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MALEACHI 3.16

Zufalls Beitrag

Ein Überblick über das 1. Buch Mose

 

Hauptgedanken aus Wortbetrachtungen mit Charles Andrew Coates

 

 

Kapitel 29 - 35

 

Kapitel 35 gibt uns das Endziel, wohin Jakob in all diesen Tagen geführt wurde. Von Kapitel 29 an haben wir seine Geschichte und Erfahrungen in Paddan-Aram.

Zweifellos ist diese Geschichte ein Bild von der Lage Israel

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Lukas

Lukas Kapitel 18

Lukas       Abschrift: Niocole F

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C.A.C.  - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

 

Kapitel 18

 

Es waren „Tage des Sohnes des  Menschen“, als das Reich Gottes in Ihm auf dem Wege der Gnade dargestellt wurde, und es werden „Tage des Sohnes des Menschen“ sein, wenn alles Böse bei Seinem Kommen hinweggetan werden wird. Zwischen diesen beiden Abschnitten kommt die Zeit des Leidens und der Verwerfung (Kap.17, 25), woran auch die Auserwählten Gottes teilhaben.

Das gibt der gegenwärtigen Zeit das Gepräge. Alles wird moralisch im Lichte der Tage des Sohnes des Menschen beurteilt. Dieser  Ausdruck deutet auf die Glückseligkeit hin, welche jedem dieser Tage eigen war im Gegensatz zu den darauffolgenden Tagen, wo die Bosheit des Menschen heranreifen würde. Der Glaube würde alles das in Gegensatz zu dem stellen, was die Tage des Sohnes des Menschen kennzeichnete.

Es ist gut, die Tage des Dienstes Christi hienieden im Gegensatz zu den 1260 Tagen in Offb. 11 zu betrachten. Während der Tage Christi hienieden brachte jeder Tag irgendeinen neuen Wesenszug der Gnade des Herzens Gottes ans Licht. Jetzt haben wir einen neuen Maßstab, der viel höher als derjenige des Gesetzes und der Propheten ist, nach dem wir alles beurteilen können.

Während der Zeit der Verwerfung und des Leidens ist das Gebet eine große Hilfsquelle: „Er sagte ihnen...dass sie allezeit beten und nicht ermatten sollten.“ Dabei (Vers 7) geht es um das Erleiden von Unrecht, ohne dass Abhilfe da ist. Während Gott langmütig wartet, erhebt sich Tag und Nacht das Schreien Seiner Auserwählten. Es ist eine Zeit der Langmut Gottes, und Er will Seine Heiligen auch zur Langmut erziehen. Es ist alles vor Gott vorhanden, um alles zurechtzubringen; aber für den Augenblick ist Gebet und nicht Vergeltung unser Teil.

Wenn ein ungerechter Richter, der Gott nicht fürchtet und von moralischen Dingen nichts hält, dennoch Recht schafft, um nicht andauernd belästigt zu werden, wie viel mehr wird Gott es tun, der solch einen innigen Anteil an Seinen Auserwählten nimmt und auf ihr Schreien hört!

Wir sehen in den Versen 10 - 13, dass der Mensch, der sich selbst erniedrigt und sich auf die Erbarmungen Gottes wirft, gerechtfertigt wird. Wenn wir gesinnt sind, uns selbst zu erhöhen, so bedeutet das nur, dass wir erniedrigt werden müssen. Wenn wir etwas in dieser Gesinnung tun, werden wir erniedrigt werden. Nichts demütigt eigentlich den Menschen mehr als das Bewusstsein der Sünde. Es geht nicht um ein Vorgeben, demütig zu sein, sondern um wahre Demütigung.

Der Weg der göttlichen Erhöhung ist das Herniederbringen und Hinwegtun des Menschen. Wir müssen lernen, gar nichts von uns zu halten, denn dann wird Gott etwas von uns halten; zuerst rechtfertigt Er uns und dann er höht Er uns, wenn wir die Erbarmungen Gottes in Christo wertschätzen. Er ist der große Ausdruck des göttlichen Erbarmens. Der Zöllner sagt: „O Gott, sei mir, dem Sünder, gnädig!“ Der einzige andere Vers, in welchem dieses Wort vorkommt, ist Hebr. 2, 17: „Auf dass er . . . ein barmherziger und treuer Hoherpriester werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen.“

