„Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.“ 1. Joh. 2,2
Lieber Peter,
herzlichen Dank für die Übermittlung deiner Mail an Dietrich. Hier in der Klinik kann ich meinen 1&1 mailaccount nicht abrufen, darum bin ich etwas „abgekoppelt“.
Ich könnte es mir jetzt einfach machen und zählen. Momentan hab ich fünf Übersetzungen im Zugriff und die „Abstimmung“ würde 3:2 für eine Übersetzung im Sinn der Elberfelder 1905, die ich oben zitiert habe, ausgehen.
An diese Stelle muss man mit großer Vorsicht herangehen. Ich bin überzeugt, dass der Heilige Geist den Apostel Johannes benutzte um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Origenes war sicher nicht der erste Allversöhner. Wir finden an vielen Stellen, dass Johannes auf eine präzise und abstrakte Weise paulinische Aussagen untermauert und konkretisiert.
Ich glaube darum nicht, dass man Johannes bestimmte Stilmittel unterstellen darf. Wir müssen viel mehr davon ausgehen, dass der Geist Gottes ganz konkrete und präzise Aussagen macht. Wir finden das auch in anderen Briefen. Wenn wir z.B. 1. Kor. 15 lesen, dann bekommt man ebenfalls den Eindruck, dass in Aussagen Worte fehlen.
„"Der erste Mensch, Adam, ward eine lebendige Seele"; der letzte Adam ein lebendig machender Geist.“ 1. Kor. 15,45
Man könnte bei oberflächlicher Betrachtung meinen, dass der letzte Adam ein lebendig machender Geist wurde, aber das würde in der Konsequenz die ewige Sohnschaft Christi leugnen. Ich denke, wir finden hier ganz bewusst keine Angabe die man im Hinblick auf eine Veränderung bei dem „lebendig machenden Geist“ deuten könnte. Es ist überhaupt nicht so, wie die KJV und die New King James glauben machen wollen. „the last Adam was made a quickening spirit.“ Da hilft es auch wenig weiter, wenn man „was made“ kursiv setzt.
Auch in 1. Joh. 2,2 setzt die New King James den Zusatz „für die Sünden“ kursiv. Trotzdem scheint ein solches Vorgehen gefährlich zu sein, denn schon im Alten Testament ist Sühnung nicht immer Sühnung für Tatsünden und wir finden durchaus völlig unterschiedliche Sühn- / Sündopfer.
Man muss überhaupt nicht schlussfolgern, dass alle Menschen bzw. alles gerettet wird, nur weil der HERR die Sühnung für die ganze Welt ist.
Schon im alten Bund hat Gott deutlich gemacht, dass Sühnung durchaus unterschiedliche Aspekte hat. Ich denke wir müssen Sühnung unter drei Aspekten betrachten, diese sind:
→ Zufriedenstellung / Befriedigung (Gottes)
· → Stellvertretung (für Menschen)
· → Versöhnung (von Menschen und Dingen)
Sehr häufig wird der erste Aspekt nicht berücksichtigt. Ich denke aber, dass wir diesen Aspekt ganz deutlich in den Sündopfern sehen, deren Blut im Heiligtum Sühnung tat. Diese Sündopfer waren einzig und allein für Gott. Das Blut tat im Heiligtum Sühnung und die Reste dieses Opfers wurden außerhalb des Lagers verbrannt.
„Und den Farren des Sündopfers und den Bock des Sündopfers, deren Blut hineingebracht worden ist, um Sühnung zu tun im Heiligtum, soll man hinausschaffen außerhalb des Lagers, und ihre Häute und ihr Fleisch und ihren Mist mit Feuer verbrennen.“ 3. Mose 16,27
Auch das Sündopfer in 2. Mose 29 musste außerhalb des Lagers verbrannt werden. Auch bei einem Sündigen aus Versehen durch das Volk musste nach 3. Mose 4 ein Sündopfer gebracht werden, welches danach verbrannt werden musste.
Diesen Aspekt des Sündopfers des HERRN JESUS, nämlich die Befriedigung Gottes, lassen wir häufig außer Acht, wenn wir über den HERRN als Sündopfer nachdenken. Es ist aber völlig klar, dass Gott in Christus war, die Welt mit sich selbst versöhnend. Über diese Aussage von 2. Kor. 5,19 ist ebenfalls schon geschrieben worden. Ich denke Kol. 1,20 drückt es noch viel deutlicher aus, denn dort wird ausdrücklich gesagt, dass ER alle Dinge mit sich versöhnte.
Wenn wir dabei nicht beachten, dass es um die Befriedigung der heiligen und gerechten Ansprüche Gottes geht, dann kommen wir gewaltig ins Schleudern. Wir müssen einfach beachten, dass die Seite der Befriedigung Gottes durch das Sündopfer Christi dazu geführt hat, dass Gott mit dieser Schöpfung einfach fertig ist. Nichts aus dieser Schöpfung wird jemals in der Gegenwart Gottes sein. Nichts und Niemand aus dieser Schöpfung wird Gott je sehen. Für alles aus dieser Schöpfung trifft zu, dass Gott ein unzugängliches Licht bewohnt. So wie keine menschlichen Bemühungen dazu führen, dass ein Mensch zu Gott kommen kann, so kann nichts, weder der bestehende Himmel, noch die bestehende Erde vor Gott in Ewigkeit existieren, es sei denn, es kommt auf Grund des Werkes des HERRN JESUS zu einer Neuschöpfung – Zeugung – Wiedergeburt.
