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Wie sollen wir mit Charismatikern umgehen ?

von Fritz Wolf

Anlass, Motivation

Ich werde immer wieder nach Reaktionen auf mein Buch (Warum ich kein Charismatiker mehr bin) bzw. dem Artikel: "7 Fragen, die sich jeder Charismati

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Die Reihenfolge der Opfer

Es ist vor allen Dingen nötig, die Ordnung der Opfer zu beachten. Die Reihenfolge ihrer Anwendung steht durchweg im Gegensatz zu der ihrer Einsetzung. Es gibt vier grosse Klassen von Opfern: 1. Das Brandopfer, 2. Das Speisopfer, 3. Das Dank- oder Friedenopfer, 4. Das Opfer für die Sünde. Ich zähle sie hier in der Reihenfolge ihrer Einsetzung auf. In ihrer Anwendung kommen die Sündopfer immer zuerst, denn der Mensch ist immer ein Sünder und muss mit Gott versöhnt werden. Wenn er Gott nahen will durch ein Opfer, so muss dies stets durch die Wirksamkeit des Opfers geschehen, das die Sünde wegnimmt, indem diese Sunde durch einen anderen getragen worden ist. Der Herr Jesus aber, als das grosse Opfer, hat nur als Sünder an unserer Statt gehandelt werden können, weil Es sich ohne Flecken Gott geopfert hat, indem Er selbst keine Sünde kannte. Jesus hat sich selbst zum Opfer gestellt mit den Worten: „Ich komme, um deinen Willen, o Gott, zu tun“. Er gab sich freiwillig hin, damit die Sünde auf Ihn gelegt werden und so den Tod für unsere Sünden erleiden konnte.

Überdies liegt, nachdem die Sünde hinweggetan ist, die Quelle unserer Gemeinschaft in der Vortrefflichkeit Christe, des fleckenlose Opfers. Obwohl es zu unserer Einführung in diese Gemeinschaft unbedingt nötig war, dass Christus zuvor unsere Sünden trug, kommen doch das Brandopfer, das Speisopfer und das Friedensopfer zuerst, und danach erst die Opfer für die Sünde besonders. Diese letzteren sind vor allem notwendig für uns; aber sie drückten nicht die Vollkommenheit Christi aus, denn Er

wurde darin als Sünder behandelt, obgleich Er zu diesem Zweck notwendigerweise in sich selbst vollkommen sein musste.

Aus dem soeben Gesagten erhellt, dass es Christus ist, den wir in diesen Opfern erblicken müssen. Es ist der Wert der Wirkung dieses vollkommenen Opfers, den wir unter seinen verschiedenen Formen betrachten wollen. Wohl ist es wahr, dass auch der Christ in einem untergeordneten Gesichtspunkt seine Darstellung darin findet, denn er soll seinen Leib als ein lebendiges Schlachtopfer darstellen. Auch soll er durch die Früchte der christlichen Liebe Gott Opfer des lieblichen Geruchs darbringen, Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum. Für den Augenblick ist es jedoch nicht unser Zweck, den Christen darin zu betrachten, sondern Christum.

Ich habe gesagt, dass es vier grosse Arten von Opfern gibt: Brandopfer, Speisopfer, Friedensopfer und Sündopfer, eine Einteilung, die wir in Hebr. 10,8 angedeutet finden. Allein es besteht noch ein anderer wesentlicher Unterschied zwischen den Opfern, der sie in zwei bestimmt unterschiedene Klassen teilt: in die Opfer für die Sünde einerseits, und in all die anderen Darbringungen anderseits. Als Sündopfer waren die ersten niemals „Feueropfer lieblichen Geruchs dem Jehova“, während die letzten dies waren. In den ersten trat die Sünde augenscheinlich hervor. Sie waren gleichsam mit Sünden beladen. Sie stellte Sünde dar. Wer sie anrührte, wurde verunreinigt. In der Ursprache gibt es sogar nur ein Wort für Sünde und Sündopfer. Man verbrannte diese Art von Opfern, aber nicht auf dem Altar, mit Ausnahme des Fettes einiger von ihnen, von denen wir später reden werden.

Die anderen Opfer waren Feueropfer lieblichen Geruchs dem Jehova. Sie stellen uns Christum dar, wie Er sich selbst ohne Flecken Gott opfert, nicht aber Christum, als unsere Sünden tragend und als Sünder seitens des heiligen und gerechten Gottes behandelt.

 

 

Diese beiden Punkte sind in dem Opfer Christi sehr bestimmt unterschieden und sehr kostbar. Gott hat Den als Sünder behandelt, der keine Sünde kannte, aber ist ebenso wahr, dass Christus sich selbst durch den ewigen Geist Gott geopfert hat ohne irgendwelchen Flecken. Diesen letzten Punkt wollen wir jetzt zunächst betrachten in der Reihenfolge der Opfer, wie das 3. Buch Mose sie uns darstellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Das Brandopfer

Die erste Art Opfer, zugleich die vollständigste und meist charakteristische der „Feueropfer lieblichen Geruchs“, ist das Brandopfer. Der Anbeter musste sein Opfer an den Eingag des Zeltes der Zusammenkunft bringen und es schlachten vor Jehova, zum Wohlgefallen für ihn.*)

Was nun zunächst den Ort betrifft, wo der Dienst vor sich ging, so war die Stiftshütte in drei Teile geteilt. Den ersten bildete das Allerheiligste, der innerste Teil des Zeltes, der durch einen Vorhang von dem übrigen getrennt war. Hier befanden sich die Bundeslade und die Cherubim der Herrlichkeit, die den Sühnungsdeckel oder Gnadenstuhl überschatteten, und nichts anderes. Hier war der Thron Gottes, sowie das Vorbild Christo, in welchem Gott sich geoffenbart hat, von Christ, der wahren Bundeslade und dem wahren Gnadenstuhl

Der Vorhang deutete an, wie der Apostel uns sagt, dass der Weg ins Allerheiligste nicht geoffenbart war, so lange der alte Haushalt noch bestand. Ausserhalb, unmittelbar vor dem Vorhang, stand der goldene Räucheraltar, von dem man bei gewissen Gelegenheiten Weihrauch in einem Räucherfass nahm, um ihn innerhalb des Vorhangs darzubringen. Seinem Zweck nach gehörte er also zum Allerheiligsten. Ferner stand ausserhalb des Vorhangs, (in dem Teile der Stiftshütte, der zur Unterscheidung von dem „Allerheiligsten“ „das Heilige“ genannt wurde,) auf der einen Seite der Schaubrottisch und auf der anderen der siebenarmige goldene Leuchter — die Schaubrote ein Vorbild des fleischgewordenen Christus, des wahren Brotes, in Verbindung mit und als Haupt von den zwölf Stämmen; der Leuchter ein Bild

*) Das ist der Sinn des hebräischen Wortes. Zugleich waren die Brandopfer freiwillige Opfer, was bei den Opfern für die Sünde nicht der Fall war.

 

 

 

 

der Vollkommenheit*) des Geistes als Spender des Lichtes. Die Kirche trennt Christum also, und der heilige Geist wohnt in ihr. Was sie jedoch als Kirche charakterisiert, ist die Kenntnis eines himmlischen und verherrlichten Christus und di Gegenwart des Heiligen Geistes in Einheit in ihr. Hier ist es Christus in Seinen irdischen Beziehungen, und der Heilige Geist in Seinen mannigfaltigen Machtentfaltungen.

In das „Heilige“ ging nicht nur der Hohepriester hinein, sondern die Priester im allgemeinen hatten hier fortwährend Zutritt, aber auch nur sie allein. Wir wissen, wer jetzt dort eingehen darf, und wer allein. Es sind diejenigen, die zu Königen und Priestern gemacht sind, die wahren Heiligen Gottes. Nur, dürfen wir hinzufügen, ist jetzt der Vorhang, der das Allerheiligste verbarg und den Zugang dahin versperrte, von oben bis unten zerrissen und darf nie wieder erneuert werden. Wir haben durch das Blut Jesu Freimütigkeit, ins Allerheiligste einzutreten. Der Vorhang, „das ist Sein Fleisch“, ist zerrissen worden. Wir finden in Joh. 6 nicht nur das in dem Fleisch gewordenen Christus vom Himmel hernieder gekommene Brot, sondern auch Fleisch und Blut, d. i. den gestorbenen Christus. Eins mit Christo, treten wir jetzt ein und setzen uns im Geiste da nieder, wo Er sich gesetzt hat. Unser Verrecht ist, zu aller Zeit und als solche, die ein Recht dazu haben, ins Heiligtum einzugehen — das Heiligtum ein Bild des geschaffenen Himmels; das Allerheiligste ein Bild dessen, was in der Schrift „die Himmel der Himmel“ genannt wird. In gewissem Sinne, was geistliches hinzunahen und geistlichen Verkehr betrifft, sind jetzt, nachdem der Vorhang zerrissen ist, Allerheiligstes und Heiliges zu Einem geworden, obwohl Gott stets in einem für den Menschen

*) Die Zahl sieben ist die Zahl der Vollkommenheit, zwölf ebenfalls, wie dies aus manchen Schriftstellen hervorgeht. Sieben deutet absolut Vollkommenheit im Guten oder Bösen an, zwölf Vollkommenheit in einer dem Menschen anvertrauten Verwaltung

 

 

 

 

unnahbaren Lichte wohnt. Wir befinden uns schon jetzt, wiewohl nur im Geist, als Priester in den himmlischen Örtern.

Draussen vor dem Heiligtum befand sich der Vorhof des Zeltes der Zusammenkunft. Es war ein äusserer Hof, umgeben von Byssus - Behängen, die an Säulen befestigt waren. Beim Eintritt in diesen Hof begegnete man zunächst dem Brandopferaltar.  Zwischen diesem und der Stiftshütte stand das eherne Waschbecken, in welchem die Priester sich wuschen, ehe sie zur Verrichtung ihres Dienstes in die Stiftshütte gingen.

Ws liegt auf der Hand, dass wir Gott nicht nahen können, als nur auf Grund des Opfers Christi, und das wir gewaschen sein müssen in dem Waschbecken der Wiedergeburt, ehe wir im Heiligtum dienen können.*) als Priester bedürfen wir auch der Fusswaschung seitens des Herrn, um unseren beständigen Dienst im Heiligtum ausüben zu können (S. Joh. 13.)

Auf diesem Wege hat Christus selbst sich genaht, allerdings nicht auf Grund des Opfers eines anderen, sondern indem er sich selbst als ein vollkommenes Opfer Gott darbrachte. Es gibt nichts Rührenderes, nichts was unserer eingehenden Betrachtung würdiger wäre, als die Art und Weise, wie Jesus sich freiwillig Gott darstellte, damit Gott in Ihm vollkommen verherrlicht werde. Er litt schweigend, und dieses Schweigen war das Ergebnis

*) Diese Ordnung ist auffallend. Wir würden das Waschbecken vor den Altar gesetzt haben. Aber für den, der herzunaht, kommt das Opfer Christi zu allererst. Der Altar ist für die Sünden, und das ist das erst, dessen wir bedürfen. In dem Waschenbecken sehen wir unseren Tod vorgebildet: die Anwendung des Todes auf unsere Natur. Wir sind mit Christo gestorben. Das kommt nachher. Den Altar finden wir in Römer 3,20 usw.,  das Waschbecken in Römer 6. Der eherne Altar im Vorhof ging nicht weiter als zur Genugtuung für die Sünden, entsprechend der Verantwortlichkeit des Menschen, während der Sühnungsdeckel im Allerheiligsten das andeutete, was für die Gegenwart Gottes notwendig war. In dem Werke Christi finden wir beides. Bei der Anwendung steht das Waschbecken zwischen den beiden.

 

 

 

 

Eines vollkommenen und tiefen Entschlusses, sich im Gehorsam für die Verherrlichung Gottes aufzuopfern. Und diesen Dienst hat Er gepriesen sei Sein Name! Voll und ganz erfüllt, so dass der Vater jetzt in Seiner Liebe zu uns ruht.

Diese Hingehung an die Herrlichkeit des Vaters konnte sich auf zweierlei Art offenbaren: zunächst dadurch, dass Er alle Kräfte und Fähigkeiten des lebenden Menschen, (dessen Vollkommenheit aber durch den Tod und das Feuer des Gerichtes erprobt werden musste,) Ihm widmete — das ist es, was uns im Speisopfer dargestellt wir; und zweitens dadurch, dass Er sich selbst, Sein Leben, der göttlichen Herrlichkeit zum Opfer brachte — das ist es, was wir im Brandopfer vorgebildet finden. Beide Opfer sind grundsätzlich gleich, indem sie die gänzliche Widmung des menschlichen Daseins Gott gegenüber darstellen, das andere die Hingabe des Lebens in den Tod.

Bei dem Brandopfer brachte der Opfernde das Opfertier ganz und gar Gott dar an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft. So hat auch Christus sich dargebracht, um den Ratschluss Gottes zu erfüllen und Ihn zu verherrlichen. In dem Vorbilde waren das Opfer und der Opfernde notwendigerweise unterschieden, und der Opfernde legte seine Hände auf den Kopf des Opfertieres, zum Zeichen dass er sich mit ihm einmachte. Christus war beides: Er war das Opfer, und Er opferte sich selbst. Führen wir einige Stellen an, die uns Christum in diesem Charakter vorstellen, wie Er den Platz dieser Opfer einnimmt. Der Heilige Geist lässt den Herrn in Hebr. 10,7 sagen, indem Er den 40. Psalm anführt: „Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben. Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Inneren meines Herzens“*)

*) Bekanntlich war durch die Aufrichtung des goldenen Kalbes (nächste Seite)

 

 

 

 

 

 

Christus also, der sich völlig hingibt, um den ganzen Willen Gottes zu tun, tritt an die Stelle der Opfer. Er ist das Gegenbild der „Schatten der zukünftigen Güter“. Wenn Er an einer anderen Stelle von Seinem Leben spricht, so sagt Er: „Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Gewalt es zu lassen und habe Gewalt es Widerzunehmen. Dieses Gebot habe ich von meinem Vater empfangen.“ (Joh. 10,18) Das war Gehorsam, aber ein Gehorsam, der sich in der Aufopferung Seiner selbst kundgab. Deshalb sagt Er auch im Hinbild auf Seinen Tod: „Der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir; auf dass

die Autorität Gottes verachtet und mit Füssen getreten worden. Israel hatte seinen freiwilligen Entschluss, alles zu tun, was Jehova gesagt hatte, auf diese Weise gebrochen. Es hatte ganz und gar gefehlt. Wie sollte nun der Mensch Gott nahen? Das Gesetz hatte das Böse, das im Mensch war, ans Licht gebracht. War es nun an Gott, mit denen zu unterhandeln, die soeben erst gefallen waren, und sie in ihrer Bosheit anzuerkennen? Sollte Gott sich Seines Charakters entkleiden? Wenn Er das nicht tun konnte, nicht tun durfte, so blieb Ihm nichts anderes übrig, als in Gnade vom Himmel zu reden. Es gab keine andere Möglichkeit mehr, mit den Menschen auf der Erde zu verkehren. Die hatten Den verachtet, der auf die Erde zu ihnen redete. Die Frage war also: Wie kann der Mensch mit Gott im Himmel Verbindung gebracht werden?

Dazu bedurfte es eines Opfers. Aber wo ein Opfer finden, das imstande war, den Menschen der Sünde rein zu waschen? Es gab keinen Menschen, der imstande oder geneigt gewesen wäre, so etwas zu tun. Das war kein Werk für einen Sünder. Da sprach der Sohn Gottes: „Siehe, ich komme, um deinen Willen, o Gott, zu tun. Dein Gesetz ist im Innern meines Herzens.“ — „Schlachtopfer und Speisopfer hast du nicht gewollt, einen Leib aber hast du mir bereitet.“ Es war der Leib, in welchem der wohnen sollte, welcher Gehorsam selbst war. „Ohren hast du mir bereitet.“ Und wir sehen Christum freiwillig diesen Leib annehmen, um dein Willen Gottes zu tun. Auf diese Weise besitzen wir jemand, der fähig war, das Opfer zu werden, Einen, der sich mit der Gestalt eines Knechtes bekleidet hat um den Geboten Jehovas gehorsam geworden ist. Er hatte sowohl den Willen als auch die Fähigkeit, dies zu tun: „Dein Gesetz ist im Innern meines Herzens“.

