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MALEACHI 3.16

Zufalls Beitrag

Liebe Freunde, ich möchte einen Gedankengang zur gemeinsamen Bearbeitung stellen, der sich aus dem Gespräch mit einem Bruder ergeben hat. Das Thema war der Zusammenhang zwischen Buße und Glaube bei der Bekehrung.

1. Sowohl Buße als auch Glauben sind Imperative an den Ungläubigen. Beides ist zu betonen und heilsnotwendig.

2. Die allgemeine Gnadenzeit in de

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Richter

Richter Kapitel 10 - 13

Das Buch der Richter     mp3


(Charles Andrew Coates)

Kap. 10, 11 und 12

Die Geschichte Abimelechs zeigt die Gesinnung, die schon so viele Verwüstungen unter dem Volke Gottes angerichtet hat — Männer ohne Gotteserkenntnis suchten einen Platz und Ansehen. Das führte bloß zu Streit, Zank und Vernichtung — es ist eine Warnung für uns.

In Jephtha sehen wir einen Mann mit wahrem Glauben; er wird unter den Edlen in Hebräer 11 erwähnt, und die Kraft des Geistes war mit ihm; doch er war nicht das, was wir einen geistlichen Mann nennen können.

Augenscheinlich war damals der allgemeine Zustand in Israel viel schlimmer. „Und die Kinder Israel taten wiederum, was böse war in den Augen Jehovas, und sie dienten den Baalim und den Astaroth und den Göttern Syriens und den Göttern Zidons und den Göttern Moabs und den Göttern der Kinder Ammon und den Göttern der Philister; und sie verließen Jehova und dienten ihm nicht“ (Kap. 10, 6). Es scheint eine allgemeinere Abtrünnigkeit als vorher zu sein, so dass die Züchtigung Gottes strenger ausfiel. In Vers 8 heißt es, dass die Kinder Ammon die Kinder Israel „bedrückten und plagten“. Solche Ausdrücke werden vorher nicht gebraucht. Dann lesen wir in Vers 9: „Israel wurde sehr bedrängt“.

Am Ende von Vers 16 steht ein sehr ergreifendes Wort: „Seine Seele wurde ungeduldig über die Mühsal Israels.“ Die Seele Jehovas wurde ungeduldig über die Mühsal Seines Volkes. Das scheint den finsteren Zeitaltern der Christenheit zu entsprechen. In Kapitel 10 schien sehr wenig vom Lichte Gottes unter dem Volke Gottes geblieben zu sein, in Vers 10 war aber doch Buße vorhanden: „Da schrien die Kinder Israel zu Jehova und sprachen: Wir haben gegen dich gesündigt, und zwar, weil wir unseren Gott verlassen und den Baalim gedient haben.“ Das war ein Schreien zu Gott und ein Bekenntnis, doch Gott antwortet nicht durch Errettung. Er sprach: „Gehet hin und schreiet zu den Göttern, die ihr erwählt habt: sie mögen euch retten zur Zeit eurer Bedrängnis!“ Der Zustand war so ernst, dass Gott Sich gewissermaßen von Seinem Volke fernhalten musste. Das führte sie in eine tiefere Seelenübung, so dass wir in Vers 16 lesen: „Sie taten die fremden Götter aus ihrer Mitte hinweg und dienten Jehova.“ Es gab eine Rückkehr zu Jehova und ein Bekenntnis, und dann wurde ihnen Rettung durch Jephtha, doch sie scheint auf einem niedrigeren Boden zu sein als bei Gideon. Es gab keine Erscheinung Jehovas und keine göttliche Ernennung. Jephtha trat einfach wegen der Dringlichkeit des Falles hervor; er wurde nicht durch die direkte Berufung oder Ernennung Jehovas herbeigeführt, sondern das Volk wurde durch die Not dazu getrieben, ihn zu holen.

