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MALEACHI 3.16

Zufalls Beitrag

Hingabe unseres Herrn

(Teil  1, Lukasevangelium)   Abschrift: Anita L, M.

 

David Gilliland, Lurgan, Nordirland

Vorträge in Lotstetten und Zürich 2010

(Niederschrift der mündlichen Übersetzung)

 

Die Bibelstellen, die ich Euch heute vorstellen möchte, sind alle im Lukasevangelium - und die Erste ist im Kapitel 9. Wir werden später noch andere  Stellen dazu nehmen, aber für den Moment soll

...

Lukas

Lukas Kapitel 19

C.A.C.  - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

Abschrift: Nicole F. 

Kapitel 19

 

Wir haben gesehen, dass der Herr in Kapitel 18 einem Menschen in Jericho die Sehkraft gibt und dass der Ihm nachfolgt; der Herr wird der große Gegenstand für diejenigen, die Sehkraft haben. Dann bekommt der Herr in Zachäus noch ein Haus. Der Herr wusste, dass in Jericho ein Haus war, in dem man Ihn willkommen heißen würde.

Der Herr war auf dem Wege nach Golgatha, in den Tod, und der Blinde empfing sein Sehvermögen und folgte Ihm auf dem Wege, nämlich auf diesem Wege. Er verließ mit Jesu das ganze gegenwärtige System. Zachäus hatte einen Platz, wohin der Herr kam, um bewirtet zu werden, und wo Er bleiben und die Errettung bringen konnte. Das Werk Gottes war dort in Zachäus vorhanden, und er suchte Jesum zu sehen, und während er sich für sehr unwürdig hielt, erwartete er nur, einen Blick vom Herrn zu bekommen. Es war aber ein Haus vorhanden, das für den Herrn gehalten wurde.

Diese zwei Begebenheiten stellen zwei wichtige Seelenübungen dar, nämlich die Fähigkeit, das zu sehen, was vollständig außerhalb der gegenwärtigen Ordnung der Dinge liegt, und dann das Vorrecht, ein Haus zu haben, wo man unter den gegenwärtigen Umständen den Herrn empfangen kann.

Das Zeugnis des Herrn liegt in einem großen Maße in den Häusern der Heiligen, so dass das, was in den Versammlungen vor sich geht, sehr von dem abhängt, was in den Häusern vor sich geht. Ich glaube nicht, dass wir in den Zusammenkünften etwas geistlich Wertvolles haben können, was den Wert dessen übersteigt, was in den Häusern der Heiligen zu finden ist. Bei dem neuen Speisopfer wurden die Webebrote aus ihren Wohnungen gebracht. Es ist etwas Wunderbares, wenn das Tausendjährige Reich schon in den Häusern aufgerichtet worden ist.

Wir haben bemerkt, wie der Herr im Vorbeigehen das Werk Gottes in den Seelen ans Licht brachte. Es war ein Werk bei dem Blinden und bei Zachäus vorhanden. Zachäus war ein Sohn Abrahams, ein wahrer Gläubiger, wie wir sagen können. Er gehörte zur Familie des Glaubens, und er war als Zöllner unter Schmach, aber er hatte Gott eigentlich keine Schmach angetan. Die Schmähungen derer, die murrten, waren nicht berechtigt.

Ich nehme an, dass Zachäus sich auf sein früheres Leben berief, als er stand und sprach: „Die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich von jemand etwas durch falsche Anklage genommen habe, so erstatte ich es vierfältig.“ Die Tatsache, dass Zachäus sich so verhalten hatte, deutete darauf hin, dass ein Werk Gottes in ihm vorhanden war. Seine Grundsätze waren derart, dass er es vermied, auf Gott Schmähungen zu bringen - das ist ein großes Merkmal des Werkes Gottes. Das nahm bei Zachäus aber nicht das Bewusstsein weg, dass er das Heil Gottes benötigte.

Der Herr sagte, Er sei gekommen, um das Verlorene zu suchen und zu erretten, und Er sprach darüber, dass dem Hause des Zachäus Heil widerfahren sei; d. h. Er wurde dort als das Heil Gottes empfangen. Wie Kornelius in Apg. 10, so empfand Zachäus die Notwendigkeit der Errettung. Kornelius war ein musterhafter Mann, seine Gebete und seine Almosen stiegen vor Gott zum Gedächtnis auf, und er hatte nichts dagegen einzuwenden, als ihm gesagt wurde, dass Petrus ihm Worte sagen sollte, durch welche er und sein Haus errettet werden sollten.

Je mehr wir darum besorgt sind, in einer Gottes würdigen Weise zu handeln, desto mehr würdigen wir die Größe Seines Heils. Das bringt die völlige Errettung von der gegenwärtigen Ordnung der Dinge mit sich. Christus ist das Heil Gottes, und wenn wir Ihn empfangen, gehört uns das Heil in seiner ganzen Vollständigkeit.

Der Haushalt sollte das Gebiet sein, wo das göttliche Heil gefunden werden sollte. Das Heil widerfährt einem Hause, nicht bloß einzelnen Personen. Eine errettete Person in einem Hause bringt das Heil Gottes in jenes Haus. Das bezieht sich nicht nur auf das Haupt des Hauses.

Im Neuen Testament entsprach Zachäus der Rahab: es gab in Jericho ein Haus, wo das Heil Gottes aufgenommen wurde. Rahab hatte einen Vater, sie war ein untergeordnetes Glied der Familie, aber sie sicherte den Segen für ihren Vater und für ihre ganze Verwandtschaft. Wenn Gott eine Person in einer Familie bekehrt, so deutet Er damit an, dass Er in diese Familie zum Segen eingezogen ist. Wir sollten das so betrachten, ob es sich nun um Eltern oder um Kinder handelt. Gott kommt in ein Haus, um zu segnen. Es ist recht selten, dass Gott Sich damit begnügt, Sich nur einen zu sichern. Heil für das Haus ist in der ganzen Schrift ein großer Grundsatz.

