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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

Ein Überblick über das 1. Buch Mose

Hauptgedanken aus Wortbetrachtungen mit Charles Andrew Coates

Kapitel 5

In diesem Kapitel haben wir die Linie, in der das göttliche Licht und Zeugnis zu finden sind; Kains Nachkommen werden hier überhaupt nicht beachtet.

Keiner der hier genannten Männer starb, bevor er nicht sein

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Evangelium

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C.A.C.  - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

 

Kapitel 8

Die Tatsache, dass der Herr nacheinander Stadt und Dorf durchzog, ist ein Hinweis darauf, dass die Macht des Reiches Gottes in einer großen Anzahl von verschiedenen Örtlichkeiten bekannt werden sollte. Die Herrschaft der Gnade sollte an vielen Orten zum Ausdruck kommen, ein Vorschatten von dem, was durch das Aufrichten von Ortsversammlungen in Verbindung mit dem Dienste Pauli zustande kommen sollte.

Nicht nur predigte der Herr und verkündigte das Evangelium vom Reiche Gottes, sondern die Kraft des Reiches wurde auch in denjenigen gesehen, die Ihn begleiteten. „Die Zwölfe“ stellten Seine Macht in der Verwaltung dar, die Weiber aber, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren und die Ihm jetzt mit ihrer Habe dienten, waren ein persönlicher Beweis von der Kraft des Reiches.

Der Herr möchte diese Art Verwaltung und diese Art persönlichen Zeugnisses in jeder Stadt und in jedem Dorfe haben, welche Er auf der ganzen Welt besucht. Die Autorität derer, die Er als Apostel auserwählt hat, muss überall anerkannt werden, denn sie sind Vertreter von Seiner Gewalt; es muss aber auch der in den Weibern dargestellte innere Zustand vorhanden sein - sie waren geheilt und vom Bösen befreit, und nun dienten sie Ihm in Liebe.

Das Weib, das am Ende von Kap. 7 gesehen wird, ist ein ausgewähltes Vorbild von der Art Personen, die in jeder Stadt und jedem Dorfe mit dem Herrn sein und Ihm dienen können. Der wahre Charakter des Reiches Gottes ist, dass die Gewalt des Herrn anerkannt wird, und zwar von denjenigen, deren Sünden vergeben und die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden sind und die Ihn jetzt viel lieben und Ihm in der Weise dienen, wie das Weib es im Hause Simons tat. Was für ein Zeugnis ist das, das in jeder Stadt und in jedem Dorf aufgerichtet werden sollte!

Das Zeugnis Gottes in dieser Welt hängt sehr viel mit der Wertschätzung Jesu als dem Freund der Sünder zusammen. Wo Jesus geliebt und wo Ihm gedient wird und wo Sein Herz durch das befriedigt wird, was Ihm von denen, die Ihn lieben, dargebracht wird, da ist das Reich Gottes in Kraft. Vielleicht würden viele von uns wesentlich lebendiger im Reiche Gottes sein, wenn wir Ihn mehr mit der inbrünstigen Liebe derer liebten, denen viel vergeben worden ist. Vielleicht müssen einige von uns noch von Krankheiten geheilt werden, die uns daran hindern, den Charakter Gottes in Gnade zum Ausdruck zu bringen.

Markus sagt uns, dass der Herr sieben Dämonen aus Maria Magdalene austrieb, hier bei Lukas lesen wir aber, dass sie „ausgefahren waren“. Das deutet darauf hin, dass sie nicht dort bleiben konnten, wo Jesus so geliebt wurde.

Wenn aber die Dämonen ausfahren, so bedeutet das, dass die Anordnungen des Herrn, die in den „Zwölfen“ dargestellt werden, anerkannt werden sollten. Für uns würde das bedeuten, dass den Geboten des Herrn durch Seine Apostel völlig Raum gegeben wird, weil sie uns darin unterweisen, wie wir zusammen wandeln sollen (1. Kor. 14, 37).

Es ist wichtig zu beachten, dass wir unsere Liebe zu dem Herrn Jesu zum Ausdruck bringen, wenn wir die von Ihm festgesetzte Versammlungsordnung einhalten.

