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MALEACHI 3.16

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Ein Überblick über das 1. Buch Mose

Hauptgedanken aus Wortbetrachtungen mit Charles Andrew Coates

Kapitel 17

Wenn ein Same des Glaubens die Verheißungen ererben soll, so muss er durch Gottes Macht kommen. Das Gesetz und das Fleisch nützen nichts.

Dieses Kapitel beginnt: „Ich bin Gott, der Allmächtige“ - Er kann all

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Lied der Lieder Kp 7

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Kapitel 7


Wenn sich die Heiligen den Blicken wieder als Über winder zeigen, so werden derartige geistliche Züge in ihnen gesehen, wie sie die einleitenden Verse dieses Kapitels im Bild beschreiben; und es scheint, daß diese Schilderung der Braut eine größere Fülle aufweist als die vorhergehenden, sowohl nach außen als nach innen wird da mehr entfaltet. Vers 1 führt uns vor, was die Braut ihren Bewegungen nach ist. Ihre „Tritte" (oder „Schritte"} sind schön, ihnen ist eine königliche Würde, ein Grundzug des Friedens eigen, denn die „Sandalen" wird man mit Füßen verbinden, die beschuht sind mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens (Eph. 6, 15). Einen solchen Wesenszug kann man nicht haben, ohne Feindliches zu überwinden, doch wenn er vor handen ist, so kommt in einer jeden Bewegung Frieden zum Ausdruck. Der Herr sagte: „In welches Haus irgend ihr aber eintretet, sprechet zuerst: Friede diesem Hause!" (Luk. 10, 5). Wohin auch Seine Jünger gingen, ihre Füße sollten lieblich sein, da sie das Evangelium des Friedens verkündigten (Rom. 10, 15). Wir können nicht sicher sein, daß alle, zu denen wir kommen, „Söhne des Friedens" sind, doch wir selbst können uns im Geist des Friedens und auf dem „Weg des Friedens" bewegen (Luk. 1, 79; Rom. 3, 17).

Alle Versammlungsvorgänge sind natürlich friedlicher Art, denn „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, son dern des Friedens, wie in allen Versammlungen der Heiligen" (1. Kor. 14, 33). Wer Zwietracht sät, ist Je-hova ein Greuel (Spr. 6, 19). Friede ist ein einigendes Band, das uns ermöglicht, die Einheit des Geistes im
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Wandel zu offenbaren. Nichts ist dem Auge Christi schöner als Seine Heiligen miteinander in Einheit und Frieden wandeln zu sehen. Das erste Wort des Auferstandenen an Seine versammelten Heiligen war: „Friede euch!", und wiederum sprach Er: „Friede euch!" und sandte sie aus (Jon. 20, 19. 21). Es ist kein Zeichen von Würde, aufgeregt und unfreundlich zu sein; das gleicht keiner „Fürstentochter". Wir haben 
„durch Kampf und Mühn der Wüste"
zu gehn, doch dabei „ziehn in Frieden wir den Pfad", wie es unser Vorrecht ist.

Die Kraft zur Bewegung liegt in den „Hüften", und wenn unsere Bewegungen wie „Geschmeide" erscheinen,wie „ein Werk von Künstlerhand", so kann das nur durch das Niederhalten des Fleisches geschehen, und dessen, was uns von Natur eigen ist. Der Mann, der mit Jakob rang, rührte das Gelenk seiner Hüfte an und ver renkte es (1. Mose 32, 25); unsere natürliche Kraft muß unter der Zucht Gottes gelähmt werden, um einer neuartigen Bewegung in geistlicher Kraft Raum zu machen. Paulus bekam einen Dorn für das Fleisch, doch er lernte, daß es besser war, den Dorn und die Gnade Christi zu haben, als ohne ihn zu sein; er lernte, daß Kraft in Schwachheit vollbracht wurde (2. Kor. 12, 9). Wenn wir uns auf eine schöne Weise geistlich bewegen möchten, so müssen wir bereit sein, auf seiten der Natur herab gesetzt und verkrüppelt zu werden. Jede Bewegung, die die Unterstützung des Geistes Christi erweist, ist in Seinen Augen ein Geschmeide; ihr ist eine Schönheit göttlicher Gestaltungskunst eigen. Ein „Werk von Künstlerhand" ist nicht plump oder mißfällig. Wir wissen, daß Bewegungen anmutiger Art möglich sind, denn wir alle haben sie zuzeiten gesehen; in Überwindern sehen wir sie immer.