Diese Bewegungen in Jericho sind bedeutungsvoll in Verbindung mit den früheren Triumphen Gottes dort. Überall, wo der Herr Sich bewegte, brachte Er das Werk Gottes ans Licht. Er war auf dem Wege, um das Reich und das Erbe zu empfangen, und auf Seinem Wege brachte Er die Miterben ans Licht. Was aus Gott war und in Jesu in seiner ganzen Fülle und Glückseligkeit gefunden wurde, wurde in das Haus des Zachäus gebracht. Etwas, was vollständig aus Gott war, wurde eingeführt, und es bedeutete die Errettung von allem, was nicht aus Gott ist. Das Heil widerfährt einem Hause, wenn die Glückseligkeit dessen, was aus Gott ist, dort einkehrt; dadurch wird aber die Seele von dem befreit, was nicht aus Gott ist.

Gerechtigkeit war ein Zeichen, dass Zachäus durch das beherrscht wurde, was Gottes würdig war - sogar sein Name bedeutet „rein“. Als Ergebnis des Werkes Gottes in Zachäus wurde Gott Ehre erwiesen, und durch das Verhalten des Zachäus wurde Ihm keine Schmach zugefügt. Die Leute schmähten den Herrn, und Zachäus stand für Ihn ein. Es ist etwas Großes, einen heiligen Eifer um den Herrn zu sehen, so dass wir Seinem Namen keine Schmach antun möchten und auch nicht zulassen, dass irgendeine Schmach Seinem Namen angetan wird.

Das folgende Gleichnis (Verse 11 - 27) zeigt, wofür wir errettet sind. Wir sind errettet, um die Güter des Herrn als gute Knechte in einer würdigen Weise zu handhaben. Das Reich Gottes ist noch nicht offenbar geworden, weil Gott vor Sich hatte, dass Sein Sohn im Himmel geehrt und verherrlicht werde, bevor Er auf Erden geehrt werden würde.

Die Jünger verstanden das nicht richtig: „Sie meinten, dass das Reich Gottes alsbald erscheinen sollte.“ Der Herr gibt ihnen und auch uns das Licht über Seine gegenwärtige himmlische Stellung, etwas sehr Wichtiges für uns, zu verstehen. Wenn der Herr das Reich oder das Erbe empfängt, so empfängt Er es von der himmlischen Seite aus.

Das ganze Lukasevangelium von Kap. 9 an dreht sich um die Aufnahme (Kap. 9, 51) des Herrn. Er war im Begriff, Sein Reich zu empfangen, jedoch nicht auf Erden, sondern im Himmel. Der „hochgeborene Mann“ hatte nicht das, was ihm zustand, empfangen - öffentlich widerfuhren Ihm die Leiden des Kreuzes. Der Herr empfing aber alles, was Ihm zustand, im Himmel.

Wir leben gerade in dieser besonderen Zeitspanne. Der Herr ist im Himmel auf dem Thron, und Er kommt zurück, um hienieden das, was Ihm rechtmäßig zusteht, zu empfangen. In der Zwischenzeit hat Er uns aber als Verwalter in Seine Interessen eingesetzt; Er hat uns Kapital zum Handeln gegeben. Der Herr hat etwas auf die Erde gebracht, was niemals vorher hier vorhanden war - das ist die Erkenntnis Gottes in der höchsten Gnade, und es ist unsere Beschäftigung, damit zu handeln. Der Herr hat das alles in unsere Hände gelegt, und wir sollen damit handeln.

Es gibt einen geistlichen Handel, der betrieben werden soll - das ist unsere eigentliche Beschäftigung. Was wir tun, um unseren Unterhalt auf Erden zu verdienen, ist gar nicht unser wirkliches Geschäft; unser wirkliches Geschäft besteht darin, das, was wir vom Herrn empfangen haben, so zu handhaben, dass es sich vergrößert, damit es bei uns nicht so aussieht, wie es vor zwei Jahren war.

Lukas fasst die Dinge in einer moralischen Hinsicht zusammen, und der Zusammenhang mit der vorhergehenden Begebenheit besteht darin, dass wir errettet worden sind, um mit dem, was Christus uns gebracht und in unsere Hände gelegt hat, Handel zu treiben.

In Matth. 25 - in dem Gleichnis von den Talenten - wird der Gedanke der Unumschränktheit Gottes hervorgehoben. Die verschiedenen Fähigkeiten werden in Betracht gezogen, alle empfangen nicht dasselbe. Der eine empfängt mehr als der andere, weil der Herr unsere Fähigkeit, damit Handel zu treiben, kennt. Doch hier bekommen alle das Gleiche. Vom Standpunkte dieses Kapitels aus habe ich genau dasselbe wie der Apostel Paulus. Es ist eine Frage der Verantwortung hienieden, und nach diesem Grundsatz haben wir alle dasselbe empfangen. Paulus, Petrus oder Johannes hatten nicht mehr als wir alle haben, das heißt - die Erkenntnis Gottes in der höchsten Gnade, die in Jesu kundgemacht worden ist.

Es ist nicht möglich, mehr zu haben, und es ist nicht möglich, weniger  zu haben, und nun kommt die Probe: Welchen Gebrauch machen wir davon? Sind wir gute Knechte oder nicht? Wir haben alle dasselbe Kapital zu bearbeiten.

Dieses Gleichnis gibt uns einen völlig neuen Charakter der Verantwortung. Die Tatsache, dass es zehn Knechte und zehn Pfunde waren, deutet auf den Gedanken der Verantwortung hin, aber es ist eine neuartige Verantwortung, die durch das, was wir von Christo empfangen haben, bedingt wird.