Die ersten drei Verse von Kapitel 8 sind in Wirklichkeit mit dem Ende von Kapitel 7 verbunden; Vers 4 beginnt ein neues Thema. Jetzt versammelt sich „eine große Volksmenge“, und das bringt dem Herrn in den Sinn, dass das Reich Gottes eine gewisse Gestalt annehmen würde, in welcher es nötig sein wird, zwischen verschiedenen Arten von Personen zu unterscheiden, die in Beziehung zum Reiche Gottes stehen würden. Das Wort Gottes würde weit und breit gesät werden, es würde aber nur in „guter Erde“ fruchtbar sein, wo, wie es bei Lukas geschildert wird, ein volles Ergebnis - hundertfältige Frucht - hervorgebracht wird.

Was wir hier sehen, ist der normale Ertrag von so wertvollem und fruchtbarem Samen wie „das Wort Gottes“. Wenn das Wort der göttlichen Gnade in gute Erde fällt, erzeugt es einen vollen Ertrag für Gott.

Das sind nur für Eingeweihte bekannte „Geheimnisse“. In der gegenwärtigen Zeit hören viele das Wort Gottes. Sie werden aber nicht so beeindruckt, dass sie fruchtbar werden. In dem Weibe am Ende des vorhergehenden Kapitels sehen wir ein Herz, in welchem das Wort sehr fruchtbar geworden war, und die in Vers 2 und 3 dieses Kapitels Erwähnten hatten mit Ausharren Frucht hervor gebracht. Das beweist aber, dass der Same in gute Erde gefallen war.

„Ein redliches und gutes Herz“ beim Menschen kann nur das Ergebnis des Werkes Gottes sein.

Matthäus gibt dieses Gleichnis mit einem abnehmenden Ergebnis wieder - „das eine hundert-, das andere sechzig-, das andere dreißigfältig“ -, weil dort die Dinge, wie sie der Verantwortlichkeit des Menschen anvertraut sind, betrachtet werden. Bei Lukas wird aber das Wort Gottes, wie es seinen normalen Ertrag bringt, betrachtet, weil es eben das Wort Gottes ist - nicht wie Mose oder die Propheten es redeten -, sondern das Wort Gottes in Gnade, wie der Sohn Gottes es geredet hat. Und es fällt in ein redliches und gutes Herz - d. h. in ein Herz, das im Selbstgericht geübt ist; denn jeder Mensch ist unredlich, bis er Buße tut und zugibt, dass er ein Sünder ist. Dann schätzt ein gutes Herz die Güte, wie sie im Freunde der Sünder gesehen wird.

Das Weib in Kapitel 7 hatte ein redliches Herz - sie wusste, dass ihrer Sünden viele waren; sie hatte aber ein Herz, das die Güte und Gnade, die sie in Jesu fand, sehr schätzte. Es war ihre Lust, alles, was sie besaß, über Ihn auszugießen, das Beste und Auserlesenste von all ihrem Besitz. In ihr brachte das Wort Gottes eine hunderfältige Frucht hervor.

Der an den Weg, auf den Felsen und mitten unter die Dornen gesäte Same bringt keine Frucht. Das erklärt, warum das Wort Gottes nicht in allen, die es hören, fruchtbar wird. Am Wege kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen fort, damit sie nicht glauben und errettet werden. Wie ernst ist es zu wissen, dass da, wo unachtsame Menschen das Wort hören, ein bestimmtes Einwirken des Teufels stattfindet!

Die auf dem Felsen sind oberflächlich; sie sagen leichtfertig, dass sie glauben, aber sie haben keine Wurzel; bei ihnen wurde der brachliegende Acker nicht durchgepflügt, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab. Dann wird das unter die Dornen Gesäte durch Sorgen und Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt. Der Herr möchte uns geistliches Verständnis über diese Dinge geben.

Das Wort Gottes bewahren (Vers 15) bedeutet, es im Herzen zu schätzen; dann kommt das Fruchtbringen mit Ausharren zustande. Das Wort vermehrt sich, indem es in den Gläubigen das, was ihm selbst entspricht, erzeugt. Die im Herzen geschätzte Gnade Gottes ist fähig, einen vollen Ertrag zu erzeugen; wir sollten nichts Geringeres als einen hundertfältigen Ertrag vor uns haben.

