiner Liebe imstande war, das ganze kostbare Werk zu tun, das zur Herrlichkeit Gottes und zur Befriedigung des Herzens des Vaters notwendig war, um viele Söhne zu haben. Aufgrund dessen, dass Er als Brandopfer geopfert wurde, kann jeder Gedanke und Vorsatz des glückseligen Gottes zustande kommen; nichts wird fehlen, das Herz Gottes mit Befriedigung zu erfüllen.

 

„Und unser Gott, den wir erkannt hier haben, -

In Jesu Liebe, ach, so wohl erkannt! -

Wird ruhen in der Segnung all der Seinen,

Dort vor Ihm Selbst, in der Verheißung Land.“

(Lied 174, 3)

 

Christus ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern, die Seinem Bilde zur Befriedigung Gottes gleichgestaltet werden. Und Er bekommt die Braut zur Befriedigung Seines eigenen Herzens. Das sind die wunderbaren Folgen davon, dass Christus „sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch“ (Eph. 5, 2).

 

Kapitel 24

 

Dieses Kapitel verdient unsere höchste Beachtung, da es ein göttliches Bild von dem ist, was in der Gegenwart vor sich geht. Es zeigt die wunderbare Frucht der Gedanken und Vorsätze des Vaters. Der wahre Isaak ist geopfert worden, und nun geht das gesegnete Werk vor sich, das Ihm eine Braut sichert.

In Kapitel 23 haben wir den Tod des Sara, des Gefäßes der Verheißung; und was nun ans Licht kommt, ist der Vorsatz des Vaters und ein Gegenstand für die Liebe des Sohnes, nämlich die Braut. Saras Tod stellt die einstweilige Übergehung Israels und der Verheißungen in Bezug auf die Erde dar, die geschah, damit himmlische Segnungen und Beziehungen eintreten konnten.

Der Sohn ist im Bilde durch den Tod gegangen und hat eine himmlische Stellung eingenommen, und so bekommt er die Braut.

Die Verheißungen scheinen hauptsächlich in Verbindung mit dem zu stehen, was sich an Gottwidrigem zutrug; jeder Offenbarung des Bösen in dieser Welt trat Gott mit einer Verheißung entgegen. Doch es gab etwas, was dem allen vorausging und größer als das alles war. Es war das, was Gott in Seinem Herzen hatte,  noch ehe irgendeine Wirksamkeit der Sünde vorhanden war: Seine ewigen Vorsätze der Liebe.

Es gab Vorsätze, als Gott noch nichts anderes als Seine eigene Liebe betrachten konnte. Verheißungen wurden erst als eine Antwort auf die Offenbarung der Macht des Bösen gegeben. Ewiges Leben ist die Krone der Verheißung, die Vollendung und der Abschluss von allem, was Gott in dieser Hinsicht bringt. Es ist die gesegnete Antwort auf die Sünde, den Tod und die Macht Satans: der vollständige Triumph Gottes über das alles.

Ich denke auch, dass Verheißungen hauptsächlich in Verbindung mit der Erde stehen, aber der Vorsatz Gottes hat den Himmel und himmlische Beziehungen vor sich. Isaak ist im Bilde der himmlische Christus, Der, der in den Tod ging, um eine Grundlage zur Durchführung all der Vorsätze des Vaters zu schaffen. Was uns in diesem Kapitel vom Vorsatz Gottes entgegentritt, ist, dass der Sohn eine Braut bekommt.

Was wir hier im Bilde sehen, ist etwas, womit die Herzen aller Heiligen vertraut sein sollten. Ich denke, wir sollten das aufgrund unserer eigenen Herzensübungen verstehen, aufgrund dessen, was der Geist Gottes mit uns tut.

Wir sollten dieses Kapitel nicht so sehr im evangelistischen Sinne lesen, denn der Evangelist geht aus, die Gnade Gottes ganz und gar Unpassenden zu verkündigen. In diesem Schriftabschnitt jedoch geht der Knecht aus, um eine Braut zu finden, die passend ist, mit Isaak vereinigt zu werden.

Der Evangelist sollte Gutes von seinem Gott reden und jedem armen Sünder, dessen Ohr er bekommen kann, Gottes Haltung der Gnade in Christo kundtun. Er sieht die Menschen in ihrer tiefen Not und Sünde und bringt ihnen die Gnade Gottes in Christo. Es gibt einen Dienst des Evangeliums und einen Dienst der Versammlung. Jener macht mich mit dem bekannt, was für mich ist, dieser mit dem, was für Christum ist, und zu diesem Dienste kommen wir im vorliegenden Kapitel.

Die Braut musste in erster Linie ihrer Herkunft nach passend sein. Weiber kanaanitischer Herkunft waren nicht für Isaak passend. Wir alle haben Römer 3 gelesen. Wenn der Evangelist aufsteht, um zu predigen, sagt er seinen Zuhörern oft, dass dieses Kapitel in Gottes Augen ihr Bild ist; dann bringt er die Gnade Gottes und zeigt, wie diese sich in allem ihrer tiefen Not und dem Verderben anpasst. Von einem Sünder erwarten wir keine sittliche Schönheit. Wir suchen ihm zu zeigen, dass er keine hat, und dass er Christum als seine Gerechtigkeit und Schönheit haben kann. Man kann sich nicht vorstellen, dass solche, die in Römer 3 beschrieben sind, eine Braut für Christum sein können.

Doch dieser Gedankengang wird uns im Vorbilde nicht in Rebekka dargestellt. Sie tritt uns nicht als eine entgegen, in der irgend etwas beseitigt oder die gereinigt werden müsste. Von vorneherein wird sie als mit Isaak verwandt betrachtet. Wenn jemand sagen kann: „ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen“ (Röm. 7, 22), so gehört er einer ganz anderen Menschenordnung als der in Römer 3 beschriebenen an, er ist Christo sittlich verwandt.

Nach Mat. 7, 21 erkennt der Herr den als Seinen Verwandten an, von dem Er sagen kann: „wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist“; nach Mark. 3, 35: „wer irgend den Willen Gottes tun wird“; nach Luk. 11, 28: „die das Wort Gottes hören und bewahren!“. Das macht sehr klar, wer mit Ihm verwandt ist; sie sind die Frucht göttlicher Herkunft und Wirksamkeit. Als der Herr hienieden war, fühlten sich manche sehr zu Ihm hingezogen; Er fand die, die Ihm entsprachen.

Ich glaube, das Evangelium Johannes hat die Braut viel vor sich. Johannes hatte die Braut im Gesichte so gesehen, wie sie in der Zukunft sein wird. Und am Anfang seines Evangeliums sagt er uns, dass Johannes der Täufer anerkannte, dass der Sohn Gottes der Bräutigam war, und dass Er allein ein Recht auf die Braut hatte.

Wir dürfen wohl annehmen, dass das Evangelium nach Johannes die Gestaltung bräutlicher Wesensart und Zuneigung zum Ziele hat. Die Braut empfängt aufgrund eines göttlichen Werkes in der Seele ihren Platz; durch die Gnade und Wirksamkeit Gottes wird das, was für Christum passend ist, hervorgebracht.

Der Knecht geht aus, eine passende Braut für Isaak zu finden. Er findet dabei keine unpassende, die er erst für ihn passend macht. Sie war passend, weil sie dem Bilde nach göttlicher Herkunft war. Das ist das wahre Geheimnis ihrer Ähnlichkeit Christi.

Keiner würde überhaupt Christum schätzen, wenn es nicht etwas in seinem Herzen gäbe, das mit Christo verwandt wäre. Jemand, der am Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen Wohlgefallen findet, und der zur geistlichen Freiheit durch das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu gelangt ist, das ihn frei vom Gesetz der Sünde und des Todes macht, und der den Geist Christi hat, ist mit Christo verwandt (Röm. 7, 22; 8, 2 u. 9). [Anmerkung des Übersetzers: Römer 8, 9 lautet richtig wiedergegeben: „Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, ist nicht seiner (Art)“, d.h. ist nicht durch Christum gekennzeichnet, handelt nicht in der Gnade Christi, also in Seinem Geiste.]

Wir können die Braut nicht als eine Wahrheit auffassen, die sich auf Einzelne bezieht, obschon Einzelne an der göttlichen Natur teilhaben. Jeder der Einzelnen, die die Braut ausmachen, vermag Christum zu schätzen und Ihm zu entsprechen, so dass der Geist solche mit göttlichem Zierat schmücken kann.

Als der Herr hienieden war, zog Er gleichsam wie ein Magnet alles Ihm Verwandte zu Sich hin. Wo immer ein göttliches Werk in den Seelen der Menschen war, wurden sie angezogen, und wenn sie Ihm entsprachen, so gefiel es Ihm, ihnen einen wunderbaren Schmuck anzulegen.

Der Knecht erkannte Rebekka an dem Geiste der Gnade, der in seiner Überfülle zum Vorschein kam; denn sie entsprach nicht nur seinem Wunsche nach einem Trunke Wasser, sondern sie gab ihm mehr als das, worum er gebeten hatte, und schöpfte auch Wasser für seine Kamele. Es war dieser besondere Zug der Gnade, der sie als die für Isaak Bestimmte erwies und sie geeignet machte, mit Ringen und Armspangen geschmückt zu werden.

Die Frucht der Wirksamkeit Gottes oder des Säens sind solche, die derartige sittliche Wesenszüge tragen, dass sie für Christum passend sind. Es würde keinen Schatz und keine Perle geben, wenn keine Aussaat stattgefunden hätte und der Boden nicht zuvor vom Vater zubereitet worden wäre, um ihn fruchtbar zu machen und den Samen aufnehmen zu können. So wird ein Geschlecht gezeugt und ans Licht gebracht, das passend ist, mit geistlichen Kleinodien geschmückt zu werden.

Man hat gesagt, dass der Herr viel für die Jünger tat, was nachmals durch das Werk des Geistes in ihnen Gestalt gewann; und ich denke, wir können den Dienst des Herrn an Seinen Jüngern als ein Anlegen von Ringen und Armspangen betrachten.

Er brachte eine ganz neue Auffassung über das zuwege, was Gott wohlgefiel - eine neue Art sittlicher Schönheit, die in vollkommener Weise in Ihm zu sehen war, und die in dem Maße ihr Teil wurde, als sie Ihn schätzten, und so legte Er ihnen ein kostbares Zierat nach dem anderen an.

Er kleidete sie in Wahrheit mit dem, was Er Selbst war, auf dass sie Ihn darstellten. Er wurde ihnen „zum Stolz und zum Schmuck“ (Jes. 4, 2). Der verborgene Mensch ihrer Herzen war mit den Wesenszügen Christi geschmückt (1. Pet. 3, 4), so wie uns Sein Wort, das in Wirklichkeit ein Ausdruck von Ihm Selbst war, darstellt.

Es ist kostbar, dieses Wort zu halten, denn insoweit wir es halten, werden wir geschmückt, und was Christus ist, wird uns zum Stolz und zum Schmuck.

Im Laufe der Betrachtung dieses Buches haben wir die Sendung des Geistes von verschiedenen Gesichtspunkten aus vor uns gehabt. Wir sahen Ihn im Bilde als eine uns zur Beiseitesetzung des Fleisches verliehene Kraft. Ein anderes Vorbild des Geistes war der Brunnen, da haben wir den Geist als die Quelle göttlicher Erfrischung. In diesem Kapitel nun bietet sich uns in dem Knechte ein neuer Anblick vom Geiste, ein schönes Vorbild (Seiner Tätigkeit). Er ist gesandt, die Braut ausfindig zu machen und sie heimzuführen. Der Vater (Gott) fasste den Gedanken an die Braut, und die Sendung des Geistes geschah, um sie Christo zuzuführen.

Eva war, noch ehe die Sünde kam, ein Bild von der Kirche, und wir wollen nun Eva und Rebekka einander gegenüber stellen.

Eva ist die Braut, lediglich von der Seite der göttlichen Unumschränktheit und des Werkes, wodurch sie gebildet wurde, betrachtet. Ihrerseits fand im Bilde keine Übung statt. Gott nahm eine Rippe und baute ein Weib und brachte sie zu dem Manne. Das alles war Gottes Werk.

Aber in Rebekka sehen wir einsichtige Herzensübung und die sittlichen Wesenszüge der Braut, im Knechte jedoch tritt uns der Geist entgegen, der diese Herzensübungen hervorbringt. Rebekka hatte die Reise zu Isaak zu machen. Wir haben also hier die Geschichte der Braut, was einsichtige Herzensübung und die ihr zufolge unternommenen Schritte anlangt.

In Epheser 1 haben wir den Vorsatz Gottes und in Kapitel 2 das Werk Gottes, was die Bildung neuer und lebendiger Zuneigungen in sich begreift.

Rebekka wurde zu einem Zelte gebracht. Das ist ein Bild davon, wie Christus gegenwärtig entschädigt wird, und nicht davon, was die Kirche Ihm im Himmel oder in der Ewigkeit sein wird. Das Zelt hat es nur mit der gegenwärtigen Zeit zu tun.

Dieses Kapitel beleuchtet die Wesenszüge dessen, was jetzt in den Herzen der Heiligen hervorgebracht wird. Es handelt sich um die geistliche Reife, die die Heiligen in ihren Herzen dorthin bringt, wo Christus ist, so dass sie Ihm ein Trost sein können.

Es ist gesegnet, daran zu denken, dass Christus eine gegenwärtige Entschädigung hat uns sie in uns finden kann. Er hat Seine Mutter - Israel, das Gefäß der Verheißung - verloren; sie ist tot, aber Er hat dafür eine Entschädigung. Es ist in der Tat nichts, was Sara war, verloren gegangen, denn es wird in der Kirche fortgesetzt, genährt und gepflegt.

Weiter ist Ihm die Kirche das Zeugnis von der Liebe Seines Vaters, da Dessen Liebe sie Ihm gesichert hat. Das Zelt stellt etwas Gegenwärtiges dar, es zeugt davon, dass der Herr eine gegenwärtige Entschädigung hat. Der Gedanke daran sollte unsere Herzen tief bewegen. Wir mögen gesagt haben: Christus ist für mich; doch ich frage: Verlangen wir danach, für Christum zu sein? Das erst wäre eine Entschädigung für Ihn.

Rebekka wurde, als der Knecht sie zum ersten Male sah, durch Gnade gekennzeichnet. Das war es, wonach er ausschaute und wodurch er sie fand. Wenn sie Isaak verwandt war, so musste sie auch durch die dieser Verwandtschaft entsprechende Gnade gekennzeichnet sein.

Als der Herr auf Erden war, gab es solche, die er als Ihm verwandt anerkennen konnte. Er nahm in denen, die Ihn umgaben, wie von anderer Seite bemerkt worden ist, einige von den der Kirche eigenen Wesenszügen und Schönheiten wahr. Er sah in Seinen Brüdern das, was Er lieben konnte, und zwar nicht nur mit dem Blicke der Unumschränktheit, sondern des Wohlgefallens.

Er sah eine Schar, die den Willen Gottes tat und auf das Wort Gottes hörte. Sie glichen Ihm, und so konnte Er sagen: Diese sind meine Mutter und meine Brüder. Sie waren Ihm verwandt, und die Gnade davon wurde offenbar. Thomas sagte: „Lasst auch uns gehen, auf dass wir mit ihm sterben!“; und Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte Ewigen Lebens“ (Joh. 11, 16; 6, 68).

Rebekka tat ihre Herkunft kund und sagte: „Ich bin die Tochter Bethuels“ (V. 24). Das hat jetzt in sittlicher Hinsicht zu geschehen, dadurch dass etwas vom Geiste Christi zum Vorschein kommt. Alles andere hat keinen Wert. Solche, die das lieben, was von Gott ist, und davon angezogen werden, wenn immer sie damit in Berührung kommen, werden zur Bildung der Braut verwandt.

Es ist nicht immer viel Raum für den Geist vorhanden! Der Knecht wurde aufgenommen, Raum und Lebensmittel waren für ihn da, und seine Vorschläge wurden angenommen. Das ist sehr wichtig. Ich sollte mich wundern, ob wir alle Seine Vorschläge angenommen haben? Wenn das geschehen ist, so kommt die Seele dahin, zu sagen: Keiner hat ein Recht auf mich als Christus, und ich freue mich, für Ihn zu sein. Es heißt: „vergiss deines Volkes und deines Vaters Hauses! Und der König wird deine Schönheit begehren“ (Ps. 45, 10 u. 11).

Hier war Bereitwilligkeit, zu gehen. Rebekka sagte: „Ich will gehen“ (V. 58). Das ist ein sehr bedeutsames Wort. Der Knecht hatte schon über die Bereitwilligkeit des Weibes Übung gehabt (V. 5). In Ps. 110, 3 haben wir ein sehr beachtenswertes Wort: „Dein Volk wird voller Willigkeit sein am Tage deiner Macht“, d.h. wenn das Zepter Seiner Macht von Zion ausgeht.

Auf diese Weise werden die Seelen willig gemacht. Sie werden dadurch willig gemacht, dass sich der mächtige Einfluss Christi durch den Geist über das Herz Geltung verschafft. Wenn der Geist aufgenommen wird, so entscheiden sich die Seelen für Christum. Ich meine damit nicht, dass sich Sünder für den Heiland entscheiden, sondern dass sich Heilige für Christum entscheiden in dem Sinne, dass Er ein Recht hat, sie völlig zu besitzen, so dass sie sich Ihm willigen Herzens hingeben.

Wenn wir den Vorschlag annehmen, so wird das für uns eine Gelegenheit besonderer Bereicherung. Als der Vorschlag angenommen und Rebekka dem Knechte übergeben worden war, gab es von dessen Seite aus keine Zurückhaltung mehr: er brachte den ganzen Reichtum, der ihm für die Braut anvertraut worden war, zum Vorschein, „silbernes Geschmeide und goldenes Geschmeide und Kleider und gab sie der Rebekka“ (V. 53).

Ich denke, das weist auf eine weitere Ausstattung hin. Der Geist bringt dadurch den Heiligen zum Bewusstsein, dass sie im Werte der Erlösung stehen, und infolge davon in der Befreiung, so dass nun die Liebe Gottes und die unendlichen Gedanken der Segnung, die diese Liebe gezeugt hat, in vollkommener Freiheit genossen werden können. Der Geist kann nun all Seine Schätze öffnen, alles, was in Verbindung mit Christo, dem Gestorbenen, Auferstandenen und Verherrlichten ist.

„Silberne Geschmeide“ reden von dem, was in Verbindung mit dem Tode Christi steht, der Sein Anrecht erweist, uns aufgrund der Erlösung zu besitzen. Wir kennen den Preis, den Seine Liebe für uns bezahlt, um uns für Sich Selbst zu haben. Wir sind in den Reichtum und die Glückseligkeit versetzt, die die Antwort auf jenen kostbaren Tod bilden.

Doch „goldene Geschmeide“ scheinen auf das hinzudeuten, was aufgrund dessen, was Gott ist, erforderlich geworden, damit Er geoffenbart sei und gekannt werde und die Heiligen zu Seiner ganzen Fülle erfüllt sein möchten (Eph. 3, 19). In Joh. 14 - 16 sehen wir, wie der Geist die Heiligen mit alledem bereichert, was sich daraus ergibt, dass Christus zum Vater gegangen ist.

Ferner sind die „Kleider“ sehr wichtig. Es ist wunderbar, wie der Geist die Heiligen kleiden kann, so dass Christus in ihnen zu sehen ist. Das sehen wir nicht nur in der Heiligen Schrift, sondern wir können das auch in der Kraft des Lebens in den Heiligen wahrnehmen. Hast du noch nie etwas in einem Bruder oder einer Schwester gesehen, das in dir den Wunsch erregte, ihm oder ihr zu gleichen?

Wenn der Geist frei ist, so kann der Reichtum und die Holdseligkeit Christi der Seele angezogen werden, die Ihn liebt. Die Frage ist: Welche Art Schmuck möchten wir zur Schau tragen? In Jes. 3 und 4 haben wir einen auffälligen Gegensatz: in Kapitel 3 ist von allerlei Schmuck die Rede, den Frauen tragen, und alles das sollte zuschanden werden und an seiner Statt äußerstes Elend sein; Kapitel 4 redet dann von Christo, der den Entronnenen zur Schönheit und Herrlichkeit und zum Schmuck sein sollte. Ihr Wandel sollte Ihn offenbaren; Christus ist es, der entfaltet werden sollte.

In diesen Kostbarkeiten mag auch ein Hinweis auf die Gaben liegen, die Christus der Kirche gegeben hat, um sie in ihrem Dienste mit alledem zu schmücken, was von Gott und Ihm selbst ist. Die Gaben sind ein Zeichen Seiner Liebe und Seines innigen Wohlgefallens an ihr, und jede Gabe ist in Wahrheit ein Ausdruck Seiner Selbst, und insofern wir in den Segen dessen eingehen, sind wir mit dem geschmückt, was von Ihm ist.

Die Verleihung von Gaben ist eine kostbare Tätigkeit der Liebe Christi, denn die Gaben sind der Beweis Seines Triumphes und dessen, dass er lebt. Sie kommen von einem aufgefahrenen Christus und dienen zur Mehrung des geistlichen Reichtums, so dass wir in völliger Übereinstimmung mit Ihm aufwachsen können und in der wahren Wesensart der Braut gebildet werden.

Wenn wir zum Abendmahl des Herrn nicht in einigermaßen bräutlichen Zuneigungen kommen, essen wir es nicht richtig. Und da erhebt sich die Frage des Schleiers, denn ich denke, dass das verschleierte oder bedeckte Weib in 1. Kor. 11 eine Art Bild von der Kirche oder Versammlung ist, wenn sie sich in einem passenden Zustande befindet, das Abendmahl zu essen. Sie ist für Ihn da, sie ist Seine Herrlichkeit. Sie begehrt nicht, dass irgendein anderer sie sieht. Sobald Rebekka Isaak sah, verhüllte sie sich - sie war nun ausschließlich für ihn da. Wenn wir zum Abendmahl des Herrn kommen, so steht uns die größte Tatsache im ganzen Weltall vor Augen, nämlich die Liebe Christi.

Wir waren gewohnt, dabei zu verweilen, dass Sein Tod unsere Sünden hinweggetan hat. Sodann dabei, dass Er starb, um allem, was Gott ein Abscheu war, ein Ende zu machen. Doch ein großer Schritt vorwärts ist es, zu sehen, dass Er in den Tod ging, um alles das zu offenbaren, was im Herzen des glückseligen Gottes und in Seinem eigenen Herzen war. Es handelt sich daselbst nicht nur darum, was beseitigt worden ist, sondern was Er uns gebracht hat.

Der Sohn ist in heiligen und vollkommenen Zuneigungen in den Tod gegangen und hat uns so Seine eigene Liebe und die Liebe Gottes kundgetan, und wenn wir das in uns aufnehmen, so wird die Braut in uns gestaltet.

Es ist gut, an das Sündopfer zu denken, denn es ist hochheilig. Die Schrift legt großen Nachdruck auf dessen Heiligkeit und bedient sich dabei derselben Ausdrücke wie in dem Worte das Allerheiligste. Es ist hochheilig, doch es steht in Verbindung mit der Beseitigung der Sünde.

Die Liebe jedoch, die uns geoffenbart wurde, ist viel größer als die Sünde, die hinweggetan ward. Sie ist unendlich kostbar und gestaltet die Braut, und insoweit wir sie in uns aufnehmen, werden wir in bräutlichen Zuneigungen gebildet.

Der Herr sagt: „Dies ist mein Leib, der für euch ist“ (1. Kor. 11, 24). Er gab Sich Selbst aus Liebe für die Kirche. All der Wohlgeruch und die Vollkommenheit Seiner Person und Liebe kam in Seinem Tode zum Vorschein, wie es auch in dem Liede heißt: „Ja jener Tod vereinte alle Liebe“. Das ist es, wohin uns das Essen des Abendmahls bringt, und wenn wir das erfassen, so wird eine Rebekka aus den Heiligen.

Sein Tod ist ferner auch wunderbar, weil er der Ausdruck Seiner Liebe zum Vater ist. Er sagte: „aber auf dass die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe“ (Joh. 14, 31). Die Gedanken des Vaters können nun zustande kommen, denn Er starb, „auf dass er auch die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte“ (Joh. 11, 52). Die Heiligen können nun zur Einheit gebracht werden, was ein besonderer Wesenszug der Kirche ist.

Der vom Vater gesandte Geist ist gekommen, um einen wunderbaren Auftrag zu erledigen, nämlich um die Kirche gegenwärtig als eine Entschädigung für Christum zu sichern. „Und Isaak ward getröstet nach dem Tode seiner Mutter“ (V. 67). Bedenken wir, wie der Herr darunter litt, Israel verloren zu haben! Doch Er ward durch die Kirche reichlich entschädigt.

Ich glaube, wir haben das alle schon oftmals gehört, aber inwieweit hat es uns berührt? Und bis zu welchem Grade hat es unsere Herzen angeregt, den Segen davon zu erlangen?

