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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

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Gedanken zum 2.Buch Moses

 

„Und sie kamen — jeder, den sein Herz dazu trieb, und jeder, dessen Geist willig war; sie brachten dem HERRN eine freiwillige Gabe für das Werk der Stiftshütte und seinen ganzen Dienst und für die heiligen Kleider“ 2Mo 35,21

 

Das Passah, der Auszug aus Ägypten, das Gesetz und d

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C.A.C.  - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

 Kapitel 7

Mit dem heiligen Kindlein auf seinen Armen hatte Simeon gesagt, Er würde „ein Licht zur Offenbarung der Nationen“ sein (Kap. 2, 32), und wir sehen die Erfüllung davon in dem Hauptmann. Durch die Gegenwart Jesu in Kapernaum wurde ein Heide offenbar, der sich durch größeren Glauben auszeichnete, als Er ihn in Israel gefunden hatte. Man kann die besondere Freude verstehen, mit welcher Lukas diese Begebenheit beschrieb, da er selbst aus den Nationen war und an einen aus den Nationen schrieb. Der Hauptmann war einer der Erstlinge aus der großen Ernte der Nationen für Gott, und die Gegenwart Jesu in jener Stadt brachte ihn ans Licht. Es ist gut, sich seinen Charakter zu merken, da er zeigt, welcherart Baustoff Gott aus der Welt der Nationen für Sich sichern will.

Er verfolgte kein selbstsüchtiges Ziel, denn es war seine liebevolle Anteilnahme an seinem Knecht, die ihn bewog, zu Jesu zu senden. Obwohl er sich seiner Unwürdigkeit bewusst war, war er sicher, dass er auf die gütige Anteilnahme und die göttliche Kraft dieser wunderbaren Person, von welcher er gehört hatte, rechnen konnte. Es ist bemerkenswert, dass er das Maß des Herrn Jesu (wenn wir so sagen dürfen) nach dem, was er selber war, bewertete. Er nahm an, dass Jesus, obwohl Er so groß war, Sich ebenso für seinen armen Knecht interessieren würde wie er selbst; und er verglich die Gewalt des Herrn in einer auffallenden Weise mit seiner eigenen (in den Versen 7 und 8).

Alles dieses war keine Anmaßung, denn in seinen Augen war er offensichtlich nicht würdig, es unmittelbar mit Jesu zu tun zu haben. Es war solch eine gesegnete Überlegung des Glaubens, dass es Verwunderung bei Jesu hervorrief.

Wir sehen hier einen aus den Nationen, in dem die Erkenntnis Gottes ein tätiger Grundsatz war, denn die Ältesten der Juden konnten sagen: „Er liebt unsere Nation, und er selbst hat uns die Synagoge erbaut.“ Er liebte also die Juden wegen ihres Verhältnisses zu Gott; er wollte dieses Verhältnis nach Möglichkeit unterstützen. Es ist ein schönes Zeichen dafür, dass der Glaube in der Seele wirkt, wenn Liebe zum Volke Gottes vorhanden ist und auch der Wunsch da ist, es möchte ihnen geistlich wohlergehen. Der Hauptmann ließ aber nicht gelten, dass er irgendeine Würdigkeit besaß; er wollte weder zu Jesu kommen noch Ihn unter seinem Dache empfangen. Der einzige Grund seines Vertrauens oder seiner Erwartung war das, was Jesus als Solcher war, und seine Erkenntnis darüber war wahrhaftig wunderbar. Er sagt: „Sprich ein Wort, und mein Knecht wird gesund werden. Denn auch i c h bin ein Mensch unter Gewalt gestellt, und habe Kriegsknechte unter mir; und ich sage zu diesem: Gehe hin! und er geht; und zu einem anderen: Komm! und er kommt; und zu meinem Knechte: Tue dieses! und er tut's.“ Er erkannte nicht nur an, dass Jesus seinen Knecht heilen konnte, sondern dass Er in Seinem Tun unter Gewalt wirkte. Er wirkte in reiner und vollkommener Gnade unter der Gewalt Gottes. Der Hauptmann dachte nicht, was viele denken, dass Jesus gütig war, dass aber Gottes Gunst nicht so sicher war. Er führte alles, was er über Jesum gehört hatte, auf die Tatsache zurück, dass Er unter der Gewalt Gottes handelte, und deswegen war es für Jesum ebenso leicht wie es auch für ihn war, ein Machtwort zu sprechen. Er wusste, dass die ganze Macht des Kaisers hinter jedem seiner Befehle stand, und dass die ganze Macht und Gewalt Gottes hinter jedem Worte Jesu stand. Er hatte nicht das geringste Zögern und keine Unsicherheit darüber. Nun, das ist der Glaube. „Als aber Jesus dies hörte, verwunderte er sich über ihn; und er wandte sich zu der Volksmenge, die ihm folgte, und sprach: Ich sage euch, selbst nicht in Israel habe ich so großen Glauben gefunden.“ Der Hauptmann war ein „guter Mensch“, weil sein Herz mit der Güte, die er in dem gepriesenen Gott erkannt hatte, erfüllt war, mit der Güte, die in einem Menschen, der unter der Gewalt Gottes hienieden wirkte, zum Ausdruck kam.

