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UNTERREDUNGEN.CH

MALEACHI 3.16

Wortbetrachtungen über die Maskil-Psalmen

(Charles Andrew Coates)

Psalm 42 und 44

Psalm 42

1 Dem Vorsänger. Ein Maskil von den Söhnen Korahs. Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, also lechzt meine Seele nach dir, o Gott!

2 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und ersc

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Römerbrief

V.  Die Erbarmungen Gottes - Römer 9 - 11

 

Paulus gründet die Ermahnungen des Römerbriefes von Kapitel 12 an auf „die Erbarmungen Gottes“ (Röm. 12, 1), die er in Röm. 9 - 11 darlegt. In Röm. 1 - 3 haben wir eine kostbare Darstellung dessen, was Gott in Gerechtigkeit, Güte und Gnade ist. Dann werden die Segnungen derer beschrieben, die aus Glauben gerechtfertigt sind und den Heiligen Geist empfangen haben (Röm. 4 - 5). Die Gnade Gottes tilgt unsere Sünden durch Christi Blut. Doch die Liebe Gottes, die in unsere Herzen durch den Heiligen Geist ausgegossen ist (Röm. 5, 5), treibt uns an, Gott wiederzulieben. Wir erwidern die Liebe Gottes, indem wir uns in unserem Wandel der Sünde gegenüber für tot halten (Röm. 6). Gott in dem Neuen des Geistes dienen (Röm. 7) und im Geiste der Sohnschaft „Abba, Vater“ rufen (Röm. 8). Diejenigen, die Gott auf diese Weise lieben, sind nach Seinem Vorsatz berufen: sie sind Seine Auserwählten (Röm. 8, 28. 33).

 

1. Die Unumschränktheit Gottes

(Römer 9)

 

Das Evangelium ist für alle. Gott will, dass alle Menschen errettet werden, und Christus hat Sich Selbst zum Lösegeld für alle gegeben (1. Tim. 2, 6). Gott hat allen Menschen die Tür der Errettung aufgetan. Doch das Herz des Menschen ist so weit von Gott entfernt, dass keiner durch die Tür eingeht, Buße tut und an den Herrn Jesum glaubt, wenn das unumschränkte Erbarmen Gottes das nicht bewirkte. Paulus sagt uns in Röm. 9, 1 - 5, dass er große Traurigkeit und unaufhörlichen Schmerz in seinem Herzen für Israel, seine Brüder nach dem Fleische hat, weil sie, wie heutzutage die Namenchristen, alle Segnungen Gottes in ihrer Reichweite hatten und doch ihrer aller verlustig gingen.

Dann kommt er in V. 6 zu dem Schluss, dass ein Unterschied zwischen „Israel“ im göttlichen, geistlichen Sinne und denen besteht, die „aus Israel“ von Natur sind. Bei Ismael und Isaak ist klar zutage getreten, dass nicht die Kinder des Fleisches Kinder Gottes sind, sondern dass die Kinder der Verheißung als Same gerechnet werden (V. 7 - 9). Gott hat die Kinder des Fleisches, die wie Ismael Christum, den wahren Isaak, nicht ehren, sondern ihn verspotten, verworfen, wenn sie auch von Natur von den Gläubigen (von Abraham) abstammen, und Er hat die Verheißungen dem wahren Samen zugerechnet, der von Ihm herstammt und der wie Isaak Gott allein sein Dasein verdankt.

Gott verwirft den Menschen nach dem Fleische vollständig, und wenn wir seinen wahren Charakter erkennen, dann sehen wir ein, dass seine Verwerfung notwendig ist. Gott muss einen neuen Anfang in dem Menschen machen, wir müssen von neuem geboren werden (Joh. 3, 7), um die Fähigkeit zu haben, durch die geöffnete Tür der Errettung in das Reich Gottes einzugehen, und die neue Geburt ist das Werk des unumschränkten Erbarmens Gottes (Tit. 3, 5).

Das wirft den Menschen in seiner vollständigen Hilflosigkeit im Gebet auf Gott, auf dessen freies Erbarmen er in dieser Sache gänzlich angewiesen ist. Jakobus ermuntert uns, zu Gott zu beten, weil Er allen willig gibt (Jak. 1, 5), und der Herr sagt in Matth. 7, 7: „Bittet, und es wird euch gegeben werden.“ Nur auf Grund der neuen Geburt, dieser Handlung der unum­schränkten Barmherzigkeit Gottes, sind wir Kinder Gottes und der wahre Same Gottes, der die Verheißung Gottes hat.

