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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

 

Der Glaube des andern

 

Röm 1,11 Denn mich verlangt sehr, euch zu sehen, auf daß ich euch etwas geistliche Gnadengabe mitteilte, um euch zu befestigen,

Röm 1,12 das ist aber, mit euch getröstet zu werden in eurer Mitte, ein jeder durch den Glauben, der in dem anderen ist, sowohl euren als meinen.

 

Das zusammengesetzte W

...

 

Römerbrief

 

II. Befreiung von der Sünde - Römer 6

 

Die Wahrheit von Römer 6 ist für alle, die an den Herrn Jesum glauben, sehr wichtig, weil dort die Frage, behandelt wird, wie der Gläubige sich der Sünde gegenüber zu verhalten hat. Wir sündigen nicht nur, wenn wir etwas sehr Böses tun, sondern die Schrift sagt: „Die Sünde ist die Gesetzlosigkeit“ (1. Joh. 3, 4). Sünde ist also die Abneigung, sich Gott zu fügen und Ihm gehorsam zu sein. Paulus fragt in Röm. 6, 1: „Sollten wir in der Sünde verharren, auf dass die Gnade überströme?“ Weil es in Röm. 5, 20 heißt: „Wo die Sünde überströmend geworden, ist die Gnade noch überschwenglicher geworden“, hätte ein fleischlich Gesinnter daraus folgern können, dass die Gnade noch überschwenglicher wirksam werden würde, wenn er nach der Bekehrung in der Sünde verharren würde. Doch Paulus hält dieser falschen Auffassung sofort aufs bestimmteste entgegen: „Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch in ihr leben“ (V. 2) ? Die einzige Stellungnahme, die für den Gläubigen der Sünde gegenüber in Betracht kommt, ist also die, dass er der Sünde gestorben ist.

Als das Licht der Gnade Gottes unser Herz erreichte, sahen wir, dass unsere Sünden uns ins Verderben stürzten. Doch wir sahen auch zu unserem Erstaunen, dass aufgrund der Erlösung, die in Christo Jesu ist, lauter Vergebung und Gnade im Herzen Gottes ist. Das brachte uns dahin, Buße zu tun und Gott unsere Sünden zu bekennen, und Gott vergab und rechtfertigte uns.

Dann gab Gott uns aber noch mehr als die Rechtfertigung, denn Er segnet uns in Christo in der erhabensten Weise. In Röm. 5 wird der Reichtum Christi vor uns entfaltet. Wir sitzen dort wie die Braut im Hohenliede (Kap. 2, 3) mit Wonne im Schatten Christ, und Seine Frucht ist unserem Gaumen süß. Wenn auf diese Weise Christus und die Gnade Gottes unserem Herzen groß und erhaben wird, wenden wir uns von der Sünde weg.

Durch die Taufe, auf die in Röm..6, 3. 4 hingewiesen wird sind wir dem Bilde nach mit Christo begraben worden. Wir sind im Blick auf Seinen Tod getauft und durch die Taufe auf Seinen Tod mit Ihm begraben worden. Wir sind nicht auf einen Christus getauft worden, der bereitwillig hienieden aufgenommen worden ist, sondern auf einen Christus, der in dieser Welt der Sünde keinen Platz fand, sondern verworfen und gekreuzigt wurde.

Durch die Herrlichkeit des Vaters wurde Er aus den Toten auferweckt und in eine neue Welt eingeführt, wo Er ganz außerhalb des Schauplatzes der Sünde und des Todes lebt.

Christus wurde nicht nur durch die Macht Gottes unserer Rechtfertigung wegen auferweckt (Röm. 4, 24), sondern die Auferweckung Christi war auch eine Handlung der Liebe und Herrlichkeit des Vaters, der uns. dadurch eine neue Welt erschloss, worin wir mit Christo durch den Heiligen Geist vereinigt sind und Seinem Bilde gleichförmig gemacht werden, damit Er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern (Röm. 8, 29).