Vers 2 redet von dem, was die „Fürstentochter" inwendig ist; sie kennzeichnet innere Befriedigung. Der Herr sprach zu dem Weibe am Jakobsbrunnen von dem Quell lebendigen Wassers, der eine innere Quelle werden sollte (Joh. 4, 14), ferner sollten aus dem Leibe des Gläubigen „Ströme lebendigen Wassers fließen" (Joh. 7, 38). Paulus konnte sagen, daß er wußte, was es war, sich zu begnügen, also von den Umständen unab-
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hängig zu sein (Phil. 4, 11. 12). Eliphas fragte: „Wird ein Weiser... sein Inneres mit dem Ostwind füllen?" (Hiob 15, 2). Es ist bedauerlich, wenn wir nichts Bes seres haben und der Ostwind uns füllt. Elihu hatte etwas Besseres, denn er konnte sagen: „Denn voll bin ich von Worten, der Geist meines Inhern drängt mich. Siehe, mein Inneres ist wie Wein, der nicht geöffnet ist; gleich neuen Schläuchen will es bersten" (Hiob 32, 18. 19). Er war so voll von dem, was von Gott war, daß er es nicht zurückzuhalten vermochte.

Der „M i s c h w e i n" ist zweifellos ein Hinweis auf die mannigfaltige Freude, die im Heiligen Geist liegt, und der „Weizenhaufen" redet von Christo, in dem die göttliche Treue ihren erhabenen Aus druck fand, und der dadurch die Speise Seiner Heiligen geworden ist. Das Innere des Überwinders ist von derart Köst lichem erfüllt, und zwar nicht in beschränktem Maße, wir haben hier einen „Haufen". Und wenn Christus ge schätzt wird, so vergessen wir Seine Heiligen nicht: der „Weizenhaufen" ist mit „Lilien" umzäunt. Wir sind den Heiligen in Liebe zugetan, da sie mit Christo innig verbunden und zu Seiner Herrlichkeit notwendig sind. Wir können kein tiefes Verlangen nach Christo haben, ohne ein tiefes Verlangen nach denen zu haben, die aus Christo und für Christum sind. Alles dies wird nun hier als eine innerlich gekannte Freude und Habe dargestellt. In einer Haushaltung solcher Überfülle ist es ganz unpassend, daß jemand vor Gott „leer" erscheint (2. Mose 23, 15; 34, 2; 5. Mose 16, 16). Wenn Gott das schon bei Israel nicht duldete, wieviel weniger geziemt es sich für die, denen die Fülle Christi und des Geistes zur Verfügung steht. Wie wohlgefällig ist es dem Geliebten, uns innerlich ausgerüstet zu sehen! So daß wir nicht nur von etwas reden können, sondern in unseren Herzen auch von dem erfüllt sind, wovon wir reden. Beim Zusammenkommen sollten wir immer voll sein; ein je der Bruder wartet dann auf die Gelegenheit, seinem Maß des Glaubens entsprechend und so, wie der Herr es führt, beizutragen. Es ist recht, mit Rücksicht auf andere zu warten, damit Raum für all das vorhandene Kostbare und Auf erbauende sei. Doch ein jeder, ob er öffentlich
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teilnimmt oder nicht, sollte voll sein und zur Ver fügung stehen, da er innerlich eine geistliche Habe be sitzt. Es ist sehr traurig, wenn ein Bruder schweigen muß, weil er »leer" ist; ein soldier dürfte schwerlich ein Überwinder sein.

Was wir innerlich genießen, haben wir, damit andere dadurch gesegnet werden. Ich habe gefunden, daß eskaum vorkommt, daß ich etwas vom Herrn aus genieße, ohne bald eine Gelegenheit zu haben, einem anderenetwas davon mitzuteilen; gerade dadurch wird das. geistliche Wachstum gefördert

Kapitel 4, 4 besagt, daß sich der Hals der Braut in kampfbereiter Stärke erhebt, hier jedoch gleidit er einem„Turm von Elfenbein** (V. 4). Wenn, wie dort bemerkt, der Hals auf Willensstärke, auf Entschlossenheit hindeutet, so weist der „Turm von Elfenbein** auf die persönlichen Kosten hin, die es allein ermöglichen, denEntschluß, für Christum zu sein, durchzuführen. Elfenbein kann nur auf Kosten des Geschöpfes, von dem esstammt, erlangt werden; und wenn wir uns dazu ent schließen, daß Christus in unserem Leibe verherrlicht werden soll, so werden wir finden, daß es nur auf Kosten dessen geschehen kann, was unser natürliches Lebenals Männer und Frauen ausmacht. Doch wie kostbar und anziehend ist es dem Geliebten, wenn der Hals Seiner Braut diesen Eindruck macht! Das ist ein weiterer Zug des Überwinders.