Paulus besteht weiter auf der unumschränkten Handlungsfreiheit Gottes. Rebekkas Kinder waren noch nicht geboren und hatten weder Gutes noch Böses getan, als zu ihr gesagt wurde: „Der Größere wird dem Kleineren dienen“ (V. 10-12). Gott handelte darin nach Beweggründen, die ganz und gar in Ihm Selbst waren, auf dass der Vorsatz Gottes nach Auswahl bestehen sollte, nicht aus Werken, sondern aus dem Berufenden (V 11). Da Gott Vorkenntnis hat und die Geschichte Jakobs und Esaus im Voraus kannte, wählte er den Jakob als den Träger des Segens aus, ehe er geboren war und verwarf den Esau; und Gott sagt gleichsam zu Seiner Rechtfertigung im letzten Propheten, in Maleachi 1, 2. 3, als die ganze Geschichte von Jakob und Esau und ihren Nachkommen offen zutage getreten war: „Den Jakob habe ich geliebt, aber den Esau habe ich gehasst“ (V. 13).

Gott hat das Recht, solche, die Er liebt und schätzt, zur Herrlichkeit vorherzubestimmen, weil Er Vorkenntnis besitzt; und Er darf solche, die wie Esau sich selbst gefallen und den Segen Gottes, das Erstgeburtsrecht verkaufen, verwerfen. Seine Auswahl und Vorherbestimmung sind der Ausfluss Seiner Vorkenntnis, doch das enthebt den Menschen keineswegs seiner Verantwortlichkeit.

Wir können nicht sagen, dass Gott in der Ausübung Seines unumschränkten Erbarmens ungerecht ist (V. 14), sondern jeder Gläubige hat viel Ursache, Gott für Sein Erbarmen zu danken, denn ohne dasselbe wären wir alle ewig verloren. In Röm. 9, 23 werden wir „Gefäße des Erbarmens“ oder „der Begnadigung“ genannt, und es gibt kaum eine schönere und ergreifendere Bezeichnung für die Gläubigen. Alle natürlichen Neigungen unserer Herzen hätten uns von Gott weggeführt und ferngehalten, ebenso wie Israel dem goldenen Kalbe nachging und dabei den Menschen im Fleische darstellt, wie er die Verpflichtungen bricht, die er- im Selbstvertrauen Gott gegenüber auf sich genommen hat. Doch Gott sagte zu Mose: Ich werde begnadigen, wen ich begnadige, und mich erbarmen, wessen ich mich erbarme“ (V. 15).

Welch ein Trost für uns, wenn wir untreu gewesen sind, das Bewusstsein haben zu dürfen, dass Gott unumschränkt ist und Seine Unumschränktheit sich in Erbarmen kundtut.

Wo wäre Israel in 2. Mose 32 - 33 geblieben, wenn nicht das unumschränkte Erbarmen Gottes gewesen wäre? Es wäre ihm ergangen wie uns allen, der Zorn Gottes hätte es verzehrt. Doch Gott erweist uns infolge Seiner Unumschränktheit ganz unerwartetes Erbarmen und unverdientes Mitgefühl.

Freilich ist es sehr ernst, trotz der Erweisung der Barmherzigkeit Gottes, hartnäckig und verstockt im Bösen zu verharren, wofür Pharao in Vers 17 ein Beispiel ist, der das Volk Gottes bedrückte und Gott widerstand. In 2. Mose 7 u. 8 heißt es, dass der Pharao trotz des Erbarmens Gottes, das die Plagen wegnahm, sein Herz verstockte und verhärtete. Doch in 2. Mose 9, 12 und 10, 20 heißt es dann, dass Jehova sein Herz verhärtete. Der mächtigste Feind Gottes und Seines Volkes tut die Unumschränktheit Gottes auf ganz schreckliche Weise kund, indem sein böser Pfad als Strafe Verhärtung über ihn bringt, damit sich Gottes Macht im Gericht an ihm erweisen kann.

