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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

Lieber Hans Peter

Im Zuge gewisser Erfahrungen, Erprobungen und Umstände im letzten Jahr, habe ich in Bezug auf Selbstgericht und Wiederherstellung ein paar Artikel aus alten Botschafter des Heils abgetippt (letzte Woche), die bis anhin nur in Frakturschrift im Netz einsehbar sind.

Dinge, in denen wir immer wieder geübt werden. Vielleicht ist d

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C.A.C. - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

Kapitel 3

In den ersten Versen dieses Kapitels wird die öffentliche Stellung in Betracht gezogen; alles, was mit Israel öffentlich verbunden war, war zusammengebrochen. Die Zeiten der Nationen nahmen ihren Lauf, die römische Macht herrschte. Das war an und für sich ein Zeichen davon, dass Israel das Reich verloren hatte. Nachkommen Esaus waren untergeordnete Herrscher in dem, was das Reich Davids gewesen war.

Was das Priestertum anbelangt, so wird uns gesagt, dass es das Hohepriestertum von Annas und Kajaphas war, und Lukas behauptet anderswo, dass sie zu der Sekte der Sadducäer gehörten.

Wie ich es verstehe, war Annas abgesetzt worden, aber er übte weiterhin die Autorität des Hohenpriestertums aus, zusammen mit seinem Schwiegersohn Kajaphas.

Der Sinn davon ist, uns zu zeigen, wie das Reich und das Priestertum ihren göttlichen Charakter eingebüßt hatten. Die Männer, die das Priestertum ausübten, waren Sadducäer. Sie leugneten, dass es einen Geist oder eine Auferstehung gibt. Sie entsprachen den Ungläubigen der heutigen Zeit.

Wenn aber das Reich und das Priestertum auch zusammengebrochen waren, so gab es noch ein anderes Element, welches, Gott sei Dank, nicht zusammengebrochen war. Das Reich und das Priestertum hatten sich als unzulänglich erwiesen, aber das prophetische Wort geschah zu Johannes in der Wüste.

Gott behält Sich immer das Recht zu reden vor, wie groß der Zusammenbruch seitens des Menschen auch sein mag. Das ist ein wichtiger Grundsatz. Öffentlich ist die der Versammlung anvertraute Verwaltung zusammengebrochen, aber Gott behält Sich immer noch das Recht zu reden vor. Er hat auch am letzten dunklen Tage der Abtrünnigkeit der Versammlung geredet, und Sein Wort ist reines Wort, es bricht nicht zusammen.

Annas und Kajaphas waren die Hauptanstifter bei der Kreuzigung des Herrn. Das war der Charakter des Priestertums, sie waren durch und durch ungläubig.

Es ist ein großer Trost zu sehen, dass, wenn auch die dem Menschen anvertrauten Dinge zusammengebrochen sind, doch das prophetische Wort immer noch zur Verfügung stand, und es wird auch immer zur Verfügung stehen.

Das Wort Gottes geschah zu Johannes. Damals redete Gott im Blick auf das Auftreten Christi, und Er redet jetzt in den letzten Tagen der Versammlung im Blick auf die Wiederkunft Christi. Der Zustand der Dinge in der Versammlung ist ebenso schlimm, wenn nicht noch schlimmer als in Israel, aber Gott redet in einer klaren und deutlichen Weise.

Seit der Reformation hat Gott immerfort Licht gegeben. Jedes Jahrhundert hat mehr Licht gebracht. Das Wort Gottes ist gegeben worden, und das ist es, was das Volk Gottes frei macht. Sie konnten dem, was in Wirklichkeit das Wort des Menschen ist, dadurch entgehen, dass sie das Wort Gottes annahmen. Das Wort erzeugt ein Geschlecht, das Gott entspricht. Es ist der unverwesliche Same, und er erzeugt ein sich selbst ähnliches Geschlecht.

Ein Kennzeichen Philadelphias ist: „Du hast mein Wort bewahrt“. Solche Menschen nehmen das Wort Gottes an und schätzen es. Gott redet in Gnaden, und solcherart wird das göttliche Reden sein, solange die Versammlung noch hienieden ist. Das Wort Gottes ist das Wort der Gnade. Paulus sagt: „Nun befehle ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade.“

Das Wort Gottes an Johannes betraf die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden; es war ein Wort der reinen Gnade und es erzeugte Frucht; die Gnade Gottes erschloss einen neuen Boden, welchen das Volk einnehmen konnte. Die große Belehrung des Dienstes des Johannes ist, dass der Mensch es ausschließlich mit Gott zu tun hat. Gott war im Begriff, einen wunderbaren Weg einzuschlagen, aber dieser Weg musste vorbereitet werden, und Gott Selbst musste ihn vorbereiten.

