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MALEACHI 3.16

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Das Buch der Richter


(Charles Andrew Coates)                  MP3


Kapitel 15 und 16

Es ist gut im Sinne zu behalten, dass, weil Simson der letzte Richter war, seine Geschichte die allerwichtigsten Grundsätze für uns in den letzten Tagen ans Licht bringt. Es scheint, dass wir i

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Lukas

Lukas Kapitel 24

C.A.C.  - Wortbetrachtungen über das Lukasevangelium

 Abschrift: Nicole F.

Kapitel 24

 

In diesem Kapitel haben wir das Lösen der Bande des Todes (siehe Psalm 18, 4 und 116, 3). Durch die Gnade Gottes war der Herr an den Platz des Todes gekommen, und die ganze Macht des Todes, seine ganze Kraft richtete sich gegen Ihn. Es gibt keinen Charakterzug der Macht des Todes, dem Er in Gnade nicht ausgesetzt wurde. Die Bande des Todes umfingen wirklich und wahrhaftig den Gepriesenen, aber Gott löste sie alle.

Der Geist Gottes redet im Neuen Testament über die „Wehen des Todes“ (Apg. 2, 24), was uns an die Seelenpein erinnert, die damit verbunden war, dass die Gnade Gottes im Tode ihren Ausdruck fand. Das Wort „die Wehen“ bedeutet außerordentliche Schmerzen. Es zeigt, was die Offenbarung der Gnade den Herrn Jesu gekostet hat.. Im Hebräerbrief lesen wir, dass Er durch die Gnade Gottes für alles den Tod schmeckte. Nicht nur ging Er in den Tod als solchen, sondern Seine Seele schmeckte die ganze Bitterkeit des Todes. Das Lösen der Wehen des Todes ist das Zeichen von Seiten Gottes, dass die Strafe durch die Gnade in solch einer Weise erlitten wurde, dass sie nun zunichte gemacht ist.

Ich glaube, dass wir hier den Tod in einem anderen Charakter sehen. Es ist ein göttliches Zeugnis vorhanden, dass die Strafe hinweggetan ist, und dass Derjenige, der aus Gnaden die Strafe für die Sünde erlitten hat, nun davon befreit ist. Es ist das Zeugnis Gottes von der Vollständigkeit der Gnade. Das ist die eine Seite, aber Petrus fügt am Tage der Pfingsten noch hinzu: „Wie es denn nicht möglich war, dass er von demselben (vom Tode) behalten würde.“

Da Er Gottes „Frommer (Gnädiger)“ war und ausschließlich aus Gnaden in den Tod ging, war es unmöglich, dass Er vom Tode behalten würde. Im Tode Jesu war kein wahrer und genügender Ausdruck der Gnade Gottes möglich, wenn das ganze Gewicht der Strafe nicht erduldet worden wäre.

Es ist gut, das, was sich dabei zutrug, nicht zu unterschätzen. Wir müssen niemals das Bewusstsein verlieren, dass das Gewicht der Strafe auf dem Herrn Jesu lastete. Es zieht unsere Herzen zu Ihm hin. Wie ergreifend ist es, sagen zu können: Er ist für mich gestorben. Der Stachel des Todes ist die Sünde, und diese erforderte die härteste Strafe. Für uns also, die wir unter dem Schatten eines auferstandenen Christus weilen, ist die Strafe in diesem Sinne vollständig beseitigt. Die Wehen des Todes sind gelöst worden. Alle Fragen sind erledigt worden, so dass der Herr durch die „Tore der Gerechtigkeit“ in eine neue Stellung als Mittler der alle Menschen segnenden Gnade Gottes eingehen konnte.

Wenn die Strafe für die Sünde in ihrer Fülle erduldet und der Tod in diesem Sinne zunichte gemacht worden ist, so ist auch die ganze Macht des Todes, die durch die Sünde des Menschen in die Hände Satans gelegt worden ist, zunichte gemacht worden. Hier kommen wir zu dem vollständigen Triumph der Gnade: Sünde, Tod und Satan sind völlig zunichte gemacht worden.

Zunichtemachen ist ein starkes Wort. Es bedeutet, dass sie so gemacht sind, als wenn sie niemals da gewesen wären. Das gibt dem Herrn freie Bahn, Leben und Unverweslichkeit ans Licht zu bringen. Zum ersten Male kommen sie in einem auferstandenen Christus ans Licht, und da sehen wir, was Gott dem Menschen zugedacht hat. Das ist die andere Seite des Todes Jesu.

Das Beseitigen der Strafe ist die eine Seite, doch wir können den Tod Jesu auch in einer anderen Weise betrachten. Es gibt auch die Seite, auf der der Herr in diese neue Stellung eintritt, worin Er zum weltweiten Austeiler der Gnade Gottes wird. Der Tod ist der Eingang. In der Auferstehung tut Ihm Gott die Tore der Gerechtigkeit auf, und Er betritt diesen neuen Platz als der Mittler der ganzen Gnade Gottes. Das ist eigentlich nicht dieselbe Stellung, die Er in den Tagen Seines Fleisches innehatte, denn Er sagte: „Wie bin ich beengt!“ Damals war die Gnade beengt, jetzt aber, nachdem Er durch die Tore der Gerechtigkeit eingegangen ist, ist der Mittler vollkommen frei, die Gnade allen Menschen auszuteilen, und Er hat diese Stellung durch den Tod erlangt.

Dem Psalm 118 gemäß stehen die Tore der Gerechtigkeit in Verbindung damit, dass Er zum Eckstein geworden ist, und Er führt einen neuen Tag ein, „den Jehova gemacht hat“. Das ist voll Frohlocken und Freude für die Menschen, denn es ist der Tag der Gnade ihnen gegenüber. Das ist der neue Tag, den wir in Luk. 24 haben, ein Tag, auf den kein Schatten des Todes mehr fallen kann.

Dem Psalm 16 gemäß ist der Herr als Gottes Gnädiger (Heiliger) gekommen. Es war nicht möglich, dass ein solcher die Verwesung sehen sollte. Der Gnädige Gottes ging durch diese Welt der Sünde hindurch, und nun ist Er durch die Tore der Gerechtigkeit in eine neue Stellung eingegangen. Das ist der neue Tag, der Tag, den Jehova gemacht hat, und er ist durch Frohlocken und Freude gekennzeichnet.

Die Seite des Todes Jesu, die Lukas schildert, besagt, dass Er durch den Tod in eine Stellung der unbestreitbaren Oberhoheit eingegangen ist. In der Apostelgeschichte wird häufig gesagt, dass Gott Ihn auferweckt hat; die Evangelien schildern uns aber Seine Person. Er ist auferstanden. Das bedeutet, dass in diesem Siegreichen eine eigene Macht war, die es unmöglich machte, dass Er vom Tode behalten würde. Er musste auferstehen. Keine Macht konnte die Rechte Seiner Gnade in Frage stellen. Er konnte sagen: „Brechet diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten.“

In Hebr. 2, 9 lesen wir, dass Er „ein wenig unter die Engel wegen des Leidens des Todes erniedrigt war“. Das war aber auf dem Wege dahin, wo Er „mit Herrlichkeit und Ehre“ gekrönt wurde. Er besitzt jetzt die weltumfassenden Rechte der Gnade. Er konnte die Verheißung des Vaters geben. Er konnte alles tun; Buße und Vergebung der Sünden sollten in Seinem Namen allen Nationen gepredigt werden.

Es war nicht erforderlich, den Stein weg zu wälzen, um solch eine Person freizulassen. Doch der Stein wurde weggewälzt, damit der Tod, als der Ort des göttlichen Triumphes, freigelegt werde. Die Weiber konnten in den Ort des Todes hineinschauen und nichts anderes dort sehen als nur das Zeichen des Triumphes der Gnade. Sie fanden nicht den Leib des Herrn, doch seine Grabgewänder waren da - das Zeugnis dafür, dass der Herr Jesus wirklich da gewesen war.

Wenn wir in den frei gelegten Ort des Todes hineinschauen, werden wir uns dessen bewusst, dass der Herr des Lebens und der Herrlichkeit nicht mehr dort ist. Er war dort aus Gnaden, jetzt ist aber die erste Ordnung des Menschen beendet.

