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Was lehrt die Bibel?

Führung einer örtlichen Versammlung

DOC

Führung  einer  örtlichen  Versammlung

 

 

Lehrfragen kann man einfach sachlich, fast „wissenschaftlich“ analysieren und erforschen. Damit sollte man zu korrekten Ergebnissen gelangen, sofern die Regeln der biblischen Auslegung beachtet werden, was ohnehin selbstverständlich sein müsste.

 

Es ist mir aber seit vielen Jahren zu einem immer grösseren Anliegen geworden, auch in Lehrfragen unseren

Herrn Jesus Christus

ins Zentrum

zu stellen.  Denn letztlich geht es  v.a. um    IHN! Ganz besonders bei unserem Thema.

 

 

 

 

Und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde. Er ist der Anfang,
der Erstgeborene aus den Toten, damit er in allem den Vorrang habe

(Kol.1,18)

 

 

Und alles hat er seinen Füssen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.

(Eph.1,22.23)

 

 

 

Einleitung

 

Obige Zitate beweisen das grosse Interesse Gottes und unseres HERRN Jesus Christus an Seiner Versammlung, welche Seine Braut, Seinen Leib und Gottes Haus bildet. Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass IHM alles in der Versammlung unterstellt ist. Deshalb wird Er garantiert nichts dem Zufall oder unserem menschlichen Gutdünken überlassen, sondern sie völlig nach Seinem vollkommenen Willen bauen. Das sehen wir schon aus

Mt.16,18: auf diesem Felsen werde  → ich meine Gemeinde bauen.

 

Denn Er hat ein klares und hohes Ziel, das Er nur so erreichen kann und wird, nämlich:

 

 

... damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei. (Eph.5,27)

 

 

 

Wir sind uns wohl einig darin, dass jeder eigenmächtige „Gemeindebau“ - ob auf die weltweite oder örtliche Versammlung bezogen - das Erreichen dieses Ziels nur hindern kann.

 

Anderseits wissen wir auch, dass Gott uns Verantwortung zum Bau und auch zur Führung Seiner Versammlung überträgt. Diese Verantwortung können wir folglich nur zu Seinem Wohlgefallen wahrnehmen, wenn wir uns treu und genau an Sein Wort halten. Nur so wird Seine Gemeinde echt (auf-)erbaut.

 

Wir wissen weiter ebenfalls genau, dass wir dieser Verantwortung leider nie vollkommen gerecht werden, weil wir immer wieder in gewissen Punkten fehlen. Steht unsere Verantwortung deshalb im Widerspruch zu Gottes Bauplan, der nur Perfektion dulden kann? Das scheint zwar so, ist es aber letztlich nicht! Denn der Herr Jesus wird ganz sicher zum Ziel kommen. Zuletzt wird an Seiner geliebten Braut / Seinem heiligen Haus kein noch so kleines Detail zu finden sein, das nicht genau Seinem Plan entspricht. Alles menschliche Machwerk wird als völlig unnütz weggetan sein. Alles Holz, Heu, Stroh wird verbrennen (1.Kor.3,12-15). Oder anders ausgedrückt: Jeder „Gemeindebau“, der nicht Gottes Plan entspricht, ist geistlich gesehen kein wirklicher Bau, sondern nur menschliches Täuschungswerk, das aussieht wie Gemeindebau, aber letztlich nichts dazu beiträgt.

 

Das wiederum darf nicht zum Gedanken verleiten, wir könnten tun, was wir wollen, weil der Herr ja sowieso zum Ziel komme. Das sei ferne! Wer so denkt, hat noch nicht viel von wahrer Gnade und noch weniger von unserer heiligen Verantwortung unserem Herrn gegenüber verstanden!

 

Weil nun Gott den Herrn Jesus als Haupt über alles Seiner Gemeinde gesetzt hat und alles, was Bestand haben soll, nach Seinem Plan geschehen muss, Er uns aber trotzdem Verantwortung übertragen hat, dürfen wir erwarten, dass Er uns in Seinem Wort auch klare Antworten auf die Fragen gibt, welche Seine Versammlung betreffen, damit wir überhaupt die Möglichkeit haben, unserer Verantwortung nachzukommen.

