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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

C.A.C.  - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

Abschrift: Nicole F. 

Kapitel 19

 

Wir haben gesehen, dass der Herr in Kapitel 18 einem Menschen in Jericho die Sehkraft gibt und dass der Ihm nachfolgt; der Herr wird der große Gegenstand für diejenigen, die Sehkraft haben. Dann bekommt der Herr in Zachäus noch ein Haus. Der Herr w

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Ein Überblick über das 4. Buch Mose

Hauptgedanken aus Wortbetrachtungen mit Charles Andrew Coates

Kapitel 6

Kapitel 1 - 4 enthalten die Anordnungen Gottes, Seine Gedanken über die Lager und den levitischen Dienst. Kapitel 5 dagegen zeigt, dass Gott die Untreue Seines Volkes voraussah und auch, dass sie dieserhalb durch tiefe Übungen zu gehen hatten, damit die Wahrheit in ihrem Innern gesichert sei und das Reine ans Licht komme, das Befleckte aber bloßgestellt werde.

Unter solchen Übungen wird das wahrhaft von Gott Gewirkte im Selbstgericht offenbar, und die Person und der Tod Christi werden in den Tiefen der Seelen erkannt und geschätzt. Das haben wir in dem „reinen“ Weibe von Kapitel 5, 28.

Herzenstreue führt zu Fruchtbarkeit, und der Nasir ist, geistlich genommen, der dadurch empfangene „Same“. Der Nasir ist die Frucht von Herzenstreue, so dass er Gott nicht nur in einer amtlichen oder förmlichen Weise geweiht ist, oder gar aus Gehorsam gegen einen Befehl, sondern aus dem inneren Herzenstriebe „eines Mannes oder Weibes“ heraus.

Gegenüber dem, was in Kapitel 1 bis 4 vor uns trat, verengt sich, wenn wir zu dem „besonderen Gelübde eines Nasirs“ kommen (Kap. 6, 2), unser Gesichtskreis beträchtlich. Da handelt es sich um Einzelne, oder wir können wohl sagen, um einen Überrest, der sich in besonderer Weise für Gott abgesondert hat. Und das finden wir nach der Untreue der großen Masse des Volkes, worauf im Bilde das vorhergehende Kapitel hinwies.

„Das besondere Gelübde eines Nasirs“ ist von daher von tiefster Bedeutung, denn es zeigt, wie auch der allgemeine Zustand des Volkes Gottes sein mag, dass es für jeden, der wünscht, „sich für Jehova abzusondern“ oder sich Ihm zu weihen, eine Gelegenheit gibt, dies auch zu tun.

Die Heiligen in Mazedonien „gaben sich selbst zuerst dem Herrn und uns durch Gottes Willen“ (2. Kor. 8, 5); sie gingen sogar über das hinaus, was der Apostel hoffte - ein schönes Beispiel für uns alle!

Gott liebt es, von dem Kenntnis zu nehmen, wozu sich Seine Heiligen gedrungen fühlen, und in Seiner Verwaltung ist da Vorsorge für das Besondere wie auch das Gewöhnliche getroffen. „Das besondere Gelübde eines Nasirs“ hat eine auffällige Absonderung für Gott zum Gegenstande. Es ist der Ausfluss eines entschiedenen Herzensdranges, Ihm näher zu sein. Ja jedwedes Gelübde ist die Frucht einer besonderen Übung, wie wir aus 1. Sam. 1, 11 und Ps. 66, 13 u. 14 ersehen können.

Kennen wir etwas von einem derart „besonderen“ Herzensdrange? Oder sind wir damit zufrieden, den Maßstäben für das christliche Leben zu entsprechen, die die meisten anzuerkennen scheinen?

Vielleicht nur wenige Gläubige haben, als sie unter Zucht standen, oder zuzeiten einer besonderen geistlichen Bewegung in ihren Seelen, keine Gelübde getan. Wir wissen, dass Paulus, als er zu Korinth war, ein Gelübde getan hatte (Apg. 18, 18). Vielleicht ließen ihn die Umstände, unter denen er in dieser Stadt zu arbeiten hatte, empfinden, wie not eine besondere Weihe Gott gegenüber tat.

Ein wahres Gelübde ist der Ausdruck des geistlichen Vorsatzes, entschieden für den Herrn zu sein, und Gott nimmt Kenntnis davon und erachtet uns daran gebunden. Seine Zucht wird, wenn nötig, eingreifen, uns mit Bezug auf unser Gelübde zu helfen.

„Das besondere Gelübde eines Nasirs“ erfordert einen besonderen Grad von Absonderung. Es setzt ein „besonderes“ Maß von Ergebenheit voraus, und jeder von uns hat Gelegenheit, sich darin hervorzutun, wenn sein Herz ihn dazu drängt.

Wer könnte bezweifeln, dass Timotheus dem Paulus an Ergebenheit nahe kam? Paulus sagt von ihm: „er arbeitet am Werke des Herrn, wie auch ich“ (1. Kor. 16, 10); „ich habe niemand gleichgesinnt, der von Herzen für das Eure besorgt sein wird; denn alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist“ (Phil. 2, 20.21). Der Geist Gottes hat unser Augenmerk auf einige gelenkt, die sich, was Ergebenheit in den Belangen des Herrn betrifft, „besonders“ auszeichneten. Es waren dies solche Heilige wie Priscilla, Aquila, Phöbe, Gajus, Epaphroditus, Epaphras und das Haus des Stephanas.