Es ist ein schöner Anblick, Männer in strahlenden Kleidern zu sehen. Es wird hier nicht gesagt, dass sie Engel waren. Nachdem der Stein weggewälzt war, haben wir sofort den Gedanken von Menschen in einem völlig neuen Zustande, von Menschen in strahlenden Kleidern, von Menschen, die für einen neuen Zustand, der außerhalb des sterblichen Lebens liegt, passend sind.

Der Auferstandene möchte in Seinem neuen Zustande Genossen haben. Es sind zwei Männer, denn das Zeugnis steht vor uns. Gott möchte, dass wir diese wunderbaren Dinge sehen, dass wir als solche, die Jesum lieben, in das Grab hineinschauen und sehen, dass Er in Gnaden dort im Tode gewesen ist und dass Er jetzt außerhalb des Grabes ist, und das Ergebnis ist, dass Menschen in strahlende Gewänder gekleidet sein können.

Hier auf dieser Erde, wo Jesus starb, sollen Menschen in strahlenden Kleidern stehen. Es ist die Antwort auf Luk. 2, 14, denn es zeigt, dass das Wohlgefallen Gottes an den Menschen in diesem neuen Zustande gesichert worden ist. Sein Wohlgefallen bezieht sich nicht auf die Menschen in diesem Weltsystem, denn für solche gibt es keine strahlenden Kleider. Nie zuvor wurde ein Mensch in strahlenden Kleidern gesehen als nur der Herr auf dem Verklärungsberge; solche Kleider entsprechen der Auferstehungswelt.

Das ist die Krone des Wohlgefallens Gottes an den Menschen. Der Herr konnte an bußfertigen Sündern Wohlgefallen finden. Für Ihn waren sie die Herrlichen der Erde; sie waren Seine Gefährten in den Tagen Seines Fleisches. Aber das volle Wohlgefallen Gottes war damit noch nicht erreicht, und Gott war nicht befriedigt, bis Menschen als wohlannehmliche Genossen des Auferstandenen vorhanden waren. Am Anfang der Apostelgeschichte sehen wir Scharen von Menschen, die Genossen des Auferstandenen waren. Die beiden Männer in strahlenden Kleidern hatten Verständnis, und sie sprachen zu den Weibern mit Einsicht: „Was suchet ihr den Lebendigen unter den Toten? Er ist nicht hier, sondern ist auferstanden.“ Sie sollten verstehen, dass der Herr durch den Tod hindurch gehen musste, um Seine wahre Stellung zu erreichen. Er musste von dem Platze der Beschränkung in einen weiten Ort der Freiheit eingehen.

Alles dieses wird in den ersten zwölf Versen im Zeugnis dargestellt, doch es wurde nicht darauf eingegangen. Der Geist Gottes stellt uns das vor Augen, um zu zeigen, dass nicht einmal ein göttliches Zeugnis uns in den Gewinn der Dinge einführt. Nur durch den persönlichen Dienst Christi gehen wir in die Dinge ein. Das wirft uns auf Seine wirksame Gnade.

Im darauffolgenden Teile des Kapitels übernahm der Herr es Selbst, die Jünger durch Seinen persönlichen Dienst darin einzuführen, und Er möchte das mit einem jeden von uns tun. Er Selbst möchte Sich uns in unserer ganzen Unwissenheit und in unserem Unglauben nähern und uns in das einführen, was uns im Zeugnis dargestellt wird. Unglauben kennzeichnete die Weiber, und auch Verlegenheit, und deswegen könnten sie nur langsam den Trost dessen, was geschehen war, erfassen. Wir müssen bereit sein, die Wichtigkeit der Auferstehung Christi zu verstehen, denn es war die wunderbarste Bewegung des Zeugnisses, die sich jemals ereignet hatte - ein Übergang von Christo im Fleische zu Christo in der Auferstehung.

Die Jünger waren darauf nicht vorbereitet; sie mussten von Gott darauf vorbereitet werden, und wir müssen das auch. Viele sind heutzutage nicht auf die moralische Bedeutung der Auferstehung Christi vorbereitet. Sie mögen daran als Tatsache glauben - sie wären gar keine Christen, wenn sie nicht daran glaubten -, aber sehr wenige verstehen ihre Bedeutung. Sie war eine wunderbare Veränderung in den Wegen Gottes. In Luk. 23 sehen wir einen Menschen, dem ein neuer Platz im Paradiese gegeben wurde. Jetzt finden wir aber Menschen, die sich in einem neuen Zustande als Genossen eines auferstandenen Menschen auf Erden befinden.

Wenn wir verstehen würden, dass dies unsere Stellung ist, so würde für uns die ganze Macht der Welt gebrochen sein. Wenn wir tatsächlich auferweckt sein werden, dann werden wir verstehen, dass dies unsere Stellung ist. Das aber, was die Heiligen dann tatsächlich kennzeichnen wird, sollte sie jetzt schon moralisch kennzeichnen.

Zu Pfingsten wurde die ganze Schar moralisch in strahlenden Kleidern gesehen, kein bisschen Selbstsucht war übrig geblieben. Der Bericht, den uns Lukas über die zwei Jünger gibt, die nach Emmaus gingen, bringt die Gnade und den Dienst des Lebendigen mit einer besonderen Holdseligkeit ans Licht. Die Männer in strahlenden Kleidern hatten von Ihm als dem Lebendigen geredet.

Was für eine Tätigkeit ist nun dem Lebendigen eigen? Wir haben hier ein schönes Bild von Seiner Tätigkeit, sei es in Bezug auf solche, die Ihn aufrichtig lieben, aber nicht nach den Grundsätzen Seiner Gedanken wandeln, oder in Bezug auf die versammelte Schar. Er wirkte im Dienste der Gnade und Liebe.

Diese zwei Jünger liebten wirklich den Herrn, sie verließen aber „am selbigen Tage“ Jerusalem, um nach Emmaus zu gehen. Vermutlich gingen sie nach Hause. Wir finden auch, dass Petrus, nachdem er die Gruft besucht und die Zeichen der Auferstehung des Herrn gesehen hatte, in sein eigenes Heim zurückkehrte.

Der Fehler liegt darin: Wir empfangen gewisse Eindrücke von Christo, doch es gibt noch etwas anderes, was die Bewegung unserer Füße leitet. Es mag wahre Liebe vorhanden sein wie bei Petrus oder diesen zwei Jüngern, die nach Emmaus gingen, doch als sie zu ihrem eigenen Kreise zurück kehrten, wurden sie nicht durch Liebe zu Christo geleitet. Es ist oft so mit uns.

Der Herr Jesus ging beiden Jüngern nach und brachte sie in den Kreis zurück, der mit Seinem Interessengebiet und mit Ihm als dem Auferstandenen in Beziehung stand. Es geschah im Blick darauf, dass sie zusammen sein sollten, und zwar sollten sie mit einer Person verbunden sein, die gänzlich außerhalb des Lebens in dieser Welt stand, die man aber trotzdem in jenem Leben in trauter Nähe kennen konnte, wie Petrus in Apg. 10, 41 sagt: „Die wir mit Ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er aus den Toten auferstanden war.“ Es ist eine Andeutung auf die traute Nähe und innige Verbindung mit Demjenigen, dessen Leben völlig außerhalb des ganzen Laufes dieser Welt und davon abgesondert lag.

Als Er das Brot brach, wurde Er von ihnen erkannt. Es war zweifellos ein wichtiger Hinweis auf Seinen Tod, als Er das Brot nahm und es segnete, und nachdem Er es gebrochen hatte, es ihnen gab. Es war eine Handlung, die dem entsprach, was Er im Obersaal getan hatte, als Er das Abendmahl einsetzte, obwohl dies tatsächlich nicht das Abendmahl war. Die zwei erkannten Ihn. Es war ein besonderer und unmissverständlicher Charakterzug, den sie erkannten, weil sie ihn früher gesehen hatten. Wer konnte so segnen, wie Er es konnte!