Doch in Röm. 6 ist Christus durch die Herrlichkeit des Vaters auferweckt worden, damit wir in dieser Welt in Neuheit des Lebens wandeln und der Sünde gestorben sein möchten. Der Tod Christi der Sünde und ihrem Wirkungskreis gegenüber sollte auch der unsere sein.

Wir sind mit Christo in der Gleichheit Seines Todes einsgemacht oder mit Ihm verwachsen und werden auch in der Auferstehung Ihm gleich sein (V. 5). Wir sind so an Christum gefesselt, dessen liebliches Wesen uns in Röm. 1 - 5 geschildert worden ist, dass wir nicht anders können, als im Blick auf Seinen Tod und Seine Auferstehung uns der Sünde für gestorben zu halten. Wenn eine Eiche, die mit Efeu bewachsen ist, gefällt wird, so fällt der Efeu mit zur Erde.

Wir sollten so Christo verbunden und verwachsen sein, dass Sein Tod auch unser Tod ist. Wenn schon der Tod einer geliebten Person, die uns nahesteht, uns sehr zu Herzen geht, so sollte auch der Tod Christi, dem wir alles verdanken, was wirklichen Wert für uns hat, einen derartigen Eindruck auf uns machen, dass wir Ihm gegenüber dem nachkommen, was Ruth zu ihrer Schwiegermutter sagte: „Wo du stirbst, will ich sterben, und daselbst will ich begraben sein“ (Ruth 1, 17). Dann sind wir mit Ihm zu gleichem Tode gepflanzt und denken bei allem daran, dass Er hienieden gestorben ist und dass wir mit Seinem Tode einsgemacht sind.

Wenn wir auf diese Weise unseren Mittod mit Christo verwirklichen, können wir von unserem früheren Ich als unserem alten Menschen reden. „Wir wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist“ (V. 6).

In unserem alten Menschen war die Sünde verkörpert. Deshalb missfiel er Gott, und wir wissen, dass er die schärfste, öffentliche Verurteilung verdiente und deshalb ganz zu Recht mit Christo ans Kreuz geschlagen wurde. Das Evangelium des Paulus bringt uns zum Bewusstsein, dass unser alter Mensch mit Christo gekreuzigt und deshalb zum Abschluss gekommen ist.

Doch darin liegt nicht nur ein Trost für bekümmerte Gläubige, die die schreckliche Natur des alten Menschen kennenlernen, sondern daraus folgt auch die ernste Anwendung für uns, „dass der Leib (d. i. die Verkörperung oder das Wesen) der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen“ (V. 6).

Der Gläubige soll also den Sündendienst nicht allmählich aufgeben, sondern er soll von vornherein endgültig und entschieden mit der Sünde brechen, weil Gott den alten Menschen, der der Inbegriff der Sünde ist, am Kreuz völlig verworfen und verurteilt hat. Wir sollen der Sünde nicht mehr dienen, und wenn sie in irgendeiner Form oder Verkörperung an uns herantritt, sie als eine abgetane Sache abweisen.

In Röm. 6 wird die Sünde als ein herrschender Grundsatz in der Welt betrachtet, der von außen her auf uns einzuwirken sucht, den wir aber abweisen sollen. In Röm. 7, wo wir im Lichte Gottes unser Inneres durchforschen, entdecken wir auch noch, dass die Sünde in uns

wohnt. Doch in Rom. 6 sollen wir die Sünde zurückweisen wenn sie uns von außen her zu beeinflussen sucht.

Es ist wichtig zu wissen, dass Christus der Sünde gestorben ist. „Wir wissen, dass Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn. Denn was er gestorben ist, ist er ein für allemal der Sünde gestorben; was er aber lebt, lebt er Gott“ (V. 9. 10).

Christus ist am Kreuz für unsere Sünden gestorben (1. Kor. 15, 3) ; Er tat Sühnung für unsere Sünden. Doch dass Er der Sünde gestorben ist, ist ein ganz anderer Gedanke. Das besagt, dass Er jetzt ein für allemal mit der Sünde fertig ist.

