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MALEACHI 3.16

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Römerbrief

 

I. Befestigung im Evangelium (Römer 1- 5)

 

Paulus schreibt an die Römer in Kap. 1, 11, dass ihn sehr danach verlangte, sie zu sehen und ihnen einige Gnadengaben mitzuteilen, um sie zu befestigen, und der große Gedanke des Römerbriefes ist, die Gläubigen in dem besonderen Evangelium, das Paulus verkündigt hat, zu b

...

Richter

Richter Komplett

Das Buch der Richter



Inhalt


Kapitel 1
. 2

Kapitel 2. 8

Kapitel 3. 11

Kapitel 4. 14

Kapitel 5. 17

Kapitel 6. 20

Kapitel 7. 25

Kapitel 8. 29

Kapitel 9. 33

Kapitel 10, 11 und 12. 37

Kapitel 13. 40

Kapitel 14. 43

Kapitel 15 und 16. 46

Kapitel 17 und 18. 50

Kapitel 19, 20 und 21. 51





Das Buch der Richter entspricht mehr dem gegenwärtigen Augenblick als das Buch Josua. Im letzteren sehen wir, wie das Land unter Josua eingenommen wurde, der die Führung Christi durch den Geist in den Aposteln darstellt, weil das Erbe durch geistliche Kraft gesichert wurde. Nun entsteht aber die Frage, was geschehen wird. wenn diese außerordentliche Führung in geistlicher Kraft nicht mehr da ist.

Das ist der Tag, an dem wir leben. Wir haben jetzt nicht mehr die Apostel, um uns durch die Kraft Christi zu führen und das Erbe für uns zu sichern. Es war nicht beabsichtigt, dass dies immerwährend so bleiben sollte. Josua wurde alt und starb, denn er stellt die Ordnung der Dinge dar, die vergeht, und das Buch fängt damit an, was sich nach dem Tode Josuas ereignete.

Die Einleitung des Buches der Richter ist wichtig. Bis Kapitel 2, 5 ist es ein Vorwort, das für sich da steht, und es scheint, dass Gott uns in diesem ersten Abschnitt des Buches zeigen will, wie die Dinge aufrechterhalten werden können, wenn wir die apostolische Autorität und Führung nicht mehr unter uns haben.

Der erste Grundsatz ist, dass es immer noch möglich ist, Gott zu befragen. Es ist ein auffallender Wesenszug, der am Anfang des Buches angedeutet wird. Die Kinder Israel befragten Jehova und sprachen: „Wer von uns soll zuerst wider die Kanaaniter hinaufziehen, um wider sie zu streiten?“ Sie befragten Jehova. Dies ist der erste Grundsatz der Sicherheit und der geistlichen Führung — der erste Grundsatz, nach welchem das Erbe gesichert werden kann. Paulus ist unser Josua, und in seinem Abschiedswort an die Ältesten zu Ephesus sagte er: „Nun befehle ich euch Gott und dem Worte seiner Gnade, welches vermag aufzuerbauen und euch ein Erbe zu geben unter allen Geheiligten“ (Apg. 20, 32).

Es geht darum, unmittelbar auf Gott geworfen zu sein; das ist der erste Grundsatz der Sicherheit und des Segens. Im Geiste Christi können die Dinge aufrechterhalten werden, es ist aber der Geist der völligen Abhängigkeit. Wenn die Apostel auch weggehen, so bleibt Gott aber bestehen.

Was uns in diesem Kapitel vorgestellt wird, ist, dass uns Kampf bevorsteht. Die Frage lautet, wie der Kampf ausgetragen werden soll. Die Feinde sind alle da, und es handelt sich nun darum, wie der Krieg geführt werden soll. Sie hatten keinen Josua mehr, um sie zu führen; deshalb waren sie ganz auf Gott geworfen. Das ist auch unsere Lage: wir sind ganz und gar auf Gott geworfen, und das ist unsere große Sicherheit. Das würde uns vor jeglichem Abgleiten bewahren.

Bevor uns die Geschichte des Versagens gegeben wird, werden große Grundsätze dargestellt, die uns vor dem Versagen bewahren können: Wenn wir zu ihnen stehen, werden sie uns helfen. Das Ergebnis dieser schönen Gesinnung der Abhängigkeit, in welcher sie Gott befragten, ist, dass Er mit Juda war.

Göttliche Grundsätze können nur in Abhängigkeit ausgeführt werden. Je richtiger meine Grundsätze sind, desto mehr werde ich versagen, wenn ich nicht abhängig bin. Wenn einer vorgibt, sicher zu sein, des Herrn Sinn zu kennen, so ist bei ihm oft eine Beimischung des Selbstvertrauens. Es ist oft bei ihm ein Mangel an der Gesinnung der Abhängigkeit und der Bereitwilligkeit, geführt und durch das Wort Seiner Gnade auferbaut zu werden.

Sie befragten Gott unmittelbar, kein Priester wird hier erwähnt. Das ist auch unser Vorrecht. Wir können das nicht tun, was sie zu Korinth taten: sie schrieben an den Apostel und bekamen einen langen Brief, in welchem er ihre Fragen mit Autorität beantwortete. Wir können das nicht tun, wir haben keine Apostel mehr. Wir sind unmittelbar auf Gott geworfen, und ich denke, es ist uns nützlich, dass wir die Apostel nicht mehr haben. Der Herr hat uns gesagt, es sei nützlich, dass Er fortgehe, und ich denke, es ist nützlich, dass die Apostel weg sind, damit wir unmittelbar auf Gott geworfen sein möchten.

Der unerschütterliche Grundsatz für das Besitzergreifen des Erbes ist, auf Gott geworfen zu sein.

Der zweite große bewahrende Grundsatz ist, dass wir die Brüderschaft anerkennen. Einer könnte sagen: Ich gehe mit Gott voran. - Gehst du aber auch mit den Brüdern voran? Ohne unsere Brüder sollten wir uns nicht fortbewegen. Weil es wahr bleibt, dass wir alles nur von Gott bekommen können — in gewissem Sinne kommt alles von Gott, sogar die Hilfe der Brüder —, so erlangen wir aber die Hilfe nicht nur von Gott, sondern auch von unseren Brüdern.

Juda brauchte die Hilfe seines Bruders Simeon. Simeon hatte etwas, was Juda nicht hatte, und das, was Simeon hatte, war für Judas Erfolg beim Erwerben des Erbes notwendig. Es ist ein wichtiger Grundsatz, der uns vor Gefahr schützt, dass wir das, was in unserem Bruder vorhanden ist, anerkennen sollten. Als der Herr wegging, gab Er uns ein bewahrendes Gebot. Er war der Mittelpunkt gewesen, sie durch die Macht Seiner Liebe zusammenzuhalten; deshalb sagte Er, als Er von ihnen schied, dass es für sie die Hauptsache ist, einander zu lieben.

Er will, dass wir die wesentliche Notwendigkeit der Brüderschaft anerkennen. Dieser Grundsatz gehört nicht nur zum Kampf, sondern auch zum Dienst. Juda zeigte seine Liebe zu seinem Bruder unter Umständen, die ihr Glanz verliehen, denn er musste einen Teil seines Loses Simeon abtreten. Er hatte solch ein großes Los; jedoch beneidete er Simeon gar nicht, weil er ihn als einen Bruder zu Hilfe rief. Juda entnahm seinen Vorrang seinem Fürsten — dem Kaleb. Kaleb war der erste Mann in der Wüste, der zeigte, dass sein Herz voll und ganz auf das Erbe eingestellt war. Kaleb hatte vor sich, was Jehova tat, und Kaleb folgte Ihm darin völlig nach. Die Gegenwart Kalebs als Anführer Judas verlieh Juda den Vorrang in Bezug auf den Erwerb des Erbes. Hierbei war es nicht so sehr eine Frage des Glaubens als vielmehr der Liebe.

Gleich zu Anfang haben wir hier diese großen Grundsätze, die das Erbe bewahren sollten — Abhängigkeit von Gott und die Anerkennung der Brüder.

Ich benötige meine Brüder, und dann haben wir den Geist, der den Dingen Frische verleiht. Geschichtlich ereignete sich diese Begebenheit mit Aksa noch vor dem Tode Josuas, was uns daran erinnert, dass die Schrift durch Eingebung geschrieben wurde. Gewisse Dinge werden hier moralisch zusammengefasst.

Wenn wir auch die Führung der Apostel verlieren, verlieren wir doch Gott nicht, noch die Brüderschaft, noch den Geist Gottes und das, was Er für uns tun kann, und alle diese Dinge werden uns dazu befähigen, jede feindliche Macht zu überwinden. Darum kann das Erbe völlig in Besitz genommen werden, obwohl es äußerlich ein Tag der Schwachheit ist und die Apostel nicht mehr da sind.

Nur durch Kampf kann alles bewahrt werden: Alles, was mit dem Erbe verbunden war, musste erkämpft werden. Wenn wir persönlich nicht dafür gekämpft haben, dann haben andere für uns kämpfen müssen.

Im Buche der Richter sagt Gott, Er würde einige der Feinde im Lande lassen, damit die Notwendigkeit zu kämpfen bestehen bliebe. Grundsätzlich gilt das auch für die Versammlung. Gott wird niemals zulassen, dass man das Erbe ohne zu kämpfen besitzen kann.

Wenn wir den Kampf aufgeben, geben wir dem Kanaaniter Raum. Viele unserer Brüder bleiben vom Kampfe meist fern; sie haben sich vom Kampfe losgesagt und haben das Erbe verloren. Frieden um jeden Preis ist nicht der Weg, das Erbe zu erwerben. Sobald wir aufhören, neue Gebiete zu erwerben, wird der Feind bald einen Umschwung gegen uns einleiten. Es begann damit, dass sie den Feind nicht mehr angriffen, und es verging nicht viel Zeit, bis der Kanaaniter darauf bestand, dort zu wohnen, er wurde zum Angreifer.

Wenn wir nicht angreifen, dann wird der Feind es tun! Wir brauchen aber nicht die ganze Zeit über zu kämpfen, denn auf eine Zeit des Kampfes folgt eine Zeit der Ruhe. Das Land ruhte viele Jahre lang. Wenn es Kampf gibt, gibt es auch Ruhe, denn es gefällt Gott wohl, Seinem Volke Ruhe zu gewähren, damit das, was durch Kampf erworben worden ist, nicht nur besessen, sondern auch genossen werden kann.

Als zum Beispiel vor vielen Jahren der Dienst auf die Glückseligkeit des ewigen Lebens hinwies, und zwar darauf, dass es uns nicht bloß ein Wort sein sollte, sondern auch ein Leben der Glückseligkeit, das wir genießen sollten — was war das für ein Kampf! Nun fragt es sich: Haben wir davon Besitz ergriffen, worum es in dem Kampfe ging? Genießen wir seit jener Zeit das, worum damals gekämpft worden ist?

Die sieben Nationen stellen die vollständige Macht des Bösen dar, die dem Wohlgefallen Gottes an Seinem Volke feindlich ist. Das sind nicht rein äußerliche Feinde — die Kraft aller dieser Mächte wirkt durch das Fleisch. Welche bösen Grundsätze es auch geben mag, sie sind alle in meinem Fleische vorhanden, das ihnen die Hand reichen möchte.

Ich sollte mir dessen bewusst sein, dass in mir etwas vorhanden ist, das bereit ist, allem Bösen die Hand zu reichen und es zu dulden.

Bis zu einem gewissen Punkte verlief alles siegreich. In Vers 19 sehen wir das erste Zeichen der Schwachheit: „Die Bewohner der Niederung trieb er nicht aus, weil sie eiserne Wagen hatten.“ Durch die Kraft und Macht dessen, was uns feindlich ist, beeindruckt zu werden, ist das erste Zeichen der Schwachheit. Wir sollten durch das Bewusstsein der Macht Gottes beeindruckt werden.

Kaleb stand damals nicht mehr vor ihnen, denn er hatte, ohne zu versagen, sein Los des Erbes in Besitz genommen. Kaleb wird vom Versagen abgesehen betrachtet und als einer ausgezeichnet, der daran nicht teilnahm. Es ist gut zu wissen, dass Kaleb nicht stirbt. Kaleb ist immer noch am Leben. Wenn Josua auch gestorben ist, so erwähnt die Schrift aber nicht den Tod Kalebs.

Die oberen Quellen und die unteren Quellen kamen in Verbindung mit Kaleb ans Licht. Seine Tochter Aksa stellt den inneren Zustand des Volkes Gottes dar, der die Notwendigkeit für den Geist empfindet. Sie begehrte Wasserquellen. Darin ist etwas Bestimmtes; es ist eigentlich kein Kampf. Wasserquellen werden zur Erfrischung gegeben, damit das Land fruchtbar sein möchte; das gehört zur positiven Seite.

Wir sollten uns nicht damit begnügen zu sagen, dass wir den Geist haben. Als Erlöste und als an den Herrn Jesum Glaubende haben wir den Geist. Wir möchten aber Wasserquellen, den Fluss der oberen und unteren Quellen haben, und wir werden nicht vor dem Versagen im Buche der Richter bewahrt, wenn die Wasserquellen nicht richtig fließen.

Die große Frucht des Geistes ist das ewige Leben; es ist die Erweisung dessen, was der Geist für die Heiligen tun kann. Die Schrift sagt, das ewige Leben ist von dem Geiste. „Wer aber für den Geist sät, wird von dem Geiste ewiges Leben ernten“ (Gal. 6, 9).

Kaleb erlitt keine Niederlage, er ist ein Überwinder. Ich hoffe, dass wir alle danach streben, Überwinder zu sein, damit der Kampf uns nicht ereilt. Wenn wir nicht überwinden, werden wir unterliegen. Kaleb unterlag niemals, und es besteht keine Notwendigkeit, dass w i r unterliegen sollten. Der Herr musste auf den traurigen Zustand der Versammlungen im Buche der Offenbarung hinweisen, und Er wies in Seiner Treue auf jeden Mangel hin. In diesem' Buche der Richter werden wir alle Wesenszüge der Abtrünnigkeit sehen.

Der Herr lässt aber in Offenbarung 2 und 3 eine Versammlung nicht ohne einen Überwinder, was zeigt, dass ein Zustand, der das, was aus Gott ist, überwältigen kann, niemals zugelassen wird. Wenn ich auf einer Stufe falsch stehe, kann ich nicht zur nächsten Stufe übergehen.

Wir sehen hier, wie die außerordentliche Kraft des Volkes mit außerordentlichen Mächten des Bösen fertig wurde, und sie sicherten recht wichtige Dinge. Jerusalem wurde genommen und Hebron gesichert. Es ist etwas Großes, alle Angeber und Widersacher loszuwerden und einen Platz zu sichern, wo dem Namen des Herrn allein Ehre erwiesen wird.

In der Schrift ist Jerusalem, die Stadt des großen Königs, der Ort, wo Jehova Seinen Namen wohnen lässt.

Hebron, was „Schar“ bedeutet, entspricht der Wahrheit der Verbindung mit Christo. Wenn wir zuerst das haben, was dem Namen des Herrn gebührt, dann können wir auch die Wahrheit der Verbindung mit Christo haben. Was man in der Vergangenheit erlebt hat, lässt einen erzittern, und der Kampf ist prüfend, denn es ist leicht, beim Streit in eine Gesinnung zu geraten, die nicht aus Gott ist.

Wir sehen hier, dass das, was vom Fleische ist, niederstürzte — die Anmaßung des Fleisches sogar in dem Gebiete, das von Gott ist. Es gibt Dinge, die sich wider die Erkenntnis Gottes erheben. Solch ein Mann wie Adoni-Besek hatte siebzig Könige unter seinem Tische. Er stellt die außerordentliche Anmaßung des Menschen nach dem Fleische in einem Gebiete, das Gott gehört, dar. Als er aber nach Jerusalem kam, starb er. Wenn das, was dem Namen des Herrn gebührt, anerkannt wird, sterben alle solchen Dinge. Das war keine Buße. Er erkannte aber die Gerechtigkeit seiner Strafe an, und alle, die unter die Regierung Gottes kommen, werden die Gerechtigkeit dieser Regierung anerkennen müssen. Gott lässt Sich nicht spotten. Wir brauchen nicht zu denken, dass etwas Derartiges nicht die angemessene Frucht hervorbringen wird.

In Verbindung mit dem Buche der Richter habe ich an den ersten Johannesbrief gedacht. Johannes warnt uns vor den Übergriffen des Feindes, dem wir das Erbe entreißen müssen. Er zeigt aber auch, dass wir alles, was wir wünschen, durch Beten erhalten können. „Was irgend wir bitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und das vor ihm Wohlgefällige tun“ (1. Joh. 3, 22). Der Herr sagt: „Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun“ (Joh. 14. 14). Er sagt nicht: Ich werde Mir es überlegen, sondern: „So werde ich es tun.“ Er zeigt, wie gut wir uns stehen, wenn wir mit diesem Namen einsgemacht sind.

Dann verweilt Johannes bei der Liebe zu den Brüdern. „Wir wissen, dass wir aus dem Tode in das Leben übergegangen sind, weil wir die Brüder lieben“ (1. Joh. 3, 14). Wenn wir Gott lieben, lieben wir auch die Brüder. Die Tatsache, dass eine geringe Zahl der Heiligen ohne menschliche Anordnungen zusammen wandeln kann, ist wunderbar. Wir können verstehen, dass Menschen in Zuständen einer geordneten Regierung oder nach weltlichen Grundsätzen zusammenhalten — Freundschaften mit recht viel Unterhaltung oder in gesellschaftlichen Banden und dergleichen —, aber dass Menschen mit verschiedenen Gemütszuständen und Charaktereigenschaften in der Wahrheit zusammenhalten, ist ein großes Wunder, es ist die Kraft Gottes. Nichts als nur die Macht Gottes könnte sie zusammenhalten.

Wir haben gesehen, dass der Zusammenbruch der Versammlung sich ereignete, nachdem die Apostel gestorben waren. Hier geschah es nach dem Tode Josuas. Augenscheinlich ist das erste Zeichen der Schwachheit, dass sie den Feind nicht vertreiben konnten: „Die Bewohner der Niederung trieb er nicht aus, weil sie eiserne Wagen hatten“; in demselben Verse lesen wir aber: „Jehova war mit Juda.“ Die Macht Gottes war da, aber sie zogen sie nicht in Betracht, und ich glaube, das war das erste Abgleiten der Versammlung — die Kraft Gottes durch den Geist wurde nicht mehr in Betracht gezogen. Wenn Jehova mit Seinem Volke war, was waren dann die eisernen Wagen! Sie hätten ebensogut aus Seidenpapier sein können.
Juda erkannte die Macht Gottes, die durch den Geist gegenwärtig war, nicht mehr an. Das war der Anfang des Versagens der Versammlung. Obwohl verunehrt und unbeachtet, war der Geist mit dem Volke Gottes. In den frühesten Schriften nach den Tagen der Apostel finden wir nicht die Anerkennung der Gegenwart und der Macht des Geistes. Es ist etwas Großes zu erkennen, dass die Macht der eisernen Wagen gar nichts vermag, wenn Gott durch den Geist in Seinem Volke wohnt. Johannes redet von den vielen Antichristen, dann sagt er aber: „... weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist“ (1. Joh. 4, 4).
Die Anerkennung der Gegenwart des Geistes bringt passende Zustände hervor. Bringt Paulus das nicht nach dieser Linie vor die Korinther? Er ermahnt sie, die Gegenwart des Geistes als das Mittel zur Erzeugung von entschiedenen, passenden Zuständen anzuerkennen. Wie könnte jemand die Gegenwart des Geistes in sich selbst oder in der Versammlung erkennen, ohne dadurch stark beeindruckt zu sein? Es ist unmöglich, die Gegenwart Gottes zu erkennen und nicht dadurch beeindruckt zu werden. Sogar ein Ungläubiger fällt auf sein Angesicht; wie steht es denn mit einem Gläubigen? „Die Kinder Benjamin trieben die Jebusiter, die Bewohner von Jerusalem, nicht aus; und die Jebusiter hüben bei den Kindern Benjamin in Jerusalem gewohnt bis auf diesen Tag“ (V. 21). Jerusalem ist die Stadt des großen Königs, es ist der Ort, wo Jehova Seinen Namen wohnen lässt, und es ist der Ort, von dem das Wort Gottes ausging. Deshalb stellt es die Rechte Christi dar. Die Jebusiter sind diejenigen Mächte des Bösen, die ein Ausüben der Rechte Christi verhindern wollen. Es ist nicht unmöglich, dass Dinge, die in der Christenheit aufgekommen sind, auch bei uns aufkommen. Wir sind vor nichts ausgeschlossen, wir sind gegen nichts geschützt. Wir laufen ebenso Gefahr, die Gegenwart des Geistes unbeachtet zu lassen, wie die Versammlung nach dem Tode der Apostel. Wir wissen, dass sie es tat, und umlaufen dieselbe Gefahr, und die Rechte Christi als König, Herr, Haupt und Sohn über das Haus Gottes werden alle durch Jerusalem dargestellt, es ist der Mittelpunkt der Regierung und des göttlichen Einflusses.

Der Geist wird heutzutage in der Christenheit nicht beachtet, und es sind Mächte am Werke, die die Rechte Christi in Frage stellen. Als das unter den Christen aufkam, öffnete es dem Bösen die Tür. Man dachte, der Heilige Geist wäre bloß ein Einfluss, und man betet darum, der Geist möchte ausgegossen werden. In den Gedanken von vielen war Er nicht nur ein Einfluss, sondern ein abwesender Einfluss. Möchten wir an die Rechte Christi als Herr und Haupt denken! Die Christenheit ist getauft; was ist aber die Taufe ohne die Anerkennung der Rechte Christi? Bedenken wir, was Johannes über die Gebote sagt; wir sind geneigt, sie außer Acht zu lassen, denn das Wort hört sich gesetzlich an. Es gehört aber zu Jerusalem.

„Gebot“ ist ein wichtiges Wort bei Johannes; kein anderer redet so viel davon. Wenn die Christenheit davon abgewichen ist, müssen wir sie als etwas anerkennen, was nicht aufgegeben werden darf, koste es, was es wolle. Es ist Liebe, die Gewalt ausübt; deshalb sind Seine Gebote nicht schwer. Es gibt kein einziges Gebot, das nicht durch die Autorität der Liebe zu uns kommt. Derjenige, der gebietet, ist Derselbe, der für mich gestorben ist. Was könnte ergreifender sein!

Die erste Schwachheit in der Versammlung nach dem Tode der Apostel war, dass sie die Kraft des anwesenden Geistes nicht erkannten, und die zweite war — bildlich gesprochen —, dass die Mächte, die sich den Rechten Christi entgegensetzten, nicht bezwungen wurden.

In Verbindung mit Joseph kam dann B e t h e 1 ans Licht — das Haus Gottes. „Sie zogen nach Bethel hinauf, und Jehova war mit ihnen“ (V. 22).

Es ist bemerkenswert, dass der Geist Gottes uns sagt, dass Jehova mit. ihnen war. Das scheint mir ihr Versagen noch besonders hervorzuheben. Wenn Jehova mit ihnen war, warum brauchten sie dann um die Hilfe eines Bürgers zu bitten, eines Einwohners der Stadt? Sie baten um die Hilfe dessen, was sie vernichten sollten, und daraus folgte die Fortsetzung dessen, was Gott vernichten wollte. Gott wollte, dass Lus verschwinden und dass Bethel anstelle dieser Stadt da sein sollte. Das Ergebnis davon, dass sie aus dieser Quelle Hilfe erlangten, war, dass ein anderes Lus erbaut wurde. Hätte ihnen Jehova nicht den Zugang zu der Stadt gezeigt?

Wenn wir von der Welt Hilfe erbitten, müssen wir zurückzahlen. Eine Gefälligkeit verdient eine Gegenleistung. Sie sagten: Wenn du uns den Weg zeigst, werden wir dir Güte erweisen. Es war eine Abmachung. Die Liebe dieses Mannes galt nicht Bethel, sondern Lus; er liebte den alten Ort und nannte die neue Stadt Lus. Das war anders als bei Rahab, denn das Herz Rahabs war in Besitz genommen worden. Das Herz dieses Mannes war noch in der Stadt Lus, und er nahm sie mit; er erbaute eine Stadt und gab ihr den Namen Lus. Er hegte keine Liebe zum Hause Gottes. Dass sie diesen Mann um Hilfe baten, führte dahin, dass „bis auf diesen Tag“ das, was Gott völlig vernichten wollte, bestehen blieb.

Lus bedeutet verdreht; es ist etwas, was nicht gerade ist. In der Christenheit wird die ganze Wahrheit der Schrift verdreht — alles wird verdreht und dem Menschen angepasst; im Hause Gottes muss aber alles gerade sein.

Dem Vorbilde nach bezieht sich das darauf, dass die Wahrheit verdreht worden ist. Wenn der Geist nicht beachtet wird, feinden gewisse Einflüsse die Rechte Christi an, und das nächste ist dann, dass die Wahrheit verdreht und für das Haus Gottes unpassend gemacht wird, das doch der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit ist.

Die Schrift spricht vom rechten Teilen des Wortes der Wahrheit, es soll in gerader Richtung geschnitten werden; die Wahrheit ist niemals verdreht. Der Gedanke der Verdrehtheit ist, dass man Gott auf Umwegen zu erreichen sucht, und nichts Derartiges passt in das Haus Gottes. Dort ist Heiligkeit, dort ist Wahrheit, und diese ist immer gerade. Der Herr sagt von Sich Selbst, dass Er der Heilige und der Wahrhaftige ist. Die Wahrheit ist niemals verdreht, sie ist immer gerade.

Der nächste, von dem wir lesen, ist Manasse: „Aber Manasse trieb nicht aus Beth-Schean und seine Tochterstädte, und Taanak und seine Tochterstädte, und die Bewohner von Dor und seine Tochterstädte, und die Bewohner von Jibleam und seine Tochterstädte, und die Bewohner von Megiddo und seine Tochterstädte; und die Kanaaniter wollten in diesem Lande bleiben. Und es geschah, als Israel erstarkte, da machte es die Kanaaniter fronpflichtig; aber es trieb sie keineswegs aus“ (V. 27 u. 28).

Wir scheinen stufenweise hierbei niederzusteigen. Sie „wollten . . . bleiben“, das weist hin auf das Überhandnehmen des Willens. Es ist der Grundsatz, dass die Dinge durch den Willen des Menschen und nicht durch den Willen des Herrn bestimmt werden. Das, was der Mensch wünscht, lässt man mitwirken. Hilfe wird von der Welt angenommen, was unbarmherzig vernichtet werden sollte, wird geduldet, und es darf mitwirken.

In den Versen 29 und 30 ist eine weitere Stufe in Bezug auf Ephraim und Sebulon. Von den beiden wird gesagt: „Die Kanaaniter wohnten in ihrer Mitte und wurden fronpflichtig.“ Wenn wir die Grundsätze der Welt zulassen, wenn wir sie dulden, werden sie bald bei uns wohnen.

In Vers 32 wohnten die Aseriter inmitten der Kanaaniter, der Bewohner des Landes, und auch Naphtali wohnte unter den Kanaanitern. Dem Vorbilde nach wird das Volk Gottes als auf den Stand der Welt gesunken betrachtet; nicht nur werden die Grundsätze der Welt im Volke gesehen, sondern sie wohnen auch in der Welt; das ist das gänzliche Abweichen und der Zusammenbruch der Versammlung.

Bei Dan haben die Bewohner des Landes die Oberhand, und Dan wurde ins Gebirge verdrängt. Es ist die Geschichte des Verfalls der Versammlung. Die Macht dessen, was Gott entgegengesetzt ist, kann das Volk Gottes vertreiben. Das Gebirge war immer erreichbar. Durch die ganzen dunklen Zeitalter hindurch, wo die Welt in die Kirche und die Kirche in die Welt eingedrungen war, gab es solche, die im Gebirge wohnten. Zacharias und Elisabeth wohnten dort, und viele besuchten sie dort.

Wie holdselig können doch Menschen reden, die im Gebirge wohnen! Ich halte Lukas 1 für eins der ermutigendsten Kapitel der Schrift. Es war zur Zeit, wo Israel abtrünnig war — öffentlich war alles in der Hand des Feindes, und wir finden Menschen, die im Gebirge wohnten. Ihre Herzen waren voll von dem Wirken Gottes, und sie wandelten in demütiger Abhängigkeit. Diese demütigen Menschen, die in der religiösen Welt unbekannt sind, oder die, wenn sie bekannt wären, mit Verachtung angesehen werden, haben jedoch das Licht Gottes bei sich auf dem Gebirge. Gott sucht ein einsames und bedrängtes Volk. Bochim stellt die rechte Gesinnung dar, wenn das christliche Bekenntnis völlig im Verfall ist.

Ich will nicht sagen, dass Dan dem Feinde so hätte nachgeben sollen, wie er es tat; ich wollte nur darauf hinweisen, dass, wie groß die Macht des Feindes auch sein mag, er das Gebirge immer dem Volke Gottes überlassen muss.

An einem Tage des Verfalls wird ein Gebirge immer vorhanden sein. Die von den Menschen geschriebenen Kirchengeschichten schildern die öffentliche Geschichte; was ich aber wissen möchte und was ich im zukünftigen Zeitalter lesen möchte, ist Gottes Kirchengeschichte über das in den Heiligen vollbrachte geistliche Werk, über Sein eigenes gesegnetes und persönliches Werk angesichts der ganzen feindlichen Macht der Welt, des Fleisches und des Teufels; wie Er die Heiligen sogar in den finsteren Tagen im Gebirge bewahrte, als die Macht des Feindes am stärksten war.

In Kapitel 1 wird unsere Aufmerksamkeit auf die anwachsende Schwachheit des Volkes gelenkt, wie sie dem Feinde allmählich immer mehr vom Erbe überließen. Ich nehme an, dass der Anfang unseres Kapitels uns das Geheimnis von alledem gibt.

Das ganze Geheimnis bestand darin, dass sie nicht mehr nach Gilgal gingen. Gilgal war der Ort, wo der Engel Jehovas sich befand, dort war göttliche Macht. Ich glaube nicht, dass uns vorher gesagt wird, dass der Engel Jehovas dort war. Seit der Zeit Josuas war das Volk nicht mehr dorthin zurückgekehrt, und das war das Geheimnis ihrer Schwachheit. Es fanden wohl Siege statt, sie behielten aber die Grundsätze der Schwachheit bei. Gilgal war der Ort der Beschneidung, der Ort, wo alles, was mit uns selbst verbunden ist, in schonungslosem Gericht abgeschnitten wird. Das ist der Ort der Kraft, und der Engel Jehovas war dort.

Die Beschneidung des Christus ist das, was die große Beschneidung genannt werden kann. Das heißt, im Tode Christi ist das Fleisch völlig abgeschnitten worden. Wir müssen dies aber als Vorrecht und Kraft erreichen, und wenn wir dies einmal erreicht haben, müssen wir dahin zurückkehren.

Es ist augenscheinlich, dass der Mangel an Zurückkehren nach Gilgal das Geheimnis ihrer Schwachheit ausmachte. Durch erfahrungsgemäßes Gericht über alles, was mit uns selbst verbunden ist, bringt uns Gott dorthin zurück.