Was muss es für eine außergewöhnliche Angelegenheit gewesen sein, den Herrn danken und segnen zu hören! Ihre Augen wurden aufgetan und sie erkannten Ihn - Er Selbst war es. Die wunderbarste Auslegung der Schrift, die jemals stattgefunden hat, brachte sie nicht dahin, ihre Füße zur Umkehr zu bewegen. Als Er aber von ihnen im Brechen des Brotes erkannt wurde, wurden ihre Füße sofort in Bewegung gesetzt. Sie mussten sich nun zu ihrer Schar zurückfinden. Sie hatten ein inneres Empfinden, dass Er eine Schar hatte, und obwohl es vorher zu spät gewesen war, um weiterzugehen, war es nun aber nicht zu spät, nach Jerusalem zurückzukehren.

Es ist im Allgemeinen die Weise des Herrn, uns genug zu geben, um unsere Herzen brennend zu machen, und dann unterzieht Er uns einer Prüfung in Bezug auf die erzeugte Wirkung. Der Herr drängt Sich uns nicht auf.

Es ist eine sehr ernste Angelegenheit, eine Offenbarung des Herrn oder eine Berührung Seiner Hand zu empfangen, weil die Prüfung sicherlich darauf folgen wird. In Mark. 6 lesen wir, dass Er auf dem See wandelte und an ihnen vorübergehen wollte; Er stellte Sich in ihre Reichweite, und es wurde zu einer Prüfung für ihre Herzen. Petrus antwortete auf die Prüfung; er sagte: „Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.“

In Offb. 3 sagt der Herr: „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an“ - warum öffnet Er nicht die Tür? Er wird das nicht tun. Er überlässt es dir und mir, die Tür zu öffnen. Bei Ihm gibt es kein Eindringen. So gab Er ihnen hier diese wunderbarste Auslegung der Schrift und brachte ihre Herzen dahin, dass sie vor Eifer brannten, und dann stellte Er Sich, als wollte Er weitergehen. Sie aber nötigten Ihn. Sie wollten Ihn nicht gehen lassen.

Es ist wie der Geliebte im Hohenliede Salomos, der durch die Gitter blickte. Seine moralische Holdseligkeit, Seine persönliche Anziehungskraft und Herrlichkeit stellt Er dar, und dann wartet Er, um zu sehen, ob wir darauf antworten werden. In dem Liede Salomos kam keine Antwort, und der Geliebte zog sich zurück, und als das träge Herz der Braut erwachte, um seiner zu begehren, da war er weg. So können wir auch der Dinge verlustig gehen. Der Herr kann uns durch den Dienst einen Charakterzug von Sich zeigen, oder uns beim Lesen des Wortes oder bei unseren Zusammenkünften eine Berührung mit Sich geben, die unsere Herzen brennen macht. In den Heiligen ist etwas, was leicht Feuer fängt; sie sind entzündbares Material. Er wirkt, Er dient mit dem Worte, Er dient, um irgendeine Bewegung in uns hervorzurufen. Wie wohlgefällig war es Ihm, sie dabei zu finden, dass sie sich über Ihn unterhielten und miteinander überlegten!

Es ist eine feine Sache, die Dinge, die sich auf Christum beziehen, auszuarbeiten, ihren Zusammenhang zu verstehen und sie in Liebe zu bedenken. Als sie zurück gekehrt waren, trugen sie zur Versammlung bei. Sie kamen zurück mit besonderen Eindrücken von Christo. Was nützen wir in der Versammlung, wenn wir keine Eindrücke von Christo bringen? Wir sind sonst mehr oder weniger ein Hemmnis. Doch jeder Bruder und jede Schwester, die mit irgend einem Eindruck von Christo zur Versammlung kommen, tragen zu ihrem Reichtum bei.

Die geistlichen Möglichkeiten, die dem einzelnen, der Christum liebt, zur Verfügung stehen, sind unbegrenzt. Wir werden nur durch das Verlangen unserer eigenen Seele beschränkt. Trotz der schrecklichen Zustände im christlichen Bekenntnis gibt es unbegrenzte Möglichkeiten für Herzen, die den Herrn lieben. Das aber, was wir als Einzelne empfangen, soll uns für unsere Stellung in Bezug auf die Geschwister tüchtig machen.

Der Herr liebt es, Sich kundzutun. Er teilt uns nicht bloß erquickende und anregende Gedanken mit, sondern auch deutliche Offenbarungen, so dass der Herr dadurch in einer neuen Weise erkannt wird. Jede Offenbarung gibt uns einen neuen Eindruck von Christo. Er ist so groß, dass ich denke, Er wird Sich wohl kaum zweimal in genau derselben Weise offenbaren. Es gibt solch eine Mannigfaltigkeit der Herrlichkeit, dass jede Offenbarung ihren eigenen, einzigartigen Charakter trägt. Wir sollten dem immer erwartungsvoll entgegensehen, weil es das Köstlichste ist, was in unserer Reichweite liegt. Wir sollten besonders dann auf Offenbarungen bedacht sein, wenn wir zusammenkommen, um das Abendmahl des Herrn zu essen.

Unsere Tüchtigkeit im Dienst hängt sehr weitgehend davon ab, in welcher Weise der Herr Sich uns geoffenbart hat. Der Herr sagte zu Paulus, er sollte ein Diener und Zeuge von den Dingen sein, die er gesehen hatte und die ihm erscheinen würden. Er gibt uns Offenbarungen, um uns zu Dienern und Zeugen zu machen. Darum konnten diese zwei Jünger zurückkehren und der Versammlung Bericht erstatten - den Elfen und den Versammelten - und ihnen erzählen, wie der Herr Sich ihnen geoffenbart hatte. Sie brachten Reichtum in die Versammlung.

Nichts kann nur für den Einzelnen gelten. Was dem Einzelnen geschenkt wird, ist zum Segen aller bestimmt. Es gibt keinen neutestamentlichen Schreiber, der auf einem so persönlichen Boden steht wie Johannes. Doch kein anderer Schreiber besteht so sehr darauf, dass wir einander lieben sollen.

In diesem Kapitel wird der Herr in dem wunderbaren Charakter des Erklärers aller Schriften gesehen. Es scheint auf den großen geistlichen Reichtum zu deuten, der in die Versammlung gebracht worden ist. Es geschah offensichtlich im Blick auf den neuen Kreis der Gemeinschaft, den der Herr aufzurichten im Begriff stand und der zu Ihm als dem Auferstandenen völlig außerhalb des Lebens dieser Welt in Beziehung stehen sollte.

Der ganze Reichtum der alttestamentlichen Schriften wurde in dem Auferstandenen zusammengefasst und gelangte in Ihm zur Erfüllung. Die Versammlung ist durch die Erklärung des Alten Testaments, die der Herr den Heiligen gegeben hat, bereichert worden.

Der Herr will uns einprägen, wie Er es den zwei Jüngern einprägte, dass die ganze im Alten Testament geoffenbarte Gunst Gottes der Auferstehung bedarf, um verkörpert zu werden. Die tatsächliche Erfüllung dieser Dinge hängt von der Auferstehung des Messias ab.

Es hatte Gott Wohlgefallen, durch den Mund der alttestamentlichen Propheten eine große Anzahl von Dingen in wunderbaren Einzelheiten zu entfalten, wie es hier heißt: „Er erklärte ihnen in allen Schriften das, was ihn betraf“ (Vers 27). Und weiter sagte Er dann noch: „Dass alles erfüllt werden muss, was über mich geschrieben steht in dem Gesetz Moses und den Propheten und Psalmen“ (Vers 44). Das zeigt die große Ausdehnung des Alten Testamentes, und ich glaube, dass es dem Herrn wohlgefällig wäre, wenn es uns zu einem wohlbekannten Erlebnis würde, mit Ihm durch das Alte Testament vom ersten Buche Mose bis Maleachi zu gehen.

Äußerlich war es eine wirkliche Reise, denn sie gingen von Jerusalem nach Emmaus, aber geistlich durchwanderten sie den ganzen Umfang des Alten Testamentes. Bedenkt die große Menge von Einzelheiten. Es ist ein sicherer Schutz gegen die elenden und gottlosen Gedanken, die allenthalben vorherrschen, mit Christo das Alte Testament durchzugehen. Wenn der Reichtum, die Fülle, die Kraft und die Mannigfaltigkeit der geistlichen Gedanken über Christum vor uns kommen, werden wir auf eine Höhe empor gehoben, von der wir mit gänzlicher Verachtung auf den Unglauben des Menschen herabblicken können. Keiner, der mit Christo durch das Alte Testament gegangen ist, wird den ungläubigen Gedanken, die heutzutage verbreitet werden, Gehör schenken.