Daß die Augen der Fürstentochter mit den Teichen zu Hesbon verglichen werden, scheint die Tiefe ihrergeistlichen Auffassungskraft anzudeuten. Daß nach Kapitel 4, 1 ihre Augen „Tauben" waren, weist auf die geistliche Art ihrer Auffassung hin, doch dieses Bild von „Teichen" scheint dem noch den Gedanken der Tiefehinzuzufügen. Die Tiefe der geistlichen Auffassungskraft der Maria von Bethanien führte sie dahin, zu erkennen, wie angebracht es war, den Herrn gerade in diesem besonderen Augenblick zu salben Joh. 12, 3). Siehätte es vielleicht nicht erklären können, weshalb sie es tat, dodi der Herr konnte es und sagte, sie habe dieseihre köstliche Gabe auf den Tag Seines Begräbnisses aufbewahrt (V. 7). Sie hatte erkannt, was sich für den
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gegebenen Augenblick geziemte, und das ist ein sehr anziehender Zug geistlicher Schönheit.

Ihre „Nase" sodann stellt die Fähigkeit dar, den Duft dessen, was von Gott ist, zu unterscheiden; sie ist das Bild eines Wahrnehmungsvermögens, das von großer Wichtigkeit ist. Wenn eine scharfe Witterung dessen vorhanden ist, was von Gott ist, so wird auch ein übler Geruch schnell wahrgenommen. Vom Herrn stand ge schrieben: „Und sein Riechen (Atmen) wird sein in der Furcht Jehovas14 {]es. 11, 3). Wir sollten imstande sein, die Wesensart von Personen oder Lehren zu „riechen", ohne eine eingehendere Prüfung. Unser Geruch hat ein sehr feines Unterscheidungsvermögen; er nimmt etwas wahr, was unseren anderen Sinnen entgeht. Ein falscher Lehrer mag geschickt genug sein, seine Lehren, als völlig auf die Schrift gegründet, hinzustellen; doch wer wahr haft geistlich ist, nimmt einen üblen Geruch darin wahr, auch wenn er nicht genau sagen kann, was darin ver kehrt ist. Diese Fähigkeit gleicht einem hochgelegenen Wachtturm mit weitem Ausblick; wer den hat, hat nicht nötig, alles, was Gott zuwider ist, genau und bis ins einzelne zu erforschen; der Geruch sagt ihm genug, und er wendet sich davon ab. Anderseits aber nimmt er gar schnell den geistlichen Geruch dessen wahr, was von Gott kommt. Er freut sich, das weiter zu verfolgen, ihm in der Schrift nachzugehen, und es durch eifriges For schen bestätigt zu finden; doch, ehe sich ihm hierzu Ge legenheit bietet, hat er das innere Gefühl, daß es den Wohlgeruch Gottes und Christi an sich trägt. Die „Augen" und die „Nase", also das Auffassungsvermögen, sind sehr hervorragende Züge der Schönheit der „Fürstentochter".

Infolge der Betätigung des Auffassungsvermögens ent wickelt sich das geistliche Verständnis, und damit kom men wir zum Haupte: „Dein Haupt auf dir ist wie der Karmel" (V. 5). Karmel bedeutet „fruchtbar", und Jesäja 35, 2 redet von der „Pracht des Karmel". Die Ver sammlung umfaßt Verständige, solche, die den Geist haben (1. Kor. 10, 15). Den Tempel Gottes kennzeichnet die Gegenwart geistlichen Lichtes; und dadurch, daß die Brüder am Verständnis fruchtbar sind, dient dieses Licht zur  Auferbauung.   Alle   Unterweisung  und   Erbauung