Wie sollte diese Wahrheit diejenigen mit Schrecken erfüllen, die trotz des Erbarmens Gottes fortfahren, sich Gott zu widersetzen! Wenn Menschen fortfahren, gegen Gott zu handeln, so kann es geschehen, dass sie finden werden, dass Gott sie als Beispiele herausgreift, um an ihnen Seine Macht im Gericht zu erweisen. Sollte das nicht jeden stolzen Pharao bußfertig auf seine Knie bringen? Gott kann in Seiner Unumschränktheit Erbarmen erzeigen oder verhärten (V. 18).

Der Mensch mag Gottes Unumschränktheit bekritteln (V. 19), doch der Gläubige liebt sie, weil er einsieht, dass ihm nur das unumschränkte Erbarmen Gottes helfen konnte, und er preist Gott wegen Seiner Barmherzigkeit und ist dankbar, ein Gefäß der Begnadigung sein zu dürfen. Paulus stellt alles auf den Boden der Unumschränktheit, sei es die Erweisung des Zornes und der Macht Gottes an den Gefäßen des Zorns, die zum Verderben zubereitet sind, oder den Reichtum Seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Begnadigung, die Er zur Herrlichkeit zuvorbereitet hat (V. 22 u. 23).

Bei den Gefäßen des Zornes erwähnt der Apostel aber auch noch, dass Gott sie mit vieler Langmut ertragen hat. Gott hat sie nicht für das Verderben zubereitet, sondern das Verderben ist die Folge ihrer eigenen Hartnäckigkeit im Bösen, die Gott mit vieler Langmut erträgt, bis Seine Geduld erschöpft ist.

Gott eilt nie, das Böse zu richten sondern Er richtet nur nach vieler Langmut. Doch Gott will nicht nur Seinen Zorn, sondern auch Seine Barmherzigkeit kundtun und macht den Reichtum Seiner Herrlichkeit an uns, den Gefäßen der Begnadigung, offenbar, die Er zur Herrlichkeit zu vorbereitet. Das geht jetzt vor sich und verleiht uns überhaupt keinen Ruhm, sondern wir sind „Gefäße der Begnadigung“ und gänzlich auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes angewiesen.

Der Prophet Hosea wird in Vers 25 u. 26 angeführt, um zu zeigen, dass Gott, nachdem Er zu Israel gesagt hatte: „Ihr seid nicht mein Volk“, sie doch wieder „mein Volk“ nennt. Nachdem sie jeden Anspruch darauf, das Volk Gottes zu sein, verscherzt hatten, werden sie Sein Volk lediglich auf Grund des unumschränkten Erbarmens Gottes werden. Gott stellte sie mit den Nationen auf eine Stufe, als Er zu ihnen sagte: „Ihr seid nicht mein Volk.“ Doch in dieser Stellung wird Er sie Seiner Unumschränktheit zufolge segnen; „daselbst werden sie Söhne des leben­digen Gottes genannt werden“.

Doch das öffnet auch den Nationen die Tür, gesegnet zu werden, denn diese waren offenbar nicht Gottes Volk gewesen. Wenn es Gott gefällt, Israel in der Unumschränktheit Seines Erbarmens wieder als Sein Volk zu berufen, dann können auch die Gläubigen aus den Nationen „Söhne des lebendigen Gottes“ genannt werden.

Wenn nun einmal alles auf dem Boden der Unumschränktheit geschieht, so kann Gott berufen, wen Er will, sei es aus den Juden oder den Nationen. Die Stellen aus Jesaja werden in Vers 27 - 29 angeführt, um zu zeigen, dass Gott auch aus Israel einen Überrest beruft, während die Masse des Volkes sich an Christo, dem Stein des Anstoßes, gestoßen hat (V. 33).

 

 2.    Die Errettung

 (Römer 10)

 

Nachdem Paulus in Römer 9 die religiöse Anmaßung des Menschen im Fleische dadurch beseitigt hat, dass er gezeigt hat, dass der Mensch ein Gegenstand des unumschränkten Erbarmens Gottes, ein Gefäß der Begnadigung werden muss, geht er in Römer 10 auf die Gerechtigkeit Gottes und die Errettung näher ein. Die Wahrheit von der Unumschränktheit Gottes machte den Apostel nicht engherzig, denn er betete in Römer 10, 1 für die Errettung des ungehorsamen Volkes Israel, und wenn wir das unumschränkte Erbarmen Gottes, das uns widerfahren ist, schätzen, dann beten auch wir für die Errettung Unbekehrter.

