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MALEACHI 3.16

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Seit Still

 

„Mose aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht! Steht fest und seht die Rettung des HERRN, die er euch heute bereiten wird; denn diese Ägypter, die ihr heute seht, die werdet ihr nicht wiedersehen in Ewigkeit!  Der HERR wird für euch kämpfen, und ihr sollt still sein!“ 2 Mo 14, 13-14

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Ruth

Ruth ganze Buch

Das Buch Ruth

Inhalt

Kapitel 1. 1

Kapitel 2. 6

Kapitel 3. 10

Kapitel 4. 11

Wir werden wohl alle den auffallenden Gegensatz zwischen dem Buche der Richter und dem Buche Ruth bemerkt haben. In ersterem sehen wir das wiederholte Abweichen des Volkes Gottes und Jehovas gnädiges Eingreifen in der Erweckung eines Befreiers von dessen Bedrückung, nirgends jedoch eine Wiederherstellung zum ordnungsgemäßen Genusse des Erbes.

Die Richter waren keine völligen Bilder von Christo, sogar Gideons Tun ward dem Volk zum Fallstrick. Im Laufe der damaligen Geschichte haben wir Ereignisse, die wir in gewissem Sinne als Bilder in Verbindung mit Christo auffassen können, doch die Richter kennzeichneten Mängel, obwohl Gott sie in ihren Tagen dazu benutzte, Sein Volk zu erretten. Keiner von ihnen war groß genug, das Volk wieder in den gottgemäßen Genuss des Erbes zu versetzen.

Im Buche Ruth jedoch wird das Erbe wiedererlangt, da haben wir einen, der groß genug ist, das Lösungsrecht auszuüben, das Erbe zu erlösen und einen Samen zu sichern, es zu genießen. Im Buche der Richter gab es keinen Erlöser, der groß genug war, gottgemäß völlig das wiederherzustellen, wovon man abgewichen war, und das Volk entsprach sittlich auch dem hierzu Erforderlichen. Das Buch der Richter kennzeichnet die Feststellung: „Ein jeder tat, was recht war in seinen Augen“ (Kap. 17, 6; 21, 25; 14, 3;5. Mose 12, 8).

Unter solchen Umständen konnte es keine wahre Wiederherstellung und Wiedereinsetzung in das Erbe geben, und das eben verhindert heutzutage leider im Allgemeinen dessen Wiedererlangung unter dem Volke Gottes. Eine Bewegung im Sinne der Wiederherstellung kommt durch solche Wege Gottes zustande, wie unser Kapitel sie darstellt. Gebrochenheit des Geistes - ein unter Gottes Wegen gebrochenes und zerschlagenes Herz (Ps. 51, 17) — ist eine unbedingte Notwendigkeit, ist die Zubereitung für jede Wiederherstellung.

Wenn wir zu einem Glaubensbekenntnis gehörten, das nicht gefehlt hätte, und auch wir selbst hätten nicht gefehlt, so könnten keine solchen Begebenheiten eintreten wie in Ruth. Wenn es jedoch wahr ist, dass wir einem solchen Bekenntnis angehören, das schwer gefehlt und, von Gott abgewichen, den Genuss des Erbes verloren hat, und wenn wir selbst derart gefehlt haben, dass wir persönlich zu dem allgemeinen Zustand des Abweichens beigetragen haben, so ist das sicherlich eine deutliche Aufforderung, uns im Selbstgericht vor Gott zu demütigen.

Heutzutage behaupten die Leute allenthalben, dass es in den Kirchen vorwärtsgeht und dass sich tatsächlich alles in einem günstigen Sinne entwickelt hat. Die falsche Kirche sagt: „Ich sitze als Königin, und Witwe bin ich nicht“ (Offb. 18, 7). Wir sind von dem Rühmen Laodizäas umgeben: „Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts“, doch der Herr sagt: Du bist „der Elende und der Jämmerliche und arm und blind und bloß“ (Offb. 3, 17). Wenn kein Bewusstsein des Abweichens vorhanden ist, so besteht auch kein Verlangen nach Wiederherstellung. Wenn uns jedoch unter den Regierungswegen Gottes unser wahrer Zustand nahegebracht worden ist und wir zerbrochenen und zerschlagenen Herzens sind, so ist etwas vorhanden, was Gott anerkennen kann und Ihm zu unserer Wiederherstellung dient, und das sehen wir in Noomi.

Elimelech bedeutet: „Dessen Gott König ist“, und Noomi: „Mein Wohlgefallen“. Diese Namen weisen auf die Israel von Gott zu Seinem Wohlgefallen ersehene Stellung hin. Gott handelte in königlicher Macht, um Seinen Gedanken der Segnung herbeizuführen. Bileam sagte von Israel in seinem Gleichnis: „Jehova, sein Gott, ist mit ihm, und Jubelgeschrei wie um einen König ist in seiner Mitte“ (4. Mose 23, 21). Ihre ganze Geschichte hindurch sehen wir, dass ihr Gott König ist; sei es in Seinem Eingreifen für sie in Ägypten oder in der Wüste, oder darin, dass Er sie in das Land brachte — alles ist die Ausübung Seiner königlichen Macht. Noomi (Mein Wohlgefallen) sodann redet von der Freude Gottes an Seinem Volke. Gott handelte in königlicher Macht und tat alles für sie, sie ihrerseits dagegen waren dem „Band des Bundes“ (Hes. 20, 37) gemäß verantwortlich und darin in Seinen Augen wohlgefällig. Das war ihre ursprüngliche Stellung.

Doch welch einen Wandel haben wir im vorliegenden Kapitel! Hier sehen wir Gott, den König, dem traurigen Zustande Seines Volkes entsprechend regierungsgemäß handeln. In der Wahrheit des Königtums kommen zwei Seiten vor uns. Als König der Zeitalter, als der unverwesliche, alleinige Gott (1. Tim. 1, 17) wirkt Er, die Segnung Seines Volkes zustande zu bringen. Andererseits aber schließt Seine Königsherrschaft Seine Regierung ein, und wenn Zustände vorhanden sind, die Ihm nicht wohlgefallen, so ist es unvermeidlich, dass Seine Regierungshandlungen dem entgegenwirken. So war es in Israel, und so ist es in der Versammlung. Unter Gottes Regierung war sogar in Bethlehem (Brothaus) Hungersnot, und Elimelech verließ sein Erbteil und begab sich nach den Gefilden Moabs. Es ist traurig, wenn wir da, wo wir am meisten Nahrung erwarten sollten, Hungersnot finden. Doch die Regierung Gottes handelt unabwendbar über die ganze Welt dem Zustande Seines Volkes gemäß. Wie gut ist, es zu sehen, und dies auch in der Geschichte vor uns, dass sogar die Regierung Gottes den Vorsätzen Seiner Gnade dienen muss!

Noomi ward ihres Mannes beraubt und später auch ihrer beiden Söhne. Von Hungersnot betroffen, von ihrem Erbe verbannt, verwitwet, all des Ihrigen verlustig, hatte sie nur noch die Erinnerung an dahingeschwundene bessere Tage. Welch ein ergreifendes Bild! Sie sprach zu ihren Schwiegertöchtern: „Mir ergeht es bitterer als euch; denn die Hand Jehovas ist wider mich ausgegangen“ (V. 13), und in Bethlehem angelangt, sprach sie: „Nennet mich nicht Noomi, nennet mich Mara (d. h. Bitterkeit); denn der Allmächtige hat es mir bitter gemacht. Voll bin ich gegangen, und leer hat mich Jehova zurückkehren lassen. Warum nennet ihr mich Noomi, da Jehova gegen mich gezeugt und der Allmächtige mir Übles getan hat?“ (V. 20 u. 21). Gottes Vorgehen brachte in der Seele Noomis tiefe Übungen hervor, sie bekam ein tiefes Bewusstsein von dem, was sie verloren hatte und von der auf ihr ruhenden Hand Gottes; solche Übungen aber sind notwendig, ehe eine Wiederherstellung zustande kommen kann.