Dann denkt der Herr nicht nur an Frucht für Sich Selbst und für Gott, sondern auch an ein hervor strahlendes Zeugnis, das die Menschen sehen sollen. Niemand, der eine Lampe angezündet hat, bedeckt sie mit einem Gefäß oder stellt sie unter ein Bett, sondern er stellt sie auf ein Lampengestell. Die Erkenntnis Gottes in Gnade im Herzen des Menschen ist zuerst verborgen und geheim, aber Er beabsichtigt, dass sie offenbar und bekannt werde. Sie soll leuchten. Deswegen sollen wir zusehen, wie wir hören, damit diese Erkenntnis wirklich als Licht aus uns hervorleuchten möchte.

Wenn sie in dieser Weise leuchtet, werden wir mehr bekommen. Wenn wir die Erkenntnis Gottes in Gnade aber nicht also besitzen, dass sie leuchtet, sagt der Herr, würde selbst das, was wir zu haben scheinen, uns genommen werden - ein sehr ernster Gedanke.

In Vers 21 sehen wir ein sehr kostbares Ergebnis des Hörens und Befolgens des Wortes Gottes. Ein Geschlecht wird erzeugt, das Christo moralisch verwandt ist. Es heißt: „Meine Brüder sind diese, welche das Wort Gottes hören und tun.“ Das besagt, dass das Wort sie in  Bewegung setzt, wie es mit dem Weibe in Kapitel 7 der Fall war, ebenfalls mit den Weibern in Kapitel 8, 3.

Der Gedanke ist, etwas in Bezug auf Christum zu „tun“, Ihm zu dienen. Die Welt kann gute Werke verstehen, aber etwas ausschließlich zu tun, um Ihm zu dienen, ist etwas anderes. Er hat zum  Beispiel gesagt: „Dieses tut zu meinem Gedächtnis.“ Dieses Tun der Liebe bedeutet für die Welt sehr wenig, aber für Ihn bedeutet es sehr viel.

„Und es geschah an einem Tage, dass er in ein Schiff stieg, er und seine Jünger, und er sprach zu ihnen: Lasst uns übersetzen an das jenseitige Ufer des Sees. Und sie fuhren ab“ (Vers 22).

Ich glaube, dass „das jenseitige Ufer des Sees“, wie es hier hingestellt wird, die Welt der Nationen zum Ausdruck bringt. Der Herr belehrte Seine Jünger, indem Er sie auf das Ausdehnen des Zeugnisses der Gnade auf diejenigen vorbereitete, welche bis zu dieser Zeit jenseits irgendeines direkten Zeugnisses von Gott gestanden hatten. Sie kamen jetzt in das göttliche Blickfeld zum Segen, aber das würde besondere Schwierigkeiten und den Widerstand Satans nach sich ziehen. Dieser würde von solch einer Art sein, dass er nur durch die Kraft, die im Sohne Gottes wohnt, überwunden werden konnte.

Das Wasser des Sees redet von den unruhigen Zuständen in dieser Welt, auf welche Satan einwirken kann. Beim Übertragen des Zeugnisses auf das „jenseitige Ufer“ würde man besonderen Schwierigkeiten, die der Herr vollkommen verstand, entgegentreten müssen. Er war bei Seinen Jüngern, doch augenscheinlich nicht für sie tätig. „Er schlief ein.“ Es sollte eine prüfungsvolle Zeit für sie werden, aber der Herr wusste das alles ganz genau, und durch Sein Einschlafen zeigte Er ihnen die bei solchen Zuständen geziemende ruhige Zuversicht.

Augenscheinlich sollten sie keine äußere Sicherheit haben, und sie sollten durch das Einwirken von feindlichen Mächten Gefahren ausgesetzt sein. Die Zustände der zukünftigen Welt waren noch nicht gegenwärtig, die Person aber war da, die alles herbeiführen konnte. Kannten sie Ihn gut genug, um bei einem plötzlichen Sturmwind ihre Ruhe zu bewahren? Kennen wir Ihn gut genug, um ruhig zu sein, wenn die Macht des Feindes sich zeigt? Sein Schlafen war eine Mahnung für sie; es war, als ob Er sagte: Dies ist eine Zeit, um ruhig zu sein.

Wir haben bemerkt, und wir werden noch bemerken, dass der Herr in diesem Evangelium die Dinge in Sich Selbst veranschaulichte. Wir können ganz sicher sein, dass Sein Verhalten in allen diesen Umständen immer das in diesen Umständen passende war.

