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Ein barmherziger und treuer Hoherpriester

 

Bibelstellen: 2 Korinther 1, 3-5; Hebräer 2, 17-18; Hebräer 4, 14-15

2. Kor 1,3
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes,
2. Kor 1,4 der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die t

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Was lehrt die Bibel?

Die Auserwählung

Was lehrt die Bibel? 2

Dr. W.J. Ouweneel

Die Auserwählung

INHALTSVERZEICHNIS

I. Das Wesen des Christentums

II. Die Offenbarung der himmlischen Dinge

III. Die Erwählung Israels

IV. Sieben ewige Dinge

V. Wozu sind wir auserwählt?

VI. Missverständnisse über die Auserwählung

Vorwort

Das vorliegende Heft ist Bestandteil einer Reihe von kurzen Abhandlungen, in denen unter dem Titel „Was lehrt die Bibel?“ zu Fragen, die heute viele Kinder Gottes beschäftigen, aufgrund des Wortes Gottes Stellung genommen wird. Zum Teil gehen diese Beiträge auf Vorträge zurück, die der Verfasser in Holland gehalten hat, zum Teil wurden sie speziell für diese Serie geschrieben.

WAS IST DIE AUSERWÄHLUNG?

I. Das Wesen des Christentums

Das Thema, mit dem wir uns heute abend durch die Gnade Gottes beschäftigen dürfen, ist besonders reichhaltig und kostbar. Vielleicht gibt es für einen Gläubigen kaum etwas Erhabeneres als die Dinge, in die wir uns jetzt vertiefen wollen. Ist es nicht herrlich zu wissen, dass der grosse Gott im Himmel, der mächtige Schöpfer aller Dinge, von Ewigkeit her „Gedanken des Friedens“ über mich gehabt hat? Als die Welten noch nicht da waren, als die Engel noch nicht geschaffen waren, als die Himmel noch nicht bestanden und die Erde nicht war, da hat Er an mich gedacht. Wenn du ein Gläubiger bist, darfst du wissen, dass Er an dich gedacht hat. Kannst du dir das vorstellen? Nicht nur bevor wir geboren waren, sondern lange bevor ein einziger Mensch geschaffen war, bestanden wir schon in den gütigen Gedanken Gottes. Und diesen ewigen „Ratschluss des Wohlgefallens Gottes“, den Er jetzt durch den Heiligen Geist geoffenbart hat, dürfen wir heute abend betrachten. Wir können sagen, dass diese Gedanken sogar das Wesentliche, das Kennzeichnendste des Christentums sind. Wenn du die Menschen fragen würdest: Was ist nun eigentlich das Wesen des Christentums?, dann würdest du vielleicht hören: Nun, dass wir einander lieben müssen, dass wir nach Mitmenschlichkeit und sozialer Gerechtigkeit trachten sollen. Leider aber wird sogar in vielen Gottesdiensten als Hauptinhalt des Christentums gelehrt, dass wir dem Guten füreinander nachstreben müssen. Wenn du die Frage dann auch einem Gläubigen stellen würdest, was würde er antworten? Vielleicht würde er sagen: Nun, dass wir durch das Blut Christi von unseren Sünden erlöst sind. Aber das ist nicht das Kennzeichnendste. Auch im Alten Testament wurden alle Menschen gerettet, die (wie Abel mit seinem Opfer) zu Gott kamen und sagten: Ich kann in meinem verdorbenen Zustand nicht vor Gott bestehen, ich kann nur aufgrund des Blutes des Opfers zu Ihm kommen. Sie wurden wiedergeboren und ihre Sünden wurden ihnen vergeben. Wiedergeburt und Sündenvergebung sind nicht für das Christentum allein kennzeichnend; zu allen Zeiten hat Gott Menschen gehabt, die Sein waren, deren Sünden aufgrund des einmal vergossenen Blutes Christi vergeben wurden.

Was ist denn nun das Wesentliche? Dieses: Das Christentum ist die volle Offenbarung Gottes und der himmlischen Dinge, die von Ewigkeit her bei Gott waren, die im Alten Testament verborgen waren und die Gott zu Seiner Zeit, nachdem Er Seinen Sohn gesandt hatte, geoffenbart hat. Das schliesst also drei Dinge ein.

1. Es umfasst die Gedanken, die Gott von Ewigkeit in Seinem Herzen gehabt hat. Das bedeutet also, dass es eigentlich falsch ist, was wir oft hören, dass der Vater und der Sohn in der „Stille der Ewigkeit“ ein Gespräch über die Frage geführt haben, was sie mit der Menschheit tun wollen, wenn diese geschaffen und in Sünde gefallen sein würde. Nein, die Dinge, über die wir sprechen, sind ewige Ratschlüsse Gottes, Pläne, die Er sich längst vor dem Anfang der Zeiten vorgesetzt hat. Wir lesen in Epheser 3, 11 wörtlich von einem Vorsatz der Ewigkeiten (vgl. die Fussnote in der Elberfelder Übersetzung). Das ist das erste Kennzeichen: Das Christentum ist die Offenbarung ewiger, himmlischer Dinge, die vor Grundlegung der Welt in dem Herzen Gottes waren.

2. Das zweite Kennzeichen ist, dass diese Dinge im Alten Testament verborgen waren. Wir lesen das z.B. sehr deutlich in Epheser 3, 3-6 im Zusammenhang mit der Versammlung Gottes. Diese Ratschlüsse waren ein Geheimnis, das in den vorigen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden war. Dasselbe lesen wir in Römer 16, 25; 1. Korinther 2, 7-8 und Kolosser 1, 26-27. Das ist sehr wichtig! Es bestand im Alten Testament nicht einmal die geringste Ahnung von den Dingen, die Gott jetzt geoffenbart hat, und nichts kann den Unterschied zwischen unserer Stellung und der der Gläubigen im Alten Testament deutlicher zeigen. Wir werden das noch sehen.

3. Das dritte Kennzeichen (das wir in denselben Schriftstellen finden) ist, dass diese verborgenen Gedanken Gottes jetzt geoffenbart sind, zuerst durch den Herrn Jesus und später ausführlich durch den Heiligen Geist.

„Aber“, wirst du sagen, „trifft das wirklich zu? Im Alten Testament gab es doch auch ein Volk Gottes, gab es doch auch Propheten Gottes, die Gedanken Gottes geoffenbart haben?“ Gewiss, zweifellos gab es im Alten Testament in gewissem Masse eine Offenbarung davon, wer Gott ist. Gott hat Sich Abraham als der Allmächtige geoffenbart; Melchisedek kannte Ihn als den Höchsten. Und Gott hat Sich Seinem Bundesvolk Israel als Jahwe geoffenbart. Das aber waren keine Offenbarungen von himmlischen Ratschlüssen, die von Ewigkeit in dem Herzen Gottes waren. Und wie kam das? Warum konnte Gott diese Dinge nicht schon im AltenTestament mitteilen? Das war unmöglich. Wir haben es doch mit himmlischen Dingen, Geheimnissen zwischen dem Vater und dem Sohn, ewigen Ratschlüssen im Vaterhaus zu tun. Wer hätte die vertrauten Gespräche zwischen dem Vater und dem Sohn und dem Geist, Gedanken, die für Menschenohren zu hoch sind, im Alten Testament mitteilen können? Die Propheten haben wohl über herrliche Dinge geschrieben, so herrlich, dass Jesaja sagt: „Was kein Auge gesehen, und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.“ Was das nun ist, das berichtet Jesaja nicht. Das konnte er nicht wissen. Paulus aber, der in 1. Korinther 2 diesen Ausspruch Jesajas zitiert, kann dem hinzufügen: „Uns aber hat Gott es geoffenbart durch seinen Geist.“ Aber wie war es den möglich, dass diese ewigen, göttlichen Geheimnisse nicht dem grossen Propheten Jesaja, wohl aber dem Apostel Paulus geoffenbart werden konnten? Weil in den Tagen Paulus’ zwei ausserordentliche Veränderungen stattgefunden hatten: 1. der Sohn des Vaters war Mensch geworden und befand sich als Mensch verherrlicht zur Rechten Gottes; und 2. der Heilige Geist war ausgegossen und in Person auf die Erde gekommen, um hier zu wohnen.

II. Die Offenbarung der himmlischen Dinge

Um die gewaltige Bedeutung der Menschwerdung und Verherrlichung Christi und des Kommens Gottes des Heiligen Geistes zu verdeutlichen, erinnere ich an das Gespräch, das der Herr Jesus mit Nikodemus hatte (Joh 3). Da kommt mitten in der Nacht ein Mann zu dem Herrn, mit dem Er über die Wiedergeburt zu sprechen beginnt. Das war keine himmlische Sache, das war im Alten Testament auch bekannt (Hes 36, 25-27). Der Herr sagt dann auch ungefähr so zu Nikodemus: Wie kommt es, dass du als ein Lehrer in Israel nichts von diesen „irdischen“ Dingen weißt? Und wenn du diese irdischen Dinge nicht glaubst, wie wirst du dann glauben, wenn ich mit dir über die himmlischen Dinge spreche? Dann fügt der Herr hinzu, wie diese himmlischen Dinge schliesslich doch bekanntgemacht werden. Es sagt: Wir (das sind nach dem Zusammenhang Gott der Heilige Geist und Gott der Sohn) reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben… Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist“ (Joh 3, 11. 13). Da haben wir die Lösung. Der Sohn des Vaters, der von Ewigkeit in dem Schoss des Vaters war, der alles, was der Vater zu Ihm sprach, gehört hatte (was kein Engel und kein Mensch je gehört hatten), und der aus dem Himmel herniedergekommen ist, der konnte die himmlischen Dinge mitteilen. Niemand hat Gott jemals gesehen, sagt Johannes 1, 18. Auch die Engel haben nicht gewusst, dass Gott Vater und Sohn und Heiliger Geist ist. Aber der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoss ist, der hat Ihn kundgemacht (Joh 1, 18). Wer konnte Gott als Denjenigen kundtun, der im tiefsten Wesen Vater ist, als nur der Sohn, der einzige, der Ihn als Vater kannte und von Ewigkeit her die Liebe des Vaterherzens gekannt und genossen hatte? Und Er, der ewige Sohn des Vaters, wurde der Sohn des Menschen und kam hier auf die Erde, um den Menschenkindern alles kundzutun, was Er von dem Vater gehört hatte (Joh 15, 15). Ist das nicht wunderbar? Diese Dinge konnten die Propheten nicht wissen. Sie kannten das Vaterhaus nicht, und sie kannten das Vaterherz nicht. Das kannte nur der Sohn des Vaters. Und Er ist gekommen, um uns die Geheimnisse des Vaterherzens mitzuteilen.

Wie hoch und erhaben diese Dinge sind, wird gut aus der Tatsache ersichtlich, dass sogar Seine Jünger (obwohl sie wiedergeboren waren) nichts davon begriffen haben. Darum sagt der Herr zu ihnen: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wir er euch in die ganze Wahrheit leiten“ (Joh 16, 12. 13). Nicht viele Tage danach würde der Herr Jesus den Heiligen Geist senden, und dieser würde sie alles lehren und sie an alles erinnern, was Er ihnen gesagt hatte (Joh 14, 26).