Am Anfang des Buches Josua sehen wir, wie Josua und das ganze Volk ins Lager zu Gilgal kamen. Die zwölf Steine, die aus dem Jordan gehoben worden waren, waren dort.

Nichts sollte bestehen bleiben, außer dem, was dem Tode Christi entnommen wurde. Nichts, was in den Tod Christi geht, bleibt vor Gott bestehen. Was aus diesem Tode hervorgegangen ist, ist Gott dienlich, und das umschließt das Abschneiden des ganzen Leibes des Fleisches. Paulus sagt: Ich bin mit Christo gekreuzigt“; das war bei ihm eine erfahrungsgemäße Sache.

Wenn an mir etwas ist, was zur Auferstehungswelt Gottes nicht passt, muss es im Selbstgericht abgeschnitten werden, wenn ich geistliche Kraft erlangen soll. Selbstgericht ist das Gegenteil von Selbstbeschäftigung. Selbstbeschäftigung bedeutet, dass ich entweder mit dem guten oder dem schlechten „Ich“ beschäftigt bin. Wenn ich aber zum Abschneiden des Fleisches im Tode Christi komme und mich in diesem Lichte richte, ist das gute und schlechte Fleisch weg. Gott kann das Fleisch nicht unterstützen. Das fortwährende Gericht über alles, was mit dem Fleische verbunden ist, muss aufrechterhalten werden; sonst ist keine Kraft vorhanden.

Weinen ist an und für sich ein Zeichen von Schwachheit und nicht von Kraft. Es zeigt aber, dass rechte Empfindungen übriggeblieben sind. Wenn das Abweichen beginnt, verlieren wir nicht alle rechten Gefühle auf einmal.

Als Jehova sagte, Er würde die Bewohner des Landes nicht austreiben, waren gottesfürchtige Gefühle vorhanden. Sie weinten. Sie wussten, einigermaßen, was Jehova gebührte. Sie opferten Ihm dort; es war aber in Bochim und nicht in Gilgal. Es war eine Veränderung in den Wegen Gottes.

Schon die Gegenwart der Dinge, die sich aus der Regierung Gottes ergaben, waren eine Prüfung. Sie wurden als Prüfung dagelassen, und wenn in Israel eine Überwindungsgesinnung vorhanden war, so kam sie ans Licht. Es erwies sich, ob das Volk im Gehorsam den Geboten Jehovas gegenüber wandeln würde.

Dinge, die in dem christlichen Bekenntnis aufgekommen sind und an denen wir leiden, sind gleichfalls eine Prüfung, ob wir im Gehorsam wandeln können. Es müssen Parteiungen sein, auf dass die Bewährten offenbar werden.

Sehr viele Schwierigkeiten, die wir untereinander haben, entstehen daraus, dass wir den Zustand der öffentlichen Kirche nicht mit Gott empfinden. Hier geht es um die öffentliche Stellung - um die öffentliche Geschichte des Volkes Gottes. Man ist von der geheimen Kraft abgewichen, und Gott verheißt nicht, sie wiederherzustellen. Aus unserer Kirchengeschichte - Offenbarung 2 und 3 - wissen wir, dass die Dinge immer schlimmer werden, es gibt aber Überwinder. Durch die Treue Gottes gibt es Wiederherstellung.

Hier erweckte Gott Richter. Gott sah, wie Sein Volk ausgeplündert und bedrängt wurde, und Er erweckte ihnen Richter, die sie von den Ursachen der Niederlage befreiten. Gott schaut hernieder und sieht, dass Sein Volk das Erbteil nicht genießt, denn sie sind bedrängt und elend. Genießen wir unser Erbteil? Wenn wir an die Versammlung als das Volk Gottes denken, so können wir sehen, dass sie durch die apostolische Führung in alles eingeführt wurde, was Gott für Sein Volk vor Sich hatte. Im Epheserbrief führt Paulus das Volk in alles ein, was Gott ihnen zugedacht hatte; zum Schluss sagt er aber: Ihr müsst auch darum kämpfen. Es ist eine prüfungsvolle Zeit, und zum Kämpfen müssen wir Kraft haben. Wenn wir von der Wahrheit des Kolosserbriefes (der Beschneidung) abirren, werden wir im Kampfe in Epheser 6 wenig leisten. Die Epheser-Waffenrüstung ist ein moralischer Zustand: „Eure Lenden umgürtet mit Wahrheit. . . und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit. .. Nehmet auch den Helm des Heils . . . den Schild des Glaubens . . . beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens.“ Alle diese Dinge bedeuten einen Zustand, und diesen Zustand können wir ohne tiefstes Selbstgericht nicht haben. Außer Gilgal gibt es keinen Ort, wo wir diese Waffenrüstung anziehen können.

Bochim ist die öffentliche Stellung hienieden. Öffentlich ist die Kraft Gottes nicht mehr bei Seinem Volke, es ist angesichts der Feinde hier gelassen worden, denen sie das Land nicht entreißen können. Sie opferten immer noch Jehova, sie waren tatsächlich keine Götzendiener, aber die Kraft hatten sie verloren. Sie hatten aber noch nicht jedes geistliche Empfinden verloren, noch das Bewusstsein davon, was dem Herrn gebührte.

Gott schaltete Sich in diesen Zuständen ein, indem Er Richter erweckte, und Seine Kraft war mit dem Richter. Durch die ganze Kirchengeschichte hindurch hat Gott Richter, Erretter, erweckt und ihnen Kraft verliehen, Sein Volk von dem, woran es zu einer bestimmten Zeit gehindert wurde, zu erretten. Gott hat Seine Diener immer unterstützt, und denen, die auf sie hörten, kam das zugute. Jede Errettung, die Gott gibt, gilt der ganzen Versammlung, obwohl sie vielleicht nur einigen wenigen zugute kommt. Kraft wird immer in Verbindung mit Selbstgericht gefunden. Wenn wir uns selbst richten, machen wir viel aus Christum, und dann wird geistliche Kraft inmitten der größten äußeren Schwachheit gesehen.

Solange die Richter lebten, war Errettung da. Das Volk wollte aber sogar dann nicht hören, wann Gott Richter erweckte, und Kapitel 2 zeigt, wie der tatsächliche Götzendienst zustande kam. Solange das Geschlecht Josuas lebte, erkannten sie Jehova an; dann kam aber ein anderes Geschlecht auf, und es wird ein ernstes Wort von ihnen gesagt — sie kannten Jehova nicht, noch Seine Werke. Das ist sehr ernst, wenn man in Betracht zieht, dass Gott angeordnet hatte, dass diese Dinge dem nächsten Geschlecht im Lande weitergegeben werden sollten. Es scheint auf irgendein Fehlen bei dem ersten Geschlechte hinzuweisen.

Das erste Geschlecht wurde durch Schwachheit gekennzeichnet, weil es von Gilgal wegging. Man muss persönliche Erlebnisse mit Gott haben; Eltern können ihren Glauben nicht an die Kinder weitergeben. Unsere Eltern mögen uns getauft haben und uns in der Wahrheit belehren; sie können den Glauben aber nicht weitergeben. Diese Frage müssen wir selbst aufnehmen. Paulus redet über den ungeheuchelten Glauben in der Mutter und der Großmutter des Timotheus, er sagt aber, er ist „auch in dir“. Das muss ich selbst aufnehmen. Sonst würde man an den Platz des Vorrechts durch Vererbung kommen, ohne Gott in seiner Seele erlebt zu haben, und man kann Ihn nicht anders kennen. Dieses Volk verließ Jehova, weil sie weder Ihn noch Seine Werke kannten.

Sehr früh waren in der Versammlung eine Menge Leute, die äußerlich die Versammlungsvorrechte genossen, sie hatten aber in ihrer Seele Gott nicht erlebt, und das öffnete dem Götzendienst den Weg. Wir müssen alle die Seelenübung betreffs unseres persönlichen Glaubens selbst aufnehmen. Ich mag hören, was mein Vater mir sagen konnte, und ich mag an den Platz des Vorrechtes kommen, den mein Vater genoss, und dabei in meiner Seele nichts erlebt haben.

Es gab Menschen, die keine: erfahrungsmäßige Erkenntnis der ägyptischen Knechtschaft hatten, noch der Erlösung am Roten Meere, am Jordan und bei der ehernen Schlange. Sie kannten Jehova nicht, und dennoch waren sie im Lande. Die Anwesenheit solcher Leute öffnete dem Götzendienst den Weg.

Das wirft die Frage bei uns auf: Inwieweit sind wir durch die, welche vor uns waren, beeinflusst und mitgerissen worden? Viele vor uns sind leicht zu diesen Dingen gekommen, sie waren für uns schon bereitgemacht. Die Frage lautet: Haben wir Glauben dafür? Was haben wir unmittelbar und deutlich von Gott empfangen? Wenn der Dienst von Wert ist, erzeugt er persönliche Seelenübungen, und das führt zum Glauben und Erlebnis der Seele.

Das Buch der Richter stellt die öffentliche Stellung dar — es ist die für die ganze Wahrheit Gottes verantwortliche Versammlung. Die Versammlung wurde durch die Apostel in alle Vorrechte des Christentums eingeführt. Ist das genossen worden? Ist Gott verherrlicht worden? Nachdem wir solche Vorrechte und solches Licht gehabt haben, ist es wirklich der Fall, dass wir dem Baal dienen? Es heißt: „Sie . . . dienten dem Baal und den Astaroth.“ Baal bezieht sich auf die Energie des Dienstes, und Astaroth stellt das dar, was die Liebe verdirbt. Wenn eine Seele Gott erlebt hat, will sie Gott dienen; sie will ihre Energie im Dienste Gottes verbrauchen, sie will das Land genießen.

Ein Götze ist ein Herr. Baal bedeutet Meister oder Besitzer. Die Frage lautet: Wer ist mein Herr? Wer besitzt mich? Es ist leicht, durch den Wunsch Geld zu erwerben, eingenommen zu sein. Ein Mensch, der seine Kraft dem Gelderwerb widmet, ist ein Anbeter des Baal; er dient dem Baal. Dieses Buch zeigt, wie leicht es ist, dem Einfluss des Götzendienstes zu verfallen.

Es ist sehr ernst, dass Paulus zu den Korinthern, also zu denen, die äußerlich an den Versammlungsvorrechten teil hatten, sagen musste: „Etliche sind in Unwissenheit über Gott; zur Beschämung sage ich es euch.“ Sie waren der Macht des Feindes verfallen.

Wenn wir im Selbstgericht wandeln, werden wir keinem Gott feindlichen Einfluss verfallen; wenn wir uns aber nicht richten, wird das geschehen. Wir müssen alle lernen, den Dingen, die uns ansprechen, zu entsagen. Der Teufel versucht mich durch etwas, was mir gefällt; wenn ich dem entsage, leide ich; aber dann ruhe ich von der Sünde, und Gott bleibt vor meiner Seele stehen - das ist der Segen des gottesfürchtigen Wandels.

Der Christ beginnt damit den Tag, dass er bittet, vor den Einflüssen der Welt und des Fleisches bewahrt zu werden. Er möchte seine Kraft dem Dienste Gottes widmen und seine Liebe Christo geben; dann verfallen wir nicht den Feinden, die das Volk Gottes bedrängen und unterdrücken, so dass sie des Wohlgefallens am Genusse des Landes verlustig gehen.

Wie betrübt ist Gott, wenn Er herniederschaut und Sein Volk mit Dingen beschäftigt sieht, die keine Beziehung zu Ihm und zu Seinem Dienste haben, Dinge, die der Selbstverherrlichung und der Gesinnung des Fleisches dienen! Gott sieht, wie Sein Volk seine Kraft in dieser Weise vergeudet, und das betrübt Ihn. Das bedeutet, dass sie keine Freude haben.

Kaleb ging nach Gilgal, um sein Erbteil zu beanspruchen (Jos. 14, 6), und er empfing es und wurde gesegnet. Kaleb war ein mächtiger Mann. Dies ist aber ein göttliches Bild von dem, wie das Volk Gottes seines Erbteils dadurch beraubt wurde, dass sie die Beschneidung - das Selbstgericht - nicht beachteten, und der Feind hatte ihnen mancherlei Dinge angeboten und sie zu Götzendienern gemacht. Der Genuss des Landes war verlorengegangen, und anstatt vor Freude überzuströmen, von Fettspeisen sich zu nähren und von geläutertem Hefenwein zu trinken (Jes. 26, 2), waren sie von den wertlosen Dingen dieser Welt erfüllt. Gott empfand das. Wenn wir heute das Erbteil nicht genießen, so ist Gott betrübt.

Die Untreue des Volkes war die ursprüngliche Ursache davon, dass ihre Feinde im Lande gelassen wurden. Hier sehen wir aber, dass Jehova sie da bleiben ließ und dass Er damit einen Zweck hatte. Alles, was der Wahrheit entgegengesetzt ist und im Volke Gottes Raum gewonnen hat, ist wohl zuerst durch Unwachsamkeit und einen Mangel an Eifer für Gott eingedrungen; Gott hat aber einen Zweck dabei, es dort zu lassen.

Es ist vielsagend, dass ein Geschlecht aufkam, das Jehova nicht kannte. Für das nächste Geschlecht haben wir eine gewisse Verantwortung. Paulus war um das nächste Geschlecht sehr besorgt. Es gab aber nicht viele, auf die er sich verlassen konnte, und wir können nicht sagen. dass bei ihm ein Mangel an elterlicher Fürsorge zu finden war. Er war ein wahrhaftiger Vater und eine wahrhaftige Mutter, es waren aber nicht viele, von denen er sagen konnte, sie wären seine wahren Kinder im Glauben. Timotheus war ein solcher.

Es gibt eine Seelenübung wegen des folgenden Geschlechts, ob sie auch bereit sind. den Glauben der Eltern aufzunehmen. Unsere Eltern sind nicht fähig, uns den Glauben zu geben, wir müssen ihn selbst aufnehmen. Sie können uns an den Ort der christlichen Vorrechte bringen und uns belehren, und an uns alles, was sie von der Lehre wissen, weitergeben; sie können uns den Glauben aber nicht geben. Wir müssen das aufnehmen, was unsere Väter uns hinterlassen haben. Es ist eine Seelenübung für diejenigen unter uns, die alt werden, was für ein Geschlecht wir hinterlassen; wir sollten uns sehr darüber freuen, wenn sie zielbewusster und reicher an Glauben sind als wir.

Es freut uns, einen jungen Bruder oder eine junge Schwester zu sehen, deren Herz zielbewusster als wir dem Herrn nachfolgen möchte. Es demütigt uns in Bezug auf uns selbst, aber wir freuen uns, solches zu sehen. Wenn der Herr nicht kommt, so wird es nach uns ein Geschlecht geben, und es ist eine ernste Angelegenheit, dass es ein geistliches Geschlecht sein sollte. Wie oft hat Gott in der Kirchengeschichte eingegriffen, und es sind bemerkenswerte Wiederherstellungsbewegungen entstanden; wenn das Gefäß aber wieder entfernt wurde, irrte man wieder ab. Wir sehen, dass im ganzen Buche der Richter: die Errettung geschah; sobald aber das Gefäß der göttlichen Kraft starb, hörte die geistliche Bewegung wieder auf.

Gewisse Dinge wurden zurückgelassen; es hat dem Herrn nicht wohlgefallen, das Böse, das sich eingeschlichen hat, zu beseitigen. Er hat es als Prüfung zurückgelassen, und der Feind befindet sich immer im Gelände. Deshalb muss der Kampf bis ans Ende fortgesetzt werden, wenn die Dinge für Gott bewahrt werden sollen. Man wird den Feind niemals völlig loswerden; er wird nicht vom Schauplatz vertrieben werden, bis die Versammlung entrückt ist. Wenn es darum geht, dem Feinde die Beute zu entreißen, müssen wir alle zu kämpfen lernen. W i r müssen das lernen. Die von unseren Vorgängern ausgetragenen Schlachten befreien uns nicht, wir müssen alle den Kampf aufnehmen. Wenn wir den Kampf nicht aufnehmen, werden wir irgendeiner bösen Macht verfallen.

In Vers 6 sehen wir, dass sie verschiedenartig zusammengejocht wurden. Der Grundsatz der Absonderung vom Bösen ist grundlegend, und nichts wird für Gott bewahrt, außer nach diesem Grundsatz.

Hier finden wir, dass die Kinder Israel mitten unter den Kanaanitern wohnten; deshalb verbanden sie sich mit ihnen. Menschen knüpfen solche Bande, weil ihre Eltern in der Welt wohnen, und der Begriff der Absonderung wird aufgegeben; dadurch wird die Tür geöffnet. Wenn keine innere Gesinnung der Absonderung da ist, öffnet das die Tür für unheilige Bande und Gesellschaften. Die Versuchung, verschiedenartig zusammengejocht zu werden, oder die Absonderung aufzugeben, beginnt niemals von außen her; sie beginnt innerlich.

In Vers 4 lesen wir: „Sie dienten dazu, Israel durch sie zu versuchen, um zu wissen, ob sie den Geboten Jehovas gehorchen würden, welche er ihren Vätern durch Mose geboten hatte.“ Das Gebot ist eine Prüfung, wie ich zum Herrn und zu Seinem Willen stehe. „Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote.“ Wenn Seine Gebote meine Zuneigungen nicht beherrschen, bin ich innerlich von Ihm abgewichen. Ich mag vollkommen recht vor den Brüdern wandeln, innerlich aber bin ich weit weg, und wenn ich nicht wiederhergestellt werde, werde ich schließlich auf irgendeine äußere Weise die Absonderung aufgeben.

Das erste Abgleiten war, dass sie die Wahrheit von der Berufung aufgaben. Dem Vorbilde nach waren sie Genossen der himmlischen Berufung, und sie fielen zuerst ab, als sie dies aufgaben; sie wohnten unter den Kanaanitern. Deswegen zog Kuschan-Rischathaim herauf und erstarkte. Er war der König desselben Landes, aus welchem Gott Abraham berufen hatte, und wenn wir im Herzen die himmlische Berufung aufgeben, werden wir dem Einfluss des Ortes verfallen, aus welchem wir berufen worden sind. Dort war Götzendienst. Was das Volk dem aussetzte, war, dass sie untereinander Götzendienst trieben. In Vers 6 lesen wir, dass Ehen zwischen ihnen und den Nationen eingegangen wurden und dass sie fremden Göttern dienten. Deshalb sollte man sehr um den Zustand der inneren Zuneigungen besorgt sein. Wenn sie nicht für den Herrn bewahrt werden, ist es bloß eine Frage der Zeit, bis wir öffentlich abgleiten.

Es vergingen hier acht Jahre, bevor sie ihre wahre Lage erkannten — acht Jahre waren sie unter fremdem Einfluss. Die Heiligen mögen viel versäumen, aber es vergeht eine geraume Zeit, bevor sie sich dessen bewusst werden. Wenn sie es aber erkennen, schreien sie zum Herrn. Satan stellt Knechtschaft als Freiheit dar, er sagt: Tu, was dir gefällt, tu, was du willst, und er stellt es als Freiheit hin, und oftmals dauert es recht lange, bis die Leute begreifen, dass sie nach der Richtlinie, der sie folgen, des Genusses im Lande beraubt werden. Wenn sie endlich erwachen, schreien sie zum Herrn, und Er erweckt einen Erretter. Es hat niemals einen Heiligen gegeben, der zum Herrn über irgend etwas geschrien hat, was den Genuss des Erbes verhindert hat, und Gott hätte nicht einen Erretter erweckt.

Es wäre nicht Gottes würdig, uns in Knechtschaft zu lassen, wenn wir davon frei sein möchten. Wenn das Volk Gottes erwachen und die Tatsache verstehen würde, dass sie das Erbe nicht genießen und wahrhaftig danach verlangten, würde Gott sie von jedem Feinde erretten — ob Moabiter, Kanaaniter oder Philister. Wir haben niemals dieselben Kämpfe wieder, immer müssen wir einem neuen, frischen Abschnitte entgegentreten; in jedem Falle ist aber ein Erretter da.

„Und die Kinder Israel schrien zu Jehova; und Jehova erweckte den Kindern Israel einen Retter, der sie rettete: Othniel, den Sohn Kenas, den jüngeren Bruder Kalebs.“ Was für eine Seelenübung machte er wohl durch, um diesen Zustand der Dinge zu sehen! Jedoch dauerte es acht Jahre, bevor Gott ihn gebrauchen konnte. Gott wartete auf die Seelenübungen Seines Volkes. Du sagst: Warum erlöst der Herr nicht Sein Volk von all der Verderbtheit in der Christenheit? Er wartet auf unsere Seelenübungen, Er wartet darauf, dass wir zu Ihm um Errettung schreien.

Othniel bedeutet: „starker Mann Gottes“. Ein Mann Gottes wird für Gott einstehen, und ich glaube, er ist der erste Mann in der Schrift, von welchem es heißt, dass der Geist Jehovas auf ihm war. Es ist der Geist des Herrn, der ein Panier unter dem Volke erhebt (Engl. Übers. Jes. 59, 19). Othniel stammte aus einem guten Geschlecht, er war mit Kaleb nahe verwandt — er hatte Kirjath-Sepher, die Stadt der Bücher, das heißt der Weisheit dieser Welt, erobert. Kirjath-Sepher wurde zu Debir-R e d e n , man war dort bereit, das göttliche Reden zu hören. Othniel stellt die Art eines Mannes dar, den Gott erwecken kann, und er hatte ein gutes Weib; seine Liebe richtete sich auf der, rechten Gegenstand. Er heiratete Aksa; sie war nicht eine Tochter des Landes, sondern sie war voll und ganz auf ein Mittagsland und auch auf Wasserquellen eingestellt. Solch ein Mann besaß die moralische Tüchtigkeit, ein Erretter zu sein.

Othniel war ein tief geprüfter Mann; er musste acht Jahre warten. Alle Diener Gottes müssen lernen, auf die Seelenübungen des Volkes Gottes zu warten. Was für eine Prüfung ist es, zu sehen, wie das Volk Gottes durch Unglauben leidet, jedoch mit ihnen in ihrem Elend wandeln zu müssen! Kaleb musste vierzig Jahre warten. Nichts prüft uns so wie die Geduld; das ist einer der größten Wesenszüge, die wir besitzen können. Kaleb war ein Mann, der vierzig Jahre auf das Land warten konnte.

Welchen Wert hat es, wenn ich Licht habe, die Brüder aber nicht mitreißen kann? Ich muss nicht nur dem Lichte treu sein, sondern ich muss auf die Seelenübungen der Geschwister warten und sie mitreißen. Diese Männer empfanden die Bedrängnis, und als die Zeit anbrach, standen sie zur Verfügung, schalteten sich ein, und das ergab, dass das Land Ruhe genoss.

Wir kämpfen nicht die ganze Zeit über, Gott gibt auch Zeiten der Ruhe. Der Kraft des Glaubens und dem Zustande des Volkes gemäß wird der Feind für eine Zeit im Zaum gehalten. Gott wartet auf die Seelenübungen Seines Volkes, und die, welche Glauben haben, müssen auch warten. Diejenigen, welche der Herr als Erretter erweckte, kannten den Sinn des Herrn für jenen Augenblick.

Wenn in der Geschichte der Kirche Bereitwilligkeit und Seelenübung vorhanden war, erweckte Gott einen Menschen und gewährte ihm geistliches Licht und geistliche Führung, und Er ist immer mit dem Menschen, den Er erweckt hat, gewesen. Wenn Gott einen Menschen erweckt hat, wird Er ihm bis ans Ende beistehen, Er wird ihn niemals fallen lassen. Wenn aber ein Mensch sich vornimmt, ein Führer zu sein, oder wenn das Volk ihn zum Führer macht, wird es zu einem Zusammenbruche kommen.

Der nächste Bedränger war Moab. Moab war ein mit Israel verwandtes Volk; sie waren die Kinder Lots, und sie stellen den Einfluss des Natürlichen dar. Lot wurde eine wunderbare Gelegenheit geboten, und er war das, was wir einen wahren Gläubigen nennen; jedoch wurde er durch das Natürliche beeinflusst. Von Eglon heißt es, dass er sehr fett war. Moab stellt einen Zustand der Dinge dar, der leicht zu ernähren ist und leicht riesige Ausmaße annimmt. Nichts ist leichter, als das Natürliche zu nähren, bis es fett wird; es gibt aber keine Freiheit davon, bis der fette Mensch getötet worden ist.

Wenn wir uns unter moabistischem Einfluss befinden, haben wir keine Freiheit, das Land zu genießen. Moab stellt das natürliche Element dar, das in einem wahren Gläubigen wirken kann. Lot wurde durch das Natürliche, durch die gut bewässerte Ebene beeinflusst, und das führte ihn nach Sodom. Diese Gefahr laufen wir alle.

Ich glaube, das Volk Gottes wird durch nichts so gehindert, wie durch Freunde, Bekannte und Verwandte. Sie halten sich an dem Natürlichen. Es ist viel leichter, mit Menschen, mit denen man in Berührung ist, freundschaftlich zu verkehren, als entschieden für Gott Stellung zu nehmen. Das ist der Einfluss und die Bedrängnis des Moabiters.

Gott erweckte Ehud, einen Mann, der links war, zum Erretter gegen die Moabiter. Gott nimmt Menschen auf, die augenscheinlich durch vieles behindert sind. Dieses Buch bringt den seltsamen Charakter der Menschen ans Licht, die Gott gebrauchen kann. Er gebraucht ungewöhnliche Werkzeuge, zum Beispiel eine linke Hand. Schamgar hatte einen Rinderstachel — ein unschönes, aber wirksames Werkzeug. Simson hatte einen Eselskinnbacken. Gott gebraucht unerwartete Dinge. Die Kraft ist innerlich, sie gehört nicht dem Werkzeug an.

Ehud wusste, was in dem Augenblick nötig war. Das Volk handelte verkehrt; sie sandten ein Geschenk und brachten dadurch ihren geknechteten Zustand zum Ausdruck — das ist der Fall, wenn man freundschaftliche Bande mit denen aufrechterhält, die nicht zum Volke Gottes gehören. Ehud wusste, was nötig war; er hatte es nicht auf Geschenke abgesehen, sondern auf ein kurzes Schwert. Er wusste, dass der fette Mann getötet werden musste, und er tötete ihn. Wir müssen den Moabiter in uns töten. Als er ihn getötet hatte, stieß er in die Posaune und übernahm die geistliche Führung, und andere waren ihm nachzufolgen bereit. Das ist der Grundsatz der Führung unter dem Volke Gottes. Sind wir zu folgen bereit, wenn die Posaune erschallt? Sie waren bereit zu gehen, und sie folgten ihm nach und töteten zehntausend Mann, lauter kräftige (fette) Männer.

Viele stehen heutzutage in Seelenübungen, sie werden aber durch freundschaftliche Bande gehalten und sind nicht bereit, das zweischneidige Schwert zu gebrauchen. Wir müssen das Schwert gebrauchen, damit wir nicht durch unsere Bekannten oder Verwandten oder durch irgend, etwas aus dem Bereich des Natürlichen daran gehindert werden, das Erbe zu genießen.

Von einem geistlichen Standpunkte aus sind in diesem und in dem nächsten Kapitel sehr interessante Wesenszüge enthalten. Wir sehen ganz neue Entfaltungen und Arten des göttlichen Wirkens. Wir müssen immer darauf vorbereitet sein; Gott wiederholt Sich nicht. Dieses Mal ist es der König von Kanaan, der das Volk bedrückte. Wir haben Mesopotamien, Moab und den Philister gehabt; nun ist es Kanaan.

Kanaan bedeutet „Niederung“; nach einer anderen Deutung heißt es H ä n d 1 e r ; das scheint auf ein Sinnen auf das Irdische, auf ein Trachten nach den eigenen Interessen hinzudeuten; es ist schrecklich, unter solch einen Druck zu kommen.

Auf das Irdische zu sinnen und nach dem Seinigen zu trachten, ist ein völliges Herabfallen von der Berufung zu Gottes eigener Standhöhe, das ist eine furchtbare Macht. Sisera hatte neunhundert eiserne Wagen. Es gibt unter dem Volke Gottes keinen größeren Fallstrick und keine größere Geißel.

Gott tritt diesem Zustand entgegen, indem Er ein neues Element einführt — Er führt eine Prophetin ein. Nun sehen wir das Hereinbrechen des prophetischen Lichtes, und wenn Gott prophetisches Licht gibt, hat es eine weitgreifende Bedeutung. Das Lied Deboras geht bis zum Ende aller Kämpfe; es schaut voraus auf die Zeit, wo alle Feinde Jehovas umkommen werden, und die Art und Weise, wie jeder sich im Kampfe aufgeführt hat, überblickt werden kann. Einige waren tapfer, andere schlaff und sorglos. Das nächste Kapitel gleicht dem Richterstuhl. Wenn prophetisches Licht hereinbricht, so schließt das immer den Abschluss der Wege Gottes ein, weil Gott das letzte Wort hat. Der Gedanke der Weissagung ist, dass Gott das letzte Wort hat; das Böse und das Gute werden an ihren Platz verwiesen. Wir stehen heute im Kampf und haben das prophetische Licht darüber, dass unsere Haltung nachgeprüft wird. Gott wird unser ganzes Tun während des Verlaufs des Kampfes in Augenschein nehmen.

Sisera stellt den Anführer der weltlichen Macht dar, der sich dem Wohlgefallen Gottes an Seinem Volke widersetzt. Diese ganze Macht wird niedergeworfen werden, der Streit ist aber im Gange, und jeder von uns ist verantwortlich, und es fragt sich, wie verhalten wir uns im Kampfe? Halten wir unseren himmlischen Charakter, unsere Verbindungen und unseren Geist im Einklang mit dem Lichte des prophetischen Wortes bei? Dann haben wir Debora.

Ein Weib stellt in der Schrift einen Zustand dar, und bei Debora sehen wir einen durch die Gedanken Gottes gekennzeichneten und geleiteten Zustand. Sie war eine Überwinderin, denn sie wohnte unter ihrer Palme, was Sieg bedeutet. Sie lebte zwischen Rama und Bethel, zwischen den hohen Örtern und dem Hause Gottes. Rama entspricht dem Epheserbrief, und Bethel entspricht dem Hause Gottes, das ein Ort auf Erden ist, wo wir zum Himmlischen den Zugang haben — es ist die Pforte des Himmels.

Wenn wir das prophetische Wort annehmen und uns in einem Zustande, der vom prophetischen Wort geleitet wird, befinden, sind wir den Kanaanitern überlegen. Kanaan war auf niederem Boden, und der Kampf besteht immer zwischen dem niedrigen und dem hohen Boden. Wir könnten uns den religiösen Dingen auf Erden widmen. Paulus spricht von solchen, die auf das Irdische sinnen im Gegensatz zu denen, deren Bürgertum in den Himmeln ist.

Der Kanaaniter stellt im Vorbilde die Menschen dar, die auf das Irdische sinnen und ihren eigenen Vorteil suchen. Am Ende des Römerbriefes redet Paulus von solchen, die Ärgernis und Spaltungen anrichten, und er spricht ein hartes Wort über sie: „Solche dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauche.“ Irgendein selbstsüchtiger Gegenstand regiert sie. Wenn sie durch den Herrn Jesum Christum regiert werden würden, so würden sie unter den Brüdern niemals Spaltungen anrichten. Wenn mein Bauch mein Gott ist, so stehe ich auf sehr niedrigem Boden — und Kanaan ist ein niedriger Boden. Wenn Menschen dem verfallen, so ist es eine Geißel für sie.