Es steht ein ähnliches Wort in 1. Joh. 2, 2 und 4, 10, und eine andere Form davon ist „Gnadenstuhl“ in Röm. 3 und Hebr. 9. Es enthält den Gedanken der Sühnung. Soweit wie es zu jener Zeit möglich war, hatte der Mann in Vers 13 unseres Kapitels den Gedanken des Todes Christi als den Ausdruck des göttlichen Erbarmens erfasst, der deswegen jede Sünde der göttlichen Herrlichkeit entsprechend hinweg tat. Es ist nicht das gewöhnliche Wort für Erbarmen, das auf zärtliche Gefühle des Mitleids und der Güte hindeutet, sondern hier ist es eine deutliche Anspielung auf Sühnung für die Sünde. Dieser Mann kam aufgrund des Todes Christi in den Tempel, und er ging gerechtfertigt und erhöht in sein Haus hinab. Das sollte in unseren Seelen aufrecht gehalten werden, so dass wir, was uns betrifft, bei Gott niemals auf einer anderen Grundlage stehen. Es ist die wahre Grundlage des Friedens, und das gibt uns die Stellung von Kindlein, die Jesus berühren und denen Er das Reich Gottes geben kann.

Das Reich wird hier als etwas betrachtet, das zuerst empfangen und dann betreten werden soll.

Ich nehme an, dass der gerechtfertigte und erhöhte Mensch in Röm. 5, 1 - 11 zu sehen ist; aber das Reich Gottes zu empfangen bedeutet, in den Reichtum einzugehen, der in einem anderen Menschen vorhanden ist (Röm. 5, 12 - 21).

Die Kindlein werden als solche betrachtet, die nichts aus sich selbst haben, sondern alles durch die Berührung Jesu empfangen. Sie wurden zu Ihm gebracht, auf dass sie die ganze Güte, die in einem anderen war, empfangen sollten - die Gnade Gottes und die freie Gabe in Gnade. Diejenigen, die die Überschwenglichkeit der Gnade und die freie Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben. Ihnen gehört ein Leben, das alles übertrifft; sie sind tot der Sünde und dem Gesetze gegenüber und dem Fleische überlegen; sie leben in Christo Jesu und sind mit  Ihm im Sinne der Ehe verbunden, weil der Geist in ihnen wohnt; aus sich haben sie nichts, doch sie haben alles durch die Berührung Jesu.

Die Lehre darüber ist im Römerbrief, die lebendige Erläuterung aber in dem Evangelium. Das Evangelium wird gepredigt in der Apostelgeschichte, gelehrt im Römerbrief und erläutert in den Evangelien. In dieser Weise kommen wir zu dem Herrschen der Gnade in der Seele des Gläubigen; sie herrscht durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben. Das bedeutet, in das Reich einzugehen, um das wahre Leben des Reiches zu genießen.

Der Oberste in Vers 18 war diesen Weg gar nicht gegangen. Er kam wie ein guter Mensch zu einem anderen; Er hatte nicht gelernt wie der Zöllner, sich im Bewusstsein seiner Sünde zu demütigen, und er dachte gar nicht daran, etwas wie ein Kindlein zu empfangen, und deswegen war er gar nicht auf die Probe, die der Herr ihm stellte, vorbereitet. Der Herr erlaubte nicht, dass man sich Ihm in dieser Weise näherte. Er war hienieden, um der gepriesene Zeuge von der Güte zu sein, die in Gott für den Menschen vorhanden war. Er wollte nicht einmal die Stellung einnehmen, dass Er gut sei, sondern Er wollte alles Gute von Gott empfangen (Ps. 16). Wenn Er Güte empfing, konnte Er sie austeilen.

Der Oberste wurde augenscheinlich durch Seine freigebige Güte angezogen, und er kam als ein guter Mensch, um etwas von einem anderen guten Menschen zu lernen. Etwas zu empfangen, war ihm gar nicht in den Sinn gekommen; ihm fehlte das Bewusstsein, dass er etwas empfangen musste. Der Herr musste den wahren Zustand seines Herzens vor ihm bloßstellen. Er war nicht gut, obwohl er glaubte, gut zu sein. Er hatte nichts, was als genügender Beweggrund zum Aufgeben seiner Güter gelten konnte. Der Beweggrund zum Aufgeben ist das Reich Gottes, aber er kannte es gar nicht. Er liebte sich selbst und seine Reichtümer; er war zum Aufgeben derselben nicht bereit.

Keiner von uns wird den Grundsatz des Aufgebens verwirklichen, bis wir im Reiche Gottes dazu einen angemessenen Beweggrund haben. Der Herr spricht vom Verlassen von Häusern, Eltern, Brüdern, von Weib und Kindern um des Reiches Gottes willen.