 

 

 

 

 

 

 

Die Welt erkenne, das ich den Vater liebe und also tue, wie mir der Vater geboten hat“. (Joh. 14,30+31) So lesen wir auch in Luk. 9,51: „ Es geschah aber, als sich die Lage Seiner Aufnahme erfüllten, dass Er Sein Angesicht feststellte, nach Jerusalem zu gehen“. — Wie schön und voller Gnade ist doch dieser Weg des Herrn! Er war ebenso fest entschlossen, sich Gott zu weihen und sich zu unterwerfen, wie der Mensch leichtfertig gewesen war, sich von Gott zu entfernen, und hartnäckig, in dieser Entfernung zu beharren. Jesus machte sich selbst zu nichts und erniedrigte sich bis zum Tode, damit auf diesem Wege die Majestät und Liebe Gottes, Seine Wahrheit und Gerechtigkeit vollkommen ans Licht gebracht werden könnten.*) So wurde der Mensch in der Person Christi mit Gott versöhnt. Gott ist ebenso vollkommen in dem Menschen verherrlicht worden, wie Er in ihm verunehrt worden war. (Der Leser wolle beachten, dass ich nicht sage: in den Menschen, sondern in dem Menschen.) Und das gesegnete Ergebnis war nicht nur Vergebung der Sünden, sondern Einführung in die Herrlichkeit Gottes.

Das Brandopfer musste „ohne Fehl“ sein. Die Anwendung dieser Eigenschaft auf Christum ist zu deutlich, um einer Erklärung zu bedürfen. Er war das Lamm „ohne Fehl und ohne Flecken“. Der Opfernde musste das Opfertier vor Jehova schlachten. Dieser Umstand macht

*) In der Tat, um Sünde in die Gegenwart Gottes einzuführen, musste Jesus nicht nur das Gesetz beobachten, sondern gehorsam werden bis zum Tode, ja, bis zum Tode am Kreuz. Er hätte die Gerechtigkeit verkündigen können in der grossen Versammlung (Ps. 40,10), aber die Menschen hassten die Gerechtigkeit. Er hätte jede Art von Werken der Barmherzigkeit und des Segens tun können, aber die einen beneideten, die anderen verspotteten Ihn. Alle Kundgebungen der Gerechtigkeit in Ihm waren an und für sich von keinem Nutzen. Deshalb war es nötig, dass Er ein Opfer wurde. Sein Blut musste vergossen werden, sollten wir anders Gott nahen können. Unter diesem Charakter stellt uns das Brandopfer Christum vor Augen.

Die Ähnlichkeit mit Christo vollständig, denn obgleich Er offenbar nicht sich selbst töten konnte, gab Er doch Sein Leben freiwillig hin. Niemand nahm es von Ihm. Er liess es freiwillig vor Jehova. Das war, in der Zeremonie des Opfers, das Teil dessen, der das Opfer darbrachte, und ebenso war es das Teil Christi als Mensch. Der Mensch sah im Tode Christi nur das Gericht des Menschen, die Macht des Kajaphas oder die Macht der Welt. In Wirklichkeit aber, als Opfer betrachtet, opferte Christus sich selbst vor Jehova.

Wir kommen jetzt zu dem Teil, das der Herr und der Priester an dem Brandopfer hatten. Das Opfer musste dem Feuer des Altars Gottes unterworfen werden. Es wurde in Stücke zerschnitten, gewaschen und so, entsprechend der Reinigung des Heiligtums, dem Gericht Gottes anheimgegeben, denn das Feuer, als Vorbild, bezeichnet stets das Gericht Gottes. Was die Waschung mit Wasser betrifft, so machte sie das Opfer vorbildlich zu dem, was Christus Seinem Wesen nach war: rein. Bedeutungsvoll aber ist hier, dass die Reinigung des Opfers und die unsrige nach demselben Grundsatz und nach demselben Massstabe geschehen. Wir sind geheiligt durch den Geist zum Gehorsam. Jesus kam, um den Willen seines Vaters zu tun, und so hat Er, vollkommen von Beginn Seiner Laufbahn an, an dem, was Er litt, den Gehorsam gelernt. Allezeit vollkommen gehorsam, wurde Sein Gehorsam doch auf immer schwerere Proben gestellt, so dass Er stets an Tiefe und Vollendung zunahm: Er lernte den Gehorsam. Derselbe war neu für Ihn als eine göttliche Person, (für uns ist er neu, weil wir von Natur Aufrührer sind gegen Gott,) und Er lernte ihn in seiner ganzen Ausdehnung.

Überdies geschieht diese Waschung mit Wasser in unserem Falle durch das Wort, und Christus bezeugt von sich selbst, dass der Mensch von jedem Wort lebe, das durch den Mund Gottes ausgehe. Selbstredend besteht notwendigerweise dieser Unterschied, das Christus Leben hatte in sich selbst und das Leben war (s. Joh. 1 u. 5), während wir dieses Leben von Ihm empfangen. Und während Er selbst dem geschriebenen Worte gehorsam war, bildeten die Worte, die von Seinen Lippen Flossen, den Ausdruck Seines Lebens und sind die Richtschnur für das unsrige

Untersuchen wir diesen Gegenstand noch etwas näher. Das Wasser der Reinigung stellte auch die Macht des Heiligen Geistes dar, die durch das Wort und den Willen Gottes wirkt, sowie den Beginn dieses Lebens in uns: „Nach Seinem eigenen Willen hat ER uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, auf dass wir eine gewisse Erstlingsfrucht Seiner Geschöpfe seien“. (Jak. 1,18.) „Durch welchen Willen wir geheiligt sind.“ (Hebr. 10,10.) Dieses Werk des Geistes aber findet uns tot in Sünden und Vergehungen. Die Befreiung muss also durch den Tod und die Auferstehung Christi geschehen. Deshalb floss bei Seinem Tode Wasser und Blut aus Seiner Seite hervor, als die Zeichen der reinigenden und sühnenden Kraft. Der Tod also, und der Tod allen, reinigt uns von der Sünde und sühnt sie. „Wer gestorben ist, ist freigesprochen von der Sünde“ ( Röm. 6,7), und das Wasser wurde auf diese Weise das Zeichen des Todes, denn dieser allein reinigt.

Diese Wahrheit von einer wirklichen, durch den Tod erfolgte Reinigung war denen, die unter dem Gesetz lebten, notwendigerweise verborgen. Sie besassen nur die Vorbilder davon, denn das Gesetz wandte sich an den lebenden Menschen und forderte Gehorsam von ihm. Der Tod Christi aber stellte die Wahrheit ans Licht, dass wir tot waren, dass in unserem Fleische nichts Gutes wohnte, und das also eine Reinigung nur durch Tod und Auferstehung erfolgen konnte. Deshalb sagt die Schrift, indem sie auf den simbolischen Gebrauch des Wassers in der Taufe anspielt: „Wisset ihr nicht, dass wir, so viele auf Christum Jesum getauft worden, auf Seinen Tod getauft worden Sind?“ Indes ist es klar, dass wir nicht bei dem Tode stehen bleiben dürfen, denn gerade die Mitteilung des Lebens Christi befähigt uns, den alten Menschen für tot zu halten und uns selbst als bereits gestorben in unseren Vergehungen und Sünden „Wenn Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen.“ (Röm. 8,10) Auch wird uns gesagt: „Euch, als ihr tot waret in den Vergehungen und in der Vorhaut eures Fleisches, hat Er mitlebendig gemacht mit Ihm“; und: “So sind wir nun mit Ihm begraben worden durch die Taufe aus den Tod, auf dass, gleichwie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, also auch wir in Neuheit des Lebens wandeln“. (Kol. 2,12; Röm. 6,4.) Nur in der Macht eines neuen Lebens sind wir fähig, uns der Sünde für tot zu halten. Erst dann, wenn wir die Kraft des Todes und Auferstehung Christi verstanden haben und wissen, dass wir i Ihm sind durch den Heiligen Geist, können wir sagen: Ich bin mit Christo gekreuzigt; ich bin nicht mehr im Fleische. Wir sehen also, dass diese Reinigung, die für dein Juden nur in einer sittlichen Wirkung bestand, in uns wirksam ist durch die Mitteilung des Lebens Christi und das darstellt, was uns gemäss der Kraft Seines Todes und Seiner Auferstehung geheiligt hat. Die Sünde als Gesetz in unseren Gliedern ist gerichtet. Der erste Adam hat als eine lebendige Seele sich selbst verderbt. Der zweite Adam teilt als ein lebendig machender Geist uns ein neues Leben mit.

Wenn aber die Mitteilung des Lebens Christi durch eine Verhöhnung diese Wirkung in uns hervorbringt, so ist es offenbar, dass dieses Leben in Ihm wesentlich rein war, während in uns das Fleisch wider den Geist gelüftet. Jesus war, selbst dem Fleische nach, von Gott geboren. Nichtsdestoweniger musste Er, obgleich vollkommen rein, sich der Taufe unterziehen, und zwar nicht nur der Wassertaufe, um allen Gerechtigkeit zu erfüllen, sondern auch zur alles dessen, was in Ihm war,

der Feuertaufe. „Ich habe eine Taufe“, sagte Er, „womit ich getauft werden muss, und wie bin ich beengt, bis sie vollbracht ist!“

Christus opferte sich also gänzlich Gott, um Gottes Herrlichkeit völlig zu offenbaren und sich Seinem Gericht zu unterwerfen. Das Feuer erprobte, was Er war. Er musste „mit Salz gesalzen werden“. Die vollkommene Heiligkeit Gottes, in der ganzen Gewalt Seines Gerichts, erprobte bis aufs äusserte alles was in Jesu war. Der Schweiss, der wie grosse Blutstropfen zur Erde fiel, das ergreifende Flehen, das Er im Garten Gethsemane „mit starkem Geschrei und Tränen“ emporsandte, die tiefe Seelenangst, die Ihm am Kreuz, im Bewusstsein Seiner Gerechtigkeit, den Schrei auspresste: „Warum hast du mich verlassen?“ – ein Schrei, der im Blich auf eine Erleichterung der Bedrängnis unbeantwortet blieb, - alles das zeigt uns den Sohn Gottes völlig auf die Probe gestellt. Tiefe rief der Tiefe. Alle Wogen und Wellen Jehovas gingen über Ihn hin. (Ps. 42,7.) Aber so wie Er sich ganz und gar freiwillig dieser Probe unterwarf, die bis auf den tiefsten Grund Seiner Seele ging, ebenso hat dieses Feuer des Gerichts, das Seine innersten Gedanken erprobte, nichts anderes hervorzubringen vermocht als einen lieblichen Geruch für Gott. Es ist bemerkenswert, dass das Wort, welches im Urtext angewandt wird, um die Handlung des Verbrennens des Brandopfers zu bezeichnen, dasselbe ist dasjenige, dessen die Schrift sich bedient, wenn sie von dem Verbrennen des Weihrauchs redet. Handelt es sich dagegen um das Verbrennen des Sündopfers, so gebraucht sie ein anderes Wort.

Wir erblicken also in dem Brandopfer Christum in der vollkommenen Aufopferung Seiner selbst, sowie in der Erprobung des Innersten Seiner Seele durch das Feuer des schrecklichen Gerichts Gottes. Sein Leben, das wie ein Brandopfer auf dem Kreuze verzehrt wurde, war „ein Opfer lieblichen Geruchs dem Jehova“, in jeder  Beziehung unendlich angenehm für Gott. Da war nicht ein Gedanke, nicht ein Wille, oder er wurde dort auf die Probe gestellt und Sein Leben darin verzehrt. Alles wurde, ohne dass Er anscheinend irgend eine Antwort erhalten hätte, von Ihm aufgeopfert. Alles war von Anfang bis zu Ende ein duftender Wohlgeruch für Gott.

Als Noah sein Brandoper darbrachte, heisst es: „Jehova roch den lieblichen Geruch, und Jehova sprach in Seinem Herzen: Nicht mehr will ich hinfort den Erdboden verfluchen um des Menschen willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“. (1. Mose 8,21.) Es hatte Gott gereut, dass Er den Menschen gemacht hatte, und Ihn geschmerzt in Sein Herz hinein. (1. Mose 6,6.) Als Er nun aber den lieblichen Geruch roch, sprach Er in Seinem Herzen: „Ich will nicht mehr verfluchen“. So hat Gott ein vollkommenes und unendliches Wohlgefallen an der freiwilligen Opferung Christi gefunden. Bei dem Brandopfer handelt es sich durchaus nicht um die Anrechnung der Sünde, sondern um die Vollkommenheit, Reinheit und Ergebenheit des Opfers, die als ein lieblicher Geruch zu Gott emporfliegen. Wohl war der Tod notwendig, denn die Sünde war da, und es liegt auf der Hand, dass Gott ohne den Tod hinsichtlich des Zustandes des Menschen nicht hätte verherrlicht werden können. Aber es ist sehr wichtig, das Brandopfer von den Opfern für die Sünde zu unterscheiden. Bei den letzteren wurden sie Sünden auf das Opfer gelegt, und es trug sie. Das war beim Brandopfer nicht der Fall. Christus opferte sich selbst, um Gott durch Seinen Vollkommenen Gehorsam und Seine völlige Hingabe zu verherrlichen. Ich wiederhole also: es handelt sich hier nicht um die Übertragung der Sunden auf das Oper, sondern um die Vollkommenheit und Reinheit dieses Opfers im Tode, und wir sind in Seiner ganzen Annehmlichkeit, in Seinem lieblichen Geruch vor Gott dargestellt. Welch ein kostbarer Ge-

 

danke für uns! Wir sind annehmlich gemacht in dem Geliebten, nach der ganzen Wonne, die Gott an dem Wohlgeruch dieses Opfers findet. Ist Gott in Christo Vollkommen, in allem was Er ist, verherrlicht worden? In diesem falle ist er auch verherrlicht, wenn Er uns annimmt. Findet Er Seine Wonne an Christo und an jener vollkommensten Tat Seiner Liebe? In diesem Falle findet Er auch Seine Wonne an uns. Stiegt jener Wohlgeruch allezeit vor Ihm auf als ein ewiges Gedächtnis dessen, was Seinen Augen so überaus angenehm war? Nun, dann sind auch wir vor Ihm dargestellt gemäss der Wirksamkeit dieses wohlgefälligen Opfers. Es handelt sich, wie bereits gesagt, nicht nur um die Auslöschung unserer Sünden durch den Sühnungsakt. Nein, die vollkommene Annehmlichkeit Dessen, der jenen Akt vollzog, der süsse Geruch Seines sündlosen Opfers sind unser, sind unser Wohlgeruch vor Gott. Die Annehmlichkeit des Opfers, ja, Christus selbst ist unser. Wir stehen vor Gott kraft dieses Opfers. Wir sind eins mit Christo.

Vergessen wir jedoch nicht, dass das Opfer Christi, als Brandopfer betrachtet, wobei es sich also nicht um das Tragen der Sünden handelt, doch den Charakter des Todes trug, daraus der Tatsache hervorging, dass die Sünde vor Gott in Frage stand. Das macht die Prüfung und das Leiden umso schrecklicher. Der Gehorsam Christi wurde vor Gott erprobt and der Stätte der Sünde, und Er war gehorsam bis zum Tode, nicht in dem Senne des Tragens und Hinwegtuns der Sünde, obgleich das in demselben Akte geschah, sondern in der Vollkommenheit Sein er Selbstaufopferung an Gott ; und zwar wurde Sein Gehorsam von Gott geprüft, indem Er als Sünde behandelt würde und nur ein lieblicher Geruch Für Gott war. Daher fehlt in dem Bradopfer das sühnende Element  nicht, wie es den auch in V. 4 heisst: „und es wird wohlgefällig für ihn sein, um Sühnung in einem Sinne, nämlich als die Erprobung des Gehorsams

 

 

Und die Verherrlichung Gottes darin von tieferer Bedeutung als das Tragen der Sünden.

 

„Seid nun Nachahmer Gottes, als geliebte Kinder, und wandelt in Liebe, gleichwie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch.“ (Eph. 5,1.&2.) Wer unter de Heiligen kennt nicht die Krft dieser Liebe? Wenn das Werk unserer Erlösung einerseits auch in einem Mensch und durch einen Menschen geschehen ist, so ist es doch auch geschehen in der göttlichen Liebe, in der Liebe des Vaters selbst. Wie köstlich ist es, dass Jesus in einem Leibe gekommen ist, der Ihm zubereitet worden war, und dass Er, in unbedingtem Gehorsam handelnd, uns ein vollkommenes Muster der Gerechtigkeit hinterlassen hat, in dem Er sich selbst, als ein freiwilliges Opfer, in der Fülle der göttlichen Liebe dahingab!