Dass solche sogar in den Tagen Pauli nicht zahlreich waren, erhellt, wenn wir dessen Briefe lesen. Wie ergreifend, dass es in Kol. 4, 11 nach der Erwähnung verschiedener Namen heißt: „Diese allein sind Mitarbeiter am Reiche Gottes, die mir ein Trost gewesen sind“.

Die Zahl wahrer Nasiräer unter dem Israel Gottes ist nie groß gewesen, doch es gab solche, und ich glaube, der Herr möchte unsere Herzen zu etwas Besonderem an Ergebenheit und Absonderung im Blick auf Ihn bewegen. Das vorliegende Kapitel gibt im Bilde eine sehr genaue Unterweisung, wie „das besondere Gelübde eines Nasirs“ durchzuführen ist.

Der Nasir in Israel war ein bemerkenswertes Zeugnis dafür, dass nach den Gedanken Gottes die Zeit für Freude irdischer Art noch nicht gekommen war, so dass einer, der sich Gott in besonderer Weise weihte, sich von dem zu trennen hatte, was sie darstellte. Er soll „sich des Weines und des starken Getränks enthalten: Essig von Wein und Essig von starkem Getränk soll er nicht trinken; und keinerlei Traubensaft soll er trinken, und Trauben, frische oder getrocknete, soll er nicht essen. Alle die Tage seiner Absonderung soll er von allem, was vom Weinstock bereitet wird, von den Kernen bis zur Hülle, nicht essen.“ (V. 3 und 4)

Der Israelit in Kanaan hatte seine Weingärten, und es herrschte natürlich Fröhlichkeit, wenn es viel Wein gab, denn es heißt, dass der „Wein des Menschen Herz erfreute“ (Ps. 104, 15). Der Nasir aber trennte sich von ihm wegen seiner Weihe Gott gegenüber!

Das sagte jedem geübten Herzen klar und deutlich, dass das Reich Gottes noch nicht gekommen war. Das Nasirtum ist im Himmel sicherlich gegenstandslos. Dort gibt es nichts, wovon sich ein geübtes Herz zu trennen hätte, denn Gottes Wille wird dort völlig getan.

Wenn aber das Reich Gottes auf Erden aufgerichtet ist, so bedarf es auch keines Nasirtums, da Sein Wille dann auf Erden wie im Himmel geschieht. Deshalb haben wir in diesem Kapitel den Gedanken, dass die Tage der Absonderung erfüllt sind (V.13), und danach mag der Nasir Wein trinken (V.20).

Das „besondere Gelübde“ besteht für eine bestimmte Zeit, und es wird daher auch die Stunde ins Auge gefasst, da die Tage der Absonderung enden.

Sogar in Israel, wo die Verheißungen auf eine irdische Segnung hinwiesen (doch alle in Verbindung mit dem Kommen Christi, so dass sie ohne Ihn nicht wahrhaft genossen werden konnten), erforderte ein besonderes Gottgeweihtsein die Trennung vom Wein und von allem, was vom Weinstock kommt.

Wieviel mehr ist nun dieser Grundsatz jetzt anzuwenden, wo Gottes König gekommen ist, aber verworfen wurde! Natürliche Genüsse und gesellige Vergnügungen und tausenderlei den Menschen zusagende Dinge, die seine Gefühle anregen und aufreizen, aber einerseits mit natürlichen Verwandtschaftsbeziehungen nichts mehr gemein haben und andererseits ganz und gar sündig und böse sind, finden sich jetzt in einer Welt, die Christum verworfen hat, und das alles ist auf Grund der Tatsache unrein, dass, was Ihm gebührt, keinen Platz darin hat - weder Gott noch Sein gepriesener Sohn hat ein Teil darin.

Christus ist nun der himmlische Nasir, der nicht von der Frucht des Weinstocks trinkt, bis Er neu davon trinkt im Reiche Gottes (Mark. 14, 25).

Jede besondere Weihe Gott gegenüber erfordert es heute, dies anzuerkennen. Zahllose Dinge irdischer Art, die den Menschen als solchen zusagen, bieten Gottes Nasiräern eine Gelegenheit, sich davon abzusondern. Solche sind verpflichtet, sich vieler Dinge zu enthalten, die sie von Natur aus anziehen würden.

Sie lassen es sich angelegen sein, ihrem „besonderen Gelübde“ getreu, eine persönliche Heiligkeit und Absonderung aufrechtzuerhalten, die im Einklange damit steht.

Der Nasir trug keine persönliche Würde, wie ein Priester oder König, seine heilige Reinheit war persönlicher Art. Und doch übertraf sie sogar die der Söhne Aarons und entsprach der des Hohenpriesters selbst (vgl. Kap. 6,7 mit 3. Mose 21, 2 u. 11).

Es gibt vielleicht kein auffälligeres Zeugnis in Israel als das Vorhandensein von Nasiräern unter ihnen, das heißt, von Gott geweihten Männern und Weibern, in denen persönlich die eigenartige Schönheit der Absonderung für Gott zum Ausdruck kam.

„Ihre Nasiräer waren reiner als Schnee, weißer als Milch; röter waren sie am Leibe als Rubinen, wie Saphir ihre Gestalt“ (Klagel. 4, 7). Kein Mann oder Weib in Israel war davon ausgeschlossen, ein Nasir zu sein. Dieses Vorrecht stand dem Herzensdrange solcher offen, die Gott nach den ersten drei Büchern Mose kennengelernt hatten. Denn das vierte Buch Mose ist die sittliche Folge der ihm vorausgehenden Bücher. Es setzt voraus, dass man Gott in Gnade und Treue kennt, in Seinen Bund getreten ist, Sein Zeugnis schätzt und die Kostbarkeit Christi erkennt.

