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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

Bekleidung                                        
Röcke von Fell 1. Mose 3.21   Bekleidung auf Grund eines Opfers das sterben musste.

Es ist das prinzipiell wichtigste Kleid!

Das darbringen der Opfertiere sollte zeigen dass der Mensch die Unterweisungen Gottes bezüglich des Heils verstanden haben.

Gott hat das erste Opfer gebracht und das letzte grösste auch.

  2. Korinther 5.1-4

Kleidung durch pflanzliche Mittel: 2. Mose 28.42;  3. Mose 16.4 = Linnen

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C.A.C.  - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

 

Kapitel 4

Wir wissen alle ziemlich viel über den Menschen im Fleische, nicht nur aus der Schrift, sondern aus eigener Erfahrung und durch Beobachtung anderer. Gott will aber, dass wir die in Seinem geliebten Sohne, der hienieden in Menschengestalt völlig zu Seinem Wohlgefallen weilte, geoffenbarte Schönheit verstehen und schätzen sollten. Er kam auf jenen Platz im Blick auf den Gedanken Gottes, viele Söhne zum Wohlgefallen Seiner Liebe zu haben. Gott wollte, dass es erwiesen werden sollte, dass ein Mensch, der voll Heiligen Geistes ist, „jeder Versuchung“ widerstehen kann.

Lukas ist der einzige Evangelist, der vom Herrn sagt, dass Er voll Heiligen Geistes war. Lukas stellt Ihn als das Gefäß in Menschengestalt für den Heiligen Geist dar. Mit einer Ausnahme ist Lukas der einzige der neutestamentlichen Schreiber, der darüber spricht, dass Menschen voll Heiligen Geistes sind. Die eine Ausnahme ist in Eph. 5, wo Paulus sagt: „Werdet mit dem Geiste erfüllt.“ Lukas aber redet wiederholt in der Apostelgeschichte darüber, dass die Jünger und Diener voll Heiligen Geistes waren. Diese Menschenart ist in Jesu als Vorbild dargestellt zu sehen.

In dieser heiligen Person war nichts Unpassendes. Er hatte es nicht nötig, passend gemacht zu werden. Wenn wir vom Heiligen Geiste erfüllt werden sollen, so ist es augenscheinlich, dass wir dafür passend gemacht werden müssen. Das ist uns persönlich nicht eigen, wie es bei Ihm der Fall war. Bei uns ist der passende Zustand, um den Geist zu empfangen, das Ergebnis davon, dass wir im Werte des Erlösungswerkes dastehen, und das wird durch das Wirken Gottes, welches uns durch viele Übungen hindurchführt, zustande gebracht.

Christus war aber persönlich ein passendes Gefäß, um voll Heiligen Geistes zu sein. Es ist ergreifend zu bemerken, dass Er im Augenblick mit dem Geiste versiegelt wurde, als Er Sich mit der bußfertigen Schar einsmachte. Das zeigt die Gott wohlgefällige Gesinnungsart. In Kap. 3 wird Er als persönlich Gott wohlgefällig gesehen, und das schloss Seine Versiegelung in sich, es war eine persönliche Angelegenheit. In Kap. 4 ist Er aber der gesalbte Diener. Das, was Er persönlich ist, überragt moralisch Seine amtliche Stellung und geht dem voraus.

Was uns anlangt, so ist es gut, über das, was wir persönlich und geistlich sind, in Übung zu sein, mehr als darüber, was wir öffentlich sein könnten. Man könnte dazu befähigt sein, dem Herrn auf irgendeine Weise zu dienen, aber es ist etwas Größeres, bewusst in der Sohnschaft zum Wohlgefallen Gottes vor Ihm zu stehen.

Im Herrn Jesu wird hier gezeigt, dass Er geistlich in voller Reifer passend war. Lukas stellt eine wunderbare Entwicklung in Ihm dar. Er führt den Herrn als Kindlein ein, und er lenkt unsere Aufmerksamkeit in einer auffallenden Weise auf Sein Wachstum, auf Sein Erlangen der vollen Reife. Ich habe das mit dem Wort des Herrn verglichen: „Zuerst Gras, dann eine Ähre, dann voller Weizen in der Ähre“ (Markus 4, 28). In dem kleinen Kindlein, auf dem die Gnade Gottes war (Luk. 2, 40), sehen wir den „Grashalm“; mit zwölf Jahren sehen wir die „Ähre“ - die Dinge nahmen eine bestimmte und einsichtsvolle Form vor Gott an; dann mit dreißig Jahren sehen wir den „vollen Weizen in der Ähre“ - alles war zur Reife gelangt. Da fehlte kein einziges Element von dem, was im Menschen Gott wohlgefällig sein konnte.

Auf diese Weise erscheint Er vor unseren Blicken als das unvergleichliche Gefäß voll Heiligen Geistes. Mit dem Herrn erschien ein ganz anderer Charakter der Dinge. Wenn wir den Charakter des Menschen als abhängig und voll Heiligen Geistes erkennen wollen, müssen wir Jesum betrachten.

In Bezug auf die Versuchung muss man sich merken, dass Er durch den Geist in der Wüste umher geführt wurde, um versucht zu werden. Der Geist gab die erste Anregung, nicht der Teufel. Es war nötig, dass das Wesen des Menschen, der abhängig und voll Heiligen Geistes ist, in Gegenwart der ganzen Macht und Hinterlist des Teufels offenbar werden sollte. Es war nicht eine Prüfung des Menschen, der unabhängig von Gott ist. Dieses Prüfen war viertausend Jahre lang vor sich gegangen, und jeden Augenblick hatte der unabhängige Mensch seine Unzulänglichkeit erwiesen. Gott wollte aber, dass es sich erweise, dass der abhängige Mensch, der voll Heiligen Geistes ist, imstande war, der ganzen Macht des Bösen zu widerstehen.