Das erste, was der, welcher Gott naht, findet, ist also der Bradoperaltar. Dort begegnet der Sünder Gott im Gericht, aber er begegnet auch dem Jesu, der sich selbst aufopferte.  Nicht im Heiligtum, noch im Allerheiligste ist Gott ein vollkommenes Opfer dargebracht worden, sondern angesichts der Erde obgleich erhöht von ihr, ein Opfer,  in welchem Satan nichts finden konnte, in welchem Gott aber alles gefunden hat, was Er fordern musste – ein Opfer, an dessen Vollbringung der Mensch kein Teil haben konnte. Es war ein Werk zwischen Gott und dem Sohne, und wenn auch die Gläubigen allein seinen Wert verstehen, so wurde es nichtsdestoweniger vollbracht vor der Welt und durch die Hände derer, die da waren. Jesus Christus wurde vor unseren Augen gekreuzigt, indem Er der Welt ein Zeugnis gab, das sie ohne Entschuldigung lässt. Und wenn es keinen anderen Weg gibt, um zu Gott zu kommen, als diesen Jesus, der so dem Tode preisgegeben wurde, was tut dann der Unglaube, wenn er den verachtet und verwirft, der jetzt,

 

im Himmel thronend, der Spender aller Segnungen ist für die, welche glauben!

Mein Leser! Du kannst tätig und besorgt sein um viele Dinge, aber es gibt nur eins, worauf Gott achtet. Ist diese Liebe Gottes in Jesu Christo, Seinem Sohne, bis jetzt nur ein inhaltsleere Geschichte für dich gewesen, während du den Eitelkeiten, die  sich dir hienieden darbieten, mit Eifer nachgetrachtet hast? Bleibt dein Herz kalt bei der Liebe Gottes, wie wenn die Stätte, wo einst das Kreuz aufgerichtet wurde, ein leerer Raum in der Welt wäre? Das natürliche Herz hasst die Rechte, die Gottes Liebe und Heiligkeit an uns haben. Das Kreuz aber ist das mächtige Mittel in der Hand Gottes, um das Herz von der Liebe zur Welt zu befreien.

 


Das Speisopfer

Wir kommen jetzt zu dem Speisopfer. Es stellt uns Christum in seiner Menschheit dar, Seine Gnade und Vollkommenheit als ein lebender Mensch, aber doch als Gott geopfert. Es bestand aus feinem Mehl, das mit Öl vermischt und mit Weihrauch belegt wurde. Das Öl wurde in zweierlei Weise angewandt: es gab Kuchen, gemengt mit Öl, und Fladen, gesalbt mit Öl. (2.Mo 29,2; 3.Mo 7,12) In Christo musste die Darbringung als Opfer bis in den Tod und Seine Unterwerfung unter den Tod den ersten Platz haben, denn ohne die Vollkommenheit dieses Gehorsams, selbst bis zum Tode, hätte nichts angenommen werden können. Da aber dieser Gehorsam von Anfang an vollkommen was, (denn Christus kam, um den Willen Seines Vaters zu tun,) so war Sein ganzes Leben als Mensch vollkommen und annehmlich vor Gott, ein Wohlgeruch unter der Prüfung Gottes. Abel wurde auf Grund des Blutes angenommen. Kain, der als natürlicher Mensch nur die Frucht seiner Arbeit und Mühe opferte, wurde verworfen. Alles was unsere natürlichen Herzen Gott darbringen können, ist nichts als „Opfer der Toren“. Es geht hervor aus der Härte dieser Herzen, die weder unseren Zustand noch unser Verderben und unsere Entfernung von Gott anerkennen. In der Tat, welch eine Herzenshärtigkeit zeigt sich in Kain! Aus dem Garten Eden vertrieben und den Folgen der Sünde unterworfen, tritt er vor Gott hin mit Opfern, die der Preis einer als Strafe auferlegten Arbeit und des auf die Sünde folgenden Fluches waren, ganz so als wenn gar nichts geschehen wäre. Es war der Gipfelpunkt der Verhärtung und Verblendung des Herzens.

Die erste Handlung Adams bestand darin, seinen eigenen Willen zu tun und durch seinen Ungehorsam sich und seine ganze Nachkommenschaft ins Elend zu stürzen.

 

 

 

 

Christus dagegen ist in diese Welt des Elends eingetreten, indem er sich aus Liebe hingab, den Willen des Vaters zu tun. Er kam hernieder und machte sich selbst zu nichts, um, koste es was es wolle, Gott zu verherrlichen. ER war in dieser Welt der gehorsame, unterwürfige Mensch, dessen Wille nur darin bestand, den Willen Seines Vaters zu tun – Die erste Handlung und zu gleicher Zeit Quelle alles menschlichen Gehorsams und der Verherrlichung Gottes durch ihn. Dieser Gehorsamswille und diese Hingebung an die Verherrlichung Seines Vaters verlieh allem, was Er tat, einen lieblichen Geruch.  Alle Seine Werke strömten diesen Wohlgeruch aus. Man kann das Evangelium Johannes, in welchem die Person des Herrn, das was ER war, in besonderer Weise uns entgegen strahlt, unmöglich lesen, ohne bei jeder Gelegenheit diesem Wohlgeruch des Gehorsams, der Liebe und der völligen Selbstverleugnung zu begegnen. Daher kommt es auch, dass gerade dieses Evangelium das Herz so sehr anzieht und zugleich den Unglauben abstösst. Es ist nicht eine Geschichte. Es ist Christus selbst, den man hier sieht, sowie die Bosheit des Menschen, die sich einen Weg erzwingt durch die heilige Hülle, mit der die Liebe Seinen Herrlichkeit umgeben hatte, und die den mit Niedrigkeit umkleideten Jesus nötigt, ans Licht zu treten und diese Herrlichkeit zu offenbaren. ES ist dieses göttliche Wesen, das im Geiste der Sanftmut durch eine Welt ging, die Ihn verwarf. Und selbst dann, wenn Er genötigt ist, sich zu zeigen, dient es doch nur dazu, Seiner freiwilligen, nie wankenden Selbsterniedrigung ihre ganze Kraft und Schönheit zu verleihen, sogar in den Fällen wo Er gezwungen ist, Seine Göttlichkeit zu bekennen. Er war allerdings der „Ich bin“ des Alten Testaments, aber jetzt in der Erniedrigung und einsamen Stellung des vollkommensten und demütigsten Gehorsams. Da war kein geheimes Verlangen in Ihm, inmitten Seiner Erniedrigung einen Platz behaupten zu wollen. Sein Herz kannte keinen anderen Wunsch , als seinen Vater zu verherrli-

 

 

chen. Der „Ich bin“ war da, aber in der Vollkommenheit des menschlichen Gehorsams. Das ist es, was überall zum Vorschein kommt. Tritt der Versucher an Ihn heran, so ist Seine beständige Antwort: „Es steht geschrieben! – „Es steht geschrieben: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Worte, das durch den Mund Gottes ausgeht“.“ (Matth. 4,4) Zu Johannes dem Täufer sagt Er „Lass es jetzt so sein; denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit: „Demnach sind die Söhne frei . . . aber gib ihnen für mich und dich“. (Matth. 3,15; 17, 26. 27.)

Soweit das Geschichtliche. Im Evangelium Johannes, wo, wie bereits bemerkt, die Person Christi in einer noch unmittelbareren Weise: „Dieses Gebot habe ich von meine Vater empfangen . . . , und ich weiss, dass Sein Gebot ewiges Leven ist.“ – „Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, ausser was Er den Vater tun sieht.“ – „Ich habe die Gebote meines Vaters gehalten, und bleibe in Seiner Liebe.“ – „Wenn jemand am Tage wandelt, stösst er nicht an.“ Manche der angeführten Worte wurden bei Gelegenheiten gesprochen, wo das Glaubensauge durch die heilige Erniedrigung des Heilandes hindurch Seine göttliche Natur erblickt – Gott, denn Sohn, dessen Schönheit nur umso herrlicher strahlt, weil Er sich also verbirgt. Gerade so wie die Sonne, die das menschliche Auge nicht fest anzuschauen vermag, die Kraft Ihrer Strahlen darin zeigt, dass sie durch Wolken hindurch ein völliges Licht gibt. Die Wolken verhüllen und mildern die Strahlen. Obgleich Gott sich erniedrigt, ist Er doch nichtsdestoweniger Gott. Es ist immer Er, der dies tut. „Er konnte nicht verborgen sein.“

Dieser unbedingte Gehorsam verbreitete einen duftenden Wohlgeruch über alles, was Christus tat. Er Erschien stets  wie ein Gesandter. Er suchte die Herrlichkeit des Vaters, der Ihn gesandt hatte. Er errettete einen jeden, der zu Ihm kam, weil Er nicht gekommen war, um Seinen eigenen Willen zu tun, sondern den Willen Dessen, der Ihn gesandt hatte. Und da die Sünder nicht zu Ihm kommen konnten, es sei denn dass der Vatter sie zog, so war ihr kommen gleichsam die Ermächtigung für Ihn, sie zu erretten, denn Er musste unbedingt den Willen des Vaters tun. Welch ein Geist des Gehorsams tritt uns hier entgegen! W3er sind die, die Er errettet? Alle diejenigen, die der Vater Ihm, dem allezeit Seinem Willen unterworfenen Diener, gibt. Verheisst Er ihnen die Herrlichkeit? „Es steht nicht bei mir“, sagt ER, „sie zu vergaben, sondern ist für die, welchen sie von meinem Vater bereitet ist.“ ER muss auch belohnen nach Seines Vater Willen. Wer selbst ist nichts, aber Er muss alles ausführen, was dem Vater gefällt Ihm zu gebieten. Dennoch, wer hätte dies tun können, als nur Er, der die Macht und zugleich den Willen hatte, alles zu tun, was der Vater getan haben wollte? Die unendliche Grösse und die Macht, alles zu tun, was irgend der Vater wollte, gingen Hand in Hand mit einem Gehorsam, der keinen ande4ren Willen kannte, als den Willen eines anderen zu tun. Dennoch war Christus ein einfacher, demütiger, niedriggesinnter Mensch.

Sehen wir jetzt, wie diese Menschheit für das in Rede stehende Werk passt. Das Speisopfer Gottes, von der Frucht der Erde genommen, bestand aus dem feinsten Mehl. Alles was die menschliche Natur an Reinem und Lieblichem in all ihrem Elend besass, fand sich in seiner ganzen Vortrefflichkeit in Jesu, der von der Sünde abgesondert, aber all die Trübsalen unterworfen war, welche die Sünde nach sich gezogen hat. In Ihm gab es keine Unebenheit, keine besonders hervorstechende Eigenschaft, die dazu angetan gewesen wäre, Ihm einen bestimmten Charakter aufzuprägen. Er war, obgleich Verachtet und von den Menschen verworfen, die Vollkommenheit der menschlichen Natur. Man fand in Ihm in vollkommener Weise das feine Gefühl, die Festigkeit, die Entschiedenheit (letztere auch in Verbindung mit dem Grundsatz des Gehorsams), die Erhabenheit, die Sanftmut und Demut, die dieser Natur angehören.

In einem Paulus finde ich Tatkraft und rastlosen Eifer, in einem Petrus glühende Zuneigung des Herzens, in einem Johannes eine zarte Empfindsamkeit, verbunden mit einem keine Schranken kennenden Verlange, die Rechte Dessen zu verteidigen, den er liebte. Aber die genannten Eigenschaften waren in diesen Männern vorherrschend und charakterisierten sie. Paulus bereute es nicht, seinen ersten Brief an die Korinther geschrieben zu haben, obgleich es ihn gereut hatte. ( 2.Kor. 7,8) Er hatte keine Ruhe in seinem  Geiste, weil er Titus, seinen Bruder, nicht fand. Er zog fort nach Macedonien, obgleich der Herr ihm eine Tür in Troas aufgetan hatte.(2.Kor 2,13.) Er wusste nicht, als er vor dem Synedrium stand, dass es der Hohepriester war. (Apg 23,5.) Er war gezwungen sich zu rühmen (2. Kor. 12,11.) Bei Petrus, dem treuen und eifrigen Manne, in welchem Gott so mächtig wirkte für das Apostelamt der Verschneidung, gab sich Menschenfurcht kund. (Gal. 2,8. 12.) Und Johannes, der in seinem Eifer die Rechte und die Herrlichkeit Jesu verteidigen wollte, wusste nicht, wes Geistes er war, und wollte sich der Verherrlichung Gottes widersetzen, weil der, der für sie eintrat, nicht mit ihnen wandelte. (Luk. 9,49-56) Solche waren Paulus, Petrus und Johannes – Männer, die Säulen zu sein schienen

Aber in dem Menschen Jesus finden wir nichts von dieser Unebenheit. In Seinem Charakter geht es nichts Hervorstechendes, weil in Seiner Menschheit alles Gott Volkommen unterworfen war. Jeder Zug Seines Charakters hatte seinen Platz, trat ans Licht und handelte zu seiner Zeit, und verschwand dann wieder. Gott wurde

 

 

Verherrlicht, und alles stand in völliger Harmonie. Wenn Ihm Sanftmut geziemte, so war Er sanftmütig. Wenn Zorn am Platze war, wer hätte dann der überwältigenden Kraft Seiner Verweise widerstehen können? War Gnade nötig, so zeigte Er sich voll Mitgefühl gegen den verkommensten Sünder, ohne sich im geringsten durch das herzlose, stolze Wesen eines kalten Pharisäers beeinflussen zu lassen, dem es nur darum ging zu erforschen wer Jesus war. (Vergl. Luk. 7.) Als die Stunde des Gerichts gekommen war, konnte die Tränen derer, die Ihn beweinten, Ihm keine anderen Worte entlocken als: „Weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder“, - Worte, die ein tiefes Mitgefühl, aber zugleich auch eine völlige Unterwerfung unter das verdiente Gericht Gottes ausdrückten. Das dürre Holz bereitete sich seine Verbrennung selbst zu. Voll Zärtlichkeit geigen Seine Mutter, vertraute Er sie, nachdem Er Sein Werk am Kreuz vollbracht hatte, der liebenden Sorge dessen an, der sozusagen Sein Freund gewesen war und an Seiner Brust gelegen hatte. Aber Er war taub gegen ihre Worte und Bitten, so lange Er mit dem Dienste Gottes beschäftigt war. Alles befand sich an seinem richtigen Platze, mochte Er vor Seinem öffentlichen Auftreten in dieser Welt zeigen, dass Er Gott war, oder (als Mensch und unter Gesetz geboren) der Mutter, die Ihn trug, und Joseph unterwürfig sein. Man sah ferner in Ihm eine Ruhe, die Seine Gegner ausser Fassung brachte. Und mit dieser sittlichen Kraft, welche die Gegner bisweilen niederschmetterte, vermischte sich eine Sanftmut, die alle Herzen anzog, welche noch nicht durch einen vorsätzlichen Wiederstand verhärtet waren. Wenn es sich darum handelte, zwischen Bösem und Gutem zu unterscheiden, war Er wie eine scharfgeschliffene Schneide. In dieser Hinsicht taten der Charakter und die Person Jesu das, was die Macht des Heiligen Geistes später vollführte, indem sie das böse und das Gute zwang, sich in einem offenen Bekenntnis zu offenbaren. Abgesehen von der Versöhnung,

 

 

wurde ein gewaltiges Werk von Dem vollbracht, der, nach dem äusseren Ergebnis zu urteilen, „sich um sonst abmühte“. (Jes. 49.) Überall da, wo ein Ohr war, um zu hören, redete die Stimme Gottes mittels dieses Charakters des Menschen Jesus zu den Herzen und Gewissen Seiner Schafe. Er ging durch die Tor ein, und der Türhüter tat Ihm auf, und die Schafe hörten Seine Stimme. Die vollkommene Menschheit Jesu, die sich in allen Seinen Wegen kundgab und nach dem Willen Gottes in die Herzen drang, richtete alles war ihr im Menschen begegnete, bis auf den Grund der Seele.

