Suche

UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

 

Der Esel und das Lamm

 

 


Der Esel und das Lamm        (2. Mose13,13)

 

 

 

Und jedes Erstgeborene des Esels sollst du mit einem Lamme {S. die Anm. zu Kap. 12,3} lösen, und wenn du es nicht lösest, so brich ihm das Genick; und jedes Erstgeborene des Menschen unter deinen Söhnen sollst du lösen.

 

Ei

...

C.A.C.  - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

 

Kapitel 5

Kapitel 4 endet mit einer Erwähnung des „Evangeliums vom Reiche Gottes“. Das Reich Gottes ist etwas ganz Neues; wir können im Alten Testament nur prophetisch davon lesen; an sich war es noch nicht da. Das Neue Testament beginnt mit dem Ausspruch, dass es nahe gekommen war.

Niemals gab es solch ein freudevolles Reich wie das Reich Gottes; sein Charakter wird durch den „neuen Wein“ dargestellt — ein Wein, der reichhaltiger und köstlicher als irgendein auf Erden bekannter Wein ist; es ist in der Tat „guter Wein“.

Von den Männern zu Pfingsten wurde zum Spott gesagt: „Sie sind voll süßen Weines“, geistlich war das wirklich wahr; so manches wahre Wort wird zum Spott ausgesprochen. Der Herr will, dass ein jeder von uns voll neuen Weins sein sollte. Er kam in diese Welt, um ihn zu sichern, und Luk. 5 zeigt, wie Er Gefäße sichert, die die kostbare Gnade, die Er vom Himmel herniedergebracht hat, enthalten sollen.

Das Kommen des Herrn in diesem Evangelium soll drei Dinge sichern: Herrlichkeit Gott in der Höhe, Friede auf Erden und an den Menschen ein Wohlgefallen. Das ist es, was Gott will, und um dies zu sichern, fing Er damit an, dass Er einen Menschen einführte, an welchem Er völliges Wohlgefallen gefunden hatte. Das Wirken Gottes zielt darauf hin, uns in unseren Zuneigungen voll und ganz mit diesem Menschen zu verbinden, damit wir zu Gegenständen des Wohlgefallens Seines Herzens werden — damit Er an uns wie an Christo Wohlgefallen haben möchte.

In Kap. 4 haben wir ein wunderbares Gefäß, welches fähig ist, die ganze Gnade des Himmels den Menschen in dieser Welt zu bringen — die ganze Gnade des Herzens Gottes. In Kap. 5 wird uns eine Anzahl Gefäße vor Augen gestellt, die dazu tüchtig gemacht worden sind, neuen Wein zu enthalten — sie wurden alle aus dem einen wunderbaren Gefäß gefüllt. Das gibt uns einen wunderbaren Begriff des Reiches Gottes.

Am Anfang dieses Kapitels drängen sie auf Ihn an, um das Wort Gottes zu hören. Wir sehen aber, dass Predigen und Hören nicht genügen; es muss ein Werk Gottes in den Seelen der Menschen vorhanden sein, um die Gleichgestaltung der neuen Gefäße zustande zu bringen. Das ist es, was wir hier veranschaulicht sehen. Der Herr predigte, und die Volksmenge hörte, aber außerdem wurde ein Werk Gottes in der Seele von Simon Petrus gewirkt — ein unumschränktes Wirken, welches zweifellos bildlich in der Anzahl der in Simons Netz gefangenen Fische dargestellt wird. Eine Bewegung unter der Oberfläche brachte alle diese Fische in Simons Netz. Es war eine Bewegung des unumschränkten Willens Gottes, denn vorher waren keine Fische da; sie hatten sich die ganze Nacht hindurch bemüht und nichts gefangen. Der Gedanke wird angedeutet, dass Gott in den Seelen der Menschen wirken muss, damit aus der Masse des Menschengeschlechts einiges für Sein Wohlgefallen heraus­genommen wird.

Der erste Grundsatz beim Gestalten eines neuen Gefäßes ist das Überführen von Sünde. Es war eine neuartige Überführung von Sünde, die kein Sünder, der jemals in dieser Welt gelebt, vorher erlebt hatte. Kein Mensch wurde jemals zuvor in der Gegenwart Jesu der Sünde überführt, und das machte den ganzen Unterschied aus. Er fiel zu den Knien Jesu nieder, weil außer der Überführung von Sünde eine mächtige Anziehungskraft da war. Das ist die Anziehungskraft, die die Menschen festhält. Die Überführung von Sünde ist das Netz, in welchem Gott die Menschen fängt, es heißt aber: „Ihr Netz riss.“

Es konnte das Gefangene nicht halten. Ihr „Netz“ stellt das dar, was ihnen bekannt war, nämlich das Gesetz und die Propheten. Das mochte die Menschen überführen, aber es konnte sie nicht für Gott festhalten. Im Gesetz und in den Propheten war keine Anziehungskraft — ihnen war keine Kraft eigen, die Menschen für Gott zu halten — in Jesu ist aber eine Anziehungskraft, die die Menschen für Gott halten kann. Das ist das Wesen der zum Christentum gehörenden Überführung von Sünde: die Menschen werden zutiefst von ihrer Sünde überführt, es kommt aber in ihre Seelen das Bewusstsein der wunderbaren Anziehungskraft, die in Jesu ist; das hält sie für Gott.

Die alten Geistlichen pflegten über den Unterschied zwischen gesetzlicher Buße und Buße durch das Evangelium zu reden, und das war ziemlich. richtig. Nehmen wir an, ein Mensch stände unter dem Berge Sinai, mit seinem Donner und Blitz, und hörte die schrecklichen Worte: „Stirb ohne Barmherzigkeit“ — dieser Mensch kann in seiner großen Angst von Sünde überführt werden.

Das ist aber nicht die Überführung von Sünde, die Gott heute den Menschen gibt. Ein Mensch könnte sich dessen bewusst werden, dass er über dem Abgrund der Hölle steht und jeden Augenblick hinabstürzen kann — das ist aber nicht die Art der Überführung, die Gott heute den Menschen gibt. Es gibt eine neuartige Überführung von Sünde, die zum Reiche Gottes gehört, zum neuen System der göttlichen Gnade.

In Kap. 4 ist Jesus der Prediger und der Befreier, in Kap. 5 ist Er aber der Bräutigam. Am Ende von Kap. 5, wo die Pharisäer Ihn fragten, warum Seine Jünger aßen und tranken, während die Jünger des Johannes fasteten, antwortete Er: Der Bräutigam ist da, alles ist jetzt neu. Sogar die Überführung von Sünde trug einen anderen Charakter; es war anders, als irgend jemand es zuvor erlebt hatte. Simon Petrus fiel nieder, aber er fiel zu den Knien Jesu nieder. Er war so nahe bei Ihm, wie er nur sein konnte; die Anziehungskraft war groß in seinem Herzen.

