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Einwände gegen die prätribulatorische Entrückung der Versammlung

Einwände gegen die prätribulatorische Entrückung der Versammlung

Entrückung vor der grossen Drangsal

Verfasser:  Edi Rohner

Leidensscheu

Von den „leidensbereiten“ Christen wird denen, die die prätribulatorische Entrückung lehren unter anderem vorgeworfen, sie seien leidensscheu und wollten deshalb vor der grossen Drangsal weg von der Erde. Diese kuriose Ansicht ist nur möglich weil sie denken, Leiden gebe es einzig in der grossen Drangsal und durch die müssten Christen hindurch, weil ihnen vom Wort Gottes  Leiden zur Erprobung und Läuterung  in Aussicht gestellt werden. Da stellt sich die Frage, was ist dann mit all den Märtyrern und sonstigen Heiligen, die während den vergangenen 2000 Jahren für den Namen des Herrn litten und starben? Waren das keine Leiden? Wurden sie nicht erprobt und geläutert? Sie gingen nicht durch die grosse Drangsal. Warum müssen wir? Das Argument Leidensscheu ist im Zusammenhang mit der Frage des Zeitpunkts der Entrückung absolut sinnlos.

 

Bewahrung

Die Kombination von Joh 17,15 und Off 3,10 ist sehr unglücklich, denn bewahren vor dem Bösen  und bewahren vor der Stunde der Versuchung  sind nicht dasselbe. Die Bitte des Herrn in Joh 17 ist seit 2000 Jahren vom Vater erhört worden, auch im Fall der Märtyrer. Jesus hat nie gebetet, bewahre sie vor Leiden, die dann trotzdem kamen, sondern bewahre sie vor dem Bösen.  Die Bösen konnten den Jüngern Jesu zu keiner Zeit Schaden zufügen. Sie konnten zwar ihren Leib töten, aber ihre Seele blieb bewahrt, sie konnten sie nicht töten. Joh 17,15 ist eine allgemeine Wahrheit , die nicht auf eine spezielle Stunde beschränkt ist. Aber Off 3,10 spricht von  Bewahrung vor einer speziellen Stunde der Versuchung. Der Vers  verspricht den Christen in Philadelphia jedoch nicht, sie müssten nie durch Leiden gehen, sonst wären sie die einzigen unter allen Christen, die nie leiden müssen.

Wie immer man den Vers Off 3,10 auslegt; er liefert keine schlüssige Antwort auf die Frage, ob die Versammlung  vor oder während oder nach der grossen Drangsal entrückt wird. Dass der Vers manchmal zur Stützung der Lehre von der prätribulatorischen Entrückung gebraucht wird ist schade, er beweist aber auch nicht das Gegenteil.

 

Ankunft und Entrückung

Die Gleichsetzung von Ankunft (parousia) mit Entrückung ist falsch und erschwert unnötig das Verständnis der biblischen Endzeitlehre. Die Bibel verwendet  verschiedene Wörter um mit ihnen verschiedene Dinge zu beschreiben, die mit dem Kommen des Herrn zusammenhängen.

 

In 2 Thess Kap.1,7 , Kap. 2;1,2 und 8 stehen fünf Wörter, die keine Synonyme sind.

 

- die Ankunft des Herrn

- unser Versammeltwerden zu ihm hin (die Entrückung)

- der Tag des Herrn

- die Erscheinung seiner Ankunft (des Herrn Jesus)

- die Offenbarung  des Herrn Jesus vom Himmel her.

 

Die Ankunft und die Entrückung

Die Entrückung gehört zwar zur Ankunft des Herrn, aber die Ankunft des Herrn umfasst viel mehr als  die Entrückung. In 1 Thess 3,13 steht zum Beispiel: „bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen  Heiligen.“ Die Ankunft des Herrn beinhaltet  sowohl unser Versammeltwerden zu Ihm hin insVaterhaus (Joh 14,3), als auch unsere Ankunft mit Ihm, womit nicht eine Ankunft im Himmel gemeint ist, sondern die Ankunft des Herrn um Krieg zu führen in Gerechtigkeit (Off 19,11). Die Ankunft des Herrn ist ein Oberbegriff für das zweite Kommen des Herrn, sei es zur Entrückung der Versammlung oder zum Gericht über das Böse.

Entrückung und Ankunft des Herrn sind nicht dasselbe.

 

 

 

Die Reihenfolge der Endzeitereignisse in 2 Thess 2

Es ist nicht richtig, wenn gesagt wird, zuerst müsse der Mensch der Sünde offenbart werden und erst danach folge die Entrückung. Wahr ist, dass zuerst der Mensch der Sünde offenbart werden muss, bevor der Tag des Herrn kommt. „denn dieser Tag (des Herrn) kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und…“ (Vers 3).Eine Entrückung nach der Offenbarung des Antichristen findet keinerlei Rückhalt in diesen Versen. Auf diese Idee kann man nur kommen, wenn die Entrückung dem Tag des Herrn gleichgesetzt wird.