An alles, was sie jetzt nicht verstanden, würden sie sich dann wieder erinnern, und durch den Heiligen Geist, der in sie kommen würde, würden sie es dann gut verstehen; gleichwie der Herr zu Petrus sagt: „Du wirst es hernach verstehen“ (Joh 13, 7). Das galt nicht erst, nachdem Petrus entschlafen sein würde (so lange brauchte er glücklicherweise nicht zu warten), sondern in dem Augenblick, wenn der Heilige Geist ausgegossen sein würde. Der Heilige Geist würde ihnen nicht nur alles in Erinnerung bringen, was der Herr gesagt hatte (das haben die Zwölf verkündigt), sondern darüber hinaus auch das Fehlende offenbaren, die volle Wahrheit, wie sie dann vor allem durch den Apostel Paulus verkündigt worden ist. Dieses doppelte Zeugnis finden wir auch am Ende von Johannes 15; an dieser Stelle macht der Herr deutlich, dass die Jünger von Ihm zeugen würden (nämlich von dem, was der Herr auf der Erde war), aber dass danach der Heilige Geist mit einem anderen Zeugnis kommen würde (nämlich von dem, was der Herr jetzt im Himmel ist), und das ist im besonderen Paulus anvertraut worden. Der Sohn hat damit begonnen, die himmlischen Dinge zu offenbaren, und der Heilige Geist hat das Werk fortgesetzt. Wie der Sohn im Namen des Vaters und über den Vater sprach, so spricht der Heilige Geist im Namen des Sohnes und über den verherrlichten Sohn (Joh 16, 13-15).

Nicht nur der Sohn kannte die Geheimnisse Gottes, sondern auch der Heilige Geist, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes; niemand kennt die Dinge Gottes, als nur der Geist Gottes (1. Kor 2, 10. 11). Das ist kennzeichnend für den christlichen Glauben; er ist die Entfaltung himmlischer Dinge, die in allen vorhergehenden Zeitaltern verborgen waren, und die nun durch den Herrn Jesus und danach durch den Heiligen Geist geoffenbart worden sind.

III. Die Erwählung Israels

Aus dem Vorhergehenden können wir eine wichtige Schlussfolgerung ziehen, nämlich dass wir, die wir an diesen geoffenbarten Wahrheiten aufgrund einer ewigen Auserwählung teilhaben, einen völligen anderen Platz einnehmen als das Volk Israel im Alten Testament; denn Israel kannte die himmlischen Dinge nicht, geschweige denn hatte es teil daran. Sie waren ihnen nicht geoffenbart, und wenn wir darüber nachdenken, verstehen wir das auch. Als Abraham berufen wurde, sagte Gott zu ihm, dass Er ihn zu einem grossen Volk machen würde und dass Er seinem Samen das Land Kanaan geben würde. Wenn wir weiter nachsuchen, was Gott Israel geschenkt hat, dann finden wir, dass alle Segnungen, die sie empfingen, ausschliesslich mit dieser Erde zu tun hatten. Sie sollten glücklich im Land wohnen, erlöst von ihren Feinden, mit einer gesegneten Ernte, mit dem Segen des Backtrogs, des Viehs, des Weinstocks und des Mutterschosses. Alles, was Gott dem Menschen hier auf der Erde an Gutem zu geben hat, hat Er Israel verheissen – vorausgesetzt, dass sie auf Seine Worte achten würden.

Dieses Volk Israel war also von Gott aus allen Völkern auserwählt, um Sein Volk zu sein und um diese bevorrechtigte, gesegnete Stellung einzunehmen. Wir verstehen, dass das eine völlig andere Auserwählung ist als die, über die wir jetzt sprechen. Israel war auserwählt, Gottes eigenes Volk auf der Erde zu sein und alle Segnungen dieser Erde zu empfangen. Doch das war lediglich eine äusserliche Stellung. Alle Israeliten gehörten zu dem auserwählten Volk Gottes, wenn auch viele von ihnen nicht wiedergeboren waren und verloren gingen. In 1. Korinther 10 sagt Paulus, dass alle wohl durch das Rote Meer gezogen waren und in die Wüste gebracht wurden. Aber an den meisten von ihnen hatte Gott kein Wohlgefallen und streckte sie in der Wüste hin. Ihre Auserwählung war lediglich eine äusserliche Auserwählung. Man gehörte aufgrund der Geburt und der Beschneidung zu dem auserwählten Volk. Wenn jemand nicht glaubte und die Worte Gottes in den Wind schlug, dann ging er verloren – aber er gehörte trotzdem zu dem auserwählten Volk Gottes. Diese Auserwählung hatte es mit jemandes zeitlicher, äusserlicher Stellung auf der Erde zu tun, nicht mit seiner ewigen Bestimmung. Das müssen wir sehr genau unterschieden. Unsere Auserwählung hat es ausschliesslich mit unserer ewigen, himmlischen Bestimmung zu tun. Die Auserwählung Israels war eine zeitliche Erwählung – auf der neuen Erde wird es kein besonderes Volk Israel mehr geben -, unsere Auserwählung aber ist ewig und himmlisch.

Darum datiert unsere Auserwählung von vor Grundlegung der Welt, ja von Ewigkeit her, die Auserwählung Israels hingegen von Grundlegung der Welt, also von Beginn der Zeit an. Wie deutlich ist dieser Unterschied, wenn wir ihn einmal gesehen haben! Diejenigen, die zur Versammlung, dem himmlischen Volk Gottes gehören, haben teil an einer ewigen, himmlischen Auserwählung, und diejenigen, die zu Israel, dem irdischen Volk Gottes, gehören, haben teil an einer zeitlichen, irdischen Auserwählung. Jeder kann darüber sagen, was er will, aber die Schrift macht diesen Unterschied auf jeden Fall sehr deutlich und gibt nicht den geringsten Anlass für die Behauptung, dass auch die Gläubigen des Alten Testaments Gegenstände eines ewigen Ratschlusses Gottes waren. Man kann hierüber wohl allerlei Vorstellungen haben, aber die Schrift ist darin völlig klar – und sie ist der einzige Massstab! Übrigens wird jemand, der nur ein wenig nachdenkt, erkennen müssen, dass den Israeliten im Alten Testament in der Tat kein einziger himmlischer Segen in Aussicht gestellt war. Ihre Erwartung war also auch nicht auf den Himmel gerichtet, sondern auf die Auferstehung und auf das Friedensreich auf der Erde! Ich sage nicht, dass z.B. die Erzväter nichts von himmlischen Dingen geahnt haben (vgl. Joh 8, 56; Hebr 11, 10. 16), aber ich spreche nicht von dem was sie sahen, sondern von dem, was ihnen geoffenbart war; darüber hinaus befanden sie sich noch nicht unter dem Bund vom Sinai. Dem Volk Israel gab Gott keine einzige Verheissung, die eine Beziehung zum Himmel hatte; alle Segnungen für Israel waren irdisch. Doch wie ist es mit uns? In Epheser 1,3 lesen wir, dass wir mit jeder geistlichen Segnung gesegnet sind – und wo? In den himmlischen Örtern! Es ist mit uns also genau umgekehrt wie mit Israel. Unsere Segnungen sind nicht materiell, sondern geistlich, nicht irdisch, sondern himmlisch.

Ist es aber denn kein Segen, wenn du gesund bist, wenn du reichlich zu essen hast? Ganz gewiss, dafür darfst du Gott danken. Diese Dinge werden aber nicht zu den christlichen Segnungen gezählt. Zahllose Ungläubige sind ebenso gesund und wohlhabend, und zahllose Christen sind krank und arm. Aber für einen Christen ist der wahre, eigentliche Segen geistlich und himmlischen Charakters. Diesen Segen werden wir auch erst dann völlig besitzen und geniessen, wenn wir wirklich im Himmel sind. Der Herr Jesus hat verheissen, dass Er uns bei Seiner Ankunft tatsächlich dort einführen wird. Dort im Vaterhaus werden wir diese ewigen Segnungen des Himmels im vollen Masse geniessen. Deshalb dürfen wir, die wir zu einer ewigen, himmlischen Herrlichkeit auserwählt sind, wissen, dass diese Erwählung von Ewigkeit her besteht. Es heisst in Epheser 1, 4, dass wir vor Grundlegung (d.h. Erschaffung) der Welt auserwählt sind. Bevor die Welt bestand, ja sogar bevor die Engel waren (denn auch die Engel wurden erschaffen; Kol 1, 16), bevor auch nur etwas von der Schöpfung bestand und nur das Vaterhaus da war (wo der Vater und der Sohn und der Geist von Ewigkeit gewohnt haben), da hat Gott uns auserwählt. Ja, weil wir auserwählt sind, in diesem Vaterhaus zu wohnen, sagen wir zuviel, wenn wir meinen, diese Auserwählung sei so alt wie das Vaterhaus selbst? Und wie alt ist das Haus, in dem der Vater wohnt? Nun, wie lange ist Gott schon Vater? Gott ist von Ewigkeit her der Vater des Sohnes gewesen. Das Haus des Vaters besteht also von Ewigkeit. Ich glaube, dass Gottes Pläne, Sein Haus mit Seinen Kindern zu bevölkern, die Seinen Sohn als ihr Leben besitzen, so alt sind wie dieses Vaterhaus selbst.

Wie steht es nun aber mit denen, die nicht für den Himmel, sondern für diese Erde auserwählt sind? Die Erde besteht von Grundlegung der Welt an. Darum lesen wir in Gottes Wort, dass diejenigen, die für diese Erde auserwählt sind, nicht vor Grundlegung der Welt auserwählt sind, sondern von Grundlegung der Welt an. Du findest das z.B. in Matthäus 25, 34, wo der König zu denen zu Seiner Rechten sagt: „Kommet her, Gesegnete meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an.“ Die Gläubigen, die also in dem zukünftigen Friedensreich hier auf der Erde wohnen und die irdischen Segnungen empfangen werden, sind von Grundlegung der Welt an auserwählt. Sie sind mit dieser Erde verbunden, und darum datiert ihre Auserwählung von dem Tag an, seit die Erde besteht. Ich sage das deshalb, damit wir umso besser verstehen, wie gross das Vorrecht ist, in dieser Haushaltung geboren und in dieser Zeit ein Kind Gottes zu sein. Das bedeutet nämlich, dass wir nicht zu denjenigen gehören, die im tausendjährigen Friedensreich auf der Erde wohnen werden, sondern dass wir zu denen gehören, an die Gott von Ewigkeit her gedacht hat, um sein Sein eigenes Haus einzuführen.

IV. Sieben ewige Dinge

Ich möchte nun gern auf die Dinge eingehen, die vor Grundlegung der Welt bei Gott im Himmel gewesen sind, und die Welt mit allen unseren Segnungen in Verbindung stehen.

