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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

 

Römerbrief

 

I. Befestigung im Evangelium (Römer 1- 5)

 

Paulus schreibt an die Römer in Kap. 1, 11, dass ihn sehr danach verlangte, sie zu sehen und ihnen einige Gnadengaben mitzuteilen, um sie zu befestigen, und der große Gedanke des Römerbriefes ist, die Gläubigen in dem besonderen Evangelium, das Paulus verkündigt hat, zu befestigen, denn es heißt in Röm. 16, 25. 27: „Dem aber, der euch zu befestigen vermag nach meinem Evan­gelium und der Predigt von Jesu Christo . . . dem allein weisen Gott, ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“ Am Ende des Briefes, dessen Zweck die Befestigung der Gläubigen in dem Evangelium des Paulus ist, werden wir also darauf hingewiesen, dass nur der allein weise Gott dies zu tun vermag. Möchten wir uns deshalb beim Lesen und Nachsinnen über die Gedanken desselben nicht auf unsere Weisheit und Fähigkeiten stützen, sondern uns viel im Gebet an den allein weisen Gott wenden, damit Er uns in dem Evangelium, das Paulus predigte, befestige!

1. Das Evangelium

(Römer 1, 1 - 15)

In den einleitenden Versen des Römerbriefes legt Paulus den besonderen Charakter seines Evangeliums klar. Er verkündigte das Evangelium Gottes (V. 1) über Seinen Sohn (V. 3), der als Sohn Gottes in Kraft dem Geiste der Heiligkeit nach durch Totenauferstehung erwiesen worden war (V. 4). Paulus, der Knecht Jesu Christi und der berufene Apostel, war für dieses Evangelium abgesondert worden (V. 1) und verkündigte es somit auf eine heilige, abgesonderte Weise. Er benutzte dabei keine menschlichen Verfahren und Kunstgriffe, denn Gottes frohe Botschaft über Seinen Sohn bedarf keiner menschlichen Beimischung. Das Evangelium kommt von Gott, es geht aus Seinem Herzen hervor und handelt von Seinem Sohne, den Gott gesandt hat, um die Menschen auf eine heilige Weise von allem zu befreien, was infolge der Sünde auf ihnen lastet. Der Sohn Gottes ist durch Totenauferstehung in Kraft erwiesen, denn Er kann die Menschen dem moralischen Tode, wie auch dem wirklichen Tode entreißen.

In „Totenauferstehung“ ist „Toten“ Mehrzahl und bezieht sich deshalb nicht nur auf die Auferstehung Christi, sondern auch auf die Auferstehung toter Menschen. Der Sohn Gottes vermag Sünder, die in ihren Vergehungen tot sind in den Genuss der Liebe Gottes, die Er offenbart, lebendig zu machen, wofür jeder Gläubige ein Beweis ist. Weil der Sohn Gottes Tote auferwecken kann, vermag Er auch alles andere zu tun. Er ist imstande, die Menschen von der schrecklichen Macht der Sünde, worunter sie stehen, zu befreien und sie dahin zu bringen, dass sie dem Wohlgefallen Gottes gemäß leben. Der Sohn Gottes kann allen unseren Bedürfnissen als Sünder und als Gläubige ab­helfen, und Er bringt alles „dem Geist der Heiligkeit nach“ für Gott zustande.

Das Evangelium des Paulus weist auf die Größe und Auferstehungskraft des Sohnes Gottes hin und ist die Grundlage und der Ausgangspunkt für alle unsere Segnungen.

Paulus hatte „Gnade und Apostelamt“ vom Herrn empfangen, um das Evangelium unter allen Nationen zu pre­digen (V. 5).

Wenn er auch für das Evangelium Gottes über Seinen Sohn von den Menschen und ihren Verfahren abgesondert war, so fühlte er sich doch allen Menschen gegenüber als Schuldner (V. 14). Er fühlte sich verpflichtet, allen Menschen von der Hilfe und der Macht des Sohnes Gottes zu erzählen. Er war sogar bereit, auch den Christen in Rom das Evangelium, das ihm anvertraut worden war, zu verkündigen (V. 15).

Wenn wir dem Evangelium von der Kraft des Sohnes Gottes geglaubt haben, sind auch wir verpflichtet, unserem Maße entsprechend den Menschen das, was wir von Gott wissen, zu verkündigen, denn die Menschen haben Anspruch darauf, mit der Kraft des Sohnes Gottes bekanntgemacht zu werden.