Es ist so gesegnet, zu sehen, dass am Ende der Geist und die Braut in vollem Einvernehmen stehen (Offb. 22, 17). Neulich traf ich einen Mann, der sagte: „Alles wird in Laodicäa enden“. Ich entgegnete: „Mir scheint, dass alles damit endet, dass der Geist und die Braut sagen: ‚Komm!‘“

Natürlich ist beides wahr, aber dieses ist das Ende und Ziel der Wirksamkeit Gottes. In gewissem Sinne sehen wir in Philadelphia alles, was entrückt wird, in Laodicäa jedoch alles, was zurück gelassen wird. Die wahren Merkmale der Braut nehmen wir in Philadelphia wahr; diese Versammlung stellt gleichsam die Braut dar, und wir sehen sie am Ende in Übereinstimmung mit dem Geiste: „der Geist und die Braut sagen: Komm!“

Das entspricht Rebekka, die in Übereinstimmung mit dem Knechte und all dem Guten, das er ihr gebracht hatte, ihren Pfad geht, angetan mit all den kostbaren Zeichen des Reichtums des Vaters und der Liebe des Sohnes! Welch einen wunderbare Ausstattung!

Die Liebe Christi tritt besonders beim Abendmahl vor uns. Es mag verschiedene Seelenzustände geben, doch wenn wir zusammenkommen, das Abendmahl zu essen, so stehen uns allen die Liebe Christi und die Gedanken Seiner Liebe vor Augen.

 

Kapitel 25

 

Im Anfang des Kapitels heißt es: „Und Abraham gab dem Isaak alles, was er hatte“ (V. 5), und in Vers 11: „Und ... nach dem Tode Abrahams, da segnete Gott Isaak, seinen Sohn“. Das besagt, dass jede Verheißung und Segnung in Christo, dem Auferstandenen zu Stand und Wesen kommt.

Der Tod Abrahams bedeutet im Bilde, dass die Verheißungen Dem Platz machen müssen, in dem sie ihre Erfüllung haben. Wir haben jetzt etwas mehr als eine bloße Verheißung, für uns hat jede Verheißung Gottes Gestalt gewonnen: Das Ja und Amen jeder Verheißung ist in Jesu Christo, dem Sohne Gottes. Die wahre Segnung ist in Ihm, und in Ihm haben wir die volle Offenbarung Gottes.

Isaak wohnt bei Beer-Lachai-Roi (V. 11), bei dem Brunnen des Lebendigen, der Sich offenbart. Die große Quelle aller Segnung ist die Offenbarung Gottes. Er ist der Lebendige, der Sich offenbart. „Du, Gott, siehst mich“ (Kap. 16, 13 nach der gewöhnlichen englischen Übersetzung), ist eine ernste Wahrheit. Aber es ist etwas viel Größeres, Gott in Christo geoffenbart zu sehen, wie es diese Schriftstelle im Urtext zum Ausdruck bringt. Es handelt sich hier nicht darum, dass Er mich sieht, sondern dass ich Ihn in vollkommener Gnade geoffenbart sehe.

Isaak kam von diesem Brunnen, als Rebekka ihm begegnete, und er wohnte dort; es war das Land des Südens, und dort ist viel Sonnenschein!

Das nächste ist, dass Ismael angesichts aller seiner Brüder starb (V. 17 u. 18). Zweifellos stellen Ismael und seine Brüder Israel nach dem Fleische dar, denn es ist hier von zwölf Fürsten die Rede. Der Tag wird kommen, wo alles Gesetzliche und Knechtische der Beziehungen Israels zu Gott hinweggetan wird, und das sehen wir im Bilde im Tode Ismaels. Wir leben in einer Zeit, wo die Tatkraft des Glaubens Ismael aus dem Hause treibt, weil nur der Geist der Sohnschaft dort Platz haben kann; Christus allein kann dort den Platz haben. Wir haben das Vorrecht, jetzt zu sehen, dass der Mensch, der im Fleische und unter dem Gesetz ist, ausgestoßen werden muss. Auf solchem Grunde kann keine Segnung eingeführt werden.

Doch die Zeit wird kommen, wo Israel den Ismael sterben sehen wird. Sie haben zu lernen, dass die Segnung aufgrund eines neuen Bundes in Verbindung mit Isaak und dem Brunnen des Lebendigen kommen muss, der Sich offenbart. Ismael ist ein Bild des Menschen, der im Fleische und unter dem Gesetz ist, aber in Verbindung mit Isaak haben wir den Bund und den Brunnen: das Hervorquellen dessen, was Gott aufgrund des neuen Bundes für den Menschen sein kann, und was der Mensch als in Christo gesegnet für Gott sein kann.

Welch ein Augenblick wird das in der Geschichte Israels sein, wenn sie entdecken, dass sie im Fleische und unter Gesetz im Tode sind und in ihrer tiefen Not nur zu Gott schreien können. Sobald sie das tun, wird Gott ihnen ihre Augen öffnen, und sie werden den Brunnen sehen. Sie werden sehen, dass ihnen jede göttliche Segnung in Christo gesichert ist, und durch die Offenbarung Gottes in Gnade. Dann werden sie einen anderen Menschen erwählen, und das Wort Gottes an Jeremia geht in Erfüllung: „sie alle werden mich erkennen“ (Jer. 31, 34).

Dem Grundsatz nach ist es genau so mit uns. Wir müssen denselben Weg gehen. Vielleicht haben die meisten von uns eifrig die Laufbahn Hagars und Ismaels verfolgt und nicht die des Isaak. Doch wir mussten ausfindig machen, dass wir so kein bisschen Segnung erlangen konnten. Da sind uns manche Schriftstellen, die von Israel und seinem selbstgerechten Zustande handeln, sehr nützlich.

Ismael ist ein Bild des Menschen im Fleische, doch Gott hat für den Menschen in Gnade einen „Wasserbrunnen“ vorgesehen, der ein Bild von dem Geiste eines anderen Menschen ist. Wie wunderbar, dass sogar Israel nach all seinem Stolze und seiner Selbstgerechtigkeit dahin gebracht werden wird, zu sehen, wo die Segnung liegt, dass sie ganz und gar in Christo auf der Linie der Verheißung zu finden ist und nach dem Grundsatze des Glaubens empfangen und genossen werden muss. Dann werden auch sie die Glückseligkeit und die lebendigmachende Kraft des Brunnens erfahren.

Von Kapitel 25, 19 an beginnt eine neue Geschichte - die des Isaak - und ein neuer Abschnitt voller Übungen in Verbindung mit den Verheißungen Gottes. Dann tritt Jakob als Bild der Wege Gottes mit Seinem irdischen Volke in den Vordergrund, samt all der Zucht, wodurch dieses schließlich das lernt, was es zu lernen hat, und so zum Hause Gottes gebracht wird. Alles das ist sehr lehrreich, und zwar auch in seiner Anwendung auf uns, denn wir alle gehen zum Teil durch ähnliche Erfahrungen.

Bei jedem Schritt sehen wir, wie Gott den Glauben auf Sich lenkt. Rebekka ist wie Sara unfruchtbar, bis Jehova eingreift. Und als Er das getan, ruft es eine weitere Übung hervor: sie hat zu lernen, dass sie zwei Kinder hat, die zwei Arten Völker darstellen: ein Volk, das von Natur den Vorrang und die Stärke besitzt, und ein Volk nach der Auswahl der göttlichen Unumschränktheit. Rebekka ihrerseits nun hat jeden natürlichen Gedanken fahren zu lassen und alles lediglich im Lichte der Unumschränktheit Gottes zu sehen.

Es ist lehrreich, die Übungen der drei uns in 1. Mose vornehmlich entgegen tretenden Frauen, Eva, Sara und Rebekka, einander gegenüber zu stellen. Eva hatte Herzensübungen über Kain und Abel; Sara hatte in Verbindung mit Ismael und Isaak zu lernen, und Rebekka in Bezug auf Esau und Jakob.

In gewissem Sinne gleichen diese Übungen einander, aber dennoch ist jede von der anderen verschieden. Ihre Wichtigkeit liegt darin, dass wir durch Evas, Saras und Rebekkas Übungen zu gehen haben, und mein Eindruck ist, dass wir sie in dieser Reihenfolge durchmachen müssen.

Ich denke, in Verbindung mit Kain und Abel haben wir zu lernen, dass der göttliche Same „nicht aus Geblüt“ (richtiger: Blut) ist; in Verbindung mit Ismael und Isaak, dass er „nicht aus dem Willen des Fleisches“, und in Verbindung mit Esau und Jakob, dass er „nicht aus dem Willen des Menschen“ ist (Joh. 1, 13). In dieser Schriftstelle heißt es vom Geschlecht Gottes: „welche nicht aus Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Menschen, sondern aus Gott geboren sind“.

Diese drei Gedanken werden nun im Vorbilde bei diesen drei Frauen näher ausgeführt. Man kann vielleicht sagen, dass Evas Übung Römer 3 entspricht, Saras Übung Römer 7 und Rebekkas Übung Römer 9.

„Nicht aus Blut“ besagt, dass ein göttlicher Same nicht aus natürlicher Abstammung hervorgeht. Eva glaubte, als Kain geboren war, dass sie Christum bekommen hatte. Aber sie hatte zu lernen, dass sündige Eltern nur sündige Kinder zeugen konnten, und dass es aufgrund der natürlichen Abstammung nichts für Gott gibt.

Das haben wir zuerst zu lernen. Wir haben zu erfahren, dass wir, als in diese Welt geboren, alle schlecht sind. Eva lernte das, noch ehe sie Abel geboren hatte, denn sie nannte diesen „Hauch, Nichtigkeit“. Sie hatte Kain „Erwerbung“ genannt, denn sie sprach: „Ich habe einen Mann erworben“ (Kap. 4, 1). Wir alle haben zu lernen, dass wir, als in diese Welt geboren, durch Nichtigkeit gekennzeichnet sind.

Wenn wir das bis zu einem gewissen Grade erkannt haben, so ist der nächste Gedanke bei uns, uns selbst zu bessern, etwas zu tun, was die Sache wieder in Ordnung bringt, das Fleisch zu bilden und zu unterdrücken. Das ist Ismael, der Wille des Fleisches, der Mensch, der sich selbst vornimmt, sich zu bessern und alles in Ordnung zu bringen, und der das Gesetz dazu benutzt, seine eigene Gerechtigkeit aufzurichten.

Saras Übung bestand darin, zu lernen, dass alles, was vom Fleische ist, ausgetrieben werden musste, da es für Gott keinen Wert hatte. Wir müssen lernen, dass ein göttlicher Same nur aufgrund der Verheißung gesichert werden kann, auf dem Grundsatze des Glaubens, und dass alle Segnung in Christo ist. Isaak muss gekrönt und Ismael ausgetrieben werden. Sara hatte zu lernen, dass weder das Fleisch, noch irgend etwas, was das Fleisch in Angriff nehmen konnte, wie z.B. das Gesetz, etwas zur Erfüllung der göttlichen Verheißung oder zur Einführung eines göttlichen Samens beitragen kann.

Rebekka hatte alsdann zu lernen, dass es in jeder Hinsicht eine Frage der göttlichen Unumschränktheit war. Der Wille des Menschen hatte da überhaupt keinen Platz. Der Wille des Menschen würde Esau dem Jakob vorziehen.

Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass Esau der bessere und edlere von den beiden war. Doch Rebekka hatte zu lernen, dass Gott unumschränkt war, und dass Seiner Unumschränktheit gemäß ihre Zuneigungen in die rechten Bahnen gelenkt werden mussten. Gott hatte ihr kundgetan, dass der Ältere dem Jüngeren dienen sollte, und das geschah lediglich aufgrund der Unumschränktheit Gottes, denn Römer 9, 11 sagt uns, dass ihr dieses geoffenbart wurde, als die Kinder „weder Gutes, noch Böses getan hatte“. Gott sagte gleichsam: Ich werde tun, was mir gefällt.

Nichts schließt den Menschen so aus wie die göttliche Unumschränktheit, die plant und handelt, eben weil Gott zu handeln und zu bestimmen plant und willens ist, und aus keinem anderen Grunde.

Rebekkas Zuneigungen wurden im Lichte dessen, was ihr kundgetan worden war, gebildet: sie liebte Jakob. Sie sah alles vom Standpunkte der göttlichen Unumschränktheit an, denn Jakob war ein Überlister und hatte nach menschlichem Urteil gar kein anziehendes Wesen.

Die Leute würden sagen: Weshalb erwählte Gott einen solchen Menschen? Aber Gott sagt: Mein Vorsatz der Auswahl soll bestehen bleiben, er ist nicht aus Werken, sondern von dem aus, der beruft; ich lasse mich nicht durch das Wesen und die Eigenschaften der Menschen beeinflussen.

Meinst du, dass wir die Art Leute wären, die von den Menschen dazu ausersehen würden, geadelt und erhöht zu werden, und den höchsten Platz im ganzen Weltall zu erhalten?

Der Esau-Mann hat in der Welt den Vorrang, und oft sind in ihm Eigenschaften, die man bewundern kann. Doch Gott lässt Sich nicht dadurch beeinflussen. Seine Unumschränktheit schließt den Willen des Menschen völlig aus, und bis wir sehen, dass alles auf der Grundlage der göttlichen Unumschränktheit steht, werden wir nie in einem wahren Geiste der Anbetung sein.

Die Anbetung gründet sich auf die Anerkennung der Unumschränktheit. Wir beugen uns vor dem allweisen Gott, der nach Gründen handelt, die in Ihm Selbst liegen, ohne Sich durch irgendwelchen Einfluss von außen bestimmen zu lassen.

In Römer 9 und 11 haben wir die Unumschränktheit, und infolgedessen beugt sich Paulus und erkennt sie in seinem Innersten an und bricht in die Worte der Anbetung aus: „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind deine Gerichte und unausspürbar deine Wege! ... Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“ (Röm. 11, 33 - 36).

Im Epheserbrief stehen wir auf einem Boden, wo alles von Gott ist, sei es das, was in Christo durchgeführt wurde, oder das, was in den Heiligen gewirkt wurde als solchen, die aus und in Christo sind. Es ist die Frucht davon, dass Gott in Seiner Unumschränktheit und in Gnade, Erbarmen und Liebe Seinen eigenen Weg gegangen ist.

Bei all seinen Fehlern schätze Jakob den Segen; wir können göttliche Züge in ihm wahrnehmen. Esau offenbarte sich als das, was er war. Er war ein Mann des Feldes, ein Jäger. Ihn kennzeichnete es, sich in den natürlichen Dingen etwas zugute zu tun. Jakob aber war ein schlichter Mann, der in Zelten wohnte. Ihn kennzeichneten Liebe zur Einfachheit und das Wesen eines Pilgers. Er war der wahre göttliche Same, und ihn kennzeichneten schließlich Eigenschaften, die Gott anerkennen konnte.

Was die Menschen hoch schätzen, kann Gott nicht anerkennen. Gott liebt einen Mann, dessen Herz auf Einfachheit gerichtet, und der mit einem Pilgerleben zufrieden ist. Wir müssen die Heiligen von Gottes Standpunkt aus betrachten, damit wir Esau samt allen seinen Fähigkeiten, die bei uns von Natur Anklang finden, aus den Augen verlieren und auf die Eigenschaften achten, die Gott schätzt. Wir beschäftigen uns sehr leicht über Gebühr mit den Fehlern in einem Heiligen, doch die Frage ist: Geht er einen für Gott abgesonderten Pfad? Liebt er den Herrn und Sein Volk?

Wenn du findest, dass mit einem Bruder schwer auszukommen ist, betrachte einmal die Kehrseite, und sieh ihn dir von da aus an. Es gibt immer eine solche Seite bei einem Heiligen. Beschäftige dich nicht zu viel mit Fehlern, sondern sieh auf das, was Gott anerkennen kann.

Es mag da wirklich manches geben, was uns wie Flecken in der Sonne erscheint. Die Astronomen schauen durch Teleskope, um jene Flecken zu beobachten, und es ist sehr leicht möglich, dass wir die Heiligen in ähnlicher Weise betrachten. Wenn du nach Vortrefflichkeit in den Heiligen Ausschau hältst, so wirst du sie sogar in einem Jakob finden.

Vieles in Jakob war vom Fleische, und dies im Zaume zu halten und ihn davon freizumachen, bedurfte es eines Lebens der Zucht. Doch am Ende wird Gott gerechtfertigt sein, dass er sagte: „Den Jakob habe ich geliebt, aber den Esau haben ich gehasst“ (Röm. 9, 13; Mal. 1, 2 u. 3).

Als Esau auf die Probe gestellt wurde, erwies er sich als Ungöttlicher. Eine geringfügige, sich ihm sogleich bietende Annehmlichkeit galt ihm mehr als alle Verheißungen Gottes, eine Schüssel Speise mehr als alle göttlichen Segnungen! Das Neue Testament nennt ihn einen Ungöttlichen, weil er sein Erstgeburtsrecht verachtete und verkaufte (Heb. 12, 16).

Wenn wir auf Gottes Seite stehen, bewundern wir eine solche Person nicht. Die große Frage ist: Schätzt jemand das, was von Gott ist? Das ist das große Kennzeichen der Heiligen. Es handelt sich nicht darum, dass sie, menschlich gesprochen, besser sind als andere Leute. Doch sogar die unter ihnen, die unsere Geduld recht auf die Probe stellen, schätzen diese Dinge Gottes wenigstens bis zu einem gewissen Grade. Mit all dem Widerstreitenden in ihnen handelt Gott in Zucht, so dass sie schließlich in Anbetung enden. Jakobs letzter Tag war sein bester.

Esau stellt Israel dar, das, weil es seine Hoffnung aufgegeben hat, unter die Gewalt der gegenwärtigen Umstände gekommen ist. Sie befinden sich außerhalb des Kreises der Heiligkeit. Ungöttlich steht im Gegensatz zu dem, was heilig ist.

Gott führt Seine Heiligen Wege der Zucht, damit sie Seiner Heiligkeit teilhaftig werden (Hebr. 12, 10). Esau wurde im Gegensatz hierzu durch Unheiligkeit gekennzeichnet. Er stand außerhalb des Platzes der Heiligkeit. Wir sollten in unserem Maße Gott nachsagen lernen: „Den Jakob habe ich geliebt, aber den Esau habe ich gehasst“.

Rebekka liebte Jakob, aber in Isaaks Wesensart wurde eine Schwäche offenbar, er „hatte Esau lieb, denn Wildbret war nach seinem Munde“ (V. 28). Das sollte uns eine ernste Warnung sein, damit wir uns vor solchen hüten, die unseren natürlichen Neigungen entsprechen.

Wenn wir uns von solchen anziehen lassen, die uns das bieten, was uns von Natur zusagt, so verlieren wir in geistlicher Hinsicht. Als natürlicher Mensch habe ich gewisse Neigungen. Sie sind noch ebenso in meinem Fleische, wie als ich noch unbekehrt war. Es kann solche geben, die imstande sind, diese Neigungen zu befriedigen, doch wenn ich unter ihren Einfluss komme, so komme ich sicherlich herunter. Isaaks Schwäche kam ans Licht, als er sich durch den Einfluss Esaus bestimmen ließ, weil Wildbret nach seinem Munde war. Das ist eine Sache, die wir hier erwägen sollten.

Rebekka hatte ein rechtes Urteil, weil sie es sich im Lichte der göttlichen Offenbarung gebildet hatte. Ihre Aufmerksamkeit wurde auf zwei einander widerstreitende Dinge gelenkt, und sie wandte sich dieserhalb zu Gott. Sie fragte Jehova, was das bedeuten solle (V. 22). Er sagte ihr: „Der Ältere wird dem Jüngeren dienen“ (V. 23), und sie wandelte in diesem Lichte und gewann durch die Übung.

Isaak hatte diese Übung nicht und gab Esau einen Platz, der ihm nicht zukam. Mir scheint, dass dies seiner Schwachheit zugrunde lag, als er seine Beziehung zu Rebekka verleugnete (Kap. 26, 7), so dass er nicht imstande war, die Stellung der Würde und Erhabenheit vor den Philistern zu wahren. Er verlor den Brunnen.

Er verlor seine Kraft dadurch, dass er seiner Neigung zu natürlichen Dingen Raum gab und sein Herz mit dem verkehrten Menschen verband.

 


Kapitel 26

 

Dieses Kapitel zeigt die Übungen der von Gott gesegneten Heiligen den Philistern gegenüber. Wir finden, dass Isaak in Gerar wohnte: er ist unter den Philistern.

Zu Beginn des vorhergehenden Kapitels wohnte er bei dem Brunnen Beer-Lachai-Roi (V. 11), dem Brunnen des Lebendigen, der Sich offenbart; das redet von dem Heiligen in seiner Beziehung zu Gott, von der Erfrischung im geistlichen Leben, die er genießt, und der Kraft, die daraus fließt, dass er sich im Segen der Offenbarung Gottes befindet.

Isaak wohnte im Lande des Südens bei jenem wunderbaren Brunnen, der dem Bilde nach der ordnungsgemäße Platz der Heiligen ist. Dieses Kapitel jedoch beschäftigt sich mit seinen Beziehungen zu den Philistern. Gott warnt ihn, nicht nach Ägypten zu gehen, und ermutigt ihn durch göttliche Verheißungen (V. 2 - 5).

Es scheint mir, dass ihn Jehova ermutigen wollte, sogar angesichts der Philister alles im Vertrauen auf Ihn aufrecht zu erhalten. Aber gerade in diesem Punkte fehlte er. Er hatte kein Vertrauen, sich zu behaupten. Er verleugnete seine Beziehung zu Rebekka, wie es Abraham zuvor seinem Weibe gegenüber zweimal getan hatte. Das zeigt uns, wie wichtig es ist, auf solche Warnung zu hören. Schließlich kam er auf seinen rechten Platz zurück, so dass die Philister anerkennen mussten, dass Gott mit ihm war. Das ist ein lehrreiches Kapitel für uns.

Die Philister sind solche, die eine christliche Stellung einnehmen, ohne die Übungen und Erfahrungen des Glaubens zu haben. Sie stellen ein Volk dar, das dem Namen nach auf christlichem Boden steht, das aber nie Anteil an den Herzensübungen des Glaubens gehabt hat. Sie waren nie Gegenstand der göttlichen Berufung, der Gott der Herrlichkeit ist ihnen nie erschienen. Sie haben weder Zelt noch Altar und keine wirkliche Verbindung mit dem Zeugnis Gottes.

Dieses Kapitel zeigt die Übungen, durch die ein Heiliger in Beziehung zu derartigen Leuten zu gehen hat. Es ist nur zu klar, dass es viele gibt, die äußerlich auf christlichem Boden stehen, ohne je an der göttlichen Berufung teilzuhaben, noch irgendwelche Vorrechte oder Übungen des Glaubens zu besitzen. Wer auf dem Pfade des Glaubens ist, hat nun Übungen in  Beziehung zu solchen, denn wir werden durch das, was um uns her ist, beeinflusst.

Die Schrift sagt: „von diesen wende dich weg“ (2. Tim. 3, 5), und Isaak musste das am Ende des Kapitels tun. Alle seine Übungen darauf hinaus, ihm das zu zeigen. Erst dann nahm er seine rechte Stellung ein und genoss sie.

Haben wir, was das christliche Bekenntnis um uns her anlangt, unsere rechte Stellung eingenommen, so dass wir wirklich vor Gott das Teil genießen, das Er uns zugedacht hat? Wir sind alle geneigt, das, was von Gott ist, aufzugeben.

Dem Bilde nach war Isaak kein weltlicher Mann, er zog nicht hinab nach Ägypten. Viele gleichen ihm heutzutage, sie leiden unter der verderblichen Wirkung der Gegenwart der Philister und geben vieles auf, was sie aufrechterhalten sollten, und verlieren dadurch auf ihrem Pfade so manche Quelle göttlicher Erfrischung.

Am Anfang dieses Kapitels finden wir ein göttliches Gegenmittel. Jehova erschien dem Isaak und ermutigte ihn und sprach: „Halte dich auf diesem Lande, und ich werde mit dir sein und dich segnen“ (V. 3). Jehova ermutigte ihn, jeden göttlichen Gedanken, sogar angesichts der Philister, zuversichtlich festzuhalten. Gott erkannte ihn in der Stellung, wo er war, an und sagte: „ich werde mit dir sein“.

Das hätte ihn ermutigen sollen, nichts aufzugeben. Wenn Isaak im Glauben an diese Erscheinung Jehovas und Sein „Ich werde mit dir sein“ gestanden hätte, so würde er gar keine Furcht vor den Philistern gehabt haben. Am Ende des Kapitels gelangte er dahin, und das Kapitel ist insofern lehrreich, als es zeigt, wie die Schwachheit in einem Heiligen ausgeschaltet wird. Isaak wurde in seine rechte Stellung zurück gebracht, so dass selbst die Philister anzuerkennen hatten, dass Jehova mit ihm war. Das Kapitel erzieht uns, wie wir in den Segen des Zeugnisses gebracht werden.

Die Verleugnung der Verwandtschaft entspricht in gewissem Sinne dem, dass wir uns des Zeugnisses schämen; Isaak schämte sich ihrer aus selbstischer Furcht. Sowie ich an mich denke, und was es für Folgen für mich hat, so bin ich auf dem Pfade derer, die das Ihrige suchen, und nicht das, was Jesu Christi ist (Phil. 2, 21). Von Onesiphorus heißt es: „er hat... sich meiner Kette nicht geschämt“ (2. Tim. 1, 16).

