Suche

UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

    Bibelkreis.ch

Der Esel und das Lamm

 


Der Esel und das Lamm (2.Mose13,13) 

 

Ein Esel und ein Lämmlein in einem Stalle stand:

Das war in Palästina, im fernen Morgenland.

 

Dem Esel ward geboren ein kleines Eselein:

Das war dazu erkoren, ein Esel auch zu sein.

 

Doch Moses hat geboten, daß alles sterben muß

Von Erstgeburt an Tieren, wohl vielen zum Verdruß.

...

Ein Überblick über das 2. Buch Mose

Hauptgedanken aus Wortbetrachtungen mit:
Charles Andrew Coates

 

Kapitel 3

 

„Der Berg Gottes“, zu dem Mose kam, als er vierzig Jahre im Lande Midian gewesen war, war die göttliche Höhe, von der aus Gott Sich in befreiender Gnade und Macht und in Treue Seinen Verheißungen und Seinem Bunde gegenüber kundtat. Morija, Horeb und Zion werden ein jeder der Berg Gottes oder Jehovas genannt, und es ist lehrreich, die zwischen ihnen bestehende Beziehung zu sehen.

Morija (Jah ersieht) war die Stätte, die Gott zum Brandopfer ausersah (1. Mose 22, 2.14;  2. Chron. 3, 1). Das bildet die Grundlage aller Wege Gottes in Gnade und Segnung. Der Horeb war es, wo Gott Sich in Gnade und Treue als Der kundmachte, der Sein Volk aus der Knechtschaft befreien und sie in das verheißene Erbe bringen wollte. Zion wird der Sitz des Reiches - Jehovas heiliger Berg - an jenem Tage der Zukunft sein, von dem die Propheten so viel reden, und an dem alles, was Gott am Horeb zu tun vorhatte, vollbracht sein und auf dem Werte und dem Wohlgeruch Christi als Brandopfer ruhen wird und auch gesichert ist, einem Brandopfer, das Er in Verbindung mit dem Morija ausersah.

Somit haben wir die Grundlage der Wege Gottes in Gnade auf dem Morija, die Eigenart dieser Wege am Horeb und deren Vollendung in Zion.

Das „große Gesicht“, was die Aufmerksamkeit Moses am Berge Gottes auf sich zog, war ein brennender Dornbusch, der dennoch vom Feuer nicht verzehrt wurde. Es war ein treffendes Bild davon, dass Gott Sich Seines Volkes wohlwollend annehmen wollte. In 5. Mose 33, 16 lesen wir „von der Huld dessen, der im Dornbusch wohnte“.

Ein Dornbusch oder Brombeerstrauch war ein passendes Sinnbild von dem, was das Volk war. Sie waren von Natur ebenso wenig passend für die Gegenwart Gottes, wie ein Brombeerstrauch in einer Feuerflamme unversehrt bleiben konnte. Doch es war im Herzen Gottes, inmitten der Kinder Israel zu wohnen und Seinem eigenen Wohlgefallen gemäß Zustände herbeizuführen, die dies ermöglichten. Und so war es tatsächlich Sein Gedanke, ihre Herrlichkeit zu werden und ihnen Seine Schönheit zu verleihen.

Psalm 90, der „ein Gebet Moses, des Mannes Gottes“ ist, war die Frucht von dem, was er am Horeb sah. Die Hinfälligkeit des Volkes - ihr Brombeerstrauchwesen - ist dort klar zu sehen, und die Notwendigkeit, dass sie durch diese Erkenntnis unterwiesen und gedemütigt werden mussten. Doch der Segen der beiden letzten Verse liegt in dem, was Gott vor Sich hatte. Sie lauten: „Lass deinen Knechten erscheinen dein Tun, und deine Hoheit ihren Söhnen! Und lass die Schönheit Jehovas, unseres Gottes, über uns sein! Und verleihe dem Werk unsrer Hände Bestand; ja, dem Werk unsrer Hände verleihe Bestand!“

Jehovas Werk und Hoheit sollten darin offenbar werden, wie Er ein derartiges Volk befreien und segnen würde. Er wollte sie mit Seiner eigenen Schönheit oder Holdseligkeit (Ps. 27, 4) kleiden - Er wollte ihre Herrlichkeit werden (Ps. 106, 20). Und schließlich sollte es das Werk ihrer Hände sein, Ihm ein Heiligtum zu machen, damit Er unter ihnen wohne. Er wollte dem allen Selbst Bestand verleihen. Diese zwei Verse geben uns einen kurzen Abriss des zweiten Buches Mose.

