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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

Römerbrief

IV.  Die Kraft und Sicherheit des Gläubigen - Römer 8

 

In Römer 8 lernen wir den Heiligen Geist als die Kraft kennen, die uns vom Fleische befreit und uns befähigt, unserer Verantwortlichkeit zu entsprechen. Am Schluss des Kapitels ist von der Liebe Gottes die Rede, von der uns nichts zu scheiden vermag

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C.A.C. - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium


Vorbemerkung

Dieser Band stellt den Inhalt einer Reihe von Wort­betrachtungen über das Lukasevangelium mit C. A. Coates während der Jahre 1929—1931 dar. Er ist aus damals aufgenommenen Notizen zusammengestellt und sorgfältig durchgesehen worden. Einige Abschnitte die­ses Evangeliums wurden nicht von diesen Notizen erfasst, und deswegen waren einige Lücken in dem Umfang der Lehre unvermeidlich.

Die angeführten Schriftstellen sind aus der von J. N. Darby aus dem Grundtext übersetzten Elberfelder Bibel.


Kapitel 1

In seinen letzten Worten im Timotheusbrief lenkt Pau­lus die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass Lukas bei ihm war, was den geistlichen Hinweis in sich schließt, dass der Dienst des Lukas mit demjenigen des Paulus nahe verknüpft ist. Die Schriften des Lukas stellen Dinge dar, die wesentlich sind, um Paulus zu verstehen. Er allein von den Evangelisten berichtet insbesondere über die mit der Himmelfahrt des Herrn verbundenen Um­stände. Paulus wurde dadurch bekehrt, dass er Jesum im Himmel als den Verherrlichten sah; die Person aber, die er als im Himmel weilend erkannte, war auf Erden von Augenzeugen gesehen worden, und um die Person zu erkennen, die jetzt im Himmel ist, brauchen wir die Evangelien, besonders das Lukasevangelium. Um Ihn da, wo Er ist — im Himmel — zu erkennen, müssen wir Ihn so kennenlernen, wie Er hienieden war. Derjenige, der jetzt im Himmel ist, hat auf dieser Erde als der demütige Mensch gewandelt; Er wurde von einer Schar gesehen und gehört und bedient, die mit Ihm vertraut war.

Dieses Evangelium ist geschrieben worden, auf dass uns die höchste Gunst von Gott gewährt werde, in einer geist­lichen Weise das zu sehen und zu hören, was diejenigen gesehen und gehört haben, die Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind. Uns gehört das Vorrecht, mit ihnen an dem, was sie an dem Gepriesenen gesehen und gehört haben, teilzuhaben. Keine größere Gunst könnte uns erwiesen werden, und wenn wir es nicht verstehen, über Ihn auf Seiner Laufbahn in dieser Welt nachzusinnen, werden wir Ihn nicht so erkennen, wie Er jetzt im Himmel ist. Unsere Erkenntnis Seiner Selbst im Himmel hängt davon ab, was in Ihm auf Erden geoffenbart wor­den ist.

Lukas und Paulus waren beide in derselben Lage wie wir — keiner von ihnen hatte den Herrn persönlich auf Erden gesehen. Lukas aber folgte genau von Anfang an den Dingen, die Ihn betrafen, und Gott hat Sich des Lukas bedient, um die genaue Erkenntnis und Zuver­lässigkeit dieser Dinge zu übermitteln. Es gibt gewisse Dinge, „die unter uns völlig geglaubt werden“. Die glau­bende Schar ist noch auf Erden, und gewisse Dinge wer­den von dieser Schar völlig geglaubt. Gott sei Dank, dass es so ist!

Das beraubt uns aber nicht des Vorrechtes, die Zuverlässigkeit dieser Dinge zu erkennen. Das Lukas­evangelium entfaltet hauptsächlich die Herrlichkeit des Herrn als Mittler, und wenn wir dieses durch den Geist betrachten, werden wir nach demselben Bilde ver­wandelt.

Für Lukas wie auch für Johannes war der Herr „das Wort“.

Ich habe mich oft darüber gewundert, warum wir nicht mehr von Christo als dem „Worte“ reden. Es war augenscheinlich eine allgemeine und bekannte Be­zeichnung für Ihn, denn beide — Lukas und Johannes — gebrauchen sie als einen wohlbekannten Titel. Er über­mittelt den Gedanken, dass Gott jetzt in einem Menschen Seine Gedanken und Seine Natur völlig geoffenbart hat. Wir haben es jetzt mit Dingen zu tun, die die Schöpfung weit überragen. Gott konnte ein Machtwort reden, und die Schöpfung ward.

Johannes sagt uns, dass „ohne das­selbe auch nicht eines ward, das geworden ist“; darin war aber keinerlei Mitteilung der Gedanken Gottes ent­halten, noch wurde darin enthüllt, was Er Seiner Natur und Seinem Charakter nach war.

Jetzt ist die volle Offen­barung dessen vorhanden, was Gott in Seiner Natur, in Seinen Gedanken und Seinem Herzen ist, und zwar in Demjenigen, der als Mensch auf dieser Erde wandelte und von Menschen wie wir gesehen, gehört und bedient worden ist. Ein Mensch, wenn er dazu tüchtig ist, kann eine Uhr herstellen; Gott kann aber eine durch ein Wort herstellen; durch das Herstellen einer Uhr oder gar einer Welt oder eines Weltalls kämen aber die Gedanken Got­tes nicht zum Ausdruck. Das würde das Herz oder den Sinn Gottes nicht ans Licht bringen, aber das „Wort“ tut es. Die Offenbarung ist größer als die Schöpfung. Männer und Frauen wie wir genossen das Vorrecht, Augenzeugen und Diener des Wortes zu sein. Sie hatten das Vorrecht, in Seinem Gefolge zu sein, und der Geist Gottes will uns durch die Evangelien das Vorrecht der persönlichen Nähe zum Wort verleihen.

Man kann sehen, dass die Apostel und die Heiligen der ersten Zeiten viel über die Größe der göttlichen Offenbarung nachgedacht haben. Sie dachten und sprachen viel über „das Wort“. Wir denken an Christum als Herrn, als Heiland, als Haupt und als Priester, und dies sind wunderbare Titel und Wesenszüge; wie groß und ruhmreich ist Er aber als „das Wort“! Johannes und Lukas waren sich dessen zutiefst bewusst.

In dem Wort brachte Gott das zum Aus­druck, was Seinen Sinn und Sein Herz erfüllte, ja selbst Sein eigentliches Wesen. Es beugt die Seele, wenn man darüber nachdenkt.

Es war für die Liebe Gottes eine Not­wendigkeit, dass Er aus Seinem Wesen, Seinen Gedan­ken und Seinem Herzen heraus redete und Wesen hatte, die fähig wären, dieses zu schätzen. Es war nicht wie ein königlicher Besuch. Wenn irgendeine große Persönlichkeit kommt, ist Zurückhaltung geboten; alle müssen dann ehrfurchtsvoll sein, Soldaten sind da, um das Volk zu­rückzuhalten. Alles wird formell und in ansehnlicher Pracht abgehalten.

Doch hier war nichts dergleichen vor­handen. Petrus spricht von der Zeit, „in welcher der Herr Jesus bei uns ein- und ausging“. Es war ein demütiger Mensch, der in all den gewöhnlichen Umständen des menschlichen Lebens ein- und ausging; aber in diesen Umständen brachte Er das Wesen und den Charakter Gottes wie auch Seine Tätigkeit in grenzenloser Gunst und Gnade den Menschen gegenüber zum Ausdruck. Er war „das Wort“. In Hebräer 1 heißt es, dass Gott im Sohne (in der Person des Sohnes) geredet hat.

Wir können uns darüber nicht wundern, dass etliche es unternommen haben, darüber zu berichten. Wie hätten sie es auch un­terlassen können? „Dieweil ja viele es unternommen haben, eine Erzählung von den Dingen, die unter uns völlig geglaubt werden, zu verfassen ...“

Was die Men­schen sahen und hörten — was sie zum Dienst Ihm gegen­über anhielt — war das Wunder, wie Er Gott zum Aus­druck brachte. Zum ersten Male sahen und hörten sündige Menschen „das Wort“. Es wäre sonderbar gewesen, wenn viele es nicht unternommen hätten, eine Erzählung über solche Dinge zu verfassen. Diese Angelegenheiten sind so interessant und wichtig für alle Menschen, dass das Wissen darüber den Wunsch, sie kundzumachen, entfacht. Wir können mit der tiefsten Dankbarkeit sagen, dass diese Dinge „unter uns völlig geglaubt werden“!

Gott hat uns eine besondere Gunst erwiesen, indem Er einen aus den Nationen dazu gebrauchte, um dieses Evangelium zu schreiben. Lukas war wahrscheinlich aus den Nationen, und er schrieb an einen aus den Nationen, dessen Name „ein Gott Liebender“ bedeutet.

Die Tat­sache, dass dieses wunderbare Evangelium an einen ein­zelnen geschrieben wurde, zeigt, wie es Gort wohlgefällt, Sich einem einzelnen Menschen zu offenbaren. Jeder einzelne Leser kann es ganz und gar als an ihn selbst gerichtet auffassen.

Gott hat uns eine große Gunst er­wiesen, indem Er Lukas dazu befähigte, in einer gött­lichen Weise einen Bericht über diese Dinge zu verfassen. Andere hatten sich darum schon aufs Beste bemüht, das war aber noch nicht gut genug für uns; Gott gebrauchte den Lukas durch den Heiligen Geist als Mittel für diese Mitteilungen, damit alle diese Dinge betreffs des Wortes uns genau und der Reihe nach kundgetan würden. Es ist die Rücksichtnahme der göttlichen Gnade auf uns. Es ist gut, wenn wir die Gnade, die uns so ein Evangelium ge­geben hat, in Ehrfurcht bewundern.

