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MALEACHI 3.16

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http://www.bibelkommentare.de/mags.php?splitfile=BdH_1892.pdf&pfrom=65&pto=71

 

Dreierlei Arten von Gericht    Abschrift durch Anita L.

 

Wir begegnen in der Schrift drei Arten von Gericht, deren Verständnis für den Christen höchst wichtig ist, nämlich dem Selbstgericht, dem Gericht von seiten der Versammlung und dem Gericht von seiten Gottes.

 

1. Das Selbstgericht ist die ernste Pflicht eines jeden wahren Christen. Es ist unmöglich, Fo

...

Römerbrief

I. Befestigung im Evangelium (Römer 1- 5)

Paulus schreibt an die Römer in Kap. 1, 11, dass ihn sehr danach verlangte, sie zu sehen und ihnen einige Gnadengaben mitzuteilen, um sie zu befestigen, und der große Gedanke des Römerbriefes ist, die Gläubigen in dem besonderen Evangelium, das Paulus verkündigt hat, zu befestigen, denn es heißt in Röm. 16, 25. 27: „Dem aber, der euch zu befestigen vermag nach meinem Evan­gelium und der Predigt von Jesu Christo . . . dem allein weisen Gott, ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“ Am Ende des Briefes, dessen Zweck die Befestigung der Gläubigen in dem Evangelium des Paulus ist, werden wir also darauf hingewiesen, dass nur der allein weise Gott dies zu tun vermag. Möchten wir uns deshalb beim Lesen und Nachsinnen über die Gedanken desselben nicht auf unsere Weisheit und Fähigkeiten stützen, sondern uns viel im Gebet an den allein weisen Gott wenden, damit Er uns in dem Evangelium, das Paulus predigte, befestige!

1. Das Evangelium

(Römer 1, 1 - 15)

In den einleitenden Versen des Römerbriefes legt Paulus den besonderen Charakter seines Evangeliums klar. Er verkündigte das Evangelium Gottes (V. 1) über Seinen Sohn (V. 3), der als Sohn Gottes in Kraft dem Geiste der Heiligkeit nach durch Totenauferstehung erwiesen worden war (V. 4). Paulus, der Knecht Jesu Christi und der berufene Apostel, war für dieses Evangelium abgesondert worden (V. 1) und verkündigte es somit auf eine heilige, abgesonderte Weise. Er benutzte dabei keine menschlichen Verfahren und Kunstgriffe, denn Gottes frohe Botschaft über Seinen Sohn bedarf keiner menschlichen Beimischung. Das Evangelium kommt von Gott, es geht aus Seinem Herzen hervor und handelt von Seinem Sohne, den Gott gesandt hat, um die Menschen auf eine heilige Weise von allem zu befreien, was infolge der Sünde auf ihnen lastet. Der Sohn Gottes ist durch Totenauferstehung in Kraft erwiesen, denn Er kann die Menschen dem moralischen Tode, wie auch dem wirklichen Tode entreißen.

In „Totenauferstehung“ ist „Toten“ Mehrzahl und bezieht sich deshalb nicht nur auf die Auferstehung Christi, sondern auch auf die Auferstehung toter Menschen. Der Sohn Gottes vermag Sünder, die in ihren Vergehungen tot sind in den Genuss der Liebe Gottes, die Er offenbart, lebendig zu machen, wofür jeder Gläubige ein Beweis ist. Weil der Sohn Gottes Tote auferwecken kann, vermag Er auch alles andere zu tun. Er ist imstande, die Menschen von der schrecklichen Macht der Sünde, worunter sie stehen, zu befreien und sie dahin zu bringen, dass sie dem Wohlgefallen Gottes gemäß leben. Der Sohn Gottes kann allen unseren Bedürfnissen als Sünder und als Gläubige ab­helfen, und Er bringt alles „dem Geist der Heiligkeit nach“ für Gott zustande.

Das Evangelium des Paulus weist auf die Größe und Auferstehungskraft des Sohnes Gottes hin und ist die Grundlage und der Ausgangspunkt für alle unsere Segnungen.

Paulus hatte „Gnade und Apostelamt“ vom Herrn empfangen, um das Evangelium unter allen Nationen zu pre­digen (V. 5).

Wenn er auch für das Evangelium Gottes über Seinen Sohn von den Menschen und ihren Verfahren abgesondert war, so fühlte er sich doch allen Menschen gegenüber als Schuldner (V. 14). Er fühlte sich verpflichtet, allen Menschen von der Hilfe und der Macht des Sohnes Gottes zu erzählen. Er war sogar bereit, auch den Christen in Rom das Evangelium, das ihm anvertraut worden war, zu verkündigen (V. 15).

Wenn wir dem Evangelium von der Kraft des Sohnes Gottes geglaubt haben, sind auch wir verpflichtet, unserem Maße entsprechend den Menschen das, was wir von Gott wissen, zu verkündigen, denn die Menschen haben Anspruch darauf, mit der Kraft des Sohnes Gottes bekanntgemacht zu werden.

Es ist erstaunlich, wie wenig die Menschen, die christlich erzogen sind, von Christo, dem Sohne Gottes, und von dem glückseligen Gott wissen, der Sich Seinem in Sünde gefallenen Geschöpfe als ein Heiland-Gott darstellt.

Wenn Paulus in Römer 15, 20 wünschte, nicht auf eines anderen Grund zu bauen, also nur solchen das Evangelium zu verkündigen, in deren Herzen noch kein anderer den Grund, Jesum Christum, gelegt hatte, so kann uns das nicht davon abhalten, das Evangelium zu ver­kündigen, denn viele Menschen um uns her haben trotz aller äußerlichen Verchristlichung keine Grundlage in sich und sind deshalb noch unbearbeiteter Baustoff. Die meisten Menschen sind in Unkenntnis über Gott und Sein Evangelium, das Paulus verkündigt hat.

Doch Paulus verkündigte nicht nur allen Menschen das Evangelium, sondern er diente auch Gott in seinem Geiste in dem Evangelium Seines Sohnes (V. 9). Der Dienst im Geist des Apostels fand seinen Ausdruck im Gebet: Paulus übte seinen evangelistischen Dienst auf eine gebetsvolle, priesterliche Weise aus. In Röm. 15, 16 schreibt er, dass er priesterlich an dem Evangelium Gottes diente, auf dass das Opfer der Nationen angenehm werde, geheiligt durch den Heiligen Geist. Paulus diente Gott in seinem Geiste als Priester, indem er daran dachte, was für Gott aus dem Evangelium hervorgehen sollte, nämlich eine Schar von Gläubigen, die durch den Heiligen Geist geheiligt, einmütig mit einem Munde Gott verherrlichen möchte und auf diese Weise Gott für Seinen Dienst angenehm sein sollte. Er dachte an die Ergebnisse für Gott aus dem Evangelium, und auch wir sollten auf diese Weise Gott dienen, indem wir für das Evangelium beten.

2. Der Glaube

(Römer 1, 16 und 17)

Der Mensch muss der frohen Botschaft Glauben schenken wenn er von Gott gesegnet werden will. Die herrliche Person des Sohnes Gottes, die alles vermag, muss der Gegenstand seines Glaubens werden.

Paulus verkündig das Evangelium  „zum Glaubensgehorsam“ unter allen Nationen (V. 5).

Durch den Sündenfall ist das Band, das zwischen Gott und dem Menschen, Seinem Geschöpfe bestand, in moralischem Sinne zerrissen worden. Doch Gott knüpft jetzt ein neues Band mit dem Menschen an, denn Er bringt ihn durch den Glauben an Seinen Sohn Jesum Christum wieder in Beziehung zu Sich Selbst.

Gott wahrt dabei jedoch durch Seinen Sohn Seine Oberhoheit; Er offenbart Sich in Christo als Heiland-Gott, doch Er bleibt immer noch Gott und ist berechtigt zu gebieten, und es ist am Menschen, Seinem Geschöpf, zu gehorchen. Es heißt in Röm. 16, 26, dass das Evangelium des Paulus „nach dem Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam“ ist.

Gott befiehlt dem Menschen, sich im Glauben an Seinen Sohn zu wenden, und wenn das Evangelium eines Menschen Herz erreicht und er diesem Befehle Gottes gehorcht, kommt es ihm als das denkbar Köstlichste vor, Gott gehorsam zu sein, denn der Glaubensgehorsam, der alle unsere eigenen Werke und Verdienste ausschließt, sichert uns jede Segnung.

Wenn wir Gott gehorchen und im Glauben Zuflucht zu Seinem Sohne nehmen, werden wir von Gott geliebt. Deshalb werden wir in Röm. 1, 7 „Geliebte Gottes“ ge­nannt. Der Herr zeigt im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Luk. 15), wie Gott, der Vater, uns entgegenläuft und uns mit Küssen der Liebe bedeckt. Jeder, der sich im Glauben an den Herrn Jesum gewandt hat, hat auf diese Weise erfahren, dass er ein „Geliebter Gottes“ ist.

Im Gegensatz dazu werden die Gottlosen in Röm. 1, 30, die dem Evangelium nicht gehorchen, „Gottverhasste“ genannt, denn ihr Leben ist Gott zum Abscheu. Der Glaube an den Herrn Jesus macht also aus „Gottverhassten“ Geliebte Gottes. Wie kostbar für uns, in dem Bewusstsein stehen zu dürfen, dass Gott uns liebt, weil wir an Christum glauben.

Das Evangelium dient weiter noch jedem Glaubenden zur Rettung oder zum Heil; es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden (V. 16). Weil der Mensch durch die Sünde unter die Macht des Feindes geraten ist, muss er davon errettet werden, und das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung jedem Glaubenden.

Dann ist der Mensch infolge der Sünde ins Verderben, in einen ungesunden Zustand gekommen, und Gott gewährt jedem Glaubenden durch das Evangelium Heilung und Gesundung davon. Das zeigt, dass wir das Evangelium auch noch hören müssen, wenn wir schon gläubig sind, denn wir müssen von der Macht Satans errettet werden, solange wir hienieden sind, und das Evangelium ist Gottes Kraft zur Rettung jedem Glaubenden.

Dann wird noch im Evangelium die Gerechtigkeit Gottes geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ (V. 17). Gott ist gerecht, denn Er bestraft die Gottlosen, und Sein Zorn wird vom Himmel her geoffenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen (V. 18). Gott ist gerecht, indem Er den Menschen das, was er sät, ernten lässt; und Er ist gerecht, indem Er bei den Gläubigen das anerkennt, was Ihm wohlgefällt, und sie für das be­lohnt, was sie von den Gottlosen leiden.

Weil Gott gerecht ist, kann er den schuldigen Sünder, der an den Herrn Jesum glaubt, nicht einfach aus Barmherzigkeit freisprechen, sondern Er kann das nur auf einer gerechten Grundlage tun, und diese Grundlage gibt Ihm der Tod oder das Blut Christi (Röm. 3, 25).

Christus hat am Kreuze unsere Sünden getragen, und Gott offenbart gegenwärtig Seine Gerechtigkeit nicht darin, dass Er uns die Schuld zurechnet, sondern uns auf Grund des Todes Christi davon freispricht oder rechtfertigt.

Diese geoffenbarte Gerechtigkeit Gottes ist uns nur auf Grund des Glaubens zugänglich, sie ist „aus Glauben zu Glauben“, und der Gerechtfertigte lebt aus Glauben. „Der Gerechte wird aus Glauben leben“, indem er beständig die Ge­rechtigkeit Gottes im Tode Christi, also die Art, wie Gott am Kreuze gegen die Sünde vorgegangen ist, vor Augen hat, und das hält ihn im Selbstgericht und m dem beständigen Bewusstsein, auf welchem Boden er vor Gott
steht und lebt. Es ist wahre Glückseligkeit, in dieser Weise als ein Gerechtfertigter aus Glauben zu leben.


3. Buße

(Römer 2)

Paulus geht von Röm. 3, 21 ab weiter auf die Gerechtigkeit Gottes, die durch den Glauben an Jesum Christum ist, ein. Doch in Röm. 1, 18 - 3, 20 wird gezeigt, dass alle Menschen Sünder und dem Gerichte Gottes verfallen sind und deswegen Buße tun müssen, wenn sie sich im Glauben an Christum wenden. Buße ist eine Sinnesänderung, die die Erkenntnis der Güte Gottes in uns hervorruft, so dass wir das Böse, das wir getan haben, an uns selbst richten. Die Güte Gottes leitet uns zur Buße (Röm. 2, 4).

Gott übt auf Grund des Todes Christi Güte, Geduld und Langmut mit dem Menschen. Doch Er erwartet, dass er vor Ihm den Boden der Buße einnimmt. Wer sich aber hartnäckig weigert, Buße zu tun und den Reichtum der Güte Gottes verachtet, kommt unter den Zorn und das Gericht Gottes (Röm. 2, 5).

In Röm. 1, 18 - 32 wird das tiefe Verderben, worin die gottlosen Menschen leben, geschildert. Obschon sie Gott kennen und Ihn in der Schöpfung wahrnehmen (V. 19. 20), haben sie Ihm weder Verehrung noch Dank dargebracht (V. 21). Sie verfielen in die Torheiten des Heidentums, weil sie die Dankbarkeit gegen Gott, den gütigen Schöpfer, aufgaben. Deshalb hat Gott sie dahingegeben in schändliche Lüste (V. 26. 27) und in einen verworfenen Sinn (V. 28). Sie tun also nicht nur diese Schlechtigkeiten, sondern sie sinnen auch beständig darauf. Obschon sie Gottes gerechtes Urteil kennen, dass diejenigen, die solche schrecklichen Dinge verüben, des Todes würdig sind, tun sie nicht nur all das Böse, sondern sie finden auch noch Wohlgefallen an denen, die solches tun (V. 32).

Solche Gottlosigkeit findet sich nicht nur bei den Heiden, sondern auch bei Namenchristen, die in Zügellosigkeit und offenbaren Lastern leben. Der Zorn Gottes wird vom Himmel her über all diese Gottlosigkeit geoffenbart werden (V. 18). Deswegen sollten solche Menschen Buße tun, zu Christo eilen und ihr Leben ändern.

In Röm. 2, 1-16 wird eine andere Klasse von Menschen geschildert, die nicht in offenbaren, sondern in heimlichen oder verborgenen Sünden leben. Es fehlt ihnen nicht an Licht, das Böse bei anderen zu richten. Doch Gott sagt: „Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder, der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe“ (V. 1). Gott lenkt also das Auge unseres Gewissens auf uns selbst und zerstört den Schein unserer eigenen Gerechtigkeit, der dem Richten über andere zugrunde liegt; Er sagt: „Du tust dasselbe.“ Wenn ein solcher Mensch das aus Mangel an Selbsterkenntnis ableugnet, dann sagt ihm Paulus, dass Gott das Verborgene der Menschen nach seinem Evangelium durch Jesum Christum richten wird (V. 16).

Jemand mag also nach außen hin unbescholten sein, doch Gott sieht all das Böse, das er im Verborgenen tut und das nicht ans Licht kommt, und an jenem Tage des Gerichts wird Er ihn deswegen richten. Er sollte sich also durch die Güte Got­tes zur Buße leiten lassen (V. 4) und nicht in seiner Selbstgerechtigkeit verharren.

In Röm. 2, 17 - 3, 20 wird noch eine dritte Klasse von Menschen beschrieben, nämlich die Juden, die religiösen Menschen, denen „die Aussprüche Gottes anvertraut“ waren (Röm. 3, 2), wie die Christenheit heute die Bibel hat. Sie rühmten sich Gottes, der Wahrheit und all des Lichtes, das sie erlangt hatten, verharrten aber auf bösen Wegen, die Gott missfielen.

Der Jude getraute sich, andere über das Gesetz zu belehren, doch er lehrte sich selbst nicht; er lebte das, was er lehrte, anderen nicht vor (Röm. 2, 21); und mit der Christenheit ist es heute ebenso.

Wir können uns viel Erkenntnis aneignen, ohne ihr im geringsten zu entsprechen. Doch Gott tut auch dem religiösen Menschen die Tür der Buße auf. In Römer 2, 29 ist von der inneren Beschneidung des Herzens, im Geiste, die Rede. Das ist Selbstgericht, das bei uns einen unterwürfigen Geist erzeugt. Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz ist Gott wohlgefällig (Ps. 51,17). In einem solchen Zustande verunehren wir nicht den Namen Gottes, und wenn einer, der Belehrungen bringt, sich selbst richtet, dann ruft er keine Schwierigkeiten, sondern Unterwürfigkeit unter Gott in anderen hervor.

Ob also die Menschen gottlos (Röm. 1), moralisch (Röm. 2) oder religiös (Röm. 3) sind, das Urteil dessen, der die Herzen erforscht, lautet: „Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm. 3, 23).

Die Schriftstellen, die Paulus in Röm. 3, 10-18 den Juden und Christen aus ihrer eigenen Bibel anführt, nämlich aus dem Alten Testament, beweisen deutlich, dass der Mensch mit allen seinen Gliedern der Sünde dient. Damit ist jeder Mund verstopft, auch der anmaßende Mund der Religion, und die ganze Welt ist dem Gerichte Gottes verfallen (V. 19).

Die einzige Möglichkeit, diesem Gerichte zu entrinnen, ist, an Christum zu glauben und als ein von Gott durchforschter Sünder Buße zu tun.

4. Die Gnade Gottes

(Römer 3, 21 - 31)

Wenn wir uns in unserer Sündennot bußfertig im Glauben an den Herrn Jesus wenden, fühlen wir uns nicht von Ihm abgestoßen, sondern mächtig zu Ihm hingezogen, weil Er uns die vergebende Gnade Gottes offenbart. Als Er hienieden war, zog Er die Elenden und Mühseligen, die ihrer Sünden wegen vor Gott bekümmert waren, zu Sich hin, und dasselbe ist heute immer noch der Fall, wo der Herr Jesus im Himmel droben verherrlicht ist. Alles, was Er tat und sprach erweckte Glauben an Ihn. Am Kreuze nahm Er dann in Seiner Gnade den Platz des Sünders im Gerichte Gottes ein und schmeckte alles, was der Sünder mit Recht verdient hatte. Er offenbarte am Kreuze die Gerechtigkeit Gottes in vollkommener Gnade, denn wir sehen dort, wie Gott Sich in Christo als Gott der Gnade unter Aufrechthaltung Seiner Gerechtigkeit dem sündigen Menschen geoffenbart hat.

Es steht allen Menschen frei, an Jesum Christum zu glauben und alle, die es tun, werden umsonst gerechtfertigt durch Seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christo Jesu ist (V. 24).

Wie bereitwillig rechtfertigt Gott doch den Menschen, der im Glauben bußfertig zum Herrn Jesu kommt! Er hat Wohlgefallen daran, den Gläubigen auf der gerechten Grundlage des Werkes Christi von aller Schuld freizusprechen.

Seelen, die durch Stellen wie Joh. 3, 16 oder Joh. 5, 24 Segen bekommen haben, müssen die Gerechtigkeit Gottes in Römer 3 kennenlernen, um eine feste Grundlage des Friedens zu besitzen, denn die Liebe Gottes zieht das Herz eines Sünders wohl an, doch der Glaube muss sich auf das Werk Christi am Kreuze, auf die darin geoffenbarte Gerechtigkeit Gottes als Grundlage stützen.

Die Rechtfertigung des Gläubigen geschieht aufgrund der Erlösung, die in Christo Jesu ist. Gott gibt uns einen völligen Schuldenerlass. Er hat von Seinem Erlöserrecht Gebrauch gemacht und Seinen Sohn gesandt, dem Er aus Gnaden das Gericht der Sünde und die Strafe des Todes, die wir verdient hatten, am Kreuze auferlegt hat. Gott hat Ihn nun dargestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben an Sein Blut, um Seine Gerechtigkeit zu erweisen (V. 25).

In Christo als Gnadenstuhl kommt die herrliche Gesinnung, worin Gott Sich dem sündigen Menschen darstellt, zum Ausdruck. Das Blut auf dem Gnadenstuhl redet von der Kraft des Todes Christi; es ist allen Anforderungen Gottes der Sünde gegenüber derart gerecht geworden, dass Seine Gnade allen Menschen verkündigt werden kann. Gott allein kennt den Wert des Blutes Christi, und Er stellt Christum als Gnadenstuhl in dem Wert dieses Blutes dar. Das Segenslicht über den Erlöser-Gott und Christum, den Gnadenstuhl, gelangt „durch den Glauben an sein Blut“ in unsere Herzen.

Wie herrlich ist doch Gott in Seiner Gnade! Was könnte den Ausdruck Seiner Gnade noch mächtiger und ergreifender gestalten! Wer dadurch nicht berührt und in Buße geführt wird, kann nicht erlöst werden und muss deshalb die Ewigkeit im Feuersee zubringen.

