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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

Ein Überblick über das 1. Buch Mose

Hauptgedanken aus Wortbetrachtungen mit Charles Andrew Coates

Kapitel 20 und 21

Wir sahen in Kapitel 18 und 19 den Gegensatz zwischen den Vorrechten des Glaubens, die der wahrhaft Beschnittene genießt, und dem Verlust derselben (infolge des Unglaubens), den sogar ein Gerechter erleidet, be

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Römerbrief

 

III. Befreiung vom Gesetz - Römer 7

 

In Römer 6 wird gezeigt, dass der Gläubige durch die Taufe auf Christi Tod von dem Schauplatz, wo die Sünde herrscht, getrennt ist, wie Israel, als es die Wüste betrat, durch das Rote Meer von Ägypten getrennt war. Deshalb wird der Gläubige in Römer 6, aufgefordert, im Licht der Auferstehung Christi in Neuheit des Lebens zu wandeln, sich der Sünde für gestorben zu halten und dabei die Zustände, worin das ewige Leben besteht, als das Endziel seiner Wüstenreise vor sich zu haben, wie Israel in 2. Mose 15, 17 schon das Land Kanaan vor sich hatte. Röm. 6 entspricht dem ersten Abschnitt der Wüstenwanderung vom Roten Meer bis zum Berg Sinai.

Am Berg Sinai gab Gott dem Volk Israel das Gesetz; und das war ein sehr wichtiges Ereignis, weil das Gesetz dem Menschen zeigt, wie gerecht und heilig Gott ist und was Er von dem Menschen fordert. Doch je deutlicher diese göttliche Forderung empfunden wurde, desto mehr fühlte auch der Mensch seine Unfähigkeit, ihr zu entsprechen. Israel hielt das Gesetz nicht, und Paulus schreibt in Röm. 3, 20: „Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Das Gesetz offenbarte, wie sündig der Mensch ist. Das trat in dem zweiten Teil der Wüstenwanderung völlig ans Licht, der vom Berg Sinai bis zur Aufrichtung der ehernen Schlange in 4. Mose 21 reicht. Römer 7 entspricht diesem zweiten Abschnitt der Wüstenreise bei uns, während Römer 8 das Gegenbild von dem dritten, dem geistlichen Teil der Wüstenwanderung ist, der sich von der ehernen Schlange bis zum Jordan erstreckt.

Römer 7 macht uns mit der Stellung des Gläubigen dem Gesetz gegenüber bekannt. Paulus redet „zu denen, die Gesetz kennen“ und stellt den Grundsatz auf, „dass das Gesetz über den Menschen herrscht, solange er lebt“(V. 1).

Um zu zeigen, dass zwischen dem Gesetz und denen, die ihm unterstellt sind, ein ganz bestimmtes Band besteht, das Gott hervorgebracht hat und das nur der Tod auflösen kann, gebraucht der Apostel das Bild von einem verheirateten Weib. Die Beziehungen zwischen dem Gesetz und denen, die unter dem Gesetz, waren keine freiwilligen, die nach Belieben eingehalten oder auch gelöst werden konnten.

Gott hatte vorgeschlagen, unter gewissen Bedingungen in Bundesbeziehungen zu Seinem Volk zu treten, und sie hatten den Vorschlag angenommen; sie hatten diese Beziehungen ausdrücklich anerkannt, und deshalb war ein Band gebildet worden, das nur der Tod lösen konnte. In Röm. 7 wird nun die große Wahrheit gelehrt, dass für diejenigen, die unter Gesetz stehen, der Tod eingetreten und das Band somit gelöst ist.

Nicht das Gesetz, sondern wir sind dem Gesetz gestorben. Das ist vielleicht für viele schwerer zu verstehen, als „der Sünde gestorben“ zu sein (Röm. 6), weil es sich um Satzungen handelt, die Gott Selbst eingeführt und angeordnet hat. Doch wir sind „dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus“ (V. 4).