Lukas schreibt an einen, der Gott liebt, und nur solche können sein Evangelium in einer geistlichen Weise wertschätzen. Er weist auch auf die Tatsache hin, dass er „der Reihe nach“ schreibt, er schreibt alles ordnungsgemäß nieder. Somit sollten wir uns bei Lukas nicht nur das, was er schreibt, merken, sondern auch wo und wie er die Dinge einordnet.

Es ist wie eine schöne Bildergalerie, aber die Bilder sind nicht irgendwohin aufgehängt; jedes Bild ist am rechten Platz; alles ist „der Reihe nach“. Des­halb können wir die Bilder des Lukas nicht nur einzeln und jedes für sich bewundern, sondern wir können auch sehen, dass jedes Bild in der Reihe seinen rechten Platz hat. Lukas greift Ereignisse auf und ordnet sie genau „der Reihe nach“ ein, und er verfolgt dabei ein gewisses Ziel.

Der erste Wesenszug der Methode, den wir bemerken, ist, dass Lukas uns in etwas, was eine priesterliche Atmo­sphäre genannt werden kann, einführt.

Das will besagen, dass die Dinge, über welche er schreibt, nur in geistlichen Zuständen erfasst werden können. Deshalb stellt es uns zuerst priesterliche Zustände und eine gebetsvolle Atmosphäre vor Augen. Er gießt den Wohl­geruch des Weihrauchs über den Anfang seines Evan­geliums und weist dadurch auf Zustände hin, die für das, was Gott im Begriff war einzuführen, passend sind, und auch darauf, dass man in einer priesterlichen Gesinnung an dieses Evangelium herantreten sollte, wenn man sei­nen Inhalt als geistliche Wirklichkeit erfassen will.

Zweifellos ist uns allen sein Wortlaut bekannt; den Gläubigen ist meistens das Lukasevangelium ebenso bekannt wie irgendein anderer Teil der Schrift. Wenn wir es aber mit geistlicher Wertschätzung erfassen wol­len, müssen passende Zustände vorhanden sein.

Wir fin­den also hier einen Mann und sein Weib, beide aus der priesterlichen Familie, und sie wandelten beide im Ein­klang mit dem Licht, das Gott ihnen bis zu dieser Zeit ge­geben hatte.

Wenn wir nicht in Übereinstimmung mit dem uns gegebenen Lichte wandeln, sind wir nicht in dem rechten Zustande, noch mehr zu bekommen. Diese zwei — Zacharias und Elisabeth — stimmten mit dem ihnen von Gott gegebenen Lichte überein. Sie fürchteten Jehova und wandelten untadelig vor Ihm, und Zacharias erfüllte seinen priesterlichen Dienst des Räucherns. Räucherwerk ist in der Schrift ein Vorbild vom Gebet (Ps. 141, 2), und zwar von einer besonderen Art.

Ich zweifle nicht daran, dass dieses Evangelium das Aufrich­ten von priesterlichen Zuständen vor sich hat. Zum Schluss zeigt es uns eine Schar im Tempel, die Gott preist und lobt. Am Anfang des Evangeliums gibt es eine be­tende Schar im Tempel, am Ende desselben sind alle ihre Gebete erfüllt worden, so dass sie Gott loben und preisen.

Wenn unsere Gebete den Charakter des Räu­cherwerks tragen, werden sie sicherlich dahin führen, dass wir Gott loben und preisen. Der Psalmist sagt: „Lass als Räucherwerk vor dir bestehen mein Gebet“ — unsere Übung sollte darauf hinzielen, ob unsere Gebete diesen Charakter tragen.

Nach 2. Mose 30 ist Räucherwerk sehr kostbar; es wurde aus wohlriechenden Gewürzen und reinem Weih­rauch zusammengesetzt, aber nach der Kunst des Salbenmischens — es war rein, gesalzen und heilig. Dies weist auf einen Gott wohlgefälligen Charakter des Gebets hin. Räucherwerk ist Gebet, das im Einklang mit der Ge­sinnung Gottes steht.

Das wunderbarste Beispiel eines Gebets, das wahrhaftig ein Räucherwerk war, ist in Joh. 17 zu finden; jedes Körnchen dieses Gebets war tatsäch­lich wohlriechend.

Wenn wir die Gebete des Paulus für die Kolosser und Epheser lesen, sehen wir in ihnen Ge­bete, die den Charakter des Räucherwerks tragen: jedes Körnchen dieser Gebete war wohlriechend vor Gott, denn sie waren der Ausdruck Seiner Gedanken für Sein Volk.

Im Gebet des Herrn finden wir nicht die leiseste Anspielung auf irgendein Fehlen seitens der Heiligen. Auch in den Gebeten des Paulus gibt es gar keine An­spielung auf irgendein Fehlen ihrerseits; er ist völlig mit den Gedanken Gottes in Bezug auf Sein Volk be­schäftigt. Das ist Räucherwerk.

Ich zweifle nicht daran, dass Zacharias nach diesen Richtlinien gebetet hat. Der Engel sagte: „Dein Flehen ist erhört.“ Vor vielen Jahren hatte er um einen Sohn gebetet, und die ihm gewährte Antwort weist auf die Gesinnung hin, in welcher er ge­betet hatte. Er hatte augenscheinlich einen Sohn ge­wünscht, der in irgendeiner Weise der Ausdruck der Gunst Gottes Israel gegenüber sein sollte, und der Engel sagte: Deine Gebete sind erhört worden; du sollst einen Sohn haben, und sein Name soll Johannes heißen (was „die Gunst Gottes“ bedeutet), und er wird viele der Söhne Israels zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren.

Zacharias hatte sich danach gesehnt, dass die Söhne Israels zum Herrn, ihrem Gott, bekehrt werden möchten.

Ein solches Gebet ist wahrhaftig Räucherwerk. Dann stieg der Wohlgeruch des Räucherwerks in diesem Ka­pitel im Innern des Tempels empor, und das Volk war im Einklang damit — sie beteten draußen.

Wenn wir aus dem Lukasevangelium Nutzen ziehen sollen, werden wir in unserem Kämmerlein, in unseren Haushalten und in unseren Versammlungen beten müs­sen.

Es lohnt sich nicht, daran zu denken, das Lukas­evangelium ohne Gebet zu lesen. Der Herr wird in die­sem Evangelium besonders als der Mann des Gebets dargestellt, es gibt wenigstens sieben Fälle, wo Er ge­betet hat.

Uns steht das Vorrecht zu, in unseren Lokalen und in unseren Häusern für das Interessengebiet Gottes zu sorgen. Wenn wir in unserem Kämmerlein beten, wer­den wir das so kostbar finden, dass wir nicht gern des Vorrechts, in unseren Haushalten zu beten, verlustig gehen möchten, und wir werden wiederum dieses so kostbar finden, dass es uns dazu führen wird, dass wir unser Vorrecht, in der Versammlung zu beten, aufneh­men werden.

Gott will nicht stumme Priester haben. Ein solcher kommt seinen eigenen Wünschen nicht nach. Wir haben oft heilige und geistliche Wünsche, aber wir ent­sprechen ihnen nicht im Glauben, und deshalb müssen wir den Ausdruck des Missfallens Gottes erleben.

Gott missfiel der Unglaube des Zacharias, und es ist Ihm nicht wohlgefällig, wenn wir unseren Gebeten nicht entspre­chen. Wir müssen vielleicht oft bekennen, dass, sobald wir uns von unseren Knien erhoben haben, wir durch etwas ganz anderes gekennzeichnet waren als durch das, worum wir gebetet hatten.

Dieses Kapitel bringt die Tatsache ans Licht, dass Gott in Seiner Gnade trotz des Unglaubens, der Ihm dieses nicht zutraut, mit uns weitergeht. Der Engel sagt: „bis zu dem Tage, da dieses geschehen wird“; das heißt — ob Glauben vorhanden ist oder nicht, werde Ich mit Meinen Gedanken der Gnade weitergehen.

In diesem Evangelium sehen wir eine unwiderstehliche und un­auslöschliche Gnade, so dass sogar, wenn ein Mensch betet und seinen Gebeten nicht gewachsen ist, Gott sagt: „Ich bin ihnen gewachsen, und Ich werde sie erhören; Ich werde nicht nur das ausführen, was in deinem Her­zen ist, sondern alles, was in Meinem Herzen ist!“

Gott wird dies in Seiner beharrlichen Gnade tun; Er erreicht die Erfüllung Seiner eigenen Gedanken trotz des Un­glaubens.

Ich nehme an, dass jeder, der diese ersten Kapitel des Lukasevangeliums gelesen hat, durch die in ihnen ge­offenbarte Nähe des Himmels beeindruckt worden ist. Im Matthäusevangelium sind die Mitteilungen aus dem Himmel gewissermaßen verschleiert; ein Engel erscheint dem Joseph, aber es geschieht im Traum: bei Lukas gibt es keine Träume. Ein Traum deutet auf eine gewisse Entfernung hin, hier fällt uns aber der persönliche und traute Charakter der Mitteilungen aus dem Himmel auf.

Zacharias war nicht nur amtlich, sondern auch mora­lisch ein Priester; er hatte das Hinzunahen zu Gott im Verborgenen erlebt, und wie wir bemerkt haben, hatte er irgendein Zeichen der Gunst Gottes Israel gegenüber begehrt. Wir haben seinen Unglauben erwähnt; es ist aber gut, im Auge zu behalten, dass seine Übungen vor Gott sehr aufrichtig gewesen waren und dass sie von Gott beachtet wurden, und sie wurden durch die frohe Botschaft aus dem Himmel beantwortet. Selbst die Ge­sinnung Gottes, wie sie im Himmel bekannt ist, wurde dem Menschen auf Erden in der frohen Botschaft ver­kündigt. Eine himmlische Persönlichkeit erschien dem Zacharias.