Die höchste Gnade Gottes, die uns in diesem köstlichen Evangelium kundgetan wird, ist für alle dieselbe. Aufgrund dessen, was uns aus Gott in Jesu gegeben worden ist, sind wir auf derselben Höhe wie die Apostel, und sie sind auf derselben Höhe wie wir.

Die Art und Weise, wie wir Handel treiben, bringt ans Licht, ob wir gute Knechte sind oder nicht. Wir sollten unserer neuen Verantwortung entsprechen. Wir sind hienieden in der Abwesenheit Christi zurückgelassen worden, um mit Seinen Gütern, mit Dingen, die Christo wertvoll sind und die Er dazu bestimmt hat, in unseren Händen vergrößert zu werden, zu handeln. Es ist geistlicher Handel.

Bedenkt den Fleiß des Paulus beim Handeln. Er setzte das Kapital, so oft er konnte, um. Wenn wir uns ganz in uns selbst absperren, wachsen wir nicht. Es gibt eine große Gefahr, die Gnade in diesem köstlichen Evangelium so aufzufassen, als ob sie nur zu unserem Trost, zu unserer Sicherheit und Freude bestimmt sei, und sie dann in unseren Herzen verschließen. Das heißt, wir treiben keinen Handel damit. Es ist uns alles zum Handeln gegeben worden, wir sind aber alle sehr dazu geneigt, das, was wir bekommen können, einzuhamstern. Es ist möglich, zu den Versammlungen zu kommen und bloß daran zu denken, was man bekommen kann.

Unser Pfund in ein Schweißtuch eingewickelt zu halten, stellt das richtige, aber fruchtlose Halten der Wahrheit dar. Dabei wird nichts erhandelt. Die rechtgläubige Christenheit hält auch die Wahrheit richtig und der Form nach fest, sie will für die Wahrheit Gottes einstehen; aber sie ist fruchtlos. Wenn ein Bruder, der teilnehmen sollte, schweigt, so verarmt er selbst. Wenn er etwas von Christo hat, das weltweiten Wert besitzt, und er damit keinen Handel treibt, so bringt es nichts ein. Der Gedanke ist, dass das, was aus Gott ist, sich vermehren soll. Es wird sich aber nicht ohne Handeln vermehren. Es ist eine wichtige Angelegenheit, dass das, was vom Herrn ist, sich bei uns vermehren sollte. Wir müssen das Kapital umsetzen.

Wir sind uns oft des Wertes der Dinge nach der Wertschätzung Christi nicht bewusst. Jeder von uns sollte empfinden, dass er etwas, was dem Herrn Jesus Christus äußerst wertvoll ist, empfangen hat, und nun muss damit Handel getrieben werden. Diese beiden Dinge hängen zusammen, nämlich unser persönlicher Fleiß in Bezug auf das Empfangene, und dann das Umsetzen desselben auf dem Wege des Handelns. Der geistliche Handel muss betrieben werden, damit das Kapital sich vermehrt. Das Ergebnis des Handelns brachte den Fleiß jedes Knechtes betreffs dessen, was ihm anvertraut war, ans Licht. Es hat nichts mit Begabung zu tun; es bezieht sich auf das, was allen gemeinsam ist.

Paulus schreibt an die Korinther: „Mitarbeitend aber ermahnen wir euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfanget“ (2. Kor. 6, 1), und dann erzählt er ihnen weiter in diesem wunderbaren Kapitel von seinem eigenen Handeln. Er bringt das ans Licht, was ihn beim Handhaben der Verantwortung in Bezug auf die Gnade gekennzeichnet hatte. Er gibt uns eine lange Liste von seiner Haltung und von den verschiedenen Charakterzügen seines Dienstes und seiner Arbeit: „In allem erweisen wir uns als Gottes Diener, in vielem Ausharren, in Drangsalen, in Nöten, in Ängsten, in Streichen, in Gefängnissen, in Aufständen, in Mühen, in Wachen, in Fasten; in Reinheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Gütigkeit, im Heiligen Geiste, in ungeheuchelter Liebe; im Worte der Wahrheit, in der Kraft Gottes; durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Unehre, durch böses Gerücht und gutes Gerücht, als Verführer und Wahrhaftige; als Unbekannte und Wohlbekannte, als Sterbende, und siehe, wir leben; als Gezüchtigte und nicht getötet; als Traurige, aber allezeit uns freuend; als Arme, aber viele reich machend; als nichts habend und alles besitzend.“

Da ist ein Mann, der Handel treibt, und alles das sollte dem Dienst zugute kommen. Er handhabte die Güter Christi in solch einer Weise, dass sie nicht vergeblich sind. Die Gnade war mächtig und wirksam und befähigte ihn, im Glauben voranzugehen. Es brachte alle Arten von Zucht und Leiden mit sich, aber er ging unerschrocken vorwärts, auf dass der Schatz vervielfältigt würde und möglichst vielen zugute komme.

Wir sollen alle einander reich machen. Keiner könnte sagen, dass er kein Kapital hat. Der böse Knecht wusste nichts davon und sprach von der Möglichkeit, dass man für den von Christo empfangenen Reichtum, den Er auf die Erde gebracht und hier gelassen hatte, verantwortlich sein könnte, ohne sich wesentlich dafür zu interessieren.

Der Herr sagt: „Weil du im Geringsten treu warst.“ Das Große hängt mit dem Vorsatz Gottes zusammen, damit, dass unsere Namen im Himmel angeschrieben sind, mit unserer Berufung, und nichts kann das beeinträchtigen. Es hat nichts mit dem Herrschen über Städte zu tun. Es bezieht sich darauf, dass man im Himmel ist und einen Platz im Vaterhause hat, wo wir Christi Brüder und Miterben sind - das ist die größte Seite. Die Seite der Verantwortlichkeit ist die geringste. Alles, was wir z. B. im Dienst vollbringen mögen, ist gering im Vergleich mit dem Platze, welchen wir dem Vorsatze der ewigen Liebe gemäß innehaben. Wir betreiben fleißig unser Geschäft in Bezug auf das, was uns von Christo als Anteil an der Gnade Gottes anvertraut ist. Die Bank weist darauf hin, dass, wenn wir nicht energisch genug sind, um auf unsere Rechnung Geschäfte zu machen, wir anderen dazu verhelfen könnten. Dieser Mann interessierte sich aber nicht für die Sache. Er kannte nicht seinen Herrn, er verleumdete ihn.

