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MALEACHI 3.16

Zufalls Beitrag

Gethsemane   Verfasser: Edi Rohner

 

Ein bekannter Kommentator schreibt:

Ich glaube nicht, dass die Leiden Christi im Garten Gethsemane Teil Seines Erlösungswerks waren. Das Erlösungswerk wurde während der drei Stunden der Finsternis am Kreuz vollendet.

Dazu habe ich ein volles Ja.

Dann fährt er fort: Doch Gethsemane war ein Vorgeschmack auf Golgatha. Dort verursachte der blosse Gedanke

...

Lukas

Lukas Kapiltel 23

C.A.C.  - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

 Abschrift: Nicole F

Kapitel 23

 

In diesem Kapitel gehen wir vom Synedrium zum Gerichtshof des Pilatus über. In Pilatus sehen wir den Charakter des letzten Tieres von Daniel 7, eine von Gott eingesetzte, aber von der Politik beeinflusste Gewalt.

Pilatus war nicht wie die jüdischen Führer durch Hass gegen Christum gekennzeichnet. Er stellt einen großen Teil Leute in dieser Welt dar, denn er konnte unterscheiden, dass Derjenige, der vor ihm stand, kein Verbrecher war. Er konnte das Urteil fällen, dass an Ihm keine Schuld, nichts Todeswürdiges zu finden war. Seine Haltung wurde aber von der Klugheit beeinflusst, von dem, was unter den damals herrschenden Umständen vorteilhaft war.

Auch wir können durch die Umstände, in welchen wir uns befinden, beeinflusst werden. Wenn ich Christum bekennen könnte, aber schweige, weil ich denke, es könnten mir dadurch Schwierigkeiten erwachsen, oder ich könnte denen, bei denen ich bin, missfallen, dann stehe ich neben Pilatus. Sind wir bereit, unter allen Umständen für Christum einzustehen?

Wenn Pilatus eine wahre Wertschätzung Christi gehabt hätte, wäre er für Ihn gestanden, koste es, was es wolle. Er befürchtete einen Aufruhr der Juden, denn er hatte viele Schwierigkeiten mit ihnen und wollte keine mehr haben. Gott ließ es zu, dass er öffentlich sein gerechtes Urteil über Christum zum Ausdruck brachte. Gleichzeitig trat es aber ans Licht, dass er sich durch Klugheit leiten ließ.

Es gibt mehr solche, die wie Pilatus sind, als wir denken. Wir können aber nicht gleichgültig sein; wir müssen für Christum oder gegen Ihn sein. Unsere Stellung sollte sein, dass wir für Christum da sind; wir sollten zu Ihm stehen. Seine Gnade ist so wunderbar, Seine Gewalt und Kraft so groß und Seine persönliche Herrlichkeit so hervorragend, dass wir zu Ihm stehen müssen, koste es, was es wolle. Das ist die Stellung, und keine Neutralität ist möglich!

Ich fühle mich gedemütigt, wenn ich das sage, denn wir alle fühlen, wieviel Neutralität bei uns ist.

Am Anfang der Apostelgeschichte sehen wir Menschen, die Ihn alle verlassen hatten, und einen, der Ihn sogar dreimal verleugnet hatte. Doch sie standen jetzt unverrückbar wie ein Fels als solche, die völlig mit Ihm einsgemacht waren. Ob im Widerstand, Aufruhr, Gefängnis oder Tod, sie standen zu Ihm ohne einen Schatten von Neutralität. Sie beteten, denn wir können in solch einer Stellung nur durch Gebet stehen. Pilatus befürchtete Widerstand und Aufruhr. Sie fürchteten sich aber nicht, sie standen fest durch Gebet, und aus Apg. 4 sehen wir, dass die Stätte, wo sie waren, bewegt wurde - Gott gab ein offensichtliches Zeichen, dass Seine Macht mit ihnen war. Gott unterstützte sie so, dass sich ihnen nichts widersetzen konnte. Alle Mächte der Finsternis brachen vor ihnen zusammen.