Alles das bewog einen, sich persönlich Gott gemäß 4. Mose 6 zu weihen, und heutzutage bestimmt einen nichts anderes dazu.

Welche Mühe hat es Gott gemacht, uns durch die Erfahrung des zweiten und dritten Buches Mose gehen zu lassen, um uns Sich Selbst kundzutun und Christum uns kostbar zu machen, damit wir, frei im Geiste und weit im Herzen gegen Ihn, den Gedanken lieben, abgesondert für Ihn zu sein!

Und es geht nicht zu weit, wenn man sagt, dass heutzutage das Zeugnis für Gott im Großen und Ganzen von dem unter Seinem Volke vorhandenen Geiste des Nasirtums abhängt. Möchten wir alle begehren, durch ihn gekennzeichnet zu sein!

Im Allgemeinen erweckt der Herr in jungen Gläubigen das Verlangen, besonders für Ihn zu sein. Manchmal aber nimmt dieses Verlangen keine bestimmte Form an.

Ein „besonderes Gelübde“ besagt, dass das Verlangen durch den Geist eine derartige Gestalt annimmt, dass es zu einem bestimmten Grade von Absonderung führt. Wahre Ergebenheit reift so infolge des Gebets heran.

Satan mag einen Vorteil erringen, und das Haupt der Weihe kann verunreinigt werden, wie wir es in Vers 9 sehen, doch ein wahrer Nasir gibt deshalb sein Gelübde nicht auf. „Wenn er fällt, wird er nicht hingestreckt werden, denn Jehova stützt seine Hand“ (Ps. 37, 24). Er lernt aus demütigenden, aber notwendigen Unterweisungen und erfüllt schließlich die „Tage seiner Absonderung“.

„Alle die Tage des Gelübdes seiner Absonderung soll kein Schermesser über sein Haupt gehen; bis die Tage erfüllt sind, die er sich für Jehova absondert, soll er heilig sein, er soll das Haar seines Hauptes frei wachsen lassen“ (V.5).

In diesem Zusammenhange kommen uns die Worte des Apostels Paulus in den Sinn: „lehrt euch nicht auch selbst die Natur, dass, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Unehre für ihn ist?“ (1. Kor. 11, 14). Solange der Absonderung für Gott etwas Überragendes anhaftet, muss notwendig etwas Eigenartiges damit verbunden sein. Schon der Gedanke begreift etwas Kennzeichnendes in sich, was eine Ehre vor Gott und eine tiefe innere Befriedigung für den ist, der das aus Liebe zu Ihm auf sich nimmt, was sich vom gewöhnlichen Leben der Menschen unterscheidet.

Das Nasirtum in Israel unterschied sich sogar vom gewöhnlichen Leben des Volkes Gottes, ein Hinweis darauf, dass es eine „besondere“ Absonderung für Gott gibt, die sogar unter Dessen Volke eigenartige Wesenszüge trägt. Und das ungeschorene Haar deutet klar an, dass eine solche Absonderung in gewisser Hinsicht eine persönliche Entsagung in sich begreift. Sie wird uns in der Öffentlichkeit nicht zu mehr Ehre führen, sondern gerade zum Gegenteil.

Der Nasir musste sich sagen, dass er, je länger sein „besonderes Gelübde“ währte, um so mehr auffallen würde, und dies trotz des Versuchs, seine persönliche Würde oder Ehre auf eine natürliche Weise aufrechtzuerhalten.

Stellen wir uns der Welt gleich, so haben wir ihren Beifall; wandeln wir auf Wegen, wie sie in der bekennenden Christenheit üblich sind, so werden wir der Schmach entgehen. Wenn uns aber vornehmen, uns besonders für Gott abzusondern, so haben wir uns auf die Folgen davon in irgendwelcher Schmach oder Unehre gefasst zu machen.

Die Welt ist fern von Gott. Wer sich daher Gott weiht, hat sich von ihr zu trennen. Die Gottes Volk zu sein bekennen, wandeln nicht auf Seinen Wegen in der Schönheit der Heiligkeit; wenn sich nun jemand für Gott absondert, so besteht ein auffälliger Unterschied zwischen ihm und ihnen.

2. Timotheus 2 ist durchweg eine Aufforderung zum Nasirtum inmitten eines verderbten Bekenntnisses. Und der Überwinder in den Versammlungen in Offenbarung 2 und 3 steht notwendig, als für Gott abgesondert, getrennt von all den Wesenszügen, die Gott missbilligt.

Das Nasirtum wäre gegenstandslos, wenn im Allgemeinen alles der Höhe der Gedanken Gottes entspräche. Eben weil es nicht so ist, hat das „besondere Gelübde“ der Weihe seinen besonderen Wert.

Ich denke, es hat deshalb einen Platz im vierten Buch Mose, um dadurch anzudeuten, dass dem, was in Gottes Gedanken war, nur von einem Überrest wahrhaft entsprochen werden würde, der, indem er sich Ihm weihte, ein Zeugnis davon sein sollte, dass die Zeit irdischer Segnung und Ehre noch nicht gekommen sei.

Gott kommt hier auf einen Überrest zu sprechen, den eine besondere Ergebenheit kennzeichnet, die trotz irgendwelcher im Laufe der Zeit eintretenden Zusammenbrüche bis zu ihrem Abschlusse durchgeführt wird, und zwar zu einem besonderen Zeugnis, bis die Tage des Nasirtums vorüber sind und der Nasir Wein trinken wird im Reiche Gottes. Aufgrund seiner Treue während der Zeit, die Absonderung erforderte, wird er dann einen viel tieferen Genuss davon haben.