Weil Christus Sich vorgenommen hatte, Mensch zu werden und am Kreuze für die Sünden der Gläubigen zu sterben, ging Gott im Alten Testament mit Nachsicht über die Sünden der Gläubigen hinweg (V. 25). In der Jetztzeit aber, wo Gott Christum als Gnadenstuhl dargestellt hat, erweist Er Seine Gerechtigkeit darin, dass Er den rechtfertigt, der des Glaubens an Jesum ist (V. 26). Weil Gott uns aufgrund des Blutes Christi rechtfertigt, ist unser Verdienst und Ruhm völlig davon ausgeschlossen (V. 27). Alles, was wir zu dem Erlösungswerk beigetragen haben, ist, dass wir es durch unsere Sünden veranlasst haben. Gott allein gebührt aller Ruhm.

Wie köstlich ist die Erkenntnis Seiner Gnade, die uns auf einer gerechten Grundlage rechtfertigt!

5. Glaubensgerechtigkeit

(Römer 4)

In Römer 4 ist nicht wie in Römer 3 von der Gerechtigkeit Gottes die Rede, deren Anforderungen das Blut Christi Genüge geleistet hat, sondern dort handelt es sich um die Gerechtigkeit des Glaubens, die Gott uns aufgrund des Glaubens zurechnet.

Es heißt von Abraham, dass er Gott glaubte und dass es ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde (V. 3), und wir erlangen diese Glaubensgerechtigkeit nicht durch Werke, sondern durch den Glauben an Gott, der den Gottlosen rechtfertigt (V. 5).

In Röm. 3 ist von dem Glauben an Jesum Christum und an Sein Blut die Rede, während es sich in Röm. 4 um den Glauben an Gott handelt. Wir werden also, wenn wir nach Röm. 3 im Glauben zu Christo gekommen sind und uns im Glauben auf Sein vollbrachtes Werk stützen, durch das Evangelium des Paulus in unmittelbare Beziehung zu Gott gebracht.

Welch eine unermessliche Gnade, dass Gott dem Gottlosen, der an Ihn glaubt, Glaubensgerechtigkeit zurechnet (V. 5). Das schließt jeden Gedanken an ein Verdienst bei dem Gerechtfertigten aus. Wunderbare Glückseligkeit hält in unseren Herzen Einzug, wovon David in Ps. 32 geschrieben hat, wenn wir die Wahrheit im Glauben erfassen, dass alle unsere Sünden vergeben sind und dass Gott uns anstatt unserer Sünden Gerechtigkeit zurechnet (V. 6-8).

Um aber in dieser Glückseligkeit erhalten zu werden, müssen wir wie Abraham die Beschneidung verwirklichen und unser Fleisch unwirksam halten. Wenn wir dann wie Abraham den Zustand der Kraftlosigkeit und des Todes vor Gott fühlen, erfahren wir nicht nur die Überschwenglichkeit Seiner Gnade, die den Gottlosen rechtfertigt, sondern auch Seine Macht, die Christum aus den Toten auferweckt hat, um unsere Gerechtigkeit zu sein (V. 24). Am Kreuze wurde der Herr Jesus unserer Übertretungen wegen dahingegeben, und damit wurde die Frage unserer Sünden völlig gelöst. Doch die Macht Gottes hat dann eingegriffen und Christum unserer Rechtfertigung wegen auf erweckt (V. 25).

Der auferweckte Christus stellt die Art Gerechtigkeit dar, die Gott uns zurechnet; Er ist unsere Gerechtigkeit. Welch eine Gnade! Wie freudig ergreifen wir diese Gerechtigkeit, weil wir nur Sünden haben!

6. Die Segnungen des Glaubens

(Röm. 5, 1 - 11)

Wenn wir uns im Glauben auf das Werk Christi am Kreuze stützen und Ihn in der Auferstehung als unsere Gerechtigkeit erblicken, dann haben wir Frieden mit Gott im Blick auf unsere sündige Vergangenheit. Wir sind nicht mehr wegen unserer Sünden bekümmert, weil Christus sie am Kreuze getragen hat. Wir haben keine Befürchtung, keine Unruhe und keine Ungewissheit mehr, sondern unsere Seele erfüllt wolkenloser Friede. Keine Frage der Schuld kann uns mehr niederdrücken.

Was unsere Vergangenheit betrifft, so haben wir „Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesum Christum“. Als „Jesus, unser Herr“ (Röm. 4, 24), ist Er aus den Toten auferweckt worden, um unsere Gerechtigkeit zu sein, und. als unser Herr Jesus Christus ist Er im Himmel erhöht und der Verwalter der geistlichen Segnungen, die unser Teil sind.

Wir haben aber durch unseren Herrn Jesum Christum auch „Zugang zu der Gnade“, worin wir stehen, und das ist für die Gegenwart. Wenn wir irgendeine Not fühlen, so kann unser Glaube aus der Verwaltung Christi Nutzen ziehen und Zuflucht zu der Gnade Gottes, die uns erlöst und gerechtfertigt hat, nehmen. Im Blick auf die Zukunft rühmen wir uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes“.

Der Herr Jesus, unser Erlöser, ist schon in der Herrlichkeit droben und wird auch alle Seine Erlösten sicher in die Herrlichkeit bringen, denn sonst wäre Er ein Erlöser ohne Erlöste. Des­halb können wir uns schon jetzt in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes rühmen.

Wenn wir also den auferstandenen Christus als unsere Gerechtigkeit erblicken, ist jede Frage betreffs unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gelöst.

Es heißt dann aber noch zweimal: „Nicht allein aber das, sondern ... Gott reicht unseren gläubigen Herzen also noch weitere Segnungen dar. Auf dem Wege zur Herrlichkeit Gottes haben wir die Wüste zu durchschreiten, wo wir durch viele Trübsale gehen müssen. Doch wenn wir auch von Natur davor zurückschrecken, so rühmen wir uns doch der Trübsale, weil wir wissen, dass sie zu unserem Nutzen dienen, denn „Trübsal bewirkt Ausharren, das Ausharren aber Erfahrung, die Erfahrung aber Hoffnung, die Hoffnung aber beschämt nicht". Die Widerwärtigkeiten der Wüste erproben nur die Echtheit und Dauerhaftigkeit des Werkes Gottes in uns.

Wenn wir auch von außen Trübsal leiden müssen, so erfrischt uns aber der Heilige Geist in unseren Herzen mit der Liebe Gottes, die im Tode Christi ihren Ausdruck fand und die der Geist in unsere Herzen ausgießt.

In Röm. 5.5 wird zum erstenmal im Römerbrief gesagt, dass der Heilige Geist uns gegeben ist, wenn in Rom. 4 auch schon vorausgesetzt wird, dass wir Ihn haben, denn in Röm. 4,11 ist von dem „Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens“ die Rede, was für Abraham die Beschneidung war, aber für uns der Geist ist.

Welch eine Gnade, dass Gott uns den Geist gegeben hat! Er war nicht zufrieden damit, dass wir Seine Gerechtigkeit, Gnade und Macht kennen sollten, sondern wir sollten auch Sein Liebesherz kennen, und der Heilige Geist gießt Seine Liebe in unsere Herzen aus.

In Vers 10 ist von der Versöhnung die Rede. Wir wurden, da wir Feinde waren, mit Gott durch den Tod Seines Sohnes versöhnt. Gott hat durch den Tod Seines Sohnes nicht nur Seine Liebe erwiesen, sondern auch den Zustand der Feindschaft hinweggetan, so dass Sein Wohl­gefallen auf uns ruht.

Wir waren von Natur nicht nur schuldig, sondern lebten auch in Feindschaft gegen Gott, und der Sohn Gottes starb, um uns, die wir Feinde waren, mit Gott zu versöhnen, und errettet uns jetzt durch Sein Leben von allem, was uns daran hindern könnte, zum Wohlgefallen Gottes zu sein.

In Vers 11 heißt es endlich noch, dass wir uns auch Gottes rühmen. Alles, was Gott in Christo ist, ist für uns eine Quelle der Befriedigung und Freude. Das ganze Werk der Erlösung und Rechtfertigung ist von Gott ausgegangen. Unsere Herzen wenden sich deshalb voll Lob und Dank zu Ihm hin. Wir freuen uns über alle Segnungen, die Er uns durch Jesum Christum darreicht. Doch unsere größte Freude besteht darin, dass wir einen solchen Gott haben, und deshalb „rühmen wir uns Gottes durch unseren Herrn Jesum Christum“.

O welch ein Gott! O, wer singt Deinen Preis!

Für unsre armen Herzen ist's zu groß.
Und dennoch tun wir's auf Dein Geheiß -
Dein Geist macht frei, von allen Fesseln los.
Die Heil`gen droben und uns, die noch hier, Füllt eines nur - Dein Lob, glücksel'ger Gott;

Zu Dir gebracht, erlöst durch Jesu Blut,
Bist Du der Lobgesang - Du, unser Gott!

7. Das Endziel der Gnade

(Römer 5, 12 - 21)

Unser Herr Jesus Christus ist auf der göttlichen Seite der Verwalter des Segens, den Gott für uns hat. Doch „der Mensch Jesus Christus“ (V. 15) ist Haupt auf unserer Seite und wird Adam gegenübergestellt.

Adam brachte Sünde und Tod in die Welt, und alle Menschen sind in die Stellung von Sündern gesetzt worden und dem Tode verfallen. Doch Christus ist ein neues Haupt, und durch Seine Tat der Gerechtigkeit am Kreuz, wo Er das Gericht der Sünde trug und starb, können alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens gelangen (V. 18).

Anstatt verdammt zu werden, können sie als Gerechtfertigte vor Gott leben, und zu diesem Zwecke brauchen sie nur „die Gnade Gottes und die Gabe in Gnade, die durch einen Menschen, Jesum Christum, ist“ (V. 15), im Glauben anzunehmen.

Die Gläubigen sind „die Vielen“, die „die Überschwenglichkeit der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen“ (V. 17) und „durch den Gehorsam des Einen (d. i. Christi) in die Stellung von Gerechten gesetzt werden“ (V. 19).

Die Stellung von Gerechten einzunehmen, ist mehr, als mit der Gerechtigkeit Christi, die Gott unserem Glauben zurechnet (Röm. 4), bekleidet zu sein. Wenn ein Bettler berufen wird, sich beständig an einem königlichen Hofe aufzuhalten, so bekommt er nicht nur Hofkleidung, sondern er muss auch lernen, sich wie ein Höfling zu benehmen. Unter dem Einfluss Christi, der unsere Gerechtigkeit ist, lernen wir, die Gerechtigkeit lieben und die Gesetzlosigkeit hassen; wir hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, die in Ihm entfaltet ist, und werden auf diese Weise in unserem Benehmen und unserem Wesen Gerechte, die „in die Stellung von Gerechten versetzt“, den Gehorsam und die Gerechtigkeit Christi in sich wirksam haben. Doch nur die Gnade und nicht gesetzliche Anstrengung bringt das zustande.

Die Gnade versetzt uns aber nicht nur in die Stellung von Gerechten, sondern sie sucht uns auch dahin zu bringen, dass wir auf demselben Schauplatz, wo wir vor unserer Bekehrung in Sünden und Ungerechtigkeiten gelebt haben, „im Leben herrschen durch den Einen, Jesum Christum“ (V. 17).

Wie dieses Ziel erreicht wird, zeigen die folgenden Kapitel (Röm. 6 - 8).

Wenn wir sündigen oder den Regungen unseres Fleisches nachgehen oder durch die Schwierigkeiten des Wüstenpfades niedergedrückt sind, dann herrschen wir nicht im Leben. Gott gewährt uns in Röm. 6 Befreiung von der Sünde von außen her und in Röm. 7 von der Macht der in uns wohnenden Sünde, und Er macht uns in Röm. 8 den Widerwärtigkeiten der Wüste überlegen, so dass wir „mehr als Überwinder“ sind. Als solche, die in der Kraft des Geistes allem hienieden überlegen sind, „herrschen wir im Leben“ auf demselben Schauplatz, wo wir früher Gott verunehrt haben.

Das Endziel der Gnade ist aber nicht nur, dass wir in dieser Wüste im Leben herrschen, sondern dass wir auch in Zustände gebracht werden, worin wir das ewige Leben genießen können. „Die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesum Christum, unseren Herrn“ (V. 21).

Christus ist nicht nur unsere Gerechtigkeit, sondern Er ist auch das ewige Leben (1. Joh. 5, 20). Johannes schreibt, dass das ewige Leben in Christo, dem Sohne Gottes, uns gegeben ist (1. Joh. 5, 11), und Paulus schreibt in Röm. 6, 23 dasselbe: „Die Gnadengabe Gottes ist ewiges Leben in Christo Jesu, unserem Herrn.“

Doch die Gnade Gottes ist durch den Dienst Pauli auch bemüht, uns in Zustände zu bringen, in denen wir uns dieser Gabe erfreuen können, und Paulus entfaltet diese Zustände im Kolosser- und Epheserbrief, wo gesagt wird, dass wir mit Christo auferweckt und lebendig gemacht sind, also an Seinem Leben jenseits des Todes teilhaben.

Ewiges Leben kann nur in Kanaan gekannt und genossen werden, denn der Herr verbindet es in Joh. 3, 12 - 16 mit dem Himmlischen; es ist gleichsam der Himmel schon auf Erden.

Weil der Römerbrief in seinem belehrenden Teil nicht über die Wüste hinausgeht, wird in ihm nur auf das ewige Leben hingewiesen, und in den Ermahnungen (Röm. 12 - 16) werden die Zustände, worin es gelebt werden kann, angedeutet. Es heißt in Röm. 12.: „Wir, die vielen“, sind „ein Leib in Christo“, und wir sehen dann den schönen Geist der himmlischen Gnade und der zarten Rücksichtnahme auf Schwache im Glauben, der uns in unserem gegenseitigen Verkehr kennzeichnen sollte.

Diesem herrlichen Endziel (Röm. 6, 22) führt uns die Gnade entgegen.


II. Befreiung von der Sünde - Römer 6

Die Wahrheit von Römer 6 ist für alle, die an den Herrn Jesum glauben, sehr wichtig, weil dort die Frage, behandelt wird, wie der Gläubige sich der Sünde gegenüber zu verhalten hat. Wir sündigen nicht nur, wenn wir etwas sehr Böses tun, sondern die Schrift sagt: „Die Sünde ist die Gesetzlosigkeit“ (1. Joh. 3, 4). Sünde ist also die Abneigung, sich Gott zu fügen und Ihm gehorsam zu sein. Paulus fragt in Röm. 6, 1: „Sollten wir in der Sünde verharren, auf dass die Gnade überströme?“ Weil es in Röm. 5, 20 heißt: „Wo die Sünde überströmend geworden, ist die Gnade noch überschwenglicher geworden“, hätte ein fleischlich Gesinnter daraus folgern können, dass die Gnade noch überschwenglicher wirksam werden würde, wenn er nach der Bekehrung in der Sünde verharren würde. Doch Paulus hält dieser falschen Auffassung sofort aufs bestimmteste entgegen: „Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch in ihr leben“ (V. 2) ? Die einzige Stellungnahme, die für den Gläubigen der Sünde gegenüber in Betracht kommt, ist also die, dass er der Sünde gestorben ist.

Als das Licht der Gnade Gottes unser Herz erreichte, sahen wir, dass unsere Sünden uns ins Verderben stürzten. Doch wir sahen auch zu unserem Erstaunen, dass aufgrund der Erlösung, die in Christo Jesu ist, lauter Vergebung und Gnade im Herzen Gottes ist. Das brachte uns dahin, Buße zu tun und Gott unsere Sünden zu bekennen, und Gott vergab und rechtfertigte uns.

Dann gab Gott uns aber noch mehr als die Rechtfertigung, denn Er segnet uns in Christo in der erhabensten Weise. In Röm. 5 wird der Reichtum Christi vor uns entfaltet. Wir sitzen dort wie die Braut im Hohenliede (Kap. 2, 3) mit Wonne im Schatten Christ, und Seine Frucht ist unserem Gaumen süß. Wenn auf diese Weise Christus und die Gnade Gottes unserem Herzen groß und erhaben wird, wenden wir uns von der Sünde weg.

Durch die Taufe, auf die in Röm..6, 3. 4 hingewiesen wird sind wir dem Bilde nach mit Christo begraben worden. Wir sind im Blick auf Seinen Tod getauft und durch die Taufe auf Seinen Tod mit Ihm begraben worden. Wir sind nicht auf einen Christus getauft worden, der bereitwillig hienieden aufgenommen worden ist, sondern auf einen Christus, der in dieser Welt der Sünde keinen Platz fand, sondern verworfen und gekreuzigt wurde.

Durch die Herrlichkeit des Vaters wurde Er aus den Toten auferweckt und in eine neue Welt eingeführt, wo Er ganz außerhalb des Schauplatzes der Sünde und des Todes lebt.

Christus wurde nicht nur durch die Macht Gottes unserer Rechtfertigung wegen auferweckt (Röm. 4, 24), sondern die Auferweckung Christi war auch eine Handlung der Liebe und Herrlichkeit des Vaters, der uns. dadurch eine neue Welt erschloss, worin wir mit Christo durch den Heiligen Geist vereinigt sind und Seinem Bilde gleichförmig gemacht werden, damit Er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern (Röm. 8, 29).

Doch in Röm. 6 ist Christus durch die Herrlichkeit des Vaters auferweckt worden, damit wir in dieser Welt in Neuheit des Lebens wandeln und der Sünde gestorben sein möchten. Der Tod Christi der Sünde und ihrem Wirkungskreis gegenüber sollte auch der unsere sein.

Wir sind mit Christo in der Gleichheit Seines Todes einsgemacht oder mit Ihm verwachsen und werden auch in der Auferstehung Ihm gleich sein (V. 5). Wir sind so an Christum gefesselt, dessen liebliches Wesen uns in Röm. 1 - 5 geschildert worden ist, dass wir nicht anders können, als im Blick auf Seinen Tod und Seine Auferstehung uns der Sünde für gestorben zu halten. Wenn eine Eiche, die mit Efeu bewachsen ist, gefällt wird, so fällt der Efeu mit zur Erde.

Wir sollten so Christo verbunden und verwachsen sein, dass Sein Tod auch unser Tod ist. Wenn schon der Tod einer geliebten Person, die uns nahesteht, uns sehr zu Herzen geht, so sollte auch der Tod Christi, dem wir alles verdanken, was wirklichen Wert für uns hat, einen derartigen Eindruck auf uns machen, dass wir Ihm gegenüber dem nachkommen, was Ruth zu ihrer Schwiegermutter sagte: „Wo du stirbst, will ich sterben, und daselbst will ich begraben sein“ (Ruth 1, 17). Dann sind wir mit Ihm zu gleichem Tode gepflanzt und denken bei allem daran, dass Er hienieden gestorben ist und dass wir mit Seinem Tode einsgemacht sind.

Wenn wir auf diese Weise unseren Mittod mit Christo verwirklichen, können wir von unserem früheren Ich als unserem alten Menschen reden. „Wir wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist“ (V. 6).

In unserem alten Menschen war die Sünde verkörpert. Deshalb missfiel er Gott, und wir wissen, dass er die schärfste, öffentliche Verurteilung verdiente und deshalb ganz zu Recht mit Christo ans Kreuz geschlagen wurde. Das Evangelium des Paulus bringt uns zum Bewusstsein, dass unser alter Mensch mit Christo gekreuzigt und deshalb zum Abschluss gekommen ist.

Doch darin liegt nicht nur ein Trost für bekümmerte Gläubige, die die schreckliche Natur des alten Menschen kennenlernen, sondern daraus folgt auch die ernste Anwendung für uns, „dass der Leib (d. i. die Verkörperung oder das Wesen) der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen“ (V. 6).

Der Gläubige soll also den Sündendienst nicht allmählich aufgeben, sondern er soll von vornherein endgültig und entschieden mit der Sünde brechen, weil Gott den alten Menschen, der der Inbegriff der Sünde ist, am Kreuz völlig verworfen und verurteilt hat. Wir sollen der Sünde nicht mehr dienen, und wenn sie in irgendeiner Form oder Verkörperung an uns herantritt, sie als eine abgetane Sache abweisen.

In Röm. 6 wird die Sünde als ein herrschender Grundsatz in der Welt betrachtet, der von außen her auf uns einzuwirken sucht, den wir aber abweisen sollen. In Röm. 7, wo wir im Lichte Gottes unser Inneres durchforschen, entdecken wir auch noch, dass die Sünde in uns

wohnt. Doch in Rom. 6 sollen wir die Sünde zurückweisen wenn sie uns von außen her zu beeinflussen sucht.

Es ist wichtig zu wissen, dass Christus der Sünde gestorben ist. „Wir wissen, dass Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn. Denn was er gestorben ist, ist er ein für allemal der Sünde gestorben; was er aber lebt, lebt er Gott“ (V. 9. 10).

Christus ist am Kreuz für unsere Sünden gestorben (1. Kor. 15, 3) ; Er tat Sühnung für unsere Sünden. Doch dass Er der Sünde gestorben ist, ist ein ganz anderer Gedanke. Das besagt, dass Er jetzt ein für allemal mit der Sünde fertig ist.