Sein Diener Petrus hatte diese Belehrung beherzigt, als er im Gefängnis schlief (siehe Apg. 12). Ein großer Sturm brach damals auf das kleine Schiff herein; denn Jakobus war mit dem Schwerte getötet worden, und Petrus wurde ins Gefängnis geworfen mit der ziemlich sicheren Aussicht (menschlich gesprochen), um getötet zu werden. Aber derart war sein Vertrauen auf den Herrn, dass er schlief, obwohl es noch gar keine Anzeichen von einer göttlichen Dazwischenkunft seinethalben gab.

Ruhe und Zuversicht sind ein großer Beweis dafür, dass der Herr mit Seinem Volke ist, obwohl die Zustände sehr unruhig sein mögen und wir unsere Schwachheit tief fühlen. Der Herr will nicht, dass wir daran zweifeln sollten, dass Er mit uns ist. Es wird von Israel gesagt, dass sie Jehova versuchten, indem sie sagten: „Ist Jehova in unserer Mitte oder nicht?“ Wenn wir das sagen, versuchen wir Ihn; wir haben dadurch Seine Liebe in Frage gestellt. Beinahe die letzten Worte des Herrn an die Seinigen waren: „Dieses habe ich zu euch geredet, auf dass ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Drangsal; aber seid gutes Mutes, ich habe die Welt überwunden.“

Als der Herr „in ein Schiff stieg, er und seine Jünger“, wusste Er, was Er tat. Er wusste alles über den herankommenden Sturm, und Er begab Sich absichtlich in diese Lage, aber Er war bei ihnen. Beachten wir dieses Wort: „Er und seine Jünger.“ Es ist nötig, dass wir die Person kennen, die bei uns ist.

Die vorhergehenden Kapitel hatten genügt, um zu zeigen, wer Er war, und dennoch dachten sie, sie könnten mit Ihm im Schiff umkommen. Ein furchtbarer Sturm entlud sich über Stephanus, doch er dachte gar nicht an das Umkommen; seine letzte Stunde war ein Augenblick des ruhigen und heiligen Triumphes, obwohl nach außen hin keine Dazwischenkunft in Bezug auf ihn stattfand.

Das zärtliche Mitgefühl des Herrn ist derartig, dass Er oft einen Sturm stillt, wie Er es in der vorliegenden Schriftstelle tat. Er wird sicherlich auf unsere Schwachheit Rücksicht nehmen, Er will aber, dass unsere Herzen von dem Bewusstsein dessen, was wir an Ihm Selbst haben, erfüllt sein möchten. Er ändert nicht immer die Umstände, aber Er beherrscht sie zum Wohle Seiner Heiligen und im Blick auf Sein Zeugnis.

„Das Land der Gadarener“ (Vers 26) wurde wahrscheinlich von Nationen bewohnt, und der Mann, der Dämonen hatte, stellt die Zustände dar, die in der Welt der Nationen zu sehen sind. Die volle Kraft der Stärke des Bösen wurde dort in einer furchtbaren Weise offenbar. Wir brauchen nur Römer 1 zu lesen, um den Charakter des Menschen in der Welt der Nationen zu sehen: Götzendienst, Zügellosigkeit, Gewalttätigkeit und Verderbtheit hatten von dem Menschen Besitz ergriffen. Es gab dort nicht einmal die äußerliche Schicklichkeit, welche den Juden einigermaßen kennzeichnete. Philosophen und Sittenlehrer hatten versucht, das offenkundigste Böse zu zügeln, aber ohne Erfolg.

Gott hatte es aber vor Sich, dass Seine durch Jesum geoffenbarte Gnade in befreiender Macht in die Welt der Nationen gelangen sollte. Gott bedurfte der Welt der Nationen, um die Fülle Seiner Gnade ans Licht zu bringen; das Haus Gottes konnte nicht mit Juden allein angefüllt werden; deshalb wurde der Knecht auf die Wege und an die Zäune gesandt - d. h. in die heidnische Welt  -, um die Menschen zu nötigen, zum großen Abendmahl der Gnade hereinzukommen.

Diese Begebenheit deutet an, dass der Herr außerhalb des bevorrechtigten Israels völlige Befreiung für die Menschen bewirken würde. Was war das für ein wunderbarer Anblick für die Augen des Himmels, die Korinther, Kreter, Thessalonicher und Römer mit Gewändern der Gerechtigkeit und Heiligkeit bekleidet und zu den Füßen Jesu sitzend zu sehen! Der Herr hat Sich in der heidnischen Welt ein Zeugnis von Sich Selbst in denjenigen gesichert, die einst durch die Macht des Bösen beherrscht wurden, jetzt aber befreit und zur Ruhe gebracht waren; sie waren hienieden zum Zeugnis von dem zurückgelassen, was Jesus an ihnen getan hatte. Jeder von der Macht der Sünde befreite Gläubige ist ein Teil dieses Zeugnisses.