Zweifellos deutet dieses Buch auf die Wege Gottes mit Israel hin. Israel ist gegenwärtig verarmt, weit und breit von seinem Erbe hinweg umhergestreut, aller göttlichen Unterstützung und Tröstung beraubt, und am Tage der Zukunft wird es durch noch schwerere Trübsal und Leiden gehen; Gott aber wird es dadurch schließlich zu einer wahren Buße führen, so dass Er frei ist, es, durch Christum völlig gesegnet, wieder in sein Land einzusetzen. Wenn nun dieses Buch im Bilde auf Israels Abweichen und Wiederherstellung durch Christum hinweist, so hat Gottes Wirken in Gnade, das darin in so lieblicher und ergreifender Weise zum Ausdruck kommt, auch Anwendung auf die Heiligen der Versammlung. Der Weg zur Wiederherstellung ist für uns grundsätzlich derselbe wie für Israel. Wir können die Briefe des Neuen Testaments nicht lesen, ohne zu sehen, wie sehr das Volk Gottes in unseren Tagen von der Wahrheit abgewichen ist und den Genuss des Erbes verloren hat, das ihm von Gott bereitwillig gegeben ward. Die Worte des Herrn an die sieben Versammlungen in Offenbarung 2 und 3 sind ein ernster Hinweis darauf. In fünf von ihnen werden sie dringend aufgefordert, Buße zu tun (Kap. 2, 5.16. 22; 3, 3. 19).

Wenn wir kein Bewusstsein des Abweichens gehabt haben, werden wir auch die Gnade der Wiederherstellung nicht völlig schätzen, die im Buche Ruth in so klarem Lichte erstrahlt. Ach, wie oft suchen wir das Unsere, uns und unsere Angst derart zum Mittelpunkt machend, dass wir kaum ein Bewusstsein davon haben, wie es dahin kam, dass das Volk Gottes den Genuss des ihm von Gott zugeteilten Erbes verlor.

Noomi stellt die tiefen Übungen derer dar, die auf des Herrn Worte an die sieben Versammlungen hören, und die fühlen, dass sie zu einem Bekenntnis gehören, das schwer gefehlt hat und somit dessen beraubt sind, was der Genuss des Erbteils der Heiligen am Anfang war. Die traurige Wahrheit ihrer Lage ward der Seele der Noomi nahegebracht, so dass sie sie tief fühlte. Anstatt dass das Erbe in allem Guten fruchtbar war, hatte es aufgehört, seinen Ertrag zu bringen, es war „eine Hungersnot im Lande entstanden (V. 1). Welch ein befremdlicher Gegensatz zu der Fruchtbarkeit, die denen verheißen war, die Jehova gehorsam und treu liebten!

Dass ein Bethlehemiter sich in die Gefilde Moabs begeben sollte, lag den Gedanken Gottes über Sein Volk fern, es war an sich ein Beweis, dass Sein Volk von Ihm abgewichen war, so dass ihm Seine Segnung entzogen ward. Das Erbe versagte nicht nur den Segen Gottes, sondern die Seinen verließen es, um in ein Land zu gehen, dessen Einwohner in Gottes Augen derart waren, dass es ihnen verboten war, in Seine Versammlung zu kommen; in 5. Mose 23, 3 heißt es: „Auch das zehnte Geschlecht von ihnen soll nicht in die Versammlung Jehovas kommen ewiglich.“ Doch Gottes regierungsgemäßes Eingreifen dauerte im Lande Moab an. Elimelech starb und auch seine zwei Söhne; es blieb kein Same übrig, der imstande gewesen

wäre, das Erbe anzutreten.

Der Regierung Gottes nach war alles verloren, es gab keine Spur von Hoffnung außer der, dass Gott in unumschränkter Güte gegen Sein Volk handelte, und dies nicht, weil sie das verdienten oder aufgrund einer Fähigkeit in ihnen, das, wovon sie abgewichen waren, wiederzuerlangen, sondern lediglich aufgrund dessen, was Er in Sich Selbst war. Nur aus diesem Grunde suchte Jehova Sein Volk heim, „um ihnen Brot zu geben“ (V. 6). Und wer konnte diese Botschaft mehr schätzen als solche, die die Bitterkeit dessen erfahren hatten, was es heißt, „dem Lande entfremdet, beraubt und leer zu sein“(V. 20 u. 21).

Obwohl Noomi ihrem Lande fern und aller Hoffnung auf natürlichem Wege beraubt war, liebte sie Jehova und das Erbe Israels von Herzen, so dass sie sich, sowie sie von der gnädigen Heimsuchung Seines Volkes hörte, alsbald aufmachte. Sie verlangte nach dem Guten, das sie ehedem kannte; Jehova und Sein Land war ihrem Herzen noch kostbar und anziehend, und Er ehrte sie und machte sie und ihre Hoffnungen der Ruth anziehend.

Was in Ruth zum Vorschein kam, war die kostbare Frucht dessen, was sie durch Gottes Wirksamkeit durch solche von Jehova kennengelernt hatte, die Seinen Namen sogar unter traurigen Umständen ehrten.

Ruth kam ohne jeden Anspruch in das Land, denn sie war eine Moabitin, doch als eine, die gelernt hatte, wie gesegnet es war, sich unter die Flügel des Gottes Israels zu begeben (Kap. 2, 12). Wenn Gottes eigenes Volk aus Mangel an Liebe zu Ihm das Erbe verwirkt hatte, so lag darin eine Ermutigung zu glauben, dass sogar eine Moabitin, die Ihn liebte, gnädig aufgenommen werden würde: Einen, der Ihn liebte, würde Er willkommen heißen, was auch dessen Vorgeschichte gewesen sein mochte! Sie und Noomi waren beide Witwen, es war kein Same da, das Erbe in Besitz zu nehmen; die Erbfolge hatte hoffnungslos versagt.

Was blieb da nun übrig? Das Anziehende Jehovas, das Band mit Seinem Volke — alles das war ihr nahe gebracht und durch solche dargestellt worden, die Jehova liebten, obwohl sie fern vom Lande der Ihrigen unter Seiner Hand beraubt worden waren.

Ruth war zubereitet, natürliche Hoffnungen aufzugeben, um mit dem Volke Gottes sogar Kummer und Bedrängnis zu teilen. Es bestanden keinerlei Aussichten, sie anzuziehen, sie empfand eine rein geistliche Neigung zu dem, was trotz Witwenschaft und Kummer ihrem Herzen mehr geworden war als das Volk, das Land und die Götter Moabs.

Geistliche Zuneigungen, die Gott in einem Herzen erweckte, das keinen Anspruch irgendwelcher Art hatte, führten sie dahin, alles, was nicht von Ihm war, dahinten zu lassen und unter Seinen Flügeln Zuflucht zu suchen. In ihrem Schwiegervater hatte sie, wie wir wohl annehmen dürfen, kennengelernt, wie königlich Israels Gott war, wie weit erhaben über dem wertlosen Kamos (4. Mose 21, 29; Richt. 11, 24) der Moabiter, dessen Anbetung in den gröbsten Unreinheiten bestand. In ihrem Gatten Machlon, dessen Name „mild“ bedeutete, lernte sie sodann einen Wesenszug schätzen, der ihr anziehender wurde als der Dünkel Moabs (Jes. 16, 6). Den Verstorbenen gegenüber hatte sie gütig gehandelt und schätzte offenbar das, was in ihnen dargestellt ward, und das war ein Wesenszug, den sie nur weiterhin zu betätigen brauchte, um zur völligen Segnung zu gelangen.

Durch Noomi hatte sie kennengelernt, wie das von Gott gegebene Erbe zu schätzen war, sie sah die tiefen Übungen einer solchen, die es verloren hatte, und die den Verlust fühlte und sich mit Kummer der Regierung Gottes unterwarf, dabei aber in ihrem Herzen den Gedanken an eine Erlösung hegte.

Alles das verband ihr Herz mit Jehova und Seinem Volke, es gestaltete neue Zuneigungen und Wünsche in ihr, so dass sie, weil sie das schätzte, was von Gott war, schon zu einem wahrhaften Fremdling in Moab geworden war. Ruths inbrünstige Zuneigung verband sie mit dem, was von Gott war, auch wenn es durch Übungen und Kummer gefunden wurde.