Es ist richtig, jeden „Eifer für Gott“ anzuerkennen, auch wenn er „nicht nach Erkenntnis“ ist (V. 2). Doch es ist traurig, wenn Menschen die Gerechtigkeit Gottes nicht anerkennen und danach trachten, „ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten“ (V. 3). Solche haben sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen, denn es handelt sich nicht um Werke, sondern um Glauben an Christum, der des Gesetzes Ende und jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit ist (V. 4). Für den Gläubigen handelt es sich nicht um „die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist“, sondern einfach um Christus, der die Gerechtigkeit unseres Glaubens ist (V. 5 u. 6).

Beide Arten von Gerechtigkeit sind die denkbar verschiedensten voneinander. Christus ist des Gesetzes Ende, Er macht all unseren Gedanken, durch das Gesetz Gerechtigkeit zu erlangen, ein Ende. Darin sind viele Seelen nicht gegründet, und deshalb haben sie keinen Frieden, keine Ruhe, die aus der Erkenntnis hervorgeht, dass es sich bei der Frage der Gerechtigkeit einfach um Christum handelt.

Wenn Christus meine Gerechtigkeit ist, dann gibt es keinen Mangel, keine Unruhe und keine Unvollkommenheit mehr. Christus stieg vom Himmel hernieder und ging in den Tod, woraus Er von Gott auferweckt worden ist. Unser Tun war davon ganz ausgeschlossen; alles geschah ganz ohne unser Zutun. Sein Herniederkommen und Sein Tod am Kreuz war nicht unser Werk und auch nicht Seine Auferstehung aus den Toten. Auf diese Weise wurde jedoch Sündern Gerechtigkeit zugänglich, die keine hatten.

Alles das ist gänzlich von Gott. Es ist unmöglich, die beiden Gerechtigkeiten zu vermengen. Die Gerechtigkeit aus Gesetz hängt von mir ab und von dem, was ich tue, während die Gerechtigkeit des Glaubens von Christo und von dem, was Er getan hat, abhängt.

Das Wort des Glaubens (V. 8), das Gott später in Israels Herz legen wird, lässt Er heute verkündigen und legt es auf diese Weise in den Mund und das Herz eines jeden, der da glaubt.

Das Wort des Glaubens sagt nichts von Gerechtigkeit aus Werken, sondern es sagt: „Wenn du mit deinem Munde Jesum als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, wirst du errettet werden. Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde wird bekannt zur Errettung“ (V. 9 u. 10).

Das Wort des Glaubens handelt von Jesu, dem Herrn. Gott legt dieses Wort als ein Bekenntnis in den Mund jedes Gläubigen, und die Errettung ist damit verbunden. Der Mund hat es mit dem Platz zu tun, den wir öffentlich in dieser Welt einnehmen. Dort sollten wir als Bekenner Jesu, des Herrn, bekannt sein.

Wenn wir uns Christo, dem Herrn, unterworfen haben, beginnen wir einen neuen Lauf, und allerlei Fragen werden an uns gestellt. Wenn wir dann bekennen, dass Jesus unser Herr ist, kommen wir unter Verachtung und werden auf diese Weise von den Einflüssen frei, denen die Menschen in dieser Welt unterworfen sind. Doch wir kommen auch unter die schützende Macht des Herrn, den wir bekennen.

Wenn ein Christ findet, dass er unter die Macht der Welt gerät, so ist es gut, wenn er bedenkt, dass Gott ein Wort in seinen Mund gelegt hat, das ihn frei machen kann, und das ist das Bekenntnis Jesu, des Herrn. Doch das Wort des Glaubens ist nicht nur in unserem Munde, sondern auch in unseren Herzen, wo es als die köstliche Gewissheit des Glaubens ist, dass Gott Christum aus den Toten auf erweckt hat.