Man muss den Wert des Reiches Gottes verstehen, um dazu bereit zu sein, hienieden alles aufzugeben, und dieser Mann hatte niemals den Wert des Reiches Gottes erkannt, er verstand ihn nicht. Wir müssen verstehen, worin der Gewinn des Reiches besteht. Es ist etwas sehr Vorteilhaftes, es ist etwas, was empfangen werden muss. Kleine Kindlein empfangen es. Wenn es bei uns noch Selbstbehauptung gibt, können wir es nicht empfangen.

Der Herr prüfte nicht diesen Mann durch die Gebote; Er vermied absichtlich alles im Gesetz, was ihn bloßstellen konnte. Die Gebote, die er gehalten hatte, hatten ihn eigentlich nicht in Bezug auf das Aufgeben geprüft. „Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis geben; ehre deinen Vater und deine Mutter. Er aber sprach: Dies alles habe ich beobachtet von meiner Jugend an.“ Man kann alles das beobachten, ohne wirklich etwas aufzugeben.

Das ist der dritte große Grundsatz des Reiches. Wenn du etwas, was aus Gott ist, anstrebst, bist du dann auch bereit, etwas für Gott aufzugeben? Ist Gott dir etwas wert? Hast du solch einen Reichtum in der Erkenntnis Gottes, dass du bereit bist, etwas aufzugeben? Dieser Jüngling war dazu nicht bereit; er hatte alle Dinge beobachtet, die kein Aufgeben erforderten.

Viele Menschen könnten sagen, dass sie diese Dinge von ihrer Jugend an beobachtet haben. In diesem Evangelium bringt der Herr fortwährend ans Licht, dass Dinge, die an und für sich recht sind, dem Segen der Seele hinderlich sein können. Es handelt sich dabei nicht um ausgeprägte Sünden, sondern darum, dass Dinge, die an sich gut und recht sind, hinderlich sind. Wenn man einen Schatz in den Himmeln haben will, muss hienieden etwas in irgendeiner Form aufgegeben werden. Alle Reichtümer, die ein Mensch haben mag, die nicht zum Reiche Gottes gehören, werden ihn daran hindern, darin einzugehen; natürlicherweise wirken sie so.

Der Herr hat nicht schlechte Dinge im Sinn, sondern Dinge, an denen man sich sogar dem Gesetze nach bereichern durfte, die aber nicht das Reich Gottes sind. Solche Dinge geben uns die Gelegenheit zum Aufgeben. Möchten wir nachsehen, ob bei uns nicht etwas ist, das wir aufgeben müssen; es handelt sich dabei um erlaubte Dinge, die aber nicht das Reich Gottes sind.

Dann werden wir, wie der Herr sagt, „Vielfältiges empfangen ... in dieser Zeit und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben.“ Das ewige Leben ist das dem Reiche entsprechende Leben; wenn das Reich öffentlich aufgerichtet werden wird, werden alle, die darin sind, ewiges Leben haben - „in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben“ (Vers 30).

Ewiges Leben ist eine Gabe, aber es ist auch ein Ziel und ein Kampfpreis. Der Weg dahin führt über den Pfad des Aufgebens. Das vollzieht sich nicht durch menschliche Anstrengungen, sondern durch das mächtige Wirken Gottes in der Seele. Es ist bei Menschen unmöglich, bei Gott aber möglich. Wenn ein Mensch sich Gott zukehrt und den Segen Gottes wünscht, findet er, dass es etwas gibt, was er aufgeben muss. Die Probe besteht darin, ob wir bereit sind das, was erlaubt ist, aufzugeben. Es kann etwas sein, was wir ohne Gewissensbisse behalten dürften. Wir werden dadurch geprüft, welchen Wert das Reich Gottes in unseren Augen besitzt. Hat es den Wert, dass man um seinetwillen etwas aufgeben sollte?

Die Jünger sahen in Jesu etwas, was sie zum willigen Verzicht antrieb; sie verließen ihre Schiffe und Netze, und einige von ihnen verließen ihren Vater. Sie gaben alles auf, weil sie etwas empfangen hatten. Sie verzichteten nicht, um etwas zu bekommen, sondern weil sie den Wert, den Jesus für sie hatte, wahrnahmen.

Dieser Oberste war keinem Druck ausgesetzt; seine Schwierigkeit bestand darin, dass er zu viel hatte und es liebte, und der Herr musste ihm einprägen, dass er nicht gut war. Er dachte, er hätte alle Gebote beobachtet, und er fühlte sich von der Verwaltung der Güte in der Hand Jesu angezogen. Er musste aber eine demütigende Belehrung hinnehmen, und zwar, dass er gar nicht gut war, und das kam darin zum  Vorschein, dass seine Güter ihm mehr bedeuteten als die Entfaltung der Güte.