Es ist für uns etwas Großes, das zu verstehen. Es ist Gott wohlgefällig, wenn wir die Vollkommenheit Jesu betrachten und Ihn als das Vorbild dessen anschauen, was der Mensch als abhängig und voll Heiligen Geistes wirklich ist.

Die Wesenszüge, die sich hier zeigen, sind äußerst wichtig. Wir können sicher sein, dass der Teufel weniger wichtige Punkte nicht aufwerfen, sondern den Versuch machen würde, das anzugreifen, was Gott am kostbarsten und auch am wichtigsten war für das Leben des Menschen in Bezug auf Gott. Andererseits waren es genau diejenigen Wesenszüge, die der Absicht des Geistes Gottes gemäß ans Licht gebracht werden sollten.

Gott will unsere Herzen mit den bestimmten Wesenszügen Christi, die sich in Ihm bei der Versuchung offenbarten, beschäftigen. Das waren Wesenszüge, die sich für den Menschen in Bezug auf Gott geziemen. Wir sehen hier einen Menschen am Platze der menschlichen Verantwortlichkeit, und Er füllte diesen Platz mit gänzlicher Vollkommenheit aus. In Ihm sehen wir einen Menschen am Platze der Verantwortlichkeit ohne jede Unzulänglichkeit, ohne jede Unvollkommenheit, und Er war durch Abhängigkeit und die Anwesenheit des Geistes gekennzeichnet.

Es ist der Gedanke Gottes, den Menschen in seiner Verantwortlichkeit nach dem Vorbilde Jesu zu haben. Es ist der eigentliche Charakter der Söhne Gottes. Als Christ lerne ich, was mein Vorrecht als unter Verantwortlichkeit stehend ist, nicht vom Menschen nach dem Fleische, sondern von Christo.

Er kam an den Platz der menschlichen Verantwortung und Er hat ihn in gänzlicher Vollkommenheit ausgefüllt;  Er hatte gar keine Kraft und keine Hilfsquellen in Sich Selbst — darin liegt das Wunder —, sondern Er vertraute auf Gott. Er füllte diesen Platz als der abhängige Mensch aus, indem Er die ganze Kraft und Unterstützung dem Gott, dem Er vertraute, entnahm.

Er hat Seiner Verantwortlichkeit in genau derselben Weise entsprochen, wie wir das Vorrecht haben es zu tun. Wenn ich immer abhängig und voll Heiligen Geistes wäre, würde ich immer meiner Verantwortlichkeit zum Wohlgefallen Gottes entsprechen. Es ist Einer hier auf Erden als Mensch gewesen, der von jedem Worte Gottes lebte und jeden Augenblick und bei jedem Schritt von Gott abhängig war, und alles an Ihm diente zum Wohlgefallen Gottes.

Ich brauche wohl nicht zu sagen, dass in Christo viel mehr vorhanden war als bloß erfüllte Verantwortlichkeit, denn in Ihm war die vollkommene Darstellung der Gunst und Liebe Gottes dem Menschen gegenüber. Wir reden aber im Augenblick über das, was durch die Versuchungen des Teufels geprüft und ans Licht gebracht wurde. Als Ergebnis der Versuchungen kam die Tatsache ans Licht, dass es einen Menschen hier auf Erden gab, in dem das Verhältnis des Menschen zu Gott in völlig richtiger Weise zu sehen war, und es war so sichergestellt, dass die ganze Macht des Teufels das, was in Jesu für den Menschen geordnet war, nicht stören konnte.

Zweifellos wusste der Teufel, dass Er vom Himmel aus als der geliebte Sohn Gottes begrüßt worden war; es war aber dem Teufel moralisch unmöglich, die Person, die er versuchte, zu kennen. Wie könnte ein böses Wesen eine gänzlich wahre und heilige und gute Person verstehen? Wenn der Teufel Ihn moralisch erkannt hätte, hätte er Ihn niemals versucht; er hätte gewusst, dass es ganz zwecklos war, Ihm solche Dinge zu bieten. Gott ließ aber die Versuchung zu, und es geschah unter der Führung des Heiligen Geistes, dass Jesus in sie hineinging, auf dass der wahre Charakter des abhängigen und von Heiligem Geiste erfüllten Menschen offenbar werde und damit man sehen könnte, dass solch ein Mensch Sein Verhältnis mit Gott unbeeinträchtigt bewahren konnte.

In der Person Seines geliebten Sohnes hat Gott etwas in diese Welt eingeführt, was in Gegenwart der ganzen Macht des Bösen unveränderlich bleibt. Da war eine Vollkommenheit vorhanden, die die Teufel nicht berühren konnten, um sie in irgend einer Weise zu verderben.

Erstens war es wichtig, anschaulich zu beweisen, wieder Mensch in Bezug auf Gott lebt. Die erste Versuchung brachte das ans Licht; der Mensch lebt „von jedem Worte Gottes“. Er lebt von dem, was es Gott wohlgefällt, ihm mitzuteilen. Das war die große Belehrung, die Gott Israel in der Wüste einprägen wollte. „Er ließ dich hungern und speiste dich mit Man ... um dir kundzutun, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was aus dem Munde Jehovas hervorgeht.“

Durch das Empfangen von Mitteilungen von Gott lebt der Mensch. Es gibt für den Menschen, was seinen Geist angeht, der ja der eigentliche Mensch ist, kein anderes Leben; er kann von keinen äußeren Hilfsquellen leben. Der Natur nach wenden wir uns alle etwas anderem zu, doch schlägt das fehl. Wir denken, es würde uns befriedigen, dieses oder jenes zu tun, was wir uns selbst vorgenommen haben, doch auf dieser Richtlinie kommt es zu Demütigung und Hunger. Wie wir im Buche des Predigers sehen, wird das Begehren des Geistes des Menschen durch solche Dinge nicht gestillt. Wir entwerfen Pläne, und wenn Gott es erlaubt, bringen wir unser Vorhaben zur Vollendung. Wir finden aber, dass es auf dieser Richtlinie gar kein Leben gibt. Wir können aus Steinen kein Brot gewinnen, aber Mitteilungen von Gott befähigen den Menschen, zu leben.