Nicht die Feuerflamme fesselte die Aufmerksamkeit Moses, sondern der Umstand, dass der Dornbusch nicht verbrannte. Mose hatte etwas vom Dornbuschwesen des Volkes kennengelernt. Er hatte ihren Zustand in Ägypten gesehen und auch erfahren, dass sie nicht einmal bereit waren, sich eine göttliche Befreiung zu eigen zu machen, als sie ihnen nahe gebracht wurde. Er hatte vierzig Jahre darüber nachgedacht, als Er den Dornbusch sah. Er hatte sie lange zuvor als Gottes Volk betrachtet und hatte ihr Los mit ihnen als solchem teilen wollen. Er hatte sie als in Beziehung zu Gott betrachtet und hatte auch versucht, für sie einzutreten, doch alles war zuschanden geworden. Ihre Lastarbeiten waren nicht gemildert worden, und er war ein Verbannter in Midian. Nun musste er am anderen Ende anfangen und Gott in Beziehung zum Volke sehen.

Wenn Gott Sich Selbst im Blick auf die Aufrichtung der Bundesbeziehungen zu Seinem Volke offenbarte, so forderte das ihre Befreiung und Bewahrung, und es war auch das Unterpfand dafür, dass sie in einen Seinem Wohlgefallen und Seiner Herrlichkeit entsprechenden Zustand gebracht werden würden. Wer anders als Gott hätte das bei einem solchen Dornbusch wie Israel zustande bringen können?

Im Dornbusch wird der Mensch als solcher betrachtet, der er hienieden ist, der aber zum Gegenstande des wunderbaren göttlichen Wohlgefallens gemacht worden ist, durch dessen Wirksamkeit er in Einklang mit der Gnade gebracht wird, die ihn erreicht hat. Um in Berührung mit einer Feuerflamme gebracht zu werden, war er ganz und gar ungeeigneter Stoff. Die Tatsache aber, dass er nicht verzehrt wurde, ließ das Vorhandensein und das Ergebnis einer wunderbaren göttlichen Tat erkennen.

Man kann wohl sagen, dass das gefallene Geschöpf für Gott ein sehr ungeeigneter Stoff ist, Seine Herrlichkeit damit zu verbinden. Doch gerade dieses Geschöpf wird durch unendliche Gnade das Gefäß zur Verherrlichung Gottes. Dieser Gedankengang liegt hier zugrunde, und ich zweifle nicht, dass „dieses große Gesicht“ die Antwort auf die jahrelange Übung des Herzens Moses war, und dass es in Folge in seiner Seele die Grundlage der Gedanken bildete, die er über das Volk hatte.

Gott hatte, wenn man so sagen darf, Sein Herz darauf gerichtet, in jenem Dornbusch zu wohnen, und Er wollte in Gnade und auch in heiliger Zucht wirken, dass alle passend würden, Seine Wohnung zu sein. Gott wollte Seinerseits alles das tun, was zu Seinem Wohlgefallen war. Er wollte Sich Selbst in Gnade kundtun, und das Herz des Menschen unter den lebendigen Einfluss dieser Offenbarung bringen, und Sich darin einen Widerhall auf Seine Liebe sichern. Er wollte durch Seine Gnade die Herzen Seines Volkes an Sich fesseln und sie so jedem anderen Einfluss verschließen.

Am Berge Gottes lernen wir die göttlichen Gedanken in all ihrer Glückseligkeit kennen. Daselbst sehen wir im Bilde, dass Gott vorhat, in Gnade und Heiligkeit inmitten Seines Volkes zu wohnen, und dass Er, um dieses zustande zu bringen, in Gnade und befreiender Macht handeln will, damit Er ihre Herzen gewinne und sie Sich, was ihre Gewissen und Zuneigungen anlangt, unterwerfe.