Alles, was heutzutage wahrhaft von Gott ist, wird bei denen zu finden sein, die demütigen und zerschlagenen Herzens durch Übungen und Zerbrochenheit des Geistes gekennzeichnet sind, denn wir leben an einem Tage großen Abweichens und großer Schwäche, und es ist gut, das zu fühlen.

Haben wir dem gegenüber, was von Gott ist, freundliche Gefühle? Für Liebe ist, wo immer sie vorhanden, Hoffnung; eine Moabitin mit Liebe zu Jehova ist unendlich besser als ein Israelit ohne sie. Der Liebe wird jetzt Wunderbares zuteil, siehe Johannes 14, 15-23.

Die Übungen der Noomi und die Liebe der Ruth sind beide in dem Weibe von Lukas 7, 36—50 zu finden; sie liebte viel, sie war nicht nur ein Gläubiger, sondern ein Liebender; Liebe brachte sie in das Haus des Pharisäers und zu den Füßen Jesu; und wie wahrhaft fand sie in Ihm einen „Mächtigen an Reichtum“ (Kap. 2, 1).

Orpa ist eine ernste Warnung, denn anfangs schien sie einen ebenso guten Lauf anzutreten wie Ruth, doch die Liebe, die nie versagt (1. Kor. 13, 8) war nicht vorhanden, und so kehrte sie zu ihren Göttern zurück und verlor alles, was Ruth bekam.

Es kann sein, dass wir dadurch, dass wir mit dem Volke Gottes in Berührung kommen, bis zu einem gewissen Grade ergriffen und bewegt werden. Wenn aber die entscheidende Probe an uns herantritt, so gehen wir zurück. Orpa wandte sich zu ihrem Verderben zurück; doch Ruth erlangte, bildlich gesprochen, das ewige Leben.

Es ist wohl zu beachten, dass Ruth nicht zuerst von Boas angezogen wurde, sondern von Noomi. Nicht der Mächtige an Reichtum hatte sie veranlasst, von Moab nach Bethlehem zu gehen, sondern das, was sie von einer armen, unter Gottes Wegen bekümmerten Witwe gelernt hatte, die ihren Platz unter Seinem Volke sogar in ihren Tagen des Fernseins und der Trauer liebte.

„Ruth hing ihr an“ (V. 14). Wie nahe gegangen ist wohl uns allen die Tiefe und Aufrichtigkeit ihrer Worte: „Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, hinter dir weg umzukehren; denn wohin du gehst, will ich gehen, und wo du weilst, will ich weilen; dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott; wo du stirbst, will ich sterben und daselbst will ich begraben werden. So soll mir Jehova tun und so hinzufügen, nur der Tod soll scheiden zwischen mir und dir!“ (V. 16 u. 17).

Ruths Herz empfand noch „Wohlgefallen“ an Noomi, denn diese liebte Jehova, und ihr Herz war in Bethlehem, obwohl sie jahrelang in den fernen Gefilden Moabs gewandelt hatte. Wenn Ruth nicht das gesehen hätte, was in Noomi von Gott war und dadurch angezogen worden wäre, so würde sie ihr nicht von Moab nach Bethlehem gefolgt sein und hätte Boas nie kennengelernt, noch er sie. Sie kam zu Boas infolge ihrer Herzensverbundenheit mit dem, was von Gott in dem Kummer und der Schwachheit hienieden zu finden war.

Die Dinge Gottes treten zuerst oft in einem sehr unscheinbaren Gewande an uns heran. Sind uns die, die Gott lieben, anziehend? Macht es uns Freude, in ihren Übungen und ihrem geistlichen Wandel mit ihnen zu gehen? Wenn das der Fall ist, werden wir bestimmt zu dem wahren Boas gelangen. Noomi stellt den Herzenszustand dar, dem all das Abweichen von Gottes Gedanken nahegeht und der darüber bekümmert ist.

Im Blick auf die Versammlung können wir auf die Zeit unserer ersten Liebe und ersten Werke zurückblicken, wo wir das Erbe genossen; doch wir sollten fühlen, wie ganz anders das heute ist. Aber Gott hat gnadenreiche Gedanken der Wiederherstellung. Das ist nun notwendig eine persönliche Angelegenheit, doch die persönliche Wiedererlangung dessen hat von Gottes Seite aus immer die Wiedererlangung der Wesenszüge der Versammlung vor sich. Gott verachtet keinen, der die ganze Sachlage in der rechten Weise vor Ihm empfindet. Er hat Freude an Wiedererlangung. Das christliche Bekenntnis als Ganzes wird in offenem Abfall enden; doch es gibt solche, die gleich Noomi den Zustand fühlen, und in Ruth sehen wir die, deren Empfindungen erweckt wurden, das, was von Gott ist, zu schätzen, als sie damit in Berührung kamen. Ruths Herz stand den geistlichen Eindrücken offen, unter deren Einfluss sie kam. Wie angemessen ist alles das im Blick auf die Wiedererlangung dessen, was Gott Seinem Volke ausersehen hat!

Die kummervollen Übungen Noomis und die innigen Zuneigungen Ruths bestimmten sie, die Gefilde Moabs zu verlassen, und so kamen sie nach Bethlehem; doch wir dürfen nicht vergessen, dass das, was diesen Schritt zustande brachte, weder in Noomi noch in Ruth seinen Ursprung hatte, sondern in Jehova. Jehova hatte Sein Volk heimgesucht, um ihnen Brot zu geben (V. 6); die Kunde davon brachte sie in Bewegung.

An unserem Tage geht von Seiner Seite eine ähnliche Gnade aus. Der Abfall ist offenbar, und es ist recht, ihn zu fühlen; doch Gottes Gedanken sind unverändert, und Ihm liegt das Erbe für Sein Volk genauso am Herzen, wie es dies von jeher war. In diesen letzten Tagen hat Gott nun Sein Volk tatsächlich heimgesucht, ihnen Brot zu geben, und dies in einer Zeit außerordentlicher Gegensätze. Einerseits mangelt es an Geistlichkeit, an ihrer Statt sehen wir Weltlichkeit, Selbstsucht, und ein jeder tut, was recht ist in seinen Augen; doch andererseits haben wir wunderbare und gesegnete göttliche Bewegungen.

Es ist nicht zuviel gesagt, wenn wir behaupten würden, dass heute für das Volk Gottes mehr Brot vorhanden ist als zu irgendeiner Zeit seit den Tagen der Apostel. Die Frage an einen jeden von uns lautet: Fesselt uns das? Ist uns das Erbe und das von Gott gegebene Brot anziehend genug, uns aus Moab heraus und nach Bethlehem zu bringen?

Wenn das der Fall ist, so finden wir, dass dort „der Beginn der Gerstenernte“ ist; diese ist ein Bild von dem, was mit dem auferstandenen Christus in Verbindung steht. Gott gibt Seinem Volke, was kostbar und nahrhaft ist. Christus ist gleichsam als die Erstlingsgarbe in Seiner Auferstehung gewebt worden (3. Mose 23, 10.11), und was in Ihm gesichert wurde, liegt außerhalb des persönlichen Fallens oder dessen der Versammlung.

Alles ist die Frucht göttlicher Gnade und Wirksamkeit. Christus ist in der Tat der Mächtige an Reichtum, Er ist der wahre Boas - in Ihm ist Stärke.

Später, in Kapitel 2, 23, finden wir, dass Ruth sich zu den Mägden des Boas hielt bis zum Ende der Weizenernte. Diese steht in Verbindung mit den Heiligen nach der Ordnung Christi, sie bringt im Bilde die Versammlung vor uns.

Zum Segen und zur Freude unserer Seelen ist es wichtig, Christum in einer bestimmten und persönlichen Weise als den Verwandten zu erfassen, der das Recht der Erlösung hat. Er ist in unendlicher Gnade der Verwandte einer jeden Seele geworden, die, was Gottesfurcht anbelangt, geübt ist. Wo immer die Rechte Gottes wahrhaft anerkannt werden, kann man auf Christum als Verwandten Anspruch erheben.