Wir werden nirgendwo in der Schrift dazu aufgefordert, etwas über uns selbst zu glauben, sondern wir sollen das glauben, was Gott an Jesu, unserem Herrn, getan hat, nachdem Er unsere Sünden getragen hatte und gestorben war. Gott hat Ihn aus den Toten auferweckt, und wir glauben, dass wir in Christo Gerechtigkeit erlangt haben und nicht durch unsere Werke. „Mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit“, und dann wird noch hinzugefügt: „Denn die Schrift sagt: Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden“ (V. 11).

Es ist also ganz klar, dass es sich im Römerbrief nicht nur um eine Glaubensüberzeugung handelt, sondern um den persönlichen Herzensglauben an den Herrn Jesum und an Gott, der Ihn aus den Toten auf erweckt hat.

Es heißt in Röm. 3, 22: „Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt“, und hier heißt es auch: „Denn es ist kein Unterschied“ (V. 12), doch es heißt hier weiter: „Denn derselbe Herr von allen ist reich für alle, die ihn anrufen.“

Wenn also einerseits auch alle Menschen gesündigt haben, so steht doch andrerseits der Herr Jesus mit dem ganzen Reichtum der Gnade Gottes allen Menschen zur Verfügung. Doch die Menschen müssen sich mit Ihm in Verbindung setzen und Ihn anrufen. „Jeder, der irgend den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden“ (V. 13).

Gott überlässt es nun aber nicht den Menschen, von sich aus herauszufinden, welch ein reicher Herr es ist, den sie anrufen können, wenn sie Glauben an Ihn haben, sondern um an Ihn zu glauben und Ihn um Errettung anzurufen, müssen sie zunächst von Ihm hören, und das können sie nicht ohne einen Prediger, der wiederum wertlos ist, wenn Gott ihn nicht gesandt hat (V. 14 u, 15).

Gott hat Prediger ausgesandt, um den Menschen kundzutun, wie reich der Herr Jesus ist, damit sie von Ihm hören, an Ihn glauben und Ihn anrufen. Es genügt nicht, an Ihn zu glauben, obschon uns dadurch der Himmel sicher ist; doch wir bedürfen der Errettung auf unserem Pfade hienieden, und das Anrufen des Herrn sichert uns die ganze Macht Gottes zur Errettung. Weil Paulus die gesandten Prediger erwähnt, führt er die Stelle aus Jes. 52, 7 hier an, die er auf sie deutet: „Wie lieblich sind die Füße derer, die das Evangelium des Friedens verkündigen“ (V. 15). Wir sollten alle liebliche Füße haben und die Botschaft von Ort zu Ort tragen, dass Gott in Gnade herrscht und dass der Herr Jesus reich für alle ist, die Ihn anrufen.

Leider gehorchen nicht alle dem Evangelium, denn Jesaja, dieser machtvolle Prediger, musste sagen: „Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt?“ (V. 16), und das veranlasst Paulus zu dem wichtigen Ausspruch: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort“ (V. 17).

Der Glaube kommt nicht in einem Menschen zustande, der keine Wortverkündigung gehört hat. Viele sagen, sie hätten „Glauben über Dinge, die ihnen aus Gottes Wort nicht verkündigt worden sind. Der wahre Glaube kommt jedoch aus der Verkündigung des Evangeliums. Gott hat Sich Seinem sündigen Geschöpf in Gerechtigkeit, Gnade, Liebe und Erbarmen kundgetan, und zwar durch die Erlösung, die in Christo Jesu ist. Das wird aus Gottes Wort den Menschen verkündigt. Es hat Gott gefallen, in dieser Weise über Sich Selbst zu den Menschen zu reden. Wo man dieser Verkündigung glaubt, wird Gott Seiner Offenbarung in Gnade gemäß im Herzen erkannt, und das ist Glaube, während alles andere Einbildung ist.

Die Verkündigung erstreckt sich ebenso über die ganze Welt wie das Zeugnis der Himmel in Ps. 19 (V. 18). Christus ist die Sonne des Weltalls moralischer Ordnung, und Er ist in die Himmel gesetzt worden. Gottes Rettung kann sich deshalb nicht auf Israel beschränken. Die Sonne scheint jedem Geschöpf unter dem Himmel, und Christus, die wahre Sonne, scheint vom Himmel allen Menschen. Die göttliche Stimme geht deshalb aus „zu der ganzen Erde, und ihre Worte zu den Grenzen des Bewohnten“ (V. 18). Deshalb dürfen wir mit Freimütigkeit überall zu den Menschen von Christo und der Rettung in Ihm reden.