Im Alten Testament kam eine Menge von Gedanken der göttlichen Gunst zum Ausdruck, und sie waren dem Glauben kostbar, aber alle diese Menschen, die diese Gedanken wertschätzten, starben - es gab nur zwei Ausnahmen. Dass Menschen im Tode waren, war kein Ausdruck der göttlichen Gunst, deshalb haben vielleicht viele über die Sache im Glauben nachgedacht. Doch im Alten Testament bekamen sie nicht direkt das Licht der Auferstehung, sondern der Glaube fand durch Überlegungen, dass eine Auferstehung sein würde.

Wenn Gott solche kostbaren Gedanken der göttlichen Gunst hat und dennoch alle Menschen dem Tode verfallen, dann muss es eine Auferstehung geben. Dass der Herr leiden und in Seine Herrlichkeit eingehen musste, war der große Gegenstand, und das Alte Testament machte es klar, dass Er siegen würde. Die Schlange sollte Ihm die Ferse zermalmen, und durch Seine Leiden sollte die Macht der Schlange zunichte gemacht werden. Nun zeigt Gott, dass Seine Gunst den Menschen gegenüber größer war als das ganze Gift des Schlangenbisses.

Das Alte Testament ist von den huldreichen Gedanken Gottes den Menschen gegenüber erfüllt. Da die Menschen aber dem Tode verfallen waren, so konnten sie nur in der Auferstehung verwirklicht werden. Nun ist der Messias gekommen als Derjenige, auf den der Tod keinen Anspruch und über den der Tod keine Macht haben konnte, denn Er war der Lebensfürst; und dennoch ging Er in den Tod. Das war der äußerste Ausdruck der Gunst Gottes den Menschen gegenüber, dass Sein eigener Gesalbter in den Tod ging. Er konnte aber nicht vom Tode behalten werden, Er ging in die Auferstehung über, und alle Gedanken der Gnade Gottes gelangten in dem Auferstandenen zur Erfüllung. Der Herr ist heutzutage genau derselbe wie damals, wo Er mit ihnen das Alte Testament durchging.

Dieses Evangelium wird ganz und gar durch die Gnade gekennzeichnet, und der Herr, dessen Füße beim Durchwandern dieses Schauplatzes in den Tagen Seines Fleisches lieblich waren, zeigte nun, dass Seine Füße in der Auferstehung immer noch lieblich waren, und zwar indem Er zweieinhalb Wegstunden mit zwei Jüngern ging, die Ihn wirklich liebten, obwohl die Richtung, in der sie gingen, mit Ihm nicht im Einklang war. Er ging mit ihnen und führte sie diesen wunderbaren Weg entlang und erweiterte ihre Gedanken. Wie mussten sie da durch bereichert sein! Diese beiden Jünger liebten Ihn wahrhaftig, und sie verstanden sich gut miteinander, und sie unterhielten sich mit Ihm. Wenn wir mehr durch solche Wesenszüge gekennzeichnet wären, denke ich, so würde der Herr Sich uns nähern und Sich mit uns unterhalten und Er würde uns denselben Weg führen, den Er sie führte.

Was für einen Reichtum brachten sie in die Versammlung! Wir müssen beten, dass wir einzeln und in unseren Haushalten solche Eindrücke vom Herrn empfangen möchten, dass wir befähigt sein möchten, zum Reichtum der Versammlung beizutragen. Dieser Gedanke durchzieht die ganze Schrift.

Im Alten Testament haben wir den Gedanken des Hinaufziehens an den Ort, wohin Jehova Seinen Namen gesetzt hat. Sie zogen nicht leer hinauf, sondern Israel brachte dann den Zehnten und die Opfergaben. Sie kamen alle und trugen etwas herbei, und sie legten ihren Reichtum in den Schatz der geweihten Dinge. Diese zwei bereicherten die Versammlung. Sie empfingen vom Herrn eine Offenbarung, und sie brachten sie in die Versammlung. Sie müssen viel beigesteuert haben.

Die Kunde hatte die Elfe erreicht, dass der Herr auferstanden und dem Simon erschienen war - das war schon etwas - aber wieviel mehr konnten diese zwei bringen! „Sie erzählten, was auf dem Wege geschehen war.“ Es muss viel Zeit in Anspruch genommen haben, als sie den Elfen über diesen wunderbaren Gang durch das Alte Testament erzählten. Dann setzten sie allem die Krone auf, indem sie erzählten, wie sie Ihn im Brechen des Brotes erkannt hatten.

Er hatte ihnen Seinen eigenen Gedanken für den Augenblick aufgeschlossen. Dem Reichtum des Alten Testaments fügte Er noch hinzu, dass Er Brot nahm und es segnete und es ihnen gab, und das ist Sein Gedanke für den gegenwärtigen Augenblick und bis auf den heutigen Tag. Wie werden, die Elfe und die Übrigen wohl zugehört haben! Vielleicht brauchten sie eine oder zwei Stunden, um ihnen nur einen kleinen Umriss zu geben.

Man beklagt sich manchmal darüber, dass es keine Gemeinschaft gibt. Wir sind dazu berufen, darauf zu bestehen, dass eine Gemeinschaft vorhanden ist, und sie ist das Gesegnetste von allem, was jemals dagewesen ist. Der Herr hat diese Gemeinschaft gestaltet, Er hat ihr ihren Charakter verliehen. Er Selbst ist ihr Inhalt, und sie besteht und ist allen zugänglich, die Ihn lieben. Wir sollten in der Gesinnung Christi diese Eindrücke unseren Mitchristen einprägen, wie der Herr sie diesen zwei Jüngern einprägte.

Er lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass es eine Gemeinschaft von göttlichem Charakter gibt, und sobald wir uns dessen bewusst sind, wollen wir auch einen Ort finden, wo man diese Gemeinschaft genießen kann. Es ist eine Gemeinschaft des Segens und der Freude. Wir kommen zusammen, weil wir göttlich und geistlich glücklich sind, und wir sehnen uns danach, an einem Orte zu sein, wo auch andere an unserer Freude teilnehmen können und wo man unsere Freude schätzt und willkommen heißt. Die, welche über einen Mangel an Gemeinschaft klagen, sind nicht im Einklang mit dem Herrn. Der Herr klagt nicht über einen Mangel an Gemeinschaft, sondern Er ist bestrebt, Seinen Heiligen den äußerst gesegneten Charakter der bestehenden Gemeinschaft vor Augen zu führen. Wenn ich einen lau gewordenen Heiligen finde, der unter den Einfluss der Welt geraten ist und ich ihm wohltun will, so darf ich nicht über seinen Zustand klagen, sondern ihm in geistlicher Kraft das, was er vermisst, vor Augen stellen, und das wird ihn sicherlich berühren.

Wenn wir zusammenkommen, um des Herrn zu gedenken und ein Bruder für das Brot dankt, so vernehme ich aus dem, was er zum Herrn sagt, was er darüber denkt. Er gibt es mir vertrauensvoll in die Hand, und ich habe dieselben Gedanken darüber wie auch er. Dann gebe ich es einem Bruder oder einer Schwester weiter, und zwar in dem Vertrauen, dass er oder sie genau dasselbe darüber denkt wie auch ich. Wir geben das Brot und den Kelch von einem zum anderen als solche, die alle dieselben Gedanken und dieselbe Wertschätzung darüber haben. Und es ist unsere große Freude, unter Menschen zu sitzen, die in einem größeren oder kleineren Maße genau dasselbe über Christum denken wie wir - das ist die Gemeinschaft.