In der nächsten Begebenheit sehen wir Jesum als die Herrlichkeit Seines Volkes Israel, denn die Witwe aus Nain stellt die Nation dar, die aller Hoffnung beraubt war, die aber in ihrer Trostlosigkeit fand, dass Einer da war, der ihren Sohn von den Pforten des Todes zurückführen konnte. In dieser Begebenheit sehen wir die in Jesu ausgedrückte Barmherzigkeit Gottes in Umständen, in denen von der menschlichen Seite alles völlig hoffnungslos war. Eine ihres eingeborenen Sohnes beraubte Witwe! Was könnte trauriger sein? Solch ein Fall würde beinahe überall das Mitgefühl der Menschen erregen, und so finden wir hier, dass „eine zahlreiche Volksmenge aus der Stadt“ mit ihr war. Wie hilflos waren sie aber alle! Er war tot, und sie konnten ihn nur hinaustragen.

Bis zu diesem Zeitpunkte hatte jeder Bürger der Stadt Nain der Macht der Todes anheimfallen müssen. Aber an jenem Tage näherte Sich ein Größerer als der Tod dem Stadttor, und Er begegnete dem Leichenzuge. Keiner bat Ihn um Sein Eingreifen. Soweit wir wissen, hatte Er noch nicht. Seine Macht im Bereiche des Todes ausgeübt. Es mag wohl so gewesen sein, dass keiner aus dieser Volksmenge die leiseste Hoffnung hegte, dass Er noch etwas tun könnte, weil der Tod tatsächlich eingetreten war. Es war ein Fall, wo nur Er Selbst den einleitenden Schritt tun konnte. Er war aber hienieden als der Darsteller Gottes, und wie Petrus später einer Zuhörerschaft aus den Nationen sagte: „Gott war mit ihm.“ 

Wie würde Gott gegenüber einem Herzen handeln, das durch den Raub des Todes trostlos war? „Als der Herr sie sah, wurde er innerlich bewegt über sie und sprach zu ihr: Weine nicht! Und er trat hinzu und rührte die Bahre an, die Träger aber standen still; und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf! Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden; und er gab ihn seiner Mutter.“

Die Sünde hat eine Flut von Leiden über die menschlichen Herzen ausgegossen, und das ist kein geringes Teil davon, was unter den Augen Gottes in der Welt vorhanden ist. Ich zweifle tatsächlich nicht daran, dass der Umfang des Leides, das die Sünde über die Menschen gebracht hat, bei vielem die ganze „Ergötzung der Sünde“ übersteigt. Wir sind geneigt zu denken, dass der Ehrgeiz der Menschen und ihre Sucht nach Gewinn und Selbstgenügsamkeit und ihr Stolz und ihre Eitelkeit hervorragender sind als ihre Leiden. Äußerlich stimmt das vielleicht, aber wenn die wahre Geschichte jedes menschlichen Herzens geschrieben würde, so würden sich die Leiden, glaube ich, als überwiegend erweisen; und sie werden auch viel wirklicher empfunden als irgend etwas anderes. Und das größte aller Leiden ist der Schmerz des Todes, denn er nimmt alles weg.