Wenn der Nasir schließlich im Reiche Gottes Wein trinkt, wird eine weithin ausgedehnte Segnung Platz greifen; das ganze irdische Volk Gottes wird, unter der priesterlichen Segnung Aarons und Seiner Söhne, der Segnung und Obhut Jehovas sowie des Friedens der zukünftigen Welt teilhaftig werden (siehe V. 22 - 27).

Es ist ein schönes Bild von dem, was die gegenwärtige Zeit kennzeichnet (nämlich heilige Absonderung auf Seiten der Gottgeweihten), und dem kommenden Tage, wo das Nasirtum seine Antwort und Entschädigung in der Freude des Reiches finden wird.

„Alle die Tage, die er sich für Jehova absondert, soll er zu keiner Leiche kommen. Wegen seines Vaters und wegen seiner Mutter, wegen seines Bruders und wegen seiner Schwester, ihretwegen soll er sich nicht verunreinigen, wenn sie sterben; denn die Weihe seines Gottes ist auf seinem Haupte. Alle die Tage seiner Absonderung ist er dem Jehova heilig.“ (V. 6 - 8)

In diesem Buche sehen wir wiederholt, dass die Berührung einer Leiche verunreinigt; und hier heißt es von dem Nasir, „dass er sich durch die Leiche versündigt hat“ (V. 11), wenn er sie anrührte. Beachten wir auch, dass die Möglichkeit, auf diese Weise das Haupt seiner Weihe zu verunreinigen, ins Auge gefasst wird, dagegen nicht die, was seine Enthaltung vom Wein oder vom Scheren seines Haupthaares anlangt.

Gerade dieser Zug bildet demnach die größte Gefahr, wodurch man am leichtesten befleckt werden kann. Besondere Wachsamkeit erforderte es, damit so etwas nicht ganz „unversehens, plötzlich“ eintrat (V. 9).

Es ist wichtig zu verstehen, was eine „Leiche“ darstellt, und wir können das daraus lernen, wie die Schrift in sittlicher Hinsicht vom Tode redet. Der Herr sagte zu einem, den er aufgefordert hatte, Ihm zu folgen: „Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber gehe hin und verkünde das Reich Gottes“ (Luk. 9, 60). Damit machte der Herr klar, dass die große Masse derer, die den Platz des Volkes Gottes einnahmen, „die Toten“ waren.

Israel ist gegenwärtig in diesem Zustande, so dass ihre künftige Annahme bei Gott in der Tat „Leben aus den Toten“ ist (Röm. 11, 15). Darauf weist Jesaja hin, als er sagt: „Deine Toten werden aufleben, meine Leichen wieder erstehen“ (Jes. 26, 19).

Doch in den Toten als solchen ist nichts für Gott, sie werden Ihn nicht loben (Ps. 115, 17 und 18), es ist „der Lebende, der Lebende“, der Ihn preist, wie das hier, um es nachdrücklich zu betonen, zweimal wiederholt wird (Jes. 38, 19). Wer vom Wege der Weisheit abirrt, „wird ruhen in der Versammlung der Toten“ (Spr. 21, 16).

Der Nasir durfte „zu keiner Leiche kommen“ (V.6). Das besagt, dass Zustände unter dem Volke Gottes aufkommen würden, in denen nichts für Gott ist. Die die Stimme des Sohnes Gottes nicht in lebendigmachender Kraft hören, sind tot (Joh. 5, 25). Wenn sie auch „den Namen“ haben, dass sie leben, so sind sie doch tot (Offb. 3, 1).

Ein solcher Zustand im Menschen verunreinigt. Da mag kein grobes Böses vorhanden sein, vielleicht sogar eine große Schau guter Werke und religiöser Tätigkeit. Schöne Worte, ja die Worte der Schrift mögen gesagt werden, doch es ist nichts für Gott darin.

Es ist nun etwas feierlich Ernstes, dass sich einer, der selbst unter den Lebenden ist, ja der sich sogar durch ein besonderes Gelübde für Gott abgesondert hat, durch Berührung mit einem Zustande, in dem nichts für Gott ist, beflecken kann.

Geistlich genommen, ist das nicht nur an sich etwas Unreines, sondern es steckt den Lebenden an. Wer sich also für Gott abgesondert hat, muss sich hüten das zu berühren, was wirklich tot ist; das ist natürlich in sittlicher Hinsicht zu verstehen.

Paulus schrieb im zweiten Timotheusbrief als ein „Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, nach der Verheißung des Lebens, das in Christo Jesu ist“, und er redet von unserem Heilande Jesu Christo, „der den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium“ (2. Tim. 1, 1 und 10).

Doch wenn dort das Leben nach Gottes eigenem Vorsatz und Seiner Gnade kommt (V.9), so hat sich das Nasirtum auch durch Reinheit im Wandel aufrechtzuerhalten, also durch Abstehen von der Ungerechtigkeit und Trennung von denen, die Gott nicht wirklich ehren.

Nach der Schrift bedeutet: etwas Unreines „anrühren“, das Gegenteil vom sich davon Absondern (2. Kor. 6, 17). Und wenn wir das anrühren, was Gott gegenüber kein Leben hat, wenn wir also die Absonderung davon nicht aufrecht halten, so verunreinigen wir das Haupt unserer Weihe.

Im Zusammenhang damit wird die Möglichkeit angedeutet, dass „jemand unversehens, plötzlich, bei ihm stirbt“ (V.9). Es wird nicht angenommen, dass er freiwillig eine Leiche anrührt, sondern dass es unerwartet geschehe.