Die Verantwortlichkeit prüft die Liebe. „Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote“ - das heißt alles, was den Charakter eines Gebotes trägt, und ich glaube, dass jede Verantwortung diesen Charakter hat. Sie wird aber zu einer Probe für die Liebe. Dadurch wurde der Mann, der seinen Herrn nicht liebte, offenbar gemacht. Die Hauptsache war, dass er seinen Herrn nicht liebte. Er brachte eine recht mangelhafte Entschuldigung vor.

Wenn wir Entschuldigungen vorbringen, so geben wir immer einen Grund für unsere Verurteilung an - das ist ein göttlicher Grundsatz, der in 1. Mose 3 anfängt und bis ans Ende fortdauert. Der Mann, der sein Pfund in ein Schweißtuch wickelte, liebte nicht seinen Herrn. Er sah in ihm nichts, was er liebte; er sah nur einen strengen Mann, der Ungebührendes verlangte: die Erkenntnis seines Herrn war nicht solcherart, dass sie in ihm Liebe erzeugte.

Für uns geht es um die Frage: Welcherart ist unsere Erkenntnis des Herrn? Einer wie Er sollte in uns eine überschwengliche Liebe erzeugen. Was ist Er mir aber? Wie betrachte ich Ihn?

Das bestimmt die ganze Lage. Wenn wir einen unwürdigen Gedanken über den Herrn haben, so werden wir in allem unwürdig sein. Wenn  wir den gnadenreichen Vorsatz Gottes, der uns in Christo vor den Zeiten der Zeitalter gegeben wird, verstehen, wenn wir sehen, dass wir in Christo vor Grundlegung der Welt auserwählt sind, dass der Vater „uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesum Christum für sich selbst“ - so würde uns das auf der Seite der Verantwortung eine wunderbare Triebkraft verleihen. Je mehr wir in allem, was mit dem göttlichen Vorsatz zusammenhängt, befestigt werden, desto mehr werden wir für den verantwortlichen Dienst hienieden gestärkt werden.

Wir dürfen aber nicht diese beiden Seiten miteinander verwechseln. Als die siebzig Jünger zum Herrn zurückkehrten und sagten: „Auch die Dämonen sind uns untertan“, sagte der Herr: „Darüber freuet euch nicht ... freuet euch aber, dass eure Namen in den Himmeln angeschrieben sind.“ Wenn ich den wunderbarsten Dienst tun könnte, sogar bis zum Austreiben von Dämonen, wenn ich Kranke heilen und in einer solchen Weise das Evangelium predigen könnte, dass Tausende bekehrt würden, so würde der Herr doch sagen: Freue dich nicht darüber, sondern freue dich, dass du einen Platz im Himmel hast. - Das weist uns geistlich zurecht, damit wir den Unterschied zwischen dem, was am größten ist, und dem, was sich auf das Geringste bezieht, erkennen möchten.

Das schlägt uns viel Selbstgefälligkeit aus dem Kopf, denn wir können manchmal betreffs unserer Verantwortung sehr selbstgefällig werden. Wir müssen dessen eingedenk sein, dass die Seite der Verantwortung die geringste ist; doch ist sie wichtig, weil sie unseren Platz im Reiche bestimmt, wenn auch nicht im Vaterhause. Wir sollten den Dienst nicht aufgeben, sondern aus unserem verborgenen Platz hervorkommen und mehr Dienst tun. Was ich von Gott weiß, soll sich im verantwortlichen Leben auswirken; es soll alles beherrschen.

Wenn eine Schwierigkeit vorliegt, so sollte der erste Gedanke sein, dass ich in dieser Angelegenheit durch das, was ich von Gott in Gnade weiß, beherrscht werde. Wenn das der Fall wäre, so würde in unseren Beziehungen zu den Menschen oder zu den Geschwistern niemals etwas Ungeziemendes sein. Es wird uns etwas kosten, denn wir müssen das Natürliche aufgeben. Wenn wir aber der Gnade Gottes den gebührenden Platz in unseren Herzen geben, so bringt das unseren Seelen einen großen Gewinn, so dass es sich lohnt, sich von der Gnade leiten zu lassen.

Die christliche Verantwortung hat zwei Seiten. Die eine Seite hat es mit dem Empfangen der Gnade Gottes zu tun. Dann ist man dafür verantwortlich, dass man die Gnade Gottes nicht vergebens empfängt, sondern dass sie sich im Handeln auswirkt. Die andere Seite ist, dass die Rechte Christi während des Zeitabschnitts Seiner Abwesenheit im Zeugnis aufrechterhalten werden sollen; das wird in der Begebenheit mit dem Füllen gesehen.

Während wir mit dem geistlichen Reichtum des Herrn - der Erkenntnis Gottes in Gnade, die Er uns anvertraut hat - Handel treiben, dürfen wir als treue Knechte niemals vergessen, dass unser Herr in ein fernes Land gezogen ist, um das Reich zu empfangen. Seine Rechte sind Ihm hienieden verweigert worden, doch ist Er an einen Ort gezogen, wo Ihm alle Seine Rechte gewährt werden, und diese Rechte müssen im Zeugnis aufrechterhalten werden. Sie werden Ihm vorenthalten. Was aber das Zeugnis anbetrifft, so müssen sie völlig bewahrt werden. „Das Zeugnis unseres Herrn“ ist eigentlich die frohe Botschaft, und die frohe Botschaft umschließt nicht nur alles, was zur Herrlichkeit Gottes in Gnade dient, sondern auch die Anerkennung aller göttlichen Rechte.