Isaak beschwor diese Furcht selbst herauf. Es war wirklich kein Grund dazu vorhanden. Wir schaffen uns ein gut Teil Furcht selbst, auch wenn keine Notwendigkeit dazu vorliegt. David sagte, dass Jehova ihn aus all seinen Bedrängnissen errettet habe, ja er ging noch weiter und sprach: „aus allen meinen Beängstigungen errettete er mich“ (Ps. 34, 6 bzw. 4). Die Beängstigungen sind gewöhnlich größer als die Bedrängnisse! Beängstigungen rauben uns oft das Vorrecht, zu beweisen, dass Gott mit uns ist.

Am Ende des Kapitels sprachen die Philister: „Wir haben deutlich gesehen, dass Jehova mit dir ist“ (V. 28). Es ist gut, vor bekennenden Christen in allem unserem Tun den Gedanken festzuhalten, dass sie eines Tages bekennen werden: „Wir haben deutlich gesehen, dass Jehova mit dir ist“. Das sahen sie aber nicht, als Isaak seine Beziehung zu Rebekka verleugnete.

Die Schwachheit, die wahre Verwandtschaftsbeziehungen verleugnet, setzt die Heiligen auch dem Verlust von Brunnen aus, d.h. wir verlieren den wirklichen Genuss der Quellen geistlicher Erfrischung. Wenn wir dem Zeugnis nicht treu sind, so verlieren wir viel. Das bedeutet nicht nur einen Verlust des Zeugnisses für den Herrn, sondern auch einen Verlust von Brunnen für uns.

Das Kapitel führt uns nun dahin, dass der Heilige eine himmlische Stellung einnimmt: Isaak kommt nach Beerseba, an die Südgrenze des Landes, wo er sich dem Bilde nach auf göttlichem Grund und Boden befindet. Er genießt die Eigenart des Ortes und entspricht ihr: Er hat einen Altar und ein Zelt, und er hat einen Brunnen, was der Segnung entspricht, die die Heiligen im Heiligen Geiste finden.

Dieses Kapitel ist insofern lehrreich, als es uns die Übungen zeigt, durch die wir dies erreichen. Wir müssen lernen, von dem Einfluss der Philister freizukommen.

Was Isaak mangelte, war das, was das Neue Testament Tugend und Tapferkeit nennt. Petrus sagt: „in eurem Glauben die Tugend“ (2. Petr. 1, 5), das ist ein sittlicher Mut, so dass wir wider die Einflüsse, die uns abbewegen könnten, standhalten. Isaak befand sich in keiner würdevollen Stellung, und keiner befindet sich in einer solchen, der keinen Mut hat.

Viele Heilige, man kann vielleicht sagen alle, möchten dem Herrn treu sein und Ihm nachfolgen. Sie haben Verlangen nach Ihm. Aber vielen fehlt es an geistlichem Mut, und sie schämen sich des Zeugnisses des Herrn. Sie fürchten sich, verachtet zu werden, fürchten das Kreuz und schämen sich der Kette des Apostels. Paulus war ein Gefangener in Ketten, der nicht wert war, frei zu sein! Glauben wir, dass dies der Platz des Zeugnisses hienieden ist?

Die Welt hat eine christliche Stellung angenommen, aber sie hat sich nicht verändert. Das gerade tritt uns in den Philistern entgegen.

Wenn man das Kreuz aufnimmt, so ist man auf Schmach gefasst und bereit, als einer betrachtet zu werden, der es nicht wert ist, zu leben. In Apg. 22, 22 heißt es: „Hinweg von der Erde mit einem solchen“, und der, von dem dies gesagt wurde, war das Gefäß des göttlichen Zeugnisses.

Die Philister stellen unbekehrte Leute dar, die wohl zum christlichen Bekenntnis gehören, aber nie durch die Lehre Gottes berührt worden sind. Von diesen Leuten geht ein sittlicher Einfluss aus, und wahre Christen fallen dem anheim und schämen sich des Zeugnisses, und verlieren so die Quellen geistlicher Erfrischung.

Das Ziel der Philister ist immer, Brunnen wegzunehmen. In Kap. 21, 25 nahmen sie einen Brunnen mit Gewalt weg. Ich denke, das entspricht dem, dass das öffentliche Bekenntnis den Heiligen Gottes verweigert, als solche zusammenzukommen. Viele Jahrhunderte lang wurde es den Heiligen nicht gestattet, als solche zusammenzukommen. Entweder sie mussten sich der bestehenden religiösen Ordnung fügen, oder sie wurden verfolgt und oft auch zu Tode gemartert. Die große Quelle geistlicher Erfrischung war ihnen genommen.

Das Graben von Brunnen in den Tagen Abrahams deutet darauf hin, wie in den ersten Tagen der Kirche der Glaube und die Liebe tätig waren, um Quellen göttlicher Erfrischung zu erlangen. Die Apostel und viele andere arbeiteten hieran.

Aber das Verstopfen der Brunnen trat sehr früh in der Geschichte der Kirche ein; irdische Dinge wurden eingeführt, und das brachte das Ausfließen des Geistes zum Stocken, so dass der Gewinn Seiner Gegenwart zum großen Teile den Heiligen zu ihrer Erfrischung unzugänglich wurde.

Das Judentum war eine irdische Einrichtung. Es war von Gott eingesetzt worden, war aber ganz und gar irdischer Natur. Als dann die Kirche errichtet wurde, war es Satans Ziel, diese irdischen Dinge ins Christentum hineinzubringen und so die Brunnen zu verstopfen. Es heißt: „Sinnet auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist“ (Kol. 3, 2). Wenn die Heiligen ihren Sinn auf das richten, was auf der Erde ist, so sind sie unter den Einfluss der Philister gekommen. Dieser Einfluss ist immer wirksam, und wir alle sind ihm ausgesetzt.

Stelle dir selbst die Frage: kommt mir der volle Nutzen der Gegenwart des Heiligen Geistes zugute? Wir alle geben zu, dass der Geist als die Quelle göttlicher Erfrischung hienieden ist. Doch die Frage ist: Habe ich den Nutzen Seiner Gegenwart? Wenn nicht, so ist Erde in den Brunnen geraten. Das, womit es die Philister zu tun haben, ist hinein gekommen.

Vielen sind Bücher ein Fallstrick. Ich glaube, Bücher richten mehr Schaden an als irgend etwas anderes. Man kann sie im Verborgenen lesen, und niemand weiß etwas davon. Wenn du wüsstest, was manche Gläubige lesen, so würdest du sagen, dass sie noch ganz in der Welt sind. Es gibt viele, die nicht ins Theater oder zu einem Vergnügen, ja sogar nicht in die Kirche gehen würden, und doch lesen sie Bücher, die dieser Richtung angehören, und was sie selbst betrifft, werden die Brunnen vollständig verstopft.

Nachdem die Angelegenheit Rebekkas geordnet war, haben wir Schilderungen göttlicher Neubelebung. Gott hatte gesagt, dass Er Isaak segnen wolle, und das tat Er auch. Der Glaube erwartet immer, dass Gott so gut ist, wie Sein Wort es sagt. „Isaak säte in selbigem Lande und gewann ... das Hundertfältige“ (V 12), und die Segnung wurde offenbar.

Durch die Gnade Gottes gab es ein Wiederaufleben, eine offenbare Segnung Gottes für Sein Volk, und das erregte den Neid der Philister. Bei irgendwelchem Gedeihen in geistlicher Hinsicht, wenn irgendeine Bewegung stattfindet, die dem Volke Gottes Speise verschafft, sowie bei jeder geistlichen Fruchtbarkeit zeigt sich alsbald der Neid der Philister, und sie suchen die Brunnen zu verstopfen.

Die Philister werden immer versuchen, jeden Brunnen geistlicher Erfrischung, der durch die Tatkraft des Glaubens gegraben worden ist, wegzunehmen oder zu verschütten. Die Gabe des Hundertfältigen war eine Neubelebung von Seiten Gottes. Nach dem Tode Abrahams hatte sich ein Mangel an Tatkraft gezeigt, doch die Segnung im 12. Verse gab den Anlass, die verschütteten Brunnen wieder auszugraben (V. 18).

Das Graben von Brunnen zeigt ein Wiederaufleben der Heiligen. Es ist die Folge erwachter Übung und dessen, das Speise vorhanden ist. Es genügt nicht, dass die Gläubigen die Lehre des Neuen Testamentes über die Gegenwart des Heiligen Geistes annehmen, oder dass sie darüber in Büchern lesen und dieser Tatsache beistimmen. Es ist nötig, Brunnen zu graben.

Wir alle glauben, dass der Geist hier ist, aber wie steht es damit, die Erde loszuwerden, die den Ausfluss und die Zugänglichkeit des Geistes hindert?

Was heute dem Graben von Brunnen entspricht, ist, dass Seelen sich der Tatsache bewusst werden, dass der Geist hienieden ist, und entdecken, dass sie nicht im Segen Seiner Gegenwart sind. Das verursacht eine tiefe Übung, und man fängt dann an, das Irdische zu erkennen, was daran hindert, und das Verlangen erwacht und der Vorsatz wird gefasst, es loszuwerden.

Das bringt Übung, Gebet und das Aufgeben dessen mit sich, was nicht im Einklange mit dem Geiste ist, und der Brunnen kann dann fließen. Infolge davon steht die Seele in geistlicher Frische.

Doch ich glaube nicht, dass viele Gläubige sagen würden, dass sie sich in einer derartigen geistlichen Frische befänden, wie sie es wünschten. Graben redet von Übung und Fleiß der Seele. Und dann wird auch das anerkannt, was in der Vergangenheit geschehen ist.

Isaak erkannte an, dass Abraham Brunnen gegraben hatte, und so haben auch wir die Brunnen geistlicher Erfahrung zu beachten, die uns durch die geistliche Tatkraft und Arbeit von Männern des Glaubens erschlossen wurden. Es ist eine wirkliche Übung, den Segen keines der Brunnen, die je gegraben wurden, zu verlieren.

Es kann nun eintreten, dass wir unser Augenmerk auf irgendwelchen Dienst richten und doch keinen Nutzen davon haben. Der Dienst sagt uns, was wir haben können, er gleicht einem Wegweiser. Aber du musst dann jeden Schritt des Weges auf deinen eigenen Füßen gehen. Wir gelangen nicht dadurch an einen Ort, dass wir den Wegweiser anschauen.

Abraham stellt die Übungen des Glaubens am Anfang dar, und Isaak die am Ende. Wir sollten darüber geübt sein, den Segen alles dessen zu haben, was uns durch des Herrn Gnade und die Arbeit geistlicher Männer gesichert worden ist. Zur Zeit der Reformation haben Männer daran gearbeitet, verschüttete Brunnen auszugraben, und seitdem sind gar manche noch kostbarere und erfrischendere Brunnen gegraben worden, und wir sollten es uns angelegen sein lassen, den Nutzen all dieser geistlichen Arbeit zu erlangen.

Isaak hatte zu lernen, dass, solange er in Gerar blieb, jeder Brunnen ein Anlass zu Streitigkeiten wurde. Wenn es dir um geistliche Erfrischung zu tun ist, und du bist nicht von Gerar fortgezogen, so wird jeder Brunnen ein Anlass zum Streit.

Als Isaak fortgezogen war, wurde ihm das zuteil, was man im Neuen Testament eine „geöffnete Tür“ nennt (Offb. 3, 8), nämlich Raum (V. 22). Wenn Christen geistliche Erfrischung und Hilfe haben wollen, und auch Freiheit, sie zu genießen, so müssen sie sich von der Verwirrung der religiösen Welt zurückziehen. Solange sie in Gerar sind, wird jeder Brunnen nur eine Quelle von Streitigkeiten. Dort gibt es keine für den friedlichen Genuss geistlicher Güter geeigneten Zustände!

Viele haben das erfahren: sie brauchten geistliche Hilfe, und jedes bisschen, was sie bekamen, wurde eine Ursache zu Streit, und so mussten sie sich Schritt für Schritt zurückziehen, bis sie verstanden, dass sie all diesen Verhältnissen ganz fernzustehen hatten, und dann kamen sie an einen Ort, wo für den Geist Gottes Raum war.

Durch das Erbarmen Gottes gibt es einen Ort, wo Freiheit für den Geist ist. Das ist es im Großen und Ganzen, was die Heiligen in den letzten neunzig Jahren erfahren haben. Sie lernten eine Stätte der Absonderung von der religiösen Welt kennen, wo sie die Erfrischung des Geistes genießen konnten.

Dann kommt Isaak nach Beerseba, und Jehova erscheint ihm, und er erlangt den Eidesbrunnen. Er hat sein Zelt, seinen Altar und seinen Brunnen, d. h. er steht dem Bilde nach im vollen Genuss seines wahren Platzes in Beziehung zu Gott.

Es ist etwas Großes, sich zu Rechoboth zu befinden. Das ist es, was wir in 2. Timotheus haben. Dort wird uns der Pfad der Absonderung gezeigt, und dass wir von der Ungerechtigkeit abzustehen haben, sogar wenn sie unter denen gefunden wird, die den christlichen Namen tragen. Wir haben nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen zu streben, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen (Kap. 2, 19 u. 22).

Das ist es, was Rechoboth entspricht. Es bedeutet „Breitwege“, und weist auf einen Pfad des Glaubens hin, wo Raum für den Geist ist. Es ist in geistlicher Hinsicht ein weiter Platz, nichts Enges oder Sektiererisches ist damit in Verbindung. Aber nach außen hin ist es ein enger Pfad. Die Folge davon, dass man sich dort aufhält, ist, dass der Glaube bald hinauf nach Beerseba zieht.

Dass Isaak wieder in eine rechte Stellung kam und das, was dieser eigen war, genoss, rief sogar Anerkennung bei den Philistern hervor. Sie mussten bekennen: „Wir haben deutlich gesehen, dass Jehova mit dir ist“ (V. 28). Auch wir sollten das erwarten, nämlich die Anerkennung, dass Gott mit Seinen Heiligen ist. Das Endergebnis von allem wird sein, dass die Nationen anerkennen müssen, dass Gott mit Seinem Volke Israel ist.

Doch alles das haben wir jetzt schon im Voraus in der Kirche. Wenn Christen in Liebe wandeln und die Vorrechte genießen, zu denen Gott sie berufen hat, so wird die Welt anerkennen müssen, dass Gott mit ihnen ist. Schließlich wird es die Macht des Herrn durchsetzen, dass jeder die anerkennt, die Er anerkennt: „ich werde machen, dass sie kommen und huldigen vor deinen Füßen und erkennen, dass ich dich geliebt habe“ (Offb. 3, 9).

Man hat gesagt, jede Haushaltung endet in sittlicher Hinsicht da, wo sie begann. Die Kirche begann sehr herrlich, und mein Eindruck ist, dass sie herrlich enden wird. Das Ende wird sein, „der Geist und die Braut sagen: Komm!“ (Offb. 22, 17). Auf Seiten des bloßen Bekenntnisses endet alles in Laodicäa, das Christus aus Seinem Munde ausspeien wird. Doch auf Seiten des göttlichen Werkes wird alles darin enden, dass der Geist und die Braut „Komm!“ sagen. Jeder Zug der Liebe, Hingebung und des Gehorsams - alles, was die Kirche am Anfang kennzeichnete und sie verschönte - wird am Ende wieder ganz zum Vorschein kommen. Gott wirkt in Tausenden von Herzen, dieses zustande zu bringen.

In diesem Kapitel haben wir ein liebliches Bild des Wiederauflebens. Isaak hat am Ende ein Zelt und einen Altar. Er erfreut sich des Zugangs zu Gott, und er hat einen Brunnen, im Bilde die Erfrischung des Geistes. Das alles ist ein schönes Bild von dem, was Gott tun kann, die Heiligen wiederzubeleben.

Den Gegensatz sehen wir in Esau: Er verachtete sein Erstgeburtsrecht, und sein Herz verband sich mit zwei kanaanitischen Weibern. Isaaks Stellung am Ende des Kapitels können wir als eine Wiederbelebung wie bei Philadelphia auffassen, in Esau aber sehen wir ein Bild Laodicäas.

Wir sollten eifrig begehren, auf den Wegen Philadelphias zu wandeln. Wir sollten uns zwar nicht anmaßen, Philadelphia zu sein, sollten aber von ganzem Herzen danach trachten, es zu sein.

 

Kapitel 27 und 28

 

Kapitel 27 ist sehr betrübend, weil es uns den niedrigen Zustand vor Augen stellt, in den Männer wahren Glaubens geraten können. Der Mangel an Wahrnehmungsfähigkeit bei Isaak und der Betrug Jakobs, der von Rebekka angestiftet und gefördert wurde, und der Mangel an Einsicht bei Isaak, sogar dann, als er wirklich einen göttlichen Segen aussprach, alles das ist betrübend und demütigend.

Das Kapitel zeigt Isaak außer Gemeinschaft und betrogen. Es zeigt, wie Rebekka und Jakob, obschon besorgt, Jakob den Segen Isaaks zu sichern, mit Betrügerei umgehen, dies zu erreichen.

Wenn so etwas bei Isaak und Jakob zum Vorschein kam, und uns das berichtet wird, so dürfen wir gewiss sein, dass das Zustände sind, in die das Volk Gottes auch zu anderen Zeiten geraten kann. Es ist zu unserer Ermahnung niedergeschrieben (1. Kor. 10, 11). Das Einzige, was seinen rechten Platz in dem Kapitel hat, ist die Segnung Jakobs. Sie konnte nicht rückgängig gemacht werden.

Isaak scheint uns einen wahren Heiligen darzustellen, der aber nicht gelernt hat, seine natürlichen Neigungen zu richten und zu verleugnen. In Kap. 25, 28 lasen wir, dass Wildbret nach seinem Munde war. Seine natürlichen Neigungen brachten ihn unter den Einfluss des verkehrten Menschen, denn er liebte Esau, der ihnen Befriedigungen verschaffte. Und so kam es dahin, dass er gänzlich versagte, der besonderen Wahrheit des Augenblicks zu entsprechen. Und diese war Gottes Unumschränktheit, nach der der Ältere dem Jüngeren dienen sollte.

Rebekka mit all ihren Fehlern hatte durch Übungen gelernt, dass Gott unumschränkt sein musste, und dass der Ältere dem Jüngeren dienen sollte, und so liebte sie Jakob. Doch Isaaks Zuneigungen waren natürlicher Art und durch natürliche Neigungen beeinflusst, und so liebte er den verkehrten Menschen: er stand unter dem Einfluss Esaus. Das ist eine Warnung für uns.

Jakob wäre auch ohne Betrug gesegnet worden, nach Gottes unumschränkten Vorsatz war ihm der Segen gewiss. Es bedurfte daher keines erfinderischen Scharfsinns, keiner besonderen Pläne oder Täuschungen auf Seiten Rebekkas und Jakobs, ihn zu sichern.

Jakob selbst hatte am Ende seiner Tage zu lernen, seine Hände zu kreuzen. Was wir bei Jakob zu lernen haben, ist Unumschränktheit. Und er lernte sie am Ende. Er legte seine linke Hand auf Manasse und Joseph sagt gleichsam: Das ist verkehrt. Er aber sagte: O nein, ich weiß, was ich tue. Er hatte die göttliche Unumschränktheit kennengelernt, und das machte ihn zu einem Anbeter. Er ist der Einzige in Hebräer 11, der als Anbeter erwähnt wird.

Es ist etwas Trauriges, wenn die Augen eines Heiligen trübe werden. Man möchte sagen, dass in sittlicher Hinsicht Isaaks Mangel an Wahrnehmungsvermögen darauf zurückzuführen war, dass er seinen natürlichen Neigungen willfahrte. Jemand, der nie gelernt hat, seine natürlichen Neigungen zu verleugnen, wird sicherlich durch das beeinflusst werden, was er liebt, und kommt dadurch vom Willen Gottes ab. Was wir daher in diesem Kapitel bei Isaak sehen, ist eine ernste Warnung. Sogar als er die Segnung aussprach, geschah es ohne geistliche Einsicht.

Mose steht im Gegensatz dazu: Er hatte gelernt, alles das zu verleugnen, was ihm von Natur anziehend gewesen sein musste, nämlich eine hohe Stellung in Ägypten als Sohn der Tochter Pharaos. Er hatte die Unumschränktheit kennengelernt, denn er hatte gelernt, dass eine Schar verachteter Ziegeleiarbeiter das Volk Gottes war, ein Gegenstand Seiner unumschränkten Wahl - und er wählte lieber, mit ihnen Ungemach zu leiden (Hebr. 11, 25). Er verleugnete seine natürlichen Neigungen und folgte seinen geistlichen Neigungen, und so erlangte er geistliches Wahrnehmungsvermögen. Und als das Ende seiner Laufbahn kam, waren seine Augen nicht schwach (5. Mose 34, 7), und er segnete in 5. Mose 33 Israel mit Einsicht.

Sogar Jakob sah in 1. Mose 49 klar, was seinen Söhnen am Ende der Tage bevorstand. Er konnte von all der Verdrehtheit und Verkehrtheit reden, die in ihrer Geschichte zum Vorschein kommen würde, und auch von der Segnung durch die Rettung Jehovas. Isaak jedoch segnete ohne Verständnis, da er betrogen wurde.

Als Isaak sagte: „er wird auch gesegnet sein“ (V. 33), war er sich bewusst, dass der Segen zurückgezogen werden konnte. Das ist die eine lichte Stelle im Kapitel 27, das eine, was Bestand hat: „er wird auch gesegnet sein“, d. h. die Segnung nach der Auswahl kann nicht zurückgezogen werden.

Wenn wir dies glaubten, brauchten wir keine Pläne zu machen. Rebekka und Jakob waren zwei Plänemacher. Ihr Inneres war ein seltsames Durcheinander. Sie hatten wahren Glauben an die Segnung Gottes, ein wahres Verlangen, sie zu bekommen, aber einen großen Mangel wirklichen Gottvertrauens. Es mag sein, dass sie an Isaaks Schwachheit dachten, und daran, dass er Esau den Vorzug geben würde, aber sie trauten Gott nicht zu, Seinen Vorsatz auf Seine Art durchzuführen. Was sie suchten, war gut, und in gewissem Sinne verlieh Gott ihren Plänen Erfolg; aber um alles dessen und des Weges willen, den sie einschlugen, das zu erreichen, kamen sie nur in Übungen, Kummer und Zucht ihr ganzes Leben lang.

Es ist sehr selten, dass beim Plänemachen der Menschen nicht etwas Betrug dabei ist, und in der Regierung Gottes zieht das immer Zucht nach sich. Wenn wir die göttliche Unumschränktheit anerkennen, so auch die göttliche Weisheit. Er ist nicht nur „wunderbar in seinem Rat“, sondern auch „groß an Weisheit“ (Jes. 28, 29). Es ist besser, Ihm zu vertrauen, dass Er alles auf die Ihm eigene vortreffliche Weise zustande bringt. Wenn wir auf dem Wege Seines Willens sind, haben wir nicht nötig, Pläne zu machen, damit wir etwas erreichen.

In diesem Zusammenhange ist es beachtenswert, dass Jakob das irdische Volk darstellt, und gerade, was irdische Dinge anlangt, sind die Heiligen geneigt, Pläne zu machen, um das zu erreichen, was ihnen gut dünkt. Doch das trägt nichts zur Vermehrung des Guten bei (das Gott uns geben will) und macht es auch nicht gewisser oder sicherer. Es hindert nur das Herz daran, es als lediglich von Gott kommend zu erkennen und hinzunehmen, bringt sie um die ruhe- und friedvolle Gewissheit, dass Seine Hand es gewirkt hat, und dass nicht wir es zustande gebracht haben.

Jedes Täuschungsmittel wird sicherlich eine kümmerliche Frucht haben. Sowohl Rebekka als auch Jakob litten manches lange Jahr bitterlich daran, und soweit wir wissen, sah Rebekka den Sohn, den sie liebte, niemals wieder.

Wir finden, dass wohl Isaak und Jakob in dieser Weise segneten, aber keiner von Jakobs Söhnen. Abraham, Isaak und Jakob waren große Segenshäupter, wie keine der Stammväter es waren. Die Segnung war ihnen durch einen Bund verbürgt. Jakobs Söhne waren nicht Gefäße der Verheißung wie diese drei: „der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs ... Das ist mein Name in Ewigkeit, und das ist mein Gedächtnis von Geschlecht zu Geschlecht“ (2. Mose 3, 15). Was Gott ist - Sein Name und Sein Gedächtnis - kam in Beziehung zu diesen drei Männern ans Licht.

Es ist lehrreich zu sehen, in welchem Zusammenhange mit Jakob Esau in Heb. 11, 20 erwähnt wird. Da sehen wir, dass Gott sogar für Esau Segen hatte. Doch dieser schätzte sein Erstgeburtsrecht nicht, und so kommt er schließlich um die Segnung. Wir können wohl sagen, er wollte die Segnung ohne Den, von dem sie kam.