Welch ein wunderbarer Anblick ist es doch für den Himmel, dass er auf Leute herabschauen kann, die alle dieselben Gedanken über den kostbaren in den Tod gegebenen Leib Christi haben, und die auch alle dasselbe über Sein kostbares Blut denken! Das jüngste Kindlein hat dieselben Gedanken wie Paulus, wenn auch die Gedanken eines Kindleins sehr viel kleiner sind, aber es sind doch dieselben Gedanken, die bei Paulus ausgereift waren. Das ist Gemeinschaft. Wenn wir den verständnisvollsten Bruder auf Erden beim Abendmahl des Herrn unter uns hätten und er seine Danksagung aussprechen würde, so könnte einer, der am Abend zuvor bekehrt worden ist, zu jedem seiner Worte Amen sagen. Er könnte sagen: Es ist wunderbar, und ich kann es nicht fassen, aber es ist köstlich - das ist Gemeinschaft. Einer, der Amen sagen kann, ist einer, der einen Beitrag liefert. „Das ganze Volk sage: Amen.“ Jeder ist ein Teilhaber an der Kostbarkeit Christi.

Als der Herr in Emmaus das Brot nahm, deutete Er an, dass Er eine Gemeinschaft bildete; es waren jedenfalls zwei Teilnehmer da. Der Herr bildete eine Gemeinschaft, die ihren Charakter der Tatsache entnahm, dass Er durch die Gnade Gottes den Tod geschmeckt hatte. Er gab Seinen Leib in den Tod. Das Ganze erhielt sein Gepräge von der Tatsache, dass sie Ihn als lebend erkannten. Wenn sie den Herrn nicht als lebend erkannt hätten, so hätten sie auch keine rechten Gedanken über Seinen Tod gehabt.

Wenn wir das Brot und den Kelch in geistlicher Wirklichkeit nehmen würden, so würden alle unrechten Beziehungen unter den Geschwistern vor dem nächsten Tage des Herrn geordnet werden. Wenn wir das Brot einem Bruder reichen, mit dem wir nicht richtig stehen, so würde solch ein Schmerz unser Herz durchbohren, dass wir das Empfinden haben, dass wir das nie mehr tun können. Wir gewöhnen uns daran, es nur der Form nach zu tun, und alle möglichen Dinge kommen vor, die man in 24 Stunden erledigen würde, wenn man wüsste, was es in Wirklichkeit bedeutet, das Brot und den Kelch zu nehmen.

Es ist etwas Ernstes, in eine Art Gemeinschaft zu verfallen, die nicht echt ist. Andererseits müssen wir vorsichtig sein, dass die Dinge, die zur persönlichen Schwachheit oder zu persönlichen Eigenarten gehören, uns nicht in Bezug auf die Gemeinschaft beeinflussen. Wir haben alle persönliche Eigenarten, und wenn wir uns zusammen hinsetzen, um am Brot und am Kelch teilzuhaben, so sollten wir vom Herrn Gnade empfangen, uns über diese Dinge hinwegzusetzen. Vielleicht ist ein Bruder leicht reizbar und hat ein übereiltes Wort gesagt - was werden wir dann tun? Wir müssen die Gnade Christi suchen. Seine wunderbare priesterliche Gnade aus Seinen erhobenen Händen, so dass wir, wenn wir zusammenkommen, nicht anders über diesen Bruder denken als in reinen und heiligen Gefühlen der Gnade.

So gibt es tausend Dinge, die Sanftmut, Geduld, Niedriggesinntheit und Langmut erfordern, und alle diese Dinge prüfen uns, ob wir die Gnade Christi haben. Es zeigt sich oft, dass wir nicht die Gnade Christi haben, doch das treibt mich dann zu Ihm, um die notwendige Darreichung der Gnade von Ihm zu empfangen. Ich erkenne dann, dass dieser Bruder, der mich beunruhigt hat, genau dieselben Gedanken über Christum hat wie auch ich, und in allen Dingen, die die Gemeinschaft angehen, sind wir vollständig eins. Ich habe Fälle gekannt, wo ein Bruder am Sonnabendabend kam, um zu sagen, dass er es bedauere, während der Woche gewisse Dinge gesagt zu haben. Er war nicht frei, zum Brotbrechen zu kommen, ohne es berichtigt zu haben. Diese moralischen Fragen sollten niemals durch die ganze Woche hingezogen werden.

Das war die Absicht des Herrn, als Er die Gemeinschaft aufrichtete. Sie sollte nicht auf eine unheilige oder ungerechte Weise berührt werden, und sie sollte alle moralischen Fragen ordnen.

Der Herr will, dass wir den Weg zur Versammlung als solche finden, die kostbare Reichtümer in der Erkenntnis Seiner Selbst besitzen und die sich dessen bewusst sind, dass es eine Schar gibt, wo man diesen Reichtum schätzt und willkommen heißt. Die Versammlung ist der Ott, wo wir allen kostbaren Gedanken über Jesum, die unauslöschlich in unsere Herzen eingeschrieben sind, freien Lauf lassen können. Gott hat ein passendes Gefäß bereitet, das den ganzen kostbaren und heiligen Wert Jesu enthält, und dieses Gefäß ist die Versammlung, Der Versammlung wird etwas fehlen, wenn ich meinen Beitrag nicht bringe - jeder Heilige sollte das empfinden. Es ist der einzige Ort, wo die Wertschätzung Jesu freien Lauf hat.

Die Seite der Versammlung, die Lukas vor uns bringt, ist nicht so sehr die Versammlung in den Vorrechten der Familienbeziehungen, sondern die Versammlung, wie sie durch die gar mannigfaltige Gnade Gottes reich gemacht ist. Alle Grundsätze dieser Gnade sind in Jesu offenbar geworden.

Während sie dieses redeten, kam des Herr: „Er Selbst stand in ihrer Mitte und spricht zu ihnen: Friede euch!“ (Vers 36). Sie erschraken und wurden von Furcht erfüllt und meinten, sie sähen einen Geist. Das zeigt, wie die Gegenwart des Herrn die Zustände, die tatsächlich vorhanden waren, ans Licht brachte. Wir reden oft über die Gegenwart des Herrn inmitten der Seinigen. Ich habe mich aber oft gefragt, welch eine Wirkung es haben wird, wenn der Herr tatsächlich in unsere Mitte kommt. Ich glaube, dass das alles, was nicht mit Ihm übereinstimmt, ans Licht bringen würde. Hier hatten sie das Zeugnis angenommen, dass Christus auferstanden war, aber sie waren nicht mit Ihm im Einklang. Wir mögen gar vieles als göttliches Zeugnis empfangen, ohne dass das Herr wirklich mit Jesu in Einklang gebracht worden ist.

Es war wegen ihres Zustandes, dass der Herr sagte: „Friede euch...! Was seid ihr bestürzt, und warum steigen Gedanken auf in euren Heizen?“ Sie hatten dieses Wort des Friedens nötig: Es entspricht der Gnade dieses Evangeliums,, dass der Herr ihren tatsächlichen Zustand in Betracht zog;. Er ließ sie nicht dort, wo Er sie fand. Bevor Er mit ihnen fertig war, brachte Er sie in völlige Übereinstimmung mit Sich Selbst.

Wir wissen alle, wie viel Zurechtweisung unsere Seelen brauchen. Unser wahrer geistlicher innerer Zustand liegt oft weit unter dem Maße des Lichtes, das uns im Zeugnis erreicht hat. Der Herr will uns innerlich mit dem. Licht, das Er uns gegeben hat, in Einklang bringen. Der Herr verliert niemals unseren tatsächlichen Zustand aus den Augen, obwohl wir es oft tun. Wenn Seine Heiligen bestürzt sind und Gedanken in ihren Herzen aufsteigen, so weiß der Herr es, und Er tritt dem mit den Worten „Friede euch“ entgegen.

Wenn wir nicht den gegenwärtigen bewussten Frieden und die Freude an dem genießen, was. in dem Auferstandenen erfüllt ist, dann sind wir nicht passend für die Versammlung. Er möchte, dass wir die kostbare Gnade Gottes,, die in Ihm bestätigt wurde und zur Erfüllung gelangt ist,. gut kennen sollten, dass wir nicht davon abgelenkt werden und dass keine Gedanken in unseren Herzen aufsteigen. Stehen wir aber in dem Frieden und in der Freude von allem, was uns in Jesu gebracht worden ist, dann sind wir in Übereinstimmung mit Ihm.

Die Jünger waren mit Ihm ungefähr dreieinhalb Jahre gewandelt, und sie hatten wunderbare Dinge gesehen, und wunderbare Worte gehört. Die Gnade Gottes den Menschen gegenüber war ihnen in einer äußerst gesegnetem Weise vor Augen gestellt worden, aber in diesem Augenblick machten sie die Gnade Gottes nicht mit dem Auferstandenen eins. In diesem Augenblick war Er ihren Herzen noch nicht die Erfüllung dieser Gnade. Deshalb sagt Er: „Betastet mich und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, dass ich habe“ (Vers 39).