Ich nenne sieben Dinge, wovon wir das erste in Johannes 17 finden. Dort haben wir nicht, wie man oft sagt, das hohepriesterliche Gebet; das bliebe hinter dem, was wir da finden, zurück. Es ist nicht der Hohepriester, der dort zu Gott betet, sondern es ist der Sohn, der den Vater bittet. Verstehst du diesen Unterschied? Das ist im wahrsten Sine des Wortes ein Unterschied wie „Himmel und Erde“. Da ist der ewige Sohn Gottes, der auf die vertrauteste Weise zu Seinem Vater spricht, und es ist nichts als Gnade, dass wir still zuhören dürfen. Dort sagt der Sohn (V. 5): „Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Und in Vers 24 steht: „Vater, ich will, dass die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, auf dass sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.“ Hier wird uns ein Blick in die vergangene Ewigkeit gestattet, bevor die Welt bestand, wie wir eben zweimal gelesen haben. Da finden wir im Vaterhaus den Vater und den Sohn, in dem der Vater den Sohn mit einer wunderbaren, ewigen Liebe geliebt hat, und in dem der Sohn mit einer göttlichen, ewigen Herrlichkeit bekleidet ist; denn Er war Gott der Sohn, von Ewigkeit im Schoss des Vaters. Bei dieser vollkommenen Liebe, vollständigen Ruhe und vollkommenen Herrlichkeit hätte es immer bleiben können. Doch es ist nicht dabei geblieben. Wohl hat der Vater den Sohn mit einer ewigen, herrlichen und vollkommenen Liebe geliebt, und diese Liebe fand ihre volle Befriedigung in dem Sohn; aber die Liebe Gottes war so gross, dass noch viele andere die Gegenstände dieser unendlichen, starken Liebe werden konnten. Hier entsteht jedoch ein Problem: Wer würden die Gegenstände dieser Liebe sein können? Nur der Vater und der Sohn und der Heilige Geist waren von Ewigkeit; da war allein Gott. Gott aber wollte Seine Liebe anderen schenken, und darum hat Er von Ewigkeit an einen Plan gehabt, Geschöpfe für Sich Selbst zu haben, die ein Abbild Seiner Selbst sein sollten. Er wollte sie nicht nur Seine Liebe zu dem Sohn teilen lassen, sondern sie mit allen Segnungen segnen, die der Sohn genoss, ja, sie dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig machen.

Versteht ihr das Wunder der Auserwählung? Gott hat es in Seinem Herzen gehabt, alles, was der Sohn von Ewigkeit her bei Ihm genoss, dir und mir zu schenken, soweit wir Kinder Gottes sind. Aber wie war es möglich, das zu verwirklichen? Besteht nicht eine ungeheure Kluft zwischen uns Geschöpfen von Fleisch und Blut und dem ewigen Sohn Gottes, der in dem Schoss des Vaters im Vaterhaus ist? Wie war es möglich, dass Gott uns Ihm gleich machen konnte? O, das ging auch nicht so ohne weiteres. Wir können nicht Gott dem Sohn gleich werden. Das Wunder ist: Gott der Sohn konnte dir und mir gleich werden! Gott konnte Mensch werden, und das ist der Kern des wunderbaren Planes, den Gott von Ewigkeit gehabt hat – den Sohn als Mensch auf die Erde zu senden. Er, der in 1. Korinther 15 „der Mensch aus dem Himmel“ und in Johannes 3,13 „der Sohn des Menschen, der im Himmel ist“ genannt wird, der wurde auf die Erde gesandt. Er ist Mensch geworden, und darin wurde Er dir und mir gleich; so wie Philipper 2 sagt: Er ist in Gleichheit der Menschen geworden. Genügte das? Nachdem der Herr Jesus als Mensch auf die Erde gekommen war, konnten wir da mit Ihm in Verbindung kommen? Nein, denn als Er Mensch geworden war, da besass Er die Herrlichkeiten des Himmels immer noch allein als der ewige Sohn. Er musste sie als Mensch erwerben; denn nur dann, wenn Er als Mensch die himmlische Herrlichkeit besitzen würde, konnte Er als Mensch diese Dinge mit uns, mit Menschen, teilen. Wie hat Er nun als Mensch diese Herrlichkeit erworben? Er sagt in Johannes 17: „Ich habe dich (den Vater) verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, welches du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte. Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Auf dem Kreuz ist das Werk vollkommen vollbracht worden; der Herr stellt Sich hier sozusagen hinter das Kreuz. Und nun sagt Er: Vater, belohne du mich jetzt mit der Herrlichkeit, die ich schon bei dir hatte, als ich vor der Erschaffung der Welt als Sohn in deinem Schoss war, damit ich diese Herrlichkeit nun auch als Mensch besitze; denn als Mensch habe ich das Werk der Verherrlichung vollbracht. Der Vater hat dieses Gebet erhört. Und was sagte der Herr dann in Vers 22? „Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen (den Gläubigen) gegeben“. Ist das nicht wunderbar? Die Herrlichkeit, die der Herr Jesus als Mensch durch Sein Werk hier auf der Erde erworben hat, dieselbe Herrlichkeit hat Er dir und mir geschenkt, die wir Ihm angehören und Kinder des Vaters sind.

2. So komme ich zu dem zweiten, was von Ewigkeit bei Gott war. Das erste war die Herrlichkeit des Sohnes und die Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn von Ewigkeit her. Das zweite lesen wir in 1. Petrus 1, 20: das Lamm Gottes, zuvorerkannt vor Grundlegung der Welt. Der Sohn, der Sich im Schoss des Vaters befand, war von Ewigkeit zuvorerkannt als das tadellose und unbefleckte Lamm, das sein Blut geben würde. Das müssen wir gut verstehen. Diese Vorkenntnis war schon lange da, bevor die Sünde bestand. Die Sünde ist erst durch Adam in die Welt gekommen, aber bevor die Schöpfung bestand, gab es natürlich keine Sünde. Doch da hat Gott den Herrn Jesus schon als das Lamm Gottes zuvorerkannt. Nicht in erster Linie für unsere Sünden, sondern um hier auf der Erde Gott zu verherrlichen, indem er das Werk Gottes vollbrachte. Es handelt sich hier nicht um einen Ziegenbock – das ist im Besonderen das Tier für das Sündopfer (3. Buch Mose 16), sondern um ein Lamm, das Tier für das Brandopfer (2. Mose 29). Das spricht nicht von der Sühnung für Sünden, sondern von dem, was der Herr Jesus mehr getan hat, als für die Sünden nötig war, damit wir mehr als nur Sündenvergebung empfingen, ja, angenehm gemacht würden in dem Geliebten (Eph 1, 6), mit Dessen Herrlichkeit bekleidet und mit allen himmlischen Segnungen beschenkt (vgl. im Bilde 2. Mo 29, 43-45; 3. Mo 1, 3, 4. 9; 7, 8). Das hat der Herr Jesus bewirkt, indem Er nicht nur als das Sündopfer unsere Sünden trug, sondern auch als das Brandopfer Gott auf das Höchste verherrlichte. Das war der erste Zweck, zu dem Er auf die Erde kam. Durch die Übertretung Adams kam das Sündenproblem als weiterer Zweck hinzu. Wir sind nicht in erster Linie von Ewigkeit auserwählt, um von unseren Sünden erlöst zu werden – dies ist nicht der eigentliche Zweck der Auserwählung, - sondern um die himmlischen Segnungen zu empfangen. Als wir in Sünde gefallen waren, musste dieses Problem zuerst gelöst werden, aber darauf hat die Auserwählung keinen direkten Bezug. Auch wenn die Sünde nicht gewesen wäre, hätte Gott doch eine Grundlage haben müssen, um uns irdischen Geschöpfen die himmlischen Segnungen schenken zu können. Gott kann nicht ohne weiteres sagen: Ich werde Menschen in meinen Himmel bringen. Es war nötig, dass der Herr Jesus als das Lamm auf die Erde kam, um das Werk der Verherrlichung zu vollbringen. Natürlich war es gerade die Sünde, die Er zum Anlass nahm, um Gott zu verherrlichen – und Gott wäre auch nicht so verherrlicht worden, wenn die Sünde nicht gewesen wäre -, aber es ging nicht in erster Linie um die Austilgung der Sünden, sondern um die Verherrlichung Gottes. Denn nur aufgrund dieser Verherrlichung Gottes konnte der Herr Jesus als Mensch – und konnten wir mit Ihm – von Gott verherrlicht werden.

Als die Sünde nun da war, musste der Herr hierfür sterben. Das Lamm musste geschlachtet werden und sein Blut vergiessen. Er hat gesagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“ Und Er hat Frucht hervorgebracht. Als Er Seine Seele zu einem Schuldopfer gestellt hatte, sah Er Samen und konnte am Auferstehungsmorgen zu Maria sagen: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ Das konnte Er nicht sagen, bevor Er gestorben und auferstanden war, danach aber konnte Er sagen, dass Sein Vater nun auch unser Vater geworden war. Gewiss gibt es einen Unterschied. Er bleibt immer der ewige Sohn, aber doch ist Sein Vater nun auch unser Vater geworden, denn wir haben den ewigen Sohn als unser Leben empfangen. Wir sind keine adoptierten Kinder, sondern Kinder durch Geburt. Denen, die den Sohn angenommen haben und an Seinen Namen glauben, denen hat Er das Recht gegeben, Kinder Gottes genannt zu werden, denen, die aus Gott geboren sind (Joh 1, 12. 13). Wir sind aus Gott geboren, wirkliche Kinder des Vaters, und wir sind in allem dem Herrn Jesus gleich geworden in dem, was Er als Mensch erworben hat, wie wir gleich noch näher sehen werden.

3. Das dritte, das vor Grundlegung der Welt seinen Ursprung in Gott hat, finden wir in 2. Timotheus 1, 9: „Er hat uns errettet und berufen mit heiligem Rufe, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns in Christo Jesu vor den Zeiten der Zeitalter gegeben, jetzt aber geoffenbart worden ist durch die Erscheinung unseres Heilandes Jesus Christus, welcher den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“

Das ist der dritte Punkt. Gott hat von Ewigkeit her Gnade in Seinem Herzen für uns gehabt. Er hat uns diese in Christus, schon bevor die Schöpfung bestand, „gegeben“. Nun denkst du vielleicht wieder an Gottes Gnade gegenüber Sündern. Aber dann sage ich wieder: Das Sündenproblem ist erst später hinzugekommen. In 2. Timotheus reicht die Gnade viel weiter; es ist doch auch Gnade von Gott, dass Er uns, die wir Geschöpfe sind, an Sein Herz erheben und in die himmlischen Segnungen einführen wollte. Diese Gnade hat Gott uns von Ewigkeit in Christus Jesus gegeben. Die Person und das Werk des Herrn Jesus bilden immer die Grundlage und den Mittelpunkt. Ausser Ihm gibt es keine Gnade und Liebe für uns. Der ganze ewige Vorsatz Gottes ist „in Christus Jesus“.

4. Daran schliesst sich sogleich der vierte Punkt an. Den finden wir in Titus 1, 2, wo wir lesen, dass Gott das ewige Leben vor ewigen Zeiten verheissen hat. Dieses ewige Leben ist nun geoffenbart, wie Paulus sagt, durch die Predigt, die mir anvertraut ist. Denke einmal hierüber nach! Bevor die Zeit begonnen hatte, bevor die Schöpfung bestand, hat Gott das ewige Leben für uns verheissen. Wem hat Gott das verheissen? Es gab noch keinen Menschen und noch keinen Engel. Da waren nur der Vater und der Sohn. Da hat der Vater in der Ewigkeit dem Sohn verheissen, dass Er das ewige Leben Menschenkindern schenken würde, und in dem Sohn hat Er es uns verheissen, lange bevor wir lebten. Was ist denn nun das ewige Leben? Wir lesen in 1. Johannes 5, 20, dass der Sohn Selbst der wahrhaftige Gott und das ewige Leben ist, und in 1. Johannes 1, 2, dass der Herr Jesus das ewige Leben ist, das bei dem Vater war und uns geoffenbart worden ist. Der Vater hat also in der Ewigkeit zu dem Sohn gesagt, dass Er Ihn Selbst, den Sohn, als das ewige Leben Menschenkindern schenken würde. In dieser reichen Form haben die Gläubigen im Alten Testament das Leben der Wiedergeburt niemals besessen. Sie besassen Leben aus Gott, aber der Herr Jesus ist gekommen, damit Seine Schafe dieses Leben in einer überfliessenden Form besitzen sollten (Joh 10, 10). Das konnte Er erst schenken, nachdem Er gestorben und auferstanden war. Dann kam Er zu Seinen Jüngern, hauchte in sie und sagte: „Empfanget (den) Heiligen Geist“; nicht den Heiligen Geist, als Person, denn Der kam erst am Pfingsttag, um in ihnen zu wohnen (Apg 2, 1; 1. Kor 6, 19), sondern „Heiligen Geist“ als die Kraft, den Überfluss, den geistlichen, göttlichen Charakter des neuen Lebens. Was kein Gläubiger im Alten Testament sagen konnte, können wir jetzt sagen; sie hatten das Leben der Wiedergeburt ebenso wie wir, aber wir können sagen, dass der ewige Sohn des Vaters Selbst unser Leben ist und dass wir vor allen Zeiten nach dem Vorsatz Gottes zum Besitz dieses Lebens auserwählt sind. O, wie bewundern wir hierin die ewige, mannigfaltige Weisheit Gottes!