Es scheint, als ob Gott Sein Volk durch den Charakter des Erretters, den Er gebrauchte demütigen wollte; Er demütigte sie dadurch, dass sie dazu getrieben wurden, zu einem Manne Zuflucht zu nehmen, der als ein unehelicher Sohn gehasst und vertrieben worden war; er war ein Mann ohne jeglichen Stand. Schon am Erretter, den es Gott gefiel zu gebrauchen, war also etwas Demütigendes.

Jephtha stellt Männer dar, welche Gott zur Errettung Seines Volkes gebraucht hat, die aber keine geistlichen Männer waren, die Glauben hatten, das zu der Zeit Nötige zu tun, die die Kraft des Geistes empfingen, um es auszuführen, die jedoch nicht geistlich waren. Die Kraft des Geistes zu haben macht einen Menschen an sich nicht geistlich, denn er kann dann immer noch Dinge tun, die dem Sinne Gottes nicht entsprechen.

Bei Simson sehen wir einen anderen Charakter der Dinge; er war der letzte Richter, und er weist die den letzten Zeiten angemessenen Wesenszüge auf; ich glaube aber, dass Jephtha mehr der Reformationszeit entspricht, wo es Gott gefiel, Männern Glauben und Kraft zu verleihen, die nicht immer geistlich, wohl aber passende Gefäße waren, die Gott zur Errettung Seines Volkes gebrauchen konnte. Die Tatsache, dass sie nicht geistlich waren, prägte ihr ganzes Tun. Gott kann in Seiner Vorsehung zur Errettung Seines Volkes Männer gebrauchen und hervorbringen, die die Wesenszüge des geistlichen Lebens nicht besitzen.

Bei Jephtha wurde der Kampf auf der Wüstenseite des Jordan ausgetragen; das war das Gebiet, das der Feind den Gläubigen zu entreißen suchte. Es stellt die Art des Kampfes während der Reformationszeit dar, als der Feind darum bemüht war, die Seelen der Segnungen zu berauben, die zur Wüstenseite des Jordan gehörten. Kann der Mensch von der Welt abgesondert und durch den Glauben gerechtfertigt sein und den Geist haben, so dass die moralische Schönheit Christi an ihm ans Licht treten kann? Das war der Kampf zur Reformationszeit; der Feind versuchte, die Gläubigen alles dessen zu berauben, was ihnen zum Beispiel in den Aussprüchen Bileams geschenkt worden war.

Zur Reformationszeit waren die Menschen aber nicht durch geistliches Leben gekennzeichnet; es war Glauben und auch Kraft vorhanden, aber nicht immer geistliches Leben, deshalb hat das dem christlichen Bekenntnis bis zu diesem Tage Gepräge verliehen. Wenn wir nicht geistlich sind, obwohl wir Glauben und die Kraft des Geistes Gottes besitzen, werden wir allerlei Angriffen des Feindes ausgesetzt sein.

Der Ammoniter wollte sich des Gebietes bemächtigen das für Jehova gehalten werden sollte. Moab und Ammon waren das Ergebnis davon, dass das Volk Gottes durch Sehen und nicht durch Glauben geleitet worden war; sie waren die Kinder Lots. Lot gab eigentlich den Pfad des Glaubens auf. Damit war er immer noch ein Gläubigerer, war ein gerechter Mann, doch er gab den Pfad des Glaubens auf.

Wenn irgendein Grundsatz, der nicht von Gott ist, zugelassen wird, so hinterlässt das sein Gepräge. Sogar wenn es sich um einen großen und geehrten Diener handelt — wenn bei ihm etwas, was nicht geistlich ist, zu finden ist, so hinterlässt es sein Gepräge der ganzen Frucht der Arbeit dieses Dieners. Jephtha kannte Jehova; er sprach alle seine Worte vor Jehova, und es wird uns gesagt, dass der Geist Jehovas über ihn kam. Er begnügte sich aber nicht damit; es wäre gut gewesen, wenn er sich damit begnügt hätte, er legte aber ein ungeistliches Gelübde ab. Das Gelübde verdarb dann Jephthas Sieg.