Es ist interessant zu sehen, dass Engel Namen haben, die das Wesen Gottes zum Ausdruck bringen; Michael bedeutet: „Wer ist wie Gott?“ und Gabriel be­deutet: „Gott ist mächtig“. Gabriels gewohnter Platz war es, vor Gott zu stehen; er wurde zu Zacharias als einer gesandt, der die Gesinnung Gottes so kannte, wie sie im Himmel bekannt ist.

Der Engel erschien „zur Rechten des Räucheraltars“. Es war nicht am ehernen Altar, obwohl das Morgen- und Abendlamm zweifellos dort geopfert worden war; doch wir sollten nicht vergessen, dass das Blut des Sündopfers auf die Hörner des Räucheraltars gelegt wurde.

Lukas führt aber nicht die Seite des Opfers ein. Der Räucher­altar ist der Platz, wo die Mitteilungen aus dem Himmel ankommen. Dieses Evangelium redet nicht vom Hinweg­tun der Sünde durch das Erlösungswerk — obwohl dieses äußerst notwendig ist —, sondern vom Räuchern des heiligen Wohlgeruchs vor Gott, an welchem Er Wohl­gefallen finden konnte. Es ist ein Hinweis darauf, dass die Gunst Gottes den Menschen gegenüber Christo ge­mäß ist; das, was Seine Gunst den Menschen zugedacht hat, kam in Christo zum Ausdruck, und als in Ihm aus­gedrückt ist es Gott eine Wonne. Gott war im Begriff, Einen auf Erden zu haben, an dem Er Seine Wonne ha­ben konnte, da Er Seine Gunst den Menschen gegenüber völlig in Sich darstellte. Darin lag ein wohlriechendes Räucherwerk für das Herz Gottes.

„Die Rechte“ ist die günstige Seite; der Herr stellt die Schafe zu Seiner Rechten, und als Bathseba zu Salomo kam, ließ er einen Thron für sie zu seiner Rechten er­richten; es ist der Platz der Gunst, und hier in Lukas Kap. 1 bringt er die Gunst Gottes den Menschen gegen­über zum Ausdruck.

Die Geburt des Johannes wurde dort verkündigt. Johannes bedeutet „die Gunst Gottes“. Der große Gedanke im Lukasevangelium ist die Gunst Gottes den Menschen gegenüber; der Himmel kommt der Rechten des Räucheraltars nahe.

Lukas verweilt nicht bei der Seite des Opfers, sondern bei der Seite der gött­lichen Gunst den Menschen gegenüber. Darum wird der Tod Jesu bei Lukas nicht vom Standpunkt des Opfers dargestellt, sondern eher wie in Hebräer 2: „So dass er durch Gottes Gnade für alles den Tod schmeckte“.

Es ist die äußerste Gunst Gottes den Menschen gegenüber, wie sie im Tode Jesu dargestellt wird. Die ganze Gnade des Himmels wurde den Menschen in dieser Welt nahege­bracht; die Verkündigung kam durch eine große und himmlische Persönlichkeit zu Zacharias und zu Maria; sie kam durch einen, dessen Name die Macht Gottes dar­stellte, dessen Dienst aber die Tatsache offenbarte, dass Gott in Gnaden den Menschen gegenüber tätig war.

Im Lukasevangelium wird die Größe Gottes in Seiner Gnade den Menschen gegenüber erhoben. Wohl können wir mit David sagen: „Groß ist Jehova und sehr zu loben, und seine Größe ist unerforschlich“ (Ps. 145, 3). Später lesen wir in diesem Evangelium: „Sie erstaunten aber alle sehr über die herrliche Größe Gottes“ (Kap. 9, 43).

In diesem Evangelium geht es nicht nur darum, der Not des Menschen gerecht zu werden, sondern um die Offen barung der Größe Gottes in Gnade. Das Endziel ist, dass Gott an den Menschen Wohlgefallen habe.

Johannes bekam seinen Namen vom Himmel, und sein Name bedeutet „die Gunst Gottes“. Zweifellos hatte Zacharias darum gebetet, einen Sohn zu haben, der ein Ausdruck der Gunst Gottes den Söhnen Israels gegen­über sein sollte, und sein darauf folgender Unglaube beeinträchtigte nicht die Echtheit seiner Übungen vor Gott noch hinderte er Gott daran, auf diese Übungen dadurch zu antworten, dass Er Seine eigene Gunst einführte.

Noch nie zuvor war in dieser Welt solch ein Ausdruck der gött­lichen Gunst gewesen, denn Johannes sollte nicht gleich einem alttestamentlichen Propheten sein, der über die göttliche Dazwischenkunft nur als von einem mehr oder weniger entfernten Standpunkte reden konnte. Johannes sollte der unmittelbare Vorläufer Jesu sein; deswegen war er groß vor Jehova, indem er die göttliche Gunst den Menschen gegenüber so zum Ausdruck brachte, wie kein Prophet dies jemals getan hat. Gabriel verkündete die Geburt des Johannes als frohe Botschaft aus dem Him­mel; er sollte Zacharias zur Freude und zur Wonne sein, und viele sollten sich über seine Geburt freuen, denn er würde groß sein vor dem Herrn. Er würde nicht durch natürliche Energie oder Erregung gekennzeichnet sein — Wein und starkes Getränk —, sondern dadurch, dass er durch den unumschränkten Willen Gottes mit dem Hei­ligen Geist erfüllt werden sollte. Er sollte der Ausdruck der unumschränkten Gunst Gottes in Bezug auf die Ab­trünnigkeit Israels von Ihm sein. Er sollte das Gefäß der göttlichen Kraft und Gnade sein, um viele der Söhne Israels zu ihrem Gott zu bekehren.

Als die Söhne Israels von Gott abgewichen waren, erschien die göttliche Gunst, um sie zu Jehova, ihrem Gott, zu bekehren. Alles ge­schah, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten. Ein Volk muss dafür zugerüstet werden, die aus dem Himmel kommende Gnade zu schätzen — die göttliche Gunst den Menschen gegenüber, die bald in Jesu zum Ausdruck kommen sollte. Wir alle müssen dafür zu­bereitet werden, sie zu schätzen, ebenso wie die Söhne Israels dafür zubereitet werden mussten.

In Maria sehen wir die Erhebung der göttlichen Gunst mehr als in irgendeinem anderen Falle. Kein mensch­liches Wesen war jemals der Gegenstand solch einer Gunst wie Maria; Gabriels Gruß an sie lautete: „Sei ge­grüßt, Begnadigte!“ Sein Kommen zu ihr wird nicht als eine Antwort auf ihre Übungen dargestellt, sondern als der nicht gesuchte und gesegnete Ausfluss der Gunst des Himmels.

Das ist der Charakter des Lukasevangeliums — der Himmel kommt in diese Welt, um den Menschen­kindern göttliche Freude zu bringen. Es ist nicht die gött­liche Gunst, die in der göttlichen Vorsehung oder in ver­änderten Umständen für die Menschen erkannt wird, sondern Gott Selbst tritt in einer alles überragenden Gnade hervor, in einer Gnade, die so viel höher als die Gedanken der Menschen war, wie der Himmel höher als die Erde ist.

In einer Hinsicht steht Maria im Gegensatz zu Zacharias; Zacharias dachte an sich selbst, was zum Unglauben führte, aber Maria dachte überhaupt nicht an sich selbst. Sie ergab sich Gott, um ein Gefäß zum Aus­führen Seiner äußerst großen Gedanken der Gnade zu werden. Sie sagte: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Worte“. Da war kein Ge­danke an sich selbst. Elisabeth konnte sagen: „Glück­selig, die geglaubt hat“. Maria ist ein hervorragendes Beispiel in der Schrift von einem Gläubigen. Der Himmel war im Begriff, in grenzenloser Gunst zu den Menschen hervorzutreten, und es gab wenigstens ein von Gott be­reitetes Herz, um dieses zu schätzen.

Dieser Gedanke wirft die Übung auf, ob wir durch göttliche Gnade zu­bereitet worden sind, um die in diesem Evangelium ent­falteten großen Dinge Gottes zu schätzen. Maria fragte bloß: Wie? Es war eine Frage des Glaubens, nicht des Unglaubens. Sie war nicht stumm; wie lieblich redete sie! Es muss bemerkt werden, dass sie nicht wie Elisabeth oder Zacharias als vom Heiligen Geiste erfüllt redete. Sie redete aus ihrem Glauben und ihrer eigenen einfäl­tigen Freude über die Gnade. „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist hat frohlockt in Gott, meinem Heilande“. Die Tätigkeit des eigenen Geistes der Maria wird uns vor Augen gestellt; sie konnte diese Dinge sagen, weil sie ihnen in ihrem eigenen Geiste gewachsen war.

Mit seinem eigenen Geiste und Verständnis zu reden, ist in einem gewissen Sinne größer, als durch die Kraft des Heiligen Geistes zu reden genötigt zu werden, weil wir im ersteren Falle eine Person haben, die ein­sichtsvoll in dem, was sie redet, gestaltet ist. Der Geist kann Sich eines Gefäßes wie Bileam bedienen und ihn zwingen, wunderbare Dinge auszusprechen, von denen er selber nichts wusste. Es ist aber etwas Größeres, Dinge über die göttliche Gnade auszusprechen, indem man selbst weiß, wie gesegnet sie sind.