Alle die Übungen in der Wüste waren dazu bestimmt, den Kindern Israel diese Belehrung beizubringen, und auch wir müssen sie beherzigen. Stoffliche Dinge, die wir auf eine natürliche Weise bekommen können, bringen unserem Geiste kein Leben in Bezug auf Gott.

Einige der Psalmen sind sehr kostbar, weil sie zeigen, wie hoch Menschen die Mitteilungen von Gott geschätzt haben. Menschen, die den Geist Christi hatten, schätzten Mitteilungen von Gott ungemein hoch ein. Die Psalmen 19 und 119 sind feine Unterweisungen in Bezug
auf die Kostbarkeit „jedes Wortes Gottes“.

Im Laufe von ungefähr dreißig Jahren hatte Jesus Selbst von den Worten Gottes gelebt und jedes Wort nach und nach als Licht und Stütze in Anwendung auf die Umstände, in welchen Er Sich damals befand, empfangen. „Jedes Wort Gottes“ hatte Er Sich zu eigen gemacht — nicht nur die Mitteilungen Gottes im Allgemeinen, sondern auch in allen Einzelheiten. „Jeden Morgen“ wurde Sein Ohr geweckt, damit Er hören möchte gleich solchen, die belehrt werden (Jes. 50, 4). Er gab jedem Worte Gottes Seinen Platz, und Er lebte von der Glückseligkeit dessen, was Ihm von Gott mitgeteilt wurde. Er wollte nicht auf das Anstiften des Versuchers hin Steine zu Brot machen, denn Er lebte in der Kraft einer Nahrung anderer Art.

Ich denke, wir haben alle erlebt, wie ein Wort, das uns vielleicht in Bedrängnis oder in prüfenden Umständen erreichte, alles verändert hat. Nicht, dass etwas äußerlich verändert wäre; die Umstände blieben alle dieselben, aber ein Wort von Gott war in unsere Seelen eingedrungen, so dass wir in der Glückseligkeit davon lebten. Das ist kostbarer, als wenn alle Hilfsquellen der Welt uns zur Verfügung ständen. Der Mangel an Hilfsquellen mag, manchmal prüfend sein und uns auf Gott werfen. Es ist aber eine noch größere Prüfung, im Überfluss zu leben und die Möglichkeit zu haben, jeden Herzenswunsch zu erfüllen und in solch einer Umgebung fähig zu sein, von jedem Worte Gottes zu leben. Das ist die wahre Glückseligkeit eines Heiligen.

Ich habe Menschen gekannt, die in Bezug auf diese Welt  große Hilfsquellen besaßen, die aber betreffs des Lebens ihres Geistes nicht in diesen Hilfsquellen lebten, sondern von Mitteilungen, die ihnen von Gott gegeben wurden. „Jedes Wort Gottes“ umschließt alle Seine Mitteilungen. Wir erlangen die Erkenntnis Gottes dadurch, dass wir Seinen Mitteilungen zuhören. Der erste Atemzug des Lebens in der Seele des Menschen ist der Augenblick, wenn er eine Mitteilung von Gott empfängt. Das gibt ihm etwas, was natürliche Hilfsquellen ihm nimmer geben könnten. Er erfährt die kostbaren Gedanken Gottes in Bezug auf sich, und er lebt von ihnen.

Hier geht es natürlich nicht um die Verleihung des Lebens, sondern um seine Erhaltung. Unsere Seelen haben es nötig, am Leben erhalten zu werden (Ps. 66, 9). Der Brauch, frühmorgens einige Verse zu lesen, ist eine gute Stütze für den Tag, und es ist wunderbar, wie oft man in dieser regelmäßigen Wortbetrachtung gerade das bekommt, was für den betreffenden Tag nötig ist. Wir werden uns dessen bewusst, dass dies das Wort Gottes für uns zu dieser Zeit ist. Wenn wir es nicht bekommen, so ist es sehr wahrscheinlich, dass wir vor Tagesschluss versuchen werden, irgendeinen Stein zu Brot zu machen.

Die zweite Versuchung bringt den großen und gesegneten Gegenstand des Dienstes und der Anbetung Gottes ans Licht, und diese können nur von solchen Menschen getan werden, die erkannt haben, dass man von Mitteilungen von Gott lebt. Gott ist bereit, jeden Tag zu uns zu reden; das lehrt Er uns durch das Manna. Er zeigt, dass Er jeden Tag für Sein Volk sorgt; Er gab nicht einen Vorrat für die ganze Woche, sondern einen täglichen Vorrat.

Der Herr Selbst als Mensch hienieden wusste, was es bedeutet, von jedem Worte Gottes zu leben, und wir haben den Bericht darüber, dass Er jeden Morgen Mitteilungen empfing. Jehova öffnete Sein Ohr, damit Er hörte gleich solchen, die belehrt werden (Jes. 50); es ist eigentlich das Wort „Jünger“; Er war der wahre Jünger. Sein Geist wurde nicht durch äußere Umstände oder Ermutigungen bewahrt, sondern durch jedes Wort Gottes.

Wenn Er sagen konnte, dass Sein Ohr geweckt wurde, so können wir daraus sehen, dass wir von Gott abhängig sein müssen, damit Er unsere Ohren weckt und jeden Morgen zu uns redet. Er ist durchaus bereit, dies zu tun. Er unterließ es niemals, das Manna zu geben. Er drohte kein einziges Mal, den Zufluss von Manna zu sperren, obwohl sie ungehorsam waren, sich empörten, Götzen dienten und ihre Herzen sich nach Ägypten zurückwandten.