Ich rede augenblicklich nicht davon, dass der Tod auf uns lastet, sondern davon, dass er über uns kommt und durch seine Macht über andere unser Glück zerstört. Die teuersten natürlichen Bande müssen abgebrochen werden; der liebste Freund wird fortgerissen; derjenige, auf dem unsere teuersten Hoffnungen aufgebaut worden sind, liegt im stillen Grabe. Ist es da nicht etwas ganz Großes zu wissen, dass Gott an den Leiden Seiner Geschöpfe mitfühlend Anteil nimmt und für sie besorgt ist? Trotzdem die Sünde und der Aufruhr dies alles verursacht haben, ist Er doch voller Mitleid. Er möchte Sich jedem leidtragenden Herzen kundtun, wie Er Sich der ihres Sohnes beraubten Witwe zu Nain kundtat, denn Er nahm voll Mitgefühl an ihrem Leid teil, doch Er hatte auch die Macht, das vom Leide bedrängte Herz zu erleichtern.

Ich wage zu sagen, dass eine derartige Erkenntnis Gottes, wie wir sie in der vorliegenden Begebenheit gewinnen, einem leidtragenden Herzen mehr Erleichterung bringt, als durch irgendeine äußere Erlösung herbeigeführt werden würde. Wir haben etwas vom Herzen Gottes kennengelernt, und das ist mehr, als wenn wir unsere Toten zurückbekämen, denn diese Erkenntnis ist ein unzerstörbares und ewiges Eigentum.

Die Wirkung der Auferweckung des Sohnes der Witwe vor ihren Augen war, dass „alle eine große Furcht ergriff; und sie verherrlichten Gott und sprachen: Ein großer Prophet ist unter uns erweckt worden, und Gott hat sein Volk besucht“. Nicht allen wurden ihre toten Söhne auferweckt, aber indem sie sahen, wie mitleidig Er mit einer leidtragenden Witwe verfuhr, lernten sie Gott kennen wie nie zuvor.

Diese Begebenheit verbleibt auf den Blättern der Schrift, damit wir in derselben Weise Gott kennenlernen und unendlichen Trost durch diese Erkenntnis erlangen möchten.

In Jesu war aber mehr als göttliches Mitgefühl; es war Kraft da, die wirksam gegen die Macht des Todes auftreten konnte. Wir kennen tatsächlich keinen Fall, wo der Tod in Seiner Gegenwart nicht Seiner Beute beraubt worden wäre. Gott hat in dieser Weise gezeigt, dass Er die Macht des Todes hinwegtun und beiseite setzen und Sein Geschöpf von dem, was es schreckt, befreien kann.

Wenn Er das für einen tun kann, so steht die Sache fest; es handelt sich nur um Seine Weisheit, wann und wie Seine Macht das zustande bringen wird. Er ist der Macht des Todes in einer noch wunderbareren Weise entgegengetreten, als es am Tore der Stadt Nain gesehen wurde. Ich zweifle nicht daran, dass, als Jesus „die Bahre berührte“, es eine Andeutung darauf war, dass Er mit der Macht des Todes in persönliche Berührung kommen würde.

Wir wissen, dass Er das am Kreuze tat; die volle Macht des Todes fiel auf Ihn, doch nicht, weil Er persönlich dem Tode verfallen war, sondern weil Er ihn durch die Gnade Gottes für alle schmeckte, die ihm infolge der Sünde verfallen waren. Der Tod war aber nicht imstande, Ihn zu halten. Er sah die Verwesung nicht, und am dritten Tage stand Er triumphierend auf. Gott hat durch Jesum über den Tod triumphiert; Sein Sieg wird herrlich in einem Menschen gesehen.

Er stellt Sich aber allen, die durch die Todesfurcht der Knechtschaft unterworfen waren, zur Verfügung. Für alle, die an Ihn glauben, ist der Tod in dem auferstandenen Christus vernichtet worden.

Seine Jünger berichteten dem Johannes über dies alles, und er konnte nicht verstehen, warum er im Gefängnis gelassen wurde, wenn solche wunderbaren Dinge getan wurden. Er fühlte, dass es an der  Zeit war, den Herrn daran zu erinnern, dass er im Gefängnis war. Darum sandte er zu Jesu und ließ Ihm- sagen: „Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Wie viele andere, so musste Johannes lernen, seinen eigenen Dienst anzunehmen. Er hatte gesagt: „Er muss wachsen, ich aber abnehmen“ (Joh. 3, 30), das war aber erforschender, als er erwartet hatte, und er musste lernen, die Weisheit als eins von ihren Kindern zu rechtfertigen.