Doch wir haben uns von dem eigentlichen Segenstand unserer Betrachtung entfernt. Mit einem Worte denn: die Menschheit Christi war vollkommen, völlig Gott unterworfen. Alles entsprach Seinem Willen und stand deshalb notwenderweise im Einklang untereinander. Die Hand, welche die Saiten berührte, fand sie alle wohl gestimmt. Alles entsprach hier den Gedanken Gottes, dessen Ratschlüsse der Gnade, der Heiligkeit und Güte, und gleichwohl des Gerichts hinsichtlich des Bösen, dessen Segens- und Barmherzigkeitsgefüllle – eine süsse Melodie für jedes ermüdete Ohr! – ihren Ausdruck in Christo fanden, und in Ihm allein. Jedes Element, jede Fähigkeit Seiner menschlichen Natur gehorchte dem Antrieb, den der göttliche Wille gab, hörte dann auf zu wirken und zog sich in ein Ruhe zurück, ihn der das Ich keinen Raum fand. So war Christus in Seiner Menschlichkeit. Obwohl fest und entschieden, wenn die Gelegenheit es erforderte, war doch die Sanftmut dasjenige, was Ihn charakterisierte, weil Er in der Gegenwart Gottes, Seines Gottes, war, und Er war dies alles inmitten des Bösen. Man hörte Seine Stimme nicht auf den Strassen, denn die Freude kann da in lauteren Tönen hervorbrechen, wo alles den Ruf widerhallen lässt: „Preis sei Seinem Namen und Seiner Herrlichkeit!“

Doch dieses Frei sein der menschlichen Natur unseres Herrn von jedem Fehler war mit noch tieferen und wich-

 

tigeren Quellen verbunden, die uns in unserem Vorbilde in zweierlei Weise, negativ und positiv, vorgestellt werden. Wenn jede Fähigkeit dieser Natur also dem göttlichen Antrieb gehorchte und ihm nur als Werkzeug diente, so liegt es auf der Hand, dass der Wille richtig sein, dass der Geist und der Grundsatz des Gehorsams seine Quelle sein musste, denn gerade die Tätigkeit eines unabhängigen Willens ist der Grundsatz der Sünde. Christus hatte das Recht, einen unabhängigen Willen zu besitzen: „Der Sohn macht lebendig, welche Er will“; aber ER kam, um den Willen Seines Vater zu tun. Sein Wille war, zu gehorchen. Deshalb war es ein vollkommener und sündloser Wille.

In dem Wort Gottes ist der Sauerteig stets ein Sinnbild des Verderbens: „Der Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit“. Deshalb gab es in dem Kuchen, den man Gott zum lieblichen Geruche opferte, keinen Sauerteig. Alles, worin sich Sauerteig befand, konnte Jehova nicht zum lieblichen Geruche dargebracht werden. Wir sehen dies deutlich in dem Falle, wo gesäuerter Kuchen dargebracht werden musste. Es war verboten, sie als ein Opfer lieblichen Geruchs, als ein Feueropfer, darzubringen. Es gab zwei Fälle, in denen die Kuchen mit Sauerteig gebacken werden durften. Der eine dieser beiden, der wichtigere und bezeichnender, findet sich in dem Kapitel, das wir betrachten, und genügt, um den Grundsatz, mit dem wir und beschäftigen, klarzustellen.

Wenn die Erstlinge dargebracht wurden, fügte man ihnen zwei mit Sauerteig gebackene Brote bei, aber nicht als ein Opfer lieblichen Geruchs. Man opferte auch Brandopfer und Speisoper, und diese zum lieblichen Geruch; nicht aber das Opfer der Erstlinge. (Vergleiche 3.Mose 2,11. 12 und 23, 15-21.) Und was stellten diese Erstlinge dar? – Die Kirche, geheiligt durch den Heiligen Geist. Denn dieses Fest der Erstlinge oder Erstlingsfrüchte war das wohlbekannte Vorbild des Pfingstfestes, es war tatsächlich das Pfingstfest. „Wir sind“,

 

 

Sagt der Apostel Jakobus, „eine gewisse Erstlingsfurcht Seiner Geschöpfe.“ In 3.Mose 23, 10-14 sehen wir, dass am anderen Tage nach dem Sabbat des Passahfestes, dem Auferstehungstage Christi, eine Garbe der Erstlinge der Ernte dargebracht wurde: Kornähren, die weder ausgeschlagen noch geschorten waren. Hier konnte offenbar von Sauerteig keine Rede sein: Jesus ist auferstanden, ohne die Verwerfung gesehen zu haben. Auch begleitete diese Darbringung der Erstlingsgarbe kein Sündopfer. Wenn man aber die mit Sauerteig gebackenen Brote darbrachte, welche die durch den Heiligen Geist geheiligte Kirche darstellten, deren Glieder aber noch eine verdorbene Natur besitzen, opferte man zu gleicher Zeit ein Opfer für die Sünde. (3. Mose 23, 17. 19.) Denn das Opfer Christi ist diesem Sauerteig unserer verderbten Natur begegnet, die zwar durch die Tätigkeit des Heiligen Geistes überwunden wird, aber nicht aufhört zu bestehen. Diese verdorbene Natur konnte in der Erprobung durch das Gericht Gottes nicht von lieblichem Geruch sein, und deshalb auch nicht als ein Feueropfer lieblichen Geruchs vor Jehova erscheinen. Mittels des Opfers Christi aber, das dem Bösen begegnet ist und eine Sühnung desselben zuwege gebracht hat, konnte sie Gott dargebracht werden. Deshalb wird nicht nur gesagt, dass Christus sich für unsere Sünden hingegeben hat, sondern auch: „Das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem Er, Seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches Sünde und für die Sünde senden, die Sünde im Fleische verurteilte“. (Rom. 8, 3.) Gott hat die Sünde im Fleische gerichtet, und zwar indem Christus Sühnung dafür tat, indem Er das Gericht, das die Sünde verdiente, auf sich nahm und für uns zur Sünde gemacht wurde. Damit starb Er zugleich der Sünde, sodass wir das Recht und die Plicht haben, uns der Sünde für tot zu halten. Es ist wichtig für einen beunruhigtes, aber zartes und treues Gewissen, sich daran zu erinnern, dass Christus nicht nur für unsere Sünden,

 

 

sondern auch für unsere Sünde gestorben ist, denn die in uns wohnende Sünde beunruhig ein treues Gewissen weit mehr als viele vergangene Sünden.

Die Brote also, welche die Kirche darstellten, wurden gesäuert gebacken und konnten nicht als ein Opfer lieblichen Geruchs dargebracht werden. Das Speisopfer dagegen, das Christum vorstellte, war ohne Sauerteig, „ein Feuerofer lieblichen Geruchs dem Jehova“. Die Feuerprobe des Gerichts Gottes fand in Christo einen vollkommenen Willen. In Ihm gab es nichts Böses, keine Spur von einem Geiste der Unabhängigkeit. „Dein Wille geschehe!“ das war es, was die menschliche Natur des Heilandes kennzeichnete, in welchem die Fülle der Gottheit leibhaftig wohnte, der aber gleichwohl der Mensch Jesus, das Opfer Gottes war.

Beiläufig möchte ich bemerken, dass wir bei den Dank- oder Friedensopfern ein weiteres Beispiel von diesem Gegensatz finden. Bei diesen Opfern hatte Christus Sein Teil, und der Mensch ebenfalls. Deshalb gab es ungesäuerte Kuchen und gesäuerte Brote. ( S. 3. Mose 7, 12.13.) Die letzteren, die den Anteil der Kirche an dem Opfer Christi darstellen, führten notwendigerweise den Menschen ein. Darum war der Sauerteig da, dieses stete Sinnbild des Bösen, das sich in uns vorfindet. Die Kirche ist zur Heiligkeit berufen. Das Leben Christi in uns ist „Heiligkeit dem Herrn“. Aber es bleibt immer wahr, dass in und, das ist in unserem Fleische, nichts Gutes wohnt.

Dies führt uns zu einem anderen grossen Grundsatz, den das Speisopfer uns vor Augen stellt. Der Kuchen musste mit Öl gemengt werden. „Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch“, und da wir aus dem Fleische geboren sind, so sind wir in uns selbst naturgemäss nur Fleisch, verderbt und abgefallen, „aus dem Willen des Fleisches geboren“. Obgleich wir aus dem Geist geboren wurden, als wir im Glauben zu Gott kamen, ist doch dadurch unsere Natur nicht verändert,

 

 

 

Nicht aufgehoben worden. Wohl können wir durch den Heiligen Geist, der in uns wirkt, von der Tätigkeit des Fleisches befreit werden und seine Regungen unterdrücken, aber die Natur bleibt unverändert. Das Fleisch in Paulus war ebenso geneigt, sich zu überheben, nachdem er im dritten Himmel gewesen war, wie zurzeit da er „mit Gewalt und Vollmacht von den Hohepriestern nach Damaskus reiste“, um, wenn möglich, den Namen Christi von der Erde auszurotten. Ich sage nicht, dass diese Neigung des Fleisches in beiden Fällen dieselbe Kraft hatte; aber sie war im ersten Falle ebenso schlecht oder noch schlechter, weil sie sich angesichts viel höherer und besseren Dingen offenbarte.

Aber der Wille des Fleisches hatte bei der Geburt Christi nicht den geringsten Anteil. Seine menschliche Natur war ebenso sehr ein Ausfluss des göttlichen Willens, wie die Gegenwart der göttlichen Natur auf dieser Erde. Indem Marie sich einfältigen Auges und reinen Herzens in heiligem Gehorsam unter diesen Willen beugte, offenbarte sie in rührender Weise die Unterwürfigkeit ihres Herzens und ihrer Vernunft gegenüber der Offenbarung Gottes. „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“, sagt sie; „es geschehe mir nach deinem Wort.“ Die menschliche Natur Christi war frei von der Sünde, indem sie von dem Heiligen Geiste empfangen war. Er kannte keine Sünde. Das heilige Wesen, das von der Jungfrau geboren werden sollte, sollte Gottes Sohn genannt werden. Er war wirklich und wahrhaftig ein Mensch, von Maria geboren, aber Er war zugleich ein Mensch, von Gott geboren. In Übereinstimmung damit finden wir diesen Titel: „Sohn Gottes“, in drei verschiedenen Weisen auf Christum angewandt. 1. Er ist der Sohn Gottes, der Schöpfer. So hören wir von Ihm in den Briefen an die Kolosser und an die Hebräer, sowie an vielen anderen Stellen, die von Ihm als dem vom Vater gesandten Sohne reden. 2. Er ist Sohn Gottes als geboren in dieser Welt. 3. Er ist Sohn Gottes als auferstandenen

 

 

Aus den Toten – „als Sohn Gottes in Kraft erwiesen durch Toten-Auferstehung“. (Röm. 1,4.)

Der Kuchen*) wurde mit Öl gemengt. So entlehnte die menschliche Natur Christi ihren Charakter dem Heiligen Geiste, dessen bekanntes Sinnbild immer wieder das Öl ist. Aber Reinheit ist nicht Kraft. Deshalb wird die Übertragung der geistlichen Kraft, die durch die menschliche Natur Jesu wirkte, unter einer anderen Form dargestellt: die Fladen mussten mit Öl gesalbt werden. Dementsprechend steht geschrieben, dass „Gott Jesum von Nazareth mit Heiligem Geiste und mit Kraft gesalbt habe, der umherging, wohltuend und heilend alle, die von dem Teufel überwältigt waren“. (Apstgsch. 10, 38) Nicht als ob Jesu irgendetwas gemangelt hätte. Denn als Gott hätte Er alles tun können. Aber Er hatte sich freiwillig zu nichts gemacht und war gekommen, um zu gehorchen. Daher trat Er auch nicht eher öffentlich auf, bis Er berufen und gesalbt war, obgleich Seine Unterredung mit den Schriftgelehrten im Tempel von Anfang an Seine Beziehungen zum Vater dartat.

 

*) Das Speisopfer wurde in verschiedenen Formen dargebracht, aber alle stellten die beiden oben berührten Grundsätze ans Licht. Zunächst haben wir die grosse allgemeine Wahrheit: „seine Opfergabe soll Feinmehl sein; und er soll Öl darauf giessen und Weihrauch darauf legen“ Es gab Ofengebäck, Kuchen, gemengt mit Öl, und Fladen, gesalbt mit Öl, - alle selbstredend ungesäuert. Wurde ein Speisopfer in der Pfanne dargebracht, so musste es Feinmehl sein, gemengt mit Öl, wenn im Napfe, Feinmehl mit Öl. So kamen in allen Formen, in denen Christus als Mensch betrachtet werden konnte, die Abwesenheit der Sünde zum Ausdruck, sowie die Bildung Seiner menschlichen Natur in der Kraft des Heiligen Geistes und Seine Salbung mit dem Geiste. Betracht wir Seine menschliche Natur als solche in sich selbst, so ist Öl darauf gegossen. Sehen wir sie bis aufs äusserste erprobt, so kommt nichts als Reinheit und die Gnade des Geistes in ihr zum Vorschein. Betrachten wir sie in ihrem wesentlichen, inneren Charakter oder in ihrem äusseren Verhalten, so offenbart sich in jedem einzelnen Teile dieser vollkommenen und durch die Kraft des Geistes gebildeten Natur die völlige Abwesenheit der Sünde und die Macht des Heiligen Geistes.

In dieser Hinsicht gibt es in unserer Stellung  eine gewisse Ähnlichkeit. Aus Gott geboren, oder mit dem Heiligen Geiste versiegelt und gesalbt zu sein sind zwei verschieden Dinge. Der Pfingsttag, de Hauptmann Kornelius, die Gläubigen in Samaria, denen die Apostel die Hände auflegten, damit sie den Heiligen Geist empfangen mochten, beweisen die Wahrheit des Gesagten, neben manchen anderen Stellen, die sich auf diesen Gegenstand beziehen. So sagt die Schrift z. B.: Weil ihr Söhne des Herzen seid, so hat Gott den Geist Seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: Abba, Vater!“ (Gal. 4,6.) Und: „In welchem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geiste der Verheissung, welcher das Unterpfand unseres Erbes ist, zur Erlösung des erworbenen Besitzes“. (Eph. 1, 13. 14) Ferner lesen wir im 7. Kapitel des Evangeliums Johanes: Dies aber sagte Er von dem Geiste, welcher die an Ihn Glaubenden empfangen sollten“.

Der Heilige Geist kann durch die Mitteilung einer neuen Natur in einer Seele heilige Wünsche und die Liebe zu Jesu hervorgebracht haben, ohne dass die Selle selbst das Bewusstsein ihrer Befreiung besitzt, oder dass die Kraft und die Freude der Gegenwart Gottes in der Erkenntnis des vollbrachten Werkes Christi empfangen hat. – Was den Herrn Jesus betrifft, so wissen wir, dass die Erfüllung jenes Vorbildes, die Salbung mit dem Heiligen Geiste, stattfand, nachdem Er von Johannes getauft worden war. (In dieser Taufe stellte sich Der, der keine Sünde kannte, mit Seinem Volke, damals dem Überrest Israels, der unter dem Einfluss der Gnade den Pfad des Glaubens wandelte, auf einen Boden.  Durch Sein kommen zu Johannes gab Er kund, dass Er mit den Seinigen sein wolle auf dem ganzen Pfade jener Gnade mit all seinen Prüfungen und Kümmernissen.) Er, der Sündlose, wurde mit dem Heiligen Geiste gesalbt, indem dieser in leiblicher Gestalt, wie eine Taube, aus dem Himmel herniederkam und auf Ihm blieb. Dann wurde

 

Er durch den Geist in den Kampf für uns geführt, aus dem Er durch die Kraft des Geistes als Sieger hervorging. Ich sage: „als Sieger durch die Kraft des Geistes“, denn wenn Jesus die Angriffe Satans einfach durch Seine göttliche Macht abgeschlagen hätte. So wäre selbstverständlich zunächst von einem Kampf überhaupt keine Rede gewesen, und zweitens läge für uns darin weder ein Beispiel noch eine Ermunterung. Aber der Herr trieb den Feind zurück durch einen Grundsatz, der Tag für Tag uns als Plicht obliegt. Dieser Grundsatz heisst: Gehorsam, und zwar ist es ein einsichtsvoller Gehorsam, der sich des Wortes Gottes bedient und den Feind, sobald er  sich als solcher offenbart, mit Unwillen zurückweist. Wenn Christus Seine Laufbahn antrat mit der Freude und dem Zeugnis, die einem Sohne gebühren, so begann Er eine Laufbahn des Kampfes und des Gehorsams. Er hatte den Starken zu binden, und Er hat ihn gebunden. Gerade so verhält es sich mit uns. Wir besitzen Freude, Befreiung, Liebe, überströmenden Frieden, den Geist der Sohnschaft und stehen in dem Bewusstsein, dass wir dem Vater annehmlich gemacht sind. So treten wir die christliche Laufbahn an. Gleichwohl bedeutet diese Laufbahn Kampf und Gehorsam. Hören wir auf zu gehorchen, so hören wir auf zu siegen. Satan bemühte sich, diese beiden Dinge in Jesu zu trennen. Er sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, so sprich dass diese Steine Brot werden“, - d.h. gebrauche deine Macht, handle nach deinem eigenen Willen. Die Antwort Jesu lautet ihrem Sinne nach: Ich bin hier, um zu gehorchen. Ich bin hier als dein Knecht, und ich habe kein Gebot empfangen, die Steine zu Brot zu machen. Es steht geschrieben: „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Worte, das durch den Mund Gottes ausgeht“. Ich verharre in meinem Stande der Abhängigkeit.