Jephthas Gelübde war kein wahres Gelübde, es war ein Abkommen. Es besteht ein großer Unterschied zwischen einem Gelübde und einem Abkommen. Hannas Gelübde war geistlich. Sie sagte: „Jehova der Heerscharen! wenn du das Elend deiner Magd ansehen und meiner gedenken und deine Magd nicht vergessen wirst und wirst deiner Magd männlichen Samen geben, so will ich ihn Jehova geben alle Tage seines Lebens; und kein Schermesser soll auf sein Haupt kommen“ (1. Sam. 1,11). Sie begehrte etwas für Jehova. Jephthas Gelübde war aber ein Abkommen, und es war unnötig, denn wenn der Geist Jehovas auf ihm war, so brauchte er nichts mehr; er brauchte kein Gelübde.

Ein geistliches Gelübde muss einsichtig sein. Jephthas Gelübde war nicht einsichtig, weil er nicht wusste, was er tat, als er dies Gelübde gab, und darin war nichts für Gott. Es war die Erhitzung und der Eifer einer ungeistlichen Natur, und es brachte nichts als Kummer und Leid hervor. Er sagte gewissermaßen: Wenn Du mir den Sieg schenkst, werde ich etwas tun.

Das 5. Buch Mose redet von der Auswahl der Gelübde; es setzt voraus, dass das Volk Gottes so von dem gegen Gottes und von der Liebe Gottes erfüllt ist, dass sie Ihm etwas darbringen wollen. Der wahre Gedanke eines Gelübdes ist, dass wir so reich geworden sind, dass wir Gott etwas Besonderes darbringen möchten. Darum spricht der Herr Selbst prophetisch von Seinen Gelübden: „Auf mir, o Gott, sind deine Gelübde“ (Ps. 56, 12). Seine Gelübde waren einsichtig; Er kannte alles, was sie einschlossen. Jephtha wusste nicht, was dieses Gelübde in sich schloss, deshalb war es kein geistliches Gelübde. Der Herr wusste, dass Seine Gelübde das Darbringen Seiner Selbst als Brandopfer einschlössen, und er schreckte niemals davor zurück, noch bereute Er es; Er führte die Sache völlig aus. Er brachte Sein Gelübde, als Er sprach: „Siehe, ich komme, um deinen Willen zu tun“ (Hebr. 10, 9). Er gab sich dem Willen Gottes hin, und das bedeutete das Darbringen Seiner Selbst, und nicht eines anderen, als Brandopfer.

Wir haben das Gelübde Pauli zu Korinth: „...nachdem er zu Kenchreä das Haupt geschoren hatte“ (Apg. 18, 18). Er beendete sein Gelübde gerade, als er Korinth verließ. Das zeigt, dass es dargebracht und ausgeführt worden war, während er zu Korinth weilte. Ich glaube, als Paulus in diese götzendienerische, zügellose und stolze Stadt kam, die erfüllt war vom Ruhm der Vernunft, dass er empfand, dass er an diesem Orte in einer besonderen Weise für Gott sein sollte, und er tat ein Gelübde. Er trat allen Zuständen dieser Stadt durch besondere Hingabe an Gott und Christum entgegen.

Die ganze Belehrung betreffs der Gelübde haben wir im Alten Testament. Im Neuen Testament haben wir dem Buchstaben nach keine Gelübde, wir haben aber ihre Gesinnung und ihren Grundsatz. Der Grundsatz eines Gelübdes ist, dass man sich auf irgendeine besondere Weise dem Herrn hingibt. Das Gelübde Jephthas ist aber eine Warnung, es war ein Gelübde eines ungeistlichen Namens; er ahnte nicht, was es ihn kosten würde, und es war ein kummervoller Mann mit zerrissenen Kleidern, der sich dessen bewusst wurde, was sein Gelübde bedeutete.