5. Hierauf hat der fünfte Punkt Bezug, den wir in 1. Korinther 2 finden, wo wir von einer „verborgenen“ Weisheit Gottes vor allen Zeitaltern lesen, einer Weisheit, die vor Menschen und Engeln verborgen war. Als Gott die Welten schuf, haben die Engel gejauchzt (Hiob 38, 7), denn darin erkannten sie die Weisheit Gottes, wenn sie auch die Weisheit da nicht völlig kennengelernt haben. Die Weisheit Gottes (in ihrem tiefsten Wesen und in ihrer herrlichsten Entfaltung) blieb seit der Schöpfung in allen Zeitaltern verborgen. Gott Selbst hatte Sich noch nicht völlig geoffenbart. Niemand hatte Gott jemals gesehen, auch die Engel nicht. Erst als der Herr Jesus als ein kleines Kind in der Krippe lag, haben die Engel dort zum ersten Mal ihren Schöpfer angeschaut und aufs Neue gejubelt. Da sehen sie die „Weisheit Gottes“ (Spr 8); denn in Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen (Kol 2, 3) – aber die volle Entfaltung der Weisheit Gottes war noch nicht da. Diese kam erst, nachdem Er ans Kreuz gegangen war und alle Konsequenzen dieses Kreuzes offenbar wurden.

6. Wir lesen nirgends in Gottes Wort, dass der Herr Jesus die ganze Welt oder alle Sünder geliebt hat, sondern Er hat Seine Versammlung geliebt und Sich für sie in den Tod hingegeben (Eph 5, 25). Das ist das sechste: Christus hat Sich von Ewigkeit an Seine Braut vor Augen gestellt und hat, um sie zu besitzen, das Kreuz erduldet und der Schande nicht geachtet (Hebr 12, 2). Was lesen wir nun in Epheser 3, 10? Dass jetzt – nicht früher! – nach dem ewigen Vorsatz Gottes die Fürstentümer und Gewalten, die Engelscharen in den himmlischen Örtern, in der Versammlung Gottes die mannigfaltige Weisheit Gottes anschauen. Erst jetzt sehen die Engel die völlige Entfaltung der Weisheit Gottes in all ihren reichen Widerspiegelungen. Das war bei der Schöpfung nicht der Fall; es wurde erst möglich, als Gott in der Versammlung Seine Ratschlüsse entfaltete. Denn die Versammlung ist die Gemeinde all derjenigen, die wahrhaftig an Christus glauben, die vor Grundlegung der Welt auserwählt sind, die gesegnet sind mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern und die einst in und mit Christus ihren Platz über der ganzen Schöpfung einnehmen werden. Dazu kommt, dass sie im Vaterhaus wohnen werden. Das ist das höchste Teil des Himmels, höher als die geschaffenen Dinge, höher als der Ort, an dem der Thron Gottes steht und an dem auch die Engel sind. Das Vaterhaus ist nicht erschaffen, sondern es ist der ewige Wohnort des Vaters und des Sohnes, wo kein Engel jemals gewesen ist. Dort befinden sich auch noch keine Gläubigen, denn die Entschlafenen sind im Paradies und dort sind sie auch bei dem Herrn. Allerdings sind sie da noch nicht vollständig, denn nur ihre Seele befindet sich dort. Ihre Leiber sind noch im Grab. Wenn der Herr kommt, dann werden sie in das Vaterhaus eingehen (Joh 14, 1-3). So gross und so reich sind unsere Segnungen: als die Versammlung Gottes teilen wir in allem den Platz des verherrlichten Herrn Jesus, und als die Familie Gottes werden wir bis in alle Ewigkeit im Haus des Vaters wohnen. Das alles ist in einem „Vorsatz der Ewigkeiten“ enthalten (so steht es da eigentlich), den Gott Sich im Hinblick auf die Versammlung in Christus Jesus vorgenommen hat.

7. Schliesslich lesen wir, dass Gott Sich nicht nur vorgenommen hat, die Versammlung zu bilden, sondern dass auch jedes einzelne Glied dieser Versammlung vor Grundlegung der Welt auserwählt ist. Gott hat nicht nur an die Versammlung als Ganzes gedacht, sondern von Ewigkeit her auch an jeden einzelnen Gläubigen. Er hat uns nicht nur „zuvorerkannt“ (Auserwählung heisst nicht nur, dass Gott zuvor wusste, was wir in Christus werden würden), sondern Er hat uns auch ausdrücklich „zuvorbestimmt“, die allerhöchste Herrlichkeit zu empfangen. Auserwählung bedeutet ausdrücklich, dass Gott vor allen Zeiten bestimmte Menschen auserwählt hat, die höchsten Vorrechte und Segnungen zu empfangen und andere Menschen nicht. Dass einige hieraus schliessen, diese anderen Menschen seien durch Gott für die Hölle zuvorbestimmt, beweist nur, dass sie von der Auserwählung selbst nichts verstehen. Hätte der Mensch nicht gesündigt, wäre niemand jemals in die Hölle gekommen – aber das hätte nichts an der Tatsache geändert, dass Gott bestimmte Menschen auserwählt hat, über ihre Mitmenschen hinaus alle himmlischen Segnungen zu empfangen. Die Schrift lehrt nirgends, dass bestimmte Menschen von Gott für die Hölle zuvorbestimmt sind. Die Hölle ist nicht für Menschen bereitet, sondern für den Teufel und seine Engel (Mt 25, 41). Wenn trotzdem Menschen in die Hölle kommen, so ist dies ausschliesslich die Folge ihrer eigenen Sünde. Die gewöhnliche Bestimmung für den Menschen ist die Erde, nicht der Himmel und auch nicht die Hölle. Wäre die Sünde nicht gewesen, hätte der Mensch ewig auf der Erde gelebt und nicht im Himmel. Alle, die von ihrer Sünde erlöst sind, werden in Ewigkeit auf der neuen, gereinigten Erde wohnen, nicht im Himmel (Offb 21, 1-8). Daneben hat Gott eine bestimmte Gruppe (die Glieder der Versammlung) auserwählt, alle himmlischen Segnungen zu empfangen und dort im Himmel ewig bei Ihm zu wohnen. Die übrigen Menschen waren damit nicht von vorneherein verworfen und für die Hölle bestimmt, sondern sie sollten nach Gottes Plan die normale Bestimmung des Menschen empfangen und ewig gesegnet auf der Erde wohnen. Nachdem der Mensch jedoch geschaffen war, kam das Sündenproblem dazwischen und damit wurde alles anders. Der Mensch konnte in seinem sündigen Leib nicht ewig auf der Erde wohnen, und konnte noch viel weniger Gemeinschaft mit Gott haben. Darum brachte Gott Erlösung in Christus Jesus. Diese Erlösung hat an sich nichts mit der ewigen Auserwählung zu tun! Das wird ganz einfach daraus ersichtlich, dass nicht nur diejenigen, die von Ewigkeit auserwählt waren (also die Versammlung), die Erlösung empfangen haben, sondern auch viele von denen, die nicht von Ewigkeit auserwählt waren! Das sind also alle Gläubigen, die vor der Auferstehung des Herrn gestorben sind, und die, die nach der Aufnahme der Versammlung zur Bekehrung kommen werden. Sie werden in Auferstehungsleibern ewig auf der Erde wohnen und sind ebenso wie die Gläubigen der Versammlung von ihren Sünden erlöst. Sie sind nicht zum Besitz aller geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern auserwählt und werden nicht für ewig im Himmel, sondern auf der Erde wohnen.

V. Wozu sind wir auserwählt?

Wie kommt es eigentlich, dass diese einfachen Wahrheiten so wenig verstanden werden und dass man ihnen so viel widerspricht? Weil man so viel von dem Bund mit Abraham weiss und so wenig vom Christentum. Weil man so wenig weiss, wozu Gott uns, als Glieder Seiner Versammlung, auserwählt hat. Man hat „elegante“ theologische Systeme konstruiert, die auf einen betrügerischen Universalismus gegründet sind: alle Menschen sind Sünder und können nur durch den Glauben an das versöhnende Blut Christi erlöst werden, und in allen Zeitaltern haben auch in der Tat viele auf Grund dieses Blutes Vergebung gefunden. Das ist richtig – aber was tut man dann? Man wendet alle Verheissungen, Vorrechte und Segnungen, die in der Bibel stehen, praktisch ohne Unterschied auf diese ganze Gruppe von Erlösten an, ohne auf den Unterschied in der Haushaltung, den Unterschied in der Stellung, den Unterschied in der Bestimmung oder auf sonstige Unterschiede zu achten. Die Segnungen für Israel werden ohne Bedenken auf uns übertragen, und die Segnungen der Versammlung auf die alttestamentlichen Gläubigen umgepflanzt. Es ist alles ein Chaos. Man sieht zu Recht, dass es in allen Zeitaltern Menschen gegeben hat, die dies gemein hatten: Leben aus Gott und Erlösung durch das Blut Christi – und nun meint man, dass alle diese Menschen auch alle anderen Segnungen, die in der Bibel stehen, wohl gemeinsam haben werden. Beinahe nichts hat mich in der Theologie mehr bestürzt gemacht, als diese Naivität. Sicher haben wir Segnungen empfangen, die die Folge der Verheissung an Abraham sind. Wo aber gibt die Bibel Grund für universalistische Ausdrücke wie „die Kirche von Adam an“ oder „wir sind in den Bund Abrahams aufgenommen“? Es gibt tatsächlich Segnungen, die ich mit allen Gläubigen aller Zeiten gemeinsam habe. Wenn ich aber nicht sehe, was ich aufgrund der ewigen Auserwählung Gottes insgesamt mehr empfangen habe als Gläubige aus anderen Haushaltungen, dann habe ich noch keinen Begriff davon, was es heisst, ein Christ zu sein. Ich weiss, dass ich wiedergeboren bin und dass meine Sünden vergeben sind. Das macht mich jedoch an sich noch nicht zu einem Christen. Ich weiss, dass ich die Natur Gottes empfangen habe, dass ich ein Sohn Gottes geworden bin, dass ich im Prinzip die Herrlichkeit Christi empfangen habe, dass ich in Sein Bild verwandelt werde, mit Ihm über alle Dinge regieren und im Haus des Vaters wohnen werde, und als Beweis für all das bin ich mit dem Heiligen Geist versiegelt – das macht mich zu einem Christen. Zu diesen Dingen hat mich Gott von Ewigkeit auserwählt, und diese Dinge sind es, die die Glieder der Versammlung kennzeichnen und die sie von allen Gläubigen aus anderen Haushaltungen unterscheiden.