Es ist erstaunlich, wie wenig die Menschen, die christlich erzogen sind, von Christo, dem Sohne Gottes, und von dem glückseligen Gott wissen, der Sich Seinem in Sünde gefallenen Geschöpfe als ein Heiland-Gott darstellt.

Wenn Paulus in Römer 15, 20 wünschte, nicht auf eines anderen Grund zu bauen, also nur solchen das Evangelium zu verkündigen, in deren Herzen noch kein anderer den Grund, Jesum Christum, gelegt hatte, so kann uns das nicht davon abhalten, das Evangelium zu ver­kündigen, denn viele Menschen um uns her haben trotz aller äußerlichen Verchristlichung keine Grundlage in sich und sind deshalb noch unbearbeiteter Baustoff. Die meisten Menschen sind in Unkenntnis über Gott und Sein Evangelium, das Paulus verkündigt hat.

Doch Paulus verkündigte nicht nur allen Menschen das Evangelium, sondern er diente auch Gott in seinem Geiste in dem Evangelium Seines Sohnes (V. 9). Der Dienst im Geist des Apostels fand seinen Ausdruck im Gebet: Paulus übte seinen evangelistischen Dienst auf eine gebetsvolle, priesterliche Weise aus. In Röm. 15, 16 schreibt er, dass er priesterlich an dem Evangelium Gottes diente, auf dass das Opfer der Nationen angenehm werde, geheiligt durch den Heiligen Geist. Paulus diente Gott in seinem Geiste als Priester, indem er daran dachte, was für Gott aus dem Evangelium hervorgehen sollte, nämlich eine Schar von Gläubigen, die durch den Heiligen Geist geheiligt, einmütig mit einem Munde Gott verherrlichen möchte und auf diese Weise Gott für Seinen Dienst angenehm sein sollte. Er dachte an die Ergebnisse für Gott aus dem Evangelium, und auch wir sollten auf diese Weise Gott dienen, indem wir für das Evangelium beten.

2. Der Glaube

(Römer 1, 16 und 17)

Der Mensch muss der frohen Botschaft Glauben schenken wenn er von Gott gesegnet werden will. Die herrliche Person des Sohnes Gottes, die alles vermag, muss der Gegenstand seines Glaubens werden.

Paulus verkündig das Evangelium  „zum Glaubensgehorsam“ unter allen Nationen (V. 5).

Durch den Sündenfall ist das Band, das zwischen Gott und dem Menschen, Seinem Geschöpfe bestand, in moralischem Sinne zerrissen worden. Doch Gott knüpft jetzt ein neues Band mit dem Menschen an, denn Er bringt ihn durch den Glauben an Seinen Sohn Jesum Christum wieder in Beziehung zu Sich Selbst.

Gott wahrt dabei jedoch durch Seinen Sohn Seine Oberhoheit; Er offenbart Sich in Christo als Heiland-Gott, doch Er bleibt immer noch Gott und ist berechtigt zu gebieten, und es ist am Menschen, Seinem Geschöpf, zu gehorchen. Es heißt in Röm. 16, 26, dass das Evangelium des Paulus „nach dem Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam“ ist.

Gott befiehlt dem Menschen, sich im Glauben an Seinen Sohn zu wenden, und wenn das Evangelium eines Menschen Herz erreicht und er diesem Befehle Gottes gehorcht, kommt es ihm als das denkbar Köstlichste vor, Gott gehorsam zu sein, denn der Glaubensgehorsam, der alle unsere eigenen Werke und Verdienste ausschließt, sichert uns jede Segnung.

Wenn wir Gott gehorchen und im Glauben Zuflucht zu Seinem Sohne nehmen, werden wir von Gott geliebt. Deshalb werden wir in Röm. 1, 7 „Geliebte Gottes“ ge­nannt. Der Herr zeigt im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Luk. 15), wie Gott, der Vater, uns entgegenläuft und uns mit Küssen der Liebe bedeckt. Jeder, der sich im Glauben an den Herrn Jesum gewandt hat, hat auf diese Weise erfahren, dass er ein „Geliebter Gottes“ ist.

Im Gegensatz dazu werden die Gottlosen in Röm. 1, 30, die dem Evangelium nicht gehorchen, „Gottverhasste“ genannt, denn ihr Leben ist Gott zum Abscheu. Der Glaube an den Herrn Jesus macht also aus „Gottverhassten“ Geliebte Gottes. Wie kostbar für uns, in dem Bewusstsein stehen zu dürfen, dass Gott uns liebt, weil wir an Christum glauben.