Das Ernste in der Schrift ist, dass Gott von den Menschen ihre Gelübde zu verlangen scheint. Es heißt „Besser, dass du nicht gelobst, als dass du gelobst und nicht bezahlst“ (Pred. 5, 5). Deshalb heißt es: „Sei nicht vorschnell mit deinem Munde, und dein Herz eile nicht, ein Wort vor Gott hervorzubringen“ (Pred. 5, 2).

Wenn etwas ausgesprochen wird, das einem Gelübde ähnlich ist, dann scheint Gott es auch von Seinem Volke zu verlangen. Jephtha fand vor seinem Gelübde kein Entrinnen.

In der Geschichte Jephthas sehen wir vieles, was eine Warnung sein sollte. Die letzte Begebenheit in seiner Geschichte wird in Kapitel 12 geschildert, wo die Männer von Ephraim kommen und sich darüber beschweren, dass sie nicht hinzugezogen worden waren. Diese Männer von Ephraim scheinen leicht beleidigte Brüder zu sein; sie sind immer bereit, sich zu beschweren, wenn sie nicht hinzugezogen werden. Gideon verstand es, sie zu beschwichtigen, denn er errang den Sieg über sie nach der Richtlinie des Geistes Christi. Jephtha tötete aber zweiundvierzigtausend Mann von ihnen.

Es war nicht geistlich, dass Israel mit Israel kämpfte, es war das erste Mal in der Schrift, dass etwas Derartiges sich ereignete. Es ist nicht geistlich, wenn die Brüder miteinander kämpfen und einander töten. Es mangelte Jephtha an der beschwichtigenden Gesinnung, die wir bei Gideon sehen, der auf ihre Eifersucht und ihre Beschwerden antwortete: Ich habe nichts getan; ihr aber habt große Dinge vollbracht. Er beschwichtigte sie und errang den Sieg. Ephraim beschuldigte Jephtha zu Unrecht, wie es auch unrecht war, ihm zu drohen, sein Haus zu verbrennen: Jephtha war aber dabei ebenso im Unrecht, dass er sie bekriegte; es war ein schrecklicher Anblick.

Diese Begebenheiten heben den Unterschied zwischen dem hervor, was man die äußere Seite des Geistes nennen kann, und der inneren Seite des Geistes. Jephtha stellt einen Menschen dar, der in der Kraft der äußeren Seite des Geistes war, die innere Seite des Geistes war ihm aber nicht zugute gekommen. Der Geist Gottes kann über einen jeden Menschen kommen; Er kam über Bileam und Saul.

Das Merkmal von wirklich geistlichen Personen ist aber, dass sie nicht nur den Geist über sich als Kraft haben, sondern sie haben auch den Geist Christi in sich, der ihnen innerlich eine neue Empfindsamkeit und neue Gefühle verleiht. Daran mangelte es Jephtha. In Lukas 24 redet der Herr davon, dass die Jünger „angetan werden mit Kraft aus der Höhe“ (V. 49). Das war äußerlich. In Apostelgeschichte 2 heißt es: „Es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen.“ Das war äußerlich. Der Geist kam über sie, um ihnen Kraft zu verleihen. In Johannes 20 heißt es aber anders: „... hauchte er in sie und spricht zu ihnen: Empfanget den Heiligen Geist.“ Nun konnten sie geistlich sein.

Ein Mann, dem der Geist eingehaucht ist, kann niemals die Gläubigen töten. Die Propheten bildeten einen entschiedenen Gegensatz zu Männern wie Bileam und Saul — auf beiden ruhte die Kraft des Geistes Gottes, von den Propheten wird aber gesagt, dass der Geist Christi in ihnen war. Sie waren sehr geistliche Männer und waren durch sehr starke Liebe zu dem Volk Gottes und durch die Bereitwilligkeit, für die Heiligen zu leiden, gekennzeichnet. Sie waren durch leidende Liebe gekennzeichnet. Das war innerlich. Dieser Geist wird niemals vorschnelle Gelübde tun, und er wird niemals die Brüder töten.

