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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

Liebe Freunde, ich möchte einen Gedankengang zur gemeinsamen Bearbeitung stellen, der sich aus dem Gespräch mit einem Bruder ergeben hat. Das Thema war der Zusammenhang zwischen Buße und Glaube bei der Bekehrung.

1. Sowohl Buße als auch Glauben sind Imperative an den Ungläubigen. Beides ist zu betonen und heilsnotwendig.

2. Die allgemeine Gnadenzeit in de

...

C.A.C. - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

Kapitel 2

Es könnte keinen größeren Beweis für den niedrigen Zustand des Volkes Gottes geben als denjenigen, den wir hier sehen. Der Erbe des Thrones Davids war ein Zimmermann in einer unbedeutenden Stadt in Galiläa, und er mit ganz Israel unter der Herrschaft des römischen Kaisers. Aber alle, vom Kaiser bis zum Zimmer­mann, mussten sich in einer solchen Weise in Bewegung setzen, dass sie den Willen Gottes und Seinen Vorsatz wie auch das prophetische Wort erfüllten.

Der ganze be­wohnte Erdkreis wurde in Bewegung gesetzt, um Maria nach Bethlehem zu bringen, auf dass ihr Sohn dort geboren würde. Gott regierte über alles. Er regierte über Kaiser. Er gebrauchte ihn, um die Bewegungen von Maria und Joseph zu leiten, und Er brachte genau das zustande, was Er wollte, und es ist immer so. „Nach un­ergründlich tiefem Rat... verfolgt Er Seinen Segensplan — Sein Wille triumphiert“ (Lied 461). Und Er zwingt alles, zur Förderung der Pläne Gottes beizutragen. Er zwingt alles, sich Seinem Willen zu beugen; es ist gut, die Größe Gottes zu sehen.

Der Kaiser Augustus musste seinen Platz beim Ausführen des Willens Gottes einnehmen. Wahr­scheinlich geschah die Einschreibung selbst nicht zu die­ser Zeit, sondern einige Jahre später, als Kyrenius Land­pfleger von Syrien war, was zeigt, dass Gott die Ver­ordnung benutzte, um Joseph und Maria zur rechten Zeit in die königliche Stadt zu bringen. Wichtig war nicht die Einschreibung, sondern die Geburt Jesu.

Sie gebar ihren „eingeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Her­berge kein Raum für sie war“.

Das waren nicht bloß zu­fällige Umstände, denn sie würden vom Himmel als „das Zeichen“ verkündet. Der Engel sagte: „Dies sei euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend“. Es ist d a s Zeichen.

Wir sollten den Gegensatz zwischen dem Evangelium nach Matthäus und nach Lukas bemerken. In Jes. 7 ist dies das von Gott gegebene Zeichen: „Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, und wird seinen Namen Immanuel heißen.“

Diese Schrift­stelle wird in Matth. 1 angeführt. Dies ist das Zeichen, dass Gott kommt, um als Immanuel mit Seinem Volke zu sein: „Gott mit uns.“

Bei Matthäus werden keine Windeln erwähnt; dort ist alles erhaben. Er wird als König geboren. Sein Stern erstrahlt weit über die heidnische Welt; die Magier kommen, um anzubeten und ihre Schätze zu öffnen, um Ihm Gaben — Gold, Weihrauch und Myrrhe — darzubringen. Er wird in göttlicher und königlicher Herrlichkeit gesehen.

Bei Lukas ist aber das Zeichen mit der Niedrigkeit Seiner Geburt verbunden; kein Stern, keine Anbetung, keine Gaben, nur „ein Kind ... in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend“. Es war der Ausdruck der Schwäche und der völligen Abhängigkeit.

Persönlich und den Umständen nach stieg Er bis zum allerniedrigsten Punkt hernieder. Ein Säugling ist ein menschliches Wesen in Gestalt der größten Schwäche und Abhängigkeit; niemand ist so völlig abhängig wie ein neugeborener Säugling, Er empfängt alles von Gott durch die Fürsorge Seiner Mutter. Für einen Säugling bedeutet es Vollkommenheit, der Gegenstand der mütterlichen Liebe und Fürsorge zu sein, und auf diesem Platze vertraute Er auf Gott (Ps. 22, 9 u. 10). Die Hirten sahen Einen am Platze offensicht­licher Abhängigkeit, und dies sollte bis ans Ende für Ihn charakteristisch sein. Man kann sagen, dass jeder Säug­ling von der Fürsorge seiner Mutter abhängt.

Was aber diesem Schauplatz vor uns so unendliche Bedeutung und so großen Wert verleiht, ist, dass der Heiland, Christus, der Herr, der Sohn des Höchsten, der Sohn Gottes in einem Zustande zu finden war, worin Seine Mutter Ihn mit Windeln wickeln und in eine Krippe legen musste. Die Tatsache, dass gerade Dieser Sich dort befand, erhebt diese Umstände zu der höchsten sittlichen Herrlichkeit.

Die Windeln bedeuteten dem Himmel Großes; sie rede­ten von dem Platze der völligen Abhängigkeit, worauf der Sohn Gottes Sich als Mensch geworden befand. Das Heil Gottes ist zu uns in Einem gekommen, der Men­schengestalt annahm, um ein völlig Abhängiger zu sein. Er war auf Gott geworfen, Er vertraute auf Gott von Mutterschoße an, wie der Psalm sagt.

Das Wunder und die Herrlichkeit davon bestehen darin, dass solch eine Person Sich an solch einem Platze befinden sollte, indem Er am allerniedrigsten Punkte der menschlichen Schwäche erschien, um vom Augenblick Seiner Geburt an der Abhängige zu sein. Gott fand in Ihm Einen, der sogar als Säugling Ihm völlig vertrauen konnte. Psalm 22 sagt es deutlich: „Auf dich bin ich ge­worfen von Mutterschoße an“, und wiederum: „Du bist es ..., der mich vertrauen ließ an meiner Mutter Brüsten.“

Er empfing alles als ein von Gott Abhängiger, wie sich die Fürsorge Gottes auch äußern mochte — durch Seine Mutter oder durch andere — wie sie auch kommen mochte. Ihm war sie die Fürsorge Seines Gottes. Vom ersten Augenblick Seines Kommens in diese Welt war Er der vollkommen Abhängige, für den Gott sorgte, und das Heil Gottes ist in Ihm zu uns gekommen.

Den Hirten wurde gesagt: „Ihr werdet ein Kind fin­den ...“ Der Himmel konnte mit Wonne darüber spre­chen. Der Welt lag nichts an einem Säugling, für den alles getan werden musste, dem Himmel lag aber alles an Ihm. Die Hirten empfanden ein tiefes Interesse: „Lasst uns nun hingehen nach Bethlehem und diese Sache se­hen, die geschehen ist, welche der Herr uns kundgetan hat.“

Ein Kindlein in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend war d a s Zeichen. Gott hat das in dieses Zeichen gewickelt, was für die ganze Wahrheit Seiner Gnade wesentlich ist. Die Hirten kamen und sahen, und sie sprachen darüber weit und breit. Die Leute, die dies hörten, wunderten sich, und die, welche es erfassten, verherrlichten und lobten Gott.

Es gibt aber in dieser Welt keinen Raum für jemand, der völlig auf Gott geworfen ist. Es sind nicht die Ab­hängigen, die die besten Räume in der Herberge be­kommen; es sind die Unabhängigen, die begüterten Män­ner, die die besten Räume bekommen. Eine Herberge ist ein Ort, wo Menschen gemessen werden: die besten Räume werden den Reichen zugeteilt, die einfachen Räume bekommen die Armen, für Jesum war aber gar kein Raum in der Herberge.

In der Welt des Menschen ist für vollkommene Abhängigkeit von Gott kein Raum. Die Menschen sagen: „Wir haben unsere Gesellschaften, unsere Vereine, unsere Clubs. Kommt und schließt euch uns an, und wir werden euch beschützen und euer Leben angenehm gestalten. Eure Zeit in der Herberge wird recht angenehm sein.“

Wenn aber einer ruhig sagt: „Ich stelle das, was ihr tut, nicht in Frage, aber meinerseits ziehe ich es vor, mich auf Gott zu verlassen“, so hat das für viele Bekenner Christi in den christlichen Ländern den Verlust ihres täglichen Brotes bedeutet.

Es gibt in der Welt des Menschen keinen Raum für Abhängigkeit von Gott, sondern es gibt alle Formen der Unabhängigkeit. Gott versorgte Jesum mit einer Krippe; sie redet von einer Versorgung, die außerhalb der Versorgung des Menschen für sich oder für seine Mitmenschen liegt. Die Krippe liegt außerhalb dessen, womit der Mensch den Menschen. Gott versorgt aber immer alle die­jenigen, die sich damit begnügen, alles anzunehmen, womit Er sie versorgen mag. Gott hat immer eine Versor­gung für diejenigen gehabt, die Ihm vertrauen, und Er wird sie immer haben, und diejenigen, die von Ihm ab­hängig sind, werden das erleben. Es mag nicht in Üppig­keit sein, aber dem Glauben wird es immer genügen. Wahrhaft Abhängige nehmen das an, was ihnen darge­reicht wird, und die Versorgung Gottes ist ihren Herzen sehr kostbar, sogar in äußerer Schmach.

Die Krippe bedeutete einen Platz außerhalb — einen Platz der Schmach; Gott hatte aber dieses heilige Kind damit versorgt; es war kein ehrenvoller Platz in dieser Welt, der aber als die Fürsorge Gottes für Den, der Ihm völlig vertraute, geschätzt wurde.

Es wird immer das geben, was der Krippe entspricht: uns gebührt es zuzusehen, dass wir uns damit begnügen; es ist ein Zeichen von einer wunderbaren Tragweite.