Das Evangelium dient weiter noch jedem Glaubenden zur Rettung oder zum Heil; es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden (V. 16). Weil der Mensch durch die Sünde unter die Macht des Feindes geraten ist, muss er davon errettet werden, und das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung jedem Glaubenden.

Dann ist der Mensch infolge der Sünde ins Verderben, in einen ungesunden Zustand gekommen, und Gott gewährt jedem Glaubenden durch das Evangelium Heilung und Gesundung davon. Das zeigt, dass wir das Evangelium auch noch hören müssen, wenn wir schon gläubig sind, denn wir müssen von der Macht Satans errettet werden, solange wir hienieden sind, und das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung jedem Glaubenden.

Dann wird noch im Evangelium die Gerechtigkeit Gottes geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ (V. 17). Gott ist gerecht, denn Er bestraft die Gottlosen, und Sein Zorn wird vom Himmel her geoffenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen (V. 18). Gott ist gerecht, indem Er den Menschen das, was er sät, ernten lässt; und Er ist gerecht, indem Er bei den Gläubigen das anerkennt, was Ihm wohlgefällt, und sie für das be­lohnt, was sie von den Gottlosen leiden.

Weil Gott gerecht ist, kann er den schuldigen Sünder, der an den Herrn Jesum glaubt, nicht einfach aus Barmherzigkeit freisprechen, sondern Er kann das nur auf einer gerechten Grundlage tun, und diese Grundlage gibt Ihm der Tod oder das Blut Christi (Röm. 3, 25).

Christus hat am Kreuze unsere Sünden getragen, und Gott offenbart gegenwärtig Seine Gerechtigkeit nicht darin, dass Er uns die Schuld zurechnet, sondern uns auf Grund des Todes Christi davon freispricht oder rechtfertigt.

Diese geoffenbarte Gerechtigkeit Gottes ist uns nur auf Grund des Glaubens zugänglich, sie ist „aus Glauben zu Glauben“, und der Gerechtfertigte lebt aus Glauben. „Der Gerechte wird aus Glauben leben“, indem er beständig die Ge­rechtigkeit Gottes im Tode Christi, also die Art, wie Gott am Kreuze gegen die Sünde vorgegangen ist, vor Augen hat, und das hält ihn im Selbstgericht und m dem beständigen Bewusstsein, auf welchem Boden er vor Gott
steht und lebt. Es ist wahre Glückseligkeit, in dieser Weise als ein Gerechtfertigter aus Glauben zu leben.


3. Buße

(Römer 2)

Paulus geht von Röm. 3, 21 ab weiter auf die Gerechtigkeit Gottes, die durch den Glauben an Jesum Christum ist, ein. Doch in Röm. 1, 18 - 3, 20 wird gezeigt, dass alle Menschen Sünder und dem Gerichte Gottes verfallen sind und deswegen Buße tun müssen, wenn sie sich im Glauben an Christum wenden. Buße ist eine Sinnesänderung, die die Erkenntnis der Güte Gottes in uns hervorruft, so dass wir das Böse, das wir getan haben, an uns selbst richten. Die Güte Gottes leitet uns zur Buße (Röm. 2, 4).

Gott übt auf Grund des Todes Christi Güte, Geduld und Langmut mit dem Menschen. Doch Er erwartet, dass er vor Ihm den Boden der Buße einnimmt. Wer sich aber hartnäckig weigert, Buße zu tun und den Reichtum der Güte Gottes verachtet, kommt unter den Zorn und das Gericht Gottes (Röm. 2, 5).

In Röm. 1, 18 - 32 wird das tiefe Verderben, worin die gottlosen Menschen leben, geschildert. Obschon sie Gott kennen und Ihn in der Schöpfung wahrnehmen (V. 19. 20), haben sie Ihm weder Verehrung noch Dank dargebracht (V. 21). Sie verfielen in die Torheiten des Heidentums, weil sie die Dankbarkeit gegen Gott, den gütigen Schöpfer, aufgaben. Deshalb hat Gott sie dahingegeben in schändliche Lüste (V. 26. 27) und in einen verworfenen Sinn (V. 28). Sie tun also nicht nur diese Schlechtigkeiten, sondern sie sinnen auch beständig darauf. Obschon sie Gottes gerechtes Urteil kennen, dass diejenigen, die solche schrecklichen Dinge verüben, des Todes würdig sind, tun sie nicht nur all das Böse, sondern sie finden auch noch Wohlgefallen an denen, die solches tun (V. 32).