 

 

Davon gehe ich aus!

 

 

 

Gliederung

I          Wer führt?   - Wie?

 

II Wer in besonderer Weise (Älteste, Aufseher, Hirten u.a.)   - Wie?

 

III Müssen / sollen wir diese Brüder (er)kennen?   - Wie?

 

IV Gedanken zu Struktur und Organisation

 

 

 

 

I     Wer führt?    -    wie?

 

Mit folgender Übersicht will ich zeigen, dass wir beim Gedanken an die Führung der Versammlung nicht nur an die vieldiskutierten „Ältesten“ denken dürfen! Deren Führung nimmt in einer Ihm treu nachfolgenden Gemeinde sogar einen relativ bescheidenen Raum ein. Beim Erforschen der Schrift stellen wir zudem fest, dass es kaum Tätigkeiten gibt, welche ausschliesslich den Ältesten vorbehalten sind!

 

Wir wollen zuerst einmal den gesamten Führungsbereich einer Versammlung ins Auge fassen! Es geht hier also noch nicht speziell um die Brüder, die eine besondere Aufgabe zur Führung einer Gemeinde haben, sondern ganz allgemein darum, wer in irgend einer Weise in einer örtlichen Versammlung führt, sei das im Grossen - wie der Herr Jesus selber! - oder auch nur ganz ausnahmsweise und in  einem bescheidenen Rahmen.

 

Auf die Ältesten, Aufseher, Hirten etc, also Brüder mit besonderer Führungsverantwortung, gehe ich dann unter II näher ein.

Wer führt?

Wie?

Jesus Christus,
der Herr der Versammlung

ER will Seine Herde führen:

- als der gute Hirte und Aufseher eurer Seelen (Joh.10; 1.P.2,25)

- als Herr über alles in der Versammlung

- als ihr Eigentümer etc.

Der Heilige Geist

- wird uns in die ganze Wahrheit leiten (Joh.16,13)
- vertritt und verherrlicht den Herrn Jesus unter uns. (Joh.16,14)

Gottes Wort

als unsere verbindliche Grundlage und Richtschnur. Darin erkennen wir Seinen Willen für die allermeisten unserer Fragen.

Älteste, Hirten ...

sie haben besondere Gaben/Aufgaben als Ihm untergeordnete Führer (Werkzeuge) Seiner Gemeinde.
1.Petr.5,1-3:   - nicht als Herrschende   - als Vorbilder

Lehrer

Prägen die Wege der Versammlung, indem sie das Wort Gottes verständlich und schriftgemäss auslegen.

Alle Brüder und

Schwestern

als Vorbilder und als einander ermahnende und ermunternde Geschwister

II      Brüder mit besonderen Führungsaufgaben

  1. 1. Welche Bezeichnungen finden wir in der Bibel?

 

  1. a) Älteste (gr. presbyteros)
  2. b) Aufseher (gr. episkopos)
  3. c) Führer
  4. d) Hirten
  5. Lehrer
  6. (Den Begriff „Verantwortliche“ finden wir dafür nicht. (M.E. sollten wir diesen besser nicht brauchen, weil er ungewollt suggeriert, die anderen Geschwister seien nicht verantwortlich.)

 

 

 

 

  1. 2. Bezüglich dieser Brüder hat man oft  das Bild eines Hirten mit seiner Herde

im Kopf. Wir wollen das etwas genauer betrachten und uns fragen:

 

Ist diese Vorstellung richtig???    -    Was unterscheidet den Hirten von den Schafen?

=> ER ist total anders, ein völlig anderes Wesen!

è  Hirte in dieser Weise kann nur der gute Hirte sein!

 

Suchen wir hingegen nach Hirten / Ältesten innerhalb der Versammlung, finden wir diese nur „als Schafe unter Schafen“,  d.h. als Brüder unter Brüdern!  (Mt.23,8!)                    => ≠ Klerus!