Was im Zusammenhang mit dem Füllen zutage tritt, weist darauf hin, dass der Herr das Zeugnis von Seinen Rechten sichern will. Er will es nicht auf dem Wege des Prunkes oder von etwas Eindrucksvollem tun, denn Er reitet auf einem jungen Eselsfüllen. Das prophetische Wort hatte gesagt, dass der König kommen sollte - gerecht und ein Retter -, das gleicht dem Anfang dieses Kapitels. Er ist aber demütig. Wir müssen dessen eingedenk sein, dass der Herr gegenwärtig demütig ist - nicht nur persönlich, sondern auch im Charakter Seines Zeugnisses.

Wir müssen das im Auge behalten, denn je höher wir in dieser Welt emporkommen und je feinere Räume und dergleichen wir haben, desto mehr entfernen wir uns von dem wahren Charakter des Zeugnisses. Es ist ein demütiges Zeugnis. Ich denke, dass wir darauf achten sollten. Es ist der Charakter des Zeugnisses, dass der König demütig ist. Wenn Er auch, was Seine Stellung in der Höhe anbetrifft, über alle Himmel erhöht ist, so ist Er doch, was Seine Stellung hienieden angeht, der Demütige. Sein Zeugnis wird durch Demut gekennzeichnet.

Er sprach zu Saulus von Tarsus aus der Herrlichkeit als Jesus von Nazareth. Er hat jenen demütigen Namen angenommen. Der Herr wählt demütigen Baustoff für das Zeugnis. Das Zeugnis von den Rechten Christi ist ein wichtiger Gegenstand, und es entnimmt weitgehend seinen Charakter dem Baustoff, der zum Tragen des Zeugnisses genommen wird.

Der gepriesene Gott sucht einen Baustoff, der Ihn verherrlichen wird. Darum beruft Er nicht die Großen, die Weisen, die Edlen, sondern die Berufung ist durch die Erwählung von unbedeutenden Personen gekennzeichnet. Die Weisen und Edlen sind nicht ganz davon ausgeschlossen, denn Paulus sagt in 1. Kor. 1: „Nicht viele Weise . . . nicht viele Edle.“ Das ist aber nicht der Charakter des Zeugnisses, denn Gott erwählt die Armen dieser Welt. Er sucht solche, die zerbrochenen Geistes und zerbrochenen und zerschlagenen Herzens sind - das sind diejenigen, die Ihm wohlgefallen. Menschen, die durch solche Wesenszüge gekennzeichnet sind, sind für das Zeugnis brauchbar. Was groß und anmaßend und stolz ist, passt nicht für das Zeugnis.

Lukas stellt diese zwei Seiten dar, über welche wir geredet haben, nämlich die volle Entfaltung der Gnade Gottes dem Menschen gegenüber, die in herablassender Freundlichkeit herniedersteigt, um ihn groß zu machen. Andererseits aber müssen auch alle Rechte Gottes in Christo aufrechterhalten werden, wie die Schrift sagt: „Er wird sitzen auf dem Throne seines Vaters David.“

Dieses Füllen wurde zu diesem Zwecke festgehalten, und jeder von uns ist zu dem Zwecke festgehalten worden, um das Zeugnis der Rechte Christi zu tragen. Er erhebt auf uns Seinen Anspruch, und wir sollen uns Seinen Ansprüchen fügen und zugeben, dass wir im Blick darauf in die Welt geboren wurden. Paulus sagte: „Gott, der mich von meiner Mutter Leibe an abgesondert und durch seine Gnade berufen hat“ - Gott hatte das von Anfang an vor Sich gehabt. Auf diesem Füllen hatte noch nie jemand geritten. Es hatte niemals seinen rechten Platz gefunden, bis es für den Herrn genommen wurde, um von Ihm gebraucht zu werden, und keiner von uns ist an seinem rechten Platz, bis wir uns dem Herrn unterwerfen. Wir wurden für diesen Zweck von unserer Geburt an bestimmt.

Eine gewisse schützende Beschränkung wird allen denen gegenüber ausgeübt, die dazu ausersehen sind, den Herrn im Zeugnis zu tragen. In den Wegen Gottes wird ihnen eine Beschränkung auferlegt, so dass sie durch etwas festgehalten werden. Die Wege Gottes mit uns beginnen nicht dann, wenn wir bekehrt werden. Es kommt ein Augenblick, wo der Herr uns für Sich beansprucht. Wie wir es oft in diesem Evangelium gesehen haben, geht es nicht darum, dass der Mensch Gottes bedarf, sondern Gott bedarf des Menschen. Deshalb bedarf hier der Herr des Füllens; es wurde für einen bestimmten Zweck beansprucht. Das Füllen wurde unterwürfig gemacht - wer würde sich zutrauen, auf einem ungebändigten Füllen zu reiten? Die Tatsache, dass der Herr auf einem ungebändigten Füllen ritt, deutet an, dass die Macht, durch welche Er alle Dinge Sich unterwerfen kann, schon das unterworfen hat, was Ihn im Zeugnis tragen kann.

 In Bethphage und Bethanien haben wir einen Gegensatz zu Jerusalem, denn beide Namen bedeuten „Feigenhaus“, was darauf hindeutet, dass, wenn Jerusalem und Israel auch beide unfruchtbare Feigenbäume waren, aber doch ein  Dorf vorhanden war, ein unansehnlicher Ort, wo der Herr Früchte fand und wo Seine Rechte anerkannt wurden. Die Herren des Füllens erkannten sofort die Rechte des Herrn an, und man kann auch sagen, dass das Füllen Seine Rechte anerkannte, und zwar ohne vorheriges menschliches Bändigen. Es wurde unterwürfig gemacht, damit der Herr der Herrlichkeit auf ihm reiten möchte.