Die Leute sagen: „Warum baut ihr nicht eine feine Kapelle, und zwar auf der Hauptstraße, warum drängt ihr euch nicht mehr in den Vordergrund?“ Wir müssen das Zeichen der Krippe, welches von der göttlichen Fürsorge am Platze der Schmach redet, in Erinnerung behalten. Denkt daran, was es Für Joseph und Maria bedeutete, in die Stadt Davids zu kommen und keinen Raum in der Herberge zu finden! Der rechtmäßige Erbe des Thrones Davids kommt in die Stadt Davids, und da ist kein Raum in der Herberge! Wenn die Dinge in Bethlehem in Ordnung gewesen wären, hätte man für sie die besten Räume in der Her­berge freigemacht. Doch sie nahmen die Krippe an, und sie wurde zum Zeichen des Platzes, wo das Heil Gottes gefunden wurde.

Ihr werdet das Heil Gottes nicht in den besten Räumen der Herberge finden, sondern in der Krippe. Die hereinbrechende Gnade sollte nicht groß und hochverehrt in der Welt werden. Sie sollte den niedrig­sten Platz in der Begutachtung der Menschen haben. Wir aber sollten den Gedanken des Himmels haben.

Joseph und Maria waren in dieses Geheimnis eingeweiht. Sie wussten von der Größe und Herrlichkeit des Kindleins, welches gerade geboren werden sollte, als sie in jene Stadt kamen, sie nahmen aber die Krippe als die Für­sorge Gottes an.

Das ganze Interesse des Himmels drehte sich um jene Krippe und um das Kindlein, das in ihr lag und in Win­deln gewickelt war. Äußerlich kam da die größte Schwäche und Abhängigkeit zum Ausdruck, doch es war auch alles Große und Herrliche vorhanden.

Wie begün­stigt wurden die Hirten, dass sie Mitteilungen aus dem Himmel empfingen! Sie erfuhren, wo alle wahre Herr­lichkeit zu finden war; sie lernten die göttliche Gunst in dem kennen, was den Menschen gar nichts bedeutete. Die Herberge stellt die Selbstversorgung des Menschen für sich und für seine Mitmenschen dar, und darin war kein Raum für Jesum; es gab aber Hirten, die auf freiem Felde blieben und die mit dem Himmel in Einklang waren.

Im Matthäusevangelium erkannten die Magier unter der Belehrung des Himmels, dass Er der König war. Sie sagten: „Wo ist der König der Juden, der geboren wor­den ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenlande gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen.“

Sie sa­hen die dem Kindlein eigene königliche Herrlichkeit, und sie huldigten Ihm: sie brachten Ihm erlesene und köst­liche Gaben dar.

Bei Lukas geht es aber um die Gnade Gottes, die sich den Menschen nähert, und der Platz der Abhängigkeit, den Er einnahm, wird hervorgehoben. Der Platz, an dem es außer der Fürsorge Gottes keine Hilfs­quellen gibt. Jesus kam, um am Platze der Abhängigkeit zu sein, der in der Begutachtung der Welt völlig un­bedeutend ist — um in einer Krippe zu liegen. Die Hirten waren im Einklang mit den Gedanken des Himmels, und alle diese Gedanken konzentrierten sich um das Kindlein in der Krippe.

Bei Matthäus wird Seine amtliche Herrlich­keit hervorgehoben, bei Lukas aber Seine sittliche

Herrlichkeit. Im Lukasevangelium sehen wir oftmals den Herrn im Gebet. Er ist die Darstellung Dessen, der ganz und gar abhängig war, und die Windeln waren das Zeichen dafür. Er nahm alles als den Ausdruck der Fürsorge Seines Gottes an.

Die Hirten wurden sehr durch das, was sie hörten und sahen, beeindruckt: sie kehrten um, indem sie Gott verherrlichten und lobten.

Hirten stellen solche dar, die auf Kosten persönlicher Aufopferung für das sorgen, was vor Gott wertvoll ist. Gott nahm Sich solcher Hirten wie Moses und David an, weil sie, wenn sie für ihre Herden sorgten, mit Seinen eigenen Gedanken in Einklang waren. Wenn für den Herrn in der Herberge kein Raum war, so war Raum für Ihn in den Herzen der Hirten. Der Himmel zog sie in sein Vertrauen.

Wenn wir vom Himmel ins Vertrauen gezogen worden sind, sehen wir eine wunderbare Herrlichkeit in dem, was in den Augen des Menschen überhaupt gar nicht beachtenswert ist. Die Hirten sagten: „Lasst uns nun hin­gehen nach Bethlehem und diese Sache sehen, die ge­schehen ist, welche der Herr uns kundgetan hat“; und sie kamen und sahen, und wurden Zeugen davon vor an­deren, und sie kehrten um, indem sie Gott verherrlichten und lobten. Alle, die es hörten, verwunderten sich. Maria aber tat mehr als sich verwundern, sie „bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“.

An dieser Begebenheit gibt es noch einen bemerkens­werten Wesenszug, der nicht übersehen werden darf. Bei den Hirten war nicht nur ein Engel des Herrn, sondern „die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie“.

Jehova, Gott Selbst, war da, wie auch der Engel. Er war in der Herrlichkeit der Gnade zu den Hirten hernieder gekommen. Er hatte nicht nur eine Botschaft aus dem Himmel gesandt, um zu verkündigen, was in dem geborenen Kindlein eingeführt worden war, sondern Gott war auch zugegen in Seiner Herrlichkeit; die Herrlichkeit Jehovas umleuchtete sie. Es war die Herrlichkeit der Gegenwart Gottes, doch sie wurde in einem neuen Charakter ge­sehen. Es war Gott, der aus dem Gewölk und dem Dun­kel hervortrat um im Abglanz Seiner Herrlichkeit in vollkommener Gnade Menschen zu umleuchten.

Anstatt dass Furcht am Platze war, sollten die Herzen der Menschen von einer „großen Freude“ erleuchtet und er­füllt werden. Der Engel brachte eine wunderbare Bot­schaft vom Himmel. Die Freude des Himmels wallte über und ergoss sich in die Herzen der Menschen auf Erden, und Jehova Selbst war da, die unmittelbare Gegenwart der Herrlichkeit Gottes. Die Herrlichkeit der Gnade verleiht diesem ganzen Evangelium ihr Gepräge. Die Herrlichkeit Gottes wird den Menschen in Gnade geoffenbart. Gott Selbst kam im Abglanz Seiner Herrlichkeit den Menschen nahe, doch nicht in einer solchen Weise, um Furcht einzuflößen, sondern um die Herzen der Hirten mit einer großen Freude zu erfüllen.

Es ist wahr, dass die Hirten „sich mit großer Furcht fürchteten“, aber das war deswegen, weil sie das Wesen der Herrlichkeit nicht verstanden. Der Engel sagte ihnen, sie sollten sich nicht fürchten, denn die Herrlichkeit leuchtete in vollkom­mener Gnade; sie leuchtete, um die Herzen der Menschen mit einer großen Freude zu füllen. Es war ein schöner Anblick. Möchten wir um die Befähigung beten, es in uns aufzunehmen.

Alles war in diesem Kindlein gesichert. Obwohl es noch nicht geoffenbart war, war es Gott und dem Himmel wohlbekannt, und Gott will, dass den Menschen diese „große Freude, die für das ganze Volk sein wird“ wohlbekannt sein möchte.

Wenn wir an den Zustand denken, in welchem „das ganze Volk“ sich befand, so er­höht das die Herrlichkeit der Gnade. Die meisten von ihnen waren noch in Gefangenschaft, in oder jenseits von Babylon. Wahrscheinlich waren damals die meisten von ihnen auf die Standhöhe ihrer Umgebung herabgesun­ken, und doch sollte das ganze Volk die frohe Botschaft der großen Freude empfangen. Dies ist beschränkter als das, was im Ausspruch Simeons zum Ausdruck kommt, es ist auf „das ganze Volk“ beschränkt — d. h. auf Israel.

Es ist gesagt worden, dass die Gnade der Herrlichkeit angemessen ist. Das verleiht der Gnade ein wunderbares Gepräge. Wenn wir an alle Herrlichkeit, die Gott eigen ist, denken, ist die Gnade ihr angemessen, sie kann nur durch die Herrlichkeit Gottes ermessen werden.

Die Herrlichkeit Jehovas war in einem gewissen Sinne im Alten Testament bekannt. Jetzt ist sie aber in der Fülle der Gnade ans Licht gekommen. Johannes sagt: „Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut“. Der Charakter dieser Herrlichkeit war aber, dass sie „voller Gnade und Wahrheit“ war.

Im Alten Testament war die Herrlichkeit ein verzehrendes Feuer, jetzt ist es aber die Herrlichkeit in Gnade und Wahrheit - ein umwandelnde Macht. Diejenigen, die sie anschauen, werden ihr gleichgestaltet. Große Freude ist von Gott und vom Himmel gebracht worden; die in der Gnade erkannte Herrlichkeit Gottes wird zur Quelle einer großen Freude.

Wenn jemand jetzt nicht vollkommen glücklich ist, so ist es wegen des Unglaubens; es gibt keine Veranlassung dafür, unglücklich zu sein, denn Gott hat die frohe Bot­schaft einer „großen Freude“ verkündigt.

Die Botschaft des Engels war mit dem, was Maria und Zacharias sagten, im Einklang. „Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, damit er eingedenk sei der Barmherzigkeit (wie er zu unseren Vätern geredet hat) gegen Abraham und seinen Samen in Ewigkeit“ (Kap. 1, 54). „Um Barmherzigkeit zu vollbringen an unseren Vätern und seines heiligen Bundes zu gedenken, des Eides, den er Abraham, unserem Vater, geschworen hat“ (Kap. 1, 72).

