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MALEACHI 3.16

Die Reihenfolge der Opfer

Es ist vor allen Dingen nötig, die Ordnung der Opfer zu beachten. Die Reihenfolge ihrer Anwendung steht durchweg im Gegensatz zu der ihrer Einsetzung. Es gibt vier grosse Klassen von Opfern: 1. Das Brandopfer, 2. Das Speisopfer, 3. Das Dank- oder Friedenopfer, 4. Das Opfer für d

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Römerbrief

IV.  Die Kraft und Sicherheit des Gläubigen - Römer 8

 

In Römer 8 lernen wir den Heiligen Geist als die Kraft kennen, die uns vom Fleische befreit und uns befähigt, unserer Verantwortlichkeit zu entsprechen. Am Schluss des Kapitels ist von der Liebe Gottes die Rede, von der uns nichts zu scheiden vermag. Unsere Kraft ist also im Geiste Gottes und unsere Sicherheit in der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist.

 

1.  Der Geist des Lebens

(Römer 8, 1 - 4)

 

In Röm. 6 und 7 hat Paulus alle Einwendungen, die gegen diejenigen erhoben werden können, die durch Christi Blut gerechtfertigt sind, widerlegt, so dass er in Röm. 8, 1 mit Recht schreiben kann: „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christo Jesu sind“.

Gott sieht alle wahren Gläubigen in Christo Jesu, in dem sie außerhalb des Bereiches der Verdammnis sind. Es heißt in 1. Kor. 1,30: „Aus ihm (Gott) aber seid ihr in Christo Jesu.“

In Röm. 6, 11 werden wir aufgefordert, uns der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christo Jesu zu betrachten. Doch ehe wir diesen neuen Zustand einnehmen, müssen wir erfahren, dass wir elende Menschen sind, die einen Befreier vom alten Zustand nötig haben, und dass dieser Befreier der Herr Jesus, der „aus den Toten Auferweckte“ ist, mit dem wir durch den Geist in inniger Liebe, im Sinne der Ehe verbunden sind (Röm. 7, 2 - 4,25). Wenn wir Ihn lieben und wertschätzen, gehen wir durch den Geist des Lebens in die Befreiung von Sünde und Tod ein (V. 2). Die befreiende Kraft von dem Gesetz der Sünde und des Todes liegt in dem Gesetz, nach dem der Geist des Lebens in Christo Jesu wirkt. Wie Adam durch den Odem des Lebens, den Gott in seine Nase blies, Kraft bekam, auf natürliche Weise zu leben, so gibt der Geist des Lebens uns Kraft, in unserem verantwortlichen Leben Christo Jesu gemäß im Blick auf das himmlische Land zu leben und frei von Sünde und Tod zu sein.

Weil das Gesetz „durch das Fleisch kraftlos war“ und nichts für uns tun konnte, hat Gott in Seiner Liebe eingegriffen und Seinen eigenen Sohn in Gleichheit des Fleisches der Sünde - das Gegenbild der ehernen Schlange - gesandt und die Sünde im Fleische verurteilt (V. 3). Wie Israel in seinem letzten Wüstenjahre unter den Schmerzen der Bisse der feurigen Schlangen zur ehernen Schlange aufblicken musste, um für Kanaan am Leben zu bleiben (4. Mose 21), so dürfen wir zu Christo am Kreuze aufblicken und die Sünde im Fleische, diesen schrecklichen Zustand, worin Satan, „die alte Schlange“, uns gebracht hat, auf Ihn gelegt und verurteilt sehen.

Gott lag unsere Befreiung so sehr am Herzen, dass Er Seinen eigenen Sohn sandte und das Verdammungsurteil über unseren sündigen Zustand über Ihn brachte, der persönlich ganz frei davon war. Rührt das nicht unsere Herzen? Wenn wir das Böse, das in unserem Herzen ist (Mark. 7, 21. 22), entdecken, dann dürfen wir es in Christo am Kreuze verurteilt sehen.