Christus kam unter das Gesetz, um die unter Gesetz loszukaufen; das Gesetz aber hat keine Anwendung auf einen toten Menschen. Als der tote Leib Christi an dem Kreuz hing, hatte das Gesetz keine Anwendung mehr auf Ihn; Er war aus dem Kreise seiner Zuständigkeit herausgegangen. Wir sind „dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus“; wir haben es jetzt nicht mehr mit einem Christus unter Gesetz zu tun, sondern mit einem Christus, der dem Gesetz gestorben ist.

Doch nun sind wir nicht unabhängig oder gesetzlos zurückgeblieben, sondern alles das ist geschehen, „um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, auf dass wir Gott Frucht brächten“ (V. 4). Es besteht immer noch ein göttliches Band, doch nicht mit dem Gesetz, sondern mit einem auferstandenen Christus. Welch ein lieblicher Gedanke ist das für uns! Wir haben ein göttliches Band, eine göttliche Beziehung zu einem auferstandenen und lebendigen Christus!

Für uns handelt es sich nicht mehr um ein Gesetzbuch voller Vorschriften, sondern um eine lebendige Person!

„Das Neue des Geistes“ (V. 6) scheint zu besagen, dass diese Erkenntnis dem Gläubigen einen neuen Geist geben soll „Das Alte des Buchstabens“ besagt, man hat eine Feststellung dessen, was man tun oder sein sollte, doch das verleiht uns keine Quelle der Kraft, damit steht kein Lebensodem in Verbindung.

Welch ein Unterschied, wenn man findet, man hat ein Band mit einer Person, die allezeit bemüht ist uns nahezubringen, wie Sie uns liebt, sowie uns Ihre Nähe und Unterstützung zuteil werden zu lassen!

Ruth bei Noomi erläutert Röm. 6. Jedoch Ruth bei Boas Röm. 7. Es gab noch einen näheren Blutsverwandten als Boas, der wohl das Erbe lösen wollte, aber nicht bereit war, Ruth seine Liebe zuzuwenden.

Wir bedürfen eines Boas, eines Gewaltigen an Reichtum, der bereit ist, uns Sich Selbst und alle Seine Hilfsquellen zur Verfügung zu stellen, weil Er uns liebt.

Christus, der Auferstandene, ist der wahre Boas. Er ist kein Gatte wie das Gesetz, der nur Anforderungen stellt, aber uns nicht beisteht, sondern Seine Liebe findet Freude daran, uns alles zu sein, was Seine Nähe und Unterstützung anlangt, so dass wir Gott Frucht bringen können (V. 4). Dadurch kommt die „Neuheit des Geistes“ in uns zustande.

Wir sind „dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus“. Gott hat alle, die unter dem Gesetz waren, vom Gesetz losgemacht, und alle, die an den Herrn Jesum Christum glauben, haben das Recht, dies als ihre Stellung dem Gesetz gegenüber anzuerkennen.

Wir sollten nun eines anderen sein, der aus den Toten auferweckt worden ist. Wir sollten von einer lebendigen Person geleitet und unterstützt werden, und alle Frucht für Gott ist die Folge davon. Wie gesegnet zu wissen, dass wir keine Beziehung zu dem haben, was wohl Ansprüche und Forderungen stellt, uns aber keine Unterstützung gewährt. Wir stehen jetzt in Beziehung zu Christo, dem Auferstandenen und Lebendigen, der Freude daran empfindet, uns wissen zu lassen, wie Er uns liebt und für uns sorgt, und der uns all die Unterstützung zuteil werden lassen kann, deren unsere Schwachheit bedarf, damit wir auch wirklich Gott Frucht bringen.