Diese Aussagen sind auf Israel beschränkt. Das verleiht der Barmherzigkeit ein besonderes Gepräge, denn das böseste Volk auf der Fläche der ganzen Erde war Israel. Denkt an ihre Geschichte!

Unglaube, Un­gehorsam, Abtrünnigkeit, Götzendienst, Ablehnen des prophetischen Wortes! Keiner der Nationen haftete eine so große Schuld an wie Israel: keine der Nationen hatte die Gelegenheit, so schlecht zu sein wie Israel.

Israel war nämlich der Gegenstand außerordentlicher Gunst seitens Gottes gewesen; sie hatten Seine heiligen Aussprüche, das Gesetz, die Verheißungen, die Bündnisse, das Heilig­tum und dessen Dienst; sie hatten jedes Vorrecht, das Gott den Menschen gewähren konnte. Doch mit all diesem Licht, das die Nationen niemals hatten, führten sie sich so schlecht auf, dass ihretwegen der Name Gottes unter den Nationen gelästert wurde.

Wenn man das Licht, welches sie besaßen, in Betracht zieht, so war kein Volk in einem solchen Zustande des sittlichen Abfalls von Gott wie Israel. Der Bund bestand aber in Barmherzigkeit, und Gott dachte daran.

Am Ende dieses Evangeliums lesen wir, dass Buße und Vergebung der Sünden „allen Nationen, anfangend von Jerusalem“ gepredigt werden sollten. Sie sollten gerade bei dem Volke beginnen, das Christum verraten und er­mordet hatte, d. h. beim schlechtesten Volk auf der gan­zen Fläche der Erde.

In einem gewissen Sinne wird Israel ein noch bemerkenswerteres Denkmal der Barmherzigkeit sein als die Nationen. Kein anderes Volk verwarf Christum tatsächlich und buchstäblich; den Natio­nen wurde Er niemals dargestellt. Kein anderes Volk hatte die Gelegenheit, den Gerechten zu verraten und zu ermorden.

Gott trat hervor, um solch einem Volke die Herrlichkeit Seiner Gnade er­strahlen zu lassen, und hier wird kein Wort von der Buße gesagt. Ich trete nicht für das Auslassen der Buße ein — das sei ferne; was ich aber hier so erhaben sehe, ist die unfassbare Gunst des gepriesenen Gottes, die frohe Botschaft einer „großen Freude, die für das ganze Volk sein wird“. Es ist nicht einmal von Buße die Rede, son­dern es ist bedingungslose Gunst.

Wenn wir das Be­wusstsein davon, welche Gunst Gott Seinem armseligen Geschöpf erzeigt, dem Herzen des Menschen einprägen könnten, würde dies ihn völlig zerbrechen. — Die Güte Gottes würde ihn zur Buße führen.

In Lukas 2 liegt das Augenmerk nicht auf den Sünden des Volkes, sondern auf ihrem Erretter. Wenn ein Erretter da war, so schloss das ein Verlorensein und durch die Macht des Feindes verwirkte Segnungen in sich.

Aber ein Erretter, der einem solchen Volke geboren wurde, brachte alles, was sie bedurften, mit Sich. Allem wurde in einer göttlichen Weise begegnet.

Gott hat den wahren David eingeführt, einen Menschen nach Seinem eigenen Herzen, um Seinen ganzen Willen zu erfüllen, der in Davids Stadt geboren war. Es war eine kleine Stadt Judas; es ist alles auf dem Boden dessen, was in den Augen der Menschen klein ist. Der Prophet hatte über die Stadt Bethlehem gesagt, sie sei „klein ... unter den Tausenden von Juda“. Christus kam in derselben Weise wie David — Er hatte keine Bedeutung. Als Isai seine Söhne zusammenrief damit Samuel sie anschauen konnte, schloss er David nicht mit ein; er war zu unbedeutend, um überhaupt beachtet zu werden, und der wahre David kam nach demselben Grundsatz. Er war aber der Gesalbte Gottes, mit göttlicher; Gewalt als Herr bekleidet, aber Seine Ge­walt übte Er als Erretter in Gnade für das ganze Volk aus.

Es ist leicht verständlich, dass die Menge der himm­lischen Heerscharen sich dabei im Lobe Gottes einfand. Sie redeten nicht von der menschlichen Seite, von dem was kommen sollte, es war die Seite Gottes. „Herrlichkeit Gott in der Höhe“ — das ist Gottes Seite; „und Frieden auf Erden“ bedeutet nicht, wie die Menschen denken, Frieden unter den Menschen, obwohl das sich daraus ergeben kann, sondern dass keine feindlichen Elemente unter den Augen Gottes zurückgeblieben sind.

Und dann heißt es noch, Gottes „Wohlgefallen an den Menschen“. Der Engel sagt, was die Menschen bekom­men: „Euch ist ... ein Erretter geboren, welcher ist Christus, der Herr“; er war ein wahrer Evangelist.

Die Menge der himmlischen Heerscharen war aber mit Herrn beschäftigt, was für Gott gesichert werden würde, und sie priesen Gott deswegen. Es ist glückselig, daran zu denken, dass die himmlischen Heerscharen das Wesen der Herrlichkeit Gottes verstanden. In Lukas 15 ist von den Engeln als von den Freunden und Nachbarn der göttlichen Personen die Rede. Gott hat die Engel ins Ver­trauen gezogen, und Er hat ihnen Seine Gedanken in Bezug auf die Menschen zu verstehen gegeben und ihnen gesagt, was Seine Herrlichkeit in bezug auf die Menschen bedeutet. Sie sind darüber ebenso glücklich, als ob alles dieses für sie wäre.

„Herrlichkeit Gott in der Höhe“ — diese Worte ver­künden, dass Gott in der vollen Höhe Seiner himm­lischen Gnade gesehen werden würde. Seiner Herrlich­keit sollte dieser erstaunliche Charakter eigen sein — es sollte eine Herrlichkeit der höchsten Gnade den Menschen gegenüber sein.

Wir lesen weiter noch von der Herrlichkeit Seiner Gnade (Eph. 1) und von dem Evan­gelium der Herrlichkeit des seligen Gottes (1. Tim. 1). Er wird in den kommenden Zeitaltern den überschweng­lichen Reichtum Seiner Gnade in Güte gegen uns in Christo Jesu erweisen; Seine Herrlichkeit wird in dieser Weise im allerhöchsten Grade erstrahlen.

Es tut uns not, über die Herrlichkeit Gottes in Gnade nachzusinnen; das wird im Lukasevangelium entfaltet. Den Höhe­punkt dieser Dinge sehen wir in dem Menschen, der noch vor einer Stunde ein verurteilter und sterbender Verbrecher war, dann aber mit Jesu ins Paradies ein­ging. Das ist die Herrlichkeit Gottes. Die Herrlichkeit Gottes ist jetzt die Herrlichkeit der Gnade. Es handelt sich nicht um die Not des Geschöpfes, sondern darum, dass Gott in der höchsten Herrlichkeit Seiner Gnade er­kannt werden will, und Er hat dies durch Jesum in einer wunderbaren Weisheit ans Licht gebracht.

„Friede auf Erden“. Als Jesus hienieden weilte, war auf dieser Erde eine Stelle in solch einem Einklang mit Gott, dass dort nichts die Ruhe Gottes störte. Es gab dort keine feindlichen Elemente, nichts, das dem Sinn Gottes entgegengesetzt war —keine Regung des Eigen­willens, um einen Misston hervorzurufen.

Es ist schon oft auf den Gegensatz zwischen dieser Schriftstelle und Kap. 19, 38 hingewiesen worden: Jerusalem hatte nicht die Dinge erkannt, die zu seinem Frieden dienten, und von der Zeit an sollte der Friede „im Himmel“ sein, nicht „auf Erden“. Der Herr sollte bald verworfen werden; es sollte fortan kein Friede auf Erden sein, sondern im Himmel, weil Jesus dort war.

„An den Menschen ein Wohlgefallen“. Das Wohlgefallen Gottes an den Menschen sollte völlig gesichert werden.

Ich zweifle nicht daran, dass dies ein Hinweis auf Sprüche 8, 31 ist. Das Kommen Jesu sollte das Vernichten der Werke des Teufels bewirken, und Gottes Wohlgefallen an den Menschen sollte auf ewig gesichert werden.

Das zeigt, dass die Menschen ein besonderer Gegenstand der Gunst Gottes sind. Menschen, die sündige Geschöpfe gewesen waren und alle dem göttlichen Wohlgefallen entgegengesetzte Wesenszüge hatten, sollten auf ewig Gott zum Wohlgefallen sein.

Wenn wir daran denken, beginnen wir die Menschen in einem neuen Lichte zu betrachten. Welch ein Vorrecht, einige von diesen „Menschen“ zu kennen, an denen Gott solch ein Wohlgefallen hat! Was für ein Vorrecht, zu ihnen infolge solch einer unendlichen Gunst zu zählen, und zwar, weil wir Christum schätzen!

In Psalm 16 sagt Christus prophetisch über die Heiligen: „An ihnen ist alle meine Lust“. Seine Gegenwart hier auf Erden, so­gar als Kindlein in einer Krippe, bürgt dafür, dass das göttliche Wohlgefallen an den Menschen zustandekom­men sollte.

Der Geist Gottes zeigt uns mit Wonne, dass alles, was Gott in den Verordnungen des Alten Testaments vor Sich hatte, in Jesu völlig gesichert wurde. Das haben wir weiter insbesondere in der Beschneidung und der Darbringung des Erstgeborenen vor uns. Das sind zwei hervorragende und gesegnete Gedanken im Alten Testa­ment. Was für eine Freude muss es für Gott gewesen sein, in Vorbildern alles ans Licht zu bringen, was in Jesu und durch Jesum in anderen zu Seinem Wohlge­fallen gesichert werden sollte!