Israel hat Christum nicht anerkannt (V. 19), sie haben Ihn verworfen, und Gott reizte sie dadurch zur Eifersucht, dass Er die Nationen segnete. Gott wurde von denen gefunden, die Ihn nicht suchten (V. 20). Alles das hatte Jesaja zuvor geweissagt, und wo es nun eingetreten war, rührte diese Gnade Israel nicht. Dennoch hält Gott in Seinem wunderbaren Erbarmen den ganzen Tag Seine Hände zu dem ungehorsamen Israel und auch zu jedem Unbekehrten hin ausgestreckt (V. 21).

 

3.    Die Wege Gottes in Erbarmen

(Römer 11)

 

Während Gott Sich also in Seinem unumschränkten Erbarmen den Nationen zugewandt und Israel verworfen hat, zeigt Paulus nun aber in Röm. 11, dass Er Sich Israels wieder erbarmen wird und sogar in der Zwischenzeit, in der wir leben, aus Israel einen „Überrest nach Wahl der Gnade“ aufrechthält (V. 5), wofür Paulus und die bekehrten Juden ein Beweis waren. Dasselbe hatte Gott auch in den dunklen Tagen Elias getan. Als dieser treue Diener Jehovas fühlte, dass er allein übrig geblieben war, wurde ihm die göttliche Antwort, dass noch 7000 Treue vorhanden waren (V. 2 - 4).

Wenn wir persönlich treu sind, kommen wir leicht dahin, uns mehr mit unserer Treue als mit der Treue und dem Erbarmen Gottes zu beschäftigen. Doch Gott beschränkt den Segen nicht auf uns allein, sondern Sein unumschränktes Erbarmen segnet Tausende, die wir vielleicht gar nicht kennen.

Wenn Gott aber in Israel einen Überrest aufrechthält, der in der gegenwärtigen Zeit mit den Gläubigen aus den Nationen in die Kirche, den Leib Christi, eingeht, dann hat Gott Sein Volk nicht verstoßen (V. 1), sondern Er hat sie in ihrer Gesamtheit in der Jetztzeit nur beiseite gesetzt. Ihr Tisch, ihre hohen Vorrechte sind ihnen zur Schlinge und zum Fallstrick geworden (V. 9), und mit der Christenheit ist es heute ebenso.

Durch den Fall Israels ist die Rettung den Nationen geworden, um Israel zur Eifersucht zu reizen (V. 11). Deshalb verherrlichte Paulus seinen Dienst als Apostel der Nationen, um etliche von ihnen zur Eifersucht zu reizen, damit sie errettet werden möchten (V. 13 u. 14).

Weil Gott Israel verworfen hat, ist die Welt auf den Boden der Versöhnung gestellt worden (V. 15). Gott betrachtet die ganze Welt von dem Standpunkt aus, der durch den Tod Christi zuwege gebracht worden ist. Christus ist für alle gestorben (2. Kor. 5, 15), und Er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt (1. Joh. 2, 2).

Wenn ein Mensch nicht mit Gott versöhnt ist, so liegt das daran, dass er die Versöhnung, die allen Menschen zugänglich ist, nicht haben will. All der Reichtum der holdseligen Person Christi und der Sühnwert Seines Werkes am Kreuz ist vor Gott gegenwärtig, und alle Menschen können Nutzen daraus ziehen.

Wie aber die Verwerfung Israels in der gegenwärtigen Zeit die Versöhnung der Welt ist, so wird später ihre Annahme Leben aus den Toten bedeuten (V. 15), wobei der Apostel an Stellen wie Hes. 37, Jes. 25, 8 und Jer. 33, 7 - 9 denkt.