Der Geist Gottes sagt, dass Debora das Weib Lappidoths war, eine Andeutung, dass sie die Hauptesstellung ihres Mannes anerkannte. Jedes von Gott erweckte Gefäß wird die göttliche Ordnung anerkennen. Gott konnte keine Prophetin erwecken, um Seine Ordnung zu durchkreuzen. Wenn Gott einem Weibe eine hervorragende Stellung gibt, wird es sie in einer geziemenden Weise einnehmen, und es wird die Hauptesstellung anerkennen.

Man kann durch himmlische Einflüsse regiert werden Es heißt: „Vom Himmel her wurde gestritten“; das ist ein sehr bemerkenswertes Wort im nächsten Kapitel Wenn vom Himmel her gestritten wird, muss alles, was damit verbunden ist, einen himmlischen Charakter tragen. Wir müssen durch göttliche Grundsätze regiert werden, in der Macht des Himmlischen stehen und dort wohnen, wo Debora wohnte.

Die Mutter ist größer als der Krieger. Das ist ein wichtiger Grundsatz - die „Mutter in Israel“, von ihr hängt die Führung unter dem Volke Gottes ab. Es gab keine Führung, bis Debora aufstand. eine „Mutter in Israel“. In Debora sehen wir einen Zustand, der durch die Gedanken Gottes regiert wird, und daneben auch mütterliche Eigenschaften, was bedeutet, dass sie solche Dinge in Israel nähren und pflegen konnte. Die Mutter ist größer als der Krieger; der Zustand ist wichtiger als die Tätigkeit. Es geziemte sich für sie nicht, beim Kampf zu führen, sie behielt ihren Platz.

Jerusalem droben ist unsere Mutter, und dort ist Kraft, die Einflüsse Kanaans zu überwinden. Die irdischen Dinge sind moralisch verächtlich und niedrig; wenn wir aber eine Mutter haben, die die Einflüsse des Himmels auf unseren Geist ergießt, welchen Antrieb würde uns das verleihen!

Das nächste Kapitel gleicht dem Richterstuhle Christi. Wenn alles vorüber ist, geht es letzten Endes um die Frage: Wie hast du dich betragen? Kamst du so zurück wie Sebulon? Oder bliebst du zurück wie Meros? Das nächste Kapitel ist der große Rückblick. Das prophetische Wort geht bis zur Vollendung der Wege Gottes weiter. Wenn wir den Zustand, der in Debora dargestellt wird, erkennen, nämlich den durch die Gedanken Gottes regierten Zustand, so ist Raum für Gott vorhanden, durch wen Er will zu wirken. Er erwählte Barak, Naphtali und Sebulon als die Art Werkzeuge, die Er gebrauchen konnte.

Wenn wir vom Irdischen befreit sein wollen, müssen wir für eine gottgemäße Befreiung zubereitet sein. Wir müssen die Unumschränktheit Gottes anerkennen. Barak wird erwähnt, weil er Israel zum Siege führte. Es war eine Schwachheit seinerseits, dass er ohne Debora nicht gehen wollte, und so verlor er einen Teil der Ehre. Das Wort Jehovas hätte ihm genügen sollen. Neben seinem Glauben, der im Hebräerbrief erwähnt wird, war bei ihm auch ein Grundsatz der Schwachheit. Er verlor einen Teil seines Ruhmes, einen Teil der Ehre, womit Gott ihn bekleidet hätte.

In den Kämpfen Jehovas sind wir uns oft unserer Schwachheit bewusst, und es ist sehr gut, wenn wir sie nicht öffentlich zur Schau stellen. Wenn meine Schwachheit eine rechte Seelenübung in mir erwirkt, sollte ich sie vor Gott tief bereuen, ich würde sie aber nicht öffentlich, zur Schau stellen.

Die Waffen unseres Kampfes sind geistlich, nicht fleischlich. Gott gebraucht Seine eigenen Werkzeuge, schwach in den Augen der Menschen, aber stark zur Zerstörung von Festungen. Dieses Buch ist in dieser Hinsicht bemerkenswert: ein Rinderstachel, ein Zeltpflock, ein Eselskinnbacken sind Beweise dafür, dass es Gott wohlgefällt, Dinge zu gebrauchen, die der Mensch als völlig unzulänglich betrachten würde und die ihm lächerlich und ungeeignet vorkommen würden. Wenn einem Gegenstand Treue zugrunde liegt, kann Gott alles gebrauchen und alles wirksam machen; die eisernen Wagen weisen hin auf den erschreckenden Charakter und die Kraft von dem, was auf einer niedrigen Standhöhe liegt und kanaanitisch ist.

Wir finden, dass es Barak gesagt wurde, auf den Berg Tabor zu steigen, und er ging nach Kedes. Das bedeutet, dass Erhabenheit mit dieser Stellung verbunden ist. Tabor bedeutet Bergeshöhe, und Kedes bedeutet heilig. Diese Stellung soll bezogen werden. Wenn wir dahin gelangen, zieht die feindliche Macht nur hinauf, um vernichtet zu werden. Zehntausend Mann waren nicht viele vor einem großen Heer; Jehova zog aber vor ihnen her, und das Heer Siseras fiel. „Es blieb auch nicht einer übrig.“

In Vers 24 lesen wir: „Die Hand der Kinder Israel wurde fort und fort härter über Jabin, den König von Kanaan, bis sie Jabin. den König von Kanaan, vernichtet hatten.“ Das greift prophetisch voraus und zeigt die vollständige Vernichtung von jeder Macht, die sich den Gedanken Jehovas für Sein Volk widersetzt. Wenn wir ein prophetisches Wort von Gott bekommen und den durch dieses Wort beherrschten Zustand haben, sind wir des Endsieges Gottes sicher. Es ist äußerst wichtig, dass dieser dem prophetischen Wort entsprechende Zustand vorhanden ist. Deswegen ist es so wichtig, wenn Gott eine Prophetin gibt, denn dadurch wird die Wichtigkeit des Zustandes betont. Das Gefäß soll dem göttlichen Licht entsprechen, und ein von Gott regierter geistlicher Zustand ist unüberwindlich.

Dann wird noch am Ende des Kapitels dieser bemerkenswerte Fall von Jael erwähnt. Jael, das Weib Hebers, des Keniters, und ihr Mann hatten sich abgesondert. Sie hatten sich von denen, die in Kapitel 1, 16 erwähnt werden, abgesondert, und zwar „waren sie mit den Kindern Juda aus der Palmenstadt heraufgezogen in die Wüste Juda, die im Süden von Arad liegt; und sie gingen hin und wohnten bei dem Volke“.

Es scheint eine Seelenübung gewesen zu sein, sich entschieden abzusondern. Auf diese Weise verließ Heber diejenigen, die sich mit dem Volke vermengt hatten, nahm eine bestimmtere Stellung der Absonderung ein und wurde zu einem Zeltbewohner. Dem Handeln Jaels lag ein geistliches Erlebnis zugrunde. Es gab noch ein gewisses Maß der Absonderung; jedoch war Frieden zwischen Heber und Sisera. Noch ein Band musste gelöst werden, Jael musste noch einen Schritt tun. Seelen wandeln oft in gewissem Sinne in Absonderung, und manchmal lassen sie sich nieder und denken, sie seien abgesondert, während vielleicht doch noch gewisse Bande bestehen; sie sind freundlich und friedlich dem gegenüber, was Gott feindlich ist.

Jael griff diese Seelenübung auf; es kam der Zeitpunkt, wo sie empfand, dass nichts als rückhaltlose Treue zu Jehova bestehen durfte. Alles, was Jehova feindlich war, musste schonungslos vernichtet werden. Sisera war ein Feind Jehovas, deshalb musste er getötet werden. Jael stellt die rückhaltlose Treue Gott gegenüber dar, durch die sogar ein Weib auf ihrem eigenen Gebiet gekennzeichnet sein kann. „Gesegnet vor Weibern sei Jael, das Weib Hebers, des Keniters, vor Weibern in Zelten gesegnet!“ Sie befand sich im Zelt, sie handelte in Treue.

Johannes, der Älteste, schreibt an eine auserwählte Frau und ermahnt sie, im Zelte treu zu sein. Sie soll einen Menschen nicht einmal grüßen, wenn er nicht die Lehre Christi bringt. Es darf kein Nachgeben gemacht werden. Sisera stellte vor Jael die ganze Macht dar, die dem Volke Gottes feindlich war, und sie handelte ihm gegenüber mit schonungsloser Entschlossenheit. Man könnte meinen, das wäre kein weibliches Tun, dieses Tun wurde aber von Gott als ein solches anerkannt, dass sie dadurch als gesegnet unter den Weibern galt.

Jael durchbohrte Siseras Schläfe, was auf die Vernichtung des ganzen menschlichen Verstandes schließen lässt. Wir müssen ihn in uns selbst vernichten, denn Sisera ist in uns selbst. Es gibt immer diese Macht, die uns dazu führt, einen niedrigen Boden einzunehmen, uns selbst, unserem eigenen Bauch, zu dienen. Wenn wir dem auf den Grund gehen, so ist es unser „Ich“, und das muss getötet werden; treibe den Zeltpflock dort herein und töte es.

Das ist ein Vorbild für eine Handlung der Treue, die durch eine Schwester durchgeführt wird; kommt zum Beispiel ein Mann an die Tür, der die Lehre des Christus nicht bringt, und sie lässt ihn nicht herein, noch sagt sie ihm „Guten Morgen“, so sichert sie den Sieg für das ganze Volk Gottes. Einer Schwester ist es möglich, moralisch auf ihrem eigenen Gebiet alles zu vernichten, was bei dem Kommen des Herrn vor Seinem Angesicht vernichtet werden wird. Sie kann jeden Einfluss, jede Macht vernichten, die beim Kommen des Herrn vernichtet werden.

Wir könnten uns nicht denken, dass durch den Geist Gottes so ein schönes Lied eingegeben wurde, ohne dass es eine wichtige Belehrung für uns enthielte. Es ist ein Lied, das wir besonders in der gegenwärtigen Zeit verstehen sollten.

Dieses Lied ist eine andere Art des Lobpreises Gottes als das Lied Moses, das die großen Werke Gottes in der Erlösung, wie auch die Frucht dieser Werke preist. Ich hoffe, dass wir alle gelernt haben, das Lied Moses zu singen. In den letzten Tagen sollen wir aber lernen, das Lied Deboras und Baraks zu singen. Ich denke, man ist überhaupt kein Christ, wenn man mit Mose nicht singen kann; es sind aber nur Überwinder, die mit Debora und Barak singen können. Das Lied Moses ist allgemeines Gut, es ist das Lied der Erlösten; das Lied Deboras und Baraks wird aber in schweren Zeiten gesungen; es ist ein Lied, das rühmt, wie Gott Sich für Sein Volk einsetzt und wie Er das Nötige für ihre Erlösung an einem sehr finsteren Tage darreicht.

Das eine ist ebenso wichtig wie auch das andere. Dies ist das einzige Lied im Buche der Richter, deshalb ist es so wichtig. Der Geist Gottes greift insbesondere diesen Sieg über den König von Kanaan auf als eine Gelegenheit, darauf hinzuweisen, wie Gott allezeit Sein Volk befreien will, und zwar bis zu der Zeit, wo die Bösen umkommen und die Gerechten im Reiche leuchten werden.

Es ist ein Lied, das die Hilfsquellen Gottes an einem schweren Tage rühmt. Wenn Gott Sich zur Befreiung Seines Volkes einsetzt, werden alle geprüft; ebenso werden wir heutzutage dadurch geprüft, wie Gott Sich einschaltet, um Sein Volk aus der Bedrängnis zu erretten.

Unsere Prüfung soll feststellen, ob wir mit ganzem Herzen uns mit dem Retter einsmachen oder nicht. Wenn Gott einen Erretter erweckt hat, wird mein Platz im Reiche davon abhängen, ob ich mich mit dem Erretter einsmache und bereit bin, mein Teil im Kampfe als ein guter Kriegsmann Jesu Christi auszutragen, oder ob ich dem ausweiche. Im letzteren Fall kann ich möglicherweise dem Fluche verfallen.

Alle Aussprüche der Schrift haben etwas Bezeichnendes. Nach diesem Liede erweckte Gott Seinem Volke Erretter. Es ist das Rühmen der göttlichen Führung. „Weil Führer führten in Israel, weil freiwillig sich stellte das Volk, preiset Jehova!“ (V. 2).

Wie in Vers 7 geschildert wird, war Israel in einem traurigen Zustande: „Es feierten die Landstädte in Israel, sie feierten“ (es war keine Führung), „bis ich, Debora, aufstand, bis ich aufstand, eine Mutter in Israel.“ Es war niemand in Israel, der eine geistliche Führung übernehmen konnte, und es ist öfters so gewesen unter dem Volke Gottes. Vers 12 bezieht sich auf die Mutter und Führerin.

Die Mutter wird in Debora dargestellt, die die Führung ans Licht bringt und die das Israel Gottes mit mütterlicher Liebe pflegen kann — das ist das Element, das Führung erzeugt. Wenn Gott Führung erweckt, tut Er das in Verbindung mit dem innigen Begehren der Mutter.

Wir müssen die Mutter haben, bevor wir den Krieger haben. Bevor der Herr am Anfang dieses Jahrhunderts solche bestimmte Führung erweckte, war die Gesinnung des innigen Begehrens und der mütterlichen Liebe zum Volke Gottes vorhanden, und Gott antwortete darauf, indem Er geistliche Führung erweckte, um sie von allem zu erlösen, was sie am Genusse des Erbes hinderte.

Der Grundsatz der Führung wurde zuerst im Herrn Selbst aufgerichtet. Der Herr ist der große Führer, und nur wenn jemand Ihm nachfolgt, ist er tüchtig, Sein Volk zu führen. Der Herr verließ niemals die betretenen Wege, Er ging von ihnen nicht ab; Er ging niemals auf krummen Wegen, und Er allein hat das Recht, zu sagen: „Folge mir nach.“ Die Apostel sagen uns niemals, dass wir ihnen nachfolgen sollen. Paulus sagte: „Seid meine Nachahmer.“ Der Herr war aber der Einzige, der da sagte: „Folge mir nach.“

Es gibt einen Weg durch diese Welt, und der Herr ging diesen Weg, und Er war der große Führer. Er ging zu den Seinigen, und Er sagte: „Ich habe die Welt überwunden.“ Er stellt Sich der Versammlung zuletzt als der Überwinder dar: „Wie auch ich überwunden habe“ (Offb. 3, 21).

Er ist Derjenige, dem man nachfolgen soll. Alle anderen sind Vorbilder, niemals aber Gegenstände; der Herr allein ist der Gegenstand.

Es ist noch etwas Wichtiges zu bemerken: Wenn der Herr in Seiner Güte Seinem Volke einen oder mehrere Führer schenkt, schenkt Er auch immer Nachfolger; solche, die dem Herrn nachfolgen, solche, die sich freiwillig stellen. Das ist der große Gegenstand dieses Liedes — Führer und diejenigen, die sich willig stellen, um beim Kampf sich mit den Führern einszumachen.

Meros tat das nicht und wurde verflucht. Das hat eine besondere Anwendung für uns. Wenn wir nicht zu kämpfen bereit sind, was nützt es dann, die Bücher Josua und Richter zu lesen? Das sind Bücher für Kriegsleute, für Kämpfer. Wenn wir am Kampfe nicht teilnehmen, bekommen wir keine Beute.

Seit den Tagen der Apostel ist nichts in der Versammlung Gottes erworben worden als nur durch Kampf, und Gott hat beständig durch das Erwecken von Führern in Seinem Volke Seelenübungen hervorgerufen. Es ist nicht recht zu sagen, dass wir keine Führer haben, denn das stellt die Treue Gottes in Frage. Wie könnte Gott mir gebieten, den Führern zu gehorchen, wenn es keine gäbe! In der Geschichte der Kirche fand ein großes Abweichen statt, und Gott hat in einem oder in einigen eine geistliche Führung aufgerichtet, und alle Überwinder haben sich dann mit den Führern einsgemacht.

Die Probe für einen Überwinder beisteht in der Fähigkeit, wahrzunehmen, wenn Gott Führung gibt, und sich als Kriegsmann mit der derzeitigen geistlichen Bewegung einszumachen.

Überwinder waren das Erzeugnis des Dienstes Deboras. Gott erweckte einen prophetischen Dienst — eine Prophetin. Sie diente zwanzig Jahre lang. Sie war eine Überwinderin, denn sie wohnte unter einer Palme. Das Erzeugnis des prophetischen Dienstes war ein Geschlecht von Überwindern. Alle, die sich willig stellten, wurden durch den prophetischen Dienst für eine gegebene Zeit erzeugt. Ein Überwinder wird durch das Offenbarwerden des Gedankens Gottes zu einem besonderen Zeitpunkt hervorgebracht.

Bei Ruben waren große Beschlüsse des Herzens. Er wurde hin und her geworfen, und das führte dahin, dass er nichts tat. Er stellt einen Menschen dar, der eine Menge Seelenübungen wegen des Kampfes, nämlich große Überlegungen und Erörterungen durchmacht. Zum Schluss aber bleibt er da, wo er ist. Wenn er nicht dahin gebracht wird, am Kampfe teilzunehmen, was nützen dann seine Seelenübungen?

Man hat Leute gekannt, die durch ein ganzes Meer von Seelenübungen gegangen sind, die aber damit endeten, dass sie eine neutrale Stellung einnehmen. In den Kämpfen Gottes gibt es aber gar nichts Derartiges. Die Neutralität ist die verkehrte Zweckmäßigkeit der modernen Zeit.

Von Vers 14 an haben wir eine Liste derer, die hinabzogen, um sich mit der derzeitigen Führung einszumachen und sie zu unterstützen: Ephraim, Benjamin, Manasse (Makir war sein Sohn), Sebulon, Issaschar, sie zogen alle hinab, um zu helfen.

Dann werden aber auch diejenigen, die nicht kamen, erwähnt. Das ist wie ein großer Rückblick vor dem Richterstuhl Christi. Der Kampf ist vorbei, und die Haltung aller wird betrachtet.

Diese Stämme zogen hinab, um zu helfen, und sie werden lobend erwähnt. Zwei Stämme werden besonders gelobt: Sebulon und Naphtali gaben ihre Seelen dem Tode preis auf den Höhen des Gefildes (V. 18).

Wir sollten bei jedem Kampfe danach trachten. Wir haben alle irgendeinen Kampf auszutragen, und wenn wir uns mit der jeweiligen geistlichen Führung einsmachen, können wir als gewöhnliche Kriegsleute den Kampf austragen, oder uns besonders auszeichnen wie diejenigen, die das Eiserne Kreuz bekommen. Hier wird dieser Unterschied erwähnt.

Es gab aber auch solche, die überhaupt nicht gekommen waren. Ruben hatte Beschlüsse des Herzens, viele gute Vorsätze; er machte große Überlegungen durch, doch er blieb zwischen den Hürden. „Warum bliebest du zwischen den Hürden, das Flöten bei den Herden zu hören? An den Bächen Rubens waren große Beratungen des Herzens“ (V. 16).

Schlaflose Nächte nützen nichts, wenn sie uns nicht in den Kampf führen. Der Geist Gottes in Debora und Barak erhebt die Frage: Warum bist du nicht gekommen? Mit allen deinen Überlegungen und Beschlüssen bist du doch nicht gekommen, denn du bliebst bei den Hürden. Menschen sagen manchmal: Wir wollen uns nicht in den Kampf einmischen; wir predigen das Evangelium; wir sorgen für die Schafe. Es ist gut, für die Schafe zu sorgen; wenn aber ein Krieg kommt, so ist er zu der Zeit das Wichtige.

„Gilead ruhte jenseits des Jordan.“ Das umfasst Ruben. Gad und einen Teil von Manasse — sie ruhten jenseits des Jordan. Das stellt Leute dar, die sich nicht auf himmlischen Boden gestellt haben. Sie interessieren sich nicht für den himmlischen Kampf, er ist ihnen ganz gleichgültig, sie bleiben jenseits des Jordan.

Ebenso machte es auch Dan; „Und Dan, warum weilte er auf Schiffen?“ Dan blieb auf Schiffen. Ich glaube, Schiffe stellen in der Schrift den Handel der Welt dar. Das stellt einen Mann dar, der sich dem Gelderwerb voll und ganz widmet, er hat keine Zeit, den Kampf aufzunehmen, er bleibt auf seinen Schiffen. „Aser blieb am Gestade des Meeres, und an seinen Buchten ruhte er“, er nahm die Angelegenheit ganz einfach und bequem hin. Keiner von diesen Stämmen zog hinab, und sie erbeuteten nichts.

Wenn wir nicht hinabziehen, bekommen wir nicht die Beute des Kampfes. Wenn ich im geistlichen Kampfe stehe, finde ich am Kämpfen als solchem kein Wohlgefallen, denn es ist ja nicht das Ziel. Man kämpft im Blick darauf, etwas für sich, etwas für Israel und etwas für den Herrn zu gewinnen.

Verse 10 und 11 zeigen den Gewinn: „Die ihr reitet auf weißroten Eselinnen, die ihr sitzet auf Teppichen, und die ihr wandelt auf dem Wege, singet! Fern von der Stimme der Bogenschützen, zwischen den Schöpfrinnen, dort sollen sie preisen die gerechten Taten Jehovas, die gerechten Taten an seinen Landstätten in Israel“. Sie bekamen einen Teil der Beute des Kampfes.

Paulus sagt: „Alle, die in Asien sind, haben sich von mir abgewandt“, und: „Demas hat mich verlassen, da er den jetzigen Zeitlauf liebgewonnen hat“; er war gleichsam auf Schiffe gestiegen. Damals gab es solche, die Paulus nicht beistanden, sie wollten gemächliche Zeiten haben. Sie wandten sich von ihm ab und verließen ihn; er erwähnt aber einige lobend, die ihm doch beistanden.

Wir müssen zu besonderen Zeiten die geistliche Führung erkennen. Wenn irgend jemand in Seelenübung steht und zu Gott schreit, erweckt Gott einen Führer; das ist die Belehrung des Buches der Richter. Es ist ein Bild von dem, was sich in der Versammlung von den ersten Tagen an bis jetzt abgespielt hat. Als man fühlte, dass man abgeglitten war und dass die Welt die Oberhand gewonnen hatte, schrie man zu Gott, und Gott erweckte einen geistlichen Führer. Jetzt ist eine geistliche Führung vorhanden, doch sie ist nicht so wie zur Zeit der Reformation. Gott erweckte Luther und andere, um eine geistliche Führung zu geben, und alle Überwinder machten sich mit ihr eins. Es gibt auch heutzutage eine geistliche Führung, die ebenso bestimmt wie damals ist.

Wenn ein Abweichen stattfindet, so greift Gott durch eine andere Form der Führung gegen den Feind ein. Er wirkt nicht immer nach denselben Richtlinien. Die Feinde sind heutzutage nicht dieselben wie diejenigen, mit denen die Heiligen es vor vierhundert Jahren zu tun hatten. Im Grunde genommen sind sie dieselben, ihre Mittel sind aber anders, und wir können den heutigen Feinden nur dann gegenübertreten, wenn wir der heutigen geistlichen Führung folgen und uns ihr anschließen. Wenn wir nicht mitgehen, können wir verflucht werden.

Meros wird bitter verflucht, weil er nicht mitzog. Die Haltung des Meros scheint der außerordentlichen Treue Jaels gegenübergestellt zu werden. Wenn einer verflucht wird, wird der andere besonders gelobt. Jael war ein Weib und gehörte nicht zu Israel. Sie mochte außerhalb des Kampfes zu stehen scheinen, doch die Kraft ihres Glaubens führte sie in den Kampf hinein, und sie handelte in einer außerordentlichen Weise gegen den großen Feind des Volkes Gottes und vernichtete den großen Heerführer des Feindes.

Jael begründete ihr Recht durch diese Glaubenstat. In einem Augenblick löste sie ihr früheres Band. Sie hat etwas Ähnliches wie Rahab. Es kam eine Zeit im Leben Rahabs, wo sie ihre Beziehungen zu ihrem eigenen Stamme, zu Jericho, zu seinem König und Volk abbrach. Sie knüpfte neue Bande mit dem Volke Gottes und bekam einen ehrenvollen Platz in Israel. Jael war mit dem König von Kanaan verbunden gewesen, es bestand ein Bund zwischen ihnen. Es kam aber die Zeit, wo sie erkannte, dass Jabin dem Volke Gottes feindlich gesinnt war, und sie brach den Bund des Friedens ab, schnitt sich von ihren früheren Bundesgenossen ab und schloss sich dem Volke Gottes an. Sie befestigte dadurch ihr Recht auf einen Platz in Israel, sie brach ihr Bündnis mit Jabin ab.

Das Lied endet mit den Worten: „Also mögen umkommen alle deine Feinde, Jehova! Aber die ihn lieben, seien wie die Sonne aufgeht in ihrer Kraft!“ Die Vernichtung Siseras war eine Art Vorschatten von der Vernichtung aller Feinde Gottes und von allem, was der Macht des Volkes Gottes feindlich gesinnt ist. Alle Feinde werden vernichtet, und die Gerechten werden leuchten wie die Sonne in dem Reiche ihres Vaters.

Midian ist der Feind in diesem Kapitel, es war ein der Natur nach verwandtes Volk. Nichts kann uns ärmer machen als der Einfluss von Menschen, mit welchen wir der Natur nach etwas Gemeinsames haben, denn unsere eigenen Verwandten können uns ein größerer Fallstrick sein als alle anderen. Sie „verdarben den Ertrag des Landes“, und „Israel verarmte sehr“.

Eine Person, mit der ich gemeinsame Interessen habe, ist eine große Gefahr, eine viel größere Gefahr als jemand, mit dem ich nichts Gemeinsames habe. Das Ziel des Feindes war, das Volk des Ertrages des Landes zu berauben.

Es ist ernst, wenn wir den Ertrag des Landes verlieren. Er ist unser Lebensunterhalt, und wenn wir von ihm nicht leben, verarmen wir geistlich sehr; denn irgendein midianitischer Einfluss beraubt uns. Inwieweit genießen wir das, „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1. Kor. 2, 9)? Das ist das Land, und der Feind will uns natürlichen Einflüssen aussetzen, damit wir verarmen.

Als sie zu Jehova schrien, schickte Er ihnen einen Propheten, um ihnen einzuprägen, dass sie ungehorsam waren. Vor der Wiederherstellung, oder bevor Gott Sich einschaltete, um zu erretten, gibt es immer ein Wort der Überführung. Gott begann mit einem Manne, der durch Seelenübung gekennzeichnet war, er schlug Weizen aus in der Kelter. Er trachtete danach, einen Teil des Ertrages des Landes zu sichern. Der Engel sagte ihm, dass Jehova mit ihm war, und seine Antwort zeigte, dass er die Lage, die durch die Regierungswege Gottes bestimmt war, richtig einschätzte. Das war seine Kraft. Seine Antwort lautete: „Bitte, mein Herr! Womit soll ich Israel retten? Siehe, mein Tausend ist das ärmste in Manasse, und ich bin der Jüngste im Hause meines Vaters.“

Was bei Gideon auffällt, ist, dass er danach trachtete, zu wissen, dass es Jehova war und dass er persönlich wohlannehmlich war. Es war ein Friedensopfer zum Wohlgefallen (3. Mose 19, 5). Er war persönlich vom Bösen und vom Götzendienst nicht verunreinigt; dem Vorbilde nach besaß er eine richtige Einschätzung seiner selbst und Christi. Voll und ganz Annehmbares war vorhanden, und er stimmte damit überein.

Bevor das Werk der Rettung vollbracht werden konnte, musste der persönliche Zustand des Erretters vor Gott zurechtgewiesen werden. Gideon ging seinerseits Beziehungen zu Gott ein; dann erweiterte Jehova sein Zeugnis. Er gab ihm eine erweiterte Erkenntnis Christi als des Farrens des Brandopfers, Dies galt für das Haus seines Vaters und für die Stadt. Die wahre Grundlage des Segens Israels bestand darin, öffentlich „mit der Zurüstung“ zurechtgelegt zu erscheinen. Es geht um „den zweiten Farren“, ein Hinweis auf den Zusammenbruch von allem, was mit der ersten Ordnung verbunden war. Es deutet auf Christum, der in Kraft und Reife den ganzen Götzendienst abgeschafft hat.

Gideon ist persönlich interessanter als irgendeiner der vorhergegangenen Richter, weil wir einen Einblick in seine persönlichen Seelenübungen gewinnen können und auch erfahren, wie er mit den Gedanken Jehovas in Einklang gebracht wurde, zuerst persönlich, und dann im Hause seines Vaters, und wie er in der Stadt die geistliche Führung übernahm.

Hierin sind tiefe moralische Belehrungen, die wir zuvor nicht hatten: ein Zurückkehren zu der wahren Grundlage unserer Beziehungen zu Gott. Nichts anderes konnte den Götzendienst wirklich verdrängen. Es ist bemerkenswert, dass sein Sündopfer erwähnt wird. Es ist mehr das Einführen des Guten, das Wohlannehmlichkeit sichert, damit der Götzendienst völlig verdrängt werden möchte. Die wahre Grundlage des Segens Israels wurde gesehen, und in diesem Lichte erwies Baal sich als wertlos.

Wir müssen in Bezug auf das, was unsere Natur anspricht, recht wachsam sein. Wenn wir mit Gott vorangehen, werden diese Dinge niemals über uns Macht gewinnen. Wenn sich ein Neubekehrter von den Götzenbildern zu Gott bekehrt, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und Seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, wie es die Thessalonicher taten, und wenn er dann weiterhin diesen Weg geht, wird er niemals der Macht der Midianiter verfallen. Wenn man ihrer Macht verfällt, so zeigt das, dass wir von Gott abgeirrt sind. sonst würde dieser Einfluss keine Macht über uns haben.

Der erste Teil dieses Kapitels zeigt die öffentliche Stellung Israels. Das Volk Gottes wird allgemein durch das beeinflusst, was es natürlicherweise mit den Menschen gemein hat, und sie verlieren dadurch den Genuss am Ertrage des Landes. Gott nahm Gideon auf als einen Mann mit persönlichen Seelenübungen. Er war um den Zustand der Dinge besorgt; er fühlte ihn und tat sein Bestes, um etwas vom Ertrage des Landes vor den Midianitern zu retten. Er wollte etwas Speise für Israel haben.

Solcherart war der Mensch, den Gott aufnehmen konnte. Er wird als einer dargestellt, der die Sachlage tief empfand. Er war wie Timotheus. Dieses Kapitel entspricht dem zweiten Timotheusbrief. Gideon war das Ergebnis des prophetischen Dienstes. Wenn zu Gott geschrien wird, prägt Er zuerst die Dinge dem Gewissen des Volkes ein, bevor Er Sein Volk erreichen kann. Er sandte einen Propheten. Gideon war das Ergebnis des prophetischen Dienstes: sein Gewissen und sein Herz waren geübt.

Paulus schreibt von Timotheus: „...eingedenk deiner Tränen“. Ein Mann, der über den Zustand der Versammlung Tränen vergießen kann, ist einer, den Gott gebrauchen kann.