In Christo war keine Sünde (1. Joh. 3, 5); Er kannte keine Sünde (2.Kor 5, 21); Er war der Heilige Gottes (Joh. 6, 69). Doch war Er in der Welt, worin die Sünde herrscht, und Er fühlte den Kummer und die Verheerungen, die sie anrichtete. Er war „der Mann der Schmerzen“ (Jes. 53, 3).

Ungeachtet der furchtbaren Verwirrung in der Welt fand in Ihm die Frage des Guten und Bösen ihre vollständigen Lösung, denn zufolge Seiner göttlichen Vollkommenheit hasste und verwarf Er das Böse und liebte und erwählte unermüdlich das Gute. Dann ging Er in den Tod, um Sühnung für unsere Sünden zu tun.

Durch den Tod hat Er jetzt aber diesen Zustand verlassen, Er ist „ein für allemal der Sünde gestorben“ und lebt jetzt Gott außerhalb des Kreises ihrer Wirksamkeit. Wir haben das wunderbare Vorrecht, uns ebenso zu betrachten, denn es heißt: „Haltet euch der Sünde für tot. Gott aber lebend Christo Jesu“ (V. 11).

Das „Wissen“ (V. 6) ist eine Sache des Glaubens, doch das „Halten“ (V. 11) geschieht aus Liebe. Wir müssen den Herzensentschluss fassen, anstatt in der Sünde dem alten Menschen gemäß zu leben, Gott in Christo Jesu zu leben. Sobald ich Christo den Vorzug vor dem alten Menschen gebe, werde ich von dem Gedanken beseelt, dass ich in Ihm vor Gott bin.

In Röm. 6, 11 wird zum erstenmal im Römerbrief gesagt, dass der Gläubige „in Christo Jesu“ ist. Wir sind in dem auferstanden, himmlischen Menschen, in dem alle Ratschlüsse Gottes

gipfeln, und dürfen uns als in Ihm Gott lebend ansehen.

„Gott leben“ bedeutet, zum Wohlgefallen und zur Befriedigung Gottes leben, und das ist nur in Christo Jesu, dem Menschen Seines Wohlgefallens, möglich. Es ist ein ganz unbeschreibliches Vorrecht, dass wir mit dem auferstandenen Christus vereinigt sind und in Ihm Gott leben dürfen. Dem letzten Verse von Röm. 6 zufolge ist ewiges Leben „in Christo Jesu“, so dass uns dadurch ein Ausblick eröffnet wird, der sich geradewegs bis in die ewige Herrlichkeit erstreckt.

Wenn wir uns Gott lebend in Christo Jesu halten, haben wir Kraft, mit der Sünde zu brechen und uns ihr für tot zu halten. Das zeigt sich dann darin, dass wir die Sünde in unseren sterblichen Leibern nicht herrschen lassen (V. 12). Die Sünde herrscht in der Welt, doch wir müssen unsere Leiber außerhalb ihrer Herrschaft halten.

Wenn wir den Lüsten unsers Leibes gehorchen, dauert die Herrschaft der Sünde über uns an. Doch wenn wir den Herrn Jesus über alles lieben, halten wir uns der Sünde für tot, weil Er der Sünde gestorben ist.

Dann werden wir aufgefordert: „Stellet nicht eure Glieder der Sünde dar zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit, sondern stellet euch selbst Gott dar als Lebende aus den Toten, und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit“ (V. 13). Aus Liebe zu Christo sollen wir Gott unsere Glieder als Werkzeuge der Gerechtigkeit zur Verfügung stellen und damit Gerechtigkeit ausüben.

In Röm. 4, 24 hat Gott Christum unserer Gerechtigkeit wegen auferweckt, und in Röm. 5, 19 werden wir durch Seinen Gehorsam in die Stellung von Gerechten gesetzt, während wir hier mit unseren Gliedern Gerechtigkeit tun, also gerecht handeln sollen. Gott hat uns unter den Einfluss Christi gebracht, damit wir Gerechtigkeit von Ihm lernen sollen.