Der bloße Buchstabe gibt keine Kraft. Aus der Schrift können wir wohl kennenlernen, was ein Christ sein sollte, doch die Kraft es zu sein, beruht darauf, einem anderen anzugehören. Dieses wunderbare geistliche Band mit Christo befähigt uns, „in Neuheit des Geistes“ zu dienen (V. 6). Wir mögen wohl in einer gesetzlichen Weise äußerlich tadellos sein, doch die wahre Quelle der Kraft und Freiheit beim Dienste Gottes liegt in dem Bewusstsein, dass wir in Beziehung zu Dem stehen, der uns liebt und Freude daran hat, uns Geleit und Beistand zu sein.

Diese .kostbare Wahrheit wird festgestellt ehe die Übungen im einzelnen angeführt werden, durch die wir erfahrungsgemäß unsere eigene Schwachheit kennenlernen. Wenn, wie so oft, von Röm. 7 die Rede ist, so meint man gewöhnlich den letzten Teil des Kapitels; doch Gott hat uns zu Beginn desselben das gegeben, was wirklich die gegenwärtige Wahrheit ausmacht (2. Petr. 1, 12).

Er hat uns gesagt, dass wir dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, damit wir eines anderen werden. Wir sind in Beziehung zu Dem gekommen, der Sich in Liebe verpfändet hat, uns beizustehen. Gegenwärtig handelt es sich nicht um eine Forderung, der zu entsprechen keine Kraft da ist, sondern um eine Person, in der all der Reichtum göttlicher Gnade verkörpert ist, und die uns in allem, was unsere Schwachheit an Unterstützung erfordert, völlig beisteht.!

Unsere Quellen der Unterstützung und Stärke genießen wir in der bewussten Nähe Dessen, der uns liebt. Wie sehr würde alle Härte und Gesetzlichkeit von unserem Geist weichen, wenn wir uns mehr in der Nähe Christi aufhielten! Welch eine Gewissheit würden unsere Herzen davon haben, dass wir in allem auf Ihn rechnen könnten! Jeder wahre Gatte liebt es, sein Weib zu unterstützen und ihr in allem, was sie bedarf, beizustehen; doch er liebt es auch, ihr das zuteil werden zu lassen, was seinem Herzen noch näher liegt als sogar seine Unterstützung, nämlich seine persönliche Zuneigung und Nähe.

Welch ein neuer Geist wird in dem gestaltet, der Christi Nähe genießt! Je mehr er sich seiner Schwachheit bewusst ist, desto mehr klammert er sich an Ihn und rechnet er auf Ihn. Je schwieriger die Umstände sind, durch die man zu gehen hat, desto mehr schätzt man in ihnen Seine Nähe, und wessen Nähe kann mit der Nähe Christi verglichen werden? Das Bewusstsein hiervon macht unseren Geist frei von aller Gesetzlichkeit. Wir leben in einem ganz anderen Kreise.

Bei dieser Gelegenheit kommen wir zum erstenmal in diesem Brief zur Liebe Christi.

In Röm. 3-5 lernen wir die Glückseligkeit davon kennen, dass Christus der Gnadenstuhl und der Mittler ist, und durch Seinen Tod ist uns die Liebe Gottes kundgetan worden - das alles liegt auf Seiten Gottes; doch wenn, wie hier, Christus als Gatte vor uns tritt, so bringt Ihn das auf unsere Seite, und wir lernen erfahrungsmäßig die persönliche Liebe Christi kennen. Die Liebe Gottes und die Liebe Christi sind das denkbar Tiefste und Gesegnetste, und - Gott sei Dank - das ist unser ewiges Teil.

In welch ein gepriesenes, gekanntes Liebesband sind wir gekommen! Paulus konnte davon reden, von der Liebe Christi gedrängt zu werden oder festgehalten, ergriffen zu sein (2. Kor. 5, 14). Johannes erzählt uns, dass er in dem Schoße Jesu lag und sich an die Brust Jesu lehnte (Joh. 13, 23 u. 25). Möchten unsere Herzen erfassen, dass Er unser Vertrauen liebt und uns Sein Vertrauen sowie auch die nie versagende Unterstützung in jeder Schwachheit zuteil werden lassen kann!