Herodes war ein Mann, der gar kein Gewissen hatte. Er suchte nur irgendeine Unterhaltung; er hoffte ein vom Herrn geschehenes Wunder zu sehen. Pilatus hatte ein Gewissen, er wurde aber von menschlicher Klugheit getrieben. Herodes hatte jedoch kein Gewissen mehr. Der Herr nannte ihn einen Fuchs. Er suchte schlau seinen eigenen Vorteil, und sein Wunsch, den Herrn zu sehen, war bloß Neugier. Der Herr hatte dem Herodes nichts zu sagen. Er wollte nicht der Neugier dienen.

Wenn die Menschen sich darum bemühen, das Christentum für den natürlichen Menschen anziehend zu machen, so ist das so ähnlich, als wenn man Christum vor Herodes bringen würde. Und das führt nur dahin, dass Er geringschätzig behandelt und verspottet wird. Gott wirkt nicht auf diese Weise, und wir sollten solche Dinge nicht tun. Wenn ein Mensch nur durch natürliche Neugier getrieben wird, hat der Herr ihm nichts zu sagen.

Alles nahm seinen zuvor bestimmten Lauf im Blick auf das Kreuz. Die Handlungen der Menschen waren alle der Absicht Gottes unterstellt, damit Seine Gnade in dieser Welt vollkommen dargestellt werden möchte. Die Stunde des Menschen und die Macht der Finsternis dienten nur dem Zweck, Wunder ans Licht zu bringen, die vorher nicht geoffenbart werden konnten.

Es ist, als wenn die Finsternis über den Erdkreis kommt, was der Offenbarung der Pracht des Himmels dient, so dass wir hinaufblicken und das Werk der Hände Gottes schauen können. Wir können dann Wunder und Herrlichkeiten schauen, die bei Tageslicht nicht gesehen werden können. Die Finsternis bietet ihnen die Gelegenheit, auszustrahlen.

Als die Macht der Finsternis sich im Widerstand Jesu gegenüber offenbarte, war es gerade die rechte Zeit, dass die Herrlichkeit Gottes in Gnade in ihrer heiligen Pracht erstrahlen sollte. Die bösen Gedanken im Herzen des Menschen dienten bloß dazu, die kostbaren Gedanken im Herzen Gottes ans Licht zu bringen.

Es ist sehr bedeutungsvoll, dass der Herr gekreuzigt wurde, denn das war nicht der von Gott bestimmte Tod für einen Lästerer, denn dieser war die Steinigung. Wie wir wissen, hatten die Juden häufig die Absicht, Ihn zu steinigen, aber das sollte nicht sein. Es wurde von Gott angeordnet, dass Er den Platz von einem, der unter dem Fluche steht, einnehmen sollte, denn ein Gehenkter ist ein Fluch Gottes. Er sollte aber durch die Gnade Gottes diesen Platz einnehmen.

Der Gedanke der Steinigung ist, dass jeder der Beteiligten seinen Abscheu gegen die verübte Sünde zum Ausdruck bringt, während ein Gekreuzigter zu einem öffentlichen Schauspiel gemacht wird. Er befindet sich öffentlich am Platze des Fluches. Der Herr kam dahin in reiner und vollkommener Gnade, um uns dadurch vom Fluche zu erlösen, dass Er Selbst zum Fluche wurde, auf dass der Segen Abrahams in Christo Jesu zu den Nationen käme, „auf dass wir die Verheißung des Geistes empfingen durch den Glauben“ (Gal. 3, 14).

Die Bosheit des Menschen hinderte Gott nicht im Geringsten. Sie führte nur Seinen bestimmten Ratschluss herbei, damit Segen für uns alle durch das Erlösungswerk hervorkommen möchte. Johannes sagt uns in seinem Evangelium, dass Jesus Sein Kreuz trug. Er wird dort dargestellt, wie Er alles in der Größe Seiner Person trug. Als erhöht sollte Er zum Sammelpunkt für alle werden. Bei Johannes handelt es sich nicht um die Schande des Kreuzes, sondern um die Erhöhung, die der Weg war, den die göttliche Liebe und Kraft nahm, um Gottes gesegnetes Endziel zu erreichen.