Zwischen den einzelnen erwachsenen Schafen sind auf den ersten Blick kaum Unterschiede auszumachen. Erst bei genauem und längerem Beobachten merkt man gewisse Differenzen im Verhalten. Nur der gute Hirte kennt alle genau. Die Herde kennt ihre Leittiere normalerweise ebenfalls und anerkennt sie in der Regel auch, obwohl sie nicht bezeichnet sind. Das kommt eigentlich nur dann zum Tragen, wenn einzelne den Kontakt zum guten Hirten verloren haben. Dann orientieren sich diese (hoffentlich) an den Leittieren und diese sollten die Verirrten wieder zum guten Hirten hinführen. Solange jedoch der Kontakt besteht, folgt jedes einzelne Schaf - und somit die ganze Herde - direkt dem Hirten nach.

 

Mit diesem Bild will ich ganz bewusst dem nachleben, was ich ganz zu Beginn gesagt habe: Der Herr Jesus soll im Zentrum stehen! Besonders wenn es um Leitung geht! Ich bin sicher, dass wir nur so die richtige Sicht und Ausrichtung haben können!

 

Erst jetzt wenden wir uns den uns speziell beschäftigenden Fragen zu.

 

 

 

 

  1. 3. Wer kann grundsätzlich Ältester / Vorsteher / Aufseher ... sein?

 

Wie eingangs festgehalten, erwarten wir, dass Gottes Wort uns darüber klare Aussagen macht. Dazu einige Bibelstellen.

 

1.Timotheus 3 1Das Wort ist gewiss: Wenn jemand nach einem Aufseherdienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk. 2Der Aufseher nun muss untadelig sein, Mann einer Frau, nüchtern, besonnen, sittsam, gastfrei, lehrfähig, 3kein Trinker, kein Schläger, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldliebend, 4der dem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder mit aller Ehrbarkeit in Unterordnung hält 5- wenn aber jemand dem eigenen Haus nicht vorzustehen weiss, wie wird er für die Gemeinde Gottes sorgen? -, 6nicht ein Neubekehrter, damit er nicht, aufgebläht, dem Gericht des Teufels verfalle. 7Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draussen sind, damit er nicht in übles Gerede und in den Fallstrick des Teufels gerät.

 

Titus 1 5 Deswegen liess ich dich in Kreta zurück, damit du, was noch mangelte, in Ordnung bringen und in jeder Stadt Älteste anstellen solltest, wie ich dir geboten hatte, 6wenn jemand untadelig ist, Mann einer Frau, gläubige Kinder hat, die nicht eines ausschweifenden Lebens beschuldigt oder aufsässig sind. 7Denn der Aufseher muss untadelig sein als Gottes Verwalter, nicht eigenmächtig, nicht jähzornig, nicht dem Wein ergeben, nicht ein Schläger, nicht schändlichem Gewinn nachgehend, 8sondern gastfrei, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig, enthaltsam, 9der an dem der Lehre gemässen zuverlässigen Wort festhält, damit er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.

 

 

 

NB: -  Nicht jeder, der diese Kriterien erfüllt, ist damit auch ein Ältester, aber ein Ältester muss sie erfüllen. Wenn der Heilige Geist ihn dann beruft und zurüstet, kann und soll er diesen Dienst tun.

 

-    Eine erste Definition ergibt sich selbstverständlich schon aus dem Begriff „Älteste“ (wörtlich „die Älteren“ [vgl.1.Petr.5,5 in EÜ und rev. EÜ!]), oft im Gegensatz zu „den Jüngeren“ stehend, welche dafür ausser Betracht fallen. Ein relatives Älter-Sein, das sich auch in einer geistlichen Reife zeigt, ist  Voraussetzung.

 

-    Total falsch wäre, sich nach weltlichen Massstäben auszurichten. (Lk.16,15)

 

 

  1. 4. Wie sollen die Ältesten* führen? 1.P.5,1-3: - führen  ≠ herrschen!