Der Herr aber, wie Er es immer tut, schlug einen wunderbaren Weg ein, um Seinen Diener zu belehren. „In jener Stunde aber heilte er viele von Krankheiten und Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden schenkte er das Gesicht.“ Er zeigte völlig die an der Arbeit stehende göttliche Kraft, und Er sandte die Jünger des Johannes zurück, um ihm das zu erzählen und noch hinzuzufügen: „Glückselig ist, wer irgend sich nicht an mir ärgern wird.“

Johannes hatte seinen eigenen Platz - „mehr als ein Prophet“ - denn er war der unmittelbare Vorläufer des Herrn. Es wurde ihm aber nicht gegeben, einen Platz in dem neuen System der Dinge zu haben, das durch den Dienst des Herrn Selbst eingeführt wurde. Er musste seinen Platz nach dem Ratschluss Gottes annehmen, und es war ein wunderbarer, wenn auch nur vorbereitender Platz. Er hatte keinen Platz in der neuen Ordnung, obwohl sein Dienst wesentlich zu ihrer Einführung beitrug. Deshalb konnte der Herr sagen: „Unter den von Weibern Geborenen ist kein größerer Prophet als Johannes der Täufer; aber der Kleinste im Reiche Gottes ist größer als er.“

Wie sollte das unsere Gedanken auf die überschwängliche Vortrefflichkeit dessen, woran wir teilzuhaben berufen sind, lenken! Die Propheten von alters her wie auch Johannes waren von Gott gesandte Männer, die in der Kraft Seines Geistes reden sollten; sie waren wunderbare Diener, von Gott auserkorene und geehrte Gefäße; sie waren aber nicht im Reiche Gottes. Entfacht nicht dieser Gedanke den sehnlichen Wunsch in unseren Herzen zu erkennen, was es bedeutet, in diesem Reiche zu sein? Wenn der Kleinste darin größer ist als dieser große Diener Gottes, wie ist es doch wunderbar, darin zu sein!

Eine Neuordnung der Dinge ist durch die Gegenwart des Sohnes des Menschen hienieden eingeführt worden; die Musik der göttlichen Gnade ist in dieser Welt der Sünde und des Todes erklungen, und die Zöllner und Sünder haben einen Freund, der sie der Gerechtigkeit gemäß in das Reich Gottes einführen und ihnen in der Erkenntnis Gottes eine Größe verleihen kann, die die größten Seiner Diener in den alttestamentlichen Zeiten niemals besaßen. Sind wir bereit, als bußfertige Sünder Gott zu rechtfertigen (Vers 29), oder machen wir wie die Pharisäer und Gesetzgelehrten in Bezug auf uns den Ratschluss Gottes wirkungslos?

Der Herr sagt: „Die Weisheit ist gerechtfertigt worden von allen ihren Kindern“ (Vers 35); es heißt nicht, dass sie gerechtfertigt werden wird, sondern sie ist gerechtfertigt worden. Der Herr sah um Sich herum diejenigen, die die Kinder der Weisheit waren, und sie hatten alle Gott dadurch gerechtfertigt, dass sie sich selbst gerichtet hatten, und sie schätzten mit Freuden die Gnade wert, die ihnen in Jesu kundgemacht worden war. 

In der nächsten Begebenheit wird uns ein Kind der Weisheit - eine Vertreterin der Kinder der Weisheit - vor Augen gestellt, und ich glaube, dass wir in dem „Weibe in der Stadt, die eine Sünderin war“, einen Menschen sehen, der wahrhaftig einer der „Kleinsten in dem Reiche Gottes“ war, und  deswegen größer als Johannes der Täufer. Ich glaube, dass sie durch Jesum eine Erkenntnis Gottes, der in Gnade geoffenbart war, bekommen hatte, was ihr eine wunderbare Größe verlieh.

Wie langsam gelangen wir zur Erkenntnis der wahren Größe hin! Groß sind wir nur in dem Maße, wie wir Gott in Gnade erkennen und wie unsere Herzen von Ihm beherrscht werden. Dann können wir nach Seinem Wohlgefallen in einer Weise dienen, wie es keiner der Heiligen in alten Zeiten tun konnte.

Die Tränen dieses Weibes und ihre Küsse, das Salben Seiner Füße und ihr vieles Lieben zeigten, wie groß sie war. Sie war groß in ihrer Wertschätzung Jesu. Der Geist Gottes stellt uns ihr Tun vor Augen; Jesus saß und blieb sitzen; es war das Weib, das tätig war.