Die Buße ist ein fruchtbarer Grundsatz in der Seele, denn er umschließt durch die Gnade das sittliche Zurechtbringen durch das Heil Gottes. Diejenigen, die von Johannes getauft wurden, gaben zu, dass für sie nichts anderes zu erwarten blieb als nur der kommende Zorn. Aber durch die Gunst Gottes war es ihnen vergönnt worden, einen völlig neuen Boden einzunehmen, indem sie sich selbst richteten und Gott um die Vergebung der Sünden und um Sein Heil anflehten. Die Buße ist das Ergebnis eines sittlichen Werkes Gottes in dem Menschen, demzufolge anerkannt wird, dass jegliche Segnung ausschließlich aus Gott sein muss. Es gibt keinen natürlichen Boden, auf welchem wir sie erlangen können.

Wenn Gott in Gnaden wirkt, so ist es, um alle Ihm im Wege stehenden Hindernisse oder Schwierigkeiten zu beseitigen. Das tritt in diesem aus Jesaja angeführten Verse ans Licht: „Jedes Tal wird ausgefüllt werden.“ Die Täler stellen das dar, was die gebührende Standhöhe nicht erreicht; da ist Mangel vorhanden, die Täler müssen ausgefüllt werden. Dies wird in den Volksmengen veranschaulicht, die es an Rücksicht anderen gegenüber fehlen ließen und die fragten: „Was sollen wir tun?“ Johannes sagt: „Wer zwei Leibröcke hat, teile dem mit, der keinen hat; und wer Speise hat, tue gleicherweise.“

Wenn Gott Sich ins Mittel legt, in Gnaden und Errettung zu wirken, so wird Er jeden Mangel ausfüllen. Andererseits gibt es aber Berge und Hügel, die erniedrigt werden müssen. Sie stellen solche dar, die gleich wie die Pharisäer sich rühmten, Abraham zum Vater zu haben. Alle derartigen Dinge müssen erniedrigt werden. wenn Gott in Gnaden wirkt, wird Er solche erniedrigen. „Das Krumme“ entspricht solchen Menschen wie den Zöllnern, die zu viel vom Volke verlangten; die Kriegsleute, die die Leute erpressten und sie fälschlich anklagten, ent­sprechen den „Höckerichten“.

Wenn Gott in Gnaden wirkt, so wird Er alles zurechtbringen, so dass alles Fleisch Sein Heil sehen wird. Das Ergebnis davon wird sein, dass alle sehen können, wie Gott den Menschen in allen Dingen zurechtbringen kann. Er wirkt auf alle Zustände ein, und Er setzt alles Unrechte zurecht, ob es mangelhaft oder hoch oder stolz oder krumm oder höckericht ist. Gott schlägt Seine eigenen Wege ein, um für Ihn passende sittliche Zustände zu bewirken.

Es gibt heutzutage viele krumme und höckerichte Stellen, wir müssen das beherzigen. Ist alles in unseren Seelen mit Gott in Übereinstimmung gebracht worden, so dass gar nichts mehr zurückgeblieben ist, was dem gnadenvollen Wege Gottes hinderlich ist?

Die Gnade Gottes wirkt, um vollkommene sittliche Berichtigung zu bewirken, und alles wird dadurch zustande gebracht, dass der Mensch sich dessen bewusst wird, was für ihn in Gott durch die Gnade vorhanden ist. Er muss jegliche Hoffnung aufgeben, selbst seinen Zustand zu verbessern. Die Taufe bedeutet, dass man solche Gedanken völlig aufgegeben hat: der Mensch muss unter dem Wasser verschwinden. Durch die Gunst Gottes ist es möglich, einen neuen Boden einzunehmen, Buße zu tun und Gott um die Vergebung der Sünden und um Errettung zu bitten. Die Errettung umfasst völliges sittliches Zurechtbringen.

Johannes lehrt die Notwendigkeit der neuen Geburt in einer sehr auffallenden Weise, obwohl er es nicht genau mit diesen Worten sagt. Er sagt zu ihnen; „Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken.“ Ich zweifle nicht daran, dass dies ein Hinweis auf die Notwendigkeit der neuen Geburt ist.