In diesen Vorbildern gab es ein für Gott vorbehaltenes Teil, und zwar sogar zu einer Zeit, wo niemand die Bedeutung davon erfasste. Die Beschneidung war „ein Zeichen des Bundes“ (1. Mose 17), und die Darbringung des geheiligten Erst­geborenen wies auf den Vorsatz Gottes, Söhne zum Wohlgefallen Seiner Liebe zu haben, hin.

Die Erkenntnis Gottes, der in einen Bund mit dem Menschen einge­treten ist, — und die Antwort darauf seitens der Men­schen —, deckt einen großen Teil davon, was uns im Alten Testament vor Augen gestellt wird.

Dann ist da der zusätzliche Gedanke, dass die Menschen auf dem Platze der Sohnschaft stehen. In der Beschneidung Jesu und in Seiner Darbringung als Erstgeborener vor Jehova werden diese zwei köstlichen Gedanken der göttlichen Liebe als erfüllt betrachtet. Sie sollten beide in Ihm in vollem Maße erfüllt werden und durch die Gnade Gottes durch Ihn in vielen anderen in Erfüllung gehen.

„Und ich werde meinen Bund errichten zwischen mir und dir und deinem Samen nach dir, nach ihren Geschlechtern, zu einem ewigen Bunde, um dir zum Gott zu sein und deinem Samen nach dir ... und du, du sollst meinen Bund halten, du und dein Same nach dir, nach ihren Ge­schlechtern. Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt zwi­schen mir und euch und deinem Samen nach dir: alles Männliche werde bei euch beschnitten ... und acht Tage alt soll alles Männliche bei euch beschnitten werden nach euren Geschlechtern“ (1. Mose 17, 7-14).

Gott trachtete danach, ein Volk zu haben, dem Er zum Gott sein konnte und das Ihm völlig vertrauen würde, um zu zeigen, was Ihm an Menschen auf dieser Erde wohlgefiel. Wie das Neue Testament uns sagt, war die Beschneidung ein Zeichen des „Ausziehens des Leibes des Fleisches“ (Kol. 2, 11); sie redete vom Ende jeglichen Vertrauens auf das Fleisch und vom Vertrauen auf Gott allein.

Gott ver­band Sich mit Abraham durch einen Bund und sagte ihm, er würde der Vater einer Menge von Nationen sein, und Er würde ihm das Land Kanaan als ewigen Besitz geben, aber seitens Abrahams und seines Samens musste die Beschneidung stattfinden. Ihrerseits sollten sie jegliches Vertrauen auf das Fleisch ablehnen und völlig auf Gott vertrauen.

Die wahre Beschneidung ist nicht äußerlich im Fleische, sondern etwas Inneres und Verborgenes.

Paulus sagt: „Beschneidung ist die des Herzens, im Geiste“; sie ist eigentlich nur Gott bekannt: „Dessen Lob nicht von Men­schen, sondern von Gott ist“ (Rom. 2, 29). Gott zieht die­jenigen in Betracht, deren Hilfsquellen in Ihm sind und für die Er wirklich Gott ist; es bereitet Ihm großes Wohl­gefallen, uns Gott zu sein.

In Jesu war kein sündiges Fleisch, aber alles, was bei der Beschneidung als dem Zeichen des Bundes gemeint war, erlangte in Ihm Erfüllung und wurde zum Beispiel. In Menschengestalt von der frühesten Kindheit bis zur Mannesreife und während Seines ganzen Wandels kannte Er Gott als Seinen Gott - Er vertraute auf keinen anderen. Er wollte alles nur von Gott empfangen; Er wollte nur auf Gott vertrauen.

Er nahm völlig von dem Vertrauen auf das Fleisch oder irgend ein Geschöpf Abstand. Er war Sich dessen wahrhaftig und völlig bewusst, dass Gott Sich Ihm anvertraut hatte, um das, was in Seinem Herzen war, zustande zu bringen.

Dadurch, dass Er beschnitten wurde, nahm Er offensichtlich das Bundesverhältnis mit Gott auf, und zwar um alles das, was Gott in Seinen Gedanken der Segnung den Men­schen gegenüber war, anzuerkennen und zu genießen und auch darauf mit Wonne zu antworten, indem Er auf nichts anderes vertraute.

In Jesu wurde eine Menschen­art gefunden, die völlig außerhalb der Selbstgenügsamkeit und des Selbstvertrauens stand und die ihre ganze Kraft und alle Hilfsquellen in Gott fand.

Zum ersten Male stand Gott mit den Menschen in der Glückseligkeit des völlig gesicherten Bundesverhältnisses, und auch der Mensch mit Gott. Diese Beziehungen waren gewisser­maßen in von Gott begünstigten Heiligen zustande ge­bracht worden, jetzt aber war Einer da, in dem sie in ab­soluter Vollkommenheit gesichert worden waren.

Für uns konnten diese Beziehungen nur durch Seinen Tod zustandegebracht werden, und durch unsere „nicht mit Händen geschehene“ Beschneidung.

Zweifellos war Seine Beschneidung ein Bild Seines Todes, worin der Leib des Todes ausgezogen wird, und das Ergebnis davon ist, dass das dem Menschen natürliche und eigene Selbstvertrauen beiseite gesetzt wird; und Seine Heiligen werden dahin gebracht, völlig auf Gott zu ver­trauen.

In Ihm war nichts, was beseitigt werden musste, Er war aber in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde gekommen, und dieses Fleisch sollte in Seinem Tode ab­geschnitten werden, was Paulus mit den Worten: „Die Beschneidung des Christus“ erwähnt. Zweifellos war Seine Beschneidung, die damals geschah, als Er acht Tage eine Andeutung darauf, was durch Seinen Tod vollbracht werden sollte. Die Tatsache, dass Sein Name in Verbindung mit der Beschneidung Jesu genannt wur­de, zeigt, dass Seine rettende Kraft auf dem beruht, was in Seinem Tode vollbracht wurde.

Das Ergebnis davon, dass Gott dem Menschen wirklich zum Gott ist, sehen wir darin, dass der Mensch völlig für Gott ist. Der achte Tag wird in der Schrift mit dem, was für Gott ist, verbunden. In Bezug auf die Erstgeborenen der Tiere heißt es: „Am achten Tage sollst du es mir geben“ (2. Mose 22, 30). Am achten Tage sollte das männliche Kind beschnitten werden. Also ist der achte Tag der Tag Gottes, wenn Er Sein Teil bekommt. Das volle Ergebnis davon wird an dem Tage sein, den Petrus den „Tag Gottes“ und den „Tag der Ewigkeit“ nennt.

In Jesu wurde alles für Gott im Menschen gesichert; da war eine Vollkommenheit vorhanden, die durch den Tod in die Auferstehung hinübergehen und ewig dem Wohl­gefallen Gottes dienen konnte. In Jesu ist das Vorbild von allem, was in den zeitlichen oder in den ewigen Zu­ständen Gott Wohlgefallen bereitet. Er ging in den Tod, um den Menschen nach dem Fleische, der niemals Gott Wohlgefallen bereiten konnte, beiseite zu setzen; in Ihm aber wurde alles, was im Menschen vor Gott wohlan­nehmlich ist, völlig dargestellt. Wenn wir die Beschnei­dung annehmen— das Abschneiden des Fleisches im Tode Christi — und durch den Geist Gottes diesen Tod wie ein scharfes Messer auf das Fleisch in uns anwenden, werden wir erleben, wie es Gott wohlgefällt, für den Menschen zu sein, und in der Kraft davon werden wir für Ihn da sein. Das Vorbild von allem wird uns in Jesu gegeben.

Gott schloss Seinen Bund mit Abraham und gab ihm die Beschneidung als Zeichen dafür; und als Er Israel aus Ägypten herausführte, führte Er einen noch kostbareren Gedanken ein, nämlich dass Er den erst­geborenen Sohn für Sich haben wollte. Dies sind zwei der größten Gedanken in der Schrift. Er sagte: „Israel ist mein Sohn, mein Erstgeborener“, und Er beanspruchte jeden Erstgeborenen für Sich.

In Lukas 2 sehen wir den wahren Erstgeborenen, der Jehova heilig dargestellt wurde - niemals zuvor hatte es einen wahrhaftig heiligen erstgeborenen Sohn gegeben. „Das Heilige, das geboren werden wird, (wird) Sohn Gottes genannt werden.“ Das, worauf der Erstgeborene im Vorbilde hinwies, wurde jetzt in Jesu zur Wirklichkeit.

Im Allgemeinen sehen wir in der Schrift, dass das Erstgeborene der Natur beiseite gesetzt werden muss. Das Erstgeborene Ägyptens ist ein Vorbild des Erstgebore­nen der Natur, und das musste unter das Gericht kom­men.

Gott hat aber Seinen eigenen Gedanken über den Erstgeborenen, und Er verwirklicht ihn in Jesu. Gott hat jetzt die Versammlung der Erstgeborenen, die alle den Charakter der Erstgeborenen tragen. So etwas könnte in einer natürlichen Familie nicht gekannt wer­den. In der Familie Gottes sind alle Erstgeborene, weil alle an der Würde und Vorzüglichkeit Christi teilhaben.

Als sie kamen, um Ihn Jehova darzustellen, war ihrer­seits Reinigung nötig: nicht für das Kind, sondern für die Eltern. „Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Ge­setz Moses erfüllt waren, brachten sie ihn nach Jerusa­lem hinauf, um ihn dem Herrn darzustellen“ (Vers 22).