Unsere „Glieder“ deuten auf Einzelheiten hin. Der Mensch von Natur hat alle seine Glieder der Sünde zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit zur Verfügung gestellt. Das beweisen die alttestamentlichen Schriftstellen, die in Röm. 3, 10-18 angeführt werden. Der ganze Mensch steht unter der Herrschaft der Sünde. Zuerst wird der Verstand erwähnt: „Da ist keiner, der verständig sei; da ist keiner der Gott suche (V. 11). Der Verstand des Unbekehrten ist gänzlich von Gott abgewandt; er sucht alles ohne Gott zu verstehen. Das Schrifttum dieser Welt zeigt deutlich dass der Mensch seinen Verstand nicht dazu gebraucht, Gott zu suchen oder Ihn in Erkenntnis zu haben. Deshalb hat Gott den Menschen „dahingegeben in einem verworfenen Sinn (Röm. 1,28). Schrecklicher Zustand!

Weil der Mensch seinen Verstand nicht dazu gebraucht hat, über Gott und Sein Tun nachzusinnen, hat Gott ihn dahingegeben, und er muss über allerlei Schlechtigkeiten nachsinnen.

Doch der Gläubige hat Gott in Seiner Gnade in Christo erkannt, und er sollte seinen Verstand Gott zur Verfügung stellen. Anstatt ihn zum Sündigen zu gebrauchen, sollten wir ihn zum Erforschen der Schrift und zum Nachsinnen über die Gnade Gottes und die Herrlichkeit Christi gebrauchen.

Dann werden in Röm. 3, 13-18 sechs Glieder unseres Leibes erwähnt, und die ersten vier benutzen wir dazu, unsere Gedanken weiterzugeben; sie dienen zum Sprechen oder Singen. Von den Unbekehrten heißt es: „Ihr Schlund (d. i. ihre Kehle) ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handeln sie trüglich. Otterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit.“

Der Mensch von Natur gibt diese vier Glieder der Sünde hin. Doch der Gläubige sollte sie Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit darstellen. Er sollte mit seiner Kehle Gott Loblieder singen und mit seiner Zunge nicht trüglich vorgehen, sondern sich im Gebet an Gott wenden und die Wahrheit reden. Mit seinen Lippen sollte er Gutes sprechen, und nicht Otterngift, übles Nachreden oder unwahre Geschichten, die Schwierigkeiten verursachen, unter den Lippen haben, und anstatt seinen Mund voll Fluchens und Bitterkeit zu haben, sollte der Gläubige mit dem Munde bekennen, dass Jesus Herr ist (Röm. 10,9).

In Röm. 3, 15 werden weiter noch die Füße erwähnt. Es heißt von den Unbekehrten: „Ihre Füße sind schnell, Blut zu vergießen“.

Wie traurig, wenn die Füße einen Gläubigen an einen Ort tragen, wohin er nicht gehen sollte! Mit den Füßen wandeln wir auf der Erde, wir kommen mit ihnen den Wegen der Menschen nahe, die sehr befleckt sind und von denen es weiter heißt: „Verwüstung und Elend ist auf ihren Wegen, und den Weg des Friedens haben sie nicht erkannt“ (Röm. 3, 16, 17).

Welche Verwüstungen sind z. B. im Familienleben hervorgerufen worden, und welches Elend hat Zank und Streit verursacht! Doch der Gläubige sollte seine Füße Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit darstellen und an den Füßen beschuht sein mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens (Eph. 6,15). Gott nennt unsere Füße „lieblich“, wenn sie dem Dienste des Evangeliums zur Verfügung stehen, denn es heißt in Röm. 10, 15: „Wie lieblich sind die Füße derer, die das Evangelium des Friedens verkündigen.“ Gott wünscht, dass wir liebliche Füße haben.