Jephtha war ein echter Mann. Es war bei ihm eine wahre Erkenntnis Jehovas vorhanden, jedoch brachten seine Taten fortwährenden Kummer für Israel hervor. Die Jungfrauen bewahrten die Erinnerung daran auf immerdar. Dann hinterließen die zweiundvierzigtausend Männer Ephraims, die er getötet hatte, eine fortdauernde Lücke in Israel. Israel musste für alle Zeiten leiden, weil dieser Mann nicht geistlich gewesen war — er war ein Mann des Glaubens und der Kraft, doch er war nicht geistlich. Das ist eine ernste Warnung.

Kap. 13

Es ist ein Trost, im Buche der Richter ein Kapitel zu lesen, worin alles Tun von Gott war. In diesem Kapitel haben wir die großen Grundsätze, nach denen in den letzten Tagen die Kraft zur Errettung des Volkes Gottes kommen sollte, das heißt, in diesem Kapitel wird alles von der göttlichen Seite aus betrachtet. Wenn wir die Lebensgeschichte Simsons verfolgen, können wir einen gemischten Zustand sehen; in diesem Kapitel ist aber nichts Gemischtes — alle Dinge sind von Gott. Es wird auf die Bedingungen hingewiesen, unter denen am Ende die göttliche Kraft zur Errettung des Volkes Gottes kommen wird. Simson war der letzte Richter; er stellt die letzte Dazwischenkunft Gottes zur Errettung Seines Volkes dar, ehe das Reich öffentlich aufgerichtet wird.

Dabei kommt der Grundsatz des unumschränkten Waltens Gottes ans Licht, denn Simson wurde aus dem Stamme Dan genommen. Der Stamm Dan erscheint in der Schrift in keinem ruhmreichen Licht, aber nach dem unumschränkten Willen Gottes begann jetzt die Bewegung dort. Es ist auch interessant, dass die feindliche Macht die Philister sind; sie wurden schon früher in diesem Buche erwähnt, wurden aber nicht besonders hervorgehoben. Es heißt in Kapitel 15: „Er (Simson) richtete Israel in den Tagen der Philister zwanzig Jahre.“

Die Philister gehörten nicht zu den sieben bösen Nationen Kanaans, die Gott zu vertreiben gelobt hatte, deshalb stellen sie etwas anderes dar. Sie scheinen Leute darzustellen, die äußerlich der Stellung, die Gott Seinem Volke verliehen hat, entsprechen. Sie waren aus Ägypten in das Land gezogen; äußerlich glich ihre Geschichte der Geschichte Israels, sie waren aber bloß auf eine natürliche Weise hingezogen. Sie hatten niemals unter dem Schutz des Blutes des Passahlammes gestanden; sie waren nicht erlöst worden; sie waren weder durch das Rote Meer noch durch den Jordan gegangen; sie hatten keine Erfahrung in den Wegen Gottes und in Seiner Zucht in der Wüste gemacht. Ist das nicht größtenteils der Charakter der Dinge heutzutage im christlichen Bekenntnis?

Im 2. Timotheusbriefe redet Gott von solchen, die eine Form der Gottseligkeit haben, ihre Kraft aber verleugnen — sie täuschen uns durch Nachahmung. Es scheint auf Grundsätze des Philistertums hinzudeuten, die aus der Welt in den christlichen Kreis eingedrungen sind. Es sind Menschen ohne Bekehrung, ohne ein Werk Gottes; bei ihnen ist keine wahre Erkenntnis Gottes. In diesen Umständen befindet sich heute das Zeugnis Gottes — es läuft Gefahr, durch das Philistertum beeinflusst zu werden.

In Anbetracht solcher Zustände ist Kraft sehr notwendig. Wie können wir solchen entgegentreten, die die Kraft verleugnen? Nur dadurch, dass wir die Kraft haben. Der Schwerpunkt in diesem Kapitel ist: „Er wird anfangen Israel aus der Hand der Philister zu retten“ (V. 5). Wenn wir auch anerkennen, dass bestimmte Führer zu einem hervorragenden Werk erweckt werden, so sollten wir aber alle durch den Wunsch, Israel zu erretten, beseelt sein.