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Hängt davon ab, daß das Verständnis fruchtbar ist (1. Kor. 14). „Fünf Worte*4, mit dem Verstand geredet, sind in der Versammlung mehr wert als zehntausend Worte ohne Verständnis, wenn diese auch alle in der Kraft des Geistes Gottes geredet werden, wie das beim Reden in einer fremden Sprache der Fall ist (V. 19). Einem Haupte „wie der Karmel" kommt ein großer Wert zu, weil der wahre Nutzen jedes Zusammenkommens darin liegt, daß die Heiligen auferbaut werden. Was in der Versammlung ausgedrückt wird, sollte die Frucht davon sein, daß göttliches Licht im Verständnis Gestalt gewonnen hat, und es wird deshalb ausgesprochen, da mit die Heiligen geistlich zunehmen. „Alles" — nicht nur das, was sich im Dienste an die Heiligen wendet, sondern auch das, was sich an göttliche Personen im Gebet oder im Lobe wendet— „geschehe zur Erbauung" (1. Kor. 14, 26). Gott mehrt das Wachstum Seiner Hei ligen durch die Fruchtbarkeit des Verständnisses ver schiedener Glieder des Leibes beständig. Die Erbauung vollzieht sich andauernd, und jede Tätigkeit in der Ver sammlung soll sie fördern. Bei jeder Zusammenkunft sollten wir etwas erwarten, was wir zuvor noch nicht hatten. Ein Wachstum können wir bei jungen Gläubigen leichter wahrnehmen, da sie jungen Bäumen gleichen, bei denen jede Jahreszeit einen beträchtlichen Unter schied aufweist; alte Bäume jedoch wachsen auch immer fort, obwohl es nicht so in die Augen fällt. Im allge meinen haben wir bei einem alten Baum mehr wahr haftes Wachstum als bei einem jungen, es sei denn, daß der Verfall eingesetzt hat; und so ist es auch bei alten Heiligen. Ich denke nicht, daß Heilige gottgemäß zusam menkommen können, ohne auferbaut zu werden; doch das hängt von der Fruchtbarkeit des geistlichen Ver ständnisses ab, und deshalb sagt Paulus: „Brüder, seid nicht Kinder am Verstände, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstände aber seid Erwachsene1* (1. Kor. 14, 20). Kinder handeln und reden ihrem Empfinden, Männer ihrem Verstand gemäß. Der Kirche oder Ver sammlung ist ein einsichtiges Verständnis über göttliche Dinge gegeben, und wenn das zum Ausdruck gelangt, so dient es zur allgemeinen Erbauung, und daran hat der

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Herr großes Wohlgefallen, darin wird der Zug Seiner Braut offenbar, den ihr „Haupt.. wie der Kamel" darstellt.

Sodann ist ihr Haupt geschmückt, denn es heißt: „Und das herabwallende Haar deines Hauptes wie Purpur; ein König ist gefesselt durch deine Locken (eigentlich: .Haarergüsse', also nicht dasselbe Wort wie Kap. 5, 2. 11)!"(V. 5). Da ist eine geistliche Schönheit vorhanden, die nach Gottes Gedanken das geistliche Ver ständnis immer begleitet, und das ist der Schmuck der Unterwürfigkeit, der ja die Herrlichkeit der Kirche eben so ausmacht wie das lange Haar die eines Weibes. Der Geist der Unterordnung ist dem Auge und Herzen Christi höchst anziehend. Jeder Teil der Wahrheit fordert Unterwürfigkeit; es gibt nichts, was das geistliche Ver ständnis erfassen könnte, das keine Unterordnung er fordert, sonst würde uns das Erfaßte in unserem Wandel nicht beherrschen. Dessen im Herzen bewußt, werden wir vor Starrsinn und Hochmut bewahrt.

Außerdem kommt hier noch das wahrhaft „königliche" Wesen der „Fürstentochter" zum Ausdruck, von dem der„Purpur" redet; ich fasse das dahin auf, daß die Ober hoheit des Hauptes (d. h. Christi) wirklich anerkannt wird. Wenn der Geist der Unterwürfigkeit unter Chri stum in uns ist, so wird sich da sein all unseren Bezie hungen zueinander geltend machen. Man kann schwer lich Christo Untertan sein, und nicht auch denen, die des Christus sind. Der Geist der Unterordnung in den Hei ligen ist das einzige Zeugnis der Oberhoheit Christi in der Welt, und wir können alle an diesem Zeugnis teil haben. Viele mögen außerstande sein zu predigen, zu lehren oder zu geben, doch wir alle können irgendwie ausdrücken, daß wir Christo als Haupt Untertan sind. Das Weib z. B. soll ein Zeichen der Oberhoheit, unter der sie steht, „auf dem Haupte haben, um der Engel willen" (1. Kor. 11, 10). Die Engel sollten in dem Weibe die Herrlichkeit der Unterwürfigkeit unter sein Haupt sehen; gleicherweise nun ist „die Versammlung dem Christus unterworfen" (Eph. 5, 24).