Daraus, dass Elimelech tot war und auch Machlon und Kiljon, geht hervor, dass sie das Erbe nicht antreten konnten. Alles war hoffnungslos, es sei denn, es fand sich einer, der das Lösungsrecht ausüben konnte, und der willig und fähig war, es zu tun.

Die Hoffnungslosigkeit auf Seiten des Menschen wird im Tode dieser drei Männer dargestellt; die solchen Umständen angemessenen Übungen sehen wir in Noomi, göttlich erweckte Anteilnahme und das Verlangen nach dem Erbe in Ruth. Doch diesen Übungen sowie dem Verlangen zu entsprechen, hängt, wie wir sahen, von dem Verwandten mit dem Lösungsrecht ab. Das ist ein schönes Bild davon, wie völlig Israel auf Christum angewiesen ist, ihnen alles in ihrem Erbe zu sichern, und es ist nicht weniger schön, insofern es darstellt, wie das Erbe, trotz persönlichen und allgemeinen Versagens, heutzutage genossen werden kann.

Gott möchte unser Augenmerk auf Einen richten, der alles das, was des Menschen Teil nach den Gedanken der göttlichen Liebe ist, aufrechterhält und Sich dessen erfreut. Ein lebendiger und verherrlichter Mensch zur Rechten Gottes steht im Besitz von alledem, was Gott dem Menschen ausersehen, und Er ist ein Verwandter, der das Lösungsrecht hat und uns in dessen Genuss bringen kann.

All der Reichtum und die Glückseligkeit dessen, was Gott den Menschen als den Gegenständen Seiner Liebe und Berufung ersehen, hat in Christo, dem Auferstandenen und Verherrlichten, Gestalt gewonnen und ist ewig in Ihm sichergestellt. Zu Christo gebracht, sind wir zu dem wahren Boas gekommen, in dem Stärke ist, all das aufrechtzuerhalten, was Gott den Menschen geben will, und dies derart, dass wir es erlangen können. Er hat das Recht unserer Erlösung.

Das hat insbesondere auf einen Tag Anwendung, da das von Gott zuerteilte Los am Erbe dem gegenwärtigen Genuss verlorengegangen ist, und darum handelt es sich im Buche Ruth. Es kommt ans Licht, dass Noomi „einen Verwandten ihres Mannes“ hat, der, obwohl sie verarmt, „ein Mächtiger an Reichtum“ war (V. 1). Im Bilde kommt darin zum Ausdruck, welchen Platz Christus dem „Samen Abrahams“ gegenüber eingenommen hat, der in Hebräer 2 „Kinder“ und Seine „Brüder“ genannt wird (V. 16, 13 u. 12).

Die Gott fürchten, Ihn lieben und nach Seiner Segnung verlangen, finden, dass sie einen Verwandten haben, der das Lösungsrecht hat. Es gibt Einen, der das wiedererstattet, was Er nicht von uns nahm, und der das Recht und die Fähigkeit hat, die, welche das Erbe verwirkt haben, wieder in dasselbe einzusetzen.

Als Er hier war, fand Er einige, die ihre Sünden bekennend sich von Johannes taufen ließen; solchen wollte Er ein Verwandter sein und mit ihnen wandeln, sie waren Ihm die „Heiligen ..., die auf Erden sind“, und die „Herrlichen“, an denen Er alle Seine Lust hatte (Ps. 16, 3).

Ein fesselnder Zug dieser schönen Geschichte ist, dass die Tatbereitschaft von Ruth ausging. Durch den Eifer, mit dem sie suchte, etwas von dem Guten zu erlangen, das Gottes Gunst Seinem Volke gab, fand sie Boas.

Es war eine der Vorkehrungen der Gnade Gottes, dass für Ährenleser etwas vorhanden sein sollte (siehe 3. Mose 19, 9. 10; 23, 22 u. 5. Mose 24, 19-21). Er gedachte in ihnen des Fremdlings, der Waise und der Witwe. In dem Vorhaben Ruths, Ährenlesen zu gehen, zeigte sich, dass sie die Gedanken der Gunst, die das Herz des Gottes Israels sogar gegen einen Fremdling hegte, erfasst hatte. Sie begehrte nach dem, was vom Erbe war, wenn auch nur als eine Ährenleserin, und als solche haben wir alle zu beginnen. Das besagt, wir haben keine Eigentumsrechte noch irgendeinen Anspruch, es sei denn den, den uns Gottes Gunst gibt.

Ruth hatte vor, Ähren hinter dem her zu lesen, in dessen Augen sie Gnade finden würde (V. 2). Sie kannte genug von Gott, zuversichtlich auf Seine Gunst zu rechnen. Das ist ein gesegneter Herzenszustand. Sie sagte nicht, ich bin unwürdig und darf mir nicht anmaßen, im Erbe des Volkes Gottes Ähren zu lesen, sondern sie rechnete, obwohl sie empfand, dass sie unwürdig war, auf Gunst, und in einem schönen Geiste der Unterwürfigkeit ordnete sie ihre Übungen der Noomi unter, sie wollte nicht unabhängig von der handeln, durch die sie göttliche und geistliche Anregungen empfangen hatte.

Es gibt kein sichereres Kennzeichen des Werkes Gottes als den Geist der Unterwürfigkeit, und diese ist leicht, wenn Zuneigung die Oberhand hat. Noomi stellt die sittlichen Übungen dar, die sich für einen Tag des Abweichens geziemen, und Liebe, die geistliche Güter begehrt, wird solche Übungen nicht unbeachtet lassen, sondern im Einklänge mit ihnen handeln.

Gelegenheiten, persönliche Bekanntschaft mit Christo zu machen, finden sich, wenn wir wie Ruth mit Verlangen, Fleiß, Zuneigung und Unterwürfigkeit vorgehen. Wenn uns solche Züge kennzeichnen, werden wir auf das Feld stoßen, was Christo gehört und persönlich von Ihm beachtet werden. Die Gegenwart und Segnung Gottes sind dort (V. 4), und sie sind allen zugänglich, die nach ihr verlangen und sie suchen.

Ruth ward von Boas als eine erachtet, die wahrhaften und eifrigen Anteil an der Gunst nahm, die Gott Seinem Volke erwies. Sie war nur ein geringer Ährenleser; doch sie tat dies im göttlichen Erbe auf einem Felde, das einem Verwandten gehörte, der das Lösungsrecht hatte.

„Und Boas sprach zu seinem Knechte, der über die Schnitter bestellt war: Wem gehört dieses Mädchen?“(V. 5). Christus hat auf jeden geringen Ährenleser auf Seinem Felde acht.

Wir dürfen nicht erwarten, von Christo beachtet zu werden, wenn wir die Gesellschaft Ungöttlicher aufsuchen, weltliche Bücher lesen oder Gespräche über weltliche Gegenstände führen — solche Losanteile sind nicht Sein Feld (Jos. 14, 1). Doch wenn Ephraim sagt: „Was habe ich fortan mit den Götzen zu schaffen?“, so spricht Jehova: „Ich habe es gehört und werde auf ihn achten“ (Hos. 14, 8). Zu Nathanael sprach Jesus: „Als du unter dem Feigenbaum warst, sah ich dich“ (Joh. 1, 48).

Wie gut, derart zu wandeln, dass wir das Augenmerk Christi auf uns lenken! In diesem Kapitel sehen wir einen Seelenzustand, der sich machtvoll an Sein Herz wendet. Wenn du in deinem Zimmer zu Gott schreist, dir Seine Erkenntnis zu mehren, dir mehr vom Reichtum des Erbes zukommen zu lassen, so kommst du unter die persönliche Beachtung göttlicher Personen.

Mit welchem Wohlgefallen betrachtet Christus eine Seele, die lieber Ihn und die Segnung Gottes in Ihm haben will, als den Reichtum, die Ehre oder das Gute, was die Welt ihr bieten kann! Von solchen sagt Er: „Ich . .. werde auf ihn achten.“

Das Buch Ruth enthält dem Bilde nach im Allgemeinen eine Geschichte von Schritten, die wir unsererseits aus Zuneigung tun, und von solchen, denen zufolge wir mit Fleiß nach dem trachten, was geistlich ist.