Ein Kennzeichen in Verbindung mit Simson war, dass er seine Bemühungen allein ausführte; niemals sehen wir ihn Heerscharen zum tatsächlichen Kampf führen, sondern was er tat, tat er immer allein. Dieser Charakter der Dinge wird hauptsächlich im 2. Timotheusbrief betrachtet; es ist ein Pfad der Treue des Einzelnen.

Je mehr das christliche Bekenntnis von den Grundsätzen des Philistertums durchsäuert ist, desto nötiger ist es, dass wir wissen sollten, was es bedeutet, in der Kraft Gottes zu handeln. Timotheus sollte an den Trübsalen des Evangeliums teilnehmen, und zwar nach der Kraft Gottes. Obwohl er ein schwacher und schüchterner Mann war, sollte er in Bezug auf das Zeugnis ein Simson sein.

Der wichtige Grundsatz, auf dem die Kraft hereinströmt, ist der Grundsatz der Absonderung nach Gott hin. Das große Merkmal des 2. Timotheusbriefes ist das Bestehen auf dem Grundsatz der Absonderung nach Gott hin — man soll ein Nasir für Gott sein.

In diesem Kapitel finden wir das unumschränkte Wirken Gottes; wir haben noch nicht die Seelenübungen und das Fehlen Simsons. Gott hat nach Seinem unumschränkten Willen gewirkt: Simson wurde nicht freiwillig zum Nasir, es war nicht das gewöhnliche Gelübde des Nasirs, sondern es war eine bestimmte Berufung Gottes dazu. Wir lesen in Vers 5: „Ein Nasir Gottes soll der Knabe sein von Mutterleibe an“, und wiederum in Vers 7: „Ein Nasir Gottes soll der Knabe sein von Mutterleibe an bis zum Tage seines Todes.“ Damals kam die Rettung für Israel nach dieser Richtschnur; es ist die Seite Gottes, doch wir müssen ihr nachkommen. Wenn ich den unumschränkten Willen Gottes in Bezug auf mich wahrnehme, geht meine Seelenübung dahin, der Berufung Gottes auch nachzukommen. Es ist eine Seelenübung für einen jeden von uns, ob wir dem auch entsprechen, wofür Gott uns bestimmt und wozu Er uns berufen hat.

Paulus sagt: „Gott, der mich von meiner Mutter Leibe an abgesondert und durch seine Gnade berufen hat“ (Gal. 1, 15). Es war nur infolge des unumschränkten Willens Gottes, dass Gott ihn abgesondert hatte. Er sagt in Römer 1: „Abgesondert zum Evangelium Gottes“, das heißt abgesondert von allen menschlichen Gedanken, abgesondert zum Evangelium war er — ein evangelistischer Nasir. Dann waren bei Timotheus einige prophetische Aussprüche über das getan worden, was er als Diener Gottes sein sollte, und er sollte diese Übung aufnehmen. Alles sollte den vorhergegangenen Prophezeiungen entsprechen. Was Gott in Bezug auf ihn vor Sich hatte, war offenbar.

Du sagst: Das war nur bei Timotheus der Fall; doch Gott hat etwas Bestimmtes vor Sich in Bezug auf einen jeden von uns. Wir sind alle zur Absonderung nach Gott hin berufen. Simsons Eltern wurde keine Wahl überlassen, noch blieb Simson eine Wahl übrig; vom Mutterleibe an bis zu seinem Todestage musste er eine bestimmte Richtlinie verfolgen, und wenn er diese Richtlinie verließ, brach er zusammen.

Ich glaube, das bewahrheitet sich ebenso in Bezug auf dich und mich wie auf Simson; wenn wir der Berufung Gottes nicht entsprechen, erleiden wir einen geistlichen Schiffbruch. Es ist der unumschränkte Wille Gottes, dass wir von allen menschlichen Gedanken, von allem, was seine Quelle in Ägypten hat, abgesondert sein sollten; wir sollten von natürlichen und unreinen Einflüssen unberührt bleiben. Wir sollten für Gott abgesondert und bereit sein, uns auf einem Platz der äußeren Schmach zu bewegen.