Eine große Herrlichkeit des Herrn war, daß Er hienieden einen Platz der Unterwürfigkeit einnahm. Der

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Hauptmann in Lukas 7 hatte das erfaßt und sagte: »Denn auch ich bin ein Mensch unter Gewalt gestellt*4 (V. 8;Matth. 8, 9). Er verstand, daß der Herr Gott gegen über diese Stellung innehatte, und Jesus wunderte Sich über seinen Glauben. Den Geliebten Selbst kennzeichnete vollkommene Unterwürfigkeit, und Seine Braut mußte darin mit Ihm übereinstimmen. Unsere Herrlichkeit ist, durch Untertänigkeit gekennzeichnet zu sein, und ein solcher Geist ist dem Herrn höchst anziehend. „Der König ist gefesselt durch deine Locken!" Nichts in den Heiligen bewegt das Herz Christi mehr, als daß sie Ihm, dem Haupte, in Liebe Untertan sind. Das vermag Ihn zu „fesseln" — ein wunderbares Wort, wenn wir bedenken, wer der König in Wirklichkeit ist! Das erinnert uns an Johannes 14, 21: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren."

Wo eine liebevolle Unterwürfigkeit vorhanden ist, da bekommt der Herr Sein volles Teil Freude an Seiner Ge­liebten, da kann Er sagen: »Wie schön bist du, und wie lieblich bist du, o Liebe, unter den Wonnen!" Seine Braut bereitet Ihm nun all die Freude, die Seine Liebe wünschen kann. Sie ist nun zum vollen „W u c h s e" gekommen (V. 7), einem zuvor noch nicht erwähnten Wesenszuge. Wenn all die bisher betrachteten Wesens züge, die die „Fürstentochter" kennzeichnen, in den Hei ligen gefunden werden, so können wir sicher sein, daß dann auch der volle „Wuchs" da ist. Die göttliche Natur entfaltet sich dann, und das Heranreifen zum „Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus" wird offenbar (Eph. 4, 13). Die Heiligen sollten in allem zu Ihm hin heranwachsen, „der das Haupt ist, der Christus" (Eph. 4, 15). Erkenntnis, Glaube oder Gabe sind nicht der volle Wuchs; dieser ist die Folge der Gestaltung in der göttlichen Natur; wir sind so groß, wie wir lieben, und nicht größer. Unser Heranwachsen können wir nach 1. Korinther 13 bemessen.

Der „Fürstentochter" kann der Geliebte sagen: „Dieser dein Wuchs gleicht der Palme, und deine Brüste denTrauben" (V. 7), Voller Wuchs und zufriedenstellende

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Zuneigungen gehören zusammen, und der Geliebte er greift Besitz von Seiner geliebten Braut, so daß sie sagen kann: „Ich bin meines Geliebten, und nach mir ist sein Verlangen" (V. 10).

Dreierlei bereitet Ihm in Vers 7—9 eine besondere Freude: ihre „Brüste", der „Duft ihrer Nase" und ihr „Gaumen". Er schätzt unsere Liebe, findet Wohlgefallen an unserem Wahrnehmungsvermögen, und unsere Art,göttliche Dinge zu schmecken, ist Ihm „wie der beste Wein".

Wir sahen schon, daß ihre „Nase" ein Bild scharfen Wahrnehmungsvermögens ist; hier ist davon die Rede, was deren Duft dem König ist. Sie hat sich nicht damit beschäftigt, üblen Gerüchen nachzugehen, Ihr Geruchssinn gleicht dem Seinen, der mit allem vertraut ist, was von lieblichem Wohlgeruch ist; und ihr „Gaumen" (dasselbe Wort, von dem wir schon in Kap. 5, 16 sprachen) ist ein Bild der Fähigkeit, die Süßigkeit alles dessen zuschmecken, was geistlich und göttlich ist, und das ist dem Geliebten „wie der beste Wein", Wie köstlich ist der Gedanke, daß unser Schmecken und Genießen himmlischer Süßigkeit Ihm Wein, ja der beste Wein ist! Er freutSich, wenn wir daheim und als einzelne göttliche Dinge genießen, von welch besonderer Köstlichkeit aber ist Ihm unser gemeinsamer Genuß! Man blickt oft umher, wenn Christus den Heiligen im Dienste gebradit wird, um zu sehen, ob das den Heiligen ein Genuß ist. Wenn es uns nun schon eine Freude ist, Anzeichen wahrerWertschätzung der Dinge Christi und der Dinge des Vaters zu sehen, wieviel mehr Ihm! Und Er hat es gern, wenn wir etwas davon erfassen, was Ihm dies ist; das haben wir nach dem ersten Satz von Vers 9. Bis dahin redet der Geliebte, und dann fällt die Braut, sozusagen, ein und vollendet den Satz für Ihn. Das ist eine liebliche und auffallende Wendung völliger Übereinstimmung zwischen Ihm und Seiner Geliebten. Sie erfaßt, was es für Ihn bedeutet, derartiges zu schätzen, das ist Ihm der beste Wein, „der meinem Geliebten sanft hinuntergleitet". Der Herr liebt es, uns ein Bewußtsein davon zu geben, daß unsere Freude am Göttlichen Ihm eine Freude ist.