In den anderen Evangelien aber wird Simon von Kyrene als das Kreuz des Herrn tragend erwähnt, und zwar nicht nach seinem eigenen Willen, sondern durch die Feinde Jesu dazu gezwungen. Er war offensichtlich ein Mann von einem afrikanischen Volksstamme, der, wie die Menschen sagen würden, zufällig zur Stelle war, denn Markus sagt, er wäre ein Vorübergehender gewesen, der von seiner Tagesarbeit vom Felde kam. Er war augenscheinlich ein Mann, den sie zu solch einem Zwecke für passend hielten. Sie hätten dafür keinen Schriftgelehrten noch einen Pharisäer oder einen Gesetzgelehrten gewählt. Markus sagt uns, dass Simon von Kyrene zwei Söhne hatte, Alexander und Rufus, wodurch er andeutet, dass er einen Namen unter den Gläubigen hatte. Ich zweifle nicht daran, dass er ein Jünger war, und dass es so von Gott angeordnet wurde, dass er sich im rechten Augenblick zur Stelle befand, als gerade jemand nötig war, um das Kreuz zu tragen.

Es ist gut, unter der Anordnung Gottes ein Vorübergehender zu sein, wenn Jesus verschmäht wird, und dann bereit zu sein, wenn Seine Feinde uns zwingen, Sein Kreuz zu tragen. Mit Jesu verbunden zu werden und ausgewählt als nur dazu fähig, Sein Kreuz zu tragen, ist die größte Ehre, die die Welt uns erweisen kann. Sind wir in unserem Wandel und in unseren Wegen derart, dass die Welt uns zu dieser Ehrung auswählen würde?

Dann war die Volksmenge da, die wehklagte und Ihn bejammerte. Der Herr will nicht das Mitleid der Menschen, sondern ihren Glauben haben. Er wusste alles, was über sie kommen würde, und Er sagte: „Wenn man dies tut an dem grünen Holze, was wird an dem dürren geschehen?“ Er war das grüne Holz des größten Vorrechts Gottes, und Er wurde von der ganzen Nation verworfen. Das Holz war aber immer noch grün; sogar durch Seine Kreuzigung verlor es nichts an seiner Frische. Er konnte sagen: „Vater, vergib ihnen.“ Das grüne Holz ist die volle Darstellung Gottes in Gnade, und dies war noch zu Pfingsten und durch die ganze Apostelgeschichte hindurch zu sehen.

Das verdorrte Holz ist, wenn der Mensch ohne Gott, ohne Christum und ohne den Heiligen Geist sich selbst überlassen wird. Das ist eigentlich die Zeit der. völligen Abtrünnigkeit, wenn Gott Sich von denen zurückzieht, die Ihn aufgegeben haben. „Andere hat er gerettet!“ sagten die Obersten spottend. Er wollte Sich aber nicht retten, weil Er Sich in königlicher Gnade dort befand.

Der bußfertige Übeltäter verstand das. Er fürchtete Gott und erkannte, dass Jesus nicht um Seinetwillen dort war, sondern in Gnade, und dass Er in Seinem Reiche wiederkommen würde. Dies ist der Weg zur Segnung, denn er ward Jesu zugesellt, um mit Ihm im Paradiese zu sein. Wir könnten diesen Übeltäter als den Erklärer von allem, was sich ereignete, betrachten. Er war imstande alles so zu deuten, wie keiner der Apostel es damals vermochte. Er besaß göttliches Licht über die Sachlage, und er konnte sie zum Nutzen seines Mitgekreuzigten wie auch zu unserem Nutzen deuten. Er erkannte die ganze Wahrheit der Sachlage.

Es waren drei Männer unter dem Gerichte: zwei von ihnen empfingen durchaus das, was sie verdient hatten. Es war aber ein Anderer am Platze des Gerichts, und Er war dem Übeltäter als Derjenige bekannt, dem das Reich gehörte. Für die Seele dieses Menschen war er der Christus, der Auserwählte Gottes. Wenn Er, dem das Recht auf das Reich gehörte, Sich am Platze des Gerichts befand, so war Er zweifellos dort in Gnade.

Das Bekenntnis des Übeltäters zeigt, dass das kostbare Werk Gottes in seiner Seele ihn wohlannehmlich gemacht hatte, Jesu im Paradiese zugesellt zu werden. Seine Worte: „Dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan“, und seine Erwähnung des kommenden Reiches stimmten mit dem überein, was Gabriel am Anfang dieses Evangeliums der Maria über die Heiligkeit Jesu gesagt hatte, und er stimmte mit dem überein, was aus dem Himmel gekommen war. Nichts geht in den Himmel ein, als nur das, was aus dem Himmel gekommen ist. Durch die unendliche Gunst Gottes ging er in das Paradies in vollkommener Übereinstimmung mit Dem, der ihn dorthin mitnahm, ein. Das zeigt, wie schnell das Werk Gottes vor sich gehen kann.