Je mehr wir das verstehen, desto mehr lieben wir Gott und verurteilen die Sünde in unserem Fleische. Auf diese Weise ist dann die gerechte Forderung des Gesetzes, die darin besteht, Gott von ganzem Herzen zu lieben, in uns erfüllt, und wir wandeln nicht mehr nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste (V. 4).

Der Geist steht in völligem Einklange mit dem, was Gott am Kreuze getan hat. Er hält die Verurteilung der Sünde im Fleische in uns aufrecht und gibt uns eine neue Lebenskraft für unseren Wandel.

Es ist ein wunderbarer Augenblick, wenn der Gläubige, durch die Liebe Gottes überwältigt, das Fleisch zurückweist und nach dem Geiste wandelt.

 


2.    Die Gesinnung des Geistes

(Römer 8, 5 - 8)

 

Der Geist gibt uns jedoch nicht nur Kraft, frei vom Fleische zu wandeln, sondern Er bildet auch eine neue Gesinnung in uns heran. „Die Gesinnung des Fleisches ist der Tod“, sie ist „Feindschaft gegen Gott“, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan.

„Die Gesinnung des Geistes aber ist Leben und Frieden“ (V. 6). Die im Fleische sind, vermögen Gott nicht zu gefallen (V. 8). Gott hat keinen Gefallen an dem religiösen, gebildeten und geselligen Fleische. Der Herr sagt in Joh. 6, 63: „Das Fleisch nützt nichts.“ Natürliche Begabung und Fähigkeiten nützen in göttlichen Dingen nichts, sondern nur der Geist Gottes kann uns in die Tiefen Gottes einführen (1. Kor. 2, 10). Viele sagen, sie hätten für tiefe, geistliche Gedanken keinen Sinn, doch ohne den Geist kann keiner etwas davon verstehen.

Wenn wir an den Herrn Jesum Christum glauben, gibt Gott uns den Heiligen Geist, der uns bezeugt, dass Gott uns liebt (Röm. 5, 5) und unserer Übertretungen nie mehr gedenkt (Hebr. 10, 15 - 17). Jeder, der das lebendige Bewusstsein in sich trägt, dass Gott ihn liebt und ihm die Sünden vergeben hat, hat also den Heiligen Geist empfangen und kann sich in Gott freuen.

Doch um auch den Geist als Leben in sich wirksam zu haben und „nach dem Geiste“ zu sein (Röm. 8, 5), muss er die Sünde abweisen (Röm. 6) und seine Sündhaftigkeit und Kraftlosigkeit eingesehen haben (Röm. 7). Der jüngste Gläubige kann sich dessen bewusst werden und zu Christo am Kreuze aufschauen und dann die Kraft des Geistes erfahren, denn er ist aus dem Geiste geboren und kann deshalb auch „nach dem Geiste“ sein und auf das sinnen, was des Geistes ist (V. 5). In Gal. 5, 19 - 23 werden die Werke des Fleisches der Frucht des Geistes gegenübergestellt, so dass wir zwischen dem, „was des Fleisches ist“, und dem, „was des Geistes ist“, unterscheiden können.

 

3.  Der Geist Christi

(Römer 8, 9.10)

 

Wenn wir auch zugeben müssen, dass das Fleisch noch in uns ist und wirken kann, so haben wir aber durch den Geist, der in uns wohnt, stets die Kraft, das Fleisch untätig zu halten, so dass wir nicht im Fleische, sondern im Geiste sind (V. 9).

Der in uns wohnende Geist Gottes befreit uns aber nicht nur vom Fleische, sondern Er bildet auch die Charakterzüge Christi in uns heran, weshalb Er auch der Geist Christi genannt wird. „Wenn jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein“ (V. 9). Der Geist Christi war vor alters schon in den Propheten gewesen (1. Petr. 1, 10. 11), doch Seine völlige Entfaltung geschah in Christo persönlich. Christus, der zweite Mensch vom Himmel, war so inniglich mit dem Heiligen Geiste verbunden, dass der Heilige Geist, der Geist dieses Menschen, der Geist Christi genannt wird.