Bethphage und Bethanien waren kleine Orte, aber ein  Zeugnis war dort vorhanden; dort waren solche Menschen, die die Rechte des Herrn anerkannten. Jerusalem entspricht mehr dem Zustande des christlichen Bekenntnisses, wo die Rechte des Herrn verworfen werden. Der Herr sichert Sich aber doch etwas, Er hat Sein Bethphage und Sein Bethanien und auch Sein Füllen.

Diese zwei kleinen Dörfer liegen buchstäblich am Fuße des Ölberges, der eine geistliche und himmlische Gegend bezeichnet. Der Geist ist vom Himmel hernieder gekommen, damit es auf Erden ein Gebiet geben möchte, das mit der himmlischen Luft und Wertschätzung Christi erfüllt ist. Es ist schön, wenn man sich in einer solchen Gegend befindet. Die ganze Fettigkeit des Ölbaumes ist dort - die Wurzel und die Fettigkeit des Ölbaumes. Die Fettigkeit ist die besondere Reichhaltigkeit und der besondere Reichtum, die in dem Geiste gefunden werden. Der Geist möchte unsere Gedanken und Zuneigungen in Übereinstimmung mit der Gesinnung des Himmels bringen, und dann werden wir empfinden, was es für ein Vorrecht ist, auserwählt zu sein - in Anspruch genommen zu sein, um im Zeugnis die Rechte Christi auf einem Schauplatz zu tragen, wo diese Rechte allenthalben verachtet und abgelehnt werden. Das Füllen wie auch das Gastzimmer waren für den Herrn  zurückgehalten worden.

Die Jünger stellen eine Schar, eine Volksmenge dar, die mit dem Sinn des Himmels im Einklang steht. Darum setzten sie den Herrn auf das Füllen, und sie warfen ihre Kleider auf das Füllen. Alles, was sie selbst auszeichnen könnte, wurde jetzt der Herrlichkeit Christi untergeordnet. Was für ein wunderbares Bild! Wenn es etwas gibt, was mir in dieser Welt einen Platz, einen guten Ruf oder Ansehen geben kann, so habe ich dieses große Vorrecht, es Seinem Ruhm im Zeugnis unterzuordnen. Das Werfen ihrer Kleider auf das Füllen bezieht sich auf das, was für den Herrn Selbst getan wurde; aber das Ausbreiten der Kleider auf dem Wege deutet mehr auf den Lauf des Zeugnisses hin.

Das Zeugnis sollte einen bestimmten Lauf nehmen. Die Jünger werden gesehen, wie sie nach dem Grundsatz der Unterwürfigkeit und der Selbstverleugnung dazu beitragen. Sie ordneten sich den Wegen, die das Zeugnis nahm, unter. Viele haben den Weg verfehlt, weil sie nicht imstande waren, den Weg, den das Zeugnis nahm, wahrzunehmen. Die Kleider mussten im Voraus ausgebreitet werden, was besagt, dass die Jünger den Weg wussten, den der Herr nehmen würde. Die wirkliche Prüfung für uns ist, infolge unserer Erkenntnis im Voraus den Weg zu wissen, auf dem das Zeugnis sich fortbewegen wird. Manchmal bewegt es sich auf einem Wege weiter, den wir nicht erwartet haben, und dann sind wir ganz außer Fassung.

In der Wüste behielten die Priester nicht die Stiftshütte im Auge, sondern die Wolke; die Wolke ging vor der Stiftshütte her. Wenn wir kein priesterliches Sehvermögen besitzen, müssen wir warten, bis die Stiftshütte sich bewegt, um zu sehen, wie die Dinge weitergehen. Ein wahrer Priester war imstande, die Bewegung der Wolke zu sehen, noch ehe die Hütte sich in Bewegung gesetzt hatte. Es gibt drei bestimmte Dinge. Erstens behielt der Priester die Wolke im Auge; er sah, wenn sie sich bewegte und wenn sie emporgehoben wurde. Zweitens stieß er in die Trompete, und der Schall der Trompete setzte das Lager in Bewegung. Drittens brachen die Leviten die Hütte ab. Jeder von ihnen nahm sich seiner besonderen Last an; und dann setzte sich das ganze Lager in Bewegung. Das sind drei Stufen, nämlich die Wolke bewegt sich, dann erschallen die Trompeten - der Dienst des Wortes geht aus, und dann bewegt sich das Zeugnis weiter.

Wie können wir wissen, was das Zeugnis von den Rechten Christi in den nächsten fünf Jahren umfassen wird? Ich glaube, dass, wenn wir geistlich und priesterlich genug wären, wir durch Beobachtung der Bewegungen der Wolke im Voraus wahrnehmen könnten und wissen könnten, wohin sich das Zeugnis beim Wahren der Rechte Christi wenden wird. Es ist eine rein geistliche Sache. Dann werden wir nicht erstaunt sein, wenn die Zeit kommt, wo die Hütte und das Lager sich in Bewegung setzen werden, denn wir haben die Bewegung der Wolke vorweg gesehen.

Ich sage dieses, um in uns allen das Bewusstsein dieses Vorrechts zu wecken, damit wir bereit sein möchten, alles, was uns hienieden auszeichnen könnte, dem Zeugnis unterzuordnen, unsere Kleider auszuziehen, um sie auf dem Wege, den der Herr geht, auszubreiten. Dieser Weg erfordert Selbstverleugnung, das Ablegen von meinem eigenen Ruhme, von allem, was mich auszeichnen könnte. Ich bin bereit, das alles abzulegen, weil das der Weg ist, wohin das Zeugnis von den Rechten des Herrn sich bewegt. Er geht auf diesem bestimmten Wege.