In 3. Mose 12, wo diese Verordnung uns gegeben wird, wird mit keinem Gedanken auf die Notwendigkeit der Reinigung für das Kind hingewiesen. Das Brandopfer und das Sündopfer waren für die Mutter, nicht für das Kind. Der Priester soll „Sühnung für sie tun“, das heißt, für die Mutter. Der Geist Gottes hatte das heilige Kind vor Sich; als Gott die Verordnung in Bezug auf den Erst­geborenen und auf die Reinigung festsetzte, dachte Er an Jesum. Das Brandopfer und das Sündopfer sind ein Hin­weis auf das, was für die Reinigung der Menschen ge­schehen sollte, das heißt für die in Maria dargestellte Reinigung Israels.

Ich habe manchmal gedacht, dass keine Opfer im Alten Testament jemals in der Schätzung Gottes ganz die Stelle dieser zwei Turteltauben und der zwei jungen Tauben haben konnten. Salomo und Hiskia und Josia brachten Tausende von Farren und Schafen dar, wer kann aber sagen, was diese zwei kleinen Vögel für Gott waren. Es gefiel Gott wohl, dass in Verbindung mit Jesu das be­scheidenste und allerkleinste Vorbild dargebracht wer­den sollte — zwei kleine Vögel —, äußerlich unbedeutend, aber für Gott bedeuteten sie sehr viel. Sie brachten das vor Gott, was Er durch das Kommen dieses Kindleins er­reichen würde, nämlich eine völlig neue Grundlage, auf welcher der Mensch angenommen werden sollte, und die völlige Abschaffung der Verunreinigung durch die Sünde!

Die Turteltauben und die jungen Tauben scheinen in besonderer Weise darauf hinzudeuten, wie die Gnade Gottes eingeführt wurde. Viele Tausende von Farren wurden bei der Einweihung des Tempels geopfert, nach außen hin war das eine recht große Veranstaltung. Als aber Gott Seine rettende Gnade einführte, brachte Er sie in einer Gestalt, die in den Augen des Menschen sehr unbedeutend war; nichts könnte ein besserer Beweis da­für sein, als ein in einer Krippe liegendes Kindlein.

Es bringt das Wesen der Verwaltung ans Licht. Gott bringt nichts öffentlich Großes hervor, Er bringt Seine Errettung dem Menschen in einer Gestalt nahe, die äußerlich klein und schwach zu sein scheint. Zwei Turteltauben oder Tauben waren für die äußerste Armut vorgesehen. Die Dinge waren in solch einer Unordnung in Israel, dass der Erbe des Thrones Davids nicht imstande war, mehr als zwei kleine Vögel darzubringen; es war unter diesen Umständen, dass Gott Seine höchste Gnade in die Welt einführte.

Die größten Dinge Gottes sind auf einem Wege gekommen, der äußerlich klein und schwach ist; es gab gar nichts, was den natürlichen Menschen beeindrucken konnte. Für den Glauben und für Gott ist wohl alles da, aber nichts, was dem Sinne des natürlichen Menschen dienen könnte.

Wir finden weiter einen Mann, dessen Name Simeon, „einer, der hört“, bedeutet; seine Ohren waren dem­gegenüber geöffnet, was der Geist Gottes zu sagen hatte. Es waren damals viele tüchtige Männer in Jerusalem, Schriftgelehrte und dergleichen, aber das Ohr Simeons war demgegenüber geöffnet, was der Geist zu sagen hatte. Haben wir jemals auf das gehört, was der Geist sagt? Der Geist erzählte Simeon von Jesu. Er wartete auf den Trost Israels. Was für einen Glauben hatte er! Israel war in einem beklagenswerten Zustande; die meisten von ihnen waren noch in Gefangenschaft, hier war aber ein Mann, der Israel im Lichte des Bundes und der Verheißungen betrachtete und der in seinem Herzen ihren kommenden Trost wertschätzte. Der Geist zog ihn ins Vertrauen und sagte ihm Dinge, die öffentlich gar nicht bekannt waren.

Es ist bemerkenswert, wieviel über ihn in Verbindung mit dem Geist gesagt wird. „Und der Heilige Geist war auf ihm ... Und es war ihm von dem Heiligen Geist ein göttlicher Ausspruch geworden, dass er den Tod nicht sehen solle, ehe er den Christus des Herrn ge­sehen habe ... Und er kam durch den Geist in den Tempel“ (Vers 25—27). Er war vom Geiste ins Vertrauen gezogen worden, und der Geist sagte ihm Dinge, die öffentlich unbekannt waren. Petrus sagte: „Da ich weiß, dass das Ablegen meiner Hütte bald geschieht.“ Er wusste, dass er seine Hütte ablegen musste; auch Paulus wusste, dass die Zeit seines Abscheidens vorhanden war. Sie wussten beide, dass der Herr zur Zeit ihres Lebens nicht kommen würde.

Der Geist stand in einem Vertrauensverhältnis zu Si­meon; dies ist möglich und einem jeden von uns zugäng­lich, wenn wir Liebe und die geistliche Befähigung dafür besitzen. Es ist höchst wichtig, nicht nur die Schriftstel­len zu lesen, die die Wahrheit betreffs des Kommens des Herrn ans Licht bringen, sondern in solch einem trauten Verhältnis mit dem Heiligen Geiste zu sein, dass wir ge­nau wissen, wie die Dinge stehen. Die Menschen be­schäftigen sich mit Ereignissen, aber auf diese Weise werden sie niemals etwas erfahren. Was die Versamm­lung anlangt, so wird die erste Bewegung zur Rechten Gottes stattfinden. Wer kann uns darüber berichten? Niemand außer dem Geiste; der Geist ist von dort ge­kommen, und Er ist in die dort bekannten Geheimnisse eingeweiht. Der Geist findet Wohlgefallen daran, einige hienieden zu haben, die Er in Sein Vertrauen ziehen und denen Er sagen kann, was zur Rechten Gottes vor sich geht. Das ist etwas sehr Begehrenswertes.

Simeon war gerade da, wo er sein sollte; er tat das Richtige zur rechten Zeit. Alles, was im Geiste getan wird, wird immer in einer für den angegebenen Augen­blick passenden Weise getan werden. Wir können uns nicht denken, dass ein vom Geiste beherrschter Mensch etwas Ungeziemendes tun würde. So kam Simeon gerade zur rechten Zeit in den Tempel, und Anna gleichfalls. Der Geist brachte sie gerade zur rechten Zeit an jenen Ort; Er kommt niemals zu früh oder zu spät: jede Re­gung des Geistes wird mit der größten Genauigkeit auf die rechte Zeit abgestimmt.

Simeon ist ein bemerkenswertes Vorbild oder Muster von dem, was bei den Heiligen im Blick auf die Wieder­kunft des Herrn möglich ist. Er war ein zubereiteter Diener, der bereit war, Ihn zu empfangen und Ihn auf seine Arme zu nehmen. Jesus hatte zu jener Zeit nicht den Thron Seines Vaters David, aber Er hatte die liebe­volle Umarmung von einem, der Ihn als das Heil Gottes zu schätzen wusste. Bedenkt diese Innigkeit und Liebe! Simeon nahm Ihn in seine Arme und wusste genau, wer Er war; ihm waren Seine Größe und Seine Majestät be­kannt, denn Er war das Heil Gottes.

Dies geschah im Heiligtum, deswegen liegt eine große Erweiterung darin. Simeon hatte einen viel weiteren Ausblick als irgend jemand vorher in diesem Evangelium. Er hatte einen weiteren Ausblick als Zacharias oder Elisabeth oder Maria oder gar der Engel. Seine Aussprüche reichen viel weiter als Israel. Der Engel sagte: „Ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird“ — das geht nicht weiter als Israel.

Simeon aber sagt: „Denn meine Augen haben dein Heil gesehen, welches du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker; er hatte die Welt vor sich. Deshalb fährt er fort: „Ein Licht zur Offenbarung der Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel.“ Darin kön­nen wir das weltumfassende Wesen der Gnade sehen. Gott will, dass alle Völker das schauen, was Er eingeführt hat; es sollte vor keinem verborgen bleiben.

Die Tatsache, dass die Nationen zuerst erwähnt wer­den, ist ein Zug der Gnade, der mit dem Lukasevangelium im Einklang steht. Das Licht leuchtete, um die Nationen als Gegenstände der göttlichen Gunst offenbar zu ma­chen; das war etwas Neues in den Wegen Gottes.

Das prophetische Licht hatte hauptsächlich geleuchtet, um zu zeigen, dass Israel der Gegenstand der Gunst Gottes war, aber das Kommen Jesu war „ein Licht zur Offenbarung der Nationen“; der Gedanke war, dass die Nationen unter der göttlichen Gunst stehen sollten.

Simeon hatte wahr­scheinlich solch eine Schriftstelle im Sinn wie Jesaja 49, 6, wo Gott prophetisch über Christum gesagt hat: „Ich habe dich auch zum Licht der Nationen gesetzt, um mein Heil zu sein bis an das Ende der Erde.“

Gott wollte die Nationen nicht unbeachtet lassen; Israel genügte Ihm nicht, wenn es auch die Herrlichkeit Seines Volkes Israel gab. Er wollte nicht das, was Israel gehörte, schmälern, denn welche Herrlichkeit Israel auch als der Gegenstand der Verheißungen und der Weissagung haben mochte, alles sollte in jenem heiligen Kinde in Erfüllung gehen.

Das Heil Gottes, Sein Licht und Seine Herrlichkeit waren dort in solch einer Gestalt, dass man sie liebreich und zärtlich umarmen konnte. Der Geist Gottes möchte uns dahin führen, dass wir diese ganze große und köstliche Gnade, die in Jesu gefunden wird, umarmen möchten.