Gadara war aber ebenso wenig auf die Mächte des zukünftigen Zeitalters vorbereitet wie Judäa. Sie baten Ihn, von ihnen wegzugehen. Es stellte sich bald in der heidnischen Welt heraus, dass Jesus der Masse des Volkes unerwünscht war; aber Er sicherte Sich ein Zeugnis, und von dieser Zeit an ist ein Zeugnis von Ihm in der heidnischen Welt vorhanden gewesen, obwohl Er der Masse des Volkes unerwünscht ist.

Ich zweifle nicht daran, dass die Zeit kommt, wo Jesus ebenso entschieden in der Christenheit verworfen werden wird wie in Gadara. Die völlige Abtrünnigkeit von Gott ist noch nicht gekommen, aber sie naht heran.

Die unumschränkte Macht des Herrn im Befreien von der wirksamen Macht des Bösen wird in dem Manne, der die Dämonen hatte, dargestellt. Bei dem Manne war kein Zeichen von einer gottgemäßen Seelenübung, noch der Wunsch, befreit zu werden, vorhanden, obwohl er zu den Füßen Jesu niederfiel. In seinem Falle wird unsere Aufmerksamkeit mehr auf das Interesse des Herrn an ihm und auf das, was der Herr für ihn tat, gelenkt, als auf irgendeine Seelenübung.

Das Ausgehen des Evangeliums in die heidnische Welt war einzig und allein eine Angelegenheit der Unumschränktheit Gottes; Gott besuchte die Nationen, um aus ihnen ein Volk für Seinen Namen herauszunehmen. Und so ist es auch jetzt noch in vielen Fällen. Manchmal begegnet die in Gnade wirkende göttliche Macht den gewalttätigsten und abscheulichsten Sündern, und sie werden unterworfen und befreit, ohne dass sie vorher nach Jesu verlangt hätten.

In dem Falle des mit einem Blutfluss behafteten Weibes sehen wir dann aber die Geschichte derartiger Seelenübungen, wie man sie bei solchen Menschen finden kann, die eine gewisse Erkenntnis Gottes besitzen, die aber solche Seelennöte kennen, die keine menschliche Kraft oder Geschicklichkeit stillen kann. Das Weib hatte lange Jahre an einer Schwachheit gelitten, sie hatte sich um ihre Heilung bemüht und sie herbeigesehnt; augenscheinlich war ihr Zustand nicht in Ordnung; zwölf Jahre hatte dieses traurige Erlebnis gedauert, aber am Ende wurde ihr die Kraft eines Anderen zuteil. Ihr Zustand machte sie unrein (siehe 3. Mose 15).

Wenn sie vom Friedensopfer gegessen hätte, wäre sie vollständig aus dem Volke Gottes ausgerottet worden (3. Mose 7, 20). Ihr Zustand machte sie unrein, aber sie empfand das und sehnte sich sehr danach, von ihm befreit zu werden. Die Tatsache, dass sie ihren ganzen Lebensunterhalt an Ärzte verwandt hatte, war eine Empfehlung für sie; das bewies, dass sie es äußerst ernst meinte und dass sie so sehr begehrte, zum Genuss der geistlichen Vorrechte zurückzugelangen, dass sie dafür ihren ganzen Lebensunterhalt in dieser Welt zu opfern bereit war. Ihr Zustand beraubte sie der Fähigkeit, geistliche Vorrechte zu genießen; sie konnte keine Gemeinschaft mit dem Altar Gottes haben. Sie wollte aber von dieser Unfähigkeit befreit werden, und sie war eifrig bemüht. Im Laufe von zwölf Jahren tat sie alles, was sich ihr bot, um Befreiung zu erlangen, damit sie zum Genuss der Gemeinschaft mit dem Altar zurückkehren konnte, und um das Friedensopfer, das von der Gemeinschaft spricht, essen zu können. Alle, die es aßen, wurden mit dem Altar in Gemeinschaft gebracht.

