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MALEACHI 3.16

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Wortbetrachtungen über die Maskil-Psalmen

(Charles Andrew Coates)


Psalm 42 und 44

Psalm 42

1 Dem Vorsänger. Ein Maskil von den Söhnen Korahs. Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, also lechzt meine Seele nach dir, o Gott!

2 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und erscheinen vor Gott

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Richter

Richter Kapitel 17 + 18 19 - 21

Das Buch der Richter

 

mp3
mp3 19-21


(Charles Andrew Coates)


Kapitel 17 bis 21

Kap. 17 und 18

Im vorhergehenden Teile des Buches sahen wir, dass das Volk Jehova verließ, dass es Jehova vergaß. Jetzt kommen wir aber zu etwas, was vielleicht noch ernster war, denn der Götzendienst wurde in bestimmter Weise mit dem Namen Jehovas verbunden. Das bezieht sich auf den Götzendienst in dem, was man eine christliche Form nennen kann.

Michas Mutter brachte ihrem Sohne den Götzendienst bei, jedoch in Verbindung mit dem Namen Jehovas. Sie sagte, sie hätte das Silber Jehova geweiht.

Der Geist Gottes hat auf die Glückseligkeit der Gegenwart des Herrn inmitten Seiner Heiligen hingewiesen, wie auch auf die heiligen Zustände, die mit dem Orte verbunden sein müssen, wo der Herr inmitten Seines Volkes gekannt wird; es gibt aber auch eine große Nachahmung, die eine götzendienerische Form annimmt, jedoch wird der Name Gottes damit verbunden.

Alle kostbaren Wahrheiten, die in dem gegenwärtigen Zeitabschnitt bekannt gemacht worden sind, werden angenommen, aber sie werden in eine götzendienerische Form gegossen. Es gibt ein nachgebildetes Priestertum, ein Ephod, einen geweihten Sohn; es ist die richtige Form, sie ist aber bloß nachgebildet. Das wirft die Frage auf, ob wir es mit dem geistlich Echten zu tun haben oder mit einer bloßen Nachahmung.

Die Mutter Michas war eine Erdenbewohnerin; sie war eine fluchende Mutter, nicht eine segnende, wie Jerusalem, das droben ist. Wenn wir dem himmlischen Licht treu sind, werden wir vor allen Formen bewahrt, die dadurch entstehen, dass etwas anderes anstelle des himmlischen Lichts gesetzt wird. Ich muss dann ein geschnitztes Bild, ein gegossenes Bild oder eine religiöse Zeremonie haben, um mir die Personen der Gottheit wirklicher zu machen. Es bedeutet ein Abkehren vom Geistlichen.

Es kommt leicht vor, dass wir auf die Linie der geschnitzten und gegossenen Bilder abgleiten. Ein gegossenes Bild ist etwas, was man leicht vervielfältigen kann. Es wird in eine bestimmte Form gegossen, es ist gleichsam eine festgesetzte Form des Gottesdienstes. Wenn unsere Gebete und Lobeserhebungen eine festgesetzte Form annehmen, laufen wir Gefahr, gegossene Bilder zu erzeugen, und zwar anstatt dessen, was lebendig ist und dem Lichte der Offenbarung entspricht.

Was nicht in Geist und Wahrheit ist, neigt dazu, ein geschnitztes oder gegossenes Bild zu werden. Ein gegossenes Bild ist etwas, was leicht vervielfältigt werden kann; so etwas kann in einem Buch gedruckt werden, so dass jeder ihm folgen kann.

Das geschnitzte Bild ist mehr das Erzeugnis der Tätigkeit der menschlichen Vernunft — es sind in der menschlichen Vernunft ausgearbeitete Gedanken über Gott; sie entsprechen nicht dem Lichte der Offenbarung, sondern sie werden der menschlichen Vernunft entsprechend ausgearbeitet. Ich denke, das wird durch das geschnitzte Bild angedeutet. Wir müssen uns vor einem menschlichen Eingriff in die heiligen Dinge Gottes hüten.