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Überdies gibt es keinen mächtigeren Einfluß, „Schlummernde" anzuregen, als wenn wachende und glückliche Heilige zum Ausdruck bringen, wie sie Göttliches schätzen und genießen. Ich glaube, nichts ist mehr dazu benutzt worden, träge und schläfrige Herzen aufzuwecken und zu beleben, als die Erkenntnis der Be­friedigung und Freude, die das Teil des Überwinders sind. Wenn dies „allmählich über die Lippen der Schlum­mernden dringt", so übt es eine wohltätige aufweckende Kraft aus.

Es ist schon oft darauf hingewiesen worden, daß Vers 10: „Ich bin meines Geliebten, und nach mir ist sein Verlangen", die höchste Auffassung der Braut von ihrer Beziehung zu ihrem Geliebten wiedergibt. In Vers 8 hat Er von ihr Besitz ergriffen, und nun ist sie bewußtermaßen Sein eigen. Paulus konnte in Philipper 3,12 sagen, daß er „von Christo ergriffen" worden war, und damit ist die bräutliche Zuneigung wahrhaft befriedigt. Völlig Sein zu sein, Ihm ganz und gar hingegeben und zu Sei ner Verfügung stehend, das ist der Höhepunkt dessen, wohin die Liebe gegenwärtig gelangen kann. Das kommt der bewußten Vereinigung so nahe wie irgend etwas, was wir in diesem kostbaren Buche finden, das der bild lichen Darstellung heiliger und geistlicher Zuneigungen derart geweiht ist.

Kapitel 6, 11 redete von dem Hinabgehen des Gelieb ten, um zu sehen, „ob der Weinstock ausgeschlagen wäre, ob die Granatäpfel blühten." Da überblickte der Herr ein weiteres Gebiet Seiner Belange, als das in Seiner Braut dargestellte, und schaute nach Zeichen geistlichen Lebens oder der Neubelebung aus. In Kapitel 7, 11. 12 finden wir nun die Braut in völliger Übereinstimmung mit diesen Gedanken ihres Geliebten, und sie ergreift, sozu sagen, die Führerschaft, indem sie anregt, Er solle mit ihr kommen und sehen, ob „die Weinblüte sich geöffnet hat, ob die Granatäpfel blühen". Sie nimmt nun völligen Anteil an dem weiten Gebiete Seiner Angelegenheiten auf Erden — die Felder, die Dörfer, die Weinberge sind alle vor ihr. Sie nimmt innigen Anteil an allem, was für Ihn ist; und in diesem weiten Kreise will sie Ihm ihre Liebesweise dartun. Dessen bewußt, daß sie Sein

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Wenn die wahren Zuneigungen der Braut unser sind, so haben wir keine unserem Kreise oder uns persönlich dienenden Angelegenheiten; wahre Kirchenzuneigungen sind mit dem Gedeihen eines jeden der Belange Christi verbunden. Er möchte unser Herz jetzt frei sehen, an all das Seine auf Erden zu denken, und auch an das, was am Tage der Zukunft Sein ist, sei es in dem Überrest in Jerusalem oder in dem diesem folgenden weiten Felde tausendjähriger Herrlichkeit. Seine Braut kann heute alles das mit Ihm überblicken, da sie gemeinsamen Anteil daran nimmt; und darin erweist sich ihre Liebe.

Unser großes Verlangen sollte sein, Zeichen des Wer kes Gottes in den Seelen zu erkennen. Der Überrest wird am Tage der Zukunft danach trachten, Zeichen geist lichen Lebens im Volke Israel wahrzunehmen. Sie wis sen, daß dessen Frühling nahe ist, und sind berechtigt, Knospen und Blüten in diesem Volke zu erwarten. Sie werden ihren Geliebten rufen, mit ihnen zu gehen und nach Zeichen geistlichen Lebens in weiterem Umfange Ausschau zu halten, als sie bisher zu sehen waren.