Seine unumschränkten Rechte werden durch die Menge gewahrt. Hier ist es nicht die kleine Herde, sondern die ganze Menge der Jünger fing an, Gott mit lauter Stimme freudig zu loben. Wir haben in Kap. 2 die Menge der himmlischen Heerscharen gesehen, nun wird aber der Charakter dieser Menge in einer Menge Menschen hier auf Erden gesehen. Die himmlische Menge in Kap. 2 rühmte den Frieden auf Erden: sie schaute das Endergebnis des Kommens Jesu, des Sohnes Gottes, voraus; aber die Menge in diesem Kapitel verstand den besonderen Charakter des gegenwärtigen Augenblicks. Daher sagen sie nicht: „Frieden auf Erden“, sondern sie reden von Frieden im Himmel. Sie haben Verständnis über die Tatsache, dass Ihm alle Seine Rechte hienieden verweigert werden.

Jerusalem würde Ihm Seine Rechte nicht einräumen. Dadurch hat die Stadt, die Frieden hätte haben können, alles verworfen, was zu ihrem Frieden hätte dienen können. Der Friede ist im Himmel, und diese Menge war mit der Gesinnung des Himmels im Einklang, während der Herr öffentlich verachtet und verworfen wurde. Das war ein überaus schöner Anblick, und es war durchaus notwendig für Gott. Wenn Er nicht eine Menge Jünger finden konnte, würde Er Selbst die Steine reden lassen. Es war durchaus für Gott notwendig, dass Sein königlicher Sohn in Seiner königlichen Herrlichkeit gepriesen werde.

Ich habe schon manches Mal die drei Frauen erwähnt, die in Wigtown den Märtyrertod erlitten. Auf ihrem Denkmal steht geschrieben: „Sie starben, um die Rechte Christi in der Versammlung aufrecht zu erhalten.“ Ich weiß nicht, ob etwas noch Edleres über irgendeinen Heiligen gesagt werden könnte.

Gott hält die Menschen, die mit Ihm vorangehen wollen, nicht in der Finsternis. Der 2. Timotheusbrief hängt mit diesen Dingen  zusammen, es geht um das Aufrechterhalten der Rechte Christi. Wenn wir den Namen des Herrn nennen, sollen wir von der Ungerechtigkeit abstehen. Alles, was nicht die Rechte Christi aufrecht erhält, ist Ungerechtigkeit. Die religiöse Welt hält nicht die Rechte Christi aufrecht. Viele bekennen Seinen Namen, aber nur, um ihn zu verunehren. Im Gegensatz dazu sollen wir nun „nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen streben, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen“ - das ist eine Schar mit

reinen Zuneigungen.

Der Lauf des Zeugnisses wird durch das bestimmt, was der Geist zu irgendeiner gegebenen Zeit den Versammlungen sagt. Es ist wunderbar, daran zu denken, dass alles dieses auf die Gegenwart anwendbar ist, so dass wir in Gnaden berufen sind, an solch einem Rühmen teilzuhaben. Jerusalem ließ den Herrn unbeachtet und verhöhnte Ihn, aber ein wunderbares Rühmen Seiner Herrlichkeit ist jetzt im Gange. Es wird durch ein Volk betrieben, das arm, verachtet und unbedeutend ist, ein Volk, das von Natur die Abstammung hatte, dass es als ein Wildeselsfüllen geboren wurde. Doch es wurde Christo unterworfen und für Sein Zeugnis beansprucht, zurückgehalten und auf dasselbe in den Zuneigungen gerichtet. Man sehnt sich danach, mehr diesen Grundsätzen entsprechend zu wandeln.

Zum Schluss des Kapitels sehen wir den Herrn über Jerusalem weinen; das ist überaus erschütternd. Als der gepriesene König kam Er in Seine königliche Stadt, aber sie hatte keine Augen, Ihn zu sehen, und das erweckte in Seinem Herzen tiefe Gefühle, die in den Tränen ihren Ausdruck fanden. Das deutet darauf hin, welche Gefühle in der gegenwärtigen Zeit im Herzen des Herrn vorhanden sind. Solche Gefühle sind durch den ganzen Zeitabschnitt des Zeugnisses hindurch in Ihm, und das sogar denjenigen gegenüber, die sich verhärten.

Am Ende eines Tages besonderer Vorrechte, eines Tages der deutlichen Heimsuchung treten die zärtlichen Gefühle des Herrn ans Licht. Sie kommen auch in Laodicäa zum Vorschein, denn Er sagt: „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an“ - darin kommt eine bittende Gesinnung zum Ausdruck.

Das sollte in Seinen Heiligen in der gegenwärtigen Zeit ebenfalls zum Ausdruck kommen, denn die Haltung, die der Herr den Dingen gegenüber einnimmt, ist auch für uns sicherlich das Richtige. Wenn wir wissen, was den Menschen bevorsteht, und auch die schrecklichen Folgen davon, dass sie es nicht erkannt haben, sollten uns zum Weinen bringen. Die Gesinnung des verworfenen Königs ist nicht verhärtet.

Scheinbar ist das Weinen immer ein richtiger Wesenszug am Ende einer Verwaltungszeit. In seinen Klageliedern schließt Jeremia die Verwaltung mit Tränen ab, indem er über das Volk weinte. Solcherart sind auch die Gefühle Christi, wenn die Dinge beiseite gesetzt werden müssen.

Es besteht dann die Gefahr, hart zu werden, wenn wir daran denken, dass die Rechte Gottes beiseite gesetzt werden und Christus verworfen wird. Wir sehen die überschwengliche Bosheit der Menschen. Der Herr will aber nicht, dass dieses Gefühl bei uns vorherrscht, sondern dass wir daran denken, was ihnen bevorsteht, und wie schrecklich traurig ist es, Augen zu haben, die blind sind und das nicht sehen. Der Zustand Jerusalems entspricht weitgehend dem Zustand, worin die Christenheit sich jetzt befindet. Sie hat einen wunderbaren Tag, eine Zeit der Heimsuchung, sie hat aber keine Augen, die Dinge zu sehen, die zu ihrem Frieden dienen.