Ich will fünf Segnungen nennen, von denen die Schrift sagt, dass wir dazu zuvor auserwählt oder vorherbestimmt sind. Drei davon finden wir in Epheser 1.

1. In Epheser 1, 4 steht, dass Gott uns vor Grundlegung der Welt auserwählt hat. Mit welchem Ziel? Damit wir heilig und tadellos vor dem Angesicht Gottes seien in Liebe. Das ist das erste. Wir lesen in Vers 3: „Gepriesen sei der Gott und der Vater unseres Herrn Jesus Christus“. Das bedeutet, dass der Herr Jesus in zweierlei Beziehung zu Gott steht. Er ist Mensch, und als solcher konnte Er von „Seinem Gott“ sprechen, und Er ist gleichzeitig der ewige Sohn des Vaters. Aber auch wir kennen Gott nun als „unseren Gott“ und als „unseren Vater“. Der Herr hat Selbst gesagt: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20, 17). Nun, wie wir jetzt mit Gott in Verbindung stehen, finden wir in Vers 4: Er hat uns dazu auserwählt, Seine Natur zu besitzen. Wie wir mit dem Vater in Verbindung stehen, finden wir in Vers 5: Er hat uns zur Sohnschaft zuvorbestimmt. Das erste in Vers 4 ist also, dass wir heilig und tadellos vor Gott seien in Liebe. Wir lesen in 1. Johannes 1, dass Gott Licht ist, und in 1. Johannes 4, dass Gott Liebe ist. Diese beiden Kennzeichen finden wir auch hier. Wenn Gott Licht ist, und in 1. Johannes 4, dass Gott Liebe ist. Diese beiden Kennzeichen finden wir auch hier. Wenn Gott Licht ist, dann beinhaltet das, dass Er heilig in Seinem Wesen und tadellos in Seinen Wegen ist. Wenn wir in Seinen Himmel eingeführt werden sollen, und wenn wir fähig sein sollen, in Seiner Gegenwart zu bestehen und vollkommene Gemeinschaft mit Ihm zu haben, dann kann das nur sein, wenn wir die Wesensmerkmale Gottes besitzen: heilig und tadellos. Dazu hat Gott uns in Christus besonders auserwählt, denn von Natur hat der Mensch diese Wesensmerkmale nicht. Ich meine nicht nur, dass wir in Sünde empfangen und geboren sind, sondern auch, dass vor dem Sündenfall Adam diese Kennzeichen nicht hatte. Er war wohl unschuldig, aber das ist etwas ganz anderes als heilig. Heilig bedeutet abgesondert von dem Bösen und unantastbar für das Böse. Das war Adam nicht. Das ist ja gerade so herrlich bei der Auserwählung, dass Gott uns zu viel höheren Segnungen auserwählt hat, als Adam sie jemals besessen und verloren hat. Gott hat uns auserwählt, damit wir heilig und tadellos seien – und das nicht erst, wenn wir im Himmel sind. Wir haben jetzt schon den neuen Menschen anziehen dürfen, der nach dem Bilde des Schöpfers in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen ist (Eph 4, 24; Kol 3, 10). Nicht, dass das Fleisch nicht in uns wäre, solange wir noch auf der Erde sind, aber es besteht kein Grund mehr zu sündigen, denn wir sind der göttlichen Natur teilhaftig geworden (2. Petr 1, 4), oder mit anderen Worten, Gott hat uns von Seinem Geist gegeben (1. Joh 4, 13), das heisst, Er hat uns teilhaben lassen an Seinen göttlichen Wesenszügen.

Noch wunderbarer ist: Gott ist auch Liebe, und Er hat unserer neuen, göttlichen Natur etwas gegeben, woran Er Sich in Ewigkeit erfreuen kann, nämlich Seine Liebe. Er hat uns in Christus auserwählt, damit wir heilig und tadellos vor Ihm seien in Liebe. Gottes Liebe ist Seine einzige Eigenschaft, die in Ihm Selbst allein keine Befriedigung findet. Der Sohn war wohl von Ewigkeit der vollkommene Gegenstand der Liebe des Vaters, aber der dreieinige Gott wollte andere an Seiner Liebe teilhaben lassen. Der Vater hat uns in „das Reich des Sohnes Seiner Liebe“ versetzt (Kol 1, 13). Um dort verkehren zu können, gibt Gott uns eine neue Natur; ohne diese wäre dieser Platz der Liebe nur ein Schrecken für uns. Gerade diese neue Natur macht uns fähig, nach göttlichem Massstab zu lieben (Er Selbst hat Seine Liebe in unsere Herzen ausgegossen; Röm 5, 5): „Wir lieben, weil Er uns zuerst geliebt hat“ (1. Joh 4, 19). Nicht: wir lieben jemand, sondern allgemein: wir haben die göttliche Fähigkeit zu lieben. Nur im Besitz der Wesenszüge Gottes und der Natur Gottes werden wir Gott bis in Ewigkeit befriedigen können. Darum hat Gott uns in Christus (der von Anfang die einzige wahre Befriedigung für das Herz Gottes ist) vor Grundlegung der Welt dazu auserwählt, bis in Ewigkeit Seine Natur zu teilen und mit Ihm eine vollkommene Liebesgemeinschaft zu geniessen. Welch eine Aussicht!

2. In Vers 5 folgt das zweite, wozu wir auserwählt sind, und das ist noch herrlicher als das erste. Vers 4 nennt unsere Verbindung mit Gott: wir haben Seine Naturempfangen; aber Vers 5 zeigt uns unsere Verbindung mit dem Vater: wir haben die Sohnschaft empfangen! Beachte wohl: da steht nicht Kindschaft, sondern Sohnschaft. Dass wir Kinder Gottes sind, wird tatsächlich schon Vers 4 gesehen: wenn ich in Christus die göttliche Natur empfangen habe, bedeutet das, dass ich aus Gott geboren bin. Kindschaft hat mit Geburt zu tun, aber Sohnschaft mit Stellung. Wir sind nicht als „Söhne Gottes“ geboren, sondern in die Stellung von Söhnen gebracht. Das Wort für „Sohnschaft“ bedeutet hier buchstäblich: „zu Söhnen stellen“ (hüiothesía). Obwohl dieser Unterschied schwierig ist, ist es sehr wichtig, ihn zu verstehen, vor allem im Hinblick auf den Herrn Jesus. Wir lesen nie von Ihm, dass Er ein Kind (téknon) Gottes genannt wird (in Apg 4, 27. 30 steht ein anderes Wort, pais, das mehr „Knecht“ bedeutet – siehe Elberfelder Übersetzung), sondern immer Sohn Gottes. Johannes gebraucht diesen Ausdruck ausschliesslich, um die ewige Sohnschaft des Herrn anzudeuten. Darum sagt er nie, dass der Herr Jesus als Sohn geboren ist, sondern stellt Ihn als Denjenigen vor, der von Ewigkeit im Schoss des Vaters ist (Joh 1, 18). An anderen Stellen lesen wir wohl, dass der Herr Jesus als Sohn aus Gott geboren ist (Ps 2; Lk 1, 35), aber da steht es in Verbindung mit Seiner Menschheit und damit, dass Er der Messias ist. Das ist nicht das besondere Thema von Johannes. Gerade weil er immer die ewige Sohnschaft des Herrn vor Augen hat, nennt er uns auch nie „Söhne“, sondern „Kinder Gottes“ (ausser in Offb 21, 7 in einem anderen Sinn). Wir haben den Sohn als unser Leben empfangen und sind darum Kinder Gottes, aus Gott geboren. Johannes nennt uns nicht „Söhne“, damit jeder Gedanke vermieden wird, als ob unsere Sohnschaft der des ewigen Sohnes gleich wäre. Das ist unmöglich. Wir bleiben Geschöpfe, wir können nicht in die Gottheit eingeführt werden. Wir haben einen Anfang in der Zeit gehabt und können also niemals „ewiger Sohn“ werden. Auch Paulus hält diesen Unterschied sorgfältig aufrecht. Überall gebraucht er in Epheser 1 den Ausdruck „in Christus“. Ist Christus der Gegenstand des ewigen Rates Gottes? In Ihm wir auch. Ist Christus als Mensch heilig und tadellos? In Ihm wir auch. Ist Christus angenehm vor Gott? In Ihm wir auch. Aber wie kann gesagt werden, dass Christus Sohn ist und wir in Ihm auch? Teilen wir Seine Sohnschaft? Niemals. Haben wir denn nicht die Sohnschaft empfangen? Ganz gewiss, aber nicht in Christus, sondern durch Jesus Christus, sagt uns Vers 5 ausdrücklich. Er ist der Urheber davon, dass auch wir Söhne Gottes geworden sind, aber wir können das niemals in demselben Sinn sein wie Er.

Und doch: welch eine unaussprechlich herrliche Stellung, ein Sohn Gottes zu sein! Vers 4 lehrt uns, dass es absolut notwendig ist, dass wir die göttliche Natur besitzen, um in Gottes heiliger Gegenwart verkehren zu können. Gott hätte es dabei belassen können. Die neue Natur in Christus genügt, um mit Gott Gemeinschaft zu haben und in Seinem Himmel zu wohnen. Beachte wohl, diese göttliche Natur in Christus ist schon ein unendlich grosses Vorrecht, zu dem wir von Ewigkeit über alle Gläubigen aus anderen Haushaltungen hinaus auserwählt sind. Hätten wir jedoch nicht mehr empfangen, dann würden wir einfach als Untertanen im Himmel sein. Welch ein Segen wäre das schon gewesen! Gott aber wollte uns viel mehr geben, als nötig war, um bei Ihm zu wohnen – Er hat uns die Sohnschaft geschenkt. Darum steht in Vers 5 nicht einfach, dass wir dazu „auserwählt“ sind, sondern dass Er uns (die wir auserwählt sind) obendrein zur Sohnschaft zuvorbestimmt hat. Das war nicht notwendig, um in den Himmel zu kommen. Gott schenkte es uns zusätzlich, und darum folgen zwei Dinge:

Erstens, „nach dem Wohlgefallen Seines Willens“. In der besonderen Gabe der Sohnschaft kommt Gottes freies Wohlgefallen zum Ausdruck, das uns nicht nur geben wollte, was nötig ist, um bei Ihm zu wohnen, sondern auch das Allerhöchste: Er hat uns für Sich Selbst zu Söhnen gemacht – das bedeutet zu Seiner Freude und zu Seinem Wohlgefallen.

Und zweitens, „zum Preise der Herrlichkeit Seiner Gnade“ – das ist die souveräne Gnade des Ratschlusses Gottes, dieselbe, die wir in 2. Timotheus 1, 9 finden. Diese Gnade wird besonders verherrlicht, indem Gott, der uns bei Sich, in Seiner Gegenwart haben wollte, uns nicht nur das dazu Notwendige, sondern das Allerhöchste geschenkt hat. Dies alles gipfelt in Vers 6 in dem zusammenfassenden Ausspruch, dass diese souveräne, auserwählende Gnade uns in eine Stellung gebracht hat, in der wir angenehm (wohlgefällig, begnadigt, eine Freude für Gott) sind in dem Geliebten. Nicht nur „in Christus“, sondern in Ihm, der der Gegenstand aller Liebe Gottes ist, in dem Sohn Seiner Liebe. In dieser Sphäre der Liebe sind wir jetzt ein Wohlgefallen für das Herz Gottes geworden. Wer hätte das je aussprechen dürfen, wenn Gott es uns nicht Selbst gesagt hätte?