Das Speisopfer (3. Mose 2) ist ein Vorbild von dem menschlichen Leben unseres Herrn Jesu, und es bestand aus Feinmehl, das nicht nur mit Öl gesalbt, sondern auch mit Öl vermengt wurde. Das Feinmehl stellt die Reinheit und Ausgeglichenheit jeder moralischen Vollkommenheit Seines menschlichen Lebens vor, und alles war mit Öl, mit dem Geiste gesalbt und vermengt. Der Geist war öffentlich und amtlich als die Salbung auf Ihm (Luk. 4, 18), und Sein ganzes menschliches Leben war vom Heiligen Geiste durchdrungen. Wir beurteilen keine Einzelheit in Seinem kostbaren Leben von Seiner Empfängnis im Leibe der Jungfrau an (Luk. 1, 35) bis dahin, wo Er Sich Selbst ohne Flecken Gott durch den ewigen Geist opferte (Hebr. 9, 14), richtig, wenn wir nicht anerkennen, dass der Heilige Geist, das Öl, damit vermengt ist.

Deshalb steht der Mensch Jesus Christus ganz einzig da; obschon Er ein wirklicher Mensch war, der an Blut und Fleisch teilgenommen hat, war Sein ganzes menschliches Leben von der Kraft des Geistes durchdrungen. Der Heilige Geist ist so eng mit Christo, dem zweiten Menschen, verbunden, dass Er der Geist Christi genannt wird, und weil der Geist Christi in uns Wohnung gemacht hat, bringt Er in uns die Züge Christi hervor, woran Gott Wohlgefallen findet. Christus ist in denen, die Sein sind, weil sie Seinen Geist in sich wirksam haben, der Seine Charakterzüge in ihnen zum Vorschein bringt.

Es wird dann weiter von uns gesagt: „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen“ (V. 10). Wenn der Geist Christum in uns gestaltet (Gal. 4, 19), ist der Leib tot, denn er würde uns zur Sünde anregen. Deshalb wird der Leib im Tode gehalten, und alle Anregungen kommen vom Geiste, der in uns Leben der Gerechtigkeit wegen ist.

Im Römerbrief ist viel von Gerechtigkeit die Rede. Die Gerechtigkeit Gottes ist im Tode Christi geoffenbart worden (Kap. 3, 21). Gott rechnet uns aufgrund unseres Glaubens Gerechtigkeit zu (Kap. 4, 5). Wir werden durch den Gehorsam Christi in die Stellung von Gerechten gesetzt (Kap. 5,19). Die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben (Kap. 5, 21). Wir stellen unsere Glieder Gott zu Werkzeugen praktischer Gerechtigkeit dar (Kap. 6, 13). Der Geist in uns ist Leben der Gerechtigkeit wegen (Kap. 8, 10), damit wir in unserem Wandel gerecht sind und das Leben Christi zum Ausdruck bringen.

 

4.  Der Geist dessen, der Jesum auferweckt hat
(Römer 8, 11 - 13)

 

Doch der Geist gestaltet nicht nur Christum in uns, was uns zum Kolosserbrief führt (Kol. 1, 27; 3, 11), sondern das Wohnen des Geistes in uns ist auch das Unterpfand dafür, dass bei der Entrückung unsere sterblichen Leiber vollständig von der Macht des Todes befreit und lebendig gemacht werden. „Der Geist dessen, der Jesum“ - das ist unser Herr persönlich - „aus den Toten auferweckt hat“, wohnt in uns, und aus diesem Grunde wird Gott, der Christum - das ist unser Herr in Beziehung zu uns - aus den Toten auf erweckt hat, auch uns sterblichen Leiber lebendig machen wegen Seines in uns wohnenden Geistes (V. 11).