- als Vorbilder

 

Röm.12,8:     - mit Fleiss

 

Mt.20,25-28:             - Jesus  aber  rief  sie  heran

und sprach: Ihr wisst, dass

die Regenten der Nationen sie beherrschen und die Grossen Gewalt gegen sie üben. Unter euch wird es nicht so sein; sondern wenn jemand unter euch gross werden will, wird er euer Diener sein, und wenn jemand unter euch der Erste sein will, wird er euer Sklave sein; gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

 

Selbstverständlich belehren uns auch anderen Stellen über dieses „WIE“. Am besten kommen wir dem nach, wenn wir unseren guten Hirten betrachten und nachahmen.

 

 

* Es geht mir bei dieser Arbeit nicht darum, die gewiss sehr verantwortungsvollen Aufgaben der Ältesten, Aufseher, Hirten, Führer ... von einander zu unterscheiden oder näher zu umschreiben. Das tippe ich nur kurz an. Dies wäre ein Thema für sich und ginge vor allem aus den Bibelstellen unter II  3.  und  III  2. deutlicher hervor. Dort sehen wir auch, wie wir durch Gottes Wort aufgefordert werden, diese Brüder entsprechend anzuerkennen, uns ihnen unterzuordnen ...  Aber das ist - so wichtig das auch ist - nur ein „Nebenprodukt“ dieses Lehrabends, da ich mich auf das Hauptanliegen,  die biblische Führungsstruktur, konzentrieren will. Sonst sehen wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.

 

 

 

 

 

III     Müssen / sollen wir die Ältesten kennen?       -       wie?

 

Oft versucht man, „Ältestenrat“, „Gemeindeleitung“ oder wie man diese Gremien auch immer nennen mag, mit dem Argument „biblisch zu rechtfertigen“, dass man die Ältesten doch kennen müsse, weil sonst gewissen Bibelstellen nicht nachgelebt werden könne. Das bedinge eine öffentlich bekannte, fixierte „Ältestenschaft“...

 

 

 

  1. 1. Beispiele, die das zu bestätigen scheinen

 

  1. Jak.5,14
  2. 1.Tim.5,17.19
  3. 1.Petr.5,5

 

Ich sehe bei a) keine Notwendigkeit, dass wir die Ältesten mit Namen kennen müssten. Es würde dem Wort keine Gewalt antun, wenn jemand einfach in der Versammlung mitteilte, er möchte, dass die Ältesten mit ihm beten. Die von Gott berufenen Ältesten haben dann die Verantwortung, dem Ruf zu folgen. (Wie weit diese Stelle für uns noch Gültigkeit hat, ist nicht Gegenstand dieser Arbeit.)   Bei b) und c) ist es jedoch auch m.E. unumgänglich, diese Brüder zu (er)kennen, weil ich sie sonst nicht anerkennen, ehren, ihnen gehorchen, sie besonders lieben ... kann. [Gemäss EÜ fällt allerdings auch noch c) weg!]

 

 

 

 

 

  1. 2. Ja, aber wie ... ?

 

In der Einleitung habe ich betont, dass Gottes Wort uns eindeutige Antworten auf unsere Fragen bezüglich der Versammlung geben „muss“.

 

Dieses „Wie“ hat mir entscheidende Hinweise und Aufschluss über Gottes Absicht bezüglich Führungs-Struktur und Organisation einer örtlichen Versammlung gegeben! Um es vorweg zu nehmen: Gottes Wort zeigt uns klar, dass wir die leitenden Brüder gerade nicht kraft eines Amtes, einer öffentlichen Benennung ... kennen, erkennen und anerkennen ... sollen, sondern auf Grund ihres Verhaltens, Ihres Werkes, ihres Dienstes, ihres Arbeitens im Herrn! Folgende Stellen beweisen das eindeutig:

 

  1. V.a. 1.Tim.3 und Titus 1 zeigen uns - im Gegensatz zur Urgemeinde, welche diese Schriften noch nicht hatte! - wer für einen solchen Dienst grundsätzlich in Frage kommt (vgl. II 3)!