Kein Schermesser sollte auf sein Haupt kommen — das war das Geheimnis der Kraft. Wenn ich mir klar darüber bin, dass ich die Richtlinie des unumschränkten Willens Gottes befolge, wird dies mir eine große Kraft verleihen. Ich unternehme dann nichts von mir aus in der Hoffnung, dass Gott mich dabei unterstützen wird — viele Menschen tun das. Wenn Gott uns zu einem Pfade der vollständigen Absonderung berufen hat, so wird Er uns auf dem Pfade, auf den Er uns berufen hat, auch aufrechterhalten.

Der Herr kam in diese Welt mit den Gelübden Gottes auf Sich und Er war der wahre Nasir, denn Er war völlig abgesondert von jeder natürlichen Erregung, und von allem, was den natürlichen Menschen erfreut. Er war von allem Unreinen völlig abgesondert und unberührt, und die Schmähungen Gottes ertrug Er immer mit völliger Anteilnahme in Seinem Geiste. „Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen“ (Rom. 15, 3). Er war für Gott so völlig abgesondert, dass alles, was der Mensch gegen Gott sagen konnte, auf Ihn fiel. Das war Derjenige, der Israel erretten konnte; Gott kann Israel durch diese Gesinnung erretten.

Die göttliche Kraft erweist sich in der Fähigkeit, der Stellung, worin wir nach dem unumschränkten Willen Gottes hineingestellt worden sind, zu entsprechen. Wenn wir bereit sind, Seinen ganzen unumschränkten Willen anzuerkennen, so werden wir auch unseren durch diesen unumschränkten Willen zugewiesenen Platz anerkennen.

Jeder Bruder hat einen angewiesenen Platz; er sollte aber auch bereit sein, überall zu beten — daheim, wie auch in der Versammlung, denn das ist der unumschränkte Wille Gottes. Jeder Bruder und jede Schwester ist in die Versammlung Gottes gesetzt worden, und zwar damit jeder dort nach dem unumschränkten Willen Gottes sich in einer bestimmten Weise betätigen sollte. Wenn wir es nicht tun, sind wir erfolglos. Wenn göttliche Kraft hereinkommt, hilft sie uns, dem unumschränkten Willen Gottes gemäß zu wirken. „Gott hat etliche in der Versammlung gesetzt“ — dort geht es um Gaben. Es gibt gewisse Gaben, sie gehören verschiedenen Stufen an, sie sind nicht alle auf einem Boden. Wir müssen unsere Stufe in der Versammlung kennenlernen: Es hat keinen Zweck, sich vorzumachen, man sei ein Apostel, wenn man nur eine Hilfe ist. Wenn ich mich damit begnüge, eine Hilfe zu sein, wird Kraft hereinkommen, weil ich den unumschränkten Willen Gottes annehme. Wenn wir die Stellung verlassen, worin der unumschränkte Wille Gottes uns hineingestellt hat, können wir keine Kraft erwarten. Wir müssen nicht denken, dass das Gelübde des Nasirs nur gewissen Brüdern und Schwestern vorbehalten ist; wir alle sind verpflichtet, die Stellung des Nasirs einzunehmen, und es liegt Kraft darin, diese Verpflichtung aufrichtig anzunehmen und ihr zu entsprechen.

Wir dürfen nicht anstelle des Herrn Menschen vor uns haben. In diesem Kapitel scheint Jehova zu sagen: Ihr müsst Mich vor euch halten und nicht zuviel an Simson denken. Derjenige wirkt, dessen Name „Wunderbar“ ist; damals erweckte Er eine geistliche Führung. Wenn ich einen geistlichen Führer kritisch betrachte, kann ich an ihm Fehler entdecken; wenn ich aber den unumschränkten Willen Gottes anerkenne, der ihn auf diesen Platz gestellt hat, werde ich nicht nach Fehlern suchen, sondern nach Erweisungen der Kraft Gottes. Unsere. Freude an unserem gemeinsamen Wandel hängt viel davon ab, dass jeder von uns seinen Platz erkennt und ausfüllt und auch den von Gott jedem anderen Bruder oder jeder anderen Schwester zugewiesenen Platz anerkennt. Die geistliche Kraft wird dem Maße unserer Absonderung entsprechen.