Hier war ein Mann, der den Zustand der Dinge tief empfand, der aber wahrhaftig danach trachtete, das, was Christo gehörte, zu bewahren. Solch einen kann Gott gebrauchen; Er sagt: „Jehova ist mit dir!“ Äußerlich war keine Auszeichnung an ihm, es sah sogar so aus, als ob er ziemlich feige war; moralisch war aber sein Tun das eines tapferen Helden.

Ich denke, heutzutage ist eine wahre Erkenntnis der Sachlage eine Macht, und Gideon besaß sie.

Es war etwas Außerordentliches, Weizen in einer Kelter auszuschlagen und auch eine recht schwierige Sache. Die Kelter deutet auf Leiden hin. Er war zu leiden bereit, damit das Volk Gottes etwas von Christo als Speise haben sollte. Wieviel sind wir bereit zu leiden, damit das Volk Gottes etwas von Christo hat?

Diese Empfindungen werden moralisch durch den prophetischen Dienst hervorgerufen. Der Prophet ist gekommen — der wahre Zustand der Dinge kommt durch Überführung ans Licht, und damit ist immer eine Erkenntnis dessen, was dem Volke Gottes not tut, verbunden: Christus — der Weizen — muss ihnen zugänglich gemacht werden.

Es ist eine große Seelenübung, den Zustand des Volkes Gottes heutzutage schmerzlich zu fühlen und darum besorgt zu sein, dass mehr von Christo als Speise vorhanden sein sollte. Gott kann durch solch einen Mann wirken und Befreiung in Israel schenken. Wenn wir solche Gefühle hegen, wenn wir Tränen vergießen, kann Gott uns gebrauchen; es sind aber sehr wenige, die über den Zustand der Versammlung weinen.

Gideon hatte ein tiefes Bewusstsein davon, wie unbedeutend er war. Sein Tausend war das ärmste in Manasse, und er war der Jüngste im Hause seines Vaters. Das Teil Gideons war kein angesehenes Teil des Stammes, er war der Ärmste in Manasse. Das alles brachte ihm zum Bewusstsein, wenn er etwas mit Jehova und mit Seinem Dienste zu tun haben wollte, so musste es Christi wegen sein, und dahin müssen wir alle kommen.

Wenn wir von Gott gebraucht werden sollen, müssen wir völlig von uns selbst absehen und auf dem Boden Christi vor Gott stehen. Auf diese Weise bringt er sein Friedensopfer und sein Speisopfer. Gideon hatte etwas von der Lehre des 3. Buches Mose gelernt (was vorher im Buche der Richter nicht ans Licht gekommen war). und zwar in Bezug auf das Friedensopfer und das Speisopfer und den Altar; er hatte alle diese Dinge in seiner Seele. Er war sich des Zusammenbruchs von allem bewusst; wenn wir das erkennen und zu einer wahren Einschätzung unserer Person gekommen sind, müssen wir empfinden, wie unbedeutend wir sind. Deshalb sagt Paulus, er sei „der Allergeringste von allen Heiligen“.

Alle sollten das empfinden. Wenn das der Fall ist, kann ich mit Gott nur auf Grund dessen sein, was völlig wohlannehmlich ist, was voll und ganz in heiligem Feuer zu Gott aufsteigen kann — das ist Christus.

Gideon war ein Timotheus, er war um den Zustand der Dinge sehr besorgt, Es war seine persönliche Seelenübung an einem Tage der allgemeinen Abtrünnigkeit, an einem Tage, wo Israel sehr verarmt war. Wollen wir zur Verarmung oder zum Bereichern beitragen? Wir tun alle das eine oder das andere, entweder tragen wir zur Bereicherung oder zur Verarmung bei. Gideon trug zur Bereicherung bei. Ich denke, seine Seelenübung war zuerst eine persönliche, dann eine örtliche und dann eine allgemeine Übung.

Zuerst brachte er sein Friedensopfer und sein Speisopfer und wurde angenommen, und im Lichte dieser wunderbaren Belehrung baute er einen Altar. Seine eigenen persönlichen Beziehungen zu Gott waren nun von Grund auf richtiggestellt.

Das muss das erste sein; es nützt nichts, wenn wir dem Volke Gottes dienen wollen, wenn unser persönlicher Zustand und unsere Verbindungen falsch sind. Am Anfang des 2. Timotheusbriefes betont Paulus den persönlichen Zustand, bevor er vom Gemeinsamen spricht; er betont den persönlichen Charakter des Dieners, ehe er über die Absonderung spricht. Was nützt die Absonderung, wenn der persönliche Zustand verkehrt ist? Das ist dann bloß Pharisäertum.

Die erste Seelenübung besteht darin, mit Gott zurechtzukommen, einen persönlichen Altar zu haben; dann kann der Herr den Bereich des Zeugnisses erweitern und ihm in der Örtlichkeit Einfluss verleihen.

Gideon bekam eine Erweiterung. Vom Friedensopfer, das von seiner Annahme redete, schritt er zum Farren des Brandopfers weiter. Dem Vorbilde nach bekam er eine Erweiterung seiner Erkenntnis Christi. Es ist etwas Kostbares, von einem Ziegenböcklein zu einem Farren überzugehen. Das Ziegenböcklein war für Gideons persönliche Annahme, der Farren des Brandopfers wies aber auf ganz Israel hin. Als Gideon persönlich zurechtgewiesen war, gab ihm Jehova einen erweiterten Dienstbereich, und dazu war eine erweiterte Erkenntnis Christi erforderlich.

Es ist bemerkenswert, dass kein Sündopfer dabei war. Das bedeutet, dass Gott den Götzendienst durch die bestimmte Glückseligkeit der Grundlage verdrängt, auf der alles Seinen Gedanken gemäß gegründet ist. Eine Erkenntnis dessen, was das Volk Gottes Ihm der Kostbarkeit Christi entsprechend bedeutet (was durch den Farren im Vorbilde dargestellt wird), würde an und für sich schon den Götzendienst niederwerfen. Es wird alles als wertlos gesehen.

Wenn wir mit Gott nach der Glückseligkeit des Farrens des Brandopfers sind, was den größtmöglichen Ausdruck von Christo in Seiner Wohlannehmlichkeit vor Gott ausmacht, dann muss alles Götzendienerische sofort das Feld räumen. Daher wurden Baal und Aschera vernichtet; wir können sagen, dass alles von Christo überragt wird.

„Der zweite Farren“ deutet an, dass in Verbindung mit der ersten Ordnung für Gott nichts gesichert wird; alles, was mit der ersten Ordnung verbunden ist, ist zusammengebrochen; Christus kommt aber deutlich als „der Zweite“ in den Vordergrund. Er ist „der zweite Mensch aus dem Himmel“. Er nahm das Erste weg, um das Zweite aufzurichten.

In der Schrift bezieht sich oft „das Erste“ auf das Natürliche, und „das Zweite“ auf das Geistliche (1. Kor. 15). Diese tiefen moralischen Belehrungen müssen beherzigt werden, ehe mit dem Feinde Krieg geführt werden kann. Es ist die Zubereitung des Dieners: er macht eine Erziehung durch, die ihn für den Dienst vorbereiten soll. Wir sehen aus Vers 34, dass der Geist Jehovas über Gideon kam. Er stieß in eine Posaune, und etliche aus Israel versammelten sich zu ihm.

Nicht nur wurde ein geistlicher Zustand bei Gideon hervorgebracht, sondern erlernte auch die Unumschränktheit Gottes sehr schätzen, und das kommt in den Zeichen zum Ausdruck, die er über das Vließ und den Tau von Jehova begehrte. Das bedeutet, dass er nicht nur seiner persönlichen Annahme sicher sein wollte, und der allgemeinen Wahrheit in Bezug auf Israel, nämlich des Wiedereinsetzens Christi als der Grundlage der Beziehungen des Volkes Gottes zu Ihm, sondern er wollte auch dessen sicher sein, dass er die Richtschnur des gegenwärtigen, unumschränkten Wirkens Gottes befolgte.

Es ist wichtig, dies zu erkennen. Wenn Gideon diese Belehrung nicht beherzigt hätte, wäre er nicht bereit gewesen, sein Heer aufzugeben. Der unumschränkte Wille Gottes muss anerkannt werden. Gideon verließ sich nicht auf seine eigenen Seelenübungen, noch auf den bis dahin erzeugten moralischen Zustand. Er trachtet danach, das bestimmte und unumschränkte Wirken Gottes zu erkennen, und zwar völlig außerhalb alles Menschlichen. Es ist ein Hinweis auf die völlige Abwesenheit des Selbstvertrauens, er stand bloß dem Herrn zur Verfügung. Der Tau der göttlichen Unumschränktheit bedeutete ihm mehr als alle Kriegswaffen. Dadurch wurde er auf die Verminderung seines Heeres vorbereitet.

Die Belehrung über das Vließ und den Tau am Ende dieses Kapitels zeigt die Bereitwilligkeit bei Gideon, im Einklang mit dem unumschränkten Willen Gottes zu handeln und nicht an die Übermacht des Feindes zu denken. Wenn man im Einklang mit dem unumschränkten Willen Gottes handelt, sind dreihundert Männer wirksamer als zweiunddreißigtausend. Die ganze Zeit wurde er darin unterwiesen, und das verlieh Gideon seinen wahren Charakter. Er war ein „Laib Gerstenbrot“ — äußerlich war er ganz unwichtig, er besaß aber die Wesenszüge Christi; er war fürstlich.

In dieser Weise werden diese holdseligen Eigenschaften Christi vor uns entfaltet. Wir sehen die gänzliche Unterwürfigkeit Christi unter den unumschränkten Willen Gottes. Er handelte gar nicht außerhalb des Bereiches der göttlichen Unumschränktheit. Als Ihn dann die Städte verwarfen, lobpries Er und sagte: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast es Unmündigen geoffenbart. Ja, Vater, denn also war es wohlgefällig vor dir“ (Matth. 11, 25. 26). Das war vollkommenste Anerkennung der göttlichen Unumschränktheit. Es verleiht dem Verse Schönheit: „Kommet her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.“ Er fordert uns auf, zu kommen und uns neben Ihn zu stellen. Er sagt uns, wo Er ist. Er freute Sich im unumschränkten Willen des Vaters, und dann sagte Er: Kommt und stellt euch neben Mich, und Ich werde euch Ruhe geben. Das ist der Ort, wo Ruhe gefunden wird.

Der moralische Zustand mag vorhanden sein, doch an und für sich macht uns das nicht fähig, dem Volke Gottes behilflich zu sein. Gott muss nach Seinem eigenen Gutdünken entscheiden, wen Er gebrauchen kann, und wie Er ihn gebrauchen kann, und auch wann Er ihn gebraucht. Ist es aber mein Wunsch, für den Dienst Gottes gebraucht zu werden? Liebe ich das Volk Gottes so sehr, dass ich zum Dienst genommen werden möchte?

Nichts ist von Wert, wenn Gott nicht darin ist. Eine ganz kleine Sache kann dafür ausschlaggebend sein, ob wir für den Meister brauchbar sind. Johannes der Täufer beherzigte diese Belehrung; er sagt: „Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben“ (Joh. 3, 27).

Diese Wesenszüge bei Gideon waren Gott sehr wohlgefällig. Es waren nicht die Seelenübungen des Unglaubens, sondern des Glaubens, der mit Geduld seinen Weg ausfindig machte. Es war die Seelenübung eines Mannes, der geduldig seinen Weg ausfindig machte, denn er wollte nicht voreilig sein. Wir sind es oft, wenn wir denken, dass wir recht haben. Er wollte sich jedoch jedes Schrittes sicher sein.

Der Herr handelte niemals ohne ein Wort von Gott. Er harrte auf Jehova. Es wird von Ihm prophetisch gesagt: „Beharrlich habe ich auf Jehova geharrt“ (Ps. 40, 1).

Dann wartete Gideon, um völlig überzeugt zu sein, dass sein Tun den Strom des unumschränkten göttlichen Willens befolgte, denn darauf weist der Tau hin. Micha 5 redet vom Tau, der nicht auf Menschen wartet und nicht auf Menschenkinder harrt. Er kommt mit stiller, gesegneter Macht von Gott hernieder; der Mensch hat damit nichts zu tun. Die ganze Wissenschaft der Welt könnte nicht einen einzigen Tropfen Tau auf einen Grashalm fallen lassen; er ist einzig und allein von Gott.

Gideon hatte eine doppelte Prüfung. Er wollte ein hinreichendes Zeugnis haben. Das war nicht Unglaube, sondern die Übung des Glaubens. Er wollte ein doppeltes Zeugnis über die Wirklichkeit des unumschränkten Wirkens Gottes in jenem Augenblick, und Gott antwortete darauf. Es handelte sich um die Errettung Israels. Wie würde Gott handeln? Keiner konnte das vorausahnen.

Gott könnte die unwahrscheinlichste Person in der Christenheit gebrauchen. Er erwählt, wen Er will, und Er wirkt in solch einer Weise, dass, was Er auch tun mag, der Ruhm augenscheinlich Ihm gehört. Wenn einer mit Gott nicht übereinstimmt, so wird etwas Menschlichem oder etwas Eigenem Raum gegeben; wenn aber Gott wirkt, so wirkt Er so, dass die ganze Herrlichkeit Ihm gehört. Der Anfang des nächsten Kapitels bringt das ans Licht in Verbindung mit dem Heere Gideons. Gott sagte: Für Mich sind das zu viele. Wenn zweiunddreißigtausend Mann den Sieg erringen, werden sie sich ihres Tuns rühmen: deshalb lichtete Er ihre Reihen. Nach dem Gesetz mussten die Furchtsamen zuerst gehen, zehntausend Mann waren aber immer noch zu viele. Gott musste sie bis auf dreihundert vermindern. Was konnten sie gegen ein Heer von hundertdreißigtausend ausrichten?

Es geht ausschließlich darum, was Gott tun kann; nichts hat den geringsten Wert außer dem, was Gott tun kann. Wenn wir dahin gelangt sind, bekommen wir den tiefsten Frieden.

Wenn ich klein genug bin, kann Gott mich aufnehmen und gebrauchen. Gideon behielt dreihundert Mann. Möchtest du gern zum Dienst behalten werden? Jedes Herz sollte sagen: Herr, behalte mich! Wenn wir klein genug sind, wird Gott uns behalten. Er behielt Timotheus, und im 2. Timotheusbrief handelt es sich vielfach um Personen, die als Gefäße, die dem Hausherrn nützlich sind, behalten werden.

Das einzige ist, Gott voll und ganz zur Verfügung zu stehen. Diese dreihundert Mann wurden behalten, um Gott voll und ganz zur Verfügung zu stehen. Dreihundert Mann, die Gott verfügbar waren, waren mehr wert als zweiunddreißigtausend Mann, die Ihm nicht verfügbar waren.

In Vers 34 lesen wir, dass der Geist Jehovas über Gideon kam. Das zeigt, dass außer dem moralischen Zustande noch etwas erforderlich war, nämlich die Kraft des Geistes Gottes musste vorhanden sein. Wenn wir auch den vollkommensten moralischen Zustand haben, so ist das an sich noch keine Kraft; die Kraft liegt im Geiste Gottes.

Erstens muss der moralische Zustand vorhanden sein. Es gibt niemand im Neuen Testament, über den der Geist Gottes ohne den erforderlichen moralischen Zustand gekommen wäre. Der Heilige Geist wird den Gehorsamen gegeben; es ist undenkbar, dass der Geist einer gesetzlosen Person gegeben wird, denn das wäre ein Widerspruch in sich selbst.

Gehorsam muss vorhanden sein, und dann auch die Bereitwilligkeit, das Zeugnis des Herrn aufzunehmen. Wofür brauchen wir den Geist? Wir brauchen den Geist nicht, um durchzukommen, sondern um für Christum aufrechterhalten zu werden. Das Merkmal derer, die den Geist haben, ist, dass sie wirklich für Christum da sind.

Dieses Buch zeigt die Grundsätze, nach welchen Gott in Tagen der Abtrünnigkeit Seinem Volke helfen und es erretten möchte. Während jedes Zeitabschnittes der Kirchengeschichte ist Gott Seinen eigenen Weg gegangen, um für Sein Volk Errettung zu bewirken.

Wir müssen darüber geübt sein, den Weg Gottes wahrzunehmen und nicht durch das Große und Anmaßende betrogen zu werden, sondern das, was aus Gott ist, schätzen zu lernen.

Es war fleischliches Selbstvertrauen, als man in Josua sagte, nur wenige brauchten mit Josua heraufzuziehen. Sie zogen die Macht des Feindes nicht genügend in Betracht und waren voller Selbstvertrauen.

In Richter 7 ging es aber darum, dass Gott auf eine Weise ein Errettung bewirken wollte, die offenbar ganz aus Ihm war. Es war, „damit Israel sich nicht wider mich rühme“. Gott bemüht Sich sehr darum, uns vor dem Rühmen zu bewahren. Darum wurde hier alles gesichtet; die Beschaffenheit der Krieger, nicht ihre Zahl war erwünscht, was an einem Tage des Abweichens wichtig ist. Der 2. Timotheusbrief ist ein Brief, worin alles gesichtet und die vorhandene Anzahl vermindert wird.

Die Männer, die das Wasser leckten, erwiesen sich als gute Kriegsmänner, als solche wurden sie von Jehova angesehen. Das Ziel des 2. Timotheusbriefes ist, solche Männer zu sichern, die als „nützlich dem Hausherrn“ festgehalten werden. Es gibt eine große bekennende Körperschaft; Paulus musste aber sagen, dass viele sich von ihm abgewandt hatten.

Um Gefäße zur Ehre zu finden, findet im 2. Timotheusbriefe auch eine Art Sichtung statt. Paulus sagt: Sei ein guter Kriegsmann, einer von den dreihundert. Der Grundsatz der Furcht wird ausgeschaltet: „Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim. 1, 7). Wenn kein Mut vorhanden ist, werden wir nichts für Gott bewahren, sondern wir werden uns dem Einfluss des Augenblicks hingeben. Das Volk Gottes erhebt Einspruch, aber es gibt nach. Im gegenwärtigen Augenblick mangelt es an Mut für das, was von Gott ist, einzustehen.

Im vorigen Kapitel ging es um Gideons persönliche Seelenübung, doch hier geht es mehr um die Frage, welche Werkzeuge Gott gebrauchen kann. Gott wird nichts gebrauchen, was dem Werkzeug, das Er gebraucht, Ruhm einbringt. Den Ruhm bekommt Er für Sich Selbst.

Das Volk Gottes verlangt sehr nach zahlreichen Mengen. Große Zahlen bedeuten aber nicht immer Einheit. Oft ist es so, dass je größer die Zahl ist, desto geringer die Einheit ist. Es ist besser, wenn wir 300 Mann haben, die eines Sinnes sind und in ihren Seelen verbunden sind, die alle auf dasselbe sinnen und dasselbe sagen, als zweiunddreißigtausend Mann, bei denen es ebensoviel Meinungen wie Personen gibt.

Wenn wir erwählt sind und festgehalten werden möchten, müssen wir sehr darauf achten, wie wir kleine Dinge tun, die ganz unbedeutend zu sein scheinen. Möge doch jeder beten: Herr, behalte mich im Dienst! Paulus schreibt an Timotheus: „Nimm teil an den Trübsalen als ein guter Kriegsmann Jesu Christi.“ Das Persönliche muss vor dem Gemeinsamen kommen. Es schien etwas sehr Einfaches zu sein, zum Wasser hinabgeführt zu werden, um zu trinken; jedoch war das eine göttliche Prüfung, und keiner von uns weiß, wann er geprüft wird. Das macht unser Verhalten während des alltäglichen Geschehens sehr ernst.

Darin, wie ich die kleinen Dinge in meinem Heim oder in meinem persönlichen Leben erledige, mag etwas ans Licht kommen, was mich zu irgendeinem besonderen Dienst untüchtig macht. Es kann aber in Verbindung mit kleinen Dingen auch irgendein Charakterzug, der für Seinen Dienst wohlgefällig ist, ans Licht kommen. Wir mögen einen Menschen, der zum Dienst zurückgehalten ist, sehen; wir können oft solche erkennen, wir wissen aber das Geheimnis nicht. Vielleicht haben sie in einer kleinen, gewöhnlichen Sache für den Herrn gehandelt, und Er sagt: Ich werde dich nun für Meinen Dienst festhalten. Es gibt Gefäße zur Ehre, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Dienste bereitet. Man sollte danach trachten, zum Dienst bereitet zu sein, um dem Volke Gottes dienen zu können, und zwar in einer bestimmten und wirksamen Weise.

Sie mussten trinken, es war eine Notwendigkeit; doch sie hoben bloß das Wasser in ihren Händen auf und leckten es; sie machten es sich nicht bequem und schonten sich nicht dabei. Es war etwas Kleines, doch es kann sein, dass jeder von uns beständig in diesen kleinen Dingen geprüft wird, und wenn wir kleine Dinge nicht in einer Gott wohlgefälligen Weise tun, sind wir nicht für den Dienst zubereitet und sind keine Gefäße zur Ehre.

Es geht nicht um die Frage, ob wir Christen sind, wir sind aber für den Dienst nicht zubereitet. Es geht um die Frage: Bin ich dem Herrn wohlgefällig? Ich kann mich selbst nicht empfehlen. Der Apostel sagt: Nicht wer sich selbst empfiehlt, der ist bewährt, sondern den der Herr empfiehlt.

Was nützt es, wenn ich mich den Brüdern empfehle, wenn der Herr mich ihnen nicht empfiehlt? Ich bin einfach gar nichts, und wenn der Herr mich den Brüdern nicht empfiehlt, kann ich ihnen nicht dienen.

Bei dem göttlichen Wirken ist es etwas Großes, eine Bestätigung zu erlangen. Gott liebt es nicht nur, uns zu leiten, sondern Er bemüht Sich darum, Sein Volk zu bestätigen. Darum sandte Er Gideon in das Lager hinunter, um den Traum und seine Deutung zu hören. Nicht nur erstarkten Gideons Hände, sondern er wurde auch zu einem Anbeter. Der Anbeter allein ist ein wahrer Kriegsmann. Es ist etwas Schönes, diesen Traum und seine Deutung zu haben, das würde uns alle zu Anbetern machen.

Durch den Laib Gerstenbrot sollte Gideon lernen, wie klein er war. Zu Anfang war Gideon ein wahrer Laib Gerstenbrot; er sagte: „Ich bin der Jüngste im Hause meines Vaters.“ Er denkt nicht Großes über sich selbst, und das ist Macht. Haben wir die Tatsache angenommen, dass Christus in Schwachheit gekreuzigt worden ist? Das ist die Kraft Gottes. „Das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen“ (l. Kor. 1, 25).

Es ist wunderbar, dass Gott Sich in einem solchen Ausspruch darstellt. Gott hat den Weg der äußersten Schwachheit erwählt. Nichts könnte schwächer sein als ein toter Mensch. Solange ein Mensch lebt, ist noch etwas Kraft vorhanden, wenn ein Mensch aber tot ist, so ist das die äußerste Schwachheit. Nun sagt Gott: Dies ist Meine Kraft. Wie langsam erkennen und erfassen wir das!

Der Laib Gerstenbrot stellt die äußerste Schwachheit und Unwichtigkeit dessen dar, was Gott aufnimmt, und wenn wir dem Volke Gottes dienen wollen, müssen wir dazu kommen, dass Gott das Schwache, das Unedle, das Verachtete, das Törichte und das, was nichts ist, aufnimmt. Sind wir bereit, als solche aufgenommen zu werden? Wenn nicht, so kann Gott uns überhaupt nicht gebrauchen.

In diesem Bewusstsein beten wir an, und das macht uns tüchtig für den Kampf. Anbetung bedeutet, dass ich mit mir selbst völlig abgeschlossen habe. Ich habe Gott allein vor mir. Bis Gott der ausschließliche Gegenstand des Herzens wird, gibt es keine Anbetung. Vielleicht werde ich darin nur einige Minuten aufrechterhalten. Wenn ich aber anbete, ist nichts außer Gott vor meiner Seele.

Das ist Macht; es gibt nichts so Mächtiges wie Anbetung. Ein von Gott erfülltes Geschöpf ist auch ein mit Kraft erfülltes Geschöpf. Der Apostel redet darüber aus tiefster Überzeugung: „Ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und in vielem Zittern“ (1. Kor. 2, 3). Das sind nicht nur bildliche Ausdrücke; ich glaube, der Apostel verrichtete seinen Dienst tatsächlich mit Zittern.

Ich freue mich oft, wenn ich sehe, dass ein Bruder zittert, wenn er aufsteht, um zu reden. Ich denke, jetzt werden die Heiligen etwas bekommen. Ich glaube, dass dieses Kapitel die alttestamentliche Lesart von 2. Korinther 4 ist. Tonkrüge sind ein auffallendes Sinnbild der Art Werkzeuge, die es Gott wohlgefällt zu gebrauchen.

Wie wenig haben wir uns doch die Tatsache eingeprägt, dass Schwachheit eigentlich Kraft ist!
Gerste stellt Christum in Seiner ganzen Demut und Schwachheit dar, in der Er hienieden erfunden wurde. Er hatte keine Hilfsquellen in Sich Selbst. Hier ist es aber mehr ein Vorbild von den Heiligen als ein Vorbild von Christo, und zwar davon, dass wir bereit sein müssen, als nichts zu gelten.

Paulus lernte sich dessen zu rühmen, dass er nur ein Gerstenbrot war. Er kam dazu, sich seiner Schwachheit zu rühmen. Paulus musste sehr viele Züchtigungen durchmachen, und er lernte aus Erfahrung in seinem Dienst, dass ihm Schwachheit, Angst und Zittern eigen waren. Er lernte unter der Zucht Gottes kennen, dass er einen Dorn für das Fleisch hatte, was ihm eine noch zusätzliche Hilfe war; auf diese Weise hatte er allezeit nichts anderes als das Bewusstsein von seiner Schwachheit. Dann wurde er ins Gefängnis geworfen wo er keine Gelegenheit zu predigen hatte. Er war in jeder Weise beschränkt, aber die Kraft Gottes kam niemals in solch einer Weise in ihm zum Ausdruck, wie sie es in seiner Gefangenschaft tat. Er erfasste das Geheimnis des Ausspruchs: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (2. Kor. 12, 10). Wie Gideon war er ein Anbeter -„er betete an“.

Es ist etwas Wunderbares, seine eigene Schwachheit zu erkennen und nur den Drang zur Anbetung zu verspüren. Im Vorbilde sehen wir das bei Gideon, erfahrungsgemäß sehen wir es aber auch bei Paulus.

Wenn wir zum Streit übergehen, sind die Waffen unseres Kampfes nicht fleischlich. Es gab dabei nur eine Posaune, eine Fackel und ein Gefäß. Beim tatsächlichen Kampf gibt es eine Posaune, eine Fackel und ein zerbrochenes Gefäß. Die Posaune ist ein Hinweis auf ein abgelegtes Zeugnis; Paulus sagt: „Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet“ (2. Kor. 4, 13).

Wenn wir das, was von Gott ist, hervorbringen können, so besiegt das den Feind, ganz gleich, in welcher Gestaltung er sich zeigt. Ich nehme an, die Kraft liegt immer im göttlichen Zeugnis. Die Kraft ist die Darstellung dessen, was von Gott ist. Nichts befreit uns mehr von dem, was nicht von Gott ist, als das Einführen dessen, was von Gott ist.

Die Fackel entspricht dem Leuchten Gottes in ein Menschenherz, zum Lichtglanz der Erkenntnis Seiner Herrlichkeit im Angesichte Jesu Christi. Das ist die Fackel. das Licht. Paulus sagt: „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen“ — das Licht ist in einem irdenen Gefäß. Es ist aber erforderlich, dass das Gefäß zerbrochen wird. Das kommt im zweiten Korintherbriefe ans Licht. und zwar in der Art und Weise, wie das Gefäß der strengsten Zucht unterworfen wird. Das Gefäß wird mit dem Tode Jesu in Einklang gebracht.

Das Licht ist der Schatz. Er hat in unsere Herzen geleuchtet, damit dieses Licht hervorstrahlen möchte. Das Licht leuchtet hinein. um hervorzustrahlen, und wir haben es in irdenen Gefäßen.

Ich zweifle nicht daran, dass Paulus dieses Kapitel (Richter 7) vor sich hatte. Die Überschwenglichkeit der Kraft ist Gottes, und nicht aus uns.

„Allenthalben bedrängt“ — das ist das Gefäß — „aber nicht eingeengt“. Das ist die Kraft Gottes. „Keinen Ausweg sehend“ — das ist das Gefäß — „aber nicht ohne Ausweg“. Es ist die Kraft Gottes, die den Weg offenhält. „Verfolgt“ — das ist das Gefäß — „aber nicht verlassen“, denn Gott ist dort. „Niedergeworfen“ — das ist das Gefäß — „aber nicht umkommend“ — die Kraft ist da.

Was das Gefäß anbetrifft, so ist nichts als Trübsal darin. Das dient alles gleichsam dazu, das Gefäß zu zerbrechen. Auf diese Weise leuchtet aber das Licht hervor. Wenn das, was von Gott ist, hervorstrahlt, wirft es das, was vom Feind ist, wirksam und vollständig nieder.

Das Merkmal des Gefäßes ist nicht Kraft, sondern Schwachheit. Es ist ein irdenes und zerbrochenes Gefäß. Der Diener muss mit dem Sterben Jesu in Einklang gebracht werden, und das bedeutet, wir sollen es in unseren Leibern umhertragen. Das Sterben Jesu ist das Zerschlagen der goldenen Schale (Pred. 12, 6). Im Sterben Jesu, sehen wir ein göttliches Gefäß. Der Inhalt des Gefäßes wurde aber den Menschen nur durch Sein Sterben zugänglich. Das ist das Geheimnis.

Sind wir nun bereit, damit in Einklang zu sein? Das ist der Weg der Kraft. Unsere große Übung ist dann die, dass das Leben Jesu offenbar werde. Das Leben Jesu ist tätige Liebe. Wenn, das in mir ans Licht kommen soll, bedeutet das für mein ganzes natürliches Wesen den Tod; das ist der Weg der Kraft. Von Natur wünschen wir das alle nicht, es ist aber, der Weg der Kraft.

Gideon sagte: „Sehet es mir ab und tut ebenso.“ Das ist die wahre Kraft eines Führers. Er sagt uns nicht nur, was wir tun sollen, sondern er geht uns mit seinem Beispiel voran. Das ist ein wahrer Führer. Die Apostel konnten sagen: „Sieh uns an!“ (Apg. 3, 5).

Das Stoßen in die Posaunen ist das Verkündigen des Zeugnisses Gottes. „Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet.“ Die Posaune erschallte recht laut durch Paulus. Man brauchte nichts mehr zu tun, der Feind war vernichtet.

Dieses Kapitel zeigt Gottvertrauen im Gegensatz zum Vertrauen auf das Fleisch, wie auch die Bereitwilligkeit vermindert zu werden, damit der ganze Ruhm Gott gehöre. Das ist ein sehr wichtiger Grundsatz. Wenn die Posaune erschallt, redet sie nur von Gott. Es ist das Offenbarwerden dessen, was von Gott ist. Das erweist sich wirksam. Der Apostel sagt uns, dass die Waffen, die von ihm gebraucht wurden zur Zerstörung von Festungen, göttlich mächtig waren.