Wenn wir uns darauf einstellen, auf den Wegen Gottes zu wandeln, so erfahren wir, dass es etwas gibt, was wir aufgeben müssen. Ein Neubekehrter findet das schon am ersten Tage seines neuen Lebens heraus, und wenn er diesen Grundsatz nicht befolgt, kann er nicht mit Gott vorangehen. Um Christi willen erlitt Paulus den Verlust aller Dinge; er gab alles völlig auf, er verlor seinen guten Ruf, seine Mittel und seine Freunde. Alles war dahin, aber er erlitt alles „um Christi willen“ - das war der Beweggrund.

Nach der Darstellung im Lukasevangelium ist das Reich Gottes dieses ganze System der Gnade, die in dem Herrn Jesu verkörpert war. Es ist das Herrschen der Gnade, das in Jesu dargestellt wurde, so dass diejenigen, die es empfangen, die Gabe der Gerechtigkeit, die Fülle der Gnade und ewiges Leben empfangen; es ist aber alles in einer Person zusammengefasst - so wird das Reich Gottes im Lukasevangelium dargestellt.

Zuerst muss es gesehen und empfangen werden, dann können wir hineingehen. Der Herr sagte zu Nikodemus, wenn jemand nicht von neuem geboren ist, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Um es zu sehen, ist die neue Geburt erforderlich; wenn es aber gesehen wird, muss eine Bewegung erfolgen, um hineinzugehen. Ich mag einen schönen Garten sehen, es ist aber etwas anderes, hineinzugehen. Das Reich Gottes wird zuerst gesehen, dann muss man hineingehen. Wir gehen hinein, indem wir Jesu praktisch nachfolgen.

Es waren nur diejenigen, welche Gegenstände des Werkes Gottes waren, die sehen konnten, was in Jesu vorhanden war. Heute ist es ebenso. Millionen Menschen wissen etwas über Jesum, sie sehen in Ihm aber nichts, was es wert wäre, etwas aufzugeben.

Die Jünger sagen (V. 26): „Wer kann dann errettet werden?“ Sie dachten natürlicherweise, dass, je mehr Reichtümer ein Mensch besäße, er desto mehr die Gunst Gottes genösse; aber der Herr bringt hier das Gegenteil davon ans Licht. Er zeigt, dass Reichtümer einen Menschen daran hindern können, die Gunst Gottes zu erlangen, so dass sie, anstatt ein Beweis des Segens Gottes zu sein, auch seine Entfernung von Gott beweisen können.

Der ganze Zustand des Menschen war verkehrt. Er war verloren, und er brauchte göttliche Errettung. Er hatte Christum nötig, und je mehr er von dem hatte, was nicht Christus war, desto unwahrscheinlicher war es, dass er Christum empfangen würde.

„Vielfältiges“ in dieser Zeit ist nicht das, was der natürliche Mensch schätzt. Gott hat die Dinge in Seine Hand genommen. Das ist das Reich, in einer sehr einfachen Weise ausgedrückt. In Jesu hat Er alles dargereicht, was der Not des Menschen, der ein gefallenes und sündiges Geschöpf ist, gerecht werden kann; Er hat es von Sich aus getan. Alle Rechte Gottes wurden durch Jesum aufrecht erhalten; Er hat die Erbarmungen Gottes eingeführt; Seine Güte, Seine Barmherzigkeit und Seine Errettung sind in Jesu vorhanden; und wenn sie aufgenommen werden, wird der Mensen umgewandelt. Alle seine Gedanken über sich selbst sind dann verändert, er denkt dann anders über die Welt, die Reichtümer und alles andere. Der Mensch beginnt in der Glückseligkeit zu leben, die Gott in Jesu kundgemacht hat.

Im Herrn gibt es Quellen, und wir können sie niemals endgültig erschöpfen. Ich habe Einen, der mich nicht nur von meinen Sünden erretten und von der Furcht vor dem Gericht befreien kann, sondern Er ist auch eine lebendige Hilfsquelle, so dass ich zu Ihm gehen, Ihm alles anvertrauen und auf Ihn rechnen kann. Das ist das Reich.

Der Segen einer Seele, der Eingang in das Reich und die Errettung sind bei den Menschen unmöglich, es sind aber göttliche Möglichkeiten. Wir haben es mit einem System von Dingen zu tun, die bei den Menschen unmöglich sind. Wenn wir zu Gott und zu Christo kommen, so stehen die Dinge allen zur Verfügung; es handelt sich nicht um den guten oder schlechten Menschen, den reichen oder den armen Menschen, sondern darum, was Gott und Christus für alle Menschen sind. Es handelt sich auch um den Tod Christi, von dem Er hier zu den Jüngern zu sprechen beginnt (Vers 31). Die Jünger verstanden es nicht, und ich glaube, dass es wenig Dinge gibt, über die wir so wenig wissen, wie über die Bedeutung des Todes Christi.