Auf diese Weise möchte die göttliche Liebe unsere Herzen nicht nur der Form nach vom Gesetz befreien, sondern auch von jeder Art jener Gesetzlichkeit, die von Natur aus so sehr in des Menschen Herz und Sinn Wurzel fasst.

Wir haben unsere eigene Schwachheit kennenzulernen, und ebenso, wie das Gesetz auf uns im Fleische wirkt, dass es die „Leidenschaften der Sünden“ (V. 5) zur Tätigkeit erweckt, die uns sonst verborgen geblieben wären. Doch wie köstlich ist es, den Gedanken der göttlichen Gnade fest zu ergreifen, dass wir dem Gesetz getötet sind durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden und in der Liebe und dem Beistand Christi die volle Unterstützung auch finden, deren unsere Schwachheit bedarf; statt dass die Leidenschaften der Sünden in unseren Gliedern wirken und dem Tod Frucht bringen, sind wir so imstande, Gott Frucht zu bringen.

„Denn als wir im Fleische waren“ (V. 5). Dieser Ausdruck ist wohl zu erwägen, denn er deutet an, dass Gläubige, da sie den Geist haben und von Gott belehrt sind, gelernt haben, dass sie nun nicht länger mehr “im Fleische“ sind. Das wird als bekannt vorausgesetzt: es wird keine Erklärung gegeben, wie sie dahin gekommen sind, denn die Schrift betrachtet es als eine ausgemachte Sache, dass Gläubige, die den Geist haben, von Gott darüber belehrt sind, dass sie nicht länger mehr „im Fleische“ sind.

Das tritt uns in den Aussprüchen der Schrift in ganz bestimmter Form entgegen, und das ist uns geistlich eine große Hilfe; doch im Bewusstsein unserer Seele kennen wir es in Wirklichkeit durch das Werk Gottes. Welch eine veränderte Auffassung über das, worin wir sind, begreift diese einfache Bemerkung in sich, die, man kann sagen, ganz beiläufig eingeflochten wird, und zwar als eine Aussage, von der der Apostel erwartet, dass sie von denen, an die er sich wendet, wohl verstanden wird!

Es ist wichtig zu erkennen, dass angenommen wird, gewisse Dinge sind von Christen einfach deshalb wahr, weil sie Gegenstände der göttliche» Berufung und Belehrung geworden sind und den Geist haben. Es wird uns z. B. gesagt, dass wir den alten Menschen auszuziehen und den neuen anzuziehen haben; es wird vielmehr angenommen, dass Christen das getan haben. So sagt auch Paulus hier „als wir im Fleische waren“. Er setzt es als bekannt voraus, dass wir nicht länger mehr darin sind.

Es ist in der Tat höchst gesegnet, von Gott belehrt, imstande zu sein, den Boden des Christentums einzunehmen und das, was unserem früheren Zustande angehörte, nicht anzuerkennen und darauf als auf etwas zurückzublicken, was unserer vergangenen Geschichte angehört, woraus wir aber nun durch unendliche Gnade herausgenommen worden sind.

„Denn als wir im Fleische waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die. durch das Gesetz waren, in unseren Gliedern, um dem Tode Frucht zu bringen“ (V. 5).

Das Fleisch hat die Neigung, Unrecht zu tun; das Gesetz erzeugt dies nicht erst. Der kranke, verderbte Zustand ist vorhanden; doch das Verbot entfacht die Neigung zur Leidenschaft. Die Erkenntnis, dass etwas verboten ist, verstärkt das Verlangen danach und entfacht im Fleische die Gier, danach zu trachten.

Nichts könnte klarer zeigen, was das Fleisch ist. Ein göttliches Verbot verleiht einem Hang zum Bösen nur Kraft, so dass er zur unbezähmbaren Leidenschaft wird. Die Frucht solcher Wirksamkeit ist zum Tode. Wenn keine Frucht für Gott da ist, so wird, solange wir „im Fleische“ sind, Frucht für den Tod vorhanden sein und nichts anderes.