In Seiner Unumschränktheit wird Gott in Seinem Dienst diejenigen behalten, die Er will. Wir müssen erkennen, dass es um Seinen unumschränkten Willen geht. Das verbietet uns aber nicht, unsererseits danach zu trachten, für Seinen Dienst behalten zu werden und diesbezügliche Seelenübungen zu pflegen.

Wenn Gott einen nach Seinem unumschränkten Willen erkoren hat, wird man finden, dass bei dem Betreffenden Gott wohlgefällige, moralische Wesenszüge vorhanden sind. Das sind gewissermaßen die „Gefäße zur Ehre“, goldene und silberne Gefäße. Wenn Gott ein Gefäß mit Ehre krönt, werden sich bei ihm auch angemessene moralische Wesenszüge zeigen. Gott ist nicht für Gefäße zur Unehre besorgt.

Es geht darum, dienstbereit zu sein. Es ist nicht nötig, dass wir gebraucht werden; bin ich aber bereit, gebraucht zu werden? Nach dem unumschränkten Willen Gottes werde ich vielleicht nicht gebraucht werden, bin ich aber bereit?

Ich möchte es in Fabriken veranschaulichen, wo ein fortlaufender Betrieb erforderlich ist. Es sind zwei Maschinen dort, und die eine tut augenscheinlich nichts, sie ist bloß für den Notfall bereit.

Es ist für uns etwas Großes, bereit zu sein, so dass, wenn der Herr ein Gefäß benötigt, wir gerade dort sind, wo Er uns gebrauchen kann, und wir sind in einem brauchbaren Zustand. Die Dreihundert stellen Gefäße dar, die zum Gebrauch des Hausherrn bereitstehen, sie sind für den Dienst bereitgestellt.

Es ist nicht immer genug, einen hervorragenden Sieg über die Feinde zu erringen, denn es kommen noch andere Prüfungen auf. Wenn wir das Geheimnis des Sieges gefunden haben, werden wir in Bezug darauf geprüft, ob wir auch alles selbst erfasst haben.

Wir finden hier, dass die Männer von Ephraim nicht damit zufrieden waren, wie die Dinge gemacht worden waren. Diese Brüder erkannten den großen Grundsatz nicht an, der mit dem Siege so viel zu tun hat, nämlich den Grundsatz der Erwählung nach dem unumschränkten Willen Gottes. Sie dachten, man hätte sie übersehen oder übergangen.

Wir müssen darauf gefasst sein. Der Herr wirkt, durch wen Er will, und wir müssen darauf gefasst sein, übersehen zu werden; es ist eine wirkliche Prüfung.

Als Gideon dem entgegentrat, was eigentlich Selbsterhöhung war, nahm er einen demütigen Platz ein. Der Selbsterhöhung muss man entgegenwirken, indem man die entgegengesetzte Gesinnung zum Ausdruck bringt. Gideon trat dem entgegen, indem er viel daraus machte, was sie getan hatten, und wenig daraus machte, was er getan hatte. Die von ihm gezeigte Gesinnung war eine göttliche Zurechtweisung für die Gesinnung, die die Männer von Ephraim kennzeichnete. Sie hatten zwei Fürsten gefangen, und Gideon macht möglichst viel aus ihrem Tun.

Wir sollten immer dieser Richtlinie folgen und das, was die Brüder tun, möglichst hoch einschätzen; wir sollten den Wert desselben nicht herabsetzen. Paulus schreibt an die Philipper: „Ein jeder nicht auf das Seinige sehend, sondern ein jeder auch auf das der anderen“ (Phil. 2, 4). Alles, was bei den Geschwistern gut ist, nehmen wir zur Kenntnis. Wenn wir alle dieser Richtlinie folgten, würde unsere Selbsterhebung eines natürlichen Todes sterben. J. N. Darby war darin ein wunderbares Beispiel, denn er sprach immer so, als ob er die Gabe eines Evangelisten bewunderte und beneidete, doch wenn er von seiner eigenen Arbeit sprach, empfand er, dass er bloß ein Holzhauer und ein Wasserschöpfer war.

Das ist die rechte Gesinnung. Wenn wir nur dienen dürfen, so brauchen doch wir nicht wichtig in unseren Augen zu sein. Gideon sagte: Ich habe nichts getan; eure Nachlese ist besser als meine Weinlese. So gewann er die Brüder. Es ist ebenso wichtig, die Brüder zu gewinnen, wie den Feind zu besiegen. „Ein Bruder, an dem man treulos (frevelhaft) gehandelt hat, widersteht mehr als eine feste Stadt“. Wenn du einen beleidigten Bruder gewinnen kannst, hast du mehr als eine große militärische Heldentat vollbracht.

Gideon ging mit seinen dreihundert Mann immer weiter voran, obwohl sie ermattet waren. Dann wurde er sogar noch durch schlimmere Brüder als die Männer von Ephraim geprüft, nämlich durch die Männer von Sukkoth, und zu Pnuel fand er Israeliten, die kein Interesse an dem damaligen Geschehen hatten. Sie waren völlig neutral, sie fühlten sich mit denen, die die Kriege des Herrn führten, überhaupt nicht verbunden. Das war noch eine: weitere Prüfung. Sind wir dann bereit, trotzdem noch weiterzugehen?

Gideon war berechtigt, auf Anteilnahme und Unterstützung zu rechnen. Sie waren Israeliten, und seine Männer waren ermattet und müde, doch er fand dort einen gänzlichen Mangel an Mitgefühl. Nichts reibt uns mehr auf, als wenn man in den Kriegen des Herrn kämpft und von denen, die angeben, Sein Volk zu sein, keine Unterstützung bekommt. Solche stellen Leute dar, die vom natürlichen Standpunkte aus das betrachten, was in dem Interessengebiet des Herrn vor sich geht; ja, man kann sagen, sie denken vorsichtig, weil sie meinen, dass wohl wenig Möglichkeit besteht, dass dreihundert Ermattete und Müde aus dem Kampfe mit fünfzehntausend siegreich hervorkommen können.

Wenn wir göttliche Dinge in dieser Weise betrachten, werden wir allem, was Gott tut, gar keine Anteilnahme entgegenbringen. Es ging nicht um die Frage, ob sie müde und ermattet waren, oder ob dreihundert gegen fünfzehntausend standen; es ging einzig und allein um die Frage: Ist Jehova mit diesen dreihundert Männern? Sie zogen überhaupt nicht in Betracht, wo der Herr war.

Es gibt recht viele, die, wenn Kämpfe im Gange sind, die Dinge verstandesgemäß betrachten. Sie bedenken nicht, wo der Herr ist, und sie gehen an der Gelegenheit, die ihnen geboten wird, vorbei und kommen unter die Vergeltungswege des Herrn.

Eine ernste Vergeltung ereilte diese Leute. Der Herr gibt niemals Seine Vergeltungsrechte auf. Der Herr hat das Recht, Menschen nach ihrem Verdienste zu vergelten, und Er behält Sich dieses Recht vor. Das Neue Testament ist voll davon. Paulus sagt: „Ich habe zuvor gesagt. . . dass, wenn ich wiederum komme, ich nicht schonen werde“ (2. Kor. 13, 2). Das ist der Grundsatz der Vergeltung. Wenn die Menschen in einer kritischen Stunde nicht zum Herrn stehen, leiden sie demzufolge. Johannes schreibt von Diotrephes, „Wenn ich komme, will ich seiner Werke gedenken“ (3. Joh. 10). Er hielt die Zuchtrute über Diotrephes ausgestreckt und sagt nicht, was er tun wird. Ich zweifle nicht daran, dass durch das Kommen des Paulus zu den Korinthern und durch das Kommen des Johannes zu Diotrephes das Kommen des Herrn vorweg erlebt wurde. Der Herr kam dabei durch Seine Vertreter, und wenn der Herr kommt, wird Er einem jeden nach seinem Verdienst vergelten, darüber kann kein Irrtum bestehen.

Ein großer Grundsatz wird in Verbindung mit allen diesen Dingen ans Licht gebracht, Die Männer von Sukkoth werden Sebach und Zalmunna nicht ganz gleichgestellt, die den antichristlichen Widerstand und die Macht des Antichristen darstellen. Es gibt eine Macht, die die Wesenszüge Christi vernichten möchte, und sie wird durch diese zwei midianitischen Könige dargestellt. Sie töteten Gideons Brüder. Das war entschieden antichristlich.

In Sebach und Zalmunna sehen wir einen tödlichen, mörderischen Hass gegen das, was Christo gehört, und das ist der Antichrist. Es gibt eine Macht, die gegen alles ist, was Christo ähnlich ist. Sie stellen Einflüsse dar, von denen heutzutage die religiöse Welt erfüllt ist. Johannes konnte sagen: „So sind auch jetzt viele Antichristen geworden“ (1. Joh. 2, 18). Das sagte er zu der Zeit, wo das Christentum nicht älter war als sechzig oder siebzig Jahre. Es wirkt etwas, was Christo wie auch allen Wesenszügen Christi todfeindlich ist. Wir sollten darum besorgt sein, dass wir diese bösen Eigenschaften nicht aufweisen.

Sukkoth und Pnuel erwiesen dem Zeugnis des Herrn keine Anteilnahme. Gideon und seine Männer stellen diejenigen dar, die das Zeugnis des Herrn gegen übergroße Mächte aufrechterhalten. Es ist etwas Großes, voller Anteilnahme zu sein. Wenn wir auch nicht viel kämpfen können, so können wir jedoch mitfühlen. Diese Dinge zeigen, welchen Prüfungen und Zuständen wir früher oder später gegenübergestellt werden können, und wenn wir durch diese Dinge mit Gott gehen, so wird es für uns sehr gut sein. Solche, die danach trachten, die Dinge für Gott zu bewahren, haben es mit solchen Zuständen zu tun.

Wir müssen nicht zulassen, dass eine einseitige Auffassung der Gnade über alles andere vorherrschen sollte. Wir müssen zwischen der göttlichen Gnade und der göttlichen Regierung das Gleichgewicht halten. Wir werden nicht nur durch das geprüft, was wir tun, sondern auch durch das, was wir nicht tun. Diese Leute taten eigentlich nichts gegen Gideon, doch sie machten sich durch das schuldig, was sie nicht taten. Sie unterstützten nicht das, was in jenem Augenblicke von Gott war. Es gibt solche, die in dieser Weise fehlen; sie warten ab, um zu sehen, wie die Dinge sich gestalten werden. Diese Leute sagten: Wenn ihr den Sieg schon errungen hättet, so wäre das eine ganz andere Sache; wir wollen abwarten und sehen, was dabei herauskommt. Sie betrachteten die Dinge verstandesgemäß, sie hatten keinen Glaubensblick.

Die Männer Gideons waren „ermattet, aber nachjagend“; sie gaben nicht nach, weil sie ermattet waren. Es gibt Ermattete, die Wunder tun können: „Er gibt den Müden Kraft“ (Jes. 40, 29). Es ist sehr ernst, Brot zu besitzen, das heißt das, was den gegenwärtigen Bedarf des Zeugnisses des Herrn unterstützen kann, und es vorzuenthalten. Dann werden wir sicherlich unter Vergeltungsmaßnahmen fallen.

Dann geht Gideon durch eine weitere Prüfung. Sie sagen: „Herrsche über uns, sowohl du, als auch dein Sohn und deines Sohnes Sohn.“ Sie wollten ihn zum Haupte einer königlichen Herrscherlinie einsetzen, sie wollten aus ihm einen großen Mann machen. Bis zum letzten Abschnitt seiner Lebensgeschichte erscheint Gideon als ein Überwinder, dann fehlte er aber, und das verleiht dieser Angelegenheit einen tiefen Ernst, besonders für die, welche ein gewisses Maß von Prüfungen durchgemacht haben und durch die Barmherzigkeit Gottes sich vielleicht als mehr oder weniger treu erwiesen haben.

Hier war ein Mann, der ein Überwinder war. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt wandelte er dem Herrn völlig wohlgefällig, und am Schluss brach er zusammen. Er hatte solch eine schöne Gesinnung gezeigt, er wollte nicht über sie herrschen, sondern sagte: „Jehova soll über euch herrschen.“ Er behielt seinen Platz als Diener, als ein zum Dienst auserkorenes Gefäß bei. Unmittelbar danach kam aber noch eine Prüfung, eine innere, nicht eine äußere.

Es ist eine Sache, eine äußere Prüfung zu überwinden, doch eine ganz andere, eine innerliche Prüfung zu überwinden — etwas, was dem eigenen Herzen entspringt. Das Begehren, midianitische Ohrringe und Schmucksachen zu besitzen, entsprang seinem eigenen Herzen. Er sagte: „Eine Bitte will ich von euch erbitten“, und sie sagten: „Gern wollen wir sie geben.“ Jetzt war es etwas, was seinem eigenen Herzen entsprang — eine Nachahmung des Göttlichen. Es war ein Mann, der ein sehr erfolgreicher Führer war, jedoch fehlte er auf der priesterlichen Seite. Deshalb begehrte und machte er eine Nachahmung des priesterlichen Ephods von 2. Mose 28.

Gideon gleicht vielen, die zur Errettung des Volkes Gottes durch die ganze Kirchengeschichte hindurch gebraucht worden sind. Viele, die außerordentlich viel gebraucht wurden, haben in Bezug auf das Priesterliche gefehlt; sie haben weltliche Grundsätze in den Gottesdienst eingeführt.

Es ist bemerkenswert, dass dieser Zusammenbruch oben anfing, er begann bei dem Führer. Es ist eine Warnung, sich keinem Führer ganz und gar anzuschließen. Ein Mann mag bis zu einem gewissen Zeitpunkt göttlich und geistlich ein Führer sein, und dann kann er in dem, was augenblicklich Gott gebührt, gänzlich versagen. Wir haben Männer gesehen, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt wunderbar geholfen haben, und dann ist bei ihnen irgendeine Anmaßung ans Licht gekommen.

Es war etwas sehr Ernstes, ein Ephod zu machen, denn es stellte in Israel den göttlichen Gedanken dar. Als Gegenstand war das Ephod nichts; der Wert des Ephods hing von der Person ab, die es trug. Ein Ephod ohne einen Priester ist einfach eine Form der Gottseligkeit ohne deren Kraft, und dem ist die Christenheit verfallen, und zwar hauptsächlich unter dem Einfluss von Männern, die von Gott wunderbar gebraucht und gesegnet worden sind.

Man wird davor bewahrt, wenn man ein tiefes Bewusstsein des geistlichen Charakters des Zutritts zu Gott hat, sonst können midianitische Merkmale bei uns auftreten. Daran ist nichts Lebendiges. Ein Ephod ohne einen Priester ist etwas äußerst Ernstes; es ist bloß die äußerliche Form des Priesterlichen. In gewissem Sinne bereitete Gideon durch sein Ephod den Weg für den Götzendienst; er stellte es in seiner Stadt auf, und sie hurten ihm nach. Es trug eigentlich den Charakter des Götzendienstes. Der priesterliche Gedanke wurde dadurch ganz umgeworfen. Sobald Gideon starb, waren sie für wirklichen Götzendienst reif, und es ist sehr ernst, dass so viel Götzendienerisches von Männern ausgegangen ist, die zur Rettung des Volkes Gottes gewirkt haben. Sie haben in dem öffentlichen Bekenntnis Dinge fortbestehen lassen, die den Charakter des Götzendienstes tragen und gar nicht geistlich sind. Als Führer waren sie groß, doch als Priester haben sie versagt.

Bei der Reformation wurde für den Menschen sehr viel gesichert; es war eine göttliche Errettung, doch es ergab sich daraus nicht viel Priesterliches für Gott. Es führte zur Aufrichtung von Midianitischem in einer Dauerform inmitten des Volkes Gottes.

Wir sollten immer wachsam sein, damit nichts Midianitisches unter uns aufgerichtet werden möchte. Es ist eine Sache, von Gott zur Errettung Seines Volkes und zur öffentlichen Niederlage des Feindes gebraucht zu werden; doch es ist etwas anderes, nur Gott dabei zu berücksichtigen. Wir mögen von Gott auf eine wunderbare Weise beim Dienst unterstützt werden, und es danach trotzdem unterlassen, für Gott Raum zu machen.

Wenn Gideon an Gott allein gedacht hätte, so hätte er niemals an dieses Ephod gedacht, dieser Gedanke wäre in seinem Herzen gar nicht aufgekommen. Nur der wird sicher durch alles hindurchgetragen, der Gott in allem berücksichtigt. Die Apostel kamen durch alles hindurch; sie brachen nicht zusammen, weil sie für Gott in allem Raum machten, und es kam ihnen niemals der Gedanke, das Natürliche an die Stelle des Geistlichen zu setzen.

Der Augenblick des Sieges wird zur Prüfung. Solange wir dem Feinde gegenüberstehen, bleiben wir in unserer Abhängigkeit auf den Knien; wenn aber der Feind für einen Augenblick besiegt ist, lässt die Spannung nach, wir sind nicht mehr wachsam, und wir stützen uns auf unsere Ruder.

Diese Dinge sind sehr prüfend. Sie zeigen die Grundsätze, mit denen wir es zu tun haben. Sie zeigen auch das Geheimnis der Kraft, wie auch das Geheimnis der Abtrünnigkeit und des Verfalls. Es gibt bei Gideon einige Wesenszüge, die als ein Vorbild von Christo betrachtet werden dürfen, doch im Allgemeinen stellt er einen Führer dar, den Gott unter Seinem Volke erweckt hat und der durch gewisse göttliche Eigenschaften gekennzeichnet ist; jedoch in Dingen, die nicht von Gott sind, neigt er dazu, abzuirren.

In allen Dingen sollte Gott verherrlicht werden. „Ihm sei die Herrlichkeit in der Versammlung“ (Eph, 3, 21). Alle Herrlichkeit gehört Gott. Wenn wir das vor uns hätten, würden wir niemals ein midianitisches Ephod machen.


Abimelech wird uns nicht wie einer, der Israel errettet hat, vorgestellt, sondern er stellt einen Grundsatz dar, der unter dem Volke Gottes sehr bemerkbar ist. Wie Diotrephes im Neuen Testament, schien er von dem einen Wunsch beherrscht zu sein — einen hervorragenden Platz einzunehmen und zu herrschen. Es mangelte ihm vollständig an einer brüderlichen Gesinnung, und zwar so sehr, dass er alle seine Brüder erschlug. Vom Anfang seines Laufes an bis an sein Ende sehen wir bei Abimelech keinen einzigen geistlichen Wesenszug; deshalb ist er mehr eine Warnung als ein Beispiel.

Er ist ein krasser Gegensatz zu Gideon. Gideon wurde im Allgemeinen durch geistliche Wesenszüge gekennzeichnet; er versagte am Ende seines Laufes, was uns eine ernste Warnung sein sollte. Hauptsächlich wurde er aber durch geistliche Wesenszüge gekennzeichnet, genau das Gegenteil von Abimelech. Gideon wollte nicht über Israel herrschen; in seinen eigenen Augen war er gering und der Jüngste im Hause seines Vaters. Er war bewussterweise gering und trachtete nicht nach einer hervorragenden Stellung. Er nahm die Stellung eines Erretters nur deshalb an, weil sie ihm durch den unumschränkten Willen Gottes zugewiesen wurde.

Die Herkunft Abimelechs war das Ergebnis einer ungeistlichen Verbindung von Seiten Gideons. Satan wirkt oft in dieser Weise. Gideon war eine ungeistliche Bindung eingegangen wie Abraham, als er Hagar nahm, und daraus ergab sich dann etwas, was dem Sinne Gottes entgegengesetzt war.

Sichem hatte sowohl gute als auch böse Eigenschaften. Es war der Ort, wo Jakob seine falschen Götter begraben hatte. Es ist ernst, daran zu denken, dass ein Ort, der so gute Wesenszüge besaß, dahin kommen sollte, durch Götzendienst gekennzeichnet zu sein, und dass ein solcher Mann wie Abimelech dort zum König eingesetzt wurde. Es war der Ort des Entschlusses, wo Josua und das Volk einen Bund eingingen. Deswegen ist es äußerst ernst, dass dies der Ort ist, wo Baal-Berith (d. h. der Bundes-Baal) aufgerichtet wurde; es war eine schreckliche Nachahmung von dem, was Gott ist.

Bei Abimelech sehen wir keine einzige göttliche oder geistliche Eigenschaft. Er trat auf als ein Mann, der auf einen hervorragenden Platz und auf eine Machtstellung aus war, und er war bereit, alles zu opfern und zu vernichten, was ihn daran hindern würde, diese Stellung zu erlangen. Das Ergebnis war nichts als Hader und Schwierigkeiten, und zum Schluss vernichtete Abimelech das Volk, und das Volk vernichtete ihn. Der Regierung Gottes zufolge endete es auf eine furchtbare Weise.

Dasselbe hat sich oft in der Geschichte des Volkes Gottes ereignet — Männer haben nach einer Machtstellung getrachtet, und das ist größtenteils die Ursache der Verwirrung und der Abtrünnigkeit von Gott, wodurch das christliche Bekenntnis gekennzeichnet ist. Der große Wert dieses Kapitels liegt darin, dass Gott auf das hinweist, was uns völlig von dieser Gesinnung befreien kann.

Das Trachten nach einer Stellung, nach Ruhm, Regierung und Macht — diese Gesinnung ist wertlos für Gott. Es ist der Dornstrauch, und er trägt keine Frucht, die Gott wohlgefällig ist. Im Gegensatz dazu haben wir die wunderbare Belehrung über das, was wertvoll ist und uns davor bewahren kann, Dornsträucher zu sein. Keiner von uns möchte ein Dornstrauch sein, aber um das zu vermeiden, müssen wir Olivenbäume, Feigenbäume und Weinstöcke sein.

Jotham stellt den treuen Überrest dar. Er war der letzte Überlebende der Söhne Gideons; er konnte ein klares und entschiedenes Zeugnis gegen das vorherrschende Böse ablegen. Die Männer von Sichem machten sich nichts aus Jehova noch aus Gideon. Abimelech stellte sich ihnen nicht als der Sohn Gideons vor, sondern als „euer Gebein und euer Fleisch“. Wie Ismael entnahm er seinen Charakter seiner Mutter.

Wir vergessen sehr bald, was Gott für uns getan hat. „Die Kinder Israel gedachten nicht Jehovas, ihres Gottes, der sie errettet hatte aus der Hand aller ihrer Feinde ringsum. Und sie erwiesen keine Güte an dem Hause Jerub-Baal-Gideons, nach all dem Guten, das er an Israel getan hatte“ (Kap. 8, 35).

Die drei Bäume — der Olivenbaum, Feigenbaum und .Weinstock — werden sehr oft in der Schrift als eine Darstellung des fruchtbaren Volkes Gottes gebraucht; sie stellen die Eigenschaften Seiner Heiligen dar, die Gott zu sehen wünscht. Im Römerbrief stellt der Olivenbaum die dem Abraham gegebenen Verheißungen dar. Er stellt die Heiligen dar, die Gott alles entnehmen. Gott ist die Quelle von allem — das ist der Gedanke des Olivenbaums. Die deutliche Belehrung ist, dass nicht die wertvollen Bäume herrschen wollen, sondern die wertlosen Bäume — der Brombeerstrauch, der Dornstrauch.

Wenn ich unter den Brüdern etwas gelten will, zeigt das bloß, dass ich ein Dornstrauch bin. Es ist gut, das zu beherzigen Wir sollen die Eigenschaften der Olive, der Feige und des
Weines haben. Wenn wir sie hätten, würde es uns niemals einfallen, eine hervorragende oder regierende Stellung unter dem Volke Gottes zu wünschen. Das ist dann viel zu niedrig für uns; das könnte dem Dornstrauch passen, aber nicht der Olive, der Feige und dem Weinstock. Sie können sich nicht zu solch einer Erniedrigung herablassen. Alle drei Bäume sind ausgeprägte Sinnbilder von Fruchtbarkeit.

Der Gedanke der Olive ist, dass alles Gott entnommen wird. Der Psalmist sagt: „Ich aber bin wie ein grüner Olivenbaum im Hause Gottes; ich vertraue auf die Güte-Gottes immer und ewiglich“ (Ps. 52, 8). Der im Hause Gottes gepflanzte Olivenbaum möchte Gott alles entnehmen, und er gedeiht. Der Heilige, der ein Olivenbaum ist, vertraut auf die Güte Gottes immer und ewiglich; er bezieht alles aus Gott. Für einen solchen wäre: hervorragende oder regierende Stellung eine Erniedrigung.

Wenn man aus Gott alles entnimmt, so übertrifft das Maß unseres Besitzes alles, was wir uns selbst zum Ziel setzen könnten. Er würde die wunderbarste Stellung übertreffen, die man jemals haben könnte. Ein einfältiger Gläubiger, der alles Gott Selbst entnimmt und der sich der Fettigkeit erfreut, die den Reichtum der Verheißungen Gottes in der Kraft des Heiligen Geistes ausmacht, könnte keinen Augenblick daran denken, mit einem anderen seine Stellung zu tauschen, wie hochgestellt dieser andere auch sein möchte. Das wäre eine Erniedrigung, und keine Erhöhung. Die Olive ist zu fett, um dermaßen herabgehen zu können. Wir werden durch diese Angelegenheit auf die Probe gestellt, denn der Teufel bietet uns nicht immer große Dinge an, er kann uns aber dahin führen, irgendeinen nicht allzu großen Platz für uns zu begehren.

Die Fülle des Segens, den Gott uns in Christo Jesu geschenkt hat, sollte unseren ganzen Eigendünkel aus uns vertreiben. Es gibt nichts Größeres, wonach wir trachten sollten; es gibt nichts Erhabeneres als das, was wir besitzen. In diese wunderbare Stellung ist der Heilige hineingestellt worden; er hat nichts, wonach er trachten kann; er besitzt das, was an Erhabenheit die ganze Welt übertrifft. Er hat Fettigkeit - die Fettigkeit des Hausen Gottes. „Sie werden reichlich trinken von der Fettigkeit deines Hauses, und mit dem Strome deiner Wonnen wirst du sie tränken“ (Ps. 36, 8).

Was gibt es noch für einen Menschen, der reichlich getränkt worden ist? Man kann ihm nichts anbieten. Paulus sprach über die „Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christo Jesu, meines Herrn“ (Phil. 3, 8). Er besaß das Allerbeste. Wo ist der Heilige, der ein weltlicher König sein möchte? Es gibt keinen Heiligen auf Erden, der davor nicht zurückschrecken würde.

Wie leicht ist es aber, eine Sonderstellung unter den Geschwistern zu begehren! Viele sind auf dieser Linie zu Fall gekommen.

Das Gleichnis Jothams zeigt, wie Gott Seinem Volk eine Stellung zuweist, die alle Formen des Ehrgeizes überragt. Der Olivenbaum stellt den geistlichen Menschen dar; nur er allein kann sich des Segens Gottes erfreuen. Es heißt in Römer 11, dass die Wurzel heilig ist, weil sie aus der Verheißung ist; sie ist ganz und gar aus Gott. Wenn die Wurzel heilig ist, so müssen es auch die Zweige sein. Es gibt nichts Heiligeres als die Gegenwart des Geistes in den Heiligen; das macht die Heiligen zu geheiligten Personen.

Die Bereitwilligkeit zum Dienst schaltet den Wunsch, groß zu sein, aus. Der Herr sagt: „Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende“ (Luk. 22, 27). Jeder von uns sollte den großen Wunsch hegen, den Brüdern zu dienen und etwas Öl für die Brüder zu liefern. Wenn ich den Brüdern einen kleinen Dienst erweisen könnte, so wäre das schon etwas Gutes. Wenn ich etwas Geistliches für die Brüder hervorbringen könnte, so wäre das eine große Genugtuung; über sie zu herrschen ist jedoch das Gegenteil. Die Olive erzeugt das, womit man Götter und Menschen durch sie ehrt. Sie ehrt nicht sich selbst.

Wenn wir Olivenbäume sind, werden wir Gott und die Gläubigen ehren; wir werden die Brüder hochachten, wir werden niemals denken, dass wir ihnen überlegen sind. Der Olivenbaum spricht: „Fettigkeit... womit man Götter und Menschen durch mich ehrt“ (Anmerkung zu Vers 9). Wenn Gott Seinen Platz bekommt, werden auch die Brüder ihren Ehrenplatz bekommen.

Es geht darum, etwas zu erzeugen; die Olive erzeugt, die Feige erzeugt, der Weinstock erzeugt. Die Frage lautet: Was erzeuge i c h zum Wohl der Gläubigen? Es ist gut, wenn ein Bruder kommt und am Worte dient, und man sehen kann, wie die Gesichter der Heiligen leuchten. Er ist ein Olivenbaum; solch einem Menschen sollte man nachahmen. Die Frage lautet: Was bekommen die Heiligen von mir? und nicht: Wie kann ich meinen Willen durchsetzen? Diese Gesinnung ist der Gegensatz zur Gesinnung Abimelechs, wovon die Christenheit so erfüllt ist.

Ein großer Teil des gegenwärtigen Zustandes der Christenheit ist das Ergebnis davon, dass der Mensch einen Platz für sich begehrt. Das begann zuerst bei Ananias und seinem Weibe. Sie begehrten einen Platz unter den Heiligen, sie wollten als ergebene Leute hochgeachtet werden. Um einen Platz zu erlangen, logen sie dem Heiligen Geiste. Dann wollte Simon der Zauberer die Gewalt, den Heiligen Geist zu geben, kaufen; er bot Geld an; er begehrte einen Platz.

Jotham stellt den Überrest, der in das Geheimnis Gottes eingeweiht ist, dar, der das wirklich Wertvolle bei Gott kennt. Es war für ihn unmöglich, als ein Gegenspieler Abimelechs aufzutreten, so ein Gedanke kam ihm gar nicht in den Sinn. Wenn ein Mensch einen Platz begehrt, findet er immer den von ihm begehrten Platz, er endet aber immer unten, denn früher oder später erleidet er einen Schädelbruch. Jotham weist auf die Linie der Segnung hin, auf der Gott uns erhören kann; es ist auffallend, dass er sagt: „Höret auf mich ... so wird Gott auf euch hören.“

Dieses Gleichnis Jothams ist das Geheimnis dafür, wenn wir von Gott erhört werden wollen. Wenn, wir von Gott nicht erhört werden, werden wir wertlos sein; wir sind dann bloß Dornsträucher.

Der Feigenbaum ist in der Schrift ein Bild von der Gerechtigkeit, Adam und Eva machten sich Schürzen aus Feigenblättern, um sich zu bedecken; das redet zu uns bildlich von dem Versuch, die eigene Gerechtigkeit aufzurichten. Es war keine wahre Frucht da, sondern nur anmaßende Blätter. Der Feigenbaum stellt Israel als ein Volk dar, wovon Gott die Frucht der Gerechtigkeit erwartete; Er erwartete das, was recht war. Der Olivenbaum stellt mehr das Geistliche dar, und der Feigenbaum ist mehr ein Bild von dem Moralischen, nämlich von der Gerechtigkeit. Der Olivenbaum stellt die Heiligen dar, wie sie Gott den unendlichen und ewigen Reichtum der göttlichen Güte entnehmen und mit der Fettigkeit erfüllt sind, die der Fülle Gottes Selbst entströmt, weil der ganze geistliche Genuss im Heiligen Geiste liegt. Ein Heiliger, der sich dessen bewusst ist, würde eine regierende Stellung als Herrscher über die Brüder als eine Erniedrigung betrachten.