Um dieses große Gesicht zu sehen, müssen wir uns von den Umständen hienieden, von allem Menschlichen und Natürlichen wegwenden. [Nach der genaueren Übersetzung heißt es in Vers 3: „Ich will mich doch wegwenden“, und in Vers 4: „Und als Jehova sah, dass er sich wegwandte“; es ist im Hebräischen dasselbe Wort wie in Kap. 32, 8: „Sie haben sich schnell von dem Wege abgewandt“]

Mose hatte seine Sandalen von seinen Füßen zu lösen. Es ist ein sehr heiliger Boden, Gott in Beziehung zu Seinem Volke zu sehen, und dass die Seinigen als die Gegenstände Seiner Gnade in Einklang mit Ihm gebracht werden. Die Gedanken der Gnade sind heilige Gedanken. Sie geben dem Menschen im Fleische nicht den geringsten Platz. Sie stehen in der Tat ganz und gar außerhalb der Welt des Fleisches.

Wir werden nie unsere Schuhe anziehen als Söhne im Hause (Luk. 15), wenn wir nicht gelernt haben, was es ist, sie am Berge Gottes in der Gegenwart der Gnade und Heiligkeit Gottes auszuziehen. Die Heiligkeit der Gnade erfordert eine ganz neue Ordnung der Dinge. Infolgedessen offenbart Sich Jehova als „der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“.

Als der Gott Abrahams beruft Er Seiner Unumschränktheit gemäß. Seine Berufung zeigt Sein Verlangen und den unumschränkten Vorsatz, den Menschen für Sich Selbst zu haben.

Als den Gott Isaaks lernen wir Ihn, als in der Kraft der Auferstehung handelnd, kennen, um Sich dadurch das Zustandekommen Seines Verlangens und Vorsatzes zu sichern. Er sandte Christum, erweckte Ihn aus den Toten auf, damit Er Der werde, durch den Er alle die Gedanken Seiner Gnade ausführt.

Und als der Gott Jakobs ist Er Der, der im Wandel Seines Volkes durch Zucht alles das beseitigt, was vom Fleische ist, auf dass wir Seinen Gedanken über uns entsprechen. Gott verfährt mit uns derart, dass wir in Einklang mit dem kommen, was Er Sich in Seiner Gnade vorgesetzt hat.

Dass Er der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist, ist Sein Name in Ewigkeit, Sein Gedächtnis auf alle Geschlechter hin (V. 15).

Es ist sehr wichtig, das Volk Gottes in Beziehung zum Vorsatze und zur Gnade Gottes - in Beziehung zu Christo und dem Geiste - vor uns zu haben. Das gibt uns einen gänzlich neuen Standort, von dem aus wir sie betrachten können. Das ist ein sehr heiliger Boden. Da wird nichts geduldet, was unpassend für Gott ist, denn daselbst kennen wir Ihn als eine Feuerflamme.

Er wird in heiliger Zucht das verzehren, was Ihm nicht gefällt, und in Gnade wirken, das zustande zu bringen, was in Übereinstimmung mit Ihm ist. Sein Volk soll Seiner Heiligkeit teilhaftig werden, damit Er ihnen ganz nahe sein, ja in ihrer Mitte wohnen kann.

Gott tritt hervor, um einerseits das auszuführen, was zu Seinem Gefallen ist, um die Herzen Seines Volkes unter den Einfluss Seiner Gnade zu bringen, damit sie in ihren Gedanken und Zuneigungen dieser Gnade entsprechend gestaltet werde - und um andererseits all die Vorsätze Seiner Liebe zustande zu bringen. „Ich bin herabgekommen, um es aus der Hand der Ägypter zu befreien und es aus diesem Lande hinaufzuführen in ein gutes und geräumiges Land, in ein Land, das von Milch und Honig fließt“ (V. 8).