Das Herz Gottes ist noch niemals so voll von Erbarmen gewesen wie im gegenwärtigen Augenblick, denn Er kennt die volle Glückseligkeit dessen, was Seine Gnade den Menschen gebracht hat, und Er sieht den schrecklichen Zustand der Herzen der Menschen in Bezug darauf. Das rührt die göttlichen Erbarmungen tief. In Seinem Verfahren Laodicäa gegenüber ist der Herr deshalb Seiner eigenen Liebe treu. „Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe“ - Er ist ein verschmähter Liebender, aber immer noch ein Liebender. Wenn Paulus von den Feinden des Kreuzes Christi sprechen muss, so tut er das mit Tränen.

Wir werden oft hart, wenn wir über Feinde reden. Wir mögen sehr viel wissen und die Zeiten der Verwaltungen verstehen und den Menschen sehr ernsthaft sagen, dass das Gericht im Begriff steht, bald zu kommen. Es erfordert aber Nähe bei Christo, um imstande zu sein, ihnen das mit Tränen zu sagen. Wenn wir unrechte Dinge sehen, sind wir empört, und das ist manchmal richtig, aber es ist leichter empört zu sein, als zu weinen.

Die Gesinnung um uns her ist heutzutage prahlerisch, herausfordernd. Man denkt, man bedarf nichts, der Herr lässt aber die Dinge nicht dabei stehen. Denn weiter betritt Er den Tempel und deutet dadurch darauf hin, dass Er die Dinge im Charakter des Tempels aufrecht erhalten wird, wo nämlich die Gedanken Gottes erkannt werden können.

Alles, was Gott wohlannehmlich ist, angefangen mit Gebet, göttlicher Belehrung, Gewalt und allem, was Gott in Bezug auf alle großen Gegenstände gebührt, sollte dann aufrecht erhalten werden, wenn das äußere Bekenntnis sich als blind und gleichgültig allem gegenüber erweist, was von Gott ist. Es ist unser Vorrecht, zum Tempel Zuflucht zu nehmen.

Ich glaube tatsächlich, dass das Ziel, das Lukas beim Schreiben seines Evangeliums hatte, das war, uns zu Tempelbewohnern zu machen. Das wird in dem letzten Kapitel erreicht, wo die Jünger allezeit im Tempel waren, Gott lobend und preisend, und Licht über die Gedanken Gottes hatten. Der Herr wird das bis ans Ende aufrecht erhalten. Was aus dem äußeren Bekenntnis auch werden mag, so wird doch alles, was den Charakter des Tempels trägt, bewahrt werden.

„Und als er in den Tempel eingetreten war, fing er an auszutreiben, die darin verkauften und kauften“(Vers 45). Das deutet darauf hin, dass Er fortfahren wird, so zu handeln. Das Austreiben dessen, was Gottes unwürdig war, sollte ein fortwährender Dienst sein.

Es wird nicht nur gesagt, dass Er es tat, sondern dass Er anfing, es zu tun, was auf eine Fortsetzung der Handlung hindeutet.

Die, welche kauften und verkauften, wurden von selbstsüchtigen Beweggründen beseelt. Sie verdarben den Tempel, indem sie seinen wahren Charakter wegnahmen. Es war eine geldsüchtige und selbstsüchtige Gesinnung, die nur zu allgemein üblich ist. Im Gegensatz dazu ist der erste Grundsatz der Belehrung des Tempels, die Gott uns geben will, die Freigebigkeit Gottes und wie leicht Dinge von Ihm empfangen werden können.

Sein Haus ist ein Bethaus. Wir können nicht kaufen, aber wir können bitten. Dort werden die Dinge frei geschenkt. Das Gebet ist der Zustand der Abhängigkeit, der der göttlichen Belehrung Raum geben sollte. Es ist wichtig, dass wir die einfache Tatsache erfassen, dass das Gebet das Geheimnis ist, wie Dinge erlangt werden.

Wir sollten um mehr Licht bitten. Wir danken oft für das Licht, das wir haben, aber es fällt uns nicht oft ein, dass es noch viel mehr Licht gibt, das wir haben könnten. Wir bedürfen der Gesinnung des Forschens in Seinem Tempel. Wenn bei uns diese Gesinnung nicht ist, und wenn wir nicht nach mehr Licht forschen, werden wir nicht viel Nutzen aus dem ziehen, was wir haben.

Das Geheimnis des ganzen Verfalls und der ganzen Abtrünnigkeit um uns her ist, dass das Volk Gottes aufgehört hat, im Tempel zu forschen. Es besteht immer die Neigung zu denken, dass wir das Endgültige erreicht haben. Das dachte man auch zur Zeit der Reformation, und so ließen sie sich nieder in dem Licht, das sie hatten. Wenn Gott Licht gibt, so ist diese Neigung immer vorhanden, und dann stirbt die Gesinnung des Forschens im Tempel aus, und kein frisches Licht ist mehr vorhanden. Das empfangene Licht verliert dann seine ganze Kraft.

Die volle Offenbarung Gottes kam in Christo zum Vorschein, und dadurch, dass Er Seinen Platz zur Rechten Gottes einnahm und dass der Geist herniederkam, ist alles vollständig. Auf der göttlichen Seite ist alles vollständig und dem göttlichen Ermessen entsprechend. Auf unserer Seite aber sind die Dinge beschränkt, und es bedarf immerfort der Zurechtweisung und des Erwerbens göttlichen Lichtes. Während alles hervor gestrahlt ist, ist aber noch nicht alles in unsere Herzen gestrahlt.

In den Briefen der Apostel sehen wir in dem Verfahren Gottes mit den Heiligen, wie unvollständig die Dinge sind, wie viel hinzugefügt und eingebaut werden und wie die Entwicklung von jedem Standpunkt aus gefördert werden muss.