Das Manna war ein besonderes Zeichen der Treue Gottes; es wurde niemals eingestellt, wie schlecht ihr Verhalten auch gewesen sein mochte. Wir haben es nötig, sehr in Übung darüber zu sein, dass wir am Leben erhalten werden, denn Gott ist ein lebendiger Gott, und Er will ein lebendiges Volk haben — ein Volk, das jeden Tag von neuen Mitteilungen lebt.

Der Herr Jesus hatte jeden Morgen neue Mitteilungen. Deswegen war Er zum Dienst befähigt; Er wusste den Müden durch ein Wort aufzurichten. Er sagte zu den Jüngern; „Alles, was ich von meinem Vater gehört, habe ich euch kundgetan.“ Er empfing Mitteilungen und gab sie weiter. Wenn ich etwas von Gott empfangen habe, werde ich auch etwas zum Weitergeben haben, und andere werden davon Nutzen haben.

Der ganze Umfang des Ehrgeizes des von Gott abgefallenen Menschen ist in der Gewalt und Herrlichkeit der Weltreiche zu finden, und das ist auch die Grenze dessen, was der Teufel geben kann. Er kann nichts jenseits des Todes geben, nichts für die Ewigkeit, aber die Gewalt und Herrlichkeit in dem gegenwärtigen, bewohnten Erdkreis kann von ihm verliehen werden. Er schlug Jesu vor, sie Ihm zu geben, wenn Er bloß vor ihm anbeten würde.

Dies bringt den schrecklichen Preis ans Licht, für den die gegenwärtige Herrlichkeit dieser Welt erworben werden kann. Sie zu begehren bedeutet eigentlich, sich vor einer Gott feindlichen Macht niederzubeugen. Aber der Sohn Gottes, der gepriesene abhängige Mensch voll Heiligen Geistes, ging völlig in Gott auf und in dem, was Ihm gebührte. Einer, der Gott anbetet, wird nicht durch eine Gewalt und Herrlichkeit angezogen werden, die der Teufel geben kann. Er hat eine Gewalt und Herrlichkeit von einer anderen Art vor sich. „Gott, du bist mein Gott! frühe suche ich dich. Es dürstet nach dir meine Seele.. . gleichwie ich dich angeschaut habe im Heiligtum — um deine Macht und deine Herrlichkeit zu sehen“ (Ps. 63, 1. 2).

Es ist auffallend, dass die Anbetung und der Dienst Gottes im Gegensatz zu dem Bestreben steht, die Gewalt und die Herrlichkeit dieser Welt zu besitzen. Wenn wir von dem leben, was Gott zu uns sagt, so ist das im Hinblick darauf, dass wir in einer priesterlichen Weise dienen und anbeten sollten. Die Söhne Gottes sind auch Priester und üben heiligen Dienst vor Gott in Seinem Hause aus. Wenn wir im Ausstrahlen der Liebe und der Wonne Gottes leben, so ist das, was sich aus dem Herzen ergießt, von einer anbetungsvollen Gesinnung durchdrungen. Gott hat jetzt ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum. Von Zacharias wird in diesem Evangelium gesagt, dass er „den priesterlichen Dienst vor Gott erfüllte“.

Diejenigen, welche das tun, finden keine Anziehungskraft für eine Macht und Herrlichkeit, die der Teufel verleihen kann. Das ganze Haus Gottes ist ein herrlicher Ort; da ist eine Macht und Herrlichkeit vorhanden, welche alles, was in der Welt ist, in den Schatten stellt.

Die Versuchungen stehen in einem Rahmen, der dem 5. Buche Mose entspricht, denn jede der vom Herrn angeführten Schriftstellen ist aus diesem Buche, und im 5. Buche Mose wird ein großer Platz dem Orte eingeräumt, den Jehova erwählt, Seinen Namen daselbst wohnen zu lassen, und wo man Ihm dienen und Ihn anbeten soll.

Unsere Aufmerksamkeit wird dadurch auf die Pracht dessen gelenkt, was Er auf Erden aufrichten will, und zwar im Gegensatz zu allem, was nach der Einschätzung der gefallenen Menschen Macht und Herrlichkeit besitzt. Ich zweifle nicht daran, dass der Tempel Salomos der prächtigste Bau war, der jemals auf Erden gestanden hat; er war „groß und wunderbar“; es war aber nur ein Vorbild, ein Schatten; wir aber haben es mit dem eigentlichen Tempel zu tun.

Das Haus Gottes, wie es augenblicklich auf Erden ist, überragt den Tempel Salomos in geistlicher Hinsicht um vieles, und wir brauchen nicht nach Jerusalem zu gehen, um es zu finden.

Der Teufel redet nicht zum Herrn über das, was Menschen die bösen Dinge in der Welt nennen würden, sondern über die Reiche dieser Welt mit ihrer Macht und Herrlichkeit; er erhebt Anspruch auf sie als ihm übergeben, und der Herr bestreitet nicht seinen Anspruch. In dieser Welt, welche der Teufel sein eigen nennen kann, mögen Gewalt und Herrlichkeit vorhanden sein und alles, was den Ehrgeiz, die Eitelkeit und den Stolz des Menschen befriedigen kann, aber das, was Gott gebührt, kann dort nicht gefunden werden.

Im Hause Gottes ist aber alles, was Seinem Wohlgefallen dient; es ist ein geistliches Haus, und die Schlachtopfer, die darin dargebracht werden, sind geistliche Opfer, und sie sind Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum.

Es gibt zwei große Systeme: das System der Welt, wo der Mensch ohne Gott mit Gewalt und Herrlichkeit angetan ist, und ein anderes System, wo eingesehen wird, dass alle Gewalt und Herrlichkeit Gott gehören und wo Ihm gedient und Er angebetet wird. In welchem System leben wir?