Das ist die Art der Überführung von Sünde, die Gott jetzt den Menschen gibt; sie fühlen, wie völlig unpassend sie für Jesum und für Gott sind, gleichzeitig werden sie aber von dem Bewusstsein erfüllt, wie außerordentlich gut Jesus zu ihnen passt.

Das Lukasevangelium ist die göttliche Enthüllung der persönlichen Anziehungskraft Jesu, des himmlischen Bräutigams. „Die Mildtätigkeit des Menschen macht seinen Liebreiz aus“ (Spr. 19, 22, Engl. Übers, von J. N. Darby). Es gibt kein schöneres Wort in der Schrift, und wir können sagen, dass es das Lukasevangelium darstellt. Hier ist ein Mann so überführt worden, dass er sich bewusst ist, dass in ihm nichts anderes als nur Sünde ist; er ist ein von Sünde erfüllter Mensch, und doch wird er so von der Lieblichkeit Jesu angezogen, dass er zu Seinen Knien niederfällt.

Das ist der erste Grundsatz bei der Gestaltung der neuen Schläuche. Es ist die tiefste Überzeugung von unserer Unwürdigkeit und Sündhaftigkeit. Darin liegt aber keine Entmutigung oder Reue, weil wir das in Anwesenheit der persönlichen Anziehungskraft — der Anziehungskraft des Bräutigams — erfahren.

Buße und Vergebung der Sünden sollen in Seinem Namen gepredigt werden — das ist das Ende des Lukasevangeliums. Wir sollen die Buße und die Vergebung der Sünden in der ganzen persönlichen Anziehungskraft des Namens Jesu darstellen. Es entfacht unsere Liebe zu Gott, wenn wir sehen, dass Er diesen Weg gewählt hat, dass Er solch eine wunderbare Person eingeführt hat.

Ich wundere mich nicht darüber, dass diese Leute entsetzt und erstaunt waren; in ihren Herzen blieb nur noch Staunen. Denkt an die Lieblichkeit Dessen, der Gott als Sein geliebter Sohn persönlich wohlgefällig war. In diesem Charakter sehen wir Seine Lieblichkeit in Kap. 3. Dann in Kap. 4 sehen wir die Lieblichkeit Dessen, der für den Teufel unantastbar war, und die Lieblichkeit des gesalbten Predigers, der völlig die Gnade Gottes den Menschen gegenüber darstellen konnte, und dann die Lieblichkeit des Befreiers, der uns von jeder Macht des Bösen und von jedem Gebrechen befreien kann. In Kap. 5 sehen wir nun die Lieblichkeit Seiner Anziehungskraft einem Manne gegenüber, der der Sünde überführt war. Dann sagt der Herr zu ihm: „Fürchte dich nicht; von nun an wirst du Menschen fangen“. Er nimmt Simon als Teilhaber auf, denn ein solcher ist für den Menschenfang tüchtig, weil er etwas sehr Anziehendes darstellen kann — er kann über die Lieblichkeit Jesu reden. Wenn wir diese Lieblichkeit besser kennten, würden wir sie anderen mehr vorstellen.

Dieses Kapitel stellt sorgfältig und der Reihe nach die verschiedenen Grundsätze für uns zusammen, die zur Gestaltung der neuen Schläuche gehören. Der erste neue Grundsatz ist die Überführung von Sünde in der Gegenwart Jesu. Das ist aber nicht alles, was nötig ist; es erweckt vielmehr in der Seele die Notwendigkeit einer göttlichen Reinigung, und zwar einer solchen, die nicht nur unser Gewissen zufriedenstellt, sondern uns auch für Gott passend macht.

Wir haben also weiter eine neuartige Reinigung. Es hatte nie zuvor einen Menschen gegeben, zu welchem ein Aussätziger kommen und sagen konnte: „Du kannst mich reinigen“; dieser Aussätzige kommt aber und sagt zu Jesu: „Herr, wenn du willst, kannst du mich reinigen.“ Welch eine Erkenntnis der neuen Ordnung der Dinge besaß er also — es gab einen Menschen auf Erden, der Aussätzige so reinigen konnte, dass sie in einem passenden Zustande waren, Gott zu nahen.

Dieser Aussätzige sagte: „Herr, wenn du willst.“ Was war das für eine schöne Gesinnung! Er hatte das gelernt, was die Menschen in der Synagoge zu Nazareth verwarfen: sie verwarfen den unumschränkten Willen Gottes; dieser Mann hatte aber gelernt, sich ihm auf dem Wege der Segnung zu beugen.

Wenn wir uns dem unumschränkten Willen Gottes unterwerfen, werden wir finden, dass er uns zehntausendmal günstiger ist, als wir es jemals dachten. Es ist das unumschränkte Wohlgefallen Gottes, eine Reinigung zustande zu bringen, die Ihm völlig angemessen ist. Das ist es, was Gott vor Sich hat; Er wollte uns nicht nur so reinigen, dass wir unbescholten in den Himmel gelangen und bei der Tür irgendein einsames Plätzchen bekommen könnten, sondern uns dazu passend machen, Ihm dargestellt zu werden, wie irgendein heiliger Engel es jemals war, und sogar noch mehr, denn diese Reinigung konnte nur durch den Tod Jesu vollbracht werden. Könnte es jemals etwas Wunderbareres geben?

Jesus brachte durch Seinen eigenen Tod die Reinigung für uns zustande. Es war in Seinem Tode, dass Jesus wirklich und wirksam den Aussätzigen berührte. Es war das Wohlgefallen Gottes, uns so wirksam zu reinigen, dass auch das schärfste priesterliche Sehvermögen — nicht einmal Sein eigenes heiliges Auge — eine einzige Spur des Aussatzes entdecken konnte; jede Befleckung wurde völlig hinweggetan. Um das zu vollbringen, ging der Herr ans Kreuz.

Die Anziehungskraft Seiner Lieblichkeit allein konnte den Fall nicht erledigen. Er hat Sich am Kreuze mit unserem sündigen Zustande einsgemacht; Er hat uns berührt; Er ist für uns zur Sünde gemacht worden. So wertvoll ist der Tod Christi, dass für uns, die wir an Ihn glauben, unter den Augen Gottes keine Spur der Verunreinigung zurückgeblieben ist.