Wenn Gott aus einem Stein ein Kind macht, so ist das ein durchaus unumschränktes Wirken, und dass Gott also wirkt, ist die einzige Hoffnung für den Menschen. Soweit es sich um den Menschen handelt, ist in ihm gar nichts für Gott vorhanden; wenn aber Gott einen Stein zu einem Kinde macht, so ist es ein Wunder der Barmherzigkeit.

Der Mensch nach dem Fleische stammt moralisch von Satan ab. Er ist „Otternbrut“, und deswegen hat dieser Mensch niemals gute Früchte hervorgebracht, und er wird es auch niemals können. Johannes sagt, dass die Zeit gekommen ist, sich mit diesem Baume bis an die Wurzel zu befassen. Es handelt sich nicht bloß um die Frucht, sondern um den Baum; er sagt: „Jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen“; die Axt wird an die Wurzel der Bäume gelegt.

Die Wurzel ist das Wesen des Menschen nach dem Fleische. Der Mensch nach dem Fleische hat noch niemals gute Frucht gebracht, und die Zeit war gekommen, wo man nichts mehr von dem Menschen nach dem Fleische erhoffen sollte; der Baum sollte nicht nur abgehauen, sondern ins Feuer geworfen werden.

Es ist gewiss, dass, wenn man einen Baum abhaut, man nachher keine Frucht von ihm erwartet, und noch weniger würde man von ihm Frucht erwarten, wenn er ins Feuer geworfen worden ist. Das ist seine völlige und endgültige Verwerfung, so dass von der Zeit an von ihm nichts mehr zu erwarten ist, man kann ihn nicht wiederbeleben. Solch eine Behauptung schaute auf das Kreuz voraus, wo alles, was der Mensch nach dem Fleische ist, abgehauen und ins Feuer geworfen wurde, damit der Boden für ein neues Geschlecht freigemacht wurde, das Gott aus dem, was leblos war, aufgerichtet hat — „aus diesen Steinen“.

„Alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen.“ Das, was Gott im Begriff war, in Gnaden zu tun, sollte von Seinem Heil zeugen; und es wird so sein, wenn Gott Israel errettet. Wenn ganz Israel errettet sein wird, wird alles Fleisch in Israel das Heil Gottes sehen. Es ist jetzt die Absicht Gottes, dass alles Fleisch Sein Heil in Seinem Volke sehen sollte. Wenn die Kirche in Einheit geblieben wäre, welch ein Zeugnis hätte es in dieser Welt für das Heil Gottes gegeben — Menschen, die in Frömmigkeit und Gerechtigkeit wandeln und alle Tage ihres Lebens Gott dienen! Was für ein Zeugnis für die rettende Macht Gottes! Wenn ein Mensch, der ein berüchtigter Trinker war oder ein gottloses Leben führte, oder einer, der einen heftigen Charakter hatte, dem durch die Gnade Gottes entflieht und dann durch die entgegengesetzten Wesenszüge gekennzeichnet ist und ohne Prahlerei oder Anmaßung demütig mit seinem Gott wandelt — was ist das für ein Zeugnis!

Alle können das Heil Gottes sehen. Darin liegt Kraft. Die Leute merken sich die Christen ganz genau, sie beobachten uns die ganze Zeit, aber sehen sie das Heil Gottes an uns? Der Kerkermeister zu Philippi sah das Heil Gottes in Paulus und Silas, und er sagte: Ich möchte auch errettet werden. Die Hauptsache ist, dass die Menschen zu Gott bekehrt werden. Von Johannes war gesagt worden: „Viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren.“ Wenn der Mensch sich zu Gott bekehrt, wird Gott ihn in Gnaden zurechtbringen und erretten und ihm Buße und Vergebung der Sünden schenken, wie auch alles, was ihm not tut. Die ganze Frage besteht darin: Bekehren wir uns zu Gott? Der Natur nach haben wir allerhand eigene Auswege, das Geheimnis des Segens liegt aber darin, sich zu Gott zu bekehren. Im Evangelium sagt Gott gleichsam: Ich werde alles für dich tun, wenn du dich bloß zu Mir bekehrst. Das ist der Gott, mit dem wir es zu tun haben. Zum Schluss wird Er Seine Scheune voll von kostbarem Weizen haben.