Das Gesetz ist keine Sünde; es lässt uns die Sünde erkennen. Der Mensch würde kein Bedenken gegen eine Lust oder ein Verlangen haben, wenn das Gesetz nicht sagte: „Du sollst nicht begehren“ (V. 7). Niemand würde ob eines Verlangens ein Gewissen haben. Er könnte ein Gewissen darüber haben, etwas zu nehmen, was seinem Nächsten gehört, aber doch nicht darüber, dass er ein Verlangen danach hat; doch das Gesetz sagt: „Du sollst nicht begehren.“

Jede Lust ist ein Verlangen nach etwas, was dein Nächster hat, und worauf du keinen Anspruch hast. Das gilt nicht vom Gebiet der geistlichen Dinge, denn was dein Nächster auch haben mag, ist auch dir zu haben erlaubt; die Gnade hat es auch dir zu eigen gemacht, und wenn du es besitzt, beraubst du ihn nicht, sondern bereicherst ihn - aber so ist es im Gebiet des Geistes, nicht „im Fleische.

Die Sünde war sogar in dem „guten“ Menschen Saulus von Tarsus vorhanden, doch sie ließ ihre Kraft nicht fühlbar werden, bis ihr das Gebot einen Anlass zum Angriff
gab. Ein Mensch kann sich ein Gewissen aus dem, was er gesprochen oder getan, machen; doch von Natur käme ihm nie der Gedanke, dass ein Verlangen Sünde wäre. Deshalb sagt der Apostel: „Ohne Gesetz ist die Sünde tot. Ich aber lebte einst ohne Gesetz“ (V. 8); da war er noch ein sehr selbstgefälliger Mann, er hatte nicht den geringsten Begriff davon, dass etwas verkehrt um ihn stand, und äußerlich war das auch nicht der Fall. Doch als das Gesetz kam und sprach: „Du sollst nicht begehren“, wurde all der Selbstgefälligkeit des Saulus der Todesstoß versetzt. Er wurde sich eines Grundsatzes in sich bewusst, der begehrte und begehren wollte; er sagt, das „bewirkte jede Lust in mir“ (V. 8). Also nicht etwa jede unrechte Tat, sondern allerlei Verlangen nach dem, wozu er kein Recht hatte, war die Folge. Welch eine Entdeckung war das für einen so vortrefflichen Menschen wie Saulus!

Man darf wohl behaupten, dass es solche gibt, die wie Saulus sich eines sündigen Triebes noch nicht bewusst sind. Doch sowie das Gebot: „Du sollst nicht begehren“, in Kraft über ihn kam, brach die Sünde zum Leben hervor. Er empfand alle ihre Kraft in seiner Seele, und er starb.

Die Worte „ich aber starb“ zeigen, dass er hier vom Tode in sittlicher Hinsicht redet: das besagt, sein selbstgefälliges Leben nahm ein Ende, das Gebot erwies sich ihm zum Tode. „Die Sünde . . . täuschte mich“ (V. 11) ist ein bemerkenswerter Ausdruck, der zu sagen scheint, die Sünde bediente sich einer unerwarteten Waffe und versetzte ihm den Todesstoß. Er hatte sich zweifellos gleich denen, an die er sich in Röm. 2 wendet, des Gesetzes gerühmt und darauf gestützt, doch gerade durch das Gesetz tötete ihn die Sünde.

Am Gesetz selbst ist nichts Unrechtes; es ist „heilig, gerecht und gut“ (V. 12). Nicht das Gesetz bewirkte den Tod, sondern die Sünde, und zwar durch das Gesetz; (V. 13). Die Sünde war vorhanden, doch sie schien keine Sünde zu sein, bis das Gebot kam; dann erst wurde sie der Seele überaus sündig. Erst wenn ich sehe, wie überaus sündig die Sünde ist, hasse ich sie.