Abraham war „der Erstling“ des Ölbaums der Verheißungen Gottes gewesen, die in Christo erfüllt sind (V. 16). Abraham hielt im Glauben an den heiligen Verheißungen Gottes fest. Er war der Vater der Gläubigen, denn er wurde durch Glauben an die Verheißungen Gottes gekennzeichnet; er glaubte Gott (Röm. 4, 3). Weil der Erstling heilig war, musste auch die Masse heilig sein, und weil die Wurzel heilig war, so mussten es auch die Zweige sein. Doch es erwies sich, dass einige der natürlichen Zweige keinen Glauben hatten, denn sie hatten Christum, in dem die Verheißungen Gottes verkörpert waren, verworfen. Deshalb wurden sie aus dem Ölbaum ausgebrochen, und die aus dem wilden Ölbaum der Nationen wurden eingepfropft, damit sie „der Wurzel und Fettigkeit des Ölbaums mitteilhaftig“ würden (V. 17). Auf diese Weise wurden die aus den Nationen, die das christliche Bekenntnis annahmen, in den Nutzen der Verheißungen Gottes, die in Christo erfüllt sind, eingeführt.

Doch für die Nationen besteht die Gefahr, dass es ihnen ebenso wie Israel ergehen kann. Wir können Gott mit den Lippen nahen, während unser Herz fern von Ihm ist. Die Christenheit hat im großen und ganzen denselben Unglauben wie Israel geoffenbart. Deshalb gilt uns allen die ernste Ermahnung des Apostels: „Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich“ (V. 20), denn wer nicht an der Güte Gottes bleibt, wird wieder ausgeschnitten (V. 22).

Wunderbare Reichtümer sind uns zugänglich geworden, doch sind wir demütig genug, sie uns im Glauben anzueignen? Es handelt sich darum, lebendigen Glauben zu haben und ein brauchbares Zeugnis für Gott zu sein. Die einzige Sicherheit dafür ist, im Glauben zu stehen und an der Güte und Barmherzigkeit Gottes zu bleiben. Nur zerschlagene und zerbrochene Herzen bekommen die Segnungen Gottes.

Die Christenheit hat sich Werken und dem Halten des Gesetzes zugewandt, sie hat auf Fleisch vertraut. Laodizäa rühmt sich, ohne Christum „reich geworden zu sein“ (Offb. 3, 17). Die Nationen sind nicht an der Güte Gottes geblieben, die doch für sündige Menschen so anziehend ist. Wir nähern uns dem Augenblick, wo der Herr die Seinen entrückt und wo das Bekenntnis der Nationen aus dem Ölbaum durch die Strenge Gottes wieder ausgehauen wird.

Dadurch bietet sich für Gott aber die Gelegenheit, Israel wieder einzupfropfen.

Paulus lässt uns über das Geheimnis der Wege Gottes nicht in Unkenntnis (V. 25). Gegenwärtig ist Israel „Verstockung“ widerfahren, weil Gott nach Seinem Vorsatz die Fülle der Nationen hereinbringt. Doch wenn das geschehen ist, „wird ganz Israel errettet werden“, denn aus Zion wird der Erretter kommen, Israel wieder in seinen Ölbaum einpfropfen, ihre Sünden wegnehmen und Seinen Bund mit ihnen errichten (V. 26 u. 27).

„Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde um euretwillen“ (V. 28), denn sie haben es übel aufgenommen, dass die Gnade Gottes sich den Nationen zugewandt hat. Doch es bleibt wahr, dass sie hinsichtlich der Auswahl Geliebte um der Väter willen sind, „denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar“ (V. 29).

Israel wird wie wir lediglich als Gegenstand des Erbarmens und der unumschränkten Auserwählung Gottes zur Segnung gelangen (V. 30-32). Wir alle müssen im Innersten unserer Seele lernen, dass nichts als das Erbarmen Gottes uns errettet hat.

Wenn wir bedenken, wie Gott gewirkt hat, um das Rühmen, den Hochmut und die Selbstgerechtigkeit des Menschen im Fleische zu beseitigen, wenn wir weiter das unumschränkte Erbarmen Gottes anschauen, worin Er die Ratschlüsse Seiner Liebe zustande bringt, dann drängt es unsere Herzen, mit Paulus in das Lob auszubrechen: „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm zuvor gegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen“ (V. 33-36).

Das tiefe Bewusstsein der unumschränkten Wege Gottes in Erbarmen bringt in uns einen Geist der Anbetung und Bewunderung hervor. Wir waren wie alle Menschen unter Tod und Gericht, doch Gott hat uns Erbarmen erwiesen, und wir verdanken Gott allein alle unsere Segnungen. Das treibt uns an, diesen Gott des Erbarmens anzubeten und Ihm die ganze Herrlichkeit zuzuschreiben.