Das war Kraft, aber eine Kraft, die in einem Stande der Abhängigkeit und des Gehorsams angewandt wurde. Adam konnte nur in einer einzigen Sache ungehorsam

 

 

Sein, und er war ungehorsam. Er aber, der die Macht hatte alles zu tun, bediente sich Seiner Macht nur, um noch vollkommener zu dienen und sich noch völliger zu unterwerfen. Wie schön ist das Gemälde, das die Wege des Herrn uns darbieten! und das inmitten der Mühsale und der Folgen des Ungehorsams des Menschen – Folgen, denen Er sich (die Sünde ausgenommen) unterzog wegen der Natur, die Er angenommen hatte. „Denn es geziemt Ihm, um deswillen alle Dinge und durch den alle Dinge find, (indem Er den Zustand sah, in welchem wir uns befinden,) indem Er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, den Anführer ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen.“ (Hebr. 2,10.)

Jesus kämpfte also in der Kraft des Heiligen Geistes. In derselben Kraft trieb Er Teufel aus und trug unsere Schwachheiten. Ebenso opferte Er sich in der Kraft des Heiligen Geistes ohne Flecken Gott. Aber das ist mehr das Brandopfer. In allem, was Er tat, und in allem, was Er nicht tat, handelte Er durch die Kraft des Geistes Gottes. Er ist unser Vorbild, dem wir mit gemischten Kräften folgen, indem das, was vom Geiste ist, sich vermengt mit unserer natürlichen Kraft. Aber zugleich folgen wir Ihm mit einer Kraft, die uns, wenn es Sein Wille ist, befähigt, nicht nur die Werke zu tun, die Er getan hat, sondern sogar noch grössere. Es heisst nicht, dass wir vollkommener sein könnten als Er, sondern dass wir grössere Werke zu tun vermögen. Während Seines Wandels hienieden war Er unbedingt vollkommen im Gehorsam. Aber gerade aus diesem Grunde tat Er und konnte Er vieles nicht tun, was Er jetzt tun und durch Seine Apostel und Seine Knechte vollbringen lassen kann. Denn zur Rechten Gottes erhöht, sollte Er, selbst als Mensch, Macht offenbaren, und nicht Gehorsam. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird grössere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.“ (Joh. 14,12.) Das

Versetzt uns in die Stellung von Dienern, denn wir sind durch die Kraft des Heiligen Geistes Diener Christi. „Es sind Verschiedenheiten von Diensten, und derselbe Herr.“ (1.Kor. 12,5.)

Die Apostel taten deshalb grössere Werke, die aber, was ihren persönlichen Wandel betrifft, mit Unvollkommenheiten aller Art vermischt waren. Mit wem z.B. stritt der Herr, obwohl Er immer recht Hatte? Vor wem offenbarte Er Menschenfurcht? Wann bereute Er etwas, das Er getan hatte, wie Paulus, der nachher sogar anerkennen musste, dass kein Grund zur Reue vorgelegen habe? Nein! Obgleich sich nach der Erhöhung des Herrn zur Rechten Gottes, wie Er es verheissen hatte, eine grössere Kraft offenbaren mochte, so entfaltete sich diese doch in Gefässen, deren Schwachheit zur Genüge bewies, dass alle Ehre nur Gott zukam, und deren Gehorsam ausgeübt wurde im Kampf mit einem widerspenstigen Willen, der in ihnen war. Hierin liegt der grosse Unterschied. Jesus hatte niemals einen Dorn im Fleische nötig, um Ihn vor Überhebung zu schützen. – Hochgelobter Herr! Du redest, was Du musstest, und zeugest von dem, was Du gesehen hattest. Aber um dies tun zu können, hast Du Dich zu nichts machen, Dich selbst erniedrigen und Knechtsgestalt annehmen müssen, auf dass wir dadurch erhöht würden! – Die Höhe, das Bewusstsein der Höhe, von der Er herabgestiegen war, die Vollkommenheit Seines Willens, in dem Knechtsstande, den Er angenommen hatte, zu gehorchen, machte jede Erhöhung für Ihn unnötig. Dennoch blickte Er hin auf die „vor Ihm liegende Freude“ und wurde nicht beschämt, denn er erniedrigte sich eben bis zu diesem Punkte, dass Er sich über die in Aussicht stehende Belohnung freute. Und Er ist hoch erhoben worden. „Lieblich an Geruch sind deine Salben, ein ausgegossenes Salböl ist dein Name.“ (Hohel. 1,3.) In dem Speisopfer gab es neben dem Feinmehl und Öl auch Weihrauch, den Wohlgeruch all der Tugenden Christi. Wie oft begegnet es uns, dass wir

 

 

Die Gnaden oder Tugenden, die wir besitzen, den Menschen zur Annahme darbieten! Das Ergebnis davon ist, dass das Fleisch oft für Gnade gehalten oder wenigstens mit ihr vermengt wird, indem die Dinge nach dem Urteil des Menschen beurteilt werden. In Jesu wurden alle Gnaden oder Tugenden Gott dargeboten. Allerdings hätte der Mensch diese Gnaden sehen können oder sehen sollen, wenn der Wohlgeruch des Weihruchs sich rund um ihn verbreitete, obwohl er ausschliesslich als Opfer für Jehova verbrannt wurde. Aber wie wenige gibt es, die so ihre Liebe Gott darbringen, indem sie alles, was sie für ihres gleichen tun, einzig und allein im Blick auf Gott tun, so dass sie nicht müde werden, obgleich sie vielleicht, je mehr Liebe sie beweisen, um so weniger geliebt werden; denn sie tun alles aus Liebe zu Gott und um Seinetwillen. Insoweit sich diese Gesinnung bei uns findet, ist das, was wir tun, ein Wohlgeruch für Jehova. Aber das ist schwierig. Und um so handeln zu können müssen wir sehr nahe bei Gott sein.

In Christo erblicken wir ein vollkommenes Beispiel von dem, was wir soeben gesagt haben. Je treuer Er war, desto mehr wurde Er verachtet, desto mehr wurde Ihm widersprochen. Je mehr Er Seine Sanftmut und Demut offenbarte, desto geringer wurde Er geachtet. Aber alles das brachte in Seinem Tun nicht die geringste Veränderung hervor, weil Er alles, was Er tat, einzig und allein im Bick auf Gott tat. Mochte Er mit der Volksmenge verkehren, oder unter Seinen Jüngern sein, oder endlich vor Seinen ungerechten Richtern stehen – allezeit war Sein Verhalten vollkommen, denn in allen Umständen und Lagen handelte Er nur im Blick auf Gott. Der Weihrauch Seines Dienstes, Seines Herzens und Seiner Zuneigung stieg immer und überall zu Gott empor. Und wo gäbe es einen reicheren und süsseren duftenden Weihrauch, als in dem Leben Jesu? Jehova roch einen lieblichen Geruch, und anstatt des Fluches, der gerechterweise auf uns lastete, kam in Jesu der Segen Gottes auf den Menschen.

 

Dieser Weihrauch wurde also dem Kuchen des Speisopfers beigegeben, denn er war tatsächlich eine Frucht, die in dem Leben Jesu durch den Geist hervorgebracht wurde, ein Ausdruck Seiner Natur. Aber in allen Fällen stieg dieser Weihrauch empor. Mit der Fürbitte und Verwendung Jesu für uns verhält es sich ebenso, denn sie war eine Frucht Seiner heiligen Liebe. Die Gebete Jesu, der Ausdruck Seiner Heiligen Abhängigkeit, waren unendlich angenehm vor Gott und von mächtiger Wirkung. Sie waren alle vor Ihm ein leiblicher Geruch, wie Weihrauch: „das Haus wurde von dem Geruch der Salbe erfüllt“.

Verboten war bei den Opfern ausser dem Sauerteig noch etwas anderes: der Honig, d. h. alles das, was dem Geschmack des natürlichen Menschen besonders angenehm ist, wie z. B. die Zuneigung derer, die wir nach dem Fleische leiben, die angenehmen Beziehungen zu unsersgleichen und ähnlichen Dingen. Nicht als ob diese Dinge in sich selbst böse wären: „Hast du Honig gefunden, so iss dein Genüge, damit du seiner nicht satt werdest“, sagt der Weise. (Spr. 25,16.) Als Jonathan ein wenig Honig gekostet hatte, den er am Tage des Kampfes, als er in der Kraft des Glaubens für Israel stritt, im Walde fand, da wurden seine Augen hell. (1. Sam. 14) Aber nie durfte Honig al ein Feueropfer dem Jehova geräuchert werden. Derselbe Herr, der in der schrecklichen Angst des Kreuzes, als alles vollbracht war, zu seiner Mutter sagen konnte: „Weib, siehe, dein Sohn!“ und zu dem Jüngeren: „Siehe, deine Mutter!“ konnte auch während der Zeit Seines Dienstes sagen: „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?“ Er war ein Fremdling den Söhnen Seiner eigenen Mutter, gleich Levi (in dem Segen Mose, des Mannes Gottes), der als ein Opfer von Seiten des Volkes Israel vor Jehova gestellt wurde, „der von seinem Vater und von seiner Mutter sprach: Ich sehe ihn nicht; und seine Brüder nicht kannte, und von seinen Söhnen nichts Wusste. Denn sie haben dein Wort beobachtet, und deinen Bund bewahrten sie.“ (Vergleiche 4.Mose 8,11; 5.Mose 33,9.)

Es bleibt noch eine Bemerkung übrig. IN dem Brandopfer wurde alles vor Jehova verbrannt, denn Christus hat sich selbst ganz und gar Gott geopfert. Die menschliche Natur Christi aber ist die Speise der Priester Gottes. Aaron und seine Söhne mussten den Teil des Speisopfers essen, der nicht auf dem Altar geräuchert wurde. Christus ist das wahre Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist, um der Welt das Leben zu geben, damit wir, die Priester und Könige, durch den Glauben von diesem Brote essen und nicht sterben möchten. Das Speisopfer war etwas „hochheiliges“, wovon Aaron uns seine Söhne allein essen durften; - und wer darf sich heute von Christo nähren, wenn nicht die, welche, geheiligt durch den Heiligen Geist, das Leben des Glaubens leben und sich von der Speise des Glauben nähren? Ist Christus nicht die Speise unserer gottgeweihten Seelen, Er, der uns allezeit Gott weiht? Kosten unsere Seelen nicht in dem Heiligen, der sanftmütig und von Herzen demütig war, - in Ihm, der als Licht der menschlichen Vollkommenheit und der göttlichen Gnade leuchtete inmitten eines verderbten Geschlechts, - kosten unsere Seelen nicht in Im das was nährt, erquickt und heiligt? Fühlen wir nicht, was es bedeutet, Gott dargebracht zu sein, indem wir, mittelst des Mitgefühls des Geistes Jesu in uns, Sein Leben hienieden verfolgen, was es war Gott und Menschen gegenüber? Als ein Beispiel für uns trägt Er das Gepräge eines Menschen, der gänzlich für Gott lebt. Er zieht uns sich nach, indem Er selbst die Kraft ist, die uns auf dem Wege fortschreiten lässt, den Er zurückgelegt hat, und an dem wir unsere Freude und Wonne finden. Werden unsere Herzen nicht an Jesum gefesselt, wenn wir so mit Freuden über das nachsinnen, was Er auf Erden war? Werden wir Ihn nicht ähnlicher? Ja, wir bewundern

 

 

 

Ihn, wir werden gedemütigt und durch die Gnade in Sein Bild verwandelt. Indem Er die Quelle des neuen Lebens in uns ist, wird das Beilspiel, das Er uns von der Vollkommenheit dieses Lebens gibt, zu dem Mittel, es in uns zu entfalten und zu kräftigen. Denn wer könnte stolz sein in der Gemeinschaft des demütigen Jesus? Demütig wie Er ist, würde Er uns, wie jemand richtig bemerkt hat, lehren, den letzten Platz einzunehmen, wenn Er ihn selbst noch nicht eingenommen hätte. Anbetungswürdiger Herr! möchten wir doch wenigstens näher bei Dir, in Dir verborgen sein!

Wie unermesslich gross ist doch die Gnade, die uns in diese innige Gemeinschaft mit dem Herrn eingeführt hat! die uns zu Priestern gemacht hat, damit wir an dem teilnehmen möchten, was die Wonne Gottes, unseres Vaters, ausmacht, an dem, was Ihm als ein Feueropfer lieblichen Geruchs dargebracht worden ist und was den Tisch Gottes bedeckt! Dies ist uns als unser ewiges und unveränderliches Teil durch einen Bund besiegelt. Deshalb durfte das Salz des Bundes unseres Gottes bei keinem Opfer fehlen. Es stellte die Festigkeit, die Dauerhaftigkeit und bewahrende Kraft dessen dar, was göttlich war, obgleich es für uns vielleicht nicht immer leiblich und angenehm ist. Es war das Siegel von Seiten Gottes, um zu bezeugen, dass jener liebliche Geruch nicht vorübergehend, und dass das Wohlgefallen nicht nur ein augenblickliches, sondern ein ewig dauerndes war. Denn alles, was von dem Menschen ist, vergeht. Alles, was von Gott ist, besteht ewiglich. Das Leben, die Lieb, die Natur und die Gnade sind bleibend. Diese heilige, absondernde Kraft, die uns vor Verderbnis bewahrt, ist von Gott und teilt die Beständigkeit der göttlichen Natur. Wir sind mit Ihm verbunden, nicht mittelst unseres eigenen Willens, sondern nach der Festigkeit der göttlichen Gnade. Diese Gnade ist tätig in uns, ist rein und heiligend – aber es ist Gnade. Wir sind mit Gott verbunden durch die Kraft des göttlichen Willens, durch die Unverbrüchlichkeit

 

 

der göttlichen Verheissung, aber diese Kraft und diese Treue sind diejenigen Gottes, nicht die unsrigen. Sei sind gegründet auf das Opfer Christi, durch das der Bund Gottes uns besiegelt und untrüglich sicher gemachten worden ist. Anders würde Christus nicht geehrt sein. Es ist der Bund Gottes, fest geworden durch zwei unveränderliche Dinge, wo bei es unmöglich ist, dass Gott lügen sollte. (Hebr. 6.)

Sauerteig und Honig, die Sinnbilder der Sünde und unserer natürlichen Zuneigungen,  dürfen also dem Opfer Gottes nicht beigegeben werden, aber die Kraft Seiner Gnade (die das Böse nicht schont, aber das Gute sicher stellt,) ist da, um uns zu dem unfehlbaren Genus der Früchte und Wirkungen dieses Opfers zu befähigen. Das Salz machte nicht das Opfer aus, aber es durfte bei keinem Opfer fehlen. Es konnte in der Tat nicht fehlen bei dem, was von Gott war. Wir müssen uns daran erinnern, dass der wesentliche und unterscheidende Charakter des Speisopfers, wie des Brandopfers der war, dass es Gott dargebracht wurde. Das konnte von Adam nicht gesagt werden. IN seinem Stande der Unschuld erfreute er sich Gotte. Er dankte Ihm dafür oder hätte es wenigsten tun sollen. Aber es gab in seinem Falle nur Freude oder Genuss und Dankbarkeit. Er konnte sich nicht selbst Gott als Opfer darbringen. Das aber war das Wesen des Lebens Christi. Es wurde Gott dargebracht, und deshalb war es abgesondert, ganz und gar abgesondert von allem, was es umgab. Christus war heilig, nicht nur unschuldig, denn Unschuld ist das Nichtvorhandsein des Bösen, die Unkenntnis betreffs des Bösen, nicht aber die Absonderung von dem Bösen. Gott ist heilig. Er kennt das Gute und das Böse, aber Er ist unendlich über das Böse erhaben, völlig von Ihm abgesondert. Christus war heilig, ich widerhole es, nicht nur unschuldig, sondern heilig. Sein Wille war ganz und gar Gott geweiht. Er war abgesondert von dem Bösen und lebte in der Kraft des Heiligen Geistes.

 

 

 

Die wesentlichen Bestandteile des Speisopfers waren also Feinmehl, Öl und Weihrauch, die Sinnbilder der menschlichen Natur, des Heiligen Geistes und des Wohlgeruchs der Gnade. Sauerteig und Honig waren ausgeschlossen. Was die Art der Zubereitung betrifft, so mengte man den Kuchen mit Öl und salbte ihn mit dem Öl. Überdies durfte bei keinem Opfer das Salz des Bundes Gottes fehlen. Letzteres wird hier deshalb besonders erwähnt, weil man hätte denken können, dass bei dem, was die Gnade der menschlichen Natur Christi betraf, was den Menschen anging, (einen Menschen, der sich selbst Gott opferte, nicht im Tode, sondern im Leben,) das Salz, diese göttliche, erhaltende Kraft, hätte fehlen können, oder mit anderen Worten, dass es sich hier nur um die Handlung eines Menschen als solchen handle. – Noch einmal denn: das Wesentliche geopferte, dass es zum lieblichen Geruch verbrannt und aus den drei obengenannten Dingen hergestellt werden musste, aus Feinmehl, Öl und Weihrauch.