Solche Gottlosigkeit findet sich nicht nur bei den Heiden, sondern auch bei Namenchristen, die in Zügellosigkeit und offenbaren Lastern leben. Der Zorn Gottes wird vom Himmel her über all diese Gottlosigkeit geoffenbart werden (V. 18). Deswegen sollten solche Menschen Buße tun, zu Christo eilen und ihr Leben ändern.

In Röm. 2, 1-16 wird eine andere Klasse von Menschen geschildert, die nicht in offenbaren, sondern in heimlichen oder verborgenen Sünden leben. Es fehlt ihnen nicht an Licht, das Böse bei anderen zu richten. Doch Gott sagt: „Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder, der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe“ (V. 1). Gott lenkt also das Auge unseres Gewissens auf uns selbst und zerstört den Schein unserer eigenen Gerechtigkeit, der dem Richten über andere zugrunde liegt; Er sagt: „Du tust dasselbe.“ Wenn ein solcher Mensch das aus Mangel an Selbsterkenntnis ableugnet, dann sagt ihm Paulus, dass Gott das Verborgene der Menschen nach seinem Evangelium durch Jesum Christum richten wird (V. 16).

Jemand mag also nach außen hin unbescholten sein, doch Gott sieht all das Böse, das er im Verborgenen tut und das nicht ans Licht kommt, und an jenem Tage des Gerichts wird Er ihn deswegen richten. Er sollte sich also durch die Güte Got­tes zur Buße leiten lassen (V. 4) und nicht in seiner Selbstgerechtigkeit verharren.

In Röm. 2, 17 - 3, 20 wird noch eine dritte Klasse von Menschen beschrieben, nämlich die Juden, die religiösen Menschen, denen „die Aussprüche Gottes anvertraut“ waren (Röm. 3, 2), wie die Christenheit heute die Bibel hat. Sie rühmten sich Gottes, der Wahrheit und all des Lichtes, das sie erlangt hatten, verharrten aber auf bösen Wegen, die Gott missfielen.

Der Jude getraute sich, andere über das Gesetz zu belehren, doch er lehrte sich selbst nicht; er lebte das, was er lehrte, anderen nicht vor (Röm. 2, 21); und mit der Christenheit ist es heute ebenso.

Wir können uns viel Erkenntnis aneignen, ohne ihr im geringsten zu entsprechen. Doch Gott tut auch dem religiösen Menschen die Tür der Buße auf. In Römer 2, 29 ist von der inneren Beschneidung des Herzens, im Geiste, die Rede. Das ist Selbstgericht, das bei uns einen unterwürfigen Geist erzeugt. Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz ist Gott wohlgefällig (Ps. 51,17). In einem solchen Zustande verunehren wir nicht den Namen Gottes, und wenn einer, der Belehrungen bringt, sich selbst richtet, dann ruft er keine Schwierigkeiten, sondern Unterwürfigkeit unter Gott in anderen hervor.

Ob also die Menschen gottlos (Röm. 1), moralisch (Röm. 2) oder religiös (Röm. 3) sind, das Urteil dessen, der die Herzen erforscht, lautet: „Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm. 3, 23).

Die Schriftstellen, die Paulus in Röm. 3, 10-18 den Juden und Christen aus ihrer eigenen Bibel anführt, nämlich aus dem Alten Testament, beweisen deutlich, dass der Mensch mit allen seinen Gliedern der Sünde dient. Damit ist jeder Mund verstopft, auch der anmaßende Mund der Religion, und die ganze Welt ist dem Gerichte Gottes verfallen (V. 19).

Die einzige Möglichkeit, diesem Gerichte zu entrinnen, ist, an Christum zu glauben und als ein von Gott durchforschter Sünder Buße zu tun.