Maria war ein passen­des Gefäß, um von der göttlichen Gunst gebraucht zu werden, und das, was sie war, kam in dem, was sie sagte, ans Licht. Sie war von der Gesinnung ihrer Schwester Hanna im Alten Testament durchdrungen.

Ich denke, wir könnten Maria mit Recht als eine Ver­treterin derjenigen Menschenart betrachten, womit der Herr im Begriff war, Sich teilhaftig zu machen. Maria wurde aus dem Himmel als eine Begnadigte gegrüßt — „Sei gegrüßt, Begnadigte!“ — und „du hast Gnade bei Gott gefunden“. Es handelte sich nicht darum, der Not zu begegnen, sondern um den Ausdruck der göttlichen Gnade aus den himmlischen Höhen. Die Geburt des hei­ligen Kindleins Jesu, als von einem Weibe empfangen und geboren, war der höchste Ausdruck dieser Gunst.

„Geboren von einem Weibe“, sagt Paulus. Wie gnädig ist Gott zu den Menschen! Er war gewillt, Seinen Sohn zu senden, geboren von einem Weibe, als Kindlein ge­boren. Das prophetische Wort hatte gesagt: „Ein Kind ist uns geboren“. Maria war tatsächlich Seine Mutter, doch Er wurde uns, die wir zum Menschengeschlecht gehören, geboren. Er kam als ein Reis aus dem Stumpfe Isais her­vor. Möge die Größe davon unsere Herzen erfassen und sie fesseln!

Die von uns verlesene Schriftstelle wird durch zwei Aussagen bestätigt: „Ein Kind ist uns ge­boren, ein Sohn uns gegeben“. Das geborene Kind sichert alles in der göttlichen Gunst für den Menschen, der ge­gebene Sohn sichert das höchste Wohlgefallen am Men­schen für Gott. Wenn wir das erfassen, befähigt uns Gott, Ihm einen Namen zu geben. Er möchte uns dazu befähigen, Ihn Jesus zu nennen. Gott will, dass wir einsichtsvoll alles anerkennen, was in diesem Namen ausgedrückt und eingeschlossen wird — die Unendlich­keit der göttlichen Gunst dem Menschen gegenüber — „Du sollst seinen Namen Jesus heißen“. Es kann keinen größeren Begriff der göttlichen Gunst geben als den, der in diesem Namen zum Ausdruck gekommen ist. Er be­deutet: „Hilfe Jehovas“ oder „Heil Jehovas“.

Im Alten Testament wird vorbildlich und prophetisch über die Hilfe und das Heil Gottes für die Menschen geredet, jetzt ist es aber Derjenige, der in einer göttlichen Weise als für uns geboren kommt. Die ganze Gnade des Him­mels ist in diesem Jesusnamen enthalten, der in die Menschheit gebracht wurde, um von Menschen aner­kannt und gekannt zu werden. Haben wir es gelernt, Ihn als den Ausdruck der unendlichen göttlichen Gunst rich­tig zu benennen?

Der Engel sagte zu den Hirten: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird; denn euch ist heute, in Davids Stadt, ein Erretter geboren, welcher ist Christus, der Herr“. Die Tragweite des Kommens dieses Kindes bezieht sich in göttlicher Gunst auf alle Menschen.

Im Lukas­evangelium handelt es sich nicht nur darum, dass der Mensch Gott braucht, sondern auch darum, dass Gott den Menschen braucht, auf dass Er im Menschen und dem Menschen gegenüber die Gunst des eigenen Herzens zum Ausdruck bringe. Dies ist in dem Sinne unumschränkt, weil Gott ungebeten Seinen Weg einschlug; Er wirkte Seinem eigenen Wohlgefallen gemäß, indem Er den Auf­gang aus der Höhe uns zu besuchen veranlasste — das Ausstrahlen aus dem Himmel von dem, was in Seinem eigenen Herzen war.

Ich wundere mich nicht darüber, dass Satan durch seine Diener sich äußerst anstrengt, um die jungfräuliche Ge­burt Jesu zweifelhaft erscheinen zu lassen. Wenn ihm dieses gelingen kann, hat er sein ganzes Ziel erreicht; er hat uns alles dessen beraubt, was der Name Jesus be­deutet — er hat uns der Gunst Gottes und Seines Heils beraubt. Wenn Nazareth und Bethlehem verlorengehen, dann geht auch Golgatha verloren, und dann ist kein Jesus aus Nazareth zur Rechten Gottes verherrlicht. Der ganze Bau des Christentums ist dann dahin.

Um den Ausspruch: „Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden“ zu verstehen, müssen wir zu Kap. 6, 34 u. 35 greifen. „Wenn ihr denen leihet, von welchen ihr wieder zu empfangen hoffet, was für Dank ist es auch? denn auch die Sünder leihen Sündern, auf dass sie das gleiche wieder empfangen. Doch liebet eure Feinde, und tut Gutes, und leihet, ohne etwas zu hoffen, und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein“.

Die Art und Weise, wie der Höchste im Lukasevangelium erwähnt wird, scheint dar­auf hinzudeuten, wie Gott über allem Bösen der Men­schen steht. Er ist so groß und so hoch, dass das Böse der Menschen Ihn nicht behindert. Er geht auf der Höhe Seiner eigenen gepriesenen Gnade und Güte voran, und zwar demzufolge, was Er ist. Die Größe Jesu als des Sohnes des Höchsten ist die Größe der Überlegenheit allem Bösen gegenüber. Er wurde durch dasselbe nicht behindert. Gott geht mit Seinen erhabenen Gedanken voran, Er wird von ihnen durch das Böse im Menschen nicht abgelenkt.

Wenn Gott allem Bösen in den Menschen überlegen und trotz des Bösen in ihnen gnädig zu ihnen ist, so zieht Er auch die Tatsache in Betracht, dass es für den Menschen feindliche Mächte gibt, und deswegen ist vom Thron die Rede. „Der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben“ — der Thron Davids war ein siegreicher Thron. Seine Herrschaft war durch das Unter­werfen von allem, was Israel feindlich war, gekennzeich­net.

Gott zieht in Betracht, dass der Mensch der Macht der ihm feindlichen Dinge verfallen ist. Gott ist aber dem Menschen gnädig, und Er hat in Jesu einen Thron auf­gerichtet, einen Thron der unbestreitbaren Überlegen­heit über jede für den Menschen feindliche Macht. Es hatte Gott Wohlgefallen, Menschen an regierenden Stellungen einzusetzen; sie versagten aber alle. Jetzt redet Er aber von Einem, der allen für den Menschen feind­lichen Mächten siegreich begegnen wird — Satan, Fürstentümern und Gewalten, und allen aus ihnen hervor­gehenden Einflüssen, selbst dem Tode. Der Thron hat sich als allem überlegen erwiesen, und bald wird er sich so auch öffentlich erweisen.

Seine Herrschaft über das Haus Jakobs bringt die un­umschränkte Berufung und Auserwählung Gottes ans Licht. Sonst wären keine Untertanen für die Herrschaft Jesu da. Jakob brauchte eine lebenslange Zucht; er musste berichtigt und zurechtgewiesen werden, aber Gott hatte ihn in Gnade und Treue aufgenommen, und Er schloss mit ihm nicht ab, bevor Er das, was Er beabsichtigte, zu­standegebracht hatte. Er sagte zu ihm: „Ich werde dich nicht verlassen, bis ich getan, was ich zu dir geredet habe“.

Jesus herrscht über das Haus Jakobs; alle Ge­genstände der göttlichen Berufung und Auserwählung kommen unter die Herrschaft Jesu. Das Ziel Gottes in Seiner Berufung und Auserwählung ist, Sich ein Volk zu sichern, das wirksam unter die Herrschaft Jesu kommen soll — unter den Einfluss der in Ihm dargestellten gött­lichen Gnade —, und indem wir das tun, werden wir das ewige Leben erreichen, darauf weisen die Worte hin: „Seines Reiches wird kein Ende sein“. Um uns ins ewige Leben zu bringen, ist nichts weiter nötig, als uns der Herrschaft Jesu zu unterwerfen. Die höchste Gnade in Jesu bringt das ewige Leben mit sich, denn sie erwirkt Zustände, die Gesetzlosigkeit und Götzendienst und die Macht des Todes beiseite setzen.

„Maria aber sprach zu dem Engel: Wie wird dies sein?“ Wenn es irgendeine Schwierigkeit in Bezug auf göttliche Dinge gibt und wir nach einer Erklärung ver­langen, bekommen wir immer eine Erweiterung davon, worüber geredet worden ist. Als der Herr Seine Gleich­nisse erklärte, fügte Er immer ihre Bedeutung hinzu. Als Maria Gabriel fragte, wie dies sein sollte, bekam sie eine große Erweiterung. Es ist bemerkenswert, dass Maria in der ersten Aussage als ein Gegenstand der göttlichen Gunst eine hervorragende Stellung einnimmt; aber beim Beantworten ihrer Frage wendet sich der Engel der gött­lichen Seite zu, so dass nun der Heilige Geist, die Kraft des Höchsten und das Heilige, das Sohn Gottes genannt werden wird, die hervorragende Stellung einnehmen. Jetzt geht es darum, was für Gott ist. Einer sollte in Menschengestalt gefunden werden, der dem Herzen Got­tes volle Befriedigung und Wonne bringen sollte; Er sollte der Sohn Gottes genannt werden — es ist das, was Er in Beziehung zu Gott ist. Was wir bisher betrachtet haben, zeigt, was Er von Gottes Seite in Beziehung zu den Menschen sein sollte; jetzt sehen wir aber, was Er in Be­ziehung zu Gott sein sollte — der Sohn Gottes. Das weist auf die andere Seite der frohen Botschaft hin; es ist der Gedanke Gottes, Söhne für Sich Selbst zu haben.