Es ist ein köstlicher Augenblick, dass der Herr nicht tätig zu sein braucht, sondern der Gegenstand einer Tätigkeit sein kann, die die göttliche Gnade im Herzen eines Sünders in Bewegung gesetzt hat. Zweifellos war die Gnade schon vorher tätig gewesen, und dadurch war ihr Herz beeindruckt worden. Sie hatte die von Ihm in Vers 32 erwähnte Musik gehört, die die lieblichen Töne von Dem, der „ein Freund von Zöllnern und Sündern“ war, ihr nahegebracht hatte, und sie wurde dadurch bewegt. Es hat dem Geiste Gottes nicht wohlgefallen, uns ihr vorheriges Erlebnis unter der Gnade zu schildern, aber Er zeigt uns die köstliche Frucht, die sich daraus ergab.

Der evangelische Teil der Christenheit ist weitgehend mit dem Gedanken beschäftigt, für Jesum zu wirken; es ist aber etwas viel Größeres, Ihm in Liebe zu dienen. Simon tat das nicht, und ich denke, wir können sagen, dass Jesus Sich auch jetzt im Hause Simons befindet, wo Er äußerlich geehrt wird, wo aber nur wenige Herzen Ihm wirklich in Liebe dienen. Das Weib war von der in Jesu gegenwärtigen, vergebenden Gnade tief gerührt. Simon war demgegenüber blind; er sah nur Einen, der eine Sünderin nicht von Sich wies, und das überzeugte ihn, dass Jesus kein Prophet war. Er dachte gar nicht, dass der Gläubiger da war, und zwar als Freund, der in der Gnade der Vergebung allen Seinen Schuldnern gegenüber zugegen war. Die Anwesenheit Jesu brachte ans Licht, dass zwischen Simon und dem Weibe ein großer Unterschied bestand. Sie wusste, dass sie eine Sünderin war und dass ihrer Sünden viel waren, aber dieser Gedanke entfachte in ihr eine überschwängliche Wertschätzung der Gnade, die sie in Jesu wahrgenommen hatte, und ihre Seele wurde mit einer tiefen Dankbarkeit und Liebe erfüllt, die sie nicht zurückhalten konnte und sogar in der kalten Atmosphäre des Hauses des Pharisäers zum Ausdruck brachte.

Die Myrrhe, mit welcher sie Seine Füße salbte, stellte zweifellos eine Art Ahnung ihrerseits dar, dass die Gnade solchen, wie sie war, nur auf Kosten von Leiden erwiesen werden konnte. Es war auf Seine Kosten, dass der Gläubiger vergeben konnte. Bei diesem Gedanken wurde ihre Seele tief gerührt.

Dem Simon waren solche Gefühle unbekannt; er hatte niemals die Bürde seiner Sünden empfunden, obwohl er zweifellos in einer allgemein rechtgläubigen Weise zugegeben hätte, dass Er ein Sünder war. Er konnte kaltblütig Denjenigen kritisieren, in dem der Himmel die Gnade der Vergebung zum Ausdruck brachte. Der Herr beantwortete seine unausgesprochenen Gedanken. „Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber spricht: Lehrer, sage an: Ein gewisser Gläubiger hatte zwei Schuldner; der eine schuldete fünfhundert Denare, der andere aber fünfzig; da sie aber nicht hatten zu bezahlen, schenkte er es beiden. Wer nun von ihnen (sage) wird ihn am meisten lieben? Simon aber antwortete und sprach: Ich meine, dem er das meiste geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt“ (Verse 40 - 43).

Das ist die Lage. Der Gläubiger hat einen gerechten Anspruch auf alle Seine Schuldner, aber keiner von ihnen kann diesem Anspruch gerecht werden, so dass ein gutes Einvernehmen nur durch eine Gnade, die allen zu vergeben bereit ist, herbeigeführt werden kann. Die gegenwärtige Haltung Gottes ist Vergebung; sie wurde in Jesu, als Er hienieden war, dargestellt, und sie ist auch jetzt, wo Er verherrlicht ist, unverändert geblieben.

Das Herz eines Menschen, der sich dessen bewusst ist, dass er ein großer Schuldner ist, wird durch Dankbarkeit und Liebe tief gerührt, wenn er die Gnade des Gläubigers kennenlernt. Er würde alles tun, um seine Liebe zu zeigen. Derjenige aber, der meint, nur ein kleiner Schuldner zu sein, schätzt nicht die Gnade der Vergebung, und, wie der Herr sagt, er liebt wenig. Wie durchforscht uns das!