Da könnte man sagen, dass ist unvermeidlich, und man sei deshalb für den Vorfall nicht verantwortlich. Doch solche Schlussweise ist menschlich und steht, wie wir sogleich sehen werden, nicht im Einklange mit den Gedanken Gottes, denn der Priester muss für einen solchen Sühnung tun, eben weil „er sich durch die Leiche versündigt hat“ (V.11).

Wahres Nasirtum erfordert große Wachsamkeit und Umsicht. Wer „das Gesetz des Nasirs“ erwogen hat, der Mann oder das Weib wird sich nicht „unversehens verunreinigen. Der Gefahr bewusst, würden sie immer auf der Hut sein, damit das, wovor sie gewarnt werden, nicht eintrete. Hes. 33,5 sagt: „hätte er sich warnen lassen, so würde er seine Seele errettet haben“.

Befleckungen ziehen wir uns meist durch Unachtsamkeit zu, und deshalb sind wir völlig verantwortlich dafür. Ich könnte sagen, das kam so unverhofft, doch das ist keine Entschuldigung, das ist nur das demütigende Bekenntnis, dass ich des Herrn Worte nicht beachtet habe: „Wachet und betet, auf dass ihr nicht in Versuchung kommet“ (Mat. 26,41; Mark. 14,38; Luk. 22,40).

Die Unwachsamkeit, die den Nasir dahin führt, dass er sich, trotz der Warnung, die das Gesetz ihm gibt, „unversehens“ verunreinigt, deutet auf ein gewisses Selbstvertrauen. Ein Gelübde mag in aller Aufrichtigkeit getan werden, doch ohne hinreichendes Misstrauen gegen sich selbst.

In der Tat werden uns in dem Vorbilde der Mann oder das Weib so dargestellt, dass sie die „ersten Tage“ ihrer Absonderung (V.12) antraten, ohne ein Opfer darzubringen [„ersten Tage“ und nicht „vorigen Tage“ heißt es nach der wörtlichen Übersetzung]. Sie hatten also nicht damit begonnen, am Altar anzuerkennen, dass das Fleisch nichts nützt (Joh. 6, 63), und dass es im Blick auf all die Umstände auf ihrer Seite des Todes Christi bedarf.

Oft weiht man sich Gott ohne viel Tiefe an Selbsterkenntnis, und dann ist keine völlige Abhängigkeit vorhanden. Man sucht alle Quellen der Kraft nicht gänzlich außerhalb von sich selbst, auch fehlt es an der nötigen Wachsamkeit angesichts der eigenen Schwachheit und der Gefahren, die dem Nasir drohen.

Wenn es sich so verhält, so haftet sogar der Weihe etwas an, das sie dem Beflecktwerden aussetzt.

Ein Versagen des Nasirtums führt zu einer ganz besonderen Übung, denn es bedeutet ein Versagen, die Absonderung aufrechtzuerhalten, die unser eigenes Herz uns eingegeben und auch begehrt hat. Es ist sehr demütigend, wenn es einem zum Bewusstsein kommt, dass man sogar mit Bezug hierauf einen Pfad einschlug, den man nicht durchführen kann, sondern als geistlich wertlos richten zu lernen hat.

Das kommt darin zum Ausdruck, dass der verunreinigte Nasir sein Haupt am Tage seiner Reinigung schert (V.9). Nun hat man sich den im Bilde in Kap. 19, 11-22 dargestellten Übungen zu unterziehen und hierzu Kenntnis von ihnen zu nehmen.

Die Folge davon ist, dass die vergangenen Tage des Nasirtums verfallen sind, und man beginnt von Neuem auf einer ganz anderen Grundlage. Die ersten Tage aber sind verfallen, denn seine Weihe ist verunreinigt worden (V.12).

Wie oft sehen wir in der Schrift von einem „Ersten“, das im Versagen endet, und dann von einem Zweiten, was den Gedanken Gottes entspricht! Und dieser göttliche Grundsatz durchdringt in seiner ganzen Kraft das „Gesetz des Nasirs“.

Der befleckte Nasir hat nun die Tage durchzumachen, während der nach 4. Mose 19 das Wasser der Reinigung auf ihn gesprengt wird. Es sind dies der dritte und siebente Tag, beginnend mit seiner Verunreinigung.

Das ist eine tiefe und erforschende Übung, denn sie bringt ihm nahe, dass sogar seiner Weihe etwas Fleischliches anhaftete, was er, unter die göttliche Reinigung des Todes Christi gekommen, richtet, so dass er nun seine „ersten Tage“ als geistlich wertlos verwirft.

Dann kommt er zu einem „achten Tage“, der in Kapitel 19 keinen Platz hat: „und er soll sein Haupt an selbigem Tage heiligen“ (V.11).

Der „achte Tag“ ist mit Bezug auf die vorausgegangenen sieben Tage der erste Tag einer neuen Woche, und da werden die „zwei Turteltauben oder zwei jungen Tauben“ zum Sündopfer und Brandopfer dargebracht, um Sühnung für ihn zu tun „deswegen, dass er sich durch die Leiche versündigt hat“ (V. 10 und 11).

Nun hat er gelernt, dass „die ersten Tage“ derart waren, dass sie überhaupt nicht zählten, ausgenommen, insofern sie ein Sündopfer erforderten. Und das außerdem noch dargebrachte Brandopfer redet im Bilde vom Erfassen eines gänzlich neuen Grundes der Annahme in Christo, und zwar durch den „lieblichen Geruch“ des Opfers Seiner Selbst.

Der Nasir gibt sein Gelübde nicht auf, sondern lernt es auf eine neue Art durchführen. Der Zusammenbruch der „ersten Tage“ lehrt ihn, sich selbst zu misstrauen und zu sehen, dass nichts als der Tod Christi seinem Versagen im Fleische abhelfen und die Grundlage bilden konnte, „sein Haupt“ wahrhaft zu „heiligen“.