Esau war ein Ungöttlicher. Er schätzte die Verheißungen nicht, die sonst ein Band zwischen seiner Seele und Gott gebildet hätten. Er begehrte Segnung in Verbindung mit der Erde, schätzte aber das Erstgeburtsrecht nicht, das ihn mit dem Ölbaum der Verheißung verbunden und ihm ein Teil in Christo und allem, was Christus einführen würde, gesichert hätte. Er brauchte das nicht, er brauchte irdische Segnungen, und diese allein. „Der Segen Abrahams“ (Gal. 3, 4) war nicht nach seinem Geschmack, und am Ende der Weissagung Isaaks haben wir eine Umdeutung, dass er sich als ein gesetzloser Mann erweisen würde, denn da heißt es: „wenn du umherschweifst, wirst du sein Joch zerbrechen von deinem Halse“ (V. 40). Er würde als gesetzlos erfunden werden. Er war vom Beginn seiner Laufbahn an ungöttlich und sollte gesetzlos enden. Und so geht er der Segnung verlustig, wenn alle Nationen der Erde gesegnet werden. Er wird für immer abgeschnitten (siehe Ob. 10 u. 18, Mal. 1, 4).

Ein Leben der Frömmigkeit würde uns vor Plänemachen und Betrügerei bewahren. Bringen wir Gott in alles? Wenn wir das tun, so haben wir nicht nötig, in fleischlicher Weise Pläne zu machen und sie durchzuführen.

Paulus‘ Planen in 1. Kor. 9 war ganz anderer Art. Da sehen wir, dass die Gnade bis zu dem tiefsten Punkte hinabsteigen wollte, um dem Sünder die Erkenntnis Gottes zu bringen. Das ist kein Pläne machen und sie durchführen, um etwas für sich selbst zu erlangen, das war ein göttliches Planen, die lautere Erwägung der Liebe zum Nutzen anderer. Es ist, wenn man sich das vorstellen könnte, als ob Rebekka und Jakob geplant hätten, den Segen Esaus zustande zu bringen!

In Kapitel 28 haben wir den Anfang von Jakobs Leben der Zucht. Es beginnt damit, dass Isaak den Jakob ruft und ihn segnet. Er hätte ihn tadeln können.

Es ist beachtenswert, dass zu Beginn des Lebens der Zucht, unter der Jakob infolge seines Betruges mehr als zwanzig Jahre zu leiden hatte, Gott nie auf diesen Betrug zu sprechen kam. Das steht im Einklange mit dem, was Gott geredet hatte, ehe er geboren wurde. Nichts hatte Seinen göttlichen Vorsatz geändert: „die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar“ (Röm. 11, 29).

Jakob war in Wirklichkeit ein Flüchtling. Er floh vor dem Zorn seines Bruders. Wohl haben wir hier im Bilde noch den Gedanken, dass die Braut aus dem Geschlechte des Bräutigams sein musste, aber was uns hauptsächlich entgegen tritt, sind Jakobs Erfahrungen fern vom Lande der Verheißung. Das ist ein Bild von den Juden heutzutage [Anm.: Vortrag ist von 1919/1920). Sie sind flüchtig, außerhalb ihres Landes, werden als die für die irdische Segnung Gottes Auserwählten betrachtet, leiden aber Seiner Regierung nach unter den Folgen ihrer natürlichen Eigenart. Sie sind, was Selbstsucht und Betrug anlangt, über die ganze Welt hin sprichwörtlich geworden. Doch Gott hat Sein Auge auf sie gerichtet, und schließlich werden sie zurückgebracht werden.

Was dieses Kapitel so beachtenswert macht, ist, dass es zeigt, wie Gott gerade zu Beginn des Wanderlebens und der Zucht Jakobs ihm kundtat, dass er der Gegenstand der Fürsorge und Teilnahme des Himmels und des Schutzes der Engel war, und dass Jehovas Vorsatz in Treue und Gnade feststand. Er gedenkt mit keinem Worte der Vergangenheit Jakobs oder auch nur einer seiner Verkehrtheiten. Darin zeigt sich Gottes Unumschränktheit genau so, wie in dem, was Er geredet hatte, ehe Jakob geboren war. Damals hatte er noch nichts Böses getan. Doch nun, wo sein Wesen ans Licht gekommen war, änderte es Gottes Vorsatz durchaus nicht. Er hat gesagt: „ich, Jehova, ich verändere mich nicht; und ihr, Kinder Jakobs, ihr werdet nicht verzehrt werden“ (Mal. 3, 6).

Wenn wir heute auf die Kinder Jakobs blicken, welch eine Geschichte des Abweichens und der Schlechtigkeit sehen wir da! Doch sie sind „Geliebte um der Väter willen“ (Röm. 11, 28), und die Väter wurden geliebt, weil es Jehova in Seiner Unumschränktheit erwählte, sie zu lieben.

Und wenn wir heute auf die Heiligen blicken, nach dem, was sie ihrer Jakobsnatur nach sind, wie vieles kommt da ans Licht, was nicht in Übereinstimmung mit der himmlischen Berufung ist! Wie vieles steht da überhaupt nicht im Einklange mit Gottes Hause!

Jakob fühlte, dass dies bei ihm nicht der Fall war, doch Gott wendet Sich an Sein Volk von Seinem eigenen Standpunkte aus, dem eines Vorsatzes und einer Gnade, die ihnen in Christo Jesu vor den Zeiten der Zeitalter gegeben war (2. Tim. 1, 9). Da hatten wir weder Gutes noch Böses getan, so dass, wenn wir einen Platz in Seinem Vorsatz hatten, dies gänzlich der Unumschränktheit Seiner Liebe gemäß sein musste, und nichts, was sich danach ereignet, wird oder kann daran etwas ändern.

Jakob wurde das Land gegeben, ein zahlloser Same sollte es besitzen, und Gottes Treue verpflichtete sich, ihn überall zu behüten und in das Land der Verheißung zurückzubringen. Jehova sprach: „ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan habe, was ich zu dir geredet habe“ (V. 15).

Wie lernen wir daran die Gnade und Treue des Gottes erkennen, mit dem wir es zu tun haben, und obendrein auch die wahre Quelle der Sicherheit aller unserer Segnung! Dazu ihre Eigenart, und da sie durchaus von Gott geplant und beschlossen ist, so kann sie nie vermindert oder verkürzt werden.

Sie wird nie so weit erniedrigt, dass sie den Gedanken des Gläubigen oder seinem geistlichen Zustande entspricht. Der Gläubige muss vielmehr zu ihr in all ihrer Fülle und Kostbarkeit kommen. Von Jakob wird noch gesagt werden: „Was hat Gott da gewirkt!“ (4. Mose 23, 23).

Man könnte sagen: Weshalb wird alles das einem Menschen angeboten, dessen Laufbahn Gottes so unwürdig war, und der sich augenscheinlich so ganz und gar nicht im Einklange damit befand? Nun, wenn die Gnade einen Menschen nicht demütigt und unterwürfig macht, was dann?

In dem Maße, wie Gott gekannt wird und einen Platz im Herzen des Menschen erhält, wird auch das rastlose Fleisch unterworfen. Sieh, wie Gott der Fleischlichkeit der Korinther und der Gesetzlosigkeit der Galater gegenüber handelte! Tut Er ihnen beiden nicht Seinen eigenen Vorsatz und Seine Gnade kund und macht die irregeleiteten Heiligen mit ihrem Anteil daran bekannt?

Des Menschen Art würde sein, dies und jenes richtig zu stellen und gegen den offenkundigen geistlichen Mangel und das Abweichen einzuschreiten. Gottes Weg aber ist es, dem Glauben und den Zuneigungen Seiner armen Heiligen Sich Selbst und alle Seine Gnade in Christo zu bringen und Seine unfehlbare Treue, um sie dadurch aus den inneren Tiefen ihres Seins heraus wiederherzustellen.

Er wollte alles von Grund aus heilen und kein oberflächliches Werk tun. Wenn Gottes erkannte Gnade und Treue das Herz füllt, so ist die beste Sicherheit gegen jedes Eindringen der Welt und des Fleisches gegeben. Können wir nicht erkennen, dass solch eine Handlungsweise Gottes würdig und in der Tat der einzig wahre Weg der Bewahrung und Wiederherstellung ist?

Bei Jakob war es, wie es so oft ist: Er entsprach dem Gesichte, das ihm die Gnade offenbarte, nicht mit freudigem Herzen. Wohl erkannte er an, dass „dieser Ort ... nichts anderes als Gottes Haus“ war, doch er fühlte sich dort nicht heimisch, „er fürchtete sich“ (V. 17).

Jemand, der in fleischlicher Weise Pläne gemacht und eine natürliche Tätigkeit entfaltet hat, fühlt sich in der heiligen Luft des Hauses Gottes ganz und gar nicht am Platze. Mehr als zwanzig Jahre Zucht waren erforderlich, ihn zuzubereiten, in Einsicht und sittlicher Übereinstimmung zu diesem Hause zurückzukehren.

Doch es ist oft Gottes Weg, einer Seele von Anbeginn einen göttlichen Eindruck davon zu geben, wohin Er sie bringen will. So verbleibt ein Eindruck im Herzen, an den Gott anknüpfen kann, um Sein Wert fortzusetzen. Er sagt daher in Kap. 31, 13: „Ich bin der Gott von Bethel...“. Gott hatte dieses Gesicht nicht vergessen, und auch Jakob nicht, und so konnte Gott auf den Eindruck hin, der auf Jakobs Seele gemacht worden war, weiter wirken.

Das war der Ort, an den Gott mit Bezug auf Jakob dachte, und Er gab Jakob das zu verstehen. Gott hatte Sich ihm da in Gnade und Treue kundgetan, und das kennzeichnet Sein Haus.

Jakob sprach: „dieser Stein... soll ein Haus Gottes sein“ (V. 22). Es ist ein Grundsatz, dass das, was Gott uns gibt, um darauf zu ruhen, unser Zeugnis wird. Das Kopfkissen wird zu einer Denksäule. Gottes Gnade und Treue war es, die Er Jakobs Haupte zu einem Ruheort gab! Worauf du ruhst, wird dein Zeugnis.

Die Leiter deutet auf eine Verbindung zwischen Himmel und Erde. Anstatt dass der Himmel weit entfernt ist, ist er sehr nahe. Gott versicherte Jakob, dass er der Gegenstand der Anteilnahme und Fürsorge des Himmels war.

Du kannst jedem armen Gläubigen sagen, der so verdreht wie Jakob ist: „Du bist der Gegenstand der Fürsorge des Himmels, und die Engel haben auf dich Acht! Dienstbare Geister sind ausgesandt, für dich zu sorgen, und du brauchst dich vor nichts zu fürchten“.

Das Haus ist Gottes Wohnstätte hienieden, und der Himmel ist nicht weit davon. Der natürliche Mensch denkt, er ist weit, aber Jakob lernte, dass er nahe war, und dass seine Pforte hier auf Erden ist.

Damit in Verbindung steht ein Gedanke, der mit dem Tausendjährigen Reiche zusammenhängt. Wir haben hier nämlich einen Hinweis auf den Tag der Zukunft, wo „die Engel Gottes auf- und niedersteigen auf den Sohn des Menschen“ (Joh. 1, 51). Dann werden die Himmel „die Erde erhören“ (Hos. 2, 21). Der Himmel wird sehr nahe sein. Das wird im Tausendjährigen Reiche geschehen.

Doch wenn wir wissen, was es ist, im Hause Gottes zu sein, so ist es nicht nur nahe, sondern wir sind in seinem Tore. Engel steigen auf und nieder, ihr Ort des Dienstes ist hienieden. Sie sind hier, wo die Heiligen sie brauchen. Der Prophet Elisa sagte: „öffne doch seine Augen, dass er sehe!“, und dann sah der Knabe, dass der Berg voll feuriger Rosse und Wagen war (2. Kö. 6, 17). Sie fahren auf und berichten, was sie getan haben, dann kommen sie in diese Welt zurück. Sie kommen nicht nur hernieder und gehen dann wieder hinauf, sie sind im dienstlichen Auftrage hier und gehen dann wieder hinauf, darüber zu berichten.

Im Tausendjährigen Reiche wird die Glückseligkeit des Himmels einen Widerhall in der Glückseligkeit der Erde finden. Dann wird Gottes Wille auf Erden ebenso wie im Himmel getan werden. Erde und Himmel werden einander sehr nahe sein. Die Art der Zustände auf Erden wird die nämliche sein wie im Himmel.

Die Mitteilungen der Gnade führten dahin, dass ein bestimmter Punkt in der geistlichen Geschichte Jakobs erreicht wurde. Die Errichtung des Denkmals stellt das dar. Er stand nicht auf der Höhe der ihm entgegengebrachten Gnade, er fühlte sich nicht in ihr zu Hause. Doch sie hinterließ einen Eindruck in seiner Seele: Er erkannte an, dass die Gnade, in der Gott zu ihm geredet hatte, hienieden in einem Zeugnis in der Kraft des Heiligen Geistes bewahrt werden sollte.

Ich darf wohl behaupten, dass einige von uns wissen, was es heißt, ein Denkmal zu errichten. Wir haben erkannt, dass gewisse Dinge als Licht von Gott in unsere Seelen gekommen sind, und dass ein wahres Zeugnis damit in Verbindung stand. Wenn du einmal etwas als von Gott erkennst, und dass du dem treu sein solltest, so wird es nie recht mit dir stehen, du wirst nie glücklich sein, bis du zu dem Punkte zurückkehrst.

Als Jakob nach Bethel zurückkehrte, fügte er noch ein Trankopfer hinzu. Er befand sich dann im Einklange mit dem Orte und genoss göttliche Freude, so dass etwas für Gott vorhanden war. Jakob war über zwanzig Jahre fern von Bethel, er sagte zu Laban: „Zwanzig Jahre bin ich nun in deinem Hause gewesen“ (Kap. 31, 41 u. 38). Es war eine Geschichte voller Enttäuschung und Verdruss, und er war nie glücklich, bis er an den Ort zurückkam, wo er das Denkmal errichtet hatte.

Der Herr wandte sich mit den Worten an Israel: „Ich habe dir gedacht die Zuneigung deiner Jugend, die Liebe deines Brautstandes“ (Jer. 2, 2). Er redete damals zu ihnen, wie Er hier zu Jakob redete. Er hatte das nie vergessen, und Er wird sie dahin zurückbringen.

Er brachte Jakob zurück, und Er wird uns zu dem Punkte zurückbringen, wo wir das Denkmal errichtet haben. Jeder Gläubige hat zu dem besten Punkte, den er in der Geschichte seiner Seele vor Gott erreicht hat, zurückzukehren. Die Treue Gottes ist unablässig bemüht, dies zustande zu bringen.

Jakobs Gelübde, so armselig es auch war, bekundete, dass er ein Bewusstsein davon hatte, dass Gott eine Stätte und ein Teil haben sollte, und dass Gott dieses Ziel vor Sich haben musste. Sein Gelübde band ihn, das zu fördern. Gott hat das nie vergessen. In einem Gelübde kommt zum Ausdruck, dass etwas für Gott, d. h. Ihm geweiht, sein sollte.

 

Kapitel 29 - 35

 

Kapitel 35 gibt uns das Endziel, wohin Jakob in all diesen Tagen geführt wurde. Von Kapitel 29 an haben wir seine Geschichte und Erfahrungen in Paddan-Aram.

Zweifellos ist diese Geschichte ein Bild von der Lage Israels, fern vom Lande ihres Erbteils und ohne einen Altar. Sie haben die Folgen ihres Verhaltens zu tragen und ernten die Frucht ihrer natürlichen Eigenart und ihres Unglaubens.

Auf Seiten Jakobs ist das eine traurige und demütigende Geschichte, doch auf der anderen Seite sehen wir Jehovas Treue und Gnade, und Seine Fürsorge. Gott verlässt ihn nicht, sondern handelt mit ihm und übt ihn. Er redet mit ihm und schützt ihn immer wieder, bis er schließlich nach zwanzig Jahren bereit ist, zum Platze der Segnung, d. h. nach Bethel, zurückzukehren.

Obwohl das alles ein Bild von Israel ist, so hat es auch eine Anwendung auf die Heiligen der Gegenwart, weil dieselben Zustände des Unglaubens und der Schwachheit oft bei dem Volke Gottes zu finden sind, und das ähnliche Übungen und Zucht mit sich bringt.

Es ist ferner gesegnet, zu wissen, dass der Gott Jakobs unser Gott ist, und dass Er nie von der Ihm eigenen Gnade und Treue abgeht. Andererseits ist es ernst, daran zu denken, dass ein Heiliger so lange Zeit ohne einen Altar ist. Jakob hatte die ganze Zeit, da er in Paddan-Aram war, keinen Altar, und er stand in Verbindungen, wo man dem Götzendienst huldigte.

Was heute dem Altar entspricht, ist die Gelegenheit, priesterliche Beziehungen zu Gott zu haben. Der Heilige hat das Vorrecht, in priesterlichen Beziehungen zu Gott zu stehen, und dies, was ihn selbst anlangt, seinen Haushalt, Gottes Werk des Evangeliums und was sonst noch mit Gottes Zeugnis in Verbindung steht. Es ist sein Vorrecht, über das alles priesterlichen Zugang zu Gott zu haben.

Viele Heilige kennen das ihres Zustandes und ihrer Verbindungen wegen nicht. Die Verbindungen Paddan-Arams waren durch Götzendienst befleckt. Priesterliche Nähe Gott gegenüber konnte deshalb nicht gekannt werden. Laban hatte geschnitzte Bilder in seinem Hause, und Rahel stahl sie, und so kamen sie in das Haus Jakobs, und er ward dadurch befleckt. 1. Kor. 10, 21 warnt uns, wir können nicht des Tisches des Herrn teilhaftig sein und des Tisches der Dämonen.

Jakob wird von allem Anfang an als einer angesehen, der die Auserwählten Gottes darstellt, und ich denke, dass sich vorher in ihm Glaube gezeigt hatte, denn er verlangte nach der Segnung Gottes. Er hatte eine Glaubensübung, derzufolge er wesentlich von Esau verschieden war. Er war im Bilde der Auserwählte Gottes, und sein Herz war auf Gottes Segnung gerichtet, wenn auch zweifellos sehr mit menschlicher Schwachheit, Selbstsucht und Unglauben vermischt. Aber es war etwas Glaube vorhanden, der darauf gerichtet war und danach verlangte, im Erstgeburtsrecht und in der Segnung zu stehen.

Esau dagegen lag nichts am Erstgeburtsrecht, er war ungöttlich und nachmals gesetzlos, und am Ende sehen wir, dass Edom für immer zerstört wird.

Jakobs Geschichte war ganz verschieden: Sie begann mit der Auserwählung Gottes, und er verfolgte die Richtung des Glaubens, wenn auch vermischt mit vielen Beweggründen und Dingen, die mit dem Glauben unvereinbar sind, und schließlich beschloss er seine Laufbahn als Anbeter.

Es ist wichtig zu sehen, dass Gott Sich dem Jakob von Anbeginn verpflichtet hatte. Die Wahrheit der Auserwählung tritt uns da entgegen. Sie macht einen hervorragenden Zug in Jakobs Geschichte aus.

Aus Jakobs Erfahrungen in Paddan-Aram lernen wir im Bilde, dass die durch Lea dargestellten Nationen zuerst kommen und vor Rahel fruchtbar sind, obschon diese, wie Israel, zuerst geliebt wurde.

In den Namen der Söhne Leas haben wir einen Hinweis auf die Art der Frucht, die nun unter den Nationen gebracht wird. Da haben wir solche, die durch Sohnschaft gekennzeichnet werden (Ruben - „Sehet ein Sohn“); sodann den persönlichen Verkehr mit Gott im Vertrauen auf Ihn, in dem Bewusstsein, dass Er hört (Simeon - „Erhörung“); die Einheit in dem einen Geiste und durch das Verbundensein miteinander in Liebe (Levi - „Vereinigt“); Preis (Juda); reichliche Entschädigung für irgend etwas Aufgegebenes (Issaschar - „Es gibt Lohn“); und schließlich das Wohnen göttlicher Personen (Sebulon - „Wohnung“). (Kap. 29, 32 - 35; 30, 18 - 20)

Dann wurde Joseph von der Rahel geboren, er, der ein so treffendes und wohlbekanntes Bild von Christo, dem Geliebten des Vaters war, der aber von seinen Brüdern verworfen und unter den Nationen erhöht wurde.

In Kap. 31, 3 sagt dann Jehova zu Jakob: „Kehre zurück in das Land deiner Väter“, und in Vers 13: „Ich bin der Gott von Bethel, wo du ein Denkmal gesalbt, wo du mir ein Gelübde getan hast. Nun mache dich auf, ziehe aus diesem Lande und kehre zurück in das Land deiner Verwandtschaft“. Jakob konnte den Eindruck, den er zu Bethel bekommen hatte, nie loswerden. Gott brachte ihn hervor und konnte Sich darauf berufen.

So ist es oft bei den Heiligen: Gott bringt bestimmte Eindrücke hervor, aufgrund derer Er wirken, und auf die Er anspielen kann. Manchmal dauert es lange Jahre bei uns, ehe wir den Segen eines göttlichen Eindrucks auf unsere Seelen empfangen.

Israel sang am Roten Meere, als ob es im Lande wäre. Solch einen Eindruck hatten sie darüber empfangen. Sie sprachen: „es verzagten alle Bewohner Kanaans“ (2. Mose 15, 15), und sahen sich auf den Berg des Erbteils Gottes verpflanzt (V. 17). Die Wirklichkeit dessen aber lernten sie vierzig Jahre lang nicht kennen.

In Kap. 32,1 finden wir dann Jakob nach zwanzig Jahren der Schererei und Enttäuschung auf seinem Wege zurück, und Engel Gottes begegneten ihm, d.h. er empfing ein besonderes Zeichen der Fürsorge Gottes. Gott stärkt und ermutigt immer den Glauben, der auf dem rechten Wege ist. Jakob nannte den Ort Machanaim, d.h. „Zwei-Lager“, doch er verstand die Ermutigung, die Gott ihm dadurch geben wollte, nicht recht. Denn wenn er die zwei Lager der Engel vor sich gehabt hätte, so würde er nicht an die zwei Lager von Vers 7 gedacht haben.

Wenn man in einem schlechten Seelenzustande ist, so bringen nicht einmal göttliche Ermutigungen unsere Befürchtungen zum Schweigen. Wir finden, dass Jakob Gott um Befreiung anrief und sich auf Dessen Verheißungen berief, aber dabei war er voller Furcht und voller Pläne. Die Engel waren eine göttliche Ermutigung. Sie bedeuteten soviel wie: Du hast nichts zu fürchten. Gehe geradewegs nach Bethel.

Was waren Esau und vierhundert Mann gegen zwei Heerlager Engel? Jakob musste lernen, dass all sein Pläne machen zwecklos war. Er musste mit all seiner Weisheit zu Ende kommen und musste lernen, dass er nur auf Gott zu warten und auf nichts anderes zu vertrauen habe. Gott hatte einen Rechtsstreit mit Jakob, Ihm lag daran, diesen das wahre Geheimnis göttlicher Kraft zu lehren. Das Ende war, Jakob wurde allein gelassen, und Gott rang mit ihm.

Hosea 12, 3 - 5 ist sehr lehrreich, indem es zeigt, wie Gott die Nutzanwendung daraus für Israel am Tage der Zukunft zieht. Sie schauten nach dem und jenem um Hilfe aus, gerade wie Jakob. Gott sagt gleichsam zu ihnen: Ihr schließt einen Bund mit Assyrien und bringt Öl nach Ägypten. Ihr habt alle möglichen Versuche gemacht, unabhängig von mir zu sein.

Denken wir jedoch daran, wie Jakob gesegnet wurde: Er musste mit all seinem Pläne machen zu Ende kommen und überwand durch Weinen und Flehen.

Jakob musste von Angesicht zu Angesicht Gott gegenüberstehen und lernte da seine äußerste Schwachheit. Doch er lernte auch, dass Schwachheit und Abhängigkeit einen bei Gott in den Platz der Kraft bringen. Aber dann hatte er an dem Bewusstsein seiner Schwäche sein ganzes Leben lang zu tragen, „er hinkte an seiner Hüfte“ (Kap. 32, 31). Er war ein Krüppel bis zum Ende seiner Tage.

Doch Pniel war nicht der Ort, der im Mittelpunkt der Gedanken Gottes stand, und deshalb empfing Jakob daselbst keine Offenbarung des Namens Gottes. Seine Verbindungen waren auch derart, dass dies unmöglich war, denn in seinem Hause wurde den Götzen gedient. Darauf ist es aller Wahrscheinlichkeit nach zurückzuführen, dass er in Sukkoth blieb und dort ein Haus baute und ein Feld kaufte. Er schreckte vor den heiligen Anforderungen Bethels zurück. Shalem (sicher) machte nicht die Ansprüche hinsichtlich all der geheimen Dinge wie Bethel (Nach anderer Lesart kann Kapitel 33, 18 lauten: „Jakob kam nach Shalem, der Stadt Sichems“.)