4. Die Gnade Gottes

(Römer 3, 21 - 31)

Wenn wir uns in unserer Sündennot bußfertig im Glauben an den Herrn Jesus wenden, fühlen wir uns nicht von Ihm abgestoßen, sondern mächtig zu Ihm hingezogen, weil Er uns die vergebende Gnade Gottes offenbart. Als Er hienieden war, zog Er die Elenden und Mühseligen, die ihrer Sünden wegen vor Gott bekümmert waren, zu Sich hin, und dasselbe ist heute immer noch der Fall, wo der Herr Jesus im Himmel droben verherrlicht ist. Alles, was Er tat und sprach erweckte Glauben an Ihn. Am Kreuze nahm Er dann in Seiner Gnade den Platz des Sünders im Gerichte Gottes ein und schmeckte alles, was der Sünder mit Recht verdient hatte. Er offenbarte am Kreuze die Gerechtigkeit Gottes in vollkommener Gnade, denn wir sehen dort, wie Gott Sich in Christo als Gott der Gnade unter Aufrechthaltung Seiner Gerechtigkeit dem sündigen Menschen geoffenbart hat.

Es steht allen Menschen frei, an Jesum Christum zu glauben und alle, die es tun, werden umsonst gerechtfertigt durch Seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christo Jesu ist (V. 24).

Wie bereitwillig rechtfertigt Gott doch den Menschen, der im Glauben bußfertig zum Herrn Jesu kommt! Er hat Wohlgefallen daran, den Gläubigen auf der gerechten Grundlage des Werkes Christi von aller Schuld freizusprechen.

Seelen, die durch Stellen wie Joh. 3, 16 oder Joh. 5, 24 Segen bekommen haben, müssen die Gerechtigkeit Gottes in Römer 3 kennenlernen, um eine feste Grundlage des Friedens zu besitzen, denn die Liebe Gottes zieht das Herz eines Sünders wohl an, doch der Glaube muss sich auf das Werk Christi am Kreuze, auf die darin geoffenbarte Gerechtigkeit Gottes als Grundlage stützen.

Die Rechtfertigung des Gläubigen geschieht aufgrund der Erlösung, die in Christo Jesu ist. Gott gibt uns einen völligen Schuldenerlass. Er hat von Seinem Erlöserrecht Gebrauch gemacht und Seinen Sohn gesandt, dem Er aus Gnaden das Gericht der Sünde und die Strafe des Todes, die wir verdient hatten, am Kreuze auferlegt hat. Gott hat Ihn nun dargestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben an Sein Blut, um Seine Gerechtigkeit zu erweisen (V. 25).

In Christo als Gnadenstuhl kommt die herrliche Gesinnung, worin Gott Sich dem sündigen Menschen darstellt, zum Ausdruck. Das Blut auf dem Gnadenstuhl redet von der Kraft des Todes Christi; es ist allen Anforderungen Gottes der Sünde gegenüber derart gerecht geworden, dass Seine Gnade allen Menschen verkündigt werden kann. Gott allein kennt den Wert des Blutes Christi, und Er stellt Christum als Gnadenstuhl in dem Wert dieses Blutes dar. Das Segenslicht über den Erlöser-Gott und Christum, den Gnadenstuhl, gelangt „durch den Glauben an sein Blut“ in unsere Herzen.

Wie herrlich ist doch Gott in Seiner Gnade! Was könnte den Ausdruck Seiner Gnade noch mächtiger und ergreifender gestalten! Wer dadurch nicht berührt und in Buße geführt wird, kann nicht erlöst werden und muss deshalb die Ewigkeit im Feuersee zubringen.

Weil Christus Sich vorgenommen hatte, Mensch zu werden und am Kreuze für die Sünden der Gläubigen zu sterben, ging Gott im Alten Testament mit Nachsicht über die Sünden der Gläubigen hinweg (V. 25). In der Jetztzeit aber, wo Gott Christum als Gnadenstuhl dargestellt hat, erweist Er Seine Gerechtigkeit darin, dass Er den rechtfertigt, der des Glaubens an Jesum ist (V. 26). Weil Gott uns aufgrund des Blutes Christi rechtfertigt, ist unser Verdienst und Ruhm völlig davon ausgeschlossen (V. 27). Alles, was wir zu dem Erlösungswerk beigetragen haben, ist, dass wir es durch unsere Sünden veranlasst haben. Gott allein gebührt aller Ruhm.

Wie köstlich ist die Erkenntnis Seiner Gnade, die uns auf einer gerechten Grundlage rechtfertigt!

5. Glaubensgerechtigkeit

(Römer 4)

In Römer 4 ist nicht wie in Römer 3 von der Gerechtigkeit Gottes die Rede, deren Anforderungen das Blut Christi Genüge geleistet hat, sondern dort handelt es sich um die Gerechtigkeit des Glaubens, die Gott uns aufgrund des Glaubens zurechnet.