Es ist zu beachten, dass es, als er zuerst begann, kein Heiligen gab, doch am achten Tage haben wir es, nachdem alles Vorausgegangene als wertlos verworfen worden war. Nun beginnt etwas Neues, das, im Lichte Christi und Seines Todes in Angriff genommen, wirklich für Gott sein wird.

In diesem Vorbilde haben wir keine Andeutung, dass die zweite Weihe zusammenbricht. Man hat den Tod Christi als vom Fleische reinigend kennengelernt, und die Weihe ist auf dem Grunde erneuert worden, dass das Fleischliche in diesem Tode gerichtet ist und nun ein völlig neuer Grund der Annahme durch das Brandopfer besteht.

Beim Neubeginn bringt dann der Nasir „ein einjähriges Lamm zum Schuldopfer“ (V. 12). Er sieht, dass sein Zusammenbruch so ernst war, dass ihn nichts als nur der Tod Christi wiedergutmachen konnte.

Dem größeren Opfer nach hat er eine reiferer Vorstellung darüber und weiht dem Jehova die Tage seiner Absonderung im Bewusstsein davon. Er ist nun dem Bilde nach ein Mann, der sich selbst gerichtet und gedemütigt hat. Er hält viel von Christo und lässt alle die „ersten Tage“ als wertlos fahren; befleckt und verwirkt, entbehren sie der wahren geistlichen Absonderung für Gott.

Das alles enthält große Unterweisungen für uns. Wie viele begannen mit dem wahrhaften Verlangen, ganz für den Herrn zu sein, doch da sie noch nicht gelernt hatten, sich selbst zu misstrauen, führte ihr Selbstvertrauen zu Unwachsamkeit und dann zu einem demütigenden Versagen; sie vermochten nicht, das aufrechtzuerhalten, was sie begehrt hatten!

Gott gebraucht das, uns zu lehren, dass es des Todes Christi bedarf, um alles das auf unserer Seite zu Ende zu bringen, was nach dem Fleische ist. Wir lernen diesen Tod mehr als zuvor schätzen und erachten sogar die Weihe der „ersten Tage“ als ganz und gar wertlos und verwirkt, weil das Fleisch im Lichte des Todes Christi nicht wahrhaft gerichtet worden war.

Wir müssen mit allem Vertrauen auf unsere eigene Ergebenheit und unseren Herzensvorsatz zu Ende kommen und von neuem mit Gott im Erfassen Christi beginnen.

Im Sündopfer kommt der Tod Christi in Verbindung mit all unserem Verlangen vor uns, im Brandopfer aber als der große Ausdruck Seiner vollkommenen Ergebenheit, und diese steht uns jetzt ganz überragend vor Augen, und nicht unsere eigene Weihe. Das Gelübde wird nun im Lichte unserer Wertschätzung Christi durchgeführt, und wir rechnen dabei auf Seine Unterstützung.

Es ist zu beachten, dass der Nasir von neuem mit zwei Turteltauben oder zwei jungen Tauben beginnt, sind aber die Tage seiner Weihe erfüllt, so bringt er ein einjähriges Lamm zum Brandopfer und ein einjähriges weibliches Lamm zum Sündopfer dar. Seinem Erfassen von Christo nach beginnt er klein, endet aber mit einer verhältnismäßig großen Auffassung von Ihm; so sollte es immer sein.

Nun kommen wir zum „Gesetz des Nasirs für den Tag, an dem die Tage seiner Absonderung erfüllt sind“ (V. 13).

Auf diesen Tag haben wir schon im Zusammenhang mit der Haushaltung hingewiesen und ebenso auf die Veränderung, die das öffentlich zustandekommende Reich Gottes mit sich bringt. Doch obwohl sicher hierauf Bezug genommen wird, so scheint das, was unser Kapitel im Vorbilde lehrt, auch das in sich zu begreifen, dass in sittlicher Hinsicht in der Versammlung eine gewisse Frucht des erfüllten Nasirtums erzielt wird.

Ich denke, davon redet, dass der Nasir in Vers 13 „an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft“ gebracht wird, um eine sehr umfassende Reihe von Opfern zu bringen.

Absonderung für Gott führt zu einem großen Reichtum in der Erkenntnis Christi. Dieser Reichtum, an den Eingang des Zeltes der Zusammenkunft gebracht, also dahin, wo ganz Israel Gott nahte, lehrt uns, dass das von einem geweihten Einzelnen Erlangte die ganze Versammlung bereichern und die Geistlichkeit ihrer Gemeinschaft erhöhen soll.

Der Nasir hat dieses Ziel die ganze Zeit über vor sich. Er enthält sich dessen, was Gott gegenwärtig nicht wohlgefällt, im Blick auf das Erfassen der Größe dessen, was Seinem unmittelbaren Wohlgefallen dient, und der Gewinn daraus wird sich zu allen Brüdern hin erstrecken. Es ist ein sehr anregender Gedanke, dass sich wahre Absonderung für Gott derart auswirkt.

Wenn wir die Absonderung für Gott aufrecht halten, erlangen wir in unseren Seelen reiche Auffassungen von Christo als Brandopfer, Sündopfer, Friedensopfer, Speisopfer (und zwar aus Feinmehl gemengt mit Öl sowie auch gesalbt mit Öl) und ebenso als Trankopfer.