Dieser Mann, der ein Spötter gewesen war, trat jetzt auf dem Schauplatz auf Golgatha hervor, indem er allem, was sich dort zutrug, eine Deutung gab. Er ist einer der bemerkenswertesten Menschen in der Schrift. Er trat hervor, um Sein Geschlecht auszusprechen. In Bezug auf seinen eigenen Zustand gab es keine Unbestimmtheit oder Zweideutigkeit, denn er verurteilt ihn vollkommen, indem er sagte: „Wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan.“ Das muss Gott ihm eingegeben haben.

In den Augen der Schriftgelehrten und Pharisäer war alles, was der Herr getan hatte, ungeziemend, der Übeltäter rechtfertigte aber den Herrn in jeder Weise. Für seine Seele war Er der Christus, der Auserwählte Gottes, und wenn Er am Platze des Gerichts war, so konnte es nur aus Gnaden sein. Der Räuber verstand das vollkommen. Er empfand, dass, wenn Derjenige, dem das Reich gehören sollte, aus Gnaden am Kreuze war, er auch auf Gnade für sich selbst rechnen konnte. Er hatte Licht in Bezug auf die ganze Sachlage. Er war in dem Lichte dieser Person. Er war im Lichte Seines Todes, Seiner Auferstehung, Seiner Himmelfahrt, Seines Reiches und Seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Die elf Apostel hätten zu seinen Füßen sitzen und Wunderbares lernen können! Das erinnert mich an die Worte des Herrn: „Letzte werden Erste sein.“

Das Paradies deutet auf die Wonne und das Wohlgefallen Gottes hin. Es bedeutet einen Garten der Wonnen. Das umfasst Gemeinschaft mit Jesu. Den Menschen am Orte Seiner Wonne zu haben, war das volle Ergebnis dessen, was die Gnade vollbrachte. In diesem Evangelium sehen wir, dass Gott den Menschen zu Seiner Wonne; braucht. Das Paradies ist der Ort Seiner eigenen Wonne, und im Lukasevangelium sagt Gott zu dem Menschen durch den Tod Jesu: Ich will dich in Meiner Nähe haben.

Der Herr sagt: „Heute wirst du mit mir im Paradiese sein“, so dass er sogar schon vor der Auferstehung dorthin ging. Dass ein Mensch schon vor der Auferstehung mit Jesu in das Paradies gehen kann, hebt den Wert des Todes Jesu hervor. Der eigene Geist des Herrn ging in demselben Augenblick in das Paradies, als Er starb, und im Werte Seines kostbaren Todes ging auch der Übeltäter als ein Gegenstand der Wonne Gottes da hin.

Lukas lässt die Finsternis nicht aus. Sie zeigt den unergründlichen Charakter des Werkes. Wenn die Versöhnung vollbracht werden sollte, dann musste sie dadurch zustande kommen, dass Derjenige, der Sünde nicht kannte, zur Sünde gemacht wurde - das ist die Grundlage. Lukas bringt aber nicht das Verlassensein von Gott, weil das mit dem führenden Gedanken seines Evangeliums nicht übereinstimmt. Gott erstrahlte hier in äußerster Gunst den Menschen gegenüber. „Der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei“. Es wird nicht gesagt, dass er „zerriss“, wie bei Matthäus und Markus. Das deutet vielleicht an, dass er aus eigenem Antrieb zerriss. Es war Gott, der durch den Tod Jesu Seine eigene Natur in Gnade zum Ausdruck brachte.

Es ist hier nicht die Wucht des göttlichen Gerichts, das den ergebenen Messias traf. Bei Lukas kommt alles das ans Licht, was im Herzen Gottes für die Menschen vorhanden war. Bei Lukas sagt der Herr, Er wäre beengt: „Ich habe aber eine Taufe, womit ich getauft werden muss, und wie bin ich beengt, bis sie vollbracht ist!“ Die ganze Gnade war in Seinem Herzen eingeschlossen, doch nun brach sie hervor. Der geöffnete Vorhang ließ alles, was dahinter vorhanden war, hervor strömen zur Linderung der Not des Menschen. Die ganze Gnade Gottes den Menschen gegenüber fand durch das Fleisch Jesu in Seinem Tode ihren völligen Ausdruck.