Es ist wahr, Jakob hatte dort einen Altar, den er in Paddan-Aram nicht hatte, aber es war kein besonders erhabener Altar. Er nannte ihn „El-Elohe-Israel“, d.h. „Gott, der Gott Israels“. Wie viele haben einen solchen Altar! Sie denken an Gott in Beziehung zu sich selbst. Aber Gottes Gedanke ist, in Verbindung mit Seinem Hause gekannt zu sein. Er ist „El-Bethel“, d.h. „der Gott des Hauses Gottes“ (Kap. 35, 7). Es ist Gottes Gedanke, Sich Selbst in Beziehung zu Seinem eigenen Kreise bekannt zu machen und uns daselbst einen Platz und ein Teil zu geben.

Wenn wir auf dem Wege zu dem stehen bleiben, wohin Gott uns haben will, so muss Er uns oft erst in Bedrängnis bringen, um uns aus unseren Nestern aufzuscheuchen. Kapitel 34 ist das Aufscheuchen Jakobs aus seinem Neste zu Shalem. Er wurde den Bewohnern des Landes stinkend gemacht. Das ist ein starker Ausdruck (Kap. 34, 30). Es bedurfte einer solchen Zucht, um ihn auf die Berufung von Kap. 35, 1 vorzubereiten. Diese lautet: „Mache dich auf, ziehe hinauf nach Bethel und wohne daselbst, und mache daselbst einen Altar dem Gott, der dir erschienen ist, als du vor deinem Bruder Esau flohst“.

Tatsache war, obwohl Jakob zu Pniel Gott von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden und gelernt hatte, wie er bei Gott obsiegen konnte, um gesegnet zu werden, so waren doch seine Verbindungen nicht gereinigt worden. Sein Haus war nicht frei von Beziehungen zum Götzendienste, und die Erkenntnis dessen hielt ihn von Bethel zurück.

Wenn wir in Paddan-Aram gewesen sind, so bringen wir Dinge mit, die ganz und gar unpassend für Bethel sind. Das ist das Geheimnis, weshalb viele Leute Bethel nicht erreichen - sie sind sich dessen bewusst, dass vieles anders werden müsste, wenn sie es mit Gott in Dessen eigenem Hause zu tun hätten, und sie sind nicht bereit, manches fahren zu lassen.

Die Korinther hatten Beziehungen zu Götzen, und dies, wie auch anderes, hinderte ihr Wachstum. Sie waren nur Säuglinge, und es konnten ihnen keine Kostbarkeiten anvertraut werden.

Zu Pniel, zur Zeit seines Ringens mit Gott, empfing Jakob einen neuen Namen, einen Ehrentitel. Aber er benahm sich nicht diesem Titel entsprechend, bis er in Bethel gewesen war. Dann lesen wir ganz zum ersten Male Israel brach auf“ (V. 21), d.h. er zog in der Würde seiner Stellung vor Gott weiter. Dahin gelangen wir aber nur zu Bethel.

Ich denke nicht, dass es möglich ist, mit Gott voranzugehen, getrennt von dem Bewusstsein, was Gottes Haus ist. Gott kann mit uns sein, wie Er mit Jakob war, der der Gegenstand Seiner Zucht, Fürsorge und Seines Schutzes die ganze Zeit hindurch war, denn Er hatte gesagt: „ich werde dich nicht verlassen“ (Kap. 28, 15). Doch es ist eine Sache, dass Gott in Gnade und Treue mit mir ist, und eine andere, dass ich mit Gott in Heiligkeit bin.

Sowie Bethel vor Jakobs Seele kam, war er ein ganz anderer Mann. Sichem ist ein sehr guter Ort! Da taten sie die Ohrringe und fremden Götter, kurz alles, was in Verbindung mit Götzendienst stand, hinweg, „und Jakob vergrub sie unter der Terebinthe, die bei Sichem ist“ (Kap. 35,4).

Sichem ist der Ort, wo Josua sagte: „Ich aber und mein Haus, wir wollen Jehova dienen!“ (Jos. 24, 15). Es ist der Ort rückhaltloser Entscheidung.

Josua war zu Sichem ein Mann. Er hatte sich entschlossen, einen ganz bestimmten Weg zu gehen, und tat das anderen unmissverständlich kund. Als Jakob nach Sichem kam, wurden die Bilder und alles andere zu Füßen des Baumes gebracht. Der Baum scheint auf das Kreuz hinzuweisen.

Wenn wir unsere Götzen zu Füßen des Kreuzes lassen, dann stehen wir in leichter Marschordnung da. Viele Christen haben so viel Gepäck, so viele Teraphim bei sich, dass sie nicht von der Stelle kommen!

Als Jakob nach Bethel kam und den Stein gesalbt und ein Trankopfer gebracht hatte (V. 14), heißt es in Vers 21: „Und Israel brach auf“, er brach auf in der Würde seines neuen Namens. von Bethel war es nicht weit nach Ephrath, das ist Bethlehem, wo Christus zur Welt kam. Dort stirbt Rahel (V. 19), ein Bild vom Dahinscheiden Israels, doch Benjamin betritt da den Schauplatz - der Sohn der Rechten des Vaters - ein Bild von Christo, durch den Gottes Macht das Reich errichten wird, nachdem Israel gänzlich versagt hatte.

Als nun Jakob Bethel erreicht hatte, brach er im Lichte des Hauses Gottes auf. Er beginnt eine neue Laufbahn und bewegt sich in der dem Hause Gottes eigenen Würde. Wir sehen im 1. Timotheusbriefe, dass sich die Heiligen in der Würde des Hauses Gottes zu bewegen haben: Die Männer sollten durch Gebet gekennzeichnet sein, und die Weiber durch bescheidenes Äußeres. Ein Mann des Gebets ist vor Gott ein Mann, der in wahrer Würde steht. Nichts verleiht einem Manne eine solche Würde wie das Gebet.

Stellen wir uns vor, dass ein Geschöpf eine solche Stellung inne hat, dass es frei zu Gott reden kann, sogar beim Danksagen für Speise! „Jedes Geschöpf Gottes ist gut, und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und freies Sich-an-ihn-wenden“ (1. Tim. 4, 4 u. 5). Wie wunderbar, dass wir hier in der Würde stehen, uns frei zu Gott wenden zu können. Er hat zu mir in Seiner Gnade und Liebe geredet und mich auf so vertrauten Fuß mit Ihm Selbst gestellt, dass ich mich frei an Ihn wenden kann!

Ich fasse das als die wahre Würde des Mannes auf. Es würde eine hohe Würde bedeuten, wenn wir uns jederzeit frei an einen König wenden könnten, wie viel mehr an Gott! Es ist dies die Würde des Priesters, eine heilige Würde. Sie gehört einem im Schmucke der Heiligkeit.

Jakob sprach zu seinem ganzen Hause, dass sie die fremden Götter hinwegtun, sich reinigen und ihre Kleider wechseln sollten (V. 2). Sie hatten im Schmucke der Heiligkeit dazustehen, nichts anderes geziemte dem Hause Gottes.

Reinheit und Heiligkeit sind dem Hause Gottes eigen. Jakob sagt jetzt nicht: „Wie furchtbar ist dieser Ort!“ (Kap. 28, 17). Er hat hier ein Trankopfer, das von Freude redet. Er richtete sein Denkmal auf und befand sich im Einklang mit seinem Tun (Kap. 35, 14). In Kapitel 28 hatte er etwas von der Wesensart Gottes kennengelernt, aber er stand nicht im Einklange damit, hatte daher auch kein Trankopfer. Er war nicht glücklich und so konnte Gott in Wahrheit auch kein Wohlgefallen haben.

Versöhnung bedeutet, dass nichts das Wohlgefallen Gottes stört. Wenn ich mich wirklich im Segen der Versöhnung befinde, so würde nichts als Christus in mir gesehen werden. Das ist das rechte Kleid, das im Hause Gottes zu tragen ist. Wenn die Heiligen dem 1. Timotheusbriefe gemäß wandelten, so würde nur Christus in ihnen gesehen werden. Dann würde Gott Wohlgefallen haben, und es würde auch ein Denkmal da sein.

Die Versammlung des lebendigen Gottes ist das Denkmal oder der Pfeiler des Zeugnisses in dieser Welt über das wahre Wesen Gottes (1. Tim. 3, 15; das Wort für „Pfeiler“ in dieser Schriftstelle und das für „Denkmal“ oder Denksäule in Kap. 35, 14 ist im Englischen das gleiche).

Bedenken wir, was es heißt, wenn die Heiligen frei von jedem Einfluss des Götzendienstes geworden sind und alles, was ihrer Eitelkeit und ihrem Stolze dient, hinweggetan haben, und in neuen Kleidern, d.h. in der sittlichen Wesensart Christi, dastehen! Welch ein Zeugnis würde das sein! Dieser Gedanke liegt Bethel zugrunde. Dann ist etwas für Gott da, ein Trankopfer, das Zeugnis davon, dass Jakob glücklich war, dort zu sein.

 

In Jakobs Geschichte gibt es viel Demütigendes, aber wie viel auch von der Treue und unvergleichlichen Gnade auf Gottes Seite! Gott beschützt und geleitet ihn, und bringt ihn am Ende zu Seinem Hause, und zwar so, dass er Ihm Selbst entspricht.

 

In Kap. 32, 29 ward keine Offenbarung des Namens Gottes gegeben, wohl aber in Kapitel 35, 1 ! Und das zeigt, dass die Offenbarung des Namens Gottes nur da gegeben werden kann, wo ein sittlicher Zustand vorhanden ist, der jenem Namen entspricht.

Jakob mit seinen Beziehungen zum Götzendienste konnte der Name Gottes nicht anvertraut werden. Zu Pniel empfing Jakob wohl einen neuen Namen, aber Gott tat ihm den Seinigen nicht kund. Nachmals, in Bethel, offenbarte Gott Seinen Namen und sprach zu ihm: „Ich bin Gott, der Allmächtige“ (V. 11).

 

 

Kapitel 37 - 39

 

Wir kommen nun in der Geschichte Josephs zu einem höchst fesselnden Vorbild, oder vielmehr zu einer ganzen Reihe von Vorbildern.

Wie wir schon gesehen haben, wurde Joseph von Rahel in Paddan-Aram geboren, als Jakob fern von seinem Ort und Lande war (Kap. 30, 22 - 25). Das scheint davon zu reden, dass Christus zu einer Zeit kam, da Israel nicht wirklich im Besitz oder Genuss des Landes ihres Erbteils war. Sie hatten das Reich verloren, und obschon sie unter der Fürsorge der Vorsehung Gottes standen, waren sie nicht im Besitz ihres Erbteils.

Die Tatsache, dass ein Überrest von zwei Stämmen in Palästina war, war der Vorsehung zufolge auf den Erlass eines heidnischen Königs zurückzuführen, und zur Zeit der Geburt Christi waren sie Untertanen des römischen Reiches. Der Umstand, der der Vorsehung gemäß Joseph und Maria nach Bethlehem brachte, damit Christus daselbst geboren wurde, war der Beweis, dass eine fremde Macht im Lande Israel herrschte.

Unter solchen Umständen also wurde Christus geboren, und in der weiteren Geschichte Josephs haben wir eine auffallende Reihe von Bildern, die davon reden, wie Christus einerseits vom Vater geliebt und geehrt wurde, und andererseits unter Seinen jüdischen Brüdern dienend, von diesen gehasst und getötet, und danach unter den Nationen erhöht wurde.

Dort ist es, wo sie nach ihrer Buße finden, dass Er ihre Rettung ist, und sie werden dann von Ihm am Leben erhalten im besten Teile des Landes, das Er ihnen geben kann. Daselbst können Ihn die Juden heute finden. Sie bekommen heute nicht Kanaan, sondern Gosen. Das heißt, wenn sie überhaupt von Gott gesegnet werden, so werden sie dadurch gesegnet, dass sie unter Seine Herrschaft kommen, und zwar unter der Form, die diese heute angenommen hat. Sie erlangen also die Segnung der Kirche.

Sie haben teil an der größeren Segnung, die jetzt unter den Nationen gekannt wird, d.h. an einer vermehrten Segnung (Joseph heißt „Er wird hinzufügen“), obschon ihnen ihr irdisches Reich und Erbe nicht wiederhergestellt sind.

Weiter aber hat es die Tatsache, dass Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gibt, im Bilde mit dem Tage der Zukunft zu tun, wo Gottes besondere Wege mit den Juden wieder aufgenommen werden.

Benjamin ist Christus von einem ganz anderen Standpunkte aus betrachtet. Er ist in der Königsstadt im Lande der Verheißung geboren und tritt uns damit in all den Rechten des Reiches entgegen. Doch Er ist der Sohn der Schmerzen Seiner Mutter, und ich glaube, das ist Er im Blick darauf, dass alle Hoffnungen Israels gleichsam in Seinem Tode abgeschnitten wurden. Er wurde abgeschnitten und hatte nichts, und dadurch, dass Er abgeschnitten wurde, ging Israel dem Fleische nach jeder von ihnen gehegten Hoffnung verlustig.

Die Erfüllung der Verheißung wurde Israel in Ihm angeboten, fand aber nur eine entschiedene Ablehnung, wie sie in Seiner Verwerfung und Kreuzigung zum Ausdruck kam. Der göttliche Überrest hatte durch dieses tiefe Leid zu gehen, ein Leid, das in den Seelenübungen Seiner Mutter dargestellt wurde, über die Simeon sagte: „deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen“ (Luk. 2, 35). Auch die Jünger hatten nach Joh. 16, 20 - 22 durch diese Drangsal der Seele zu gehen.

Doch wenn Er einerseits der Sohn der Schmerzen Seiner Mutter ist, so ist Er andererseits der Sohn der Rechten Seines Vaters. er ist der Mann der Rechten Gottes, den Er Sich gestärkt hat, der Israel noch von dem Eber aus dem Walde erretten (Ps. 80, 17 u. 13), und der das reich zu seiner Zeit aufrichten wird. Doch Seine Macht handelt gegenwärtig in keiner Weise öffentlich für Israel. Diese ist dem Bilde nach wie Rahel gestorben, und Benjamin ist einstweilen gleichsam zur Rechten Gottes verborgen.

Im Alter von siebzehn Jahren sehen wir Joseph mit seinen Brüdern die Herde weiden und den Dienst verrichten (Kap. 37, 2). Aber er konnte keine Gemeinschaft mit ihren üblen Reden haben und hinterbrachte seinem Vater, was er gehört hatte. Der wahre Joseph war hienieden immer im Geiste und der Tätigkeit des Dienstes, und Joseph, wie andere Vorbilder Christi, weidete die Herde und diente als Hirte. Mose war ein Hirte, ehe er König in Jeschurun war (5. Mose 33, 5), und David wurde von den Hürden der Schafe weggenommen, „um Jakob, sein Volk, zu weiden, und Israel sein Erbteil“ (Ps. 78, 70 u. 71). Das zeigt, dass Der, der für die Herde sorgen kann, auch imstande ist, zu herrschen. Er herrscht im Geist der Fürsorge eines Hirten und hat Sein Anrecht darauf durch den Dienst der Liebe erwiesen.

Doch das böse Treiben derer um Ihn her war Seinem Geiste immer ein Kummer. Er stand dem in sittlicher Hinsicht gänzlich fern. Wir sehen das sehr klar in den Psalmen, die sich auf Christum persönlich beziehen, und auch in denen, wo Sich der Geist Christi prophetisch im Überrest äußert. Da hören wir Ihn in tiefem Kummer zu Jehova über das reden, was Er in dem Betragen, den Wegen und Worten und dem Geiste derer, die um Ihn her waren, sah. Er konnte Seinem Vater nur einen üblen Bericht von ihnen bringen. Dieser bezog sich auf Dan, Naphtali, Gad und Aser, also auf die vier Brüder, die Kinder der Mägde waren.

Das scheint auf den sittlichen und politischen Zustand des Volkes hinzudeuten, als der Herr zu ihnen kam. Sie waren in Knechtschaft, und kein Zug geistlicher Freiheit konnte unter ihnen wahrgenommen werden.

Joseph war der besondere Gegenstand der Liebe seines Vaters, und seine Brüder wussten das. Es trat klar in dem „bunten Leibrock“ (V. 3) zutage. Gott kleidete Jesum öffentlich in das Zeugnis der Wonne, die Er an Ihm hatte. Bei Seiner Taufe sprach Er: „Dieser ist mein geliebter Sohn“ (Mat. 3, 17; Mark. 1, 11; Luk. 3, 22), und auf dem Berge der Verklärung: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; ihn höret“ (Mat. 17, 5; Mark. 9, 7; Luk. 9, 35).

Und in wieviel verschiedenen Farben wurde das Zeugnis, dass Er der Gegenstand der Liebe des Vaters war, all Seine Tage hindurch gegeben! Siehe Joh. 10, 32; 14, 11 usw. Ich denke, das, worauf Petrus in Apostelgeschichte 2 hinweist, entspricht dem „vielfarbigen Leibrock“ sehr. Daselbst beißt es in Vers 22: „Jesum, den Nazaräer, einen Mann, von Gott an euch erwiesen durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte tat, wie ihr selbst wisset“. Es bestand ein öffentliches Zeugnis, dass Er von Gott anerkannt war. In welch ein mannigfaches Zeugnis kleidete Gott Ihn in Seinem ganzen Dienste und Wirken hienieden! Die vielen guten Werke (Joh. 10, 32), die Er tat, waren Seine öffentliche Beglaubigung.

Doch alles dies brachte nur ihre Feindschaft ans Licht, wie auch bei Joseph. Je mehr Gott Ihn anerkannte, desto mehr hassten sie Ihn. Es ist schon traurig genug, das im Vorbilde zu sehen, doch es ist schrecklich, es als ein wahres Abbild dessen zu erkennen, was dem Sohne Gottes widerfuhr. Er musste sagen: „jetzt aber haben sie gesehen und gehasst, sowohl mich als auch meinen Vater“ (Joh. 15, 24).

Dann träumte Joseph „einen Traum und teilte ihn seinen Brüdern mit; und sie hassten ihn noch mehr“ (V. 5). Der Traum war eine göttliche Offenbarung, dass sie alle die Größe Josephs anzuerkennen haben würden. Er war in Wahrheit das Haupt der Familie, und so wird auch Christus, wenn Er kommt, in allem den ersten Platz haben.

Je mehr nun Gottes Vorsatz hierin im Zeugnis ans Licht kam, desto mehr trat auch der Neid und die Feindschaft der Juden zutage, und der Höhepunkt wurde erreicht, als Er sagte: „Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels“ (Mat. 26, 64).

In Josephs Geschichte tritt uns klar entgegen, dass da, wo ihm die Oberhand eingeräumt wurde, auch Gedeihen war. Jehova war mit ihm, und wo immer ihm sein Platz gegeben ward, gedieh alles. Er ist ein Bild von Christo als Herrn und von Dessen Segensherrschaft, die sich weit über Israel hinaus erstreckt, und in deren Ausübung Er der „Retter der Welt“ ist (Kap. 41, 45).

Es ist ein beachtenswerter Grundsatz, dass wir in dem Maße, wie wir dem Herrn Raum geben, auch gedeihen. Er ist der Erhabene, und wenn wir Ihm Seinen Platz geben, so sind wir sicher, nicht auf einem bösen Wege zu sein.

Unter Josephs Hand gedieh alles, sei es in Potiphars Hause oder bei der Verwaltung Ägyptens, und das Geheimnis des Gedeihens wurde Josephs Brüdern und seinem Vater und seiner Mutter in diesen Träumen geoffenbart: alles hatte sich Joseph zu beugen!

Wir sind in das Reich des Sohnes Seiner Liebe versetzt. Von diesem Gesichtspunkte aus gesehen ist Seine Oberhoheit die der Liebe, in Seinem Reiche muss die Liebe die Oberhand haben. In dieser Hinsicht kommt Er als König dem, dass Er das Haupt ist, sehr nahe. In der Tat ist ja auch der König das Haupt.

Der König von England ist nicht nur der Beherrscher des Reiches, sondern er ist auch das Haupt der ganzen Gesellschaft. Dergestalt, dass seine sittliche Eigenart und sein Benehmen und seine Art, etwas zu tun, mehr oder weniger Einfluss auf die ganze Gesellschaft hat - es wird als wohlanständig betrachtet, der Anleitung, die er gibt, zu folgen. In dieser Hinsicht übt also der König einen ungeheuren Einfluss als Haupt aus, ebenso wie er diesen als Herrscher hat.

Die Herrschaft und Oberhoheit Gottes, wie sie den Menschen in vollkommener Gnade kundgetan wird, wird uns in dem Herrn dargestellt. Christus als Haupt jedoch nimmt auf unserer Seite den ersten Platz ein, um so die erste Anregung in alledem zu geben, was nach dem Wohlgefallen Gottes ist.

Josephs Brüder mussten am Ende erfahren, dass seine Träume wahr waren, sie hatten sich tatsächlich vor ihm zu beugen, und sogar als solche, die ihm ihr Leben verdankten. Doch zuvor kam ihre Feindschaft in schrecklicher Weise ans Licht.

Als er von seinem Vater gesandt wurde, um nach dem Wohlergehen seiner Brüder zu sehen, verabredeten sie sich, als sie ihn von ferne sahen, ihn zu töten. Sie wollten ihn, wenn möglich, des Platzes berauben, den Gott vorhatte, ihm zu geben. Gott wachte darüber und sorgte durch Ruben und Juda dafür, dass er nicht getötet wurde. Gott hielt alles in Seiner Hand, genau wie bei Seinem geliebten Sohne, obwohl Er in diesem Falle, der Weisheit Seiner Wege gemäß, es ihnen erlaubte, ihren Vorsatz, Ihn zu töten, auszuführen.

In Ruben schienen einige rechte Empfindungen vorhanden zu sein, Regungen des Gewissens und der Liebe. Sein Vorhaben war, Joseph seinem Vater wiederzubringen, und so war er ein Bild derer, die wie Joseph von Arimathia nicht in ihren Rat und ihre Tat einwilligten (Luk. 23, 51), oder derer, die wie Nikodemus es versuchten, ein Wort zugunsten des Herrn einzulegen (Joh. 7, 51). Es gab einige unter den Juden, in denen eine gewisse göttliche Übung vorhanden war. Sie waren nicht alle gesonnen, den Herrn umzubringen. Alles das aber vollzog sich dem Plane Gottes gemäß.

Ruben gedachte, den Knaben aus der Grube zu ziehen und ihn seinem Vater wiederzubringen. Aber das war nicht Gottes Plan: Er sollte nach Ägypten gehen und dort hoch erhoben werden, damit er ein Bild von Christo in Seiner Größe unter den Nationen sei. Die Verwerfung Christi durch Seine Brüder und Sein Tod - im Bilde das Hineinwerfen Josephs in die Grube - führte in der Weisheit und Macht Gottes nur dazu, Ihm einen viel umfangreicheren Kreis Seiner Größe und Herrlichkeit zu sichern: Er ist im Blick auf die Segnung des ganzen Weltalls erhöht worden.

In Potiphars Hause gedieh alles unter der Hand Josephs, und man sah, dass Jehova mit ihm war. Dann wurde er auf die Probe gestellt. Diese aber erwies seine Treue, und dass er Gott vor sich hatte. Seine Treue und Reinheit zogen ihm den Hass der Welt zu, aber das konnte ihn nicht vom Pfade der Unbescholtenheit abbringen. Ins Gefängnis geworfen, kam er dann unter Umstände, die ihn hinsichtlich seines persönlichen Vertrauens auf das, was Gott zu ihm geredet hatte, prüften: „Man presste seine Füße in den Stock, er kam in das Eisen, bis zu der Zeit da sein Wort eintraf; das Wort Jehovas prüfte ihn“ (Ps. 105, 18 u. 19).

Die Prüfung für ihn war, dass gerade das Gegenteil von allem, was ihm gesagt worden war, über ihn kam. Er hatte manches geweissagt, was er als das Wort des Herrn erkannt hatte, und nun stellte ihn das, was er gesagt hatte, auf die Probe. Er hatte im Bilde von seiner Größe und Erhöhung gesprochen, aber die Grube und das Gefängnis sahen nicht gerade wie der Weg dahin aus. „Das Wort Jehovas prüfte ihn“, es übte ihn, es im Glauben festzuhalten, als alles dem gänzlich entgegen war.

Durch das Wort des Herrn geprüft zu werden, bedeutet so viel wie durch die Schwierigkeiten des Zeugnisses und nicht nur durch persönliche Umstände auf die Probe gestellt zu werden.

Sind wir bereit, selbst unter widrigen Umständen standzuhalten? Manchmal nehmen Gläubige eine Stellung in Übereinstimmung mit dem Worte des Herrn ein, aber sobald eine ernstliche Schwierigkeit kommt, geben sie auf. Solche erweisen sich dem Zeugnis unseres Herrn als von recht geringem Werte.

Fortwährend bestand des Herrn Kummer und Prüfung im Widerspruch der Sünder. Er musste sogar sagen: „Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts meine Kraft verzehrt“ (Jes. 49, 4). Er musste es erleben, dass die Städte, worin seine meisten Wunderwerke geschehen waren, dadurch unberührt blieben. Aber gerade „zu jener Zeit hob Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast es Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn also war es wohlgefällig vor dir“ (Mat. 11, 25 u. 26). Bei der Prüfung wurde nichts als vollkommenes Vertrauen auf die Wege und das unumschränkte Walten Seines Vaters in Ihm gefunden.