Nathanael unter dem Feigenbaum hatte seinen Mangel an gerechten Empfindungen erkannt; er hatte seinen Zustand bekannt, und es war kein Trug in ihm geblieben; daher war er selbst ein wahrer Israelit, ein wahrer Feigenbaum.

In Jeremia 24 lesen wir von den guten und schlechten Feigen. Die schlechten Feigen waren diejenigen, die sich der Regierung Gottes nicht beugten; es waren sehr gute und sehr schlechte, faule Feigen, die vor Schlechtigkeit nicht gegessen werden konnten. Die guten waren diejenigen, die nach Babel gegangen waren; sie hatten sich der gerechten Regierung Gottes gebeugt. Die anderen, die in Jerusalem geblieben waren und sich an den Platz der Vorrechte und der Anmaßung klammerten, waren schlechte Feigen.

Der Feigenbaum besaß Süßigkeit und gute Früchte. Er stellt mehr die moralische als die geistliche Seite dar. Das Geistliche bezieht sich auf das innere Wesen des Menschen, der Feigenbaum bringt aber den moralischen Charakter und den Wandel der Heiligen ans Licht, wie Paulus zu den Philippern sagt: „Erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum ist, zur Herrlichkeit und zum Preise Gottes“ (Phil. 1, 11). Das ist der Grundsatz des Feigenbaumes. In Hebräer 12 lesen wir von der „friedsamen Frucht der Gerechtigkeit“. Gerechtigkeit fördert immer den Frieden. Warum die holdseligen Eigenschaften aufgeben, von denen der Philipperbrief spricht, um sich zu erhöhen und sich als den Heiligen überlegen zu erachten? Meine Freude besteht vielmehr darin, die Brüder als mir überlegen zu erachten.

Ich denke, der Herr ist uns ein Beispiel von allem. Er ist das Muster des Olivenbaumes, des Feigenbaumes und des Weinstocks. Er eignete Sich die zwei ersten Titel nicht an, doch Er sagt: „Ich bin der wahre Weinstock“ (Joh. 15, 1). Er war in Wirklichkeit auch der wahre Olivenbaum und der wahre Feigenbaum. Er hat das Recht zu herrschen, und Er herrscht an einem Tage, wo Gott Seine Rechte haben wird. Die Frage lautet: Möchte ich jetzt herrschen, wo weder Gott Seine Ruhe hat, noch Christus? Paulus schreibt an die Korinther: Ihr herrschet als Könige, w i r werden aber bis zum äußersten Punkt erniedrigt — als „Auskehricht der Welt“ (1. Kor. 4, 13).

Der Weinstock redet deutlich von der Freude — „...damit Wein des Menschen Herz erfreue“ (Ps. 104, 15). Hier heißt es: „Sollte ich meinen Most aufgeben, der Götter und Menschen erfreut, und sollte ich hingehen, zu schweben über den Bäumen?“ Er ist mit Freude verbunden. „Die Frucht des Geistes ist aber: Liebe, Freude, Friede ...“ (Gal. 5, 22).

Es gibt nichts beklagenswerteres als den Mangel an Freude unter dem Volke Gottes; sie sind keine auserwählten Weinstöcke. Gott will, dass die Seinigen nicht nur Weinstöcke, sondern auch ausgewählte Weinstöcke sein sollten. Wenn das der Fall ist. werden wir selbst Freude haben und auch andere erfreuen. Ewiges Leben umschließt eine Fülle von Freuden. Wenn Johannes vom ewigen Leben schreibt, sagt er: „Dies schreiben wir euch, auf dass eure Freude völlig sei“ (1. Joh. 1, 4). Ich stelle mir nur ganz schwach vor, wie notwendig es zur Freude Gottes ist, dass auch ich glücklich sein sollte.

Der Herr sagte: „Wahrlich, ich sage euch, dass ich hinfort nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde bis an jenem Tage, da ich es neu trinken werde in dem Reiche Gottes“ (Mark. 14, 25). In der Schar, die Ihm zugesellt war auf Erden, erlebte der Herr eine geistliche Freude von irdischem Charakter. Es war ihm eine große Freude, einige Herzen zu haben, die Ihn wertschätzen konnten und Charakterzüge der Belehrung des Vaters aufwiesen. Das sollte aber alles durch Seinen Tod zusammenbrechen, und Er wollte keine derartige irdische Freude wieder aufnehmen, bis Er sie im Reiche Gottes erneuern würde, an dem Tage, wo der Wille Gottes auf Erden wie im Himmel geschehen würde. Im Kreise Seiner Jünger hatte Er einen kleinen Vorgeschmack davon. Er hatte Seine Kinder: „Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat“ (Hebr. 2, 13). Der Herr hatte tiefe Freude in der Schar Seiner Heiligen, doch dann geschah Sein Tod; der Hirte wurde geschlagen, und die Herde wurde zerstreut; alles war zu Ende. Er sagt aber, dass Er das alles im Reiche Gottes wiederhaben wird.

Gajus im dritten Johannesbrief ist ein sehr gutes Beispiel von diesen Bäumen. Im Gegensatz zu dem schrecklichen Geiste des Diotrephes, der zum Gifthauch und zum Fluch für die Christenheit geworden ist, erzeugte er Freude für die Brüder. Wir laufen alle Gefahr, dieser Gesinnung zu verfallen, und das Gleichnis von Jotham ist dazu bestimmt, uns zu beeindrucken, damit wir im Gegensatz dazu bestrebt sind, für Gott und für Menschen Wohlgefälliges hervorzubringen, wie das im Olivenbaum, im Feigenbaum und im Weinstock dargestellt wird.

Die Geschichte Abimelechs zeigt die Gesinnung, die schon so viele Verwüstungen unter dem Volke Gottes angerichtet hat — Männer ohne Gotteserkenntnis suchten einen Platz und Ansehen. Das führte bloß zu Streit, Zank und Vernichtung — es ist eine Warnung für uns.

In Jephtha sehen wir einen Mann mit wahrem Glauben; er wird unter den Edlen in Hebräer 11 erwähnt, und die Kraft des Geistes war mit ihm; doch er war nicht das, was wir einen geistlichen Mann nennen können.

Augenscheinlich war damals der allgemeine Zustand in Israel viel schlimmer. „Und die Kinder Israel taten wiederum, was böse war in den Augen Jehovas, und sie dienten den Baalim und den Astaroth und den Göttern Syriens und den Göttern Zidons und den Göttern Moabs und den Göttern der Kinder Ammon und den Göttern der Philister; und sie verließen Jehova und dienten ihm nicht“ (Kap. 10, 6). Es scheint eine allgemeinere Abtrünnigkeit als vorher zu sein, so dass die Züchtigung Gottes strenger ausfiel. In Vers 8 heißt es, dass die Kinder Ammon die Kinder Israel „bedrückten und plagten“. Solche Ausdrücke werden vorher nicht gebraucht. Dann lesen wir in Vers 9: „Israel wurde sehr bedrängt“.

Am Ende von Vers 16 steht ein sehr ergreifendes Wort: „Seine Seele wurde ungeduldig über die Mühsal Israels.“ Die Seele Jehovas wurde ungeduldig über die Mühsal Seines Volkes. Das scheint den finsteren Zeitaltern der Christenheit zu entsprechen. In Kapitel 10 schien sehr wenig vom Lichte Gottes unter dem Volke Gottes geblieben zu sein, in Vers 10 war aber doch Buße vorhanden: „Da schrien die Kinder Israel zu Jehova und sprachen: Wir haben gegen dich gesündigt, und zwar, weil wir unseren Gott verlassen und den Baalim gedient haben.“ Das war ein Schreien zu Gott und ein Bekenntnis, doch Gott antwortet nicht durch Errettung. Er sprach: „Gehet hin und schreiet zu den Göttern, die ihr erwählt habt: sie mögen euch retten zur Zeit eurer Bedrängnis!“ Der Zustand war so ernst, dass Gott Sich gewissermaßen von Seinem Volke fernhalten musste. Das führte sie in eine tiefere Seelenübung, so dass wir in Vers 16 lesen: „Sie taten die fremden Götter aus ihrer Mitte hinweg und dienten Jehova.“ Es gab eine Rückkehr zu Jehova und ein Bekenntnis, und dann wurde ihnen Rettung durch Jephtha, doch sie scheint auf einem niedrigeren Boden zu sein als bei Gideon. Es gab keine Erscheinung Jehovas und keine göttliche Ernennung. Jephtha trat einfach wegen der Dringlichkeit des Falles hervor; er wurde nicht durch die direkte Berufung oder Ernennung Jehovas herbeigeführt, sondern das Volk wurde durch die Not dazu getrieben, ihn zu holen.

Es scheint, als ob Gott Sein Volk durch den Charakter des Erretters, den Er gebrauchte demütigen wollte; Er demütigte sie dadurch, dass sie dazu getrieben wurden, zu einem Manne Zuflucht zu nehmen, der als ein unehelicher Sohn gehasst und vertrieben worden war; er war ein Mann ohne jeglichen Stand. Schon am Erretter, den es Gott gefiel zu gebrauchen, war also etwas Demütigendes.

Jephtha stellt Männer dar, welche Gott zur Errettung Seines Volkes gebraucht hat, die aber keine geistlichen Männer waren, die Glauben hatten, das zu der Zeit Nötige zu tun, die die Kraft des Geistes empfingen, um es auszuführen, die jedoch nicht geistlich waren. Die Kraft des Geistes zu haben macht einen Menschen an sich nicht geistlich, denn er kann dann immer noch Dinge tun, die dem Sinne Gottes nicht entsprechen.

Bei Simson sehen wir einen anderen Charakter der Dinge; er war der letzte Richter, und er weist die den letzten Zeiten angemessenen Wesenszüge auf; ich glaube aber, dass Jephtha mehr der Reformationszeit entspricht, wo es Gott gefiel, Männern Glauben und Kraft zu verleihen, die nicht immer geistlich, wohl aber passende Gefäße waren, die Gott zur Errettung Seines Volkes gebrauchen konnte. Die Tatsache, dass sie nicht geistlich waren, prägte ihr ganzes Tun. Gott kann in Seiner Vorsehung zur Errettung Seines Volkes Männer gebrauchen und hervorbringen, die die Wesenszüge des geistlichen Lebens nicht besitzen.

Bei Jephtha wurde der Kampf auf der Wüstenseite des Jordan ausgetragen; das war das Gebiet, das der Feind den Gläubigen zu entreißen suchte. Es stellt die Art des Kampfes während der Reformationszeit dar, als der Feind darum bemüht war, die Seelen der Segnungen zu berauben, die zur Wüstenseite des Jordan gehörten. Kann der Mensch von der Welt abgesondert und durch den Glauben gerechtfertigt sein und den Geist haben, so dass die moralische Schönheit Christi an ihm ans Licht treten kann? Das war der Kampf zur Reformationszeit; der Feind versuchte, die Gläubigen alles dessen zu berauben, was ihnen zum Beispiel in den Aussprüchen Bileams geschenkt worden war.

Zur Reformationszeit waren die Menschen aber nicht durch geistliches Leben gekennzeichnet; es war Glauben und auch Kraft vorhanden, aber nicht immer geistliches Leben, deshalb hat das dem christlichen Bekenntnis bis zu diesem Tage Gepräge verliehen. Wenn wir nicht geistlich sind, obwohl wir Glauben und die Kraft des Geistes Gottes besitzen, werden wir allerlei Angriffen des Feindes ausgesetzt sein.

Der Ammoniter wollte sich des Gebietes bemächtigen das für Jehova gehalten werden sollte. Moab und Ammon waren das Ergebnis davon, dass das Volk Gottes durch Sehen und nicht durch Glauben geleitet worden war; sie waren die Kinder Lots. Lot gab eigentlich den Pfad des Glaubens auf. Damit war er immer noch ein Gläubigerer, war ein gerechter Mann, doch er gab den Pfad des Glaubens auf.

Wenn irgendein Grundsatz, der nicht von Gott ist, zugelassen wird, so hinterlässt das sein Gepräge. Sogar wenn es sich um einen großen und geehrten Diener handelt — wenn bei ihm etwas, was nicht geistlich ist, zu finden ist, so hinterlässt es sein Gepräge der ganzen Frucht der Arbeit dieses Dieners. Jephtha kannte Jehova; er sprach alle seine Worte vor Jehova, und es wird uns gesagt, dass der Geist Jehovas über ihn kam. Er begnügte sich aber nicht damit; es wäre gut gewesen, wenn er sich damit begnügt hätte, er legte aber ein ungeistliches Gelübde ab. Das Gelübde verdarb dann Jephthas Sieg.

Jephthas Gelübde war kein wahres Gelübde, es war ein Abkommen. Es besteht ein großer Unterschied zwischen einem Gelübde und einem Abkommen. Hannas Gelübde war geistlich. Sie sagte: „Jehova der Heerscharen! wenn du das Elend deiner Magd ansehen und meiner gedenken und deine Magd nicht vergessen wirst und wirst deiner Magd männlichen Samen geben, so will ich ihn Jehova geben alle Tage seines Lebens; und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen“ (1. Sam. 1,11). Sie begehrte etwas für Jehova. Jephthas Gelübde war aber ein Abkommen, und es war unnötig, denn wenn der Geist Jehovas auf ihm war, so brauchte er nichts mehr; er brauchte kein Gelübde.

Ein geistliches Gelübde muss einsichtig sein. Jephthas Gelübde war nicht einsichtig, weil er nicht wusste, was er tat, als er dies Gelübde gab, und darin war nichts für Gott. Es war die Erhitzung und der Eifer einer ungeistlichen Natur, und es brachte nichts als Kummer und Leid hervor. Er sagte gewissermaßen: Wenn Du mir den Sieg schenkst, werde ich etwas tun.

Das 5. Buch Mose redet von der Auswahl der Gelübde; es setzt voraus, dass das Volk Gottes so von dem gegen Gottes und von der Liebe Gottes erfüllt ist, dass sie Ihm etwas darbringen wollen. Der wahre Gedanke eines Gelübdes ist, dass wir so reich geworden sind, dass wir Gott etwas Besonderes darbringen möchten. Darum spricht der Herr Selbst prophetisch von Seinen Gelübden: „Auf mir, o Gott, sind deine Gelübde“ (Ps. 56, 12). Seine Gelübde waren einsichtig; Er kannte alles, was sie einschlossen. Jephtha wusste nicht, was dieses Gelübde in sich schloss, deshalb war es kein geistliches Gelübde. Der Herr wusste, dass Seine Gelübde das Darbringen Seiner Selbst als Brandopfer einschlössen, und er schreckte niemals davor zurück, noch bereute Er es; Er führte die Sache völlig aus. Er brachte Sein Gelübde, als Er sprach: „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun“ (Hebr. 10, 9). Er gab sich dem Willen Gottes hin, und das bedeutete das Darbringen Seiner Selbst, und nicht eines anderen, als Brandopfer.

Wir haben das Gelübde Pauli zu Korinth: „...nachdem er zu Kenchreä das Haupt geschoren hatte“ (Apg. 18, 18). Er beendete sein Gelübde gerade, als er Korinth verließ. Das zeigt, dass es dargebracht und ausgeführt worden war, während er zu Korinth weilte. Ich glaube, als Paulus in diese götzendienerische, zügellose und stolze Stadt kam, die erfüllt war vom Ruhm der Vernunft, dass er empfand, dass er an diesem Orte in einer besonderen Weise für Gott sein sollte, und er tat ein Gelübde. Er trat allen Zuständen dieser Stadt durch besondere Hingabe an Gott und Christum entgegen.

Die ganze Belehrung betreffs der Gelübde haben wir im Alten Testament. Im Neuen Testament haben wir dem Buchstaben nach keine Gelübde, wir haben aber ihre Gesinnung und ihren Grundsatz. Der Grundsatz eines Gelübdes ist, dass man sich auf irgendeine besondere Weise dem Herrn hingibt. Das Gelübde Jephthas ist aber eine Warnung, es war ein Gelübde eines ungeistlichen Namens; er ahnte nicht, was es ihn kosten würde, und es war ein kummervoller Mann mit zerrissenen Kleidern, der sich dessen bewusst wurde, was sein Gelübde bedeutete.

Das Ernste in der Schrift ist, dass Gott von den Menschen ihre Gelübde zu verlangen scheint. Es heißt „Besser, dass du nicht gelobst, als dass du gelobst und nicht bezahlst“ (Pred. 5, 5). Deshalb heißt es: „Sei nicht vorschnell mit deinem Munde, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen“ (Pred. 5, 2).

Wenn etwas ausgesprochen wird, das einem Gelübde ähnlich ist, dann scheint Gott es auch von Seinem Volke zu verlangen. Jephtha fand vor seinem Gelübde kein Entrinnen.

In der Geschichte Jephthas sehen wir vieles, was eine Warnung sein sollte. Die letzte Begebenheit in seiner Geschichte wird in Kapitel 12 geschildert, wo die Männer von Ephraim kommen und sich darüber beschweren, dass sie nicht hinzugezogen worden waren. Diese Männer von Ephraim scheinen leicht beleidigte Brüder zu sein; sie sind immer bereit, sich zu beschweren, wenn sie nicht hinzugezogen werden. Gideon verstand es, sie zu beschwichtigen, denn er errang den Sieg über sie nach der Richtlinie des Geistes Christi. Jephtha tötete aber zweiundvierzigtausend Mann von ihnen.

Es war nicht geistlich, dass Israel mit Israel kämpfte, es war das erste Mal in der Schrift, dass etwas Derartiges sich ereignete. Es ist nicht geistlich, wenn die Brüder miteinander kämpfen und einander töten. Es mangelte Jephtha an der beschwichtigenden Gesinnung, die wir bei Gideon sehen, der auf ihre Eifersucht und ihre Beschwerden antwortete: Ich habe nichts getan; ihr aber habt große Dinge vollbracht. Er beschwichtigte sie und errang den Sieg. Ephraim beschuldigte Jephtha zu Unrecht, wie es auch unrecht war, ihm zu drohen, sein Haus zu verbrennen: Jephtha war aber dabei ebenso im Unrecht, dass er sie bekriegte; es war ein schrecklicher Anblick.

Diese Begebenheiten heben den Unterschied zwischen dem hervor, was man die äußere Seite des Geistes nennen kann, und der inneren Seite des Geistes. Jephtha stellt einen Menschen dar, der in der Kraft der äußeren Seite des Geistes war, die innere Seite des Geistes war ihm aber nicht zugute gekommen. Der Geist Gottes kann über einen jeden Menschen kommen; Er kam über Bileam und Saul.

Das Merkmal von wirklich geistlichen Personen ist aber, dass sie nicht nur den Geist über sich als Kraft haben, sondern sie haben auch den Geist Christi in sich, der ihnen innerlich eine neue Empfindsamkeit und neue Gefühle verleiht. Daran mangelte es Jephtha. In Lukas 24 redet der Herr davon, dass die Jünger „angetan werden mit Kraft aus der Höhe“ (V. 49). Das war äußerlich. In Apostelgeschichte 2 heißt es: „Es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen.“ Das war äußerlich. Der Geist kam über sie, um ihnen Kraft zu verleihen. In Johannes 20 heißt es aber anders: „... hauchte er in sie und spricht zu ihnen: Empfanget den Heiligen Geist.“ Nun konnten sie geistlich sein.

Ein Mann, dem der Geist eingehaucht ist, kann niemals die Gläubigen töten. Die Propheten bildeten einen entschiedenen Gegensatz zu Männern wie Bileam und Saul — auf beiden ruhte die Kraft des Geistes Gottes, von den Propheten wird aber gesagt, dass der Geist Christi in ihnen war. Sie waren sehr geistliche Männer und waren durch sehr starke Liebe zu dem Volk Gottes und durch die Bereitwilligkeit, für die Heiligen zu leiden, gekennzeichnet. Sie waren durch leidende Liebe gekennzeichnet. Das war innerlich. Dieser Geist wird niemals vorschnelle Gelübde tun, und er wird niemals die Brüder töten.

Jephtha war ein echter Mann. Es war bei ihm eine wahre Erkenntnis Jehovas vorhanden, jedoch brachten seine Taten fortwährenden Kummer für Israel hervor. Die Jungfrauen bewahrten die Erinnerung daran auf immerdar. Dann hinterließen die zweiundvierzigtausend Männer Ephraims, die er getötet hatte, eine fortdauernde Lücke in Israel. Israel musste für alle Zeiten leiden, weil dieser Mann nicht geistlich gewesen war — er war ein Mann des Glaubens und der Kraft, doch er war nicht geistlich. Das ist eine ernste Warnung.

Es ist ein Trost, im Buche der Richter ein Kapitel zu lesen, worin alles Tun von Gott war. In diesem Kapitel haben wir die großen Grundsätze, nach denen in den letzten Tagen die Kraft zur Errettung des Volkes Gottes kommen sollte, das heißt, in diesem Kapitel wird alles von der göttlichen Seite aus betrachtet. Wenn wir die Lebensgeschichte Simsons verfolgen, können wir einen gemischten Zustand sehen; in diesem Kapitel ist aber nichts Gemischtes — alle Dinge sind von Gott. Es wird auf die Bedingungen hingewiesen, unter denen am Ende die göttliche Kraft zur Errettung des Volkes Gottes kommen wird. Simson war der letzte Richter; er stellt die letzte Dazwischenkunft Gottes zur Errettung Seines Volkes dar, ehe das Reich öffentlich aufgerichtet wird.

Dabei kommt der Grundsatz des unumschränkten Waltens Gottes ans Licht, denn Simson wurde aus dem Stamme Dan genommen. Der Stamm Dan erscheint in der Schrift in keinem ruhmreichen Licht, aber nach dem unumschränkten Willen Gottes begann jetzt die Bewegung dort. Es ist auch interessant, dass die feindliche Macht die Philister sind; sie wurden schon früher in diesem Buche erwähnt, wurden aber nicht besonders hervorgehoben. Es heißt in Kapitel 15: „Er (Simson) richtete Israel in den Tagen der Philister zwanzig Jahre.“

Die Philister gehörten nicht zu den sieben bösen Nationen Kanaans, die Gott zu vertreiben gelobt hatte, deshalb stellen sie etwas anderes dar. Sie scheinen Leute darzustellen, die äußerlich der Stellung, die Gott Seinem Volke verliehen hat, entsprechen. Sie waren aus Ägypten in das Land gezogen; äußerlich glich ihre Geschichte der Geschichte Israels, sie waren aber bloß auf eine natürliche Weise hingezogen. Sie hatten niemals unter dem Schutz des Blutes des Passahlammes gestanden; sie waren nicht erlöst worden; sie waren weder durch das Rote Meer noch durch den Jordan gegangen; sie hatten keine Erfahrung in den Wegen Gottes und in Seiner Zucht in der Wüste gemacht. Ist das nicht größtenteils der Charakter der Dinge heutzutage im christlichen Bekenntnis?

Im 2. Timotheusbriefe redet Gott von solchen, die eine Form der Gottseligkeit haben, ihre Kraft aber verleugnen — sie täuschen uns durch Nachahmung. Es scheint auf Grundsätze des Philistertums hinzudeuten, die aus der Welt in den christlichen Kreis eingedrungen sind. Es sind Menschen ohne Bekehrung, ohne ein Werk Gottes; bei ihnen ist keine wahre Erkenntnis Gottes. In diesen Umständen befindet sich heute das Zeugnis Gottes — es läuft Gefahr, durch das Philistertum beeinflusst zu werden.

In Anbetracht solcher Zustände ist Kraft sehr notwendig. Wie können wir solchen entgegentreten, die die Kraft verleugnen? Nur dadurch, dass wir die Kraft haben. Der Schwerpunkt in diesem Kapitel ist: „Er wird anfangen Israel aus der Hand der Philister zu retten“ (V. 5). Wenn wir auch anerkennen, dass bestimmte Führer zu einem hervorragenden Werk erweckt werden, so sollten wir aber alle durch den Wunsch, Israel zu erretten, beseelt sein.

Ein Kennzeichen in Verbindung mit Simson war, dass er seine Bemühungen allein ausführte; niemals sehen wir ihn Heerscharen zum tatsächlichen Kampf führen, sondern was er tat, tat er immer allein. Dieser Charakter der Dinge wird hauptsächlich im 2. Timotheusbrief betrachtet; es ist ein Pfad der Treue des Einzelnen.

Je mehr das christliche Bekenntnis von den Grundsätzen des Philistertums durchsäuert ist, desto nötiger ist es, dass wir wissen sollten, was es bedeutet, in der Kraft Gottes zu handeln. Timotheus sollte an den Trübsalen des Evangeliums teilnehmen, und zwar nach der Kraft Gottes. Obwohl er ein schwacher und schüchterner Mann war, sollte er in Bezug auf das Zeugnis ein Simson sein.

Der wichtige Grundsatz, auf dem die Kraft hereinströmt, ist der Grundsatz der Absonderung nach Gott hin. Das große Merkmal des 2. Timotheusbriefes ist das Bestehen auf dem Grundsatz der Absonderung nach Gott hin — man soll ein Nasir für Gott sein.

In diesem Kapitel finden wir das unumschränkte Wirken Gottes; wir haben noch nicht die Seelenübungen und das Fehlen Simsons. Gott hat nach Seinem unumschränkten Willen gewirkt: Simson wurde nicht freiwillig zum Nasir, es war nicht das gewöhnliche Gelübde des Nasirs, sondern es war eine bestimmte Berufung Gottes dazu. Wir lesen in Vers 5: „Ein Nasir Gottes soll der Knabe sein von Mutterleibe an“, und wiederum in Vers 7: „Ein Nasir Gottes soll der Knabe sein von Mutterleibe an bis zum Tage seines Todes.“ Damals kam die Rettung für Israel nach dieser Richtschnur; es ist die Seite Gottes, doch wir müssen ihr nachkommen. Wenn ich den unumschränkten Willen Gottes in Bezug auf mich wahrnehme, geht meine Seelenübung dahin, der Berufung Gottes auch nachzukommen. Es ist eine Seelenübung für einen jeden von uns, ob wir dem auch entsprechen, wofür Gott uns bestimmt und wozu Er uns berufen hat.

Paulus sagt: „Gott, der mich von meiner Mutter Leibe an abgesondert und durch seine Gnade berufen hat“ (Gal. 1, 15). Es war nur infolge des unumschränkten Willens Gottes, dass Gott ihn abgesondert hatte. Er sagt in Römer 1: „Abgesondert zum Evangelium Gottes“, das heißt abgesondert von allen menschlichen Gedanken, abgesondert zum Evangelium war er — ein evangelistischer Nasir. Dann waren bei Timotheus einige prophetische Aussprüche über das getan worden, was er als Diener Gottes sein sollte, und er sollte diese Übung aufnehmen. Alles sollte den vorhergegangenen Prophezeiungen entsprechen. Was Gott in Bezug auf ihn vor Sich hatte, war offenbar.

Du sagst: Das war nur bei Timotheus der Fall; doch Gott hat etwas Bestimmtes vor Sich in Bezug auf einen jeden von uns. Wir sind alle zur Absonderung nach Gott hin berufen. Simsons Eltern wurde keine Wahl überlassen, noch blieb Simson eine Wahl übrig; vom Mutterleibe an bis zu seinem Todestage musste er eine bestimmte Richtlinie verfolgen, und wenn er diese Richtlinie verließ, brach er zusammen.

Ich glaube, das bewahrheitet sich ebenso in Bezug auf dich und mich wie auf Simson; wenn wir der Berufung Gottes nicht entsprechen, erleiden wir einen geistlichen Schiffbruch. Es ist der unumschränkte Wille Gottes, dass wir von allen menschlichen Gedanken, von allem, was seine Quelle in Ägypten hat, abgesondert sein sollten; wir sollten von natürlichen und unreinen Einflüssen unberührt bleiben. Wir sollten für Gott abgesondert und bereit sein, uns auf einem Platz der äußeren Schmach zu bewegen.

Kein Schermesser sollte auf sein Haupt kommen — das war das Geheimnis der Kraft. Wenn ich mir klar darüber bin, dass ich die Richtlinie des unumschränkten Willens Gottes befolge, wird dies mir eine große Kraft verleihen. Ich unternehme dann nichts von mir aus in der Hoffnung, dass Gott mich dabei unterstützen wird — viele Menschen tun das. Wenn Gott uns zu einem Pfade der vollständigen Absonderung berufen hat, so wird Er uns auf dem Pfade, auf den Er uns berufen hat, auch aufrechterhalten.

Der Herr kam in diese Welt mit den Gelübden Gottes auf Sich und Er war der wahre Nasir, denn Er war völlig abgesondert von jeder natürlichen Erregung, und von allem, was den natürlichen Menschen erfreut. Er war von allem Unreinen völlig abgesondert und unberührt, und die Schmähungen Gottes ertrug Er immer mit völliger Anteilnahme in Seinem Geiste. „Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen“ (Rom. 15, 3). Er war für Gott so völlig abgesondert, dass alles, was der Mensch gegen Gott sagen konnte, auf Ihn fiel. Das war Derjenige, der Israel erretten konnte; Gott kann Israel durch diese Gesinnung erretten.

Die göttliche Kraft erweist sich in der Fähigkeit, der Stellung, worin wir nach dem unumschränkten Willen Gottes hineingestellt worden sind, zu entsprechen. Wenn wir bereit sind, Seinen ganzen unumschränkten Willen anzuerkennen, so werden wir auch unseren durch diesen unumschränkten Willen zugewiesenen Platz anerkennen.

Jeder Bruder hat einen angewiesenen Platz; er sollte aber auch bereit sein, überall zu beten — daheim, wie auch in der Versammlung, denn das ist der unumschränkte Wille Gottes. Jeder Bruder und jede Schwester ist in die Versammlung Gottes gesetzt worden, und zwar damit jeder dort nach dem unumschränkten Willen Gottes sich in einer bestimmten Weise betätigen sollte. Wenn wir es nicht tun, sind wir erfolglos. Wenn göttliche Kraft hereinkommt, hilft sie uns, dem unumschränkten Willen Gottes gemäß zu wirken. „Gott hat etliche in der Versammlung gesetzt“ — dort geht es um Gaben. Es gibt gewisse Gaben, sie gehören verschiedenen Stufen an, sie sind nicht alle auf einem Boden. Wir müssen unsere Stufe in der Versammlung kennenlernen: Es hat keinen Zweck, sich vorzumachen, man sei ein Apostel, wenn man nur eine Hilfe ist. Wenn ich mich damit begnüge, eine Hilfe zu sein, wird Kraft hereinkommen, weil ich den unumschränkten Willen Gottes annehme. Wenn wir die Stellung verlassen, worin der unumschränkte Wille Gottes uns hineingestellt hat, können wir keine Kraft erwarten. Wir müssen nicht denken, dass das Gelübde des Nasirs nur gewissen Brüdern und Schwestern vorbehalten ist; wir alle sind verpflichtet, die Stellung des Nasirs einzunehmen, und es liegt Kraft darin, diese Verpflichtung aufrichtig anzunehmen und ihr zu entsprechen.