Das Dank- oder Friedensopfer

Wir kommen jetzt zu dem Dank- oder Friedensopfer. Es ist das Vorbild der Gemeinschaft der Heiligen mit Gott, gemäss der Wirksamkeit des Opfers, sowie ihrer Gemeinschaft mit dem Priester, der es für uns dargebracht hat, und mit der ganzen Kirche Gottes. Das Friedensopfer kommt nach denjenigen Opfern, die uns den Herrn Jesus in Seiner Dahingabe in den Tod (Brandopfer) und in Seiner Dahingabe und Gnade im Leben, aber bis zum Tode und zur Feuerprobe (Speisopfer) darstellen. Wir sollen dadurch verstehen, dass die Gemeinschaft mit Gott einzig und allein auf die vollkommene Annehmlichkeit und den Wohlgeruch dieses Opfers gegründet ist, und zwar nicht nur weil das Opfer nötig war, sondern weil Gott Seine Wonne daran fand.

Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, dass, wenn ein Sünder Gott nahen wollte, das Sündopfer zuerst kam, denn die Sünde muss getragen und hinweg getan sein, soll anders der Sünder fähig sein, vor Gott hinzutreten. War er aber so gereinigt und rein, so nahte er kraft des Wohlgeruchs der Opfergabe Gottes, d.h. kraft der vollkommene Annehmlichkeit Christi, der, keine Sünde kennend, sich in einer Welt der Sünde Gott geweiht hat, um Ihn vollkommen zu verherrlichen. Er gab Sein Leben hin, damit auch alles das, was Gott im Gericht war, verherrlicht werden möchte, und zwar durch den Menschen in der Person Christi, und damit so eine unendliche Gunst auf diejenigen käme, die durch Ihn Gott nahen würden. „Darum leibt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich es wiedernehme.“ (Joh. 10,17.) Der Herr sagt hier nicht: „weil ich mein Leben für die Versammlung lasse“, - das wäre eher das Sündopfer, - sondern Er redet von der Kostbarkeit Seines Werkes und dem Seiner Tat innewohnenden Wert, denn in dieser Tat hat der Mensch (Christus) alle Vollkommenheit erfüllt. Die ganze Wahrheit und Liebe Gottes, samt Seiner Gerechtigkeit wider die Sünde, wurden in dem Menschen, in Jesu Christo, vollkommen verherrlicht. „Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in Ihm.“ (Joh. 13,31.) „Denn da ja durch einen Menschen der Tot kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.“ (1. Kor. 15,21) Das Böse, das Satan hervorgerufen hat, ist weit mehr als wieder gut gemacht worden, und zwar auf demselben Schauplatz, auf den er das Verderben gebracht hatte, und durch dasselbe Werkzeug, durch das er es gebracht hatte; durch den Menschen. Wenn Gott einerseits im Menschen und durch den Menschen verunehrt worden ist, so ist Er anderseits in gewissem Sinne (in der Person Jesu) des Menschen Schuldner geworden im Blick auf Seine höchste und ausgezeichnetste Verherrlichung. Denn ist auch alles in einer Hinsicht nur ein freies Geflecht Gottes an uns, so ist es doch zugleich der Mensch gewordene Christus, der das Werk vollbracht hat. Alles was Christus war, und alles was Er getan hat, war Gott unendlich angenehm, und hier finden wir die Grundlage für unsere Gemeinschaft, nicht aber im Sündenopfer. Daher folgt auch das Friedensopfer unmittelbar auf das Brandopfer und Speisopfer, obwohl, wie schon bemerkt, das Sündopfer in erster Linie steht, sobald es sich um die Anwendung des Opfers auf den Mensch handelt.

Das erste, was beim Friedensopfer geschehen musste, war die Darstellung und das Schlachten des Opfers an der Tür des Zeltes der Zusammenkunft, sowie das Springen des Blutes, mit anderen Worten das, was die Grundlage jedes tierischen Opfers ausmacht. Der, welcher das Opfer darbrachte, machte sich eins mit ihm, indem er seine Hände auf den Kopf des Opfertiers legte.*)

 


*) Eine Ausnahme von dieser Regel bildeten das Sündopfer am grossen Versöhnungstage und die rote Kuh (3.Mose 16; 4.Mose 19.)Allein diese Ausnahmen bestätigen nur den grossen Grundsatz oder dienen zur Klarstellung einzelner seiner Teile.

Hernach wurde alles Fett, ganz besonders das der inneren Teile, auf dem Brandopferaltar vor Jehova verbrannt. Das Blut und das Fett zu essen war verboten. Das Blut war das Leben und gehörte Gott, denn das Leben kam von Ihm. Das Fett wird in der Schrift häufig als Sinnbild gebraucht. So lesen wir z.B.: „Ihr Herz ist dick geworden wie Fett“. „Da ward Jeschurun fett und schlug aus.“ „Ihr fettes Herz (Eig. Ihr Fett) verschliessen sie, mit ihrem Munde reden sie stolz.“ (Ps. 119,70; 5.Mose 32,15; Ps. 17,10.) Das Fett ist das Sinnbild der Energie und Kraft des Willens, des Inneren des menschlichen Herzens. Wenn daher Christus Seiner gänzlichen Entäusserung und Erniedrigung Ausdruck geben will, so sagt Er: „Alle meine Gebeine könnte ich zählen“, und in Ps. 102,5: „Ob der Stimme meines Seufzens klebt mein Gebein an meinem Fleische“.

In Jesu war indes alles, was an Energie und Kraft in der Natur vorhanden war, Sein ganzes Inneres, ein Brandopfer für Gott, das völlig als ein Opfer leiblichen Geruchs Gott dargebracht wurde. Es war Gottes Anteil an dem Opfer, „eine Speise des Feueropfers dem Jehova“. Jehova fand Seine Wonne daran. Seine Seele ruhte darin, denn es war etwas sehr Gutes: gut inmitten des Bösen, gut wegen der Energie der Hingabe an Ihn, gut wegen des vollkommenen Gehorsams. Wenn das Auge Gottes, gleich der Taube Noahs, über diese Erde hinblickte, konnte es auf nichts mit Wohlgefallen ruhen, bis Jesus auf sie herabstieg. Auf Ihn konnte das Vaterauge mit Wonne blicken. Welches auch die Ratschlüsse des Himmels sein mochten, er bleib dennoch, was den Ausdruck seines Wohlgefallens betraf, so lange verschlossen, bis Jesus auf die Erde kam: Er, der zweite Mensch, Vollkommene, der heilige, der da kam, um sich Gott zu opfern, um Seinen Willen zu tun. In demselben Augenblick, da Jesus sich anschickte, Seinen öffentl ichen Dienst anzutreten, öffnete sich der Himmel.

Der Heilige Geist kam hernieder, um auf Ihm, dem einzigen Ort, wo Er hienieden eine Ruhestätte finden konnte, zu bleiben, und die Stimme des Vaters, die jetzt nichts mehr zurückzuhalten vermochte, bezeugte vom Himmel her: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe“. Sollte dieser Gegenstand, der zu gross, zu kostbar war, als dass der Himmel und die Liebe des Vaters hätten schweigen können, irgend etwas von seiner Vortrefflichkeit und seinem Wohlgeruch in einer Welt der Sünde einbüssen? Weit entfernt davon! Im Gegenteil sollte gerade Seine ganze Kostbarkeit erprobt und erwiesen werden.

Wenn Jesus durch das, was Er litt, den Gehorsam lernte, so war es wahr von Ihm, dass jede Regung Seines Herzens Gott geweiht war. Er wandelte in der Gemeinschaft Seines Vaters und ehrte Ihn in allem, im Leben und im Tode. Jehova fand an Ihm Seine beständige Wonne, und am allermeisten dann, als Er Sein Leben liess. Da offenbarte sich „die Speise des Opfers“

So viel über den grossen Grundsatz des Friedensopfers; aber dann wird uns der Anteil gezeigt, den unsere Seelen an diesem allem haben. Das Fett wurde als ein Brandopfer auf dem Altar verbrannt, zum Ausdruck dessen, dass jene Widmung Christi für Gott völlig erprobt worden ist und sich bis zum äussersten als vollkommen erwiesen hat. – Aus dem „Gesetz“ des Friedensopfers (Kap. 7) ersehen wir, dass der Rest des Opfertieres gegessen werden musste. Die Brust war für Aaron und seine Söhne, die vorbildlich die ganze Kirche oder Versammlung Gottes darstellten. Der rechte Schenkel war für den Priester, der die Sprengung des Blutes vollzog, ein besonderes Vorbild von Christo als opferndem Priester droben. Was von dem Tiere übrigblieb, wurde von dem gegessen, der es darbrachte, und von seinen Geladenen. Auf diese Weise bestand eine Einsmachung

 

 

 

Und Gemeinschaft mit der Herrlichkeit und dem Wohlgefallen, ja, mit der Wonne Dessen, dem das Opfer dargebracht wurde, ferner mit dem Priestertum und dem Altar, den Werkzeugen und Mitteln zur Darbringung des Opfers.

Ein ähnliches Verfahren gab es auch unter den Heiden. Daher die Beweisführung des Apostels hinsichtlich des den Götzen Geopferten in 1. Kor. 10. Wenn er in dieser Stelle vom Abendmahl des Herrn redet, dessen Bedeutung mit dem uns beschäftigenden Vorbilde in inniger Verbindung steht, so sagt er: „Sehet auf Israel nach dem Fleische. Sind nicht die, welche die Schlachtopfer essen, in Gemeinschaft mit dem Altar? (V. 18.) Dieser Grundsatz war so wahr, dass in der Wüste (wo dies ausführbar war) niemand das Fleisch irgendeines Tieres essen durfte, es sei denn dass er es vorher als Gabe vor das Zelt der Zusammenkunft gebracht hatte. Eine ähnliche, zur Aufrechterhaltung des Grundsatzes notwendige Verordnung wurde im Lande Kanaan gegeben. Was uns Christen betrifft, so sollten wir im Namen des Herrn Jesus essen, indem wir unsere Opfer des Lobes, d. i. die Frucht der Lippen, die Seinen Namen bekennen, darbringen und auf diese Weise alles, woran wir teil haben, wie auch uns selbst Gott weihen, in Gemeinschaft mit dem Geber und mit Demjenigen, der uns in dem Genuss des uns Gegebenen erhält. Indes handelt es in unserem Kapitel um ein Opfer im eigentlichen Sinne.

So ist denn die Darbringung Christi als Brandopfer Gott höchst angenehm: Er findet Seine Wonne daran, Seine Seele erfreut und erquickt sich an diesem duftenden Wohlgeruch. Die Anbeter

Nun, die gleichsam vor dem Herrn, an Seinem Tische, Platz nehmen, nahen auch Kraft dieses vollkommenen Opfers nähren sich von Ihm. Sie haben vollkommene Gemeinschaft mit Gott an der derselben Freude über das Opfer Jesu, ja, an Jesu selbst, der sich also geopfert hat. Sie besitzen mit Gott denselben Gegenstand der Freude, sie geniessen eine gemeinsame ge-

 

 

Segnete Freude an dem herrlichen Erlösungswerke, das Jesus vollbracht hat. Gleichwie Eltern sich gemeinschaftlich an ihren Kindern erfreuen, eine Freude, die noch durch das gegenseitige Interesse an ihnen erhöht wird, haben auch die Anbeter, die mit dem Geiste erfüllt und durch Christum erkauft sind, die nämlich Gefühle wie der Vater hinsichtlich der Kostbarkeit Christi. Sie erfreuen sich mit Gott an der Vortrefflichkeit dieses vollkommenen Opfers. Und sollte der Priester, der alles dieses zuwege gebracht hat, allein ausgeschlossen sein von dieser Freude? Nein. Auch Er hat Seinen Teil daran. Er, der das Opfer dargebracht hat, nimmt mit teil an der Freude der Erlösung, und die ganze Versammlung soll daran teilnehmen.

Jesus findet also als Priester Sein Wohlgefallen an der Freude dieser Gemeinschaft, die ER selbst zwischen Gott und Seinem Volke (den Anbetern) zuwege gebracht hat, und deren Gegenstand Er ist. Denn worin besteht die Freude eines Erlösers, wenn nicht in der Freude, in der Gemeinschaft und dem Glück seiner Erlösten? Das ist also der wahre Gottesdienst der Heiligen. Er besteht darin, dass man sich gemeinsam in Gott freut, kraft der Erlösung und der Dahingabe Jesu, dass man dieselben Gefühle mit Gott teilt, indem man sich mit Ihm an der Kostbarkeit des reinen, fleckenlosen Lammes erfreut, das sich selbst aufgeopfert, das uns erkauft, versöhnt und in dieser Gemeinschaft gebracht hat und uns nun auch die Zuversicht gibt, dass die Freude, die wir geniessen, die Freude Jesu selbst ist, ihres Urhebers und Mitteilers.

Diese Freude der Anbetung gehört notwendigerweise der Gesamtheit der Erkauften an, als in den himmlischen Örtern betrachtet, mögen sie uns nun schon vorangegangen sein oder noch hienieden im Leibe wallen. Denn Aaron und seine Söhne mussten auch ihren Anteil haben, uns sie sind stets das Vorbild der Versammlung Gottes, als ein Ganzes, ein Körper, betrachtet, dessen Glieder alle-

 

 

 

Samt das Recht haben, in die himmlischen Örter einzugehen und Weihrauch darzubringen, da sie zu Priestern Gottes gemacht sind. Denn die Stiftshütte mit allen ihren Verordnungen war das Muster der himmlischen Dinge, und diejenigen, welche die Kirche oder Versammlung Gottes ausmachen, bilden auch die Gesamtheit, die Körperschaft der himmlischen Priester Gottes. Jeder wahre Gottesdienst kann deshalb nicht von der ganzen Körperschaft der wahren Gläubigen getrennt werden. Ich kann nicht in Wirklichkeit mit einem Opfer der Hütte Gottes nahen, ohne daselbst auch die Priester der Hütte zu finden. Ohne den Hohenpriester ist alles eitel, denn was haben wir ohne Jesum? Ihn aber kann ich nicht finden, als nur in Verbindung mit Seinem Leibe, Seinem geoffenbarten Volke. Gott hat überdies Seine Priester, und ich kann nur auf dem von Ihm vorgeschriebenen Wege nahen, in Verbindung mit und in Anerkennung von allen denen, die der Hut Seines Hauses warten, d. i. der ganzen Körperschaft derer, die in Christo geheiligt sind. Alles was nicht mit diesem Geist in Übereinstimmung ist, steht im Widerspruch mit der Verordnung Gottes und ist kein wahres, der Einsetzung Gottes entsprechendes Friedensopfer.

Es bleibt uns noch übrig, auf einige andere Einzelheiten einzugehen. Zunächst konnten nur diejenigen, die rein waren, an dem Opfermahle teilnehmen. Wir wissen, dass heute die sittliche Reinigung an die Stelle der zeremoniellen getreten ist: „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe“. (Joh. 15,3.) „Gott machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, indem Er durch den Glauben ihre Herzen reinigte.“ (Apostgsch. 15,9) Damals waren es die Israeliten, die teil hatten an den Friedensopfern, und wenn ein Israelit unrein war durch irgend etwas, was ihn nach dem Gesetz Gottes verunreinigte, so konnte er, so lange seine Verunreinigung dauerte, nicht von dem Opfer essen. So sind es heute auch nur die Christen, (deren Herzen durch den Glauben gereinigt sind, indem sie das Wort mit Freuden

 

Aufgenommen haben,) die wirklich vor Gott anbeten und an der Gemeinschaft der Heiligen teilnehmen können. Ist das Herz verunreinigt, so ist die Gemeinschaft unterbrochen. Niemand, der offenbar verunreinigt ist, hat das Recht, an dem Gottesdienst und der Gemeinschaft der Versammlung Gottes teilzunehmen. Der Leser wolle beachten, dass „kein Israelit sein“ oder „nicht rein sein“ zwei verschiedene Dinge waren. Wer kein Israelit war, hatte niemals an den Friedensopfern teil. Nie durfte er sich dem Zelte der Zusammenkunft nahen. „Nicht rein sein“ bewies aber nicht, dass jemand kein Israelit war. Im Gegenteil, die Zucht, von der wir reden, fand nur auf Israeliten ihre Anwendung. Aber die Verunreinigung machte ihn unfähig, sich mit denen, die rein waren, an den Vorrechten der Gemeinschaft zu beteiligen, weil die Friedensopfer, obwohl die Anbeter teil daran hatten, dem Herrn gehörten. (Kap. 7,20. 21.) Wer unrein war, sah sich dieses Anrechts beraubt. Die wahrhaftigen Anbeter nun müssen „den Vater in Geist und Wahrheit anbeten; denn auch der Vater sucht solche als Seine Anbeter“. (Joh. 4,23.) Wenn aber der Geist es ist, der die Anbetung und die Gemeinschaft bewirkt, so ist es klar, dass nur diejenigen daran teilnehmen können, die den Geist Christi besitzen und Ihn nicht betrübt haben, die durch den Geist ist, unmöglich gemacht.