Ich sehe, wie sie geradezu allem entgegen ist, was Gott mit mir vorhat. Das setzt ein Erwachen göttlicher Empfindungen in der Seele voraus, also dass der Betreffende „von neuem geboren“ ist (Joh. 3, 3).

Wenn Paulus in Vers 14 sagt: „Wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist“, so meint er mit dem „wir“ die Christen. Wir Christen erkennen, dass das Gesetz geistlich ist; das muss so sein, weil es von Gott ist. Es muss fordern, dass ein Mensch in seinem Geist und seinem Herzen recht steht, nicht bloß in seinem äußeren Betragen. Das Gesetz wendet sich an die Quelle, den Ursprung des sittlichen Wesens des Menschen, an sein Innerstes. Wir Christen wissen, dass es so ist, weil wir Gott kennen.

Doch dann muss die Seele in ihren Übungen Gott gegenüber bekennen: „Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft“ (V. 11). Man findet, dass man alles Recht oder die Macht, frei zu sein, verloren hat; die Sünde hält einen, wie in Gefangenschaft verkauft, fest.

Doch nun bereitet einem nicht einmal mehr sein eigenes Tun Wohlgefallen oder Befriedigung, obwohl man sich eines Willens, das Rechte und Gute zu tun, bewusst ist. Wenn aber ein Wille vorhanden ist, das Gott Wohlgefällige zu tun, so zeigt das, dass ein sehr wichtiger Wandel und eine Wendung zum Rechten stattgefunden hat, ein Beweis dafür, dass der Mensch von neuem geboren ist.

Wenn sein Wille im Einklange mit dem steht, was Gott wohlgefällt, so ist der Mensch sittlich verändert, er ist, wie Paulus sagen würde, „abgewaschen“ (1. Kor. 6, 11). Er ist einem Verfahren sittlicher Reinigung unterworfen worden, so dass er nun alles Gott gemäß beurteilt. Er stimmt dem Gesetz bei, dass es recht ist.

Wenn jemand die Sünde in ihrem inneren Wirken beim Begehren erkennt und sie hasst und wahrhaftig davon frei zu werden wünscht sowie dem Rechten beipflichtet, so ist klar, dass ein neues „Ich“ ins Dasein gekommen ist. Ein solcher findet keine Freude oder dauernde Befriedigung am Bösen, obschon das Böse bei ihm noch wirksam ist. Eine geübte Seele lernt dann, wenn sie dahin gekommen, zwischen sich selbst und der in ihr wohnenden Sünde zu unterscheiden (V. 17).

Man findet, dass, obwohl man einen Willen hat, das Rechte zu tun, keine Kraft dazu vorhanden ist. Alles das wird nur durch Erfahrung gelernt; es ist eine sorgsame Auseinan­dersetzung der inneren Geschichte einer Seele, die angesichts des göttlichen Lichtes geübt ist. Es wird von einem beschrieben, der es durchgemacht hat, aber nicht daran denkt, uns darin zu lassen. Weder Christum noch den Geist hat die Seele von Vers 7- 24 vor sich.

Der Apostel beschreibt die Straße, die er gezogen ist, eine sehr rauhe Straße, doch er hört nicht auf, bis er uns gezeigt hat, wo sie endet, nämlich auf einem großen und reich ausge­statteten Platze.

Es ist hier von verschiedenen Gesetzen die Rede. Zuerst sagt der Apostel: „Also finde ich das Gesetz, dass bei mir, der ich das Rechte ausüben will, das Böse vorhanden ist“ (V. 21). Er findet das Böse bei sich nicht nur etwa gelegentlich oder dann und wann, sondern als einen feststehenden Grundsatz. Dann sagt er: „Ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen.“ Danach gibt es einen feststehenden Grundsatz, der von Gott ist, nämlich alles das, worin Sein Wohlgefallen am Menschen zum Ausdruck kommt — das ist keinem Wandel unterworfen. Er fand im Gesetz seinen Ausdruck, und der Christ weiß, wie vollkommen es in Christo dargestellt wurde. Man hat nun Wonne daran, „nach dem inneren Menschen“ und in Lauterkeit vor Gott ein Bewusstsein davon, dass man dem wahren Innern seines sittlichen Seins nach an dem, was von Gott ist, Wohlgefallen findet.