Es heißt von Abraham, dass er Gott glaubte und dass es ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde (V. 3), und wir erlangen diese Glaubensgerechtigkeit nicht durch Werke, sondern durch den Glauben an Gott, der den Gottlosen rechtfertigt (V. 5).

In Röm. 3 ist von dem Glauben an Jesum Christum und an Sein Blut die Rede, während es sich in Röm. 4 um den Glauben an Gott handelt. Wir werden also, wenn wir nach Röm. 3 im Glauben zu Christo gekommen sind und uns im Glauben auf Sein vollbrachtes Werk stützen, durch das Evangelium des Paulus in unmittelbare Beziehung zu Gott gebracht.

Welch eine unermessliche Gnade, dass Gott dem Gottlosen, der an Ihn glaubt, Glaubensgerechtigkeit zurechnet (V. 5). Das schließt jeden Gedanken an ein Verdienst bei dem Gerechtfertigten aus. Wunderbare Glückseligkeit hält in unseren Herzen Einzug, wovon David in Ps. 32 geschrieben hat, wenn wir die Wahrheit im Glauben erfassen, dass alle unsere Sünden vergeben sind und dass Gott uns anstatt unserer Sünden Gerechtigkeit zurechnet (V. 6-8).

Um aber in dieser Glückseligkeit erhalten zu werden, müssen wir wie Abraham die Beschneidung verwirklichen und unser Fleisch unwirksam halten. Wenn wir dann wie Abraham den Zustand der Kraftlosigkeit und des Todes vor Gott fühlen, erfahren wir nicht nur die Überschwenglichkeit Seiner Gnade, die den Gottlosen rechtfertigt, sondern auch Seine Macht, die Christum aus den Toten auferweckt hat, um unsere Gerechtigkeit zu sein (V. 24). Am Kreuze wurde der Herr Jesus unserer Übertretungen wegen dahingegeben, und damit wurde die Frage unserer Sünden völlig gelöst. Doch die Macht Gottes hat dann eingegriffen und Christum unserer Rechtfertigung wegen auf erweckt (V. 25).

Der auferweckte Christus stellt die Art Gerechtigkeit dar, die Gott uns zurechnet; Er ist unsere Gerechtigkeit. Welch eine Gnade! Wie freudig ergreifen wir diese Gerechtigkeit, weil wir nur Sünden haben!

6. Die Segnungen des Glaubens

(Röm. 5, 1 - 11)

Wenn wir uns im Glauben auf das Werk Christi am Kreuze stützen und Ihn in der Auferstehung als unsere Gerechtigkeit erblicken, dann haben wir Frieden mit Gott im Blick auf unsere sündige Vergangenheit. Wir sind nicht mehr wegen unserer Sünden bekümmert, weil Christus sie am Kreuze getragen hat. Wir haben keine Befürchtung, keine Unruhe und keine Ungewissheit mehr, sondern unsere Seele erfüllt wolkenloser Friede. Keine Frage der Schuld kann uns mehr niederdrücken.

Was unsere Vergangenheit betrifft, so haben wir „Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesum Christum“. Als „Jesus, unser Herr“ (Röm. 4, 24), ist Er aus den Toten auferweckt worden, um unsere Gerechtigkeit zu sein, und. als unser Herr Jesus Christus ist Er im Himmel erhöht und der Verwalter der geistlichen Segnungen, die unser Teil sind.

Wir haben aber durch unseren Herrn Jesum Christum auch „Zugang zu der Gnade“, worin wir stehen, und das ist für die Gegenwart. Wenn wir irgendeine Not fühlen, so kann unser Glaube aus der Verwaltung Christi Nutzen ziehen und Zuflucht zu der Gnade Gottes, die uns erlöst und gerechtfertigt hat, nehmen. Im Blick auf die Zukunft rühmen wir uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes“.

Der Herr Jesus, unser Erlöser, ist schon in der Herrlichkeit droben und wird auch alle Seine Erlösten sicher in die Herrlichkeit bringen, denn sonst wäre Er ein Erlöser ohne Erlöste. Des­halb können wir uns schon jetzt in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes rühmen.

Wenn wir also den auferstandenen Christus als unsere Gerechtigkeit erblicken, ist jede Frage betreffs unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gelöst.