„Ich will: sei gereinigt“ ist das Wort vom Kreuz. Dieses Wort erschallt von Golgatha durch alle Zeitalter hindurch. „Ich will: sei gereinigt“, ist eine völlig neuartige Reinigung; es ist nicht bloß eine formelle Reinigung, die ein Israelit durch Befolgung der feierlichen Bräuche und Satzungen des Gesetzes haben konnte. Es ist eine neuartige Reinigung, die uns fleckenlos angesichts der Heiligkeit Gottes macht, und alles ist durch den Tod Jesu gesichert worden.

Dann sagte der Herr zu ihm: „Gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, wie Moses geboten hat.“ Stellt euch nun diesen Mann vor, wie er 3. Mose 14 gemäß seine zwei Vögel nimmt und Zedernholz und Karmesin und Ysop und seine Lämmer und sein Feinmehl und Öl und zum Priester geht! Alles, was er opferte, redet zu uns von der Person, die ihn gereinigt hat. Welch eine Belehrung liegt in den Dingen, die er darbrachte! Die zwei Vögel, von denen der eine geschlachtet und der andere in das Blut des toten Vogels getaucht und dann ins Freie losgelassen wurde, reden von Christo, der in den Tod ging und in der Auferstehung wieder daraus hervorkam. Dann verkündeten Zedernholz, Karmesin und Ysop die Größe und Herrlichkeit Christi als Mensch. Zedernholz spricht von Seiner auserlesenen Gestalt, Karmesin von der Herrlichkeit des Menschen, die in Christo gesehen wurde, und Ysop ist eine Andeutung der Demut Dessen, der in die tiefsten Tiefen herniederstieg, um mit sündigen Menschen zusammenzutreffen.

Den Vorbildern nach hatte der Aussätzige das alles vor sich; es sollte unsere Seele mit anbetenden Gedanken über Christum erfüllen. Wir können diese Dinge anschauen und sagen: Das ist alles für mich; es ist in dem Werte dieser heiligen Person, die in den Tod ging, dass ich gereinigt bin. Meine Seele steht in anbetender Freiheit in der Gegenwart der Vollkommenheit Christi, der in den Tod ging, um meine Reinigung der göttlichen Heiligkeit gemäß zu sichern und um mich in der Kraft der Salbung des Heiligen Geistes aufzurichten.

Es handelt sich nicht darum, was ich zur Erleichterung meines Gewissens brauche, sondern um den wunderbaren Charakter der Reinigung, die dadurch zustande gekommen ist, dass der Sohn Gottes Mensch wurde und in Sich Selbst jeden Wesenszug der menschlichen Vortrefflichkeit und Vollkommenheit darstellte, und das alles im Tode dahingab, damit ich im Werte dieser Vortrefflichkeit gereinigt bin. Es ist nicht nur eine Beseitigung, sondern ein Hineinbringen der gesegneten Vollkommenheit Christi, so dass wir frei sind, Christum vor Gott darzubringen.

Der gereinigte Aussätzige zog von dannen mit dem Blut auf seinem Ohrläppchen, dem Daumen und der großen Zehe. Bedenkt, dass er so in die Welt hinausging und zwar in dem Bewusstsein, dass sein ganzes Hören und Tun und sein ganzer Wandel durch die Erkenntnis des wunderbaren Charakters seiner Reinigung bestimmt werden sollten! Er war durch eine Person gereinigt, die aus dem Himmel kam und jede menschliche Vollkommenheit, die Gott gebührt, besaß, die aber als ein Opfer für die Sünde in den Tod ging, um für den sündigen Menschen eine Reinigung zu sichern, die ihn vor Gott ebenso fleckenlos, wie Er ist, hinstellte. Der gereinigte Aussätzige hatte das Blut auf seinem Ohr, seinem Daumen und seiner großen Zehe, und er hatte das Öl auf dem Blute, und dann wurde der ganze Rest des Öles auf sein Haupt gegossen. Der gereinigte Aussätzige besaß eine Würde in Israel, die sonst niemandem als nur dem gesalbten Priester und König Gottes eigen war. Er ging als ein gesalbter Mensch von dannen.

Diese neuartige Reinigung überragt bei weitem jede Reinigung, die die Menschen im Alten Testament gehabt haben mochten; es ist eine Reinigung, die nur an der Person gemessen werden kann, die sie bewirkt. Solcherart ist der Wert des Todes Christi, dass, wenn die volle Ausstrahlung des Lichtes Gottes auf den Gläubigen scheint, kein einziger Flecken der Sünde entdeckt werden kann; er ist gereinigt.

Bei Vers 16 ist eine vielsagende Pause:  „Er aber zog sich zurück und war in den Wüsteneien und betete.“ Das scheint auf die Vollendung dessen hinzudeuten, was Er mit der Bloßstellung der Sünde und ihrer Reinigung zu tun hatte. Die Bloßstellung des sündigen Zustandes des Menschen und seine Reinigung waren nicht alles, was die göttliche Gnade vor sich hatte, und ich möchte den Gedanken aussprechen, dass der Herr Sich zurückzog, um in Bezug auf die weiteren Gedanken Gottes für  die Menschen zu beten.

Es ist äußerst interessant, daran zu denken, dass der gepriesene Sohn Gottes auf alle Gedanken der Gnade einging und darum betete, sie möchten bei den Menschen völlig Eingang finden. Wenn es für den neuen Wein neue Schläuche geben muss, so muss nicht nur eine neuartige Überführung von Sünde und eine neue Reinigung vorhanden sein, sondern auch eine neue Kraft. Die Menschen sind durch Schwäche gekennzeichnet, aber einer der großen Gedanken Gottes für die Menschen ist, dass sie durch Kraft anstatt durch völlige Unfähigkeit zum Guten gekennzeichnet sein sollten, damit sie fähig sein möchten, zur Herrlichkeit Gottes hienieden zu wandeln.

In diesem Abschnitt sehen wir einen Gelähmten. Es ist nicht nur wahr, dass wir sündig sind und Reinigung brauchen, sondern wir sind auch völlig unfähig und kraftlos. Das ist noch eine Gelegenheit zur Enthüllung der göttlichen Gnade; ich glaube nicht, dass es zu viel ist, wenn wir sagen, dass die Kraft, die zum Heilen gegenwärtig war und in der der Gelähmte aufstand und wandelte, die Antwort auf das Gebet des Herrn Jesu war.

Es ist keiner von uns hier, der nicht empfunden hätte, wie notwendig er Kraft braucht; wir sollten aber damit auf der göttlichen Seite anfangen. Schon lange bevor ich die Notwendigkeit der Kraft verspürte, fühlte Jesus es für mich, und lange bevor ich um Kraft betete, betete Er um Kraft für mich. Sein Beten brachte die Kraft Gottes in das Haus und in den Gelähmten. Kraft ist immer eine Antwort auf Gebet, lasst uns aber die allvermögende Wirksamkeit der Gebete Jesu nicht vergessen. Welcher Not ich mir auch bewusst werden mag, ich darf sicher sein, dass es keine einzige Not gibt, die der Herr Jesus nicht empfunden und für die Er Sich nicht fürbittend für mich verwendet hätte. Wie zieht das unsere Herzen zu Ihm hin!