Zuletzt werden noch in Röm. 3, 18 die Augen genannt; von den natürlichen Menschen wird gesagt: „Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.“

Was tun wir mit unseren Augen? Wir sollten sie nicht zur Befriedigung unserer Augenlust gebrauchen, sondern nur das anschauen und lesen, was uns Christo näherbringt. „Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein“ (Matth. 6, 22). Wenn unser Auge einfältig auf Christum und Seine Herrlichkeit gerichtet ist, dann ist bei uns alles klar und durchsichtig.

In Röm. 3, 10-18 werden also sieben Glieder des Menschen erwähnt, wenn wir den Verstand auch als ein solches bezeichnen dürfen, und es wird gezeigt, dass sie völlig unter der Herrschaft der Sünde stehen, während wir in Röm. 6, 13 aufgefordert werden, unsere Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit zur Verfügung zu stellen. Wir haben auch noch andere Glieder, z. B. die Ohren und die Hände, die wir ebenfalls nicht der Sünde, sondern Gott darstellen sollen. Doch in Röm. 3 werden diese sieben besonders betont.

Wir stellen aber unsere Glieder Gott nicht unter gesetzlichem Zwang dar, denn wir sind nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade (V. 14) und die Gnade gibt uns dafür köstliche Beweggründe.

Zuerst geben wir uns selbst Gott als Lebende aus den Toten hin, und dann stellen wir Gott unter dem kostbaren Einfluss Seiner Gnade unsere Glieder, die Werkzeuge all unseres Tuns, zur Verfügung. Es heißt normalerweise von den Gläubigen: „Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde waret, aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Bilde der Lehre, welchem ihr übergeben worden seid“ (V. 17).

Das Bild der Lehre ist die Taufe, die von Tod und Begräbnis redet dem ganzen Kreise gegenüber, worin die Sünde ihre Herrschaft ausübt. Wir sind der Taufe von Herzen gehorsam geworden, weil wir unter dem mächtigen Einfluss der Gnade stehen und weil die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen worden ist. Wenn wir von Herzen gehorsam sind, dann tun wir, was recht ist, und es gibt keine Wolke zwischen Gott und uns. Wie wir früher unsere Glieder zur Sklaverei der Unreinheit hingegeben haben, so stellen wir sie jetzt zur Sklaverei der Gerechtigkeit dar, und das führt zur Heiligkeit oder Heiligung (V. 19).

Wir schämen uns der Frucht, die wir hatten, als wir der Sünde dienten, „denn das Ende derselben ist der Tod“ (V. 21). Wenn wir uns über etwas in unserer Vergangenheit schämen, so zeigt das zum mindesten, dass wir nun davon befreit sind. Als Gläubige an den Herrn Jesum, die von Herzen gehorsam geworden sind, sind wir von der Sünde freigemacht und Gottes Sklaven geworden und haben unsere Frucht zur Heiligkeit, als das Ende aber ewiges Leben (V. 22).

Wer also der Sünde dient, erntet ihren Lohn, den Tod, wer aber der Gerechtigkeit dient, erntet Heiligkeit als Frucht und hat als das Ende ewiges Leben. „Gerechtigkeit“ besteht darin, dass wir die Sünde abweisen und den Willen Gottes tun, während „Heiligkeit“ innere Absonderung von allem Bösen, ja, geradezu Abscheu davor ist. Wenn wir in der Heiligkeit vollendet sind, weisen wir sogar böse Gedanken zurück, weil sie unseren Geist beflecken (2. Kor. 7, 1). Christus ist uns von Gott zur Weisheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit gemacht (1. Kor. 1, 30), damit wir das alles von Ihm lernen.

In Röm. 6 verwirklichen wir, dass wir mit Christo der Sünde gestorben sind. Wie Naaman aufgefordert wurde, sich siebenmal im Jordan zu baden (2. Kön. 5, 10), so müssen auch wir siebenmal, d. h. vollständig, gewissermaßen mit jedem von unseren sieben Gliedern einzeln, unseren Mittod mit Christo der Sünde gegenüber verwirklichen, denn wir kommen aus dem Tod hervor, wenn wir uns selbst Gott als Lebende aus den Toten darstellen.