Das Kennzeichen des sündigen Zustandes des Menschen ist, dass alle seine Gedanken sich um ihn selbst und um seinen Vorteil drehen. Die Menschen dieser Welt sind durch Selbstsucht gekennzeichnet, doch wenn die Gnade Gottes einen Menschen berührt, so beginnt er, an das Wohl der anderen zu denken, anstatt sich selbst zu leben (Vers 11). Hier wird nicht die Frage gestellt, ob die Menschen den Militärdienst verlassen sollen, sondern es geht darum, dass sie sich in diesem Dienst richtig verhalten.

Ich glaube, dass es Gott in Seiner wunderbaren Gnade Wohlgefallen hat, beinahe in allen Lebensständen irgend ein Zeugnis für Sich zu haben. Jeder Heilige sollte darüber in Übung sein, im Einklang mit seinem christlichen Bekenntnis zu sein. Es gibt keine Schriftstelle, die sagt, dass ein Mann, der ein Soldat ist, dies aufgeben muss; Gott hat dies der persönlichen Übung überlassen.

Es ist ein Teil der christlichen Freiheit, dass es eine gewisse Anzahl von Dingen gibt, worüber es keine Gesetzgebung gibt. Sie bleiben der persönlichen Übung überlassen, und in solchen Fällen handelt es sich darum, inwiefern ich Gott kenne. Es wird nur gesagt „mit Gott“ in dem Berufe zu bleiben, in welchem ich berufen worden bin. Wenn meine Gotteserkenntnis wächst, werde ich über Dinge in Übung kommen, über welche ich nicht in Übung war, als ich Gott nicht so gut kannte.

Der Christ urteilt nicht in einer gesetzlichen Weise über die Dinge, sondern nach der geistlichen Eingebung eines Menschen, der Gott kennt, aber natürlich im Lichte von all dem, wozu wir in den Schriften ermahnt werden, oder der darin befindlichen Grundsätze. Gott sieht es gern, wenn Sein Volk in den eigenen Übungen und seinen geistlichen Eingebungen gemäß vorangeht. Ein mit Heiligem Geiste getaufter Mensch wird gottgemäße Übungen ha­ben.

In allen hier betrachteten Fällen werden die Dinge richtiggestellt: die Täler werden ausgefüllt, die Berge und Hügel erniedrigt, die krummen Stellen werden gerade, und die höckerichten werden eben — alles wird zurechtgebracht.

Dann sagt Johannes: „Es kommt aber, der stärker ist als ich, dessen ich nicht würdig bin, ihm den Riemen seiner Sandalen zu lösen; e r wird euch mit Heiligem Geiste und Feuer taufen.“

Was für einen Begriff über den Kommenden muss das seiner Zuhörerschaft übermittelt haben! Johannes war von Mutterleibe an mit dem Heiligem Geiste erfüllt; er war ein außerordentlicher Mensch, aber der Herr war unendlich größer.

Ich glaube, es besteht am heutigen Tage eine besondere Notwendigkeit, über die Taufe mit Heiligem Geiste in Übung zu sein. Allenthalben um uns her reden die Menschen viel über die Taufe mit Heiligem Geiste, und sie verbinden sie mit allerhand Dingen, die mehr oder weniger die Aufmerksamkeit auf sich lenken — mit der Krankenheilung oder dem Zungenreden usw. An einem Tage, wo die religiöse Welt mit allerlei Gedanken über die Taufe mit Heiligem Geiste erfüllt ist, sollten wir darüber in Übung sein, uns ihrer geistlichen Echtheit zu erfreuen. Ich fürchte, dass bei uns ein Mangel an der Läuterung besteht, von welcher das Feuer redet. Es bedeutet die Reinigung von den Schlacken.

Die Wassertaufe weist auf die äußerliche Reinigung hin, wie die Bereinigung von bösen Verbindungen, das Feuer dringt aber in das Innerste ein; das läuternde Feuer des Schmelzers prüft das Innere. Es ist eine intensive Läuterung und ist mit dem, was der Herr in Mal. 3, 3 sagt, verbunden: „Er wird sitzen und das Silber schmelzen und reinigen; und er wird die Kinder Levi reinigen und sie läutern wie das Gold und wie das Silber.“

Feuer dringt in die allerinnersten Gefühle und Beweggründe des Herzens ein und lässt keine Schlacken ungerichtet. Wenn ich mit Zungen reden könnte, wäre ich eine ziemlich wichtige Person, viel wichtiger als eine, die es nicht könnte; und wenn ich Menschen heilen oder Wunder wirken könnte, wäre ich ein wunderbarer Mann. Aber innerlich mit Gott im Einklang zu sein, ist moralisch etwas viel Größeres, als solche Dinge zu tun. Der Geist und das Feuer würden einen läuternden Einfluss auf den Mittelpunkt des moralischen Wesens des Menschen ausüben, damit in seinen heimlichen Gedanken, Gefühlen oder Wünschen nichts Gottwidriges vorhanden ist. Sind wir bereit, uns dem hinzugeben?