Es heißt dann aber noch zweimal: „Nicht allein aber das, sondern ... Gott reicht unseren gläubigen Herzen also noch weitere Segnungen dar. Auf dem Wege zur Herrlichkeit Gottes haben wir die Wüste zu durchschreiten, wo wir durch viele Trübsale gehen müssen. Doch wenn wir auch von Natur davor zurückschrecken, so rühmen wir uns doch der Trübsale, weil wir wissen, dass sie zu unserem Nutzen dienen, denn „Trübsal bewirkt Ausharren, das Ausharren aber Erfahrung, die Erfahrung aber Hoffnung, die Hoffnung aber beschämt nicht". Die Widerwärtigkeiten der Wüste erproben nur die Echtheit und Dauerhaftigkeit des Werkes Gottes in uns.

Wenn wir auch von außen Trübsal leiden müssen, so erfrischt uns aber der Heilige Geist in unseren Herzen mit der Liebe Gottes, die im Tode Christi ihren Ausdruck fand und die der Geist in unsere Herzen ausgießt.

In Röm. 5.5 wird zum erstenmal im Römerbrief gesagt, dass der Heilige Geist uns gegeben ist, wenn in Rom. 4 auch schon vorausgesetzt wird, dass wir Ihn haben, denn in Röm. 4,11 ist von dem „Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens“ die Rede, was für Abraham die Beschneidung war, aber für uns der Geist ist.

Welch eine Gnade, dass Gott uns den Geist gegeben hat! Er war nicht zufrieden damit, dass wir Seine Gerechtigkeit, Gnade und Macht kennen sollten, sondern wir sollten auch Sein Liebesherz kennen, und der Heilige Geist gießt Seine Liebe in unsere Herzen aus.

In Vers 10 ist von der Versöhnung die Rede. Wir wurden, da wir Feinde waren, mit Gott durch den Tod Seines Sohnes versöhnt. Gott hat durch den Tod Seines Sohnes nicht nur Seine Liebe erwiesen, sondern auch den Zustand der Feindschaft hinweggetan, so dass Sein Wohl­gefallen auf uns ruht.

Wir waren von Natur nicht nur schuldig, sondern lebten auch in Feindschaft gegen Gott, und der Sohn Gottes starb, um uns, die wir Feinde waren, mit Gott zu versöhnen, und errettet uns jetzt durch Sein Leben von allem, was uns daran hindern könnte, zum Wohlgefallen Gottes zu sein.

In Vers 11 heißt es endlich noch, dass wir uns auch Gottes rühmen. Alles, was Gott in Christo ist, ist für uns eine Quelle der Befriedigung und Freude. Das ganze Werk der Erlösung und Rechtfertigung ist von Gott ausgegangen. Unsere Herzen wenden sich deshalb voll Lob und Dank zu Ihm hin. Wir freuen uns über alle Segnungen, die Er uns durch Jesum Christum darreicht. Doch unsere größte Freude besteht darin, dass wir einen solchen Gott haben, und deshalb „rühmen wir uns Gottes durch unseren Herrn Jesum Christum“.

O welch ein Gott! O, wer singt Deinen Preis!

Für unsre armen Herzen ist's zu groß.
Und dennoch tun wir's auf Dein Geheiß -
Dein Geist macht frei, von allen Fesseln los.
Die Heil`gen droben und uns, die noch hier, Füllt eines nur - Dein Lob, glücksel'ger Gott;

Zu Dir gebracht, erlöst durch Jesu Blut,
Bist Du der Lobgesang - Du, unser Gott!

7. Das Endziel der Gnade

(Römer 5, 12 - 21)

Unser Herr Jesus Christus ist auf der göttlichen Seite der Verwalter des Segens, den Gott für uns hat. Doch „der Mensch Jesus Christus“ (V. 15) ist Haupt auf unserer Seite und wird Adam gegenübergestellt.

Adam brachte Sünde und Tod in die Welt, und alle Menschen sind in die Stellung von Sündern gesetzt worden und dem Tode verfallen. Doch Christus ist ein neues Haupt, und durch Seine Tat der Gerechtigkeit am Kreuz, wo Er das Gericht der Sünde trug und starb, können alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens gelangen (V. 18).

Anstatt verdammt zu werden, können sie als Gerechtfertigte vor Gott leben, und zu diesem Zwecke brauchen sie nur „die Gnade Gottes und die Gabe in Gnade, die durch einen Menschen, Jesum Christum, ist“ (V. 15), im Glauben anzunehmen.