Das Haus Gottes ist die Versammlung des lebendigen Gottes, und es wird aus lebendigen Steinen erbaut, und dort wird Gott gedient, und Er wird angebetet. Als das Haus erbaut wurde, kam die Herrlichkeit hernieder und erfüllte es. Ich glaube, dies ist moralisch immer wahr: die Herrlichkeit Gottes erfüllt Sein Haus. Die Macht und Herrlichkeit Gottes so zu sehen, wie sie im Heiligtum gekannt werden, erlöst uns vom System dieser Welt. Der Gedanke am Ende von Eph. 2 ist sehr schön: „Der ganze Bau, wohl zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn.“ Die endgültige Vollendung ist noch nicht erreicht, aber die Züge, die dem heiligen Tempel eigen sind, nehmen die ganze Zeit hindurch zu.

Das ist nicht der Fall, wenn wir den Himmel erreichen, denn es ist „im Herrn“ und bezieht sich auf die Zeit, wo wir hienieden unter Verantwortlichkeit sind. Die Heiligen sollten jetzt etwas mehr das Gepräge des heiligen Tempels tragen als vor fünf Jahren. Wir werden nicht von der Welt dadurch befreit, dass wir einigen Dingen entsagen, sondern dadurch, dass wir uns der moralischen Größe eines Gebietes bewusst sind, wo alles geistlich ist, wo das ganze Licht Gottes sich befindet und wo Ihm gedient und Er angebetet wird.

Das große Anliegen Israels war, zu dem Ort hinaufzugehen, den Jehova erwählt hatte, um Seinen Namen dort wohnen zu lassen; sie mussten das immer im Sinn behalten; und unser wichtigstes Anliegen ist es, mit dem Dienst und der Anbetung Gottes in Seinem Hause beschäftigt zu sein. Dieses Haus ist ein guter Ort für Menschen, es wird uns aber in der Schrift hauptsächlich als ein Ort für Gott gezeigt, wo es etwas Wohlannehmliches für Ihn gibt — „geistliche Schlachtopfer, Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum“.

Der Teufel hatte es vor, die Gewalt und Herrlichkeit der Weltreiche dem Sohne Gottes zu geben, wenn Er vor ihm anbeten würde; der Besitz von solcher Gewalt und Herrlichkeit erfordert ein gewisses Maß Teufelshuldigung. Das ist eine sehr ernste Überlegung. Der Teufel sagte: „Mir ist sie übergeben“; das ist wahr, aber es ist nicht rechtmäßig, sondern besteht als Tatsache infolge der Lüste der Menschen.

Die Lüste der Menschen haben dem Teufel Gewalt verliehen, denn er kann solche Lüste gebrauchen. Die Gewalt und Herrlichkeit der Welt sind der große Preis des heillosen Ehrgeizes des Menschen geworden, weil sie jedem verdorbenen Begehren im Herzen des Menschen, der Gott nicht kennt, entsprechen.

Wie glückselig es ist, ein anderes System zu kennen, wo alles aus Gott ist, ein System, das mit der ganzen Vollkommenheit und Glückseligkeit Christi erfüllt ist — die Frucht Seines Werkes, und wo alles durch die Gegenwart des Geistes aufrechterhalten wird! Es gibt ein System, wo Gott und Christus und der Geist die Quelle von allem sind, und in diesem System werden Gott Dienst und Anbetung dargebracht; in dieser Welt wird Ihm nicht gedient, noch wird Er dort angebetet.

Lukas setzt die Versuchungen in ihre moralische Reihenfolge; Matthäus gibt die geschichtliche Reihenfolge. Das, was Lukas als die zweite Versuchung darstellt, war nach Matthäus die letzte in der geschichtlichen Reihenfolge; Als der Herr sagte: „Geh hinweg, Satan!“, war dies das Ende; danach sagte der Teufel nichts mehr. Lukas stellt aber die Versuchungen in ihrer moralischen Reihenfolge dar, denn er schreibt der Reihe nach (Kap.

1, 3), und er schildert die Versuchungen in einer anwachsenden Schwere. Zuerst kommt die Versuchung, Steine zu Brot zu machen, dann das Angebot des Teufels, die Gewalt und Herrlichkeit der Reiche der Welt zu geben, und dann zum Schluss bringt er das, was man die geistliche Versuchung nennen könnte.

Der Teufel ist der Verkläger; er verleumdet Gott den Menschen gegenüber, und er verklagt die Heiligen Gott gegenüber. Satan heißt „der Widersacher“, er ist derjenige, der sich in jedem Punkte Gott entschieden widersetzt.

Ich glaube nicht, dass irgend eine andere Familie dasselbe Vorrecht zu dienen und anzubeten haben wird, wie wir es haben. Jetzt wird Preis und Anbetung von denen dargebracht, die im Heiligtum gewesen sind; das wird im Tausendjährigen Reiche nicht so sein. Es ist dem Herrn eine Freude, wenn wir im Einklang mit Ihm preisen; die große Wonne Seines Herzens ist es, dass wir Seinen Gott und Seinen Vater kennen möchten, damit wir Ihn anbeten und Ihm dienen, und wenn Er uns bis zu diesem Punkte gebracht hat, ist das Seine höchste Befriedigung.

Wenn es dem Herrn wohlgefiel, Sich mit einigen armen Sündern, die bußfertig waren, einszumachen, wenn sie in Seinen Augen die Herrlichen der Erde waren, von denen Er sagen konnte, an ihnen wäre alle Seine Lust — was hat Er dann an denen für eine Lust, die von Ihm die Erkenntnis Seines Gottes und Vaters empfangen haben und die im Genuss der Gnade und Glückseligkeit leben, die Er ihnen gebracht hat! Was für eine unbeschreibliche Lust hat Er an solch einer Schar! Er sagt von ihnen, sie wären nicht von der Welt; sie gehören zu dem geistlichen System, das gänzlich außerhalb der Welt liegt.