Wir erwarten jetzt noch nicht viel, was Knospen und Blüten anlangt, in Israel zu sehen, denn Zeichen geist­lichen Lebens erscheinen nur da, wo Gott wirkt, und die gegenwärtige Zeit ist besonders die Zeit der Segnung der Nationen. Das Evangeliumsfeld bietet einen sehr weiten Ausblick, und was sich da unseren Blicken zeigt, ist das Werk Gottes in den Seelen; da gilt das Wort: „Hebet eure Augen auf und schauet die Felder an, denn sie sind schon weiß zur Ernte" (Joh. 4, 35). Gottes Werk ge schieht jetzt im Blick auf die Kirche, und aus diesem Grunde nimmt jede Seele, in der Gott wirkt, unsere Teil nahme in Anspruch. Das Gebiet der Belange Christi ist jetzt ein sehr umfangreiches, und es ist unser Vorrecht, es mit der Teilnahme und Liebe Seiner Braut zu über blicken und Ihm die Beweise unserer Liebe in dem Kreise Seiner Belange zu geben.

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Der Braut geziemt eine Stellung, von wo aus sie mit Freuden von dem Werke Gottes in den Seelen Kenntnisnimmt. Und die Echtheit unserer Teilnahme erweist sich auf dem kleinen Teile des weiten Feldes, mit dem wirselbst in Berührung kommen. Wir sollten immer nach Knospen und Blüten Ausschau halten. Diesem Bilde nachgibt es noch keine Frucht, wohl aber Beweise des Lebens und Anzeichen der Frucht zu ihrer Zeit. Wir gedenken alles dessen, was da zur Herrlichkeit Gottes und zum Wohlgefallen Christi in jeder Seele heranzureifen vermag, die Beweise geistlichen Lebens zeigt. Wie erfreulich ist es, eine Seele zu sehen, die wahren Anteil an den Dingen Gottes nimmt! Wir freuen uns, wenn wir von jemand hören, der an Christum zu glauben bekennt, doch wahre Teilnahme läßt uns fragen: Was wird in jener Seele für Gott Gestalt gewinnen? Knospen und Blüten reden von dem, was zum Wohlgefallen Christi zur Reife kommen wird, und da es die Zeit der Kirche ist, wendet sich die Blickschärfe unserer Augen den ersten Anzeichen von Herzensübungen mit Bezug auf die Wahrheit der Kirche in denen zu, die berufen worden sind, als solche Frucht zu tragen, deren Platz und Dienst in der Kirche ist.

Vers 12 zeigt, wie die Braut im bewußten Genuß der Liebe Christi Ausschau hält; sie denkt nicht an sich, sondern nimmt teil an jedem Zeugnis der göttlichen Wirksamkeit. Wenn unsere Beziehungen zueinander und zu einem jeden von den Kindern Gottes derart wären, würde uns das nicht vor vielem Unnützen mit Erfolgbewahren? Die Braut ist eine Gesamtheit, so daß uns das, was wir hier im Bilde sehen, als Versammlung kennzeichnen sollte. Wenn wir zum Gebet zusammenkommen, so umfaßt unser Ausblick all die kostbaren Be­lange Christi, und besonders solche, die in Beziehung zur Wahrheit und zu den Vorrechten der Kirche stehen.

Die Braut hat aber nicht nur einen weiten Ausblick, sondern sie hat auch „Türen", wo „allerlei köstlicheFrüchte (eigentlich, ähnlich 5. Mose 33, 13—15: „Köst lichstes von Früchten"), neue und alte", für den Geliebtenaufbewahrt werden; in einem beschränkteren Kreise hat sie einen Vorrat völlig ausgereifter Früchte für Ihn aufgehäuft. Das ist etwas mehr als Knospen und Blüten,

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es ist etwas, was völlig zu Seiner Befriedigung ist. Welch eine Herzensübung für uns, ob wir wirklich solche„köstlichen Früchte" für Ihn bereit haben!