 

Nehmen wir das Kriterium des Alters und der geistlichen Reife dazu, so kommen leider in den meisten Versammlungen bereits nicht mehr viele in Betracht! Gottes Wort gibt aber noch präziser Auskunft darüber, woran wir die als Älteste dienenden Brüder erkennen sollen.

 

  1. 1.Kor.16,15-18  Ich ermahne euch aber, Brüder: Ihr kennt das Haus des Stephanas, dass es der Erstling von Achaja ist und dass sie sich in den Dienst für die Heiligen gestellt haben; dass auch ihr euch solchen unterordnet und jedem, der mitwirkt und sich abmüht. Ich freue mich aber über die Ankunft des Stephanas und Fortunatus und Achaikus, denn diese haben eure Abwesenheit ersetzt. Denn sie haben meinen und euren Geist erquickt. Erkennt nun solche an!

 

  1. 1.Thes.5,12.13  Wir bitten euch aber, Brüder, dass ihr die erkennt*, die unter euch arbeiten und euch vorstehen im Herrn und euch zurechtweisen, und dass ihr sie ganz besonders in Liebe achtet um ihres Werkes willen.

 

*Neuere Übersetzungen haben hier anerkennen, was jedoch auf Grund des Urtextes klar falsch ist. Das gr. Verb eido kann gemäss Brüdern, die das Griechische beherrschen, nicht anerkennen meinen, sondern: sehen, wissen, kennen, erkennen... Es kommt im NT rund 600 x vor und wird meines Wissens an keiner anderen Stelle mit anerkennen übersetzt! Leider zeigt sich da eine theologische Tendenz.

 

  1. 1.Tim.5,17  Die Ältesten, die gut vorstehen, lass doppelter Ehre würdig geachtet werden, besonders die in Wort und Lehre arbeiten.

 

  1. Hebr.13,17   Gehorcht und fügt euch euren Führern, denn sie wachen über eure Seelen, als solche, die Rechenschaft geben werden, damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre euch nicht nützlich.

 

  1. Vgl. auch Phil.2,29

 

 

Was also bei oberflächlicher Betrachtung für eine „bezeichnete, festgelegte Ältestenschaft“ zu sprechen schien, kehrt sich bei genauerem Studium doch ziemlich exakt ins Gegenteil! Ein benanntes und fixiertes Gremium hindert das selbständige, schriftgemässe Erkennen und Anerkennen. Die entsprechenden Bibelstellen werden dann fälschlicherweise einfach auf die „ordinierten“ Ältesten bezogen. Gerade das will „man“ ja damit erreichen! Das ist ja auch für die Gemeinde viel bequemer und findet wohl v.a. deshalb breiten Zuspruch! Aber genau das will Gottes Wort eben nicht!!

 

 

NB: Es ist nie Liebe, Geschwister vom Gott-gegebenen schmalen Weg
auf eine breitere und bequemere Strasse zu (ver)führen!

 

Ich betone ausdrücklich, dass es mir nicht darum geht, irgend jemanden anzuschwärzen oder zu verurteilen. Ich will einfach von Gottes Wort her auf Argumente  eingehen, die man von verschiedensten Seiten her zu hören bekommt, und diese biblisch ausleuchten. Wir halten das nicht nur für legitim, sondern für sehr wichtig.

 

 

  1. 3. Eine weitere Gefahr:  „Macho“

 

Das mit dem Anbieten eines bequemeren Weges kann falsch verstandene Liebe sein, verbirgt aber leider oft einen Hintergedanken. Ich erinnere an Jerobeam, der dem Volk des Nordreichs als Alibi-Begründung einen bequemeren Weg anbot; effektiv ging es ihm aber nur um seine Machtposition (1.Kö.12,26-28). Schlummern nicht auch in uns „Jerobeam- oder Diotrephes-Allüren“ (3.Joh.9)? Wer das menschliche und v.a. das männliche Herz kennt, kann diese Möglichkeit nicht einfach ausser Acht lassen! Manch einer mag sich vordergründig deshalb für eine offiziell anerkannte Ältestenschaft stark machen, weil er gerne eine solche Position einnähme, die sein Ansehen und seine Macht stärken würde. Auch diese Gefahr gilt es zu beachten - in erster Linie bei sich selbst!  (Aber bitte nicht den verbotenen Umkehrschluss ziehen, dass jeder, der sich derart einsetzt, ein „Macho“ sei!)