Der Name des Engels ist „Wunderbar“. Es ist etwas Großes, Denjenigen vor uns zu haben, der „Wunderbar“ ist und Seinem wunderbaren Namen gemäß handelt. Als Er mich in Seiner Gnade berief und mir eine gewisse Stellung in der Versammlung zuwies, handelte Er Seinem wunderbaren Namen gemäß. Durch die Versammlung wird die gar mannigfaltige Weisheit Gottes kundgemacht — es ist die Offenbarung des Wunders des Namens Gottes. Wie traurig, die Philister eindringen zu lassen, die uns dieser köstlichen Gedanken berauben! Wir benötigen Kraft, um den Grundsätzen der Philister entgegenzuwirken, und diese Kraft entspricht dem Herniederkommen und Auffahren Christi Selbst. In diesem
Kapitel kam Er hernieder, und Er fuhr in der Kraft des Brandopfers wieder hinauf.

Der Engel wollte die Gedanken und das Herz Manoahs auf Jehova lenken. Er sagte: Ich werde nichts von dem essen, was du gemacht hast. Es ist interessant, dass es ein Ziegenböcklein und nicht ein Farren war. Es war eine Zeit, wo die Erkenntnis nicht größer als ein Ziegenböcklein war; jedoch war es Christus — es war das Brandopfer und das Speisopfer. Es sprach von dem Erfüllen des unumschränkten Willens Gottes, dass Christus für Sein Volk in den Tod gehen sollte.

Gott gibt Kraft der Kostbarkeit Christi gemäß. Dies ist eine wunderbare Belehrung über den Charakter der göttlichen Kraft. Die göttliche Kraft sollte den Nasir an den wahren Platz des Brandopfers bringen. Simsons Schwachheit rührte von seiner Selbstgenügsamkeit her, während die geistliche Belehrung von Kapitel 13 zeigt, dass die Kraft durch Selbstaufopferung kommt. Der Engel fuhr auf; die göttliche Kraft ist mit einem aufgefahrenen Christus verbunden.

Die Menschen sagen, es gibt keine Kraft. Befindet Sich nicht Christus zur Rechten Gottes? Ist Er nicht aufgefahren? Die ganze Kraft ist jedem einzelnen Manne, Weibe und Kinde in dieser Welt zugänglich. Wenn ein Gefäß zur Ehre vorhanden ist, das durch Nasiräertum gekennzeichnet ist, ist die ganze Kraft des aufgefahrenen Christus da, um zu helfen und zu unterstützen. „Sei stark in der Gnade, die in Christo Jesu ist“ — das ist der auferstandene und aufgefahrene Mensch, und die Kraft, die hienieden im Geiste liegt, ist dem herrlichen Platz des aufgefahrenen Christus angemessen. Wir sollten hienieden eine solche Atmosphäre verbreiten. Das ist die Atmosphäre, in die Simson hineingeboren wurde; er wurde auf den Grundsätzen dieses Kapitels hervorgebracht, und das ist das Geheimnis der Kraft in den letzten Tagen. Hätte Simson bloß dieses Geheimnis bei sich getragen! Sein Merkmal war aber, dass er Geheimnisse verriet. Wie schrecklich, dass ein Mann, der dazu berufen war, ein Nasir — weißer als Schnee — zu sein, sein Geheimnis einem unglückseligen Philisterweibe verraten hat! Was könnte demütigender sein! Was könnte erniedrigender sein!

Es ist aber nur ein Bild von dem, was jedem Christen widerfahren kann. Wenn wir göttliche Geheimnisse verraten, werden wir unsere Kraft verlieren.