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Eph 2,8 Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es;

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Eph 2,8 Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es;

Auslegung: Peter Streitenberger

Eph 2,8 „Denn aus Gnade seid ihr errettet durch Glauben, und dies nicht aus euch, Gottes Gabe ist es“

a) Die calvinistische Auslegung von Eph 2,8 am Beispiel der MacArthur-Studienbibel:
MacArthur schreibt in seinem Kommentar zu Römer 9,16 "Sogar der Glaube ist eine Gabe Gottes" und begründet dies mit Eph 2,8.

In seinen Anmerkungen zu Eph 2,8 bemerkt er:“[...] ist sogar dieser Glaube Bestandteil der rettenden Gabe Gottes“. Diese Lehre überträgt er auf andere Bibelstellen, wie etwa Römer 1,16 „...rettender Glaube ist übernatürlichen Ursprungs und eine Gabe der Gnade Gottes, die er im Herzen hervorbringt“


b) Hintergrund der Auslegung MacArthurs

Der Calvinismus lehrt, dass Gott durch vorweltlichen Beschluss, einen Teil der Menschen zur Seligkeit vorherbestimmt hat und den anderen Teil verworfen und vom Zugang zum Heil ausgeschlossen hat. Die auserwählten Ungläubigen (!) werden durch Gottes Geist unwiderstehlich (d.h. ob sie wollen oder nicht) zur Wiedergeburt gebracht (unwiderstehliche Gnade).

Daher muss MacArthur – als calvinistischer Ausleger der Heiligen Schrift – beweisen, dass nicht jeder Mensch glauben kann/darf/soll. Dies ist nur denjenigen vorbehalten, die von Gott dazu vorherbestimmt sind. Die übrigen Menschen werden „mit dem Heil übergangen“ (vgl. auch MacArthurs Kommentar zu 1Tim 2,4 „in seinem ewigen Ratschluss erkor er nur die Erwählten aus der Welt [...] Die übrigen gab er dahin [...]). Auch behauptet MacArthur in seinem Kommentar zu 2Pet 3,9 („und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre“), dass sich ‚Jemand’ nur auf die Erwählten bezieht, d.h. Gott will, dass nur die vorweltlich zur Seligkeit erwählten nicht verloren gehen. Die übrigen Menschen gehen in die Hölle, „weil sie“ – so MacArthur – „zu diesem Schicksal bestimmt sind“.
Somit muss MacArthurs Auslegung von Eph 2,8 auf dem Hintergrund der Lehre verstanden werden, dass nicht jeder Mensch glauben darf/kann/soll, und der rettende Glaube eine unwiderstehliche Gabe Gottes an die zur Seligkeit auserwählten ist. Aufgrund seiner Souveränität gibt Gott den Auserwählten den rettenden Glauben – den anderen hält er diesen Glauben vor.



c) Begründung der Ablehnung der Auslegung MacArthurs

1) Der innere Bezug des Satzes

Der Satzteil „und dies nicht aus euch, Gottes Gabe ist es“ kann nicht – im Gegensatz zur Auslegung MacArthurs - auf „Glauben“ bezogen werden, da „Glauben“ im Griechischen feminin – „und dies“ (griech.:‚kai touto’) hingegen eine Neutrum-Form ist.

Helge Stadelmann schreibt hierzu in seinem Epheserkommentar „Manche Ausleger haben das Wort ‚dies’ in V.8 direkt auf den ‚Glauben’ bezogen: der Glaube sei ‚nicht aus euch’ [...] dieser Bezug [ist] grammatisch hier doch nicht so möglich“. Robertson bemerkt in „Word Pictures“, dass ein Bezug von „Glaube“ auf „und dies nicht aus euch..“ grammatikalisch nicht möglich ist („bezieht sich nicht auf Glauben, sondern auf den Akt der Errettung, bedingt durch Glauben unsererseits“). Ebenso bestätigt dies der Grundtextkommentar „Word Biblical Commentary“, der „dies“ aufgrund der griechischen Grammatik nicht auf ‚Glauben’, sondern auf den „gesamten Prozess der Errettung“ bezieht.



2) Die Lehre der Heiligen Schrift über ‚Glauben’
Eine Definition des Glaubens im Sinne einer unwiderstehlichen Gabe Gottes, steht im Gegensatz zur Lehre der Heiligen Schrift (siehe Anhang).