Gott hat alles beseitigt, was den Menschen daran hindern könnte, zu Seinem Wohlgefallen aufrecht erhalten zu werden. Durch den Tod Jesu ist Gott hervorgetreten, um uns zu Seinem Wohlgefallen in dem ganzen Werte des Todes Seines Sohnes vor Sich zu haben. Das ist etwas, was nie zuvor zum Vorschein gekommen war. Das Alte Testament zeigt, dass Gott dem Menschen seine Schuld wegnehmen kann, damit er in Seiner Gunst auf Erden leben möchte. Aber etwas darüber hinaus gibt es uns nicht. Jetzt aber kann der Mensch durch den Tod Jesu zum Wohlgefallen Gottes am Orte der Wonne Gottes aufrecht erhalten werden.

Einige haben deshalb gegen die Lieder, die sagen, Christus habe Sein Blut vergossen, Einspruch erhoben, weil es in Wirklichkeit ein römischer Kriegsknecht war, der es vergoss. Es gibt aber doch drei Schriftstellen, die direkt vom Vergießen des Blutes Christi reden, und das sind die eigenen Worte des Herrn beim Abendmahl in Matthäus, Markus und Lukas. Vergießen und ausgießen ist dasselbe Wort. Er kam in der Absicht, Sein Blut zu vergießen. Die Liebe Gottes wurde ausgegossen.

Sicherlich hatte der Herr das vor Sich. Es war nicht einfach die Tat des Kriegsknechts. Es ist durchaus schriftgemäß, zu sagen, dass Er Sein Blut vergoss. Er war im Hinblick auf dieses Vergießen gekommen; es war eine Tat der göttlichen Liebe. Das Wort ausgegossen wird in Apg. 2, 33 in Bezug auf den Heiligen Geist gebraucht. Das Blutvergießen war eine Liebestat von Seiten Gottes und Christi, ebenso wie der Geist in göttlicher Liebe ausgegossen wurde, und das geschah, damit die auf Golgatha entfaltete Liebe in Millionen Menschenherzen ausgegossen werden möchte. Unter dem Vorwand einer buchstäblichen Genauigkeit verlieren wir manchmal das geistliche Leben von einer Sache.

Die Finsternis deutet auf das Unausforschliche hin. In der Art und Weise, wie die Versöhnung vollbracht wurde, ist eine Tiefe, die für uns undurchdringlich ist. Es ist höchst erstaunlich. Wer kann das nur annähernd nachprüfen? Wir müssen mit unbeschuhten Füßen abseits stehen.

Die Worte des Herrn: „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist“ deuten auf das göttliche Wohlgefallen hin. Sogar im Tode wurde der Herr in vollkommener Zuversicht dem Vater gegenüber gesehen. Es zeigt auch, wie vollständig Er den Platz des Menschen eingenommen hatte, denn Sein Geist war Er Selbst. Die Wahrheit ist, dass Er Gott ist und Mensch geworden ist, das war bei der Fleischwerdung. Derjenige, der in Gestalt Gottes war, und was Seine Person betrifft, Gott war, ist Mensch geworden und wird ewig Mensch bleiben. Er ist in diese Stellung gekommen, damit dem Herzen Gottes neue Wonne daraus werden möchte. Er hat diese Stellung mit gänzlicher Vollkommenheit ausgefüllt.

Der Herr kam als Kindlein auf diesen Platz des Vertrauens. „Du bist es . . . der mich vertrauen ließ an meiner Mutter Brüsten“ (Ps. 22, 9). Eine Person der Gottheit ist Mensch geworden und bleibt auf ewig Mensch. Derjenige, der Gott war, ist Mensch geworden, damit dem Herzen Gottes neue Wonnen bereitet werden möchten, und zwar nicht nur an Ihm Selbst, sondern auch an denen, die Seine Genossen sind. Als Kindlein kam Er in die Stellung des Gegenstandes der göttlichen Fürsorge.

