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Gethsemane

Gethsemane   Verfasser: Edi Rohner

 

Ein bekannter Kommentator schreibt:

Ich glaube nicht, dass die Leiden Christi im Garten Gethsemane Teil Seines Erlösungswerks waren. Das Erlösungswerk wurde während der drei Stunden der Finsternis am Kreuz vollendet.

Dazu habe ich ein volles Ja.

Dann fährt er fort: Doch Gethsemane war ein Vorgeschmack auf Golgatha. Dort verursachte der blosse Gedanke daran, unsere Sünden aufgeladen zu bekommen, dem Herrn Jesus die schlimmsten Leiden.

Das ist wohl nicht die ganze Wahrheit.

Weshalb? Jesus durchlief in Gethsemane eine Schreckensstunde, die nicht nur aus einem Vorgeschmack bestand. Die Leiden waren besonderer Art. Im Garten Gethsemane kämpfte Jesus, Er war in ringendem Kampf.  Am Kreuz beugte sich Jesus (Jes 53,4). Er blieb stumm wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wird.

Wir stellen uns deshalb die Frage: Mit wem kämpfte Jesus? Können wir es überhaupt erahnen?

 

Vielleicht können wir es ein bisschen verstehen, wenn wir einige spezielle Situationen im Leben Jesu anschauen, zum Beispiel:

 

- Seine Versuchung in der Wüste (Luk 4,13)

- die Stunden unmittelbar vor Gethsemane (Joh 14.30)

- Sein Kampf in Gethsemane (Luk 22,40-46)

- Seine Gefangennahme (Joh 18,4)

- die  Stunden auf dem Kreuz

  drei Stunden leidend, aber redend, (Luk 23,34und 43; Joh 19,27)

  drei Stunden schweigend und von Finsternis umgeben, (Luk 23,44)

  die neunte Stunde (Mk 15,34)

 

Da und dort tritt dabei Satan persönlich gegen Jesus auf:

- Nach den 40 Tagen in der Wüste kam Satan und wollte Jesus durch seine Versuchungen zu Fall bringen. Er scheiterte, aber er wollte es wieder versuchen (Luk 4,13).

- Bei einer Todesankündigung wollte Petrus Jesus vom Weg abbringen, aber Jesus sprach: Satan, weiche hinter mich.

 - Im Obersaal, nachdem Satan in Judas Iskariot gefahren war, sprach Jesus zu den Jüngern: der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir (Joh 14,30) Jesus erwartete den unmittelbar bevorstehenden Endangriff von Satan.

- Im Garten Gethsemane war Jesus in ringendem Kampf und Sein Schweiss wurde wie grosse Blutstropfen, die auf die Erde herabfielen. Er war bestürzt und beängstigt.

 

Hier sind wir bei der Frage angekommen: mit wem kämpfte Jesus? Waren es die Schrecken des Todes? Innere Bedrängnis oder war es ein äusserer Feind? Konnte es Satan persönlich gewesen sein? Gibt uns die Heilige Schrift dazu Hinweise?

- Bei der Gefangennahme war Jesus (nach bestandenem Kampf) wieder absolut ruhig, nachdem Er vorher bestürzt gewesen war. Das war das Ergebnis Seines errungenen Sieges über Satan? Eines Sieges nicht nach Punkten. Nein, Er hatte der Schlange den Kopf zermalmt. Wie ging es dann weiter?

 

- Jesus begegnet Seinen Häschern im Garten mit vollkommener Ruhe. Danach, auf dem Kreuz:

 

1.       Als (während) sie Ihn kreuzigten sprach Er: Vater vergib ihnen (Luk 23,24).

2.       Bereits auf dem Kreuz, sprach Er ganz ruhig zu Johannes: Siehe deine Mutter (Joh 19,26) und

3.       zu dem Schächer sagte Er: Heute wirst du mit mir im Paradies sein (Luk 23,43).