Das ewige Leben ist für die Menschen, aber die Sohnschaft ist für Gott, zu Seinem eigenen Wohlgefallen. Es sollte Einer als Mensch in dieser Welt sein, der Sohn Gottes genannt werden konnte; das völlige Wohlgefallen Gottes im Blick auf die Einführung der Menschen in die Sohn­schaft zum Wohlgefallen Gottes war in Ihm gesichert. Der vollendete Gedanke Gottes wird in den beiden Din­gen dargestellt — im ewigen Leben und in der Sohn­schaft — und alles sollte durch das Kommen des Kindes, das uns geboren, und des Sohnes, der uns gegeben, ge­sichert werden.

„Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott Seinen Sohn, geboren von einem Weibe, geboren unter Gesetz, auf dass er die, welche unter Gesetz waren, loskaufte, auf dass wir die Sohnschaft empfingen“.

Wir leben in dieser außergewöhnlichen Zeit in den Wegen Gottes, in einer durch Fülle gekennzeichneten Zeit; es ist darin die höchste Gunst für die Menschen und das höchste Wohlgefallen für Gott vorhanden. Es ist die Zeit der Fülle der Gedanken des Herzens Gottes im Segen den Menschen gegenüber und zur Wonne Seines eigenen Herzens.

Die Menschen sagen, sie seien armselige, elende Geschöpfe, Gott aber möchte zu ihnen sagen: „Begreift ihr das Wesen des gegenwärtigen Augenblicks? Begreift ihr, dass ein Kind geboren und ein Sohn gegeben ist? Wollt ihr nicht in Betracht ziehen, was sich daraus für euch und für Mich ergeben hat?“

Wir haben das Hervorstrahlen Gottes in der Offen­barung Seiner Selbst, und dies wird uns zu etwas Großem. Wir beginnen mit anbetenden und befriedigten Herzen die Fülle dessen zu betrachten, was uns durch das geborene Kind und den gegebenen Sohn geworden ist. Alles ist für die Menschen und für Gott gesichert.

Das Lukasevangelium zeigt, wie Gott den Menschen braucht, um Seine unumschränkte Gunst zum Ausdruck zu bringen. Es wird oft gefragt, warum Gott das Auf­kommen der Sünde zuließ.

Er ließ das Aufkommen der Sünde zu, weil Er die unumschränkte Gnade Seines Her­zens in Bezug auf ein sündiges Geschöpf in einer ganz anderen Weise zum Ausdruck bringen konnte als einem nicht gefallenen Geschöpfe gegenüber. Es hat Gott die Veranlassung gegeben, Sich in der Größe Seiner Gnade zu offenbaren, damit Er als Ergebnis die Menschen zum Gegenstand des Wohlgefallens Seines Herzens machen könnte. Das zeigt den außerordentlichen Platz, den der Mensch in den Gedanken Gottes innehat.

Die Person der Gottheit, die von einem Weibe geboren wurde, war nach dem Vorsatz Gottes der Ausdruck der Gedanken, die Er in bezug auf die Menschen vor Sich hatte.
der Gedanke Gottes für die Menschen war, dass er zu Seinem Wohlgefallen in Sohnschaft vor ihm sein sollte.

Man empfindet die Notwendigkeit, die Gesinnung der Maria sich einzuprägen: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Worte“. Sie gab sich hin, um das Gefäß dieser wunderbaren gnadenreichen Gedanken zu werden.

Gott will, dass wir uns Seinen gnadenreichen Gedanken über uns unterwerfen, wie auch Seinen Gedanken über Sein eigenes Wohlgefallen. Wir treten an sie in einer unterwürfigen Gesinnung als solche heran, die durch die Gnade und Liebe, die sie ge­offenbart haben, überwältigt sind.

Es könnte kaum etwas Schöneres geben als die Zu­stände, die uns in diesen heiligen Weibern vor Augen gestellt werden. „Das Gebirge“ ist ein angemessener Schauplatz für solche Ereignisse; in diesen begnadeten Personen und in ihren Aussprüchen ist eine sittliche Erhabenheit vorhanden, die bei weitem die Welt und die Gedanken der Menschen überragt. Elisabeth und Maria waren beide außerordentliche Gegenstände der Gunst Gottes, insbesondere Maria. Sie sind Vertreterinnen der Menschheit als die Gegenstände der höchsten göttlichen Gunst. Sie redeten beide darüber, was Gott an ihnen getan, wie Er in Bezug auf sie gewirkt hat. Weder bei Maria noch bei Elisabeth finden wir eine Spur von der Erniedrigung des gefallenen Geschöpfes. In beiden kommt die Erhöhung, welche die Gnade dem Geschöpf verleiht, ans Licht: „Er hat... Niedrige erhöht“.

In die­sen heiligen Weibern sehen wir die Menschheit in der gesegnetsten Weise erhöht, und zwar als Gegenstände der Gunst Gottes.

Das „Gebirge“ enthält einen sittlichen Hinweis; es ist eine hochliegende Gegend; es ist wichtig, dass wir dieses in Bezug auf das Kommen Jesu wahrneh­men sollten. Bei Maria und Elisabeth sehen wir eine Niedrigkeit und eine Erhöhung, und weder das eine noch das andere ist dem gefallenen Geschöpf eigen. Wir sehen Unterwürfigkeit Gott gegenüber und eine Wertschätzung der göttlichen Gunst; wir sehen Erhabenheit und Würde durch die Gotteserkenntnis, und ein Erfassen dessen, was für das Geschöpf in Gott vorhanden ist; alles dieses ist Erhöhung, nicht Erniedrigung.

Wir müssen die Er­niedrigung des Menschen als eines gefallenen Geschöpfes in Betracht ziehen. Beim Lesen des Lukasevangeliums werden wir aber dazu geführt, die Erhöhung zu sehen, die die göttliche Gunst diesem gefallenen Geschöpfe ver­leiht, so dass von der Erniedrigung keine Spur zurück­bleibt. Was könnte erhabener sein als die Ansprüche der Elisabeth und der Maria!

Es ist äußerst wichtig, dass wir zwei Richtlinien in der Schrift sehen. Vom Anfang der Schrift bis zum Ende finden wir eine mannigfaltige Schilderung der Erniedri­gung des gefallenen Geschöpfes. Daneben finden wir aber eine andere Linie. Vom ersten Kapitel der Schrift bis zum letzten sehen wir die Geschichte der sittlichen Erhebung, zu welcher die Gunst Gottes die Menschen er­höhen kann. Diese beiden Richtlinien durchlaufen die ganze Schrift.

Ich verweile dabei, weil das in Bezug auf das Kommen des Sohnes Gottes in diese Welt so sehr wichtig ist. Der Herr kam, um an dem Leben des Men­schen als Gegenstand der göttlichen Gunst teilzunehmen. Der Herr machte Sich nicht eher mit der Erniedrigung des gefallenen Geschöpfes eins, bis Er diese Erniedrigung als Opfer auf dem Kreuze auf Sich nahm.

Es war dort und damals, und zwar nur dort und damals, dass der Herr mit der Sünde in persönliche Berührung kam. Er tat „keine Sünde“; Er „kannte nicht“ die Sünde; und „Sünde ist nicht in Ihm“; Er war „das Heilige“.

Auf dem Kreuze berührte Er aber die Sünde stellvertretend und als Opfer. Er wurde zur Sünde gemacht; Er trug das Gericht, das mit der Erniedrigung des gefallenen Geschöpfes zusam­menhing. Zu Seinen Lebzeiten machte Er Sich aber nie­mals mit der Erniedrigung des gefallenen Geschöpfes eins, sondern nahm teil an allem, was aus Gott war.

Maria und Elisabeth sind Vertreterinnen der Lebens­geschichte des Menschen, die mit dem Menschen als einem Gegenstand der göttlichen Gunst zusammenhängt. Durch die ganze Schrift hindurch sehen wir, dass es neben der Erniedrigung des gefallenen Geschöpfes noch etwas anderes gibt; es gibt das Wirken der göttlichen Gnade im Menschen.

Durch alle Zeitalter hindurch, beginnend mit Abel, finden wir Menschen, die durch Gottesfurcht und Glauben an Gott gekennzeichnet waren und die Wertschätzung und Freude an der Erkenntnis dessen fanden, was in Gott für sie vorhanden war und was Er ihnen sein konnte. Nichts, was in dieser Richtung ge­funden wird, gehört zur Erniedrigung des gefallenen Geschöpfes. Wir bemerken da die sittliche Erhabenheit eines Geschöpfes, das gelernt hat, Gott zu fürchten und auf Seine Barmherzigkeit zu hoffen, wie auch demütig zu sein, indem es weiß, was ihm von Natur eigen ist, nämlich dass es naturgemäß auch wie alle anderen ein Kind des Zornes ist.

Wieviel steht in der Schrift über die Geschichte des Glaubens geschrieben, über den Men­schen, der sittlich durch göttliche Gunst erhöht wird. Es ist äußerst wichtig einzusehen, dass der Herr Jesus, als Er Mensch wurde, in keiner Weise an der Erniedrigung des gefallenen Geschöpfes teilnahm noch Sich damit per­sönlich einsmachte, bis Er auf dem Kreuze zur Sünde gemacht wurde; Er fand aber alle Seine Wonne an den­jenigen, die durch göttliche Barmherzigkeit und Gunst sittlich erhaben waren. Ich halte das als wesentlich für die Wahrheit des Christentums, und ich glaube nicht, dass die Wahrheit über die Person des Herrn oder die gött­liche Gnade ohne diese Erkenntnis richtig begriffen wer­den kann.