Ich mag sogar ein bekennender Gläubiger an Jesum sein und Ihn dennoch wenig lieben, weil ich eine kleine Erkenntnis davon habe, wieviel Er mir vergeben hat. Das, was Jesus von mir bekommt, und was Gott von mir im Dienste der Liebe bekommt, hängt davon ab, wie weit mein Herz erfasst, wieviel Er mir vergeben hat. Auf diese Weise gewinnt Gott das Herz Seines armen, gefallenen Geschöpfes, denn die wirkliche Wahrheit des Evangeliums besteht nicht so sehr darin, dass der Mensch Gott braucht, sondern dass Gott den Menschen braucht, um an ihm Seine Güte und Gnade zu erweisen und um seine Liebe zu erwerben.

Es ist wunderbar, dass Gott meiner Liebe bedarf, obwohl ich ein Sünder bin. Er wollte die Liebe des Weibes und Er wollte die Liebe Simons haben; die erste bekam Er, die zweite aber nicht, und Er empfand das sehr. „Und sich zu dem Weibe wendend, sprach er zu Simon: Siehst du dieses Weib? Ich bin in dein Haus gekommen, du hast mir kein Wasser auf meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seitdem ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; diese aber hat mit Salbe (Myrrhe) meine Füße gesalbt“ (Verse 44 - 46).

Ein Spruch lautet: „Wer Liebe sucht, deckt die Übertretung zu“ (Spr. 17, 9); das war in Seinem Herzen, und in dem Weibe fand Er, was Er suchte. In der Kraft ihrer vielen Liebe hatte sie alles Herkömmliche durchbrochen.

Unser ist nun das Vorrecht, einem kalten und herzlosen Bekenntnis gegenüber zu zeigen, dass wir Ihn viel lieben, und nicht nur dadurch, dass wir für Ihn wirken, sondern auch dadurch, dass wir über Ihn das, was nur die Liebe geben kann, ausgießen. Keiner von uns würde zu sagen wagen, dass ihm wenig vergeben wurde, aber viele von uns könnten wohl um ein tieferes Bewusstsein davon beten, wie viel uns vergeben wurde, damit wir viel lieben möchten.

„Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt.“ Dem Simon, der sie als eine Sünderin verachtet hatte, wollte Er deutlich mit göttlicher Gewalt sagen, dass ihre Sünden vergeben waren und dass Er es für geziemend hielt, dass ihr die Sünden der Gerechtigkeit gemäß erlassen waren, denn sie hatte viel geliebt. Sie stand jetzt in einem rechten Verhältnis zu Gott, denn sie hatte Seine Gnade erkannt und Ihn deswegen geliebt.

Nicht einmal ein Pharisäer konnte bestreiten, dass einer, der Gott viel liebte, seinen Anspruch auf Vergebung geltend machen durfte. Sie erlangte natürlich nicht aus diesem Grunde die Vergebung; sie erlangte sie einzig und allein auf Grund der Gnade des Gläubigers, und Simon hätte sie in derselben Weise erlangen können. Dem Simon wollte Er von ihrer Liebe nur sagen, dass sie ihre Vergebung rechtfertigte.

Bei Sündern, deren Sünden vergeben waren, war etwas vorhanden, worauf der gepriesene Gott die Aufmerksamkeit lenken konnte als ein Zeichen davon, dass solche Personen moralisch dazu passend sind, Vergebung zu bekommen. Das galt aber dem Pharisäer, der die Gnade nicht verstand, und nicht dem Weibe, das sie verstand.

„Er aber sprach zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben.“ Der Herr möchte keinen, dessen Sünden vergeben sind, ohne eine derartige persönliche Versicherung lassen. Sie ist aber das Ergebnis davon, dass man Ihm in Liebe nahesteht, weil man die in Ihm zum Ausdruck gekommene Gnade schätzt.

Diese Gnade strahlt im Allgemeinen allen entgegen. Wenn sie aber geschätzt wird und man Ihn deswegen liebt, gibt es eine bestimmte und persönliche Erkenntnis der Vergebung, die man in Seiner Nähe bekommt, so dass man weiß, dass man sie unmittelbar von Ihm empfangen hat. Es ist nicht Sein Gedanke, dass irgendeiner von uns das nicht haben sollte.