 

-Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte unergründliche Stille. Nun sprach Jesus nicht mehr. Es war die Zeit, da Jesus, das Lamm, die Strafe Gottes für unsere Sünden trug. Nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift kämpfte Jesus im Sinn von Abwehr in diesen Stunden nicht; vielmehr beugte Er sich unter den Willen Gottes, Er liess sich von Gott zerschlagen (Jes 53,4 und 10) und empfing die Striemen, durch die wir heil geworden sind (1 Pe 2,24).

- Um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme.

4.       Eli, Eli, lama sabachthani? d. h.: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Mt27,46).

              Sogleich  danach(Mt 27,48)da Jesus wusste, dass alles schon vollbracht war, spricht er -..-

5.       Mich dürstet! Joh 19,28).

Die Soldaten legten einen Schwamm mit Essig an Seinen Mund.

Markus fügt dem allem noch etwas ganz bemerkenswertes hinzu: „Jesus aber gab einen lauten Schrei von sich“. (Mk15,37) Das war nicht der Schrei eines Verzweifelten, sondern der Schrei eines Siegers

                Dann rief Jesus:

6.       Es ist vollbracht (Joh 19,30a).

Dann sagte Er:

7.       Vater in deine Hände übergebe ich meinen Geist! Als er aber dies gesagt hatte, verschied er. (Luk23,46).

 

Und nun nochmals: mit wem kämpfte Jesus, als Sein Schweiss wie Blutstropfen zur Erde fiel?

Bei der Versuchung in der Wüste und bei dem Verweis des Petrus wurde Satan abgewiesen, aber noch nicht bezwungen. Satan sollte aber nicht unbezwungen bleiben. Es sollte ihm gemäss Gen 3,15 der Kopf zermalmt werden. Es scheint, dass das bei dem ringenden Kampf in Gethsemane geschah. In Gethsemane ging es nicht in erster Linie um unsere Erlösung, sondern um die Bezwingung der Macht Satans. Im Licht der Bibel öffnet die Niederringung Satans das Tor zur Befreiung, und das nicht nur für die Gläubigen, sondern für die ganze Schöpfung (Rö 8,18-23).

Wir lesen, die Schöpfung sei in Knechtschaft, sie sei der Nichtigkeit unterworfen worden (nicht mit Willen, sondern dessentwegen, der sie unterworfen hat), auf Hoffnung hin. Nicht mit Willen wird auch widergegeben mit nicht freiwillig. Die Ausführungen des Paulus werden jedoch verständlicher, wenn man sagt nicht absichtlich. Die  ganze Schöpfung ist wegen dem Ungehorsam Adams und Evas in Mitleidenschaft gezogen worden. Von Adam aus gesehen bestimmt nicht absichtlich, aber doch unvermeidlich. Adam sah das nicht voraus. Gott sprach zweimal den Fluch über die Schöpfung aus (Gen 3,14 und 17), aber Gott liess Raum für Hoffnung, denn gleichzeitig mit dem Fluch kündigte Er auch die Beendigung der Knechtschaft an: Er sprach zu der Schlange: Er wird dir den Kopf zermalmen. Wann konnte dies geschehen sein, wenn nicht in Gethsemane?  

 

Man sagt, Jesus kämpfte dort mit der Todesangst. Gewöhnliche Todesangst konnte es gewiss nicht gewesen sein, denn viele Seiner Jünger haben später ihrer Hinrichtung gelassen ins Auge geblickt. War Jesus etwa schwächer als sie? Und wie steht es mit dem Gedanken des Vorgeschmacks, was oft als Agonie bezeichnet wird. Mir scheint, es gebe bei dieser Auslegung mehr Fragen als Antworten.