Es gibt hier etwas Lieblicheres, Trauteres und Ge­segneteres als das, was wir bei Matthäus haben. Dort ist es so, dass, als die Magier Ihn sahen, sie niederfielen und Ihn anbeteten; es war durchaus geziemend, dass sie es taten, denn bei Matthäus wird Er in Seiner amtlichen und königlichen Herrlichkeit gesehen.

Bei Simeon haben wir einen lieblicheren und trauteren Gedanken; er nahm Ihn in seine Arme. Der Geist möchte auch uns dazu be­fähigen, Ihn zu umarmen. Simeon wurde nicht von einem Stern geleitet; das war etwas Schönes, aber Äußerliches und Entferntes — ziemlich weit Entferntes. Wir lesen von gewissen Personen, die die Verheißungen von ferne sahen und sie begrüßten oder umarmten. Man muss sich weit nach vorne strecken, um in der Ferne liegende Ver­heißungen zu umfangen oder zu umarmen!

Aber in Lukas 2 ist das Heil Gottes nahe, und es ist in einer solchen Gestalt, dass man es umarmen kann. Alles war da in Ihm, und es gibt sonst nirgends Licht, Herrlichkeit oder Errettung. Große Erwartungen und tiefes Begehren können in uns durch den Glauben erweckt werden; stellt euch aber die wunderbare Tiefe und Fülle der Erwar­tungen und des Begehrens vor, das der Heilige Geist einem Menschen verleihen kann.

Was wir bei Simeon sehen, ist, dass der Heilige Geist auf ihm war; in seinen Gedanken, seinem Bestreben und Begehren wurde er vom Geiste beherrscht. Es kam aber ein Augenblick, wo jede vom Geiste Gottes ihm eingegebene Erwartung und jedes Begehren erfüllt wurden; es war der glücklichste Tag seines Lebens. Man konnte dem nichts hinzufügen; in diesem sechs Wochen alten Kindlein war alles da; das Heil Gottes und die Herrlichkeit Israels waren da, um liebreich umarmt zu werden. Ein Mensch, der Ihn um­armt hatte, konnte nichts mehr wünschen; er sagt: Nun bin ich zu gehen bereit.

Simeon hatte auch das, was wir die dunkle Seite der Dinge nennen können, vor sich. Er sah nicht nur das hellste Licht, welches jemals menschlichen Augen ge­leuchtet hatte, sondern er sah auch die Zustände, in denen dieses Licht leuchten würde. Er sah, dass das Emp­fangen und das Ergebnis dieses Leuchtens gemischt sein würden. „Dieser ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vie­ler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird.“ Nach Jesaja 8 sollte Er zum Stein des Anstoßes und zum Fels des Strauchelns werden; viele würden fallen; das war sehr ernst.

Das Licht und das Heil Gottes und die Herrlichkeit Israels waren da, aber ihnen würde die Feindseligkeit des menschlichen Herzens entgegen­gestellt werden. Wie furchtbar, wenn menschliche Wesen über Jesum in die ewige Verdammnis straucheln!

„Aber auch deine Seele wird ein Schwert durchdrin­gen.“ Maria stellte den begünstigten Überrest Israels dar, dem das Kind geboren und der Sohn gegeben wurde, und dieser begünstigte Überrest sollte den tiefen Kummer erleben, dass das Volk Ihn verwarf. Er war das Heil Gottes, das Licht Gottes und die Herrlichkeit Israels, doch würde Israel, dessen Trost Er war, Ihn verwerfen. Das war wirkliche Seelenpein — ein die Seele durchdrin­gendes Schwert.

Simeon redet davon, dass die Überlegungen vieler Her­zen offenbar werden würden. Ich zweifle nicht daran, dass die Überlegungen aller Herzen ans Licht gebracht werden. Gott liebt aber, die Gedanken Seiner Heiligen über Jesum offenbar werden zu lassen.

Es ist über 1900 Jahre her, seitdem Er gestorben ist, und seitdem hat der Geist Gottes immerzu die Herzen der Heiligen mit Ge­danken über Jesum erfüllt. Wie viele Bücher brauchte man, um sie alle einzutragen! Betrachtet das Weib in Lukas 7. Sie befand sich zu Seinen Füßen, sie wusch sie mit ihren Tränen und salbte sie mit Myrrhe; die lieb­reiche Handlung offenbarte die Überlegungen ihres Her­zens.

Viele von uns sind gut bewandert mit den Wahr­heiten und mit den Lehren; wenn einer etwas Falsches sagt, entdecken wir es sofort. Dem Himmel geht es aber darum, dass wir Jesum in unseren Zuneigungen umarmen, so dass wir köstliche Überlegungen über Jesum haben, die geoffenbart werden können. Wenn man unsere Her­zen von innen nach außen drehen könnte, was würde da geoffenbart werden! Im Laufe von neunzehn Jahrhun­derten haben die Heiligen über Jesum gesprochen und gepredigt und Ihn gepriesen; sie haben Lieder gedichtet und gesungen; sie haben sich über Ihn unterhalten, und wieviele unausgesprochene und ungeschriebene Gedanken gibt es noch! Wenn alle diese Gedanken geoffenbart werden, wird es eine wunderbare Bibliothek für den Himmel zu lesen geben!

Anna führt uns eine andere Seite der Dinge vor Augen. Der Geist Gottes verweilt bei der Dauer und dem man­nigfaltigen Charakter ihrer Erfahrungen; das ist der be­merkenswerte Wesenszug bei ihr. Das, was Anna er­reicht hatte, hatte sie durch ein langes und erfahrungsreiches Leben mit Gott erreicht. Es war nicht bloß, dass der Geist ihr Dinge gesagt hatte, wie Er es mit Simeon tat, sondern sie war auch eine Frau, die jahrelang die Dinge erfahrungsgemäß selbst verwirklicht hatte.

Das ist es, was eine Prophetin kennzeichnet — eine Prophetin muss Seelenerfahrung haben, und das, was sie in lang­jährigen Erfahrungen mit Gott erworben hatte, wurde zum Worte Gottes im Zeugnis. Simeon stellt diejenigen dar, für die der Geist die Dinge bewirkt, Anna stellt aber das dar, was durch Seelenübung und Erfahrung aus­gewirkt wird; diese Wesenszüge müssen zusammen­gesetzt werden.

Es wird uns gesagt, dass Anna mit ihrem Manne sieben Jahre von ihrer Jungfrauschaft an gelebt hatte. Es scheint mir, dass das Leben mit ihrem Manne dem Verweilen im Tempel entgegengestellt wird. Sie musste erfahrungs­gemäß den Tod des Natürlichen erleben. Wie glücklich sie mit ihrem Manne auch gewesen war, es hielt sie da­von ab, sich selbst ganz und gar dem Dienste Gottes zu widmen. Gott brachte den Tod herein, und ihr ganzes Herz wandte sich Gott zu. Sie hatte tiefen Schmerz, aber das befreite sie. Von dem Augenblicke an widmete sie sich völlig Gott; sie wohnte im Tempel und diente. Ihr ganzer Lebenswandel änderte sich von dieser Zeit an — es war ein tiefernstes Erlebnis. Der Geist Gottes erzählt uns nicht diese Dinge umsonst. Anna lernte, dass das, was von Natur gesetzesmäßig erlaubt war, einen davon ab­halten kann, sich völlig dem Dienste Gottes zu widmen. Also war ihr ganzer späterer Lebenswandel durch Fasten gekennzeichnet, durch den Verzicht auf das Erlaubte im Bereich des Natürlichen. Sie hatte ihre Belehrung be­herzigt. Sie fastete nicht bloß manchmal, sondern sie diente immerfort „Nacht und Tag mit Fasten und Fle­hen“. Sie verharrte im Verzichten auf das, was der Natur nach erlaubt sein mochte, was aber, wie sie erfahren hatte, ihr dabei hinderlich sein konnte, sich gänzlich dem Dienste Gottes zu widmen. Vom Tode ihres Mannes an bis zu 84 Jahren hatte sie sich völlig dem Dienste Gottes gewidmet. Und sie betete; das Gebet bringt das, was aus Gott ist, herein. Durch den Verlauf ihrer Seelen­übungen erwarb sie sich die Erkenntnis der Gedanken Gottes für das Zeugnis; auf diese Weise wurde sie zur Prophetin.

Es ist uns verständlich, dass Anna von Jesu sprach. Sie lobte Gott und redete von Ihm; sie besaß das Wort Gottes im Zeugnis, aber es war das Ergebnis ihrer langjährigen Seelenerfahrung mit Gott.

Anna war aus dem Stamme Aser, was glücklich, glückselig bedeutet. Der Segen Asers ist sehr schön: „Von Aser kommt Fettes, sein Brot; und er, königliche Leckerbissen wird er geben“ (1. Mose 49, 20). Und weiter heißt es: „Gesegnet an Söhnen sei Aser; er sei wohlgefällig seinen Brüdern, und er tauche in Öl seinen Fuß! Eisen und Erz seien deine Riegel, und wie deine Tage, so deine Kraft“ (5. Mose 33, 24. 25).

Als im Tempel wohnend und in Fasten und Flehen verhar­rend, besaß sie das Fett und den Reichtum dessen, was Gott ihr sein konnte, und sie hatte das Wort Gottes im Zeugnis. Welch eine Fülle enthielten ihre Lobpreisungen Gottes! Alles, was sie durch jahrelange Seelenübungen zu schätzen gelernt und worauf sie gewartet hatte, war da in dem heiligen Kindlein, und Gott gab ihr den Zutritt zu vielen, denen sie wohlgefällig war; sie kannte alle, „welche auf Erlösung warteten in Jerusalem“. So erfahren wir, dass es in Jerusalem viele gab, welche auf Erlösung warteten, und ihnen wurden „königliche Leckerbissen“ gegeben, wenn Anna zu ihnen über Jesum redete.