 

 

  1. 4. Genauso   unbiblisch ist die vielleicht gut gemeinte Absicht, durch öffentliche

Bezeichnung diese Brüder zu „zwingen“, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Man will verhindern, dass sie sich „um ihre Pflichten drücken“. Das mag zwar menschlich gesehen klug scheinen, steht aber im krassen Widerspruch zu 1.Petr.5,2:

 

Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist, nicht aus Zwang, sondern freiwillig,
Gott gemäss, auch nicht aus schändlicher Gewinnsucht, sondern bereitwillig
.

 

 

 

  1. 5. Wie kommt eine Versammlung schriftgemäss zu ihren Ältesten?

 

  1. Wer setzt sie ein?

 

-          Gottes Geist befähigt sie, setzt sie ein, in der Urgemeinde z.T. noch via Apostel * (Apg.20,28), und rüstet sie zu.

 

-          Röm.12,8 + 1.Kor.12,11: (wer vorsteht ... = Gnadengabe, die der Geist austeilt, wie Er will)

 

!

 


* Ich betone nochmals, dass die Versammlungen zur Zeit der Apostel noch nicht die Möglichkeit hatten, die Lehrbriefe zu durchforschen, um zu erkennen, wer Ältester war. Heute haben wir keine Apostel mehr, dafür das ganze Wort Gottes und darin die Lehre der Apostel! Dieses Geschenk Gottes wollen und dürfen wir nicht verachten!

 

 

  1. Wer bezeichnet sie  -  Wie?

 

-          Gottes Wort „bezeichnet“ sie (siehe die verschiedenen Bibelstellen unter II und III). (Alb. von der Kammer machte dazu den treffenden Vergleich mit einer Foto: Wir sollen „die Foto“ (= Beschreibungen in Gottes Wort) betrachten und in der Versammlung schauen, wer diesem Bild entspricht.)

 

-          Sollten wir Gottes Wort und Geist nachhelfen müssen? Nein! Wir können uns     100%-ig darauf verlassen, dass Gott  in der Lage ist, uns Seine Forderung nach selbständigem, schriftgemässem Erkennen auch zu ermöglichen. Allerdings bedingt das unsererseits ein Erforschen der Schrift und ein Engagement in der Versammlung. Wir befinden uns auch hier auf dem schmalen Weg!

 

  1. Die Verantwortung für das Erkennen liegt

 

  • Einerseits beim Diensttuenden:

Dient er treu, so erkennt man ihn leicht. (Das gilt auch für andere Dienste!). Dient er aber nicht oder wenig, so fällt es schwer, ihn und seinen Dienst zu erkennen.

 

  • Anderseits aber auch bei uns, die wir solche erkennen sollen:

Schlafen wir, so erkennen wir niemanden, sind wir aber geistlich wach und nicht nur „Konsumenten“ oder „Sonntagmorgen-Christen“, sondern verbindlich in der Versammlung engagiert, und achten in Liebe aufeinander, so erkennen wir leichter, rascher und sicherer.

 

Auf eine Überlegung von Alb. von der Kammer will ich nur kurz hinweisen: Er vertritt die Ansicht, dass es wegen der Zersplitterung und dem Verfall der Gemeinde Christi Älteste im biblischen Sinn nicht mehr geben könne, weil Älteste stets an eine Ortsgemeinde gebunden sind, diese aber nicht mehr nach Gottes Absicht existieren. Jedoch gebe der Heilige Geist nach wie vor Brüder, die in dieser Art dienen. Wir haben damit einen weiteren Grund, auf den Dienst und nicht auf ein „Amt“ zu schauen.