Am Berge Gottes lernen wir, was im Herzen Gottes ist, und den Weg, den Seine Gnade, um dies zu erreichen, mit Erfolg einschlägt - und das bringt uns in Herz und Sinn auf denselben Weg. Andernfalls steht uns das Volk Gottes nach dem vor Augen, was es dem Fleische nach ist, und dann haben wir keine Kraft, uns darüber zu erheben.

Hier handelt es sich um das, was Gott vorhat. Das Gesicht Bileams vom Gipfel der Felsen (4. Mose 23, 9) gibt uns prophetisch die Erfüllung davon. Er sah das Volk so, wie es an dem Tage sein wird, wo das Werk Gottes in ihnen vollendet ist, und so kann er sagen: „Um diese Zeit wird von Jakob und Israel gesagt werden: Was hat Gott (da) gewirkt!“ (4. Mose 23, 23)

Dort haben wir nicht mehr, was Gott geplant, sondern was Er in Seinem Volke gewirkt hat. Bileam sah sie, dem prophetischen Gesichte gemäß, im Einklange mit Gottes Gedanken in der Wüste, und dies durch Sein eigenes gesegnetes Werk in ihnen. Hier jedoch tritt uns die Gnade entgegen, in der Gott Sich Selbst kundmacht, derzufolge Er Sein Volk zu befreien und in das Land Seines Vorsatzes zu bringen beabsichtigt.

Weiter haben wir hier auch eine gesegnete Andeutung des Triumphes Seiner Gnade, die sogar in der Wüste eine Antwort in ihren Herzen finden sollte. Gott sprach nämlich: „Ich werde mit dir sein; und dies sei dir das Zeichen, dass ich dich gesandt habe: wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr auf diesem Berge Gott dienen“ (V. 12).

Manche Christen sehen wohl einerseits den völligen Zusammenbruch des Menschen im Fleische, und andererseits den Vorsatz Gottes in Christo, der völlig außerhalb der Verantwortlichkeit liegt, aber sie geben dem gegenwärtigen Werke Gottes keinen hinreichenden Platz, d.h. der Unterwerfung der Gnade, die durch den Heiligen Geist in den Seelen Seines Volkes zustande kommt, damit alles für Ihn in sittlicher Hinsicht Unpassende in ihnen sogar auf dem Schauplatze der Verantwortlichkeit hinweggetan werde und das an dessen Stelle trete, was in Einklang mit Gott steht und Ihm entspricht.

„Dieser Berg“ war der Ort, wo Gott eröffnete, was Seine Gnade für Sein Volk tun würde, aber er sollte auch die Stätte sein, wo Sein Volk dieser Gnade ganz bestimmt entsprechend würde.

Beim Lesen dieses Buches werden wir sehen, dass es in zwei große Teile zerfällt. Bis zum Ende von Kapitel 18 haben wir in der Hauptsache die Entfaltung dessen, was Gott in Gnade für Sein Volk war. Von Kapitel 19 aber bis zum Schluss des Buches die Darstellung dessen, was Sein Volk für Ihn sein sollte.

Zuerst haben wir zu lernen, was Gott in Gnade für den Menschen ist, und dann sind wir zubereitet, das in Augenschein zu nehmen, was der Mensch für Gott in heiligem Dienste sein soll. Sein Vorhaben war, Sein Volk zu befreien, damit Ihm ein Volk in Freiheit diene und in Herzensübereinstimmung mit Seinen heiligen Gedanken komme.

In Vers 11 und 13 sehen wir sogar in Mose das, was nicht die Wirksamkeit des Glaubens war. Die unbeschuhten Füße und das Verbergen des Antlitzes von Vers 5 und 6 hätten ihn belehren sollen, dass er nicht mehr zu fragen nötig hatte: „Wer bin ich...?“ Und auch die gesegneten Aussprüche von Vers 6 - 12 boten kaum einen Anlass zu der Frage: „Welches ist sein Name?“ Denn Sein Name konnte nur das zum Ausdruck bringen, was Er an Mitgefühl, Treue und Gnade war, und das hatten Seine eigenen Lippen vom Dornbusch aus ausgesprochen.