Es ist etwas sehr Liebliches, den äußersten Ernst zu sehen, mit welchem dieses Weib danach trachtete, ihr Gebrechen loszuwerden, und dann zu der Zuversicht zu gelangen, die sie nach der erfahrenen Hoffnungslosigkeit von allem anderen hatte; sie wurde zu der völligen Überzeugung gebracht, dass, wenn sie nur Sein Kleid anrühren würde, sie geheilt werden würde. Welch ein Glaube an Seine Person!

Wir haben in diesem Kapitel den Gedanken betrachtet, dass alles sich um den Glauben an Seine Person dreht; wenn die Jünger im Schiff an Seine Person geglaubt hätten, hätten sie Ihn nicht aus dem Schlaf geweckt. Dieses Weib war zum Glauben an Seine Person hingelangt. Wie lange sie auch in diesem Zustande gewesen war und wie hoffnungslos alle sonstigen Hilfsquellen auch waren, so hatte sie doch die vollkommene Zuversicht, dass, wenn sie nur Sein Kleid berühren würde, sie geheilt würde. Sie wurde zum Glauben daran gebracht, was in Christo für sie vorhanden war, und auch wir müssen alle dahin kommen. Die Gegenwart Jesu setzt den Glauben in Tätigkeit.

Wenn wir Erkenntnis über Ihn bekommen, betätigen wir unseren Glauben, denn wir fangen an, uns dessen bewusst zu werden, dass kein Fall hoffnungslos ist. Der von Dämonen besessene Mann wurde durch die unumschränkte Wirkung der göttlichen Macht zu den Füßen Jesu gebracht. Dann muss aber dieser inneren Seelenübung entsprochen werden. Das Weib nahm wahr, was in Seiner Person gegenwärtig war, und sie berührte die Quaste Seines Gewandes; sie berührte die blaue Schnur. Vom Bewusstsein ihrer eigenen Schwachheit und Unzulänglichkeit erfüllt, und nach den zwölfjährigen Erfahrungen, wo sie ihren ganzen Lebensunterhalt hergab, ohne eine Besserung zu verspüren, sah sie jetzt in einem Anderen die himmlische Vollkommenheit von allem, was ihr fehlte, und sie trat mit Ihm in Berührung. Zwölf Jahre hatte sie mit dem gekämpft, was in ihr war; jetzt aber trat sie mit dem in Berührung, was in Ihm war - das ist das ganze Geheimnis.

Ist es uns schon wirklich ernst darum gewesen? Ich kannte einen sehr frommen Knaben, der sehr darum besorgt war, was er in sich selbst fand - über seine Schwachheit und Unzulänglichkeit. Eines Tages kam er zu mir und sagte: „Ich habe etwas Geld gespart und habe 150 Pfund auf der Bank - glauben Sie, dass es mir helfen würde, wenn ich das für das Werk des  Herrn gäbe? Ich bin bereit, es jetzt zu geben, wenn es mir helfen würde.“ Er war bereit, seinen ganzen Lebensunterhalt wegzugeben, und seinen ganzen Besitz von den Dingen dieser Welt zu opfern, um geistlich Heilung zu erlangen.

Was wir hier sehen, ist eine Seele, die durch eine lang ausgedehnte Seelenübung ging, und  zwar wegen eines inneren Zustandes, der sie der Freude der Gemeinschaft beraubte. Ich denke, jeder von uns hat einen Zustand erlebt, wo wir keine besonders verkehrten Worte oder Taten auf dem Gewissen hatten und dennoch der Freude der geistlichen Gemeinschaft beraubt waren. Das war der Fall bei diesem Weibe - wie war dem abzuhelfen? Das Mittel bestand darin, sich im Glauben und in Liebe mit einer anderen Person in Verbindung zu setzen, in der Vollkommenheit nach einer himmlischen Ordnung vorhanden war.

In Christo ist die Vollkommenheit von allem, was wir begehren, zu finden, und wir dürfen vom Bewusstsein dessen, was wir sind, und vom Misslingen unserer Anstrengungen zum Bewusstsein dessen, was in Ihm ist, übergehen. Dann können wir mit großer Freude zum Altar Gottes hinzutreten und das Friedensopfer essen; wir können mit Gott und mit Seinem Volke Gemeinschaft genießen.