Es gab allerding in Verbindung mit dem Friedensopfer eine Verordnung, die dem eben Gesagten zu widersprechen scheint, in Wirklichkeit aber den Gegenstand nur um so schärfer beleuchtet. Man musste nämlich mit den Gaben, die dieses Opfer begleiten, gesäuerte Brote darbringen. (Kap 7,13.) Denn wenn auch das, was unrein ist oder vielmehr was als solches erkannt werden kann, fern bleiben muss, so gibt es doch immer eine Beimischung von Bösem in unserer Anbetung. Der Sauerteig ist da, denn der Mensch kann nicht ohne Sauer-

 

 

 


teig sein. Es mag verhältnismässig wenig vorhanden sein, wie es der Fall sein wird, wenn der Geist nicht betrübt ist. Aber wo irgend der Mensch ist, da ist auch Sauerteig. – Neben den gesäuerten Broten gab es auch ungesäuerte Kuchen, denn Christus ist da, und der Geist Christi ist in uns, in denen sich Sauerteig vorfindet, weil wir Menschen sind.

Mit jener gottesdienstlichen Handlung war dann noch eine andere wichtige Verordnung verknüpft. War nämlich das Friedensopfer ein Gelübde oder eine freiwillige Gabe, so durfte das Fleisch des Opfertiers noch am zweiten Tage, nachdem man das Fett, die Speise Jehovas, verbrannt hatte, gegessen werden. Handelte es sich dagegen um ein Dankopfer, so musste das Fleisch an demselben Tage gegessen werden, an dem man das Opfer darbrachte: „er soll nichts davon liegen lassen bis an den Morgen“. Hierdurch wurden die Reinheit der Anbeter und die Darbringung des Fettes vor Gott eng miteinander verbunden. So ist es denn auch unmöglich, wahre geistliche Anbetung und wahre Gemeinschaft von der vollkommenen Hingabe Christi an Gott zu trennen. Sobald wir diese aus dem Auge verlieren, sobald unsere Anbetung sich von dem Opfer trennt, von seiner Wirksamkeit und von dem Bewusstsein, wie vollkommen wohlgefällig Jesus vor dem Vater ist, wird sie fleischlich. Sie wird zu einer Form oder dient zur Befriedigung des Fleisches. Wenn das Friedensopfer nicht in Verbindung mit der Darbringung des Fettes gegessen wurde, so war es ein bloss fleischliches Fest, oder eine blosse Form des Gottesdienstes, die nicht mit dem Gegenstand der Wonne und des Wohlgefallens Gottes gemein hatte. Eine solche Handlung war nicht nur nicht wohlgefällig vor Gott, sondern geradezu gottlos.

Wenn der Heilige Geis uns zu einer wahren geistlichen Anbetung anleitet, so führt Er uns in die Gemeinschaft mit Gott, in die Gegenwart Gottes ein; und dann wird ganz naturgemäss der unendliche Wert, den

 

 

Das Opfer Seines Sohnes für Gott hat, unserem Geiste gegenwärtig. Wir nehmen teil an der Wertschätzung dieses Opfers. Sie bildet einen unzertrennlichen und unerlässlichen Teil unserer Gemeinschaft und unseres Gottesdienstes. Wir können unmöglich n der Gegenwart und Gemeinschaft Gottes sein, ohne dieses Opfer dort zu finden. Es ist ja die Grundlage unserer Annahme bei Gott und unserer Gemeinschaft ihn Ihm. Verlieren wir das aus dem Auge, so  wird unser Gottesdienst fleischlich, die Gebete werden zu einer blossen Form, zu dem, was man zuweilen eine „Gebetsgabe“ nennen hört, und was könnte betrübender sein als das? Anstatt durch die Salbung des Heiligen Geistes der Ausdruck der Gemeinschaft zu sein und unsere Bedürfnisse und Wünsche kundzugeben, bestehen die Gebete aus einer fleissenden Aufzählung bekannter Wahrheiten und Grundsätze. Das Singen der Lieder wird zu einer blossen Befriedigung für das Ohr. Man erfreut sich an der lieblichen Melodie und schwelgt in den schönen Worten. Alles wird zu einer äusseren Form. Anstatt die Gemeinschaft im Geist zu sein, ist es das Fleisch in einer neuen Form, und ich brauche kam zu sagen, dass das durchaus böse ist. Einen solchen Gottesdienst kann der Geist Gottes nicht anerkennen. Er ist nicht im Gies und in der Wahrheit, sondern wird u einer Sünde.

Es gab, wie schon angedeutet, einen Unterschied in dem Werte der verschiedenen Arten des Friedensopfers: War es ein Gelübde, so konnte es noch am zweiten Tage gegessen werden. War es ein Dankopfer, nur am Tage seiner Darbringung. Dies stellt uns im Vorbilde zwei verschiedene Stufen geistlicher Kraft dar. Wenn unser Gottesdienst das Ergebnis einer einfältigen und ungeheuchelten Ergebenheit ist, so kann er länger andauern und annehmlich sein, weil wir, mit dem Geist erfüllt, in wahrer Gemeinschaft dastehen. Der Wohlgeruch unseres Opfers bleibt auf dieser Wiese länger vor Gott erhalten, der an der Freude Seines Volkes teilnimmt. Denn die

 

 

 

Kraft des Geistes erhält, in der Gemeinschaft, Seine eigene Freude in den Seinigen vor Gott annehmlich. Ist dagegen die Anbetung die natürliche Folge schon empfangener Segnungen, so ist sie Gott wohl auch annehmlich, (denn wir sind Ihm stets Dank schuldig,) aber sie ist nicht die Frucht derselben Energie der Gemeinschaft. Die Danksagung wird Gott ohne Zweifel in Seiner Gemeinschaft dargebracht, aber mit der Danksagung hört auch die Gemeinschaft auf.

Auch ist zu beachten, dass wir beim Gottesdienst im Geist anfangen und im Fleisch vollenden können. Wenn ich z. B. länger singe, als der Geist es bewirkt, was nur zu häufig geschieht, so wird mein  Singen, das im Anfang eine wahre Herzensmelodie zur Ehre des Herrn war, in angenehmen Gedanken und Empfindungen, in blosser Musik, d. h. also im Fleisch endigen. Diesen Wechsel wird die geistliche Seele, der einsichtsvolle Anbeter, alsbald empfinden. Durch einen solch fleischlichen Gottesdienst wird die Seele immer geschwächt, und sie gewöhnt sich gar schnell an geistliche Schwäche, und dann wird sehr bald durch die Macht des Feindes das Böse inmitten der Anbeter eindringen. Möge der Herr uns nahe bei sich erhalten, damit wir in Seiner Gegenwart alles beurteilen, denn ausserhalb derselben sind wir zu jedem geistlichen Urteil unfähig.

Der Ausdruck in Kap 7,20: „das Jehova gehört“, ist unserer ersten Beachtung wert. Der Gottesdienst, das was bei ihm in unseren Herzen vorgeht, ist für Gott. Es gehört nicht uns, sondern dem Herrn. Der Herr hat es zu unserer Freude in unsere Herzen gelegt, damit wir teil haben möchten an dem Opfer Christi, an Seiner eigenen Freude an Christo. Sobald wir den Gottesdienst uns zueigen, entweihen wir ihn. Deshalb musste das von dem Opfertier Übriggebliebene mit Feuer verbrannt werden, und aus demselben Grunde durfte nichts Unreines sich daran beteiligen. Eben deshalb war es auch nötig, das Fleisch in Verbindung mit

 

 

dem Verbrennen des Fettes für Jehova zu essen, damit es wirklich Christus in uns sei, und mithin eine wahre Gemeinschaft mit Gott, die Darbringung Christi (von dem unsere Seelen sich nähren) vor Gott.

Vergessen wir nie, dass unser ganzer Gottesdienst Gott gehört, dass er der Ausdruck der Vortrefflichkeit Christi in uns ist, und dementsprechend unsere Freude vor Gott durch einen und denselben Geist. Christus im Vater, wir in Ihm und Er in uns, das ist die wunderbare Kette der Vereinigung, die ebensowohl in der Gnade wie in Gnade wie in der Herrlichkeit besteht. Unser Gottesdienst ist der Ausdruck und Ausfluss dessen, was unsere Herzen durch Christum erfüllt und erfreut. So sagt denn auch der Herr, wenn Er in dieser Hinsicht in unserer Mitte Seinen Dienst verrichtet: „Verkündigen will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der Versammlung will ich dich loben“. (Ps. 22,22, Hebr. 2,12.) Möchten unsere Stimmen und unsere Herzen hierin nur immer unserem himmlischen Führer folgen! Wahrlich, Er wird unsere Lobgesange richtig anleiten und so, wie es dem Vater wohlgefällt. Und wie wird das Ohr des Vaters aufmerken, wenn Er diese für Ihn so kostbare Stimme uns leiten hört! Welch eine vollkommene und tiefe Erkenntnis dessen, was vor Gott wohlannehmlich ist, muss Derjenige haben, der in dem Erlösungswerk alles nach den Gedanken Gottes ausgeführt hat! Der Sinn Christi ist der Ausdruck von alledem, was dem Vater angenehm ist, und Er unterweist uns in diesen Dingen, damit wir, obwohl schwach und unvollkommen, ebenso wohlgefällig seien wie Er. „Wir haben Christi Sinn.“

„die Frucht der Lippen“ (Hebr. 13,15; Hos. 14,2) ist der Ausdruck desselben Geistes, durch den wir „unsere Leiber als ei lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer darstellen“, indem wir prüfen, was „der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“. Das ist unser Gottesdienst, das unser Dienst, den unser Dienst sollte in gewisser Hinsicht unser Gottesdienst sein.

 

Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass unter den Anweisungen bezüglich des Friedensopfers sich auch das Gebot findet, weder von dem Fett noch von dem Blut zu essen. Dieses Gebot hat hier offenbar deshalb eine Stelle gefunden, weil von den Friedensopfern ein grosser Teil durch die Anbeter gegessen wurde. Seine Bedeutung erhellt aus dem bereits Gesagten zur Genüge: das Leben und die inneren Kräfte des Herzens gehörten ganz und gar Gott. Das Leben gehörte Gott und musste Ihm geweiht werden. Einem anderen Geschöpf das Leben zu nehmen, war ein an den Rechten Gottes begangener Hochverrat. Gerade so war es mit dem Fett. Indem es nicht gewöhnliche Verrichtungen (wie die Bewegung eines Gliedes oder dergleichen, sonder die Energie des ganzen inneren Menschen) kennzeichnete, gehörte es ausschliesslich Gott. Christus allein hat sich Gott so geweiht, weil Er allein Gott alles das geopfert hat, was Ihm gebührte, und deshalb stellt auch das Verbrennen des Fettes bei diesen und anderen Opfern Seine Selbstaufopferung als einen lieblichen Geruch für Gott dar. Aber es ist nicht weniger wahr, dass alles Gott gehörte und noch gehört. Der Mensch konnte es sich nicht zu seinem Gebrauch aneignen. Nur in dem Falle, wo ein Tier von selbst starb oder zerrissen wurde, konnte man sich des Fettes bedienen. So oft aber ein Mensch einem Tiere mit Absicht das Leben nahm, musste er die Rechte Gottes anerkennen und seinen Willen dem Willen Gottes unterordnen als Dem, der allen Ansprüche an diesem Leben besass.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Sünd- und Schuldopfer

Die Sünd- und Schuldopfer waren, wie bereits bemerkt, keine Opfer „lieblichen Geruchs“. Ihrem Grundsatz nach sind sie einander ähnlich, in ihrem Charakter und ihren Einzelheiten aber voneinander verschieden. Wir werden von diesem Unterschiede noch reden. Zunächst jedoch ist ein sehr wichtiger Grundsatz zu beachten. In den Opfern, die wir bisher betrachtet haben, den Opfern lieblichen Geruchs, sahen wird den Opfernden eins gemacht mit dem Opfer. Diese Einsmachung fand ihren Ausdruck in dem Legen der Hände des Anbeters auf den Kopf des Opfertiers. Der Opfernde – sei es nun Christus selbst, oder ein Mensch, der durch den Geist Christi geleitet und so mit Ihm vor Gott eins gemacht wurde – kam freiwillig und fand sich auf diese Weise, als Anbeter, mit der Annehmlichkeit seines Opfers, das Gott vollkommen angenehm war, eins gemacht.

Bei dem Sündopfer begegnen wir zwar auch demselben Grundsatz der Einsmachung mit dem Opfer vermittelst des Händeauflegens. Allein der Opfernde nahte nicht als Anbeter, sondern als Sünder, nicht als rein, um sich der Gemeinschaft mit Gott zu erfreuen, sondern als schuldig und befleckt. Und statt dass der Opfernde mit der Annehmlichkeit des Gottwohlgefälligen Opfers eins gemacht worden wäre, (obgleich das nachher auch wahr wurde,) wurde das Opfertier mit seiner Sünde und Befleckung eins gemacht: es wurde an seiner Statt zur Sünde gemacht und dementsprechend behandelt. Das war voll und ganz der Fall, wenn es sich einfach um ein Sündopfer handelte. Ich habe oben hinzugefügt: „obgleich das nachher auch wahr wurde“, weil bei mehreren Sündopfern ein gewisser Teil des Opferdienstes sie mit der Annahme Christi, des vor Gott stets Wohlgefälligen, eins machte – eine Annahme, die

 

 

 

In Ihm, der in Seiner Person den Wert und die Kraft aller Opfer vereinigte, nie völlig aus dem Auge verloren werden konnte.

Die Unterscheidung zwischen der Einsmachung des Opfers mit der Sünde des Schuldigen und der Einsmachung des Anbeters mit dem vor Gott angenehmen Opfer lässt sehr klar den Unterschied zwischen den Opfern überhaupt hervortreten und zeigt uns auch die beiden Seiten des Werkes Christi.

Ich komme jetzt zu den Einzelheiten. Es gab vier gewöhnliche Klassen von Sünd- und Schuldopfern, und ausserdem zwei äusserst wichtige besondere Opfer, von denen wir später reden werden. Die erste Klasse umfasste die Sünden, die das natürliche Gewissen verletzten (Kap. 4); die zweite (bis zum 13. Verse des 5. Kapitels) diejenigen Dinge, die infolge der Satzungen Jehovas zur Sünde wurden, wie z. B. Verunreinigungen, durch die ein Anbeter unfähig wurde, Gott zu nahen, und andere Dinge. Diese Klasse hatte einen gemischten Charakter. Es wird gesprochen von Sünd- und Schuldopfern. Die dritte Klasse (vom 14.-19. Verse des 5. Kapitels) begriff die Vergehen in sich, die an den dem Herrn geheiligten Dingen begangen wurden; die viere endlich (Kap. 5,21-26) Vergehungen gegen den Nächsten durch Vertrauensbruch und dergleichen. Den beiden anderen bemerkenswerten Beispielen von einem Sündopfer begegnen wir am grossen Versöhnungstage (3. Mose 16) und in dem Opfer der roten Kuh (4. Mose 19) Sie erfordern eine besondere Betrachtung.