Die dritte Versuchung war listiger als die beiden ersten, weil sie auf einer göttlichen Verheißung begründet war; es war der Vorschlag, der Herr sollte Sich eine Verheißung zunutze machen, die Ihn öffentlich als den Gegenstand der göttlichen Fürsorge darstellen würde. Der Teufel schlug vor, Gott auf die Probe zu stellen, ob Er Seinem Worte treu sein würde oder nicht. Das zu tun, wäre ein Beweis für den Mangel an Vertrauen auf Gott gewesen; es hätte bedeutet, Gott zu versuchen, wie das Volk es tat, als sie sagten: „Ist Jehova unter uns oder nicht?“ Der Herr antwortete darauf mit der Schriftstelle, die dieses zu tun verboten hat. Wir sehen daraus, dass Satan sich in den Schriften auskennt. Er wusste, dass Jesus der Sohn Gottes und der Messias war, und er kannte die Schriftstellen, die sich auf den Messias beziehen, und er führte eine solche an.

Ich nehme an, dass der Teufel die Bibel besser kennt als irgend einer von uns, und er führt sie oft für seine eigenen Zwecke an. Er führte aber vorsorglich nur soviel an, wie es seinem Zwecke entsprach; gleich darauf folgte ein Vers: „Auf Löwen und Ottern wirst du treten, junge Löwen und Schlangen wirst du niedertreten.“ Das führte er nicht an!

Nun wird die Frage aufgeworfen, ob ein abhängiger und vom Geiste erfüllter Mensch noch äußere Beweise dafür braucht, dass Gott für ihn sorgt. Der Herr Jesus hatte ein Heim; der eben angeführte Psalm sagt: „Wer im Schirme (am verborgenen Orte) des Höchsten sitzt,

wird bleiben im Schatten des Allmächtigen.“

Einer, der am verborgenen Orte wohnt — man könnte geradezu sagen im Schoße Gottes —, braucht keinen Umstand, kein Zeichen und kein Wunder, um ihn dessen zu versichern, dass Gott ihn liebt und für ihn sorgt. In Vers 4 dieses Psalmes heißt es: „Mit seinen Fittichen wird er dich decken, und du wirst Zuflucht finden unter seinen Flügeln.“ Nichts könnte rührender sein, als dass der gepriesene Gott Sich mit einem Vogel vergleicht, der seine Jungen liebreich pflegt; Er redet von dem Messias, den Er mit Seinen Fittichen deckt. Nichts konnte inniger oder trauter sein. Er war unter der Wärme der hegenden und liebenden Pflege Gottes, und Er brauchte kein äußeres Zeichen dafür.

Vers 9 dieses Psalmes zeigt die Zustände, in welchen Er lebte: „Weil du Jehova, meine Zuflucht, den Höchsten gesetzt hast zu deiner Wohnung.“ Das ist das Vorrecht des Heiligen. Der abhängige Mensch, der voll Heiligen Geistes war, genoss die Liebe Gottes in der innigsten Weise; Er lebte darin.

Es ist gesagt worden, dass wir in der Welt nicht leben können, und wir leben noch nicht im Himmel. Der einzige Ort, wo wir leben können, ist die Liebe Gottes. Wenn wir fortwährend in der erkannten Liebe irgend einer Person leben, denken wir nicht daran, diese Liebe auf die Probe zu stellen; das zu tun wäre ein Beweis des Misstrauens.

Ebenso ist es auch mit Gott; wenn wir Ihn auf die Probe stellen müssen, ob Er uns liebt und für uns sorgt oder nicht, so ist das ein Beweis des Unglaubens und des Misstrauens. Der Apostel sagt: „Wir rühmen uns auch der Trübsale ... denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben worden ist.“ Dies ist das Geheimnis.

Ich erkenne nicht die Liebe Gottes durch äußere Umstände. Er könnte es zulassen, dass ich schwer zu leiden hätte. Viele unserer Geschwister haben sehr schwer zu leiden; ihre äußeren

Umstände scheinen nicht davon zu zeugen, dass Gott sie liebt. Wir erkennen aber die Liebe Gottes durch die Tatsache, dass Christus für uns gestorben ist, und der Geist Gottes gießt diese Liebe in unsere Herzen aus. Wir haben ein Geheimnis; dieser Psalm spricht vom „Schirm (dem geheimen Ort) des Höchsten“. Die Liebe Gottes ist ein glückseliges Geheimnis und ist nur denen bekannt, die in das Licht des Todes Christi kommen. Als Christen schätzen wir dieses wunderbare Geheimnis.

Wir erkennen die Liebe Gottes auf zweierlei Art: durch ihren Ausdruck im Tode Seines Sohnes, und dadurch, dass der Geist sie in unsere Herzen ausgießt. Das ist wahrhaftig „der geheime Ort“, und wenn wir dort wohnen, brauchen wir kein Zeichen.

Es ist ein lieblicher Gedanke, dass Gott einen geheimen Platz im Herzen eines Menschen hat, wo Seine Liebe erkannt worden ist. Wir aber haben einen geheimen Platz im Herzen Gottes: „Weil er Wonne an mir hat“ (weil Er an mir hängt). Es war ein glückseliger Mensch auf Erden, der an Gott Seine Wonne hatte, und dies ist auch unser Vorrecht. Dann werden wir gar nicht daran denken, irgendein äußeres Zeichen Seiner Liebe zu brauchen; wir haben es insgeheim in unseren Herzen durch den Heiligen Geist. Sogar Hiob konnte sagen: „Tötete er mich, ich werde auf ihn warten“ (hoffen). Er hatte die Wurzel dieser Sache in sich.

Manchmal gefällt es Gott wohl, Seine Kinder in sehr prüfenden Umständen und in großem Leid zu lassen; Er scheint nicht ins Mittel zu treten. Ich habe viele Heiligen gekannt, die nicht einmal wünschten, dass Er ins Mittel treten sollte. Sie waren so glücklich in Seiner wohlbekannten Liebe, dass sie nicht wünschten, dass Er ihre Umstände ändere; sie wollten

kein äußeres Zeichen.