Es ist zu befürchten, dass junge Menschen von einem göttlichen Pfade durch hochklingende Reden über die Taufe mit Heiligem Geiste und ihrem Ergebnis in äußeren Zeichen abgelenkt werden könnten. Wir sollten darüber geübt sein, Denjenigen zu kennen,, der mit Heiligem Geiste tauft. Johannes sagt: „Er wird euch mit Heiligem Geiste ... taufen.“

Ein großes Kennzeichen davon, dass wir mit Heiligem Geiste getauft sind, ist, dass wir harmonisch, als Glieder des einen Leibes, zu welchem Er uns getauft hat, zusammen wirken können. Die Taufe des Geistes bezieht sich genau genommen nicht auf den einzelnen, sie fügt alle Heiligen wesentlich in einen lebendigen Organismus zusammen, und der große Beweis der Kraft des Geistes besteht darin, dass wir als Glieder des Leibes entsprechend wirken. Als ein Glied des Leibes Christi in der rechten Weise zu wirken, ist moralisch etwas Größeres, als ein Wunder zu wirken oder mit Zungen zu reden.

Johannes redet über Jesum unter zwei Wesenszügen — als mit Heiligem Geiste und mit Feuer taufend, und als Seine Tenne reinigend. Das umfasst den Dienst Jesu gemäß dem Ausblick des Johannes. Er sichtet den Weizen durch die Taufe mit Heiligem Geiste, und das erfordert das völlige Hinwegtun dessen, was vom Fleische ist. Ich zweifle nicht daran, dass das Ergebnis des Dienstes des Johannes gesichtet werden musste. Es gab Weizen, aber auch Spreu. Der Dienst des Herrn bewirkte ein Durchsieben: Er entledigte Sich dessen, was wertlos war, sogar wenn es augenscheinlich mit dem, was aus Gott war, zusammenhing.

Ich nehme an, dass Johannes die Tatsache anerkannte, dass sich vieles in der Tenne als Ergebnis seines Dienstes befand, was in die Scheune nicht hineingehörte, und seine Worte enthielten die ernste Warnung, dass die Spreu mit unauslöschlichem Feuer verbrannt werden würde. Ich denke aber, dass wir das Durchsieben auch als eine Darstellung des Dienstes des Herrn, wodurch Er das wertlose Fleisch sogar bei wahren Heiligen beiseitesetzt, betrachten können.

Die Tenne ist der Platz, wo der Weizen sich auf dem Wege zur Scheune befindet. Sie entspricht dem gegenwärtigen Platz der Heiligen; wir sind jetzt auf Seiner Tenne, noch nicht in Seiner Scheune. Die Heiligen werden als Weizen betrachtet, d. h. als göttlich wertvoll, weil sie moralisch Genossen Christi sind. Feuer ist die durchdringendste Form der Reinigung, die es gibt, und es geht mit der Taufe mit Heiligem Geiste zusammen. Trotz aller Anmaßung wird alles, was vom Fleische ist, verbrannt. Das Taufen mit Heiligem Geist bewirkt das, was bestimmten Wert vor Gott hat, und es weist darauf hin, dass ohne den Geist kein eigentlicher Wert im Menschen für Gott vorhanden ist. Alles, was vom Fleische herrührt, ist wertlos; es ist schade, sich daran zu klammern, denn es wird alles verbrannt. Die Taufe mit dem Geiste erfordert solch ein Verwerfen des Fleisches, welches nicht möglich war, bevor der Geist gegeben wurde.

Im Alten Testament wurde noch etwas Raum für das Fleisch gelassen, jetzt wird ihm aber gar nichts gewährt. Wir dürfen von unendlicher Gnade reden, aber für das Fleisch gibt es keine Gnade. Mit dem Geiste getauft zu sein, bedeutet, dass Menschen durch den Heiligen Geist gekennzeichnet sein sollten, und außerhalb des Geistes kann nichts Gott Wohlgefallen bereiten.