Es ist ernst, daran zu denken, dass ein Levit, ein Enkel Moses, in solch einem Zusammenhang erwähnt wird (Kap. 17, 8 und Kap. 18, 30). Was für ein schrecklicher Tiefstand! Er verlässt Bethlehem-Juda, um einen Platz zu suchen. Sein Großvater hatte gesagt: „Lösche mich doch aus deinem Buche.“ Der wahre Stamm Levi war dem Ruf gefolgt: „Her zu mir, wer für Jehova ist!“ Es ist etwas Schreckliches, von dieser Höhe herabzufallen, um sich sonstwo aufzuhalten und einen Platz zu suchen.

Dieser Levit war gleichsam ein Diotrephes; er suchte nicht einen Platz für Jehova, sondern für sich selbst. Wenn wir das tun, wird der Teufel uns sicherlich mit dem echten Götzendienste einsmachen.

In Kapitel 18 suchte der Stamm der Daniter ein Erbteil zum Wohnen. Sie stellen solche dar, die dem Bekenntnis und dem Namen nach auf himmlischem Boden gestanden haben, dort aber keine Befriedigung gefunden haben und nun ein anderes Erbteil suchen wollen. Es ist ein Bild von den Gläubigen, die einen Platz auf Erden suchen, weil das himmlische Gebiet zu viel von ihnen verlangt. Sie sagten von dem Lande bei Lais, dass es nach allen Seiten hin geräumig war und dass es dort an nichts mangelte von allem, was auf Erden war. Es gibt einen Bereich der Dinge, der ergriffen werden kann, und zwar dort, wo man sagt: „Wir sind reich und reich geworden und bedürfen nichts.“ Die Religion Michas passte gerade zu solchen Zuständen. Der himmlische Boden war für diese Daniter nicht geräumig genug, und sie erreichten einen Ort, wo niemand die Autorität hatte, sie zuschanden zu machen, einen Ort, wo das Gewissen nie in Übung kam.

Bei Simson sehen wir die Kraft zur Wiederherstellung, obwohl er große Verfehlungen gezeigt hatte. Bei den Danitern gab es jedoch keine Wiederherstellung; bei ihnen gab es eine schreckliche Abtrünnigkeit, die sich bis zu den Tagen der Gefangenschaft erstreckte.

In den letzten Versen von Kapitel 18 ist ein schönes Wort. Das Haus Gottes war die ganze Zeit über in Silo. Wenn der Götzendienst auch betrieben wurde, so befand sich jedoch das Haus Gottes die ganze Zeit über in Silo. Den Danitern ging Silo ganz verloren, es war aber für solche wie Boas vorhanden. Für Elkana und Hanna war das Haus Gottes da.

Hier stehen diese zwei Systeme im Gegensatz zueinander. Es gibt ein System, das vorgibt, Jehova einen Platz einzuräumen, dem Wesen nach aber götzendienerisch ist, und es ist mit einer völlig falschen Stellung des Volkes Gottes verbunden, wo man das von Gott gegebene Erbteil nicht genießt, sondern man befindet sich unter dem Einfluss der Dinge auf Erden.

Dann gibt es aber auch ein anderes System hienieden: das Haus Gottes war in Silo, die Hütte war da, die Lade war da.

Was uns vor dem Götzendienst bewahrt, finden wir in den Schriften des Johannes; sie sollen uns von allem Götzendienerischen bewahren und von dem, was den Charakter der Nachbildung trägt, von dem, was kein Leben ist. Johannes will uns bewahren und uns in Silo festhalten, an dem Orte, wo die Rechte Christi anerkannt werden.

Kap. 19, 20 und 21

Von Anfang des 17. Kapitels bis zum Ende des Buches gibt es Begebenheiten, die den moralischen Zustand des Volkes Gottes in einer sehr traurigen Weise bloßstellen. Vielleicht steht das größere Übel zuerst, das heißt, das Verbinden des Götzendienstes mit dem Namen Jehovas: das ist das größtmögliche Übel. Es erweckte aber keineswegs dieselbe Empörung in Israel, wie die Empörung über die moralische Verderbtheit, die zu Gibea ans Licht kam.

Es gibt Dinge, gegen die das natürliche Gewissen sich empört, jedermann würde sich gegen sie erheben, das sind aber nicht die schlimmsten Dinge. Ein Vergehen direkt gegen Gott in den heiligen Dingen ist das größtmögliche Übel.