Der Herr hatte schon vorher (Kap. 9, 22) zu ihnen gesagt, dass Er getötet werden und in die Hände der Menschen überliefert werden sollte, und es wird uns gesagt: „Sie verstanden nichts von diesen Dingen, und dieses Wort war vor ihnen verborgen, und sie begriffen das Gesagte nicht.“ Sie hatten geurteilt, dass Er der Christus Gottes war (Kap. 9), aber sie hatten niemals die Notwendigkeit Seines Todes eingesehen.

Ich glaube nicht, dass dies ohne den Geist verstanden werden kann. Der Tod Christi ist so wunderbar und außerordentlich tief, dass die Jünger das scheinbar gar nicht erfasst hatten. Es war aber nicht aus Mangel an Bemühungen von Seiten Gottes, diese Dinge begreiflich zu machen, denn die Schriften sind davon erfüllt.

Der Sohn des Menschen konnte Seine Stellung der weltweiten Überlegenheit nur aufgrund des Erleidens des Todes einnehmen. Durch die Gnade Gottes sollte Er der große Leidtragende sein. Dieser Vorfall zeigt, wie viel wahre Wertschätzung Christi vorhanden sein kann, und sogar die Bereitwilligkeit, um Seinetwillen auf gewisse Dinge zu verzichten, ohne die Notwendigkeit Seines Todes zu verstehen.

Durch die Gnade Gottes hatte Er es vor, alles auf die Grundlage Seines Todes zu stellen. Die Leiden und der Tod des Sohnes des Menschen brachten die Gnade Gottes in solch einer wunderbaren und so tiefen Weise zum Ausdruck, und es war von so weittragender Bedeutung, dass dies im Voraus nicht verstanden werden konnte. Wie Petrus sagt, verstanden die Propheten nicht die Dinge, die sie schrieben. Das Unvermögen der Jünger, diese Dinge wahrzunehmen, wird in dem Blinden anschaulich gezeigt. Er hatte den Glauben an den Sohn Davids, den sie auch hatten; aber sie bedurften des geistlichen Sehvermögens, um Jesum auf dem weiteren Gebiet der Herrlichkeit des Sohnes des Menschen zu sehen. Sie mussten ebenfalls einsehen, dass Er alles, was dem Menschen nach dem Vorsatze und den Ratschlüssen Gottes gehörte, aufgrund Seines Todes aufrichten würde.

Die Augen des Blinden im Johannesevangelium wurden geöffnet, um den Sohn Gottes zu sehen, ich glaube aber, dass der Blinde im Lukasevangelium sehend gemacht wurde, um den Sohn des Menschen zu sehen und Ihm nachzufolgen. Für die Volksmenge war Er „Jesus, der Nazaräer“, für den Blinden aber war Er der Sohn Davids, und als er sehend wurde, empfing er dem Bilde nach die Fähigkeit, Ihn als den Sohn des Menschen zu sehen und Ihm nachzufolgen.

Der Herr nennt Sich hier den Sohn des Menschen (Vers 31). Er suchte ihre Herzen wie auch die unsrigen mit allem zu beschäftigen, was mit Ihm als solchem verbunden ist. Er war im Begriff, das dem Sohne des Menschen bestimmte Erbe anzutreten, und zwar aufgrund Seines Todes, durch den Er von allem loskaufte, was infolge der Sünde des Menschen darauf lastete.

In den Gedanken des Juden war der Sohn des Menschen mit der weltweiten Herrschaft nach Psalm 8 verbunden; Er war nicht nur der Sohn Davids, sondern auch der Sohn des Menschen. Der Herr sprach sehr oft von Sich in den Evangelien als dem Sohne des Menschen. Dieser Titel bezieht sich auf Ihn als Denjenigen, der weltweite Herrscherrechte besitzt.

Das Wunderbare dabei ist aber, dass Er diese Herrschaft aufgrund Seiner eigenen Leiden und Seines Todes antreten sollte. Er sollte das Erbe von allem, was ihm durch die Sünde des Menschen anhaftete, befreien.

Das ist oft anschaulich erläutert worden durch ein stark verpfändetes Gut, und der Erbe will es von allen Schulden und Belastungen befreien, ehe er das Erbe als Alleinbesitzer antritt. Sünde war da und Leid, Grausamkeit, Ungerechtigkeit, Eitelkeit, die Knechtschaft des Verderbens, Tod - es war eine Last auf dem Erbe, von welcher niemand wusste und welche von niemandem verstanden wurde als nur von dem Erben und von Demjenigen, der von Ewigkeit her beabsichtigte, dass alles Sein werden sollte.