Alle Titel und Bezeichnungen, die der Herr annahm, weisen darauf hin, dass Er mit Männern oder mit Wei­bern teilhatte, die als Gegenstände der göttlichen Barm­herzigkeit und Gnade betrachtet werden. Er wird als der Same des Weibes und der Same Abrahams und der Same Davids bezeichnet. Alle diese Bezeichnungen wei­sen auf das Wirken der göttlichen Barmherzigkeit und Gnade hin.

Abraham ist der große Vater der Familie des Glaubens, die Wurzel des Olivenbaumes der Verheißung; er ist ein einzigartiges Beispiel von einem Menschen, der ein Gegenstand der göttlichen Gunst ist. David war der Aufbewahrungsort oder das Gefäß der Verheißungen, die sich auf das Reich bezogen, ebenso wie Abraham das Gefäß der Verheißungen der weltweiten Segnungen der Familien auf der Erde war.

Dass Christus der Same des Weibes war, unterstreicht in einer außerordentlichen Weise diese Linie der Barmherzigkeit und der göttlichen Gunst. Als Jehova Gott über den Samen des Weibes zur Schlange sprach: Er wird dir den Kopf zermalmen“, sagte Er damit, was für eine Gunst Er dem Weibe erwies. Es hieß soviel, wie wenn Er gesagt hätte: „Du hast sie verdorben und erniedrigt, Ich will ihr aber Ehre erwei­sen: Ich werde ihr einen Samen geben, der imstande sein wird, deine Macht völlig zu zerstören“.

Dadurch wurde dem Weibe eine Ehre erwiesen, die ausschließlich der göttlichen Barmherzigkeit und Gnade entsprang. Der Same des Weibes umschließt grundsätzlich nicht nur Christum, sondern alle Heiligen. Gott sagte: „Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe“ — ich denke, das weist darauf hin, dass das Weib die Mensch­heit als Gegenstand der göttlichen Barmherzigkeit dar­stellte — „und zwischen deinem Samen und ihrem Sa­men“. Abel war der erste von der Linie des Samens des Weibes, und Kain der erste von der Linie des Samens der Schlange; es war Feindschaft zwischen ihnen, und seitdem hat Feindschaft zwischen den beiden Samen be­standen. Der Same der Schlange stellt die Menschen vom Standpunkt ihrer Erniedrigung als gefallene Geschöpfe dar, der Same des Weibes stellt aber die Menschen dar, die zu Gegenständen der göttlichen Gunst werden und denen dann eine sittliche Erhöhung zuteil wird.

Der Herr nahm von dem letzten Standpunkt aus an der Mensch­heit teil. Es wird in Hebräer 2 über Ihn gesagt: „Er nimmt sich fürwahr nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams nimmt er sich an“. Er nimmt Sich der Mensch­heit von dem Standpunkte ihrer Verbindung mit den Verheißungen Gottes aus an, mit der Familie des Glau­bens. Er nahm an jener Familie teil: „Siehe, ich und die Kinder, die Gott mir gegeben hat“. „Weil nun die Kin­der Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat auch er in gleicher Weise an denselben teilgenommen“.

Maria und Elisabeth waren zwei vom „Samen Abrahams", und zwar nicht nur von Natur, sondern auch in sittlicher Hin­sicht, da sie Glauben hatten. Sie stellen die Menschenart dar, woran der Herr Jesus, der heilige Sohn Gottes, teil­haben konnte.

Es wäre eine Lästerung zu sagen, dass Er an dem gefallenen Menschengeschlecht teilgenommen hat, natürlich ausgenommen bei der Sühnung.

Der Herr sprach oft von Sich als vom Sohne des Men­schen. Dieser Titel weist aber nicht auf den Gedanken des Menschen als eines gefallenen Geschöpfes hin, son­dern auf alles, was Christus als der Erbe von allem ist, was Gott dem Menschen zugedacht hat. Wenn wir Ps. 8 lesen, werden wir sehen, dass es sich um den über allem erhöhten Menschen handelt. In Psalm 8 werden zwei Wör­ter für Mensch gebraucht: „Was ist der Mensch, dass du sein gedenkst“ — das Wort hier bedeutet den sterblichen oder gefallenen Menschen — „Und des Menschen Sohn, dass du auf ihn acht hast“. Christus ist der Sohn des Menschen. Gott gedenkt des gefallenen Menschen; Er betrachtet ihn mit Barmherzigkeit und Gnade, der Sohn des Menschen ist aber der Erbe aller Gedanken der Größe, der Erhöhung und der Obergewalt, die Gott dem Menschen zugedacht hat. Der Titel „Sohn des Menschen" ist eigentlich Sohn Adams; Adam war der Name, den Gott dem Menschen vor dem Fall gab, dem Erben der großen Würde und Erhöhung, ja der weltweiten Ober­gewalt, wie es in Ps. 8 zu sehen ist.

Es ist oft gesagt worden, dass das Geschlechtsregister des Herrn im Lukasevangelium bis Adam zurückgeht. Wenn wir es aber lesen, werden wir merken, dass es bis Gott zurückgeht, und das macht einen großen und lebenswichtigen Unterschied aus. Schritt für Schritt wird es direkt bis auf Gott zurückgeführt, und ich glaube, dass jede der Personen in dieser Kette ein Gegenstand der unumschränkten Barmherzigkeit und Gunst Gottes war und auf der Linie Seiner Gnade und Gunst zu finden ist.

Der Herr kam, um Seinen Platz in jenem Geschlecht ein­zunehmen; Er war aus diesem Stumpfe; nicht aus dem Stumpfe des gefallenen Menschen, der als Gegenstand der göttlichen Barmherzigkeit und Gnade gekennzeichnet ist: Er war ein Reis aus dem Stumpfe Isais. Unbestimmte Gedanken diesbezüglich liegen vielen irrtümlichen Leh­ren über die Person des Herrn zugrunde, und wenn wir über die Person des Herrn keine Klarheit haben, so ha­ben wir über gar nichts Klarheit.

Das Anteilnehmen des Herrn an der Taufe mit denen, die von Johannes getauft wurden, bestätigt das Gesagte. Als Er sah, dass der bußfertige Überrest sich von Johan­nes taufen ließ, ging auch Er hin, um von ihm im Jordan getauft zu werden. Er nahm öffentlich mit ihnen an der Taufe teil, weil sie sich in der Buße zu Gott hin beweg­ten. Er nahm nicht mit ihnen als mit gesetzlosen Sündern teil, sondern als mit Bußfertigen.

Es ist wahr, dass Er Sünder aufnahm und mit ihnen aß denn Er war hienieden, um die Unendlichkeit der göttlichen Gnade den Menschen gegenüber zum Ausdruck zu bringen; wir kön­nen aber sicher sein, dass nur Bußfertige zu Ihm in dieser Weise kamen. Eigentlich kamen nur die Gottesfürchtigen zu Ihm.

Maria spricht davon, dass die Barmherzigkeit Gottes von Geschlecht zu Geschlecht bis ans Ende be­steht. Der Herr sagt: „Wird wohl der Sohn des Men­schen, wenn er kommt, den Glauben finden auf der Erde?“ Natürlich wird Er das, denn Gott wird ihn in Sei­ner Gnade erhalten.

Ich zweifle nicht daran, dass Adam Glauben hatte, denn „er gab seinem Weibe den Namen Eva, denn sie war die Mutter aller Lebendigen“. Ich glaube, das war ein Zeichen seines Glaubens. Alles fing bei Gott an. Dann haben wir diese lange Linie, diese Kette mit vielen Gliedern, die mit Gott beginnt und mit Jesu endet. Es ist die Linie des Menschen, der als ein Gegenstand der göttlichen Barmherzigkeit und Gnade betrachtet wird. In dieser Linie wird der Mensch durch seine Gotteserkenntnis hoch erhoben.

Das ist die Linie, woran der Herr Jesus teil­nehmen konnte; Er nahm an dem gefallenen Menschen nur teil als Opfer und Stellvertreter auf dem Kreuz. Er sagte prophetisch in Psalm 16: „Zu den Heiligen, die auf Erden sind, und zu den Herrlichen: An ihnen ist alle meine Lust.“ Das war Sein Geschlecht, und wir sehen ein Muster davon in Maria und Elisabeth; der Herr nahm an einem für Ihn sittlich passenden Geschlechte teil.

Seth war ein Gefäß des Lobes Gottes, denn er wurde von Gott an die Stelle von Abel gesetzt. Er wurde an die Stelle von einem gesetzt, der wusste, was vor Gott vor­trefflich war, nämlich die „Erstlinge seiner Herde und ihr Fett“. Es war nicht die Wirksamkeit des Opfers Abels, die es empfahl, sondern seine Vortrefflichkeit. Durch den Glauben besaß er eine Wertschätzung Christi in der Vortrefflichkeit, die durch den Tod ans Licht gebracht werden würde, so dass sein Opfer nicht ein Brandopfer oder ein Sündopfer genannt wird, son­dern eine Opfergabe, was sich auf das Wohlgefallen Gottes an Seinen Gaben bezieht.

Dann war Enos ein Ge­fäß des Lobes Gottes in der Anerkennung dessen, was der Mensch unter der Sünde und dem Tode geworden ist — sein Name bedeutet schwach oder sterblich— und es war im Bewusstsein davon, dass man an­fing „den Namen Jehovas anzurufen“ (1. Mose 4, 26). Wir brauchen nur Enoch, Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Boas und David (als einige wohlbekannte aus dem Ge­schlechtsregister ausgewählte Namen) zu erwähnen, um zu sehen, dass hier die durch die göttliche Barmherzigkeit und Gnade gekennzeichnete Linie dargestellt wird.