„Allerlei köstliche Früchte, neue und alte", deuten auf deren große Mannigfaltigkeit sowie auch Vortrefflichkeit hin. Das gibt uns einen großen Begriff von dem außerordentlichen Reichtum der Befriedigung, den die Heiligen fähig sind, für Christum bereit zu halten. „Neue und alte" besagt einerseits, wie der ganze Um­fang der im Alten Testament entfalteten Wege Gottes samt dem weiten Gebiete der Verheißung zum geistlichen Reichtum der Heiligen beiträgt, und anderseits auch das, was der Haushaltung nach „neu" ist und in Verbindung mit dem Geheimnis steht. Ein Bruder beklagte sich einst bei mir, daß ich die Kirche in das Alte Testament hineinbringe; ich sagte: „Nein, das tue ich nicht, sondern ich möchte nur all den Reichtum des Alten Testaments in die Kirche bringen!" Ich bin gewiß, der Herr würde das auch tun, denn als der Auferstandene „erklärte er ihnenin allen Schriften das, was ihn betraf", und „öffnete . . . ihnen das Verständnis, um die Schriften zu ver stehen" (Luk. 24, 27. 45). Er hat uns gesagt: „Darum ist jeder Schriftgelehrte, der im Reiche der Himmel unterrichtet (geschult, Jünger geworden oder zu einem Jün ger gemacht) ist. gleich einem Hausherrn, der aus sei nem Schatze Neues und Altes hervorbringt" (Matth. 13, 52). Das „Alte" wie auch das „Neue" sollte zur Unterweisung der Heiligen hervorgebracht werden, alles aber sollte zum Heranwachsen „köstlicher Früchte" für den Geliebten dienen. Natürlich ist hierzu göttliche Belehrung nötig, wir müssen „geschult, zu Jüngern gemacht" werden (Matth. 27, 57; 28, 19; Apg. 14, 21), und das besagt etwas mehr als ein bloßes Vertrautsein mit dem Buchstaben der Schrift, nämlich ein Eingeweihtsein in das, was den Weisen und Verständigen verborgen, aber Unmündigen geoffenbart ist (Matth. 11, 25; 13, 11. 16. 17). Dann erst gibt es „köstliche Früchte" für den Geliebten, und die reden im Bilde von der besonderen Befriedigung, die für Christum da bereit gehalten wird, wo gottgemäße Versammlungszustände sind. Infolge Seiner großen Gunst haben wir „Türen", wo solche Früchte
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zu finden sind, und Er möchte, daß alle Seine Hei ligen wissen, daß ihnen solche Türen zur Verfügung stehen, dem Reichtum der Glückseligkeit ihrer Berufung gemäß. Er möchte, daß wir „Türen" haben, wo all die „köstlichen Früchte" zu Seiner Freude bereit liegen.

Das kann als der Höhepunkt geistlicher Erfahrung betrachtet werden. Das achte Kapitel geht nicht darüber hinaus, ja es kehrt im allgemeinen mehr zu Ausdrücken des Verlangens zurück als zu solchen bewußter gegen­wärtiger Befriedigung. Das besagt vielleicht — welchen Grad von Vertrautheit wir auch nach besonderen Er­weisungen göttlicher Gunst genießen mögen, in denen es dem Herrn gefällt, Sich solchen, die Ihn lieben, zu offen baren —, Übungen mannigfaltiger Art werden nicht eher aufhören, als bis Er tatsächlich kommt, uns zu Sich auf zunehmen. Wenn auch einzelne den Zutritt zum Heilig tum kennen mögen, und VersammlungsVorrechte im süßen Bewußtsein der Gegenwart und Liebe des Herrn gemeinsam genossen werden können, wir haben doch immer wieder die Übungen des Wüstenlebens aufzu nehmen. Paulus mußte, sogar nachdem er in das Paradies entrückt worden war, herniederkommen und die Faustschläge eines Engels Satans und einen Dorn im Fleische erdulden, damit er vor ungebührlicher Erhebung bewahrt werde. Verschiedene Formen demütigender Selbsterkenntnis sind zur Vollendung unserer Laufbahn notwendig; dadurch lernen wir die Gnade in immer mehr vertiefter Weise kennen. Und immer wird es Übungen über unseren Herzenszustand geben; nicht immer viel leicht solche des Gewissens, des Übeltuns halber, son dern solche des Herzens, ob wir der Liebe Christi ge­treulich entsprechen und Ihm auch alles das gebracht haben, was Seine Liebe begehrt. Die Kenntnis der süßen Vertrautheiten, die dieses Buch schildert, verschärft solche Übungen nur. Sein Dienst, Sein Zeugnis und alles uns von Seinen Belangen Anvertraute fordert eine Er gebenheit, die nur dann aufrechterhalten werden kann, wenn das Verlangen und die Entschlossenheit unseres Herzens nicht erlahmen. Ich glaube, das ist der Zu­sammenhang und auch der Zweck, weshalb wir noch das nunmehrige letzte Kapitel haben.

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