 

 

 

 

IV  Einige  Gedanken  zu  Struktur  und  Organisation

 

 

  1. 1. Eine Gemeinde ist keine Organisation, sondern ein Organismus

 

→  Wir können nicht auf jegliche Organisation verzichten.

←  Jede Organisation macht unabhängig von unserem Herrn!

 

è Organisieren nur wo nötig, denn wir wollen von Ihm abhängig sein und bleiben!

Und sicher nie organisieren, wenn wir damit Gottes Wort entgegen wirken!

 

 

→  Eine durchorganisierte Gemeinde funktioniert auch dann noch, wenn jedes geistliche
Leben fehlt  (Bsp. Off.3,1  Sardes).

←  Eine nur im Nötigsten organisierte = geistgeleitete Versammlung gerät ins Stocken,

wenn die Leitung nach oben unterbrochen ist.

 

è Ein solches Stocken ist uns vielleicht peinlich, aber heilsam: Ein Signal zur Busse!

Wir wollen das als Chance sehen! (Fehlende Geistesleitung ist aber auch zu beklagen, wenn ich

etwas sage oder tue, wozu ich vom Herrn nicht gerufen wurde, ob organisiert oder nicht!)

 

 

→              Eine menschlich problemlos funktionierende Gemeinde wird leicht hochmütig (Off.3,17).

←  Eine manchmal stockende, aber vom Herrn abhängige, wird in Demut gehalten.

(Off.3,8)

 

è Was ziehen wir vor?  (Jak.4,6!)

 

 

→  Wo es an Führung fehlt, kommt ein Volk zu Fall ...              (Spr.11,14a)

←  doch kommt Rettung durch viele Ratgeber.                         (Spr.11,14b)

 

 

è Wir brauchen Führung. Daran sollen möglichst viele engagiert teilhaben. Jeder soll

sich an seinem Platz nach seiner Berufung seiner Verantwortung bewusst sein!

 

 

  1. 2. Fragen ...

(„provokative“ Fragen sollen zum Nachdenken anregen, nicht zum Verurteilen von Geschwistern! Würden wir aber der Einheit zu Liebe über gewisse Dinge schweigen, würden wir dem Geist der Ökumene / Allianz huldigen!)

  1. Wo finden wir in der Bibel, dass eine Versammlung Älteste eingesetzt oder ernannt (ordiniert) hat oder einen Auftrag dazu?

 

Wer dafür die Wahl der Diakonen heranziehen will, verwechselt Birnen mit Äpfeln! Bei diakonischen Arbeiten, wie z.B. bei uns die Arbeit mit den Finanzen, das Reinigen des Lokals, Sonntagschule und ähnlichem, handelt es sich um praktische Dinge, die wir durchaus organisieren dürfen, um den Ablauf der Zusammenkünfte und die äusserlichen Angelegenheiten zu regeln. Dies auf geistliche Dienste auszudehnen, wäre ein krasser Verstoss gegen die korrekte Auslegung von Gottes Wort! Und das umso mehr, weil das Wort Gottes uns klar sagt, wer die Ältesten einsetzt und wie diese von uns erkannt werden sollen!

 

  1. Wo finden wir, dass sich Brüder selber einsetzten bzw. ernannten?


Selbst unser Herr hat das nicht getan! Vgl. Hebr.5,4-5.

 

  1. Ändert das, wenn man sich anders nennt? (Älteste, Leiter, Verantwortliche, ... )?

 

Antwort unnötig!

 

  1. Wer hat Älteste eingesetzt (anfangs auch via Apostel)?

 

Wie bei allen andern geistlichen Gaben und Diensten tat und tut dies der Hl Geist. (Apg.20,28; 1.Kor.12,4-11; Röm.12,3-8)

 

  1. Hat heute noch jemand apostolische * Autorität?

 

* Nochmals sei betont, dass die Versammlungen zu dieser Zeit noch nicht die ganze Schrift hatten, um zu erkennen, wer Ältester sein konnte bzw. war. Heute haben wir keine Apostel mehr, aber die Lehre der Apostel. Gottes Wort ist für uns die massgebende (apostolische) Autorität!