In Christo war keine Sünde (1. Joh. 3, 5); Er kannte keine Sünde (2.Kor 5, 21); Er war der Heilige Gottes (Joh. 6, 69). Doch war Er in der Welt, worin die Sünde herrscht, und Er fühlte den Kummer und die Verheerungen, die sie anrichtete. Er war „der Mann der Schmerzen“ (Jes. 53, 3).

Ungeachtet der furchtbaren Verwirrung in der Welt fand in Ihm die Frage des Guten und Bösen ihre vollständigen Lösung, denn zufolge Seiner göttlichen Vollkommenheit hasste und verwarf Er das Böse und liebte und erwählte unermüdlich das Gute. Dann ging Er in den Tod, um Sühnung für unsere Sünden zu tun.

Durch den Tod hat Er jetzt aber diesen Zustand verlassen, Er ist „ein für allemal der Sünde gestorben“ und lebt jetzt Gott außerhalb des Kreises ihrer Wirksamkeit. Wir haben das wunderbare Vorrecht, uns ebenso zu betrachten, denn es heißt: „Haltet euch der Sünde für tot. Gott aber lebend Christo Jesu“ (V. 11).

Das „Wissen“ (V. 6) ist eine Sache des Glaubens, doch das „Halten“ (V. 11) geschieht aus Liebe. Wir müssen den Herzensentschluss fassen, anstatt in der Sünde dem alten Menschen gemäß zu leben, Gott in Christo Jesu zu leben. Sobald ich Christo den Vorzug vor dem alten Menschen gebe, werde ich von dem Gedanken beseelt, dass ich in Ihm vor Gott bin.

In Röm. 6, 11 wird zum erstenmal im Römerbrief gesagt, dass der Gläubige „in Christo Jesu“ ist. Wir sind in dem auferstanden, himmlischen Menschen, in dem alle Ratschlüsse Gottes

gipfeln, und dürfen uns als in Ihm Gott lebend ansehen.

„Gott leben“ bedeutet, zum Wohlgefallen und zur Befriedigung Gottes leben, und das ist nur in Christo Jesu, dem Menschen Seines Wohlgefallens, möglich. Es ist ein ganz unbeschreibliches Vorrecht, dass wir mit dem auferstandenen Christus vereinigt sind und in Ihm Gott leben dürfen. Dem letzten Verse von Röm. 6 zufolge ist ewiges Leben „in Christo Jesu“, so dass uns dadurch ein Ausblick eröffnet wird, der sich geradewegs bis in die ewige Herrlichkeit erstreckt.

Wenn wir uns Gott lebend in Christo Jesu halten, haben wir Kraft, mit der Sünde zu brechen und uns ihr für tot zu halten. Das zeigt sich dann darin, dass wir die Sünde in unseren sterblichen Leibern nicht herrschen lassen (V. 12). Die Sünde herrscht in der Welt, doch wir müssen unsere Leiber außerhalb ihrer Herrschaft halten.

Wenn wir den Lüsten unsers Leibes gehorchen, dauert die Herrschaft der Sünde über uns an. Doch wenn wir den Herrn Jesus über alles lieben, halten wir uns der Sünde für tot, weil Er der Sünde gestorben ist.

Dann werden wir aufgefordert: „Stellet nicht eure Glieder der Sünde dar zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit, sondern stellet euch selbst Gott dar als Lebende aus den Toten, und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit“ (V. 13). Aus Liebe zu Christo sollen wir Gott unsere Glieder als Werkzeuge der Gerechtigkeit zur Verfügung stellen und damit Gerechtigkeit ausüben.

In Röm. 4, 24 hat Gott Christum unserer Gerechtigkeit wegen auferweckt, und in Röm. 5, 19 werden wir durch Seinen Gehorsam in die Stellung von Gerechten gesetzt, während wir hier mit unseren Gliedern Gerechtigkeit tun, also gerecht handeln sollen. Gott hat uns unter den Einfluss Christi gebracht, damit wir Gerechtigkeit von Ihm lernen sollen.

Unsere „Glieder“ deuten auf Einzelheiten hin. Der Mensch von Natur hat alle seine Glieder der Sünde zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit zur Verfügung gestellt. Das beweisen die alttestamentlichen Schriftstellen, die in Röm. 3, 10-18 angeführt werden. Der ganze Mensch steht unter der Herrschaft der Sünde. Zuerst wird der Verstand erwähnt: „Da ist keiner, der verständig sei; da ist keiner der Gott suche (V. 11). Der Verstand des Unbekehrten ist gänzlich von Gott abgewandt; er sucht alles ohne Gott zu verstehen. Das Schrifttum dieser Welt zeigt deutlich dass der Mensch seinen Verstand nicht dazu gebraucht, Gott zu suchen oder Ihn in Erkenntnis zu haben. Deshalb hat Gott den Menschen „dahingegeben in einem verworfenen Sinn (Röm. 1,28). Schrecklicher Zustand!

Weil der Mensch seinen Verstand nicht dazu gebraucht hat, über Gott und Sein Tun nachzusinnen, hat Gott ihn dahingegeben, und er muss über allerlei Schlechtigkeiten nachsinnen.

Doch der Gläubige hat Gott in Seiner Gnade in Christo erkannt, und er sollte seinen Verstand Gott zur Verfügung stellen. Anstatt ihn zum Sündigen zu gebrauchen, sollten wir ihn zum Erforschen der Schrift und zum Nachsinnen über die Gnade Gottes und die Herrlichkeit Christi gebrauchen.

Dann werden in Röm. 3, 13-18 sechs Glieder unseres Leibes erwähnt, und die ersten vier benutzen wir dazu, unsere Gedanken weiterzugeben; sie dienen zum Sprechen oder Singen. Von den Unbekehrten heißt es: „Ihr Schlund (d. i. ihre Kehle) ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handeln sie trüglich. Otterngift ist unter ihren Lippen. Ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit.“

Der Mensch von Natur gibt diese vier Glieder der Sünde hin. Doch der Gläubige sollte sie Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit darstellen. Er sollte mit seiner Kehle Gott Loblieder singen und mit seiner Zunge nicht trüglich vorgehen, sondern sich im Gebet an Gott wenden und die Wahrheit reden. Mit seinen Lippen sollte er Gutes sprechen, und nicht Otterngift, übles Nachreden oder unwahre Geschichten, die Schwierigkeiten verursachen, unter den Lippen haben, und anstatt seinen Mund voll Fluchens und Bitterkeit zu haben, sollte der Gläubige mit dem Munde bekennen, dass Jesus Herr ist (Röm. 10,9).

In Röm. 3, 15 werden weiter noch die Füße erwähnt. Es heißt von den Unbekehrten: „Ihre Füße sind schnell, Blut zu vergießen“.

Wie traurig, wenn die Füße einen Gläubigen an einen Ort tragen, wohin er nicht gehen sollte! Mit den Füßen wandeln wir auf der Erde, wir kommen mit ihnen den Wegen der Menschen nahe, die sehr befleckt sind und von denen es weiter heißt: „Verwüstung und Elend ist auf ihren Wegen, und den Weg des Friedens haben sie nicht erkannt“ (Röm. 3, 16, 17).

Welche Verwüstungen sind z. B. im Familienleben hervorgerufen worden, und welches Elend hat Zank und Streit verursacht! Doch der Gläubige sollte seine Füße Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit darstellen und an den Füßen beschuht sein mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens (Eph. 6,15). Gott nennt unsere Füße „lieblich“, wenn sie dem Dienste des Evangeliums zur Verfügung stehen, denn es heißt in Röm. 10, 15: „Wie lieblich sind die Füße derer, die das Evangelium des Friedens verkündigen.“ Gott wünscht, dass wir liebliche Füße haben.

Zuletzt werden noch in Röm. 3, 18 die Augen genannt; von den natürlichen Menschen wird gesagt: „Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.“

Was tun wir mit unseren Augen? Wir sollten sie nicht zur Befriedigung unserer Augenlust gebrauchen, sondern nur das anschauen und lesen, was uns Christo näherbringt. „Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein“ (Matth. 6, 22). Wenn unser Auge einfältig auf Christum und Seine Herrlichkeit gerichtet ist, dann ist bei uns alles klar und durchsichtig.

In Röm. 3, 10-18 werden also sieben Glieder des Menschen erwähnt, wenn wir den Verstand auch als ein solches bezeichnen dürfen, und es wird gezeigt, dass sie völlig unter der Herrschaft der Sünde stehen, während wir in Röm. 6, 13 aufgefordert werden, unsere Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit zur Verfügung zu stellen. Wir haben auch noch andere Glieder, z. B. die Ohren und die Hände, die wir ebenfalls nicht der Sünde, sondern Gott darstellen sollen. Doch in Röm. 3 werden diese sieben besonders betont.

Wir stellen aber unsere Glieder Gott nicht unter gesetzlichem Zwang dar, denn wir sind nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade (V. 14) und die Gnade gibt uns dafür köstliche Beweggründe.

Zuerst geben wir uns selbst Gott als Lebende aus den Toten hin, und dann stellen wir Gott unter dem kostbaren Einfluss Seiner Gnade unsere Glieder, die Werkzeuge all unseres Tuns, zur Verfügung. Es heißt normalerweise von den Gläubigen: „Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde waret, aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Bilde der Lehre, welchem ihr übergeben worden seid“ (V. 17).

Das Bild der Lehre ist die Taufe, die von Tod und Begräbnis redet dem ganzen Kreise gegenüber, worin die Sünde ihre Herrschaft ausübt. Wir sind der Taufe von Herzen gehorsam geworden, weil wir unter dem mächtigen Einfluss der Gnade stehen und weil die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen worden ist. Wenn wir von Herzen gehorsam sind, dann tun wir, was recht ist, und es gibt keine Wolke zwischen Gott und uns. Wie wir früher unsere Glieder zur Sklaverei der Unreinheit hingegeben haben, so stellen wir sie jetzt zur Sklaverei der Gerechtigkeit dar, und das führt zur Heiligkeit oder Heiligung (V. 19).

Wir schämen uns der Frucht, die wir hatten, als wir der Sünde dienten, „denn das Ende derselben ist der Tod“ (V. 21). Wenn wir uns über etwas in unserer Vergangenheit schämen, so zeigt das zum mindesten, dass wir nun davon befreit sind. Als Gläubige an den Herrn Jesum, die von Herzen gehorsam geworden sind, sind wir von der Sünde freigemacht und Gottes Sklaven geworden und haben unsere Frucht zur Heiligkeit, als das Ende aber ewiges Leben (V. 22).

Wer also der Sünde dient, erntet ihren Lohn, den Tod, wer aber der Gerechtigkeit dient, erntet Heiligkeit als Frucht und hat als das Ende ewiges Leben. „Gerechtigkeit“ besteht darin, dass wir die Sünde abweisen und den Willen Gottes tun, während „Heiligkeit“ innere Absonderung von allem Bösen, ja, geradezu Abscheu davor ist. Wenn wir in der Heiligkeit vollendet sind, weisen wir sogar böse Gedanken zurück, weil sie unseren Geist beflecken (2. Kor. 7, 1). Christus ist uns von Gott zur Weisheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit gemacht (1. Kor. 1, 30), damit wir das alles von Ihm lernen.

In Röm. 6 verwirklichen wir, dass wir mit Christo der Sünde gestorben sind. Wie Naaman aufgefordert wurde, sich siebenmal im Jordan zu baden (2. Kön. 5, 10), so müssen auch wir siebenmal, d. h. vollständig, gewissermaßen mit jedem von unseren sieben Gliedern einzeln, unseren Mittod mit Christo der Sünde gegenüber verwirklichen, denn wir kommen aus dem Tod hervor, wenn wir uns selbst Gott als Lebende aus den Toten darstellen.

Als Naaman diese Botschaft verkündigt wurde, wurde er zornig und zog im Grimm weg, und auch wir sträuben uns anfänglich sehr gegen die Verwirklichung des Todes Christi, besonders wenn wir wie Naaman groß und angesehen sind. Doch Naaman hatte gute Knechte oder Diener, denn sie redeten ihm zu, in den Jordan hinabzusteigen, was er dann auch tat und von seinem Aussatz geheilt wurde.

Wir alle brauchen in dieser Sache viel Hilfe, denn durch gute Vorsätze oder gesetzliche Anstrengungen werden wir von der Sünde nicht frei. Leute, die sich in dieser Weise abmühen, wissen nicht, was sie tun. Die größte Hilfe sind uns die Diener, die uns zureden, hinabzusteigen und im Lichte der Liebe Christi unseren Mittod mit Ihm der Sünde gegenüber zu verwirklichen.

Nur die Liebe Christi vermag uns dahin zu bringen, ins Selbstgericht zu gehen und uns der Sünde für tot zu halten. Christus allein kann uns Kraft geben, ganz entschieden mit der Sünde zu brechen und in denselben Umständen und Verhältnissen, worin wir früher in der Sünde gelebt haben, in Neuheit des Lebens zu wandeln, Gerechtigkeit zu tun und dadurch zu beweisen, dass wir gerecht sind, gleichwie Er gerecht ist (1. Joh. 3, 7).

In den beiden letzten Versen von Röm. 6 wird noch das ewige Leben erwähnt. Wir hatten den Tod verdient, doch die Gnade Gottes gibt uns ewiges Leben in Christo Jesu, unserem Herrn, und richtet unseren Blick auf dieses „Ende“ oder Endziel, dem Gott uns durch die Wüste, wo wir uns der Sünde für tot halten und in Neuheit des Lebens wandeln sollen, entgegengeführt. Der Herr sagt in Joh 6, 47: „Wer an mich glaubt, hat das ewige Leben“, das Er aber mit unserer Auferweckung (Joh. 6, 40; Joh. 5,24 - 25) und mit dem Himmlischen (Joh. 3.12-16), also mit Kanaan verbindet.

Gott hat uns das ewige Leben nicht in den Umständen der Wüste gegeben, sondern es ist Gottes Gnadengabe in Christo Jesu, in dem nicht Mann und Weib (Gal 3, 28), sondern eine neue Schöpfung ist (2. Kor. 5, 17). Als mit Christo gestorben und auferweckt, gehen wir in der Kraft des Geistes in jenes herrliche Land ein, wo Christus, das ewige Leben, unser Leben und wo Er „alles und in allen ist“, wie es in Kol. 3 heißt.

Gott stellt das ewige Leben, das Er uns in Christo Jesu gegeben hat, als das Ende oder Ziel vor unsere Blicke, um uns anzuspornen, es zu ergreifen (1. Tim. 6, 12) und darin einzugehen. Wenn wir nur durch den äußeren Wüstencharakter der Gemeinschaft angezogen werden, dann werden wir, wenn wir treu sind, auf die Dauer enttäuscht werden, weil wir allerlei Mängel und Gebrechen finden, und wir stehen dann in Gefahr, unsere Treue aufzugeben und in laodizäische Gleichgültigkeit und Anmaßung zu verfallen.

Deshalb ist es bezeichnend, dass der Kolosserbrief in Laodizäa gelesen werden sollte (Kol. 4, 16), denn wenn die Laodizäer das, was droben ist, gesucht hätten, (Kol. 3, 1), wären sie vor dem lauen Zustand bewahrt geblieben, in den sie später geraten waren (Offb. 3, 14 - 22).

Wenn wir aber durch das Ziel Gottes, das ewige Leben in Christi Jesu, angezogen werden, sind wir allen Schwierigkeiten der Wüste und der Macht des Todes überlegen und gehen oft im Geist in jenes Land jenseits des Todes (Jordans) ein, wo wir uns des ewigen Lebens, das den Tod nicht berühren kann, erfreuen und wo wir völlig und ewiglich befriedigt sind.


III. Befreiung vom Gesetz - Römer 7

In Römer 6 wird gezeigt, dass der Gläubige durch die Taufe auf Christi Tod von dem Schauplatz, wo die Sünde herrscht, getrennt ist, wie Israel, als es die Wüste betrat, durch das Rote Meer von Ägypten getrennt war. Deshalb wird der Gläubige in Römer 6, aufgefordert, im Licht der Auferstehung Christi in Neuheit des Lebens zu wandeln, sich der Sünde für gestorben zu halten und dabei die Zustände, worin das ewige Leben besteht, als das Endziel seiner Wüstenreise vor sich zu haben, wie Israel in 2. Mose 15, 17 schon das Land Kanaan vor sich hatte. Röm. 6 entspricht dem ersten Abschnitt der Wüstenwanderung vom Roten Meer bis zum Berg Sinai.

Am Berg Sinai gab Gott dem Volk Israel das Gesetz; und das war ein sehr wichtiges Ereignis, weil das Gesetz dem Menschen zeigt, wie gerecht und heilig Gott ist und was Er von dem Menschen fordert. Doch je deutlicher diese göttliche Forderung empfunden wurde, desto mehr fühlte auch der Mensch seine Unfähigkeit, ihr zu entsprechen. Israel hielt das Gesetz nicht, und Paulus schreibt in Röm. 3, 20: „Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Das Gesetz offenbarte, wie sündig der Mensch ist. Das trat in dem zweiten Teil der Wüstenwanderung völlig ans Licht, der vom Berg Sinai bis zur Aufrichtung der ehernen Schlange in 4. Mose 21 reicht. Römer 7 entspricht diesem zweiten Abschnitt der Wüstenreise bei uns, während Römer 8 das Gegenbild von dem dritten, dem geistlichen Teil der Wüstenwanderung ist, der sich von der ehernen Schlange bis zum Jordan erstreckt.

Römer 7 macht uns mit der Stellung des Gläubigen dem Gesetz gegenüber bekannt. Paulus redet „zu denen, die Gesetz kennen“ und stellt den Grundsatz auf, „dass das Gesetz über den Menschen herrscht, solange er lebt“(V. 1).

Um zu zeigen, dass zwischen dem Gesetz und denen, die ihm unterstellt sind, ein ganz bestimmtes Band besteht, das Gott hervorgebracht hat und das nur der Tod auflösen kann, gebraucht der Apostel das Bild von einem verheirateten Weib. Die Beziehungen zwischen dem Gesetz und denen, die unter dem Gesetz, waren keine freiwilligen, die nach Belieben eingehalten oder auch gelöst werden konnten.

Gott hatte vorgeschlagen, unter gewissen Bedingungen in Bundesbeziehungen zu Seinem Volk zu treten, und sie hatten den Vorschlag angenommen; sie hatten diese Beziehungen ausdrücklich anerkannt, und deshalb war ein Band gebildet worden, das nur der Tod lösen konnte. In Röm. 7 wird nun die große Wahrheit gelehrt, dass für diejenigen, die unter Gesetz stehen, der Tod eingetreten und das Band somit gelöst ist.

Nicht das Gesetz, sondern wir sind dem Gesetz gestorben. Das ist vielleicht für viele schwerer zu verstehen, als „der Sünde gestorben“ zu sein (Röm. 6), weil es sich um Satzungen handelt, die Gott Selbst eingeführt und angeordnet hat. Doch wir sind „dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus“ (V. 4).

Christus kam unter das Gesetz, um die unter Gesetz loszukaufen; das Gesetz aber hat keine Anwendung auf einen toten Menschen. Als der tote Leib Christi an dem Kreuz hing, hatte das Gesetz keine Anwendung mehr auf Ihn; Er war aus dem Kreise seiner Zuständigkeit herausgegangen. Wir sind „dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus“; wir haben es jetzt nicht mehr mit einem Christus unter Gesetz zu tun, sondern mit einem Christus, der dem Gesetz gestorben ist.

Doch nun sind wir nicht unabhängig oder gesetzlos zurückgeblieben, sondern alles das ist geschehen, „um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, auf dass wir Gott Frucht brächten“ (V. 4). Es besteht immer noch ein göttliches Band, doch nicht mit dem Gesetz, sondern mit einem auferstandenen Christus. Welch ein lieblicher Gedanke ist das für uns! Wir haben ein göttliches Band, eine göttliche Beziehung zu einem auferstandenen und lebendigen Christus!

Für uns handelt es sich nicht mehr um ein Gesetzbuch voller Vorschriften, sondern um eine lebendige Person!

„Das Neue des Geistes“ (V. 6) scheint zu besagen, dass diese Erkenntnis dem Gläubigen einen neuen Geist geben soll „Das Alte des Buchstabens“ besagt, man hat eine Feststellung dessen, was man tun oder sein sollte, doch das verleiht uns keine Quelle der Kraft, damit steht kein Lebensodem in Verbindung.

Welch ein Unterschied, wenn man findet, man hat ein Band mit einer Person, die allezeit bemüht ist uns nahezubringen, wie Sie uns liebt, sowie uns Ihre Nähe und Unterstützung zuteil werden zu lassen!

Ruth bei Noomi erläutert Röm. 6. Jedoch Ruth bei Boas Röm. 7. Es gab noch einen näheren Blutsverwandten als Boas, der wohl das Erbe lösen wollte, aber nicht bereit war, Ruth seine Liebe zuzuwenden.