Die Jünger verstanden nicht, wie belastet das Erbe war. Sie glaubten, dass Jesus der Christus und von Gott war. Sie sahen, dass Er imstande war, in göttlicher Kraft allem Bösen, das auf Erden war, entgegenzutreten, sie hatten solche Fälle jeden Tag gesehen. Sie konnten aber nicht begreifen, wie stark das Erbe des Sohnes des Menschen belastet war. Alles war Sein Erbe, doch allein Sein Leiden und Sein Tod konnten es von den darauf lastenden Schulden loskaufen.

Das gibt uns einen großen Gedanken von Jesu als dem Sohne des Menschen. Ein besonderes geistliches Sehvermögen ist erforderlich, um die weite Ausdehnung des Erbes des Sohnes des Menschen wahrzunehmen, und das schreckliche Wesen dessen, was auf ihm infolge der Sünde lastete, zu erkennen.

Den Ratschlüssen Gottes gemäß hat es der Erbe unternommen, das Erbteil loszukaufen; Er wollte keine einzige Belastung darauf lassen, so dass, wenn Er das Erbe  antritt, Gott im Weltall keine Schmach anhaften wird.

Die Heiligen werden Seine Miterben sein. Die Jünger dachten, dass die Kraft, die sie in wohltätiger Güte wirksam gesehen hatten, genügte, um das Reich herbeizuführen; sie brauchten aber Sehkraft durch den Geist, um einzusehen, dass Leiden und Tod der göttliche Weg waren, um das, was Gott im Sinn hatte, zustande zu bringen. Jetzt ist alles vollbracht, und der Sohn des Menschen ist am dritten Tage auferstanden. Obwohl das Erbteil öffentlich noch nicht erlöst ist, ist aber das Werk vollbracht, durch welches es erlöst werden wird. Unterdessen sind die Miterben Mitleidende, aber sie leiden in dem vollen Ausblick auf die kommende Herrlichkeit.

Das Öffnen der Augen der Blinden war ein dem Messias vorbehaltenes Wunder. Jericho erinnerte den Herrn daran, was sich dort vor Jahren zugetragen hatte. Sogar in Jericho wurde etwas für Gott gefunden. Das Werk Gottes war in der Seele der Rahab vorhanden gewesen. Überall, wo der Herr wandelte, brachte Er das Werk Gottes in den Seelen ans Licht. Jericho war nicht nur die Festung der Macht des Feindes, sondern es war auch der Platz des Werkes Gottes, und es ist augenscheinlich, dass in dem blinden Bettler und in dem reichen Oberzöllner ein Werk Gottes vorhanden war.

So ist es heute, wenn der Herr Sich im Zeugnis bewegt, wird das Werk Gottes ans Licht gebracht. Der Blinde hier stellt diejenigen dar, die durch das Wort Jesu die Fähigkeit, die Bedeutung Seiner Leiden und Seines Todes zu verstehen, empfangen haben.

Als Er vorüberzog, brachte der Herr das Werk Gottes in den Seelen ans Licht. Bei diesen zwei Geschehnissen in Jericho (Kap. 18, 35- 43 und Kap. 19, 1 - 10) finden wir eine Volksmenge. Der Herr verwehrte nicht der Volksmenge, Ihm zu folgen, aber Sein Auge ruhte auf den Einzelnen, in denen ein Werk Gottes vorhanden war. Beim blinden Bettler war Glaube da, aber es fehlte ihm das Augenlicht. Die Jünger kannten Christum dem Fleische nach; für den Blinden war Er der Sohn Davids. Er wollte aber in den Tod gehen und auferstehen; Er stand im Begriff, über allem als Sohn des Menschen zu herrschen. Das erforderte Sehvermögen.

Saulus sollte sehen und mit dem Heiligen Geiste erfüllt werden (Apg. 9). Wenn der Herr das Werk Gottes ans Licht brachte, ließ Er die Dinge niemals so, wie Er sie vorfand. Dem Blinden hatte man zweifellos gesagt, dass der Messias die Augen der Blinden öffnen würde: „Die Augen der Blinden werden sehen“ (Jes. 29, 18). Der Fluch wurde über Jericho verhängt, und man kann sagen, er wurde dem Bilde nach durch Elisas Tat beseitigt (2. Kön. 2, 19 - 22). Das Wasser wurde gesund, und es sollte keine Unfruchtbarkeit mehr geben. Das gleicht dem Aufheben des Fluches. Elisa stellte die Gnade Gottes dar; sein Name bedeutet „das Heil Gottes“, und wenn das Heil Gottes dorthin kommt, wo der Fluch war, so wird er beseitigt.