Ernsthafte Leute suchen viele Ärzte auf - das Gesetz, Entschlüsse, anders zu sein oder Gebet - das Gebet ist gewöhnlich die Zuflucht aufrichtiger Seelen -, es ist aber möglich zu beten, ohne Jesum anzurühren. Einige von uns haben es erlebt, dass unsere natürlichen Veranlagungen, wenn sie in Tätigkeit treten, die Gemeinschaft verhinderten. Ich habe es erlebt, dass ich ernstlich Gott um Gnade gebeten habe, um sie zu überwinden, und als ich von den Knien aufstand, fand ich, dass dieselben Dinge noch wirkten.

Es ist eine Person, die wir brauchen. Dieses Weib bekam Macht und Kraft von dem Herrn. Der Herr tat für sie, was weder sie selbst noch irgendein Arzt für sie tun konnte.

Es gibt vieles, wozu wir selbst hingelangen müssen. Das Evangelium stellt uns das volle Maß der göttlichen Gnade als Gegenstand der Betrachtung vor Augen; die Diener des Herrn predigen es, und sie werden es immerfort predigen, bis der Herr kommt; aber alles, was in der frohen Botschaft dargestellt wird, muss von uns erlangt werden. Wir müssen die Verbindung herstellen.

Dieses Weib stellte die Verbindung von ihrer Seite aus her; es war eine persönliche Begegnung, eine persönliche Berührung. In dem von Dämonen besessenen Manne sehen wir die Vollständigkeit der Befreiung von Seiten Gottes; die unumschränkte, aus Gnaden wirkende göttliche Macht tat alles für ihn. Von einem Standpunkte aus dürfen wir sagen, dass das Evangelium alles für uns tut; es kommt zu dem armen Sünder und erzählt ihm von Dem, der ihn wirklich von der Sünde, von der Welt und von Satan befreien kann; es spricht von Einem, dem es wohlgefällig ist, die Sünden auszutilgen und den Geist zu geben. Durch Christum und in dem Werte der Erlösung kann der Sünder gewaschen, geheiligt und schließlich verherrlicht werden, weil er einen Leib bekommt, der dem Leibe Jesu gleichförmig ist.

Das ist die eine Seite; wir sollen aber auch die Dinge von der Seite unserer Seelenübungen aufnehmen und dadurch das kennenlernen, was in Jesu für uns vorhanden ist. Dieses Weib lernte das, was in Ihm war, nach zwölfjährigen Seelenübungen kennen.

Ich denke, wir können sagen, dass der von Dämonen Besessene Römer 6 entspricht, das Weib Römer 7 und das Mägdlein Römer 8, wo der Geist Leben ist. Bei dem von Dämonen Besessenen gab es eine vorherige Lebensgeschichte unter der Macht des Teufels, und bei dem Weibe gab es eine Lebensgeschichte in der Unzulänglichkeit des Fleisches, was sie für Gemeinschaft unfähig machte. Im Falle des Mägdleins handelt es sich mehr um das Hinfallen und Verwelken von allem, was anziehend und schön zu sein scheint. Gerade zu der Zeit, wo der Vater erwarten sollte, dass ihm seine Tochter wie nie zuvor einsichtsvolles Verständnis entgegenbringen würde, da brach sie in sich zusammen und starb.

Wie oft ist auch bei uns ein Mangel an lebendigen Zuneigungen! Bin ich oft in tiefen Seelenübungen darüber, weil es mir zum Bewusstsein kommt, welch ein Mangel an lebendigen, für ein rechtes Verhältnis mit Gott passenden Zuneigungen in meinem Herzen vorhanden ist? Ich denke, viele von uns wissen, was das bedeutet. Was nützen christliche Vorrechte, wenn wir sie nicht in lebendigen Zuneigungen genießen? Wir müssen Zuneigungen haben, die sich in der Kraft des Lebens regen, und dazu brauchen wir das lebendigmachende Wort Jesu und die Leben spendende Berührung mit Ihm.

Wir denken mit Zartgefühl an die Kinder, die sozusagen in der Synagoge erzogen werden; dieses Mädchen wurde in der Synagoge erzogen. Wir finden anziehende Kinder; ihr Wandel ist anständig, sie sind ihren Eltern gehorsam, kein Laster wird bei ihnen offenbar; haben sie aber auch ein Leben, das der Tod nicht berühren kann? Es kann nach außen hin alles Schöne vorhanden sein wie bei dem Jüngling, den der Herr liebhatte, als Er ihn sah; er hatte aber nicht das ewige Leben, er besaß kein Leben, das der Tod nicht berühren könnte, und er wusste es.