In Bezug auf den Götzendienst im Hause Michas, der durch einen Enkel Moses gefördert wurde, versammelte sich ganz Israel nicht von Dan bis Beerseba. Man hätte erwarten können, dass solch eine Sache ganz Israel wie einen Mann hätte aufschrecken lassen, es war aber nicht der Fall.

Diese Geschichte zeigt, dass wir eher dazu neigen, durch etwas, was gegen die moralische Anständigkeit verstößt, empört zu sein, als durch etwas, was direkt den Dienst und die Herrlichkeit berührt. Das natürliche Gewissen gewahrt das erste. Man muss aber Gott wahrhaftig lieben, um aufs Tiefste das zu empfinden, was Gott beiseite setzt und was Ihm unter Seinem Volke gebührt. Was getan wurde, war abscheulich; zweifellos war es das Ergebnis des Umgangs des Volkes mit den Kanaanitern, von denen sie ihre grässlichen Bräuche gelernt hatten. Wie die Schrift sagt, es war „ein Verbrechen und eine Schandtat“ in Israel begangen worden; alles, was das Volk darüber redete, war wahr. Deshalb versammelten sie sich alle vor Jehova in Mizpa, und das wurde die Versammlung des Volkes Gottes genannt.

Wie schrecklich ihr Zustand auch war, ihr Gewissen war noch genügend wach, um sich über diese grobe Übeltat zu entrüsten. Sie gebrauchten die rechten Ausdrücke dafür. Der Levit sagte: „Sie haben ein Verbrechen und eine Schandtat begangen in Israel“ (V. 6); und am Ende von Vers 10 sagte das Volk: „Nach all der Schandtat, die es in Israe1 begangen hat“, und in Vers 13 redeten sie darüber, das Böse aus Israel hinwegzuschaffen.

Wir sagen aber oft das Richtige, ohne dabei etwas zu empfinden. Sie empfanden es nicht als eine Sünde Israels, sondern als die Sünde von Gibea. Wenn sie diese Sünde als die Sünde von ganz Israel empfunden hätten, wären sie alle vor Gott auf ihr Angesicht gefallen und hätten sie als ihre eigene Sünde bekannt. Sie fassten die Sache aber in solch einer Weise auf, die Gott nicht unterstützen konnte; sie trauerten nicht darüber, obwohl sie das Rechte sagten. Es gab eine natürliche Entrüstung gegen das, was offenbar böse war; sie war aber gar nicht die Frucht des Umgangs mit Gott. Es war kein Anzeichen da, dass sie vor Gott gedemütigt waren. Sie suchten nicht, von Gott geleitet zu werden; sie beschlossen, was sie tun würden; sie sagten: Dies kann nicht geduldet werden; wir müssen gehen und sofort das Urteil darüber vollstrecken. Das war richtig, doch sie handelten nicht mit Gott. Wenn also auch gegen das Böse in Treue vorgegangen wurde, so geschah es aber nur durch viel Zucht, dass das Volk in einen Zustand versetzt wurde, bei welchem Gott in dem, was sie taten, mit ihnen sein konnte. Deswegen mussten sie diesbezüglich durch tiefes Leid gehen und sich dessen bewusst werden, dass die Sache auf solch eine Weise ausgeführt wurde, dass sie einen Stamm aus Israel beinahe verloren hatten. Sie fassten es nicht als die Sünde Israels auf; sie hätten aus dem Falle Achans lernen sollen, wo Jehova sagte: Israel hat gesündigt“, und Er hielt ganz Israel für verantwortlich. Es hätte als eine Übung der ganzen Versammlung aufgefasst werden sollen. Wenn unter dem Volke Gottes etwas Ungeziemendes und Anstößiges geschieht (wovon einiges schon dem natürlichen Gewissen anstößig sein kann), so sollte die erste Übung dahin gehen, dass solches sich in Israel zugetragen hat, so dass es Israel obliegt, sich dieserhalb zu demütigen und die Schande und das Leid tief vor Gott gebeugt auf sich zu nehmen. Man kann sich durchaus vorstellen, dass, wenn sie also getan hätten, es Benjamin tief beeindruckt haben würde. Sie hätten gesagt: Ach, sie zerbrechen sich nun das Herz im Kummer über das, was wir getan haben, und sie bekennen unsere Sünde wie ihre eigene! Ich denke, das hätte sie erschüttert.