Ruth war kein bloßer Einsammler der Segnung Gottes, sondern ein fleißiger: sie kam und ist „dageblieben vom Morgen an bis jetzt; was sie im Hause gesessen hat, ist wenig“ (V. 7). Zweifellos berichtet der Geist Christi, wie wir mit dem Seinigen umgehen — also welchen Anteil wir daran nehmen und welchen Fleiß wir darauf verwenden. Ich habe gefunden, dass schon eine geringe Anteilnahme an den Dingen Segen bringt; doch es ahnt wohl keiner von uns, welchen Reichtum wir uns durch mehr Fleiß im Trachten nach geistlichen Dingen hätten

sichern können. Wir dürfen von alledem sammeln, was Christo gehört.

Ruth ward in jeder Hinsicht von Boas und seinen Knechten ermutigt, er redet selbst zu ihr zu ihrem persönlichen Trost (V. 8 u. 13). Er ermutigt sie, fortzufahren und nicht „auf einem anderen Felde aufzulesen“; er sagt: „Deine Augen seien auf das Feld gerichtet, welches man schneidet, und gehe hinter ihnen her“ (V. 9).

Der Herr liebt, als der Leiter der Tätigkeit auf Seinem Felde anerkannt zu werden; und wo immer Seine Knechte und Mägde arbeiten, dahin sollten unsere Augen gerichtet sein. Es ist gut, das Ernten und Auflesen gegenwärtig zu verfolgen. Der Reichtum des Erbes wird heute in gemeinsamer Arbeit geerntet, die Knechte und Mägde arbeiten zusammen.

Die Knechte stellen die geistliche Tatkraft dar, die geistliche Dinge erfasst und sich das Gute des Erbes zu eigen macht. Das ward zuerst in den Aposteln und in untergeordnetem Maße in den Gaben des aufgefahrenen Christus gesehen (Eph. 4, 8). Die Mägde stellen einen unterwürfigen Zustand dar, der das im Dienste Gebrachte verfolgt und darüber geübt, danach trachtet, dass es in uns Gestalt gewinnt. Es ist gut, in solcher Gesellschaft zu sein.

Ruth war zum Aufsammeln willkommen und auch zum Trinken von dem, was die Knechte schöpften. Dieses befand sich in „Gefäßen“ und scheint das darzustellen, was jederzeit zur geistlichen Erfrischung bereit steht. Die heiligen Schriften nehmen da den ersten Platz ein, und sodann das viele, was uns ständig im gedruckten geistlichen Dienst zur Verfügung steht. Es gibt Gefäße, aus denen zu trinken wir willkommen sind, und die jeder demütigen Ruth, die auf dem Felde des wahren Boas Ähren liest, zum Gebrauche offenstehen.

Tatsächlich steht uns der ganze Reichtum des Erbes ebenso offen wie damals, wo der Heilige Geist von einem verherrlichten Christus herniederkam. Liebe kann alles haben. Der letzte Vers des Epheserbriefes, der unser Erbe enthält, zeigt uns, dass Liebe zu allem Zugang gewährt, er lautet: „Die Gnade mit allen denen, die unseren Herrn Jesum Christum lieben in Unverderblichkeit.“

Ruth empfand, dass sie eine Fremde war (V. 10); doch das Auge des Boas sah in ihrem herzlichen Verbundensein mit dem, was ihr neu war, das, was sie kennzeichnete. Sie hatte sich von dem getrennt, was von Moab war, und mit dem einsgemacht, was von Gott war, obwohl sie es sozusagen nur in der Fremde kennengelernt hatte. Ihr Herz drängte sie, unter den Flügeln Jehovas Zuflucht zu suchen; Boas fand Gefallen an ihr, und sie wurde persönlich von ihm anerkannt.

Es ist ein köstlicher Augenblick in der Geschichte unserer Seele, wenn wir zum ersten Mal ein Bewusstsein von der persönlichen Anerkennung Christi haben und sagen können: Ich bin durchaus unwürdig, doch mich verlangt nach Segnung von Gott, und der Herr hat Kenntnis von mir genommen!

Noomi sprach: „Gesegnet sei, der dich beachtet hat!“ (V. 19). Ruth ward von Boas selbst getröstet, als er zu ihrem Herzen sprach, trotzdem sie ein tiefes Bewusstsein davon hatte, nicht wie eine seiner Mägde zu sein (V. 13).

Dann kam die „Zeit des Essens“ (V. 14), und sie brachte ihr besondere Gunstbezeigungen. Boas sorgt für seine Knechte und Mägde, und Ruth lernt kennen, wie er das tut, und welche Fürsorge ihm sein Reichtum gestattet: sie kann dasselbe haben wie jene, sein Herz und seine Hand stehen ihr gleicherweise offen, wie unwürdig sie sich auch fühlen mochte. Es war alles seine Gunst, der Gedanke seines Herzens.

Es gibt auch jetzt eine solche „Zeit des Essens“, wo die Schnitter niedersitzen, um zu essen und zu trinken; sie redet von der Gemeinschaft, die uns durch die Gnade unseres Herrn zugänglich geworden ist. Keiner hat geistlich daran teil, es sei denn durch Seine Einladung dazu. Viele stehen abseits, weil sie sich unwürdig fühlen, doch dem liegt zugrunde, dass sie nicht bereit sind, alles Ihm zu verdanken.

Bei der Teilnahme an dem, was Er bereitet hat, kann die geringste sich selbst verurteilende Seele auf Seine Einladung hin neben den Schnittern sitzen. Solche haben dasselbe Recht wie die größten Arbeiter Seiner Ernte, denn es ist das Recht Christi, sie alle herbeizurufen, um an dem teilzuhaben, was Seine Gnade gibt.

So heißt es nach dem Pfingsttage: „Sie verharrten aber in der Lehre und der Gemeinschaft der Apostel“(Apg. 2, 42). Sie alle saßen „zur Seite der Schnitter“ (V. 14) und wussten etwas davon, was es war, „geröstete Körner“ aus der Hand eines auferstandenen und erhöhten Christus zu empfangen, denn nun war Er im Himmel ihre Speise geworden.

Die Geschichte der Ruth zeigt, wie eine Seele in Gemeinschaft kommt, die ein inbrünstiges Verlangen leitet und von dem Herrn Selbst willkommen geheißen wird. Das Brot und der Essig (V. 14) stellen das dar, was gemeinsam in der christlichen Gemeinschaft genossen werden kann. Der Ausdruck „Tisch des Herrn“ umfasst Speise, an der teilzuhaben unser Vorrecht ist: sie ist für alle Seine Heiligen bestimmt, wirklich genossen aber wird sie nur, wenn wir wie Ruth das gute Teil erwählen (Luk. 10, 42). Heutzutage kommen wir erfahrungsgemäß auf dem Wege der Liebe dahin, die das sucht; die zwei, die Johannes reden hörten und Jesu nachfolgten, erläutern das. Jesus sprach zu ihnen: „Was suchet ihr? Sie aber sagten: Rabbi, wo hältst du dich auf? Er spricht zu ihnen: Kommet und sehet!“ (Joh. 1, 38.39).

Die gerösteten Körner von Vers 14 und die herausgezogenen Ähren von Vers 16 stellen das Übermaß dar, was über die gewöhnliche Verpflegung hinausging, sie sind das Zeichen persönlicher Gunst. Jeder, der Ruth entspricht, wird etwas bekommen, was nicht aller Teil ist. Die Gemeinschaft ist allgemein, doch die Offenbarungen des Herrn sind persönlicher Art; derjenige, der Ihn liebt, empfängt sie (Joh. 14).

Es gibt viele liebliche Beziehungen der Gunst des Herrn, die nicht allgemein sind. So kennt zum Beispiel die „Darreichung des Geistes Jesu Christi“ (Phil. 1, 19) nur der, der sie empfängt. Die Erfahrung: „Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich“ (2. Tim. 4, 17), ward von Paulus persönlich gemacht, auch das Wort: „Meine Gnade genügt dir“ (2. Kor. 12, 9), erging an ihn persönlich. Des Weiteren redet der Herr von einem „weißen Stein und auf ihm einen neuen Namen geschrieben, den niemand kennt, als wer ihn empfängt“ (Offb. 2, 17).