Hier kommen wir dem Bilde nach zu der Gabe des Geistes; die Kraft liegt in der Gabe des Geistes. Es ist der Gedanke der göttlichen Gnade für uns, dass wir zum Guten fähig sein sollten. Der Natur nach sind wir durch völlige Schwachheit in Bezug auf das Gute gekennzeichnet; der Gedanke der göttlichen Gnade ist es aber, uns durch die Gabe des Geistes in Kraft aufzurichten. Wir bekommen aber die Gabe des Geistes als Gebetserhörung: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisset, wieviel mehr wird der Vater, der vom Himmel ist, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ Und der Herr sagte zur Samariterin: „Wenn du die Gabe Gottes kenntest, und wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so würdest du ihn gebeten haben, und er hätte dir lebendiges Wasser ge­geben.“ Während wir das vor uns halten, so lasst uns aber nicht vergessen, dass der Geist als Antwort auf das Gebet des Herrn Jesu, des gepriesenen Sohnes Gottes, gegeben wird. Er sagte: „Ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“ Die Gabe des Geistes ist die Antwort auf das Gebet Jesu, ebenso wie die Kraft, die diesem Gelähmten zuteil wurde, die Antwort auf das Gebet Jesu war. Das ist die Person, die wir durch die unendliche Gnade Gottes kennen — eine lebendige Person, die nun im Himmel ist, und die gebetet hat, dass wir den Heiligen Geist als Kraft haben möchten.

Kraft bei einem Geschöpf muss abhängige Kraft sein; Gott würde dem Geschöpf niemals die Kraft verleihen, von Ihm unabhängig zu sein. Der Geist als Kraft ist eine abhängige Kraft, und man sieht, dass sogar die Gabe des Geistes eine Antwort auf das Gebet ist, das ein Ausdruck der Abhängigkeit ist. Der Gelähmte war gänzlich abhängig, er wurde von anderen getragen; er wurde durch Menschen gebracht, die an das, was zur Verfügung stand, glaubten. Der ganze Fall, dessen Sich Jesus und diese Menschen annahmen, war durch Abhängigkeit gekennzeichnet. Es gab das Gebet Jesu und den Glauben dieser Menschen, und das Ergebnis war, dass dieser Mann gekräftigt wurde, und durch Kraft, die aus Gott war, gekennzeichnet war.

Es gibt keinen Gedanken der Gnade Gottes über mich, den der Herr Jesus nicht fürbittend vor Gott aufgenommen hätte, und es geschieht auf diesem Grunde, dass wir Segen erlangen. Das bringt etwas sehr Anziehendes zum Vorschein; dadurch wird nämlich der Herr Jesus sehr anziehend; wir beginnen etwas von Seinem Charakter als Bräutigam zu sehen.

Dieses Kapitel führt uns stufenweise zur Erkenntnis Christi als Bräutigam, der alles für Gott in Kraft und Liebe aufrecht erhält und auch persönlich sehr anziehend ist, weil Er auf alle, die Ihn kennenlernen, anziehend wirkt. Er ist der große anziehende Mittelpunkt des Weltalls Gottes, und alles dieses führt dahin, dass eine Schar gesichert wird — die „Gefährten des Bräutigams“ (Söhne des Brautgemachs); sie finden Lieblichkeit und Befriedigung in dem Bräutigam.

Sie handelten nicht nach den herkömmlichen Bräuchen in der Art, wie sie ihr Anliegen ausführten, sondern sie brachten den Mann zu Jesu heran, und damit war die ganze Sache erledigt. Das ist es, was wir nötig haben; viele von uns mögen unsere Bibel lesen und beten, gelangen wir aber zu Jesu hin? Diese Männer schafften jenen Mann zu Jesu, obwohl ich sicherlich sagen darf, dass sie die Schriftgelehrten und Pharisäer durch die Art und Weise, wie sie es taten, erschütterten. Es gibt immer einen Weg zu Jesu von oben her. Die dabeisitzenden Schriftgelehrten und Pharisäer stellten die Untauglichkeit des alten gesetzmäßigen Systems dar. Sie konnten nur dabei sitzen, wie der Priester und der Levit in Kap. 10 vorbei gingen. Die Kraft kommt durch Jesum zustande, aber nach dem Grundsatz des Glaubens und der Abhängigkeit.

Die Kraft des Geistes wird verliehen, auf dass der Wandel der Heiligen ein lebendiges Zeugnis für die Haltung des Herzens Gottes den Menschen gegenüber sein möchte. Es geht nicht bloß darum, dass wir Kraft haben, um durchzukommen, sondern darum, dass in dieser Welt ein Zeugnis von der Vergebung, die im Herzen Gottes für die Menschen ist, vorhanden sei.

Die Not wurde von Jesu völlig empfunden, keiner von uns hat genügend die Not empfunden, nur Er allein. Derjenige, der unser Herr, unser Haupt, unser Bräutigam ist, empfand die Not, und darum sagte Er: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Es sollte gewissermaßen heißen: Das ist die Hauptsache im gegenwärtigen Zeugnis Gottes. „Deine Sünden sind dir vergeben“, bedeutet, dass Gott im Vergeben hervortritt. Das Aufstehen und Gehen dieses Mannes sollte ein Zeugnis für die Tatsache sein, dass auf dieser Erde ein Mensch war, der die Haltung des Herzens Gottes in ihrer ganzen Segensfülle kundtat.

Das Herz Gottes wurde vor dem Menschen, dem schuldigen Sünder, enthüllt. Was tat Gott? Er war dabei, die Welt in Christo zu versöhnen. Im Herzen Gottes ist Vergebung. Trotz allem, was ich getan habe, weigert sich Sein Herz, etwas gegen mich festzuhalten. Der Herr scheint zu sagen, diese Frage kommt zuerst; du musst die Haltung des Herzens Gottes dir gegenüber erkennen. Es ist ein wunderbarer Augenblick, wenn wir die Haltung des Herzens Gottes uns gegenüber erkennen. Wenn wir sie erkennen, werden wir verstehen, dass Er uns nicht ohne die Kraft, zu Seiner Herrlichkeit zu wandeln, lassen wird. Wenn Er uns mit solch einer Zärtlichkeit betrachtet, wenn das Seine Gesinnung und Haltung ist, wird Er uns nicht ohne Kraft lassen; Er sagt aber, die Kraft, die Ich euch gebe, soll ein Zeugnis von der Haltung Meines Herzens sein.