Die Tatsache, dass die Axt an die Wurzel des Baumes gelegt ist, zeigt, dass die Zeit gekommen ist, wo Gott den Dingen an die Wurzel gehen würde. Er ging direkt an die Wurzel des Wesens des Menschen nach dem Fleische, und Er verfuhr damit auf solch eine Weise, dass Seiner Gnade in Christo freie Bahn geschaffen wurde. Wenn der durch Sünde und Tod gekennzeichnete Mensch abgehauen ist, ist die Bahn frei für den zweiten Menschen aus dem Himmel, auf dass Er das ganze Wohlgefallen des Himmels einführen möchte. Es geht um die Frage: Sind wir bereit, Ihm bei uns freie Bahn zu gewähren?

Es ist gut, sich zu merken, dass alles dieses das „Evangelium“ des Johannes für das Volk war. Das Ergebnis davon — der durch den Heiligen Geist gekennzeichnete Mensch — wird in Jesu vollkommen dargestellt werden, so dass wir das wahre Wesen des Weizens sehen, wenn wir Ihn anschauen. Der Weizen hat einen köstlichen Wert vor Gott, weil er durch den Heiligen Geist gekennzeichnet ist. Durchsieben ist nicht ein heftiges oder zerstörendes Verfahren wie Verbrennen; es beseitigt die Spreu auf eine sanfte Art. Die Worfschaufel verursacht eine Bewegung der Luft, welche die Spreu wegbläst; es ist eine sachte Regung, wirksam, aber nicht heftig: solcherart ist der gegenwärtige Dienst des Herrn. Ein großes Ziel, welches Sich der Herr bei allem Dienst setzt, ist, in einer praktischen Weise das Fleisch zu beseitigen. Er beseitigt es durch das, was vom Geiste ist und was in Ihm als Vorbild so vollkommen dargestellt worden ist. Es gibt Zucht und Dienst. Drangsal ist, glaube ich, ein Wort, das mit Dreschen verbunden ist, das Durchsieben kommt aber nach dem Dreschen. Wie ich es verstehe, ist dem Dreschen mehr der Charakter der Zucht eigen. Die Zucht Gottes ist immer von einer erlösenden Art; sie greift immer gerade dort ein, wo das Fleisch geneigt ist, besonders tätig zu sein. Das Durchsieben macht von der Spreu los, so dass sie nicht mehr zu sehen ist; nichts bleibt sichtbar außer dem Weizen, der dem Christus als Mensch im Heiligen Geiste ähnlich ist. Die Versuchung in Kap. 4 war nötig, damit das Wesen des durch den Heiligen Geist gekennzeichneten Menschen offenbar werde.

Das Verfahren des Durchsiebens würde viel schneller vor sich gehen, wenn wir uns mehr dem Herrn hingeben würden. Es ist bei uns ein großer Mangel an Unterwürfigkeit vorhanden wie bei Petrus, der sagte: „Du sollst nimmermehr meine Füße waschen!“ Es geht um die Frage: Worauf sind wir eingestellt, was wollen wir fördern? Wir säen entweder für das Fleisch oder für den Geist. Legen wir uns ins Mittel, Christum und den Geist hervorzuheben? In die Scheune kommt nichts außer dem, was Christo zum Wohlgefallen dient, denn es ist Seine Scheune.

Johannes hatte das volle Ergebnis des Kommens des Herrn vor sich. Der Herr taufte nicht tatsächlich mit dem Heiligen Geiste, bis Er zur Rechten Gottes ging, aber Johannes betrachtete das ganze Ergebnis Seines Kommens; er hatte das durch den Geist vor sich.

Lasst uns den Gedanken dessen, was göttlichen Wert hat, hoch schätzen. Es ist alles in Jesu zu sehen, und bis wir es dort erkannt haben, ist es zweifelhaft, ob diese Erkenntnis sich als Kraft in unseren Seelen auswirkt. Wenn man also gewohnheitsmäßig mit dem Fleischlichen vorangeht, so ist das ein Beweis für eine große Entfernung von Jesu; wir sind nicht unter Seinem persönlichen Einfluss. Das würde die Frage aufwerfen, ob wir den Getauften gleichen, mit denen Jesus Sich einsmachte. Diejenigen, die von Johannes getauft wurden und mit denen Jesus getauft wurde, waren solche Personen, mit denen Er Sich einsmachen konnte; sie gaben jegliches Vertrauen auf das Fleisch auf wie auch jeglichen Anspruch auf den Segen Gottes aufgrund der eigenen Güte; daran konnte Jesus teilnehmen. Diesen Boden konnte Jesus öffentlich einnehmen.