Der Herr liebt es, persönliche Zeichen der Gunst und Unterstützung zu geben. Deren Genuss aber bleibt in der Folge nicht auf uns beschränkt. Ruth aß von den ihr von Boas dargereichten gerösteten Körnern, „wurde satt und ließ übrig“, das aber nahm sie ihrer Schwiegermutter mit (V. 14. 18). Pauli Erfahrungen persönlicher Gunst waren ihm für seine Seele und seinen Dienst eine große Ermutigung, er sprach von ihnen, um uns zu ermutigen, und damit auch wir solche persönlichen Gunsterweisungen erwarten.

Wir sollten begehren, Kennzeichen der Liebe und Gunst Christi zu empfangen, damit unsere Herzen sich Seiner persönlichen Beachtung bewusst werden. Wir werden nicht durch das aufrechterhalten, was unser aller Teil ist, sondern durch unser persönliches Geheimnis mit Ihm. Die Neigung ist, nur von dem allgemeinen Gedanken zu leben; Liebe jedoch ist nicht damit zufrieden, sie schätzt das, hat aber besonderes Wohlgefallen an dem, was persönliche Gunst gegeben hat.

Ruth las auf und schlug das aus, was sie aufgelesen hatte; sie kennzeichnete ein großer Fleiß, sich all die Gnade zu eigen zu machen, die in ihren Bereich kam, und dann erfuhr sie, dass Boas ihnen nahe verwandt war und als Blutsverwandter das Lösungsrecht hatte (V. 20). Der sie so gnädig betrachtete und ihr seine persönliche Gunst erwiesen hatte, war einer, der das Recht hatte, ihr alles zu sichern, wonach ihr Herz begehrte. Sie bekam nun im Bilde den erweiterten Gesichtskreis über Christum.

Der große, dem Buche Ruth zugrunde liegende Gedanke ist der, dass geistliche Zuneigungen zur Ruhe kommen; befriedigte Liebe ist der Gegenstand des Buches. Sowohl Ruth als Boas kamen zur Ruhe, als sie den in 3. Mose 25, 25 - 27 und in 5. Mose 25, 5.6 ausgeführten Gedanken Gottes entsprachen. Gottes Liebe konnte nicht ruhen, wenn das, was Er gegeben, nicht genossen wurde, und deshalb hatte Gott, falls Armut und Tod über Seine Erben kommen sollten, in dem blutsverwandten Löser Vorsorge getroffen.

Er sah alles im Voraus, was kommen würde, und ersah Christum hierzu. Das Erbe war vorhanden, doch in Gottes Gedanken konnte es nur als erlöst angetreten werden. Noomi hatte keinen Samen, es zu erben, ihre Söhne waren tot; Israel war in derselben Lage, da es keinen geistlichen Samen hatte, der geeignet war, das ihnen von Gott Ersehene in Besitz zu nehmen. Ruth, obschon eine Moabitin, vertrat die Verstorbenen, doch von sich aus konnte sie keinen Anspruch auf das Erbe erheben, noch konnte sie ihrem toten Mann einen Samen verschaffen, es zu sichern. Wenn das Erbe überhaupt angetreten werden konnte, so musste das aufgrund der alten Satzung des Lösungsrechtes geschehen. Israel hat das Erbe auf eine andere Weise nie wahrhaft besessen und wird es auch künftig nie anders besitzen. Auf diesem Grundsatze kann dem Menschen alles, was zum Wohlgefallen Gottes ist und Seiner Segnung dient, gesichert werden, und dies trotz des Abweichens auf seiner Seite.

Das in Christo bestehende Lösungsrecht wird am Tage der Zukunft die Wiedereinsetzung Israels sichern, wenn die Übungen der Noomi und der Eifer der Ruth eine Stätte bei ihnen finden. Gibt sich der Überrest Christo hin wie die Ruth dem Boas, so macht Er von Seinem Lösungsrecht Gebrauch und gibt einen Samen, der passend ist, die Verheißungen zu erben. Durch Christum wird alles auf eine geistliche Weise zur Herrlichkeit Gottes gesichert; Er wird „Samen sehen, er wird seine Tage verlängern; und das Wohlgefallen Jehovas wird in seiner Hand gedeihen“ (Jes. 53, 10).

Das Verhalten Ruths in diesem Kapitel stellt das von Seelen dar, die gelernt haben, dass alles davon abhängt, dass Christus Sein Recht der Erlösung in Gunst und Macht ausübt. Durch die ihr erwiesene Gunst und durch Noomi ermutigt, kam sie, damit Er von diesem Rechte ihrethalben Gebrauch mache. Dessen eingedenk, dass ihr gegenüber alles eine unverdiente Gunst war, wollte sie sich Gottes Vorkehrung der Gnade zunutze machen; als „ein wackeres Weib“ im Tore des Volkes des Boas bekannt, war sie in sittlicher Hinsicht dazu passend.

Sie kam zu Boas, als er auf der Gerstentenne worfelte (V. 2), das erinnert uns an Den, „dessen Worfschaufel in seiner Hand ist“, und der Seine Tenne durch und durch reinigt (Matth. 3, 12). Er wird Sich aller Spreu entledigen und sie mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. Das sittlich Wertlose hat bei Ihm keine Stätte. Es ist besser, von Christo geworfelt, als von Satan gesichtet zu werden (Luk. 22, 31). Christus worfelt, um die Spreu loszuwerden; Satan aber sichtet, um, wenn möglich, auch den Weizen zu beseitigen. Ein „wackeres Weib“ kommt dabei als eine solche ans Licht, die alledem, was das Worfeln in sich begreift, mit Ruhe entgegensehen kann, und solche sind in Christi Augen annehmbar. Er will alles Ihm Unpassende beseitigen. Es mag ein gut Teil passend erscheinen, doch beim Dreschen erweist es sich als Spreu und ist hinwegzutun.

Ruth stellt eine dar, die zubereitet ist, geworfelt zu werden; und als gebadet, gesalbt und gekleidet entsprach sie den sittlichen Anforderungen; alle solche können auf Christum rechnen, Er wird ihnen kundtun, was sie tun sollen (V. 4), und „nicht ruhen, er habe denn die Sache heute zu Ende geführt“ (V. 18).

Es ist, wie schon bemerkt, auffallend, dass Ruth in alledem von sich aus vorging. Der Geist Gottes möchte darin, dass sie in Liebe und mit Fleiß nach dem trachtete, was von Gott war, und alles durch Seine Gunst für sie Erreichbare zu erlangen suchte, hauptsächlich die Frucht Seiner Wirksamkeit vor uns bringen. Heutzutage sind geistliche Dinge zu erlangen möglich, ferner auch Christus, der Heilige Geist, das Erbe und in gewissem Sinne auch die Versammlung. In Ruth haben wir nun den Herzenszustand gesehen, der inbrünstig nach dem trachtet, was zu erlangen ist. Christus würde uns da sagen: „Ich liebe, die mich lieben; und die mich frühe suchen, werden mich finden. Reichtum und Ehre sind bei mir, bleibendes Gut und Gerechtigkeit. Meine Frucht ist besser als feines Gold und gediegenes Gold, und mein Ertrag als auserlesenes Silber. Ich wandle auf dem Pfade der Gerechtigkeit, mitten auf den Steigen des Rechts, um die, die mich lieben, beständiges Gut erben zu lassen, und um ihre Vorratskammern zu füllen“ (Spr. 8, 17 - 21).

In Ruth sehen wir Niedriggesinntheit, Unterwürfigkeit und Bescheidenheit; sie besaß schöne Tugenden und überdies einen Herzenszustand, der nichts missen wollte, was Gottes Güte und Reichtum in ihren Bereich stellte.

Von Boas wurde sie in jeder Hinsicht ermutigt, er sagte „Und nun, meine Tochter, fürchte dich nicht! alles, was du sagst, werde ich dir tun“ (V. 11), und er gab ihr sechs Maß Gerste (V. 15). Also bereichert, kehrte sie zur Noomi zurück und obendrein mit der Gewissheit, dass sie in ihrem Streben eine völlige Billigung hatte.