Ein Zug der Gnade kommt in der Tatsache ans Licht, dass Anna aus Israel war und nicht aus Juda; da sie aus dem Stamme Aser war, stellt sie eher die zehn Stämme als die zwei dar. Es zeigt, dass Gott sogar in den zehn Stämmen etwas für Sich vorbehalten hatte. Anna würde Paulus Recht geben, wenn er sagt: „Unser zwölfstämmiges Volk, unablässig Nacht und Tag Gott dienend.“

Zweifellos wirkte Anna durch den Geist, es wird aber in ihrem Falle auf die langjährige Erfahrung, die sie mit Gott unter mannigfaltigen Umständen gehabt hatte, hin­gewiesen. Daraus ergab sich die Kraft zum Zeugnis. Simeon ist dadurch gekennzeichnet, dass er, wie wir sagen können, Jesum privat umarmte und über Ihn redete.

In Anna sehen wir aber das Wort Gottes im Zeugnis; sie ist eine Prophetin, und sie redet zu allen, welche in Jeru­salem auf Erlösung warten. Es gab solche in Jerusalem, die mit dem Himmel im Einklang waren, und solchen hatte Gott viel betreffs Jesu zu sagen. Es ist interessant zu sehen, dass der Geist der Weissagung nicht ausgestor­ben war; er fand sich, vielleicht in einer schwachen Form, in einer betagten Witwe. Das prophetische Wort war nicht weggenommen; der Geist der Weissagung ist das Zeugnis Jesu; deshalb redete Anna von Ihm.

Diejenigen, welche auf Erlösung warteten, waren das Ergebnis des Geistes der Weissagung, er hatte in ihnen Frucht hervor­gebracht. Gott hatte das bewahrt, was ein Geschlecht er­geben sollte, welches durch tiefes Interesse für Jesum gekennzeichnet war, so dass Anna eine beeindruckbare Hörerschaft hatte; sie hatte etwas zu sagen, was für die­jenigen, welche auf Erlösung warteten, von höchstem Interesse war. Zweifellos war dies ihr eine Belohnung für jene langen Jahre, während derer sie den Tod in Bezug auf ihre auserlesensten natürlichen Zuneigungen verwirklichen musste.

Denjenigen, welche auf Erlösung warten, kommt jeder vom Herrn gegebene prophetische Dienst zugute, und der Geist der Weissagung wird niemals weggenommen wer­den. Der Geist der Weissagung, der uns die Gedanken Gottes für den gegebenen Augenblick übermitteln kann, wird hienieden bleiben, bis das Reich aufgerichtet sein wird. Er wird hienieden sein, solange die Versammlung hier ist; und nachdem die Versammlung entrückt sein wird, wird der prophetische Geist hienieden sein, und er wird immer das Zeugnis Jesu sein. Alles, woran Gott Wohlgefallen finden kann, ist in Jesu, und alles, was Er richten wird, wird deswegen von Ihm gerichtet werden, weil es Jesu nicht entspricht.

Das macht das prophetische Wort interessant. Gott wird Babylon, Tyrus, Sidon, Ägypten und Assyrien richten, weil sie Jesu nicht ent­sprechen; alles, was Jesu nicht entspricht, wird hinweggetan werden. Die ganze Glückseligkeit Seiner Person ist augenblicklich für uns; wenn wir zusammenkommen, so geschieht das, damit unsere Herzen für Eindrücke von Jesu geöffnet werden.

Jesus kam in Zustände, welche den unsrigen gleichen; Er kam in Zustände hinein, in welchen Er heranwachsen musste, und Er hatte einen bestimmten Ort, wo Er heran­wachsen sollte. Zweifellos ist das von einem jeden von uns wahr, wie es auch von Jesu wahr war. „Sie kehrten nach Galiläa zurück in ihre Stadt Nazareth. Das Kindlein aber wuchs und erstarkte.“

Alles, worauf der Erstge­borene im Vorbilde hinwies, war in Jesu vorhanden; Vollkommenheit wurde in Umständen gefunden, wo ihre Entwicklung und ihr Wuchs an ihrer bestimmten Stelle gottgemäß verlaufen konnten.

Wir lesen in Sacharja 6,12: „So spricht Jehova der Heerscharen und sagt: Siehe, ein Mann, sein Name ist Spross; und er wird von seiner Stelle aufsprossen und den Tempel Jehovas bauen; und er wird Herrlichkeit tragen, und er wird auf seinem Throne sitzen und herrschen.“ Um den Tempel zu bauen, Herrlichkeit zu tragen und auf Seinem Throne zu sitzen und zu herrschen, musste Er zuerst von Seiner Stelle auf­sprossen.

Mit Galiläa und Nazareth war Schmach verbunden, aber der kleine Ort, die unscheinbare Stelle, der Ort der Schmach, waren dem göttlichen Wuchse günstig. Die ge­ringen Umstände und die gewöhnlichen Dinge des all­täglichen Lebens sind uns eine Prüfung, aber sie sind die von Gott bestimmte Stelle für geistliches Wachstum. Nazareth war tatsächlich günstiger als die Stadt Davids. Der Herr erinnerte Saulus von Tarsus aus der Höhe der Herrlichkeit daran, dass Er Jesus der Nazaräer war — Er wird ewig Jesus der Nazaräer sein. Er sprosste von Seiner Stelle auf; es war nicht eine nach außen hin oder den Umständen nach günstige Stelle.

Wir haben nirgends einen Bericht darüber, dass während des Lebens und des Dienstes des Herrn auf Erden sich irgend jemand in Nazareth bekehrte. Es war der Ort, wo der Herr aufstand, um zu lesen und wo Er ihnen sagte, dass diese Schrift vor ihren Ohren erfüllt war.

Niemals hat es eine so wunderbare Predigt gegeben, doch blieben die Zu­hörer völlig unbeeindruckt; das zeigt die wirkliche Kraft der Salbung. Jeder von uns kann zu mitfühlenden Zu­hörern predigen; aber die Gnade Gottes völlig gleich­gültigen Leuten vor Augen zu stellen erfordert göttliche Kraft.

Wir lesen hier, dass Er als kleines Kind in Nazareth mit Weisheit erfüllt war, und die Gnade Gottes war auf Ihm. Könnte es etwas Wundervolleres geben, als dieses kleine Kind von der frühesten Kindheit an aufwachsen zu sehen, indem Er keinen Augenblick einen törichten Gedanken in Seinem Sinn oder in Seinem Herzen hegte?

„Mit Weisheit erfüllt“ sein bedeutet, dass kein törich­ter Gedanke da war. Dann war die Gnade Gottes auf Ihm; an diesem Kinde war nichts zu sehen als nur das, was die Gnade Gottes zum Ausdruck brachte.

Die hier gebrauchten Worte deuten darauf hin, dass Er mit der Gnade Gottes bekleidet war. In Apg. 4 wird von den Jüngern gesagt, dass „große Gnade auf ihnen allen war“. Sie handelten der Gnade gemäß, indem sie ihre Besitz­tümer und ihre Habe verkauften und allen Bedürftigen gaben, so dass gesagt werden konnte, dass die Gnade Got­tes auf ihnen war.

Es ist wunderbar, an dieses kleine Kind zu denken, an dem nichts außer der Gnade Gottes zu sehen war, und das wurde von Tag zu Tag immer deutlicher, als Er zum Knaben heranwuchs.

Am Ende des Kapitels sehen wir, dass Jesus an Weisheit zunahm; Er war immer mit Weisheit erfüllt, alles war angemessen, und Vollkommenheit war immer vorhanden, aber alles entwickelte sich, als Er heranwuchs. Es war niemals etwas da, aus dem Er herauswachsen musste; Er brauchte niemals etwas zu verlernen. Das Vorhandene war immer an seinem Platze vollkommen, es gab aber darum auch Erweiterung; Er „nahm zu an Weisheit und an Größe“. Alles war angemessen, es war nichts Unnatürliches an dem Herrn.

Die Worte: „Das Kindlein ... erstarkte“ besagen, dass Er als aus der Schwäche des Kindheitszustandes sich ent­wickelnd betrachtet wird. Ein recht starker neugeborener Säugling wäre unnatürlich gewesen. Ein neugeborener Säugling ist schwach wie irgend etwas auf der Welt, und der Sohn des Höchsten kam in diesen Zustand der Schwäche, und Er wuchs daraus heran und erstarkte. Er wuchs heran aus der Schwäche eines Säuglings zu der Stärke eines Kindes und dann eines Knaben und schließ­lich zur Mannesreife.

Er machte alle Zustände des menschlichen Lebens durch, was Adam niemals tat. Adam hätte den Gemütsregungen eines Kindes kein Mitgefühl entgegenbringen können; er hätte sie gar nicht begreifen können. Jesus ist aber ein kleines Kind gewesen, so dass Er alle Seelenübungen eines kleinen Kindes mitfühlen kann.

Ich glaube nicht, dass irgend jemand von uns weiß, wie früh geistliche Übungen sich im Herzen eines kleinen Kindes zu regen beginnen; aber Jesus kann sie alle mit­fühlen. Samuel ist ein Beispiel von einem Kinde, das sehr früh in seinem Leben die Stimme des Herrn hörte, und solcher gibt es viele, Gott sei Dank!

Jesus hat jede Er­fahrung durchgemacht, die dem Menschengeschlecht auf dem Pfade des Glaubens von der Kindheit bis zur Man­nesreife zuteil werden konnte. Es gibt keinen Zustand des menschlichen Lebens, in welchem Gott nicht voll­kommen verherrlicht worden ist. Er ist dazu befähigt, den Tempel zu bauen und zu herrschen und das Priestertum auszuüben; zu dem allem ist Er deshalb fähig, weil Er von Seiner Stelle aufspross.