Nichts kann wunderbarer sein, als dass der Herr öffentlich den Platz einnimmt, der in den Worten von Ps. 16 geschildert wird: „Meine Güte reicht nicht hinauf zu dir.“ Er lebte in der erkannten Gunst Gottes; glückselig und sündenlos, wie Er war, war es Seine Wonne, auf dem Boden dessen zu stehen, was Gott dem Menschen war. Er, der Sündlose, nahm den Boden ein, dass Güte nicht vom Menschen zu Gott hinaufreicht, sondern von Gott zum Menschen herniederreicht. Sünder konnten auch auf diesem Boden stehen. Es ist wunderbar, dies zu sagen — es war ein gemeinsamer Boden für den Sündlosen und für die Bußfertigen.

Wenn der Mensch außer Gott keine Zuflucht hat — und das verursacht seine Sündhaftigkeit —, wird er zu einem Gefäß für den Empfang alles dessen, was Gott dem Menschen in Gnade ist. So erlangt der Mensch Segen; er gibt zu, dass er sündig ist und keine Ansprüche hat, und dass Gott seine einzige Zuflucht ist, und er wird dann zum Gefäß, um alles zu empfangen, was Gott in Seiner Gunst für den Menschen bereitet hat.

Der Mensch erreicht diesen Punkt, wenn er durch die Güte Gottes seiner Not als Sünder überführt wird; Jesus nahm diesen Boden in der reinsten und vollkommensten Gnade ein. Der Mensch erhebt sich dazu aus seiner Erniedrigung, Jesus stieg dazu hernieder auf einen Platz, wo Er sagen konnte: „Meine Güte reicht nicht hinauf zu dir.“ In Psalm 16 nimmt Er die Stellung eines Menschen ein, der auf Gott vertraute und deswegen alles empfing, was die reine und unbeschränkte Gunst Gottes mit Freuden gibt. Durch die Buße können sündige Menschen auch alles durch die unumschränkte Gunst empfangen. Deshalb war Jesus bei solchen; Er wurde getauft, und Er betete. Alles dem Menschen Geziemende wurde in Ihm als Vorbild dargestellt. Die Worte des Herrn an den Jüngling: „Was heißest du mich gut?“ sind im Einklang mit dem, worüber wir geredet haben.

Der Herr wird hier am Platze der völligen Abhängigkeit von Gott gesehen; es war ein glückseliger Mensch hienieden, über dem der Himmel aufgetan werden konnte. Nichts beengte jetzt den Himmel, nichts konnte seinen Erguss zurückhalten; der Himmel wurde aufgetan, weil ein Mensch in dieser Welt als ein gebührender Ruheort für den Heiligen Geist gefunden worden war.

Der Heilige Geist als Taube ist ein Hinweis darauf, dass Er einen Ruheplatz suchte. Die Taube Noahs suchte einen Ruheplatz, und der Psalmist sagt: „O, dass ich Flügel hätte eine Taube! Ich wollte hinfliegen und ruhen.“ Die Taube sucht Ruhe, und der Geist Gottes suchte im Menschen Ruhe, und Er fand sie endlich in Jesu, dem vollkommenen Menschen — in Demjenigen, der völlig den Platz der Abhängigkeit von Gott einnahm.

Hier sehen wir den zweiten Menschen aus dem Himmel, der vor Gott an der Stellung derer teilnahm, die allen Ansprüchen entsagten und sich völlig auf das warfen, was Gott in Seiner Gunst den Menschen gegenüber war. Wenn im Menschen für Gott nichts da war, so war in Gott alles für den Menschen da, und wenn die Menschen das erkennen, so werden sie zu Gegenständen des Wohlgefallens Gottes.

Jesus wurde hier öffentlich als der geliebte Sohn, an welchem Gott Sein Wohlgefallen gefunden hatte, anerkannt. Als Mensch entnahm Er alles Gott, Sein ganzes Wesen war Gott entnommen, und moralisch hatte Er immer von dem, was Gott Ihm war, gelebt. Er war der geliebte Sohn, und die Wonne Gottes war an Ihm.

In der Person Jesu wird der Mensch am Platze der Sohnschaft als dem Ruheplatz des Geistes gesehen, und das ganze Begehren des Herzens Gottes war überschwenglich in Demjenigen befriedigt, der zu Ihm aufschaute, um alles das zu empfangen, was es der göttlichen Gunst wohlgefiel, dem Menschen zu schenken.