Wir können sicher sein, dass eine besondere Süßigkeit, ein besonderer Reichtum in diesen kostbaren und mannigfaltigen Auffassungen Christi genossen werden wird, wenn sie der Seele eines Mannes oder Weibes entfaltet worden sind, die sich für Gott abgesondert hatte.

Derart nun werden sie in diesem Kapitel betrachtet. Sie sind solche Auffassungen, wie sie nur ein Nasir erlangen kann. Doch sie werden zum Eingang des Zeltes der Zusammenkunft gebracht, damit alle dorthin Kommenden sich an dem erfreuen, was Gott dargebracht wird, und, wenn sie rein sind, an der Gemeinschaft des Friedensopfers teilhaben, während der Priester sein besonderes Teil in der Webebrust und der Hebeschulter bekommt.

Einzelheiten über die Bedeutung dieser Opfer bringt der „Überblick über das dritte Buch Mose“ in Kapitel 1 - 7.

„Und der Nasir soll an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft das Haupt seiner Weihe scheren und das Haar seines Hauptes seiner Weihe nehmen und es auf das Feuer legen, das unter dem Friedensopfer ist“ (V. 18).

Wir sehen hier in einem bemerkenswerten Vorbilde, wie treues Nasirtum zur Gemeinschaft der Heiligen beiträgt.

Der Widder wird dem Jehova als ein Friedensopfer dargebracht, doch während jene Teile, die die Vortrefflichkeit Christi darstellen, als „ein Feueropfer lieblichen Geruchs dem Jehova“ verbrannt wurden (3. Mose 3, 5), legt der Nasir das Haar seiner Weihe, das Zeugnis seiner treuen Vollendung auf das Feuer des Altars.

Das war ein einzigartiges Opfer. Es ist das einzige Beispiel, worin etwas dem Heiligen persönlich Eigenes auf dieses heilige Feuer gelegt wurde. Die Absonderung des Nasirs wird in einer besonderen Weise eine Opfergabe für Gott.

Dabei wird sie jedoch mit dem Friedensopfer einsgemacht, um uns zu lehren, wie wichtig die Absonderung der Heiligen für ihre Gemeinschaft oder Teilhaberschaft ist.

Die Vortrefflichkeiten Christi werden Gott dargebracht, doch der sie brachte, war so für Gott abgesondert, dass er persönlich mit seinem Opfer im Einklange steht. Wie wohlangenehm ist das Gott!

Dann waren alle, die an dem Widder teilhatten, in Gemeinschaft mit dem Altar. Sie betrachteten das Friedensopfer dem ihm eigenen Platze gemäß. Es war eine Gemeinschaft, in der man die Kostbarkeit Christi miteinander genoss, die aber auch unmittelbar der Ausfluss entschiedener Absonderung für Gott auf Seiten des Opfernden war, dessen getreues Nasirtum war der Anlass davon und verlieh ihr das Gepräge.

Die Heiligen haben das Vorrecht, in heiliger Absonderung für Gott zu wandeln, um vor Ihm in gemeinsamer Freude ihr Teil in Christo zu genießen.

Das Nasirtum trägt also zur Freude der Teilhaberschaft bei und ist, vom Standpunkte dieses Kapitels aus betrachtet, hierfür von wesentlicher Bedeutung.

„An dem Tage, da die Tage seiner Absonderung erfüllt sind“, wird diese aufgegeben, und das Opfer tritt an deren Stelle. Der Priester tritt in hervorragender Weise in Tätigkeit. Ja, man kann sagen, dass der Nasir, indem er sein Haupthaar auf den Altar legte, priesterlich handelte, und danach legt der Priester das auf dessen Hände, was nur von Christo redet, und dann webt es der Priester vor Jehova zu Seinem Wohlgefallen.

Der Nasir wird mit dem Priester einsgemacht und ist vor Gott in Gott wohlgefälligen Zuständen. Es ist klar, dass dann die Absonderung keinen Platz mehr hat: in jenem heiligen Kreise sind die Übungen des Nasirtums zu einem Abschluss gelangt.

„Und danach mag der Nasir Wein trinken“ (V. 20).

Ich denke, wir würden die Lehre dieses Vorbilds missverstehen, wenn wir nicht sehen, dass der Wein, den er „danach“ trinkt, ein Wein anderer Art ist als der, dessen er sich enthalten hatte. Das bestätigen uns auch die Worte unseres Herrn mit Bezug auf Sein eigenes Nasirtum: „Ich sage euch aber, dass in von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstockes trinken werde, bis an jenem Tage, da ich es neu (neuartig) mit euch trinken werde in dem Reiche meines Vaters“ (Mat. 26,29; siehe auch Mark, 14,25; Luk. 22,18).

Dem geistlichen Sinne ist es einleuchtend, dass der Wein, den der Herr in Seinem „Danach“ trinken wird, ganz verschieden von dem ist, den Seine Nasiräer jetzt ablehnen.

Das Reich Seines Vaters, das Reich Gottes, wird eine Freude herbeiführen, wie sie nie zuvor gekannt wurde. Der Sohn Gottes hatte sie den Menschen in der Tat nahegebracht, denn Er war der Bräutigam, der den guten Wein in Fülle zu geben vermochte (Joh. 2, 10).

Doch die Menschen wiesen Ihn von sich, und so ist Er jetzt der Nasir, der sich irdischer Freude enthält, bis diese in dem Reiche Gottes ein ganz neues Gepräge annimmt. Dann werden die Menschen froh sein, ihr Teil in Verbindung mit Gott zu genießen; Seine Liebe und Gunst ist ihre Wonne und macht den neuen Wein Seines Reiches aus.

Doch für uns ist der „neue Wein“ jenes Reiches schon gekommen. Er steht nicht mit Irdischem in Verbindung, sondern damit, dass Gottes Liebe und Gunst in Christo auf uns scheint.