Es ist tatsächlich wahr, zu sagen, dass sie alle von Christo abstammten. Er ist die Wurzel Davids wie auch sein Ge­schlecht (Nachkomme); in einem geistlichen Sinne hatte David alles seinem größeren Sohne entnommen. Abraham entnahm Dem alles, der sagen konnte: „Ehe Abra­ham ward, bin ich“.

Es war der Geist Christi in den alttestamentlichen Heiligen, der ihnen Gepräge und Glau­ben verlieh. Alles Göttliche, was der Menschheit ver­liehen wurde, kam durch die unumschränkte Gunst Got­tes, und Jesus kam und nahm durch Seine Geburt von Maria an der ununterbrochenen Linie der göttlichen Gunst den Menschen gegenüber teil. Er nahm teil an der „Barmherzigkeit (wie er zu unseren Vätern geredet hat) gegen Abraham und seinen Samen in Ewigkeit“. Sein Geschlecht passte in sittlicher Hinsicht zu Ihm, da es von Anfang bis zu Ende göttliche Wesenszüge besaß.

In Elisabeth sehen wir ein vom Heiligen Geiste er­fülltes Weib, und ihr Kind war von Mutterleibe an vom Heiligen Geiste erfüllt. Als vom Heiligen Geiste erfüllt, erkennt Elisabeth das ungeborene Kind an als „meinen Herrn“.

Was Maria betrifft, so besaß sie die Glückselig­keit eines Glaubenden; die ihr gesagten Dinge würden in Erfüllung gehen. Alles, was ihr verliehen war, rührte ausschließlich von der göttlichen Gunst her. In einem geistlichen Sinne entnahm sie alles von Gott und von ihrem gepriesenen und heiligen Sohne. Wie lieblich sind ihre Worte! „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist hat frohlockt in Gott, meinem Heilande“.

Sie hatte das, was kommen sollte, vor sich; ihr ganzes inneres Wesen war von der Glückseligkeit der göttlichen Gunst erfüllt, und es ist der Gedanke Gottes für einen jeden von uns, dass wir auch davon erfüllt sein möchten. Maria war wahrhaftig eine Demütige, die erhöht wurde. Von Natur war sie ein Kind des Zorns, wie auch die übrigen, aber als ein Gegenstand der göttlichen Gunst erwähnt sie überhaupt nicht ihren Zustand als den eines gefallenen Geschöpfes. Sie redet wohl von ihrer Niedrigkeit, aber nicht als von der Niedrigkeit einer gesetzlosen Sünderin, sondern als einer Magd Gottes. Sie hatte sich Seinem Dienste völlig gewidmet und war Seinem Willen er­geben. Niedrigkeit war ihr eigen, aber welch eine Erhöhung wurde ihr erwiesen! Von nun an sollten sie alle Geschlechter glückselig preisen, aber ihre Erhöhung rühr­te ausschließlich von der göttlichen Gunst her, nichts da­von konnte ihr zugeschrieben werden. „Denn große Dinge hat der Mächtige an mir getan, und heilig ist sein Name“.

Sie redet über Seine Barmherzigkeit und dar­über, wie Er Israel geholfen hat. Alles bewegt sich in der Richtlinie, was der Mensch ist als ein Gegenstand der göttlichen Gunst, und dies entfacht bei Maria eine an­betende Gesinnung. Sie war sich der göttlichen Gunst bewusst, und sie dachte an die Geschlechter, die den Mächtigen fürchten und die in Jesu geoffenbarte Gunst wertschätzen würden.

Ich denke, Gott will, dass beim Lesen dieses Evan­geliums Seine Gnade uns völlig von allen Bedenken be­treffs unseres natürlichen, sündigen Zustandes befreien möchte, damit wir völlig und anbetend mit der höchsten Glückseligkeit Seiner Gunst, die uns in Jesu erreicht hat, beschäftigt sein möchten. Gott zerstreut, die in der Ge­sinnung ihres Herzens hochmütig sind. Er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen. Reiche schickt Er leer fort. Er erhöht Niedrige und erfüllt Hungrige mit Gütern.

Wir haben von Elisabeth und Maria als von Ver­treterinnen der Menschheit als Gegenstände der gött­lichen Gunst gesprochen. Der Grundton des nun vor uns liegenden Abschnitts scheint das Wort „Barmherzigkeit“ zu sein. Maria sagte: „Seine Barmherzigkeit ist von Ge­schlecht zu Geschlecht über die, welche ihn fürchten“; sie schaute voraus auf viele Geschlechter, die Gegen­stände der Barmherzigkeit sein würden. Das werden die Geschlechter sein, die sie glückselig preisen würden.

Weiter sagt sie: „Er hat sich Israels, seines Knechtes, an­genommen, damit er eingedenk sei der Barmherzigkeit (wie er zu unseren Vätern geredet hat) gegen Abraham und seinen Samen in Ewigkeit“. Während der letzten Tage seines Lebens wurde J. N. Darby gefragt: „Was ist der Unterschied zwischen Barmherzigkeit und Gna­de?“ Seine Antwort lautete: „Die Barmherzigkeit ist groß nach der Größe der Not, die Größe der Gnade liegt in den Gedanken dessen, der sie ausübt.“

Dieser Satz ist es wohl wert, erwogen zu werden. Nehmen wir eine Veranschaulichung. Ein König mag mir in einer beson­deren Weise seine Gunst bezeugen; dabei würde es sich lediglich darum handeln, was in seinem Herzen ist. Die Größe der Gnade liegt in den Gedanken dessen, der sie ausübt. Nehmen wir aber an, dass ich ein überführter Verbrecher im Gefängnis wäre, da würde Barmherzigkeit erforderlich sein, und der König könnte mir seine Gunst nur durch Barmherzigkeit erweisen; also liegt die Größe der Barmherzigkeit in der Größe der Not.

Wir haben sehr viel über die Gnade geredet — über die göttliche Gunst —, wobei es sich lediglich um das handelt, was im Herzen Gottes ist. Wir müssen aber auch den sündigen Zustand der Menschen ins Auge fas­sen, und das macht Barmherzigkeit erforderlich.

Israels Väter waren arme Götzendiener gewesen, und als Gott den Abraham berief, war das tatsächlich Barmherzigkeit. Als Gott einen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob schloss, hatte Er die Geschichte des Volkes vor Sich: Er wusste alles, was sie sein würden bis zu der Kreuzigung Christi. Israel war Sein Knecht aus reiner Barmherzig­keit, und alles, was Er zu den Vätern geredet hatte, war Barmherzigkeit.

Barmherzigkeit setzt gottwidrige Zu­stände voraus, aber ihnen gegenüber erwies Er Barmherzigkeit. Als Israel das goldene Kalb anbetete, sagte Gott: „Ich werde begnadigen, wen ich begnadige“. Nichts kann die Barmherzigkeit Gottes gegen uns beeinträch­tigen. Er überblickte unsere ganze Lebensgeschichte, ehe Er mit uns anfing. Er wusste alles, was wir als Sünder wie auch als fehlende Gläubige sein würden. Er begann mit uns in Barmherzigkeit, und von Anfang bis ans Ende wird es bei der Barmherzigkeit bleiben.

Hier wird die Barmherzigkeit im Zusammenhang mit dem Kommen Jesu erwähnt: Gott gedachte der Barm­herzigkeit. Am Ende von 2. Mose 2 wird uns gesagt, dass Gott Seines Bundes gedachte. Das Volk war der Knecht­schaft und dem Götzendienst verfallen. Hesekiel sagt uns, dass sie Götzen dienten, als Gott Sich ihrer in Ägyp­ten annahm. Er gedachte aber Seines Bundes mit Abra­ham, Isaak und Jakob, und Er erkannte sie als Gegenstände der Barmherzigkeit an.

Auf diese Weise hat Gott auch uns anerkannt. Der Zustand Israels in Lukas 1 war ein sehr trauriger, aber Maria fasste sie als Gegenstände der Barmherzigkeit auf. Johannes kam gänzlich nach der Richtlinie der Barmherzigkeit: Jehova hatte „seine Barmherzigkeit an Elisabeth groß gemacht“, und als ihre Nachbarn und Verwandten es hörten, schätzten sie das und freuten sich mit ihr. Der Gegenstand des Gesprächs im ganzen Gebirge war das Tun Gottes in Barmherzigkeit.

Gott sei Dank, dass es noch Menschen gibt, die „im Ge­birge“ wohnen, die nicht von Geschäften oder Vergnü­gen oder Politik oder Religion in Anspruch genommen werden, sondern sich zusammen über die Wege Gottes in Barmherzigkeit unterhalten! Gott schloss Seinen Bund aus Barmherzigkeit, und Er gedenkt seiner, und nichts kann ihn beeinträchtigen. Er gab Jesum aus reiner Barm­herzigkeit. Er besitzt also eine Fülle der Barmherzigkeit, so dass Er eine große Menge zu verteilen hat.

Wir sehen hier, dass es einige Personen gab, die die Barmherzigkeit schätzten, doch mussten sie lernen, ihre natürlichen Gedanken abzulegen. Es wäre durchaus na­türlich, das Kind nach seinem Vater zu nennen, doch war Johannes vom Himmel genannt worden. Er war der Aus­druck der Gunst des Himmels, und Zacharias und Elisa­beth waren mit dem Gedanken des Himmels vertraut. Sie waren frei von natürlichen Gedanken, und beide schätzten, dass sein Name Johannes war. Der Herr Jesus Christus ist der große Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes, und Elisabeth war mehr mit dem Kinde Marias beschäftigt als mit ihrem eigenen, und Zacharias war mehr erfüllt mit Gedanken über Christum als über Johan­nes. Er redete darüber, dass Gott an ihren Vätern „Barm­herzigkeit vollbracht“ habe und Seines „heiligen Bun­des“ gedachte. Er sprach von der „herzlichen Barmherzig­keit unseres Gottes“. Das ist die Quelle, welcher aller Segen entspringt; Jesus kam als der völlige Ausdruck derselben.