Eine Anwendung und konsequente Übertragung der Auslegung von Eph 2,8 auf andere Schriftstellen, würde die Bibel völlig ad absurdum führen: In Joh 11,40 etwa steht geschrieben „Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubst, würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen?“ – Nach calvinistischer Lesart müsste dieser Vers lauten: „Wenn ich in Dich – als unwiderstehliche Gabe Gottes - den rettenden Glauben hineingebe, würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen“. Luk 5,20 müsste lauten „Und als er ihren Glauben sah – den er ihr zuvor unwiderstehlich, ob sie wollte oder nicht, gegeben hatte - , sprach er: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben!“.

Wie Schriftstellen auf diesem Hintergrund verstanden werden können, in denen der Herr den Unglauben tadelt (z.B. Mark 16.14 „und schalt ihren Unglauben“), bleibt rätselhaft: Der Herr bräuchte nur den Glauben im Menschen unwiderstehlich hervorbringen – warum tadelt er also noch den Unglauben? Mark 1,15 „Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ müsste noch mit dem wichtigen Hinweis versehen werden „Ihr könnt aber nur dann glauben, wenn ich euch diesen Glauben gebe werde – das wird bei den vorweltlich Erwählten geschehen, ob sie dies wollen oder nicht, die anderen überlasse ich ihrem Weg in’s Verderben, da diese nicht glauben können/sollen/dürfen“
Wie man sieht ist die Auslegung MacArthurs von Eph 2,8 nicht auf andere Schriftstellen übertragbar, ohne diese völlig auf den Kopf zu stellen.

d) Zusammenfassung
Der innere Bezug, den Eph 2,8 aufweist, deutet darauf hin, dass die Errettung nicht aus Menschen hervorkommt oder von Menschen geleistet bzw. verdient werden könnte („und dies nicht aus euch“), sondern vielmehr „Gottes Gabe“ darstellt. In diesem Sinne wird der Satzteil „nicht aus euch“ im nächsten Vers ergänzt, indem Paulus schreibt „nicht aus Werken, damit sich niemand rühme“. Die Errettung schließt demnach also sämtliche menschlichen Eigenleistungen aus und hat ihren Ursprung in Gottes Gnade.

Eph 2,8 kann somit nicht als Beleg der calvinistischen Lehre missbraucht werden, wonach Gott einigen, zur Seligkeit vorherbestimmten Menschen, unwiderstehlich – ob sie wollen oder nicht - den Glauben eingibt. Dies steht im Gegensatz zur Lehre der Heiligen Schrift (siehe Anhang).

Die „Gabe Gottes“ bezieht sich vielmehr auf die Errettung, die „nicht aus euch“ bzw. „aus Werken“ (Vers 9), sondern aufgrund der Gnade Gottes geschehen ist. Der Zugang zu dieser Errettung geschieht „durch Glauben“.
Die Auslegung MacArthurs widerspricht somit sowohl der Grammatik von Eph 2,8 selbst, als auch den übrigen Stellen der Heiligen Schrift, die über ‚Glauben’ sprechen.


Peter Streitenberger



e)Anhang - Was lehrt die Heilige Schrift über ‚Glauben’ ?

1) Der Glaube ergeht als Aufforderung bzw. Befehl an die Menschen:
Mark 1,15 „Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“
Mark 5,36 „Fürchte dich nicht; glaube nur!“
Joh 12,36 „glaubt an das Licht!“
Joh 14,1 „Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!“
Apg 16,31 „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden!“


2) Glaube oder Unglaube ist eine Herzensangelegenheit des Menschen:

Mark 11,23 „und in seinem Herzen nicht zweifelte, sondern glaubte“
Mark 16,14 „und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, dass sie denen, die ihn auferstanden gesehen hatten, nicht geglaubt hätten.“
Luk 24,25 „Wie langsam ist euer Herz zu glauben“
Röm 10.9 „Denn wenn du mit deinem Munde Jesus als den Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, daß Gott ihn von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet; denn mit dem Herzen glaubt man, um gerecht, und mit dem Munde bekennt man, um gerettet zu werden“


3) Durch Glauben erhält der Mensch Zugang zur Gnade Gottes

Röm 5:2 „durch den wir im Glauben auch Zugang erhalten haben zu dieser Gnade, in der wir stehen“


4) Glaube ist der Gegensatz zu Werken

Rom 4:5 „Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet,“



5) Der Glaube ist mit der Person des Menschen verbunden

Mark 2:5 „Da aber Jesus ihren Glauben sah“

Mark 5,34 „dein Glaube hat dir geholfen!“

Luk 8,25 „Wo ist euer Glaube?“
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