Bei der Entrückung wird eine gewaltige, göttliche Kraft auf unsere sterblichen Leiber einwirken und sie lebendig machen, und das geschieht wegen des in uns wohnenden Geistes.

Im Lichte der Wahrheit, die bisher vorgestellt worden ist, ist es ganz klar, dass wir dem Fleische keine Schuldner mehr sind; wir brauchen nicht mehr nach dem Fleische zu leben (V. 12). „Denn wenn ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben.“ Wir sterben dann in der Wüste, ohne den Vorsatz Gottes erreicht zu haben. „Wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben“ (V. 13).

Die Handlungen des Leibes sind das, was der Leib tut, wenn er als eins mit dem Fleische betrachtet wird; es ist Nachgiebigkeit den Neigungen des Leibes oder Fleisches gegenüber. Doch der Gläubige hat in Röm. 7 eingesehen, dass er sich dagegen stellen muss, und in Röm. 8 gibt Gott ihm durch den Geist Kraft, alle fleischlichen Handlungen zu töten, und insofern er das tut, lebt er.

Unser Leib kann ein Gefäß fleischlicher oder geistlicher Tätigkeit sein. Von Natur ist das erstere der Fall; wir haben Eigenarten und Neigungen, die wir durch den Geist töten müssen, und wenn wir in der Kraft des Geistes das Fleischliche, das mit dem Leben in unserem Leibe in Verbindung steht, töten und unseren Leib als Gefäß des Geistes und nicht des Fleisches gebrauchen, dann leben wir und können unseren Leib als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer darstellen (Röm. 12, 1).

Auf diese Weise kommen wir dem Lebendigmachen unserer sterblichen Leiber bei der Entrückung durch den Geist in moralischem Sinne zuvor, denn wenn wir in der Kraft des Geistes die fleischlichen Handlungen unseres Leibes töten, dann macht der Geist unseren gegenseitigen Verkehr, unsere Krankenbesuche und alles, was wir in unserem sterblichen Leibe tun, schon im voraus lebendig. Wir leben dann durch den Geist.

 

5.   Die Leitung des Geistes

(Römer 8, 14.15)

 

Wenn der Geist uns vom Fleische befreit hat, ist Er frei, Sein eigentliches Werk zu tun und uns als Söhne Gottes in die Freiheit, Einsicht, Würde und geistliche Zuneigung der Sohnschaft zu leiten. „So viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes“ (V. 14).

Nach Gal. 4, 5. 6 haben wir die Sohnschaft als Gabe Gottes empfangen, und weil wir Söhne sind, hat Gott den Geist Seines Sohnes in unsere Herzen gesandt und der Geist ruft in uns: „Abba, Vater“. Doch solange wir noch nicht durch den Geist vom Fleische befreit sind, können wir in der Kraft des Geistes den Boden der Sohnschaft nicht ungestört vor Gott einnehmen, wenn wir uns auch des Lichtes, das wir aus der Schrift darüber haben, erfreuen können.

In Röm. 8,15 ruft jedoch nicht nur der Geist in uns „Abba; Vater“ wie in Gal. 4, 6, sondern wir rufen im Geiste der Sohnschaft „Abba, Vater“, und das ist erst dann der Fall, wenn wir vom Fleische befreit sind und vom Geiste Gottes geleitet werden.

Nachdem Israel in 4. Mose 21 zur ehernen Schlange aufgeschaut hatte und am Leben im Blick auf Kanaan blieb, kamen sie dem Vorbild nach unter die Leitung des Geistes. Es heißt von ihnen unmittelbar darauf, dass sie aufbrachen, um nach Kanaan zu gelangen, wo für uns das ewige Leben und die Sohnschaft ist. Weiter ist dann von einem „Buch der Kämpfe Jehovas“ die Rede, worin „Bäche“ und ihre „Ergießung“ aufgezeichnet sind (4. Mose 21, 14. 15).