Das ist eine sehr wichtige Überlegung für uns in Bezug auf jedes Ausüben von Zucht, das heißt, es geht um unseren Seelenzustand bei diesem Verfahren, ob wir dabei wirklich mit Gott wandeln. Wenn etwas ausgesprochen böse ist, ist es leicht zu sagen, es ist unrecht und muss gerichtet werden; bin ich aber dabei wirklich mit Gott? Dies ist eine prüfende Übung für uns, denn es ist leicht, zehntausend unrechte Dinge zu sehen und auch viele, die ausgesprochen anstößig sind; wie empfinden wir sie aber? Paulus schreibt an die Korinther: Ihr...habt nicht viel mehr Leid getragen“ (1. Kor. 5, 2). Wenn sie nicht gewusst hätten, wie sie mit dem Übeltäter verfahren sollten, wenn sie aber wegen des Übels Leid getragen hätten, hätte der Herr mit ihm verfahren. Israel musste viel Leid und Übung durchmachen; sie mussten weinen und fasten, und Brandopfer und Friedensopfer darbringen und erkennen, dass Benjamin schließlich ihr Bruder war. Dann mussten sie streng gezüchtigt werden; zweiundzwanzigtausend von ihnen wurden an einem Tage erschlagen, und achtzehntausend am nächsten Tage. Sie taten, was recht war, jedoch unterstützte Gott nicht ihr Tun. Sie waren so empört, dass sie einen Eid leisteten, aufs Strengste gegen das Böse vorzugehen, sie waren aber darin nicht mit Gott.

Dann sehen wir einen viel schlimmeren Zustand bei Benjamin. Nicht der ganze Stamm war schuldig, sondern nur gewisse Söhne Belials in einer Stadt; jedoch weigerte sich der ganze Stamm Benjamin, die Angelegenheit zu richten, und das war schlimmer als die Sünde. Sich weigern das Böse zu richten, ist schlimmer als die Sünde selbst. Jemand fragte Bruder Darby, wieviel Böses einen Christen rechtfertigen würde, eine Schar Christen zu verlassen, und er antwortete: Keine Menge Böses könnte irgend jemanden rechtfertigen, sich von einer Schar Christen zu trennen; aber die Weigerung, nur ein wenig Böses zu r i c h t e n , würde die Trennung rechtfertigen.

Es ist wichtig, das zu verstehen. Böses kann überall vorkommen; wenn es aber vorkommt, muss es gerichtet werden. Die Heiligkeit Gottes und die Gerechtigkeit Seines Thrones erfordern das Gericht, und wenn wir uns weigern zu richten, dann ist alles verloren.

Benjamin weigerte sich, das Böse zu richten, sie wollten nicht die Söhne Belials ausliefern, darum verfiel Benjamin der Vergeltung, die in Wirklichkeit das göttliche Gericht war. Zweimal wird die ganze Menge des Volkes aufgefordert, ihre Meinung und ihren Rat zu geben. Es ist manchmal leichter, das zu tun, als Gott um Rat zu fragen. Wir lesen nicht, dass sie Gott fragten, ehe sie ihren Entschluss fassten.

Das stellt zweifellos einen Zustand der Dinge dar, der voraussichtlich in den letzten Tagen der Versammlung zu finden ist. Es kann eine gewisse Entrüstung über das Unrechte vorhanden sein, und ein treues Vorgehen dagegen; jedoch kann es in einer ungeistlichen Weise getan werden, und das Ergebnis kann dann sehr ernst sein. Es könnte niemals die göttliche Absicht sein, einen Stamm aus Israel auszurotten, das könnte nimmer der Gedanke Gottes sein.