Wir bedürfen eines Boas, eines Gewaltigen an Reichtum, der bereit ist, uns Sich Selbst und alle Seine Hilfsquellen zur Verfügung zu stellen, weil Er uns liebt.

Christus, der Auferstandene, ist der wahre Boas. Er ist kein Gatte wie das Gesetz, der nur Anforderungen stellt, aber uns nicht beisteht, sondern Seine Liebe findet Freude daran, uns alles zu sein, was Seine Nähe und Unterstützung anlangt, so dass wir Gott Frucht bringen können (V. 4). Dadurch kommt die „Neuheit des Geistes“ in uns zustande.

Wir sind „dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus“. Gott hat alle, die unter dem Gesetz waren, vom Gesetz losgemacht, und alle, die an den Herrn Jesum Christum glauben, haben das Recht, dies als ihre Stellung dem Gesetz gegenüber anzuerkennen.

Wir sollten nun eines anderen sein, der aus den Toten auferweckt worden ist. Wir sollten von einer lebendigen Person geleitet und unterstützt werden, und alle Frucht für Gott ist die Folge davon. Wie gesegnet zu wissen, dass wir keine Beziehung zu dem haben, was wohl Ansprüche und Forderungen stellt, uns aber keine Unterstützung gewährt. Wir stehen jetzt in Beziehung zu Christo, dem Auferstandenen und Lebendigen, der Freude daran empfindet, uns wissen zu lassen, wie Er uns liebt und für uns sorgt, und der uns all die Unterstützung zuteil werden lassen kann, deren unsere Schwachheit bedarf, damit wir auch wirklich Gott Frucht bringen.

Der bloße Buchstabe gibt keine Kraft. Aus der Schrift können wir wohl kennenlernen, was ein Christ sein sollte, doch die Kraft es zu sein, beruht darauf, einem anderen anzugehören. Dieses wunderbare geistliche Band mit Christo befähigt uns, „in Neuheit des Geistes“ zu dienen (V. 6). Wir mögen wohl in einer gesetzlichen Weise äußerlich tadellos sein, doch die wahre Quelle der Kraft und Freiheit beim Dienste Gottes liegt in dem Bewusstsein, dass wir in Beziehung zu Dem stehen, der uns liebt und Freude daran hat, uns Geleit und Beistand zu sein.

Diese .kostbare Wahrheit wird festgestellt ehe die Übungen im einzelnen angeführt werden, durch die wir erfahrungsgemäß unsere eigene Schwachheit kennenlernen. Wenn, wie so oft, von Röm. 7 die Rede ist, so meint man gewöhnlich den letzten Teil des Kapitels; doch Gott hat uns zu Beginn desselben das gegeben, was wirklich die gegenwärtige Wahrheit ausmacht (2. Petr. 1, 12).

Er hat uns gesagt, dass wir dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, damit wir eines anderen werden. Wir sind in Beziehung zu Dem gekommen, der Sich in Liebe verpfändet hat, uns beizustehen. Gegenwärtig handelt es sich nicht um eine Forderung, der zu entsprechen keine Kraft da ist, sondern um eine Person, in der all der Reichtum göttlicher Gnade verkörpert ist, und die uns in allem, was unsere Schwachheit an Unterstützung erfordert, völlig beisteht.!

Unsere Quellen der Unterstützung und Stärke genießen wir in der bewussten Nähe Dessen, der uns liebt. Wie sehr würde alle Härte und Gesetzlichkeit von unserem Geist weichen, wenn wir uns mehr in der Nähe Christi aufhielten! Welch eine Gewissheit würden unsere Herzen davon haben, dass wir in allem auf Ihn rechnen könnten! Jeder wahre Gatte liebt es, sein Weib zu unterstützen und ihr in allem, was sie bedarf, beizustehen; doch er liebt es auch, ihr das zuteil werden zu lassen, was seinem Herzen noch näher liegt als sogar seine Unterstützung, nämlich seine persönliche Zuneigung und Nähe.

Welch ein neuer Geist wird in dem gestaltet, der Christi Nähe genießt! Je mehr er sich seiner Schwachheit bewusst ist, desto mehr klammert er sich an Ihn und rechnet er auf Ihn. Je schwieriger die Umstände sind, durch die man zu gehen hat, desto mehr schätzt man in ihnen Seine Nähe, und wessen Nähe kann mit der Nähe Christi verglichen werden? Das Bewusstsein hiervon macht unseren Geist frei von aller Gesetzlichkeit. Wir leben in einem ganz anderen Kreise.

Bei dieser Gelegenheit kommen wir zum erstenmal in diesem Brief zur Liebe Christi.

In Röm. 3-5 lernen wir die Glückseligkeit davon kennen, dass Christus der Gnadenstuhl und der Mittler ist, und durch Seinen Tod ist uns die Liebe Gottes kundgetan worden - das alles liegt auf Seiten Gottes; doch wenn, wie hier, Christus als Gatte vor uns tritt, so bringt Ihn das auf unsere Seite, und wir lernen erfahrungsmäßig die persönliche Liebe Christi kennen. Die Liebe Gottes und die Liebe Christi sind das denkbar Tiefste und Gesegnetste, und - Gott sei Dank - das ist unser ewiges Teil.

In welch ein gepriesenes, gekanntes Liebesband sind wir gekommen! Paulus konnte davon reden, von der Liebe Christi gedrängt zu werden oder festgehalten, ergriffen zu sein (2. Kor. 5, 14). Johannes erzählt uns, dass er in dem Schoße Jesu lag und sich an die Brust Jesu lehnte (Joh. 13, 23 u. 25). Möchten unsere Herzen erfassen, dass Er unser Vertrauen liebt und uns Sein Vertrauen sowie auch die nie versagende Unterstützung in jeder Schwachheit zuteil werden lassen kann!

Auf diese Weise möchte die göttliche Liebe unsere Herzen nicht nur der Form nach vom Gesetz befreien, sondern auch von jeder Art jener Gesetzlichkeit, die von Natur aus so sehr in des Menschen Herz und Sinn Wurzel fasst.

Wir haben unsere eigene Schwachheit kennenzulernen, und ebenso, wie das Gesetz auf uns im Fleische wirkt, dass es die „Leidenschaften der Sünden“ (V. 5) zur Tätigkeit erweckt, die uns sonst verborgen geblieben wären. Doch wie köstlich ist es, den Gedanken der göttlichen Gnade fest zu ergreifen, dass wir dem Gesetz getötet sind durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden und in der Liebe und dem Beistand Christi die volle Unterstützung auch finden, deren unsere Schwachheit bedarf; statt dass die Leidenschaften der Sünden in unseren Gliedern wirken und dem Tod Frucht bringen, sind wir so imstande, Gott Frucht zu bringen.

„Denn als wir im Fleische waren“ (V. 5). Dieser Ausdruck ist wohl zu erwägen, denn er deutet an, dass Gläubige, da sie den Geist haben und von Gott belehrt sind, gelernt haben, dass sie nun nicht länger mehr “im Fleische“ sind. Das wird als bekannt vorausgesetzt: es wird keine Erklärung gegeben, wie sie dahin gekommen sind, denn die Schrift betrachtet es als eine ausgemachte Sache, dass Gläubige, die den Geist haben, von Gott darüber belehrt sind, dass sie nicht länger mehr „im Fleische“ sind.

Das tritt uns in den Aussprüchen der Schrift in ganz bestimmter Form entgegen, und das ist uns geistlich eine große Hilfe; doch im Bewusstsein unserer Seele kennen wir es in Wirklichkeit durch das Werk Gottes. Welch eine veränderte Auffassung über das, worin wir sind, begreift diese einfache Bemerkung in sich, die, man kann sagen, ganz beiläufig eingeflochten wird, und zwar als eine Aussage, von der der Apostel erwartet, dass sie von denen, an die er sich wendet, wohl verstanden wird!

Es ist wichtig zu erkennen, dass angenommen wird, gewisse Dinge sind von Christen einfach deshalb wahr, weil sie Gegenstände der göttliche» Berufung und Belehrung geworden sind und den Geist haben. Es wird uns z. B. gesagt, dass wir den alten Menschen auszuziehen und den neuen anzuziehen haben; es wird vielmehr angenommen, dass Christen das getan haben. So sagt auch Paulus hier „als wir im Fleische waren“. Er setzt es als bekannt voraus, dass wir nicht länger mehr darin sind.

Es ist in der Tat höchst gesegnet, von Gott belehrt, imstande zu sein, den Boden des Christentums einzunehmen und das, was unserem früheren Zustande angehörte, nicht anzuerkennen und darauf als auf etwas zurückzublicken, was unserer vergangenen Geschichte angehört, woraus wir aber nun durch unendliche Gnade herausgenommen worden sind.

„Denn als wir im Fleische waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die. durch das Gesetz waren, in unseren Gliedern, um dem Tode Frucht zu bringen“ (V. 5).

Das Fleisch hat die Neigung, Unrecht zu tun; das Gesetz erzeugt dies nicht erst. Der kranke, verderbte Zustand ist vorhanden; doch das Verbot entfacht die Neigung zur Leidenschaft. Die Erkenntnis, dass etwas verboten ist, verstärkt das Verlangen danach und entfacht im Fleische die Gier, danach zu trachten.

Nichts könnte klarer zeigen, was das Fleisch ist. Ein göttliches Verbot verleiht einem Hang zum Bösen nur Kraft, so dass er zur unbezähmbaren Leidenschaft wird. Die Frucht solcher Wirksamkeit ist zum Tode. Wenn keine Frucht für Gott da ist, so wird, solange wir „im Fleische“ sind, Frucht für den Tod vorhanden sein und nichts anderes.

Das Gesetz ist keine Sünde; es lässt uns die Sünde erkennen. Der Mensch würde kein Bedenken gegen eine Lust oder ein Verlangen haben, wenn das Gesetz nicht sagte: „Du sollst nicht begehren“ (V. 7). Niemand würde ob eines Verlangens ein Gewissen haben. Er könnte ein Gewissen darüber haben, etwas zu nehmen, was seinem Nächsten gehört, aber doch nicht darüber, dass er ein Verlangen danach hat; doch das Gesetz sagt: „Du sollst nicht begehren.“

Jede Lust ist ein Verlangen nach etwas, was dein Nächster hat, und worauf du keinen Anspruch hast. Das gilt nicht vom Gebiet der geistlichen Dinge, denn was dein Nächster auch haben mag, ist auch dir zu haben erlaubt; die Gnade hat es auch dir zu eigen gemacht, und wenn du es besitzt, beraubst du ihn nicht, sondern bereicherst ihn - aber so ist es im Gebiet des Geistes, nicht „im Fleische.

Die Sünde war sogar in dem „guten“ Menschen Saulus von Tarsus vorhanden, doch sie ließ ihre Kraft nicht fühlbar werden, bis ihr das Gebot einen Anlass zum Angriff
gab. Ein Mensch kann sich ein Gewissen aus dem, was er gesprochen oder getan, machen; doch von Natur käme ihm nie der Gedanke, dass ein Verlangen Sünde wäre. Deshalb sagt der Apostel: „Ohne Gesetz ist die Sünde tot. Ich aber lebte einst ohne Gesetz“ (V. 8); da war er noch ein sehr selbstgefälliger Mann, er hatte nicht den geringsten Begriff davon, dass etwas verkehrt um ihn stand, und äußerlich war das auch nicht der Fall. Doch als das Gesetz kam und sprach: „Du sollst nicht begehren“, wurde all der Selbstgefälligkeit des Saulus der Todesstoß versetzt. Er wurde sich eines Grundsatzes in sich bewusst, der begehrte und begehren wollte; er sagt, das „bewirkte jede Lust in mir“ (V. 8). Also nicht etwa jede unrechte Tat, sondern allerlei Verlangen nach dem, wozu er kein Recht hatte, war die Folge. Welch eine Entdeckung war das für einen so vortrefflichen Menschen wie Saulus!

Man darf wohl behaupten, dass es solche gibt, die wie Saulus sich eines sündigen Triebes noch nicht bewusst sind. Doch sowie das Gebot: „Du sollst nicht begehren“, in Kraft über ihn kam, brach die Sünde zum Leben hervor. Er empfand alle ihre Kraft in seiner Seele, und er starb.

Die Worte „ich aber starb“ zeigen, dass er hier vom Tode in sittlicher Hinsicht redet: das besagt, sein selbstgefälliges Leben nahm ein Ende, das Gebot erwies sich ihm zum Tode. „Die Sünde . . . täuschte mich“ (V. 11) ist ein bemerkenswerter Ausdruck, der zu sagen scheint, die Sünde bediente sich einer unerwarteten Waffe und versetzte ihm den Todesstoß. Er hatte sich zweifellos gleich denen, an die er sich in Röm. 2 wendet, des Gesetzes gerühmt und darauf gestützt, doch gerade durch das Gesetz tötete ihn die Sünde.

Am Gesetz selbst ist nichts Unrechtes; es ist „heilig, gerecht und gut“ (V. 12). Nicht das Gesetz bewirkte den Tod, sondern die Sünde, und zwar durch das Gesetz; (V. 13). Die Sünde war vorhanden, doch sie schien keine Sünde zu sein, bis das Gebot kam; dann erst wurde sie der Seele überaus sündig. Erst wenn ich sehe, wie überaus sündig die Sünde ist, hasse ich sie.

Ich sehe, wie sie geradezu allem entgegen ist, was Gott mit mir vorhat. Das setzt ein Erwachen göttlicher Empfindungen in der Seele voraus, also dass der Betreffende „von neuem geboren“ ist (Joh. 3, 3).

Wenn Paulus in Vers 14 sagt: „Wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist“, so meint er mit dem „wir“ die Christen. Wir Christen erkennen, dass das Gesetz geistlich ist; das muss so sein, weil es von Gott ist. Es muss fordern, dass ein Mensch in seinem Geist und seinem Herzen recht steht, nicht bloß in seinem äußeren Betragen. Das Gesetz wendet sich an die Quelle, den Ursprung des sittlichen Wesens des Menschen, an sein Innerstes. Wir Christen wissen, dass es so ist, weil wir Gott kennen.

Doch dann muss die Seele in ihren Übungen Gott gegenüber bekennen: „Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft“ (V. 11). Man findet, dass man alles Recht oder die Macht, frei zu sein, verloren hat; die Sünde hält einen, wie in Gefangenschaft verkauft, fest.

Doch nun bereitet einem nicht einmal mehr sein eigenes Tun Wohlgefallen oder Befriedigung, obwohl man sich eines Willens, das Rechte und Gute zu tun, bewusst ist. Wenn aber ein Wille vorhanden ist, das Gott Wohlgefällige zu tun, so zeigt das, dass ein sehr wichtiger Wandel und eine Wendung zum Rechten stattgefunden hat, ein Beweis dafür, dass der Mensch von neuem geboren ist.

Wenn sein Wille im Einklange mit dem steht, was Gott wohlgefällt, so ist der Mensch sittlich verändert, er ist, wie Paulus sagen würde, „abgewaschen“ (1. Kor. 6, 11). Er ist einem Verfahren sittlicher Reinigung unterworfen worden, so dass er nun alles Gott gemäß beurteilt. Er stimmt dem Gesetz bei, dass es recht ist.

Wenn jemand die Sünde in ihrem inneren Wirken beim Begehren erkennt und sie hasst und wahrhaftig davon frei zu werden wünscht sowie dem Rechten beipflichtet, so ist klar, dass ein neues „Ich“ ins Dasein gekommen ist. Ein solcher findet keine Freude oder dauernde Befriedigung am Bösen, obschon das Böse bei ihm noch wirksam ist. Eine geübte Seele lernt dann, wenn sie dahin gekommen, zwischen sich selbst und der in ihr wohnenden Sünde zu unterscheiden (V. 17).

Man findet, dass, obwohl man einen Willen hat, das Rechte zu tun, keine Kraft dazu vorhanden ist. Alles das wird nur durch Erfahrung gelernt; es ist eine sorgsame Auseinan­dersetzung der inneren Geschichte einer Seele, die angesichts des göttlichen Lichtes geübt ist. Es wird von einem beschrieben, der es durchgemacht hat, aber nicht daran denkt, uns darin zu lassen. Weder Christum noch den Geist hat die Seele von Vers 7- 24 vor sich.

Der Apostel beschreibt die Straße, die er gezogen ist, eine sehr rauhe Straße, doch er hört nicht auf, bis er uns gezeigt hat, wo sie endet, nämlich auf einem großen und reich ausge­statteten Platze.

Es ist hier von verschiedenen Gesetzen die Rede. Zuerst sagt der Apostel: „Also finde ich das Gesetz, dass bei mir, der ich das Rechte ausüben will, das Böse vorhanden ist“ (V. 21). Er findet das Böse bei sich nicht nur etwa gelegentlich oder dann und wann, sondern als einen feststehenden Grundsatz. Dann sagt er: „Ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen.“ Danach gibt es einen feststehenden Grundsatz, der von Gott ist, nämlich alles das, worin Sein Wohlgefallen am Menschen zum Ausdruck kommt — das ist keinem Wandel unterworfen. Er fand im Gesetz seinen Ausdruck, und der Christ weiß, wie vollkommen es in Christo dargestellt wurde. Man hat nun Wonne daran, „nach dem inneren Menschen“ und in Lauterkeit vor Gott ein Bewusstsein davon, dass man dem wahren Innern seines sittlichen Seins nach an dem, was von Gott ist, Wohlgefallen findet.

Doch dann sieht der Apostel ein anderes Gesetz in seinen Gliedern, das Gesetz der Sünde ist da (V. 23). Die Glieder haben es mit der Ausführung zu tun, sie sind die wirklich tätigen Teile der Menschen -, und er findet, dass dem Auge, dem Ohr, der Zunge, den Händen und Füßen, kurz allen seinen Gliedern, ein feststehender Grundsatz innewohnt, der in Tätigkeit tritt - ein Grundsatz der Gott entgegen und stärker ist als das Gesetz des Sinnes. Die Glieder umfassen hier den ganzen Menschen, abgesehen von seinem Sinne und seinem inneren Menschen.

Was seinen Sinn betrifft, so waltet da ein feststehender Grundsatz, den er „das Gesetz meines Sinnes“ nennt. Wie oft sehen wir solche, die sich ihrer großen Schwachheit und Fehler bewusst sind, sich aber nicht von dem, was von Gott ist, abwenden können! Sie nutzen die Gelegenheiten, mit dem, was geistlich ist, in Berührung zu bleiben, sie schätzen die Versammlungen und den Dienst, lesen die Schriften und beten und verharren beständig und unbeirrt darin. Alles das ist ein Beweis, dass das, was in Beziehung zu Gott steht, ihrem Sinn. ein Gesetz - ein feststehender Grundsatz - geworden ist.

Diesen feststehenden Grundsatz nehmen wir bei allen, die Gott fürchten, wahr, und es ist gut, das Volk Gottes im Zusammenhang mit diesem Gesetz zu betrachten. Ich erkenne das zuerst als das „Gesetz meines Sinnes“, und dann kann ich es als das Gesetz der Sinne anderer erkennen. Ich habe kein rechtes oder göttliches Urteil über einen, der Gott fürchtet, bis ich ihn mit dem Gesetz seines Sinnes als eins betrachte, und nicht mit dem Gesetz der Sünde in seinen Gliedern. Dann erst fange ich an, seine Übungen zu verstehen - also das, was er als Gegenstand der Wirksamkeit Gottes ist.

Der feststehende Grundsatz der Sünde erstreckt sich auf die Glieder, doch es gefällt Gott, uns von dessen Macht zu befreien. Bis man Seine Befreiung kennenlernt, ist man in Gefangenschaft. Man erleidet immer durch das Gesetz in den Gliedern, das dem Gesetz des Sinnes widerstreitet, eine Niederlage, und das führt zu dem kläglichen Schrei: „Ich elender Mensch! wer wird mich befreien aus diesem Leibe des Todes?“ Der Wille ist das rechte; nach dem inneren Menschen hat man Wohlgefallen an dem, was von Gott ist; der feststehende Grundsatz des Sinnes ist auf Gerechtigkeit und Heiligkeit gerichtet; und doch ist man ein elender Mensch, weil man keine Kraft hat, man ist eingekerkert in einem „Leibe des Todes“.

Es heißt hier nicht: Wer wird mich rechtfertigen oder auch versöhnen?, sondern: Wer wird mich befreien?

Unsere Befreiung muss ebenso gänzlich von Gott kommen wie unsere Rechtfertigung oder unsere Versöhnung. Der Gläubige muss aufgrund einer göttlichen Befreiung aus dem Fleische in den Geist hinübergehen. Er hat zu lernen, dass er einer ganz neuen Menschenordnung angehört, dass er in Christo Jesu ist, wo ein ganz neues Gesetz zu wirken beginnt.

Das Gesetz der Sünde und des Todes ist im Fleische gegenwärtig, doch der befreite Mensch ist davon losgemacht. Paulus konnte mit Bestimmtheit sagen: „Das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu“ hatte ihn „freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“, (Röm. 8, 2). Wenn ein Mensch freigemacht ist, so beweist das, dass es eine göttliche Befreiung aus der Gefangenschaft des Gesetzes der Sünde gibt, und ein jeder von uns sollte geübt werden, auch freigesetzt zu sein.