Doch dann sieht der Apostel ein anderes Gesetz in seinen Gliedern, das Gesetz der Sünde ist da (V. 23). Die Glieder haben es mit der Ausführung zu tun, sie sind die wirklich tätigen Teile der Menschen -, und er findet, dass dem Auge, dem Ohr, der Zunge, den Händen und Füßen, kurz allen seinen Gliedern, ein feststehender Grundsatz innewohnt, der in Tätigkeit tritt - ein Grundsatz der Gott entgegen und stärker ist als das Gesetz des Sinnes. Die Glieder umfassen hier den ganzen Menschen, abgesehen von seinem Sinne und seinem inneren Menschen.

Was seinen Sinn betrifft, so waltet da ein feststehender Grundsatz, den er „das Gesetz meines Sinnes“ nennt. Wie oft sehen wir solche, die sich ihrer großen Schwachheit und Fehler bewusst sind, sich aber nicht von dem, was von Gott ist, abwenden können! Sie nutzen die Gelegenheiten, mit dem, was geistlich ist, in Berührung zu bleiben, sie schätzen die Versammlungen und den Dienst, lesen die Schriften und beten und verharren beständig und unbeirrt darin. Alles das ist ein Beweis, dass das, was in Beziehung zu Gott steht, ihrem Sinn. ein Gesetz - ein feststehender Grundsatz - geworden ist.

Diesen feststehenden Grundsatz nehmen wir bei allen, die Gott fürchten, wahr, und es ist gut, das Volk Gottes im Zusammenhang mit diesem Gesetz zu betrachten. Ich erkenne das zuerst als das „Gesetz meines Sinnes“, und dann kann ich es als das Gesetz der Sinne anderer erkennen. Ich habe kein rechtes oder göttliches Urteil über einen, der Gott fürchtet, bis ich ihn mit dem Gesetz seines Sinnes als eins betrachte, und nicht mit dem Gesetz der Sünde in seinen Gliedern. Dann erst fange ich an, seine Übungen zu verstehen - also das, was er als Gegenstand der Wirksamkeit Gottes ist.

Der feststehende Grundsatz der Sünde erstreckt sich auf die Glieder, doch es gefällt Gott, uns von dessen Macht zu befreien. Bis man Seine Befreiung kennenlernt, ist man in Gefangenschaft. Man erleidet immer durch das Gesetz in den Gliedern, das dem Gesetz des Sinnes widerstreitet, eine Niederlage, und das führt zu dem kläglichen Schrei: „Ich elender Mensch! wer wird mich befreien aus diesem Leibe des Todes?“ Der Wille ist das rechte; nach dem inneren Menschen hat man Wohlgefallen an dem, was von Gott ist; der feststehende Grundsatz des Sinnes ist auf Gerechtigkeit und Heiligkeit gerichtet; und doch ist man ein elender Mensch, weil man keine Kraft hat, man ist eingekerkert in einem „Leibe des Todes“.

Es heißt hier nicht: Wer wird mich rechtfertigen oder auch versöhnen?, sondern: Wer wird mich befreien?

Unsere Befreiung muss ebenso gänzlich von Gott kommen wie unsere Rechtfertigung oder unsere Versöhnung. Der Gläubige muss aufgrund einer göttlichen Befreiung aus dem Fleische in den Geist hinübergehen. Er hat zu lernen, dass er einer ganz neuen Menschenordnung angehört, dass er in Christo Jesu ist, wo ein ganz neues Gesetz zu wirken beginnt.