Das ist eine große Verherrlichung für Gott. Es ist ein großer Triumph für Gott, wenn es Ihm gelingt, einem Menschen, der sich in solchen Umständen befindet, das Bewusstsein Seiner Liebe nahezubringen. Ich erinnere mich an eine alte Schwester, die fünfunddreißig Jahre lang nicht die vier Wände ihres kleinen Zimmers verlassen hatte, und als meine Mutter sie besuchte und etwas über die Liebe Gottes sagte, antwortete sie: „O, die Liebe Gottes, sie verschlingt mich ganz.“ Sie befand sich am geheimen Ort.

Wir sollen das wertschätzen. Manchmal singen wir:

Der Herzen Zuflucht ist nun Deine Wohnung,

des Himmels unumwölktes Paradeis.

Das ist der verborgene Ort. Dann brauchen wir nicht die Liebe Gottes auf die Probe zu stellen. Die Schrift sagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen“; dies bezog sich auf die Kinder Israels in der Wüste, als alles fehlschlug und sie kein Wasser zu trinken hatten. Die Dinge sahen sehr düster aus; sie waren in einer Wüste ohne Wasser, das war eine schreckliche Sache. Sie sagten aber: „Ist Jehova unter uns oder nicht?“, und Gott vergaß das niemals; Er erinnerte sie mehrmals daran im Laufe ihrer Geschichte. Denkt daran, was Er alles für sie getan hatte: das Passahlamm, der Durchzug durch das Rote Meer, die Feuersäule bei Nacht und die Wolkensäule bei Tag, das Manna jeden Tag, und doch sagten sie: „Ist Jehova unter uns oder nicht?“

Was uns anbetrifft, so haben wir den Tod Seines Sohnes. „Christus ist für uns gestorben.“ Nichts in der Geschichte der Welt kann damit verglichen werden. Die Tatsache, dass der Teufel den Psalm 91 anführte, gebrauchte der Herr dazu, um die Aufmerksamkeit der Heiligen immerfort auf diesen Psalm zu lenken, der so schön das persönliche Verhältnis des Herrn Jesu als Mensch mit dem gepriesenen Gott ans Licht bringt, so dass dies ein Psalm ist, der eine eingehende und sorgfältige Erwägung verdient. Es ist ein Gespräch; es sind

mehrere Sprecher darin, aber er bringt das Verhältnis des Christus als Mensch mit Gott ans Licht.

Es ist von der höchsten Wichtigkeit, dass wir verborgenen Umgang in unserem Geiste mit Gott pflegen, auf dass wir immerfort die erkannte Liebe Gottes schmecken und nicht warten, bis wir in eine Klemme geraten, um dann Befreiung bei Gott zu suchen und diese dann für einen Beweis Seiner Fürsorge und Liebe halten. Wir leben besser die ganze Zeit über in der Lieblichkeit und Glückseligkeit der erkannten Liebe Gottes. Römer 8 sagt uns, dass uns nichts von der Liebe Gottes und der Liebe Christi zu scheiden vermag; dies sind Dinge, von deren Kostbarkeit uns nichts zu scheiden vermag. Warum sollten wir also eine Veränderung der Umstände herbei wünschen, um uns dessen noch sicherer zu machen, dass

Gott oder Christus uns liebt?

Es gibt nichts Demütigenderes, als daran zu denken, was für Kleinigkeiten uns außer Fassung bringen können. Das zeigt, wie wenig wir eigentlich in der Liebe Gottes leben. Wir verbringen unsere Zeit damit, Gott darum zu bitten, unsere Umstände zu ändern, während wir unsere Zeit lieber dazu gebrauchen sollten, Ihn darum zu bitten, dass w i r verändert werden sollten.

Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück; Er hatte die Prüfung in unverminderter Kraft überstanden. Zu Beginn war Er voll Heiligen Geistes, und Er war nicht ein bisschen weniger voll Heiligen Geistes, als Er zurückkehrte, um öffentlich Seinen kostbaren, gnadenreichen Dienst als der Gesalbte Gottes anzutreten.

Die ganze Gnade des Himmels wartete darauf, sich auf die Menschen zu ergießen. Sie brauchte aber ein passendes Gefäß, worin sie sich offenbaren konnte. Die vollständige und vollkommene Antwort darauf war in Jesu vorhanden, in dem nichts war, was mit dem Himmel nicht übereinstimmte. Der Himmel fand eine vollkommene Antwort hier auf Erden in einem Menschen, der vor dem Angesicht Gottes der geliebte Sohn war — der Gegenstand des Wohlgefallens Gottes — und vor dem Teufel war Er unantastbar.

Das ist Derjenige, in dem die Gnade Gottes zu den Menschen gekommen ist — zu uns. Es gefiel Gott wohl, dass das große Licht nicht in Judäa, sondern in Galiläa leuchten sollte, denn der Wert eines großen Lichtes wird am besten in der Finsternis erkannt.

Es hieß im prophetischen Worte, dass ein großes Licht einem Volke leuchten würde, das in der Finsternis und im Todesschatten saß, und dieses Licht leuchtet immer noch für uns. Es ist eine Person, die solch einen Charakter und so eine Befähigung besitzt, dass Sie imstande

ist, die ganze Gnade des Himmels dem Menschen zu bringen. Nun sehen wir Ihn voll Heiligen Geistes und mit göttlicher Autorität reden, Er redete in gänzlicher Gnade zu einem Volke, welches arm, gefangen und blind war. Er brachte die Botschaft der unermesslichen Gnade denen, die sie nicht verdient hatten.