Doch Gott war in Gnade hernieder gekommen, und so entgegnete Er auf das „Wer bin ich?“ des Mose, „ich werde mit dir sein“, und auf die Frage „Welches ist sein Name?“, „Ich bin, der ich bin“.

Was Er über Sein Mitgefühl, Seine Gnade und Treue Seinen Verheißungen und Seinem Bunde gegenüber ausgesagt hatte, war durchaus das, was Er war (Joh. 8, 25). Er war der Ewig-Unveränderliche, der durch Sich Selbst Bestehende, also Unerschaffene. Er war „Ich Bin“. Dass Gott Sich in dieser Eigenschaft den Seelen Seines Volkes darstellte, stellt jeden anderen Gedanken in den Schatten, und das verbindet den Glauben mit all der Beständigkeit und Glückseligkeit dessen, was Er ist.

Der Mensch, das gefallene Geschöpf, ist (auf alles das) eine Verneinung. Mit Bezug auf alles Gute kann er nur sagen: „Ich bin nicht“.  Gott aber ist „Ich Bin“. Was das Volk seinerseits war, kam gar nicht in Frage, sondern nur die unumschränkte und unwandelbare Wesensart des durch Sich Selbst Bestehenden und Ewigen und das, was Er durch Seine gnadenreiche Macht zustande bringen wollte.

Die volle Bedeutung des Namens Jehovas sollte nun ans Licht kommen. Das schloss in sich, dass Gott Sich in der Befreiung Seines Volkes und in Seiner Bundestreue kundtun würde, und dass Er sie in die Glückseligkeit, zu Ihm gebracht zu sein, versetzen würde, und sie in vollkommener Freiheit in die Bundesbeziehung eintreten sollten, die Er zu errichten vorhatte, damit sie Ihm „auf diesem Berge“ dienten. Alles das wollte Er gänzlich von Sich aus zustande bringen.

Gott „auf diesem Berge“ zu dienen, besagt, dass der Dienst in der Freiheit all der Gedanken der Gnade und des Wohlgefallens ausgeübt werden würde, die Gott in Seinem Herzen hegte, und die vom Dornbusche aus ihren Ausdruck gefunden hatte. Jehova beanspruchte Sein Volk für Seinen Dienst. Sie sollten zum Könige von Ägypten sagen: „lass uns, wir bitten dich, drei Tagereisen in die Wüste ziehen, dass wir Jehova, unserem Gott, opfern“ (V. 18). Der Gedanke war, dass sie, dem Bilde nach durch die Entfernung des Todes und der Auferstehung von Ägypten und seiner Knechtschaft getrennt, Gott dadurch wohlgefällig dienten, dass sie Christus in sinnbildlicher Weise vor Ihn brachten.

Der Schluss des Kapitels zeigt, dass Gott dafür sorgen wollte, dass Sein Volk nicht nur von jeder Knechtschaft befreit werde, sondern dass es auch bereichert werde. Die gesittete und religiöse Welt hat sich manche Anschauungen zu eigen gemacht, die ursprünglich von Gott waren und daher göttlichen Wert besitzen. Die Welt würde in der Tat sehr arm sein, wenn sie keine Begriffe von sittlicher Vortrefflichkeit besäße. Sie hat gesittete Menschen gehabt, „die das Werk des Gesetzes..., geschrieben in ihren Herzen“ zeigten, und die bis zu einem gewissen Grade „von Natur die Dinge des Gesetzes“ ausübten (Röm. 2, 15 u. 14). Solche haben Richtlinien aufgestellt, nach denen die Menschen sich selbst erziehen und ihr Verhalten regeln sollten. Die Welt hat das Gesetz Gottes da aufgenommen, wo Seiner Vorsehung gemäß dessen Licht hinkam, und sogar die Lehre und das Beispiel Christi und Seiner Apostel, und brüstet sich damit wie mit einer Art sittlichem Reichtum.