Wie konnte Jesus in Seiner Seele in Gethsemane, als er noch in völliger Gemeinschaft mit dem Vater war, einen wirklichen Vorgeschmack haben von dem, was die Gottverlassenheit am Kreuz bedeutete?  Von was sprach Jesus, als Er zum Vater betete: Nimm diesen Kelch von mir weg (Luk 22,42). Dachte Er dabei an denselben Kelch, von dem Er kurz nach der Gefangennahme zu Petrus sagte: Den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken? (Joh 18,11)  Stand vielleicht ein anderer Kelch vor der Seele Jesus‘ in Gethsemane als Er zum Vater sagte: Nimm diesen Kelch von mir weg! (Mk 14,36; Luk 22,42)? Dieser Kelch; das war Sein Kampf als Überwinder mit Satan. Der Kelch des Vaters; das war Sein Verlassensein von Gott als Sündenträger.

Nochmals, um was für einen Kampf ging es in Gethsemane? (Luk 22,44) Kämpfte Jesus mit einem äusseren Feind? Konnte dieser Feind Satan persönlich gewesen sein?

 

Der persönliche, abschliessende Kampf Jesu mit Satan

Als Jesus 40 Tage in der Wüste war, wurde Er von dem Satan versucht. Es waren nicht satanische Versuchungen, wie wir sie auch erleben mögen, Es war Satan persönlich, der Ihn angriff und dann eine Zeit von Ihm wich, bis eine andere Gelegenheit für ihn  kam (Luk 4,13). Nun gab es im Dienst des Herrn Jesus hier hienieden viele Begegnungen mit Dämonen (mit satanischen Mächten) aber es kam nie zu einer persönlichen Gegenüberstellung mit Satan, ausser nach den 40 Tagen in der Wüste. Jesus befahl den Dämonen einfach. Er brauchte überhaupt nicht zu kämpfen. Sie  waren alle Subalterne. Und wenn Menschen Ihm, angestachelt von Satan, nach dem Leben trachteten, dann entzog Er sich ganz einfach ihrem Zugriff (Nazareth).

Gemäss der Ankündigung von Gen 3,15 musste der Same der Frau (das ist zweifellos Jesus) einmal der Schlange den Kopf zermalmen. Das ist die einzige positive Verheissung in jenem Abschnitt, der  sonst nur von Verfluchung spricht.  Sie heisst: Jesus, der auserwählte Same Evas, wird die Macht Satans endgültig und für immer bezwingen. Dazu bedurfte es einer persönlichen Begegnung von Jesus mit Satan.

 

Die gelegene Zeit für einen letzten, persönlichen Angriff von Satan auf Jesus gab es in Gethsemane und Jesus sah ihn voraus. In Joh 14,30 sagte Er: Der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir. Jesus erwartete also, dass es bald zu einer Konfrontation mit Satan kommen werde. Wann fand diese statt wenn nicht in Gethsemane? In den folgenden dunklen Stunden am Kreuz hatte Satan jedenfalls gar nichts mehr bei Jesus zu suchen. Er hatte dort keinen Zutritt.  Dort war Jesus mit Gott allein und ertrug das Gericht Gottes für unsere Sünden.

 

Dass es in Gethsemane um die persönliche Konfrontation von Jesus mit dem Teufel ging wird auch dadurch angedeutet, dass Jesus nur zwei Mal in Seinem Dienst auf Erden von Engeln gestärkt wurde. Einmal im Kampf mit dem Teufel in der Wüste (Mt 4,11) und das andere Mal im Kampf mit dem Teufel in Gethsemane (Luk 22,43).

In Gethsemane hat Jesus den Satan, Seinen persönlichen Widersacher, ein für alle Mal bezwungen. Der Feind ist besiegt und die Seinen sind jetzt frei. So singen wir es auch im Lied:

 

Der Du den Feind bezwungen, den Himmel aufgetan:

Dir stimmen unsre Zungen, ein Hallelujah an. 249,1

 

Sein ist der Sieg!