Es ist bemerkenswert, dass die Geschichte Jerichos Fluch und Segen aufweist. Die Hauptsache ist aber, zu verstehen, dass das Werk Gottes dort vorhanden ist. Es war dort in Rahab, in dem Blinden und in Zachäus. In ihren Seelen wirkte etwas, was aus Gott war, und indem der Herr umherzog, kam es ans Licht, ebenso wie jetzt, wenn das Evangelium gepredigt wird, kommt das Werk Gottes in den Seelen ans Licht, und wir finden Personen, die interessiert und angezogen werden. In Jericho, der Stadt der Palmen, erreichte Gott Seinen eigenen Sieg; der blinde Bettler und der reiche Oberzöllner wurden beide zu Palmbäumen, und dieser Ort, der von der Macht des Feindes und von dem Fluch Gottes redete, wurde zum Schauplatz des göttlichen Sieges und Triumphes.

Jesus stand still (Vers 40). Es war eine Volksmenge da, aber Sein Auge war auf  die gerichtet, in denen von Gott gewirkte Seelenübungen zu finden waren. Viele kommen zu den Zusammenkünften, die den Volksmengen gleichen können, mit einem gewissen Interesse für den Herrn und Seine Dinge, aber ohne bestimmte Seelenübungen. Deswegen kommen und gehen sie, und sie bekommen nichts Bestimmtes.

Der Herr schaut immer nach Seelenübungen im Herzen aus, und wenn jemand mit einer echten Seelenübung zur Zusammenkunft kommt, ist der Herr um diesen einen besorgt. Er bringt das Werk Gottes ans Licht, und Er lässt niemals dieses Werk, wie Er es vorfindet. Er fügt immer etwas hinzu. Wenn wir es in irgendeiner echten Seelenübung mit dem Herrn zu tun haben, können wir ganz sicher sein, dass Er uns etwas hinzufügen wird.

Wir glauben nicht, wie bereitwillig der Herr ist. Wir scheinen zu denken, dass wir unsere Lasten tragen und unsere Seelenübungen durcharbeiten müssen, aber Er stellt Sich uns immer zur Verfügung, wenn Ihm Raum gegeben wird, so dass Er Sich einschalten kann.

Nichts könnte größer sein, als dass wir die Fähigkeit, zu sehen - geistliche  Sehkraft - besitzen möchten. Die Sehkraft liegt in dem Geiste. Es geschieht durch den Geist, dass wir sehen können. Sehvermögen unterscheidet sich vom Glauben. Dieser Mann hatte Glauben, ehe er Sehvermögen bekam. Sehen ist nicht glauben - es ist viel größer. Der Prophet Elisa sagte: „Jehova, öffne doch seine Augen, dass er sehe.“ Es war eine ganz außerordentliche Ansammlung von Dingen tatsächlich vorhanden, aber unsichtbar.

Wir müssen Sehkraft haben, um den wunderbaren Charakter der jetzt vorhandenen Dinge zu sehen. Paulus redet über diese wunderbaren Dinge: indem wir nicht das anschauen, was man sieht, sondern das, was man nicht sieht - er hatte die Fähigkeit, unsichtbare Dinge anzuschauen. Ich kenne keinen größeren Beweis der göttlichen Gunst, als dass wir fähig sind, die unsichtbaren Wunder Gottes in Verbindung mit dem aus den Toten auferstandenen Sohne des Menschen zu sehen.

Ananias sagte zu Saulus: „Der Herr hat mich gesandt, Jesus...damit du wieder sehend und mit Heiligem Geiste erfüllt werdest.“ Er sollte alles in einer neuen Weise in Verbindung mit dem Heiligen Geiste sehen. Es ist eine völlig neue Fähigkeit, und in Joh. 14 wird sie unmittelbar mit dem Geiste verbunden, wo der Herr von dem neuen Sachwalter spricht und sofort darauf sagt: „Ihr aber sehet mich.“ Das Ergebnis der Gabe des Geistes ist die Fähigkeit, eine unsichtbare Person zu sehen. Die Evangelien geben anschauliche Erläuterungen von solchen Dingen, die vor dem Tode Christi und dem Herniederkommen des Geistes noch nicht in Kraft verwirklicht werden konnten. Sie werden aber in den Evangelien anschaulich erläutert. Die Fähigkeit, diese Dinge zu sehen, ist ein sehr großes Vorrecht und eine von Gott verliehene Kraft.