In Apg. 7, 9 lesen wir, dass Gott mit Joseph war. Jehova war die ganze Zeit mit ihm, sogar unter den unangenehmsten Umständen. Wir sollten an unsere Herzen die Frage stellen, ob uns das genug wäre. Als Joseph geprüft wurde, entsprach er der Probe. Aber wenn wir geprüft werden, kommt oft sehr vieles ans Licht, was nicht bestehen kann. Wie oft prüft uns das Wort des Herrn und stellt unsere unwürdigen und selbstsüchtigen Beweggründe bloß. Denn dieses Wort geht allem, was nicht Christus ist, auf den Grund und stellt es bloß.

Wir dürfen nicht erwarten, irgendeine Stellung für Gott einnehmen zu dürfen, ohne dieserhalb auf die Probe gestellt zu werden. Doch wir werden den Herrn mit uns haben, wenn wir einfältig sind.

Der Herr ist Seinem Volke genug, und diese Erfahrung befähigt einen Mann, voranzugehen. Wir sehen das In Paulus in 2. Timotheus, als das Zeugnis gleichsam im Gefängnis war. Wir können sagen, dass Paulus durch alles das auf die Probe gestellt wurde, was er anderen gebracht hatte, und durch die Unterstützung des Herrn entsprach er der Probe in den widrigsten Umständen. Der Herr wird mit einem treuen Heiligen sein, wenn seine Seele in Eisen kommt. Doch damit soll nicht gesagt sein, dass die Prüfung nicht empfunden wird.

Joseph wurde im Gefängnis aufrechterhalten. Das Wort des Herrn prüfte, aber es unterstütze ihn auch, und sogar da hatte er Gedeihen.

Paulus im Gefängnis stellt die wahre Stellung des Zeugnisses in dieser Welt dar. Wir sollten nicht erwarten, in den Umständen hienieden vorwärts zu kommen, uns gleichsam ausdehnen zu können, sondern vielmehr eingeschränkt zu werden, Leiden und Schwierigkeiten zu haben: es ist Gefängniszeit.

Paulus im Gefängnis war trotz allem das Gefäß der Verwaltung alles dessen, was segensreich ist. Der Dienst des Evangeliums und der Dienst der Versammlung kamen in Paulus völlig ans Licht, als er persönlich und in den Umständen sehr eingeengt war. Sein Herz wurde dadurch in sittlicher Hinsicht weit, denn er hat nie solche Briefe geschrieben, als da er im Gefängnis war.

Joseph hatte dreizehn Jahre ernster Prüfung durchzumachen. Mit 17 Jahren begann sie, und mit 30 Jahren stand er vor dem Pharao. Doch der Herr war in allem mit ihm gewesen, und derjenige, der erfahren hatte, dass der Herr in den schlechtesten Umständen mit ihm war, kann auch für den Herrn in den besten Umständen handeln. Was wir in Schwachheit und Leiden gelernt haben, wird uns in der Zeit der Herrschaft nützlich sein.

Den Traum eines Mundschenken deuten, mag und geringfügig scheinen, aber dieselbe Weisheit Gottes, die den Traum eines Mundschenken deuten konnte, konnte auch den des Pharao deuten und in der öffentlichen Verwaltung tätig sein. Wir lernen jetzt in kleinen Verhältnissen die Grundsätze, durch die das ganze Weltall verwaltet werden wird. Die geistlichen Aufgaben, die jetzt an uns herantreten und die wir zu lösen haben, begreifen den Erwerb einer Weisheit in sich, die die Heiligen zur Verwaltung des ihnen anzuvertrauenden Reiches befähigt.

Es ist oft darauf hingewiesen worden, dass wir in Joseph im Bilde Christum als die Weisheit Gottes und die Kraft Gottes sehen.

 

Kapitel 40 - 45

 

Kapitel 45 bringt uns zu der Stunde, wo Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gibt. Wir haben gesehen, dass Joseph ein Bild von Christo, dem Geliebten des Vaters, war, der, angetan mit dem Zeugnis des Wohlgefallens des Vaters und als der gekennzeichnet, der den Platz der Oberhoheit haben sollte, von seinen Brüdern verworfen und dem Bilde nach getötet wurde.

Je mehr Sich der Herr als vom Vater geehrt erwies, desto deutlicher ward Seine Verwerfung durch das Volk offenbar. Doch alles diente der Vorsehung Gottes dazu, die Vollkommenheit Christi und den ganzen Ratschluss Gottes ans Licht zu bringen.

In der Erhöhung des wahren Joseph und der Segnung der heidnischen Welt erlangte der Herr einen viel größeren Machtkreis. In Jesaja 49 sehen wir, dass Israel nicht gesammelt wurde, doch dadurch ward dem Herrn ein Weg geöffnet, einen größeren Machtbereich und größere Herrlichkeiten zu empfangen, so dass Er nun Gottes Heil bis an das Ende der Erde ist (V. 5 u. 6).

Joseph ging hinab nach Ägypten und wurde dort geprüft. Doch Jehova war mit ihm, so dass alle, die ihm seinen Platz gaben, den Segen davon hatten. Alles gedieh unter seiner Hand.

Das lesen wir auch in Jesaja 53. Da heißt es, dass Christus von Israel verworfen wurde, dass aber das Wohlgefallen Jehovas in Seiner Hand gedeihen wird (V. 10). Es war für das Herz des Herrn eine große Ermutigung, die Griechen sagen zu hören: „wir möchten Jesum sehen“ (Joh. 12, 21). Das eröffnete Seinen Blicken jene weite Welt der Segnung, die Er im Begriffe stand, mit Frucht für Gott zu füllen.

Joseph wurde vor der Erfüllung dessen, was er angekündigt hatte, geprüft. Zunächst durch die verführerischen Einflüsse dieser Welt, und dann durch das Gefängnis. Doch er erwies sich in beidem gleicherweise vollkommen, wie auch der Herr in der Versuchung zu Beginn Seiner Laufbahn, und dann in all den Übungen im Garten Gethsemane an deren Ende.

Die Prüfung kommt vor der Erhöhung. Joseph wurde in demütigenden Umständen geprüft, ehe ihm die Verwaltung der Herrlichkeit anvertraut wurde, und dabei wurde seine sittliche Vollkommenheit und Schönheit, die ihn zum Herrschen befähigte, dargetan. Der herrschen soll, ist auf die Probe gestellt worden. Seine Fähigkeit und sittliche Eignung wurden erprobt und anerkannt, ehe Er erhöht wurde.

Der Glaube wird immer durch Enttäuschungen einerseits und Faustschläge andererseits geprüft. Wir werden hinsichtlich der Beweggründe, die uns in Wirklichkeit bestimmen, weit mehr im Geheimen, als in der Öffentlichkeit geprüft.

Joseph befand sich unter den demütigendsten Umständen im Gefängnis, doch Jehova war mit ihm, und er hatte dort Gedeihen. Es scheint ein Teil der Wege Gottes zu sein, das im Verborgenen zur Entwicklung zu bringen, was nachmals in der Öffentlichkeit gesehen wird, etwa wie David, ehe er dem Goliath entgegen trat, zuvor mit dem Löwen und Bären kämpfte.

Der Mann, bei dem die Weisheit Gottes im Verborgenen war, war auch bereit, damit in der Öffentlichkeit hervorzutreten, wenn die rechte Zeit für ihn gekommen war.

Der erste Psalm stellt den Menschen dar, der in niedrigen Umständen gedieh, und der zweite gibt Seine Erhöhung. Der erste Psalm gibt Seine sittliche Befähigung, und im zweiten ist Er der König - Jehovas Gesalbter - ein Mensch, der Gott in jeder Hinsicht entspricht.

Joseph erwies sich als geeignet. Der Teufel konnte ihn nicht durch Verführung vom Pfade der Frömmigkeit abbringen, und auch nicht durch die Beschwerden des Gefängnisses. Er empfand die Prüfung schwer. „Das Wort Jehovas prüfte ihn“, doch er bestand die Prüfung. Er gab nie das auf, was ihm geoffenbart worden war, als sich die Garben vor ihm neigten. Das war das Wort Jehovas, und er gab es nie auf. Der Herr gab nie Seinen wahren Platz vor Gott auf. Er bezeugte vor Pilatus das gute Bekenntnis (1. Tim. 6, 13). Von Joseph wird kein Fehler berichtet. Unter all den Vorbildern vom Herrn nimmt er in dieser Hinsicht einen besonderen Platz ein. Die Fähigkeit Josephs zeigte sich im Gefängnis ebenso klar, wie nachmals in der Verwaltung des Reiches. Er konnte im Gefängnis Träume deuten, ehe er es im Palaste tat.

Die mannigfaltige Weisheit Gottes in Joseph ist sehr lehrreich. Als er im Gefängnis war, kam die Weisheit Gottes in Verbindung mit unscheinbaren Umständen ans Licht. Aber all die Weisheit, das Reich zu verwalten, war da. Die Umstände waren geringfügig und unscheinbar, doch die Weisheit (die sich in ihnen offenbarte) war dieselbe.

Die Kirche befindet sich in Umständen der Einschränkung und Schwachheit hienieden. Dennoch ist sie dasselbe Gefäß der Verwaltung, wie sie es schließlich sein wird. Paulus bringt die Verwaltung der geringen Dinge des Lebens in Zusammenhang mit der Verwaltung des Reiches (1. Kor. 6, 2 u. 3).

Weiter besaß Joseph eine wunderbare Weisheit in der Art, wie er mit seinen Brüdern verfuhr. Er konnte die Welt nicht nur im Großen gut verwalten, sondern ihm war auch eine göttliche Weisheit eigen, Herzensübungen in den Seelen seiner Brüder hervorzubringen. Josephs Weisheit zeigte sich darin, dass er dem Pharao den Rat gab: „Und nun ersehe sich der Pharao einen verständigen und weisen Mann und setze ihn über das Land Ägypten“ (Kap. 41, 33).

In Josephs Erhöhung sehen wir dann ein Bild vom Herrn in Seinem gegenwärtigen Platze der Erhöhung. Er ist Herr über die ganze Welt. Joseph empfing einen wunderbaren Titel, nämlich „Zaphnath-Pahneach“, d.h. „Retter der Welt“ (V. 45). Eine andere Auslegung dieses Namens ist „Fürst der Kraft des Lebens der Welt“, ein sehr schöner und inhaltsreicher Titel.

Welch ein Gegensatz zu Epheser 2, 2, wo Satan der Fürst der Gewalt der Luft genannt wird! Der Herr ist der Fürst der Kraft oder Gewalt des Lebens der Welt - nichts Geringeres als die Welt ist hier vor uns. Für die Welt ist also die größtmögliche Fürsorge getroffen, um zur Errettung und zum Leben zu gelangen. Jede Segnung Gottes kommt durch Ihn zu uns. Es ist eine unendliche Fülle von Segen vorhanden. An jeden ist gedacht worden.

Die „sieben Jahre des Überflusses“ (V. 47) reden davon, dass für die Hungersnot der Welt völlig gesorgt wird - „Joseph schüttete Getreide auf wie Sand des Meeres“ (V. 49).

In diesem Vorbilde stellt der Pharao Gott dar. Man darf kein Vorbild mit dem anderen vermengen, sondern muss darauf achten, wo es beginnt und wo es endet. Hier ist der Pharao ein Bild von Gott, der den wahren Joseph im Blick darauf erhöht hat, dass der Welt Errettung, Leben und Überfluss werde. Gott hat dabei den Segen der ganzen Welt vor Sich.

Kapitel 45 geht auf die Zeit, wo Josephs Brüder (Israel) dahin kommen, Ihn anzuerkennen, und zeigt uns, wie der Überrest Israels jetzt dahin gebracht wird, Christum anzuerkennen. Was uns in den letzten Kapiteln des ersten Buches Mose entgegentritt, ist, dass Israel gesegnet wird, aber nicht in Kanaan, sondern in Gosen. Sie werden in einem Lande außerhalb der ihnen gegebenen Verheißungen gesegnet.

Das Reich und dessen Segnungen sind jetzt unter den Nationen zu finden, und der Überrest Israels hat daran teil, sowie an den Vorrechten und Segnungen der Kirche. Der erhöhte Joseph ist ein Bild von der gegenwärtigen Stellung Christi als Verwalter der Segnung der ganzen Welt. Und wenn Israel gegenwärtig überhaupt gesegnet wird, so muss es unter dieser Verwaltung gesegnet werden.

Dann sehen wir, wie Joseph Asnath, eine Braut aus den Nationen bekommt, und durch sie Manasse (der ihn all seine Mühsal und das ganze Haus seines Vaters vergessen macht) und Ephraim (doppelte Fruchtbarkeit).

Der Herr hat jetzt das empfangen, was Ihn befähigt zu vergessen, dass Israel Ihn verachtet und verworfen hat. Die Kirche ist Ihm so viel, dass Er den Verlust nicht empfindet. Da haben wir etwas Ähnliches wie bei Isaak, dem Rebekka nach dem Tode seiner Mutter ein Trost ward (Kap. 24, 67).

Der Überrest Israels kam in Verbindung mit dem Platze zur Segnung, den Christus, als zur Rechten Gottes erhöht, einnimmt. Davon redet Gosen.

Der Überrest Israels ist nun mit in der Versammlung. Es sind ihrer jetzt viele über die ganze Welt hin, denn Gott hat dafür gesorgt, einen Überrest zu bewahren. Gott hat den Überrest Israels in der Segnung der Kirche am Leben erhalten. Er hat immer einen Überrest gehabt, und dieser befindet sich jetzt in der Kirche. Und all die Segnungen und Verheißungen, die Israel gehören, sind nun, da es in Gosen ernährt wird, als Schatz in der Kirche aufgehäuft.

Joseph war der, durch den Gott Israel am Leben erhielt. Und dann sehen wir auch in diesem Bilde den großen Umfang des Evangeliums: Christus ist „der Fürst der Kraft des Lebens der Welt“, Er ist der Verwalter einer Segnung der ganzen Welt.

Dann sehen wir in Joseph die Weisheit Gottes, die Herzensübungen in seinen Brüdern hervorbrachte. Aus Kapitel 42 bis 47 bekommen wir ein liebliches und ausführliches Bild, wie seines Vaters Haus von ihm abhängig wurde, und wie die Seinigen durch ihre Not seine Größe schätzen zu lernen hatten.

Als ihnen seine Größe im Zeugnis gebracht wurde, nahmen sie das übel auf. Sie wollten nicht, dass sich ihre Garben vor der seinigen verneigten. Doch in ihrer Not fanden sie, dass Getreide in Ägypten war, und sie zogen hinab. Durch äußerste Not getrieben, lernten sie Josephs Größe schätzen, obschon er ihnen noch unbekannt war.

Obgleich sie zu ihm kamen, war es doch nötig, dass sie durch Übungen gingen, bevor er sich ihnen zu erkennen gab, und das suchte er zustande zu bringen. Er handelte mit ihnen in Weisheit, um ihr Gewissen zu erreichen, und redete hart mit ihnen. Darin lag göttliche Weisheit.

Der Herr ist immer bemüht, unserem wirklichen Seelenzustand gemäß mit uns zu verfahren, damit Er uns die Wurzel von allem aufdecke, und Aufrichtigkeit in uns hervorbringe, so dass wir Sein Herz kennenlernen können. Der Herr will unsere Seelen nahe bei Sich haben und es uns nicht nur bequem machen. Wir hätten oft gern, wenn Er freundlich mit uns redete, sogar wenn noch so manche unerledigte Frage bei uns vorhanden ist. Aber dann würden wir innerlich in Entfernung von Ihm bleiben, ohne Sein Herz wirklich zu kennen. Er sagt gleichsam: Nichts wird mich befriedigen, als dich nahe bei mir zu haben, und dass du mein Herz kennenlernst. Und damit das wirklich zustande kommt, muss ich alles, was in deinem Herzen ist, ans Licht bringen, und dir eine Trübsal nach der anderen senden. - Er „redete hart mit ihnen“ (Kap. 42, 7).

Sie mussten tief über ihre Sünde und Schuld geübt werden. Die Übung über ihren eigenen Seelenzustand war unerlässlich. Wir haben alle gern, gesegnet zu werden, Getreide von Joseph zu bekommen. Doch keiner von uns liebt von Natur, über seinen sittlichen Zustand geübt zu werden. Das aber ist sehr notwendig, um den Herrn zu kennen. Er kann einem Herzen, das sittlich verkehrt steht, keine Erkenntnis über Sich Selbst geben.

Joseph machte alles von dem Kommen Benjamins abhängig. Israel wird zu lernen haben, Christum als Den zu schätzen, durch den allein sie Annahme finden und am Leben erhalten werden können. Sie werden dahin kommen, ihre Schuld gegen den wahren Joseph (V. 21) anzuerkennen und zu sehen, wie sie ihnen in der Person Benjamins nahegebracht wird.

Das ist eine tiefe Übung. Sie sprachen: „Fürwahr, wir sind schuldig“. Sie werden anfangen, zu empfinden, wie schlecht sie an Christo gehandelt haben. Doch später, als der Becher in Benjamins Sack gefunden wurde, geht ihre Übung noch tiefer.

Diese Übung hat jeder Jude durchzumachen, der bekehrt wird, und auch dem Grundsatz nach jeder von uns. Die Schuld wurde ihnen in einer Person nahe gebracht, die überhaupt keinen Anteil daran hatte.

Die Juden werden es darin sehen lernen, dass ihr Messias, Er, der nie gesündigt hatte, die Schuld getragen hat. Die Schuld kam auf den wahren Benjamin, der sie in Gnade auf Sich nahm. Und die Juden werden ihre Schuld dadurch erkennen, dass sie sehen, wie Christus sie auf dem Kreuze getragen hat.

Wir lernen nie die Tiefen unserer Sünden kennen, wenn wir sie nicht darin erkennen, wie Christus sie auf Sich nahm und ihr Gericht in unendlicher Gnade trug. Gott hat meine Schuld im Tode Christi in einer Weise ans Licht gebracht, die mich bis in den Staub demütigt.

Benjamin hatte keinen Teil an der Schuld, und so auch Der, der keine Sünde kannte, und in dem keine Sünde war, und der für uns zur Sünde gemacht wurde (2. Kor. 5, 21; 1. Joh. 3, 5). Der Becher wurde in seinem Sack gefunden. Juda nimmt die Verantwortlichkeit auf sich und macht sich mit Benjamin als Schuldträger eins. Welch ein Tag wird das für Juda sein, wenn er das tut und die Sprache von Jes. 53, 4 - 6 gebraucht! Judas Fürbitte ist ein Bild von der tiefen Bekümmernis des Überrestes, wenn der Geist der Gnade und des Flehens auf sie ausgegossen wird (Sach. 12, 10).

Als Juda trauerte und bat, an Benjamins Stelle zu sein, war das Werk der Übung, das Joseph hervorzubringen wünschte, vollendet. Da konnte er sich seinen Brüdern kundtun.

Die zwei wiederhergestellten Stämme werden durch diese Übungen anstelle des ganzen Volkes Israel zu gehen haben. Juda wird am Tage der Zukunft durch die Drangsal zu gehen haben und dazu durch tiefe Herzensübungen, und dann wird Sich ihnen der wahre Joseph kundtun und ihre Herzen dadurch trösten, dass Er ihnen zeigt, dass Gott hinter allem war.

Was Joseph seinen Brüdern sagte, gleicht den Worten des Petrus: „ich weiß, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt“ (Apg. 3, 17). In Hos. 11, 8 u. 9 lesen wir, dass Gott Ephraim nicht aufgeben wollte, und der angeführte Grund ist: „ich bin Gott und nicht ein Mensch“. Was Josephs Brüder taten, geschah in böser Absicht, aber Gott hat es zum Guten dienen lassen. Und Gott ist Gott und wird trotz des Menschen Sein Ziel erreichen.

Dann wurde zu Jakob hingesandt. Er und seine Söhne hatten das Land einstweilen aufzugeben und hinab nach Ägypten zu ziehen. Joseph war „Herr von ganz Ägypten“ und konnte von all seiner Herrlichkeit in Ägypten reden und vom Besten des Landes Ägypten (Kap. 49, 9, 13 u. 18).

Es handelt sich hier nicht um die Israel verheißene Segnung im Lande Kanaan, sondern um etwas ganz anderes und völlig Verschiedenes, was ihnen zu einer besonderen Gelegenheit gegeben wird, die jener Segnung vorausgeht. Es ist die Segnung in Gosen, die, wie ich glaube, darauf hindeutet, dass Israel durch die Erhöhung Christi teil mit den von Gott gesegneten Nationen haben wird. Sie haben das Land einstweilen aufzugeben, um alles dort zu empfangen, wo Joseph lebt. Josephs Brüder sprachen: „Joseph lebt noch“, und Jakob: „Joseph, mein Sohn, lebt noch!“ (V. 26 u. 28). Alles ist in dem auferstandenen Christus gesichert.

Im Zusammenhang hiermit finden wir Beerseba erwähnt, und dass Gott Sich den Gott von Jakobs Vater nennt (Kap. 46, 1 - 3). Der Eid und die Verheißung Gottes sind dem auferstandenen Christus gesichert. Israel hat das Land eine Zeit lang zu verlassen, doch sein Besitz ist dem Glauben eine Gewissheit.

Die Erkenntnis des auferstandenen Christus bereitete den Überrest zu, einen neuen Boden zu betreten, die irdischen Verheißungen eine Zeit lang aufzugeben und in die Stellung und Segnung der Kirche einzutreten.

Jakob sah die Wagen. Sie deuteten auf die Notwendigkeit hin, eine neue Stellung einzunehmen. Es handelt sich hier um eine derartige Bewegung, wie wir sie am Ende der vier Evangelien und zu Beginn der Apostelgeschichte wahrnehmen. Israel empfing das Wort von Gott: „fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen“ (Kap. 46, 3).

In Kapitel 46 haben wir dann die Namen der Söhne Israels, die nach Ägypten kamen. Es war ein Überrest nach Wahl der Gnade. Siebzig ist eine vollkommene Zahl, sie ist gleich sieben mal zehn und redet davon, dass die ganze Schar Gottes Auserwählter aus Israel bewahrt und ernährt wird. Sie hat teil an der Segnung der Kirche, und zwar in Gosen statt in Kanaan, ihrem verheißenen Erbteil, und dort waren sie Hirten.

Die Apostel wurden gleichsam Hirten in Gosen, die die Herde Gottes in der Stellung und Segnung, die der Kirche eigen ist, hüteten.  

 

Kapitel 48

 

Es ist kostbar, einen Heiligen den Lauf gut beenden zu sehen, und was unser Augenmerk bei Jakob hauptsächlich fesselt, ist, dass er gut endete. In Kapitel 47 - 49 sehen wir ihn geistlicher als je zuvor.

Wir sollten Fortschritt und Reife bei den Heiligen erwarten. Bei Jakob sehen wir die friedsame Frucht der Gerechtigkeit infolge der Zucht Gottes und Seiner Wege mit ihm.

Jakobs Geschichte war in vieler Hinsicht verkehrter und trauriger Art, doch er wurde immer gezüchtigt. Sein Pläne machen und seine Betrügereien fielen auf ihn zurück und wurden ihm zur Zucht.

Und so ergeht es einem jeden von uns. Was uns zu Fall bringt, wird uns unvermeidlich zur Geißel. Ich glaube, es gibt kaum einen Heiligen, der das nicht bis zu einem gewissen Grade erfahren hat. Jedes Abweichen, jedes Vergehen wird eine Quelle schmerzlicher Zucht.

Wenn wir uns unter die Zucht Gottes beugen, so wendet Gott sie zu unserem Segen. Das ist sehr ermutigend. Wir sehen bei Jakob, dass er sich wirklich beugte, und das sehen wir auch bei David. Er beugte sich unter die Zucht, die sein eigenes Verhalten über ihn gebracht hatte, und auch er endete gut. Sein Lauf endete damit, dass er sich selbst für das Haus Gottes aufopferte und sich selbst und den zu diesem Zwecke aufgehäuften Schatz dafür hingab.

Wir müssen das, was uns zum Fallstrick geworden ist, fahren lassen. Das Ziel des Vaters bei der Zucht ist, dass wir Seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Darauf läuft alles hinaus. Es ist wunderbar, daran zu denken, dass wir dann von dem, was uns hinderte, genau so getrennt sind, wie Gott es ist.

Es ist schön, zu sehen, dass Jakob und David am Ende besser als je zuvor zum Vorschein kommen. Gott erwartet das. Wir sollten darüber geübt sein, am Ende als ein geistliches Volk zum Vorschein zu kommen. Wir sehen Jakob hier in der Stellung der Würde und wahrer Größe vor den Menschen als einen Anbeter vor Gott und in der Einsicht in Gottes Gedanken über alles. Er kann alles sagen, was Gottes Volke bis zum Ende hin widerfahren wird.

Als Isaak den Jakob segnete, wusste er nicht, was er tat. Jakob jedoch besaß Einsicht und wusste das. Er hatte volle Einsicht in Gottes Gedanken über Ephraim und Manasse. Es ist gut, zu sehen, dass dies eine Folge des Werkes und der Zucht Gottes ist.