3. Der dritte Aspekt unserer Auserwählung schliesst sich direkt daran an. In Epheser 1, 6 finden wir die Herrlichkeit der Gnade Gottes; das ist die souveräne Gnade des ewigen Ratschlusses Gottes. In Vers 7 lesen wir dann von dem Reichtum der Gnade Gottes, so wie er in der Erlösung zum Ausdruck kommt. Nicht dass die Erlösung hier als Gegenstand des Ratschlusses Gottes vorgestellt wird, sondern sie ist das Mittel, durch das ein toter Sünder die Segnungen empfangen kann, zu denen Gott ihn schon lange vor dem Sündenfall auserwählt hat. Bekehrung und Erlösung gehören an sich nicht zu den himmlischen Segnungen, sind aber wohl die unentbehrlichen Voraussetzungen, um diese Segnungen empfangen zu können. Erlösung und Vergebung sind darum auch Beweise des Reichtums der Gnade Gottes. Doch es gibt noch einen dritten Beweis der Gnade Gottes, sagt Vers 8, und damit komme ich auf den dritten Aspekt der Auserwählung zu sprechen, den wir hier finden. Erstens wird die Gnade Gottes aus der Tatsache ersichtlich, dass wir auserwählt sind, Seine Natur zu besitzen und Söhne Gottes zu sein; zweitens aus der Tatsache, dass uns Gott als Mittel dazu Erlösung und Vergebung geschenkt hat; und drittens zeigt sich Seine Gnade in der Tatsache, dass Er uns überströmende Weisheit und Einsicht geschenkt hat, damit wir auch von den Ratschlüssen Kenntnis hätten, die erst in der Zukunft erfüllt werden (V. 8. 9). Wir haben also nicht nur einen Teil Seines Ratschlusses schon empfangen, sondern darüber hinaus „alle Weisheit und Einsicht“ über das, was noch nicht erfüllt ist. Damit sind wir nicht nur Gegenstände, sondern auch Träger der Ratschlüsse Gottes geworden. Ebenso wie wir die Gegenstände des erfüllten Ratschlusses Gottes sind, sind wir auch die Gegenstände Seines unerfüllten Ratschlusses – und wir wissen es! Es ist zwar das Geheimnis des Willens Gottes, aber nach Seinem souveränen Wohlgefallen hat Er den Wunsch, uns dieses Geheimnis kundzutun. Wir haben jetzt schon die Sohnschaft empfangen, aber bald wird es für die ganze Welt sichtbar sein, wie vollkommen wir mit Christus verbunden sind. Was sie nicht weiss, wissen wir jetzt schon. „Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden (der Welt), was wir sein werden; (aber) wir wissen, dass, wenn es offenbar werden wird, wir ihm gleich sein werden“ (1.Joh 3, 1. 2). Das sind dann auch genau die beiden Gesichtspunkte des noch nicht erfüllten Ratschlusses Gottes, die wir in Epheser 1, 9-11 finden: 1. was Christus in der „Fülle der Zeiten“ sein wird, und 2. was wir dann in Ihm sein werden!

Die Verbindung zwischen Christus und der Versammlung ist in der Tat ein Geheimnis. Das gilt für die innere Beziehung, die jetzt schon da ist – von der Paulus in Epheser 5 spricht: „Dieses Geheimnis ist gross, ich aber sage es in Bezug auf Christum und auf die Versammlung“ – und das gilt auch für die zukünftige offenbare Beziehung zwischen Christus und uns. Diese Beziehung wird in „der Verwaltung der Fülle der Zeiten“ (kairoí) sichtbar sein; das ist nicht die „Fülle der Zeit“ (chrónos), also die gegenwärtige Zeitperiode, sondern die zukünftige, in der alle „Zeiten“ ihre Erfüllung finden werden. Nicht der gegenwärtige, sondern der „zukünftige Erdkreis“ ist Christus unterworfen (Hebr 2, 5). Und nicht nur der Erdkreis, sondern Himmel und Erde werden dann zusammengebracht und in dem Christus unter ein Haupt gestellt werden. Nicht nur das (denn das ist erst die Hälfte des „Geheimnisses des Willens Gottes“), sondern Gott hat uns auserwählt, diese Stellung mit Christus zu teilen. Das ist der dritte Punkt unserer Auserwählung: nach Seinem Vorsatz, nach dem Rate Seines souveränen Willens hat Gott uns zuvorbestimmt, in Christus auch Erben der ganzen Schöpfung zu werden. Das ist, wie die Sohnschaft, ein besonderes Vorrecht, das über das notwendige Empfangen der Natur Gottes hinausgeht. Daher haben wir hier denselben Ausdruck („zuvorbestimmt nach Seinem Willen“) wie in Vers 5. Wenn Gott unser Vater geworden ist, dann sind wir auch Erben. „Wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott“ (Gal 4, 7). „Wenn aber Kinder, so auch Erben – Erben Gottes und Miterben Christi“ (Röm 8, 17). In Christus besitzen wir nicht nur alle geistlichen Segnungen in den himmlischen Örtern, sondern wir sind in Christus auch Erben alles dessen, was in den Himmeln und was auf der Erde ist. Das wird hier als persönlicher Segen jedes einzelnen Gläubigen beschrieben, so wie es in den Versen 22-23 als ein gemeinschaftlicher Segen vorgestellt wird: Gott hat alles den Füssen Christi unterworfen, und Ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben, welche Sein Leib ist, die Fülle Dessen, der alles in allem erfüllt. Augenblicklich üben wir diese Herrschaft über alle Dinge noch nicht aus, weil dieser Besitz, den wir bekommen haben, noch erlöst werden muss (Vers 14). Wohl sind wir schon erlöst (V. 7), und wohl sind wir schon Erben (V. 11), aber unser Erbe ist noch nicht erlöst (V. 14). Unser Erbe (die Schöpfung) wartet auf diese Erlösung aus der Sklaverei der Vergänglichkeit und weiss, dass sie erst kommen wird, wenn die Söhne Gottes mit Christus in Herrlichkeit geoffenbart werden (Röm 8, 17-23; Kol 3, 4). Wir sind also wohl Erben – Gott hat uns sogar von Ewigkeit dazu bestimmt – aber das Erbteil selbst besitzen wir noch nicht (und Christus ebenso wenig). Die Übergabe des Erbes erwartet uns im Himmel (1. Petr 1, 4). Wir haben die absolute Gewissheit, dass wir dieses Erbteil auch tatsächlich empfangen werden. Gott hat uns ein „Unterpfand“ gegeben, nämlich den Heiligen Geist der Verheissung (V. 13). Der Heilige Geist, den wir empfangen haben, ist das Siegel unserer Erlösung, die hinter uns liegt, und das Unterpfand des Erbes, das vor uns liegt und noch auf Einlösung wartet. Wie sehr gereichen doch unsere Stellung als Miterben Christi und Gottes Erlösungsplan für das Erbe zum Preise Seiner Herrlichkeit (V. 12. 14) – nicht nur zum Preise der Herrlichkeit Seiner Gnade (V. 6), sondern zum Preise der vollen Herrlichkeit Seines Wesens!

4. Das vierte, wozu wir von Ewigkeit auserwählt sind, finden wir in Römer 8, 28-30. Dort lesen wir: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach Vorsatz berufen sind. Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Welche er aber zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen, und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.“ Wunderbare Dinge! Siehst du, dass die Auserwählung unendlich viel weiter geht als die Vergebung der Sünden? Das erste ist: Gott hat uns zuvorerkannt – von Ewigkeit her. Lange bevor wir da waren, kannte Er uns mit Namen. Aber nicht nur das; wenn das das einzige wäre, dann hätten die Remonstranten (freisinnige Protestanten im 17. Jahrhundert) recht gehabt, die sagten, Auserwählung beinhalte lediglich, dass Gott zuvor wusste, wer an Ihn glauben würde. Das ist aber nicht die Bedeutung von auserwählen. Sicher wusste Gott, wer an Ihn glauben würde; aber darüber hinaus hat Er es Selbst bestimmt, wer das sein würde.

Der Glaube ist eine Gabe Gottes und nicht die Wahl eines Menschen mit einem freien Willen (Eph 2, 8). Nein, Gott hat uns nicht nur zuvorerkannt, sondern auch zuvorbestimmt, und zwar, dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu werden, um allem gleich zu sein, was der ewige Sohn als der verherrlichte Mensch ist, wie ich es ausgeführt habe. Alle Herrlichkeit, die Er als der ewige Sohn besass, hat Er als Mensch aufgrund des Werkes der Verherrlichung erworben, das Er auf der Erde vollbracht hat, und als Mensch hat Er diese Herrlichkeit mit Menschen, den Seinen, geteilt (Joh 17, 4. 5. 22). Wir haben den Sohn als unser Leben empfangen. Darum sind wir Kinder des Vaters geworden, und darum schämt Sich der Sohn nicht, uns Brüder zu nennen (Hebr 2, 11). Selbstverständlich nimmt Er unter diesen Brüdern den Platz des „Erstgeborenen“ ein (was sich nicht auf eine zeitliche Reihenfolge, sondern auf die Rangordnung bezieht), aber doch ist es ein Platz inmitten von Brüdern. Das ist auch hier das Schöne an dem Vorsatz Gottes: Er wollte, dass der Herr nicht allein bleibt, sondern den höchsten Platz inmitten von vielen Brüdern einnimmt, die Seinem Bilde gleichförmig sind, Abbilder von Ihm. Gott hat uns nicht nur dazu zuvorbestimmt, sondern es ist in unserem Leben auch ein Augenblick gekommen, in dem Gott Seinen Vorsatz an uns erfüllt hat: Er hat uns zuerst dazu berufen, danach gerechtfertigt und uns schliesslich zu der Höhe der Herrlichkeit Seines Sohnes gebracht.

5. Dieses letzte führt uns um fünften Punkt, von dem wir lesen, dass Gott uns zuvor dazu bestimmt hat. Wir lesen in Römer 9, 23 über „den Reichtum der Herrlichkeit Gottes an den Gefässen der Begnadigung, die Er zur Herrlichkeit zuvorbereitet hat“. Das schliesst direkt an Kap. 8, 30 an, wo wir lasen, dass Gott uns verherrlicht hat. Dies ist nun noch nicht sichtbar. Dein Nachbar kann jetzt noch nicht sehen, dass du verherrlicht bist. Dein Leib sieht genauso aus, wie der Leib anderer Menschen. Wir erwarten aber den Herrn Jesus Christus als Heiland, der auch unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit Seinem Leibe der Herrlichkeit (Phil 3, 20. 21). Wenn wir mit Ihm leiden, werden wir auch mit Ihm verherrlicht werden (Röm 8, 17). „Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit Ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit“ (Kol 3, 4). „Wir wissen, dass, wenn er geoffenbart werden wird, wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1. Joh 3, 2). Das will uns sagen, dass unsere Gleichheit mit Ihm so weit gehen wird, dass wir sogar imstande sein werden, Seine eigene, persönliche Herrlichkeit anzuschauen (vgl. Joh 17, 24).