In Röm. 5 ist davon die Rede, wie der Heilige Geist die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgießt, doch zu Beginn von Röm. 8 ist Er der Geist des Lebens in einer neuen Menschenordnung. In Röm. 6 lernt sich der Gläubige Gott in Christo Jesu lebend erachten, doch nun wird gesagt, dass er den Geist des Lebens in Christo Jesu hat.

Es ist etwas Wunderbares zu wissen, was es ist, „in Christo Jesu“ zu sein. Am Ende von Röm. 6 heißt es, dass Gottes Gnadengabe darin besteht, uns ewiges Leben in Christo Jesu zu geben. Hier ist es nicht ewiges Leben, sondern Leben in Christo Jesu, und zwar als befreiende Kraft. Das mächtigste Gesetz von allem ist „das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu“.

Das ist kein verbessertes, berichtigtes oder geheiligtes Fleisch, sondern eine vom Geist herrührende Kraft, um den Gläubigen freizumachen, in seinem verantwortlichen Leben hienieden zum Wohlgefallen Gottes zu sein. Hier tritt uns kein auferstandenes oder himmlisches Leben entgegen, sondern ein Leben hienieden, in dem die gerechte Forderung des Gesetzes erfüllt ist.

Wenn wir unsere eigene Hilflosigkeit wirklich gelernt haben und nach einer göttlichen Hand ausschauen, die uns der Gefangenschaft gänzlich entheben soll, so wird uns sofort eine Antwort; der holdselige Gott wird dann durch Jesum Christum, unseren Herrn, in Seiner befreienden Gnade kennengelernt, und die Seele bricht in Danksagung aus (V. 25).

Das Fleisch würde der Sünde Gesetz noch weiter dienen, was zeigt, dass keinerlei Veränderung im Fleische stattgefunden hat; doch der befreite Gläubige dient nun mit seinem Sinne Gottes Gesetz und hat Kraft, in Freiheit in dem zu wandeln, was Gott wohlgefällt.

Ein anderer feststehender Grundsatz ist nun wirksam, und das ist „das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu. Gott hat diesen neuen feststehenden Grundsatz in Seiner Gnade „durch Jesum Christum, unseren Herrn“, eingeführt (V. 25); er kommt uns durch den Dienst dieser gepriesenen Person zugute und macht einen wesentlichen Teil der wahren Gnade Gottes aus, worin wir stehen (1. Petr. 5, 12). Die Gnade, deren Mittler und Verwalter Jesus Christus, unser Herr, ist, ist so groß, dass sie allen unseren Bedürfnissen in göttlicher Weise gerecht wird; sie begreift all die befreiende Macht in sich, die dem Heiligen Geiste als dem „Geiste des Lebens in Christo Jesu“ innewohnt.

Jeder Gläubige kann sich die Gnade Gottes in dieser Hinsicht zunutze machen und die Be­freiung kennenlernen, die uns diese Gnade ausersehen hat. Nur so kann Gott verherrlicht und der Gläubige freigemacht werden, um dem Geiste gemäß in Freiheit vor Gott zu sein.

Das Bewusstsein, dass wir elende Menschen sind, dient weder zu unserem Tröste noch zum Wohlgefallen Gottes. Deshalb ermutigt uns Gott, zur Freiheit zu gelangen.

Nachdem wir unsere eigene Kraftlosigkeit in Röm. 7 kennengelernt haben, dürfen wir uns Gott lebend in Christo Jesu, in dem Menschen Seines Wohlgefallens erachten, und der Geist gibt uns Kraft, um hienieden Christo Jesu gemäß zu leben.

IV. Die Kraft und Sicherheit des Gläubigen - Römer 8

In Römer 8 lernen wir den Heiligen Geist als die Kraft kennen, die uns vom Fleische befreit und uns befähigt, unserer Verantwortlichkeit zu entsprechen. Am Schluss des Kapitels ist von der Liebe Gottes die Rede, von der uns nichts zu scheiden vermag. Unsere Kraft ist also im Geiste Gottes und unsere Sicherheit in der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist.

1. Der Geist des Lebens

(Römer 8, 1 - 4)

In Röm. 6 und 7 hat Paulus alle Einwendungen, die gegen diejenigen erhoben werden können, die durch Christi Blut gerechtfertigt sind, widerlegt, so dass er in Röm. 8, 1 mit Recht schreiben kann: „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christo Jesu sind“.

Gott sieht alle wahren Gläubigen in Christo Jesu, in dem sie außerhalb des Bereiches der Verdammnis sind. Es heißt in 1. Kor. 1,30: „Aus ihm (Gott) aber seid ihr in Christo Jesu.“

In Röm. 6, 11 werden wir aufgefordert, uns der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christo Jesu zu betrachten. Doch ehe wir diesen neuen Zustand einnehmen, müssen wir erfahren, dass wir elende Menschen sind, die einen Befreier vom alten Zustand nötig haben, und dass dieser Befreier der Herr Jesus, der „aus den Toten Auferweckte“ ist, mit dem wir durch den Geist in inniger Liebe, im Sinne der Ehe verbunden sind (Röm. 7, 2 - 4,25). Wenn wir Ihn lieben und wertschätzen, gehen wir durch den Geist des Lebens in die Befreiung von Sünde und Tod ein (V. 2). Die befreiende Kraft von dem Gesetz der Sünde und des Todes liegt in dem Gesetz, nach dem der Geist des Lebens in Christo Jesu wirkt. Wie Adam durch den Odem des Lebens, den Gott in seine Nase blies, Kraft bekam, auf natürliche Weise zu leben, so gibt der Geist des Lebens uns Kraft, in unserem verantwortlichen Leben Christo Jesu gemäß im Blick auf das himmlische Land zu leben und frei von Sünde und Tod zu sein.

Weil das Gesetz „durch das Fleisch kraftlos war“ und nichts für uns tun konnte, hat Gott in Seiner Liebe eingegriffen und Seinen eigenen Sohn in Gleichheit des Fleisches der Sünde - das Gegenbild der ehernen Schlange - gesandt und die Sünde im Fleische verurteilt (V. 3). Wie Israel in seinem letzten Wüstenjahre unter den Schmerzen der Bisse der feurigen Schlangen zur ehernen Schlange aufblicken musste, um für Kanaan am Leben zu bleiben (4. Mose 21), so dürfen wir zu Christo am Kreuze aufblicken und die Sünde im Fleische, diesen schrecklichen Zustand, worin Satan, „die alte Schlange“, uns gebracht hat, auf Ihn gelegt und verurteilt sehen.

Gott lag unsere Befreiung so sehr am Herzen, dass Er Seinen eigenen Sohn sandte und das Verdammungsurteil über unseren sündigen Zustand über Ihn brachte, der persönlich ganz frei davon war. Rührt das nicht unsere Herzen? Wenn wir das Böse, das in unserem Herzen ist (Mark. 7, 21. 22), entdecken, dann dürfen wir es in Christo am Kreuze verurteilt sehen.

Je mehr wir das verstehen, desto mehr lieben wir Gott und verurteilen die Sünde in unserem Fleische. Auf diese Weise ist dann die gerechte Forderung des Gesetzes, die darin besteht, Gott von ganzem Herzen zu lieben, in uns erfüllt, und wir wandeln nicht mehr nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste (V. 4).

Der Geist steht in völligem Einklange mit dem, was Gott am Kreuze getan hat. Er hält die Verurteilung der Sünde im Fleische in uns aufrecht und gibt uns eine neue Lebenskraft für unseren Wandel.

Es ist ein wunderbarer Augenblick, wenn der Gläubige, durch die Liebe Gottes überwältigt, das Fleisch zurückweist und nach dem Geiste wandelt.

2. Die Gesinnung des Geistes

(Römer 8, 5 - 8)

Der Geist gibt uns jedoch nicht nur Kraft, frei vom Fleische zu wandeln, sondern Er bildet auch eine neue Gesinnung in uns heran. „Die Gesinnung des Fleisches ist der Tod“, sie ist „Feindschaft gegen Gott“, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan.

„Die Gesinnung des Geistes aber ist Leben und Frieden“ (V. 6). Die im Fleische sind, vermögen Gott nicht zu gefallen (V. 8). Gott hat keinen Gefallen an dem religiösen, gebildeten und geselligen Fleische. Der Herr sagt in Joh. 6, 63: „Das Fleisch nützt nichts.“ Natürliche Begabung und Fähigkeiten nützen in göttlichen Dingen nichts, sondern nur der Geist Gottes kann uns in die Tiefen Gottes einführen (1. Kor. 2, 10). Viele sagen, sie hätten für tiefe, geistliche Gedanken keinen Sinn, doch ohne den Geist kann keiner etwas davon verstehen.

Wenn wir an den Herrn Jesum Christum glauben, gibt Gott uns den Heiligen Geist, der uns bezeugt, dass Gott uns liebt (Röm. 5, 5) und unserer Übertretungen nie mehr gedenkt (Hebr. 10, 15 - 17). Jeder, der das lebendige Bewusstsein in sich trägt, dass Gott ihn liebt und ihm die Sünden vergeben hat, hat also den Heiligen Geist empfangen und kann sich in Gott freuen.

Doch um auch den Geist als Leben in sich wirksam zu haben und „nach dem Geiste“ zu sein (Röm. 8, 5), muss er die Sünde abweisen (Röm. 6) und seine Sündhaftigkeit und Kraftlosigkeit eingesehen haben (Röm. 7). Der jüngste Gläubige kann sich dessen bewusst werden und zu Christo am Kreuze aufschauen und dann die Kraft des Geistes erfahren, denn er ist aus dem Geiste geboren und kann deshalb auch „nach dem Geiste“ sein und auf das sinnen, was des Geistes ist (V. 5). In Gal. 5, 19 - 23 werden die Werke des Fleisches der Frucht des Geistes gegenübergestellt, so dass wir zwischen dem, „was des Fleisches ist“, und dem, „was des Geistes ist“, unterscheiden können.

3. Der Geist Christi

(Römer 8, 9.10)

Wenn wir auch zugeben müssen, dass das Fleisch noch in uns ist und wirken kann, so haben wir aber durch den Geist, der in uns wohnt, stets die Kraft, das Fleisch untätig zu halten, so dass wir nicht im Fleische, sondern im Geiste sind (V. 9).

Der in uns wohnende Geist Gottes befreit uns aber nicht nur vom Fleische, sondern Er bildet auch die Charakterzüge Christi in uns heran, weshalb Er auch der Geist Christi genannt wird. „Wenn jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein“ (V. 9). Der Geist Christi war vor alters schon in den Propheten gewesen (1. Petr. 1, 10. 11), doch Seine völlige Entfaltung geschah in Christo persönlich. Christus, der zweite Mensch vom Himmel, war so inniglich mit dem Heiligen Geiste verbunden, dass der Heilige Geist, der Geist dieses Menschen, der Geist Christi genannt wird.

Das Speisopfer (3. Mose 2) ist ein Vorbild von dem menschlichen Leben unseres Herrn Jesu, und es bestand aus Feinmehl, das nicht nur mit Öl gesalbt, sondern auch mit Öl vermengt wurde. Das Feinmehl stellt die Reinheit und Ausgeglichenheit jeder moralischen Vollkommenheit Seines menschlichen Lebens vor, und alles war mit Öl, mit dem Geiste gesalbt und vermengt. Der Geist war öffentlich und amtlich als die Salbung auf Ihm (Luk. 4, 18), und Sein ganzes menschliches Leben war vom Heiligen Geiste durchdrungen. Wir beurteilen keine Einzelheit in Seinem kostbaren Leben von Seiner Empfängnis im Leibe der Jungfrau an (Luk. 1, 35) bis dahin, wo Er Sich Selbst ohne Flecken Gott durch den ewigen Geist opferte (Hebr. 9, 14), richtig, wenn wir nicht anerkennen, dass der Heilige Geist, das Öl, damit vermengt ist.

Deshalb steht der Mensch Jesus Christus ganz einzig da; obschon Er ein wirklicher Mensch war, der an Blut und Fleisch teilgenommen hat, war Sein ganzes menschliches Leben von der Kraft des Geistes durchdrungen. Der Heilige Geist ist so eng mit Christo, dem zweiten Menschen, verbunden, dass Er der Geist Christi genannt wird, und weil der Geist Christi in uns Wohnung gemacht hat, bringt Er in uns die Züge Christi hervor, woran Gott Wohlgefallen findet. Christus ist in denen, die Sein sind, weil sie Seinen Geist in sich wirksam haben, der Seine Charakterzüge in ihnen zum Vorschein bringt.

Es wird dann weiter von uns gesagt: „Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot der Sünde wegen, der Geist aber Leben der Gerechtigkeit wegen“ (V. 10). Wenn der Geist Christum in uns gestaltet (Gal. 4, 19), ist der Leib tot, denn er würde uns zur Sünde anregen. Deshalb wird der Leib im Tode gehalten, und alle Anregungen kommen vom Geiste, der in uns Leben der Gerechtigkeit wegen ist.

Im Römerbrief ist viel von Gerechtigkeit die Rede. Die Gerechtigkeit Gottes ist im Tode Christi geoffenbart worden (Kap. 3, 21). Gott rechnet uns aufgrund unseres Glaubens Gerechtigkeit zu (Kap. 4, 5). Wir werden durch den Gehorsam Christi in die Stellung von Gerechten gesetzt (Kap. 5,19). Die Gnade herrscht durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben (Kap. 5, 21). Wir stellen unsere Glieder Gott zu Werkzeugen praktischer Gerechtigkeit dar (Kap. 6, 13). Der Geist in uns ist Leben der Gerechtigkeit wegen (Kap. 8, 10), damit wir in unserem Wandel gerecht sind und das Leben Christi zum Ausdruck bringen.

4. Der Geist dessen, der Jesum auferweckt hat
(Römer 8, 11 - 13)

Doch der Geist gestaltet nicht nur Christum in uns, was uns zum Kolosserbrief führt (Kol. 1, 27; 3, 11), sondern das Wohnen des Geistes in uns ist auch das Unterpfand dafür, dass bei der Entrückung unsere sterblichen Leiber vollständig von der Macht des Todes befreit und lebendig gemacht werden. „Der Geist dessen, der Jesum“ - das ist unser Herr persönlich - „aus den Toten auferweckt hat“, wohnt in uns, und aus diesem Grunde wird Gott, der Christum - das ist unser Herr in Beziehung zu uns - aus den Toten auf erweckt hat, auch uns sterblichen Leiber lebendig machen wegen Seines in uns wohnenden Geistes (V. 11).

Bei der Entrückung wird eine gewaltige, göttliche Kraft auf unsere sterblichen Leiber einwirken und sie lebendig machen, und das geschieht wegen des in uns wohnenden Geistes.

Im Lichte der Wahrheit, die bisher vorgestellt worden ist, ist es ganz klar, dass wir dem Fleische keine Schuldner mehr sind; wir brauchen nicht mehr nach dem Fleische zu leben (V. 12). „Denn wenn ihr nach dem Fleische lebet, so werdet ihr sterben.“ Wir sterben dann in der Wüste, ohne den Vorsatz Gottes erreicht zu haben. „Wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben“ (V. 13).

Die Handlungen des Leibes sind das, was der Leib tut, wenn er als eins mit dem Fleische betrachtet wird; es ist Nachgiebigkeit den Neigungen des Leibes oder Fleisches gegenüber. Doch der Gläubige hat in Röm. 7 eingesehen, dass er sich dagegen stellen muss, und in Röm. 8 gibt Gott ihm durch den Geist Kraft, alle fleischlichen Handlungen zu töten, und insofern er das tut, lebt er.

Unser Leib kann ein Gefäß fleischlicher oder geistlicher Tätigkeit sein. Von Natur ist das erstere der Fall; wir haben Eigenarten und Neigungen, die wir durch den Geist töten müssen, und wenn wir in der Kraft des Geistes das Fleischliche, das mit dem Leben in unserem Leibe in Verbindung steht, töten und unseren Leib als Gefäß des Geistes und nicht des Fleisches gebrauchen, dann leben wir und können unseren Leib als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer darstellen (Röm. 12, 1).

Auf diese Weise kommen wir dem Lebendigmachen unserer sterblichen Leiber bei der Entrückung durch den Geist in moralischem Sinne zuvor, denn wenn wir in der Kraft des Geistes die fleischlichen Handlungen unseres Leibes töten, dann macht der Geist unseren gegenseitigen Verkehr, unsere Krankenbesuche und alles, was wir in unserem sterblichen Leibe tun, schon im voraus lebendig. Wir leben dann durch den Geist.

5. Die Leitung des Geistes

(Römer 8, 14.15)

Wenn der Geist uns vom Fleische befreit hat, ist Er frei, Sein eigentliches Werk zu tun und uns als Söhne Gottes in die Freiheit, Einsicht, Würde und geistliche Zuneigung der Sohnschaft zu leiten. „So viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes“ (V. 14).

Nach Gal. 4, 5. 6 haben wir die Sohnschaft als Gabe Gottes empfangen, und weil wir Söhne sind, hat Gott den Geist Seines Sohnes in unsere Herzen gesandt und der Geist ruft in uns: „Abba, Vater“. Doch solange wir noch nicht durch den Geist vom Fleische befreit sind, können wir in der Kraft des Geistes den Boden der Sohnschaft nicht ungestört vor Gott einnehmen, wenn wir uns auch des Lichtes, das wir aus der Schrift darüber haben, erfreuen können.

In Röm. 8,15 ruft jedoch nicht nur der Geist in uns „Abba; Vater“ wie in Gal. 4, 6, sondern wir rufen im Geiste der Sohnschaft „Abba, Vater“, und das ist erst dann der Fall, wenn wir vom Fleische befreit sind und vom Geiste Gottes geleitet werden.

Nachdem Israel in 4. Mose 21 zur ehernen Schlange aufgeschaut hatte und am Leben im Blick auf Kanaan blieb, kamen sie dem Vorbild nach unter die Leitung des Geistes. Es heißt von ihnen unmittelbar darauf, dass sie aufbrachen, um nach Kanaan zu gelangen, wo für uns das ewige Leben und die Sohnschaft ist. Weiter ist dann von einem „Buch der Kämpfe Jehovas“ die Rede, worin „Bäche“ und ihre „Ergießung“ aufgezeichnet sind (4. Mose 21, 14. 15).

Wenn wir die Kämpfe Jehovas gegen unser Fleisch aufnehmen und es durch den Geist unwirksam halten, dann gibt Gott uns Quellen der Erfrischung im Heiligen Geiste, und diese „Bäche“ sind noch nicht im himmlischen Lande, sondern sie erfrischen uns auf dem Wege dahin. Israel kam dann noch zum Brunnen zu Beer, wo sie dem emporquellenden Wasser zujubelten: „Herauf, Brunnen, singet ihm zu!“ Wenn der Geist Gottes uns leitet, jubeln wir Ihm und Seinen Gedanken zu und schätzen sie so sehr, dass wir alles, was vom Fleische ist und den Geist hindert aus dem Wege räumen.

Auf diese Weise wird der Geist in uns eine Quelle Wassers, das ins ewige Leben quillt (Joh. 4, 14) und uns nach Kanaan leitet. Israel nahm endlich noch in 4. Mose 21 das Land der Könige Sihon und Og diesseits des Jordans in Besitz, und sie wohnten oder lebten mit Triumphgesängen in den eroberten Städten der Amoriter. Das war noch kein dauerndes Wohnen, noch kein ewiges Leben, denn das fanden sie erst in Kanaan, wovon Gott dem Abraham in 1. Mose 13, 15 sagte: „Dir und deinem Samen will ich das ganze Land geben auf ewig“.

Doch bevor Israel das Land in Besitz nahm, um dauernd oder auf ewig darin zu leben, mussten sie diesseits des Jordans lernen, Land vorübergehend in Besitz zu nehmen und darin zu wohnen oder zu leben. So haben wir in Röm. 8 Leben durch den Geist und noch nicht ewiges Leben; doch Röm. 8 ist die Vorschule für den Kolosser- und Epheserbrief, wo wir unser himmlisches Land in Besitz nehmen, um darin ewiglich zu leben. Die zweieinhalb Stämme (4. Mose 32) blieben leider in dieser Vorschule; sie stellen Christen vor, die nicht auf der Höhe unserer himmlischen Berufung, sondern irdisch gesinnt sind.

Wenn nun aber einerseits die Vorschule von Röm. 8 nicht die ganze Wahrheit ist, und wir nicht dabei stehen bleiben dürfen, so ist doch andererseits diese Vorschule als vorübergehender Aufenthalt hienieden für uns alle notwendig, denn um nach Kanaan hinüberzugehen, müssen wir geistlich sein.