Wir dürfen nicht anstelle des Herrn Menschen vor uns haben. In diesem Kapitel scheint Jehova zu sagen: Ihr müsst Mich vor euch halten und nicht zuviel an Simson denken. Derjenige wirkt, dessen Name „Wunderbar“ ist; damals erweckte Er eine geistliche Führung. Wenn ich einen geistlichen Führer kritisch betrachte, kann ich an ihm Fehler entdecken; wenn ich aber den unumschränkten Willen Gottes anerkenne, der ihn auf diesen Platz gestellt hat, werde ich nicht nach Fehlern suchen, sondern nach Erweisungen der Kraft Gottes. Unsere. Freude an unserem gemeinsamen Wandel hängt viel davon ab, dass jeder von uns seinen Platz erkennt und ausfüllt und auch den von Gott jedem anderen Bruder oder jeder anderen Schwester zugewiesenen Platz anerkennt. Die geistliche Kraft wird dem Maße unserer Absonderung entsprechen.

Der Name des Engels ist „Wunderbar“. Es ist etwas Großes, Denjenigen vor uns zu haben, der „Wunderbar“ ist und Seinem wunderbaren Namen gemäß handelt. Als Er mich in Seiner Gnade berief und mir eine gewisse Stellung in der Versammlung zuwies, handelte Er Seinem wunderbaren Namen gemäß. Durch die Versammlung wird die gar mannigfaltige Weisheit Gottes kundgemacht — es ist die Offenbarung des Wunders des Namens Gottes. Wie traurig, die Philister eindringen zu lassen, die uns dieser köstlichen Gedanken berauben! Wir benötigen Kraft, um den Grundsätzen der Philister entgegenzuwirken, und diese Kraft entspricht dem Herniederkommen und Auffahren Christi Selbst. In diesem
Kapitel kam Er hernieder, und Er fuhr in der Kraft des Brandopfers wieder hinauf.

Der Engel wollte die Gedanken und das Herz Manoahs auf Jehova lenken. Er sagte: Ich werde nichts von dem essen, was du gemacht hast. Es ist interessant, dass es ein Ziegenböcklein und nicht ein Farren war. Es war eine Zeit, wo die Erkenntnis nicht größer als ein Ziegenböcklein war; jedoch war es Christus — es war das Brandopfer und das Speisopfer. Es sprach von dem Erfüllen des unumschränkten Willens Gottes, dass Christus für Sein Volk in den Tod gehen sollte.

Gott gibt Kraft der Kostbarkeit Christi gemäß. Dies ist eine wunderbare Belehrung über den Charakter der göttlichen Kraft. Die göttliche Kraft sollte den Nasir an den wahren Platz des Brandopfers bringen. Simsons Schwachheit rührte von seiner Selbstgenügsamkeit her, während die geistliche Belehrung von Kapitel 13 zeigt, dass die Kraft durch Selbstaufopferung kommt. Der Engel fuhr auf; die göttliche Kraft ist mit einem aufgefahrenen Christus verbunden.

Die Menschen sagen, es gibt keine Kraft. Befindet Sich nicht Christus zur Rechten Gottes? Ist Er nicht aufgefahren? Die ganze Kraft ist jedem einzelnen Manne, Weibe und Kinde in dieser Welt zugänglich. Wenn ein Gefäß zur Ehre vorhanden ist, das durch Nasiräertum gekennzeichnet ist, ist die ganze Kraft des aufgefahrenen Christus da, um zu helfen und zu unterstützen. „Sei stark in der Gnade, die in Christo Jesu ist“ — das ist der auferstandene und aufgefahrene Mensch, und die Kraft, die hienieden im Geiste liegt, ist dem herrlichen Platz des aufgefahrenen Christus angemessen. Wir sollten hienieden eine solche Atmosphäre verbreiten. Das ist die Atmosphäre, in die Simson hineingeboren wurde; er wurde auf den Grundsätzen dieses Kapitels hervorgebracht, und das ist das Geheimnis der Kraft in den letzten Tagen. Hätte Simson bloß dieses Geheimnis bei sich getragen! Sein Merkmal war aber, dass er Geheimnisse verriet. Wie schrecklich, dass ein Mann, der dazu berufen war, ein Nasir — weißer als Schnee — zu sein, sein Geheimnis einem unglückseligen Philisterweibe verraten hat! Was könnte demütigender sein! Was könnte erniedrigender sein!

Es ist aber nur ein Bild von dem, was jedem Christen widerfahren kann. Wenn wir göttliche Geheimnisse verraten, werden wir unsere Kraft verlieren.

In der Geschichte Simsons besteht ein ausgesprochener Gegensatz zwischen seinen Heldentaten und seinem persönlichen Charakter. Der Geist Gottes möchte darauf hindeuten, dass wir zwischen dem, was Simson durch die Kraft Gottes tat, und der Schwachheit, die in Simson selbst war, unterscheiden sollten. Seine persönliche Schwachheit war ein großer Gegensatz zu seiner geistlichen Kraft. Es scheint also, als ob seine Geschichte zwei Teile hätte, die in einem gewissen Sinne gesondert betrachtet werden müssen.

Wir sehen bei Simson etwas Größeres als die Schwachheit, wodurch er als Mensch gekennzeichnet war. Es wäre vielleicht gut, wenn wir zuerst die Begebenheiten in seiner Geschichte betrachten würden, die sich durch geistliche Taten auszeichneten; dann können wir vielleicht noch die andere Seite betrachten, nämlich die Begebenheiten, bei denen wir sehen, wie Simson immer wieder in völlig falsche Stellungen gelockt wurde.

Es ist bemerkenswert, dass es drei Gelegenheiten gibt, wo es heißt, dass der Geist Jehovas über ihn geriet. Am Ende des vorigen Kapitels steht der einleitende Ausspruch: „Und der Geist Jehovas begann ihn zu treiben“ (Kap. 13, 25). Das war der Fall, ehe er im öffentlichen Dienst auftrat, denn es war in seinem eigenen Heim. Er wurde durch den Geist getrieben, ehe er irgendwelche Heldentaten unternahm.

Diesen Grundsatz sehen wir sogar beim Herrn; bei Ihm waren geistliche Regungen, ehe Er im öffentlichen Dienste hervortrat. Das Private geht dabei dem Öffentlichen voraus. Wir neigen dazu, das Öffentliche zuerst zu betrachten, wir sehen aber, dass Simson vorher schon im Verborgenen durch den Geist Jehovas getrieben wurde. Es gibt Seelenübungen, von denen niemand etwas weiß. „Der Knabe wuchs“ - das ist ein Hinweis darauf, dass er unter dem Segen Jehovas heranwuchs, als der Geist ihn trieb. Ich denke, geistliche Regungen werden zuerst im Kreise der Familie gesehen.

Der bezeichnende Wesenszug bei Simson war Kraft, er war durch Kraft gekennzeichnet. Das, was in ihm ans Licht kam, ist für uns in den letzten Tagen äußerst wichtig. Im 2. Timotheusbrief wird die Kraft hervorgehoben, und dort lernen wir den Charakter der Philister kennen, die dem Zeugnis des Herrn feindlich sind, und zwar mehr innerhalb als außerhalb. Um sie zu überwinden, braucht man Kraft, somit wird die Kraft mehrmals erwähnt. „Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft“, und wiederum: „Leide Trübsal mit dem Evangelium nach der Kraft Gottes“ — und im letzten Kapitel: „Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich.“

Im 2. Timotheusbrief sehen wir die Grundsätze der Philister, das sind Personen, die ohne geistliche Erlebnisse unter das Volk Gottes gekommen sind. An ihnen ist nichts wesentlich Lebendiges; sie haben es niemals gelernt, das Rätsel zu lösen. Wir müssen lernen, das Rätsel zu lösen, doch kein Philister kann es lösen. Er mag es von anderen borgen, das ist aber ein Philisterhandel mit geborgten oder gestohlenen Gütern.

Die göttliche Kraft wirkt zuerst beim Zerreißen des Löwen, und dann in dem Bienenschwarm, der in dem Gerippe des Löwen lebte — das war Leben aus dem Tode. Das ist das Rätsel, das wir lösen müssen. Wir müssen erkennen lernen, dass der Löwe durch göttliche Kraft zerrissen wurde.

In diesem Falle ist Simson ein Vorbild vom Herrn. Der Herr hat „den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht durch das Evangelium“ (2. Tim. 1, 10). Das entspricht dem Zerreißen des Löwen. Paulus betrachtete Nero als den, der die ganze Macht des Teufels gegen das Zeugnis darstellte. Wenn es möglich gewesen wäre, so hätte er das Zeugnis verschlungen; doch es war göttliche Kraft da, so dass der Löwe nicht mehr verschlingen konnte - Paulus wurde aus dem Rachen des Löwen gerettet. Darin liegt der Ausgangspunkt von allem, dass die Macht Satans durch den Tod besiegt wurde, und daraus entsteht das Leben. Kein Philister konnte das begreifen.

Dass die Heiligen alles dem Tode entnehmen, bringt sie in eine außerordentliche Stellung; es macht aus mir gar nichts, noch aus irgend etwas, was mir eigen ist. Es wirkt sehr demütigend für uns, zu erfahren, dass alle Kraft und alle Süßigkeit durch den Tod zustande gekommen ist. Wir können den Philister nicht in den Tod bringen; wenn wir das tun, ist das sein Ende.

In dem Gerippe des Löwen gibt es ein gegenseitiges Wirken der Lebenskraft; die Bienen sind da und machen Honig. Wenn du und ich nur das haben, was wir dem Tode Christi entnommen haben, so werden wir beim Honigmachen harmonisch zusammenarbeiten. Das erfordert die Zusammenarbeit der Liebe, und kein Philister kann daran teilnehmen.

Im 2. Timotheusbrief redet der Apostel davon, dass etliche sich von ihm abgewandt hatten; wenn sie sich aber von Paulus abwandten, verließen sie das Zeugnis. Phygelus und Hermogenes trugen nicht die Merkmale des Lebens, doch Onesiphorus trug sie. In den Tagen des 2. Timotheusbriefes ist die Tätigkeit der Liebe erforderlich, und da schaltet sich die göttliche Kraft ein. In diesem Sinne sollten wir für den Herrn Honig haben, wenn Er in unsere Mitte kommt. Es gefällt Ihm wohl, an der Frucht der gegenseitigen Tätigkeit der Liebe unter Seinem Volke teilzunehmen. Aufgrund des Todes Christi können solche Zustände zustande gebracht werden; als Ergebnis der gegenseitigen Tätigkeit der Liebe können wir Speise und Süßigkeit haben, und die erste Wirkung der göttlichen Kraft geht dahin, dies zu erzeugen. Deshalb konnte der Engel mit Recht sagen, dass sein Name „Wunderbar“ war.

Kapitel 13 zeigt, dass in den letzten Tagen die ganze Kraft von dem Nasiräertum — von der Absonderung nach Gott hin — abhängt. In Simson sehen wir eine Veranschaulichung der Kraft Gottes, wir sehen aber auch den anlockenden und ausdörrenden Einfluss dieser Welt, der auf die Heiligen einwirkt, um sie ihres Nasiräertums zu berauben. Wir verlieren die Dinge nicht auf einmal, doch zum Schluss verlor Simson sein Nasiräertum.

Es ist eine Schande für einen Mann, langes Haar zu tragen — wenn wir den Platz der Schande verlassen, haben wir unser Nasiräertum verloren. Wir beginnen mit dem Grundsatz, dass alle Kraft und Süßigkeit und die ganze Tätigkeit des Lebens dem Tode entfließen, wie Paulus sagt: „Wenn wir mitgestorben sind, so werden wir auch mitleben“ — er macht das zur Grundlage von allem. Im praktischen Sinne wirkt sich das in allem aus; doch nur dann berühren wir das Leben, wenn der Tod in unserem Willen und in unseren Neigungen wirkt.

Simson bog ab, um das Aas des Löwen zu besehen; er schaute nach der Frucht des Triumphes aus, er erwartete von seiner Heldentat völlige Frucht. Der Herr schaut aus, um zu sehen, welche Frucht es in uns erzeugt hat, dass Er in den Tod ging; Er beabsichtigt nicht, dass Sein Tod fruchtlos bleibt. Als auferstanden kam der Herr, um die Honigscheibe zu essen: Er kam, um die Frucht Seines Todes zu besehen, und Er fand die Jünger in Liebe versammelt. Bedenkt, dass der auferstandene Herr ein Stück Honigscheibe aß! Wo es die gegenseitige Tätigkeit des Lebens gibt, wird Unterstützung und Kraft verliehen, und da ist Süßigkeit vorhanden. Die Honigscheibe ist das Ergebnis der gegenseitigen Tätigkeit der Liebe unter den Heiligen.

Simson war durch das Verraten des Geheimnisses gekennzeichnet. Es gibt kein kostbareres Geheimnis, als im Herzen die Erkenntnis zu bewahren, dass man außer dem, was dem Tode Christi entfließt, gar nichts besitzt. Göttliche Geheimnisse werden nicht jedem bekannt gemacht, sie sind nur denen bekannt, die von Gott belehrt sind.

Geheimnis ist ein für das Christentum charakteristisches Wort. Bedenkt, dass es Menschen gibt, die in dieser Welt in dem Geheimnis leben, dass sie nur dem Tode Christi etwas entnehmen können und nichts anderem! Ein Philister kann das niemals verstehen. Die Prüfung besteht darin, dass wir unter Leuten wohnen, die die Tatsachen des Christentums anerkennen und die christliche Lehre bejahen; einige von ihnen sind sogar verständiger als wir selbst. Haben wir nun ein Rätsel, das sie nicht lösen können?

Dieses Kapitel gibt eine Andeutung von einer Probe für die Echtheit. Es ist ein. göttlicher Vorschlag, dass, wenn man das Rätsel lösen kann, man ein Wechselkleid bekommt. Wenn wir das Rätsel geistlich wirklich lösen, werden wir nicht nur eine verborgene Quelle der Süßigkeit und der Kraft haben und die Gegenseitigkeiten des Lebens mit den Brüdern genießen, sondern wir werden dann auch öffentlich in einer neuen Weise erscheinen. Darin ist eine Andeutung, dass wir öffentlich in den Wesenszügen des 2. Timotheusbriefes auftreten. Das Lösen des Rätsels ist das Ergebnis von inneren Seelenübungen. Wir erfahren in unseren Seelen, dass wir gar nichts haben, dem wir den geringsten Wert beimessen, das uns nicht durch den Tod Christi geworden ist.

Es ergibt sich aus dem gegenseitigen Wirken der Schar in Liebe, die Speise und Süßigkeit erzeugt. Wenn wir das Rätsel gelöst haben, bekommen wir ein Wechselkleid; unsere äußerliche Haltung, unser Charakter und unsere Verbindungen sind neu. Wenn wir heutzutage den Dingen in göttlicher Kraft begegnen wollen, ist die geistliche Belehrung dieses Kapitels äußerst wichtig.

In der verborgenen Geschichte Simsons war etwas, was der äußeren nicht entsprach, denn der Geist Jehovas hatte ihn im Verborgenen angetrieben. Wir müssen durch den Tod des Herrn ein neues Leben sowohl innerlich als äußerlich haben. Jede Art religiösen Lebens, das ich als ein Kind Adams haben kann, gilt gar nichts.

In Vers 19 sehen wir das zweite Beispiel von der Kraft Simsons, wo er dreißig Männer erschlug und ihre Beute nahm. Das dritte Beispiel von seiner Kraft ist im nächsten Kapitel, als seine Brüder ihn ausliefern wollten und die Stricke wie Flachs wurden, und er einen Eselskinnbacken nahm und tausend Mann erschlug. Wir sehen daraus, wie wenig seine Brüder in das Geheimnis eingeweiht waren, dass die Kraft Gottes bei ihm war. Sie waren bereit, sich der Herrschaft der Philister zu beugen; wenn aber die Kraft Jehovas bei Simson war, konnte es nicht dem Glauben gemäß sein, die Herrschaft der Philister anzunehmen. Es diente nur dazu, die Größe der in Simson vorhandenen Kraft ans Licht zu bringen.

Die göttliche Kraft offenbart sich im Gebrauch von Werkzeugen, die Menschen zu diesem Zwecke nicht wählen würden. Die Menschen würden niemals einen Eselskinnbacken als ein Werkzeug gebrauchen, um tausend Mann entgegenzutreten. Die Kraft Gottes erweist sich beim Erwählen von unbedeutenden Dingen.

Im 1. Korintherbrief sehen wir, dass Gott schwache, unedle, törichte, verachtete Dinge und das, was nicht ist, erwählt. Wir müssen das als die Weise annehmen, wie die göttliche Kraft wirkt. Paulus musste, was seine natürlichen Fähigkeiten anging, zum Krüppel werden, damit er im Dienste brauchbar sein möchte.

Der Geist Gottes hat diese Begebenheit aus der Geschichte Simsons für uns ausgesondert, und zwar, weil Er das Augenmerk darauf richtet, dass der Geist Jehovas über ihn geriet. Dadurch hat der Geist einige Wesenszüge als geistlich vermerkt, und wir müssen sie aus der Geschichte der Fehler Simsons selbst herausfinden.

Es ist gut im Sinne zu behalten, dass, weil Simson der letzte Richter war, seine Geschichte die allerwichtigsten Grundsätze für uns in den letzten Tagen ans Licht bringt. Es scheint, dass wir in Simson das Geheimnis der Kraft und das Geheimnis der Schwachheit lernen können. Es wird zweimal erwähnt, dass Simson Israel zwanzig Jahre richtete, was zeigt, dass bei Simson etwas zur Errettung des Volkes Gottes vorhanden war. Gerade deshalb schien er besonders von Dingen angegriffen zu werden, die ihn ablenken und ihn seiner Kraft berauben sollten. Er stellt Übungen dar, die in diesen Tagen sehr nahe an unsere Seelen herankommen.

Wir haben schon dreimal bemerkt, dass uns gesagt wird, dass der Geist Jehovas über Simson geriet. Immer, wo das der Fall war, wurde er durch Kraft zum Überwinden, ob den Löwen oder die Philister, gekennzeichnet.

Dann sehen wir, dass Kraft an und für sich nicht genügt, um uns für Gott zu bewahren. Es muss auch das Innere richtig sein. Es kann große Kraft zum Dienst auf gewissen Gebieten vorhanden sein, und überall, wo Seelen bekehrt werden und dem Volke Gottes geholfen wird, ist es vom Geiste Gottes. Doch bei Simson sehen wir (V. 18), dass, nachdem er große Heldentaten durch den Geist Gottes vollbracht hatte, er schließlich doch nur ein durstiger Mann war.

Ein Mensch kann die Kraft des Geistes Gottes über sich haben, um mächtige Taten im Dienst zu vollbringen, und doch keine innere Befriedigung, keine Kraft des Lebens durch den Geist in seiner Seele haben. Diese großen Belehrungen sind für die letzten Tage. Kraft ist eine Sache des unumschränkten Willens Gottes.

Gott kann durch Seinen Geist nach Seinem unumschränkten Willen wirken; Er kann jedes beliebige Werkzeug gebrauchen. Das echte Leben aber, die innere Freude und Befriedigung unserer Herzen ist etwas anderes. Gar mancher Diener kann öffentlich durch außerordentliche Kraft beim Dienst gekennzeichnet sein und doch die Glückseligkeit der inneren Befriedigung nicht kennen — er kann ein durstiger Mann sein.

Am Ende von Kapitel 15 muss Simson den Geist auf eine neue Weise kennenlernen. Vielleicht möchte der Herr unsere Aufmerksamkeit auf den Geist unter dieser schönen Bezeichnung: En-Hakore, „Quelle des Rufenden“, lenken. Paulus schreibt von der „Darreichung des Geistes Jesu Christi“; er empfand die Notwendigkeit dieser Darreichung, damit er den Leiden, den Verfolgungen und der Bedrängnis durch eine innere Quelle der Darreichung begegnen konnte. Der Philipperbrief bringt weitgehend die Innerlichkeit der Dinge ans Licht.

Es gibt zwei Begebenheiten im Leben Simsons, wo er Jehova angerufen hat. Die eine ist in Kapitel 15, 18, wo er sehr durstig war, und er rief zu Jehova. „Da spaltete Gott die Höhlung, die zu Lechi ist, und es kam Wasser aus ihr hervor; und er trank, und sein Geist kehrte zurück, und er lebte wieder auf. Daher gab man ihr den Namen: Quelle des Rufenden (En-Hakore), die zu Lechi ist, bis auf diesen Tag.“ Das andere Mal ist in Kapitel 16, 28: „Herr, Jehova! gedenke doch meiner, und stärke mich noch diesmal, o Gott, dass ich an den Philistern eine einmalige Rache nehme für meine beiden Augen!“

Ich glaube, dass Simson, wenn er Jehova anruft, moralisch und geistlich ein größerer Mann war, als er es bei allen anderen Begebenheiten seines Lebens war. Es ist eine besondere Hilfsquelle für die letzten Tage, dass wir den Namen des Herrn anrufen. Die Kraft, wovon im 2. Timotheusbrief die Rede ist, ist mehr eine innere als eine äußere Kraft. Ich habe, mehrere Fälle gekannt, wo Männer gedient haben und von Gott gebraucht wurden. Als sie sich aber nach außen hin absonderten, wurde es offenbar, dass sie sehr wenig vom Innerlichen besaßen.

Simson war einer, der eine außerordentliche Kraft besaß — es gibt keinen Mann in der Schrift, der äußerlich so stark war — nichtsdestoweniger war er sich aber innerlich dessen bewusst, dass sein Herz unbefriedigt und dass er ein durstiger Mann war. Er musste rufen, und dann bekam er dem Vorbilde nach den Geist auf eine neue Weise in Verbindung mit Innerlichkeit — er bekam dadurch nicht die Kraft, nach außen hin große Heldentaten zu vollbringen, sondern um seine inneren Wünsche zu stillen.

Es ist mein Eindruck, dass wir etwas moralisch Größeres in Simson sehen, wenn er zum Herrn ruft, als wenn er Tausende von Philistern erschlug. Wie sehr es Gott auch gefallen mag, mich öffentlich zu gebrauchen, früher oder später erhebt sich die Frage: Ist auch der Durst meiner Seele gestillt? Habe ich den Geist auch innerlich, nicht nur als äußerliche Kraft; das ist die „Quelle des Rufenden“, eine schöne Bezeichnung für den Geist.

Wir neigen so sehr dazu, nur mit dem Äußeren weiterzugehen; ich glaube aber, dass eine Zeit kommt, wo jeder von uns sich mit der Frage auseinandersetzen muss. Ich habe Zusammenkünfte gehabt, und sie waren sehr kostbar; ich habe die Gesellschaft der Brüder gehabt, und sie war köstlich; ich habe Dienst gehört, und er war glückselig; ich habe die Kraft zum Dienen gehabt, und das war wunderbar, aber ich bin nicht befriedigt.

Keines dieser Dinge, auch wenn man sie alle zusammenstellt, geben innere Befriedigung. Innere Befriedigung vermindert nicht die Kraft, die Gott zum Dienst schenkt, sondern sie fügt noch mehr hinzu. Ich glaube, es war ein Dichter, der sagte: „Alle großen Taten kommen aus dem Mittelpunkt eines ruhigen Herzens.“ Der wirksamste Dienst entströmt einem stillen, ruhigen und befriedigten Herzen; wir brauchen die Quelle des Rufenden.

In 4. Mose 21 kam der Vorschlag von der göttlichen Seite her. Gott sagte: „Versammle das Volk, und ich will ihnen Wasser geben.“ In Johannes 4 sollen wir aber bitten: „Wenn du die Gabe Gottes kenntest, und wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so würdest du ihn gebeten haben, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Gott ist der Geber, und Er stellt das, was Er zu geben hat, dar, um Durst hervorzubringen.

In diesen letzten Tagen ist es sehr wichtig, dass wir innerlich im Leben sein sollten; dieses Buch gibt uns die Übung für die letzten Tage. Das Rufen ist der Ausdruck von inneren Übungen. Bei Simson sehen wir das noch nicht, als der Geist Jehovas über ihn geriet, denn das war das unumschränkte Wirken Gottes. Was er aber als Antwort auf sein Rufen erhielt, bekam er in Verbindung mit seiner inneren Übung.

Das Innere wird uns in den letzten Tagen helfen; es ist etwas, was Gott uns gegeben hat, das die Übungen, die in unseren Seelen nach Gott hin erzeugt worden sind, befriedigt. Es ist eine persönliche Sache des Einzelnen.

In Verbindung mit dieser Begebenheit finden wir einen bemerkenswerten kleinen Satz, der oft im Alten Testament vorkommt: „Bis auf diesen Tag.“ Diese Worte haben eine moralische Bedeutung und zeigen, dass die Sache, von der die Rede ist, einen beständigen Platz in den Wegen Gottes mit Seinem Volke hat. Sie ist uns auch jetzt zugänglich. Die Quelle besteht moralisch bis auf diesen Tag; der Geist als die „Quelle des Rufenden“ ist uns bis auf diesen Tag zugänglich.

Ich möchte unser aller Herzen ermutigen, an den Geist als die „Quelle des Rufenden“ zu denken. Wir haben es dann und wann erlebt, wie es ist, wenn wir in unserem Zeugnis und in unseren Kämpfen unterstützt werden; was mich aber persönlich anbetrifft, so ist das, was in mir ist, weit wichtiger als irgend etwas, was ich äußerlich im Kampfe tue.

Bei Stephanus sehen wir diese beiden Dinge. In seinem Zeugnis war eine außerordentliche Kraft; er durchlief die ganze Geschichte des Volkes und betonte ihre Schuld Punkt für Punkt; wie groß aber das Zeugnis des Stephanus auch war, so war er innerlich ebenso groß, als er niederkniete, während sie ihn steinigten. Während sie ihre mörderischen Steine auf ihn warfen, leuchtete sein Engelsangesicht im Lichte des Himmels, und er rief: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“

Wenn man seine wunderbare Rede liest, eins der wunderbarsten Kapitel in der Schrift, sieht man einen Mann in seiner außerordentlichen Kraft. Er war ein König unter den Menschen. Wenn man ihn dann aber im Gebet niederknien sieht, sieht man seine wunderbare Innerlichkeit; Stephanus war innerlich ebenso groß wie er äußerlich groß war.

Zum zweiten Mal rief Simson den Herrn an, als er seine Sehkraft und seine Freiheit verloren hatte. Man hatte ihn durch List dahin gebracht, sein Nasiräertum aufzugeben, und er war ein armer, blinder Gefangener, der für die Philister spielte. Er erreichte den niedrigsten Punkt, den ein Diener Gottes erreichen kann, doch von diesem Punkte rief er zu Jehova, und er wurde größer als je zuvor. Wenn er auch so tief gefallen war, so war ihm doch eine Kraft eigen, die größer als die ganze Macht der Welt und größer als die ganze Macht war, der er verfallen war.

Wenn wir die Verfehlungen betrachten, die bei Simson ans Licht traten, so finden wir, dass er auf dreierlei Art geprüft wurde. Das Philisterweib in Kapitel 14 stellt das Natürliche dar; die Hure in Kapitel 16 stellt das Fleischliche dar, und Delila stellt das Satanische dar, denn gleich von Anfang an war sie mit den Widersachern gleichgesinnt, und sie tat ihr Äußerstes, um Simson zu vernichten. Durch Seine Wege erlöste Gott Seinen Diener aus diesen drei Fallstricken. Simsons Verfehlungen brachten ihn unter diese Einflüsse; das aber, was aus Gott in ihm war, half ihm in jedem Falle, aus dem Fallstrick wieder frei zu werden.

Satan kann sich des Natürlichen oder des Fleischlichen oder des Satanischen bedienen, um die Wahrheit des Nasiräertums zu untergraben. Er wird versuchen, uns unseres Nasiräertums zu berauben und uns ins Verderben zu stürzen. Wir sehen aber bei Simson, dass trotz aller Verfehlungen bei ihm noch etwas anderes vorhanden war, und Gott errettete ihn.

Gott errettete ihn in Kapitel 14 von dem Philisterweibe durch eine schwere Enttäuschung. Simson bekam nicht das, was er erwartete; er war sehr enttäuscht, als er fand, dass er ein Weib hatte, das sein Geheimnis verriet, und er war wiederum enttäuscht, als er fand, dass sie seinem Gesellen gegeben wurde.

Viele von uns haben den Einfluss des Natürlichen erfahren, und auf diesem Boden haben wir nichts als Enttäuschungen gefunden; von dem, was wir erwarteten, bekamen wir gar nichts. Auf diese Weise hat Gott uns vom Natürlichen errettet.

Die Hure stellt fleischliche Einflüsse dar, und als Simson ihnen nachgab, befand er sich an einem schrecklichen Orte der Gefangenschaft. Er war in Gasa eingeschlossen, das Tor war verriegelt, und das Volk wartete darauf, ihn am Morgen zu erschlagen. Wir sehen aber, dass bei Simson eine Kraft vorhanden war, die ihm die Flucht ermöglichte.

Dem Vorbilde nach war bei Simson etwas, was groß genug war, aus dem Fallstrick, in den er sich verstrickt hatte, herauszukommen; er stand um Mitternacht auf und trug das Stadttor und die Riegel der Stadt Gasa hinweg. Das war nicht der Geist des Herrn auf ihm; es war das Wesen Simsons selbst, es war die Kraft, die ihm eigen war und die es ihm ermöglichte, das zu tun.

Wir alle haben schon ähnliche Fälle gesehen, wo die Heiligen Gottes durch das Fleischliche gefangen genommen wurden, und in vielen Fällen haben wir die Freude gehabt zu sehen, dass in ihnen, als aus Gott geboren, eine eigentümliche Kraft war, die es ihnen ermöglichte, der Stellung zu entkommen, in die die fleischlichen Einflüsse sie geworfen hatten. Es ist schön zu sehen, dass die Heiligen, die vom Fleische überwunden worden sind und sich in schrecklicher Knechtschaft befinden, sich erheben und frei werden, so dass sie imstande sind, die Tore und Riegel fortzuschaffen und zur Gemeinschaft mit dem Volke Gottes wiederhergestellt werden — das ist die Bedeutung von Hebron.

Wenn wir jemand sehen, der gefehlt hat und dann zur Gemeinschaft mit dem Volke Gottes wiederhergestellt wurde, so neigen wir dazu, bei seinem Versagen zu verweilen und es als einen schwarzen Flecken bis zum Ende seiner Tage gegen ihn festzuhalten; sicherlich ist das nicht von Gott. Ich glaube, dass, wenn ein Heiliger dem Einfluss des Fleisches verfallen ist und gefunden hat, dass er, als aus Gott geboren, die Kraft besitzt, sich davon zu befreien, wir mehr an die Kraft denken sollten, die ihn befreit hat, als an sein Versagen, das ihn in Gefangenschaft gebracht hatte. Der gereinigte Aussätzige war moralisch ein größerer Mann als der Mann in Israel, der niemals ein Aussätziger gewesen war. Das ist etwas, was nur in der Schule der Gnade verstanden wird.