Wenn wir die Kämpfe Jehovas gegen unser Fleisch aufnehmen und es durch den Geist unwirksam halten, dann gibt Gott uns Quellen der Erfrischung im Heiligen Geiste, und diese „Bäche“ sind noch nicht im himmlischen Lande, sondern sie erfrischen uns auf dem Wege dahin. Israel kam dann noch zum Brunnen zu Beer, wo sie dem emporquellenden Wasser zujubelten: „Herauf, Brunnen, singet ihm zu!“ Wenn der Geist Gottes uns leitet, jubeln wir Ihm und Seinen Gedanken zu und schätzen sie so sehr, dass wir alles, was vom Fleische ist und den Geist hindert aus dem Wege räumen.

Auf diese Weise wird der Geist in uns eine Quelle Wassers, das ins ewige Leben quillt (Joh. 4, 14) und uns nach Kanaan leitet. Israel nahm endlich noch in 4. Mose 21 das Land der Könige Sihon und Og diesseits des Jordans in Besitz, und sie wohnten oder lebten mit Triumphgesängen in den eroberten Städten der Amoriter. Das war noch kein dauerndes Wohnen, noch kein ewiges Leben, denn das fanden sie erst in Kanaan, wovon Gott dem Abraham in 1. Mose 13, 15 sagte: „Dir und deinem Samen will ich das ganze Land geben auf ewig“.

Doch bevor Israel das Land in Besitz nahm, um dauernd oder auf ewig darin zu leben, mussten sie diesseits des Jordans lernen, Land vorübergehend in Besitz zu nehmen und darin zu wohnen oder zu leben. So haben wir in Röm. 8 Leben durch den Geist und noch nicht ewiges Leben; doch Röm. 8 ist die Vorschule für den Kolosser- und Epheserbrief, wo wir unser himmlisches Land in Besitz nehmen, um darin ewiglich zu leben. Die zweieinhalb Stämme (4. Mose 32) blieben leider in dieser Vorschule; sie stellen Christen vor, die nicht auf der Höhe unserer himmlischen Berufung, sondern irdisch gesinnt sind.

Wenn nun aber einerseits die Vorschule von Röm. 8 nicht die ganze Wahrheit ist, und wir nicht dabei stehen bleiben dürfen, so ist doch andererseits diese Vorschule als vorübergehender Aufenthalt hienieden für uns alle notwendig, denn um nach Kanaan hinüberzugehen, müssen wir geistlich sein.

In den Tagen Jephthas nahm der Feind das Ostjordanland weg, und Jephtha eroberte es zurück (Richt. 11). So müssen wir die Verkündigung des Evangeliums, auch das Evangelium für Neubekehrte, trotz aller Angriffe des Feindes beibehalten, denn wir müssen Neubekehrten, die aus der ägyptischen Welt kommen, den Weg durch die Wüste und das Ostjordanland offenhalten. In Röm. 8 sind wir gleichsam im Ostjordanland und wohnen in den eroberten Städten unserer Feinde. Wir haben das Fleisch, den Geist der Knechtschaft und alle knechtische Furcht unter unseren Füßen und werden durch den Geist Gottes geleitet.

Wir sind Söhne Gottes und rufen „Abba, Vater“. Das ist kein Verzweiflungsruf wie in Röm. 7: „Ich elender Mensch“ sondern es ist ein Rufen im köstlichen Genuss der trauten Verwandtschaft und der erhabenen Würde der Sohnschaft. „Abba“ heißt Vater; es ist unübersetzt geblieben, weil seine Bedeutung nur von Herzen gekannt wird, die durch den Geist der Sohnschaft in die geistlichen Zuneigungen von Söhnen Gottes geleitet werden.

 

6.. Das Zeugnis des Geistes

(Römer 8, 16 - 21)

 

Der Geist Gottes gibt uns nicht nur das Geleit nach Kanaan, wo wir uns des ewigen Lebens und der Sohnschaft erfreuen können, sondern Er zeugt auch mit unserem Geiste, dass wir Kinder Gottes sind (V. 16). „Söhne Gottes“ sind wir in Verbindung mit „jener Welt“ der Herrlichkeit Gottes (Luk. 20, 35. 36), während wir „Kinder Gottes“ in dieser Welt sind.