Doch in Wahrheit verurteilt jeder in sittlicher Hinsicht vortreffliche Begriff, wo wir ihn auch finden, den Menschen, denn er handelt nicht nach den Verordnungen, die er zu bewundern vorgibt. Er hält weder das Gesetz, noch gehorcht er Christo. Gute und göttliche Begriffe sind wohl vorhanden, aber sie werden alle mit dem verkehrten Menschen in Verbindung gebracht, also in Verbindung mit einem Menschen, der ihnen nie entsprochen hat, noch je entsprechen wird. Sie verdammen den Menschen nur, der sich - so sonderbar das auch ist - ihrer rühmt.

Diese Begriffe vom Guten, die die Menschen haben, bringen aufrichtige Seelen und zarte Gewissen nur in Knechtschaft. Solche haben das Bewusstsein, dass sie das nicht sind, was sie sein sollten. Und je ernstlicher sie sich bemühen, dieses zu sein, desto mehr fühlen sie ihr Fehlen, und um so bitterer ist ihre Enttäuschung. Das macht in Wirklichkeit einen Hauptbestandteil der ägyptischen Knechtschaft aus. Es ist tatsächlich das Bemühen, Ziegel ohne Stroh zu machen!

Doch im Segenslichte der göttlichen Gnade, wie es uns am Berge Gottes enthüllt wird, lernen wir, dass Gott jeden Begriff, den die Menschen je von dem gehabt haben, was an sich in sittlicher Hinsicht Wert und Vortrefflichkeit besitzt - und das, denke ich, stellen die silbernen und goldenen Geräte Ägyptens dar -, aufgreift und ihn Seinem Volke, als in Christo verwirklicht, geben will. Die Welt hat kein sittliches Recht, sich mit Begriffen zu bereichern und sie sich zuzuschreiben, denen sie weder entspricht, noch entsprechen kann.

Doch Gott hat einen Menschen nach Seinem eigenen Herzen eingeführt, Einen, der allem, woran Er Wohlgefallen hat, völlig entspricht. Jede sittliche Vortrefflichkeit ward in höchster Vollendung in Ihm gefunden, und sie wird dem Volke Gottes in Ihm, d.h. in einer lebendigen Person geschenkt, die aller Zuneigungen durch die Holdseligkeit, die in Ihm ist, anzieht, befriedigt und gestaltet. Ihre Herzen können in einer Person ruhen, in der sie mit jeder Art sittlichen Reichtums bereichert sind.

Das Silber und das Gold wurden zweifellos der Baustoff der Stiftshütte. Wenn wir jeden Begriff sittlicher Schönheit in Christo verkörpert sehen, und er sich in dem Glauben und den Zuneigungen des Volkes Gottes mit Ihm verbindet, so sind sie in Ihm reich gemacht und mit Baustoff für die Hütte versehen. Die Welt hat kein Recht auf irgend etwas von wahrem sittlichem Werte. Als die Gabe der Gnade gehört es dem Volke Gottes, da es in Christo zustande gekommen ist.

Ein befreites und reich gemachtes Volk konnte Gott wohlgefällig dienen und Ihm ein Heiligtum bauen, damit Er unter ihnen wohne. Es war eine wunderbare Zeit, als sie die Hütte bauten. Sie dienten Jehova, wie Er gesagt hatte, „auf diesem Berge“.

Ein frei und reich gemachtes Volk, das unter dem Einfluss der Gnade, in der Jehova sie zu Sich Selbst gebracht hatte, willigen Herzens geworden war, und das, da es dem Bilde nach den Geist besaß, ein weises Herz hatte, bereitete Ihm eine Wohnstätte.

Dem allen liegt der Gedanke der Sohnschaft zugrunde, denn Jehova sagte: „Mein Sohn, mein Erstgeborener, ist Israel; und ich sage dir: Lass meinen Sohn ziehen, dass er mir diene!“ (Kap. 4, 22 u. 23). Sohnschaft setzt gegenseitige Freude aneinander voraus, dass also Gott Freude an Seinem Volke, und Sein Volk Freude an Ihm hat. Kaleb sagte: „Wenn Jehova Gefallen an uns hat, so wird er uns in dieses Land bringen und es uns geben“ (4. Mose 14, 8). Ich denke, er hatte dem Bilde nach den Geist der Sohnschaft.