VI. Missverständnisse über die Auserwählung

Ich will zum Schluss versuchen, eine Anzahl falscher Gedanken, die über die Auserwählung im Umlauf sind, anhand der Schrift zu widerlegen. Einige davon habe ich schon genannt, aber einige andere sind noch nicht zur Sprache gekommen.

1. „Auserwählung bedeutet lediglich, dass Gott zuvor wusste, wer später an Ihn glauben würde“, sagt man. Wir haben gesehen, dass dieser Gedanke völlig falsch ist. Auserwählung ist buchstäblich eine positive und selektive Wahl; es ist nicht einfach eine passive Vorkenntnis, sondern eine aktive Zuvorbestimmung. Übrigens ist auch der Glaube selbst eine auserwählende Gabe Gottes.

2. „Gott hat uns auserwählt, damit wir nicht in die Hölle kommen, sondern Vergebung unserer Sünden empfangen“, sagt man. Wir haben aber gesehen, dass diese Dinge nichts miteinander zu tun haben. Nirgends in der Schrift wird die Sündenvergebung als ein Teil der ewigen Ratschlüsse Gottes gesehen. Wenn das so wäre, läge dann nicht die gefährliche Schlussfolgerung nahe, dass in der Tat auch die Sünde ein Teil des Ratschlusses Gottes war, und dass Gott die Sünde also gewollt hat? Sündenvergebung hat wirklich nichts mit der Auserwählung zu tun. Es hat Tausende gegeben (im Alten Testament) und wird es noch geben (nach der Aufnahme der Versammlung), die wohl an der Sündenvergebung, nicht aber an der ewigen Auserwählung teilhaben. Wir sind auserwählt, die himmlischen Segnungen zu besitzen. Die Tatsache, dass wir von Natur Sünder sind, macht es notwendig, dass wir zuerst von unseren Sünden gereinigt werden müssen, bevor wir an diesen himmlischen Segnungen teilhaben können, aber das hat an sich nichts mit der Auserwählung zu tun. Es besteht höchstens diese Verbindung: in unserer christlichen Haushaltung ist es deutlich, dass nur die Menschen, die auserwählt sind, auch Vergebung der Sünden empfangen. Darum sagt Paulus z.B., dass er alles um der Auserwählten willen erduldete, auf dass auch sie die Errettung erlangen, die in Christo Jesu ist, mit ewiger Herrlichkeit (2. Tim 2, 10). Dabei müssen wir bedenken, dass erstens hier nicht steht, dass diese Errettung selbst der Gegenstand der Auserwählung ist, und dass zweitens, wenn das so wäre, die Errettung doch viel weiter geht als Sündenvergebung. Sie ist letzten Endes das Versetzt-Werden in den himmlischen Segen, so wie hier steht: „mit ewiger Herrlichkeit“. Das macht auch deutlich, was 2. Thessalonicher 2, 13 meint: „Gott hat euch von Anfang an erwählt zur Errettung.“ Beachte das genau: Es geht hier nicht um Auserwählung von Ewigkeit her, sondern um die Tatsache, dass Gott die Thessalonicher vom Anfang ihrer Berufung an dazu bestimmt hatte, die endgültige Errettung (im Himmel) zu erlangen, so dass sie im Blick auf die Gerichte des Tages des Herrn nicht beängstigt zu sein brauchten (wie sie es waren). „Denn Gott hat uns nicht zum Zorn gesetzt, sondern zur Erlangung der Seligkeit“ (1. Thess 5, 9).

3. „Du kannst nicht wissen, ob du auserwählt bist, sondern da musst du abwarten“, sagt man. Im Licht des Vorhergesagten scheint das ein ganz einleuchtender Gedanke zu sein. Wir können doch nicht in Gottes ewigen Ratschluss hineinschauen, nicht in Gottes Bücher sehen? Nein, das ist auch gar nicht der springende Punkt. Es gibt nämlich einen ganz anderen Weg, auf dem wir unfehlbar wissen können, ob wir auserwählt sind, und den finden wir in 1. Thessalonicher 1. Vielleicht gehörst auch du zu den Menschen, die wohl aufrichtig ihre Sünden vor Gott bekannt haben, aber keine Sicherheit des Glaubens besitzen und bei sich selbst denken: Werde ich wohl zu diesen Auserwählten gehören? Nun, was schreibt Paulus in Vers 4? „Wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung.“ Wie kannst du das sagen, Paulus? Hast du denn das Buch Gottes eingesehen? Wie wagst du es, so sicher zu behaupten, dass du weißt, dass die Thessalonicher auserwählt sind? Darauf hat Paulus eine einfache Antwort: „Ihr seid unsere Nachahmer geworden und des Herrn, indem ihr das Wort aufgenommen habt in vieler Drangsal mit Freude des Heiligen Geistes“ (1. Thess 1, 6). Da hast du es: Paulus wusste sicher, dass sie auserwählt waren, denn sie hatten das Wort Gottes angenommen. Von einigen Menschen in diesem Saal weiss ich sicher, dass sie auserwählt sind. Woher ich das weiss? Aufgrund der Tatsache, dass sie das Wort Gottes angenommen haben. Vielleicht ist heute Abend in deinem Herzen ein Verlangen aufgekommen, an all diesen herrlichen Dingen teilzuhaben. Dann musst du dich nicht mit der Frage abquälen, ob du in Gottes Büchern geschrieben stehst, denn das ist in diesem Augenblick gar nicht deine Sache. Was Gott dir sagt, ist, dass du dich zu Ihm bekehren musst, an den Herrn Jesus glauben und Ihn annehmen musst. Du liest im Neuen Testament nirgends, dass zu einem Sünder über Auserwählung gesprochen wird. Die Auserwählung ist ein herrliches Geheimnis, über das Gott nur mit Seinen Kindern spricht, mit denen, die auserwählt sind. Wenn die Apostel oder Evangelisten mit Sündern in Berührung kamen, dann predigten sie die Botschaft der Busse und nicht die Auserwählung. Als Paulus auf dem Areopag steht, sagt er zu den Athenern nicht: „Menschen, ihr müsst euch zwar bekehren, aber fangt nicht damit an, denn wenn ihr nicht auserwählt seid, dann hilft es doch nichts.“ Nein, Paulus spricht nicht über Auserwählung, über die Seite Gottes, sondern er stellt die andere Seite ans Licht, die der menschlichen Verantwortlichkeit. Das Wort, das er sprach, wiederhole ich für einen jeden, der hier sitzt, der seine Sünden noch nicht vor Gott bekannt hat: „Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle allenthalben Busse tun sollen, weil er einen Tag gesetzt hat, an welchem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit“ (Apg 17, 30. 31). Hörst du es gut? Alle Menschen! Das ist ein Befehl; sie müssen sich bekehren, sonst kommen sie ins Gericht. Diejenigen, die in das Gericht kommen, werden wissen, dass sie hätten entkommen können, indem sie sich bekehrten, und sie werden sich nicht damit entschuldigen können, zu sagen, dass sie verloren gehen, weil Gott sie nicht auserwählt hatte. Sie gehen wegen ihrer Sünden verloren und nicht, weil sie nicht auserwählt sind. Unser Heiland-Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1. Tim 2, 4). Die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen (Tit 2, 11). Der Herr Jesus ist für alle Menschen gestorben (2. Kor 5, 15; Hebr 2, 9), und die Tragweite Seines Werkes ist so gross, dass alle Menschen zu Gott kommen können. „Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst“ (Offb 22, 17).

Als der Kerkermeister von Philippi vor Paulus und Silas niederfiel und sagte: Was muss ich tun, um errettet zu werden?, da antwortete Paulus nicht: Nein, du kannst überhaupt nichts tun, denn alles hängt davon ab, ob du auserwählt bist. Nein, Paulus sagte: „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus“ (Apg 16, 30. 31). Dann, wenn wir glauben, und nicht früher, dann werden wir sehen, welch ein herrliches Vorrecht es ist, zu wissen, vor Grundlegung der Welt auserwählt zu sein. Niemand kann sich entschuldigen. Wenn jemand verloren geht, dann geschieht das wegen seiner eigenen Sünden. Selbst wenn er nicht von Ewigkeit her zu den himmlischen Segnungen auserwählt sein sollte, dann hätte er, wenn er kein Sünder wäre, doch auf jeden Fall in ewiger Glückseligkeit auf der Erde gewohnt. Aber da er nun ein Sünder ist, sagt Gott, dass er sich bekehren muss und glauben muss. Gott lässt ihm nicht die freie Wahl – es ist ein Befehl. Es ist von Gottes Seite, als des Schöpfers und Rechtsprechers, ein billiger und gerechter Appell an die Verantwortlichkeit des Menschen. Wenn jemand sich nun in der Tat bekehrt und glaubt, dann sieht er danach, dass das überhaupt nicht von ihm selbst ausgegangen war, sondern dass Gott es war, der das neue Leben der Wiedergeburt in ihm weckte und der ihm die Gabe des Glaubens schenkte. Und warum? Weil Gott ihn von Ewigkeit auserwählt hatte. Das ist ein Segen, den er allerdings erst sehen lernt, nachdem er geglaubt hat. Vor dieser Zeit hat er es nur mit dem Befehl Gottes zu tun, sich zu bekehren.

4. „Wenn du auserwählt bist, dann kannst du ja ruhig tun, was du willst, denn dann kann dir ja doch nichts mehr passieren“, sagt man. Das ist wiederum ein verhängnisvoller Irrtum. Es stimmt, dass jemand, der auserwählt ist, nicht verloren gehen kann, und dass jemand, der zu wahrhaftigem Glauben gekommen ist, nicht mehr abfallen kann. Aber wenn jemand bekennt, ein Gläubiger zu sein, und spricht in einer derart gleichgültigen Weise darüber, er könne tun und lassen, was er selbst will, dann müssen wir ernstlich daran zweifeln, ob er wirklich ein Gläubiger ist. Das neue Leben, das in einem Kind Gottes erweckt ist, will doch nichts lieber tun, als Ihm, der es erlöst und gesegnet hat, hingebungsvoll zu dienen und Ihn zu verherrlichen. Er hasst den Eigenwillen. In der Praxis straucheln wir alle oft, aber es geht darum, was letzten Endes die Zuneigungen und das Verlangen unseres neuen Lebens sind, und das ist: Gott zu dienen. Daher muss jemand, der bekennt, ein Gläubiger und damit auserwählt zu sein, dies praktisch „befestigen“, wahr machen. Das ist es, was Petrus schreibt: “Darum Brüder, befleissiget euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen; denn wenn ihr diese Dinge tut, so werdet ihr niemals straucheln“ (2. Petr 1, 10). Es bringt also gerade eine grosse Verantwortung mit sich, wenn man auserwählt ist! Ich will drei Beispiele dazu nennen.

a) „Ihr habt den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und den neuen angezogen… Ziehet nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut“ (Kol 3, 9-12).

b) „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht… damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“ (1. Petr 2, 9).

c) „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, auf dass wir in ihnen wandeln sollen“ (Eph 2, 10).