Als Söhne Gottes werden wir dem Bilde des Sohnes Gottes gleichförmig gemacht, damit Er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern (V. 29). Doch in den Kindern Gottes gewinnt nicht so sehr „das Bild“, als vielmehr „das Gleichnis“ (l. Mose 1, 26) des in Christo geoffenbarten Gottes Gestalt.

Als Kinder Gottes sind wir aus Gott geboren, und die Eigenschaften Gottes, wie Gerechtigkeit und Liebe, leben in uns fort. Wir sind uns nicht nur in unserem eigenen Geiste bewusst, dass wir das Geschlecht oder die Familie Gottes, also Kinder Gottes sind, sondern es macht auch dem Geiste Gottes Freude, das Bewusstsein davon in unserem Geiste zu stärken. Als Kinder Gottes sind wir die Gegenstände der zarten, väterlichen Fürsorge Gottes in allem, was in der Wüste an uns herantritt, so dass wir kühn sagen können: „Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten; was wird mir ein Mensch tun!“ (Hebr. 13, 6). In diesem Bewusstsein können wir in der zarten Obhut des Vaters ruhen, denn Seine Liebe wird das Beste für uns tun. „Sehet, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen“(1. Joh. 3, 1).

Als Kinder Gottes sind wir Erben Gottes und Miterben Christi (V. 17). Weil wir Gott als Seine Kinder angehören und im Besitze Seiner Liebesnatur sind, hat Gott uns zu Seinen Erben bestimmt, und weil Er Christum als den Erben aller Dinge eingesetzt hat (Hebr. 1, 2), werden wir mit Ihm sowohl die Dinge in den Himmeln, als auch die ganze sichtbare Schöpfung erben.

Doch die Schöpfung ist noch in einem harrenden und seufzenden Zustande, und deshalb ist gegenwärtig für die Kinder Gottes Leidenszeit. Christus ist hienieden enterbt, und deshalb müssen wir mit Christo leiden.

Wer hat „die Leiden der Jetztzeit“ (V. 18) so gefühlt wie Er! Es handelt sich hier nicht um Leiden für Christum oder um des Zeugnisses willen wie in Vers 35 u. 36, sondern es sind Leiden mit Christo. Als Kinder Gottes haben wir Empfindungen, die uns befähigen, mit Christo wegen des ruinierten Zustandes der Schöpfung und wegen des Elends, worin die Menschen infolge der Sünde geraten sind, zu leiden. Wenn wir mit Ihm leiden, werden wir auch mit Ihm verherrlicht.

Wir halten dafür, dass die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, mit der zukünftigen Herrlichkeit des Tausendjährigen Reiches verglichen zu werden, wann die Söhne Gottes geoffenbart werden und die Schöpfung zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes freigemacht wird (V. 19 - 21). Die Schöpfung harrt auf diesen Augenblick, denn sie ist mit ihrem gegenwärtigen Zustande nicht zufrieden und hat das unbestimmte Bewusstsein, dass Gott, der gütige Schöpfer, sie davon befreien wird. Die Erlösung von der Knechtschaft tritt dann ein, wenn Christus und Seine Miterben vom Himmel her geoffenbart werden. Die Kinder Gottes, die dann als Söhne Gottes geoffenbart werden in Herrlichkeit, denn die Herrlichkeit der Kinder Gottes (V. 21) ist die Sohnschaft (V. 19), nehmen in der Jetztzeit innigen Anteil an den Leiden ihres seufzenden Erbes.