In den Tagen Jephthas nahm der Feind das Ostjordanland weg, und Jephtha eroberte es zurück (Richt. 11). So müssen wir die Verkündigung des Evangeliums, auch das Evangelium für Neubekehrte, trotz aller Angriffe des Feindes beibehalten, denn wir müssen Neubekehrten, die aus der ägyptischen Welt kommen, den Weg durch die Wüste und das Ostjordanland offenhalten. In Röm. 8 sind wir gleichsam im Ostjordanland und wohnen in den eroberten Städten unserer Feinde. Wir haben das Fleisch, den Geist der Knechtschaft und alle knechtische Furcht unter unseren Füßen und werden durch den Geist Gottes geleitet.

Wir sind Söhne Gottes und rufen „Abba, Vater“. Das ist kein Verzweiflungsruf wie in Röm. 7: „Ich elender Mensch“ sondern es ist ein Rufen im köstlichen Genuss der trauten Verwandtschaft und der erhabenen Würde der Sohnschaft. „Abba“ heißt Vater; es ist unübersetzt geblieben, weil seine Bedeutung nur von Herzen gekannt wird, die durch den Geist der Sohnschaft in die geistlichen Zuneigungen von Söhnen Gottes geleitet werden.

6.. Das Zeugnis des Geistes

(Römer 8, 16 - 21)

Der Geist Gottes gibt uns nicht nur das Geleit nach Kanaan, wo wir uns des ewigen Lebens und der Sohnschaft erfreuen können, sondern Er zeugt auch mit unserem Geiste, dass wir Kinder Gottes sind (V. 16). „Söhne Gottes“ sind wir in Verbindung mit „jener Welt“ der Herrlichkeit Gottes (Luk. 20, 35. 36), während wir „Kinder Gottes“ in dieser Welt sind.

Als Söhne Gottes werden wir dem Bilde des Sohnes Gottes gleichförmig gemacht, damit Er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern (V. 29). Doch in den Kindern Gottes gewinnt nicht so sehr „das Bild“, als vielmehr „das Gleichnis“ (l. Mose 1, 26) des in Christo geoffenbarten Gottes Gestalt.

Als Kinder Gottes sind wir aus Gott geboren, und die Eigenschaften Gottes, wie Gerechtigkeit und Liebe, leben in uns fort. Wir sind uns nicht nur in unserem eigenen Geiste bewusst, dass wir das Geschlecht oder die Familie Gottes, also Kinder Gottes sind, sondern es macht auch dem Geiste Gottes Freude, das Bewusstsein davon in unserem Geiste zu stärken. Als Kinder Gottes sind wir die Gegenstände der zarten, väterlichen Fürsorge Gottes in allem, was in der Wüste an uns herantritt, so dass wir kühn sagen können: „Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht fürchten; was wird mir ein Mensch tun!“ (Hebr. 13, 6). In diesem Bewusstsein können wir in der zarten Obhut des Vaters ruhen, denn Seine Liebe wird das Beste für uns tun. „Sehet, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen“(1. Joh. 3, 1).

Als Kinder Gottes sind wir Erben Gottes und Miterben Christi (V. 17). Weil wir Gott als Seine Kinder angehören und im Besitze Seiner Liebesnatur sind, hat Gott uns zu Seinen Erben bestimmt, und weil Er Christum als den Erben aller Dinge eingesetzt hat (Hebr. 1, 2), werden wir mit Ihm sowohl die Dinge in den Himmeln, als auch die ganze sichtbare Schöpfung erben.

Doch die Schöpfung ist noch in einem harrenden und seufzenden Zustande, und deshalb ist gegenwärtig für die Kinder Gottes Leidenszeit. Christus ist hienieden enterbt, und deshalb müssen wir mit Christo leiden.

Wer hat „die Leiden der Jetztzeit“ (V. 18) so gefühlt wie Er! Es handelt sich hier nicht um Leiden für Christum oder um des Zeugnisses willen wie in Vers 35 u. 36, sondern es sind Leiden mit Christo. Als Kinder Gottes haben wir Empfindungen, die uns befähigen, mit Christo wegen des ruinierten Zustandes der Schöpfung und wegen des Elends, worin die Menschen infolge der Sünde geraten sind, zu leiden. Wenn wir mit Ihm leiden, werden wir auch mit Ihm verherrlicht.

Wir halten dafür, dass die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, mit der zukünftigen Herrlichkeit des Tausendjährigen Reiches verglichen zu werden, wann die Söhne Gottes geoffenbart werden und die Schöpfung zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes freigemacht wird (V. 19 - 21). Die Schöpfung harrt auf diesen Augenblick, denn sie ist mit ihrem gegenwärtigen Zustande nicht zufrieden und hat das unbestimmte Bewusstsein, dass Gott, der gütige Schöpfer, sie davon befreien wird. Die Erlösung von der Knechtschaft tritt dann ein, wenn Christus und Seine Miterben vom Himmel her geoffenbart werden. Die Kinder Gottes, die dann als Söhne Gottes geoffenbart werden in Herrlichkeit, denn die Herrlichkeit der Kinder Gottes (V. 21) ist die Sohnschaft (V. 19), nehmen in der Jetztzeit innigen Anteil an den Leiden ihres seufzenden Erbes.

7. Die Verwendung des Geistes für uns

(Römer 8, 22 - 27)

Wenn wir auch „die Erstlinge des Geistes“ (V. 23) vor der großen Ernte des Geistes im Tausendjährigen Reiche schon haben, so sind wir doch noch durch unsere Leiber mit der seufzenden Schöpfung verbunden und seufzen in uns selbst, „erwartend die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes“. So findet das Seufzen der Schöpfung in den Kindern Gottes, die des Geistes Erstlinge haben, vor Gott einen verständnisvollen Ausdruck, denn wir haben an dem Harren und Hoffen der Schöpfung auch unseren Anteil.

Wir sind in Hoffnung errettet (V. 24) und erwarten mit Ausharren die Erlösung unseres Leibes bei der Entrückung (V. 25). Dieser Zustand gibt nun dem Geiste Anlass, Sich unser anzunehmen. „Der Geist nimmt sich unserer Schwachheiten an“ (V.26). Wir sind oft unter den Umständen, in denen wir mit der seufzenden Schöpfung verbunden sind, so schwach, dass wir nicht wissen, „was wir bitten sollen, wie sich's gebührt“.

Doch der Geist hilft uns und kleidet Seine Fürbitte nicht einmal in Worte, sondern in „unaussprechliche Seufzer“. Unser menschliches Herz ist dazu nicht fähig, doch der Geist kann sich in dieser „unaussprechlichen“ Weise äußern.

Gott erforscht unsere Herzen, um den „Sinn des Geistes“ darin zu entdecken und nicht, um unsere Unvollkommenheiten zu finden, und der Geist verwendet Sich für Heilige Gott gemäß (V. 27). Das ist die siebente und letzte Tätigkeit des Heiligen Geistes, die in Röm. 8 erwähnt wird.

Zusammenfassend können wir sagen, dass der Geist uns in jeder Weise hilft. Er ist unser Freund. Er verwendet Sich für uns und stellt Sich uns in jeder Weise zur Verfügung. Möchten wir mehr von der Hilfe und der Kraft dieses göttlichen Freundes erfahren.


8. Der Vorsatz Gottes

(Römer 8, 28 - 30)

Wenn wir auch oft nicht wissen, was wir bitten sollen, so wissen wir aber, dass denen, die Gott lieben , alle Dinge zum Guten mitwirken müssen, weil sie nach Vorsatz berufen sind (V. 28).

Gott führt uns hier gleichsam auf den Gipfel des Pisga, von dem es in 4. Mose 21, 20 heißt, dass er emporragte über die Fläche der Wildnis oder Wüste. Wir blicken von dort nicht nur in das Land des Vorsatzes Gottes, sondern wir halten auch einen Rückblick über unseren Wüstenpfad und sehen, wie Gott alles zu unserem Guten zusammenwirken lässt und bei allem Seinen Vorsatz vor Sich hat.

Alles, was uns zustößt, dient dazu, Seinen Vorsatz zu fördern. Gott hat geplant, Sich in der Ewigkeit mit Menschen zu umgeben, die Er zuvorerkannt, nach Seinem Vorsatz berufen und bestimmt hat, dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu sein. Dann hat Er sie gerechtfertigt und durch den Besitz des Geistes der Herrlichkeit verherrlicht (V. 29. 30).

In Römer 8 sind wir noch in der Wüste und sehen vom Gipfel des Pisga wie Mose bei seinem Tode ins Land, ohne dass wir selbst schon darin sind, wie es im Epheserbrief der Fall ist. Wir sehen eine erhabene Schar, die Gott zuvorerkannt, zuvorbestimmt, berufen, gerechtfertigt und verherrlicht hat. Kein Geschöpf ist imstande, die fünf Glieder dieser goldenen Kette zu zerreißen, denn alles geht gänzlich von Gott aus. Welch eine Ermutigung ist das Bewusstsein, dass Gott Seinen Vorsatz durchführen und uns ewiglich in dieser erhabenen Weise bei Sich haben wird!

9. Gott ist für uns

(Römer 8, 31 - 34)

Alles, was bisher gesagt worden ist, führt zu dem triumphierenden Schluss, dass Gott für uns ist. „Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns, wer wider uns?“ (V. 31)

Ob wir an die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft denken, Gott ist für uns. Er hat uns nach dem Vorsatz Seiner Liebe berufen, doch Er konnte uns Sich nur auf ganz unendliche Kosten sichern. „Er, der doch seines eigenen Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ (V. 32)

Welch ergreifende Enthüllung des Herzens Gottes! Gottes Vorsatz konnte nur zustande kommen, wenn Er Seinen geliebten Sohn für uns dahingab, damit Er das Gericht das uns gebührte, tragen sollte. Dass Gott das getan hat, beweist deutlich, dass Er für uns ist. Wir können es kaum begreifen, was es für Gott bedeutete, Seinen eigenen Sohn, an dem Er ganz unendliches Wohlgefallen gefunden hatte (Luk. 3, 22), der Bosheit des Menschen auszuliefern, zur Sünde zu machen und Ihn unter Gericht und Tod zu bringen.

Wenn Gott aber solch eine Liebestat für uns vollbracht hat, dann muss Er für uns sein und uns mit Seinem eigenen Sohne auch alles schenken. Gott ist ein grenzenloser Geber, und wir sind Seine Auserwählten (V. 33).

Zum erstenmal werden wir hier im Römerbriefe die Auserwählten Gottes genannt, und in Römer 9 wird auf die Auserwählung Gottes dann noch ausführlicher eingegangen. Gott hat jeden wahren Gläubigen aus dem Drang Seines Herzens heraus auserwählt, und es wird hier gefragt: „Wer wird wider Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt“ (V. 33). Wer wagt es, die Auserwählten, die Gott gerechtfertigt hat, anzuklagen?

Die beiden Beweise, dass Gott für uns ist, sind also, dass Gott Seinen eigenen Sohn für uns hingegeben hat und dass Er es ist, der uns rechtfertigt. Nicht nur hat Gott uns durch die Erlösung, die in Christo Jesu ist, gerechtfertigt, sondern unsere Rechtfertigung ging auch von Ihm aus, sie entsprang Seinem Herzen.

10. Die Liebe Christi und die Liebe Gottes

(Römer 8, 34 - 39)

Christus ist zur Rechten Gottes, wo ER Sich für uns verwendet (V 34) und unser Hoherpriester ist. Wenn wir treu sind, kann „Drangsal, Angst, Verfolgung, Hungersnot, Blöße, Gefahr, Schwert“ über uns kommen. Doch nichts vermag uns von der Liebe Christi, des Hohenpriesters droben zu scheiden (V35), sondern in solchen Prüfungszeiten prägt ER einen tiefen Eindruck von Seiner Liebe in unsere Herzen. Deshalb sind wir mehr als Überwinder durch Den, Der uns geliebt hat (V. 37). Nicht nur wird der Feind zuschanden, sondern wir lernen auch die Liebe Christi besser kennen.

Christus liebt uns jedoch nicht nur persönlich als Hoherpriester droben, sondern das Kapitel schließt damit, Ihn uns als Bundeslade vorzustellen, in dem die Liebe Gottes aufbewahrt und gesichert ist.

Der Bund ist die Offenbarung Gottes in Liebe, und die Liebe Gottes ist in Christo Jesu für uns gesichert, so dass keine Macht irgendeines Geschöpfes ihr etwas anhaben kann. Christus Jesus ist zur Rechten Gottes über allem erhaben, und nichts kann Ihn und die Liebe Gottes, die in Ihm ist, antasten.

Die Liebe Gottes ist in Ihm, der wahren Bundeslade, unvergänglich und unwandelbar aufgespeichert, und durch den Vorsatz, die Berufung und das Werk Gottes sind wir unauflöslich mit der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, verbunden. Gott wünscht, dass wir ebenso wie Paulus davon überzeugt sind, der sagen konnte: „Ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben . . . noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn“ (V. 38 u. 39).

V. Die Erbarmungen Gottes - Römer 9 - 11

Paulus gründet die Ermahnungen des Römerbriefes von Kapitel 12 an auf „die Erbarmungen Gottes“ (Röm. 12, 1), die er in Röm. 9 - 11 darlegt. In Röm. 1 - 3 haben wir eine kostbare Darstellung dessen, was Gott in Gerechtigkeit, Güte und Gnade ist. Dann werden die Segnungen derer beschrieben, die aus Glauben gerechtfertigt sind und den Heiligen Geist empfangen haben (Röm. 4 - 5). Die Gnade Gottes tilgt unsere Sünden durch Christi Blut. Doch die Liebe Gottes, die in unsere Herzen durch den Heiligen Geist ausgegossen ist (Röm. 5, 5), treibt uns an, Gott wiederzulieben. Wir erwidern die Liebe Gottes, indem wir uns in unserem Wandel der Sünde gegenüber für tot halten (Röm. 6). Gott in dem Neuen des Geistes dienen (Röm. 7) und im Geiste der Sohnschaft „Abba, Vater“ rufen (Röm. 8). Diejenigen, die Gott auf diese Weise lieben, sind nach Seinem Vorsatz berufen: sie sind Seine Auserwählten (Röm. 8, 28. 33).

1. Die Unumschränktheit Gottes

(Römer 9)

Das Evangelium ist für alle. Gott will, dass alle Menschen errettet werden, und Christus hat Sich Selbst zum Lösegeld für alle gegeben (1. Tim. 2, 6). Gott hat allen Menschen die Tür der Errettung aufgetan. Doch das Herz des Menschen ist so weit von Gott entfernt, dass keiner durch die Tür eingeht, Buße tut und an den Herrn Jesum glaubt, wenn das unumschränkte Erbarmen Gottes das nicht bewirkte. Paulus sagt uns in Röm. 9, 1 - 5, dass er große Traurigkeit und unaufhörlichen Schmerz in seinem Herzen für Israel, seine Brüder nach dem Fleische hat, weil sie, wie heutzutage die Namenchristen, alle Segnungen Gottes in ihrer Reichweite hatten und doch ihrer aller verlustig gingen.

Dann kommt er in V. 6 zu dem Schluss, dass ein Unterschied zwischen „Israel“ im göttlichen, geistlichen Sinne und denen besteht, die „aus Israel“ von Natur sind. Bei Ismael und Isaak ist klar zutage getreten, dass nicht die Kinder des Fleisches Kinder Gottes sind, sondern dass die Kinder der Verheißung als Same gerechnet werden (V. 7 - 9). Gott hat die Kinder des Fleisches, die wie Ismael Christum, den wahren Isaak, nicht ehren, sondern ihn verspotten, verworfen, wenn sie auch von Natur von den Gläubigen (von Abraham) abstammen, und Er hat die Verheißungen dem wahren Samen zugerechnet, der von Ihm herstammt und der wie Isaak Gott allein sein Dasein verdankt.

Gott verwirft den Menschen nach dem Fleische vollständig, und wenn wir seinen wahren Charakter erkennen, dann sehen wir ein, dass seine Verwerfung notwendig ist. Gott muss einen neuen Anfang in dem Menschen machen, wir müssen von neuem geboren werden (Joh. 3, 7), um die Fähigkeit zu haben, durch die geöffnete Tür der Errettung in das Reich Gottes einzugehen, und die neue Geburt ist das Werk des unumschränkten Erbarmens Gottes (Tit. 3, 5).

Das wirft den Menschen in seiner vollständigen Hilflosigkeit im Gebet auf Gott, auf dessen freies Erbarmen er in dieser Sache gänzlich angewiesen ist. Jakobus ermuntert uns, zu Gott zu beten, weil Er allen willig gibt (Jak. 1, 5), und der Herr sagt in Matth. 7, 7: „Bittet, und es wird euch gegeben werden.“ Nur auf Grund der neuen Geburt, dieser Handlung der unum­schränkten Barmherzigkeit Gottes, sind wir Kinder Gottes und der wahre Same Gottes, der die Verheißung Gottes hat.

Paulus besteht weiter auf der unumschränkten Handlungsfreiheit Gottes. Rebekkas Kinder waren noch nicht geboren und hatten weder Gutes noch Böses getan, als zu ihr gesagt wurde: „Der Größere wird dem Kleineren dienen“ (V. 10-12). Gott handelte darin nach Beweggründen, die ganz und gar in Ihm Selbst waren, auf dass der Vorsatz Gottes nach Auswahl bestehen sollte, nicht aus Werken, sondern aus dem Berufenden (V 11). Da Gott Vorkenntnis hat und die Geschichte Jakobs und Esaus im Voraus kannte, wählte er den Jakob als den Träger des Segens aus, ehe er geboren war und verwarf den Esau; und Gott sagt gleichsam zu Seiner Rechtfertigung im letzten Propheten, in Maleachi 1, 2. 3, als die ganze Geschichte von Jakob und Esau und ihren Nachkommen offen zutage getreten war: „Den Jakob habe ich geliebt, aber den Esau habe ich gehasst“ (V. 13).

Gott hat das Recht, solche, die Er liebt und schätzt, zur Herrlichkeit vorherzubestimmen, weil Er Vorkenntnis besitzt; und Er darf solche, die wie Esau sich selbst gefallen und den Segen Gottes, das Erstgeburtsrecht verkaufen, verwerfen. Seine Auswahl und Vorherbestimmung sind der Ausfluss Seiner Vorkenntnis, doch das enthebt den Menschen keineswegs seiner Verantwortlichkeit.

Wir können nicht sagen, dass Gott in der Ausübung Seines unumschränkten Erbarmens ungerecht ist (V. 14), sondern jeder Gläubige hat viel Ursache, Gott für Sein Erbarmen zu danken, denn ohne dasselbe wären wir alle ewig verloren. In Röm. 9, 23 werden wir „Gefäße des Erbarmens“ oder „der Begnadigung“ genannt, und es gibt kaum eine schönere und ergreifendere Bezeichnung für die Gläubigen. Alle natürlichen Neigungen unserer Herzen hätten uns von Gott weggeführt und ferngehalten, ebenso wie Israel dem goldenen Kalbe nachging und dabei den Menschen im Fleische darstellt, wie er die Verpflichtungen bricht, die er- im Selbstvertrauen Gott gegenüber auf sich genommen hat. Doch Gott sagte zu Mose: Ich werde begnadigen, wen ich begnadige, und mich erbarmen, wessen ich mich erbarme“ (V. 15).

Welch ein Trost für uns, wenn wir untreu gewesen sind, das Bewusstsein haben zu dürfen, dass Gott unumschränkt ist und Seine Unumschränktheit sich in Erbarmen kundtut.

Wo wäre Israel in 2. Mose 32 - 33 geblieben, wenn nicht das unumschränkte Erbarmen Gottes gewesen wäre? Es wäre ihm ergangen wie uns allen, der Zorn Gottes hätte es verzehrt. Doch Gott erweist uns infolge Seiner Unumschränktheit ganz unerwartetes Erbarmen und unverdientes Mitgefühl.

Freilich ist es sehr ernst, trotz der Erweisung der Barmherzigkeit Gottes, hartnäckig und verstockt im Bösen zu verharren, wofür Pharao in Vers 17 ein Beispiel ist, der das Volk Gottes bedrückte und Gott widerstand. In 2. Mose 7 u. 8 heißt es, dass der Pharao trotz des Erbarmens Gottes, das die Plagen wegnahm, sein Herz verstockte und verhärtete. Doch in 2. Mose 9, 12 und 10, 20 heißt es dann, dass Jehova sein Herz verhärtete. Der mächtigste Feind Gottes und Seines Volkes tut die Unumschränktheit Gottes auf ganz schreckliche Weise kund, indem sein böser Pfad als Strafe Verhärtung über ihn bringt, damit sich Gottes Macht im Gericht an ihm erweisen kann.

Wie sollte diese Wahrheit diejenigen mit Schrecken erfüllen, die trotz des Erbarmens Gottes fortfahren, sich Gott zu widersetzen! Wenn Menschen fortfahren, gegen Gott zu handeln, so kann es geschehen, dass sie finden werden, dass Gott sie als Beispiele herausgreift, um an ihnen Seine Macht im Gericht zu erweisen. Sollte das nicht jeden stolzen Pharao bußfertig auf seine Knie bringen? Gott kann in Seiner Unumschränktheit Erbarmen erzeigen oder verhärten (V. 18).