Es ist sehr ergreifend zu sehen, dass die Tatsache, dass Er von Seiner Mutter in Windeln gewickelt wurde, der erste Ausdruck der göttlichen Fürsorge war, und der letzte Ausdruck dieser Fürsorge war, dass Er von Joseph in feine Leinwand gewickelt wurde. Er wurde also in der Kindheit, im Mannesalter und im Tode versorgt. Es ist sehr ergreifend zu sehen, dass die Fürsorge Gottes für Jesum von Anfang an oft durch die Heiligen zum Ausdruck kam. Bedenkt, dass es einem Weibe erlaubt wurde, dieses heilige Kindlein zu nehmen und in Windeln zu wickeln, damit die Fürsorge Gottes durch zärtliche, heilige Hände zum Ausdruck kam! Wir mögen sagen: O, wäre ich doch einer von ihnen gewesen! Die Gelegenheit bleibt jedoch bestehen. Wir können immer noch die Fürsorge Gottes für Ihn zum Ausdruck bringen - Er ist in Seinen Heiligen, und wir können ihnen dienen.

Dann dienten Ihm die Engel; das war auch die Fürsorge Gottes. Sogar der Teufel wusste, dass der Herr der Gegenstand der göttlichen Fürsorge war, denn er sagte: „Er wird seinen Engeln über dir befehlen, dich zu bewahren“, und es war ein rührender Abschluss der göttlichen Fürsorge, dass Sein Leib in feine Leinwand gewickelt wurde.

Lukas sagt uns nicht, dass Joseph ein geheimer Jünger war, weil er es mit der Gnade Gottes in Joseph zu tun hat. Die Gnade Gottes tritt in ihm ans Licht, wie sie auch in dem Räuber ans Licht trat. Die Furcht war verschwunden, als er zu Pilatus ging und um den Leib Jesu bat. Als die Gelegenheit sich bot, war er bereit, und im Bilde brachte er seine Wertschätzung Christi dar.

In Jesu hatte Joseph den Charakter des Reiches Gottes kennengelernt, und er erwartete es, und die Wertschätzung des Reiches in seiner Seele kam in der feinen Leinwand zum Ausdruck. Indem er mit seinen Händen diesen kostbaren Leib bediente, hatte er einen göttlichen Begriff davon, was darin eingeschlossen war. Es hat Joseph etwas gekostet. Markus sagt uns, dass er die feine Leinwand kaufte.

Wenn du etwas hast, was dessen würdig ist, damit es um Jesum gewickelt werden kann, dann hat es dich etwas gekostet, vielleicht einen Zusammenbruch des Fleisches. Es bedeutete den Zusammenbruch des ganzen Lebens Josephs. Alles wurde jetzt für Jesum geopfert. Er legte Ihn in seine eigene Gruft, und moralisch ging auch er hinein, denn wir können uns nicht vorstellen, dass Joseph zu seiner früheren Stellung zurückkehren würde. Was werden die Menschen gesagt haben, wenn sie vorbei gingen und die Gruft endgültig zugedeckt fanden und einen Stein an die Öffnung gewälzt sahen? Sie werden gesagt haben, dass Joseph endgültig beseitigt war - und so war es auch. Ich zweifle nicht daran, dass Joseph nie wieder im Synedrium gesehen wurde.

Dann werden noch die Weiber erwähnt. Lukas sagt uns, dass sie Spezereien und Salben bereiteten. Sie besaßen ihre Wertschätzung, aber sie kamen zu spät, um sich dem Wirken Gottes anzuschließen. Es ist etwas Großes, rechtzeitig zur Stelle zu sein. Simon von Kyrene war zur Stelle, als man seiner bedurfte, und Joseph und auch der Räuber - sie füllten alle ihren Platz aus in dem göttlichen Wirken der Gnade. Wie jene Weiber mögen wir kostbare Spezereien und Salben haben und doch zu spät kommen und den kritischen Augenblick versäumen. Sie hatten niemals das Vorrecht, wie Maria von Bethanien ihre Wertschätzung auf den Leib Jesu auszugießen. Maria salbte Ihn im Voraus zum Begräbnis. Es ist etwas Wunderbares, sich geistlich im Voraus nach der Richtung hin zu bewegen, was Gott tun wird.

Andere breiteten ihre Kleider vor Ihm aus, als Er in Jerusalem einzog. Sie stellen Seelen dar, die genau die Richtung kennen, in der der Herr Sich bewegt. Das ist geistlich.