Im Neuen Testament ist es ein besonderer Gegenstand des Herrn gewesen, uns zu zeigen, wie Seine Hauptdiener endeten. Er erlaubte Petrus, Paulus und Johannes, nahe am Ende ihrer Laufbahn Briefe zu schreiben. Petrus sagt: „ich weiß, dass das Ablegen meiner Hütte bald geschieht“ (2. Petr. 1, 14), doch er steht in voller Kraft. Er hat das Kommen unseres Herrn Jesu Christi vor sich. Das Gesicht auf dem heiligen Berge stand seiner Seele ebenso klar und deutlich vor Augen, als da es stattfand. Paulus sagt, dass er schon als Trankopfer gesprengt werde und die Zeit seines Abscheidens vorhanden sei (2. Tim. 4, 6). Der zweite Timotheusbrief gleicht seinem letzten Willen oder Testament, doch er steht in voller Kraft, in vollem Lebensmute da. Johannes bleibt, bis er nahezu hundert Jahre alt ist, und dann schreibt er sein Evangelium, voll von Dem, „der von Anfang ist“ (1. Joh. 2, 13 u. 14).

Es ist schön, zu sehen, dass sie nicht vom Wege abkamen. Bei den drei Aposteln finden wir keine Trübung geistlicher Sehkraft und keine Schwächung geistlicher Kraft.

Ich bin darüber geübt, weil ich auf Seiten der Natur die Neigung zum Abweichen sehe. Doch wir sollten alle darüber geübt sein, unseren Lauf gut zu beenden. In Lukas 12 lesen wir von Knechten, die wachend erfunden wurden (V. 37 und 43). Wie wird der Herr mich finden? Ich mag früher einmal gut gelaufen sein, aber wie wird der Herr mich finden?

In gewissem Sinne ist die Gefahr größer, je weiter wir fortschreiten. Wenn wir nicht in der Kraft des Geistes vorangehen, so wird mehr und mehr das Fleisch in uns zum Ausdruck kommen und das, was wir von Natur sind. Wenn wir aber im Geiste wandeln, werden wir geistlicher werden.

Jakob endete als ein geistlicher Mann, und ich möchte das auch. Jonathan begann schön, er zog seine Kleider aus und gab sie David (1. Sam. 18, 4). Doch wo endete er? Gemeinsam mit Saul, nicht bei David, und er fiel auf dem Gebirge Gilboa.

Es handelt sich nicht darauf, nach außen hin etwas Großes zu sein, sondern innerlich mit dem Geiste Gottes voranzugehen und die Unterweisung der Zucht Gottes anzunehmen. Jakob hatte vieles zu lernen, und wir gleichen ihm alle in vieler Hinsicht. Doch er nahm die Unterweisung an und endete als ein geistlicher Mann.

In Kapitel 47, 7 brachte Joseph seinen Vater Jakob vor den Pharao, und Jakob segnete den Pharao. Und in Vers 10 segnete er ihn wieder und ging von dem Pharao hinaus.

Bedenken wir, welche Würde darin lag! Hier war der mächtigste Alleinherrscher der Erde, und Jakob segnet ihn trotz all seiner Vergangenheit, „ohne allen Widerspruch aber wird das Geringere von dem Besseren gesegnet“ (Heb. 7, 7). Jakob stand, seiner Erhabenheit bewusst, diesem großen Alleinherrscher gegenüber da.

Das ist die Stellung eines jeden Heiligen, in dem der Heilige Geist wohnt, und der der Gegenstand der Zucht Gottes ist. Ein solcher darf sich dessen wohl bewusst sein, dass er größer und besser als die höchste Person dieser Welt ist.

Das erinnert an einen Paulus vor Agrippa: Er stand vor dem König in all seinem Pomp und all der Pracht des Hofes und sagte: „Ich wollte zu Gott, dass über kurz oder lang, nicht allein du, sondern auch alle, die mich heute hören, solche würden, wie auch ich bin, ausgenommen diese Bande“ (Apg. 26, 29).

Er war sich in seiner Seele eines göttlichen Reichtums und derartiger Glückseligkeit bewusst, dass er nicht anders konnte, als die Stellung göttlicher Überlegenheit einzunehmen.

Dass Jakob den Pharao segnet, ist um so bemerkenswerter, als er zu der Zeit von Ägypten der Speise halber abhängig war. Äußerlich genommen war er ein armer alter Mann, und was seine eigene Geschichte anlangt, so hatte er zu sagen: „wenig und böse waren die Tage meiner Lebensjahre“ (V. 9). Und doch segnete er den Pharao!

Ich weiß nicht, ob man sagen darf, dass sich Jakob am Ende höher als Abraham und Isaak erhob, doch ich denke, soweit uns berichtet wird, trat er am Ende in einem klareren und bestimmteren Zeugnis hervor. Am Ende von Kapitel 47 betete Israel an, und zwar wie Heb. 11, 21 sagt, „über der Spitze seines Stabes“. Sein ganzes Herz war in Kanaan, er wollte kein Begräbnis und Gedächtnis in Ägypten. Sein Glaube beanspruchte sozusagen das verheißene Erbe, und er wollte im Begräbnis seiner Väter begraben sein. Und im Bewusstsein dessen, dass Gott Seinem Vorsatz treu war, betete er an. Er ergriff so im Glauben all die Verheißungen und das Erbe, so dass ihm nichts übrig blieb, als anzubeten. Darin können wir den Triumph Gottes sehen. Sein Ziel war schließlich erreicht.

Mein Eindruck ist, dass Gottes Zucht erst am Ende bei einem jeden von uns die volle Reife zeitigt. Wir bedürfen ihrer bis zum Ende. Bis dahin muss immer noch etwas abgelegt, etwas erworben und gelernt werden.

Es ist sehr gesegnet, einen Heiligen am Ende seiner Laufbahn gereift, als die Frucht des Werkes und der Zucht Gottes, sehen zu können. Jakob betete an im Lichte des Erbes. Alles, außer Jehova, das Erbe und der Weg, auf dem die Erben dafür bewahrt und erzogen werden würden, hatte seinen Wert für ihn verloren. Wenn alles andere in unseren Herzen und Gedanken seinen Platz verloren hat und uns nur das vor Augen steht, was Gott uns gegeben hat, so würden wir Anbeter sein.

Gottes Zucht hat es bei einem jeden von uns mit unserer tatsächlichen Schwachheit und den Ursachen unserer Verfehlungen zu tun. Jeder von uns kommt unter die Zucht, die am wirksamsten zum Ziele führt.

Nun kommen wir zu Kapitel 48. In Verbindung mit Jakob tritt uns da die Unumschränktheit Gottes in ganz hervorragender Weise entgegen. Sie macht einen besonderen Zug der Geschichte aus. Joseph erhält der Unumschränktheit gemäß das Erstgeburtsrecht. Er hatte zwei Söhne, Ephraim und Manasse, und in ihnen empfing er ein doppeltes Teil. Alles geschah in Unumschränktheit. Gott verfügte über alles Seinem eigenen Willen gemäß. Ruben hatte das Erstgeburtsrecht verscherzt, und Joseph bekam es. Das wird uns in 1. Chron. 5, 1 klar und deutlich gesagt.

Ich denke, der Tod Rahels wird hier erwähnt, um zu zeigen, dass Jakob sich von dem zu trennen hatte, was ihn von Natur fesselte. Rahel war die, auf die er sein Herz gerichtet hatte. Sie zu verlieren, war wahrscheinlich seine schwerste Zucht. Was immer uns von Natur fesselt, muss hinweggetan werden.

Zweifellos ist Rahel ein Bild von Israel, und alle Hoffnungen und Erwartungen in Verbindung mit Israel nach dem Fleische müssen in den Tod, auf dass zu Bethlehem alle Segnung in Verbindung mit Christo komme. Rahel starb zu Bethlehem. Sie musste gehen, und Christus kam.

Alle Hoffnungen und Erwartungen müssen in Christo ihren Mittelpunkt haben. Hierüber werden wir dadurch belehrt, dass der König Saul zuerst nach Rahels Grabe gesandt wurde (1. Sam. 10, 2). Der erste Punkt seiner Erziehung im Blick auf das Reich war, dorthin zu gehen. Er sollte das Ende von allem, was in Verbindung mit der Natur steht, sehen. Seine große Ahne war dort begraben. Er musste zum Grabe alles dessen gehen, was von Natur anziehend war, und was unsere Hoffnungen dem Fleische nach so leicht zu ihrem Mittelpunkt machen.

Wenn er die sittliche Bedeutung davon verstanden hätte, so wäre er ein anderer Mann geworden, und die Worte hätten sich erfüllt: „du... wirst in einen anderen Mann verwandelt werden“ (1. Sam. 10, 6).

Wir alle haben zu lernen, dass das, was von Gott und von wahrem Werte ist, mit Christo in Verbindung steht. Christus ward aus Israel geboren, doch die Segnung ist im Samen Israels und nicht in Israel selbst. Rahel brachte einen wunderbaren Samen hervor, sie war die Mutter Josephs und Benjamins. Die Mutter selbst starb, doch jede wahre Hoffnung und Segnung kam in dem Samen, d.h. in Christo, zu neuem Leben und dauerte in Ihm fort.

Ich denke, in Joseph und dessen Kindern empfing Jakob eine Entschädigung für den Verlust Rahels. Er erhielt im Bilde einen Begriff von Christo in ihm.

Die Erwähnung Bethlehems stellt hier einen schönen Zug der Hand des Geistes dar. Gerade dort, wo uns jeder natürliche Gegenstand der Zuneigung im Stiche lässt, führt Gott das ein, was unsere Herzen für immer befriedigen wird. Bethlehem ist „das Brothaus“.

Jeder natürliche Gegenstand der Zuneigung versagt, doch am nämlichen Orte, wo Rahel starb, wird Christus geboren - welch ein Brothaus ist doch Bethlehem! Wenn wir Christum vor uns haben und uns von Ihm nähren, so haben wir das, was sättigt und bleibt. Er verdrängt alles.

Es ist nichts lehrreicher im Evangelium des Johannes, als zu sehen, wie Er alles andere verdrängt. In Johannes 6 kommen wir zum lebendigen Brot, d.h. zum wahren Bethlehem, zum wahren Brothause.

Jakob verstand die Unumschränktheit Gottes im Segnen. Joseph nicht, er stellte seine Söhne in der rechten natürlichen Ordnung vor ihn hin, nämlich Manasse so, dass Jakobs rechte Hand auf seinem Haupte gewesen wäre - das wäre wohl die rechte natürliche Ordnung gewesen, aber nicht die geistliche.

Nach Gottes Unumschränktheit sollte Ephraim die Führerschaft haben. Die große Lehre der Geschichte Jakobs ist: „Also liegt es nun nicht an dem Wollenden, noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott“ (Röm. 9, 16).

Gott ist in keiner Weise gebunden. Er kann wie in 5. Mose 33 Simeon ausschließen und Ephraim und Manasse an dessen Stelle setzen, und wird, wenn es Ihm gefällt, Ephraim, dem Jüngeren, den höchsten Segen geben. Er geht darin den Weg der Unumschränktheit.

Wenn die Juden das gelernt hätten, so würden sie Gottes Recht, die Nationen zu segnen, nicht bestritten haben. Gerade der Umstand, dass einige von uns sich durch diese Dinge angezogen fühlen, ist die Frucht der Unumschränktheit Gottes. Keiner wird seinen rechten Platz einnehmen, bis er sich der Unumschränktheit Gottes unterwirft.

Der Unumschränktheit Gottes gemäß war das Erstgeburtsrecht mit Joseph und das Königtum mit Juda verbunden. Beide reden von Christo. Er ist sowohl Joseph als auch Juda. Ihm gehört die Erstgeburt und Er ist der König.

1. Chron. 5, 1 - 2 ist eine wichtige Schriftstelle. Sie zeigt, wie es Gott gefallen hat, das Erstgeburtsrecht in Israel dem Joseph zu geben und das Königtum dem Juda. Juda ist der königliche Stamm. Das sehen wir aus 1. Mose 49, 10.

Naturgemäß würde Joseph nur einen Stamm umfasst haben, aber der Auswahl Gottes zufolge empfing er das doppelte Teil, und so wird er durch zwei Stämme vertreten, und das auch in der zukünftigen Welt (Hes. 48, 4 u. 5). Ihm gehört die Würde der Erstgeburt. Er hat den hervorragendsten Platz unter den Stämmen. Er hat doppelten Anteil am Erbe (5. Mose 21, 14), obschon er nicht das Königtum hat.

Der Besitz des Erbes ist eine Sache, aber das Königtum eine andere. Das sind zwei verschiedene Gedanken. Das Geschlechtsverzeichnis richtet sich nicht nach der Erstgeburt; es hat das Königtum vor sich. Von Juda heißt es: „der Fürst kommt aus ihm“ (1. Chron. 5, 2), und „nicht weichen wird das Zepter von Juda“ (1. Mose 49, 10). Im Tausendjährigen Reiche wird ein Fürst aus dem Hause Juda auf dem Throne sein.

Was Gott bestimmt, führt Er aus. Alles geschieht aufgrund Seiner Unumschränktheit. Wenn Er bestimmt, dass Juda das Königtum haben soll, so wird er es haben, und so kommt Christus nicht nur als Schilo, der Fürst des Friedens, sondern auch als der Löwe aus dem Stamme Juda (Offb. 5, 5).

Der Hauptgedanke ist hier die Unumschränktheit Gottes. Er verfügt über alles, sei es über das Erbe, indem Er Joseph das doppelte Teil gibt, oder über das Königtum, das Er dem Juda gibt. Nichts wird je daran etwas ändern.

Jakob stand als ein geistlicher Mann, der vor Gott war, im Lichte alles dessen. Im nächsten Kapitel überschaut er die ganze Geschichte seiner Söhne und sagt ihnen, was ihnen am Ende der Tage begegnen wird (V. 1).

Dieses Kapitel ist in der Tat die Geschichte des Menschen und der Gnade Gottes gegen den Menschen, und zeigt uns, wie sich der Mensch ihr gegenüber verhält.

Schließlich sehen wir dann, wie die ganze Segnung durch die Rettung Jehovas in Christo kommt, und außerdem durch Männer, die durch den Geist in deren Genuss stehen.

 

 

Kapitel 49 und 50

 

In diesem bemerkenswerten prophetischen Ausspruche bekommen wir einen gedrängten Überblick über das, was in der Geschichte der Söhne Jakobs geschehen ist und noch geschehen wird. Und ihre Geschichte ist in Wirklichkeit die des Menschen, sei es als das betrachtet, was er von Natur ist, oder was die verschiedenen Züge anlangt, die nach der Dazwischenkunft Gottes in Christo in ihm ans Licht kommen. Denn die Dazwischenkunft Gottes haben wir prophetisch in diesem Kapitel besonders in Verbindung mit Juda und Joseph, und in Benjamin sehen wir ein Bild von der Macht, in der Christus am Ende mit allen Seinen Feinden verfahren wird.

Der Segen Moses in 5. Mose 33 hat es mehr mit dem Vorsatz Gottes zu tun. Doch hier haben wir die Unterweisungen, die das Volk erfahrungsgemäß in seiner Geschichte zu lernen hatte. Alles hat es mehr mit sittlichen Grundgedanken in den Wegen Gottes zu tun.

Es wird uns helfen, von vornherein zu sehen, dass das Kapitel in vier Teile zerfällt, denen je drei Stämme angehören. In Ruben, Simeon und Levi haben wir den natürlichen Zustand des Menschen. Wir sehen ihn hier in den Söhnen Jakobs, aber in Wirklichkeit handelt es sich um den natürlichen Zustand des Menschen im Allgemeinen. In Sebulon, Issaschar und Dan sehen wir die Einflüsse, die sogar dann zum Abfall führen, nachdem Gottes Segnung gekommen ist. In Gad, Aser und Naphtali sehen wir dann die Macht und Wirksamkeit der Errettung Gottes, die der Glaube kennt und erwartet, sobald der Zustand des Menschen wirklich erkannt wird. Und wenn er ihn erkennt, sieht er auch, wie der Mensch sogar, nachdem Christus gekommen ist, verkehrten Einflüssen anheimfällt. Die noch verbleibenden drei Stämme, Juda, Joseph und Benjamin, reden auf verschiedene Weise von Christo. Das Kapitel zerfällt somit ganz klar in vier Teile, und es enthält viele wichtige Belehrungen.

Zuerst finden wir den Zustand des natürlichen Menschen: Verderbtheit in Ruben und Gewalttat in Simeon und Levi. „Aufwallend“ bedeutet soviel wie „ungestüm“. Der Mensch lässt sich einfach von der Macht seiner Begierden und Lüste fortreißen, lässt sich nicht durch den Willen Gottes zügeln. Und wenn irgend etwas seinem Willen oder Hochmut in die Quere kommt, so wird er gewalttätig. Simeon und Levi hatten Grund zu ihrer Entrüstung, aber sie handelten in dem Hochmut und der Gewalttätigkeit der Natur, und ganz und gar nicht in der Furcht Gottes.

Solches Tun bringt das Gericht über ganze Völker wie auch über Einzelne. Das können wir aus Amos 1 und 2 sehen. Auch dieser Ausspruch wird nach Vers 28 ein „Segen“ genannt, denn wenn uns der wahre Zustand des Menschen bloßgestellt wird und die Einflüsse, die uns von Gott abbringen, so ist das ein Segen, weil das den Weg zur Segnung anbahnt. Buße ist ein Segen, obwohl keiner, der an sich schon Segensgüter in sich begreift. Tatsache ist, dass durch Jakobs Aussprüche göttliches Licht auf ihre ganze Geschichte fiel, wenn sie sich das nur zu Herzen genommen hätten.

In Juda sehen wir, wie Gottes siegreiche Macht um des Menschen willen eingreift. Gleich zu Anfang wird seiner als Gegenstand des Preises Erwähnung getan, im auffälligen Gegensatze zu den drei vorhergehenden Stämmen, die bloßgestellt werden mussten. Was ihn kennzeichnete, ist siegreiche Macht über alle seine Feinde und der Platz des Preises und Vorrangs unter seinen Brüdern.

Wir können nicht anders, als hier Den sehen, der der Löwe aus dem Stamme Juda ist (Offb. 5, 5). Er ist siegreich, hat die Fürstentümer und Gewalten zuschanden gemacht (Kol. 2, 15) und hat die unumstrittene Oberherrschaft. David ist in diesem Sinne ein Bild von Christo, indem er sich Preis und Vorrang durch seine Siege sicherte. Er erschlug „seine Zehntausende“ (1. Sam. 18, 7).

Jeder Macht, die Gottes Recht, Sein Volk zu segnen, angetastet haben würde, ist der wahre David entgegen getreten und hat sie niedergeworfen. Jetzt ist Seine Hand auf dem Nacken Seiner Feinde, und Er besitzt königliche Macht, die imstande ist, die Fülle tausendjähriger Segnung herbeizuführen. Jeder sich der Segnung des Menschen widersetzenden Macht ist der Löwe aus dem Stamme Juda entgegen getreten. Das Zepter ist jetzt in Seiner Hand, Er ist zum Herrn und zum Christus gemacht und mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt worden. „Schilo“ bedeutet „der Fürst des Friedens“ - der wahre Salomo -, und Er wird der Mittelpunkt, um den sich die gehorsamen Völker scharen.

Der Gesetzgeber („Herrscherstab“, V. 10) wird hier erwähnt, weil es wichtig ist, gehorsam zu werden. Mit Bezug auf „Schilo“ heißt es: „ihm werden die Völker gehorchen“. Jeder muss Seine Oberhoheit anerkennen. Die Ausübung der Herrschaft vom Stamme Juda aus gründet sich auf die Tatsache, dass Er, der der Friedenschaffende ist, den völligen Sieg errungen hat.

Gottes Macht hat sich ins Mittel gelegt, damit der Mensch gesegnet werden kann. Er erhält als Herr bei uns Seinen Platz, wenn wir sehen, wie wunderbar und mächtig Er um unseretwillen eingegriffen hat.

Vers 11 und 12 haben die Einführung der tausendjährigen Segnung zum Gegenstande. Im Gegensatz zu Johannes 2, wo es an Wein mangelte, wird es dann Wein im Überfluss geben. In dieser Schriftstelle sehen wir keinen Mangel, sondern großen Überfluss daran. Das deutet auf die Fülle göttlicher Freude hin.

Juda stellt den siegreichen Christus in königlicher Macht dar, der den Segen austeilt und Freude in Fülle bringt. Obschon das Tausendjährige Reich noch nicht gekommen ist, so kann doch schon die Fülle des Segens und der Freude genossen werden.

In den Psalmen, in denen das Tausendjährige Reich im Voraus empfunden wird, finden wir viele Ausdrücke der Freude und des Preises. Die Freude des Reiches nun steht uns jetzt schon in geistlicher Hinsicht offen. Die Fülle von Freude ist gekommen.

Johannes sagt: „dies schreiben wir euch, auf dass eure Freude völlig sei“ (1. Joh. 1, 4). Dies sollte in unseren Herzen eine Übung hervorrufen, weshalb nicht alle Kinder Gottes diese Freude genießen. Wenn Gott in so wunderbarer Weise durch den wahren Juda eingegriffen hat, um den Menschen zu segnen und eine göttliche Freude herbeizuführen, warum genießen das nicht alle, die das in Verbindung mit dem wahren Juda anerkennen? Die nächsten drei Stämme bilden die Antwort: Weil wir dem, was von der Welt ist, Einlass gewähren.

Sebulon kommt durch den Handel in Verbindung mit der Welt, denn Sidon ist ein Bild der Welt des Handels. Die meisten von uns haben etwas mit dem Handel zu tun, doch hüten wir uns, dass unsere Herzen ein Hafen für Schiffe werden.

Wenn wir ungebührlich von Geschäft und Gelderwerb in Anspruch genommen werden, so hat sich das oft als ein Schritt zu geistlichem Niedergang erwiesen. Nur zu oft sind dadurch die Heiligen in sittliche Berührung mit der Welt gekommen. Ich glaube, dass viele dadurch gehindert werden. Was man Vorwärtskommen nennt, ist sehr oft ein Rückgang.

Wie oft hört man davon, dass Gläubige ihre Vorrechte etwas Geldes halber aufgegeben haben! Das ist eine ernste Übung für einen jeden von uns. Sind wir wirklich nur deshalb hier, den Pfad des Willens Gottes zu gehen, oder suchen wir irgendeinen Vorteil weltlicher Art für uns selbst? Kommen wir irgendwie mit Sidon in Berührung?

Die Frage ist: Worauf ist unser Herz gerichtet? Die wahre Übung jedes Heiligen ist, für den Willen Gottes hienieden zu sein, und nicht um, wie man in der Welt sagt, vorwärts zu kommen. Wenn man für den Willen Gottes hienieden ist, so sollte unser Pfad diesem Willen entsprechen.

Von David heißt es: „als er seinen Zeitgenossen durch den Willen Gottes gedient hatte“ (Apg. 13, 36). Das ist das wahre Geschäft und die Würde eines Heiligen. Wenn es der Wille Gottes ist, dass man an den Gütern dieser Welt zunimmt, so ist das ganz recht. Gott gefällt es, es so zu fügen, dass einige Seiner Heiligen Mittel haben, ihren dürftigen Brüdern damit zu dienen.

Die Frage ist: Lassen wir die Welt wegen des Gewinnes, den wir von ihr haben, in unseren Herzen aufkommen? Wenn ein Heiliger diesen Pfad betritt, so befindet er sich in Wahrheit auf demselben Pfade wie die Welt, und gar bald erstreckt sich seine Grenze bis nach Sidon hin. Doch wenn Gottes Errettung kommt, so macht sie Sein Volk von alledem frei.

Den nächsten Schritt auf der abschüssigen Bahn sehen wir bei Issaschar. „Issaschar ist ein knochiger Esel, der sich lagert zwischen den Hürden. Und er sah, dass die Ruhe gut und dass das Land lieblich war; und er beugte seine Schulter zum Lasttragen und war ein fronpflichtiger Knecht“ (V. 14 u. 15). Issaschar ist ein Esel, der sich bar in ganz anderer Lage befindet als der Esel in Vers 11. Statt in Segnung und Freude, also wohlgenährt zu sein, ist er knochig und in Knechtschaft.

Und was hat ihn in diesen Zustand gebracht? Der Wunsch, angenehme Tage zu haben, und einen bequemen Pfad in Beziehung zur Welt. Doch um dies tun zu können, musste er seine Freiheit als Knecht Gottes opfern, und er kam unter die Knechtschaft der Welt. Wenn du Gott und den Menschen gefallen willst, kommst du nur in Knechtschaft. Du wirst dich zwischen zwei Hürden befinden. Du kannst dir aus Selbstsucht keinen leichten Pfad sichern und deine geistliche Freiheit behalten. Mancher Gläubige ist gleichsam dadurch eingeengt, dass er den Wunsch hatte, mit anderen bequem voranzugehen, und so geriet er unter völlige Knechtschaft und wurde ein Sklave. Er fürchtet sich, mit den Leuten über Christum zu reden. Paulus sagt: „Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich Christi Knecht nicht“ (Gal. 1, 10).