Ich glaube, dass wir durch eine Seelenübung gehen müssen, die uns lehrt, dass unsere Zuneigungen eines göttlichen Lebendigmachens bedürfen.

Wenn der Herr sagte, dass sie nicht tot war, betrachtete Er sie von Seinem eigenen Standpunkte aus; in Seinen Augen war der Fall nicht hoffnungslos. Palm 119 ist sehr hilfreich in Bezug auf diese Frage. Wir finden dort eine große Wonne am Gesetz Gottes, an Seinen Geboten, an Seinem Worte und an Seinen Satzungen, aber immer wieder finden wir in diesem Psalm ein Gebet um Lebendigmachen.

Wenn nun das Herz Gott liebevoll entgegenschlagen soll, müssen die Zuneigungen lebendig gemacht werden. Es genügt nicht, äußerlich in Ordnung zu sein; wir bedürfen des göttlichen Lebendigmachens unserer Zuneigungen, damit wir dem Platz und den Beziehungen, in die die göttliche Gnade uns gebracht hat, gerecht werden.

Wenn Israel lebendig gemacht werden wird, werden sie Gott ihre Antwort darbringen; sie werden Gott von ganzem Herzen lieben und ihren Nächsten wie sich selbst. Wir singen manchmal: „Wir haben Deinen Lebensruf vernommen“ (Lied 137, 3). Das Wort „beleben“ (Ps. 119, 25. 37. 40. 50) bedeutet im Hebräischen lebendig machen und lebendig erhalten. Wir bedürfen nicht nur eines ersten Lebendigmachens, sondern wir müssen auch am Leben erhalten werden. Wir sollen in unseren Zuneigungen auf eine neue und göttliche Weise leben.

Dieses Kapitel blickt im Voraus auf Zustände, die im zukünftigen Zeitalter herrschen werden. Wenn jemand am zukünftigen Tage leben soll, muss er ewiges Leben haben, d. h. er benötigt ein Leben, das der Tod nicht berühren kann.

Dieses Mägdlein war der Gegenstand der ergebenen Liebe ihres Vaters; sie war seine einzige Tochter, der Liebling seines Herzens, und er wurde plötzlich von der schrecklichen Furcht erfasst, dass er jeder Antwort von ihr beraubt werden würde. Das führte dahin, dass er den Herrn hereinbrachte, und indem er Ihn hereinbrachte, brachte er auch die Kraft des Lebens herein.

Der Herr kann uns lebendig machen und uns am Leben erhalten, so dass, wenn wir zusammenkommen, um Seiner zu gedenken, wir es nicht in einer förmlichen Weise tun, weil es recht ist, dies zu tun, sondern wir  tun es mit einer lebendigen Triebfeder der Zuneigung zu Ihm; es ist dann Leben vorhanden.

Dann „befahl er, ihr zu essen zu geben“. Ich glaube, dass uns etwas entgeht, wenn wir das Abendmahl des Herrn nicht als Nahrung betrachten; es ist nicht nur eine Gedenkfeier an Ihn, sondern auch Nahrung für unsere Zuneigungen. Wenn wir am Abendmahl des Herrn häufig teilgenommen haben, so sollte sicherlich Kraft in unserer Liebe vorhanden sein, eine Kraft, deren Lust es sein sollte, in der Macht des Lebens dem Herrn zu dienen. Es ist nicht der göttliche Gedanke, dass wir das Abendmahl des Herrn essen und dann weggehen sollten, ohne eine Zunahme der Kraft in unseren geistlichen Zuneigungen zu haben.

Wenn dieses Mägdlein nicht zum Leben gebracht worden wäre, so hätte es nicht essen können; wir müssen leben um zu essen, und dann essen wir auch, um zu leben. Es ist die Absicht des Herrn, dass jedesmal, wenn wir das Abendmahl essen, unsere Zuneigungen erweitert und gestärkt werden möchten. Ohne lebendige Zuneigungen wäre das bloß eine religiöse Form. Andererseits aber essen wir, um zu leben. Wir essen, damit wir in unseren geistlichen Zuneigungen genährt, erweitert und gekräftigt werden sollten.

Manchmal bin ich über irgend etwas besorgt und vergrämt gewesen, und ich kam zum Abendmahl des Herrn, und ich empfand Seine Liebe so stark, dass das, worüber ich besorgt war, mir gar nichts mehr bedeutete.