Die Gläubigen sind „die Vielen“, die „die Überschwenglichkeit der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen“ (V. 17) und „durch den Gehorsam des Einen (d. i. Christi) in die Stellung von Gerechten gesetzt werden“ (V. 19).

Die Stellung von Gerechten einzunehmen, ist mehr, als mit der Gerechtigkeit Christi, die Gott unserem Glauben zurechnet (Röm. 4), bekleidet zu sein. Wenn ein Bettler berufen wird, sich beständig an einem königlichen Hofe aufzuhalten, so bekommt er nicht nur Hofkleidung, sondern er muss auch lernen, sich wie ein Höfling zu benehmen. Unter dem Einfluss Christi, der unsere Gerechtigkeit ist, lernen wir, die Gerechtigkeit lieben und die Gesetzlosigkeit hassen; wir hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, die in Ihm entfaltet ist, und werden auf diese Weise in unserem Benehmen und unserem Wesen Gerechte, die „in die Stellung von Gerechten versetzt“, den Gehorsam und die Gerechtigkeit Christi in sich wirksam haben. Doch nur die Gnade und nicht gesetzliche Anstrengung bringt das zustande.

Die Gnade versetzt uns aber nicht nur in die Stellung von Gerechten, sondern sie sucht uns auch dahin zu bringen, dass wir auf demselben Schauplatz, wo wir vor unserer Bekehrung in Sünden und Ungerechtigkeiten gelebt haben, „im Leben herrschen durch den Einen, Jesum Christum“ (V. 17).

Wie dieses Ziel erreicht wird, zeigen die folgenden Kapitel (Röm. 6 - 8).

Wenn wir sündigen oder den Regungen unseres Fleisches nachgehen oder durch die Schwierigkeiten des Wüstenpfades niedergedrückt sind, dann herrschen wir nicht im Leben. Gott gewährt uns in Röm. 6 Befreiung von der Sünde von außen her und in Röm. 7 von der Macht der in uns wohnenden Sünde, und Er macht uns in Röm. 8 den Widerwärtigkeiten der Wüste überlegen, so dass wir „mehr als Überwinder“ sind. Als solche, die in der Kraft des Geistes allem hienieden überlegen sind, „herrschen wir im Leben“ auf demselben Schauplatz, wo wir früher Gott verunehrt haben.

Das Endziel der Gnade ist aber nicht nur, dass wir in dieser Wüste im Leben herrschen, sondern dass wir auch in Zustände gebracht werden, worin wir das ewige Leben genießen können. „Die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesum Christum, unseren Herrn“ (V. 21).

Christus ist nicht nur unsere Gerechtigkeit, sondern Er ist auch das ewige Leben (1. Joh. 5, 20). Johannes schreibt, dass das ewige Leben in Christo, dem Sohne Gottes, uns gegeben ist (1. Joh. 5, 11), und Paulus schreibt in Röm. 6, 23 dasselbe: „Die Gnadengabe Gottes ist ewiges Leben in Christo Jesu, unserem Herrn.“

Doch die Gnade Gottes ist durch den Dienst Pauli auch bemüht, uns in Zustände zu bringen, in denen wir uns dieser Gabe erfreuen können, und Paulus entfaltet diese Zustände im Kolosser- und Epheserbrief, wo gesagt wird, dass wir mit Christo auferweckt und lebendig gemacht sind, also an Seinem Leben jenseits des Todes teilhaben.

Ewiges Leben kann nur in Kanaan gekannt und genossen werden, denn der Herr verbindet es in Joh. 3, 12 - 16 mit dem Himmlischen; es ist gleichsam der Himmel schon auf Erden.

Weil der Römerbrief in seinem belehrenden Teil nicht über die Wüste hinausgeht, wird in ihm nur auf das ewige Leben hingewiesen, und in den Ermahnungen (Röm. 12 - 16) werden die Zustände, worin es gelebt werden kann, angedeutet. Es heißt in Röm. 12.: „Wir, die vielen“, sind „ein Leib in Christo“, und wir sehen dann den schönen Geist der himmlischen Gnade und der zarten Rücksichtnahme auf Schwache im Glauben, der uns in unserem gegenseitigen Verkehr kennzeichnen sollte.

Diesem herrlichen Endziel (Röm. 6, 22) führt uns die Gnade entgegen.