Teufel und Tod sind im Krieg

ewig zuschanden geworden.  170,1

 

Dennoch  warten wir zusammen mit der ganzen Schöpfung noch auf den Tag der Erlösung. Die Schöpfung liegt in Geburtswehen und wartet auf Befreiung und auch wir warten auf Befreiung,  auf die Erlösung unseres Leibes. Alles wartet noch, aber der Weg ist freigemacht. Es wird keinen Kampf mehr geben zwischen Jesus und Satan.  Jesus wird sich nie mehr persönlich mit Satan beschäftigen. Es ist Gottes Sache (Chefsache), den Satan in Bälde unter unsere Füsse zu zertreten (Rö 16,20). Michael und seine Engel werden mit dem Drachen kämpfen. Sie werden ihn aus dem Himmel hinauswerfen (Off 12,7-9). Ein Engel, der den Schlüssel des Abgrundes und eine mächtige Kette in seiner Hand hat, wird von dem Himmel herabkommen und den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und Satan ist, tausend Jahre binden (Off 20,2).

Wenn in 2 Thess 2,8 steht: „den der Herr Jesus verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten wird durch die Erscheinung seiner Ankunft“, dann ist nicht der Satan, sondern der Antichrist gemeint.

Satan ist ein besiegter Held. Jesus kämpft nicht mehr mit ihm, aber Er steht uns in unserem Kampf mit dem Teufel bei. Den Fürstentümern und Gewalten wurden alle Anklageschriften, die für eine Verurteilung der Menschen ausreichen, aus der Hand genommen. Jesus nagelte sie ans Kreuz (Kol 2,14-15). Insofern ist  keine Anklage der Gläubigen mehr möglich. Aber Satans Diener geben keine Ruhe. Der Kampf mit den Satansmächten geht weiter (Eph 6,12). Und der Teufel selbst geht immer noch umher wie ein brüllender Löwe. Deshalb werden wir aufgefordert dem Teufel im Glauben standhaft zu widerstehen (1 Pe 5,8-9)

 

Auf uns wartet Kampf auch im neuen Jahr. Welcher Art er auch sein wird – wir haben Jesus, den Siegesheld im Kampf mit Satan als unseren Führer.

 

Diese Wahrheiten werden im Alten Testament vorgeschattet

 

a)      Für den Sieg Jesu über Satan in Gethsemane gibt es das Vorbild des Sieges Gottes über Pharao.

b)      Für den andauernden Kampf jedes einzelnen Gläubigen gegen die Angriffe Satans gibt es das Vorbild von Amalek.

 

Der Sieg über Pharao war eine abgeschlossene, nicht wiederholbare  Sache. Der HERR (Jesus) kämpfte und Israel (die Gläubigen) sollte still sein (Ex 14,14). Wir können nur schweigend und anbetend zur Kenntnis nehmen, was der HERR in Gethsemane getan hat. Wir schauen an wie Er dort den Satan bezwungen hat, so wie Israel die Ägypter tot am Ufer des Meeres liegen sah (Ex 14,30). Der Glaube erkennt, dass der HERR allein, ganz ohne unser Dazutun, Satan (der Pharao) völlig bezwungen hat.

 

Der Kampf mit Amalek weist auf eine andere Seite der Wahrheit hin. An diesem Kampf müssen alle Männer Israels (alle Gläubigen) teilnehmen (Ex 17,9). Die Gläubigen werden dabei von dem wahren Josua (Jesus) angeführt, aber sie müssen selber kämpfen. Dabei bleiben sie nur siegreich, solange ihr Gebetsdienst andauert – nur solange sie wie Mose ihre Hände erheben (Ex 17,11). Der Kampf mit Amalek ist im Gegensatz zum Kampf mit dem Pharao eine andauernde  Sache. Sie ist nicht abgeschlossen. „Krieg hat der HERR gegen Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!“ (Ex 17,16) Doch es ist ein Krieg, den der HERR nicht selber führt und dessen Ausgang schon sicher ist.

 

E. R. / Jan. 2013