Es ist ein Trost zu wissen, dass der Herr Jesus jedes geistliche Begehren sogar in dem anerkennt, der noch nicht zur völligen Ruhe und Freiheit gekommen ist. Denkst du, es ist nichts für Christum, wenn einer sagen kann: „Ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen“ (Röm. 7, 22)? Wieviel mehr jedoch, wenn ein ausdrückliches Verlangen nach Ihm Selbst besteht! Solchen gegenüber verleiht Er Seiner Teilnahme und Seinem damit Verbundensein einen ganz bestimmten Ausdruck und verpflichtet Sich, ihnen beizustehen. Solche mögen lernen und fühlen, dass sie keine Rechte und Kraft haben; doch des Herrn Auge ist auf sie gerichtet, und Er wird Sich ihrer annehmen und ihre Übungen zur Reife bringen. Wenn wir keinen anderen als Christum vor uns haben, so sorgt Er: Ich werde alles für dich tun (V. 11).

Als Ruth erfahren hatte, dass der, der so gütig gegen sie gewesen, ein Verwandter mit dem Lösungsrecht war, fand sie den Mut, den Platz einer solchen einzunehmen, die seiner bedurfte und unter seinem Flügel zu sein begehrte. Sie hatte dann in der ganzen Angelegenheit nichts weiter zu tun, alles ruhte in seiner Hand. Noomi sagte: „Sei ruhig, meine Tochter . . . denn der Mann wird nicht ruhen, er habe denn die Sache heute zu Ende geführt“(V. 18).

Wenn das Herz einer von Gott unterwiesenen Seele mächtig durch das angezogen wird, was von Gott ist, und erfasst, dass nur Christus als Blutsverwandter (V. 9) das Recht der Erlösung hat, und bereit ist, von ihm Gebrauch zu machen, so ruht die ganze Angelegenheit in Seinen Händen. Wenn Liebe uns treibt und unser ganzes Herz Christo entgegenschlägt, unternimmt Er alles für uns.

Sodann haben wir zu lernen, dass nichts als Christus und ein persönliches Band mit Ihm uns etwas nützt. Unter göttlicher Belehrung haben wir zu lernen, wie äußerst unangemessen gesetzliche Grundsätze sind, und das kommt im Bilde in Kapitel 4 vor uns.

Der Mensch hat die Erkenntnis des Guten und Bösen und das Gewissen wendet diese auf seine Verantwortlichkeit an. Jeder weiß, dass er das Gute tun und das Böse nicht tun sollte. Das Gesetz verlieh dem einen förmlichen Ausdruck und machte die Menschen Gott gegenüber für ihr Tun und Begehren zu Recht verantwortlich. Das wird uns in dem dargestellt, der den näheren Anspruch im Falle der Ruth hatte.

Das Gesetz steht uns seiner Natur nach näher als Christus. Wohl ist es wahr, dass die Nationen von Gott nie unter das Gesetz gestellt wurden; doch die Verpflichtung, das Rechte zu tun, besteht für alle Menschen infolge der Erkenntnis des Guten und Bösen und des Gewissens.

Viele von uns machen das Licht des Christentums zum Maßstab dessen, was sie sein und tun sollten. Die Menschen würden von Natur sagen: Das ist völlig genug; viele andere aber: Wir haben uns nur nach unserem Empfinden zu richten und ein gutes Gewissen zu bewahren, und dann ist alles in Ordnung. Doch da müssen wir lernen, dass wir keine Kraft haben. Das Gesetz oder irgendeine Verpflichtung, die wir uns vorstellen könnten, können den Umständen nicht gerecht werden, die gerade das Gegenteil von dem sind, was sie sein sollten.

Dieser Grundsatz richtet bei einem toten Menschen nichts aus, seinen Namen aus seinem Erbe erstehen zu lassen. Wenn der Tod eingetreten ist, so begreift das Erwecken des Namens des Verstorbenen eine Lebenskraft in einem anderen seinethalben in sich, die dem Bilde nach die der Auferstehung ist, es ist die Kraft, die in Christo, dem wahren Boas, ist.

Der Gegenstand der Satzung in 5. Mose 25, 5.6 war, dass das Erbe einem gesichert werden sollte, über den der Tod gekommen war, „damit dessen Name nicht ausgelöscht werde aus Israel“. Das war reine Gnade, die einem Verstorbenen gegenüber wirksam war. Der gesetzliche Grundsatz konnte solchenfalls nichts tun.

So sagte denn auch der nähere Blutsverwandte, der das Gesetz oder den gesetzlichen Grundsatz darstellt, zweimal: „Ich kann nicht lösen“ (V. 6). Er zog seine Sandale aus, was besagte: Ich habe keinen Stand in einem Falle wie diesem, ich muss da einem anderen Platz machen.

Jeder von uns hat diese Aufgabe zu lernen. Der erste Teil von Römer 7 gibt uns die Lösung dieser Schwierigkeit, und das, bevor uns gezeigt wird, worin sie im Einzelnen besteht; gleichsam, als ob man einem Knaben vor seiner Ausrechnung das Rechnungsergebnis sagt. Dadurch möchte die Gnade uns helfen. Sie zeigt uns, dass wir „dem Gesetz getötet worden sind durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, auf dass wir Gott Frucht brächten“(V. 4). Danach erst zeigt sie uns, welch eine Knechtschaft es ist, mit dem ersten Ehemann verbunden zu sein.

Abigail in 1. Samuel 25 hatte eine ähnliche Übung, von einem Manne frei zu werden, der unfähig war, das zu sein, was ihr Herz bedurfte, und dies zuerst im Geiste und dann tatsächlich, damit sie mit einem sie befriedigenden Mann verbunden ward.

Der nähere Blutsverwandte konnte das, was hier nottat, nicht tun; er konnte Ruth nicht nehmen, noch, da der Tod eingetreten war, einen Samen zeugen für das Erbe.

Als ein Christ mag ich fühlen, dass meine Wege und mein Geist das oder jenes sein sollten, doch das gibt mir keine Kraft. Kraft ist in Christo, außer Ihm können wir nichts tun; doch wenn wir Ihn haben, so haben wir genug, alles zu verlangen.

Das Tor der Stadt stellt hier ein bestimmtes öffentliches Zeugnis von dem dar, was Christus denen geworden ist, die Ihn lieben. Auf niemand in der Welt hat man so acht wie auf Christen, sie sind gleichsam im Tore, das heißt, die Augen der Welt sind auf sie gerichtet. Sieht man bei uns klar, dass wir einen mächtigen und reichen Gott haben, einen, der uns, was Selbstsucht, Weltlichkeit und Irdischgesinntheit anbelangt, zur Ruhe gebracht hat, so dass wahrhafte Diener und Anbeter Gottes ans Licht kommen?

Boas ist ein Bild des auferstandenen Christus, der allein im wahren und göttlichen Sinne das Recht der Erlösung hat. Er hat das Erbe gesichert, und dies nicht nur durch Sein persönliches Anrecht als der Erbe, sondern im Blick darauf, dass wir es mit Ihm haben; Er hat durch Kauf ein Anrecht darauf erworben (V. 5), es ist ein „erworbener Besitz“ (Eph. 1, 14). Er besitzt es infolge eines unbestreitbaren Anrechts, denn Er hat jeden Anspruch mit Bezug auf dasselbe erledigt und es zu dem Seinen gemacht.

Die kostbaren Gedanken göttlicher Liebe könnten in all ihrer Fülle von keinem anderen durchgeführt werden; in dieser Hinsicht sind Israel und die Nationen gleicherweise Tote. Wenn deren Namen auf ihrem Erbteil erweckt werden, so muss das kraft des Lebens in einem anderen geschehen, der in Gnade gegen sie handelt. Alles, was Gott dem Menschen in Liebe ersehen, wird durch Christum in der Stärke der Auferstehung aufrechterhalten und wird das Teil derer, die wie Ruth zu Ihm kommen und den Ehebund mit Ihm eingehen.