5. „Gott hat von Ewigkeit her nicht nur einen Beschluss der Erwählung, sondern auch einen Beschluss der Verwerfung gefasst“, sagt man. Das ist die so genannte Prädestinationslehre, die besagt, dass Gott jeden Menschen von Ewigkeit an zu einer festgesetzten Endbestimmung prädestiniert (vorherbestimmt) hat: entweder für den Himmel oder für die Hölle. Diese Lehre, die ein Produkt menschlicher Logik ist, ist nicht nur durch und durch unbiblisch, sondern macht auch aus der herrlichen Wahrheit der Auserwählung eine hohle Karikatur. Im Voraus können wir schon feststellen, dass diese Lehre aus drei einfachen Gründen völlig falsch ist.

a) Zunächst ist sowieso schon nicht von zwei Gruppen, sondern von dreien die Rede: in der Ewigkeit wird die Versammlung ihren Wohnort im Himmel haben, alle Gläubigen aus anderen Haushaltungen werden auf der neuen Erde wohnen, und alle Ungläubigen werden im ewigen Verderben sein.

b) Weiter haben wir ausführlich überdacht, dass die Auserwählung nie mit der Erlösung verbunden wird, also auch nicht mit der Frage, ob jemand in die Hölle kommt oder nicht. Das wird auch gut aus dem vorigen Punkt ersichtlich, denn es werden sehr viel mehr Menschen der Hölle entkommen, als die, die an der ewigen, himmlischen Auserwählung teilhaben. Das Falsche an der Beweisführung ist also, dass man meint, weil gewisse Menschen für den Himmel bestimmt sind, müssten die übrigen damit für die Hölle bestimmt sein. Das ist falsch, denn viele von ihnen werden ebenso gut Sündenvergebung empfangen und auf der neuen Erde wohnen. Wenn der Mensch überhaupt nicht gesündigt hätte, würden sogar alle Nicht-Auserwählten auf der Erde leben. Der Irrtum entsteht also dadurch, dass man die ewige Auserwählung mit der Lösung des Sündenproblems verwechselt.

c) Man könnte dem entgegenhalten, dass doch auf jeden Fall eine Anzahl Menschen zu Recht in die Hölle kommen, und die sind dann doch von Gott verworfen? In der Tat; aber die grosse Frage ist, ob diese Verwerfung ein Beschluss vor der Schöpfung ist, eine von dem Tun des Menschen unabhängige Vorherbestimmung, oder ob diese Verwerfung nach der Versündigung des Menschen stattfindet (und die Folge davon ist). Kurzum: Wird der Ungläubige aufgrund eines ewigen Beschlusses Gottes oder aufgrund seiner Sünden verworfen? Die Antwort ist einfach: die Bibel spricht nirgends über einen ewigen Beschluss der Verwerfung, sagt aber wiederholt, dass sich der Mensch das ewige Gericht ausschliesslich selbst zuzuschreiben hat. Zu diesem letzten einige Beispiele. In Römer 2, 5. 6 sagt Paulus: „Nach deiner Störrigkeit und deinem unbussfertigen Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf am Tage des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, welcher einem jeden vergelten wird nach seinen Werken.“ Petrus schreibt über falsche Lehrer, die den Gebieter verleugnen werden und sich selbst schnelles Verderben zuziehen (2. Petr 2, 1). Gott bestimmt niemanden im Voraus zur Hölle, - das tut der Mensch selbst. Die Hölle ist ursprünglich auch nicht für den Menschen, sondern für den Teufel und seine Engel bereitet (Mt 25, 41). Wer errettet wird, darf wissen, dass das gänzlich das Werk Gottes ist; wer verloren geht, muss wissen, dass dies ganz und gar seine eigene Schuld ist. Vergleiche Römer 2, 4 mit Vers 5! Dieser Unterschied wird auch in Römer 9 strikt aufrechterhalten. Von den Gefässen der Begnadigung steht ausdrücklich da, dass Gott sie zuvor zur Herrlichkeit bereitet hat (V. 23), aber von den Gefässen des Zorns heisst es einfach, dass sie zum Verderben bereitet sind (V. 22), und in 2. Petrus 2, 1 sahen wir soeben, dass sie sich selbst dazu bereitet haben!

Natürlich ist es letzten Endes Gott, der das Gericht ausführt und das Verderben über den Sünder bringt. In diesem Sinn könnte man also tatsächlich von „Verwerfung“ sprechen; nicht nur, dass der Sünder durch die Ausübung des Gerichts „verworfen“ wird, sondern sogar vor dieser Zeit, während seines Lebens auf der Erde. Wenn jemand nämlich das eine um das andere Mal die Ermahnungen Gottes in den Winde schlägt, kann Gott einen solchen „verhärten“, so dass er sich nicht mehr bekehren kann. Bei den Plagen Ägyptens sehen wir, dass der Pharao fünfmal selbst sein Herz verhärtete und nicht gehorchte. Erst danach verhärtete Gott sein Herz; dann waren seine Gelegenheiten, zu gehorchen, vertan. Das erklärt den Text in Römer 9, 18, wo wir lesen, dass Gott begnadigt, wen Er will und verhärtet, wen Er will. Aus dem Zusammenhang wird nur zu deutlich, dass Gott das nicht im Voraus tut (geschweige denn es in der Ewigkeit getan hat), sondern dass Gott diese Freiheit gebraucht, nachdem der Mensch sich seinerseits völlig versündigt und alle seine Rechte verspielt hat. Dann kann Gott nach Seinem Wohlgefallen auf einen solchen Menschen entweder das Siegel der „Verhärtung“ drücken, oder, wie im Falle Israels nach ihrer Sünde mit dem goldenen Kalb, sich erbarmen, über wen Er will (siehe V. 15 und 2. Mo 33, 19). Die grosse Schwierigkeit ist die, dass viele nicht sehen, dass es in Römer 9 nirgends (ausser in V. 23) um die ewigen Ratschlüsse Gottes geht. Es geht um die Erwählung Abrahams, Isaaks und Jakobs, eine zeitliche, irdische Erwählung, die völlig verschieden ist von Gottes ewigen Ratschlüssen hinsichtlich des Himmels, wie wir ausführlich besprochen haben. Weiterhin geht es um Begnadigung und Verhärtung in der Zeit, nachdem jemand gesündigt hat. Nimm z.B. diesen Vers 13, der für viele so schwierig zu sein scheint: „Den Jakob habe ich geliebt, aber den Esau habe ich gehasst“ (Mal 1, 2. 3). Man meint dann, dass Gott hierin von vornherein die ewige Bestimmung Jakobs und Esaus festgelegt hat. Nichts ist verkehrter als das. Erstens hat Gott diese Worte nicht im Voraus gesprochen, sondern 1400 Jahre, nachdem diese Männer gelebt hatten und ihre Werke offenbar geworden waren, wie auch die Werke ihrer Nachkommen, Israel und Edom, die hierin einbezogen sind. Zweitens hat „lieben und hassen“ überhaupt nichts mit ihrer ewigen Bestimmung zu tun, sondern mit ihren Werken! Edom tat keine bösen Werke, weil Gott es hasste, sondern Gott hasste es, weil es böse Werke tat. Hätten Esau und Edom Gott gehorcht und gedient, hätte Gott sie nicht gehasst, sondern geliebt, und zwar auch dann, wenn sie auf der Erde keine auserwählte Stellung bekleideten.

Nun gibt es immer Menschen, die schliesslich als letztes Argument vorbringen: „Aber es steht doch deutlich in Römer 9, 21 in Bildsprache, dass der Töpfer Macht über den Ton hat, aus derselben Masse ein Gefäss zur Ehre und das andere zur Unehre zu machen!“ Das steht allerdings dort deutlich. Im Zusammenhang gelesen, sehen wir aber, dass Paulus diese Argumente anführt, um zu zeigen, dass, wie Gott auch alles angeordnet haben mag, wir dagegen niemals einen Einwand machen dürfen; denn Er ist der souveräne Schöpfer und Herrscher. Selbst wenn Gott Menschen von Ewigkeit her für die Hölle zuvorbestimmt hätte, dann hätten wir kein Recht, daran Kritik, zu üben – aber es steht nirgends, dass Er das getan hat. Er hat das Recht, Menschen im Voraus zu verdammen, aber nirgends finden wir auch nur den kleinsten Hinweis, dass Er von diesem Recht Gebrauch gemacht hat. Zweifellos hat Gott Menschen für die Hölle bestimmt; aber niemals tut Er das im Voraus, sondern immer erst, nachdem der Mensch völlig von Gott abgewichen ist und Seine Warnungen in den Wind geschlagen hat. Wenn wir das einmal eingesehen haben, werden auch allerlei andere Stellen klar, die manchmal als Beweis für einen Beschluss der Verwerfung angeführt werden. In Judas 4 wird über Gottlose gesprochen, die sich unter die Christen eingeschlichen haben und die schon vorlängst zum Gericht aufgezeichnet sind. Aus dem Zusammenhang ist ersichtlich, dass es hier nicht darum geht, dass sie schon vor ihrer Geburt zum Gericht bestimmt waren, sondern Judas will verdeutlichen, dass, als die Gläubigen die Verdorbenheit dieser falschen Eingeschlichenen noch nicht erkannt hatten, Gott sie schon lange durchschaut und schon lange das Urteil über sie geschrieben hatte. Dasselbe finden wir in Sprüche 16,4. Dort lesen wir, dass Gott den Gesetzlosen für den Tag des Unglücks bestimmt hat. Auch hier steht keineswegs, dass dies vor seiner Geburt geschehen sei, sondern die Bedeutung ist, dass Gott für den, der sich gottlos offenbart, keine andere Bestimmung hat als das ewige Gericht. Aus Sprüche 11, 5 wird deutlich klar, dass der Gesetzlose nicht aufgrund göttlicher Vorherbestimmung verloren geht, sondern aufgrund seiner eigenen Gesetzlosigkeit.

Gott hat niemals im Voraus den Plan gehabt, Menschen zu verdammen. Er hatte einen anderen Plan mit Seinem Geschöpf, nämlich dass es ewig in Gemeinschaft mit Ihm die Segnungen der Erde geniessen sollte. Als der Mensch in Sünde fiel, gab es keine andere Möglichkeit, als alle Menschen für ewig zu verdammen. Auf alle mögliche Weise prüfte Gott den Menschen im Alten Testament, bis schliesslich am Kreuz die völlige Hoffnungslosigkeit des Menschen bewiesen wurde. Und doch hat Gott auch im Alten Testament viele von ihren Sünden errettet, nach Seinem Auserwählungsplan von Grundlegung der Welt an und im Vorausblick auf das Erlösungswerk auf Golgatha. Aber nach dem Kreuz, als der Herr verherrlicht und der Heilige Geist ausgegossen war, offenbarte Gott Seine ewigen, himmlischen Geheimnisse: Er wollte ein Volk für Sich Selbst besitzen, das ewig bei Ihm in Seiner Wohnung weilen und das Teil des verherrlichten Sohnes geniessen sollte. Du und ich dürfen wissen, dass wir zu diesem Volk gehören, wenn wir an Gott geglaubt haben. Welch ein Vorrecht, welche Segnungen! Wunderbarer Vater, wer bist Du, dass Du Dich nach einem toten Hund, wie ich es bin, umgesehen hast? Dass Du mich nicht nur von meinen Sünden erlöst hast, sondern dass ich bis in Ewigkeit an Deiner Tafel essen darf? Und wer ist Er, der Sohn Deiner Liebe, in Dem Du von Ewigkeit her die Grundlage gefunden hast, um solche überwältigenden, herrlichen Ratschlüsse ausdenken zu können?

„O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege! Denn wer hat (des) Herrn Sinn erkannt? Oder wer hat ihm zuvorgegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge. Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen“ (Röm 11, 33. 35. 36).