Der Mensch mag Gottes Unumschränktheit bekritteln (V. 19), doch der Gläubige liebt sie, weil er einsieht, dass ihm nur das unumschränkte Erbarmen Gottes helfen konnte, und er preist Gott wegen Seiner Barmherzigkeit und ist dankbar, ein Gefäß der Begnadigung sein zu dürfen. Paulus stellt alles auf den Boden der Unumschränktheit, sei es die Erweisung des Zornes und der Macht Gottes an den Gefäßen des Zorns, die zum Verderben zubereitet sind, oder den Reichtum Seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Begnadigung, die Er zur Herrlichkeit zuvorbereitet hat (V. 22 u. 23).

Bei den Gefäßen des Zornes erwähnt der Apostel aber auch noch, dass Gott sie mit vieler Langmut ertragen hat. Gott hat sie nicht für das Verderben zubereitet, sondern das Verderben ist die Folge ihrer eigenen Hartnäckigkeit im Bösen, die Gott mit vieler Langmut erträgt, bis Seine Geduld erschöpft ist.

Gott eilt nie, das Böse zu richten sondern Er richtet nur nach vieler Langmut. Doch Gott will nicht nur Seinen Zorn, sondern auch Seine Barmherzigkeit kundtun und macht den Reichtum Seiner Herrlichkeit an uns, den Gefäßen der Begnadigung, offenbar, die Er zur Herrlichkeit zu vorbereitet. Das geht jetzt vor sich und verleiht uns überhaupt keinen Ruhm, sondern wir sind „Gefäße der Begnadigung“ und gänzlich auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes angewiesen.

Der Prophet Hosea wird in Vers 25 u. 26 angeführt, um zu zeigen, dass Gott, nachdem Er zu Israel gesagt hatte: „Ihr seid nicht mein Volk“, sie doch wieder „mein Volk“ nennt. Nachdem sie jeden Anspruch darauf, das Volk Gottes zu sein, verscherzt hatten, werden sie Sein Volk lediglich auf Grund des unumschränkten Erbarmens Gottes werden. Gott stellte sie mit den Nationen auf eine Stufe, als Er zu ihnen sagte: „Ihr seid nicht mein Volk.“ Doch in dieser Stellung wird Er sie Seiner Unumschränktheit zufolge segnen; „daselbst werden sie Söhne des leben­digen Gottes genannt werden“.

Doch das öffnet auch den Nationen die Tür, gesegnet zu werden, denn diese waren offenbar nicht Gottes Volk gewesen. Wenn es Gott gefällt, Israel in der Unumschränktheit Seines Erbarmens wieder als Sein Volk zu berufen, dann können auch die Gläubigen aus den Nationen „Söhne des lebendigen Gottes“ genannt werden.

Wenn nun einmal alles auf dem Boden der Unumschränktheit geschieht, so kann Gott berufen, wen Er will, sei es aus den Juden oder den Nationen. Die Stellen aus Jesaja werden in Vers 27 - 29 angeführt, um zu zeigen, dass Gott auch aus Israel einen Überrest beruft, während die Masse des Volkes sich an Christo, dem Stein des Anstoßes, gestoßen hat (V. 33).

2. Die Errettung

(Römer 10)

Nachdem Paulus in Römer 9 die religiöse Anmaßung des Menschen im Fleische dadurch beseitigt hat, dass er gezeigt hat, dass der Mensch ein Gegenstand des unumschränkten Erbarmens Gottes, ein Gefäß der Begnadigung werden muss, geht er in Römer 10 auf die Gerechtigkeit Gottes und die Errettung näher ein. Die Wahrheit von der Unumschränktheit Gottes machte den Apostel nicht engherzig, denn er betete in Römer 10, 1 für die Errettung des ungehorsamen Volkes Israel, und wenn wir das unumschränkte Erbarmen Gottes, das uns widerfahren ist, schätzen, dann beten auch wir für die Errettung Unbekehrter.

Es ist richtig, jeden „Eifer für Gott“ anzuerkennen, auch wenn er „nicht nach Erkenntnis“ ist (V. 2). Doch es ist traurig, wenn Menschen die Gerechtigkeit Gottes nicht anerkennen und danach trachten, „ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten“ (V. 3). Solche haben sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen, denn es handelt sich nicht um Werke, sondern um Glauben an Christum, der des Gesetzes Ende und jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit ist (V. 4). Für den Gläubigen handelt es sich nicht um „die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist“, sondern einfach um Christus, der die Gerechtigkeit unseres Glaubens ist (V. 5 u. 6).

Beide Arten von Gerechtigkeit sind die denkbar verschiedensten voneinander. Christus ist des Gesetzes Ende, Er macht all unseren Gedanken, durch das Gesetz Gerechtigkeit zu erlangen, ein Ende. Darin sind viele Seelen nicht gegründet, und deshalb haben sie keinen Frieden, keine Ruhe, die aus der Erkenntnis hervorgeht, dass es sich bei der Frage der Gerechtigkeit einfach um Christum handelt.

Wenn Christus meine Gerechtigkeit ist, dann gibt es keinen Mangel, keine Unruhe und keine Unvollkommenheit mehr. Christus stieg vom Himmel hernieder und ging in den Tod, woraus Er von Gott auferweckt worden ist. Unser Tun war davon ganz ausgeschlossen; alles geschah ganz ohne unser Zutun. Sein Herniederkommen und Sein Tod am Kreuz war nicht unser Werk und auch nicht Seine Auferstehung aus den Toten. Auf diese Weise wurde jedoch Sündern Gerechtigkeit zugänglich, die keine hatten.

Alles das ist gänzlich von Gott. Es ist unmöglich, die beiden Gerechtigkeiten zu vermengen. Die Gerechtigkeit aus Gesetz hängt von mir ab und von dem, was ich tue, während die Gerechtigkeit des Glaubens von Christo und von dem, was Er getan hat, abhängt.

Das Wort des Glaubens (V. 8), das Gott später in Israels Herz legen wird, lässt Er heute verkündigen und legt es auf diese Weise in den Mund und das Herz eines jeden, der da glaubt.

Das Wort des Glaubens sagt nichts von Gerechtigkeit aus Werken, sondern es sagt: „Wenn du mit deinem Munde Jesum als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, wirst du errettet werden. Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde wird bekannt zur Errettung“ (V. 9 u. 10).

Das Wort des Glaubens handelt von Jesu, dem Herrn. Gott legt dieses Wort als ein Bekenntnis in den Mund jedes Gläubigen, und die Errettung ist damit verbunden. Der Mund hat es mit dem Platz zu tun, den wir öffentlich in dieser Welt einnehmen. Dort sollten wir als Bekenner Jesu, des Herrn, bekannt sein.

Wenn wir uns Christo, dem Herrn, unterworfen haben, beginnen wir einen neuen Lauf, und allerlei Fragen werden an uns gestellt. Wenn wir dann bekennen, dass Jesus unser Herr ist, kommen wir unter Verachtung und werden auf diese Weise von den Einflüssen frei, denen die Menschen in dieser Welt unterworfen sind. Doch wir kommen auch unter die schützende Macht des Herrn, den wir bekennen.

Wenn ein Christ findet, dass er unter die Macht der Welt gerät, so ist es gut, wenn er bedenkt, dass Gott ein Wort in seinen Mund gelegt hat, das ihn frei machen kann, und das ist das Bekenntnis Jesu, des Herrn. Doch das Wort des Glaubens ist nicht nur in unserem Munde, sondern auch in unseren Herzen, wo es als die köstliche Gewissheit des Glaubens ist, dass Gott Christum aus den Toten auf erweckt hat.

Wir werden nirgendwo in der Schrift dazu aufgefordert, etwas über uns selbst zu glauben, sondern wir sollen das glauben, was Gott an Jesu, unserem Herrn, getan hat, nachdem Er unsere Sünden getragen hatte und gestorben war. Gott hat Ihn aus den Toten auferweckt, und wir glauben, dass wir in Christo Gerechtigkeit erlangt haben und nicht durch unsere Werke. „Mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit“, und dann wird noch hinzugefügt: „Denn die Schrift sagt: Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden“ (V. 11).

Es ist also ganz klar, dass es sich im Römerbrief nicht nur um eine Glaubensüberzeugung handelt, sondern um den persönlichen Herzensglauben an den Herrn Jesum und an Gott, der Ihn aus den Toten auf erweckt hat.

Es heißt in Röm. 3, 22: „Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt“, und hier heißt es auch: „Denn es ist kein Unterschied“ (V. 12), doch es heißt hier weiter: „Denn derselbe Herr von allen ist reich für alle, die ihn anrufen.“

Wenn also einerseits auch alle Menschen gesündigt haben, so steht doch andrerseits der Herr Jesus mit dem ganzen Reichtum der Gnade Gottes allen Menschen zur Verfügung. Doch die Menschen müssen sich mit Ihm in Verbindung setzen und Ihn anrufen. „Jeder, der irgend den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden“ (V. 13).

Gott überlässt es nun aber nicht den Menschen, von sich aus herauszufinden, welch ein reicher Herr es ist, den sie anrufen können, wenn sie Glauben an Ihn haben, sondern um an Ihn zu glauben und Ihn um Errettung anzurufen, müssen sie zunächst von Ihm hören, und das können sie nicht ohne einen Prediger, der wiederum wertlos ist, wenn Gott ihn nicht gesandt hat (V. 14 u, 15).

Gott hat Prediger ausgesandt, um den Menschen kundzutun, wie reich der Herr Jesus ist, damit sie von Ihm hören, an Ihn glauben und Ihn anrufen. Es genügt nicht, an Ihn zu glauben, obschon uns dadurch der Himmel sicher ist; doch wir bedürfen der Errettung auf unserem Pfade hienieden, und das Anrufen des Herrn sichert uns die ganze Macht Gottes zur Errettung. Weil Paulus die gesandten Prediger erwähnt, führt er die Stelle aus Jes. 52, 7 hier an, die er auf sie deutet: „Wie lieblich sind die Füße derer, die das Evangelium des Friedens verkündigen“ (V. 15). Wir sollten alle liebliche Füße haben und die Botschaft von Ort zu Ort tragen, dass Gott in Gnade herrscht und dass der Herr Jesus reich für alle ist, die Ihn anrufen.

Leider gehorchen nicht alle dem Evangelium, denn Jesaja, dieser machtvolle Prediger, musste sagen: „Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt?“ (V. 16), und das veranlasst Paulus zu dem wichtigen Ausspruch: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort“ (V. 17).

Der Glaube kommt nicht in einem Menschen zustande, der keine Wortverkündigung gehört hat. Viele sagen, sie hätten „Glauben über Dinge, die ihnen aus Gottes Wort nicht verkündigt worden sind. Der wahre Glaube kommt jedoch aus der Verkündigung des Evangeliums. Gott hat Sich Seinem sündigen Geschöpf in Gerechtigkeit, Gnade, Liebe und Erbarmen kundgetan, und zwar durch die Erlösung, die in Christo Jesu ist. Das wird aus Gottes Wort den Menschen verkündigt. Es hat Gott gefallen, in dieser Weise über Sich Selbst zu den Menschen zu reden. Wo man dieser Verkündigung glaubt, wird Gott Seiner Offenbarung in Gnade gemäß im Herzen erkannt, und das ist Glaube, während alles andere Einbildung ist.

Die Verkündigung erstreckt sich ebenso über die ganze Welt wie das Zeugnis der Himmel in Ps. 19 (V. 18). Christus ist die Sonne des Weltalls moralischer Ordnung, und Er ist in die Himmel gesetzt worden. Gottes Rettung kann sich deshalb nicht auf Israel beschränken. Die Sonne scheint jedem Geschöpf unter dem Himmel, und Christus, die wahre Sonne, scheint vom Himmel allen Menschen. Die göttliche Stimme geht deshalb aus „zu der ganzen Erde, und ihre Worte zu den Grenzen des Bewohnten“ (V. 18). Deshalb dürfen wir mit Freimütigkeit überall zu den Menschen von Christo und der Rettung in Ihm reden.

Israel hat Christum nicht anerkannt (V. 19), sie haben Ihn verworfen, und Gott reizte sie dadurch zur Eifersucht, dass Er die Nationen segnete. Gott wurde von denen gefunden, die Ihn nicht suchten (V. 20). Alles das hatte Jesaja zuvor geweissagt, und wo es nun eingetreten war, rührte diese Gnade Israel nicht. Dennoch hält Gott in Seinem wunderbaren Erbarmen den ganzen Tag Seine Hände zu dem ungehorsamen Israel und auch zu jedem Unbekehrten hin ausgestreckt (V. 21).


3. Die Wege Gottes in Erbarmen

(Römer 11)

Während Gott Sich also in Seinem unumschränkten Erbarmen den Nationen zugewandt und Israel verworfen hat, zeigt Paulus nun aber in Röm. 11, dass Er Sich Israels wieder erbarmen wird und sogar in der Zwischenzeit, in der wir leben, aus Israel einen „Überrest nach Wahl der Gnade“ aufrechthält (V. 5), wofür Paulus und die bekehrten Juden ein Beweis waren. Dasselbe hatte Gott auch in den dunklen Tagen Elias getan. Als dieser treue Diener Jehovas fühlte, dass er allein übrig geblieben war, wurde ihm die göttliche Antwort, dass noch 7000 Treue vorhanden waren (V. 2 - 4).

Wenn wir persönlich treu sind, kommen wir leicht dahin, uns mehr mit unserer Treue als mit der Treue und dem Erbarmen Gottes zu beschäftigen. Doch Gott beschränkt den Segen nicht auf uns allein, sondern Sein unumschränktes Erbarmen segnet Tausende, die wir vielleicht gar nicht kennen.

Wenn Gott aber in Israel einen Überrest aufrechthält, der in der gegenwärtigen Zeit mit den Gläubigen aus den Nationen in die Kirche, den Leib Christi, eingeht, dann hat Gott Sein Volk nicht verstoßen (V. 1), sondern Er hat sie in ihrer Gesamtheit in der Jetztzeit nur beiseite gesetzt. Ihr Tisch, ihre hohen Vorrechte sind ihnen zur Schlinge und zum Fallstrick geworden (V. 9), und mit der Christenheit ist es heute ebenso.

Durch den Fall Israels ist die Rettung den Nationen geworden, um Israel zur Eifersucht zu reizen (V. 11). Deshalb verherrlichte Paulus seinen Dienst als Apostel der Nationen, um etliche von ihnen zur Eifersucht zu reizen, damit sie errettet werden möchten (V. 13 u. 14).

Weil Gott Israel verworfen hat, ist die Welt auf den Boden der Versöhnung gestellt worden (V. 15). Gott betrachtet die ganze Welt von dem Standpunkt aus, der durch den Tod Christi zuwege gebracht worden ist. Christus ist für alle gestorben (2. Kor. 5, 15), und Er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt (1. Joh. 2, 2).

Wenn ein Mensch nicht mit Gott versöhnt ist, so liegt das daran, dass er die Versöhnung, die allen Menschen zugänglich ist, nicht haben will. All der Reichtum der holdseligen Person Christi und der Sühnwert Seines Werkes am Kreuz ist vor Gott gegenwärtig, und alle Menschen können Nutzen daraus ziehen.

Wie aber die Verwerfung Israels in der gegenwärtigen Zeit die Versöhnung der Welt ist, so wird später ihre Annahme Leben aus den Toten bedeuten (V. 15), wobei der Apostel an Stellen wie Hes. 37, Jes. 25, 8 und Jer. 33, 7 - 9 denkt.

Abraham war „der Erstling“ des Ölbaums der Verheißungen Gottes gewesen, die in Christo erfüllt sind (V. 16). Abraham hielt im Glauben an den heiligen Verheißungen Gottes fest. Er war der Vater der Gläubigen, denn er wurde durch Glauben an die Verheißungen Gottes gekennzeichnet; er glaubte Gott (Röm. 4, 3). Weil der Erstling heilig war, musste auch die Masse heilig sein, und weil die Wurzel heilig war, so mussten es auch die Zweige sein. Doch es erwies sich, dass einige der natürlichen Zweige keinen Glauben hatten, denn sie hatten Christum, in dem die Verheißungen Gottes verkörpert waren, verworfen. Deshalb wurden sie aus dem Ölbaum ausgebrochen, und die aus dem wilden Ölbaum der Nationen wurden eingepfropft, damit sie „der Wurzel und Fettigkeit des Ölbaums mitteilhaftig“ würden (V. 17). Auf diese Weise wurden die aus den Nationen, die das christliche Bekenntnis annahmen, in den Nutzen der Verheißungen Gottes, die in Christo erfüllt sind, eingeführt.

Doch für die Nationen besteht die Gefahr, dass es ihnen ebenso wie Israel ergehen kann. Wir können Gott mit den Lippen nahen, während unser Herz fern von Ihm ist. Die Christenheit hat im großen und ganzen denselben Unglauben wie Israel geoffenbart. Deshalb gilt uns allen die ernste Ermahnung des Apostels: „Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich“ (V. 20), denn wer nicht an der Güte Gottes bleibt, wird wieder ausgeschnitten (V. 22).

Wunderbare Reichtümer sind uns zugänglich geworden, doch sind wir demütig genug, sie uns im Glauben anzueignen? Es handelt sich darum, lebendigen Glauben zu haben und ein brauchbares Zeugnis für Gott zu sein. Die einzige Sicherheit dafür ist, im Glauben zu stehen und an der Güte und Barmherzigkeit Gottes zu bleiben. Nur zerschlagene und zerbrochene Herzen bekommen die Segnungen Gottes.

Die Christenheit hat sich Werken und dem Halten des Gesetzes zugewandt, sie hat auf Fleisch vertraut. Laodizäa rühmt sich, ohne Christum „reich geworden zu sein“ (Offb. 3, 17). Die Nationen sind nicht an der Güte Gottes geblieben, die doch für sündige Menschen so anziehend ist. Wir nähern uns dem Augenblick, wo der Herr die Seinen entrückt und wo das Bekenntnis der Nationen aus dem Ölbaum durch die Strenge Gottes wieder ausgehauen wird.

Dadurch bietet sich für Gott aber die Gelegenheit, Israel wieder einzupfropfen.

Paulus lässt uns über das Geheimnis der Wege Gottes nicht in Unkenntnis (V. 25). Gegenwärtig ist Israel „Verstockung“ widerfahren, weil Gott nach Seinem Vorsatz die Fülle der Nationen hereinbringt. Doch wenn das geschehen ist, „wird ganz Israel errettet werden“, denn aus Zion wird der Erretter kommen, Israel wieder in seinen Ölbaum einpfropfen, ihre Sünden wegnehmen und Seinen Bund mit ihnen errichten (V. 26 u. 27).

„Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde um euretwillen“ (V. 28), denn sie haben es übel aufgenommen, dass die Gnade Gottes sich den Nationen zugewandt hat. Doch es bleibt wahr, dass sie hinsichtlich der Auswahl Geliebte um der Väter willen sind, „denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar“ (V. 29).

Israel wird wie wir lediglich als Gegenstand des Erbarmens und der unumschränkten Auserwählung Gottes zur Segnung gelangen (V. 30-32). Wir alle müssen im Innersten unserer Seele lernen, dass nichts als das Erbarmen Gottes uns errettet hat.

Wenn wir bedenken, wie Gott gewirkt hat, um das Rühmen, den Hochmut und die Selbstgerechtigkeit des Menschen im Fleische zu beseitigen, wenn wir weiter das unumschränkte Erbarmen Gottes anschauen, worin Er die Ratschlüsse Seiner Liebe zustande bringt, dann drängt es unsere Herzen, mit Paulus in das Lob auszubrechen: „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm zuvor gegeben, und es wird ihm vergolten werden? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen“ (V. 33-36).

Das tiefe Bewusstsein der unumschränkten Wege Gottes in Erbarmen bringt in uns einen Geist der Anbetung und Bewunderung hervor. Wir waren wie alle Menschen unter Tod und Gericht, doch Gott hat uns Erbarmen erwiesen, und wir verdanken Gott allein alle unsere Segnungen. Das treibt uns an, diesen Gott des Erbarmens anzubeten und Ihm die ganze Herrlichkeit zuzuschreiben.

VI. Ein lebendiges Schlachtopfer - Römer 12 - 16

Wenn die Erbarmungen Gottes (Röm. 9 - 11) in un­seren Herzen Eingang gefunden haben, sind wir bereit, den Ermahnungen des Apostels (Röm. 12 - 16) freudig zu entsprechen. Wir kommen ihnen aber nicht nach, um die Gunst Gottes zu gewinnen, sondern weil Seine Gunst uns umstrahlt.