 

  1. Finden wir eine einzige Stelle in der Schrift, wo sich die Ältesten einer örtlichen Versammlung als abgeschlossene Gruppe trafen, um Angelegenheiten der Versammlung zu besprechen  -  oder finden wir eine lehrmässige Aufforderung dazu?

 

Ich kenne keine.

 

  1. Wie steht es mit der sogen. Brüderstunde / Brüderversammlung?

 

Spr.11,14b; Apg.6,1-6 und Apg.15,6.12.22 geben einen gewissen Hinweis darauf, der zwar nicht gerade überwältigend ist, aber immerhin...              Wichtig ist dabei v.a.,

 

-          dass darin kein Widerspruch zum Wort liegt, im Gegensatz zu anderen  Einrichtungen, welche diesem zum Teil klar widersprechen!

 

-          dass mit dieser bewährten Einrichtung eine praktische Möglichkeit besteht, mannigfaltige Angelegenheiten der Versammlung zu regeln. Hier kommen verschiedene Dinge zur Sprache. Gewisse sind lehrmässiger Natur, dann sind v.a. die Lehrer in der Gemeinde gefordert, die in solchen BV auch dabei sein sollten, auch wenn sie als Lehrer nicht unbedingt Älteste sind. Andere betreffen praktische Dinge, die dann vorwiegend die Diakonen angehen. Wieder andere sind spezielle Leitungs- oder Vorsteherprobleme. Hier sind dann die durch den Hl. Geist entsprechend eingesetzten Brüder angesprochen, usw.

 

-          dass damit keiner von seinem gottgegebenen Dienst ausgeschlossen wird. Ein fixes Gremium lässt nur „Neue“ oder andere zu, die es selber erkennt bzw. will!

 

 

 

  1. 3. Das Bild des Leibes Christi (1.Kor.12; Röm.12; Eph.4,4-16)

 

Wie zu Beginn unter II 2. im Bild des Hirten und Seiner Herde, erkennen wir abschliessend auch im Bild Seines Leibes nochmals ganz ähnliche Gedanken Gottes: Wir alle sind Glieder, aber keiner von uns ist das Haupt!    Nur ER!

 

Mt.23,8-11:     Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. Ihr sollt auch nicht [jemanden] auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, [nämlich] der im Himmel. Lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus. Der Grösste aber unter euch soll euer Diener sein.

ER - das Haupt - will jedes einzelne Glied persönlich führen!

 

è Das wollen wir vor allen Dingen miteinander anstreben! Ohne damit zu negieren, dass einzelne Brüder als Seine Werkzeuge Führungsaufgaben haben und wir uns diesen unterordnen sollen! Ich hoffe, dass mich diesbezüglich niemand missversteht. Das hebt sich nicht auf!

 

 

1.Petr.4,10.11:   Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes. Wenn jemand redet, [so rede er es] als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, [so sei es] als aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht werde durch Jesus Christus, dem die Herrlichkeit ist und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.

 

 

Wie wunderbar, wenn das in einer Versammlung geistgeführt klappt! Wenn jede Schwester und jeder Bruder in direkter Abhängigkeit vom Herrn Jesus seine Aufgabe erkennt und wahrnimmt!  -  Sehnst du dich auch danach?

 

 

Psalm 133 Ein Wallfahrtslied.   Von David.

Siehe, wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen. Wie das köstliche Öl auf dem Haupt, das herabfliesst auf den Bart, auf den Bart Aarons, das herabfliesst auf den Halssaum seiner Kleider. Wie der Tau des Hermon, der herabfliesst auf die Berge Zions. Denn dorthin hat der HERR den Segen   befohlen, Leben bis in Ewigkeit.

 

 

 

Empfehlenswerte                              „Hütet die Herde“                                                                              Albert von der Kammer

Literatur                                „Die Gemeinde nach dem Neuen Testament“            Karl Thewes

„Christus und die Gemeinde“                                         William McDonald

 

 

 

 

 

HR  5.6.03