Die Schrift sagt: „Der Glaube ist aus der Verkündigung.“ Es ist sehr gesegnet, eine Verkündigung über Gott und Christum zu hören und ihr zu glauben. Das Ergebnis des Glaubens ist aber, dass man den Heiligen Geist empfängt, und dann hat man die göttliche Fähigkeit, geistliche Dinge wahrzunehmen. Es ist nicht nur, dass wir dem glauben, was wir hören, sondern wir haben auch die Fähigkeit, es wahrzunehmen - das ist eine wichtige Unterscheidung.

In Psalm 8 ist ein neues Weltall vorhanden, welches das Herrschaftsgebiet des Sohnes des Menschen ist; Er wird das Erbteil von jeglicher Belastung und von allem, was nicht passend ist, erlösen, so dass es Gottes und des Erben würdig sein wird. Die Heiligen, die den Geist haben, sehen dies, so dass jenes Weltall größer und wirklicher für uns ist als alle gegenwärtigen Dinge in dieser Welt. Diese Welt vergeht unter dem Gerichte des Kreuzes. Das Kreuz bedeutet das Ende dieser Welt, in welcher wir einst lebten, und zu welcher wir einst gehörten. Jetzt haben wir eine andere Welt vor uns. „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben; uns aber hat Gott es geoffenbart durch seinen Geist.“ Die Augen des Paulus waren geistlich auf dieses unsichtbare Gebiet gerichtet.

Wir haben noch nicht tatsächlich das Weltall der Glückseligkeit, aber wir haben die Person, welche es herbeiführen und durch den Geist erfüllen wird, und wir sind fähig, Ihn zu sehen. „Wir sehen Jesum, der ein wenig unter die Engel wegen des Leidens des Todes erniedrigt war, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“ Es sind nur diejenigen, die den Geist haben, die Ihn sehen können.

Nachdem Elia aufgenommen worden war, gab es fünfzig Männer, die Elisa helfen wollten, Elia zu finden. Die Söhne der Propheten waren zweifellos sehr kluge Männer, eine Art theologisches Seminar, aber sie konnten nicht sehen, sie waren blind. Sie sagten, der Geist Gottes habe Elia auf einen der Berge oder in eins der Täler geworfen - was für einen Begriff hatten sie von Gott! Er wurde entrückt und in den Himmel getragen, und sie dachten, er sei in irgendeinem Tale und baten um Erlaubnis, ihn suchen zu gehen!

Heutzutage ist es ähnlich; die Leute sprechen und unterhalten sich über Christum. Für uns ist aber der Ausgangspunkt: „Wir sehen Jesum.“ Wenn es mehr Sehvermögen gäbe, so wäre auch mehr Kraft vorhanden. Die Schrift sagt: „Wenn kein Gesicht ist, wird ein Volk zügellos.“ Glaube genügt nicht; wir benötigten  Kraft, um zu sehen. Wenn kein Gesicht ist, haben die Menschen nichts als den Buchstaben der Schrift. Es besteht aber ein ganzes System der Dinge, eine glückselige, geistliche Welt, welche mit dem aus den Toten auferstandenen und zur Rechten Gottes verherrlichten Sohne des Menschen verbunden ist. Wenn man das sieht, hat man mit der religiösen Welt völlig abgeschlossen.

Es geht nicht darum, dass die Menschen heutzutage die Bibel nicht haben - Bibeln werden jedes Jahr zu Tausenden gedruckt -; aber um Sehvermögen zu haben, muss man den Geist empfangen haben und Ihm Raum geben, damit man die Dinge mit dem Gesichte des Geistes betrachten kann. Der Geist lässt uns das, was zur Rechten Gottes ist, sehen.

Ich habe den Menschen oft gesagt, dass, wenn sie Auskunft in Bezug auf das Geschehen aus erster Hand haben wollen, sie ihre Augen zur Rechten Gottes emporheben müssen. Die erste Bewegung wird dort vor sich gehen. Der Christ, dessen Augen auf Christum zur Rechten Gottes gerichtet sind, wird der erste sein, der Auskunft bekommen wird über das, was Gott auf Erden tun wird. Wir sollten die prophetische Weltordnung im Lichte des Himmlischen betrachten. Es wurde dem Johannes gesagt: „Komm her“ (hier herauf). Also müssen wir, um die Weissagung zu verstehen, in den Himmel hinaufsteigen und dann herniederschauen.

Der Herr war auf dem Wege nach Golgatha, um zu leiden und zu sterben, und der Blinde, der seine Sehkraft empfing, folgte Ihm auf diesem Wege. Er ging mit Jesu zusammen aus dem ganzen System dieser Welt hinaus.