Das Gesetz der Sünde und des Todes ist im Fleische gegenwärtig, doch der befreite Mensch ist davon losgemacht. Paulus konnte mit Bestimmtheit sagen: „Das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu“ hatte ihn „freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“, (Röm. 8, 2). Wenn ein Mensch freigemacht ist, so beweist das, dass es eine göttliche Befreiung aus der Gefangenschaft des Gesetzes der Sünde gibt, und ein jeder von uns sollte geübt werden, auch freigesetzt zu sein.

In Röm. 5 ist davon die Rede, wie der Heilige Geist die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgießt, doch zu Beginn von Röm. 8 ist Er der Geist des Lebens in einer neuen Menschenordnung. In Röm. 6 lernt sich der Gläubige Gott in Christo Jesu lebend erachten, doch nun wird gesagt, dass er den Geist des Lebens in Christo Jesu hat.

Es ist etwas Wunderbares zu wissen, was es ist, „in Christo Jesu“ zu sein. Am Ende von Röm. 6 heißt es, dass Gottes Gnadengabe darin besteht, uns ewiges Leben in Christo Jesu zu geben. Hier ist es nicht ewiges Leben, sondern Leben in Christo Jesu, und zwar als befreiende Kraft. Das mächtigste Gesetz von allem ist „das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu“.

Das ist kein verbessertes, berichtigtes oder geheiligtes Fleisch, sondern eine vom Geist herrührende Kraft, um den Gläubigen freizumachen, in seinem verantwortlichen Leben hienieden zum Wohlgefallen Gottes zu sein. Hier tritt uns kein auferstandenes oder himmlisches Leben entgegen, sondern ein Leben hienieden, in dem die gerechte Forderung des Gesetzes erfüllt ist.

Wenn wir unsere eigene Hilflosigkeit wirklich gelernt haben und nach einer göttlichen Hand ausschauen, die uns der Gefangenschaft gänzlich entheben soll, so wird uns sofort eine Antwort; der holdselige Gott wird dann durch Jesum Christum, unseren Herrn, in Seiner befreienden Gnade kennengelernt, und die Seele bricht in Danksagung aus (V. 25).

Das Fleisch würde der Sünde Gesetz noch weiter dienen, was zeigt, dass keinerlei Veränderung im Fleische stattgefunden hat; doch der befreite Gläubige dient nun mit seinem Sinne Gottes Gesetz und hat Kraft, in Freiheit in dem zu wandeln, was Gott wohlgefällt.

Ein anderer feststehender Grundsatz ist nun wirksam, und das ist „das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu. Gott hat diesen neuen feststehenden Grundsatz in Seiner Gnade „durch Jesum Christum, unseren Herrn“, eingeführt (V. 25); er kommt uns durch den Dienst dieser gepriesenen Person zugute und macht einen wesentlichen Teil der wahren Gnade Gottes aus, worin wir stehen (1. Petr. 5, 12). Die Gnade, deren Mittler und Verwalter Jesus Christus, unser Herr, ist, ist so groß, dass sie allen unseren Bedürfnissen in göttlicher Weise gerecht wird; sie begreift all die befreiende Macht in sich, die dem Heiligen Geiste als dem „Geiste des Lebens in Christo Jesu“ innewohnt.

Jeder Gläubige kann sich die Gnade Gottes in dieser Hinsicht zunutze machen und die Be­freiung kennenlernen, die uns diese Gnade ausersehen hat. Nur so kann Gott verherrlicht und der Gläubige freigemacht werden, um dem Geiste gemäß in Freiheit vor Gott zu sein.

Das Bewusstsein, dass wir elende Menschen sind, dient weder zu unserem Tröste noch zum Wohlgefallen Gottes. Deshalb ermutigt uns Gott, zur Freiheit zu gelangen.

Nachdem wir unsere eigene Kraftlosigkeit in Röm. 7 kennengelernt haben, dürfen wir uns Gott lebend in Christo Jesu, in dem Menschen Seines Wohlgefallens erachten, und der Geist gibt uns Kraft, um hienieden Christo Jesu gemäß zu leben.