Alles, was wir im Herrn in Seinem Wandel hienieden kennenlernen, lebt in Ihm im Himmel, so dass unsere Herzen zum Himmel, in die Höhe gerichtet werden. Jeder Einzelne in dieser Welt, der die Gnade Gottes kennt, hat sie bei Jesu kennengelernt. Er ist immer noch der gesalbte Prediger. Menschliche Gefäße sind bloß Mundstücke, Jesus aber ist immer noch der gesalbte Prediger; und der Epheserbrief sagt uns, dass Er zu den Nationen gekommen ist, um den Fernen Frieden zu verkündigen. Er sagt dasselbe vom Himmel, was Er auf Erden gesagt hat. Was wir zu tun haben, ist, dem Geiste Gottes zu erlauben, unsere Herzen mit dem Bewusstsein dessen, wer Jesus ist und was Er gebracht hat, zu erfüllen.

Die Tatsache, dass der Herr solch eine wunderbare göttliche Gunst den Menschen predigte, die sie nicht im Geringsten schätzten, zeigt, dass sie ganz von Gottes Seite kommt, denn es scheint, dass kein Einziger sich in Nazareth zum Herrn bekehrte.

Wir sehen diese Gnade in ihrer ganzen Oberhoheit, Majestät und Herrlichkeit, und sie leuchtet umso heller, weil sie in der Finsternis leuchtet. Nichts beeinflusste das Leuchten und die Predigt - die Gleichgültigkeit änderte die Predigt nicht um ein Tüpfelchen. Er kam an einen Ort, von dem Er wusste, dass man Ihn nicht schätzen würde: „Wahrlich, ich sage euch, dass kein Prophet in seiner Vaterstadt angenehm ist.“

Jesaja 61 war schon viele Male gelesen worden, aber niemals zuvor wurde es so wie an jenem Tage gelesen, denn es war mehr als ein Lesen der Schrift - es war eine Erfüllung der Schrift. Dann rollte der Herr das Buch zu. Er las nicht ein langes Stück - nur zwei Verse -, aber was für Bände waren in jenen zwei Verse enthalten!

Dann fügte Er etwas hinzu, was niemand zuvor hätte hinzufügen können: „Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt.“ Das war nicht von ungefähr; Er fand die Schriftstelle für jenen Tag; Er las nicht weiter.

Jesus stellt die Gnade des Himmels dar, und wenn wir wirklich bereit sind, Ihn wertzuschätzen, wird Er jedem von uns zum vornehmsten Gegenstand werden. Er sagte: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Befreiung auszurufen und Blinden das Gesicht, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, auszurufen das angenehme Jahr des Herrn.“

Sind wir nun arm und gefangen und blind, so werden wir Ihn schätzen. Oder sind wir von selbstgerechtem Stolz erfüllt? Das ist die Probe, und wenn wir uns dessen bewusst werden, dass wir blind sind, und dass wir wirklich die gute Botschaft der Befreiung vom Himmel nötig haben, so ist das nicht länger ein schönes Bild zum Bewundern. Es ist ein persönlicher Befreier, der das Herz fesselt und entzückt, so dass wir Ihm nachzufolgen willig werden, was es uns auch kosten mag.

Wenn der Herr gesalbt wurde, um gute Botschaft den Zerschlagenen zu predigen, so haben sidonische Witwen und syrische Aussätzige dasselbe Anrecht darauf wie andere. Bei der Witwe aus Sarepta und bei Naaman war etwas, was zerschlagen werden musste, damit jeder von ihnen den Reichtum der völlig unverdienten Gnade und Barmherzigkeit, die ihnen widerfahren waren, verstehen konnte.

Als der Herr Seine Zuhörerschaft über den wahren Zustand der Herzen überführte, kam zum Vorschein, dass sie gar nicht arm, blind, zerschlagen und gefangen waren. Sie waren gar nicht in dieser Gesinnung, denn sie führten Ihn bis an den Rand des Berges, um Ihn hinabzustürzen. Wir nehmen die Gnade nicht sehr bereitwillig auf. Es ist sonderbar, wie wenig das Herz bereit ist, die reine Gnade zu erfassen.

Die Überführung von Sünde ist das Ergebnis des unumschränkten Wirkens Gottes. Es ist ein göttliches Wirken, das wir nicht erklären können und das keine menschliche Macht zustandebringen kann.

In den Versen 33 - 41 sehen wir die Gnade in ihrer Anwendung. Der Zustand des Menschen ist derart, dass er für den Dienst nach Gott  und nach dem Menschen hin gänzlich unfähig ist. Aber die gnadenreiche Macht von Jehovas Horn des Heils trat darin zutage, dass der unreine Dämon in der Synagoge seines Besitzes beraubt wurde, damit der Mensch in einem für die Heiligkeit Gottes und für den Dienst Gottes passenden Zustande sein möchte.

Dann war die Schwiegermutter des Simon infolge des Fiebers für den Dienst den Menschen gegenüber unfähig, und die Anwendung der Gnade auf sie setzte sie in völlige Freiheit für den Dienst den Menschen gegenüber. Sie stand auf und diente ihnen.

Diese zwei Begebenheiten sind allgemein charakteristisch für das Lukasevangelium. Gott hat eine Person eingeführt, welche durch die Anwendung Seiner Gnade die Menschen von allem zu befreien imstande ist, was sie für den Dienst nach Gott und den Menschen hin unfähig machte.

Eine große Menge Menschen verlangt nach Befreiung; das Geheimnis davon liegt in einer Person, und diese Person steht uns völlig zur Verfügung. Die ganze in Ihm vorhandene Kraft steht uns in unseren moralischen Schwächen und Nöten ebenso zur Verfügung, wie sie den Menschen leiblich zur Verfügung stand, die in den Tagen Seines Fleisches mit Ihm in Berührung kamen.

Wir müssen zu den Evangelien zurückgreifen, wenn wir den Charakter der Person, von welcher die Briefe reden, erkennen wollen. Die Lehre wird in den Briefen entfaltet, den wesentlichen Inhalt müssen wir aber in den Evangelien suchen. Das Wesen und die Kraft der Befreiung liegen in der Person Christi.