„Die gewissen Gnaden Davids“ (Jes. 55, 3; Apg. 13, 34) sind der Reichtum und die Fettigkeit des Erbes, und diese sind alle in dem auferstandenen Christus gesichert.

Wenn der Überrest Israels findet, dass der Tod auf ihnen ist, so werden sie durch die Bitterkeit der Noomi gehen, und das wird von einem inbrünstigen Verlangen nach Jehova begleitet sein, wie wir es in Ruth sehen; doch sie werden wie beide die sie befriedigende Antwort darin finden, dass sie zu ihrem Messias gebracht werden, Der, als für sie im Tode gewesen, erkannt wird, und nun in Auferstehungsstärke alles von Gott für sie in der Hand hat.

Und wenn die Heiligen des gegenwärtigen Zeitabschnitts wie Israel den Besitz und Genuss des ihnen von Gott gegebenen Teils verloren haben, so steht solchen wie Noomi und Ruth der Weg offen, zurückzukehren und einen Blutsverwandten zu finden, der ihnen mit Freuden als der Auferstandene und Verherrlichte all den Reichtum dessen sichert, den sie aufgegeben hatten.

Dieses Buch gehört der Zeit der Richter an, das heißt einer Zeit des Versagens und Abweichens. Es zeigt, wie Liebe Christum erreicht und Ihn genug für alles findet: genug, uns den Genuss des Erbes zu sichern — genug, jedem inbrünstigen Verlangen nach dem, was von Gott ist, völlig zu entsprechen — genug, uns durch die Gabe des Geistes zu passenden Erben zu machen.

In Römer 8 sehen wir, dass Heilige zu erben passend sind, sie sind Söhne und Kinder, Erben Gottes und Miterben Christi: der lebendige Same ist da. Güter fallen dem Gericht anheim, wenn kein berechtigter Erbe vorhanden ist. Ohne Erben verfällt das Erbe, und der Gedanke Gottes würde ungültig gemacht werden — das durfte nie eintreten.

Die Folge davon nun, dass man zu Christo, dem wahren Boas, kommt, ist, dass ein Same gesichert wird, der nicht tot, sondern fähig ist, das Erbe zu genießen. Nach Vers 13 wird ein Sohn geboren, der das Lösungsrecht hat, denn „die Weiber sprachen zu Noomi: Gepriesen sei Jehova, der es dir heute nicht hat fehlen lassen an einem Löser! Und sein Name werde gerühmt in Israel!“ (V. 14).

Das weist auf Obed, den soeben geborenen Sohn hin, es ist ein schöner und lehrreicher Hinweis. Das Lösungsrecht wird offenbar in zweierlei Hinsicht betrachtet. Im Blick auf Boas ist es ein Bild von dem, was in Christo, dem Blutsverwandten, zugänglich ist; doch im Blick auf Obed (d. h. Anbeter oder Diener) ist es ein Bild von dem, was in den Heiligen infolge davon zustande gekommen, dass sie in Liebe zu Christo kamen und Er ihr Ehemann geworden (Röm. 7, 4).

Das Lösungsrecht gelangt im Wandel der Heiligen dadurch zum Ausdruck, dass sie Gott im Dienst und in der Anbetung Frucht bringen. Es ist nicht nur auf Gottes Seite alles gesichert, Er wirkt auch unsererseits Zustände, die sich für lebendige Erben geziemen. Es kommt ein Same auf, der ein offenbares Recht auf das Erbe hat, da er die Wesenszüge von Kindern Gottes trägt, die passend sind, Seine Erben und Miterben Christi zu sein. Das ist die Folge des Werkes Gottes in den Heiligen. Der Lehre nach wird das in Römer 8 zum Ausdruck gebracht.

Ich zweifle nicht daran, dass der Geist Gottes die Lehre des Buches Ruth auch auf unsere Tage anzuwenden sucht. Der allgemeine Zustand ist heute, dass sich das Volk Gottes in den Gefilden Moabs und nicht in Bethlehem befindet. Der Tod ist eingetreten, denn der Herr sagt mit Bezug auf den Protestantismus in Offenbarung 3, 1: Du hast den Namen, „dass du lebst, und bist tot“.

Christus jedoch ist groß genug, um da Leben hervorzubringen, wo der Tod war. Wenn Gott Seinen Heiligen ein Teil ausersehen, so wird Er dadurch verherrlicht, dass sie es besitzen und genießen und dessen Früchte bringen. Er wird nicht durch die Hungersnot im Lande und dadurch verherrlicht, dass sich Sein Volk in Moab aufhält. Ein solcher Zustand bringt öffentlich zum Ausdruck, dass Moab ein besserer Platz als Kanaan ist.

Wenn sich Christen der Welt und dem Irdischen zuwenden, so ist ihr Zustand derart, dass sie sagen: Das ist besser als das, was Gott gibt. Ich bin gewiss, dass keiner von uns darin verharren möchte, ein Zeugnis wie dieses abzulegen.

Durch Gottes reiche Gnade bietet sich nun für einen jeden, der sich in einem solchen Zustande befindet, die Gelegenheit, das zu fühlen und anzuerkennen wie Noomi. Und wenn Herzen wie das der Ruth sich zur Segnung Gottes hingezogen fühlen, so ist die Folge, dass Christus als der Mächtige an Reichtum erkannt und erreicht wird. Er wird als die Quelle von allem erkannt, als der Wiederhersteller alles dessen, was Gottes ursprünglicher Gedanke für Sein Volk war, denn alles wird in Ihm gesichert und aufrechterhalten. Und wenn die Heiligen in Ihm bleiben, sind sie imstande, das Erbe anzutreten. Wenn Christus in den Heiligen ist und der Geist das Leben ist, so ist das Lösungsrecht sittlich in ihnen gesichert.

Der Grund, weshalb viele das Erbe nicht genießen, ist, dass sie nie empfunden haben, dass sie es nicht genießen; sie ermangeln der tiefen Übungen Noomis. Ihr geistlicher Zustand ist niedrig. Sie glauben, dass ihre Sünden vergeben sind, und dass sie bei ihrem Tode oder wenn der Herr kommt, in den Himmel gehen; doch sie haben sehr wenig von dem ungeheuren Reichtum geistlicher Segnung erfasst, den sie jetzt genießen könnten.

Wie oft herrscht andererseits ein Mangel an inbrünstigem Verlangen nach Göttlichem, wie wir es in Ruth sehen. Sie war nie persönlich im Lande gewesen, so dass sie kaum ein Bewusstsein davon haben konnte, es aufgegeben zu haben. Vielleicht bietet sich manchen von uns wie ihr die Gelegenheit, dahin zu kommen. Unter dem Einfluss Noomis verlangte ihr Herz völlig nach dem, was von Gott war. Wenn das so bei uns ist, so führt uns das dahin, Den zu erreichen, der uns die Glückseligkeit des Erbes völlig sichern kann.

Im Grunde des Herzens ist oft ein Verlangen, doch kein entschiedener Vorsatz, sich mit dem Begehrten zu befassen, und dann besteht die Gefahr, abgelenkt zu werden. Wenn ein persönliches Band mit Christo, dem Blutsverwandten, der das Recht der Erlösung hat, zustande gekommen, so ist ein Same die Folge, der geistlich fähig ist, in das Erbe einzugehen und es zu genießen. Alles zu dessen Besitz und Genuss Nötige ist lediglich auf dem Grundsatze göttlicher Gunst und eines Neuerstehens in Auferstehungskraft gesichert.

Das ist die Folge der in Noomi dargestellten Übungen, es heißt: „Ein Sohn ist der Noomi geboren!“ (V. 17). Doch er war auch die Antwort auf solche Zuneigungen und ein derartiges Verlangen, wie wir es in Ruth sehen.

„Obed zeugte Isai“, das bedeutet, „Jah besteht“ (V. 22). Da kommen wir zu der unwandelbaren Zuverlässigkeit alles dessen, was von Gott ist, und es bleibt nur noch übrig, dass Christus als der wahre David öffentlich die Rechte Gottes als König einführt und den Erben der Verheißung ihren völligen Platz in dem Seiner Herrlichkeit entsprechenden Erbe gibt.