Ich glaube, dass es auch jetzt noch eine geistliche Auffassung gibt, die dem Betasten entspricht „Betastet mich“ - es ist etwas Spürbares. Viele von uns haben gesagt: Herr Jesus, mache Dich mir doch zu einer lebendigen, leuchtenden Wirklichkeit! Wir hatten gewisse Gedanken über Ihn, aber sie waren mehr oder weniger unklar. Vielen Gläubigen ist Jesus ein Geist, eine verschwommene, unbestimmte Persönlichkeit, doch der Geist Gottes will Ihn uns durchaus wirklich machen. Es war nicht ein Geist, der sie berufen hatte, Ihm nachzufolgen und in dem sie die ganze, gesegnete Gnade Gottes gefunden hatten. Es war nicht ein Geist, der für sie gestorben war.

Seine Hände und Seine Füße sprechen von allem, was die Jünger in den Tagen Seines Fleisches an Ihm gesehen hatten. Seine Hände umfassen Seinen ganzen gnadenreichen Dienst, und Seine Füße umfassen Seinen ganzen gnadenreichen Wandel. Diese Hände waren die ganze Zeit über tätig gewesen; Seine Hände werden vierzehnmal in diesem Evangelium erwähnt. Sie regten sich immerfort im Dienste der Gnade. Dann zeigte Er ihnen Seine Füße - was für wunderbare Fußspuren! Wir können sie durch dieses ganze Evangelium hindurch verfolgen. Jetzt aber machte Er das alles als der Auferstandene mit Sich eins; es sind dieselben Hände und Füße, aber in Auferstehung. Kein Teil der Gnade, die in den Tagen Seines Fleisches zum Ausdruck gekommen war, ist im Grabe zurückgelassen worden. Es ist alles in die Auferstehung hindurch gekommen! In diesem Augenblick ist das alles in dem Auferstandenen noch vorhanden, und der Herr lässt es uns jetzt noch verspüren.

In Joh. 20 werden Seine Hände und Seine Seite erwähnt. Seine Hände werden bei Johannes anders als bei Lukas angesehen. Im Johannesevangelium hielten Seine Hände alles für den Vater. Er hielt die Schafe für den Vater - bei Johannes wird die Seite des göttlichen Vorsatzes betont. Bei Lukas ist es die göttliche Gnade in all ihrem Wirken den Menschen gegenüber, bei Johannes tritt aber ans Licht, dass Seine Hände stark genug sind, um alles dem Vorsatze des Vaters gemäß zu halten. Das Wohlgefallen Jehovas gedeiht in Seiner Hand.

Die Bewegungen Seiner Füße waren mit der Predigt des Evangeliums verbunden. Er brachte die frohe Botschaft, Er war der große Evangelist. Die Geschicklichkeit Seiner Hände gebrauchte Er aber, um die Seelen der Menschen zu berühren.

Das sind die zwei Seiten des Dienstes der Gnade. Was wir die Seite des Zeugnisses nennen können, so wurde die wunderbare Gnade Gottes durch Einen getragen, dessen Füße lieblich sind, und es gibt auch eine andere Seite, nämlich die geschickten Berührungen von einzelnen Seelen mit Seinen Händen. Ich kann nicht glauben, dass jemand, der von den Händen Jesu berührt wurde, jemals diese Berührung vergessen konnte. Ich glaube, dass jede von diesen Seelen einen Eindruck von der Geschicklichkeit der Hände hatte, die sie berührt hatten.

Die Versammlung besteht aus Personen, die nicht nur der frohen Botschaft, die ihnen durch Jesum gebracht wurde, geglaubt haben, sondern die auch unter die Berührung einer göttlich geschickten Hand gekommen sind. Welch eine wunderbare Schar! Dass wir Ihn berühren, ist die andere Seite, es ist das Verwirklichen des Glaubens, und das entnimmt Ihm Kraft. Seine Berührungen reden von der Fülle der Gnade. „Er heilte sie alle“ - derart war die Macht Seiner Berührung.

Alle sollten zur Versammlung beitragen. Wenn ich ein kostbares Wort von Seinen Lippen gehört habe, muss ich es als Schatz bewahren und es dem Reichtum der Versammlung hinzufügen. Wenn ich eine Berührung von Seiner Hand erlebe, muss ich auch diese als Schatz bewahren und in die Versammlung bringen.

Der Herr wird in diesem Kapitel als der Erklärer der alttestamentlichen Schriften gesehen, und Er zeigte, dass alles Ihn betraf. Ich glaube, dass jede wahre Erklärung der Schrift eine Erklärung Christi ist. Er ist der große Erklärer, und Er ist der Prediger, denn jede Predigt des Evangeliums ist eine Verkündigung von Christo. Er nimmt den einen oder den anderen als Mundstück, wie Paulus zu den Korinthern sagt: „Weil ihr einen Beweis suchet, dass Christus in mir redet.“ Christus ist der Sprecher, der Evangelist, der Lehrer, der Prophet, der Hirte. Jede Gabe ist ein Ausdruck von Christo.

In Mose und den Propheten haben wir das göttliche Zeugnis, in den Psalmen aber haben wir die geistlichen Gefühle der Heiligen. Als der Herr im dem Jüngerkreise war, redete Er auch von den Psalmen. In den Psalmen haben wir Seelenerlebnisse und Erfahrungen, nicht einfach Licht von Gott. Mose sagt uns, wie die Dinge eingeführt wurden und was sich auf ihr Aufrichten bezieht, und die Propheten geben Licht, das sich für Tage des Abweichens eignet. Dadurch werden aber allerlei Übungen und geistliche Gefühle in den Seelen erzeugt, sei es Freude oder Leid, und die sind in den Psalmen zu finden.

Die Wirkung des Dienstes des Herrn besteht darin, uns alle in Übereinstimmung miteinander zu bringen, damit wir zum Singen bereit seien. Es bedeutet viel für den Herrn, eine singende Schar zu haben, ehe Er wiederkommt. Ich bin sicher, dass Er den Liedern, die wir singen, wenn wir zusammen sind, große Bedeutung beimisst, denn es heißt, dass Er inmitten Seiner Versammlung lobsingt.

Die Psalmen reden viel von den Leiden Christi. Sie sollten einen großen Platz bei uns haben, wenn wir als Versammlung zusammen sind. Ich zweifle aber daran, dass wir dem gewachsen sind. Wir sollen an die außerordentliche Holdseligkeit der Liebe denken, die so viel für uns gelitten hat. Der Herr sollte in Seiner leidenden Liebe von uns mehr geschätzt werden. Das bedingt aber, dass wir von jedem Gedanken an uns selbst völlig frei sein müssen. Wir denken dann nicht mehr so viel daran, was der Herr für uns getan hat, sondern wir denken an den Pfad Seiner unermesslichen Schmerzen und Leiden, den Er gegangen ist, um uns in den Genuss der Gnade und Liebe Gottes zu bringen. Die Psalmen stellen das in richtiger Weise in den Vordergrund, und zwar immer für unsere geistlichen Zuneigungen.

Es gibt in der Schrift keinen tieferen geistlichen Gegenstand als die Leiden Christi. Jeder sollte die wunderbare Schrift von J. N. Darby über „Die Leiden Christi“ lesen. Es würde für die Heiligen gut sein, sie häufiger zu lesen. Auf Seinem ganzen Wege war der Herr der heilige Dulder; die ganze Schrift zeugt von Seinen Leiden. Das ganze Zeugnis der Schrift besagt, dass Er leiden und in Seine Herrlichkeit eingeben musste.

Der Herr hatte augenscheinlich die Aufmerksamkeit der Jünger auf die Schriften gerichtet. Er hatte den Schriften seinen sehr großen Platz eingeräumt. „Dies sind die Worte, die ich zu euch redete, als ich noch bei euch war“. Wenn wir also den heiligen Schriften des Alten Testaments eine sehr große Bedeutung beimessen, so folgen wir darin dem Herrn, was immer Sicherheit für uns bedeutet.