In Röm. 12, 1 werden wir aufgefordert, unsere Leiber als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefäl­liges Schlachtopfer darzustellen. Wir alle sollten, durch das Erbarmen Gottes überwältigt, unsere Leiber Gott zur Verfügung stellen und sie niemals zurücknehmen zu un­serer eigenen Befriedigung. Das sollte nicht durch das Lesen eines Buches oder durch eine aufrüttelnde Predigt vorübergehend hervorgerufen werden, sondern es ist „unser vernünftiger Dienst“; es ist die wohlerwogene, be­sonnene Handlung unseres geistlichen Verständnisses, und die Triebkraft dazu ist der Heilige Geist in uns.

1. Die Erneuerung des Sinnes

(Römer 12)

Wenn wir Gott unseren Leib zur Verfügung gestellt haben, ist es wichtig, dass wir uns nicht diese Welt zum Vorbild unseres Wandels nehmen. „Seid nicht gleichförmig dieser Welt.“ Die Menschen, die in dieser Welt leben, sind weise in ihren Augen, sie haben Gefallen an sich selbst und denken nicht daran, sich Gott zu unterwerfen. Der Gläubige sollte dieser Welt nicht gleichförmig sein, sondern „verwandelt“ oder umgestaltet werden durch die Erneuerung seines Sinnes.

In Röm. 1,28 lesen wir von „einem verworfenen Sinn“, d, h. der Sinn des natürlichen Menschen kann nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden. In Röm. 7 haben wir dann die Erfahrungen eines geübten Sinnes, der wiedergeboren, aber noch nicht zur christlichen Freiheit gelangt ist.

In Römer 12, 2 wird dann weiter von der Erneuerung des Sinnes gesagt, dass dadurch eine Umwandlung herbeigeführt wird. Der Gläubige, der sich Gott hingegeben hat, hat eine neue Denkart, denn er kann Dinge erfassen, die außerhalb des Sichtbaren liegen. Er kann die Liebe Gottes verstehen und erwidern, und er wird mit dem Himmel und der Auferstehungswelt vertraut gemacht. Das Erfassen dieser Dinge bewirkt, dass der Gläubige verwandelt wird. Er erscheint in einer neuen Weise, mit neuen Charakterzügen, er denkt besonnen über sich (V. 3), er sinnt nicht auf hohe Dinge, sondern hält sich zu den niedrigen (V. 16), er rächt sich nicht selbst, sondern überwindet das Böse mit Gutem (V. 19 - 21).

„Prüfet, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“. Der Wille Gottes besteht darin, dass wir unseren richtigen Platz in Verbindung mit unseren Mitgläubigen einnehmen. Wir sollen prüfen, ob wir unseren Platz unter den Gläubigen nach dem Maße unseres Glaubens ausfüllen. Gott hat einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt, und dieses Glaubensmaß sollte unseren Dienst, den wir unter denen ausfüllen, die „ein Leib in Christo“ sind, bestimmen.

Wenn wir einen Platz einnehmen, für den Gott uns nicht bestimmt hat, denken wir nicht besonnen, und Zusammenbruch und Demütigung werden die Folge sein. Andererseits ist es aber höchst wichtig, dass wir in unseren Gedanken nicht unter dem Maße bleiben, das uns zugeteilt ist. Es ist unsere Aufgabe, unseren Platz im Leibe zu erkennen und uns unserem Maße entsprechend zu Hause und bei allen Zusammenkünften der Gläubigen zu beteiligen. Das würde vollkommene Einheitlichkeit und ein völliges Zusammenwirken sichern.

Jeder hat seinen besonderen Dienst, und was in dem einen aus Glauben ist, hilft dem, was in dem anderen aus Glauben ist. Wir, die vielen, sind „ein Leib in Christo, einzeln aber Glieder voneinander“. Wie sind wir aufeinander angewiesen!

Doch wir sind ein Leib in Christo, nicht im Fleische. Unstimmigkeiten sind ein Beweis dafür, dass dem Fleische Raum gegeben worden ist.

Die Liebe sollte in unserem Verkehr miteinander alles beherrschen (V. 9 - 21). Ungeheuchelte Liebe und Herzlichkeit zueinander befähigen uns, in Ehrerbietung einer dem anderen voranzugehen; die Liebe wird uns veranlassen, an den Bedürfnissen der Heiligen teilzunehmen und nach Gastfreundschaft zu trachten. Wir sind dann imstande, uns zu freuen mit den Fröhlichen und zu weinen mit den Weinenden.

2. Unser Verhalten der Welt gegenüber

(Römer 13)

Die Regierungen in dieser Welt sind von Gott eingesetzt, und wir sollten uns der Obrigkeit unterwerfen, Steuern zahlen und allen geben, was ihnen gebührt. Es ist nicht unsere Sache, die Obrigkeit zu richten, sondern wir sollen aller menschlichen Einrichtung um des Herrn Willen unterwürfig sein. Das befreit uns von dem gesetzlosen Geiste, der die Regierungen verachtet. „Seid niemandem etwas schuldig, als nur einander zu lieben“. Dieser Schuld können wir uns niemals entledigen. Doch alle anderen Schulden, z.B. Steuern, müssen wir zahlen, wenn sie fällig sind. Sonst verunehren wir Gott.

Zuweilen können Gläubige durch Krankheiten, Unglücksfälle oder geschäftliche Notlagen in Umstände geraten, worin sie ihren Verpflichtungen nicht völlig nachkommen können. Die Mitbrüder haben dann eine schöne Gelegenheit, einzugreifen und in Liebe zu helfen.

„Der Tag ist nahe“ (V. 12). Wir sollten vom Schlaf aufwachen und nicht nach äußeren Zeichen in dieser finsteren Welt ausschauen, sondern den Tag erwarten, an dem Christus herrschen wird. Unsere Entrückung (1. Thess. 4, 14 - 17) findet vor dem kommenden Zorn, der großen Drangsal, statt (1. Thess. 1, 10; Offb. 3, 10), die dem Tage der Herrschaft Christi vorausgeht. Doch die Entrückung geschieht mit Blick auf unser Teilhaben mit Christo an Seinem Tage (1. Thess. 5, 1 - 3). Das große Zeichen für die nahe Wiederkunft des Herrn, dass in den Herzen der Gläubigen der Tag angebrochen und der Morgenstern aufgegangen ist. Deshalb sollten wir die Werke der Finsternis ablegen, die Waffen des Lichtes anziehen und anständig wandeln wie am Tage. Der Gläubige sollte nicht in den Lüsten des Fleisches wandeln, sondern mit dem Herrn Jesu Christo, der Sonne des kommenden Tages, bekleidet sein (V. 12-14).

3. Das Reich Gottes

(Römer 14)

In unseren gegenseitigen Beziehungen im Reiche Gottes unter dem Herrn ist auf „Schwache im Glauben“ besondere Rücksicht zu nehmen (V. 1). Ein Schwacher ist jedoch kein Gleichgültiger, der ausschweifend in den Lüsten des Fleisches lebt, sondern einer, der infolge mangelhafter Erkenntnis der Gnade Gottes sich ein Gewissen aus Dingen macht, die andere für völlig erlaubt halten.

Das Christentum macht uns frei von den Speisegesetzen und dem Beobachten von bestimmten Tagen im Alten Testament, weil es uns mit dem himmlischen Christus verbindet. Doch wir sollen Schwache tragen, zartfühlend gegen sie sein und ihnen keinen Anstoß geben. „Wer isst, verachte den nicht, der nicht isst; und wer nicht isst, richte den nicht, der isst" (V. 3). Die aus den Nationen waren geneigt, die Gläubigen aus den Juden, wenn sie nur das unter Gesetz ihnen Erlaubte aßen, zu verachten; und andererseits waren die bekehrten Juden geneigt, die aus den Nationen, die alles aßen, zu richten.

Wir haben auch heutzutage nicht alle dieselbe Gewissensfreiheit in solchen nebensächlichen Dingen. Gott ermahnt uns in diesem Kapitel, auf die Gewissensbedenken eines Bruders Rücksicht zu nehmen, dem Gesetzlichkeit noch unbewusst anhaftet, und wer Bedenken trägt, sollte den, der darin frei ist, nicht verurteilen. Dabei ist wichtig, dass wir alles „dem Herrn“ tun (V. 6). Wir alle leben dem Herrn und sterben dem Herrn (V. 8). Es gibt für den Gläubigen keine andere Art zu leben und zu sterben. Christus herrscht über Tote und Lebendige (V. 9). Welch eine Segens-Herrschaft ist das!

Im Reiche Gottes unterstehen wir alle dem Herrn, wie Paulus in 1. Kor. 9, 21 sagt, dass er Christo gesetzmäßig unterworfen ist. Deshalb sollen wir unseren Bruder nicht richten, noch ihn verachten. Wie ernst ist es, jemand zu richten, den der Herr aufrecht hält! „Der Richterstuhl Gottes“ wird erwähnt (V. 10), um uns davon abzuhalten, über Schwache abfällig zu richten. Vor Gottes Richterstuhl muss ich für mein Benehmen gegen Schwache Rechenschaft geben. Dort wird alles in vollkommener Weise untersucht und beurteilt werden. Das Richten liegt also in weit besseren Händen als den unseren. Manchmal ist es nötig, dass wir unsere Freiheit zu Gunsten anderer beschränken, damit wir unseren schwachen Bruder nicht betrüben. Doch das Reich Gottes besteht nicht aus unwesentlichen Dingen wie Essen und Trinken, worin wir uns Zurückhaltung auferlegen können, sondern das Reich Gottes ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geiste (V. 17). Wenn wir in Liebe und Rücksichtnahme aufeinander auf dem Pfad der Gerechtigkeit wandeln, gibt der Heilige Geist uns tiefen Frieden und viel Freude in unsere Herzen. Auf diese Weise dienen wir Christo, sind Gott wohlgefällig und den Menschen bewährt (V. 18).

Wenn wir unsere Leiber Gott dargestellt haben, sind wir bereit, nach Frieden und Erbauung zu streben, und nicht um einer Speise willen das Werk Gottes zu zerstören (V. 19 u. 20). Viele verharren jedoch in Dingen, worin sie nicht glücklich sind, und ihr Gewissen sie überführt, dass es falsch ist „Alles, was nicht aus Glauben ist. ist Sünde“ (V. 23). Wir sollten nicht in etwas verharren, was nicht mit dem Glauben vereinbart werden kann, son­dern sollten in allem, was wir tun, die Zustimmung Gottes haben.

4. Die Früchte des Evangeliums Gottes

(Römer 15)

Die schöne Gesinnung der Gnade, die uns in unseren gegenseitigen Beziehungen kennzeichnen sollte, führt uns dahin, dass wir die Schwachen im Glauben nicht nur unter uns aufnehmen und nicht verachten, sondern dass wir auch ihre Schwachheiten tragen (V. 1), denn wir sollten unserem Nächsten und nicht uns selbst gefallen.

Wir können in der Freiheit leben, aber uns selbst darin gefallen und Schwachen schaden. Wenn wir aber stark sind, sollten wir die Schwachheiten der Schwachen tragen und schwache Geschwister nicht verachten.

Geistliche Stärke erweist sich im Tragen von Schwachheiten und in Rücksichtnahme auf einander. „Denn auch Christus hat sich nicht selbst gefallen“ (V. 3). Es ist ergreifend und wirklich demütigend für uns, Ihn zu betrachten. Der Herr Jesus lebte nicht, Sich Selbst zu gefallen, sondern Er stellte Gott in Gnade dar und trug die Schmach und Verachtung der selbstgerechten Juden. So sollte der Pfad der Gläubigen sein. Wir sollten in Gnade miteinander wandeln, und Frieden und Eintracht sollten unter uns herrschen, damit Gott, der Vater, Sein Teil in unserem einmütigen Lobe bekommt (V. 6). Die Rücksichtnahme auf Schwache geschieht freiwillig, aus Liebe und nicht aus Zwang, was uns unter Gesetz stellen würde. Deshalb kann der Gesetzliche keine Rücksicht beanspruchen (siehe den Galaterbrief), sondern es muss die Frucht der Gnade sein.

Christus hat der Beschneidung und auch den Nationen gedient, damit ein gemeinsamer Lobgesang zu Gott emporsteigt (V. 8 - 11). Christus Selbst lobsingt Gott unter den Nationen. „Lobsingen“ in Vers 9 bedeutet „singen mit Musikbegleitung“. Unsere Herzen sind die Instrumente, mit denen der Herr Jesus Seine Lobgesänge begleitet. Da dürfen wir keine Misstöne hineinbringen und keine Unstimmigkeiten, keinen Groll hegen. Möchten wir alles derartige in der Kraft der Gnade wegtun.

Der Gott der Hoffnung möchte uns in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes überreich machen (V. 13). Gott wird Sein Ziel erreichen und Seinen Vorsatz unfehlbar durchfuhren. Angesichts der Schwachheit und Untreue der Glaubenden hält die Kraft des Heiligen Geistes diese Hoffnung in uns aufrecht. Deshalb können wir stets voll Freude und gutes Mutes sein.

Als Frucht der Gnade Gottes sind die Gläubigen in Vers 14 voll Gütigkeit, aber auch erfüllt mit aller Erkenntnis, so dass Gütigkeit mit Erkenntnis und Einsicht gepaart ist. Paulus war ein Diener Christi Jesu für die Nationen, doch er diente auch priesterlich am Evangelium Gottes, indem er das vor sich hatte, was für Gott daraus hervorging, nämlich Menschen in Christo Jesu, die geheiligt durch den Heiligen Geist und vom Fleische befreit, Gott angenehm für Seinen Dienst sind (V. 16).

Dann schreibt Paulus von seiner Tätigkeit; er hatte das Evangelium des Christus völlig verkündigt von Jerusalem an und ringsumher bis nach Illyrikum (V. 19). In Christo, dem Gesalbten Gottes, ist eine ganz unendliche Fülle, die gar nicht zu erschöpfen ist, und Paulus hatte Ihn in diesem ausgedehnten Landstrich völlig gepredigt. Nun wollte er auch nach Rom kommen und nach Spanien weiterreisen. Doch er wollte nach Rom „in der Fülle des Segens Christi kommen“ (V. 29). Er wollte ihnen dann die ganze Fülle des Segens Christi bringen, was über das Evangelium im Römerbrief hinausgeht und auch die Briefe an die Kolosser und Epheser einschließt, die Paulus später als Gefangener in Rom schrieb.

Die Beisteuer oder Hilfeleistung der Versammlungen aus den Nationen für die Dürftigen unter den Heiligen in Jerusalem, die Paulus nach Jerusalem bringen wollte ehe er nach Rom fuhr (V. 25 - 28), brachte die Wahrheit des einen Leibes praktisch zum Ausdruck. Paulus hatte die Liebe derer aus den Nationen für die Juden in Tätigkeit umgesetzt, und nun lag ihm daran, dass die Juden diesen Ausdruck der Gnade von Herzen schätzen möchten. Würden die gläubigen Juden dankbar diese Hilfeleistung aus den Händen der Nationen annehmen? Paulus wünschte, mit dem Gedanken nach Rom reisen zu können, dass dieses göttliche Band fest geschlossen wäre. Deshalb bittet er die Gläubigen in Rom, durch unseren Herrn Jesum Christum und durch die Liebe des Geistes, mit ihm in den Gebeten zu kämpfen, damit er von den Ungläubigen in Judäa errettet werde und dass sein Dienst in Jerusalem den Heiligen angenehm sei (V. 30 u. 31).

Wir sollten es uns recht angelegen sein lassen, alles zu fördern, was die göttlichen Bande unter den Heiligen festigt. Gefühle der Entfremdung sollten nicht aufkommen. Wie leicht machen sich persönliche, natürliche und nationale Gefühle geltend und erzeugen Unstimmigkeiten! Nur dadurch, dass wir verstehen lernen, dass die Gnade Gottes beiden Parteien zuteil werden muss, können wir davon frei werden. Der Gott des Friedens (V. 33) muss auf beiden Seiten des Risses wirken.

5. Die Grüße

(Römer 16)

Phöbe brachte den Römerbrief nach Rom, und Paulus empfiehlt, sie in dem Herrn der Heiligen würdig aufzunehmen und ihr beizustehen, „in welcher Sache sie euer bedarf“. Es kennzeichnete sie, dass sie „eine Dienerin der Versammlung“ war. Sie hatte den Heiligen bereitwillig gedient und vielen beigestanden, darunter auch dem Paulus selbst.

Wir sollten beim Schreiben von Empfehlungsbriefen bestimmte geistliche Züge hervorheben. Man kann sogar bei einem jungen Bruder oder bei einer jungen Schwester lobenswerte Eigenschaften nennen, wenn sie wirklich vorhanden sind. Herzenseinfalt, die viel aus dem Herrn macht, Sein Volk liebt und zum Dienen bereit ist, ist sehr anzuerkennen, ebenfalls Bereitschaft, von der Welt abseits zu stehen und mehr von der Kostbarkeit Christi kennenzulernen. Je geistlicher wir sind, desto mehr werden wir solche Eigenschaften schätzen, und es für angebracht halten, sie zu erwähnen.

Aus den vielen Begrüßungen in Römer 16 geht hervor, dass es in Rom eine Anzahl Männer und Frauen gab, deren Namen man mit diesem Briefe in Verbindung bringen konnte, weil ihr Leben mit seinem Inhalt in Einklang stand. Sie sind ein Beweis dafür, dass das, was Paulus geschrieben hat, keine bloße Lehre war, sondern es hatte in tatsächlich lebenden Männern und Frauen Geltung erlangt und eine Stätte in ihrem Leben gefunden.

Am Schluss des Römerbriefes werden diese 28 Personen von Paulus begrüßt, und ihre Namen werden im Anschluss an die kostbaren Wahrheiten erwähnt. Möchten wir alle unseren Namen neben die ihrigen setzen können!

Die Versammlung wird im Römerbrief nur in den Grüßen (Kap. 16) erwähnt, denn es handelt sich in diesem ganzen Brief um die Gläubigen als Einzelne. Doch diese Einzelnen waren in Rom wie auch in „allen Versammlungen der Nationen“ (V. 4) zusammen gebracht, um örtlich ihren gegenseitigen Beziehungen zu entsprechen. Doch das wird in den Korintherbriefen gezeigt. „Die Versammlungen der Nationen“ bestanden aus örtlichen Scharen von bekehrten Heiden, die die Gnade Gottes in Christo erfahren hatten und berufen waren, der Ordnung der Versammlung gemäß zu wandeln. In Vers 16 grüßen „alle Versammlungen des Christus“ die Gläubigen in Rom. Christus, der Gesalbte Gottes, hatte sie gebildet, es waren Seine Versammlungen, und Gott in Gnade hatte dort Seinen Platz und nicht der Mensch im Fleische.

Wir müssen die Ortsversammlungen als von Christo gebildet und unter Seinem Einfluss stehend betrachten. Satan hat von den frühesten Tagen an seine Werkzeuge in den Versammlungen gehabt und versucht, menschliche Gedanken wie Priesterherrschaft und dgl. einzuführen, entgegen dem, was unter göttlicher Belehrung gelernt worden war. Von solchen sollten wir uns abwenden (V. 17 u. 18). Wir sollten uns nicht durch ihre schönen Reden und süßen Worte verführen lassen, sondern alles von uns weisen, was die Wahrheit über die Person und das Werk Christi verdreht und das Evangelium Gottes zu etwas rein Menschlichem macht. Wir brauchen das, was offenbarlich gegen die Schrift ist, nicht kennenzulernen, denn Paulus schreibt: „Ich will aber, dass ihr weise seid zum Guten aber einfältig zum Bösen“ (V. 19).

„Die Offenbarung des Geheimnisses“ (V. 25) verbindet den Römerbrief mit dem Kolosser- und Epheserbrief. Die Wahrheit ist ein unteilbares Ganzes, keiner ihrer Teile ist unwichtig, sie gehören alle zusammen. Dem allein weisen Gott, der allein uns in Seiner Weisheit zu befestigen vermag, wird die Herrlichkeit zugeschrieben (V. 25 - 27).

Der allein weise Gott befestigt uns aber nicht nur durch das Evangelium des Paulus, das im Römerbriefe ausführlich beschrieben wird, sondern auch durch die Offenbarung des Geheimnisses, das in den Zeiten der Zeitalter verschwiegen war, jetzt aber geoffenbart ist und durch prophetische Schriften nach Befehl des ewigen Gottes kundgetan worden ist.

Der ewige Gott, der über die Zeitalter verfügt, hat die Offenbarung dieses Geheimnisses, das im Alten Testament verschwiegen war, für die jetzige Zeit der Versammlung vorbehalten. Es ist der ewige Vorsatz Gottes, den Er in Christo Jesu, uns­erem Herrn, gefasst hat (Eph. 3, 11), dass nämlich die Versammlung als ewige Gefährtin mit Christo vereinigt ist (Eph. 5, 32).

Doch das wird im Römerbrief nicht entfaltet, sondern Paulus hinterlässt am Schluss nur in unseren Seelen einen tiefen Eindruck von dem Geheimnis und wendet sich dabei anbetend an Gott. „Dem allein weisen Gott durch Jesum Christum sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen.“