Wenn wir zur Rettung Gottes kommen, so haben wir Freiheit. „Naphtali ist eine losgelassene Hindin“ (V. 21). Wenn du dich in Knechtschaft fühlst und darüber mit Gott verkehrst, so wirst du in der Kraft Seiner Errettung durchbrechen und frei sein. Ich denke, wir alle wissen, wie leicht es ist, in Knechtschaft zu geraten. Doch wir sollten uns frei zu halten suchen, von Christo zu reden. Je länger wir mit Leuten nach deren Gedanken Umgang pflegen, desto schwieriger ist es, unseren Mund für Christum zu öffnen.

Ein Schritt abwärts führt zu einem anderen. Zuerst sahen wir in Sebulon das Verlangen nach weltlichem Gewinn, alsdann in Issaschar das, ruhige und bequeme Tage zu haben, und nun wird Dan eine Schlange am Wege. Dass Dan sein Volk richten wird (V. 16), zeigt den Platz, den er haben sollte, und er wird schließlich eine angesehene Stellung im Lande erlangen. Er ist der Erste, der in Hesekiel 48 sein Teil zugewiesen bekommt, aber das geschieht, nachdem Jehovas Errettung für ihn gekommen ist. Vorher hat er eine traurige Geschichte.

Dan war der erste Stamm, der offensichtlich den Götzendienst einführte. Sie stahlen das geschnitzte Bild Michas und alle die Prunkstücke, die zum Götzendienste gehörten, und nahmen den Enkel Moses und machten ihn zu ihrem Priester (Richter 17 u. 18). Sie übernahmen als Stamm die Führerschaft im Götzendienst. Die Laufbahn des Niedergangs führt, wenn sie weiter verfolgt wird, dahin, dass man sich dem, was von Gott ist, widersetzt. Sie führt zum Abfall.

Es ist sehr ernst, den Lauf auf der abschüssigen Bahn zu beginnen, denn man weiß nicht, wo er endet. Viele, die einst mit Brot brachen, sind jetzt in der Welt und scheinen jede göttliche Zurückhaltung von sich geworfen zu haben, und man zittert bei dem Gedanken, was das Ende sein wird.

Es ist gut, auf die ersten Anzeichen des Niedergangs zu achten und sich zu Gott, Seiner Rettung halber, zu wenden. Gott sei Dank, dass für jeden von uns Rettung vorhanden ist! Möchten wir allezeit solche Gewissen haben, die schon die ersten Kennzeichen des Niedergangs und des Abweichens empfinden, und Seelen, die schnell bereit sind, sich zu Gott, Seiner Rettung halber, zu wenden!

Als Jakob Dan als einen Widersacher und Abtrünnigen sieht, sagte er: „Auf Deine Rettung harre ich, Jehova!“ (V. 18). Er erkennt, wie hoffnungslos alles ist, wenn allein der Mensch an sich in Frage kommt, und dass, wenn etwas für Gott da sein soll, dieses die Folge Seiner Rettung sein muss.

Vers 18 ist der Wendepunkt des Kapitels. Bis dahin sehen wir auf Seiten des Menschen nichts als Verfall, sei es, was den Zustand des natürlichen Menschen anlangt oder die mannigfaltigen Züge des Abweichens, die Gottes Volk kennzeichnen, wenn es unter den Einfluss der Welt gerät.

Wenn irgend etwas bewahrt oder wiederhergestellt wird, so muss das in der Kraft der Rettung Gottes geschehen. Die Folge des Wartens auf die Rettung Gottes ist Kraft zum Überwinden, Sättigung und Freiheit, wie wir es in Gad, Aser und Naphtali sehen.

Sebulon und Issaschar waren überwunden worden, und der Feind hatte einen starken Angriff auf Gad gemacht - „Gad, Scharen werden ihn drängen“. Was ihn jedoch kennzeichnet, ist, dass er am Ende überwindet. Jehovas Rettung macht ihn zu einem Überwinder.

Wie viele der Heiligen in der Heiligen Schrift haben diese Erfahrung gemacht! Jakob, David, Petrus, Markus sind Beispiele von Männern, die ihre eigene Schwachheit den Angriffen des Feindes aussetzten, aber Gottes Rettung wurde ihnen zuteil, und sie endeten als Überwinder. Jeder von ihnen endete gut.

Man möchte gerne als ein Überwinder enden, denn solche bekommen ein gutes Teil. Das sehen wir in Aser und Naphtali: „Aus Aser wird sein Brot fett sein, und er wird königliche Leckerbissen geben. Napthali ist eine losgelassene Hindin; er, der schöne Worte gibt“ (V. 20 u. 21). Da haben wir den Überwinder gesättigt und in Freiheit, und so kann er anderen dienen.

Alles das steht im schroffen Gegensatz zu der Magerkeit und Knechtschaft, die Issaschar, den „knochigen Esel“ kennzeichnen. Aser ist glücklich und wohlgenährt durch gute Speise, und hat noch Gutes für andere übrig. Von ihm kommen „königliche Leckerbissen“.

Es ist ein Kennzeichen des Hauses Gottes, dass wer dort ist, „Überfluss an Brot“ hat (Luk. 15, 17).

Napthali alsdann ist in völliger Freiheit. Nichts hält seine Bewegungen auf, und auch er kann anderen dienen. Das zeigt, dass der, der in der Kraft der Rettung Gottes überwindet, nicht nur selbst den Nutzen davon hat, sondern eine Quelle des Segens für andere wird.

Alles das ist von besonderer Bedeutung, da es erforderlich ist, das Herz freizumachen, um einen ausgedehnteren Ausblick auf Christum zu genießen. Es scheint mir, dass die Folge hiervon eine große Zunahme an Verständnis über Christum und in der Wertschätzung Christi ist. Und das ist ein solches Verständnis über Ihn, wie wir es im Bilde in Joseph sehen.

Joseph stellt Christum dar, und zugleich, wie erweitert und ausgedehnt der Segen durch Ihn ist. Er ist „ein fruchtbarer Baum am Quell“, Dessen Schößlinge über die Mauer treiben (V. 22) und grenzenlose Segnungen sind auf Seinem Haupte (V. 25 u. 26).

Seelen, die im Segen der Rettung Gottes stehen, werden von allem befreit, was die Erkenntnis Christi hindert. Es ist etwas Großes, von den Einflüssen der Welt und den Grundsätzen, die im Fleische wirken, wirklich so frei zu sein, dass wir in der Erkenntnis Christi zunehmen. Ein Mann, dessen Grenze an Sidon heranreicht oder der sich zwischen zwei Hürden befindet, kann sich nicht ausdehnen.

Es ist darauf hingewiesen worden, dass in den letzten vier Sendschreiben in Offenbarung 2 und 3 die Worte „wer ein Ohr hat“ nach der Verheißung an den Überwinder kommen, was besagt, dass nur der Überwinder ein Ohr haben würde. Um einen Dienst von Christo zu schätzen und zu empfangen, ist ein geistlicher Zustand erforderlich. Das sehen wir in den beiden Korintherbriefen.

Paulus‘ Herz war voll von den grenzenlosen Segnungen in Christo, aber er befand sich in einer beengten Lage des fleischlichen Zustandes der Korinther wegen (1. Kor. 3, 1 - 3). Doch in seinem zweiten Briefe konnte er sagen: „Unser Mund ist zu euch aufgetan, ihr Korinther; unser Herz ist weit geworden ... werdet auch ihr weit“ (2. Kor. 6, 11 - 13). Da Selbstgericht stattgefunden hatte, so war die Möglichkeit zur Ausdehnung gegeben.

Die Segnung Josephs zeigt den großen Umfang des Segens, der dadurch gekommen ist, dass Christus Seinen Platz des Nasiräertums zur Rechten Gottes eingenommen hat. Hienieden waren Ihm Schranken gesetzt, aber nun ist Er ihnen allen enthoben: Seine Frucht geht über die Grenzen Israels hinaus. In der Kraft des Geistes ist Er die Quelle der Frucht unter den Nationen, von Seinen Brüdern jedoch ist Er gehasst, verworfen und abgesondert. Jede Segnung ist auf Seinem Haupte. In dieser Weise kennen wir Ihn jetzt im Himmel, und Seine Zweige erstrecken sich in Segnung über die Mauer zu den Nationen.

In Vers 25 und 26 haben wir grenzenlose Segnungen, die alles Vorangegangene übersteigen. Die „Segnungen meiner Voreltern“ beziehen sich auf die dem Abraham und Isaak gegebenen Verheißungen, sie sind alle Ja und Amen in Christo. Gegenwärtig aber sind in Ihm, dem auferstandenen und aufgefahrenen Himmlischen, Segnungen ans Licht gekommen, wie sie in jenen Verheißungen überhaupt nicht ausgesprochen worden waren.

Dass Heilige Himmlische sein und in der Sohnschaft einer himmlischen Ordnung da stehen und jede geistliche Segnung in den himmlischen Örtern in Christo haben sollten, kam in den alttestamentlichen Verheißungen überhaupt nicht ans Licht. Alles dies wird gleichsam auf das Haupt Christi, des von Israel Abgesonderten, gehäuft. Ihm wurde, nun Er Sich verherrlicht zur Rechten Gottes befindet, eine ganz besondere Ausdehnung des Segens zuteil. Und die Kirche hat an allem, was Er in jener Stellung ist und hat, teil.

Mit Bezug auf Seinen Platz im Himmel sagte Er: „ich heilige mich selbst für sie, auf dass auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit“ (Joh. 17, 19).

Die Segnungen erstrecken sich „bis zur Grenze der ewigen Hügel“ (V. 26). Das deutet auf eine schrankenlose Ausdehnung der Segnung in Verbindung mit einem auferstandenen und verherrlichten Christus, in Verbindung mit dem Abgesonderten von Seinen Brüdern. Er ist hienieden gewesen und ist gehasst worden, „die Bogenschützen haben ihn gereizt, nach ihm geschossen und ihn gehasst“. Doch der Umstand, dass Er hienieden abgewiesen wurde, hat Ihn von allen Schranken befreit. Er ist zur Rechten Gottes gegangen, und Seine Zweige gehen über die Mauer.

Der Umfang des Segens ist so groß, dass alle Nationen erforderlich sind, von ihm Besitz zu ergreifen. Die Juden waren in Wirklichkeit nicht genug, Gottes Haus zu füllen. Die Nationen mussten herbei kommen, sonst wären leere Plätze vorhanden gewesen.

In Johannes 4 sehen wir, wie die Zweige über die Mauer zu den Samaritern gehen, und das Weib und andere hatten teil an Seiner Frucht, und wir können sagen, wurden Seine Frucht. Denn der „fruchtbare Baum“ trug nicht nur Frucht für Menschen, sondern auch für Gott. Der Herr redet in Johannes 4 davon, dass der Vater Anbeter sucht. Für den Vater sollte es etwas sehr Kostbares geben, das außerhalb der Einschränkungen lag. „Dieser Berg“ und „Jerusalem“ waren begrenzte Kreise. Das jedoch, wovon der Herr redete, lag außerhalb solcher Schranken, es war Anbetung „in Geist und Wahrheit“.In Geist“ entspricht dem, was Gott Seinem Wesen nach ist - Er ist ein Geist. Und „in Wahrheit“ entspricht Seiner Offenbarung im Sohne.

Wenn wir da hin kommen, sind wir außerhalb aller Einschränkungen. Dann sind wir in der Gegenwart Gottes, der in unendlicher Liebe geoffenbart ist, und dort können wir nur Anbeter sein. Dieser „fruchtbare Baum“ hat für das Herz des Vaters köstliche Frucht gebracht.

Der Mensch im Fleische ist in dem Opfer, das der am Kreuze erhöhte Sohn des Menschen brachte, hinweggetan worden, und nun werden Menschen im Geiste zu Anbetern, da sie in das Licht Gottes gebracht sind, der Sich in Seinem geliebten Sohne geoffenbart hat.

Johannes 4 setzt natürlich den Tag des Geistes voraus, und ich habe gedacht, dass wir im Kolosserbriefe sehen, wie die Zweige über die Mauer geben, ja überhaupt im ganzen Dienste des Paulus, denn sein Dienst hatte Frucht für Gott unter den Nationen zum Ziel. Im Kolosserbrief redet er von dem Geheimnis, „welches ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kap. 1, 27), und von den gesegneten Wesenszügen Christi, die in den Heiligen aus den Nationen zum Vorschein kommen sollten. Da sehen wir, wie die Zweige über die Mauer gehen und dort fruchtbar sind.

Um in dem Segen hiervon zu stehen, müssen wir Seine Verwerfung annehmen. Die vorliegende Schriftstelle lässt uns erkennen, dass Der, der das Wohlgefallen des Vaters war, von den Menschen gehasst wurde und keinen Platz in der Welt des Menschen hatte. In Seiner eigenen Person brachte Er dem Vater jede Art wohlannehmlicher Frucht, aber „die Bogenschützen haben ... nach ihm geschossen und ihn gehasst“. Doch Er wurde gestärkt und unterstützt „durch die Hände des Mächtigen Jakobs“(V. 24). Sein war die Stärke vollkommener Abhängigkeit, die Hände des Mächtigen ruhten auf Ihm.

In dem hier gebrauchten Bilde hält einer den Bogen, aber die auf seine Hände gelegten Hände eines anderen unterstützen ihn, den Bogen zu spannen. So könnte ein starker Mann seine Hände auf die eines kleinen Kindes legen und sie befähigen, das zu tun, was nur eines Mannes Kraft vermag.

Als Christus hienieden war, war er ein holdseliger Mensch in dieser Welt, von dem wir mit aller Ehrfurcht sagen können, dass Gott Seine Hände auf Ihn legen konnte. Jes. 49, 8 zeigt uns den wunderbaren Platz, den Christus als Mensch hienieden inne hatte. Seine Stärke lag in Abhängigkeit. Er schrie zu Gott, und Gott antwortete Ihm zur Zeit der Annehmung. Dort heißt es: „Zur Zeit der Annehmung habe ich dich erhört, und am Tage des Heils habe ich dir geholfen“.

Es ist nun sehr wunderbar, in 2. Kor. 6, 2 zu sehen, dass die Heiligen den nämlichen Platz wie Christus innehaben, dass sie also erhört und gestärkt werden, und dass ihnen geholfen wird, wie es Christi Teil war. Es ist auch ihr Vorrecht, durch die Hände des Mächtigen Jakobs gestärkt zu werden. Die Heiligen haben Seinen Platz in der Welt, „weil ihr aber nicht von der Welt seid..., darum hasst euch die Welt“ (Joh. 15, 19). Doch sie haben auch Seinen Platz der Stärke, dadurch dass sie erhört werden und Gott ihnen hilft.

Der „Stein Israels“ wird in einem schönen Zwischensatze erwähnt, um zu zeigen, dass der Mächtige Jakobs die Quelle von allem ist. Er ersieht den Hirten, der für Sein Volk sorgt, und der auch der „Stein Israels“ ist, auf dem alles im Reiche ruhen wird. Mit einem Steine stehen Dauerhaftigkeit, Standhaftigkeit und Schmuck in Verbindung. Festigkeit kennzeichnet den in Zion gelegten Grundstein (Jes. 28, 16), und Sach. 3, 9 und 4, 10 reden von einem Steine mit sieben Augen, die wahrscheinlich auf die siebenfältige Befähigung zur Herrschaft hinweisen, von der in Jes. 11, 2 die Rede ist. Er ist sowohl das Haupt der Ecke als auch die Grundlage (Ps. 118, 22). Doch Er wurde zuerst von den Bauleuten verworfen.

In Vers 25 dehnt sich die Segnung ins Unermessliche aus: „er wird dich segnen mit Segnungen des Himmels droben, mit Segnungen von oben, mit Segnungen der Tiefe, die unten liegt, mit Segnungen der Brüste und des Mutterleibes. Die Segnungen deines Vaters überragen die Segnungen meiner Voreltern bis zur Grenze der ewigen Hügel, sie werden sein auf dem Hause Josephs und auf dem Scheitel des Abgesonderten von seinen Brüdern“. Alles wird auf Josephs Haupt gehäuft.

Von Christo in der Auferstehung, also von Dem, der „Länge der Tage immer und ewiglich“ hat, heißt es: „Denn zu Segnungen setzest du ihn ewiglich; du erfreutest ihn mit Freude durch dein Angesicht“ (Ps. 21, 4 u. 6). Gott hat Ihn ewiglich gesegnet (Ps. 45, 2), Er hat Raum gewonnen im Himmel. Hienieden war Er bis zum Kreuze beengt, so dass Er im Blick auf Seine Taufe sagen musste: „wie bin ich beengt, bis sie vollbracht ist!“ (Luk. 12, 50). Doch nun ist Er jenseits des Todes, und all die Fülle des Segens, die im Herzen Gottes für den Menschen ist, ist auf Seinem Haupte. Und als der Himmlische hat Er eine ungeheure Schar himmlischer Genossen, die mit Ihm all die Segnung teilen, die auf Ihm in der Herrlichkeit zur Rechten Gottes ruht.

Benjamin wird ein reißender Wolf genannt (V. 27), weil er ein Bild von Christo ist, der mit Macht kommen wird, alle Seine Feinde und die Feinde Seines Volkes Israel zu vernichten. Wenn Er verworfen worden ist, so ist es klar, dass gegen Seine Feinde vorgegangen werden muss.

In Joseph bekommen wir einen Begriff von der wunderbaren Art der Segnung, die mit Ihm, dem Abgesonderten von Seinen Brüdern, verbunden ist. Das bezieht sich auf die Zeit, wo Er zur Rechten Gottes ist und der Geist denen, die mit Ihm leiden und Seine Miterben sind, gegeben ist. Doch Benjamin stellt Christum als Den dar, der kommt, um Seine Feinde zu vernichten. Er zerreißt die Stücke und verzehrt den Raub und verteilt die Beute.

Ich habe das mit Psalm 80 verbunden. Dort heißt es in Vers 1: „Hirte Israels, der du Joseph leitest wie eine Herde“. In Vers 8 wird dann Israel als ein aus Ägypten gebrachter, von Ihm gepflanzter Weinstock betrachtet. Doch in Vers 13 zerwühlt und verwüstet der Eber aus dem Walde diesen Weinstock, und das Wild des Feldes weidet ihn ab. In Vers 14 haben wir dann einen Schrei: „Gott der Heerscharen, kehre doch wieder! Schaue vom Himmel und sieh und nimm dich dieses Weinstocks an“. Mit diesem Zustande hat es Benjamin zu tun.

Gottes Weinstock, Seine liebliche Pflanzung - Israel - ist von dem Eber des Waldes und den Tieren des Feldes verwüstet und zerstört worden. In Vers 17 kommen wir dann zu Benjamin: „Deine Hand sei auf dem Manne deiner Rechten, auf dem Menschensohn, den du dir gestärkt hast!“

Das ist Benjamin, der Sohn der Rechten Seines Vaters. Er wird kommen, den Eber des Waldes und das Wild des Feldes zu vernichten und die Fruchtbarkeit des Weinstocks und Jehovas Wohlgefallen an ihm wiederherzustellen. Christus wird alles zerstören, was sich der Segnung des Volkes Gottes widersetzt, und wird dann Freude an Seinem Weinstock haben. Gott steht im Begriff, den Schauplatz durch Gericht zu reinigen, damit nichts der vollen Segnung im Wege steht, und Benjamin stellt die Macht Christi dar, die dies zustande bringt.

Die Zeit hierfür ist noch nicht gekommen, und so können wir für die Menschen beten, sogar für böse Menschen und Verfolger, damit sie bekehrt und gesegnet werden. Doch der Tag wird kommen, wo „ein plötzliches Verderben“ über die Widersacher kommen wird (1. Thess. 5, 3), und die Heiligen werden an jenem Tage mit dem in Einklang stehen, was Gott tut, ebenso wie sie das heute sind. Dann werden sie, wenn Babylon niedergeworfen ist, sagen: „Amen, Halleluja!“, weil Gott in jenen Tagen in vernichtenden Gerichten handelt. Seine Pfeile werden scharf sein im Herzen der Feinde des Königs (Ps. 45, 5).

Wenn wir dieses Bild auf die Gegenwart anwenden, so können wir sagen, dass Seine Pfeile heute in Gnade abgeschossen werden. Sie überführen uns, aber sie sind in einen heilenden Balsam getaucht. Sie durchbohren die Fugen der Waffenrüstung mancher, demütigen den Eigendünkel und führen den Menschen dahin, nach Christo der Segnung halber auszuschauen, und Er versagt sie nie.

Doch schließlich werden Seine Pfeile anderer Art sein. Sie werden auf Seine Feinde gerichtet, die dann vor Ihm der Zerstörung anheimfallen. Es muss so sein, Gottes Macht muss eingreifen. Eine Welt der Auflehnung und Gesetzlosigkeit kann nicht fortbestehen. Gottes Rechte werden jeden Tag herausgefordert und Sein Name gelästert. Er kann nicht zugeben, dass ein solcher Zustand andauert. Es wird eine Zeit kommen, wo Seine Macht sich durchsetzen muss. Wie groß auch Gottes Geduld und Langmut ist, Er ist nie gleichgültig gegen das Böse. Er trägt es lange, aber das hat immer eine Grenze.

Methusalah hatte, der Langmut Gottes zum Zeugnis, ein sehr langes Leben. Aber als die Grenze erreicht war, griff Gott im Gericht durch die Flut ein. Die Gesetzlosigkeit des Menschen wird ihren Höhepunkt in dem Tiere und dem Antichristen erreichen, und dann wird die Macht der Zerstörung, von der Benjamin ein Bild ist, eingreifen.

 

Wir wollen nun noch ganz kurz das letzte Kapitel berühren. Das Kommen Christi in der Wesensart Benjamins, wovon wir soeben gesprochen haben, bahnt den Weg zur Erfüllung aller Verheißungen Gottes in Bezug auf das verheißene Land. Und so schließt das Buch mit dem Glauben Jakobs und Josephs über Kanaan. Jakob wollte dort bei seinen Vätern begraben sein, und Joseph wollte seine Gebeine dort hingebracht haben.

Das zeigt uns den Glauben dieser Männer hinsichtlich der Erfüllung der Verheißungen Gottes über das Land. Nachdem Benjamin gekommen und die Widersacher vernichtet sind, wird Errettung in Zion sein, und alle die Verheißungen über den Besitz Kanaans durch Israel werden erfüllt werden.

Weder Jakob noch Joseph wollten in Ägypten begraben sein. Sie beide hatten dort ihren Platz und wurden daselbst infolge der Anordnung Gottes eine Zeit lang versorgt. Doch Ägypten war nicht das Land der Verheißung Jehovas.

Ich glaube, Joseph hätte auf jeden Fall eine große Pyramide als Grabmal bekommen können. Er hatte Anspruch darauf, dass sein Name und seine Taten in Ägypten dauernd festgehalten wurden. Doch er sagte gleichsam: Wohl kamen Ägyptens Tage für uns, es hatte einen Platz in den Wegen Gottes mit Israel, aber es ist nicht das Ziel dieser Wege: Die Verheißungen haben es mit Kanaan zu tun und werden nicht eher erfüllt sein, als bis Israel dort ist, und deshalb sind mein Herz und auch alle meine Beziehungen dort.

Weder Jakob noch Joseph sahen die Erfüllung der Verheißung, wie überhaupt keiner der Stammväter. Vom Standpunkte der Natur aus schien das Unwahrscheinlichste zu sein, dass Kanaan je ihr Besitztum werde. Doch sie starben im Glauben, sie waren nicht enttäuscht. Sie dachten nicht, dass Gott sie oder Sein Volk im Stiche gelassen hätte. Und zweifellos hatten sie auch etwas Erkenntnis über Christum als Den, durch den alles zustande kommen würde.

Gegenwärtig sind die Verheißungen, die Jakob und Joseph liebten, nicht in dem Glauben und Herzen Israels lebendig, es sei denn in einem „Überrest nach Wahl der Gnade“ (Röm. 11, 5) in der Kirche. Doch was sie liebten, erfasst der Glaube der Versammlung, wenn auch nicht als unser Teil, das ja himmlisch ist, sondern als das sichere Teil Israels.

Wir sind gewiss, dass Gott die Verheißungen über Israel und Kanaan erfüllen wird, als ob wir sie erfüllt gesehen hätten. Joseph hinterließ ein ungewöhnliches Zeugnis seines Glaubens: Seine Gebeine sollten hinauf getragen werden, und so balsamierte man ihn ein und legte ihn in einen Sarg in Ägypten. Das war für Israel während der Zeit ihrer Knechtschaft in Ägypten ein hervorragendes Zeugnis der Erfüllung der Verheißungen.

Welch ein trauriges Zeugnis des Unglaubens bekommen wir dann am Ende von den Brüdern Josephs. Sie hatten siebzehn Jahre von seiner Freigebigkeit gelebt, und er hatte ihnen das Beste von allem gegeben, und doch zeigte sich, als Jakob starb, dass sie sein Herz überhaupt nicht kannten! Sie kannten ihn in Wirklichkeit nicht und glaubten nicht an seine Liebe.

Wie oft steht es so mit den Gläubigen heutzutage! Jahrelang haben sie von der Freigebigkeit Christi gelebt, und doch kennen sie die Gedanken Seines Herzens so wenig, um vollkommenes Vertrauen zu Ihm haben zu können!

 Abschrift: Nicole F.