 

7.   Die Verwendung des Geistes für uns

(Römer 8, 22 - 27)

 

Wenn wir auch „die Erstlinge des Geistes“ (V. 23) vor der großen Ernte des Geistes im Tausendjährigen Reiche schon haben, so sind wir doch noch durch unsere Leiber mit der seufzenden Schöpfung verbunden und seufzen in uns selbst, „erwartend die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes“. So findet das Seufzen der Schöpfung in den Kindern Gottes, die des Geistes Erstlinge haben, vor Gott einen verständnisvollen Ausdruck, denn wir haben an dem Harren und Hoffen der Schöpfung auch unseren Anteil.

Wir sind in Hoffnung errettet (V. 24) und erwarten mit Ausharren die Erlösung unseres Leibes bei der Entrückung (V. 25). Dieser Zustand gibt nun dem Geiste Anlass, Sich unser anzunehmen. „Der Geist nimmt sich unserer Schwachheiten an“ (V.26). Wir sind oft unter den Umständen, in denen wir mit der seufzenden Schöpfung verbunden sind, so schwach, dass wir nicht wissen, „was wir bitten sollen, wie sich's gebührt“.

Doch der Geist hilft uns und kleidet Seine Fürbitte nicht einmal in Worte, sondern in „unaussprechliche Seufzer“. Unser menschliches Herz ist dazu nicht fähig, doch der Geist kann sich in dieser „unaussprechlichen“ Weise äußern.

Gott erforscht unsere Herzen, um den „Sinn des Geistes“ darin zu entdecken und nicht, um unsere Unvollkommenheiten zu finden, und der Geist verwendet Sich für Heilige Gott gemäß (V. 27). Das ist die siebente und letzte Tätigkeit des Heiligen Geistes, die in Röm. 8 erwähnt wird.

Zusammenfassend können wir sagen, dass der Geist uns in jeder Weise hilft. Er ist unser Freund. Er verwendet Sich für uns und stellt Sich uns in jeder Weise zur Verfügung. Möchten wir mehr von der Hilfe und der Kraft dieses göttlichen Freundes erfahren.

 

8: Der Vorsatz Gottes

(Römer 8, 28 - 30)

 

Wenn wir auch oft nicht wissen, was wir bitten sollen, so wissen wir aber, dass denen, die Gott lieben , alle Dinge zum Guten mitwirken müssen, weil sie nach Vorsatz berufen sind (V. 28).

Gott führt uns hier gleichsam auf den Gipfel des Pisga, von dem es in 4. Mose 21, 20 heißt, dass er emporragte über die Fläche der Wildnis oder Wüste. Wir blicken von dort nicht nur in das Land des Vorsatzes Gottes, sondern wir halten auch einen Rückblick über unseren Wüstenpfad und sehen, wie Gott alles zu unserem Guten zusammenwirken lässt und bei allem Seinen Vorsatz vor Sich hat.

Alles, was uns zustößt, dient dazu, Seinen Vorsatz zu fördern. Gott hat geplant, Sich in der Ewigkeit mit Menschen zu umgeben, die Er zuvorerkannt, nach Seinem Vorsatz berufen und bestimmt hat, dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu sein. Dann hat Er sie gerechtfertigt und durch den Besitz des Geistes der Herrlichkeit verherrlicht (V. 29. 30).

In Römer 8 sind wir noch in der Wüste und sehen vom Gipfel des Pisga wie Mose bei seinem Tode ins Land, ohne dass wir selbst schon darin sind, wie es im Epheserbrief der Fall ist. Wir sehen eine erhabene Schar, die Gott zuvorerkannt, zuvorbestimmt, berufen, gerechtfertigt und verherrlicht hat. Kein Geschöpf ist imstande, die fünf Glieder dieser goldenen Kette zu zerreißen, denn alles geht gänzlich von Gott aus. Welch eine Ermutigung ist das Bewusstsein, dass Gott Seinen Vorsatz durchführen und uns ewiglich in dieser erhabenen Weise bei Sich haben wird!