Wir denken nicht hoch genug über die Vergebung der Sünden. Viele denken, das sei eine anfängliche Frage; doch finden wir sie nicht im Römerbrief, außer in einer aus den Psalmen angeführten Schriftstelle (Röm. 4, 7). Wir finden sie aber im Kolosserbrief und im Epheserbrief. Im Römerbrief wird betont, dass Gott beim Rechtfertigen gerecht ist, aber Vergebung ist die zärtliche Haltung (Einstellung) des Herzens Gottes. Im Römerbrief finden wir nicht solch einen Vers wie: „Seid aber gegeneinander gütig, mitleidig, einander vergebend, gleichwie auch Gott in Christo euch vergeben hat“ (Eph. 4, 32).

Ich finde die Vergebung wirklich im Herzen des glückseligen Gottes. Vergebung ist die Haltung des Herzens des beleidigten Gottes, es ist das, was Er fühlt. Gott rühmt Sich der Vergebung; sie war in Seinem Herzen, ehe sie in Christo Gestalt gewann. Es geht dabei nicht so sehr darum, der Not des Menschen entgegenzukommen, sondern darum, dass das große Herz Gottes einen Ausfluss haben muss.

Unsere Sünden, unsere Schwachheiten und alles, was uns eigen ist, sind vom Standpunkte des Lukasevangeliums von Gott geschätzte und für Ihn kostbare Gelegenheiten, weil sie Ihm die Gelegenheit bieten, Sich uns in der wunderbaren Fülle Seiner Gnade zu offenbaren. Nicht nur hat das sündige Geschöpf Gott nötig, sondern Gott hat auch mich nötig; Er hat mich in meiner Sündhaftigkeit, in meiner Schwachheit, in meiner ganzen moralischen Unzulänglichkeit als gefallenes Geschöpf nötig, um an mir den unausforschlichen Reichtum Seiner gepriesenen Gnade zum Ausdruck zu bringen. Das ist es, was in diesem wunderbaren Evangelium dargestellt wird.

Gott hat die Lieblichkeit Jesu in diese Welt eingeführt — eine Person, deren Anziehungskraft in der ganzen Gnade des Himmels liegt. Er ist der Bräutigam, der Freudenspender; Er erfüllt jedes Herz, das erlebt hat, was es bedeutet, Ihm zugesellt zu werden, mit unaussprechlicher Befriedigung und Wonne. Wir sehen weiter noch, wie dieselbe Anziehungskraft im Falle des Zöllners Levi ausgeübt wird, um ihm ein ganz neues Interessengebiet zu geben.

Von Natur steht das eigene Ich im Mittelpunkt des Interesses des Menschen; aber die Macht der göttlichen Gnade in Jesu befreite Levi von dem Interesse für sich selbst und gab ihm ein neues Interessengebiet, dessen Mittelpunkt Jesus war. Also finden wir neben einer neuartigen Überführung von Sünde, einer neuartigen Reinigung und einer neuartigen Kraft ein neues Interesse, das uns in jeder Hinsicht beherrschen sollte.

Das Wort an Levi war: „Folge mir nach.“ Wie die folgenden Verse zeigen, war Jesus der Bräutigam, der Mittelpunkt des Interesses und der Glückseligkeit. Durch das Kommen der Gnade werden die Menschen von jedem Selbstinteresse befreit und ihre Zuneigungen durch einen neuen Mittelpunkt und Gegenstand gefesselt.

Viele Menschen sind nicht durch grobe Sünden gekennzeichnet, sondern durch die Tatsache, dass ihr ganzes Leben durch Eigeninteresse beherrscht wird. Das geht aber nicht an für das Reich Gottes; das ist kein Wesenszug der neuen Schläuche. In Verbindung mit Jesu, dem Bräutigam, finden wir ein neues Interessengebiet. Der Herr sagt: „Folge mir nach.“

Als in die Gemeinschaft der Gnade hineingezogen, wurde Levi ein wahrer Levit; das ist der Charakterzug der „Söhne des Brautgemachs“. Es deutet hin auf ein neues Interessengebiet, welches das frühere Eigeninteresse verdrängt und beiseite setzt. Der Mittelpunkt dieses neuen Interessengebietes ist Jesus, der Bräutigam. Seine Interessen und Freuden werden zu den Interessen der Söhne des Brautgemachs. Jeder von ihnen hat seine eigenen Interessen verlassen, um sich den Interessen eines Anderen zu widmen.

Dieses Bild führt uns nur so weit. Wir finden nicht die Braut in den Evangelien. Wir haben den Freund des Bräutigams und die Jungfrauen, die dem Bräutigam entgegengehen, und die Söhne des Brautgemachs, aber wir sehen nicht die Braut. Es kann kein Bräutigam ohne eine Braut sein, aber in den Evangelien ist die Braut verborgen, wir sehen sie nicht.

Das Werk Gottes, wie es in diesem Kapitel anschaulich geschildert wird, erreicht seinen Höhepunkt darin, dass die Menschen ein neues Interessengebiet in Jesu — Seinem Charakter als Bräutigam gemäß — haben. Der Titel „Bräutigam“ stellt Ihn als die Person dar, die den Mittelpunkt des Interesses und der Glückseligkeit bildet. Welcherlei Interessen die Jünger auch gehabt haben mögen, sie wurden alle durch ein neues und vorherrschendes Interesse, dessen Mittelpunkt Jesus, der Bräutigam, war, beiseite gesetzt. Alles, was aus der Gnade und aus Gott war, war da, und es war gekommen, um zur Quelle unvermischter Glückseligkeit zu werden.

Als der Herr hienieden war, bewegte Er Sich auf einer bestimmten Bahn, und die ganze Gnade des Himmels strahlte aus Ihm hervor. In Psalm 19 wird die Sonne mit einem Bräutigam verglichen, und sie ist zweifellos ein Bild von Christo in diesem Charakter. Es heißt von Ihm, dass Er Sich freute, und Seine Freude sollte die ganze Gnade des Himmels herbeiführen und zum Ausdruck bringen.

Wir denken nicht genug an die tiefe Freude, die Gott in Seiner Gnade erlebt. Sie wird aber völlig in einem Menschen, in Jesu, erkannt und ist in Ihm ausgedrückt worden, und Er ruft uns zu Sich, auf dass wir an ihr teilhaben möchten. Die Freude Gottes an der Vergebung ist viel größer als unsere Freude darüber, dass uns vergeben worden ist. Es ist eine viel größere Freude für Gott, uns durch die ganze Wirksamkeit des Todes Jesu zu reinigen, als es für uns eine Freude ist, gereinigt zu werden. Es ist eine größere Freude für Gott, uns in der Kraft des Geistes aufzurichten, als es für uns eine Freude ist, diese Kraft zu besitzen. Die Freude Gottes an der Gnade wird im Bräutigam dargestellt, und Er wünscht, dass wir uns Ihm in der Freude der Gnade zugesellen möchten. Dies ist das neue Interessengebiet, das zum Reiche Gottes gehört.