Jesus war in der Gestalt Gottes gewesen, aber Er machte Sich Selbst zu nichts. Er kam in eine Stellung der völligen Unterwürfigkeit und des Gehorsams; es war für Ihn ein neuer Zustand.

Was bei einem Geschöpf Ab­trünnigkeit bedeuten würde, war in Christo Vollkom­menheit. Menschliche Vollkommenheit ist in Jesu ge­sehen worden. Er war niemals etwas Geringeres als „Gott über allem, gepriesen in Ewigkeit“, aber Er stieg aus der größten Herrlichkeit der Gottheit an den Platz des Gehorsams hernieder; wir steigen von der Erniedri­gung unseres verlorenen Zustandes herauf, um durch den Gehorsam erhöht zu werden.

Was für eine Erniedri­gung für Christum! Was für eine Erhöhung für uns! Er nahm den Ihm von Gott bestimmten Platz an.

Wir sind unruhig und möchten oft gerne den Platz verlassen, wo Gott uns hingestellt hat. Wenn wir ihn aber verlassen könnten, so würden wir bloß der von Gott bestimmten Zustände für unser Wachstum verlustig gehen. Wir kön­nen sicher sein, dass Gott uns an den richtigen Platz stellt, wo wir wachsen können. Seine Bestimmungen sind nie­mals fehlerhaft.

In Jesu sehen wir die schöne Entwick­lung der Vollkommenheit, und alles entfaltete sich in Nazareth.

Dann haben wir eine wunderbare Begebenheit, welche vom Geiste Gottes ausgewählt wird, weil Gott uns nicht ohne einen Eindruck aus jenen dreißig Jahren lassen wollte. Der Geist Gottes wählte die Begebenheit aus, die am besten dazu geeignet war, uns solch einen Eindruck zu übermitteln.

Darin sehen wir zum ersten Mal die Interessen und Antriebe Seines Herzens. Die Entwicklung, von der wir gesprochen haben, ging vor sich bis zum Alter von dreißig Jahren; dann war sie vollständig. Der Herr Selbst sagt in Bezug auf das Wachstum: „Zu­erst Gras, dann eine Ähre, dann voller Weizen in der Ähre.“ Wir möchten sagen, dass Er als kleines Kindlein „der Grashalm“ war; mit zwölf Jahren war etwas zu sehen, was der „Ähre“ entsprach, und mit dreißig Jahren war „der volle Weizen in der Ähre“ vorhanden. Als völlig entwickelt, wurde Er zum Dienste gesalbt. Die Vollkommenheit, die wir an Ihm im Alter von zwölf Jahren sehen, ist nicht die Vollkommenheit in bezug auf den Dienst und die Predigt, sondern die Vollkommenheit in den Interessen Seines Herzens.

Joseph und Maria waren vortreffliche Menschen. Das, was wir über sie wissen, gibt uns einen tiefen Eindruck von ihrer Frömmigkeit. Sie gingen aber nicht so in den Dingen Gottes auf wie Er, und in dieser Begebenheit am Ende des Kapitels sehen wir einen gewissen Hinweis auf die Unzulänglichkeit ihrerseits.

Sie waren sich nicht des Wertes des kostbaren, ihnen anvertrauten Schatzes bewusst; sie gingen eine Tagereise weit ohne Ihn. „Seine Eltern gingen alljährlich am Passahfest nach Jerusalem“. Es war eine Versammlungsangelegenheit. Als Er zwölf Jahre alt war, gingen sie an den Ort hinauf, wohin Jehova Seinen Namen gesetzt hatte; ganz Israel musste dahin kommen. Andere mochten kommen, das Nötige tun und dann heimkehren; Jesus wurde aber von der Glückselig­keit des Ortes, wohin Jehova Seinen Namen gesetzt hatte, gefesselt.

Es ist eine Sache, sich den Versamm­lungsbräuchen anzuschließen, aber eine ganz andere, wenn das Herz durch die Glückseligkeit der Dinge Gottes gefesselt wird. Das letztere war Sein Teil; Sein Zurück­bleiben war die Frucht geistlicher Erkenntnis.

Es ist auf­fallend, dass die erste erwähnte Tat des Herrn diesen Charakter aufweist — es war mehr eine unmittelbare Erkenntnis als der Gehorsam einem Gebote gegenüber. Joseph und Maria stehen nicht in gutem Lichte bei dieser Begebenheit; sie hätten niemals eine Tagereise lang ohne Ihn gehen sollen. Und dann gerieten sie ganz und gar aus der Bahn heraus, auf der Er wandelte, als sie Ihn unter den Verwandten und Bekannten suchten.

Sie hät­ten wissen sollen, dass Er nicht auf dem Gebiete des Natürlichen lebte. Als sie nach Jerusalem zurückkehrten, suchten sie Ihn drei Tage lang, und sie kamen in den Tempel, was der letzte Ort war, wo sie Ihn gesucht hätten. Jesus sagt zu ihnen: „Was ist es, dass ihr mich gesucht habt? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“

Joseph und Maria stellen die­jenigen dar, die den Herrn wahrhaftig lieben, doch nicht geistlich genug sind, um zu wissen, ob Er bei ihnen ist oder nicht. Man vermutet oft Seine Gegenwart in einer Schar, wo Er aber nicht ist. Viele Leute sagen uns, sie wären zu Seinem Namen hin versammelt, und Er wäre bei ihnen zugegen, wenn Er vielleicht gar nicht dort ist. Joseph und Maria fanden, dass Er nicht bei ihnen war, nicht in ihrer Reisegesellschaft, und drei oder vier Tage waren sie ohne Ihn. Was für ein Erlebnis! Maria musste sagen, wir „haben dich mit Schmerzen gesucht“.

Es wäre gut, wenn es einige schmerzen würde, wenn sie ein paar Tage ohne den Herrn verbringen müssten. Wir sollten wissen, wenn Er nicht bei uns ist, und wir sollten nicht vermuten, Er wäre zugegen, wenn Er nicht bei uns ist. Maria und Joseph hätten wissen sollen, wo der Herr zu finden ist. Das war kein öffentlicher Dienst, sondern der Zustand Seines Herzens in Bezug auf die Dinge Got­tes.

Ich glaube, dass diese Begebenheit vom Geiste Gottes ausgewählt wurde, um uns zu zeigen, was Ihn in Seinen Zuneigungen und Interessen während jener dreißig Jahre beherrschte. Wir haben nur diesen einen kostbaren Ausspruch aus Seinem Leben während jener dreißig Jahre. Beschäftigt „in dem, was meines Vaters ist“ — das umfasst die dreißig Jahre, und zwar nicht im öffentlichen Dienst, sondern in dem, womit Sein Herz innerlich be­schäftigt war.

Seine Mutter hatte zu Ihm gesagt: „Dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.“ Doch Er legte das alles beiseite. Das, was Seines Vaters war, beherrschte Ihn; für Ihn waren Jerusalem, der Tempel, die Lehrer alles, was die Schrift von ihnen behauptete.

Indem der Herr heranwuchs, ging Er in dem Geistlichen auf, in dem Interessengebiet Gottes. Deswegen hörte Er den Lehrern zu und befragte sie. Wie dieses heilige Kind wohl über die Schriften nachgesonnen haben muss! Mit welch einem großen Interesse hörte Er denen zu, die das Gesetz und die Schriften lehrten! Was für Fragen muss Er gestellt haben, als Er ihnen zuhörte! Alle, die Ihn hörten, gerieten außer sich über Sein Verständnis und Seine Antworten. Das ganze Verständnis des Herrn und Seine Gedanken waren durch die Schriften gestaltet wor­den, Sein ganzes Interesse galt ihnen, so dass die, welche die Schriften lehrten, Ihn mehr interessierten, als sonst irgend etwas in Jerusalem. Das waren die Dinge Seines Vaters, und Er beschäftigte Sich mit ihnen. Auch wir sollten uns alle mit ihnen beschäftigen.

Die Zeit war für den Herrn noch nicht gekommen, um das öffentliche Werk aufzunehmen, das der Vater Ihm gegeben hatte, auf dass Er es tun sollte; das tat Er erst, als Er gesalbt wurde, aber Sein ganzes Herz und Seine ganze Seele wurden durch das, was Seines Vaters war, völlig in Anspruch genommen. Uns steht es offen, uns darum zu kümmern und damit beschäftigt zu sein, es ist ein innerer Zustand des Herzens.

Ich habe oft darüber nachgedacht, wie der Levit „nach aller Lust seiner Seele“ an den Ort kam, wohin Jehova Seinen Namen gesetzt hat (5. Mose 18, 6).

Diese Begebenheit ist niedergeschrie­ben worden, um uns zu zeigen, wodurch der Herr im Alter von zwölf Jahren beherrscht wurde, wo Sein In­teressengebiet bereits als Knabe lag.

Aber der auf diese Weise momentan gelüftete Vorhang wurde schnell wie­der zugezogen, denn Er war immer noch ein Knabe, und Sein Platz war der des Gehorsams. Er nahm an, was Gott für Ihn für diese Zeit angeordnet hatte, und diese An­ordnung war, dass Er denen, die an Ihm die Stelle der Eltern vertraten, untertan war. Er ging mit ihnen hinab nach Nazareth und war ihnen untertan.

Wie vollkommen war Er in allen Dingen! Und dort „nahm er zu an Weis­heit und an Größe, und an Gunst bei Gott und Men­schen“. Alles war moralisch so schön, dass die Menschen gezwungen waren, Ihm diese Gunst zuzusprechen. Die Zeit dazu war noch nicht gekommen, dass Sein Zeugnis ihr Gewissen berührte und die Feindschaft ihrer Herzen offenbarte.