Die das Opfer begleitenden Umstände waren ganz einfach. Es liegt auf der Hand, dass wenn das gesamte Volk oder der Hohepriester gesündigt hatte, jede Gemeinschaft mit Gott unterbrochen war. Es handelte sich dann nur um die Wiederherstellung einer einzelnen Person, sondern um die Wiederherstellung der Gemeinschaft zwischen Gott und dem ganzen Volke. Auch stand nicht die Bildung einer Beziehung, eines Verhältnisses

 

 

zu Gott in Frage, - das geschah am grossen Versöhnungstage, - sondern es handelte sich um die Wiederanknüpfung einer unterbrochenen Gemeinschaft. Deshalb wurde das Blut siebenmal vor dem Vorhang gesprengt, um so eine vollkommene Wiederherstellung jener Gemeinschaft zu vermitteln. Ebenso tat man das Blut an die Hörner des goldenen Räucheraltars. Im Falle einer persönliche Sünde war diese Gemeinschaft im Allgemeinen nicht unterbrochen, sondern nur der einzelne, der die Sünde beging, verlor den Genuss der Gemeinschaft. Das Blut wurde deshalb nicht an den Altar des wohlriechenden Räucherwerks ( im Heiligtum) gesprengt, wohin nur der Priester nahen konnte, sondern an den Brandopferaltar (im Vorhof), wo der einzelne Israelit Zutritt hatte. Die Wirkung des Sündopfers Christi ist notwendig für jede Sünde, wie es denn auch ein für allemal für jede Sünde vollbracht worden ist, aber die Gemeinschaft der Körperschaft oder der Gesamtheit der Anbeter wird durch die Sünde des einzelnen, obwohl beeinträchtigt, so doch nicht unterbrochen. Sobald jedoch die Süde bekannt ist, muss Sühnung für den geschehen, der sie begangen hat. Wir wissen, dass der Herr zuweilen die ganze Versammlung straft, wenn die Sünde eines einzelnen verborgen bleibt. So sagt Er z. B. in dem Falle Achans: „Israel hat gesündigt“. Aber sobald die Sünde bekannt war, wurde Achan allein bestraft, und der Segen kehrte auf die Gemeinde zurück, wenn auch unter viel grösseren Schwierigkeiten als vorher. Tatsache ist, dass der Herr, der in der Kirche die allgemeine Regierung mit dem Gericht über den einzelnen zu vereinigen weiss, wenn im allgemeinen Treue vorhanden ist, das Böse, das bei einer einzelnen Person sich findet, offenbar macht oder es nicht erlaubt (was noch viel besser ist), und dass Er anderseits die Sünde des einzelnen benutzen kann, um den ganzen Körper zu züchtigen. Es scheint mir sogar, dass in dem angeführten Falle, obgleich die Veranlassung zur Züchtigung in der Sünde Achans ans Licht trat, Israel doch

 

Vertrauen auf einen fleischlichen Arm gezeigt hatte, und Gott hielt es für gut, Israel zu züchtigen, um ihm die Eitelkeit dieses Vertrauens vor Augen zu stellen, gerade so wie die Kraft Jehovas sich vor Jericho als völlig hinreichend geoffenbart hatte, um den Feind zu besiegen.

Doch wie dem auch sei, jedenfalls geht aus den Einzelheiten dieser Opfer für die Sünde klar hervor, dass Gott stets Kenntnis von der Sünde nimmt. Er kann sie vergeben, aber Er kann sie nicht übersehen. Eine Sünde die dem Menschen selbst verborgen ist, ist deshalb nicht verborgen vor Gott, denn aus welchem anderen Grunde bleibt sie dem Schuldigen verborgen, als nur deshalb, weil sein geistliches Verständnis durch die Sünde und durch die Nachlässigkeit, die eine Folge der Sünde ist, verdunkelt wird? Gott richtet die Sünde nicht dem gemäss, was dem Menschen geziemt, sondern was Ihm geziemt. Jehova wohnte in der Mitte Israels, und deshalb musste Israel gerichtet werden nach dem, was der Gegenwart Gottes geziemte. Unsere Vorrechte sind stets der Massstab unserer Verantwortlichkeit. Die Menschen lassen in ihre Gesellschaft nur solche zu, die sie dafür würdig erachten. Sie gestatten keinem verdorbenen Menschen den Zutritt, indem sie dessen Bosheit entschuldigen und zudecken, und sie tun dies, weil es ihren Gewohnheiten und ihrem Stande entspricht, so zu handeln. Sollte nun Gott allein Seine Gegenwart dadurch entweihen müssen, dass Er anders handelt? Sollte all das böse, in das der Mensch durch seine Verderbtheit gebracht werden kann, allein in der Gegenwart Gottes Entschuldigung und Billigung finden? Nein. Wenn Gott uns glücklich machen will in Seiner Gegenwart, so muss Er notwendigerweise das Böse richten, ja, alles Böse, und zwar gemäss der Heiligkeit Seiner Gegenwart, d. h. Er muss es völlig von dieser Gegenwart ausschliessen. Wenn die sittliche Torheit, die eine Folge der Sünde ist, uns unfähig macht, das Böse in uns zu entdecken, ist das dann ein Grund für Gott, es auch zu übersehen? Muss Er blind werden, weil

 

die Sünde uns blind gemacht hat? Soll Er sich selbst entehren, soll Er andere unglücklich und jede heilige Freude, selbst in Seiner Gegenwart, unmöglich machen, um so das Böse ungestraft hingehen lassen zu können? Unmöglich! Nein, jede Sünde wird gerichtet. Gott übersieht nichts, und das Böse, so völlig es uns auch verborgen sein mag, ist böse vor Ihm. „alles ist bloss und aufgedeckt vor den Augen Dessen, mit dem wir es zu tun haben.“ Gott kann Mitleid mit uns haben. Er kann uns durch Seinen Geist erleuchten. Er kann einen Weg bereiten, auf dem der grösste Sünder Ihm mit Freimütigkeit zu nahen vermag. Aber alles das verändert nicht im geringsten Sein Urteil über das Böse. „Und der Priester soll Sühnung für ihn tun wegen seines Versehens, das er begangen hat, ohne es zu wissen; und es wird ihm vergeben werden. Es ist ein Schuldopfer; er hat sich gewisslich an Jehova verschuldet.“ (Kap. 5,18.19.)

Es bleibt mir noch übrig, auf einige Verschiedenheiten in den Einzelheiten der Sündopfer aufmerksam zu machen, die von grossem Interesse sind.

Die Leiber der Opfertiere, die für die Sünde des ganzen Volkes oder des Hohepriesters (was auf dasselbe hinauslief, denn in beiden Fällen war die Gemeinschaft des gesamten Volkes unterbrochen) dargebracht wurden, diese Leiber wurden ausserhalb des Lagers ganz und gar verbrannt, jedoch nicht als ein Feueropfer lieblichen Geruchs, denn das Opfer war zur Sünde gemacht und als ein verunreinigter Körper ausserhalb des Lagers gebracht worden. Das Opfer an und für sich war ohne Fehl, aber nachdem der Schuldige seine Sünden auf dessen Kopf bekannt hatte, wurde es als mit diesen Sünden beladen, von Gott zur Sünde gemacht, betrachtet  und ausserhalb des Lagers gebracht. So hat auch Jesus (wie der Apostel es ausdrückt) ausserhalb des Tores gelitten, um durch Sein eigenes Blut das Volk zu heiligen. (Hebr. 13, 12.) – Diese Verbrennung ausserhalb des Lagers fand immer statt, wenn das Blut für die Sünde

 

ins Heiligtum gebracht wurde. Eines der Opfer- die rote Kuch (4. Mose 19), bezüglich deren ich hier nicht Einzelheiten eingehen will –wurde ganz und gar als Sünde betrachtet, getötet und, nachdem ein Teil des Blutes an der Tür des Zeltes der Zusammenkunft gesprengt worden war, vollständig, mit Fett und Blut, ausserhalb des Lagers verbrannt.

Bei den drei anderen Opfern, die das ganze Volk angingen, wurden die Leiber, wie bemerkt, auch ausserhalb des Lagers verbrannt, aber die Verbindung mit der vollkommenen Annehmlichkeit Christi als Dessen, der sich selbst zum Opfer dargebracht hat, wurde durch das Verbrennen des Fettes auf dem Brandopferaltar aufrecht gehalten. Zugleich erkennen wir in dieser letzten Handlung, auf welche Weise Er für uns zur Sünde gemacht worden ist: nämlich als Derjenige, der keine Sünde kannte, unddessen Natur und innerste Gedanken Gott vollkommen wohlgefällig waren und Sein Gericht ertragen konnten. Aber obgleich das Fett auf dem Altar verbrannt wurde, um jene Verbindung und die Einheit des Opfers Christi aufrecht zu halten, so wird es dennoch, um den allgemeinen Charakter und den Zweck dieser Verschiedenheit zu wahren, nicht ein leiblicher Geruch für Jehova genannt.

Indes besteht ein Unterschied zwischen dem einen der drei eben genannten Sündopfer, dem Opfer des grossen Versöhnungstages, und den anderen in 3. Mose 4 erwähnten. Am grossen Versöhnungstage wurde das Blut ins Allerheiligste, innerhalb des Vorhangs gebracht, denn das Opfer dieses Tages bildete die Grundlage aller anderen Opfer, die Grundlage aller Beziehungen zwischen Gott und dem Volke Israel. ES setzte Gott in den Stand, inmitten des Volkes zu wohnen und die anderen Opfer anzunehmen. Die Wirkung dieses Opfers erstreckte sich auf ein ganzes Jahr, (für uns währt sie ewig, wie der Apostel die im Hebräerbrief beweist,) und auf dasselbe war er ganze Verkehr Gottes mit Israel gegründet. Deshalb wurde das Blut auf den Gnaden-

 

 

stuhl gesprengt, um dort immerdar vor den Augen Dessen zu sein, der auf diesem Throne der Gnade und der Heiligkeit Seinen Sitz hatte. Kraft dieses Opfers konnte Gott inmitten des Volkes wohnen, so gleichgültig, undankbar und widerspenstig es auch war. Gerade so ist es mit der Wirkung des Blutes Christi. Dieses Blut ist für immer auf dem Gnadenstuhl als die Grundlage der Beziehungen zwischen Gott und uns.

Die anderen Opfer hatten den Zweck, die Gemeinschaft derer, die durch die Gnade in jene Beziehung zu Gott eingetreten waren, aufrecht zu halten und wiederherzustellen. Deshalb wurde in 3. Mose 4, 1-21 ein Teil des Blutes auf den Altar des wohlriechenden Raucherwerks gesprengt, (der das Symbol der Ausübung dieser Gemeinschaft war,) und das übrige Blut wurde, wie gewöhnlich bei den Opfern, am Fusse des Brandopferaltars (der Statte des angenommenen Opfers) ausgegossen. Der Leib des Opfertieres wurde, wie wir gesehen haben, verbrannt. Was die Opfer für die Sünde und Schuld eines einzelnen betrifft, so litt, wie gesagt, die Gemeinschaft der Gesamtheit nicht unmittelbar darunter, aber der einzelne wurde ihres Genusses beraubt. Deshalb war der Altar des wohlriechenden Raucherwerks nicht verunreinigt oder sozusagen nicht zur Benutzung unbrauchbar gemacht. Im Gegenteil, er wurde fortwährend benutzt. Das Blut dieser letzten Oper wurde deshalb an die Hörner des Brandopferaltars getan, wo der einzelne Israelit Zutritt hatte. Dort naht jede Seele durch Christum und auf Grund der Wirksamkeit des ein für allemal vollbrachten Opfers Christi, und so, kraft dieses Opfers, angenehm gemacht, geniesst sie alle den Segen und all die Vorrechte, in deren Genuss und Besitz die Kirche als Ganzes fortwähren steht.

Es ist jedoch noch eine andere Sache bei diesen Opfern für die persönliche Sünde zu beachten. Der Priester, der das Blut darbrachte, ass das Opfertier. Es bestand also eine völlige Einheit zwischen dem Priester

 

 

und dem Opfer, das die Sünde des Opfernden darstelle. Der Priester hatte die Sünde nicht begangen. Im Gegenteil, er tat Sühnung dafür mittelst des Blutes, das er sprengte. Nichtsdestoweniger machte er sich völlig mit der Sünde des Schuldigen eins. So hat auch Christus, indem Er uns einen vollkommenen Trost  bereitete, ohne die Sünde gekannt zu haben, Sühnung  getan für die Sünde und sich mit allen unseren Sünden eins gemacht. Wie bei den Friedensopfern der Anbeter eins gemacht wurde mit der Annehmlichkeit des Opfers, dessen Fett auf dem Altar verbrannt wurde,  gerade so machte sich hier der Priester eins mit der Sünde dessen, der das Opfer darbrachte: diese Sünde verlor und verzehrte sich gleichsam in ihm. Der Sünder nahte Gott, indem er seine Sünde bekannte und sich demütigte. Aber was seine Schuld und das Gericht über seine Sünde betraf, so war es der Priester, der sich damit belud, so dass (da die Versöhnung geschehen war) die Sünde nicht bis vor den Richterstuhl Gottes kam und die Beziehungen zwischen Gott und dem Schuldigen in keiner Weise antastete. Seine Anbetung wurde erneuert in der Kraft der Annehmlichkeit Christi, unseres wahren Priesters. Die Sünde, welche di Gemeinschaft unterbrochen hatte, wurde gänzlich weggenommen, oder diente nur dazu, in einem in den Staub niedergebeugten und angesichts der Güte Gottes tief gedemütigten Herzen die Beziehung und Gemeinschaft zu erneuern, die sich auf eine Güte gründeten, die dem Herzen auf diese Weise unendlich kostbar geworden war. Zugleich wurde das Bewusstsein der Reichtümer und der Sicherheit jener Vermittlung erneuert, die Christus auf immerdar für uns zuwege gebracht hat, nicht um die Gedanken Gottes gegen uns zu verändern, sondern um unserer gegenwärtige Gemeinschaft und unseren Genus dieser Gemeinschaft zu sichern (ungeachtet unserer Armseligkeit und unserer Fehler) in der Gegenwart, der Herrlichkeit und der Liebe Dessen, der sich nie verändert.

Schliesslich möchte ich noch auf einige interessante

 

 

Umstände aufmerksam machen. Es ist bemerkenswert, dass nichts so sehr den Charakter der Heiligkeit und einer gänzlichen Absonderung für Gott trug wie das Sündopfer. Bei den anderen Opfern begegnen wir einer vollkommenen Annehmlichkeit, einem lieblichen Geruch und in einzelnen Fällen, vermengt damit, unseren gesäuerten Broten. Aber alles trug sich sozusagen zu in der naturgemässen Freude, die Gott an dem fand, was vollkommen und ausgezeichnet war. Bei den Sündopfern hingegen war es ausdrücklich geboten, dass das Opfer ganz ohne Fehl sein musste. Alle möglichen Vorkehrungen waren getroffen, um dessen unverletzliche Heiligkeit darzutun (Kap. 6, 18-21.) In dem ganzen Werken Jesu gibt es nichts, was so sehr Seine tatsächliche Heiligkeit, Sein vollkommene und gänzliche Absonderung für Gott kennzeichnet, als die Tatsache, dass Er unsere Sünden getragen hat. Nur Derjenige, der nie eine Sünde gekannt hatte, konnte zur Sünde gemacht werden, und gerade die Tatsache, dass Er die Sünde trug, beweist die völligste Absonderung für Gott, die nur zu erdenken ist, ja die unser Denkvermögen völlig übersteigt. Christus konnte sagen: „Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in Ihm“. Er hatte sich ganz und gar, mochte es kosten was es wollte, der Verherrlichung Gottes geweiht, und Gott konnte auch nichts Geringeres annehmen, denn Er musste gerade so verherrlicht werden, wie Er verunehrt worden war. Als Sündopfer betrachtet, ist Christus also in besonderer Weise heilig, wie Er denn auch jetzt, kraft dieses Opfers als Priester vor Gott stehend und uns vertretend, „heilig, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden ist“. (Hebr. 7, 26.) Nichtsdestoweniger ist Er so wahrhaftig zur Sünde gemacht worden, dass derjenige, der den Bock Asasel in die Wüste führte (3. Mose 16), und der, welcher die Asche der roten Kuh sammelte oder Wasser der Reinigung auf jemand sprengte (4. Mose 19), unrein war bis zum Abend und

 

 

Seine Kleider waschen und sein Fleisch im Wasser baden musst, ehe er wieder ins Lager kommen durfte. Auf diese Weise treten uns jene beiden grossen Wahrheiten hinsichtlich de Sündopfers Christi deutlich und klar in den vorbildlichen Opfern vor Augen. Denn einerseits können wir uns keinen grösseren Beweis der gänzlichen Absonderung Christi für Gott vorstellen als die Tatsache, dass Er sich selbst zum Sündenopfer dargebracht hat, und andererseits, wenn Er die Sünde nicht wirklich in ihrer ganzen Ausdehnung getragen, wenn der Fluch nicht wirklich Ihn getroffen hätte, so hätte Er nicht wirklich die Sünde vor Gott hinweg nehmen können.

Ewig sei der heilige Name Dessen gepriesen, der dies getan hat! Und Gott gebe uns, dass wir immer besser die Vollkommenheit Christi in der Vollbringung des Erläsungswerkes kennen und verstehen lernen möchten!