Wir benötigen mehr Übungen über den allgemeinen Zustand der Dinge des Volkes Gottes, damit wir nicht „s i e“ sagen; wir neigen dazu, er oder sie oder sie alle zu sagen, wir müssen aber lernen, wir zu sagen. Ich fühle es bei mir selbst, dass ich vielerlei Übel im christlichen Bekenntnis sehe, doch ich muss zugeben, dass ich nicht dazu bereit bin, die Schande und Schmach als meine eigene zu tragen. Wäre ich mehr mit Gott, so wäre ich mehr dazu bereit. Inmitten der ganzen Verderbtheit und des Bösen gibt es einen Pfad, der der Pfad des Gerechten ist, doch er stellt uns nicht außerhalb des Volkes Gottes.

Die siebenhundert auserlesenen Männer von Gibea hätten für das Volk Gottes bewahrt werden können. Es gibt oft eine Weigerung, die Dinge zu richten, sogar seitens auserlesener Männer. Sie waren auch sehr genaue Männer, denn sie schleuderten mit dem Steine aufs Haar und fehlten nicht. Wie traurig, dass solche Männer sich weigerten, das Böse zu richten! Es ist traurig, Menschen zu sehen, die besser sind als wir, die aber nicht bereit sind, offenbares Böse zu richten. Wir sollten das schmerzlich empfinden. Ich habe das gesehen - fähige Männer, genaue Männer, auserlesene Männer -, je vorzüglicher sie sind, desto tiefer sollten wir es empfinden, wenn sie nicht bereit sind, das Böse zu richten, Wir sehen eifrige, ergebene und fromme Männer, die nicht bereit sind, das Böse zu richten, und wir sollten es sehr schmerzlich empfinden.

Es war die göttliche Anordnung, dass Juda die Führung übernehmen sollte, jedoch unterstützte Gott diesen Stamm nicht. Israel musste durch den Verlust von zweiundzwanzigtausend Männern gezüchtigt werden, und am nächsten Tage durch den Verlust von achtzehntausend Männern. Es liegt nicht bei uns, die Wege der Zucht Gottes mit Seinem Volke in Frage zu stellen. Der ganze moralische Zustand von Juda war verkehrt, wie auch der Zustand von ganz Israel. Ihr Gewissen war über das, was geschehen war, entrüstet, doch sie empfanden es nicht so, wie Gott wollte, dass sie es empfinden sollten. Er musste sie züchtigen, bis sie es einigermaßen so empfanden, wie Gott es wollte, und erst dann sagte Gott: „Morgen werde ich ihn in deine Hand geben“ (Kap. 20, 28), und wir finden, dass Jehova Benjamin vor Israel schlug (V. 35). Zum Schluss schlug Er sie.

Sogar in Verbindung mit dem Richten des Bösen kann die Selbstgerechtigkeit sich in einer sehr hinterlistigen Weise einschleichen. Wenn ich gesinnt bin: Du hast unrecht, ich habe recht! zu sagen, so ist das die reinste Selbstgerechtigkeit, und gerade das musste Gott dem Volke einprägen. Sie mussten zum Hause Gottes, nach Bethel gebracht werden, und zwar um zu weinen, zu fasten und um Brandopfer und Friedensopfer darzubringen. Sie mussten zur Grundlage zurückkehren, auf der sie mit Gott standen, zur Grundlage, auf der sie miteinander wandeln konnten, und das ist der Tod Christi. Es geht nicht darum, dass Benjamin unrecht hat, ich aber recht habe, darum geht es gar nicht!

Als sie zu Pinehas kamen, brachten sie Brandopfer und Friedensopfer. Hier wird ein bemerkenswerter Zusammenhang der Gedanken Gottes hervorgehoben: die Bundeslade und Pinehas waren da. Pinehas war ein Mann, der seinerzeit kurz entschlossen das Urteil über das Böse vollstreckt hatte. Kein Mann in der Schrift ist so bemerkenswert in Bezug auf das Richten des Bösen; er richtete es schonungslos, jedoch sagte Gott von ihm: „Er hat ... in meinem Eifer in ihrer Mitte geeifert“ (4. Mose 25, 11).