Levi antwortete auf den Ruf Jesu, und er machte ein Mahl für Jesum — nicht für die Zöllner und Sünder. Er diente mit Freuden der Gnade im Herzen Jesu; es wurde zu seinem neuen Interessengebiet. Er wusste, was für eine Schar Demjenigen Freude bereiten würde, den Gott als die höchste Gnade darstellte. Dass die Zöllner und Sünder, die gekommen waren, das Mahl sehr genossen haben, ist sicher; aber Levi bereitete das große Mahl für Jesum; er wusste, dass er Ihm Freude machen würde. Er war ein wahrer Sohn des Brautgemachs. Er hatte eine große Wertschätzung der göttlichen Freude, die in Jesu dargestellt wurde, und sie war zu seinem neuen Interesse geworden.

Kennen wir wirklich die Lieblichkeit Jesu in dieser Weise? Durch Seine eigene Anziehungskraft hat Er uns vom Eigeninteresse fortgerufen, damit wir durch ein völlig neues Interessengebiet beherrscht werden und dessen Wesenszüge tragen sollten. Ist es wahr, dass Jesus für uns zum Mittelpunkt eines neuen Interessengebietes geworden ist? Er hat die ganze Gnade des Himmels für die Menschen herniedergebracht. Haben wir dies erfasst und begriffen, und haben wir an der Freude teil, die Ihm diese Tat gebracht hat? Dann können wir in der Gemeinschaft der Gnade an die Not um uns her denken; dabei denken wir aber dann an Ihn, an Seine Freude an der Gnade und daran, wie wir ihr dienen können.

Paulus sagt von sich: „Priesterlich dienend an dem Evangelium Gottes, auf dass das Opfer der Nationen angenehm werde, geheiligt durch den Heiligen Geist.“ Er sagt gleichsam: Ich will sie alle zum Wohlgefallen Gottes hereinbringen.

Das macht ein völlig neues Interessengebiet aus, das zum Reiche Gottes gehört. Alles nimmt einen neuen Charakter an, so dass das, was Levi durch die Vorsehung besaß, ihm nun eine Gelegenheit bot, die Gnade des Himmels zum Ausdruck zu bringen. Obwohl Geld an und für sich der ungerechte Mammon ist, liegt sein größter Nutzen darin, dass es in solch einer Weise gebraucht werden kann, dass die Gnade des Himmels dabei zum Ausdruck kommt. Es ist das Vorrecht der Heiligen, ihr neues Interesse zuerst in ihrem eigenen Hause offenbar werden zu lassen. Der Gelähmte wurde nach Hause geschickt, damit seine neue Kraft zuerst dort offen­bar werde, und Levi machte eine großes Mahl für Jesum in seinem Hause; das neue Interesse kam dort in einer praktischen Weise zum Vorschein.

Bei dieser vierten Begebenheit sehen wir einen Mann, der in Gemeinschaft mit der Gnade des Himmels und völlig mit allem ausgestattet ist, um der Not abzuhelfen, denn er hatte verstanden, was für eine Fülle von Gnade in der Person Jesu vorhanden war. Er betrachtete alles von diesem Standpunkte aus, und er brachte seine Gäste zusammen, um der Freude des Bräutigams zu dienen und nicht nur, damit sie Segen erlangten.

Dem Herrn bedeutet es mehr, wenn wir Ihm in dieser Weise nahe und in Gemeinschaft mit Ihm sind, als irgendein Dienst, den wir ausüben. Er hat viele Engel, die Er aussenden könnte, um große Dinge zu vollbringen; aber kein Engel kennt die Gemeinschaft der Gnade in solch einer Weise wie diejenigen, die sündige Geschöpfe gewesen sind; Engel können sie schauen und sich über sie wundern, sie können ihren Gott darin kennenlernen, aber sie können nicht so in der Gemeinschaft der Gnade sein, wie die Söhne des Brautgemachs es sind.

Levi sah in Ihm eine Glückseligkeit, die jeden Rest des eigenen Interesses in seiner Seele überwältigte. Sein Herz entfaltete sich dem Bräutigam gegenüber wie eine Rose in der goldenen Sonne. Das ist es, was ich wünschte, dass Jesus für mich wäre — ein überwältigender Einfluss, um das  eigene Interesse völlig zu beseitigen.

 Gott wirkt nach dieser Richtlinie. Je mehr wir die Festfeier der Gnade kennen, die durch Jesum als Bräutigam gekommen ist, desto tiefer werden wir den Zustand der Welt, die Ihn verworfen hat, empfinden.

In Vers 35 kommt das Fasten ans Licht. Die Gnade ist nicht verringert, wenn sie auch verworfen worden ist. Der Bräutigam ist weggenommen worden, so dass nun die Festfeier mit dem Himmel verbunden ist, wo Er aufgenommen worden, und das Fasten mit der Erde, wo Er verworfen worden ist.

Die Verse 35—39 enthalten das, was wahrscheinlich das erste Gleichnis des Herrn ist. Es prägt uns den völlig neuen Charakter dessen ein, was durch die Gegenwart Jesu in dieser Welt zum Vorschein gekommen ist. Es ist eine Andeutung auf das göttliche Wohlgefallen, den Menschen mit einem Kleide zu bekleiden, welches gänzlich neu und an und für sich vollständig ist; es ist von einer anderen Art, als es von Menschen je zuvor getragen worden ist.

Das alte Kleid stellte alles dar, was für die Menschen im Judentum unter dem Alten Bunde vorgesehen war. Die Menschen hatten dieses Kleid im Laufe von fünfzehnhundert Jahren getragen, Gott hatte aber durch den Propheten Jeremia gesagt, dass Tage kommen würden, wenn Er „in Bezug auf das Haus Israel und in Bezug auf das Haus Juda einen neuen Bund vollziehen“ würde (Hebr. 8, 8). Die Erklärung des Geistes Gottes darüber ist: „Indem er sagt: einen neuen, hat er den ersten alt gemacht; was aber alt wird und veraltet, ist dem Verschwinden nahe“ (Hebr. 8, 13).