Zwei Verse in Psalm 4 kennzeichnen die Lage: „Viele sagen: Wer wird uns Gutes schauen lassen?“ (V.6). Die Antwort des Glaubens ist: „Erhebe, Jehova, über uns das Licht deines Angesichts!“

Dem folgt die Freude in Vers 7: „Du hast Freude in mein Herz gegeben, mehr als zur Zeit, da ihres Kornes und ihres Mostes (neuen Weines) viel war.“ Beachten wir die Worte: „ihres Kornes und ihres Mostes“!

Der für Jehova Abgesonderte, der Nasir von Vers 3, kann „ihres“ sagen. Die „Vielen“ geben sich dem Genusse des Guten dieser Erde hin, ohne zu empfinden, dass das Reich Gottes noch nicht da ist, und ohne ein Verlangen nach dessen Kommen. Sie haben „ihren Most“ (oder ‚neuen Wein‘) und haben ihn zuweilen in Fülle.

Doch der Nasir schaut nach einer anderen Quelle mit Bezug auf seinen Wein aus, und er empfängt ihn auf ganz andere Art, und unendlich vorzüglicher. Wenn wir „ihren neuen Wein“ genießen, so nicht den neuen Wein, der dem Reiche des Vaters angehört; Nasirtum im Blick auf den einen ist wesentlich, um den anderen zu genießen.

Daraus erhellt der Zusammenhang zwischen dem erfüllten Nasirtum und dem priesterlichen Segen am Ende von 4. Mose 6.

Wir sahen das Ergebnis der Absonderung für Gott in den umfassenden Opfern des Nasirs am Eingange des Zeltes der Zusammenkunft. Wir sahen auch, dass der Priester, der ja das Geistliche darstellt, einen auffälligen Gewinn dadurch hat. Und schließlich haben wir den priesterlichen Segen, der in einer schönen Weise das ans Licht bringt, was Gottes Herz Seinem Volke gegenüber empfindet.

Der Segen gilt den „Kindern Israel“, er erstreckt sich über Sein ganzes Volk, doch es folgt hier unmittelbar dem „Gesetz des Nasirs“. Das zeigt den Weg, auf dem, der Regierung Gottes gemäß, die Segnung kommt.

Wenn einen kleinen Überrest Absonderung für Gott kennzeichnet, so wird dies Gott der Anlass, Seine Gedanken über die ganze Versammlung zum Ausdruck zu bringen. Das sehen wir in Philadelphia. Die ganze Versammlung kann durch einige Getreue gesegnet werden; ja wir können nicht sagen, was die Frucht des wahren Nasirtums auch nur eines einzigen ergebenen Herzens sein mag.

Absonderung fördert das Priesterliche, und dieses die Segnung der ganzen Versammlung.

Der sittlichen Forderung dieses Kapitels sollten wir immer eingedenk sein. „Jehova segne dich und behüte dich“ (V.24). Alles, was den Menschen wahrhaft glücklich macht, fließt aus dem Herzen Gottes und ist Seinen großen Gedanken gemäß. Und Er ist der Hüter wie auch der Segner, Er möchte in unseren Seelen immer ein tiefes Bewusstsein davon wach erhalten, dass wir Seiner Bewahrung bedürfen.

Als der Sohn zum Vater über die Seinen redete, gebrauchte Er das Wort „bewahren“ dreimal (Joh. 17, 11. 12 u. 15) und außerdem sprach Er noch davon, dass Er sie „behütet“ hatte (V.12).

Wie not tut es uns, an einem Schauplatze des Bösen, und obendrein schwach in uns selbst, bewahrt zu werden! Gottes Treue ist da allein unser Halt und unsere Stärke.

„Jehova lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig!“ (V.25).

Aus dem unverhüllten Angesichte des Mittlers strahlt Gott in der Herrlichkeit Seiner Gnade hervor, und die Unwandelbarkeit Seiner Gedanken und Seiner Gesinnung leuchtet uns daraus entgegen.

Sein Verhalten uns gegenüber entspricht immer der Ihm eigenen glückseligen Natur.

Schließlich heißt es: „Jehova erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!“

Darin kommt Seine Anerkennung und Sein Wohlgefallen zum Ausdruck, so dass sich ein tiefer Friede in dem von Gott anerkannten Herzen niederlässt (eigentlich „setzt“ nach der Anmerkung).

Nun, der wahre Aaron segnet diesen wunderbaren Gedanken gemäß. Nichts Geringeres ist von jeher in Seinem Herzen gegen uns. Und Seine „Söhne“ segnen auch in dieser Weise. Die Priester und Geistlichen unter dem Volke Gottes sind in dem Lichte und der Gnade dieser wunderbaren Segnung und sind immer bemüht, deren Kraft und Genuss den Herzen des Israels Gottes nahezubringen.

Wie glücklich die, denen dies bewusstermaßen zu eigen wird! Gesegnet, bewahrt, von göttlicher Liebe und Gunst erleuchtet, und nun auch noch von Gott anerkannt!

Alles das ist in Wahrheit der „neue Wein“ des Reiches Gottes, der das Teil und die Freude des Nasirs wird.

„Und so sollen sie meinen Namen auf die Kinder Israel legen, und ich werde sie segnen“ (V.27).

Den Höhepunkt von allem bildet, dass das, was der geoffenbarte Gott ist, und was Sein Volk von Ihm erkennt, auf sie gelegt wird. Gleichsam mit Seinem Namen angetan, sollen sie ihn auch fortan im Zeugnis hienieden tragen.