Der zweite und dritte Aspekt des Sündopfers bzw. der Sühnung betrifft Menschen die im Bilde Gottes geschaffen wurden. Wir haben uns durch die Sünde in eine Position gebracht in der wir uns nicht selber helfen konnten. Die heiligen und gerechten Ansprüche Gottes verlangten den Tod als Strafe. Ein anderes Urteil war gar nicht möglich. Darum brachten wir einen Stellvertreter, dass sehen wir deutlich in 3. Mose 16. Wir finden darum auch plötzlich ein Sündopfer, das wird nicht verbrannt, dass wird gegessen. „Der Priester, der es als Sündopfer opfert, soll es essen; an heiligem Orte soll es gegessen werden, im Vorhofe des Zeltes der Zusammenkunft. Alles, was sein Fleisch anrührt, wird heilig sein; und wenn von seinem Blute auf ein Kleid spritzt - das, worauf es spritzt, sollst du waschen an heiligem Orte. Und das irdene Gefäß, in welchem es gekocht wird, soll zerbrochen werden, und wenn es in einem ehernen Gefäß gekocht wird, so soll dieses gescheuert und mit Wasser gespült werden. Alles Männliche unter den Priestern soll es essen: hochheilig ist es. Aber alles Sündopfer, von dessen Blut in das Zelt der Zusammenkunft gebracht wird, um im Heiligtum Sühnung zu tun, soll nicht gegessen werden; es soll mit Feuer verbrannt werden. (3. Mose 6,19-23)
Weiter brauchten wir Versöhnung. Wir hatten uns in die Position von Feinden Gottes begeben. Nicht Gott brauchte Versöhnung, ich brauchte das und mit mir die ganze Schöpfung, die Adam der Nichtigkeit unterworfen hatte.
Es ist immer wieder faszinierend über den Ratschluss Gottes nachzudenken.
„Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es;“ Eph. 2,8
Die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden. Der HERR hat durch seinen Sühnungstod die Grundlage meiner Errettung gelegt. Aber das Werk des HERRN führt nicht zu einer „Zwangsbekehrung“ oder „Allversöhnung“. Jedem Menschen wird Vergebung seiner Sünden auf der Grundlage des Blutes des HERRN angeboten.
Menschen die an den Namen des HERRN und an sein Blut glauben werden gerechtfertigt und Gott handelt gerecht, wenn ER die so Glaubenden gerecht erklärt, warum?
Nun, zum einen findet ER in ihnen ein Grund sie zu lieben. „denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin.“ Joh. 16,27 Über diesen Vers kannst du als alter „Grieche“ sicher mehr sagen als ich, denn es ist das einzige Mal, dass im Bezug auf unsere Beziehung zu Gott für die Liebe Gottes „phileo“ benutzt wird.
Ich denke wir haben in diesem Vers die Vollendung der Geburt aus Wasser und Geist, die Geburt aus Gott. In dem Augenblick, indem Gott einen Menschen gerecht erklärt, zeugt ER ihn als Menschen vom Himmel, gibt ihm wegen seiner vielen Liebe die Sohnschaft und damit die Errettung von Geist, Seele und Leib, die vollständige Errettung.
Die Gabe Gottes ist die Sohnschaft, die Errettung für solche, die an den Namen und das Blut Jesu glauben.
Der Glaube ist Gehorsam, nie eine Gabe Gottes!
„Daher, wenn jemand in Christo ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden.“ (2. Kor. 5,17)
„denen Gott kundtun wollte, welches der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses sei unter den Nationen, welches ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit;“ (Kol. 1,27)
„denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.“ (Kol. 3,3)
Uns hätte die Stellvertretung Christi nichts geholfen, wenn nicht Christus Gott vollkommen befriedigt hätte, nur darum konnte ich versöhnt werden.
Weil Gott völlig zufrieden ist, hat er das ganze Gericht dem Menschen Jesus, dem Sohn des Menschen übergeben. Der wird regieren bis er alle Feinde beseitigt hat, erst dann übergibt der Mensch Jesus das Reich an den Gott und Vater. Beachte, dass der Mensch Jesus dem unterworfen ist, der ihm alles unterworfen hat. Das kann nur für IHN als Sohn des Menschen zutreffen, denn als ewiger Gott und ewiger Sohn kann er nicht unterworfen sein. Hier in dieser Schöpfung wird er aber als der einst Verworfene regieren.
Gott war in Christus, versöhnte die Welt und alle Dinge mit sich, trotzdem gibt es keine biblische Grundlage einer Allversöhnung oder Allvernichtung.
Menschen haben Annahmen getroffen, Tautologien definiert und sind dann auf Grund Ihrer Überlegungen bei unbiblischen und verächtlichen Aussagen über Gott, ganz besonders aber über das Werk des HERRN JESUS, ausgekommen.
Weil der HERR JESUS das vollkommene Werk der Sühnung vollbracht hat, werden Menschen vom Staube, durch die Zeugung des Vaters, Menschen vom Himmel. Auf Grund dieses selben einen und einzigartigen Werkes wird es einen neuen Himmel und eine neue Erde geben. Alles, was das Bild dessen vom Staube trägt und was unter dem Fluch dessen vom Staube liegt, hat dort keinen Platz
Herzliche Grüße
Ulrich