Zacharias redet ausschließlich über das, was Gott ge­tan hat. In seinem Reden gibt es keinerlei „wenn“; er erwähnt nicht einmal den Gedanken an den Glauben seitens des Volkes Gottes. Alles wird gänzlich als von Gott aus Barmherzigkeit gewirkt angesehen; er war von dem erfüllt, was in Jesu kommen sollte. Er sagt nicht wie Simeon, dass das Kind zum Fall vieler in Israel gesetzt wurde und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird. Er redet darüber, was von Seiten Gottes in all Seiner Größe als Barmherzigkeit Seinem Volke gegenüber kom­men sollte.

Er hatte Sein Volk besucht und ihm Erlösung geschafft und ein Horn des Heils aufgerichtet. „Die herz­liche Barmherzigkeit Gottes“ weist auf das zärtliche Sehnen Gottes nach dem Menschen, nach Israel, hin. Das, was Gott Seinem Wesen nach ist, ist die Quelle und der Ursprung der Barmherzigkeit und der Gnade.

Die Schrift sagt nicht, dass Gott Barmherzigkeit oder dass Gott Gnade ist, sondern dass Gott Liebe ist; das ist es, was Er in Sei­ner Natur ist, und dem entspringen Barmherzigkeit und Gnade. Gott hat Sein Volk in der Erlösung besucht und hat ein mächtiges Horn des Heils aufgerichtet, auf dass Sein Volk von allen Widerwärtigkeiten erlöst werden möchte, damit sie Ihm dienen sollten in Frömmigkeit und Gerechtigkeit alle ihre Tage. Gott hat alles Erforderliche gegeben.

Dieser Ausspruch von Zacharias zeigt, dass Gott in An­betracht der Not, die der Barmherzigkeit bedarf, wirkt. Der Gedanke an Gott und die Seinem Volke feindlichen Einwirkungen tritt deutlich hervor, denn er spricht von der „Rettung von unseren Feinden und von der Hand aller, die uns hassen“. Feindliche Zustände liegen vor, aber das Horn des Heils ist ihnen allen gewachsen.

Es ist ein freudiger Gedanke, dass, wenn wir durch irgend­eine feindliche Macht verhindert werden, die Ursache keinesfalls bei Gott liegt, denn Er hat ein Horn des Heils aufgerichtet, das allem gewachsen ist. Wir alle haben Feinde. Vieles erhebt sich in uns, und vieles wirkt auf uns durch andere ein, aber Gottes Horn des Heils ist dem mehr als gewachsen, uns von allem zu befreien. Wir brauchen jetzt durch keinen gottwidrigen Einfluss behin­dert zu werden.

Petrus redet über fleischliche Lüste, welche wider die Seele streiten. Wenn ich eine fleisch­liche Lust habe, so ist das eine Gelegenheit, die Macht von Gottes Horn des Heils zu erleben. Dann gibt es auch Vernunftschlüsse. Habt ihr niemals mit euren Vernunft­schlüssen gekämpft? Gottes Horn des Heils wird euch befreien von allen „Vernunftschlüssen . . . und jeder Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes“.

Wie kommt es, dass Menschen die Erlösung nicht er­langen? - Ich glaube, dass wir die Erlösung nicht erlangen, weil wir uns nicht endgültig dem Dienste Gottes gewid­met haben. Jeder, der sich endgültig dem Dienste Gottes widmet, wird finden, dass in dem mächtigen Horn, das Gott aufgerichtet hat, Erlösung vorhanden ist.

Wir müs­sen dahin kommen und feststellen, dass es nichts Glück­licheres gibt, als Gott zu dienen. Wenn ich glückselig sein will, kann ich es nur finden, wenn ich Gott diene. Mir selbst oder meinen Lüsten und Vergnügungen zu dienen, ist Knechtschaft. Wir haben alle erlebt, dass es so ist. Wenn ich nur ein bequemes Leben in der Welt führe, so wird meine Seele von allem beraubt, was sie im Dienste Gottes hätte genießen können.

Freiheit wird gefunden, wenn wir Gott dienen. Das ist das glücklichste von allem, was wir tun können, wenn wir uns mit dem, was Gott wohlgefällt, verbinden. Keiner kann die Er­lösung erlangen, bis er von Gott wie Paulus sagen kann: „Dessen ich bin und dem ich diene“.

Wenn wir auf die­sem Grund stehen, dann erleben wir die Macht von Got­tes Horn des Heils. Gott gibt nicht die Erlösung als ein Ding an sich; Er hat die Erlösung in einer Per­son gegeben; Er hat ein Horn des Heils aufgerichtet — Jesum.

In Jesu ist eine erlösende Macht vorhanden, um uns von allem, was Gott und uns zuwider ist, zu be­freien. Die Erlösung des Volkes aus Ägypten war ein Bild davon. Gott trat aus Barmherzigkeit ins Mittel, um Israel aus der Knechtschaft Ägyptens zu erlösen, damit sie Ihm dienten.

„Lass meinen Sohn ziehen, dass er mir diene!“ — das ist es, was Er wollte. Dies ward in Israel im Bilde gesehen, wir sollten aber zu der Verwirklichung dessen in Jesu kommen. In Jesu ist eine wunderbare Macht verfügbar. Ich nehme an, dass keiner von uns wirk­lich die gewaltig große göttliche Macht versteht, die uns in Ihm zur Verfügung, steht. Satan wirkt immer, um uns dazu zu bewegen, irgend einem anderen als Gott zu die­nen; er sagt immerfort: Dienet euch selbst, oder dienet der Welt, oder dienet euren Umständen“.

Das Glück liegt aber darin, Gott zu dienen, und der große Beweis der Barmherzigkeit ist, dass Gott eine angemessene Macht eingeführt hat, um uns vollkommen zu befreien, auf dass wir von morgens bis abends alle Tage unseres Lebens nichts anderes tun sollten, als Gott zu dienen und unser Glück darin zu finden. Ob in unseren alltäglichen Be­schäftigungen, im Haushalt oder im Geschäft oder in der Versammlung, wir haben in jedem Kreise nur Gott zu dienen. Dies ist das höchste Glück, und dazu ist die Erlösung nötig, und die Kraft dazu liegt in Jesu.

Unsererseits ist Selbstgericht erforderlich, und des­wegen geht Johannes vor dem Angesicht des Herrn als der Prophet des Höchsten her. Der Dienst des Johannes soll Selbstgericht und Buße bewirken. Wenn ich mich selbst richte, so ist nichts da, um das Wirken des Höch­sten in der erhabensten Gnade zu hemmen; Er kann mit mir nach Belieben verfahren. Wenn ich selbstzufrieden oder hochmütig bin, kann ich keinerlei Segnungen von Gott erwarten; wenn ich aber im Selbstgericht wandele, so wird das gnadenreiche Wirken Gottes durch nichts verhindert.

Johannes sollte der Prophet des Höchsten ge­nannt werden, um vor dem Angesicht des Herrn her­zugehen, Seine Wege zu bereiten. Was waren das für Wege! Wenn wir dieses Evangelium durchnehmen, lasst uns niemals vergessen, dass wir die Wege des Höchsten beobachten. Jeder Seele, die im Selbstgericht ist, kom­men sie zugute. Er kommt, um Sünden zu vergeben und dadurch die Erkenntnis des Heils zu verleihen.

Das Himmelslicht — der Aufgang aus der Höhe — bricht in dieser wunderbaren Weise hervor. Das Himmelslicht ist hervorgestrahlt, um Vergebung der Sünden durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes zu geben. Bei unserem Gott ist solch eine große Barmherzigkeit — solch ein Sehnen, von Seinen sündigen Geschöpfen erkannt zu werden —, dass Er hervortritt, um unsere Sünden zu ver­geben.

Wenn Gott die Sünden vergeben wird, so wird Er auch alles Nötige für uns tun. Wenn Gott die Sünden Seines Volkes vergibt, wird Er es dann hilflos in den Händen des Feindes lassen? Niemals! Die Tatsache, dass Er unsere Sünden vergeben hat, bürgt dafür, dass Er uns von jedem feindlichen Einfluss und jeder Macht erlösen wird, damit wir befreit werden, um Ihm fortwährend zu dienen.

Es mag äußerlich schmerzliche Erlebnisse geben, aber sie übertreffen nicht die innere Freude. Zwei liebe Brüder erlebten Schmerzliches in Philippi; sie waren aber imstande, durch alles hindurch zu singen. Sie be­saßen die innere Freude der Erlösung, bevor sie äußer­lich erlöst wurden. Sie beteten und lobsangen Gott; sie waren innerlich ebenso frei wie eine Lerche, die sich in den azurblauen Himmel — die Brust voller Gesang — hinaufschwingt.

Der Aufgang aus der Höhe ist das Licht, das aus dem Himmel leuchtet, das Licht der völligen Vergebung und der völligen Erlösung, und es ist in Jesu zutage getreten. Es ist ein Horn des Heils vorhanden, eine Person, die mächtig genug ist, uns von jedem Gott oder von uns selbst oder feindlichen Gedanken und Gefühlen und Einflüssen zu befreien — Jesus ist imstande, dies zu tun. Wir könnten vielleicht die Lehre des Heils auswendig aufsagen, ohne sie selbst erlebt zu haben; wenn wir aber zu Jesu kommen, finden wir den Heiland. Gott scheint in Jesu auf die Menschen, um uns aus der Finsternis und dem Todesschatten hinauszuführen und um unsere Füße auf den Weg des Friedens zu richten, den wir von Natur nicht kennen.

OCR Korrektur:
Nicole F.