Der Herr verband das Zeugnis der Schriften mit dem gegenwärtigen Zeugnis der Gnade, so dass wir vollkommen berechtigt sind, das Evangelium aus dem Alten Testamente zu predigen. Es gibt keinen einzigen Teil der alttestamentlichen Schriften, der nicht zu dem Reichtum der Versammlung gehört. Im Alten Testament ward in Gestalt von Vorbildern und Gleichnissen ein ungeheuer großer Reichtum an notwendigen geistlichen Einzelheiten entfaltet. Wir würden erstaunt darüber sein, wie viel wir verlieren würden, wenn wir den Reichtum der Versammlung auf das Neue Testament beschränken würden. Wir würden finden, dass wir einen großen Teil des Zeugnisses Gottes über Christum verlieren würden.

Das Alte Testament bezieht sich gegenwärtig auf uns, denn wenn Gott sagt: „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“ (5. Mose 25, 4), so fragt Paulus: Für wen hat Gott das gesagt? Ist Er für die Ochsen besorgt? Nein, „durchaus um unsertwillen“ (1. Kor. 9, 10). Solch eine Schriftstelle gilt vollauf für die Versammlung. Das ist sehr auffallend. Wenn Gott in Psalm 82, 6 über Seine Diener und Richter in alten Zeiten gesagt hat: „Ihr seid Götter“, so sagt der Herr gleichsam darüber: Ob ihr das erklären könnt oder nicht, doch die Schrift kann nicht aufgelöst werden (Joh. 10, 34.35). In der ersten Hälfte der Apostelgeschichte hatten sie noch keine Schriften außer den alttestamentlichen.

Wir sollten nicht davor zurückschrecken, bei einer solchen Angelegenheit wegen der allenthalben verbreiteten Gedanken zu verweilen, denn Christen laufen Gefahr, durch diese Gedanken beeinflusst zu werden und zu meinen, einige Teile des Alten Testaments hätten keinen Wert. Wenn Gott Mitteilungen gibt und wir sie nicht lesen, so kommt das der Verachtung des. göttlichen Schreibers gleich. Der auferstandene Herr erinnerte Seine Jünger daran, dass Er ihnen vorher gesagt hatte, dass alles, was in den Schriften geschrieben steht, erfüllt werden musste. Dann öffnete Er ihnen das Verständnis, um die Schriften zu verstehen, was ein notwendiges, geistliches Wirken ist. Es würde uns davor bewahren, das Alte Testament dem Buchstaben nach zu lesen. Er öffnete ihnen das Verständnis, um sie in den ganzen Reichtum des Alten Testaments einzuführen. Als der Herr bei den Jüngern war, so tat Er viel für sie, was später der Geist für sie tat. Es geschieht jetzt durch den Geist, dass der Herr uns das Verständnis öffnet, um die Schriften zu verstehen.

Es ist sehr schön, dass der Herr vor ihnen aß (Vers 43). Er wollte ihnen zeigen, dass bei ihnen etwas vorhanden war, das Er schätzen konnte. Nichts befreit uns so, als zu wissen, dass es bei uns etwas gibt, was dem Herrn wohlgefällig sein kann. In Seiner Gnade schätzt Er, was wir haben, und obwohl es klein ist, nimmt Er teil daran. „Sie aber reichten ihm ein Stück gebratenen Fisch und von einer Honigscheibe.“ Der Herr sagte: „Habt ihr hier etwas zu essen?“ Es war wunderbare Gnade, als wenn Er gesagt hätte: „Wenn ihr etwas habt, möchte Ich es mit euch genießen und daran teilnehmen.“ Das redet von vollkommener Gnade, in der Er Sich uns offenbart und uns nahe kommt, wenn wir die Dinge auch nur stückweise haben.

Keiner von uns hat diese Dinge in ihrer Vollständigkeit. Paulus selbst sagte: „Wir erkennen stückweise, und wir prophezeien stückweise“ (1. Kor. 13, 9), und das ist der Unterschied zwischen dem Brote und dem Fische samt der Honigscheibe. Was der Herr ihnen vorsetzte, wie auch alles, was von der göttlichen Seite kommt, wird durch Vollständigkeit gekennzeichnet. Das Brot ist etwas Vollständiges. Unsererseits ist alles nur stückweise, aber Seine Gnade ist so groß, dass Er auch davon essen will. Der gebratene Fisch ist eine Andeutung auf die Heiligen, die aus der allgemeinen Masse der Menschheit zum Wohlgefallen Gottes herausgenommen worden sind. Der gebratene Fisch wurde aus dem Meere herausgenommen und der Wirkung des Feuers ausgesetzt. Nichts, was sich bei den Heiligen findet, ist dem Geschmack des Herrn wohlannehmlich, wenn es nicht unter die Einwirkung des Feuers gekommen ist.

Die Honigscheibe stellt den Charakter der Heiligen in ihrer gegenseitigen Liebe und Tätigkeit dar. Nichts kann treffender vereinte Arbeit zu einem gemeinsamen Ziele hin darstellen als die Honigscheibe. Sie ist die Arbeit von Tausenden von Bienen, und eine jede trägt ihr Teilchen dazu bei; sie ist das Zeichen vereinter Zusammenarbeit von vielen Heiligen.

Der Herr aß vor ihnen, so dass Petrus sagen konnte: „Die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er aus den Toten auferstanden war“ (Apg. 10, 41). Es war ein bemerkenswerter Beweis, den Petrus hervorhob, dass Er ein lebendiger Mensch war.

Alles dieses macht die Heiligen zum Zeugnis tüchtig. Die Schriften und eine Schar lebendiger Zeugen in Vers 48, ,,die Verheißung meines Vaters“ in Vers 49 und das Hinausführen bis nach Bethanien und der priesterliche Segen, das alles machte sie tüchtig für das Zeugnis der Gnade.

Der Herr gab ihnen die Schriften zu verstehen, was eine sehr notwendige Ausrüstung für sie war. Das Zeugnis sollte von denjenigen fortgesetzt werden, die Er bis nach Bethanien hinausführte, d. h. bis zu dem Orte, wo die Herrlichkeit Gottes in der Auferstehung gesehen worden war, und ich denke, dass dies der Stellung im Kolosserbrief entspricht.

Bei Matthäus wird der Herr mit Seinen Jüngern in Galiläa, an dem Orte der Schmach, an dem Orte, auf welchen alle religiösen Führer jener Tage mit Verachtung herabschauten, gesehen. Das entspricht dem Einsmachen mit der Schmach Christi. In der Apostelgeschichte geschieht die Himmelfahrt vom Ölberge aus, weil es das Ziel des Geistes in der Apostelgeschichte ist, das Zeugnis von dem himmlischen Menschen hervorzubringen. Der Ölberg redet von den himmlischen Verbindungen. Bei Lukas führte Er sie aber bis nach Bethanien hinaus. Es ist der Ort, wo die Auferstehungsmacht bezeugt wurde, wo der Sohn Gottes in der Auferstehungsmacht verherrlicht worden war (Joh. 11).

Der Herr gibt Verständnis, und wir sollten das begehren. Was nützt es, ein Kapitel zu lesen und dann zu sagen: Das verstehe ich gar nicht? Nehmen wir aber an, du knietest nieder und sagtest zum Herrn, dass du das Kapitel nicht verstehst, dass Er es aber doch entschieden übernommen hätte, Verständnis zu geben, und nun möchtest du, dass Er es auch bei dir tue - ich bin sicher, dass die verlesene Schriftstelle deinem Verständnis sich erschließen wird, und das Licht und der göttliche Reichtum, den du darin entdeckst, werden dir erstrahlen. Ich habe erlebt, dass es so ist. Ich denke, dass der Herr einem regelmäßigen Lesen der Schrift Ehre erweist. Es ist erstaunlich, dass man durch regelmäßiges Lesen der Schrift immer .das bekommt, was man nötig hat.

Der Herr dachte daran, dass eine Schar lebendiger Zeugen bestehen sollte: „Ihr aber seid Zeugen hiervon“ (Vers 48). Der Herr zeigt, dass infolge Seines Leidens und Seiner Auferstehung Buße und Vergebung der Sünden in Seinem Namen allen Nationen, anfangend von Jerusalem, gepredigt werden sollten. Es ist die volle Breite und der volle Umfang des Zeugnisses der Gnade. Die Buße wird als die wunderbarste Gnadengabe von Seiten Gottes gepredigt; die Predigt ist ein Teil der Gnade des Evangeliums.