Das alte Kleid wurde der Sache des Menschen nicht gerecht, denn es brachte weder Gerechtigkeit noch Errettung mit sich. Es wird uns gesagt, dass es nichts vollkommen machte, und es offenbarte nicht den Sinn und das Herz Gottes. Gott fand dieses alte Kleid mangelhaft. Das System der Dinge, mit welchem es Gott wohlgefiel, Israel zu bekleiden (das Gesetz und die Opfer und die Ordnung des Dienstes, die zur Stiftshütte und zum Tempel gehörte), hatte wohl einen Schatten der zukünftigen Güter, hatte aber nicht der Dinge Ebenbild selbst.

Das neue Kleid besagt, dass Gott den Menschen in einer völlig neuen Weise vor Sich aufrichten will, und es ist eine vollständig abgeschlossene Sache, die als Ganzes angesehen werden muss. Wir müssen nicht ein Stück daraus herausreißen, um es dem Alten hinzuzufügen. Es ist ein neues Kleid, das niemals alt werden wird, das eine vollständige und befriedigende Bekleidung für den Menschen darstellt, und das Wohlgefallen Gottes ruht auf den Menschen, die es tragen. Es ist etwas hervorgebracht worden, das sich von allem, was im Gesetz vorgestellt wurde, gänzlich unterscheidet. Das Kommen Jesu in Menschengestalt, Sein Tod, Sein Auffahren in die Höhe und Seine Gabe des Geistes haben ein ganz neues Kleid zustande gebracht, von welchem man kein Teil dem Alten hinzufügen kann.

Die gegenwärtige Christenheit, wie wir sie um uns her sehen, ist größtenteils zum Judentum zurückgekehrt, dem man einige christliche Aussprüche hinzugefügt hat; sie haben ein Stück aus dem neuen Kleide herausgerissen und auf das alte geflickt, aber es passt nicht. Kein Teil von einem System der Dinge, das den Menschen nach dem Fleische überhaupt nicht anerkennt, kann einem System der Dinge hinzugefügt werden, das dem Menschen nach dem Fleische passt.

In diesem Gleichnis gibt es zwei Dinge — das System, das als neues Kleid dargestellt wird, und neuartige Menschen, die bildlich in den neuen Schläuchen gesehen werden. Weder der alte Bund noch die unter ihm lebenden Menschen nach dem Fleische waren Gott wohlgefällig, darum hat Gott ein ganz neues System der Segnung eingeführt, und Er hat einen neuartigen Menschen erlangt, der zu dem von Ihm eingeführten System passt. Das neue Kleid und die neuen Schläuche sind Gott wohlgefällig.

Es gefiel Gott wohl, Israel mit allem, was mit dem alten Bunde zusammenhing, zu bekleiden, damit diese Dinge geprüft würden, und damit ans Licht gebracht würde, ob solch ein System und die unter ihm lebenden Menschen zum Wohlgefallen Gottes bestehen könnten. Es erwies sich aber, dass sie auf diese Weise nicht bestehen konnten, und dieses System musste wegen seiner Schwäche und Nutzlosigkeit beiseite gesetzt werden. Der Hebräerbrief sagt uns, dass es schwach und nutzlos war und diejenigen, die darunter waren, nicht vollkommen machte. Es brachte weder Vollkommenheit für die Menschen noch Wohlgefallen für Gott. Also musste Gott von etwas Neuem reden, und das bedeutete die Abschaffung des Alten.

Jetzt ist ein neues Kleid vorhanden. Gott hat das, was mit der Offenbarung Seiner Selbst in der Gnade in Seinem geliebten Sohne zusammenhängt, herbeigeführt, ebenfalls das vollkommene Werk am Kreuz, und die Gabe des Heiligen Geistes für den Menschen, und Er möchte die Menschen mit dieser Erkenntnis bekleiden.

Die Schriftgelehrten und Pharisäer trugen das alte Kleid, und obwohl sie in einem gewissen Maße fähig waren, das Fasten der Jünger des Johannes zu verstehen, schätzten sie gar nicht die Tatsache, dass durch das Kommen Jesu ein neues Kleid und neuer Wein vorhanden waren; sie konnten die unvermischte Freude, die die Jünger Jesu als die Söhne des Brautgemachs kennzeichnete, nicht verstehen.

Da der Bräutigam zugegen war, war alles neu und hatte einen veränderten Charakter. Es gab ein neues Kleid, neuen Wein und neue Schläuche. Der Herr sagt gleichsam: Ihr geht mit dem, was alt ist, voran, mit einem System von Dingen, das bei Gott vorbei ist; Ich aber und Meine Jünger leben in der Freude dessen, was neu und zum Wohlgefallen Gottes ist. Der neue Wein ist die Freude Gottes, Gnade und Liebe zu üben, was durch den Geist dem Herzen des Gläubigen übermittelt wird.

Die große Wahrheit des Evangeliums ist, dass Gott den Menschen braucht. Es ist kein Evangelium, zu sagen, dass der Mensch Gott braucht, aber es zu wissen und sagen zu können, dass Gott den Menschen braucht, ist eine frohe Botschaft. Gott muss die Menschen haben, auf dass Er den überschwenglichen Reichtum Seiner Gnade in Güte gegen uns in Christo Jesu an ihnen erweise.

Der Zustand des Menschen bietet Gott die Gelegenheit, im Reichtum der Gnade Seines Herzens hervorzutreten und Sich in unermesslichem Segen zu ergießen. Er findet Freude an diesem Tun. Diese Erkenntnis im Herzen des Gläubigen durch den Heiligen Geist ist der neue Wein. In Apg. 13 wird uns gesagt, dass die Jünger mit Freude und Heiligem Geiste erfüllt waren. Paulus sagte: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geiste“ — das ist neuer Wein.

Lukas bringt in einer sehr gesegneten und anziehenden Weise ans Licht, dass Gott etwas, was Ihm sehr wertvoll war, verloren hat, und Er muss es zurückgewinnen. Gott will in Seinen Gedanken, Seinem Herzen und in Seiner gnadenreichen Haltung erkannt werden. Es war Gott eine Notwendigkeit, Sich in Gnaden zu offenbaren, und der Mensch, ein sündiges Geschöpf, war notwendig, damit Er es tun konnte. Man fragt oft: Warum ließ Gott das Kommen der Sünde in die Welt zu? Er tat das, weil Er nur einem sündigen Geschöpf gegenüber die wunderbare Tiefe, den Reichtum und die Fülle Seiner großen Gnade und die Liebe Seines Herzens enthüllen konnte.

Es war nötig, dass der Sohn Gottes vom Himmel kam, um uns zu sagen, dass Gott den Menschen braucht. In Lukas 15 haben wir den Hirten, das Weib und den Vater — es ist Gott, der den Menschen sucht. Bedenkt, dass das Licht und die Glückseligkeit von diesem allem einem jeden von uns zur Verfügung stehen!