 

Der Tag des Herrn

Mit dem Tag des Herrn ist im AT und auch später die Weissagung verbunden, dass der Herr Gericht üben wird, aber zum Tag des Herrn gehört auch das Tausendjährige Reich bis hin zum „Weltuntergang“ (2 Pe 3,10). Am Seinem Tag wird der Blitz blitzend leuchten von dem einen Ende der Erde unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel (Luk 17,24). „denn es kommt der Tag des Herrn, …ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit…“ (Joel 2,1). Der Tag des Herrn ist ein Tag des Zornes (Zeph 2,2).

Entrückung und Tag des Herrn sind nicht dasselbe.

 

Die Erscheinung seiner Ankunft

Die Erscheinung seiner Ankunft weist darauf hin, dass Jesus bei Seinem zweiten Kommen anfänglich von der Welt nicht gesehen wird. Wenn der Tag Seines Zornes kommt tritt nicht sogleich der Herr in Erscheinung, sondern es kommen zuerst einmal die Strafen, die von den sieben Engeln mit den Posaunen ausgelöst werden (Off 6,17). Erst bei der Erscheinung seiner Ankunft wird Jesus den Gesetzlosen verzehren durch den Hauch seines Mundes. Das ist das zweischneidige Schwert von Off 19, das den Abschluss von allen Handlungen bildet, die zu Seiner Ankunft gehören. Die Erscheinung des Herrn für die Welt ist sozusagen die Krönung Seiner Ankunft. „Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird in sehen…(Off 1,7). Die Gläubigen aber werden Jesus schon sehen, wenn sie ins Vaterhaus aufgenommen  werden.

Die Entrückung und die Erscheinung unseres Herrn Jesus sind nicht dasselbe.

 

Die Offenbarung des Herrn Jesus

Diese Offenbarung findet statt, wenn Jesus in flammendem Feuer mit den Engeln seiner Macht vom Himmel kommt um Vergeltung zu geben denen, die dem Evangelium nicht gehorchen. Wenn dann denen vergolten wird, die an den Heiligen Unrecht verübt haben, wird den Heiligen mit Ruhe vergolten werden. Die Heiligen werden nicht in flammendem Feuer in den Himmel auffahren.

Die Entrückung und die Offenbarung des Herrn Jesus sind nicht dasselbe

 

Das Problem der Thessalonicher

Nun hatten gewisse Leute durch Briefe und mündliche Ausführungen eine Konfusion hervorgerufen indem sie behaupteten, die Leiden, welche den Thessalonichern widerfuhren, seien das Zeichen dafür, dass der Tag des Herrn (der Tag des Gerichts und des Zornes Gottes) angefangen habe - dass er da wäre.  Hätten sie gesagt bevorstehe, wären die Thessalonicher nicht beunruhigt worden, aber die Wirrköpfe sagten, er sei da. Der Streitpunkt bei der Auslegung dieses Bibeltextes besteht also darin: heisst es da oder nahe? Für das Verständnis ist es ausschlaggebend wie enestekos übersetzt wird. Ein Vergleich mit Rö 8,38; 1 Kor 3,22; 7,26; Gal 1,4; Heb 9,9 zeigt, es geht immer um Gegenwärtiges nicht um Bevorstehendes. Die Irrlehrer behaupteten also der Tag des Herrn sei da, nicht, dass er sei nahe, was richtig gewesen wäre.

 

Durch diese Konfusion wurden die Thessalonicher erschüttert und erschreckt, weil man ihnen glaubhaft machte, nun hätten sie die Entrückung verpasst. Jetzt sei schon der Tag des Herrn da und sie seien noch nicht entrückt, was ja gemäss 1 Thess 4,15 bei Seiner Ankunft hätte geschehen müssen. Weshalb sonst hätten die Thessalonicher erschrecken sollen beim Gedanken, der Tag des Herrn sei da? Weshalb, falls die Entrückung  sowieso erst bei der siebten Posaune  stattfindet?

 

Die Bedeutung der Posaunen

Ist es tatsächlich so, dass Paulus mit der letzten Posaune in 1 Kor 15,52 auf die siebte Posaune von Off 11,15 anspielt, weil im Buch der Offenbarung die siebte die letzte ist? Und stimmt es, dass die Posaune Gottes in 1 Thess 4,16 dieselbe ist wie die Posaune des siebten Engels in Off 11? Ich finde, das sei eine ziemlich kühne Annahme.

Oder kann es sein, dass die Auferweckung der Toten in Christus das Ergebnis davon ist, dass ein Engel, wie in Off 11, den Anbruch des Reiches unseres Herrn und seines Christus ankündigt?

Und woher die Annahme, bei der siebten Posaune erscheine der Herr?  Erscheint der Herr wirklich zwischen dem zweiten und dem dritten Wehe? (Vers 14) Der Text sagt, der Herr, Gott, der Allmächtige…..habe seine grosse Macht angenommen und die Herrschaft angetreten, was so viel heisst wie, mit der Herrschaft des Tieres sei es jetzt vorbei.