Wenn wir diesen Reichtum und die Glückseligkeit dieser Gunst erlangen sollten, so hing das vom Vollbringen des Erlösungswerkes, von der Verherrlichung Jesu und der Gabe des Geistes ab; es wird hier aber in Jesu als Vorbild dargestellt. Er empfing alles von Gott: „Die Messschnüre sind mir gefallen an lieblichen Örtern; ja, ein schönes Erbteil ist mir geworden.“„Jehova ist das Teil meines Erbes und meines Bechers; du erhältst mein Los.“

Als der abhängige Mensch empfing Er alles, was es Gott wohlgefiel, dem Menschen als dem vollen Ausdruck Seiner Gunst zu schenken. Die Sohnschaft war zur Wonne Gottes vorhanden; der Mensch, der in der Person Seines geliebten Sohnes Sich der höchsten Gunst und Glückseligkeit bei Gott erfreute, wird hier als mit den Bußfertigen einsgemacht gesehen, mit solchen, die durch unendliche Gnade zu Seinen Miterben werden sollten. Alle diese dreißig Jahre hindurch war Er die Wonne Gottes gewesen; Er war immer in völliger Abhängigkeit von Gott gewesen, und die einsichtsvolle und liebevolle Antwort des geliebten Sohnes Gottes war immer vorhanden gewesen.

Die himmlischen Heerscharen hatten aber gesagt: „An den Menschen ein Wohlgefallen.“ Alles, was in Jesu als Vorbild dargestellt wurde, wird zum Wohlgefallen Gottes in „vielen Söhnen“ zustande gebracht. Das Wohlgefallen, das Gott an Jesu fand, wird Er an jedem Weizenkorn, das in die Scheune kommt, finden. Dies wird nach sehr einfachen Richtlinien erreicht; wenn wir den Platz einnehmen, dass wir gar keine Ansprüche haben, handelt es sich bloß um die Frage: Was ist die Gunst Gottes dem Menschen gegenüber? Wenn wir den Platz einnehmen, dass wir einige Ansprüche besitzen, können wir nicht ausschließlich aus der reinen Gnade allein empfangen. Nach dieser Richtschnur hat Gott gar keine Gunst.

Seine Gunst dem Menschen gegenüber beruht auf der reinen Gnade und hängt von Seinem Wesen ab. Der höchste Gedanke der göttlichen Gunst für den Menschen ist die Sohnschaft. Gott hat das in einem Menschen gesichert; das, was Er in dem Vorsatz Seiner Liebe von jeher gehegt hat, hat Er Sich in einem Menschen gesichert. Danach kann Er es Sich aber auch durch das Erlösungswerk in Millionen sichern.

Bei Markus und Lukas heißt es: „Du bist mein geliebter Sohn“, bei Matthäus aber: „Dieser ist mein geliebter Sohn.“ Bei Matthäus ist die Salbung mehr amtlich — Gott lenkt die Aufmerksamkeit auf Ihn: „Dieser ist mein geliebter Sohn.“ Wenn Er aber sagt: „Du bist mein geliebter Sohn“, so bringt Er Seine eigene Wonne an Ihm zum Ausdruck; das schließt das Versiegeln in sich.

Der Heilige Geist in leiblicher Gestalt wie eine Taube stieg auf Ihn herab. Das scheint den auffallenden Gedanken darzustellen, dass der Geist Gottes, der dem Menschen Seinen Charakter verleiht, in Jesu spürbar zum Ausdruck gelangen sollte. Wenn wir das Wesen des vom Geiste gekennzeichneten Menschen verstehen wollen, müssen wir Jesum anschauen; bei Ihm wurde das in leiblicher Gestalt zum Ausdruck gebracht.

Ich glaube, dass es hier das Geschlechtsregister der Maria ist; bei Matthäus ist es das gesetzmäßige Geschlechtsregister des Königs, das auf Joseph geht. Hier aber, wie wir schon früher bemerkt haben, wird es bis auf Gott zurückgeführt. Ich habe den Eindruck, dass jede der hier genannten Personen irgendwelche Wesenszüge von Gott besaß. Es ist nicht ein dem gefallenen Menschen entnommenes Geschlechtsregister, sondern es ist Gott entnommen.

Der Herr kam als die Fülle alles dessen, was die Gnade Gottes im Laufe von 4000 Jahren erzeugt hatte. Er kam als der Höhepunkt, und die ganze Fülle war in Ihm da. Der Herr nahm nicht an dem gefallenen Menschengeschlecht teil, sondern an dem Menschen als Gegenstand der göttlichen Gnade.