Dann sagte der Herr zu ihnen: „Ihr aber, bleibet in der Stadt, bis ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe“ - was zeigt, dass die Befähigung, zu verstehen, etwas anderes ist als Kraft.

Nichts ist heutzutage nötiger als Kraft. Ich glaube, der Herr möchte uns in Übung in Bezug auf Kraft sehen. Er hat uns in Bezug auf das Verständnis der Schriften geholfen, wie steht es aber nun mit der Kraft? Wir benötigen Kraft in einer feindlichen Welt. Wir können ohne Kraft nicht zum Verkündigen aufstehen, sonst werden wir der Sache schaden, anstatt sie zu fördern.

In ihrem Falle lag das Geheimnis des Erlangens dar Kraft darin, dass sie in Jerusalem blieben, und wir wissen, wie sie ihre Zeit dort verbrachten. Sie verbrachten jene zehn Tage in Gebet und Flehen. Wenn Brüder: und Schwestern alle im Gebet verharren, so wird Kraft vorhanden sein, denn Kraft ist das Ergebnis des Gebetes.

Der Herr heißt uns jetzt nicht, auf den Geist zu warten, die Jünger aber mussten zehn Tage in unaufhörlichem Gebet und Flehen verharren, und darin liegt etwas vor uns, was wir lernen sollten. Es verbindet die Kraft des Geistes mit dem Zustand der Abhängigkeit. Wir können nicht die Kraft des Geistes ohne den Zustand der Abhängigkeit haben. Sogar der Herr wurde mit dem .Geiste gesalbt, als Er betete.

Ich glaube, dass Kraft etwas ist, wovon der Herr will, dass wir uns dessen bewusst seien. Wir kennen den Unterschied zwischen nackt und bekleidet, denn wenn ich meine Kleider anziehe, habe ich das Bewusstsein, dass ich angekleidet bin. Nun sagt der Herr: Bleibet, bis ihr angetan (angekleidet) werdet.

Es ist sicherlich möglich, sich dessen bewusst zu sein, dass man mit Kraft angetan ist. Ich glaube, dass auch wir auf das Bewusstsein warten sollen, dass wir mit Kraft angetan sind, ehe wir irgendein Zeugnis ablegen.

Es ist „Kraft aus der Höhe“, was auf den himmlischen Charakter der Kraft hinweist. Es ist nicht das, was uns als Menschen auf Erden auszeichnen würde. Es ist .eine Kraft, die dem Himmel angehört. Ich wünschte, ich kennte mehr die Kraft aus der Höhe. Ich kann einen Menschen verstehen, der große Inbrunst in seinem Geiste, großen Eifer und große Beredsamkeit und eine gewisse Erkenntnis der Schrift besitzt, doch die wirkliche Kraft liegt in dem, was aus dem Himmel kommt.

Wie wir bei Petrus in der Apostelgeschichte sehen, ist Kraft aus der Höhe etwas sehr Wirkungsvolles. Bei ihm war keine Spur von Furcht zurück geblieben, und das bei einem Manne, der vor einer Dienstmagd gezittert hatte! Er stand mit der äußersten Freimütigkeit auf. Sie sahen die Freimütigkeit des Petrus und des Johannes, und sie konnten sie nicht verstehen, es war die Kraft aus der Höhe.

Wenn wir dem Teufel von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen, dann brauchen wir Kraft. Petrus hatte Kraft; er konnte sagen: „In dem Namen Jesu Christi, des Nazaräers, stehe auf und wandle!“ (Apg. 3, 6).

Das Zeugnis der Gnade sollte in himmlischer Kraft in seiner ganzen Kostbarkeit ungehindert ausgehen. Gott hat die Predigt der Buße und der Vergebung der Sünden dadurch so anziehend wie möglich gemacht, weil Er sie in dem Namen dieser wunderbaren Person aussandte, über dessen Leben das Lukasevangelium berichtet. Gott ist bemüht, die Predigt durch die persönliche Lieblichkeit und die Güte Jesu anziehend zu machen. Er stellt sie in dem Namen Jesu in möglichst anziehender Weise dar.

Wir lesen in den Sprüchen: „Die Willigkeit (Lieblichkeit) des Menschen macht seine Mildtätigkeit aus“ (Spr. 19, 22); auf dieser Stelle beruht das Lukasevangelium.

Die Jünger sahen, wie der Herr hinauf getragen wurde. Bei Johannes wird nicht gesagt, dass Er hinauf getragen wurde. Dort sagt Er: „Ich fahre auf.“ Es ist dort die herrliche Majestät Seiner eigenen, Ihm gehörenden Macht.

Bei Lukas wird Er aber hinauf getragen. Sie sahen, wie der gepriesene Mensch, der das abhängige Gefäß der Gnade war, durch eine Macht, die Ihm nicht eigen war, in den Himmel hinauf getragen wurde. Er wurde als der abhängige Mensch in den Himmel hinauf getragen - welch eine Belehrung! Und die Macht, die Ihn hinauf trug, ist auch die Macht, die uns weiter tragen kann.

Als bis nach Bethanien hinaus geführt, waren die Jünger gänzlich außerhalb des Lebens dieser Welt. Das ist dem Kolosserbriefe ähnlich. Sie wurden nicht hinauf getragen, sondern bis nach Bethanien hinaus geführt. Bethanien war nicht der Ort der Schmach. Wir können aus dem Leben in dieser Welt in einen Kreis eingehen, wo es keine Schmach gibt. Es ist ein geistliches Gebiet, und dort kommen wir unter den priesterlichen Segen Dessen, der hinauf getragen wurde.

Es ist ein wunderbarer Höhepunkt des Lukasevangeliums. Es gibt einen Segen, der ungehindert auf solche Personen herab fließt, die passend sind, ihn aufzunehmen. Der Herr will uns ganz aus dem Gebiete des Todes herausführen. In Joh. 12 bereiteten sie Ihm ein Abendessen. Martha diente, Lazarus lag zu Tische und Maria salbte Ihn. Sie waren gänzlich außerhalb des Lebens in dieser Welt. Sie waren in dem Gebiete des Auferstehungslebens. Sie lebten nicht in der Welt, wie der Apostel an die Kolosser schreibt: „Was unterwerfet ihr euch Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt?“ Wir sind noch auf Erden, aber nicht in der Welt.

Bethanien stellt im Bilde unseren wahren geistlichen Platz auf Erden dar, wenn das auch noch nicht unser himmlischer Platz ist. Unser wahrer geistlicher Platz auf Erden ist außerhalb des Lebens der Welt. Der priesterliche Segen wird dort gekannt.

Lukas stellt die Dinge geistlich dar, und ich glaube, dass die Erwähnung des Tempels eine geistliche ist, denn es war der Ort, wo sie waren, als sie Gott priesen und lobten. Der Tempel war mit einer wohlannehmlichen Schar von Gläubigen ausgestattet. Im materiellen Sinne wurde der Tempel Israel überlassen, aber im geistlichen Sinne wurde er mit einer Schar von Anbetern ausgestattet, die Gott priesen und lobten. Diese Menschen konnten Psalmen singen.

Am Anfang dieses Evangeliums betete die Menge des Volkes draußen, während Zacharias drinnen des priesterlichen Amtes waltete. Er vertrat eine Volksmenge, die draußen betete. In Luk. 24 ist jedoch der Priester zu Gott hineingegangen, und wir haben eine Schar, die so sehr von allem, was in diesem kostbaren Evangelium ans Licht gekommen, erfüllt ist, dass sie Gott lobten und priesen. Für einen Augenblick waren sie außerhalb des Bereiches des Gebetes. Sie lobten und priesen Gott, weil sie im vollen Reichtum des priesterlichen Segens Desjenigen standen, der in den Himmel hinauf getragen worden war. Sie hatten den Punkt erreicht, den David erreichte, als er sagen konnte: „Es sind zu Ende die Gebete Davids, des Sohnes Isais“ (Ps. 72, 20).