Als Naaman diese Botschaft verkündigt wurde, wurde er zornig und zog im Grimm weg, und auch wir sträuben uns anfänglich sehr gegen die Verwirklichung des Todes Christi, besonders wenn wir wie Naaman groß und angesehen sind. Doch Naaman hatte gute Knechte oder Diener, denn sie redeten ihm zu, in den Jordan hinabzusteigen, was er dann auch tat und von seinem Aussatz geheilt wurde.

Wir alle brauchen in dieser Sache viel Hilfe, denn durch gute Vorsätze oder gesetzliche Anstrengungen werden wir von der Sünde nicht frei. Leute, die sich in dieser Weise abmühen, wissen nicht, was sie tun. Die größte Hilfe sind uns die Diener, die uns zureden, hinabzusteigen und im Lichte der Liebe Christi unseren Mittod mit Ihm der Sünde gegenüber zu verwirklichen.

Nur die Liebe Christi vermag uns dahin zu bringen, ins Selbstgericht zu gehen und uns der Sünde für tot zu halten. Christus allein kann uns Kraft geben, ganz entschieden mit der Sünde zu brechen und in denselben Umständen und Verhältnissen, worin wir früher in der Sünde gelebt haben, in Neuheit des Lebens zu wandeln, Gerechtigkeit zu tun und dadurch zu beweisen, dass wir gerecht sind, gleichwie Er gerecht ist (1. Joh. 3, 7).

In den beiden letzten Versen von Röm. 6 wird noch das ewige Leben erwähnt. Wir hatten den Tod verdient, doch die Gnade Gottes gibt uns ewiges Leben in Christo Jesu, unserem Herrn, und richtet unseren Blick auf dieses „Ende“ oder Endziel, dem Gott uns durch die Wüste, wo wir uns der Sünde für tot halten und in Neuheit des Lebens wandeln sollen, entgegengeführt. Der Herr sagt in Joh 6, 47: „Wer an mich glaubt, hat das ewige Leben“, das Er aber mit unserer Auferweckung (Joh. 6, 40; Joh. 5,24 - 25) und mit dem Himmlischen (Joh. 3.12-16), also mit Kanaan verbindet.

Gott hat uns das ewige Leben nicht in den Umständen der Wüste gegeben, sondern es ist Gottes Gnadengabe in Christo Jesu, in dem nicht Mann und Weib (Gal 3, 28), sondern eine neue Schöpfung ist (2. Kor. 5, 17). Als mit Christo gestorben und auferweckt, gehen wir in der Kraft des Geistes in jenes herrliche Land ein, wo Christus, das ewige Leben, unser Leben und wo Er „alles und in allen ist“, wie es in Kol. 3 heißt.

Gott stellt das ewige Leben, das Er uns in Christo Jesu gegeben hat, als das Ende oder Ziel vor unsere Blicke, um uns anzuspornen, es zu ergreifen (1. Tim. 6, 12) und darin einzugehen. Wenn wir nur durch den äußeren Wüstencharakter der Gemeinschaft angezogen werden, dann werden wir, wenn wir treu sind, auf die Dauer enttäuscht werden, weil wir allerlei Mängel und Gebrechen finden, und wir stehen dann in Gefahr, unsere Treue aufzugeben und in laodizäische Gleichgültigkeit und Anmaßung zu verfallen.

Deshalb ist es bezeichnend, dass der Kolosserbrief in Laodizäa gelesen werden sollte (Kol. 4, 16), denn wenn die Laodizäer das, was droben ist, gesucht hätten, (Kol. 3, 1), wären sie vor dem lauen Zustand bewahrt geblieben, in den sie später geraten waren (Offb. 3, 14 - 22).

Wenn wir aber durch das Ziel Gottes, das ewige Leben in Christi Jesu, angezogen werden, sind wir allen Schwierigkeiten der Wüste und der Macht des Todes überlegen und gehen oft im Geist in jenes Land jenseits des Todes (Jordans) ein, wo wir uns des ewigen Lebens, das den Tod nicht berühren kann, erfreuen und wo wir völlig und ewiglich befriedigt sind.