Wir müssen dazu gebracht werden, dass wir nicht mit natürlicher Entrüstung eifern, sondern mit dem Eifer Gottes. Wenn wir irgendein Übel richten, müssen wir fragen: Ist dies mein Eifer oder Gottes? Wenn wir Gottes Eifer haben, werden wir in glückseliger Weise des Brandopfers, des Friedensopfers und der Bundeslade gedenken. Dies sind kostbare Dinge, die man in Betracht ziehen sollte, wenn es sich um Zucht handelt. Pinehas besaß den Bund des ewigen Priestertums; er hatte gar keine menschlichen Beweggründe; im Eifer für Gott nahm er die Lanze in seine Hand; bei ihm war gar keine natürliche Entrüstung, sondern ein heiliger, priesterlicher und geistlicher Eifer. Wir müssen dahin kommen. Ein Weltmensch kann das Unrecht richten, denn die Menschen haben ihre Gesetze über das Gute und das Böse, doch Gott spricht zu Seinem Volke: Ich will, dass ihr mit Mir richtet — Ich will, dass ihr in Bezug darauf mit Mir im Einklang sein sollt und die Sache viel tiefer richtet, als ihr es mit eurem natürlichen Gewissen tun würdet. Paulus ist der Pinehas des Neuen Testaments.

Auf welchem Boden stehen wir? Wenn wir mit Gott vorangehen, so ist es aufgrund des Brandopfers: wir stehen bei Gott voll und ganz auf dem Boden des Todes Christi. Mit den Brüdern stehen wir aber auf dem Boden des Friedensopfers; das ist eine andere Seite des Todes Christi. Das bewahrt uns vor jedem Gefühl der Selbstgerechtigkeit beim Richten des Bösen. Wenn das nicht so ist, dann werden wir selbstgerecht gesinnt sein; dann sage ich: Dieser Bruder hat unrecht, ich habe recht! Gott will diese Gesinnung nicht haben. Wir müssen erkennen lernen, dass wir mit Gott und miteinander auf dem Boden des Todes Christi stehen.

Die Lade führt uns zurück zum wahren Wesen der gegenwärtigen Verwaltung, das wir niemals vergessen dürfen. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Bund die Grundlage von allem ist; Christus ist die Bundeslade. Alle Gedanken der Segnung Gottes sind in Christo gesichert.

Ich habe oft gedacht, dass es bemerkenswert ist, dass es hier kein Sündopfer gab. Wenn es mir überlassen gewesen wäre, hätte ich es hier eingefügt; aber nein — es ist nur vom Brandopfer und vom Friedensopfer die Rede, das heißt, es bezog sich auf die Grundlage, auf der das Volk bei Gott stand. Sie waren da, und sie waren gesegnet, aber nicht wegen ihrer Treue oder Gerechtigkeit, sondern Christi wegen.

Bei allem Richten des Bösen müssen wir das festhalten, damit wir uns nicht besser zu sein dünken als die Menschen, die wir zu richten haben. Wir stehen gar nicht auf dieser Grundlage vor Gott. Wir stehen auf dem Boden des Todes Christi, und unsere Gemeinschaft als Heilige ist auf Christum und auf Seinen Tod gegründet. Wir tun recht, das Böse zu richten und uns abzusondern, das ist aber nicht die Grundlage unserer Gemeinschaft.

Gott musste das Volk durch Seine Zucht auf diese Grundlage bringen; dann gingen sie weiter und übten ein schreckliches Gericht über Benjamin aus, so dass dieser Stamm beinahe vertilgt, beinahe ausgerottet wurde, und das nächste Kapitel sagt uns, dass sie es sich gereuen ließen wegen ihres Bruders Benjamin, und sie mussten vor Gott weinen und trauern wegen der Tatsache, dass ein Stamm verlorengegangen war und dass er wahrscheinlich auf immerdar in Israel ausgerottet sein würde.

Gott will uns das einprägen, wenn wir uns zur Zeit eines Kampfes von unseren Brüdern absondern müssen. Manchmal gibt es einen großen Eifer, das Rechte festzuhalten, und sehr viel Treue, wenn wir in einer Entscheidung für Gott stehen. Das Ergebnis davon kann aber sein, dass wir eine große Menge Brüder verlieren. Empfinden wir das schmerzlich? Fühlen wir, dass wir Benjamin verloren haben? Ich glaube nicht, dass Gott es uns erlaubt, weiterzugehen, ohne schmerzlich zu empfinden, dass ein Stamm verloren ist. Die Zucht hat zu dem Austilgen eines Stammes geführt. Wenn die Sache in einer geistlichen Weise ausgeführt worden wäre, hätte sich ein göttlicher Weg gefunden, sie zu erledigen, ohne einen Stamm zu verlieren.