Delila stellt das Satanische dar, das sich dem Zeugnis Gottes direkt widersetzt. Von Anfang an tat sie ihr Äußerstes, um Simson sein Geheimnis zu entreißen, und schließlich hatte sie Erfolg. Das ist eine sehr ernste Warnung. Bedenken wir, dass ein Mann, der das große Bild der Kraft in der Schrift war, zu solch einem elenden Ausdruck der Schwachheit wurde. Die Kraft zum Zeugnis Gottes liegt im Nasiräertum, und Delila übte ihre Künste an Simson aus, bis sie sich schließlich seines Geheimnisses bemächtigte, und dann verriet sie ihn. Dann sorgte sie dafür, dass nicht nur sein Haar abgeschnitten wurde, sondern sie rasiert es auch ab, damit keine Spur seines Nasiräertums übrigbleiben sollte. Simson gab diesem schrecklichen Weibe nach und ergab sich ihr, so dass er jede Spur seines Nasiräertums verlor, und die Philister nahmen ihn und banden ihn und warfen ihn ins Gefängnis und machten aus ihm tatsächlich einen Gegenstand der Belustigung, denn er unterhielt sie.

Wie tief war er gefallen! Kann irgendein Heiliger noch tiefer fallen? Sie hatten ihm die Augen ausgestochen, und er wurde bis zum äußersten Punkte erniedrigt. Es ist aber äußerst ermutigend zu sehen, dass sogar dann die Kraft des Lebens in seiner Seele wirkte und sein Haar wieder zu wachsen begann. Der Mann, der aus der Quelle des Rufenden getrunken hatte, hatte Leben in seiner Seele, so dass, was mit ihm auch geschehen mochte, sein Haar zu wachsen begann.

Obwohl die Philister ihm die Augen ausgestochen hatten, so war das doch bloß eine Befreiung für ihn, denn seine Augen waren sein Verderben gewesen. — „Er s a h in Timna ein Weib von den Töchtern der Philister“, „er sah daselbst eine Hure“. Als sie ihm also die Augen ausstachen, befreiten sie ihn bloß von dem, was ihn irregeführt hatte.

Das ist die Regierung Gottes. Wie tief wir auch fallen mögen, Gott handelt immer nach der Richtschnur der Befreiung, und wenn wir der Macht Satans verfallen, werden wir befreit, wenn wir die Regierung Gottes annehmen.

Als Simson, der blinde Gefangene, der im Gefängnis mahlen musste und die Philister durch sein Spiel belustigte, zum Herrn rief, war er ein größerer Mann als je zuvor. Er konnte mehr vollbringen, als er jemals vollbracht hatte, doch er tat es durch den Tod. Er musste lernen, dass sein eigener Tod das Geheimnis der Kraft war. Wir müssen alle diesen Belehrungen ins Angesicht schauen.

Das zweimalige Anrufen des Herrn ist mit dem Geheimnis der Kraft verbunden. Das erste Anrufen in Kapitel 15 ist mit der Kraft des Lebens verbunden; es ist an der Quelle des Rufenden, wo der Geist die Kraft des Lebens in die Seele eines Menschen bringt. Das zweite Anrufen des Herrn brachte die Kraft des Todes ans Licht, und wir müssen lernen, dass diese beiden Dinge zusammen gehören.

Paulus schreibt an die Korinther: „Wir, die wir leben, werden allezeit dem Tode überliefert“„Täglich sterbe ich, bei eurem Rühmen, das ich habe in Christo Jesu, unserem Herrn“ — und wiederum: „So denn wirkt der Tod in uns, das Leben aber in euch.“ Paulus hatte nicht nur das Geheimnis des Lebens kennengelernt, sondern auch das des Todes.

Als Simson das Geheimnis des Todes kennengelernt hatte, war er bereit, weggenommen zu werden. Er hatte den Höhepunkt erreicht, denn er erschlug mehr in seinem Tode, als er je in seinem Leben getan hatte. Wenn ich dahin komme, meinen Tod anzunehmen, so wirkt das große Geheimnis der Kraft Gottes in mir, und ich werde ein wirksames Werkzeug, das Gott gebrauchen kann.

Im vorhergehenden Teile des Buches sahen wir, dass das Volk Jehova verließ, dass es Jehova vergaß. Jetzt kommen wir aber zu etwas, was vielleicht noch ernster war, denn der Götzendienst wurde in bestimmter Weise mit dem Namen Jehovas verbunden. Das bezieht sich auf den Götzendienst in dem, was man eine christliche Form nennen kann.

Michas Mutter brachte ihrem Sohne den Götzendienst bei, jedoch in Verbindung mit dem Namen Jehovas. Sie sagte, sie hätte das Silber Jehova geweiht.

Der Geist Gottes hat auf die Glückseligkeit der Gegenwart des Herrn inmitten Seiner Heiligen hingewiesen, wie auch auf die heiligen Zustände, die mit dem Orte verbunden sein müssen, wo der Herr inmitten Seines Volkes gekannt wird; es gibt aber auch eine große Nachahmung, die eine götzendienerische Form annimmt, jedoch wird der Name Gottes damit verbunden.

Alle kostbaren Wahrheiten, die in dem gegenwärtigen Zeitabschnitt bekannt gemacht worden sind, werden angenommen, aber sie werden in eine götzendienerische Form gegossen. Es gibt ein nachgebildetes Priestertum, ein Ephod, einen geweihten Sohn; es ist die richtige Form, sie ist aber bloß nachgebildet. Das wirft die Frage auf, ob wir es mit dem geistlich Echten zu tun haben oder mit einer bloßen Nachahmung.

Die Mutter Michas war eine Erdenbewohnerin; sie war eine fluchende Mutter, nicht eine segnende, wie Jerusalem, das droben ist. Wenn wir dem himmlischen Licht treu sind, werden wir vor allen Formen bewahrt, die dadurch entstehen, dass etwas anderes anstelle des himmlischen Lichts gesetzt wird. Ich muss dann ein geschnitztes Bild, ein gegossenes Bild oder eine religiöse Zeremonie haben, um mir die Personen der Gottheit wirklicher zu machen. Es bedeutet ein Abkehren vom Geistlichen.

Es kommt leicht vor, dass wir auf die Linie der geschnitzten und gegossenen Bilder abgleiten. Ein gegossenes Bild ist etwas, was man leicht vervielfältigen kann. Es wird in eine bestimmte Form gegossen, es ist gleichsam eine festgesetzte Form des Gottesdienstes. Wenn unsere Gebete und Lobeserhebungen eine festgesetzte Form annehmen, laufen wir Gefahr, gegossene Bilder zu erzeugen, und zwar anstatt dessen, was lebendig ist und dem Lichte der Offenbarung entspricht.

Was nicht in Geist und Wahrheit ist, neigt dazu, ein geschnitztes oder gegossenes Bild zu werden. Ein gegossenes Bild ist etwas, was leicht vervielfältigt werden kann; so etwas kann in einem Buch gedruckt werden, so dass jeder ihm folgen kann.

Das geschnitzte Bild ist mehr das Erzeugnis der Tätigkeit der menschlichen Vernunft — es sind in der menschlichen Vernunft ausgearbeitete Gedanken über Gott; sie entsprechen nicht dem Lichte der Offenbarung, sondern sie werden der menschlichen Vernunft entsprechend ausgearbeitet. Ich denke, das wird durch das geschnitzte Bild angedeutet. Wir müssen uns vor einem menschlichen Eingriff in die heiligen Dinge Gottes hüten.

Es ist ernst, daran zu denken, dass ein Levit, ein Enkel Moses, in solch einem Zusammenhang erwähnt wird (Kap. 17, 8 und Kap. 18, 30). Was für ein schrecklicher Tiefstand! Er verlässt Bethlehem-Juda, um einen Platz zu suchen. Sein Großvater hatte gesagt: „Lösche mich doch aus deinem Buche.“ Der wahre Stamm Levi war dem Ruf gefolgt: „Her zu mir, wer für Jehova ist!“ Es ist etwas Schreckliches, von dieser Höhe herabzufallen, um sich sonstwo aufzuhalten und einen Platz zu suchen.

Dieser Levit war gleichsam ein Diotrephes; er suchte nicht einen Platz für Jehova, sondern für sich selbst. Wenn wir das tun, wird der Teufel uns sicherlich mit dem echten Götzendienste einsmachen.

In Kapitel 18 suchte der Stamm der Daniter ein Erbteil zum Wohnen. Sie stellen solche dar, die dem Bekenntnis und dem Namen nach auf himmlischem Boden gestanden haben, dort aber keine Befriedigung gefunden haben und nun ein anderes Erbteil suchen wollen. Es ist ein Bild von den Gläubigen, die einen Platz auf Erden suchen, weil das himmlische Gebiet zu viel von ihnen verlangt. Sie sagten von dem Lande bei Lais, dass es nach allen Seiten hin geräumig war und dass es dort an nichts mangelte von allem, was auf Erden war. Es gibt einen Bereich der Dinge, der ergriffen werden kann, und zwar dort, wo man sagt: „Wir sind reich und reich geworden und bedürfen nichts.“ Die Religion Michas passte gerade zu solchen Zuständen. Der himmlische Boden war für diese Daniter nicht geräumig genug, und sie erreichten einen Ort, wo niemand die Autorität hatte, sie zuschanden zu machen, einen Ort, wo das Gewissen nie in Übung kam.

Bei Simson sehen wir die Kraft zur Wiederherstellung, obwohl er große Verfehlungen gezeigt hatte. Bei den Danitern gab es jedoch keine Wiederherstellung; bei ihnen gab es eine schreckliche Abtrünnigkeit, die sich bis zu den Tagen der Gefangenschaft erstreckte.

In den letzten Versen von Kapitel 18 ist ein schönes Wort. Das Haus Gottes war die ganze Zeit über in Silo. Wenn der Götzendienst auch betrieben wurde, so befand sich jedoch das Haus Gottes die ganze Zeit über in Silo. Den Danitern ging Silo ganz verloren, es war aber für solche wie Boas vorhanden. Für Elkana und Hanna war das Haus Gottes da.

Hier stehen diese zwei Systeme im Gegensatz zueinander. Es gibt ein System, das vorgibt, Jehova einen Platz einzuräumen, dem Wesen nach aber götzendienerisch ist, und es ist mit einer völlig falschen Stellung des Volkes Gottes verbunden, wo man das von Gott gegebene Erbteil nicht genießt, sondern man befindet sich unter dem Einfluss der Dinge auf Erden.

Dann gibt es aber auch ein anderes System hienieden: das Haus Gottes war in Silo, die Hütte war da, die Lade war da.

Was uns vor dem Götzendienst bewahrt, finden wir in den Schriften des Johannes; sie sollen uns von allem Götzendienerischen bewahren und von dem, was den Charakter der Nachbildung trägt, von dem, was kein Leben ist. Johannes will uns bewahren und uns in Silo festhalten, an dem Orte, wo die Rechte Christi anerkannt werden.

Von Anfang des 17. Kapitels bis zum Ende des Buches gibt es Begebenheiten, die den moralischen Zustand des Volkes Gottes in einer sehr traurigen Weise bloßstellen. Vielleicht steht das größere Übel zuerst, das heißt, das Verbinden des Götzendienstes mit dem Namen Jehovas: das ist das größtmögliche Übel. Es erweckte aber keineswegs dieselbe Empörung in Israel, wie die Empörung über die moralische Verderbtheit, die zu Gibea ans Licht kam.

Es gibt Dinge, gegen die das natürliche Gewissen sich empört, jedermann würde sich gegen sie erheben, das sind aber nicht die schlimmsten Dinge. Ein Vergehen direkt gegen Gott in den heiligen Dingen ist das größtmögliche Übel.

In Bezug auf den Götzendienst im Hause Michas, der durch einen Enkel Moses gefördert wurde, versammelte sich ganz Israel nicht von Dan bis Beerseba. Man hätte erwarten können, dass solch eine Sache ganz Israel wie einen Mann hätte aufschrecken lassen, es war aber nicht der Fall.

Diese Geschichte zeigt, dass wir eher dazu neigen, durch etwas, was gegen die moralische Anständigkeit verstößt, empört zu sein, als durch etwas, was direkt den Dienst und die Herrlichkeit berührt. Das natürliche Gewissen gewahrt das erste. Man muss aber Gott wahrhaftig lieben, um aufs Tiefste das zu empfinden, was Gott beiseite setzt und was Ihm unter Seinem Volke gebührt. Was getan wurde, war abscheulich; zweifellos war es das Ergebnis des Umgangs des Volkes mit den Kanaanitern, von denen sie ihre grässlichen Bräuche gelernt hatten. Wie die Schrift sagt, es war „ein Verbrechen und eine Schandtat“ in Israel begangen worden; alles, was das Volk darüber redete, war wahr. Deshalb versammelten sie sich alle vor Jehova in Mizpa, und das wurde die Versammlung des Volkes Gottes genannt.

Wie schrecklich ihr Zustand auch war, ihr Gewissen war noch genügend wach, um sich über diese grobe Übeltat zu entrüsten. Sie gebrauchten die rechten Ausdrücke dafür. Der Levit sagte: „Sie haben ein Verbrechen und eine Schandtat begangen in Israel“ (V. 6); und am Ende von Vers 10 sagte das Volk: „Nach all der Schandtat, die es in Israe1 begangen hat“, und in Vers 13 redeten sie darüber, das Böse aus Israel hinwegzuschaffen.

Wir sagen aber oft das Richtige, ohne dabei etwas zu empfinden. Sie empfanden es nicht als eine Sünde Israels, sondern als die Sünde von Gibea. Wenn sie diese Sünde als die Sünde von ganz Israel empfunden hätten, wären sie alle vor Gott auf ihr Angesicht gefallen und hätten sie als ihre eigene Sünde bekannt. Sie fassten die Sache aber in solch einer Weise auf, die Gott nicht unterstützen konnte; sie trauerten nicht darüber, obwohl sie das Rechte sagten. Es gab eine natürliche Entrüstung gegen das, was offenbar böse war; sie war aber gar nicht die Frucht des Umgangs mit Gott. Es war kein Anzeichen da, dass sie vor Gott gedemütigt waren. Sie suchten nicht, von Gott geleitet zu werden; sie beschlossen, was sie tun würden; sie sagten: Dies kann nicht geduldet werden; wir müssen gehen und sofort das Urteil darüber vollstrecken. Das war richtig, doch sie handelten nicht mit Gott. Wenn also auch gegen das Böse in Treue vorgegangen wurde, so geschah es aber nur durch viel Zucht, dass das Volk in einen Zustand versetzt wurde, bei welchem Gott in dem, was sie taten, mit ihnen sein konnte. Deswegen mussten sie diesbezüglich durch tiefes Leid gehen und sich dessen bewusst werden, dass die Sache auf solch eine Weise ausgeführt wurde, dass sie einen Stamm aus Israel beinahe verloren hatten. Sie fassten es nicht als die Sünde Israels auf; sie hätten aus dem Falle Achans lernen sollen, wo Jehova sagte: Israel hat gesündigt“, und Er hielt ganz Israel für verantwortlich. Es hätte als eine Übung der ganzen Versammlung aufgefasst werden sollen. Wenn unter dem Volke Gottes etwas Ungeziemendes und Anstößiges geschieht (wovon einiges schon dem natürlichen Gewissen anstößig sein kann), so sollte die erste Übung dahin gehen, dass solches sich in Israel zugetragen hat, so dass es Israel obliegt, sich dieserhalb zu demütigen und die Schande und das Leid tief vor Gott gebeugt auf sich zu nehmen. Man kann sich durchaus vorstellen, dass, wenn sie also getan hätten, es Benjamin tief beeindruckt haben würde. Sie hätten gesagt: Ach, sie zerbrechen sich nun das Herz im Kummer über das, was wir getan haben, und sie bekennen unsere Sünde wie ihre eigene! Ich denke, das hätte sie erschüttert.

Das ist eine sehr wichtige Überlegung für uns in Bezug auf jedes Ausüben von Zucht, das heißt, es geht um unseren Seelenzustand bei diesem Verfahren, ob wir dabei wirklich mit Gott wandeln. Wenn etwas ausgesprochen böse ist, ist es leicht zu sagen, es ist unrecht und muss gerichtet werden; bin ich aber dabei wirklich mit Gott? Dies ist eine prüfende Übung für uns, denn es ist leicht, zehntausend unrechte Dinge zu sehen und auch viele, die ausgesprochen anstößig sind; wie empfinden wir sie aber? Paulus schreibt an die Korinther: Ihr...habt nicht viel mehr Leid getragen“ (1. Kor. 5, 2). Wenn sie nicht gewusst hätten, wie sie mit dem Übeltäter verfahren sollten, wenn sie aber wegen des Übels Leid getragen hätten, hätte der Herr mit ihm verfahren. Israel musste viel Leid und Übung durchmachen; sie mussten weinen und fasten, und Brandopfer und Friedensopfer darbringen und erkennen, dass Benjamin schließlich ihr Bruder war. Dann mussten sie streng gezüchtigt werden; zweiundzwanzigtausend von ihnen wurden an einem Tage erschlagen, und achtzehntausend am nächsten Tage. Sie taten, was recht war, jedoch unterstützte Gott nicht ihr Tun. Sie waren so empört, dass sie einen Eid leisteten, aufs Strengste gegen das Böse vorzugehen, sie waren aber darin nicht mit Gott.

Dann sehen wir einen viel schlimmeren Zustand bei Benjamin. Nicht der ganze Stamm war schuldig, sondern nur gewisse Söhne Belials in einer Stadt; jedoch weigerte sich der ganze Stamm Benjamin, die Angelegenheit zu richten, und das war schlimmer als die Sünde. Sich weigern das Böse zu richten, ist schlimmer als die Sünde selbst. Jemand fragte Bruder Darby, wieviel Böses einen Christen rechtfertigen würde, eine Schar Christen zu verlassen, und er antwortete: Keine Menge Böses könnte irgend jemanden rechtfertigen, sich von einer Schar Christen zu trennen; aber die Weigerung, nur ein wenig Böses zu r i c h t e n , würde die Trennung rechtfertigen.

Es ist wichtig, das zu verstehen. Böses kann überall vorkommen; wenn es aber vorkommt, muss es gerichtet werden. Die Heiligkeit Gottes und die Gerechtigkeit Seines Thrones erfordern das Gericht, und wenn wir uns weigern zu richten, dann ist alles verloren.

Benjamin weigerte sich, das Böse zu richten, sie wollten nicht die Söhne Belials ausliefern, darum verfiel Benjamin der Vergeltung, die in Wirklichkeit das göttliche Gericht war. Zweimal wird die ganze Menge des Volkes aufgefordert, ihre Meinung und ihren Rat zu geben. Es ist manchmal leichter, das zu tun, als Gott um Rat zu fragen. Wir lesen nicht, dass sie Gott fragten, ehe sie ihren Entschluss fassten.

Das stellt zweifellos einen Zustand der Dinge dar, der voraussichtlich in den letzten Tagen der Versammlung zu finden ist. Es kann eine gewisse Entrüstung über das Unrechte vorhanden sein, und ein treues Vorgehen dagegen; jedoch kann es in einer ungeistlichen Weise getan werden, und das Ergebnis kann dann sehr ernst sein. Es könnte niemals die göttliche Absicht sein, einen Stamm aus Israel auszurotten, das könnte nimmer der Gedanke Gottes sein.

Wir benötigen mehr Übungen über den allgemeinen Zustand der Dinge des Volkes Gottes, damit wir nicht „s i e“ sagen; wir neigen dazu, er oder sie oder sie alle zu sagen, wir müssen aber lernen, wir zu sagen. Ich fühle es bei mir selbst, dass ich vielerlei Übel im christlichen Bekenntnis sehe, doch ich muss zugeben, dass ich nicht dazu bereit bin, die Schande und Schmach als meine eigene zu tragen. Wäre ich mehr mit Gott, so wäre ich mehr dazu bereit. Inmitten der ganzen Verderbtheit und des Bösen gibt es einen Pfad, der der Pfad des Gerechten ist, doch er stellt uns nicht außerhalb des Volkes Gottes.

Die siebenhundert auserlesenen Männer von Gibea hätten für das Volk Gottes bewahrt werden können. Es gibt oft eine Weigerung, die Dinge zu richten, sogar seitens auserlesener Männer. Sie waren auch sehr genaue Männer, denn sie schleuderten mit dem Steine aufs Haar und fehlten nicht. Wie traurig, dass solche Männer sich weigerten, das Böse zu richten! Es ist traurig, Menschen zu sehen, die besser sind als wir, die aber nicht bereit sind, offenbares Böse zu richten. Wir sollten das schmerzlich empfinden. Ich habe das gesehen - fähige Männer, genaue Männer, auserlesene Männer -, je vorzüglicher sie sind, desto tiefer sollten wir es empfinden, wenn sie nicht bereit sind, das Böse zu richten, Wir sehen eifrige, ergebene und fromme Männer, die nicht bereit sind, das Böse zu richten, und wir sollten es sehr schmerzlich empfinden.

Es war die göttliche Anordnung, dass Juda die Führung übernehmen sollte, jedoch unterstützte Gott diesen Stamm nicht. Israel musste durch den Verlust von zweiundzwanzigtausend Männern gezüchtigt werden, und am nächsten Tage durch den Verlust von achtzehntausend Männern. Es liegt nicht bei uns, die Wege der Zucht Gottes mit Seinem Volke in Frage zu stellen. Der ganze moralische Zustand von Juda war verkehrt, wie auch der Zustand von ganz Israel. Ihr Gewissen war über das, was geschehen war, entrüstet, doch sie empfanden es nicht so, wie Gott wollte, dass sie es empfinden sollten. Er musste sie züchtigen, bis sie es einigermaßen so empfanden, wie Gott es wollte, und erst dann sagte Gott: „Morgen werde ich ihn in deine Hand geben“ (Kap. 20, 28), und wir finden, dass Jehova Benjamin vor Israel schlug (V. 35). Zum Schluss schlug Er sie.

Sogar in Verbindung mit dem Richten des Bösen kann die Selbstgerechtigkeit sich in einer sehr hinterlistigen Weise einschleichen. Wenn ich gesinnt bin: Du hast unrecht, ich habe recht! zu sagen, so ist das die reinste Selbstgerechtigkeit, und gerade das musste Gott dem Volke einprägen. Sie mussten zum Hause Gottes, nach Bethel gebracht werden, und zwar um zu weinen, zu fasten und um Brandopfer und Friedensopfer darzubringen. Sie mussten zur Grundlage zurückkehren, auf der sie mit Gott standen, zur Grundlage, auf der sie miteinander wandeln konnten, und das ist der Tod Christi. Es geht nicht darum, dass Benjamin unrecht hat, ich aber recht habe, darum geht es gar nicht!

Als sie zu Pinehas kamen, brachten sie Brandopfer und Friedensopfer. Hier wird ein bemerkenswerter Zusammenhang der Gedanken Gottes hervorgehoben: die Bundeslade und Pinehas waren da. Pinehas war ein Mann, der seinerzeit kurz entschlossen das Urteil über das Böse vollstreckt hatte. Kein Mann in der Schrift ist so bemerkenswert in Bezug auf das Richten des Bösen; er richtete es schonungslos, jedoch sagte Gott von ihm: „Er hat ... in meinem Eifer in ihrer Mitte geeifert“ (4. Mose 25, 11).

Wir müssen dazu gebracht werden, dass wir nicht mit natürlicher Entrüstung eifern, sondern mit dem Eifer Gottes. Wenn wir irgendein Übel richten, müssen wir fragen: Ist dies mein Eifer oder Gottes? Wenn wir Gottes Eifer haben, werden wir in glückseliger Weise des Brandopfers, des Friedensopfers und der Bundeslade gedenken. Dies sind kostbare Dinge, die man in Betracht ziehen sollte, wenn es sich um Zucht handelt. Pinehas besaß den Bund des ewigen Priestertums; er hatte gar keine menschlichen Beweggründe; im Eifer für Gott nahm er die Lanze in seine Hand; bei ihm war gar keine natürliche Entrüstung, sondern ein heiliger, priesterlicher und geistlicher Eifer. Wir müssen dahin kommen. Ein Weltmensch kann das Unrecht richten, denn die Menschen haben ihre Gesetze über das Gute und das Böse, doch Gott spricht zu Seinem Volke: Ich will, dass ihr mit Mir richtet — Ich will, dass ihr in Bezug darauf mit Mir im Einklang sein sollt und die Sache viel tiefer richtet, als ihr es mit eurem natürlichen Gewissen tun würdet. Paulus ist der Pinehas des Neuen Testaments.

Auf welchem Boden stehen wir? Wenn wir mit Gott vorangehen, so ist es aufgrund des Brandopfers: wir stehen bei Gott voll und ganz auf dem Boden des Todes Christi. Mit den Brüdern stehen wir aber auf dem Boden des Friedensopfers; das ist eine andere Seite des Todes Christi. Das bewahrt uns vor jedem Gefühl der Selbstgerechtigkeit beim Richten des Bösen. Wenn das nicht so ist, dann werden wir selbstgerecht gesinnt sein; dann sage ich: Dieser Bruder hat unrecht, ich habe recht! Gott will diese Gesinnung nicht haben. Wir müssen erkennen lernen, dass wir mit Gott und miteinander auf dem Boden des Todes Christi stehen.

Die Lade führt uns zurück zum wahren Wesen der gegenwärtigen Verwaltung, das wir niemals vergessen dürfen. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Bund die Grundlage von allem ist; Christus ist die Bundeslade. Alle Gedanken der Segnung Gottes sind in Christo gesichert.

Ich habe oft gedacht, dass es bemerkenswert ist, dass es hier kein Sündopfer gab. Wenn es mir überlassen gewesen wäre, hätte ich es hier eingefügt; aber nein — es ist nur vom Brandopfer und vom Friedensopfer die Rede, das heißt, es bezog sich auf die Grundlage, auf der das Volk bei Gott stand. Sie waren da, und sie waren gesegnet, aber nicht wegen ihrer Treue oder Gerechtigkeit, sondern Christi wegen.

Bei allem Richten des Bösen müssen wir das festhalten, damit wir uns nicht besser zu sein dünken als die Menschen, die wir zu richten haben. Wir stehen gar nicht auf dieser Grundlage vor Gott. Wir stehen auf dem Boden des Todes Christi, und unsere Gemeinschaft als Heilige ist auf Christum und auf Seinen Tod gegründet. Wir tun recht, das Böse zu richten und uns abzusondern, das ist aber nicht die Grundlage unserer Gemeinschaft.

Gott musste das Volk durch Seine Zucht auf diese Grundlage bringen; dann gingen sie weiter und übten ein schreckliches Gericht über Benjamin aus, so dass dieser Stamm beinahe vertilgt, beinahe ausgerottet wurde, und das nächste Kapitel sagt uns, dass sie es sich gereuen ließen wegen ihres Bruders Benjamin, und sie mussten vor Gott weinen und trauern wegen der Tatsache, dass ein Stamm verlorengegangen war und dass er wahrscheinlich auf immerdar in Israel ausgerottet sein würde.

Gott will uns das einprägen, wenn wir uns zur Zeit eines Kampfes von unseren Brüdern absondern müssen. Manchmal gibt es einen großen Eifer, das Rechte festzuhalten, und sehr viel Treue, wenn wir in einer Entscheidung für Gott stehen. Das Ergebnis davon kann aber sein, dass wir eine große Menge Brüder verlieren. Empfinden wir das schmerzlich? Fühlen wir, dass wir Benjamin verloren haben? Ich glaube nicht, dass Gott es uns erlaubt, weiterzugehen, ohne schmerzlich zu empfinden, dass ein Stamm verloren ist. Die Zucht hat zu dem Austilgen eines Stammes geführt. Wenn die Sache in einer geistlichen Weise ausgeführt worden wäre, hätte sich ein göttlicher Weg gefunden, sie zu erledigen, ohne einen Stamm zu verlieren.

Vor kurzem sprach ich mit jemand über einen bestimmten Bruder, von dem man sich zurückgezogen hatte, und ich fragte, ob bei ihm eine Regung zur Wiederherstellung vorhanden wäre. Er sagte: Nein, und wir haben viele Übungen durchgemacht in Bezug darauf, ob, wenn wir ihn gnadenvoller behandelt hätten, er bewahrt worden wäre. Ich war froh, das zu hören, es war eine richtige Übung. Der Mann wurde zu Recht gerichtet, nachher führte aber der Herr die Seinigen durch diese Übung.

Das ist die Übung des letzten Kapitels; sie ließen es sich gereuen wegen ihres Bruders Benjamin. Sie änderten nicht ihr Urteil über das Böse, sondern sie fühlten, dass sie ihren Bruder verloren hatten. Wie durchforschend sind diese Übungen! Das Volk hatte geschworen, sie hatten einen Eid geschworen, und sie mussten zu ihrem Schwur stehen. Sie hatten geschworen, dass alle, die nicht hinaufzogen, getötet werden sollten. Sie töteten alle Männer von Jabes-Gilead. Das war recht, aber wenn sie geistlicher gewesen wären, hätten sie nicht zu schwören brauchen.

Sie hatten geschworen, dass sie ihre Töchter Benjamin nicht geben wollten. Es sah wie äußerste Treue aus, es brachte sie aber in Verlegenheit. Das letzte Kapitel sagt uns, was für eine Schwierigkeit es war, den sechshundert Männern von Benjamin Weiber zu verschaffen, damit der Stamm nicht ausgerottet werden möchte. Wie schrecklich wäre es gewesen, wenn ein Edelstein aus dem Brustschilde hätte entfernt werden müssen! Wer könnte sich die Verstümmelung des Brustschildes, die durch das Entreißen eines Steines entstanden wäre, vorstellen?! Als sie dahin kamen, die Dinge Gott gemäß zu sehen, konnten sie den Gedanken des Verlustes von Benjamin nicht ertragen.

Es sollte ein großer Kummer für uns sein, wenn wir gezwungen sind, uns von jemand zu trennen, den wir als einen wahren Heiligen gekannt haben. Wir mögen das tun müssen, es fragt sich aber, wie machen wir das? Die Belehrung dieses Kapitels bezieht sich nicht auf Gerechtigkeit. Was sie getan hatten, war vollkommen gerecht, ihr Tun hatte aber keinen göttlichen Wohlgeruch, und sie mussten dahin gebracht werden, zu fühlen. dass sie in ihrem Eifer und in ihrer Treue eine Katastrophe über Israel heraufbeschworen hatten, die hätte vermieden werden können, wenn ihre Haltung geistlicher gewesen wäre. Es war gerecht, dass Benjamin geschlagen werden sollte; in welcher Gesinnung hätte das aber getan werden sollen?

Die Schlusskapitel geben uns den allgemeinen moralischen Zustand Israels. Es ist gleichsam keine politische Geschichte des Volkes unter den Richtern, sondern es wird über diese Begebenheiten berichtet, um uns den tatsächlichen moralischen Zustand des Volkes zu zeigen, und wie weit sie von Gott entfernt waren, sogar beim Richten des Bösen, denn sie taten, was recht war in ihren Augen.

Das durchforscht uns alle sehr. Es wäre nicht in Gottes Wort niedergeschrieben, wenn wir es nicht nötig hätten.

Wenn wir dieses beherzigen würden, so würde es uns dafür zubereiten, mit Ruth weiter voranzugehen. Das Buch Ruth zeigt uns, was von Gott war. Im Buche der Richter hat Er uns gezeigt, welche Unzulänglichkeiten überall unter Seinem Volke herrschten, Er behält Sich aber dieses holdselige Buch der Ruth vor, und zwar als Anhang, um zu zeigen, was trotz alledem von Ihm war.