Und noch ein Punkt. Wenn der Herr mit der Posaune Gottes herniederkommt  ändert sich (soweit der Text geht) auf der Welt überhaupt nichts, (1 Kor 15 und Thess 4). So ist es auch wenn der Herr Jesus, gemäss der Ankündigung des Engels in Apg 1,11 für Seine Jünger wieder kommt. Dann  ändert das in der Welt vorerst nichts; genau so wenig wie damals als Er in den Himmel auffuhr.

 

Der Herr kommt in den Wolken

In Dan 7,13 wird mit den Wolken des Himmels einer wie eines Menschen Sohn (Jesus) zu dem Alten an Tagen gebracht. Wozu? Um die Herrschaft und das Königtum über die Erde entgegenzunehmen. Das entspricht Psalm 110 und hat, ebenfalls soweit der Text geht, nichts zu tun mit der Entrückung der Gemeinde, die im AT sowieso noch nicht bekannt war.

Posaunen und Wolken koinzidieren nicht. In Dan 7 gibt es keine Posaunen und in Off 11 keine Wolken und in 1 Thess 4 kommt der Herr nicht in Wolken zu uns, sondern wir gehen in Wolken zu Ihm.

Es ist von  daher nicht zulässig, Posaunen und Wolken beliebig untereinander und mit der Entrückung  in Verbindung zu bringen. Das würde ja bedeuten, dass das Erscheinen des Menschensohnes vor dem Alten und die Errichtung des Weltreiches unseres Herrn und seines Christus, gleich wie die Entrückung, in einem Nu, in einem Augenblick, passieren.

Die letzte Posaune ist Sache eines Augenblicks. Bei der siebten Posaune dauert es länger.

 

Was glaubten Paulus und Petrus?

Als Paulus den 1. Thessalonicherbrief  schrieb glaubte er, der Herr komme noch zu seinen Lebzeiten. War er deswegen ein Schwärmer? Hatte er nicht richtig gehört, dass Jesus immer wieder gesagt habe, Er könne jederzeit kommen wie ein Dieb in der Nacht? Und als es ihm dann klar wurde, dass er bald den Märtyrertod erleiden werde, hätte er da nicht seine Lehre der Naherwartung widerrufen sollen? Keineswegs! Sein persönliches Schicksal hebt doch die Allgemeingültigkeit der Worte Jesu nicht auf.

Dasselbe gilt auch für Petrus.

 

Aus dem Weg  (2 Thess 2,7)

Es ist höchst unbefriedigend, dass sich Laien von Experten, oft selbsternannten, sagen lassen müssen, ob eine Textstelle so oder anders zu übersetzen sei. Das trifft speziell dann zu, wenn davon abhängt, ob die Entrückung  vor oder nach der  grossen Drangsal stattfindet. Welches sind die alternativen Übersetzungen von „nur ist jetzt der da, der zurückhält, bis er aus dem Weg ist“ wie es in der Elberfelder und sinngemäss auch in der Schlachter 2000 steht?

Es gibt ein paar Exoten die zum Beispiel übersetzen: „until it becomes developed out of  the midst“  oder  „jusqu‘ à ce que ce mystère sorte de son secret, ou paraisse au grand jour.“  Damit soll gesagt sein, dass nicht ein jemand (etwas Drittes) den Weg für den Gesetzlosen freigibt, sondern dass  der Gesetzlose  sich selber vom Geheimnisvollen befreien werde und an die Öffentlichkeit trete. Das würde dann heissen, dass nicht  der Heilige Geist und die Gemeinde durch die Entrückung den Weg für den Gesetzlosen freigeben. Das wiederum würde bedeuten, dass es keine Entrückung braucht, damit sich der Antichrist offenbaren kann – und, falls es überhaupt eine Entrückung gibt, sie nach dem Auftreten des Antichrist stattfindet. Es verwundert nicht, wenn Gegner der prätribulatorischen Entrückung bei der Übersetzung solche Klimmzüge machen.

Ich masse mir nicht an, zum Griechischen eine persönliche Meinung zu äussern und sage nur so viel. Alle mir bekannten und geläufigen Übersetzungen stimmen mit der Elberfelder überein.

So zwei Englische

NASB: he who now restrains will do so until he is taken out of the way.

NIV: one who now holds it back will continue to do so till he is taken out of the way

 und zwei Spanische

- Hay quien al presente lo detiene, hasta que él a su vez sea quitado de en medio

- Solo queacquel que por ahora lo detiene, lo harahasta que él mismo sea quitado de en medio

Eine gründliche, mehrseitige, wissenschaftliche Abhandlung zum Thema findet sich im Kommentar zum 2. Thessalonicherbrief von William Kelly, die mir im englischen Original vorliegt.

 

Edi.Rohner. 14. Sept. 2012