Vor kurzem sprach ich mit jemand über einen bestimmten Bruder, von dem man sich zurückgezogen hatte, und ich fragte, ob bei ihm eine Regung zur Wiederherstellung vorhanden wäre. Er sagte: Nein, und wir haben viele Übungen durchgemacht in Bezug darauf, ob, wenn wir ihn gnadenvoller behandelt hätten, er bewahrt worden wäre. Ich war froh, das zu hören, es war eine richtige Übung. Der Mann wurde zu Recht gerichtet, nachher führte aber der Herr die Seinigen durch diese Übung.

Das ist die Übung des letzten Kapitels; sie ließen es sich gereuen wegen ihres Bruders Benjamin. Sie änderten nicht ihr Urteil über das Böse, sondern sie fühlten, dass sie ihren Bruder verloren hatten. Wie durchforschend sind diese Übungen! Das Volk hatte geschworen, sie hatten einen Eid geschworen, und sie mussten zu ihrem Schwur stehen. Sie hatten geschworen, dass alle, die nicht hinaufzogen, getötet werden sollten. Sie töteten alle Männer von Jabes-Gilead. Das war recht, aber wenn sie geistlicher gewesen wären, hätten sie nicht zu schwören brauchen.

Sie hatten geschworen, dass sie ihre Töchter Benjamin nicht geben wollten. Es sah wie äußerste Treue aus, es brachte sie aber in Verlegenheit. Das letzte Kapitel sagt uns, was für eine Schwierigkeit es war, den sechshundert Männern von Benjamin Weiber zu verschaffen, damit der Stamm nicht ausgerottet werden möchte. Wie schrecklich wäre es gewesen, wenn ein Edelstein aus dem Brustschilde hätte entfernt werden müssen! Wer könnte sich die Verstümmelung des Brustschildes, die durch das Entreißen eines Steines entstanden wäre, vorstellen?! Als sie dahin kamen, die Dinge Gott gemäß zu sehen, konnten sie den Gedanken des Verlustes von Benjamin nicht ertragen.

Es sollte ein großer Kummer für uns sein, wenn wir gezwungen sind, uns von jemand zu trennen, den wir als einen wahren Heiligen gekannt haben. Wir mögen das tun müssen, es fragt sich aber, wie machen wir das? Die Belehrung dieses Kapitels bezieht sich nicht auf Gerechtigkeit. Was sie getan hatten, war vollkommen gerecht, ihr Tun hatte aber keinen göttlichen Wohlgeruch, und sie mussten dahin gebracht werden, zu fühlen. dass sie in ihrem Eifer und in ihrer Treue eine Katastrophe über Israel heraufbeschworen hatten, die hätte vermieden werden können, wenn ihre Haltung geistlicher gewesen wäre. Es war gerecht, dass Benjamin geschlagen werden sollte; in welcher Gesinnung hätte das aber getan werden sollen?

Die Schlusskapitel geben uns den allgemeinen moralischen Zustand Israels. Es ist gleichsam keine politische Geschichte des Volkes unter den Richtern, sondern es wird über diese Begebenheiten berichtet, um uns den tatsächlichen moralischen Zustand des Volkes zu zeigen, und wie weit sie von Gott entfernt waren, sogar beim Richten des Bösen, denn sie taten, was recht war in ihren Augen.

Das durchforscht uns alle sehr. Es wäre nicht in Gottes Wort niedergeschrieben, wenn wir es nicht nötig hätten.

Wenn wir dieses beherzigen würden, so würde es uns dafür zubereiten, mit Ruth weiter voranzugehen. Das Buch Ruth zeigt uns, was von Gott war. Im Buche der Richter hat Er uns gezeigt, welche Unzulänglichkeiten überall unter Seinem Volke herrschten, Er behält Sich aber dieses holdselige Buch der Ruth vor, und zwar als Anhang, um zu zeigen, was trotz alledem von Ihm war.