Es ist bemerkenswert, dass dieses Evangelium an einen Einzelnen gerichtet ist; es steht also jedem von uns offen, das Lukasevangelium in seiner ganzen Fülle als vom glückseligen Gott an uns persönlich gerichtet anzunehmen, damit wir Ihn in Seiner Gnade kennenlernen sollten. Er stellt keine Forderungen; Er schenkt alles; Er verleiht den Menschen alles, was sie brauchen, und zwar alles, was Sein Wesen in Gnaden enthüllen kann.

Was die Verunreinigung, die dem Menschen als sündig anhaftet, anbetrifft, so ist Gott ihr durch die Wirksamkeit eines einzigen Sündopfers entgegengetreten, das die Sünde völlig und auf immerdar vor Ihm beseitigt hat. Die Sünde im Fleische ist im Tode des Sohnes Gottes verurteilt worden; die Reinigung und die Läuterung sind in dem ganzen Werte und in der Kraft des Todes Christi vollbracht worden. Jetzt stehen die Gläubigen in diesem Lichte; Gott hat das Selbst herbeigeführt; wir sind auf immerdar im Werte des Werkes Christi vollkommen gemacht.

Solcherart ist der Charakter des Systems, zu welchem wir gehören; es gibt die vollkommene Offenbarung Gottes in Gnade, die vollkommene Reinigung von der Sünde und die durch den Geist verliehene Kraft. Die Wege Gottes sind jetzt durch den Dienst der Gerechtigkeit und durch den Geist gekennzeichnet. Der Dienst des alten Systems brachte Tod und Verdammnis, der Dienst des neuen Systems aber bringt Gerechtigkeit und Leben hervor. Es ist unmöglich, die beiden zu vermischen; das eine ist ein System der Forderung, das andere ein System der Darreichung.

Der letzte Satz dieses Kapitels ist eine ernste Mahnung, wie leicht es ist, den Geschmack am Neuen zu verlieren. Wenn ich alten Wein trinke, werde ich meine Wertschätzung für den neuen verlieren. Wenn ich ein interessantes Buch von dieser Welt lese und dadurch gefesselt werde, weil es meinen natürlichen Geschmack und meine Neigungen anspricht, finde ich, dass es meine Fähigkeit, das Neue zu schätzen, beeinträchtigt. Ich sollte die Wertschätzung des Neuen in meiner Seele bewahren, und ich glaube, dass dies Gott mehr wert ist als irgend welcher Dienst, den ich ausüben kann.

Der alte Wein gehört zum alten System. Wie bald wurden die Galater vom neuen Wein zum alten abbewegt! Sie waren mit dem neuen System der himmlischen Gnade verbunden gewesen und hatten den neuen Wein jedenfalls einigermaßen erkannt, denn Paulus erwähnt ihre Glückseligkeit. Sie fingen aber an, sich mit der Beschneidung zu beschäftigen und dem Halten des Gesetzes und dem Beobachten der Tage und mit all diesen Dingen, die eigentlich mit dem Menschen nach dem Fleische verbunden waren. Sie tranken alten Wein, und er gefiel ihnen, und dadurch verloren sie ihre Wertschätzung des neuen; er schmeckte ihnen nicht mehr.

Satan wirkt in dieser Weise — er bringt nicht das, was ausgesprochen sündig ist oder uns ein böses Gewissen geben könnte, sondern er bringt uns wieder zum Alten zurück. Das ganze System der allgemeinen Christenheit ist durch das Alte gekennzeichnet, und wenn Leute sich damit abgeben, können sie das Neue nicht genießen. Bei den religiösen Gottesdiensten haben sie Musik eingeführt, und zwar nicht, weil dies Gott wohl annehmlich ist, sondern weil es die Menschen anspricht und ihnen gefällt; dies trägt den Charakter des alten Weines; es gehört zu einem System, das Gott abgeschafft hat.

Viele Dinge wurden im Alten Testament eingeführt, weil Gott prüfen wollte, ob Dinge, die dem Menschen nach dem Fleische angepasst waren, das, was Ihm wohlgefiel, herbeiführen konnten, aber sie erwiesen sich als völlig unzulänglich. Wenn Leute sich mit solchen Dingen abgeben, können wir nicht erwarten, dass der neue Wein ihnen schmeckt.

In der gegenwärtigen Zeit bemüht sich die religiöse Welt hauptsächlich darum, irgend etwas zu bieten, was den Menschen nach dem Fleische anziehen und ihm gefallen könnte — es sind oft dem Alten Testament entnommene Dinge, deren geistliche Bedeutung nicht verstanden wird.

Wir sollten mehr Bekanntschaft mit dem Neuen pflegen, mit dem ganzen System der himmlischen Gnade, dessen Mittelpunkt Christus als der himmlische und verherrlichte Mensch ist, das im Werte Seines Todes besteht und das im Herzen des Gläubigen durch die Gabe des Geistes erkannt wird. Der neue Wein erfordert neue Schläuche, die nicht das System darstellen, sondern die Personen, die mit ihm verbunden sind. Es muss eine neuartige Person vorhanden sein, die die göttliche Gnade schätzt und die ein Gefäß ist, das die Freude an dieser Gnade enthält.

Lukas 5 zeigt die Wesenszüge, die für die neuen Schläuche charakteristisch sind; sie werden durch vier Wesenszüge gekennzeichnet, nämlich durch eine neuartige Überführung von Sünde, eine neuartige Reinigung, eine neue Kraft und ein neues Interessengebiet.

Die Zusammenfassung dieser Dinge gibt uns die moralischen Wesenszüge des neuartigen Menschen, und als Ergebnis davon sind passende Gefäße für die Aufnahme und Bewahrung des neuen Weines vorhanden. Wenn wir nicht überschwenglich glücklich sind, gibt es eine Ursache dafür. Der alte Wein sagt dem Fleisch zu; Selbstzufriedenheit aber und  Glückseligkeit  sind zwei  ganz  verschiedene Dinge. Der alte Wein stellt gesetzliche Grundsätze dar. Was uns aber im Lukasevangelium vorgestellt wird, ist, dass die Freude Gottes, Gnade zu üben, zu einer immerwährenden Quelle der Freude in unserem Herzen durch den Geist werden möchte;  dann wird neuer Wein in neuen Schläuchen vorhanden sein.

 

Abschrift Nicole F.

 

{Bemerkung zu Seite 7:

    Die Gabe des Geistes wird hier als die Gebetserhörung des Herrn Jesus vermerkt. Das ist richtig.

 Wir selber bekommen die Gabe des Heiligen Geistes auf Grund der Wiedergeburt die auf die Bekehrung folgt.   H.P. Wepf}