9. Gott ist für uns

(Römer 8, 31 - 34)

 

Alles, was bisher gesagt worden ist, führt zu dem triumphierenden Schluss, dass Gott für uns ist. „Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns, wer wider uns?“ (V. 31)

Ob wir an die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft denken, Gott ist für uns. Er hat uns nach dem Vorsatz Seiner Liebe berufen, doch Er konnte uns Sich nur auf ganz unendliche Kosten sichern. „Er, der doch seines eigenen Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ (V. 32)

Welch ergreifende Enthüllung des Herzens Gottes! Gottes Vorsatz konnte nur zustande kommen, wenn Er Seinen geliebten Sohn für uns dahingab, damit Er das Gericht das uns gebührte, tragen sollte. Dass Gott das getan hat, beweist deutlich, dass Er für uns ist. Wir können es kaum begreifen, was es für Gott bedeutete, Seinen eigenen Sohn, an dem Er ganz unendliches Wohlgefallen gefunden hatte (Luk. 3, 22), der Bosheit des Menschen auszuliefern, zur Sünde zu machen und Ihn unter Gericht und Tod zu bringen.

Wenn Gott aber solch eine Liebestat für uns vollbracht hat, dann muss Er für uns sein und uns mit Seinem eigenen Sohne auch alles schenken. Gott ist ein grenzenloser Geber, und wir sind Seine Auserwählten (V. 33).

Zum erstenmal werden wir hier im Römerbriefe die Auserwählten Gottes genannt, und in Römer 9 wird auf die Auserwählung Gottes dann noch ausführlicher eingegangen. Gott hat jeden wahren Gläubigen aus dem Drang Seines Herzens heraus auserwählt, und es wird hier gefragt: „Wer wird wider Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt“ (V. 33). Wer wagt es, die Auserwählten, die Gott gerechtfertigt hat, anzuklagen?

Die beiden Beweise, dass Gott für uns ist, sind also, dass Gott Seinen eigenen Sohn für uns hingegeben hat und dass Er es ist, der uns rechtfertigt. Nicht nur hat Gott uns durch die Erlösung, die in Christo Jesu ist, gerechtfertigt, sondern unsere Rechtfertigung ging auch von Ihm aus, sie entsprang Seinem Herzen.

 

10.   Die Liebe Christi und die Liebe Gottes

 (Römer 8, 34 - 39)

 

Christus ist zur Rechten Gottes, wo ER Sich für uns verwendet (V 34) und unser Hoherpriester ist. Wenn wir treu sind, kann „Drangsal, Angst, Verfolgung, Hungersnot, Blöße, Gefahr, Schwert“ über uns kommen. Doch nichts vermag uns von der Liebe Christi, des Hohenpriesters droben zu scheiden (V35), sondern in solchen Prüfungszeiten prägt ER einen tiefen Eindruck von Seiner Liebe in unsere Herzen. Deshalb sind wir mehr als Überwinder durch Den, Der uns geliebt hat (V. 37). Nicht nur wird der Feind zuschanden, sondern wir lernen auch die Liebe Christi besser kennen.

Christus liebt uns jedoch nicht nur persönlich als Hoherpriester droben, sondern das Kapitel schließt damit, Ihn uns als Bundeslade vorzustellen, in dem die Liebe Gottes aufbewahrt und gesichert ist.

Der Bund ist die Offenbarung Gottes in Liebe, und die Liebe Gottes ist in Christo Jesu für uns gesichert, so dass keine Macht irgendeines Geschöpfes ihr etwas anhaben kann. Christus Jesus ist zur Rechten Gottes über allem erhaben, und nichts kann Ihn und die Liebe Gottes, die in Ihm ist, antasten.

Die Liebe Gottes ist in Ihm, der wahren Bundeslade, unvergänglich und unwandelbar aufgespeichert, und durch den Vorsatz, die Berufung und das Werk Gottes sind wir unauflöslich mit der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, verbunden. Gott wünscht, dass wir ebenso wie Paulus davon überzeugt sind, der sagen konnte: „Ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben . . . noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn“ (V. 38 u. 39).